Page 1

Neuerscheinungen aus dem Franzรถsischen Herbst 2019


Neuerscheinungen aus dem Franzรถsischen Herbst 2019


DAS

Bureau du livre, de l’édition et des médiathèques freut sich Ihnen die diesjährige Ausgabe des jährlich erscheinenden Heftes „Neuerscheinungen aus dem Französischen“ mit einer Auswahl an neuen Übersetzungen vorstellen zu können.

Vorwort

Büro für Buch- und Verlagswesen Institut français Deutschland

Das Bureau du livre ist Teil des Institut français Deutschland und ein wich­ tiger Ansprechpartner für Verleger. Seine wichtigste Aufgabe besteht in der Förderung französischsprachiger Bücher in Deutschland durch die Unterstützung beim Erwerb von Rechten, bei Übersetzungen, der Organi­ sation von Lesereisen und Gesprächsrunden in ganz Deutschland. Zudem verfolgt es aktuell die neuesten Entwicklungen auf dem französisch­ sprachigen Buchmarkt in Deutschland (Neuerscheinungen, Pressespiegel, Bestseller, usw.) und macht diese auf folgender Internetseite zugänglich: https://www.institutfrancais.de/culture/Buch-Ideen Mit 1008 Übersetzungen im vergangenen Jahr bleibt das Französische die am zweithäufigsten übersetzte Sprache in Deutschland und auch in den Buchhandlungen feiern französischsprachige Bücher einen großen Erfolg: Houellebecq ist mit seinem aufsehenerregenden Buch Serotonin nach wie vor ein viel gelesener Autor, ebenso wie zahlreiche andere Autoren, mit denen der deutsche Leser mittlerweile ebenfalls sehr vertraut ist, darunter Eric Vuillard (14. Juli), Joël Dicker (Das Verschwinden der Stephanie Mailer), Leïla Slimani (All das zu verlieren) oder auch Fred Vargas (Der Zorn der Einsiedlerin). Mit besonderer Freude verzeichnen wir eine große Begei­ sterung der Jugendlichen und jungen Erwachsenen für die fantastische und mitreißende Saga von Christelle Dabos Die Spiegelreisende, deren dritter Band Das Gedächtnis von Babel Ende des Jahres erscheinen soll. Auch 2019 verschafften sich zahlreiche „neue Stimmen“ Gehör und man kommt nicht umhin, dass große Engagement deutscher Verleger zu würdigen, die literarisch sehr ambitionnierte Bücher veröffentlichen, die zwar im Herkunftsland sehr erfolgreich, jedoch literarisch sehr anspruchs­ voll sind und/oder sehr spezifische Themen behandeln, wie den schmerz­ vollen Weg und die Verwandlung nach dem Attentat auf Charlie Hebdo (Philippe Lançon, Der Fetzen), die Arbeiterklasse im Osten Frankreichs vor dem Hintergrund der Deindustrialisierung (Nicolas Mathieu, Wie später ihre Kinder), das harte Leben in Städten und die Erinnerung an den Krieg im 5


ehemaligen Jugoslawien (Jakuta Alikavazovic, Das Fortschreiten der Nacht), das Schicksal der „Tirailleurs sénégalais“ (Senegalschützen) im Ersten Weltkrieg (David Diop, Nachts ist unser Blut schwarz), in den Fängen des Dschihad und das Leben von Taxifahrern bei Uber (Mahir Guven, Zwei Brüder), die Geschichte einer Schweinezüchterfamilie (Jean-Baptiste del Amo, Tierreich), Gewalt gegen Frauen (Ivan Jablonka, Laëtitia oder das Ende der Mannheit) u.v.m.. Auch wenn die „neuen Stimmen“ im Bereich Sozialwissenschaften etwas weniger zahlreich vertreten sind, so ist doch festzustellen, dass auch sie die aktuellen Entwicklungen aufgreifen und diese hinterfragen, so beispiels­ weise in Nach dem Ende der Welt: Kritik der apokalyptischen Vernunft von Mickaël Foessel, in Revolte oder Ressentiment: Über den Populismus von Eric Fassin und in Afrotopia von Felwine Sarr. Bei den Comics finden wir viele Autoren wieder, die bereits erfolgreich Einzug in den deutschen Buchhandel gehalten haben und auch 2019 wieder mit wunderbaren Werken in Erscheinung treten, wie Catherine Meurisse (Ein weites Land), Cyril Pedrosa (Das goldene Zeitalter), Riad Sattouf (Der Araber von Morgen, Esthers Tagebücher) Simon Roussin (Xibalba), Zeina Abirached und Mathias Enard (Zuflucht nehmen). Comics bieten zudem bei schwierigen und teils noch schmerzhaften Themen eine wunderbare Platt­ form des Austauschs zwischen unseren beiden Ländern. Das zeigt z.B. der Comic von Philippe Collin und Sébastien Goethals, Die Reise des Marcel Grob, der von der erzwungenen Einberufung von Elsässern in die Waffen-SS während des Zweiten Weltkriegs erzählt. Die Verkäufe von ursprünglich französischsprachigen Kindern- und Jugendbüchern in Deutschland bleiben stabil (158 Rechteabtretungen im Jahr 2018), jedoch scheint sich ein Wandel im Verlagswesen zu voll­ ziehen und echten Identifikationsfiguren Platz zu schaffen, wie dem kleinen blauen Esel Ariol von Emmanuel Guibert und Marc Boutavant. In diesem Jahr wurde mittlerweile die neunte Episode (Hasenzähne) aus dem Leben des kleinen Ariol veröffentlicht. Unbedingt erwähnt werden müssen an dieser Stelle auch das neue Kinderbuch Pfff von Claude K. Dubois mit ihren liebevollen und unverkennbaren Illustrationen oder auch die wunderbaren Bestiarien von Emmanuelle Tchoukriel und Véronique Aladjidi mit ihrem jüngsten Werk Wunderwelt Natur, das die Vielfalt der Natur aufzeigt. Alle hier vorgestellten Veröffentlichungen verstehen sich auch als Würdi­ gung der Arbeit und der Begeisterung der Übersetzer, ohne die diese Vermittlung von Kunst, Unterhaltung und Wissen aus dem Französischen ins Deutsche undenkbar wäre.

6

Leipziger Buchmesse 2020 Das Institut français Deutschland ist auch auf der Leipziger Buchmesse vertreten. Sie können das Team des Bureau du livre in Berlin und des Institut français Leipzig am französi­ schen Stand treffen, an dem die Neuheiten von 60 Verlegern vorgestellt werden: Halle 4, Stand 502.

„Krimi à la française“ - Aufruf zur Einreichung von Vorschlägen Wie in jedem Jahr organisiert das Institut français Leipzig im Rahmen der Reihe „Leipzig liest“ eine französischsprachige Kriminacht, die „Krimi à la française“. Haben Sie 2019 einen Kriminalroman eines französisch­ sprachigen Autors veröffentlicht oder planen Sie eine Veröffentlichung für Anfang 2020? Dann teilen Sie uns das einfach mit, damit wir den Roman in unser Programm aufnehmen können. Vergessen Sie ferner nicht, uns über Ihre neuesten Übersetzungen und Lesereisen zu informieren. Wir werden Ihre Informationen gern über unsere Newsletter bzw. unsere Webseite verbreiten. Hierfür wenden Sie sich bitte an Frau Myriam Louviot vom Bureau du livre: myriam.louviot@diplomatie. gouv.fr.

NEUE STIMME

NEUE STIMME Mit diesem Label kennzeichnen wir die Autoren, die zum ersten Mal ins Deutsche übersetzt werden.

GOLDSCHMIDT

GOLDSCHMIDT 2018

Mit diesem Label kennzeichnen wir die Übersetzer, die mit diesem Buch oder mit einem früheren Projekt, Stipendiaten des Georges-Arthur-­GoldschmidtProgramms gewesen sind. 7


NEUE STIMME

Belletristik

Jakuta ALIKAVAZOVIC Das Fortschreiten der Nacht Übersetzt von Sabine Mehnert Nautilus, 04.03.2019 978-3-96054-098-4 | € 22

GOLDSCHMIDT 2018

Paul, Student und Nachtportier im Hotel, ist fasziniert von Amélia, dem Gast in Zimmer 313. Er ist in der Pari­ ser Banlieue aufgewachsen, sie Tochter eines reichen Vaters und einer Mutter, die verschwand, als sie einen Krieg verhindern wollte. Alles an ihr ist ein Geheimnis, ihr Kommen und Gehen, ihr wilder Intellekt und die Gerüchte, die sie umgeben. Fortan gehören die Nächte ihnen. Amélia jedoch ist diese Liebe nicht genug, sie verschwindet spurlos. Erst viel später erfährt Paul, dass sie nach Sarajevo gegangen ist, um ihre Mutter zu suchen. Nach zehn Jahren kehrt Amélia zurück – doch niemand entkommt den Phantomen der eigenen Geschichte, die immer von Neuem beginnt. 1979 in Paris geboren, unterrichtet an der Sorbonne und übersetzt u.a. Ben Lerner ins Französische. Ihr Debütroman Corps volatils wurde mit dem Prix Goncourt du premier roman ausgezeichnet. Das Fortschreiten der Nacht erhielt den Prix du Zorba und den Prix Castel du Roman de la nuit.

Vincent ALMENDROS Ins Schwarze

Übersetzt von Till Bardoux Wagenbach, 14.03.2019 978-3-8031-1339-9 | € 16

GOLDSCHMIDT 2009

Der Abend ist schwül, die Straße leer. Es dunkelt. Die Strecke zieht sich. Widerwillig fährt Laurent zur Hoch­ zeit einer Cousine in sein Heimatdorf. Begleitet von Claire, die er als Constance vorstellen wird. Er wird sie alle wiedersehen. Oder vielmehr alle, die noch übrig sind. Warum irritiert ihn so sehr, dass seine Cousine heira­ tet? Weshalb meidet er den Ort seit dem Tod seines Vaters? Will der Onkel, nun Mann seiner Mutter, sich tatsächlich verabschieden? Und wieso nennt Laurent seine Freundin Claire nun Constance? Schwarzer Humor, falsche Fährten, raffinierte Dialoge, verdichtete Spannung. Almendros erzählt einen ele­ ganten Mini-Familienthriller, eine kunstvoll reduzierte, immer wieder überraschende Novelle über mehr als eine unerhörte Begebenheit… Vincent Almendros, 1978 in Avignon geboren, hat Literaturwissenschaft studiert und lebt heute als Lehrer und Schriftsteller in Paris. Sein Roman Ein Sommer wurde 2015 mit dem Prix Françoise Sagan ausgezeichnet.

9


NEUE STIMME

Jean-Baptiste ANDREA

Guillaume APOLLINAIRE (et alii)

Meine Königin

Apollo 18 – Gedichte, Texte und Zeichnungen Übersetzt von Hans Thill et alii Das Wunderhorn, 01.11.2019 978-3884236185 | € 20

Übersetzt von Sarah Heurtier und Sebastian Wilde. Wolff Verlag, 01.10.2019 978-3941461376 | € 18

Übersetzt von Maria Turner Suhrkamp, 28.10.2019 978-3-518-22510-3 | €

Meine Königin ist eine Ode an die Freiheit, an die Phan­ tasie und das Anderssein. Mit warmherzigem Humor erzählt Jean-Baptiste Andrea von der Freundschaft zwischen zwei Einzelgängern – und davon, wie fabel­ haft die Welt sein kann, wenn man sie mit etwas ande­ ren Augen betrachtet.

