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Università degli Studi di Trieste Studiengang in Erhaltung der Kulturgüter Kunsthistorische Studienrichtung

STEVE KAUFMAN UND DIE POP ART

Bachelorarbeit

Autor: Serena Bobbo Erstprüfer: Prof. Massimo Degrassi Zweitprüfer: Prof. Maurizio Lorber

Akademisches Jahr 2013/2014


Inhaltsverzeichnis Einleitung Danksagung Kapitel 1: die Pop Art Der Ursprung Die englischen Vorläufer Die Spur und der Mythos des Konsums Die Serien Kapitel 2: Andy Warhol und die Factory Die Theorie Die Vermassung Die Erotik Übertretung und Zerstörung Die Symbole Kapitel 3: die zweite Factory und die „Second Generation” („Neo Pop Art”) Kunst und Hauptvertreter „Was kann man noch sagen―? Kapitel 4: Steve Kaufman Grew up in the South Bronx Das Graffiti Bei der Factory Das soziale Engagement Auf Wiedersehen New York: der Erfolg, die Porträts und Hollywood Zitate von berühmten Werken Die letzten Jahre: Was er hinterließ Schluss Anhang: Hauptvertreter der Pop Art Literaturverzeichnis Internetquellen

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Einleitung „Pop Art seeks to destroy art (or at least to do without it), but art rejoins it: art is the countersubject of our fugue. (Roland Barthes)1 Damals hatte den Ausdruck Pop Art für mich eine andere Bedeutung als die, die man heute benutzt. Ich verwendete den Ausdruck, wie „pop culture―, um die Produkten der Medien zu bezeichnen. Ich meinte nicht die Kunstwerke, die diese „popular culture‖ bezeichneten. Auf jeden Fall begann man den Ausdruck zu verwenden zwischen dem Winter 1954 und 1957.2 (Lawrence Alloway)

Mittendurch der 20. Jahrhunderts begannen die Menschen, Art zu erleben3. Diese interessante Definition erklärt ziemlich gut, warum Pop Art erfolgreich war und warum sie noch erfolgreich bleibt (vielleicht nur der Surrealismus ist genauso einflussreich wie die Pop Art). Pop Art wurde in den 1950er Jahren in Großbritannien geboren, wurde aber in den USA berühmt und dann verbreitete sich in Europa, Japan und Australien mit den Künstlern der zweiten Generation wie Steve Kaufman, Jeff Koons, Richard Price, Cindy Sherman u.a. Diese Künstler nahmen die Idee und Ästhetik, die Andy Warhol berühmt machte, um sie wieder zu interpretieren und im Kontext des historischen Moments zu bringen; Ein Moment, der sich damals änderte und noch gerade ändert. Es gibt keine andere internationale Kunstrichtung, die so lang dauert und die in allen bekannten Instrumenten, Genres und Medien dabei ist (und die gleichzeitig neue Stilen und Ausdrucksformen entwickelt), die in so wenige Sätze zusammengefasst werden kann. Die größten Künstler haben ihre Ideen immer mit Simplizität und Klarheit in ihrem Werken geäußert, doch sie waren selten gehört.

Roland Barthes, That Old Thing, Art Lucy R.Lippard, Pop Art, Mazzotta Milano 1967 3 Wayne Radcliffe, Art Gallery NSW - Australia 1 2

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Danksagung Prof. Massimo Degrassi Prof. Maurizio Lorber Für die Hilfe um die Literatur, Quellen, Data und Instrumenten zu sammeln, die ich für meiner Bachelorarbeit verwendet habe und auch für der Beitrag an meiner Arbeit und meinen Untersuchungen. Diana Vachier – Vorsitzende von ―Steve Kaufman Art Licensing, LLC‖ und ―American Pop Art, Inc.‖ Alberto Panizzoli – Ko-Vorsitzende von ―Steve Kaufman Art Licensing, LLC‖ und Direktor von ―American Pop Art, Inc.‖ Leslie Gonzalez – Media Relations, Communications und Strategy von ―Steve Kaufman Art Licensing, LLC‖ und ―American Pop Art, Inc.‖ Roberto Srelz – Journalist und Schreiber, Direktor von ―centoParole Magazine‖ weil er in mir geglaubt hat. Abschließend möchte ich mich bei denen für mich am liebsten Leute bedanken: Elena, Lorenzo und Marco, meine Familie.

Für Steve Kaufman.

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Kapitel 1: die Pop Art Der Ursprung Was ist Pop Art? Der Ausdruck bedeutet viel mehr dann die einfache Übersetzung „Volkskunst―. Andy Warhol sage: „Once you ‗got‘ Pop, you could never see a sign again the same way again. And once you thought Pop, you could never see America the same way again.‖4 Es ist wichtig, wenn Warhol „‘got‗ Pop― sagte. Damit meinte er eine totale Veränderung der Art, womit man die Zeichen besser hört, sieht und versteht. Auch Roy Lichtenstein behauptete: „Pop Art looks out into the world. It doesn't look like a painting of something, it looks like the thing itself.‖5 Die großen Künstler dieser Kunstrichtung gelten dem Publikum als Synonyme für „Amerika― (besonders den USA), aber Pop Art wurde (entweder als Tradition oder Schule) 1950 in Europa geboren, in der mondänen London. Der Ausdruck „Pop Art― wurde erst in den Diskussionen eines Kollektivs von Künstlern eingeführt, das „Independent Group― bei der London Institute of Contemporary Arts. Ein dieser „unabhängiger Künstler― war Richard Hamilton, der als der erste Pop Künstler anerkannt ist. Seine Definition des Ausdrucks Pop Art ist komplex: „Pop Art is: popular, transient, expendable, low-cost, mass-produced, young, witty, sexy, gimmicky, glamorous, and Big Business.―6 Hamilton ist oft zitiert, weil er das erste Pop Art Werk kreierte, die 1956 entstandene Collage Just What It Is That Makes Today‘s Homes So Different, So Appealing?. Ein Mann und eine Frau befinden sich in einem Zimmer voller Gegenstände der Verbrauchergesellschaft und fragen sie sich, was macht ihrem Haus „so anders―. Die Antwort liegt in einem roten Riesenlutscher (jener Lutscher, voll von Schokolade und Liquor, war in den 1930er Jahren geboren und wird auf Englisch ‚Tootsie Pop‗ genannt) in Hand des Mannes, woraus die Aufschrift ‚Pop‗ aus dem Rahmen kommt (hier ‚Pop‗ im Sinne von Explosion

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Andy Warhol, retrospective, Art and Bullfinch Press / Little Brown, 1989, pp. 457 – 467 Interview by G.R. Swenson (1963); as quoted in Painters on Painting, Eric Protter (1971) p. 263

Richard Hamilton, 1957 in a letter to Alison and Peter Smithson

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wie in ‚Popcorn‗, nicht im Sinne von ‚populär‗). Das war der Anfang der Kunstrichtung. In seinem Werk mischte Hamilton Bilder aus Filmen, Plakaten, Zeitschriften und Kunstgeschichte. Er mischte verschiedene Zeichentechniken, Materialen und sofort verfügbaren Sujets. Der Mann mittels des Zimmers scheint, als er auf uns zukommt. Er ist disproportioniert im Vergleich zu den anderen Gegenständen herum und ist keine realistische Figur. Die auf dem Sofa sitzende nackte Frau scheint, ihre Brust als Gegenstand unter allen Gegenständen anzubieten; auch sie ist nicht realistisch und disproportioniert. Auf einen ersten Blick scheint der Raum, durch alle alltäglichen Gegenstände des Alltags, als gemütlich zu sein, wird aber dann als klaustrophobisch wahrgenommen, weil er voller Gegenstände ist. Unter allen Gegenständen stecht der rote Riesenlutscher hervor, der das wichtigste Element des Bildes wird: Der Gegenstand, der verzehrt wird. Eine Collage von Richard Hamilton versteht man nicht nur durch der „Mythologies‖ von Roland Barthes; sondern auch, wenn man sich erinnern, dass der Autor „Die ArnolfiniHochzeit― bei der National Gallery in London schauen konnte.7

Das Werk wurde 9. August 1956 zum ersten Mal anlässlich der berühmten Ausstellung „This Is Tomorrow― in der White Chapel Art Gallery in London veranstaltet. Die Ausstellung wurde von dem „Independent Group― organisiert und beschäftigte sich mit den Themen der Stadt, der MassenkulturMythen und der neuen Technologien. Mittlerweile bildeten die amerikanischen Künstler in den USA eine Brücke zur Pop. Stark beeinflusst durch Dada und seine Nachdruck auf die alltäglichen Gegenstände benutzten die Künstler immer mehr die Collagetechnik, die Verbraucherprodukten und viele Ironie. Dadaismus („Dada―) ist eine 1916 in Zürich entstandene künstlerische Bewegung. Die Gründer waren eine Gruppe Intellektuellen, die den ersten Weltkrieg geflohen und in Zürich umgezogen waren: Hans Arp, französischer Maler, Bildhauer und Lyriker; Tristan Tzara, rumänischen Schriftsteller und Lyriker; Richard Huelsenbeck, deutscher Schriftsteller; und Hans Richter, deutscher Maler und Regisseur. 1924 wurde der Dadaismus durch eine andere künstlerische Bewegung ersetzt, der Surrealismus. Genau im Jahr 1924 veröffentlichte der französischer Schriftsteller André Breton das erste Manifest des Surrealismus, in dem er den Surrealismus als „reinen psychischen Automatismus―8 definierte. Mitglieder dieser Bewegung waren auch Hans Arp (der auch Mitglied des Dadaismus war); Joan Miró, spanischer Maler, Bildhauer und Keramiker; René Magritte, belgischer Maler; und Salvador Dalí, 7

Alessandro del Puppo, L’arte contemporanea. Il secondo Novecento, Einaudi Editore. Torino 2013

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André Breton: Erstes Manifest des Surrealismus (1924)

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spanischer Maler, Bildhauer, Schriftsteller, Bühnenbildner und Grafiker. Aufgrund der Vielschichtigkeit seines Werkes wird Emmanuel Radnitzky (1890-1976, auch „Man Ray― genannt) als Brücke zwischen dem Dadaismus und den folgenden künstlerischen Bewegungen betrachtet, kann aber nicht als Vertreter einer bestimmten Bewegung zugeordnet werden. Man Ray ist nicht klassifizierbar: Er ist kein Dadaist, kein Pop-Art-Vertreter, er soll nicht einer bestimmten Bewegung zugeordnet sein. Ein in New York ausgebildeter Graveur, Zeichner und Kartograph, Man Ray kannte die expressive Freiheit und entzog sich den akademischen Techniken, wobei er ständig neue und avantgardistische Techniken ausprobierte. Man Ray war ein Fotograf und die Fotografie spielte immer eine wichtige Rolle innerhalb der Pop Art und der folgenden Entwicklungen der Richtung. Ein gemeinsames Merkmal des Dadaismus und des Surrealismus war die Suche nach einer neuen ironischen, entheiligenden und provokatorischen Kunstmethode „ohne jede Kontrolle durch die Vernunft―9. Im Dadaismus kämpfte man gegen die traditionellen Bedeutungen der Wörter und die dadaistische Dichtung folgte keiner Regel, um die Tradition zu kritisieren. Im Surrealismus analysierte man die Beziehung zwischen Bildung und Sprache (z.B. das berühmte Pfeife10 von Magritte, wo man unter des Bildes der Pfeife die Aufschrift „Dies ist keine Pfeife― lesen kann) und dachte über die Realität und ihre Darstellung nach, besonders über den nicht immer so klar Grenz zwischen die beiden. Aber der Künstler, der die nachkommenden Pop Künstler beeinflusste, war Marcel Duchamp, besonders mit seinen „Ready-Mades―. Marcel Duchamp kam aus der Schweiz und zog 1942 definitiv nach New York. 1913 fertigte er sein erstes berühmten umgedrehten Fahrrad-Rad, das erste „Ready-Made―, die als die größte begriffliche Revolution des 20. Jahrhunderts und als ein Symbol der Gleichzeitigkeit gehalten wird. Fahrrad-Rad ist ein logisches Paradox: die Bewegung (das Rad) und der Stillstand (der Hocker). Die Industrie und das Handwerk, der Alltag und die Kunst. Das bedeutet „Ready-Made―: ein alltäglicher Gegenstand aus ihrem gewöhnlicher Kontext herauszunehmen und er als provokatorisches Kunstwerk auszustellen. 1917 schaffte er das Werk Fountain, ein Urinal aus weißer Majolika, das Duchamp um 90 Grad gekippt liegend präsentierte. Ein Urinal wurde zu einem Kunstwerk mit einigen kleinen Änderungen (das Umkippen, die Unterschrift, die Datierung) und wurde also als Kunstwerk präsentiert (es wurde von dem berühmten Fotograf und Kunstsammler Alfred Stieglitz fotografiert und in einer für die Situation veröffentlichen Publikation kommentiert). Es war ein Skandal und das Werk wurde natürlich abgelehnt. Duchamp, 9

André Breton: Erstes Manifest des Surrealismus (1924) Renè Magritte, Ceci n’est pas une pipe, 1926

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der den Pseudonym Richard Mutt benutzt hatte, trat eklatant aus dem Organisationskomitee aus, gab aber eine sehr klar Definition seines Gedankens: Es ist ganz nicht wichtig ob Mutt die Fontäne selbst gemacht hat oder nicht. Er hat sie ausgewählt. Er hat einen alltäglichen Gegenstand unseres Lebens ausgewählt und er so umformuliert, dass er seine alltägliche Bedeutung verliert und eine neue Bedeutung gewinnt.11 Konnte es die Erlösung der alltäglichen Gegenstände sein? Die Idee war revolutionär und die Kunst wurde nie mehr als zuvor sein. Fragmente der Realität begannen an der Kunst teilzunehmen. Eine andere Idee, die die Pop Art benutzte, war berühmte Werke anzuführen, wie z.B. das 1919 Ready-Made L.H.O.O.Q. von Duchamp. Es ging um die bearbeitete Reproduktion der Mona Lisa von Leonardo da Vinci. Hier wird kein gewöhnliches Kunstwerk angeführt, sondern das Meisterwerk für Antonomasie, die Weltkunstikone. Duchamps Veränderungen waren das Ergebnis einer komplizierten Strategie von Kommunikation und Metakommunikation, um einen zweideutigen Gedanke über die Kunst zu äußern (Mit diesen Veränderungen sage ich euch, dass es genügt, irgendwas als Kunstwerk zu bezeichnen, so dass es ein echtes Kunstwerk wird, aber vielleicht ist, was ich euch sage, nur ein Scherz12). Wie ist die Zeitgenossenschaft geboren? Die Avantgarden, wie sie man heute noch kennt, sind durch ein Paradox geboren, d.h. ihr Verfall wegen der europäischen Krisis, die zur zweiten Weltkrieg führte. Expressionisten und Surrealisten wurden in den USA gezwungen und sie gründeten in New York und Los Angeles einer solchen Bohème wieder. Sie wurden als Klassiker von einer künstlichen Kultur betrachtet, die noch an den sozialen Realismus zurückgeblieben war und die Entwicklungen der europäischen Modernisten nicht gekannt hatte. Mit dem Exil der Künstler in den USA wurde New York das Zentrum der künstlerischen Szene, einen Wendepunkt für die zeitgenössische Kunst. Die Kritik wurde immer mehr wichtiger und erschaffte Künstler aus dem Nichts, knüpfte sie an einer Strömung an und schlug sie als Ausdruck jener Richtung vor. Die amerikanische Kritik machte den abstrakten Expressionismus erfolgreich und Künstler wie de Kooning, Kline, Rothko und vor allem Pollock wurden als echte Fortsetzer der europäischen Avantgarden.

