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Zoo La Garenne, Le Vaud Einen besonderen Akzent im stark vergrösserten Zoo La Garenne im waadtländischen Le Vaud setzen bauliche Elemente aus Holz, wie der Empfangspavillon und eine Fussgängerpasserelle, welche die Gehege der Wölfe, der Luchse und der Wildschweine überspannt. Beide Bauten wurden mit Holz aus der Region errichtet. 1965   von einem pensionierten Zollbeamten gegründet und um die Jahrtausendwende noch von der Schliessung bedroht, beherbergt der Zoo La Garenne heute über 70 verschiedene Wildtierarten aus der Schweiz und aus Europa. Als Reaktion auf die wissenschaftlichen Fortschritte, welche die Grenzen in der Begegnung zwischen Mensch und Tier beinahe täglich verschieben, versucht man in La Garenne, ein Gefühl der Nähe zwischen den Besuchern und den im Zoo lebenden Tieren zu schaffen. So ist etwa das 28 m hohe Bartgeier- und Waldrappgehege, in welchem auch die Steinböcke leben, für die Besucher frei zu begehen. Absperrgitter rücken in den Hintergrund und sind kaum mehr sichtbar. Es bedurfte einer Bauzeit von zwei Jahren, um das abschüssige Gelände zu formen, eine Felswand mit einem Wasserfall anzulegen so-

Anlagenplan

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wie den Hügel auszuhöhlen und einen Aussichtsturm zu bauen. Obwohl die gesamte Anlage sehr natürlich wirkt, ist sie das Resultat eines sorgfältigen und genauen Plans. Mit seinen verschlungenen Pfaden und malerischen Aussichten steht der Zoo in der Tradition der englischen Gärten. Vom Aussichtsturm erspäht man durch das Laubwerk der Bäume hindurch in der Ferne den Gipfel des Mont Blanc. Auch der Empfangspavillon im unteren Teil des Zoos liegt in der gleichen Achse und verstärkt dadurch den perspektivischen Effekt. Der von Le Corbusier geprägte Begriff des Dachs als ‹fünfte Fassade› passt hervorragend auf die mit viel Liebe zum Detail gestaltete Überdeckung des Pavillons, der als länglicher, einfacher und einheitlicher Baukörper gestaltet ist. Seine Form ist jedoch komplexer, als es auf den ersten Blick scheint. Denn die Linien des Baukörpers sind gekrümmt und drücken dadurch nicht nur die Kraftlinien des Ortes aus, sondern lassen auch die umgebende Landschaft deutlicher zum Ausdruck kommen. Zwei Giebel spannen die von Norden und nach Süden ausgerichtete Dachfläche auf. Die Ostfassade ist gekrümmt und lässt das Gebäude mit den Umrissen des Platzes verschmel-

200 m

zen, welcher den Besuchern als Treffpunkt dient. Auf seiner Rückseite ist der Gebäudekörper subtil ausgehöhlt. Dadurch findet der Rundgang durch den Park eine kleine Verlängerung, und die Besucher können die ersten Eindrücke des Zoos noch intensiver auf sich wirken lassen. Der ganze Pavillon wird von einem gedeckten Aussendurchgang durchquert, der auch die Verbindung zur Kasse bildet. Den Platz auf der Südseite teilen sich das Restaurant und der Zooladen. Auf der Nordseite befindet sich das Mehrzweckgebäude ‹LaboGarenne›, wo für Schulklassen pädagogische Animationen, Filmvorführungen und Ausstellungen angeboten werden. Angebaut an einen der Giebel findet sich das Gehege mit den Spatzen, Igeln und Eichhörnchen. Die Faszination für die vielfältige Tierwelt hat sich auch auf die Architekten übertragen und schlägt sich in der Gestaltung des Pavillons nieder. Sein Erscheinungsbild ist elegant und entspricht eher einem Prunkgewand als einem Tarnanzug. Die Hülle besteht aus einer dreidimensionalen Struktur, welche klare geometrische Linien zeichnet. Die schrägen Stützen bilden Rahmen, welche ihrerseits die in Holzrahmenbauweise erstellten Fassaden-

Holzbulletin 119/2016  

Sommerziele

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