Der deutsch-französische Sammelband rückt Guillaume Apollinaire ganz ins Licht der Gegenwart. Autorinnen und Autoren tauchen in den Apollinaire-Kosmos ein, sondieren die Lieblingsthemen Liebe, Krieg und Alko­ hol und senden eigene poetische Sonden. An Bord von Apollo 18 ist auch eine neue Version von Apollinaires Bestiarium: 33 poeto-zoologische Wortplaneten wur­ den in einem Lyriklabor unter der Regie vom Hans Thill neu vermessen und kollektiv übersetzt. Apollo 18 führt uns in die verschiedensten poetischen Zonen und offenbart sich als Heilmittel gegen die Melancholie und als Feier von Humor und Übermut. Mit Texten, Beiträgen und Übersetzungen von Nora Bossong, Jacques Darras, Christian Filips, Odile Kennel, Gernot Krämer, Dagmara Kraus, Marion Poschmann, Leopold von Verschuer, Hans Thill, Fiston Mwanza Mujila, Muriel Pic, Oliver Rohe, Eric Sarner – und mit neuen Zeichnungen von Monika Rinck.

Urbino Ende Juni 1502. Die italienische Stadt wurde soeben mit einer solchen Geschwindigkeit, Wucht und Skrupellosigkeit eingenommen, dass der Name ihres Eroberers von nun an in ganz Italien widerhallt: Cesare Borgia. Er gehört zu den Fürsten einer neuen Zeit, die mit ihren Feldzügen die alte Ordnung Italiens in Trüm­ mer legen. Im Zeitraum der Eroberung halten sich auch Leonardo da Vinci und Niccolò Machiavelli in Urbino auf. Patrick Boucheron zeichnet die bis heute kaum beachteten Berührungspunkte zwischen Leonardo und Machiavelli nach. Anhand einer Fülle faszinierender Details deckt er verblüffende Verbindungen zwischen dem scharfsichtigen Machtanalytiker und dem rast­ losen Tausendsassa auf. Damit rückt Boucheron nicht nur Leonardo und Machiavelli in ein besonderes Licht, er bietet zugleich auch ein fesselndes Porträt einer bewegten Zeit.

Was interessiert uns an anderen? Und was verbirgt sich hinter unserem Interesse? Charakterstudie, Bekenntnis, Essay, Konzeptkunst – Sophie Calle unternimmt eine voyeuristische Abenteuerreise durch das Adressbuch eines Fremden und erfindet eine Form, in der Leben und Kunst, Rolle und Identität, Vertrautes und Unbekanntes ineinander zu oszillieren beginnen.

Guillaume Apollinaire (1880-1918) war ein französischer Dichter und Schrifsteller italienisch-polnischer Abstammung. Vor allem mit seiner Lyrik gehört er zu den bedeutendsten französischen Autoren des frühen 20. Jahrhunderts.

Patrick Boucheron, 1965 in Paris geboren, ist Historiker. 2015 wurde er am renommierten Collège de France berufen. 2017 erschien von ihm in deutscher Übersetzung Gebannte Angst. Siena 1338. Essay über die politische Kraft der Bilder.

Übersetzt von Thomas Brovot Insel, 11.03.2019 978-3-458-36391-0 | € 12,95

Jean-Baptiste Andrea, geboren 1971, ist ein französischer Filmregisseur und Drehbuchautor. Meine Königin ist sein erster Roman, der in Frankreich zahlreiche Preise gewonnen hat.

10

Patrick BOUCHERON Leonard und Machiavelli

Sophie CALLE Das Adressbuch

Sophie Calle, geboren 1953, ist eine international renommierte Künstlerin mit einem methodischen Interesse an Überschreitung und Tabubruch, in ihren häufig autobiographischen, häufig kontroversen Arbeiten verschränkt sie Konzeptkunst mit oulipotischen Formenzwängen. Calle lebt in Malakoff bei Paris.

11


NOMIN F ÜR IER T P R EIS DEN L EIP DER BUCH ZIGER ME S 20 19 SE

NEUE STIMME

Michel CARROUGES Die Junggesellenmaschinen

Kamel DAOUD

Marie DARRIEUSSECQ

Zabor

Hiersein ist herrlich. Das Leben Paula Modersohn-Beckers

Übersetzt von Maximilian Gilleßen Zero Sharp Verlag, 11.09.2019 978-3945421093 | € 28

Übersetzt von Claus Josten Kiepenheuer & Witsch, 07.03.2019 978-3-462-05202-2 | € 23

Wenige Wortschöpfungen der historischen Avant­ garde haben einen so langanhaltenden Einfluss auf die Phantasie von Künstlern, Kuratoren und Philosophen ausgeübt wie der Begriff der Junggesellenmaschine. Geprägt wurde er erstmals von Marcel Duchamp für die untere Hälfte seines frühen Hauptwerks Die Braut von ihren Junggesellen entblößt, sogar. Mehr als drei Jahrzehnte später griff der Literaturkritiker Michel Car­ rouges Duchamps Idee eines in sich geschlossenen Liebesmechanismus auf und erkannte darin die Spu­ ren eines modernen Mythos, der die phantastische Literatur des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhun­ derts durchzieht.

Ismaël, der sich selbst Zabor nennt, verliert früh seine Mutter. Der Vater verstößt ihn, Stiefmutter und Halb­ geschwister wollen das Kind nicht im Haus haben. Zabor wächst bei seiner altjüngferlichen Tante und dem stummen Großvater auf. Trost und Zuflucht findet er in der Literatur, er verschlingt alles, was er in die Finger kriegen kann. Viel ist das jedoch nicht in einem algerischen Dorf, das im Süden bereits an die Sahara grenzt, und so beginnt Zabor, seine eigenen Geschich­ ten zu schreiben und entdeckt dabei schon früh ein besonderes Talent: Er hat die Gabe, das Leben von Sterbenden zu verlängern. So lange er über die Leute schreibt, so lange hält er den Tod auf Abstand. Wenn der Arzt und das Heilige Buch nicht mehr helfen kön­ nen, dann holt man Zabor. So auch, als eines Tages sein Vater im Sterben liegt.

Michel Carrouges, geboren 1910 in Poitiers, war ein surrealistischer Autor, der sich für Mythen und Spiritualitäten sehr interessierte. Er starb 1988 in Paris.

Kamel Daoud, Jahrgang 1970, arbeitete lange als Journalist für den Quotidien d’Oran und andere Zeitungen. Heute lebt er als Schriftsteller mit seiner Familie in Oran. Für seinen ersten Roman Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung wurde er u.a. mit dem Prix Goncourt du Premier Roman ausgezeichnet.

12

Übersetzt von Frank Heibert und Patricia Klobusiczky Secession, 13.09.2019 978-3906910659 | € 18 Die hier vorliegende Biografie, die Marie Darrieussecq Paula Modersohn-Becker widmet, nimmt sämtliche Elemente auf, die den kurzen Lebensweg der Künstle­ rin markieren. Doch sie zeichnet sie in einem zugleich weiblichen und literarischen Licht. Sie zeigt voller Lebendigkeit und Einfühlungsvermögen den Kampf dieser Frau inmitten der Männer und Künstler ihrer Zeit, ihre Freundschaften, vor allem jene mit Rainer Maria Rilke, und nicht zuletzt ihren unbedingten Wunsch nach Ausdruckskraft und Unabhängigkeit, auf den sie insbe­ sondere insistierte. Auch in diesem Jahr erschienen: Unser Leben in den Wäldern Übersetzt von Frank Heibert Secession, 28.01.2019 978-3-906910-59-8 | € 18 Marie Darrieussecq, geboren 1969 in Bayonne, hat viele Bücher veröffentlicht, darunter Schweinerei, Prinzessin­ nen oder der mit dem Prix Médicis preisgekrönte Roman Man muss die Männer sehr lieben. Sie arbeitete bis 2017 auch als Psychoanalytikerin.

Jean-Baptiste DEL AMO Tierreich

Übersetzt von Karin Uttendörfer Matthes & Seitz Berlin, 20.03.2019. 978-3957576866 | € 26

Während Europa von Kriegen und Umwälzungen erschüttert wird, kämpft eine Familie von Schweine­ züchtern um ihr Fortbestehen - und nutzt die in immer größerem Maßstab stattfindende Ausbeutung des Roh­ stoffs Tier, um sich in unsere heutige, hochindustriali­ sierte Welt hinüberzuretten. Éléonore, Kind eines kran­ ken Vaters und einer lieblosen Mutter, erbt Anfang des 20. Jahrhunderts von ihren Vorfahren Schweine und die Gewissheit, dass Gewalt gegen Mensch und Tier zum Leben dazugehört. Achtzigjährig erlebt die erschöpfte Matriarchin schließlich, wie dieser mit ihren Enkeln Serge und Joël den familiären Zuchtbetrieb zu einer gigantischen, die Ressource Tier grausam ausbeuten­ den Tierfabrik ausbauen. Jean-Baptiste Del Amo, 1981 in Toulouse, Frankreich, geboren, ist Schriftsteller. Nachdem er für seinen Debütroman Die Erziehung den Prix Goncourt du premier roman erhielt, wurde er für seinen vierten Roman Tierreich mit dem Prix du Livre Inter ausgezeichnet.

13


NEUE STIMME

NEUE STIMME

Pauline DELABROY-ALLARD Es ist Sarah

Patrick DEVILLE

David DIOP

Übersetzt von Sina de Malafosse Frankfurter Verlagsanstalt, 15.08.2019 978-3627002664 | € 22

Übersetzt von Holger Fock und Sabine Müller Bilger Verlag, 10.03.2019 978-3-03762-077-9 | € 28

Übersetzt von Michaela Meßner und Amelie Thoma Piper, 02.04.2019 978-3492059398 | € 25

Das Verschwinden der Stephanie Mailer

Nachts ist unser Blut schwarz

Mit Es ist Sarah ist Pauline Delabroy-Allard ein atembe­ raubendes literarisches Debüt gelungen, das in Frank­ reich für Furore gesorgt hat: eine Liebesgeschichte, wie sie so noch nicht erzählt wurde. Poetisch, kraftvoll und kompromisslos beschreibt die Autorin eine Amour fou zwischen zwei Frauen, entwirft das ungeschminkte Porträt einer Liebe voller Schönheit und Schrecken. Ganz im Bann dieser melancholischen und mitreißen­ den Komposition verfolgt der Leser das Aufflammen und Verlöschen dieser Liebe bis zu ihrem dramati­ schen Schlussakkord.

Ein romanhaftes Familienfresko, eine Reise durch Zeit und Geschichte. Patrick Deville rollt die Geschichte seiner eigenen Familie auf, beginnend mit dem Jahr 1862, in dem die Urgroßmutter als Vierjährige aus Ägypten nach Frankreich kommt, und dem Bau jenes Lazaretts in Mindin, gegenüber von Saint-Nazaire an der Loiremündung, in dem Deville später aufwachsen wird. Mit viel Liebe zum Detail spürt der Autor den Wechselwirkungen zwischen persönlicher und politi­ scher Geschichte nach und fächert vor den Augen des Lesers ein groß angelegtes historisches Panorama auf, das bis in die Gegenwart führt.

Es ist der 30. Juli 1994 in Orphea, ein warmer Sommer­ abend an der amerikanischen Ostküste: An diesem Tag wird der Badeort durch ein schreckliches Verbrechen erschüttert, denn in einem Mehrfachmord sterben der Bürgermeister und seine Familie sowie eine zufällige Passantin. Zwei jungen Polizisten, Jesse Rosenberg und Derek Scott, werden die Ermittlungen übertragen, und sie gehen ihrer Arbeit mit größter Sorgfalt nach, bis ein Schuldiger gefunden ist. Doch zwanzig Jahre später behauptet die Journalistin Stephanie Mailer, dass Rosenberg und Scott sich geirrt haben. Kurz darauf verschwindet die junge Frau... - Die idyllischen Hamptons sind Schauplatz einer fatalen Intrige, die Joël Dicker mit einzigartigem Gespür für Tempo und erzählerische Raffinesse entfaltet.