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Octavio Paz, Apariencia desnuda; la obra de Marcel Duchamp. Ebd.

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Kritiker wie u.a. Alfred Barr, Clement Greenberg, Harold Rosenberg versuchten zuerst die historische europäischen Avantgarden als echte moderne Kunst gegen die amerikanische öffentliche Meinung durchzusetzen, und dann die neuen amerikanischen Maler werden zu lassen, die einzige, die die Lehrer übertrafen. Die Gründung des abstraktes Expressionismus und seiner Legende war nicht nur das Ergebnis einer komplizierten kritischen Phase (von Idee aber auch von Promotion). Das Publikum musste diese Valorisierung genießen. Damit arbeiteten Kritiker und Galeristen zusammen, und eine „Allianz― zwischen Auftraggeber und Künstler zu schaffen. Die Kritik wurde zu Autor und der Geschäftsmann stellte den Ausstellungsraum zur Verfügung. Natürlich spielte der Künstler eine Rolle dabei, aber er wurde immer weniger wichtig, wie auch die Rolle des Publikums, das jetzt nur als „Außenseiter― betrachtet war, weil das Werk total unverständlich war.

Die englischen Vorläufer Nur in den 1960er Jahren wurde die Pop Art zu einer vorherrschenden Kunstrichtung, auch mithilfe der stärksten kulturellen Revolution, die die Gesellschaft erlebte. Die 1962 bei der Janis Galerie in New York veranstalteten Pop-Künstler (alle aus den USA, entweder dort geboren oder eingebürgert) waren Andy Warhol, Jim Dine, Robert Indiana, Roy Lichtenstein, Claes Oldenburg, James Rosenquist und George Segal. Ihre Kunst war zu populäreren Kommunikationsformen gewidmet, von Comics bis Werbung. Jasper Johns umformulierte populäre Bildmotiven wie die amerikanische Flagge; Robert Rauschenberg begann, den Siebdruck zu verwenden und stellte in seinen Werken die unterschiedlichen alltäglichen Gegenstände dar. Beide sind als Vorläufer der Pop Art betrachtet (Warhol behauptete auch: „Neither were they Abstract Expressionism, nor were they Pop: They were unique, in-between styles‖13). Duchamp, seine Gedanke und die Folgen davon haben ein unschätzbarer Wert, weil sie erlaubten, die Zeitgenossenschaft zu definieren, unabhängig vom komplexen Problem, die verschiedenen Periode zu unterschieden. Manche Werke von Warhol, die von Duchamp inspiriert wurden, waren Gegenstände, die anders verwendet wurden als ihren Zweck (z.B. Brillo Box, eigentlich eine reproduzierte Waschmittelpackung); andere Werke waren bearbeitete gewöhnliche oder nicht gewöhnliche Bilder (wie die aus Fotografien entnommenen Siebdrucken von Mao Zedong oder Marilyn Monroe und die verschiedenen Electric Chair). 13

Andy Warhol, POPism: the Warhol’ 60s, 1980

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Die Spur und der Mythos des Konsums Eine Kunst für das Jetzt auszudenken, ohne der Versuch, sie unsterblich oder ewig zu machen, oder zu mindestens, ohne die Anmaßung dieses Versuches, wäre undenkbar gewesen. Im Altertum wurde man Mythen und Idole entweder durch Rohstoffe aus der Natur kreieren (anthropomorphe Steine, heilige Pflanzen, Kultbilder) oder sie durch symbolische Bilder aus unserem Bewusstsein darstellen. Im Gegenteil wurde man jetzt Mythen und Idole aus Gegenständen machen, die vorgefertigt, oft mechanisch und vom Menschen gebaut sind, die ein Scheinbild einer künstliche Vision der Welt sind, aber nicht weniger realistisch. 1964 behauptete Roy Lichtenstein während einer Vorlesung: „Pop may be seen as a product of two twentieth-century tendencies: one from the outside – the subject matter; and the other from within – an esthetic sensibility. The subject matter, of course, is commercialism and commercial art; but its contribution is the isolation and glorification of ‗Thing.‘ Commercial art is not our art, it is our subject matter and in that sense it is nature; […] The aesthetic sensibility to which I refer is anti-sensibility – apparent anti-sensibility.‖14 Lichtenstein verwendete die ―Benday Dots― Technik (eine Drucktechnik, die 1879 von Benjamin Day entwickelt wurde. Farbige oder schwarz und weiß Punkte werden nahe aneinander oder überlappend gedruckt, um die Illusion der Farbe mit einer weißen Raum zu erzeugen) und die Technik von Comicbücher, um große Paneele zu machen. Oldenburg schwellte Hamburger bis zu unverhältnismäßigen Größe und veranstaltete Skulpturen von Essen und andere Alltaggegenständen. Rosenquist benutzte die Techniken des Plakatmalens um Werbeplakate, lächelnde Gesichte und bunte Autos. Die Pop Art war der Spiegel der Gesellschaft, sie wollte die sozialen Werte und die Umgebung widerspiegeln, und sie nicht umstürzen oder zerstören (während der Pop Art Periode spielten der Erste und Zweite Weltkrieg keine wichtige Rolle: der Krieg war immer da, er hatte nicht verschwunden und würde nie verschwenden, aber er war als fern wahrgenommen). Deshalb konzentrierten sich die Künstler auf die Sorgen der der Amerikaner: das Essen, Autos und Sex durch schockierende und stark satirische Bilder. Falls sie dafür kritisiert werden sollten, konnten sie antworten, dass sie nichts anderes getan hatten, als die Wirklichkeit widerspiegeln (eine Wirklichkeit, wo materielle Zufriedenheit die einzige Sorge 14Roy

Lichtenstein, Lecture to the College Art Association, Philadelphia, January 1964.

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ist.) Die Pop Art und die Pop Künstler waren ein ahnungsloses Spiegel einer Situation von Krisis und Fetischismus, die Amerika gerade erlebte. ‚Ahnungslos‗ denn Intellektuellen konnten nicht Werke ‚a priori‘ verwenden: Kunst ist natürlich ein Spiegel der soziale Situation eines Landes, aber sie kann nicht dafür programmiert und verwendet werden, sonst riskiert sie ihre expressive Autonomie zu verlieren und ein Mittel der politischen Propaganda zu werden.

Die Serien Am 9. Juli 1962 veranstaltete Andy Warhol Campbell‘s Soup Cans bei der Ferus Gallery in Los Angeles. Das Werk bestand aus eine Serie von dreiunddreißig Bildern, die alle dasselbe Sujet repräsentierten: Suppenkonserve. Die Ausstellung der Bilder erinnerte ein bisschen und vielleicht absichtlich an die Regale eines Supermarkts. „When you think about it, department stores are kind of like museums.―15 Durch dieses Werk reflektierte Warhol über den subtilen Unterschied zwischen Kopie und Original und zeigte gleichzeitig das industrialisierte Ästhetik und das ästhetisierte industrielle Produkt. Marcel Duchamp sagte darüber: „If you take a Campbell soup can and repeat it 50 times, you are not interested in the retinal image. What interests you is the concept that wants to put 50 Campbell soup cans on a canvas‖16. Warhol verwendete dieses Sujets mehrmals: In Big Campbell‘s Soup Can wurde die Dose größer; in Small Campbell‘s Soup Can wurde sie kleiner, usw. Er realisierte auch 200 Campbell‘s Soup Cans, Big Torn Campbell‘s Soup Can und Campbell‘s Soup Can with Can Opener. Einige Jahre später realisierte er eine andere Serie mit einer Coca-ColaFlasche. Auch in dieser Serie wurde das Sujet mehrmals repräsentiert, um die ikonische Status zu festigen und das Kontakt mit der Realität zu verlieren. Andy Warhols revolutionäre Factory half der Kunst einer neuer Periode definieren und warf neues Licht auf Ideen, die mit der Massenproduktion der Werke, dem Ruhm und dem Künstler verbunden waren. Bei der Factory wurden Siebdrucken (wie z.B. Marilyn Monroe und Elvis, unter den berühmtesten Werken des 20. Jahrhunderts) mit industriellen Methoden realisiert, während Musiker, Schauspieler und Schriftsteller unter den Bildern Andy Warhol, America, Harper & Row, New York 1985 Rosalind Constable, ―New York‘s Avant-garde, and How It Got There,‖ New York Herald Tribune, May 17, 1964, p. 10

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herumzogen, oft durch einem narkotischen Rauch umwölkt. Die Packung, die Dose, die Flasche und der Behälter waren erfolgreich, nicht nur weil der Verbraucher zum Kunde wurde, denn er diese Gegenstände-Ware kannte; sondern auch durch die emotionale Bindung zwischen dem Fan und dem repräsentierten Star. In der Pop Art hat sich das Werk an das Objekt-System angepasst und der Künstler selbst ist einen Verbraucher, einen ‚verbrauchten Verbraucher‗, der nochmal eingreift und etwas Ästhetisches realisiert. Es ist ein künstliches Prozess, das auch durch das Wiederaneignung der alltäglichen Gegenstände passiert. Der Konsum in der Pop Art geschieht durch die Diffusion der Konsumprodukte. Alles wird in einer Dimension katapultiert, wo alles schon und kontinuierlich passiert ist, wo das Präsens wieder Vergangenheit wird. Die Neuheit des Präsens wird in der Vergangenheit durch den Mythos des Neuen fortgeschleppt; alles ist schon passiert und verbraucht – kontinuierlich, in einem stetigen Wiederanfangen. Die Zeit existiert nicht mehr und die Popularität der Gegenstände scheint als die Wiederholung eines Zeichens. Das Zitat ist die Pop Form der Verbreitung der Werke und die Kursierung der Konsumprodukte, die sich aufeinander hinweisen (z.B. Coca Cola, so bekannt wie die Mona Lisa). Das Wert eines Konsumgegenstände legt in das Zeichen des Konsums, nicht in seinem Konsumwert17

Carolina CARRIERO, Il consumo della Pop Art. Esibizione dell‘oggetto e crisi dell‘oggettivazione, Jaka Book, Milano 2003

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Kapitel 2: Andy Warhol und die „Factory” Am 22. Februar 1987 starb Andy Warhol und Keith Haring sagte, dass Warhol der erste echte weltweit Künstler gewesen war, und seine Kunst und Leben hatten die Konzepte von Kunst und Leben des 20. Jahrhunderts verändert.18

Andy Warhol, eigentlich Andrej Warhola, war am 6. August 1928 in Pittsburgh in einer slowakischen Familie geboren. Sein Vater, Ondrej Warhola, arbeitete schon in den USA und 1921 kamen seiner Frau und Kinder. 1945 begann Warhol sein Studium am Carnegie Institute of Technology in Pittsburgh und 1949 machte er seinen Abschluss in Malerei und Design. Dann zog er nach New York, wo er in den 1950er Jahren zu einem der gefragtesten Werbegrafiker und Grafikdesigner wurde. Seit den ersten Jahren schien seine Karriere als immer erfolgreich zu sein. Anfang der 1960er ließ Warhol sich von Comics, Werbe und die Lebensmittelprodukte inspirieren. Am 9. Juli 1962 wurde er ein Pop Künstler, mit der Ausstellung von Campbell‘s Soup Cans. Aus den vielen Mythen über Warhol kann man verstehen, dass er ein Künstler war, der den Kontakt mit Menschen brauchte und der immer mit seinen Augen auf der Suche nach etwas war. Deshalb brachte Warhol seine Kamera zu fast jeder Party mit. Oft nannte er die Kamera seine „Freundin― und 18

Keith Haring, Diari, Mondadori, 2001

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damit realisierte er Close Ups, Fotos ohne Hintergrund und starke Porträts – oft (und vielleicht falsch) als Vorbereitungen für seine Bilder betrachtet – von den bekanntesten Menschen der Zeit (John Lennon, Sylvester Stallone, Dennis Hopper, Liza Minnelli, Diana Ross); den Transvestiten von New York; Warhol selbst. In Warhols Malerei wird der Mensch selten repräsentiert, aber in seiner Fotografie suchte Warhol immer nach den Menschen. Vor Andy Warhol hatten viele Künstler Hilfskraft gehabt, die die Werke skizzierten, den Hintergrund vorbereiteten und sogar am Schaffen des Werks teilnahmen. Aber bei der Factory wurde die Gruppe größer, bis sie zu einem kleinen Unternehmen wurde. Man betrachtet sie als eine Entourage, aber Warhol lehnte die Klassifizierung ab: „People thought it was me that everyone at the Factory was hanging around…but that‘s absolutely backward. It was me who was hanging around everyone else. I just paid the rent.‖19 Auch wenn das Publikum die Idee der Factory mochte, veränderte Warhol sie später. Für ihn war sie ein „Büro―, eine Kunstgesellschaft, wo er und die „Jugendlichen― arbeiteten. Die Factory erlaubte ihm Gemälde und Filme zu schaffen, Erzählungen oder ein Philosophiebuch zu veröffentlichen, Theaterstücken aufzuführen, Albumlogos zu gestalten, Videos oder FernsehenWerbung zu realisieren, mit Models zu arbeiten.

Die Theorie Die multimediale Dimension, die die ästhetischen Intuitionen Warhols kennzeichnete (Malerei, Filmkunst, Bücher, Zeitschriften, Fernsehen) hatte eine gemeinsamer Nenner, eine ikonische Hauptquelle: die USA. Warhol war der Künstler, der sich am meisten für die Erkennbarkeit als kontinuierliche Frage über die Kunst und die Realität gesorgt hat: „Ist, was wir sehen, nur Realität oder ist es vielleicht auch Kunst?―, wobei er das klassische Konzept umstürzte, als ob er meinte, dass Kunst ist, was sie ist, wegen der Rahmen und nicht wegen der Produkte.20 Anfang der 1960er Jahre hatte das abstrakte Expression an Kraft verloren. Um erfolgreich sein zu können, sollte die Rebellion gegen die Orthodoxie verschiedene Forme annehmen. Für Warhol wurde diese Rebellion mit einigen Künstler, die für ihn ideale Modelle darstellte: Robert Rauschenberg und Jasper Johns.

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The Andy Warhol Diaries, Pat Hackett, Warner Books 1989 Ebd.

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Die erste externe Inspirationsform Warhols war der Comic. Einerseits brachten die Helden der Comics ihm zu seiner einsamen und introvertierte Kindheit zurück, anderseits führten sie ihn zu einer kalten und leidenschaftslosen Ästhetik, die er schon bei der „Dada― von Johns und Rauschenberg gesehen hatte („New Dada―, charakterisiert durch das Gebrauch moderner Materialien und Sujets der Popkultur sinnlos abgelehnt). Die Comic-Motive scheinen als etwas banales, sind aber der Widerschein der psychologische Spannung des Künstlers auf der Suche seiner Identität. Sie sind Helden, deren zentrales Symbol die Umwandlung, der Übergang von einem zu dem anderen, ist: Batman, Super Man, Popeye, Dick Tracy. Außerdem sind alle männliche Figuren, eine Projektion des homosexuellen körperlichen Verlangens.