Alfa Ndiaye kämpft im Ersten Weltkrieg an der Seite der Franzosen gegen die Deutschen - ein "Schokosol­ dat" wie die Kameraden ihn nennen. Als Alfas gelieb­ ter Kindheitsfreund in seinen Armen verblutet, wird er von Wut und Rache gepackt. Wie ein Wahnsinniger zieht er mit seiner Machete über das Schlachtfeld und kehrt jeden Abend mit einem Gewehr des Feindes samt abgetrennter Hand zurück. Erst bewundern ihn die anderen, dann fürchten sie den Wilden und wenden sich ab. David Diop hinterfragt die Menschlichkeit in unmenschlichen Zeiten und verlagert das Grauen des Krieges ins tiefste Innere. Die Stimme von Alfa Ndiaye betört und verstört. Ein archaischer Roman von unver­ gleichlicher literarischer Kraft.

Pauline Delabroy-Allard, 1988 geboren, erreichte 2018 mit ihrem ersten, von der Presse hochgelobten Roman Ça raconte Sarah die zweite Runde des Prix Goncourt und wurde mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet.

14

Taba-Taba

Joël DICKER

Patrick Deville, grosser Reisender, mit dem Esprit des Kosmopoliten, wurde 1957 geboren. Er leitet das Maison des Ecrivains Etrangers et Traducteurs (MEET) in Saint Nazaire. Sein Werk wurde in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt.

Joël Dicker wurde 1985 in Genf geboren. Nach den Weltbestsellern Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert und Die Geschichte der Baltimores, die sich weltweit mehr als 6 Millionen mal verkauften, ist dies Joël Dickers dritter ins Deutsche übersetzte Roman.

Übersetzt von Andreas Jandl Aufbau, 13.09. 2019 GOLDSCHMIDT 978-3351037918 | € 18 2004

David Diop wurde 1966 in Paris geboren und ist im Senegal aufgewachsen. Nachts ist unser Blut schwarz ist sein zweiter Roman, der in Frankreich als literarische Sensation gefeiert wurde. David Diop erhielt dafür u.a. den Prix Goncourt des lycéens 2018.

15


Mathias ÉNARD Letzte Mitteilung an die Proust-Gesellschaft von Barcelona

Übersetzt von Holger Fock und Sabine Müller Hanser Berlin, 23.09.2019 978-3-446-26409-0 | € 19 Matthias Énards kartografischer Lyrikband zeigt eine weitere Facette des vielseitigen Autors. In Letzte Mitteilung an die Proust-Gesellschaft von Barcelona folgt Mathias Énard der Karte seiner literarischen Recher­ chen, seiner Reise- und Schreibwelt: von Beirut bis Sarajevo, von Polen und Tadschikistan bis nach Spa­ nien. Während er sich moderner und klassischer poe­ tischer Formen bedient, entstehen intensive Bilder und Innenansichten von großer Schönheit, die zugleich durchlässig sind für das Echo von Krieg und Gewalt, die diese Territorien prägen. Über einen Zeitraum von fast 20 Jahren entstanden, ergeben diese Gedichte das poetische Logbuch eines zutiefst neugierigen Men­ schen, der Welten erkundet, um neue zu erschaffen. Mathias Énard, 1972 geboren, lebt in Barcelona. Für Zone erhielt er in Frankreich den Prix Décembre und den Prix du Livre Inter, in Deutschland den deutsch-französischen Candide Preis. Für Kompass wurde Mathias Enard mit dem Prix Goncourt sowie dem Leipziger Buchpreis der Europäischen Verständigung ausgezeichnet.

16

Jérôme FERRARI Nach seinem Bilde

Annie ERNAUX Eine Frau

Romain GARY GOLDSCHMIDT 2005

Übersetzt von Christian Ruzicska Secession, 26.08.2019 978-3906910635 | € 20

Übersetzt von Sonja Finck Suhrkamp, 28.10.2019 978-3-518-22512-7 | € 18

Antonia, eine junge Fotografin, trifft auf Korsika eines Abends unerwartet auf den Söldner Dragan, den sie Jahre zuvor im Jugoslawienkrieg kennengelernt hat. Nach Stunden intensiver Unterhaltung entscheidet sich die junge Frau heim in die Berge zu fahren und verunglückt tödlich. Die Totenmesse wird von ihrem Onkel, einem Priester abgehalten. Um seine unendliche Trauer über den Tod der innig geliebten Nichte im Zaum zu halten, entscheidet er sich für die strikte Einhaltung der Regeln der Liturgie. Im Glutofen der kleinen Kirche aber steigen Bilder der Erinnerung aus dem Leben der Verstorbenen auf... Sie führen vom militanten Nationalismus auf Korsika über die verheerenden Kriege des 20. Jahrhunderts ins Herz der Frage nach der menschlichen Existenz, dem Glauben, der Macht von Politik und bringen unsere Vorstellung von Zeit, Wirklichkeit und Tod ins Wanken.

Dreizehn Tage nach dem Tod ihrer Mutter im Jahr 1986 schreibt Annie Ernaux ein kurzes, schmerzhaftes Requiem. Das Leben ihrer Mutter: geboren um die Jahrhun­ dertwende in der Normandie, Arbeiterin, dann Ladenbesit­ zerin, Ehefrau, zweifache Mutter, lebenslustig und offen, Körper und Geist werden später langsam durch Alzheimer zerstört. Das Ende war für die Tochter vorauszusehen, die Wirklichkeit des Todes scheint indessen kaum erträglich. Zeit ihres Lebens kämpfte die Mutter darum, ihren sozialen Status zu erhalten, ihn vielleicht sogar zu überwinden. Erst der Tochter wird dies gelingen, eine Distanz zwischen den beiden entsteht. Auch darauf blickt Annie Ernaux zurück, voller Zärtlichkeit und Abscheu und Schuldgefühl.

Jérôme Ferrari, geboren 1968 in Paris, lebt als Schrift­ steller und Philosophiedozent in Ajaccio auf Korsika. Mit seinem Roman Predigt auf den Untergang Roms, der 2012 mit dem begehrten Prix Goncourt ausgezeichnet wurde, gelang ihm sein internationaler Durchbruch. Nach seinem Bilde ist der sechste Roman in deutscher Übersetzung.

Auch in diesem Jahr erschienen: Der Platz Übersetzt von Sonja Finck Suhrkamp, 11.03.2019 978-3-518-22509-7 | € 18 Annie Ernaux, geboren 1940, bezeichnet sich als "Ethnologin ihrer selbst". Sie ist eine der bedeutendsten französischsprachigen Schriftstellerinnen unserer Zeit, ihre zwanzig Bücher sind von Kritik und Publikum gleichermaßen gefeiert worden.

Die Jagd nach dem Blau

Übersetzt von Jeanne Pachnicke Rotpunkt, 06.02.2019. 978-385869-828-5 | € 24

Der elternlose Ludo lebt in einem Dorf in der Normandie bei seinem Onkel Ambroise Fleury. Der gilt als leicht durch­geknallt und erfreut die Kinder mit seinen selbst gebauten Drachen. Ludo, ein wahrer Fleury, denen die Fähigkeit des Vergessens nicht gegeben ist, leidet an Gedächtnisüberschuss; er kann das halbe Kursbuch der Eisenbahn aufsagen. Auch nicht aus dem Kopf geht ihm Lila, Tochter polnischer Adliger, die ihn nach Jahren des Wartens endlich auf den Sommersitz der Familie einlädt. Die Liebe ist kompliziert, im Weg steht nicht nur Lilas deutscher Cousin Hans, ­sondern bald auch der Krieg. Nach der Besatzung der Deutschen schließt Ludo sich der Résistance an, während der Onkel sieben gelbe Sterne am Himmel aufsteigen lässt. Romain Gary war Weltkriegspilot, Filmregisseur, Diplomat und Literat. 1914 als Roman Kacew in eine jüdische Familie in Wilna geboren, kam er 1928 nach Frankreich. Als einziger Autor erhielt er zweimal den Prix Goncourt. Er war mit der Nouvelle-Vague-Legende Jean Seberg verheiratet.

17


NEUE STIMME

Mahir GUVEN Zwei Brüder

Übersetzt von André Hansen Aufbau, März 2019. 978-3351037611 | € 20

Tristan GARCIA GOLDSCHMIDT 2016

Der große Bruder fährt mit seinem Taxi durch die Stra­ ßen von Paris, der kleine Bruder arbeitet als Assis­ tenzarzt in einer Klinik. Sie sind jung und haben das Leben vor sich. Während der Große in die Fußstapfen des Vaters tritt, taucht der Kleine eines Tages in Syrien ab und gerät in die Fänge des Dschihad. Bis er plötzlich, nach Jahren des Schweigens, wieder vor der Tür steht. Wo fängt Radikalisierung an, wo hört Bruder­liebe auf? Ein mutiges Debüt über Liebe und Verrat, Glaube und Hoffnung, das in den Kern unserer Zeit hinein zoomt. Erzählt in einem Sound, der schlicht­ weg süchtig macht. Mahir Guven wurde 1986 in Nantes geboren, hat türkisch-­ kurdische Wurzeln und lebt in Paris. Zwei Brüder ist sein erster Roman, mit dem er bereits mehrere Preise und unter anderem den Prix Goncourt du premier roman 2018 gewonnen hat.

18

Das Siebte

Pierre GUYOTAT Idiotie

Yannick HAENEL Halt fest deine Krone

Übersetzt von Birgit Leib Wagenbach, 22.08.2019 978-3803133151 | € 24

Übersetzt von Anne Krier Diaphanes Verlag, 14.10.019 978-3035801859 | € 22

Übersetzt von Claudia Steinitz Rowohlt, 17.09.2019 978-3-498-03040-7 | € 22

Es geschieht sieben Mal: Er stirbt und wird im selben Moment wieder geboren. Immer neu. Stets der Gleiche. Immer wieder kehrt der Ich-Erzähler nach dem Tod an den Anfangspunkt zurück, behält aber all seine frü­ heren Leben in Erinnerung, alle Irrtümer und Erfolge. Jedes Mal muss er wieder neu laufen und sprechen lernen, warten, bis das Blut kommt, um dann nach Paris gebracht zu werden. Dort trifft er Fran, der ein Mittel zur Blutstillung besitzt, ihn stets aufs Neue erwartet, erkennt und begleitet. Wie alles andere auch ist diese Freundschaft sieben Mal gleich und doch grundverschieden. Sieben Mal liebt der Erzähler außerdem hingebungsvoll die gleiche, ja dieselbe Frau mit dem seltsamen Namen: Hardy.

In seinem neuesten, gleich drei Mal prämierten Buch, umkreist Pierre Guyotat sein vom Algerienkrieg gezeich­ netes Leben zwischen seinem 19. und 22. Lebensjahr. Die schmerzvolle, mit der Flucht nach Paris vollzogene Befreiung vom Vater mündet unmittelbar in die Einbe­ rufung zur Armee. Die Konfrontation mit militärischem Drill, dumpfer Schikane und Sadismus und die wegen Ungehorsams auferlegte Inhaftierung wirft den jungen Mann zurück auf grundlegende Erfahrungen. Mit großer Sympathie für den Freiheitsjubel der algeri­ schen Bevölkerung protokolliert Guyotat die Niederlage und den Rückzug der französischen Armee. Der junge Mann erlebt den aufzehrenden Materialtross zurück nach Frankreich als ebenso stumpfe wie luzide Zeit.