Die Vermassung Ein Werk unendlich zu reproduzieren war schon eine Basis der Pop Art, aber nur mit der Factory wurde diese Technik effektiv. Besonders in den USA wurden Amerikaner und Gegenstände mythisiert. Pop Art schien als die einzige Realität zu sein. Für diese Generation Pop Art war nicht mehr ein Problem oder eine Wahl: sie war die einzige, was sie kannten.21 Andy Warhol war der einzige, der die Kritik nicht verteidigte. Er behauptete, dass es wunderschön wäre, wenn man den Siebdruck mehr verwenden würde. So könnte man nicht sicher sein, ob es ein Bild Warhols oder ein anderes war.22 Wenn man schockiert antwortete, dass eine solche Praxis die ganze Kunstgeschichte verändert könnte, nickte er nur und sagte, dass es so war. Warhol gab den Brillo-Boxen und Campbells Suppenkonserven den Status einer Ikone. Deswegen überzeugten sie sich viele Stars, dass ein Porträt von Andy Warhol ihnen das Status einer Ikone geben konnte und ihrer fliehender Ruhm helfen, ewig zu werden. Das beste Beispiel dafür ist The American Man, ein Porträt von Watson Powell, Vorsitzender einer Versicherungsgesellschaft und ein der ersten, der Warhol einen Porträt bestellte.

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Andy Warhol, The Philosophy of Andy Warhol, Harcourt Brace Jovanovich, 1975 Ebd.

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„The reason I'm painting this way is that I want to be a machine, and I feel that whatever I do and do machine-like is what I want to do.‖23

Warhol versuchte die Komplexität der Beziehung zwischen das Sujet und die zeitgenössische Welt auf der „Surface― zusammenzufassen. Er begann verschiedene Techniken zu verwenden und die Redeweisen und Identitäten der Sujets zu verstecken. Er war einer der ersten, der die Fotographie in der Pop Art verwendete. Er wandelte Bilder aus Werbeplakaten und Zeitschriften in seinen berühmten Siebdrucken. Damals schätzte man Fotos als etwas kurzlebig, nicht verkaufbar und deshalb nicht interessant für Galerien, doch Fotos waren für Warhol einen Startpunkt für ein Kunstwerk. Kameras haben Warhol sein ganzes Leben begleitet. Seine Fotos sind nicht sehr berühmt, sind aber eine wichtige Etappe der Geschichte der Fotographie. Er arbeitete als Regisseur und Filmproduzent, und bezog in einem solchen Spiel alle seiner Bekannten ein. Er gebrauchte die Mechanismen und Regeln jenes Lebensstils für seine eigenen Ziele.

Die Erotik Marilyn Monroe starb am 5. August 1962. Sie war ein Symbol und die Welt war auf ihren Tod schockiert. Die Pop Art Künstler verarbeiteten die Trauer mit einem unendlichen Tribut, und Warhol war der einzige, der ihres treusten Bild realisierte. Warhol glaubte, dass niemand einen anderen Menschen gut kennen konnte. 23

What is Pop Art? Answers from 8 Painters', Part 1, G. R. Swenson, in Art News 62, November 1963

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Er war überzeugt, dass niemand die „echte― Marilyn kennen konnte, sondern nur ihres Image und ihre Status als Sex Symbol (wie wir ein Produkt kennen, d.h. aus seiner Packung, seines Brand). Er entfernte sich vom Menschen und Schöne durch eine wirkliche Umwandlung des „ich―, d.h. den Namen, den Haar, die Stimme und das Image. In Warhols Siebdrucken kann man die Mechanismen beobachten, die das Image (und die Ästhetik) der Zeitgenossenschaft beherrschen: Hier sind die Stars keine echte Menschen mehr, sondern verführende und erotische Figuren oder Konzepte, die man nur als Bilder besitzen kann, weil sie unfassbar sind. Von 1962 bis 1964 realisierte Warhol dreißig Siebdrucken Marilyns mit einem Foto von Frank Powolny, das für die Werbung den Film „Niagara― benutzt wurde. Marilyn als „Mensch― gibt im Foto nicht: sie ist total erkennbar, ist aber nicht sie, sondern sie ist die Ikone. Warhol konzentrierte sich auf das Gesicht der Schauspielerin und dabei wurde die Aufmerksamkeit auf das Symbol, nicht den Körper. Später konzentrierte er sich nur auf die Lippen Marilyns (Marilyn Monroe Lips). Die Lippen waren nicht so schön um sie zu küssen, sie waren aber schön zu fotografieren.24 Das erotische Interesse war nicht nur am Gesicht der Schauspielerin gewendet, sondern auch am Make-up. Warhol verwendete dabei verschiedene Farbvariante, die die Lippe zu einer kaum erkennbaren Maske wandelten.

Marilyn stellte zwei grundsätzliche und eng verbundene Begriffe für Warhols Ästhetik dar: die Schönheit und die Maske. Für mich ist Marilyn eine Person wie die anderen. Und wenn man mir fragt, ob sie mit bunten Farben eine symbolische Geste ist, kann ich nur antworten, dass mir interessierte nur ihre Schönheit. Marilyn

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Andy Warhol, The Philosophy of Andy Warhol, Harcourt Brace Jovanovich, 1975

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ist schön. Für ein schönes Sujet braucht man schöne Farbe. Das ist alles.25

Übertretung und Zerstörung Im Begriff „Surface― fasst Warhol die symbiotische Komplexität des Sujets und der Welt. Dabei verwendete er verschiedene Technike und versteckte die Redeweisen und Identitäten der Sujets. Die „Surface― erlaubt Warhol, sich der Pop Kultur näher zu kommen und ein gemeinsames Verständnis für Ästhetik für ein ganzes Jahrzehnt zu entwickeln, wie ein „Niemands Land―, wo die Kunst eine tarnende, einfache Dimension zurückbekommt. Warhol verwandelte Marilyn in einem Symbol des Fetisch-Körpers, wobei er das Verlang des populären Mythos der Schönheit und des Erfolgs repräsentierte. Marilyns Körper wurde zu Marke, Maske, Make-up, Augen und Mund. Der halbgeschlossene Mund erinnert an die Verführung des Objekt-Körper, die Augen an eine schon aufgebrauchte Sexualität: Augen und Mund deuten eine sexuelle Zustimmung an. Trotz hatte sich Marilyn schon angeboten, weil wie Marilyn zu sein bedeutet ein Star zu sein, d.h. schon zerstört und zu Marke geworden. Die Pop Art betonte etwas, dass schon bewusst war: man wird nicht mehr die echte Marilyn kennen, nur ihres Image. Norma Jeane Mortenson existiert nicht mehr, nur Marilyn Monroe. Mit der Darstellung von ihren Fotos bildete Warhol den Stereotyp des Stars anstatt seiner Glanz, und der ist, was der Zuschauer/Verbraucher will. Im Produkt findet der Verbraucher, was er will und braucht. Andy Warhol hat immer die Beziehung zwischen seine Werke und das Geld angegeben. Er hat als Werbegrafiker, Maler, avantgardistischer Regisseur, TalentScout, nonkonformistischer Fotograf und im Fernsehen arbeitet – er war nicht nur ein Künstler, sondern ein solcher „Hauptfigur der Kunst―, der mit der Elite aber auch mit dem Underground arbeiten konnte. Eine Figur, die ein solches Kunstideal in der zeitgenössischen Kultur darstellte. In seinen Werken kann man am deutlichsten sehen, die Beziehung zwischen der Avantgarde und der Massenkultur und zwischen der symbolischen und der ökonomischen Dimension der Gesellschaft. Bevor Warhol konnte man sich nicht vorsehen, dass eine Werke fast sofort zu einem medienwirksames Event und Geld wurde.

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Klaus Honnef, Warhol

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Die Symbole Als er als Werbegrafiker arbeitete, kannte Warhol die zeitgenössische Kunst nicht, die Anfang der 70er Jahre noch von das Abstrakte Expressionismus dominiert war. Aber die Begegnung mit Leo Castell, damals der wichtigste amerikanische Galerist, änderte seine Kunst. Warhol beschloss ein „zeitgenössischer Künstler― zu werden und seine Kunst zu verändern. Natürlich Werke wie Campbell‘s Soup Cans wies auf der Werbung hin: aber sie konnten als Werke betrachtet werden, weil sie in einer Galerie ausgestellt wurden. Künstler und Zuschauer sind irgendwie verbunden, und in Warhols Fall beitrug diese Verbindung, Warhol zu einem Protagonist und später eine Ikone der Zeit zu machen. Warhol und seine Publikum kannten dieselben Dinge, wurden von denselben Dingen aufgeregt. Warhol behauptete: „Nowadays if you're a crook you're still considered up-there. You can write books, go on TV, give interviews— you're a big celebrity and nobody even looks down on you because you're a crook. You're still really up-there. This is because more than anything people just want stars.‖26 ―[…]Further, we must realize that if Pop Art depersonalized, it does not make anonymous: noting is more identifiable than Marilyn, the electric chair, a telegram, or a dress, as seen by Pop Art; they are in fact nothing but that: I immediately and exhaustively identifiable, thereby teaching us that identify is not the person: the future world risks being a world of identities (by the computerized proliferation of police files), but not of persons.‖27

Warhol setzte einen Schlusspunkt hinter die Überzeugung, dass eine Kunst ohne Verbindung mit Geld eine „höhere Kunst― war: „Noncommercial art has given us Seurat's "Grande Jatte" and Shakespeare's sonnets, but also much that is esoteric to the point of incommunicability. Conversely, commercial art has given us much that is vulgar or snobbish (two aspects of the same thing) to the point of loathsomeness, but also Dürer's prints and Shakespeare's plays.―28 Warhol war der, der die Kunst von einer Epoche zu der anderer bracht.

Andy Warhol, The Philosophy of Andy Warhol, Harcourt Brace Jovanovich, 1975 Roland Barthes, That Old Thing, Art… 28 Erwin Panofsky, Stil und Medium im Film & Die ideologischen Vorläufer des Rolls-Royce-Kühlers, Fischer 1999 26 27

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Kapitel 3: Die zweite „Factory” und die „Second Generation“ („Neo Pop Art”) Pop Art starb nicht nach den 1960er Jahren aus. In den 1980er Jahren interessierte man sich wieder für Andy Warhol und die andere Pop Art Künstler und eine „Second Generation― entwickelte sich. Sie war keine neue künstlerische Bewegung, sondern eine „überarbeitete― Form der Pop Art der 1960er Jahren, auch „Neo Pop Art― genannt. Man verwendete noch Stars, Ikonen und Symbole der Massenkultur, aber nicht nur von der Massenkultur der 1960er Jahren, sondern von unseren alltäglichen Leben.

Kunst und Hauptvertreter Neo Pop Art ist keine echte Kunstrichtung, sondern eine neue Methode um diese neue Künstler einzuordnen, die sich von dem Minimalismus, der Konzeptkunst, dem Fotorealismus, der Ausstellungen und der „Perfomance Art― inspirieren lassen. Pop Art repräsentierte eine Trennung und den Anfang einer neue Epoche; Neo Pop Art ist keinen neuen Stil, sondern nur eine (manchmal dramatische und kontroverse) Entwicklung der vorherigen Generation. In den ersten Jahren war es üblich auf die Tierwelt hinzuweisen, wie man in den Werken von Jeff Koons, Keith Haring und Damien Hirst sehen kann. Die Zwangsvorstellung, Tiere darzustellen, kann man in den Hunden von Haring und von Koons und in den Formaldehydpräparaten vom Hirst beobachten. Ein anderes Merkmal der Second Generation ist die psychologische Abschätzung, die man im Werk finden kann. Diese psychologische Abschätzung kann sowohl durch die Anerkennung der Absicht (wie in Puppy von Jeff Koons) als auch durch den Gebrauch von Sujets, die den Zuschauer stören (wie in Werken Hirsts, wo der Künstler pessimistische Titel und widerliche Sujeks verwendet) beobachtet werden. Die „alte― Pop Art war nicht so provokatorisch (obwohl Warhol das Konzept des Todes in Werken wie Death and Disaster [1962-1963] untersucht hatte). Auch Keith Haring (1958 geboren) wird als Pop Künstler betrachtet, obwohl seine Werke nur am Ende der 1970er Jahre und Anfang der 1980er 20


Jahre offenbar wurden. Seine Wandgemälde ließen sich von seinen Vorgängern und ihre Revolution inspirieren. Die kennzeichnende Flachheit seiner Werke, die oft an Cartoons vergleicht werden konnten, wurde oft mit politischen und sozialen Nachrichten gefüllt. Harings Wandgemälde funktionierte als eine neue Form des populären Ausdrucks, d.h. die Street-Art. Junge Künstler begannen die Wände zu malen, fast als ob sie Soldaten waren, obwohl sie es gern machten. Diese jungen Künstler hatten von den Vorläufern gelernt und kombinierten die Pop Art mit dem Graffiti, um Ideen zu sammeln durch die Wiederholung einer sozialen Nachricht. Ihr Ziel war mit den Leuten zu interagieren und eine Ausstellung in einer Galerie war oft nur einen Traum.

“Was kann man noch sagen”? In der Neo Pop Art entwickelte sich die Idee des „Ready-Mades― weiter, womit das Ready-Made eine Basis, um das Endprodukt zu schaffen ist und wo man auf die Pop Ikonen der Zeit zurückgreift (Michael Jackson, Madonna, Britney Spears, Paris Hilton, usw.). Die Neo Pop Art Künstler lassen sich von den Medien inspirieren und beeinflussen, aber die Medien werden auch ein Mittel, um Werke zu promoten. Die Neo Pop Art kritisiert die westliche Kultur und ihre Werte, Beziehungen und Interaktionen; sie macht sich lustig über die Stars und teilt kontroverse und aufreizende Ideen. Mit der Pop Art wurde die Massenkultur (Filme, Fernsehen, Comics und Werbung) für das erste Mal nicht nur als künstlerische Sujet, sondern auch als Ästhetik, danach die Künstler suchen. In solchen Fällen nach dem Jahr 2000 hat sich die Neo Pop Art vielleicht eine dunklere Entwicklung gehabt, wo Künstler unsere Lebensart stark kritisieren und auf unsere Ängste und Zwangsvorstellungen zurückgreifen.

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Kapitel 4: Steve Kaufman Grew up in the South Bronx „Hi. I‘m Steve Kaufman. I grew up in the South Bronx. I was doing graffiti art. I was arrested when I was fifteen and the judge sentenced me to clean nine subway cars. […]‖29 Steve was a big man, around 6‘5 feet tall and with strong physique. But he was not as strong on the inside as he looked from the outside. Sometimes he liked to pretend to be play the big bad guy, but he was a sweet and generous man that always carried with him the child he had once been. His accent was terrible, with a strong Bronx and Brooklyn inflection. He spoke in a colloquial way and did not pay that much attention on manners. And he never changed – he never tried to change and did not want to change. He never tried to look like someone he was not. And he always thought outside the box. I met him in 2000 and worked with him until 2010, the year he died.30

1960 – Steve Alan Kaufman wurde in Bronx, New York City geboren. Er verbrachte eine schwere Kindheit wegen den sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen seiner Familie, mit der er ein gutes aber reserviertes Verhältnis hatte. Er war ein solcher „Sohn der Kunst―, weil viele Verwandte Kunst mögen, entweder Figurative Kunst (seine Mutter), Bildhauerkunst (seine Onkel) oder Musik. They told me that to be an artist means to constantly change and I tried […] I tried all the different forms of art I came into contact with and today I work with fifteen different styles. Art should be meant as a change. A lot of artists work with only one method and through only one means for their entire career, but I don‘t want to get bored. They taught me that camvas is the only thing you can paint on.31

1968 – Mit der Hilfe einer Jüdischen Gemeinschaft in Bronx realisierte er manche Gemälde über das Holocaust, die wurden später an das Museum of Steve Kaufman, Coffee Table Book , Steve Kaufman Art Studio – 2009 Diana Vachier , Presidente di Steve Kaufman Art Licensing, LLC and American Pop Art, Inc.; www.americanpopartinc.com, novembre 2014 31 Steve Kaufman, Coffee Table Book , Steve Kaufman Art Studio – 2009 29 30

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Jewish Heritage of Brooklyn gegeben. „I was about 23, 24 years of age at the time.[…] I think he was probably 8 years of age. I need to think of that, but that's probably how old he was. I made a commitment to be with him every other weekend for two years.[…] I would go up to the Bronx. He lived up in the Bronx in a very small apartment in Riverdale. Nice area. I would take the subway up to 231st Street, walk up this unbelievable hill, I remember Johnson Avenue, to his house and see his mom, his sister, his brother, and Steve. Steve and I would take off. […]I can close my eyes, and I'm like back there. When I think about it, and it's quite a number of years later, I somehow wonder where did the mom and the sister sleep? It must have been either a sofa bed, or maybe there was one other room that I wasn't aware of. Steve and his brother shared a bedroom, a small bedroom. They're both tall boys. Even though they were young, they were tall.‖32

1972 – Steve war zwölf Jahre alt und arbeitete bei Macy‗s und malte dafür Hunde und Katze über Pet Rock33.