Der Drehbuchautor Jean erlebt schier Unglaubliches: In New York trifft er den berühmten Regisseur Michael Cimino in Frauenkleidern vor einem Museum. In Paris dinniert er neben Isabelle Huppert in einem Nobelres­ taurant, in dem Emmanuel Macron kellnert. Im Jagd­ museum schläft er zwischen ausgestopften Tieren mit einer geheimnisvollen Frau, und zu Hause führt ihn der Vietnam-Film „Apocalypse now“ von Francis Ford Coppola, den er sich besessen immer wieder ansieht, zurück zu den Ursprungsfragen des Daseins. Indes wird seine Lage brisant. Er hat kein Geld mehr, es droht ihm der Rausschmiss aus seiner Wohnung, und dann verliert er auch noch den Dalmatiner seines Nachbarn im nächtlichen Paris.

Tristan Garcia wurde 1981 in Toulouse geboren und verbrachte seine Kindheit in Algerien. Er ist Schüler von Alain Badiou und lehrt Philosophie in Lyon und Paris. Sein bereits umfangreiches Werk umfasst philosophische Texte ebenso wie Romane und Erzählungen.

Pierre Guyotat gilt als einer der bedeutendsten Avantgardisten und Erneuerer der französischen Literatur. Mit seinen Werken Grabmal für fünfhunderttausend Soldaten und Eden Eden Eden, das eine scharfe Kontroverse auslöste und jahrelanger Zensur anheim fiel, wurde er einem breiten Publikum bekannt. Für Idiotie wurde ihm der Prix Medicis 2018 zugesprochen.

Yannick Haenel, geboren 1967 in der Bretagne, hat seine Kindheit und Jugend in verschiedenen Ländern Afrikas in Niger, im Senegal und in Djibouti – verbracht. Heute lebt er in Paris. Haenel wurde für seinen Roman Das Schweigen des Jan Karski mit dem Prix FNAC und dem Prix Interallié ausgezeichnet und für Halt deine Krone fest 2017 mit dem Prix Médicis.

19


Michel HOUELLEBECQ Serotonin

Joseph INCARDONA Asphaltdschungel

NEUE STIMME

Serge JONCOUR Lehn dich an mich

Maylis de KÉRANGAL GOLDSCHMIDT 2017

Übersetzt von Stefan Kleiner DuMont, 01.01.2019 978-3-8321-8388-2 | € 24

Übersetzt von Lydia Dimitrov Lenos Verlag, 14.03. 2019 978-3-85787-494-9 | € 22

Übersetzt von Paul Sourzac Secession, 10.09.2019 978-3906910642 | € 24

Als der 46-jährige Protagonist von Serotonin, dem neuen Roman des Goncourt-Preisträgers Michel Houellebecq, Bilanz zieht, beschließt er, sich aus sei­ nem Leben zu verabschieden – eine Entscheidung, an der auch das revolutionäre neue Antidepressivum Captorix nichts zu ändern vermag, das ihn in erster Linie seine Libido kostet. Alles löst er auf: Beziehung, Arbeitsverhältnis, Wohnung. Wann hat diese Gegen­ wart begonnen? In der Erinnerung an die Frauen seines Lebens und im Zusammentreffen mit einem alten Studienfreund, der als Landwirt in einem globa­ lisierten Frankreich ums Überleben kämpft, erkennt er, wann und wo er sich selbst und andere verraten hat.

In seinem preisgekrönten Roman noir beschreibt Joseph Incardona den Wettlauf zwischen der Polizei, einem verzweifelten Vater und einem traumatisierten Kindermörder. Im Netz der französischen Autobahnen, in der Welt der Fernfahrer und Touristen, des Stras­ senstrichs auf Raststätten entwirft er ein filmreifes Panoptikum schicksalhafter Beziehungen. „Ein Buch, das derzeit seinesgleichen sucht. (…) Vieles deutet schon jetzt darauf hin, dass der Roman das Zeug zu einem Klassiker des Genres hat.“ (Peter Henning, Spiegel online) Ausgezeichnet mit dem Grand Prix de littérature policière.

Aurore ist eine bekannte Stylistin, Ludovic ein ehema­ liger Landwirt, der bei anderen Schulden eintreibt. Sie haben nichts gemein, abgesehen von einem merkwür­ digen Problem: Im Innenhof ihres Pariser Wohn­hauses haben sich Raben eingenistet. Sie hat eine Heiden­ angst vor ihnen, während ihr leicht aufbrausender Nachbar schon wüsste, wie man sie loswerden könnte. Für die junge Frau, obgleich sie ihn einschüchtert und abschreckt, wird er die Vögel töten. Dieser erste Schritt führt das ungleiche Paar auf einen gefährli­ chen Weg, der es vom Gefühl der Komplizenschaft bis zur Liebesverwirrung aus seinem vernünftigen Alltag abdriften lässt.

Michel Houellebecq wurde 1958 geboren. Für seine Bücher, die in über vierzig Ländern veröffentlicht werden, wurde er mit den wichtigsten Preisen ausgezeichnet, u. a. dem Prix Goncourt. 2015 erschien Unterwerfung, der wochenlang auf der Bestsellerliste stand und ein großes Medienecho hervorrief.

20

Der Schweizer Schriftsteller und Drehbuchautor, geboren 1969 in Lausanne, veröffentlichte Romane, Kurzgeschichten, Theaterstücke und Comics, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde. 2014 führte er Regie beim Film Milky Way. Er ist Dozent am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel und lebt in Genf.

Serge Joncour, geboren 1961 in Paris, hat unterschied­ liche Berufe ausgeübt und zahlreiche Inseln bereist, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Er ist der mehrfach preisgekrönte Autor zahlreicher Romane, darunter Situa­ tions délicates, und L’Idole. Zwei seiner Romane wurden verfilmt.

Eine Welt in den Händen

Übersetzt von Andrea Spingler Suhrkamp, 17.06.2019 978-3-518-42857-3 | € 22

Die 20jährige Paula Karst verlässt ihr Pariser Zuhause, um in der Brüsseler Akademie für angewandte Kunst das Handwerk der Dekorationsmalerei zu erlernen. Nach ihrer Ausbildung kommt sie um die Welt: Mal ist ihre Kunst in Russland gefragt, mal soll sie in Paris luxuriöse Apartments illuminieren, schließlich bricht sie nach Rom auf, in das Reich der Cinecittà, um an der Illusion von Wirklichkeit zu arbeiten. Ihre größte Her­ ausforderung findet sie schließlich in den Höhlen von Lascaux, als sie in das Team für die Nachbildung der berühmten Wandmalereien berufen wird. Ein Roman über den Werdegang einer jungen Frau, die ihre Berufung sucht. Eine Reflexion über Realität und Nachahmung, über die Bedeutung von Kunst im digi­ talen Zeitalter. Maylis de Kerangal, geboren 1967, veröffentlichte im Jahre 2000 ihren ersten Roman. Ihre Romane und Erzählungen wurden vielfach ausgezeichnet.

21


NEUE STIMME

NEUE STIMME

Ivan JABLONKA

Philippe LANÇON

Laëtitia oder Das Ende der Mannheit Übersetzt von Claudia Hamm Matthes & Seitz Berlin, 02.08.2019. 978-3957576996 | € 28

GOLDSCHMIDT 2008

In der Nacht vom 18. auf den 19. Januar 2011 wird eine junge Frau, Laëtitia Perrais grausam ermordet und die Lokalnachricht weitet sich zu einer Staatsaffäre aus. Doch wer war Laëtitia? Wie kann man ihre Geschichte erzählen, ohne sie von ihrem Ende her aufzurollen? Gegen alle Erzählungen, die den Täter zum Gegen­ stand haben, möchte Ivan Jablonka Laëtitia ihre Würde zurückgeben. Er trifft Familienangehörige, Freunde und Protagonisten der Ermittlung und wohnt 2015 dem Prozess des Mörders bei. Zusammen mit den Aus­ sagen der befragten Zeugen entsteht eine sensible, vielstimmige Erzählung über das Leben eines vernach­ lässigten Mädchens in einem „Wohlfahrtsstaat“. Ivan Jablonka, 1973 geboren, ist Professor für Geschichtswissenschaft an der Universität Paris XIII, Chefredakteur der Zeitschrift laviedesidees.fr und Mitherausgeber der Reihe „La vie des idées“ beim Verlag Éditions du Seuil, Paris. Für Laëtitia oder das Ende der Mannheit erhielt er den Prix Médicis und den Prix littéraire Le Monde.

22

Der Fetzen

Pierre LEMAÎTRE

Jonathan LITTELL

Übersetzt von Nicola Denis Tropen, 16.03.2019. 978-3608504231 | € 25

Übersetzt von Tobias Scheffel Klett-Cotta, 28.02. 2019. 978-3608963380| € 25

Die Farben des Feuers

Eine alte Geschichte. Neue Version

Als sich Philippe Lançon an einem Morgen im Januar spontan entscheidet, in der Redaktion von Charlie Hebdo vorbeizuschauen, gibt es kein Anzeichen dafür, dass sein Leben direkt auf eine Katastrophe zusteu­ ert. Gemeinsam mit seinen Kollegen sitzt er im Konfe­ renzraum, als zwei maskierte Attentäter das Gebäude stürmen. Kurz darauf sind die meisten seiner Freunde tot, ihm selbst wird der Unterkiefer zerschossen. Phil­ ippe Lançon wird nicht als Gastdozent nach Princeton gehen, wie es geplant war. Er wird seine Querflöte ver­ schenken, die er nicht mehr spielen kann. Und er wird lange Zeit keine Redaktion mehr betreten. Stattdessen wird er siebzehn Gesichtsoperationen erdulden und versuchen, seine Identität zu rekonstruieren. In der ful­ minanten literarischen Verarbeitung seiner Traumata macht der Autor so eindrucksvoll wie behutsam sicht­ bar, wie Geist und Körper sich nach einer unsagbaren Erfahrung ihren Weg zurück ins Leben bahnen.

Als der französische Bankier Marcel Péricourt im Jahr 1927 verstirbt, steht seine Tochter Madeleine plötzlich völlig allein an der Spitze eines Bankimperiums – in einer Epoche, in der es Frauen nicht einmal gestattet war, selbst einen Scheck zu unterschreiben. Während der Prokurist der Bank, Madeleines verschwenderi­ scher Onkel, und ihr Liebhaber mit dichterischen Am­ bitionen, um die junge Erbin und ihren Sohn schwirren wie Motten um das Licht, zeichnen sich am Horizont bereits die Vorboten des Zweiten Weltkriegs ab. Im Schatten von Börsenskandalen und politischen Wirr­ nissen arbeiten die Neider auf das Verderben der Familie hin. Doch für Madeleine ist das letzte Wort in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen. Um ihres Sohnes willen beginnt sie ihren ganz persönli­ chen Rachefeldzug zu planen.

Ein Mann kommt nach Hause, badet seinen kleinen Sohn, liebt seine Frau und verlässt dann das Idyll. Er läuft durch einen Gang, bis er eine Türklinke sieht und den Raum dahinter betritt. Als Getriebener, in wechselnden Identitäten, mal Mann, mal Frau, hetzt er durch ein Labyrinth immer neuer Szenerien. Jede Tür führt in neue Abgründe, geprägt von Sex, Macht und Gewalt, aus denen sich der Erzähler jeweils durch einen Sprung in klares Wasser rettet, bis aus dem Herumirren eine Suche wird – doch nach was? Jonathan Littell hat sein Buch Eine alte Geschichte neu- und fortgeschrieben. Er erspart seinen Lesern nichts. Doch genau darum geht es Littell: Er gestattet uns nicht zu vergessen, dass nichts ungeheurer ist als der Mensch.

Philippe Lançon, geboren 1963 in Vanves, ist Journalist und Literaturkritiker. Am 7. Januar 2015 überlebte er schwerverletzt den Anschlag auf die Redaktion von Char­ lie Hebdo.

Pierre Lemaitre, geboren 1951 in Paris, ist Autor mehrerer preisgekrönter Romane und Kriminalromane. Wir sehen uns dort oben (2014) wurde mit dem wichtigsten französischen Literaturpreis, dem Prix Goncourt, ausgezeichnet.

Übersetzt von Hainer Kober Hanser Berlin, 13.05.2019. 978-3-446-26041-2 | € 26

Jonathan Littell, 1967 in New York geboren, wuchs in Frankreich auf. 2006 wurde er mit seinem Welterfolg Die Wohlgesinnten bekannt. Zuletzt (2016) erschien sein Dokumentarfilm Wrong Elements über ehemalige Kindersoldaten der Lord’s Resistance Army in Uganda.

23


PRIX GONCOURT 2018 NEUE STIMME

Alain MABANCKOU Petit Piment

Amélie NOTHOMB Klopf an dein Herz

Übersetzt von Holger Fock und Sabine Müller Liebeskind, 26.08.2019. 978-3954381081 |€ 20

Übersetzt von Brigitte Große Diogenes, 28.08.2019 978-3-257-07086-6 | € 20

Kongo, Anfang der Siebzigerjahre. Der dreizehnjäh­ rige Moses, genannt „Petit Piment“, wächst im Wai­ senhaus auf. Sein großes Vorbild ist Papa Moupelo, der jeden Samstag vorbeikommt, um die Bibelstunde abzuhalten. Doch dann wird die Sozialistische Revolu­ tion ausgerufen, der christliche Glaube gilt auf einmal als Opium fürs Volk und aus Moses soll ein vorbild­ licher Pionier der Bewegung werden. Der Schulleiter ergreift die Gelegenheit, Posten mit Parteikadern zu besetzen, die merkwürdigerweise allesamt aus seiner Familie stammen und fortan die Schüler terrorisieren. Zusammen mit zwei Kameraden nimmt Moses Reiß­ aus. Er flieht nach Pointe-Noire, findet Unterschlupf in einem Freudenhaus und schließt sich einer Gang von Straßenkindern an. Von nun an sieht er sich als kongo­ lesischer Robin Hood, der von den Reichen nimmt, um den Armen zu geben…

Diane hat es als Kind nicht leicht, denn ihre Mutter lehnt sie ab. Und zwar radikal. Die Schwester hingegen ist Mutters Liebling. Trotzdem entwickelt sich Diane zu einer starken Persönlichkeit. Sie wird Kardiologin und kümmert sich um kranke Herzen, ganz im Sinne des Dichters Alfred de Musset, der sagte: „Klopf an dein Herz, denn da sitzt dein Genie.“ Doch damit entfesselt sie auch zerstörerische Kräfte.

Alain Mabanckou wurde 1966 in der Republik Kongo geboren. Heute lebt er zwischen Paris und Los Angeles. Für seine Romane erhielt er zahlreichen Preise. Mit Petit Piment war er 2017 für den Man Booker International Prize nominiert.

24

NICOLAS MATHIEU Wie später ihre Kinder

Übersetzt von Lena Müller und André Hansen 978-3-446-26412-0 | € 24 GOLDSCHMIDT 2013 & 2016 Ein Ort in der Provinz, im Osten Frankreichs. Stillgelegte Industrie. Unerträgliche Hitze. Eine Gruppe Jugend­ liche, ohne viel zu tun, die ihre Sexualität entdecken, Bier trinken, Moped fahren oder dealen. Langeweile. Konflikte mit und zwischen den Eltern. Die Sehnsucht nach einem anderen Leben. Nicolas Mathieu schreibt über die am Rande Liegengelassenen. Über vier Som­ mer begleitet Wie später ihre Kinder Anthony, Hacine und ihre Freunde beim Erwachsenwerden in einer Welt der Reihenhaussiedlungen und Durchschnittsstädte – einer Welt, in der ihnen nichts geschenkt wird und an der sie dennoch hängen. Ein großer Gesellschafts­ roman über das vergessene Frankreich der 1990er, voller Leben und erzählerischer Kraft.

Amélie Nothomb, geboren 1967 in Kobe, Japan, hat ihre Kindheit und Jugend als Tochter eines belgischen Diplomaten hauptsächlich in Fernost verbracht. In Frankreich stürmt sie mit jedem neuen Buch die Bestsellerlisten. Für Mit Staunen und Zittern erhielt sie den Grand Prix de l'Académie française.

Nicolas Mathieu wurde 1978 in Épinal geboren und lebt in Nancy. Sein erster Roman erschien 2014 unter dem Titel Aux animaux la guerre (dt. Den Tieren der Krieg) und wurde für das Fernsehen adaptiert. Wie später ihre Kinder wurde 2018 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet.

„Eine große Gesellschaftschronik in der Tradition von Émile Zola“ (Virginie Despentes)

25


Véronique OLMI Bakhita

Francis PONGE Le Soleil / Die Sonne

Sylvain PRUDHOMME Legenden

Raymond QUENEAU Zazie in der Metro

Übersetzt von Claudia Steinitz Hoffmann und Campe, 07.10.2019 978-3-455-00601-8 | € 22

Übersetzt von Thomas Schestag Matthes & Seitz Berlin, 31.10.2019. 978-3-95757-775-7 | € 68

Übersetzt von Claudia Kalscheuer Unionsverlag, 18.03.2019 978-3-293-00544-0 | € 22

Übersetzt von Frank Heibert Suhrkamp, 13.05. 2019. 978-3-518-42861-0 | € 22

Sieben Jahre alt ist Bakhita, als sie aus ihrem Dorf im Sudan entführt wird. Damals heißt sie noch anders, doch die Erinnerung an ihren Namen verblasst mit jedem Jahr, in dem sie verschiedenen Herren dienen muss. Als ein italienischer Konsul Bakhita kauft, erkennt die junge Frau ihre Chance, das Schicksal zu wenden: Sie setzt alles daran, mit ihm nach Italien zu kommen. Hier hört sie erstmals von Jesus Christus und beschließt, dem „gekreuzigten Sklaven“ als einzi­ gem Herrn zu dienen. Doch selbst als die Menschen sich an den Anblick der schwarzen Nonne gewöhnen, stehen die Spuren der Vergangenheit Bakhita ein Leben lang auf den Körper geschrieben und erinnern sie an die Familie, die sie hinter sich lassen musste.

Unter dem Titel Mythe du jour et de la nuit fasst Francis Ponge die Sonne, die nicht nur den Mythos des Wechsels von Tag und Nacht unterhält, sondern für die Ausbildung der Menschensprache als Urteilssprache (im Sonnen­ licht) zur Rechenschaft gezogen werden soll, ins Auge. Diese Auseinandersetzung mit der Sonne bricht 1931 über Notizen ab, die der Sonne den Prozess machen, also die Herrschaft der Urteilssprache im Zeichen der Sonne, die Ponge zur Disposition zu stellen sucht, bloß bestä­ tigen. Jahre später nimmt Francis Ponge die Auseinan­ dersetzung in einem umfangreichen Dossier wieder auf. Diesmal wird nicht mehr nur die Sonne, sondern auch das Wort soleil in Betracht gezogen. Aus diesem Konvo­ lut verdichtet, wird im Dezember 1954 der Text Le Soleil placé en abîme publiziert. Es erscheint in dieser Ausga­ be, mit Faksimiles der Handschriften und Typoskripte, Transkriptionen, Übersetzungen und Kommentar, zum erstenmal.

Die Crau, eine Steinwüste vor den Toren von Arles. Weites, nacktes Land, überlassen einzig dem rauen Mistral und den Schafen. Heimat der Freunde Matt und Nel. Als Matt beginnt, die Vergangenheit der Region zu erforschen, stößt er immer wieder auf die Namen zweier Cousins von Nel, die in den Achtzigern hier leb­ ten. Zwei Brüder, Enfants terribles, intelligent, exzessiv und voller Verachtung für jegliche Gefahren. Für kurze Zeit sind sie da, in Arles, in der Crau, im Leben ihrer Freunde, von denen sie gehasst und vergöttert werden. Partys, Gewalt, Freiheit, Jugend, Nachlässigkeit. Matt versucht, das Lebensgefühl jener Jahre einzufangen, und scheucht dabei Echos auf, die ihm und Nel ihre eigenen Entscheidungen gnadenlos vor Augen führen.

Zazie in der Metro ist einer der beliebtesten franzö­ sischen Romane des 20. Jahrhunderts – eine wilde, verspielt und deftig erzählte Geschichte über Paris, über die Sprachen des Alltags und über die abenteu­ erlustige, neunmalkluge Zazie, die so ziemlich ALLES auf den Kopf stellt. Mit seiner funkensprühenden Neu­ übersetzung gelingt Frank Heibert das Kunststück, die vielschichtigen Anspielungen und Sprachprovokatio­ nen Queneaus zu übertragen und zugleich den Figuren ihre freche, direkte Stimme zu geben.

Véronique Olmi wurde 1962 in Nizza geboren und lebt heute in Paris. Die ausgebildete Schauspielerin hat zahlreiche Theaterstücke verfasst und ist eine der bekanntesten Dramatikerinnen Frankreichs. Ihre Romane sind internationale Bestseller, so z. B. Das Glück, wie es hätte sein können.

26

Francis Ponge wurde 1899 in Montpellier geboren. Seine Schriften, unverortbar zwischen Poesie und Prosa, zählen zu den bedeutendsten Werken des 20. Jahrhunderts. Er starb hochverehrt 1988 in Le-Bar-sur-Loup.

Sylvain Prudhomme (geboren 1979) wuchs in Afrika auf, wo er nach dem Studium der Literatur in Paris mehrere Jahre arbeitete. Er wurde u. a. mit dem Prix littéraire Georges Brassens, dem Prix littéraire de la Porte Dorée und dem Prix Révélation de la Société des Gens de Lettres ausgezeichnet.

Raymond Queneau, geboren 1903 in Le Havre, gestorben 1976 in Paris, hinterließ ein umfangreiches, vielgestal­ tiges Werk. 1948 veröffentlichte er den Roman Heiliger Bimbam, 1958 Zazie in der Metro, den Roman, der ihn, spätestens mit der Verfilmung durch Louis Malle, berühmt machte.

27


DER GANZE SIMENON

Yasmina REZA Anne-Marie die Schönheit

NEUE STIMME

André de RICHAUD Übersetzt von Sophie Nieder Dörlemann, 06.03.2019 9783038200642 | € 20

„Auf der Bühne war ich manchmal Anne-Marie die Schönheit“ – im wirklichen Leben aber ist Anne-Marie nicht nur in Sachen Aussehen zu kurz gekommen. Aus der tristen Provinz hat sie es gerade mal bis in ein Pariser Vorstadttheater geschafft. Und während ihre Kollegin Gigi die großen Rollen bekam und prominente Liebhaber empfing, verkehrte Anne-Marie mit einem Vertreter von Lederwaren und ihrem tumben Mann. Was bleibt am Ende für Anne-Marie? Das Alter, diese „Kaskade des Chaos“, der Sohn, „ein Mistfink“ und die getrüffelten Cashew-Nüsse. Aber: „Es heißt, die glück­ lichsten Leben sind diejenigen, in denen nicht viel pas­ siert …“ Yasmina Reza in Reinform: Bitter und komisch, zärtlich und unsentimental.

Thérèse Delombre lebt mit ihrem Sohn Georges in einem Dorf in der Provence. Die junge Offizierswitwe leidet unter Einsamkeit und einem sexuellen Begehren, das sie nicht einmal beim Namen nennen kann. Und so konzentriert sie all ihre Aufmerksamkeit auf den klei­ nen Georges. Als deutsche Kriegsgefangene ins Dorf kommen, wird alles anders. Heimlich beginnt Thérèse ein Verhältnis mit dem schönen Otto Rülf. Ihr Sohn begegnet dem Fremden, der Thérèse nach einigen Monaten wieder verlässt, mit Misstrauen und Abnei­ gung. Eine böswillige Nachbarin verrät Thérèse, sie wird von allen geächtet. Und sie ist schwanger.