Das Graffiti 1975 – Steve nahm an einer kollektiven Ausstellung von Graffiti Art bei dem Whitney Museum of American Art in New York teil. Graffiti ist die erste Kunstform, die Steve verwendete. Er war fünfzehn. „I was arrested when I was fifteen and the judge sentenced me to clean nine subway cars. They took us chained and cuffed to this gallery where an old man would yell at us to build wooden frames for his artist. Well, from that day on, I realized what art was. I mean, I was creating art and I just didn‘t realize it.‖34

Bei der Factory 1978-1981 – Steve Kaufman besuchte die School of Visual Arts in New York (SVA). Während seines Studiums lernte er Andy Warhol kennen und wurde zu seinem Assistenten bei der Factory. Andy Warhol begann, er „SAK― zu nennen und später signierte Steve Kaufman aller seiner Werke mit „SAK―. Er organisierte Themenabende bei der populäre Diskotheken New Yorks, wie zum Beispiel Studio 54 und The Mudd Club; Er verkaufte seine Werke zu berühmten Persönlichkeiten wie Calvin Klein und Steve Rubell. Bei der School

Robert (Bob) Michelson, Steves ―Big Brother‖ in der soziale Programm „Big Brothers Big Sisters of America―, dass versuchte, ein „Big Brother― oder ―Big Sister‖ für Kinder ohne Eltern zu finden. Aus einem unveröffentlichten Interview von Diana Vachier– http://www.stevekaufmanart.com/aboutthesite/robertmichelson.html 33 Ein erfolgreiches Spielzeug der 1970er Jahre, 1975 von Gary Dahl erfunden. Nach einem kurzen aber großen Hype um Pet Rocks sank das Interesse an ihnen. Seit 2012 werden sie wieder von einem Hersteller in den Vereinigten Staaten vertrieben. (https://de.wikipedia.org/wiki/Pet_Rock) 34 Steve Kaufman, Coffee Table Book , Steve Kaufman Art Studio – 2009 32

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of Visual Arts lernte er auch Keith Haring kennen, mit wem er später an einer Ausstellung bei der Club 57 teilnahm. Steve und Keith waren Freunde und trafen sie sich oft.35 Steve Kaufman Van Gogh & Andy

„I had my first show when I was eight years old, but I didn‘t know what art was. I was just doing it for the one hundred bucks. I ended up working for a guy named Andy Warhol. I said, ―Mr. Warhol.‖ He said ―Oh, ‗Mr. Warhol.‘ You finally found out who I am, huh?‖ I said, ―Yes, I did. I am so sorry for giving you so much grief.‖36 „I know he worked for Andy Warhol. I knew he was doing the film screen and stuff like that for the screenprinting. That was Steve's job, because he was fast and very good at it. Andy liked him because he was fast at cutting the film and putting it together […] Steve told me when he first started to work for him, that he did not know who Andy was because it was just a job. Andy was not famous then […] But {Steve] said it was a great experience, and he had a good time working for Andy and learned a lot about silk screening prints. […] He was working for Warhol for about two years, maybe a little more […] I think it was an important part of his life, because Steve was proud of it […] The Warhol Estate challenged Steve for saying that he worked for Andy Warhol. People knew that he worked there, and they proved it. So Steve got the paperwork for the Warhol Estate saying he has the right to say he worked with Warhol.‖37

1982 – Er realisierte die Graphik für Saturday Night Live des NBC und beendigte seine Studium bei der School of Visual Arts. Er hatte Ausstellungen bei der Air Gallery in London und stattete (wie Dalí) die Schaufenster von White Freud und Fiorucci in New York. 1983-1985 – Er wurde zusammen mit anderen Demonstranten gegen das AIDS in New York festgenommen, weil er gegen den damals Bürgermeister protestiert hatte. Er organisierte die Ausstellung „Sex, Rock & Roll― bei der OffCentre Gallery in London. 1986-1988 – Er öffnete das SAK Studio; er begann eine Aufklärungskampagne über das Thema AIDS. Die Ausstellungen „Condom http://www.americanpopartinc.com/steve-kaufman und http://www.stevekaufmanart.com/aboutthesite/bobwomack.html 36 Steve Kaufman, Coffee Table Book , Steve Kaufman Art Studio – 2009 37 Interview mit Bob Womack (http://www.stevekaufmanart.com/aboutthesite/bobwomack.html) 35

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Art― fanden bei der Main Fine Art von Glasgow, dem Edinburgh College of Art, der Smith Gallery von Sacramento statt. He did not feel left out just because he had not attended a specific school. He would not think about it. His friendship with Keith Haring had been important, but he did not talk about it much. Steve was very exuberant but when it came down to his personal feelings he was very reserved. He was a simple person, not a pretentious one. He was the type of man who would wear the same white t-shirt every day, who would always have a big warm smile on his face. I cannot tell what would have happened had he moved to Europe, maybe to promote his art in the French or German museums. They probably would not have understood him. They would have liked the man—it was impossible not to—but maybe they would not have taken him seriously. They would have considered him too strange. They surely would not have doubted his value as an artist, but they would have looked at him strangely the whole time.38

1989-1990 – Er stellte Obdachlose in seinem Studio in New York an, wobei er sein soziales Engagement fortsetzte. Er realisierte auch die Porträts von drei Obdachlosen, die später auf den Bussen in mehr als vierzig amerikanischen Städten gezeigt wurden. Er vollendete einige unfertige Porträts für Kunden von Andy Warhol. Er realisierte das erste Wandgemälde Racial Harmony in Harlem, um auf die Probleme in der Stadt aufmerksam zu machen. Die Ausstellung dazu fand in der White Gallery in London statt, wo alle Werke mit schwarzen Tüchern gehüllt wiurden, um die Opfer des AIDS zu erinnern. Er organisierte auch eine andere Ausstellung bei der Loft Gallery in Tokio.

Steve Kaufman, Double Crying Girl gets married

1991-1992 – Kaufman verwendete vier alte U-Bahn Zügen und die Wände von verlassenen Gebäuden und vollendete fünfundfünfzig Racial Harmony Wandbilder mit Malcolm X Bilder. Er trat auf FoxTV, MTV und Radioshows auf. Er bekam die Auszeichnung „Underground Artist of the 38

Diana Vachier, www.americanpopartinc.com, ottobre 2014

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Year―. Er entwarf ein AIDS Gedenkmal in New York. Er arbeitete mit amerikanischen Stars des Fernsehens, der Musik und der Filme, wie Eddie Murphy und Larry Mullen von U2. 1993-1994 – Er zog seine Art Studio nach Los Angeles und entwickelte ein neues Stil, „Comic Book Pop Art―, wo er originale Bilder von Superhelden wie Super Man, Batman und Spider Man verwendete. Er stelle auch mehr als hundert Jugendliche aus den Los Angeles Gangs. Er unterstütze viele Wohltätigkeitsvereinen und wurde später vom Bürgermeister Riordan eine Auszeichnung erhalten.

Das soziale Engagement „I moved to LA fifteen years ago [in 1993-1994]. And when I first moved here, I noticed the sunshine and everything. And we were hiring at that time, kids from South Central, whatever, East LA. So they had an attitude and I had an attitude, and they realized I wasn‘t bugging. After that, they chilled out. This is pretty much the last stop for these kids. They‘ve been in and out of jail once or twice. So when the parole officers drop them by, or their moms or whoever drops them by, or their cousins bring them in, this is really the last stop. I have kids that come up to me that no one would ever hire. Because the reality is, to me, that‘s the only reason I hire them. […] I get to paint. […] You give, you get. I mean, it‘s kind of like what we do with these kids. You get, they give you a little drama. They test you. You put them to work. And that‘s what it‘s all about: just giving. Just being there and doing it. What we want to do is set up locations in Las Vegas, Chicago, similar to what we do here in LA where we hire the kids, we put them to work. If I die tomorrow, I‘m definitely blessed. That‘s what it‘s all about, just giving back.‖39 „[…]We had lots of people that we hired when we were in North Hollywood, even the homeless. Steve used to have this basketball and hoop for kids to play after school. [He] would put up signs all around the street that if you went to school, you get a basketball or something like that. […] He did stuff like that, and it was fun. The kids loved it.‖40

Steve Kaufman widmete sein ganzes Leben und Karriere als Künstler an das soziale Engagement. Er realisierte Werke um auf manche Probleme wie AIDS (die „Condom Art― Ausstellung), Toleranz oder die Terroranschläge am 11. September aufmerksam zu machen. Er versuchte Jugendlichen zu helfen, Steve Kaufman, Coffee Table Book , Steve Kaufman Art Studio Interview mit Bob Womack (http://www.stevekaufmanart.com/aboutthesite/bobwomack.html) 39 40

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die im Gefängnis gewesen waren und die Probleme hatten, ein neues Leben zu beginnen. Er half sie immer auch anlässlich von Ausstellungen und künstliche Events. I remember that once we agreed to sell one of his hand-painted jackets—it was one of the forms of art he promoted, a form of expression he liked and that he used to […] self-promotion as well (Imagine a 6‘5 feet tall man while he paces around an art fair with a white jacket on completely covered with Pop elements!). I had found a good customer and had called Steve to discuss the details, as agreed. And he told me: ―you‘re going to kill me but… I don‘t have that racket anymore. I gave it to a kid. He didn‘t ask for… but he liked it so much‖. Steve had attended a charity event for physically disabled kids and seen that the kid wanted the jacket, so he gave it to him. That was Steve: he always asked you if you were okay, if you had money and if you needed something.41

Steve Kaufman errichtete „Give Kids a Break―, eine Einrichtung, die Jugendlichen half, sie einen Job zu geben und deshalb sie vom Gefängnis fernhielt. Die Jungendliche sollten die Bilderrahmen und die Farbe vorbereiten: Sie waren Steves „junge Assistenten―. Für fünfzehn Jahre kümmerte sich „Give Kids a Break― um mehr ein tausend Jugendlichen.42

Auf Wiedersehen New York: der Erfolg, die Porträts und Hollywood 1995 – Er veröffentlichte Werke für Martin Lawrence Limited Editions: Es geht um limitierte Werke, die eine neue Bedeutung der von Kaufman schon entwickelte „Handverschönerung― gaben. Er kreierte limitierte Auflagen von Beethoven und von Marilyn Monroe und erstellte Porträts von Muhammad Ali und John Travolta. Arbeitete mit Stan Lee.43 1996 – Kontaktierte die Sinatra Familie um ein Porträt von Frank Sinatra zu zeichnen. Er wurde von Campell's kontaktiert und gebeten, eine limitierte Auflage für deren 100. Geburtstag anzufertigen. Er malte Muhammad Alis Gesicht auf 500 Boxhandschuhe um zu demonstrieren, dass Kunst nicht zwingend auf der Leinwand geschehen muss. Er zeichnete ein Ali Porträt für die Olympischen Spiele 1996. Für das erste Mal signierte Ali die Edition mit seinen beiden Namen. Sein Muslimischer Name Muhammad Ali und sein gebürtiger Name, Cassius Clay44. Diana Vachier, www.americanpopartinc.com, ottobre 2014 www.americanpopartinc.com, November 2014 43 US-amerikanischer Comicautor und -redakteur. Er machte aus dem kleinen Verlag Marvel Comics ein großes Medienunternehmen. 44 Muhammad Ali gehörte zu den bedeutendsten Schwergewichtsboxern und herausragenden Athleten des 20. Jahrhunderts. Im April 1967 wurde Ali der Titel aberkannt, nachdem er sich 41 42

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Jimi Hendrix, Collage

„[…] And I‘ve done paintings of Picasso, Superman and Batman. These days, I‘m doing paintings of rock and roll—Jimi Hendrix, John Lennon—and actually putting my art on couches, even, as well as electric guitars. […] I had a show when I was twelve at Macy‘s doing paintings on pet rocks. Imagine me being twelve years old, people bringing me photographs of their doggies—or their dogs—and I would draw out their dog or cat on a pet rock. I mean, when I was a young kid, I would go to auto shops and het broken windshields and paint my friends‘ faces like they hit the broken windshield. Or I would paint on garbage can lids. Or I would paint on tree trunks. My first show was on tree trunks. It was my uncle who really helped me. I sounded like a genius, being eight years old and saying I painted the Jewish Holocaust on this circle that represented the year of the Jewish Holocaust, explaining this to an adult. I sounded like a genius, but I really didn‘t know what I was talking about. I was eight years old. […]‖45

1996 – Er ehrte Beethoven und Mozart durch eine Serie limitierte von Hand gemalten Auflagen mit der Technik der Ölmalerei. Eine Version von Mozart befindet sich bei den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim; Eine zweite Version, Mozart State II 1997, befindet sich beim Mozarts Wohnhaus in Salzburg. „[…] And, why not? I grew up in the South Bronx with nothing. I‘m still that kid. I met Picasso when I was a very young kid. I must have been eleven. He was hitting on my mom at the time. And then there were many different phases. I mean, I painted like Van Gogh when I was in the Van Gogh Museum in Europe. They have a restaurant in Amsterdam—it‘s a very strange place, but they paint the walls white every two days. Artists come in there and challenge each other to see who paints the most outrageous painting. And your meal is free if you‘re the best artist. And whenever I walk in, they go, ‗Oh, the American‘s back.‘ And I‘d be painting Marilyn Monroe or Albert Einstein. With food, not even with paint. I‘d be rubbing the food into the walls. And people would be freaking out. And I‘ve never had to pay for a meal there.‖46

geweigert hatte, den Wehrdienst anzutreten. Als ausschlaggebend für seine Entscheidung nannte er zum einen seinen Glauben. 45 Steve Kaufman, Coffee Table Book , Steve Kaufman Art Studio – 2009 46 Steve Kaufman, Coffee Table Book , Steve Kaufman Art Studio – 2009

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2000 – Hatte einen Herzanfall. Sobald er sich wieder wohl fühlte, nahm er die Arbeit wieder auf, fast ohne über den Herzanfall nachzudenken. Er veröffentlichte Sinatra, Rat Pack, Al Pacino als Der Pate und Scarface, Howard Stern, Barbie und zwei neue Marilyn Monroe47 Editionen. Ebenso veröffentlichte er Van Gogh und Picasso in einer neuen 100% von Hand gemalten Edition.

Steve Kaufman, Marilyn Monroe

Ikone: Die Marilyn Monroe Edition wurde für Hugh Hefner (Gründer von Playboy) realisiert und von ihm unterschrieben; Das amerikanische Show „The Girls Next Door― zeigte die „Playboy Mansion―, Hefners Haus, wo sich sechsundsiebzig Werke von Steve Kaufman befand. Hefner hatte sie wegen der Farbe, der Energie und der Fröhlichkeit ausgewählt, die die Werke in seinem Haus brachte. 47

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2001 – Wenige Künstler haben so viele Stile wie Kaufman erfunden: 2001 kreierte er zwei neue Stile („Portrait Collage― und „Museum Art―) die seine 14. und 15. Stilrichtung wurden. Der „Portrait Collage― Stil kommt in seinem Rat Pack, Hollywood Marilyn, Van Gogh und Jackie Kennedy besonders zur Geltung, in dem er eine Kollage an Bildern zum eigentliche Gemälde hinzufügt. „Museum Art― beinhaltet ein Bild zum Gedenken des 11. September, welches der Helden des Angriffs auf das World Trade Center gedenkt. Er realisierte auch eine Serie Bilder (6x153 m), die der 35. Jahrestag des Caesars Palace in Las Vegas.48 „[…] Until just recently, those [architectural] eras were considered the height of kitsch, but now they have become history. Collections of fetishes and ―memorabilia‖ can be seen in the hotelcasinos, such as the series of murals by artist Steve Kaufman which decorate the inside of Caesars Palace […]‖49

2002 – Er spendete das Prinzessin Diana Porträt der Elton John AIDS Stiftung. Er startete ein neues Programm in dem er seine Ikonen Bilder in den ganzen USA veröffentlichte, womit sich jeder daran erfreuen konnte. Unter den Bilder gibt es ein Muhammad Ali Porträt, ein Sinatra Porträt in der Hofstra University und ein Marilyn Monroe Porträt bei der Foundation Fighting Blindness in Columbia.

„A quitter never wins, and a winner never quits‖ […] [I] had a stroke three years ago. […] You know what? Each day you wake up and you sit there and you go ―It‘s a good day.‖ […] I‘m having so much fun. I mean, you don‘t go in there and say, okay, this sells, I‘m going to make ten more of that. I‘m not into that. […] I capture Die Bilder befindet sich im Caesars Palace, das berühmte Casino Las Vegas, womit sich jeder daran erfreuen konnte. Aber er realisierte auch eine Fender Gitarre von drei Metern hoch für das

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Rock and Roll Hall of Fame Clevelands. Giovanna Franci, The Myth of the Grand Tour and Contemporary Mass Tourism Imagination: the Example of Las Vegas, Università di Bologna 49

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icons. I paint people. […] I‘ve done paintings of 9/11. And had all the names of people that passed away from 9/11. It‘s not always doing something that‘s popular. It‘s doing something from the heart.‖50

2003 – Erleidete einen schweren Schlaganfall nach der Art Expo in New York. Er schaffte es kaum sich zur Ausstellung in Las Vegas zu erholen, der von Robin Leach veranstaltet wurde. Der damalige Bürgermeister von Las Vegas, Oscar Goodman, ehrte Steve Kaufman und erklärte den 21. Mai 2003 zum offiziellen Steve Kaufman Tag in Las Vegas. Er traf Präsident Clinton auf einer Party für Künstler, deren Kunst in der privaten Büro Sammlung von Clinton hängt. 2004 – Erstellte und veröffentlichte das Porträt von Präsident Clinton. Wies verschiedene Werke zu und der Ertrag ging zu „Give Kids a Break―. Da er sich wieder krank fühlte, war er gezwungen seine Malerei und seine Ausstellungen stark nachließen. 2005 - Führte Uniques ein, eine Serie mehrere Originale seiner bekanntesten Ikonen: Marilyn, The Rat Pack, Frank Sinatra, The Beatles, Einstein, usw. Papst Johannes Paul II genehmigte ein Gemälde von sich selbst in seinem Büro im Vatikan aufzuhängen. Er malte limitierte Auflagen um Geld für die Hurricane Katrina Opfer zu sammeln. Malte ein Bild eines Mercedes SLR McLaren zu Ehren des 100. Geburtstags von Mercedes-Benz. 50

Steve Kaufman, Coffee Table Book , Steve Kaufman Art Studio – 2009

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„I create one-of-a-kind, special images of my favorite icons from Marilyn to Frank Sinatra to The Beatles to Las Vegas, etc. I never like to create an original by using the same image and simply varying the size. Instead, I try to combine as many of my different styles as possible to create an image that is truly an original, over the years, I‘ve worked hard to step out of the box and create things that are different: paintings on boxing gloves, hand-painted motorcycles, on original wooden screen doors, […], office buildings, […], cigar boxes, […], cars and jackets.‖51

2006 – Als er sich wieder besser fühlte, füllte er seinen Terminkalender gehörig mit weiteren Ausstellungen mit New York, Las Vegas, Washington, D.C an. Er führte Mini-Heart Paintings als Geschenk für alle Kinder die bei seiner Ausstellung waren. Er kreierte wieder einzigartige Originale die exklusiv auf seinen Shows verkauft wurden. 2007- Setzte seine Ausstellungsreihe in New York, Washington, D.C, Denver, Maui, Toronto und Europa fort. Erstellte eine Serie Uniques von Red Bull, um das berühmtestes Energy-Drink der Welt zu honorieren. „[…] We traveled a lot together. England, Scotland, Japan. Switzerland, Amsterdam, Germany. Steve had also been to Paris. Ireland, all over the U.S., Canada, and Hawaii. […] Nothing for the fun of it. It's basically for doing shows. I was only [in Japan] once with Steve. Steve had been there about five times or something like that, maybe six times. […]People see me as Steve's long time best friend […]. Never really been separated because of the business or from each other, ever. We always worked together. We traveled together. We did a lot of things together. Shows, benefits, adventures. […] it was always Steve and I.‖52

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Steve Kaufman, Coffee Table Book , Steve Kaufman Art Studio – 2009 Interview mit Bob Womack (http://www.stevekaufmanart.com/aboutthesite/bobwomack.html)

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2008 – Alle Werke Kaufman wurden an der 8. Annual Exhibition bei der Centaur Art Galleries in Las Vegas veranstaltet, zusammen mit Werken von Neiman, Rockwell, Picasso, Chagall und Dalí. Die „Las Vegas Convention and Visitors Authority― organisiert eine Ausstellung für den 4. Juli, wo Kaufman seine Kunstglas Werke enthüllte und die neuen Coca-Cola und Apple iPod Kampagnen präsentierte. 2009 – Führte eine Serie Coca-Cola Bilder als Geschenk für die „Pop Culture Gallery― bei die „The World of Coca Cola― in Atlanta, Georgia. Nahm an einer 6-tägigen Kunst Ausstellung in der Stanfield Galerie beim Sundance Film Festival teil, wo 100 Kinder den Galerie Gang mit einem Pop Art Sujet zu bemalen halfen. Das ganze Event wurde für einen unabhängigen Film für den Sundance 2010 aufgenommen. Dann eine Ausstellung in der Galerie Tysons Corner, Virginia. Für die Academy Awards kreierte Bilder basierend auf den Filmen The Curious Case of Benjamin Button, Frost/Nixon, Milk, Der Vorleser und Slumdog Millionär. „I don't know why Steve did [sign on the back]. Steve said, ―The art is what you want to see. Not the artist's signature.― [He signed] SAK […], the first letters in his name, [but also the nickname Warhol gave him]. […] Sometimes he's signing two times just because people want to see him sign it again.‖53

2010 – Am 12. Februar 2010 hatte Steve Kaufman einen tödlichen Herzanschlag in Vail, Colorado, während er eine Ausstellung organisierte. Seit einiger Zeit fühlte er sich nicht gut und deshalb konnte er nicht mehr allein arbeiten. Aber er konnte auch nicht aufhören, er versuchte noch zu arbeiten, kämpfen, lachen, leben und kreieren. Kaufman starb nicht in der Stille und fast zufälligerweise wie Warhol. Er starb bewusst und schrieb: „This is what I live for... I had a great life, so please don't cry for me. I've had the life of 100 men.―54

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Interview mit Bob Womack (http://www.stevekaufmanart.com/aboutthesite/bobwomack.html) Steve Kaufman , holographisches Testament (American Pop Art, Inc)

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Nach seinem Tod wurde seine Kunst in Mai 2012 in einer historischen Ausstellung veranstaltet, „Writing As an Image, Writing Within an Image‖. Die Ausstellung fand beim Andy Warhol Museum of Modern Art in Medzilaborce (eine Stadt im äußersten Nordosten der Slowakei und der Geburtsort Warhols) statt. Die Ausstellung wurde auch in „This is POP ART!‖ zusammengefügt, eine große Ausstellung von mehr als neunzig Werke von Pop Künstler aller Welt beim „Museum of Passion― in Valladolid, Spanien. 2013 wurde seine Kunst in „Pure Pop Art― zusammengefügt, eine Ausstellung von weltweit berühmten Künstler u.a. Andy Warhol, Roy Lichtenstein und Robert Indiana bei Marcos Valcárcel Centro Cultural in Ourense, Galicien, Spanien. Seit Juli 2014 gehört sein Bild Mozart State II, ein im Jahr 1997 erstelltes Wolfgang Amadeus Mozart Porträt, zur Ausstellung bei der Internationale Stiftung Mozarteum, Mozart offizielles Museum und Haus in Salzburg. Steve Kaufman ist der erste amerikanische Künstler, der diese Auszeichnung erhielt. Anlässlich des Debüts von „Christmas with the Rat Pack from Las Vegas― wurde Rat Pack 2013 im Foyer Teatro Politeama Rossetti, Sala Assicurazioni Generali, in Triest, Italien veranstaltet. Das folgende Jahr präsentierte die Stadt Triest, zusammen mit American Pop Art Inc (Rechtinhaber von Steve Kaufman) die Ausstellung „Pop Art in Trieste: Steve Kaufman, the former assistant to Andy Warhol― in Sala Veruda, Palazzo Costanzi. Die Ausstellung zeigte dreißig Werke aus wichtigen Sammlungen und wurde von Kunstkritiker Vittorio Sgarbi eingeführt. In November 2014 wurde eine andere Ausstellung beim Museo Casa Enzo Ferrari in Modena organisiert, „Icons of Pop Art, Then and Now―. Sie sammelte die besten antiken Sportwagen mit renommierten Werken von Steve Kaufman und anderen Pop Künstler (Steve Kaufman malte eine Serie Ferrari im Jahr 2006). Das Event wurde von Kritiker Philippe Daverio eingeführt.

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In Mai 2014 wurde Barbie 1997, ein Uniques Kaufmans, in „Barbie Around the World‖ zusammengefügt, eine an der bekanntesten Puppe der Welt gewidmete Ausstellung bei der Barbara Frigerio Contemporary Art in Mailand. In Sommer 2014 wurden fünfzehn originelle an Ikonen der Musik gewidmeten Bildern anlässlich des Events „Icons of Music: Then and Now― beim Casa della Musica in Grado, Italien veranstaltet.

Warhol then and Now, Museo Casa Enzo Ferrari

Zitate aus berühmten Werken Am Anfang befinden sich die Pop Art Sujets außerhalb eines Kontexts: Sie existierten in einem leeren Raum, wo sie keine metaphorische Bedeutung hatten. Das Sujet (attraktiv, interessant und wenn Frau auch wünschenswert) wurde zu einer Ikone, die man an der Wand hängte und tageslang zuschaute. Wenn das Sujet ein Objekt war, wurde es zu einer Ikone, die man kaufen musste, weil es etwas bekannt war, etwas die man „haben musste―. Kaufman vermenschlichte die Sujets durch das Einziehen einer Farbe oder eines graphischen Elements, so dass der Zuschauer sich näher fühlte. Das Bild links ist das bekannte Die Geburt des Venus von Andrea Botticelli. Mittel ist Venus (griechisch Aphrodite, „die Meerschaumgeborene―), die römische Göttin der Liebe, des erotischen Verlangens und der Schönheit. Von links naht der Windgott Zephyr in Begleitung seiner Ehefrau Chloris. Er bläst der soeben aufgetauchten Venus den Westwind zu und treibt sie damit ans Ufer. Dort wartet der weibliche Genius des Frühlings, um Venus in ein blumenbesticktes Gewand zu hüllen. Es geht um ein klassisches, antikes Thema. 35


Steve Kaufmans Venus ist nicht nackt (während der Renaissance symbolisierte die Nacktheit eine Entfernung von irdischen Guten), sondern sie versteckt ihre Nacktheit und Reinheit mit modernen Markentaschen. Man kann sich ausdenken, was die Taschen behalten: Make-Up, Handy und alles, was eine Frau des 20. Jahrhunderts in ihrer Tasche braucht. Ein anderes Venus Bild, aber dieses Mal es geht um ein Zitat vom Bild von William Adolphe Bouguereau. Das originelle Bild beschreibt die Landung der Venus am Strand von Zypern. Hier findet man neuen Elementen: der Delfin, die Putten und die hellen Farbe. Das Weiß unterstreicht die Unschuld und die Sensualität der Venus, die eine Göttin „aus Fleisch und Blut― ist. Die Venus Kaufmans ist natürlich ein Zitat, aber das mythologische Element fällt aus und eine moderne Element wird eingesetzt: CocaCola. Kaufman betonte das spielerische Element durch die Einsetzung Coca-ColaFlaschen. Venus selbst hat eine Flasche in Hand. Das Coca-Cola Marke steht oben links. Durch die Einsetzung der CocaCola-Flaschen brachte Kaufman die Harmonie des Bildes durch.

„Haben Sie das gemacht?― „Nein, Sie!―55

Kaufman zitierte auch Guernica. Das Bild ist ein der bekanntesten Gemälden Picassos und es entstand als Reaktion auf die Zerstörung der spanischen Stadt Guernica am 26 April 1937 während des Spanisches Bürgerkrieges. Der Luftangriff tötete über 1600 Menschen. Guernica stellt das Dialog zwischen Picasso und deutscher Kunstlehrer und Diplomat Otto Abetz in Paris, 1944, als Abetz Guernica anschaute.

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Blutbad dar und zeigt am deutlichsten das soziale Engagement Picasso, wie nie bevor. Das Werk gehört zu dem Kubismus und das Sujet wird gleichzeitig von mehreren Perspektiven gezeigt, so dass der Zuschauer das Terror und die Angst fühlt.

Steve Kaufman schaffte eine getreue Kopie des Bilds Picasso, ein „wörtliche― Zitat aus Picasso. Das Sujet und die Farbe sind gleich. Aber er band auch ein Picasso Farbporträt ein. Durch dieses Werk ehrte Kaufman der Künstler Picasso aber auch die Opfer des Blutbades, um sie nicht zu vergessen. Ein anderes Beispiel eines Zitats ist Mona Lisa, aber Kaufman ist nicht der einzige, der das bekannte Bild Leonardo da Vincis zitierte: Auch Duchamp, Dalí und Andy Warhol hatten das Bild angeführt. Die Faszination für das Bild ist vielleicht in dem geheimnisvollen Lächeln Lisa Gherardinis enthalten. Auch hier setzte Kaufman moderne Elemente wie die Coca-Cola Flasche und ein iPad.