Yasmina Reza, 1959 geboren, ist Schriftstellerin, Regisseurin und Schauspielerin und die meistgespielte zeitgenössische Theaterautorin.

28

GOLDSCHMIDT 2017

André de Richaud wurde 1907 in Perpignan geboren. 1930 reichte er das Manuskript von La Douleur bei der Jury des Prix du premier roman ein. Aufgrund des gewagten Themas löste der Text einen Skandal aus. 1931 veröffentlichte Bernard Grasset das umstrittene Manuskript, ohne ein Komma zu ändern.

Übersetzt von Thomas Bodmer Hoffmann & Campe 11.04.2019 978-3311130000 € 16,90

Die Phantome des Hutmachers

Der Schmerz

Übersetzt von Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel Hanser, 21.10.2019. 978-3-446-26378-9 | € 16

Maigret im Haus der Unruhe

Bis Herbst 2020 sollten die Maigret-­ Werke wieder vollständig lieferbar sein. Sie erscheinen als Hardcover-­ Ausgabe bei Kampa und später dann als Taschenbuch im Atlantik-Verlag. Die Romane werden entweder neu übersetzt oder erscheinen als voll­ ständig überarbeitete Übersetzungen von Kiepenheuer & Witsch. 2019 sind über 30 neue Titel erschienen!

Maigret macht Ferien

Übersetzt von Jean Raimond und Bärbel Brands Kampa 24.06.2019 978-3311131038 € 16,90

Übersetzt von Mirko Bonnè und Juliette Aubert Kampa, 30.08.2019 978-3311134206 € 22,90

Brief an meine Mutter

Übersetzt von Melanie Walz Kampa 4.10.2019 978-3-311-21001-6 € 16

29


NEUE STIMME

Boualem SANSAL Der Zug nach Erlingen oder Die Verwandlung Gottes

Übersetzt von Vincent von Wroblewsky Merlin Verlag, 28.08.2019 978-3-87536-333-3 | € 24 Die Revolte zweier Frauen… Was verbindet Ute von Ebert, Nachfahrin einer Industriellenfamilie und Erbin eines reichen, weltumspannenden Industriekonzerns, und Elisabeth Potier, pensionierte Lehrerin eines Gymnasiums im Brennpunkt der Pariser Banlieue? Ungeschönt, offen und sarkastisch benennt Sansal die virulenten Themen der Zeit: Den religiösen Extre­ mismus, den hemmungslosen globalen Kapitalismus, die Umweltzerstörung und den bürgerlichen Phlegma­ tismus sowie Feigheit und Unvernunft, die längst auch die politischen Eliten erfasst haben. Ein kraftvolles Plädoyer, sich den Herausforderungen der Gegenwart zu stellen! Boualem Sansal, geb. 1948, war bis 2003 Direktor des algerischen Industrieministeriums. In Frankreich gilt er als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Schrift­steller. 2011 wurde Boualem Sansal mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.

30

Jocelyne SAUCIER Niemals ohne sie

Übersetzt von Sonja Finck und Frank Weigand Insel, 11.03.2019 GOLDSCHMIDT 978-3-458-17800-2| € 20 2005

Die Cardinals sind keine gewöhnliche Familie. Sie haben den Schneid und die Wildheit von Helden und sie sind ganze dreiundzwanzig. Als der Vater in der stillge­ legten Mine eines kanadischen Dorfes Zink entdeckt, rechnet der Clan fest mit einem Anteil am Gewinn. Als ihnen dies verwehrt wird, schmieden sie einen explo­ siven Plan, der, wenn schon nicht die Mine, so wenigs­ tens die Ehre der Familie retten soll. Doch der Befrei­ ungsschlag scheitert und zwingt die Geschwister zu einem Pakt des Schweigens, der zu einer Zerreißprobe für die ganze Familie wird. Ein überwältigender und rührender Roman. Saucier schafft eine Welt, die aller Rauheit zum Trotz den Glauben an ein selbstbestimm­ tes, freies und gemeinschaftliches Leben feiert. Jocelyne Saucier, geboren 1948 in der Provinz New Brunswick, lebt heute in einem abgeschiedenen ZehnSeelen-Ort im nördlichen Québec. Ihr vierter Roman Ein Leben mehr (2015) war ein Bestseller.

Leïla SLIMANI All das zu verlieren

Christophe TARKOS Das Geld

Übersetzt von Amelie Thoma Luchterhand, 13.05.2019 978-3-630-87553-8 | € 22

Übersetzt von Tim Trzaskalik Matthes & Seitz, 31.10.2019. 978-3-95757-224-0 | € 18

Nach außen hin führt Adèle ein Leben, dem es an nichts fehlt. Sie arbeitet für eine Pariser Tageszeitung, ist unabhängig. Mit ihrem Ehemann, einem Chirurgen, und ihrem kleinen Sohn lebt sie in einem schicken Viertel, ganz in der Nähe von Montmartre. Sie reisen, sie fahren übers Wochenende ans Meer. Dennoch macht Adèle dieses Leben nicht glücklich. Gelangweilt eilt sie durch die grauen Straßen, trifft sich mit Männern, hat Sex mit Fremden. Sie weiß, dass ihr die Kontrolle entgleitet. Sie weiß, dass sie ihre Familie verlieren könnte. Trotzdem setzt sie alles aufs Spiel.

Am 7. Juli 1995 notiert Christophe Tarkos: „Warum eher ans Geld als an anderes denken? Sicher kann man auch an etwas anderes denken aber ans Geld denken kann wenigstens Geld bringen (was bei anderen Themen wie an einen Heizkörper denken an die Erde denken an die Hieroglyphen denken nicht der Fall ist).“ Fortan wird Tarkos an seiner ganz speziellen Ökonomischen Theorie arbeiten. Es ist die Sprache selbst, die mit dem in sie eindringenden „Geld“ – dem höchsten Wert – nach draußen will. Eine emphatisch naive Milde wird zum Mimen einer vermeintlichen Evidenz des Sinns.

Leïla Slimani, 1981 geboren, wuchs in Marokko auf und studierte an der Pariser Universität Sciences Po. All das zu verlieren erschien in 25 Ländern. Für den Roman Dann schlaf auch du erhielt sie den Prix Goncourt. Seit 2017 ist Leïla Slimani offiziell Botschafterin für Frankophonie.

Tarkos über sich selbst: Ich bin 1963 geboren. Ich existiere nicht. Ich stelle Gedichte her. 1. ich bin langsam, von großer Langsamkeit 2. Invalide, in Invalidität 3. regelmäßige Aufenthalte in psychiatrischen Kliniken seit 10 Jahren. Christophe Tarkos starb am 30. November 2004.

31


Sylvain TESSON

André VELTER

Bericht von der Unermesslichkeit der Welt

L’amour extrême. Gedichte für Chantal Mauduit

Übersetzt von Nicola Denis Matthes & Seitz Berlin, 05.04.2019 978-3-95757-729-0 | € 10

Zeit und Raum bestimmen unser Leben. In dem Maße, in dem der Raum heute an Bedeutung verliert, wird die Zeit, die uns zur Verfügung steht, immer knapper. Sylvain Tesson erkundet die Welt, um die Zeit wieder zu dehnen - wandernd, reitend, mit dem Fahrrad oder dem Kanu: „Der Nomadismus ist die beste Antwort auf das Fliehen der Zeit.“ Seine Wege führen ihn in abgelegene, menschenleere Gegenden. Sein Begleiter ist die Literatur, sein Antrieb, die Lust, dem Anderen zu begegnen, frei von materiellen und menschlichen Bindungen mit offenen Augen. Im Bewusstsein, dass dem Gegenwärtigen etwas Märchenhaftes innewohnt, berichtet er in diesem literarischen Essay, Reisebericht und Manifest von der Unermesslichkeit der Welt. Sylvain Tesson, geboren 1972 in Paris, Schriftsteller, Journalist und Reisender, Mitglied der Société des Explo­ rateurs Français. Für seine Reisebeschreibungen und Essays wurde er 2009 mit dem Prix Goncourt de la nouvelle und 2011 mit dem Prix Médicis ausgezeichnet.

32

Übersetzt von Sidona Bauer Noack & Block, 12.04.2019 978-3-86813-077-5 | € 28

Die in L’amour extrême vereinten Liebesgedichte aus Der siebte Gipfel (1998), L’amour extrême (2000) und Eine andere Höhe (2001) markieren den Höhepunkt von André Velters Lyrik. Hier verdichtet sich in beson­ derer Form die Poesie des Reisenden, geprägt von Erfahrungen von Spiritualität, Landschaft und Licht, sowie die Tradition französischer und europäischer Liebeslyrik. Das lyrische Triptychon vermittelt zudem eine besondere Ethik, genauer gesagt eine ganz eigene Poesie, deren klare und bezaubernde Sprache die Liebenden wie auch den Leser berührt. André Velter (geboren 1945) ist einer der bekanntesten Dichter Frankreichs. Für seine sprachgewaltige Lyrik ist er unter anderem mit dem Prix Mallarmé und dem Prix Goncourt ausgezeichnet worden.

Éric VUILLARD

NEUE STIMME

Alice ZENITER

14. Juli

Die Kunst zu verlieren

Der Sommer 1789 ist herrlich warm und so schön, dass man die Hungersnot im vorangegangenen bitter­ kalten Winter leicht vergessen kann, zumindest in den Palästen. Im Volk aber wächst die Unzufriedenheit über die Willkür und Dekadenz der herrschenden Klassen, bis die drückende Hitze schließlich kaum mehr aus­ zuhalten ist. Eines Nachts versammeln sich erste Gruppen in der Dunkelheit. Waffenarsenale werden gestürmt, Theaterrequisiten geplündert. Aus falschen Speeren werden echte Schlagstöcke. Die Kirchen­ glocken in Paris schlagen Alarm, doch zu spät: Am Morgen des 14. Juli hat sich die Menge bereits vor den Toren der Bastille versammelt - sie wird Europa für immer verändern.

Naïma hat es lange nichts bedeutet, dass ihre Familie aus Algerien stammt. Wie soll ihre Verbindung zu einer Familiengeschichte, die sie nicht kennt, denn auch aussehen? War ihr Großvater wirklich ein „Harki“, ein Verräter? Vielleicht könnte die Großmutter es ihr erzählen, aber nur in einer Sprache, die Naima nicht versteht. Und ihr Vater, der 1962 nach Frankreich kam, in eines jener damals hastig errichteten Auffanglager, wo man die Algerienflüchtlinge versteckte, redet nicht über das Land seiner Kindheit… Um mehr zu erfahren, tritt Naïma eine weite Reise an… Ein Plädoyer für die Freiheit man selbst zu sein, jenseits allen Erbes, aller sozialer oder familiärer Bindungen.

Übersetzt von Nicola Denis Matthes & Seitz Berlin, 29.03.2019 978-3-95757-519-7 | € 18

Éric Vuillard, 1968 in Lyon geboren, ist Schriftsteller und Regisseur. In seinen Bücher erzählt er große Momente der Geschichte neu und begründet damit ein eigenes Genre. 2017 bekam er für Die Tagesordnung den renommierten Prix Goncourt.

Übersetzt von Hainer Kober Berlin Verlag, 01.02.2019. 978-3827013736 | € 25

Alice Zeniter ist 1986 in Alençon geboren. Nach ihrem Schulabschluss studierte sie an der École normale supérieure in Paris. Sie arbeitet(e) als Lehrerin und Dramaturgin (einige Jahre lang auch in Budapest). L’Art de perdre wurde 2017 mit dem Prix Goncourt des Lycéens ausgezeichnet.