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„Dies Bild stellte ein Landschaft bei Port Lligat dar: die Felsen lagen in einem transparenten, melancholischen Dämmerlicht, und im Vordergrund stand ein Ölbaum mit abgeschnittenen Zweigen ohne Blätter. Ich wusste, dass die Atmosphäre, die zu schaffen mir mit diesem Landschaft gelungen war, als Hintergrund für eine Idee, für eine überraschendes Bild dienen sollte, aber ich wusste noch im mindesten, was es sein wurde. Ich wollte schon das Licht ausknipsen, da „sah― ich plötzlich diese Lösung. Ich sah zwei weiche Uhren, von denen eine kläglich über dem Ast des Ölbaums hing.―56

Die Beständigkeit der Erinnerung, auch Die weichen Uhren genannt, ist ein 1931 entstandenes Ölbild von Salvador Dalí, die 1932 veranstaltet wurde. Es repräsentiert das Vorbeigehen der Zeit, mit drei Uhren, die außer ihrem üblichen Kontext dargestellt sind. Dalís Werk gilt als Darstellung eines Traums, eine Welt, wo absurde und beunruhigende Situationen geschehen. Das Bild war eine Einladung, um zu sehen, was nicht da ist. Manchmal ist nicht, was man sieht, was es scheint. Man sieht eine Uhr über einem Ast, aber es konnte eine zerfließende Uhr sein. Wie mit Guernica, wollte Steve Kaufman ein Künstler ehren, der ihn fasziniert und inspiriert hatte. Und er band ein Dalí Porträt ein, wie er mit Picasso gemacht hatte. Der einzige Unterschied sind die Farbe: Kaufman verwendete buntere Farbe (sie erinnert vielleicht an die Farbe in Munch Der Schrei). Sie sind keine realistische Farbe, sondern „seherische― Farbe, die eine Bedeutung haben. Blau gegen Rot, Klatt gegen Heiß, Eros gegen Thanatos. Psychologischer Triebe, die im Unbewussten operieren. Diese unzufriedenen Wünsche kommen ans Licht in Träumen, in der Erinnerung.

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Eric Shanes, Dalí, Parkstone International, 2011, Seite 62

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„Knowledge is not only made of libraries filled with paper and ink, it is also made by the volumes of knowledge that are written in the human heart, modeled on the human soul, and engraved in the psyche of all of us.―57

Von Kunst zur Musik: ein großer Artist und eine neue Technik, das Collage. Michael Jackson gilt als einer der erfolgreichsten Entertainer der Geschichte und ist als „King of Pop― bezeichnet, eine Ikone der Musik. Steve Kaufman beschloss, ihn vor der Schönheitsoperation darzustellen und Michaels authentische und originelle Seite zeigen. Kaufman verwendete zwei Techniken, das Collage und das Siebdruck. Die Jacke und das Haar sind aus einem Collage von Covers seiner Studioalben, die das schwarzweiße Bild des Sängers auffallen lassen. Musik ist Farbe, Musik ist Pop. Pop Art. „Para no luchar habrá siempre sobrados pretextos en todas las épocas y en todas las circunstancias, pero será el único camino de no obtener jamás la libertad‖58

Steve Kaufman malte ein Harley-Davidson Motorrad mit der Fantasie der kubanischen Zigarren der Marke Cohiba. Dann fragte er Castro, ob er das Motorrad signieren konnte, als Bezeugung eine kulturelle Beziehung zwischen Kuba und den USA, die politikerweise so anders waren. Fidel Castro akzeptierte.

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Alanis E. Leona Kory, Michael Jackson Interviews

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Ernesto Guevara, El Diario del Che en Bolivia, Einführung zum Buch, Seite 7

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Kaufman war weder an Fotografie noch an der Computergrafik interessiert, obwohl er die Geräte hatte. Er glaubte, dass Fotografie und Computergrafik seinen Ausdruckstil nicht anpassten.

Times Square Happening, Original von Steve Kaufman „Today, with the internet, the future generation of art lovers will be served through the touch of a keyboard. […] Andy Warhol has 10,000 web sites and searches. Steve Kaufman has 11,561 web sites and searches‖59 (Google)

Die Vorstellungswelt, auf der sich Steve Kaufman für seine Gemälde über Musik und Musikikonen inspirierte, war die Welt des klassischen Werk und der historischen Figuren, aber auch des Fernsehens, der Filme, der mondänen Events. Er stellte Mozart, Beethoven, Marilyn Monroe, Michael Jackson, The Beatles, Frank Sinatra dar (er hatte auch, zusammen mit Leroy Neiman, das Ausschließlichkeitsrecht von Sinatras Familie, Porträts des Sänger zu realisieren) und präsentierte diese Ikonen, als ob sie aktuelle Personen waren. For example, he used to reproduce a subject on fifty serigraphs, and on each of them he would then hand-paint some details, or he would add something particular. So that each one of the fifty serigraphs would be different from the others. So that it would become an original. He did not do that on every one. Some are reproductions of the original, without any intervention. Some others were selected and on them he would then work, sometimes massively. We do not know yet his criteria of choice. Steve Kaufman had learned serigraphy perfectly from Andy Warhol, but he had made it more perfect through the use of various passages on various levels. He wanted to be different, grow and go on – and you can see that in the pictures of the works. He used to keep imperfect serigraphs, too, the ones you could see that had been modified by someone and that therefore had more value.60 Kaufman wurde immer von das Effekt fasziniert, das die Stars der Musik über die Gesellschaft hatten. Er war davon so fasziniert, dass er über Ruhm 59 60

Steve Kaufman, Coffee Table Book , Steve Kaufman Art Studio – 2009 Diana Vachier , President of Steve Kaufman Art Licensing, LLC and American Pop Art, Inc

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nachzudenken begann. Er fühlte, dass er auf seine Vorläufer zurückschauen musste, bevor er fortgehen könnte. Die Musikikonen, die Steve Kaufman darstellte, gehören zum Kontext des „Mythos― zu. Die Auseinandersetzung mit den Mythen der Vergangenheit und der Gegenwart (Michael Jackson, John Lennon, Elvis Presley gehören zu unserem Alltagsleben) war für Kaufman ein normaler Prozess. Warhol hatte zuerst Objekte wie die Campbell‘s Soup (die auch Kaufman darstellte) bis der Mythos Marilyns (Warhol war auch der einzige Künstler, der das Gefühl hinter die Definition Marilyns „I‘m an artificial product― widerspiegeln konnte) repräsentiert. Kaufman ging fort, aber er brauchte ein persönlicherer Kontakt mit den Ikonen der Musik und der Filme, die ihn fasziniert hatten. Er brauchte eine neue Personalisierung.

Der Pessimismus dominierte sein Leben gar nicht. Das Leben war für ihn immer eine Suche nach neuen Stimuli und die Seele, die er in den Bilder vor seinen Augen sah (zum Beispiel das Sinatra Porträt, das der alte Sänger bewegte).

Die letzen Jahre: Was er hinterließ „I‘m truly blessed to be doing what I always wanted—TO CREATE. I have found a freedom that is hard to put into words. I always wondered about my projects—which artists are working on what and which directions should I take? I don‘t even think of those things now. I passionately go into my studio and ask myself: What would I like to create today?‖61 He was an unique man. He had a tall physique, a big smile and a childish attitude sometimes. Sometimes he was insecure and naïve, but always friendly and affectionate with people. He always smiled. Steve Kaufman was a man of great imagination and creativity, constantly busy searching for something new. He had a brilliant mind, and that was probably what brought him to his death, because he was not able to stop. He was not able not to work and imagine new things. Work was his most difficult thing in life. I often thought ―oh my god this man is crazy, he is driving me mad‖. But it was the greatest opportunity for me and I loved those years. Steve was always there, always present. Even today.62 „The Steve Kaufman paintings of me, I just 61 62

Steve Kaufman, Coffee Table Book , Steve Kaufman Art Studio – 2009 Diana Vachier , President of Steve Kaufman Art Licensing, LLC and American Pop Art, Inc

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stood there and touched the paintings and felt the power and energy. I‘ve never seen anything like that before.‖63 –Al Pacino

Warhols Erbe widerspiegelt sich in Steve Kaufman und in jener Art, die die Künstler der folgenden Generationen Warhols Methoden verwenden haben. In seinem 1975 Buch „The Philosophy of Andy Warhol (From A to B and Back Again)‖ schrieb Warhol seinen ersten bekannten Ausspruch über die Beziehung zwischen Kunst und Business: „During the hippie era people put down the idea of business. They‘d say ―money is bad‖ and ―working is bad‖. But making money is art, and working is art – and good business is the best art.‖64 Es ging natürlich um eine Provokation, vor allem wenn man sie mit der Zeit und dem Kontext vergleicht, aber Provokation war die Spezialität Warhol seit den 1960er Jahren. Er war Künstler und Werbegrafiker gewesen und hatte intuitiv erfasst, dass die Zeit der einsame Künstler schon vorbei war. Die Welt war jetzt eine „corporate― Welt und brauchte deshalb einen „corporate― Künstler: die corporate― Kultur war jetzt die neue Realität und würde immer mehr so sein. Warum sollte – soll – Business etwas Negatives sein? Die echte Überraschung, das Geheimnis der Kunst Warhols entspricht mit der Aufdeckung des Alltagslebens. In der Kunst Steve Kaufmans sieht man das Verlangen, zurückzuschauen aber auch zu entwickeln, fortzugehen. Ein Prozess, das 2010 leider vorzeitig abgebrochen wurde. Steve Kaufman wird als ein große Aktivist und Philanthrop erinnert. Innerhalb der Neo Pop Art ist Steve Kaufman ein Künstler, der man noch entdecken und gut kennen soll. Seine Werke sind meistens mit der Malerei verbunden und waren für ihn eine tägliche und hektische Arbeit, die seine Gesundheit beschädigte und ihn am Ende zum Tod brachte. 63 64

Steve Kaufman, Coffee Table Book , Steve Kaufman Art Studio – 2009 Andy Warhol, The Philosophy of Andy Warhol, Harcourt Brace Jovanovich, 1975

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Kaufman spürte die Kunst als etwas Positives, die man beglückt, und versuchte dieses Gefühl weiterzugeben. In seinen Werken sind die Ränder und die Kontraste abgetönt und das Bild wird oft zu einer kräftigen Allegorie der Zeitgenossenschaft auf der Leinwand. Er schlug Mythen und bekannte Persönlichkeiten wieder vor und brachte man zur Kindheit zurück; er erlaubte man die Geschichte und die Kultur noch mal zu leben. Pop Art Merkmale wie die Polemik und der Zynismus fehlen in den Werken Kaufmans: er erzählte seine Zeit und seine Ikonen ohne Kritik und deshalb unterschied er sich von den anderen Künstlern. Die Marke eines Produkts oder das Image eines Stars in einem Pop Art Werk darzustellen anders ist, als ein Produkt wieder zu verwenden oder als die „Ready-Made― von Duchamp. Das kann man in Steve Kaufman bemerken. Der New-Yorker Künstler arbeitete das Urmodell immer ein bisschen um, so dass es die verschiedenen Kopien überleben konnte. Die Technologie wird jetzt in der Pop Art verwendet, nicht nur als Verbrauchsprodukte in den Werken, sondern auch als der Gebrauch des Modells ihres Publikums, das die Medien verbreiten. „One might generalize by saying: the technique of reproduction detaches the reproduced object from the domain of tradition. By making many reproductions it substitutes a plurality of copies for a unique existence. And in permitting the reproduction to meet the beholder or listener in his own particular situation, it reactivates the object reproduced. These two processes lead to a tremendous shattering of tradition which is the obverse of the contemporary crisis and renewal of mankind.‖65

Steve Kaufmans Kunst ist optimistisch wie er selbst. Und als optimistische Kunst akzeptiert der Konsum, obwohl sie oft missverstanden ist. Die Pop Art ist einfach zu verstehen und nutzen und ist dafür sehr geliebt, viel mehr als andere kryptischeren Kunstrichtungen. Aber Pop Art ist gleichzeitig geheimnisvoll und wird oft dafür missverstanden. Und die Pop Art Steve Kaufman zeigt diese Verbindung am besten. Kaufmans Kunst wurde nicht sofort verstanden. Gillo Dorfles schrieb, dass er immer das Altes und nicht das Neues wollte. Er wollte das Einfaches und nicht das Schweres. Deshalb ist die Rede über das Unverständnis der modernen Kunst wichtig. Und als „Unverständnis‖ meinte er ein Misstrauen vor den meisten Werken der modernen Kunst.66

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Walter Benjamin, The Work of Art in the Age of Mechanical Reproduction Gillo Dorfles, Le oscillazioni del gusto, Einaudi, Torino 1970, p.13

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Kaufman wurde nicht sofort verstanden, weil sein „künstlerisches Neues‖ war „zu einfach― und erlaubte den Zuschauer, seine Werke sofort zu verstehen. Die „Erhöhung‖ des Objekts und des Sujets in Kaufmans Kunst verursacht ein „Simulationspiel―, das ähnlich ist als der Umsturz der Wahrnehmung und der Erinnerung. „Il y a là comme deux côtés du miroir, mais ce qui est d'un côté ne ressemble pas à ce qui est de l'autre («tout le reste était aussi différent que possible...») Passer de l'autre côté du miroir, c'est passer du rapport de désignation au rapport d'expression - sans s'arrêter aux intermédiaires, manifestation, signification. C'est arriver dans une région où le langage n'a plus de rapport avec des désignés, mais seulement avec des exprimés, c'est-à-dire avec le sens.‖67

In Carols Buch „Alice hinter den Spiegeln― ging Alice hinter den Spiegeln und zu einem anderen Traum. Die Realität hinter den Spiegeln ist keine Imitation, sondern eine doppelte Realität, die aber so umgearbeitet wurde, dass man sie nicht mehr erkennen kann. In Kaufmans Werken kann der Zuschauer sich widerspiegeln. Durch das überzeugende System der Mode und der Werbung widerspiegelt sich das Sujet in das Pop Objekt und dann kann der Zuschauer das Objekt nicht mehr beurteilen. „Tra le carte nascoste una soltanto è la vincente ma a questo punto vince davvero solo chi sceglie di disfarsene, ovvero chi sceglie di non giocare con se stesso al ruolo del bel Narciso infelice‖68 „La verità della felicità come bisogno rende immediatamente e facilmente ragione di essa: il suo contenuto della seduzione un gioco facile. Il bisogno non appagato convince infatti, con la violenza del desiderio insoddisfatto, della verità della seduzione quale sollecitazione alla felicità, della sua urgenza e della positività del suo messaggio. Se il bisogno sollecitato restasse insoddisfatto (la verità dell‘antagonista: gettare la carta) chi mai, ne siamo persuasi, sceglierebbe di abbracciare tanta angoscia?‖69

Die Verführung gewinnt die Freiheit solange man mit diesen ImageVerlangen spielt. Die Verführung des Image-Objekts unterhält den Zuschauer, der jetzt nur an den Preis andenkt. Wer sich stürzt, verzichtet auf das Versprechen, das Verführen bedeutet als Realität zu sterben und sich als Illusionspiel wieder zu bilden.70 Gilles Deleuze, Logique du sens Carolina Carriero, Il consumo della Pop Art. Esibizione dell‘oggetto e crisi dell‘oggettivazione, Jaka Book, Milano 2003 69 Jean Baudrillard, Della seduzione 70 Jean Baudrillard, La sparizione dell‘arte 67 68

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Die Faszination erwartet den verführten Zuschauer als unerwarteter Preis im künstlerischen Fetischismus. Pop Art beschließt das nicht, sondern wer spielt, der in einer Overdose von Zeichnen implodiert71. Und auch: „Le icone pop (i dolci, le sigarette, la scatola di minestra vegetale, la lattina di Coca Cola, gli indumenti, i detersivi) sono le figure di poco valore, nel gioco ovviamente, che permettono di attraversare il percorso stabilito. [...] Poiché il principio estetico è ormai al di là del bello e del brutto, ovvero tutto nell‘economico, e il valore della realtà è tutto nell‘immagine, ci si può illudere di vincere con la carta-icona del dollaro.‖72

Das Hilfsmittel, das das Spiel fortsetzt, ist die Überzeugung, dass man in Kunst glauben kann, ohne zu wissen, ob sie existiert. „Ognuno cerca il proprio look. Non essendo più possibile estrarre argomenti dalla propria esistenza incerta (né la miseria né la virtù né il lavoro sono ormai una prova, non si guarda più, è finita la seduzione!), non resta che fare atto d‘apparenza senza preoccuparsi né di essere né di essere guardati. Non esisto, sono qui! Ma sono visibile, sono immagine - look, look.‖73

Der Konsum des Zeichens (Die Venus Kaufmans) und das Zeichen des Konsums (Coca-Cola) sind nicht mehr so populär. Das Produkt zu werben wurde heute nicht so erfolgreich sein. „Soprattutto l‘oggetto popolare di consumo deve essere svuotato della propria banalità, se non vuole finire parodiato e svilito‖74

Steve Kaufman hinterließ eine große Menge Werke. Er arbeitete ohne Pause, Tag und Nacht. „American Pop Art‖ versucht gerade, alle seiner Werke zu katalogisieren, aber man braucht noch viele Jahren, um alle Werke einzuordnen.

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Jean Baudrillard, Della seduzione

Carolina Carriero, Il consumo della Pop Art. Esibizione dell‘oggetto e crisi dell‘oggettivazione, Jaka Book, Milano 2003 73 Jean Baudrillard, La sparizione dell‘arte 74 Carolina Carriero, Il consumo della Pop Art. Esibizione dell‘oggetto e crisi dell‘oggettivazione, Jaka Book, Milano 2003 72

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Schluss „Oggi il linguaggio dell‘arte è il linguaggio del mondo‖75

Obama Shepard Fairey (1970) ist ein zeitgenössischer Street-Art Künstler. Er beschloss, ein Pop Stil für illegale angeschlagenen Plakaten zu benutzen. Er wollte ein Medienecho während des US-Wahl 2008 schaffen und die Idee das Plakat Uncle Sam und Hope von Robert Indiana zu zitieren. Obama hat nie die Zusammenarbeit mit dem Künstler offiziell anerkannt, aber er hat ihn ein Brief geschickt, wo er ihm bedankte. Fairey war auch der Autor des Restylings von der bekannte Browser Ikone „Mozilla―. Pop Art ist eine Kunstrichtung, die sich für das Objekt und seine Darstellung interessiert. Der Künstler erforscht seine Umgebung und verwendet die Objekte des Alltagslebens und die industrielle Produkte, die mit der Umgebung nichts mehr zu tun haben. Der abstrakte Expressionismus brauchte die weiße Leinwand um sich vollwertig zu fühlen, die Pop Art braucht die direkte Begegnung des Körpers mit dem System der Image-Objekte der Menschen. Die figurative Pop Art zeigte den Gebrauch von Objekten des Alltagslebens an, aber man soll sich nicht nur auf diesen Aspekt konzentrieren, sondern auf die ganze „Konsumkunst―, die der Schwerpunkt viele Untersuche war. Die Ablehnung der Produkte der ―Konsumkunst ist großer als die 75

Alessandro del Puppo, L’arte contemporanea- il secondo Novecento, Einaudi Editore, Torino 2013

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Lobpreisung der Konsumkunst. In unsere Gesellschaft wird der Mensch durch die Medien zu dem überwiegenden kulturellen System vereinheitlicht. Die Medien übertragen banales Nachtrichten. Aber in Pop Art wird das vergrößerte Objekt, ohne Kontext, nicht mehr banal. „Un aspetto sottolinea l‘innaturalezza dei cibi riprodotti in materiali plastici: la continuità, fino all‘indistinzione, tra i venefici coloranti artificiali dei cibi veri e la vernice di quelli finti (...) la pretesa dell‘avanguardia storica di superare, attraverso l‘arte, i limiti della serializzazione di produzione di consumo ne risulta scardinata e l‘arte stessa si pone, di conseguenza, dalla parte della propria negazione‖76

Die Entsprechung zwischen Kunst und Leben führt dem Künstler die Sujets seiner Werke ohne Unterscheidungen auszuwählen. Die Sujets sind Personen und Objekte des Konsums und, wenn sie mehrmals dargestellt sind, führt es zu einer Serie. „Una strana partita, quella che, secondo l‘atteggiamento Pop, si viene a intrattenere con le cose di tutti i giorni, poiché da un lato, queste non perdono nessuno dei loro caratteri più concreti e materiali: la ruggine di una scatoletta di carne, la policromia della sua etichetta, il contorno frastagliato di un tappo di bottiglia; ma nello stesso tempo tali caratteri concreti vengono come assunti a mezz‘aria, affetti da un indice mentale e idealizzati. La cosa c‘è, ―fatta‖ di tutto punto, ma nello stesso tempo non è più quella, non possiamo più intrattenere con essa il solito rapporto naturale e spontaneo.‖77

Ein gewöhnlicher Fehler ist ein Hauptmerkmal dieser Werke nicht zu verstehen, d.h. dass sie temporär sind. Viele Experte und Kritiker beanspruchen, die „definitiven― Werte eines Werks festzulegen. Aber Pop Art Werke ändern sich stetig und es ist nicht möglich, sie durch ein festes System der Werte zu definieren. „La qualità, i materiali e la consistenza dei manufatti definibili come ‗opera d‘arte‘ sono cambiati nel corso degli ultimi cinquant‘anni più che in tutti i secoli precedenti.‖78

Vor der Pop Art jeder Kunstrichtung hatte eine einzigartige künstlerische Methode, die jener Richtung definierte. Aber in der Pop Art ist das Hauptmerkmal die stetige Wiederholung des Objekts. Die Pop Art verwendet Images und Zeichen der industrialisierten Umgebung und hat sie zu künstlerischen Werke erhöht. In dieser Zeitalter wird der Reproduzierbarkeit des Objekts zu der einzigen Möglichkeit, dem einzigen Wert. Tommaso de Chiaro, Claes Oldenburg e l’iconografia del banale, Edicoop, Roma 1980 Renato Barilli, Informale oggetto Contemporaneo 78 Alessandro del Puppo, L’arte contemporanea- il secondo Novecento, Einaudi Editore, Torino 2013 76 77

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„A partire dall‘ultimo decennio del Novecento si è diffusa una forma di pluralismo culturale. Forse è vero, come si trova scritto ovunque, che in quel momento sono crollate le ideologie. Una però, almeno, sembra essere rimasta ben salda in piedi. Alla pari d‘ogni merce e produzione e circolazione globale, l‘arte si è conformata alla logica del capitalismo finanziario internazionale.‖79

Man kann nicht über ein großes gemeinsamen Ausbeuten und eine zunehmende Werbungskampagne sprechen, aber man muss anerkennen, dass die Basis dafür etwas sein muss, die man gelebt hat. In „Cose dell‘altro mondo‖ ( „Dinge aus einer anderen Welt‖) schrieb Enrico Baj: „Date a Leo due lattine di birra vuote ed egli ve le venderà‖, disse de Kooning con malcelato risentimento in una fredda sera del dicembre 1962 alla Cedar Tavern sulla University Place (...). Jasper Johns prese alla lettera le parole di de Kooning, fuse in bronzo due lattine vuote di Ballantine Ale e le diede a Castelli. Castelli le vendette subito al collezionista Scull, il Panza di New York, per novecentosessanta dollari. Scull poi lo rivendette a un‘asta nel 1973 per novantanovemila dollari.‖80

In unserer Welt des Konsums sind wir glücklich, weil nichts passiert, um zu zerstören, zu drohen. In dieser Welt ist man sicher, dass das moderne Kunstobjekt die Erwartungen den Einkäufern nicht enttäuschen wird. „[Advertisement has] made a new landscape for us in the way of billboards and neon sides and all the stuff that we're very familiar with, and also literature and television, radio, that almost all of the landscape seems to be made partially of the desire to sell products. This is the landscape that I'm interested in portraying. […] I'm not the only one portraying it. Others are interested in this commercial landscape.‖81

Es ist nicht einfach ein Neo Pop Art Künstler zu finden, der akzeptiert, so definiert zu sein. Viele benutzen lieber andere Worte und fast niemandem gefällt es, als „Neo― bezeichnet werden. Und vielleicht ist es richtig, weil die Pop Art Zeit nicht vorbei ist und wenn jemand als „Neo― bezeichnet wird, ist es nur, weil er jünger ist. In den Städten mit den Kaufhäusern, Wohnhäusern, großen Monumenten und Internet wird die visuelle Wahrnehmung durch die großen Bilder und Werbeplakaten stark beansprucht. Im Gegenteil hat die Vorstellungsfähigkeit fast kein Wert mehr. Wenn ein Kunstwerk sehr teuer ist, dass man sein Wert unbedingt zu sagen braucht, spricht man nicht über Kunst, sondern über Symbole. Man Alessandro del Puppo, L’arte contemporanea- il secondo Novecento, Einaudi Editore, Torino 2013 Enrico Baj, Cose dell’altro mondo, Elèuthera, 1990 81 Roy Lichtenstein, www.lichtensteinfoundation.org, 24 gennaio 2015 79 80

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kaufte ein Werk von Jeff Koons, weil man zeigen will, dass man genug Geld hat, um sich ein Werk Jeff Koons leisten. Und deshalb ist der Einkäufer klug, talentiert und sehr, sehr reich. Dann beginnt man zu denken, dass es nur um Geld geht und dann daran zweifeln, dass es wirklich ein Kunstwerk ist. Aber gleichzeitig kann man ohne dieses Kunstwerk nicht leben. Banham behauptete: „[...] the live stream of contemporary culture is Pop, and that is one of the reasons why so many of the live manifestation of other branches of culture […] derive from Pop. Pop is now so basic to the way we live, and the world we live in, that to be with it […] does not commit anyone to left of right, nor protest or acceptance of the society we live in. It has become common language, music, visual and (increasingly) literary, by which members of the mechanized urban culture of the Western countries can communicate with one another in the most direct, lively, and meaningful manner‖82

Warhol starb fast vor dreißig Jahren, aber er ist ohne Zweifeln der Bezugsfigur, der die Weltkunst führt. Es ist keine übertriebene Behauptung. Es gibt niemand, der nicht die Marilyn Warhols nicht kennt. Deshalb das Foto Warhols mit der Perücke passt gut neben das Foto Leonardo da Vincis, weil beiden zu Ikonen geworden sind. Warhol starb bevor er wissen konnte, was er als Figur würde. Aber als er lebte, war er über alles und versuchte, die Umwandlung von „Künstler― zu „Kunst mit und durch den Künstler― wahr zu machen. Sein Tod hat dieses Prozess nicht angehalten, sondern hat es beschleunigen und ihn populärer gemacht. Man konnte sagen, dass sein Tod seiner Karriere geholfen hat und auch seinem Traum, eine eigene Ausstellung bei der MoMA zu haben. Die erste Ausstellung Warhols fand 1989 statt, und seitdem wurde jedes Jahr eine Ausstellung organisiert. War Warhol der erste, der die Methoden und Verhalten erfand, der ihn bekannt machte? Wahrscheinlich nicht. Salvador Dalí hatte es schon gemacht. Er hatte kein Problem, sein Kunst zu verwenden um mehr Geld zu verdienen: er benutzte Fernsehens und verkaufte weiße und von ihm signierte Papier. Warhol hat einfach diese Strategien von Dalí und Duchamp entwickelt. Und jetzt machen es Koons, Hirst und Murakami und viele anderen jungen Künstler. Heute können Warhol, Kaufman und die anderen Pop Art Künstler als ein Glaube scheinen und man kann es beobachten bei jeder Ausstellung, entweder in der Tate Modern Gallery, im Mozarteum in Salzburg, in Florenz, Bologna oder in den USA.

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Reyner Banham, Scenes in America Deserta, 1982

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Jede Kunstrichtung kann heute gekauft sein. Was man sagen könnte ist, dass der Künstler es weiß und akzeptiert, ohne eine Entschuldigung zu suchen. Kunst kann viel Geld bedeuten. Das Merchandising von Romero Britto oder die Zusammenarbeit zwischen Murakami und Louis Vuitton können die Vorahnung Warhols bestätigen, wobei die Kunst und die Kultur fast zu einer Dinge wurden. „ Making money is art and working is art and good business is the best 83 In unserer Zeit verschiedene Künstler und Kritiker könnten art.‖ einverstanden sein. Und vielleicht gibt es hier keinen Skandal.

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Andy Warhol

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Anhang: Hauptvertreter der Pop Art Richard Hamilton (1922-2011), Just What Is It that Makes Today‘s Homes So Different, So Appealing? (1956). Kritiker und Kunsthistoriker schätzen dieses Werk als das erste Pop Art Werk ab. Das Bild bezieht den Zuschauer ein und sein Ziel „den Zuschauer die war, Wichtigkeit der Sinne in einem Umgebung bewusst zu machen―.

Roy Lichtenstein (1923-1997), MMaybe (1965). Lichtenstein war ein des einflussreichsten Vertreter der Pop Art. Sein Stil war hauptsächlich von Comics beeinflusst und er stellte die ihm zufolge verbreitete Trivialität der amerikanischen Kultur. Er verwendete bunte Farbe und repräsentierte mit Ironie die Gefühle der Gesellschaft in Bezug der Kunstgeschichte. M-Maybe ist vielleicht ein von seinen bekanntesten Werk. Eine attraktive Frau wartet auf einen Mann in einer unbestimmten aber städtischen Umgebung. Der Text und ihre Miene widerspiegeln ihre Sorgen und Wünschen auf die Begegnung. M-Maybe wurde auf einer harten, satinierten Surface mit pigmentierten Tinten gemalt, wobei Lichtenstein ein klareres und sehr detailliertes Image schaffte. Lichtenstein verdeutlichte das, was der Fotograf Henri Cartier-Bresson nannte „ein Bild im Vorübergehen―.

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Allan D‘Arcangelo (1930-1998) war eine amerikanische Künstler und Drucker, der für seine Bilder über Autobahnen und Verkehrsschilder bekannt war. 1963 wurde er als Pop Art Künstler für seine Serie von Gemälde über Autobahnen wie US Highway 1 anerkannt.

Jim Dine (1935) ist Maler, Bildhauer, Drucker, Illustrator, Zeichner und Schauspieler. Er begann sich für Kunst zu interessieren mit den Happenings im Jahr 1959-1960 (es ging um direkte mit dem Publikum improvisierte Ereignisse). Er verwendete zuerst alte Materialen und verfeinerte gleichzeitig die Techniken, die er in seinen bekanntesten Werken benutzt hat. Diese Werken stellen bekannte Sujets, allgemeine Gegenstände wie Kleider, Krawatten, Schuhe, Zahnbürsten usw. oder auch künstlerische Gegenstände dar. Seine Methode besteht darin, das Thema unendlich und auf verschiedenen Materialen zu wiederholen. Dine ist der Pop Art Richtung zugeordnet, aber er bezeichnet sich als ein „moderner Individualist―, der anschließend als Vorläufer des Neo Expressionismus bezeichnet wurde.