33


Das passiert wenn man französische Bücher liest

Das passiert wenn man französische Bücher liest


Essays und Sachbücher

Marc AUGÉ Die Zukunft der Erdbewohner. Ein Manifest

Jean-Christophe BAILLY Der Blick der Tiere

Übersetzt von Daniel Fastner Matthes & Seitz Berlin, 26.04.2019. 978-3-95757-701-6 | € 15

Übersetzt von Michael Kleeberg Matthes & Seitz Berlin, 30.08. 2019. 978-3957577139 | € 15

Wie würde sich uns die Welt mit ihren Problemen und Möglichkeiten präsentieren, wenn wir aus dem Weltall auf sie blickten? Marc Augé zeigt in seinem visionären Manifest, dass die Erdlinge angesichts der ökologi­ schen, demografischen, wirtschaftlichen und politi­ schen Herausforderungen nur eine Zukunft haben, wenn sie sich als wirklich globale Gemeinschaft sehen und auch endlich dementsprechend handeln. Während wir mit den unablässigen technologischen Umwäl­ zungen und der vollständigen globalen Vernetzung kaum mehr Schritt halten können, hat sich die Weltbe­ völkerung in drei Klassen aufgeteilt: wenige Mächtige, eine Masse von satten Konsumenten und das große Heer derer, die von Arbeit und Gütern ausgeschlossen sind.

Eine Fahrt durch einen dunklen Wald, dann plötzlich ein flüchtendes Reh im Scheinwerferkegel des Autos. Diesen Moment erlebt Jean Christophe Bailly als Epi­ phanie: Einen kurzen Moment lang hat Bailly das Gefühl, das Andere des Tiers zu verstehen und versucht dieses Wissen noch einmal fassbar zu machen, das Wissen darum, dass Mensch und Tier dieselbe Welt bewohnen, dass sie Brüder und Schwestern im Blute sind und dass die Herrschaft des Menschen über die Tiere eine Illusion des Menschen ist, obwohl er ihnen Unaussprechliches antut. Bailly vermittelt die Einsicht in die Grausamkeit des Menschen, aber auch die Einsicht in die Überlegenheit der Tiere, deren Blick über uns hinaus ins Offene geht. Doch es ist dieser Blick der Tiere, in dem wir uns wieder­ erkennen.

Marc Augé, geboren 1935, lehrt Anthropologie an der Pariser École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS), deren Präsident er lange Jahre war. Weit über die Fachgrenzen bekannt wurde er mit seinem Essay Nicht-Orte.

Jean-Christophe Bailly, 1949 in Paris geboren, hat Theater­ stücke, Erzählungen und Reiseberichte verfasst und auch zahlreiche Gedichte und Essays veröffentlicht. Baillys in Frankreich hochgeschätztes Werk bewegt sich an der Schnittstelle von Geschichte, Kunstgeschichte, Philosophie und Poesie. Für Fremd gewordenes Land wurde er mit dem Prix Décembre ausgezeichnet.

37


Étienne BALIBAR Freie Rede

Jean-François BILLETER

Léon BLOY

Europas Zukunft

Diesseits von Gut und Böse. Tagebücher, Briefe, Prosa

Übersetzt von Thomas Laugstien Diaphanes, 28.10.2019 978-3035802191 | € 16

Übersetzt von Tim Trzaskalik Matthes & Seitz Berlin, 01.02.2019 978-3-95757-761-0 | € 8

Das Buch vereint drei aktuelle Texte des international breit rezipierten Philosophen zur Frage der Rede­ freiheit. Diesen Texten gemeinsam ist das Ziel, die Bedin­gungen und Funktionen von Redefreiheit als ein grundlegendes Recht zu problematisieren, das ange­ sichts einer nicht erst seit kurzem zu verzeichnenden Schwäche der liberalen Demokratie zwischen globa­ lem Kapitalismus und endemischem Terror als ebenso unveräußerlich gelten kann wie seine normative Garantie an einem zuallererst zu formulierenden Begriff von Kommunikation als Allgemeingut gebunden bleibt.

Der Sinologe Jean François Billeter wendet seinen Blick auf Europa. Wenn die Europäer eine Zukunft haben wollen, meint er, müssen sie sich dazu entschei­ den, Bürger einer europäischen Republik zu werden. Nur so können sie ihr Schicksal in die Hand nehmen. Billeter bekennt sich zu den Ideen Ulrike Guérots, die er im ersten Teil seines Essays kurz zusammenfasst. Im zweiten Teil entwirft er eine umfassendere historische Perspektive. Die politische Neugründung Europas hält er für notwendig, aber sie kann ihm zufolge nur gelin­ gen, wenn die Europäer auch in anderer Hinsicht ihr Schicksal in die Hand nehmen: wenn sie schrittweise dem Kapitalismus ein Ende bereiten.

Étienne Balibar war ein enger Mitarbeiter von Louis Althusser und lehrte als Professor politische Philosophie in Paris und an mehreren Universitäten weltweit. 2017 erhielt er den Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken.

38

Jean Francois Billeter, 1939 geboren, gilt als Revolutionär der Sinologie, der die konventionellen westlichen Interpretationen der chinesischen Kultur grundlegend infrage stellt. Er betont die kulturellen Gemeinsamkeiten mit China.

Übersetzt von Alexander Pschera Matthes & Seitz Berlin, 27.09.2019 978-3-95757-692-7 | € 68

Keiner erhob seine Stimme um die Jahrhundert­wende so laut, grundsätzlich und genial wie dieser wütende, schnaubende, angriffslustige Katholik - eine der Schlüssel­f iguren der Moderne. Sein Leben war ein ein­ ziger Kreuzweg aus Armut, Verachtung und Krankheit, und umso radikaler seine Forderung nach striktem Gehorsam im Dienst der Sache Gottes. Die Bedin­ gungslosigkeit seiner Überzeugung und die Tiefe seiner Einlassungen machen diesen Ausnahmeliteraten zum schwarzen Kontrapunkt im bunten Treiben des Fin de Siècle und zeigen ihn als ewigen Unzeitgemäßen. Mit der vorliegenden Ausgabe wird dem deutschen Leser erstmals der ganze Bloy in seiner gedanklichen Schärfe und tragischen Genialität sichtbar. Léon Bloy (1846–1917) war ein französischer Romancier und Essayist. Zu Lebzeiten blieb er als Autor erfolglos, doch beeinflusste er mit seiner Absolutheit des Ich und der Verherrlichung von Leiden und Schmerz, die für ihn erst zum Leben hinführten, Franz Kafka, Carl Schmitt oder Heinrich Böll.

Hélène CIXOUS, Cécile WAJSBROT Eine deutsche Autobiographie

Übersetzt von Esther von der Osten Passagen Verlag, 01.04.2019 GOLDSCHMIDT 978-3709203514 | € 14 2001

Ein Briefwechsel zwischen den Schriftstellerinnen Cécile Wajsbrot und Hélène Cixous über den Stel­ lenwert Deutschlands und der deutschen Sprache in ihrem Werk sowie ihren Bezug zum Gedächtnis ihrer jüdischen Familien. Unhintergehbare Mehrsprachig­ keit, Sein zwischen den Sprachen und mit den Spra­ chen: Am Schnittpunkt von persönlichem und literari­ schem Zeugnis denken die beiden Autorinnen hier mit den vielsprachigen Stimmen ihrer Familien und der Literatur über Einschreibungen des Vergangenen in die Gegenwart nach, über den Umgang Frankreichs und Deutschlands mit der Geschichte, über vergan­ genen und drohenden Verlust. Hélène Cixous, geboren 1937 in Algerien, lebt als Schriftstellerin und Professorin in Paris. Cécile Wajsbrot, 1954 in Paris geboren, ist Schriftstellerin und Übersetzerin. Auch in diesem Jahr erschienen: Hélène CIXOUS Meine Homère ist tot Übersetzt von Claudia Simma Passagen Verlag, 01.04.2019. 978-3709203248 |€ 24,90

NOMINIERT FÜR DEN N NALE INTERNATIORPREIS U T A R E T LI 20 19

39


NEUE STIMME

NEUE STIMME

NEUE STIMME

Gilles DELEUZE, Claire PARNET Dialoge

Cyril DION Kurze Anleitung zur Rettung der Erde. Wofür wir heute kämpfen müssen

Übersetzt von Daniela Voss August Verlag, 10.06.2019 978-3-941360-48-8 | € 20

Übersetzt von Ute Kruse-Ebeling Reclam, 25.09.2019 978-3150112151 | € 18

Die Dialoge zwischen der Journalistin Claire Parnet und Gilles Deleuze laden dazu ein, Deleuzes Denkund Arbeitsprozess selbst als Prozess des Werdens von Vielheiten zu erfahren. Die lose Form des Ge­ sprächs, in welchem sich die Positionen der beiden Gesprächspartner voneinander unterscheiden lassen, gibt tiefgehende Einblicke in die philosophische Herkunft Deleuzes, die zentralen Themen und Begrif­ fe seiner Philosophie sowie in seine Zusammenarbeit mit Félix Guattari. In drei großen Themenblöcken zur Literatur, Psychoanalyse und zur politischen Theorie entwickeln Deleuze und Parnet die Form und Einsätze eines Denkens, das den Machtapparaten und Strö­ men des Kapitalismus zu entkommen versucht. Dabei gelingt ein tiefer Einblick in die Begriffe – Rhizom, Werden, schwarzes Loch, Deterritorialisierung, Mikro­ politik –, die mittlerweile paradigmatisch für Deleuze und Guattaris Philosophie stehen.

Dass die Menschheit nicht weiterleben kann wie bisher, ist klar. Klimawandel und Artensterben verändern die Welt drastisch. Unsere Industrie, unser Konsum und unsere Ernährungsweise zerstören die Erde. Cyril Dion zeigt unseren Handlungsspielraum auf und macht Vorschläge, was wir als Einzelne, im Kollektiv und auf politischer Ebene tun müssen, um die Natur vor der menschlichen Rücksichtslosigkeit zu retten. Die gute Nachricht: Es ist nicht schwerer, unseren Lebensstil grundlegend zu ändern, als etwa mit dem Rauchen aufzuhören oder eine Bürgerinitiative zu gründen. Kleine Taten eines jeden Einzelnen können eine große Wirkung entfalten. Ein Handbuch für ein umweltverträgliches und erfüllendes Leben.

Gilles Deleuze (1925–1995) war Professor für Philosophie. Zu seinen einflussreichsten Schriften zählen Differenz und Wiederholung und gemeinsam mit Félix Guattari, Anti-Ödipus, Tausend Plateaus und Was ist Philosophie?

40

Cyril Dion, geboren 1978, ist Schriftsteller, Regisseur und Aktivist. Sein Dokumentarfilm Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen lief 2015 in den deutschen Kinos. Die von Dion mitinitiierte Petition gegen die Umweltpolitik der französischen Regierung ist mit 2,2 Millionen Unterzeichnern die erfolgreichste in der Geschichte der Republik.