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Robert Rauschenberg (1925-2008). Rauschenberg ist vielleicht für seine 1950 Combines bekannt, in denen er nicht traditionelle Materialen mit auf der Straße Fundgegenständen (Reifen, Kissen, usw.) in innovativen „Combines― setzte. Er beschäftigte sich auch mit der Fotografie, den Siebdruck und die Perfomances. Bed ist ein des ersten Combines. Laut der Legende hat er seine eigenen Kissen und Laken als Leinwand verwendete, weil er sich keine Leinwand leisten konnte. Er benutzte ein ähliches Stil als der abstrakte expressionistische Maler Jackson Pollock und Bed wurde zu einen solchen innerlichen Porträts. Allen Jones (1937) ist ein Britischer Maler, Bildhauer und Drucker. Er hat seine Zustimmung an Pop Art durch provozierende aus Fiberglas Skulpturen und Bilder wie Perfect Match. Er verwendete ein lineares Stil und ein körperlicheres Mittel um das Tasten stark zu betonen. Später hat er sich auch mit der Lithographie beschäftigt.

Claes Oldenburg (1929 in Stockholm geboren aber dann in den USA umgesiedelt), war auch wie Jim Dine für die Happenings sehr begeistert. Er wurde besonders bekannt durch Skulpturen, die Alltagsgegenstände darstellen, wie Dropped Cone und die anderen riesigen Gipsskulpturen über das Essen (Brötchen, Hamburger, Süßigkeiten, usw.) 53


Mel Ramos (1935) ist ein amerikanischer Künstler und Professor, die heute als Rentner lebt. Er hat zuerst (wie Warhol) Superhelden dargestellt und dann sich mit der Darstellung von Pin-Up-Girls beschäftigt (wie Velveeta), wo provozierende Frauen in vulgäre Posen auf Warenartikel wie Martini und Bananen drapiert sind. Sein Ziel war, eine feinere Erotik zu finden. Er glaubte, dass die perfekte Imitation der Marke eines Produkts denselben ästhetischen Wert als der weibliche Körper hat. Die Zusammenstelllung der Marke und des weiblichen Körper bedeuten, dass das Glück nur durch das Konsum von Warenartikeln und Pin-Up-Girls gefunden werden kann. Peter Phillips (1939) ist ein Britischer Künstler, der verschiedenen Techniken verwendet hat, von Ölmalerei bis Collagen, Skulpturen und Architektur. Sein bekanntestes Werk ist vielleicht For Men Only – Starring MM and BB (1961). Er hat Marilyn Monroe und Brigitte Bardot, die Sexsymbolen der Zeit, mit einer Stripperin und manche englische Symbole (wie das Langohr und die Wörter „she‘s a doll―) in demselben Bild zusammengesetzt. Ein Bild ählich zu deren von Peter Blake.

James Rosenquist (1933) ist ein amerikanischer Maler, Bildhauer und Drucker. Er hat als Werbegrafiker begonnen und 1960 begann die Techniken der Werbung um riesigen Bilder wie President Elect zu schaffen. In President Elect mischte er, wie in einer Fotografie, zwei Ikonen der Zeit, John Fitzgerald Kennedy und ein schönes Auto. Dank des Verwendens von allgemeinen Gegenständen und berühmten Persönlichkeiten ist Rosenquist als ein der Vertreter der amerikanische Pop Art. Aber Er soll nicht mit Warhol oder Lichtenstein verwirrt: Rosenquist zerstörte und verlegte die Figuren, sonst sie zu verdoppeln. Er war auch politisch sehr engagiert. 54


Edward Ruscha (1937), Fotograf, Illustrator und Maler. Er ist vielleicht der einzige, der die Fotografie in ihrer originellen Form und in Büchern verwendet hat. Er stellt die Aspekte des amerikanischen Lebens durch die Vorstellung bekannten Logotypes, Archetype von Landschaften, Tankstellen und anderen Images der Popkultur dar. Er fügt auch lakonische Wörter oder Sätze hinzu, um der Zuschauer auf die Existenz der Menschen aufmerksam zu machen. Peter Blake (1932) ist ein der bekanntesten Vertreter der europäische Pop Art und ist seit Ende der 1950er Jahre berühmt. Seine Bilder gehen um Werbung, Spaß haben, Tanzen, Musik und Kämpfer mit vielen Elementen der Collagetechnik. On the Balcony (1955-1957) ist ein seiner bekanntesten Werke und eine der ersten Ikonen der Britischer Pop Art. Das Bild scheint eine Collage zu sein, ist aber total gemalt und zeigt, unter anderen, ein Jugendliche, der das Der Balkon von Manet festhaltet. Blake ließ sich durch ein Bild der amerikanischen Malerin Honoré Sharrer (1920-2009) inspirieren (das Bild stellte Arbeiter dar, die berühmte Bilder festhielten; Workers and Paintings - MoMA). Jasper Johns (1930) ist am meisten für sein Bild Flag (1954-1955) bekannt. Er wird oft als Neo Dadaist bezeichnet, obwohl seine Sujets oft Sujets der Popkultur sind.

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Wayne Thiebaud (1920), amerikanischer Maler. Er ist für seine Bilder von Kuchen (links, Cakes), Gemische, Stiefel, Toiletten, Spielzeuge und Lippenstifte bekannt und wird als Pop Art Künstler anerkannt, weil er sich auf die Gegenstände des Alltagsleben interessiert. Thiebaud ist interessant für die Darstellung seine Sujets, die er mit bunte und starke Farbe repräsentiert, üblich in der Werbegraphik. Tom Wesselmann (1931-2004), ist als elegantester Pop Art Künstler bezeichnet und oft mit Matisse vergleicht, weil er eine moderne Klassik fortsetzte. Er konzentrierte sich auf Collagen (die allgemeine Gegenstände darstellten) und Stillleben, wobei er reale Gegenstände vermengte: falsche Gebäudefassaden, Regale, Fernsehen, Kühlschränken, Flaschen. Viele seiner Werke haben einen sexuellen Inhalt und er ist für seine Great American Nudes und Smokers bekannt. Smokers sind gefühllose und unpersönliche Bilder, obwohl sie gleichzeitig bunt und deutlich sind; Sie stellen als ein Beispiel des damaligen amerikanischen Konsumverhaltens. Seit den 1980er Jahre begann er den Laser zu verwenden.

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Andy Warhol (1928-1987), zentrale Figur der Pop Art Richtung. Der Künstler wurde im Kapitel 2 behandelt.

David Hockney (1937) ist für seine „am Schwimmbadrand― Bilder bekannt und ein wichtiger Vertreter der Britischer Pop Art. Er ist Illustrator, Bühnenbildner, Drucker und Fotograf. Seine bekanntesten Werk ist vielleicht A Bigger Splash (1967): „the climate is sunny, the people are less tense than in New York… When I arrived I had no idea if there was any kind of artistic life there and that was the least of my worries.‖84 In California „everybody had a swimming pool. Because of the climate, they could be used all year around and were not considered a luxury‖85. Das Schwimmbad und der Sonne waren Gegenstände des Alltagsleben. Das war etwas, das Hockney und Künstler der Second Generation wie Steve Kaufman gemeinsam haben. George Segal (1924-2000), amerikanischer Maler und Bildhauer. Er wurde Ende der 1950er Jahre zur Pop Art zugeordnet. Seine Skulpturen sind durch eine Unruhe und Angst kennzeichnet, die man auf dem Gesicht der Figuren beobachten kann, wie in Bus Riders (links).

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Aus: www.tate.org.uk/art7artworks/hockney-a-bigger-splash-t03254 Ebd.

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Robert Indiana (1928). Seine Haupttechnik ist das Werbegraphik, die er mit dem Existenzialismus vermischt, eine Paarung, die er als „Bildhauergedichte― bezeichnet hat. Oft sind seine Werke starke aber einfache Bilder, die auf einem Befehl bestehen: EAT, HUG, LOVE. Ein der bekanntesten Werke ist Love (1964-1973), die erst als Weihnachtskarte für das MoMA geschaffen und dann zu einer Briefmarke wurde. Das Werk wurde von Jugendbewegungen wie den „Skaters― und „Rappers― benutzt, und auch oft kopiert und zu Verbraucherprodukten umgewandelt. Jean-Michel Basquiat (1960-1988) wurde zuerst als Graffiti Künstler und dann in den 1980er Jahren als Neo Expressionist in New York bekannt. Er war Freund mit Andy Warhol und Keith Haring. Seine Werke sind noch heute sehr nachgefragt und beinflussreich. Er konzentrierte sich auf Dichotomien wie Reichtum und Armut, Integration und Rassentrennung, Gefühl und Empfindung, wobei er das Gedicht und die Malerei der Vergangenheit mit Text und Bilder vermischte. Er verwendete der Text um auszudrucken, was er als Elementen des Klassenkampfs, der soziale oder politische Kritik dachte. Viele seiner Werke haben kein Titel und viel berühmt sind die Schädel. Er starb wegen einer Heroinoverdose, als er 28 war. Keith Haring (1958-1990) war ein amerikanischer Künstler und Aktivist, der mit der Kulturstraße der New York der 1980er Jahre eng verbunden war. Seine Bilder sind heute weltweit erkennbar. Er war Freund mit Andy Warhol und Steve Kaufman und starb wegen des AIDS. Er fand sein Stil sofort und seine Figuren, wie seine Männchen und Hündchen werden noch heute von seinen Emulatoren weltweit reproduziert. 58


Damien Hirst (1965). Britischer Künstler, Unternehmer und Sammler, ist seit den 1980er Jahre berühmt, als er „Freeze― organisierte, eine Ausstellung in einem verlassenen Warenlager in London. Seine Werke und die Werke der Studenten, den mit ihm auf der Goldsmith College arbeiteten, wurden dort veranstaltet. Seitdem ist er zu einem der einflussreichsten Künstler seiner Generation und ist oft kritisiert, weil er Ausstellungen mit gestorbenen Tieren organisiert. Bei der Tate Modern sind Werke wie The Physical Impossibility of Death in the Mind of Someone Living oder Mother and Child Divided veranstaltet. Er wird als Pop Künstler bezeichnet, weil er allgemeine Gegenstände wie Zigaretten und Medizinen verwendet. Steve Kaufman (1960-2010). Assistent von Andy Warhol. Der Künstler wurde im Kapitel 4 behandelt.

Andere Neo Pop Art Künstler sind: Kevin Cherry. Seine Collage erinnern auf die Werke der Künstler der 1960er Jahre, aber er verwendet die Digitalkunst.

Sung-Ho Bae. Koreaner Künstler, der 2007 mit den Adobe Design Achievement Award für sein Werk Nine Inverse Proportion Problems We Have ausgezeichnet wurde. 59


Romero Britto (1963). Vertreter des Neo Pop Kubismus, wie Kaufman hat er sich am Stil Warhols und Harings inspiriert. Sein Stil ist optimistisch und positiv. Wie Kaufman ist Britto von Stars sehr geliebt und unter seinen Kunden gibt es Michael Jordan, Arnold Schwarzenegger, Andre Agassi, Roger Federer, Ronaldo, die Bush Familie und Angela Merkel.

Takashi Murakami (1962). Seine Werke sind Ikonen der zeitgenössische japanischer Kultur und Gesellschaft und sind auf die Dichotomien der kulturellen Valenzen basiert (hoch/niedrig; alt/neu; östlich/westlich; usw.). Murakami glaubt, dass der Künstler ein Mensch ist, der die Grenzen zwischen die verschiedenen Welten versteht und der versucht, sie zu erkennen. Sein Stil wird „Superflat― genannt und verwendet ausgesuchte japanischer Drucktechniken um eine Mischung von Pop, Anime und Otaku darzustellen. Er ist ein Individualist und benutzt oft religiöse Bezugnahmen und mondäne Gegenstände. Jeff Koons (1955). Amerikanischer Künstler, der seine Karriere in New York in den 1980er Jahren begann. Er hat das Konzept des Ready-Made entwickelt, insbesondere was das Business betrifft. Seine Skulptur Dogs wurde vor kurzem für 58 Million Dollars verkauft. Er ist als Neo Pop Art Künstler betrachtet, weil er seine Werke benutzt, um über die Gesellschaft und die zeitgenössische Welt nachzudenken. Unsere Gesellschaft ist durch den Narzissmus und den Kaufkraft dominiert: Seine Skulptur Puppy, ein zwölf Meter hohen Hunde bestehend aus 17.000 Blumen, wurde 1992 kreiert und seit 1997 befindet sich vor dem GuggenheimMuseum in Bilbao. 60


Cindy Sherman (1954). Regisseurin, Model und Fotografin, ist als eine der wichtigsten und einflussreichsten Künstlerinnen bezeichnet. Ihre Karriere entlang hat sie den Aufbau der Identität provokatorisch untersucht, der auf die unendlich Verfügbarkeit von Images aus Filmen, Fernsehen, Zeitschriften, Internet und Kunstgeschichte basiert ist. In den letzten dreißig Jahren war sie selbst das Model in ihren Werken und hat sich in manchmal provokatorisch und manchmal widerlich Posituren fotografiert. Cindy Sherman ist als Pop Art Künstlerin bezeichnet, weil sie selbst ist die Figur ihrer Werke. Manchmal hat sie ihrer Aussehen und die Umgebung verändert, um sie zu der Umgebung zu verbinden. In Italien: Mimmo Rotella (1918-2006). Er hat bei der di Belle Arti di Napoli studiert. Er war Nonkonformist und konzentrierte sich auf die Fotografie und die Collage. Nachdem er kurz in den USA lebte (und man kann dessen Einfluss in Marilyn bemerken), begann er neue Ausdrucksformen zu erfinden. Zum Beispiel wurde er Plakaten zerstören und danach sie als große Bilder, sogar auf Blech, wieder herstellen.

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Michelangelo Pistoletto (1933). In den 1960er Jahren begann er die Fotografie mit seinen Gemälden zu vermischen. Später begann er seine Werke auf einem monochrome, metallischen Hintergrund anzulegen, um der Zuschauer mit der Werke verbinden zu versuchen. Er verwendete auch die Collage und seine Sujets sind allgemeine Gegenstände des Alltagslebens, deswegen ist er zur Pop Art zugeordnet. Venere degli Stracci (auf Deutsch: Venus in Lumpen, 1967) setzt eine Kopie einer klassische Skulptur mit einem Haufen alter Kleiderstücke zusammen. Er ist ein Hauptvertreter der Arte Povera („Armenkunst―), die gewöhnlichen und alltäglichen Materialen verwendet. Werke Pistolettos wurden vor kurzer Zeit beim Louvre und Jardin des Tuileries veranstaltet. Er lebt und arbeitet in Biella, wo er „Cittadellarte – Fondazione Pistoletto― um die Unterstützung der Kreativität gegründet hat. Wichtige Vertreter sind auch Alighiero Boetti, Piero Gilardi, Aldo Mondino, Ugo Nespolo. Die italienischen Kritiker haben diesen Künstler zu der Arte Povera zugeordnet, obwohl sie nicht immer Werke erschafft haben, die als Arte Povera kennzeichnet werden könnten. Der Krikiter Francesco Poli hat unterstreichen, wie sie besser zur Pop Art zugeordnet sein sollten. Ihm zufolge, konnten die bunte Images der verschiedenen Buschstaben der Arazzo Boettis auch ein Zuschauer zurückführen, der nichts über Boetti kennt. Er folgt der italienischen Pop Art Regel, die behauptet, Gegenstände präzis zu reproduzieren. Aldo Mondino ist ein der vielseitigsten italienischer Künstler, der von Pop Art bis Arte Povera ging. Nespolo ist ein Pop Art Künstler. Und für Pistoletto schafft die Kunst das Image, der nicht repräsentativ sein sollte, und die Medien umwandeln das Werk in Image.86

86

Insideart , www.insideart.eu , 10 dicembre 2014

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