Didier ÉRIBON

Éric FASSIN

Betrachtungen zur Schwulenfrage

Revolte oder Ressentiment. Über den Populismus

Übersetzt von Achim Russer und Bernd Schwibs Suhrkamp, 15.12.2019 978-3518587409 | € 38

Als Didier Eribons Betrachtungen zur Schwulenfrage 1999 in Frankreich erschienen, wurde das als Ereignis gefeiert. Schnell etabliert sich das Buch als Klassiker und Gründungsdokument der Queer Studies. Eribon legt darin eine neue Analyse der Bildung von Minder­ heitenidentitäten vor, an deren Anfang die Beleidigung steht. Es geht um die Macht der Sprache und der Stig­ matisierung, um die Gewalt verletzender Worte im Rahmen einer allgemeinen Theorie der Gesellschaft und der Mechanismen ihrer Reproduktion. Nun liegt das Werk erstmals in deutscher Übersetzung vor. Didier Eribon, geboren 1953 in Reims, lehrt Soziologie an der Universität von Amiens. Er gilt als einer der wichtigsten öffentlichen Intellektuellen Frankreichs und bezieht regelmäßig Stellung zum politischen Zeitgeschehen. Auch in diesem Jahr erschienen: Theorie der Literatur. Geschlechtersystem und Geschlechtsurteile Übersetzt von Christian Leitner Passagen Verlag, 01.04.2019 978-3709203507 | € 11

Übersetzt von Daniel Fastner August Verlag, 16.05.2019. 978-3-941360-68-6 | € 12

Dass der Populismus der Rechten nützt, aber für Linke nicht zu gebrauchen ist, ist der zentrale Befund des pointierten Essays Eric Fassins. Dafür vergleicht Fassin Erhebungen zum Wahlverhalten bei der US-amerika­ nischen Präsidentschaftswahl und dem Brexit-Votum 2016 sowie ihre unterschiedlichen Interpretationen. Er analysiert aktuelle Plädoyers für einen „linken Populis­ mus“ und er stürzt sich ins unübersichtliche Handge­ menge der Politikerreden, Meinungsseiten und Fern­ sehinterviews. Im Zentrum seiner Betrachtungen steht dabei die Bedeutung politischer Affekte: Man wird, so Fassin, Ressentiments nicht in eine Revolte verwandeln. Versuche das Ressentiment gegen Neoliberalismus und Nationalismus zu mobilisieren, müssen deshalb aussichtlos bleiben. Stattdessen braucht es eine Repolitisierung der Gesellschaft entlang des Gegen­ satzes zwischen Links und Rechts. Dabei steht nicht weniger als die Demokratie selbst auf dem Spiel. Eric Fassin ist Professor für Soziologie an der Universität Paris VIII Saint-Denis-Vincennes.

41


NEUE STIMME

Mickaël FOESSEL Nach dem Ende der Welt. Kritik der apokalyptischen Vernunft Übersetzt von Brita Pohl Turia + Kant, 01.07.2019. 978-3851329360 | € 29

Unser Fortschrittsglauben scheint entschwunden zu sein. Hand in Hand mit Atomkraft, Terror, Finanzkrisen, Klimawandel und politischen Krisen scheinen eher apokalyptische Ängste wieder aufzukommen. Woher kommt aber die beklemmende Vision, „nach dem Ende der Welt“ leben zu müssen? In seiner umfassenden Genealogie der modernen Weltuntergangsvorstellungen legt Michaël Fœssel deren zutiefst rationale Wurzeln frei. Er lädt uns ein, den Blick von der Zukunft abzuwenden, um uns die Gegenwart wiederanzueignen. Viel eher als den Welt­ untergang abzuwehren, gehe es nämlich darum, die gegenwärtige Welt bewusst zu wählen und deren – auch politische und nicht nur persönliche – Möglich­ keitsräume zu entdecken. Dem Katastrophendenken unserer Tage setzt Fœssel einen „existenziellen Kos­ mopolitismus“ entgegen, der ebenfalls in der Moderne angelegt ist und der die Welt als Horizont möglichen Handelns betrachtet. Michaël Fœssel ist Nachfolger von Alain Finkielkraut am Lehrstuhl für Philosophie an der „École polytechnique“ in Paris.

42

Étienne FRANÇOIS, Thomas SERRIER (Hrsg.) Europa. Die Gegenwart unserer Geschichte

Benoîte GROULT Vom Fischen und von der Liebe. Mein irisches Tagebuch (1977-2003)

Übersetzt von Jürgen Doll, Walter Fekl und Dieter Hornig WBG Theiss, 07.10.2019 978-3-8062-4021-4 | € 129

Übersetzt von Patricia Klobusiczky Ullstein, 26.07. 2019. 978-3550050961 | € 22

Was Europa ausmacht, das analysieren und beschrei­ ben über 100 Weltbürger: Historiker und Intellektuelle aus Frankreich und Deutschland, Italien, England, aber auch aus den USA, Indien oder Japan. Entstanden ist eine unvergleichliche Geschichte Europas, ein Riesen­ mosaik der Erinnerungsorten, von der Nymphe Europa bis Tschernobyl, vom Hadrianswall bis zur Berliner Mauer, von der Kalaschnikow bis zum VW-Käfer, von Demokratie bis Holocaust. Der Leser wird mitgenom­ men auf eine Reise durch Völkerkunde und Archäologie, durch Religion und Politik, durch Volkswirtschaft, Kunst und Kochkunst. Noch nie wurde Europa einer solch umfassenden Befragung unterzogen wie in diesem Großwerk. Was macht unser Europa aus? Hier finden Sie die Antwort.

Sechsundzwanzig Sommer lang führte Benoîte Groult in Irland Tagebuch, wo sie mit ihrem Mann, dem Autor Paul Guimard, ein Haus besaß. Man begegnet der französischen Schriftstellerin und feministischen Galionsfigur in diesen Aufzeichnungen aus nächs­ ter Nähe, sie lassen eine Frau erkennen, die nach et­ lichen Umwegen und Verletzungen zu sich selbst gefunden hat. Unbefangen schreibt Groult über geistiges und sinnliches Begehren, über ihre jahrzehntelange Ménage à trois, an der sich ihr Weltbestseller Salz auf unserer Haut inspirierte. Zu den schönsten, wenn­ gleich wehmütigsten Momenten des Buches gehören die Gedanken der Autorin in Bezug auf das Älterwer­ den: das als schmerzhaft empfundene Missverhältnis zwischen abnehmender Vitalität und gleichbleiben­ dem Sehnen und Verlangen – wunderbar gespiegelt in den Passagen, die sie in der archaischen Rolle der Jägerin beim Hochseefischen zeigen.

Etienne François, geb. 1943, ist ein deutsch-französischer Historiker. Thomas Serrier, geb. 1971, ist ein französischer Historiker und Germanist.

Benoîte Groult (* 31. Januar 1920 in Paris; † 20. Juni 2016 in Hyères) war eine französische Journalistin, Feministin und Schriftstellerin. Ihr bekanntestes Werk ist der Roman Salz auf unserer Haut.

Eric HAZAN Die Erfindung von Paris

Übersetzt von Karin Uttendörfer Matthes & Seitz Berlin, 31.10. 2019. 978-3-95757-794-8 | € 38

Über Boulevards und Plätze, durch schmale Gassen und abseitige Gegenden, von den Faubourgs und Dör­ fern bis zur multikulturellen Metropole – Éric Hazan durchstreift Paris zu Fuß und durchquert dabei Epo­ chen. Mit Abstechern in die Kultur- und Literatur­ geschichte zeichnet er so einen einzigartigen Atlas für alle, die von Paris träumen oder die dort längst Stammgäste sind. Éric Hazan lässt die Lichterstadt Schicht um Schicht vor dem inneren Auge des Lesers entstehen. Dieser vor dreizehn Jahren erstmals bei Ammann auf Deutsch erschienene und seit Langem vergriffene moderne Klassiker der Parisliteratur wird hier in einer überarbeiteten, aktualisierten Fassung und in einem um zahlreiche Fotografien erweiterten Band neu herausgegeben. Éric Hazan, 1936 in Paris geboren, arbeitete als Herzchirurg und gab Kunstbücher heraus, bevor er La Fabrique gründete, damit Verleger von politisch-philosophischen Essays wurde und sich gleichzeitig selbst dem Schreiben zuwandte.

43


NEUE STIMME

Marcel HÉNAFF

Gilles KEPEL

Die Stadt im werden

Chaos. Die Krisen in Nordafrika und im Nahen Osten verstehen

Übersetzt von Eva Moldenhauer ADOCS Verlag, 01.07.2019 978-3943253283 | € 16

Übersetzt von Jörn Pinnow und Enrico Heinemann Antje Kunstmann, 22.07.2019 978-3-95614-320-5 | € 24

Die ersten Städte, so sagen uns die Archäologen, sind vor mehr als zehn Jahrtausenden im Zuge der land­ wirtschaftlichen Revolution entstanden. Warum haben sich damals die menschlichen Gesellschaften für diese dichte und technisch komplexe Art des Wohnens ent­ schieden, die die Ausbeutung der Arbeitskraft vorraus­ setzt? Wir können eine Antwort versuchen, indem wir zeigen, dass jede Stadt dreidimensional ist: Sie ist Monument, Maschine und Netzwerk. Wie steht es um die Urbanisierung der Menschheit? Was bleibt von der Stadt als Form des öffentlichen Raums im Zeitalter der virtuellen Welt? Was bedeutet es, mit unseren Mitmen­ schen in diesen gebauten Komplexen zu leben, die in erster Linie Orte subjektiver Erfahrungen sind und die zwischen Öffentlichem und Privatem das gemeinsame Leben beherbergen, dessen ursprüngliche Formen und Vielfalt seit jeher die Straße zum Ausdruck bringt?

Kaum einer kennt den Nahen Osten besser als der renommierte französische Soziologe und Arabist Gilles Kepel. Als Zeuge vor Ort, Beobachter und Chronist ver­ folgt er seit Jahrzehnten die zunehmende Islamisierung der politischen Ordnung. In seiner Darstellung der letzten fünfundvierzig Jahre zeichnet Kepel nach, wie die gewaltigen Öleinnahmen und die Durchsetzung des politischen Islams den chaotischen Kreislauf antrieben, der mit dem Oktoberkrieg 1973 begann und, paradoxer­ weise, sowohl über die Ausweitung des Dschihads als auch über die zunächst so hoffnungsvoll begrüßten Aufstände des Arabischen Frühlings 2011 in dem mon­ strösen „Kalifat“ des IS und der Zerstör ung der Levan­ te mündete. So kenntnisreich wie präzise entschlüsselt Kepel die gewaltigen Herausforderungen, vor denen der Nahe Osten und der Westen heute stehen. Ein unver­ zichtbares und zukunftsweisendes Buch.

Marcel Hénaff (1942-2018), Philosoph und Anthropologe, war Professor an der Universität von Kalifornien in San Diego.

Gilles Kepel gilt als einer der bedeutendsten Soziologen Frankreichs und renommierter Kenner der arabischen Welt sowie des politischen Islam und des radikalen Islamismus. Zuletzt erschien 2017 Der Bruch. Frankreichs gespaltene Gesellschaft.

44

Michel LEIRIS

Frédéric MARTEL

Phantom Afrika

Sodom. Macht, Homosexualität und Doppelmoral im Vatikan

Übersetzt von Rolf Wintermeyer und Tim Trzaskalik Matthes & Seitz Berlin, 31.10. 2019 978-3-95757-778-8 | € 68

Michel Leiris wird gerade wieder neu entdeckt: als Kronzeuge kolonialer Raubkunst. Aus heutiger Sicht bietet Phantom Afrika grundlegende Einsichten in die Paradoxien der Feldforschung im kolonialen Zeitalter. Denn der Surrealist mit Tropenhelm ist vor allem eins: schonungslos. Genauso wie die Methoden der Wissen­ schaftler seziert er seine Widersprüche und Obsessionen, dokumentiert seine exotistischen und kolonialistischen Vorstellungen. Zum Antikolonialisten wurde Leiris erst durch diese Erfahrung. So wird der Leser Zeuge, wie ein weißer europäischer Mann, der sich in Afrika auf die Suche nach Grenzerfahrungen macht, am Ende vor allem seine inneren Dämonen kennenlernt – nicht die schlechteste Voraussetzung, um die Geister und die Poesie der „Anderen“ zu erfor­ schen. Michel Leiris (1901-1990) unternahm 1931 bis 1933 eine ethnologische Forschungsreise durch Afrika, die die Denkweisen der Ethnographie weitgehend veränderte. 1938 mitbegründete er das College de France und leitete lange Jahre die Schwarzafrika-Abteilung des Musée de l'Homme in Paris.

Übersetzt von Katja Hald, Elsbeth Ranke, Eva Scharenberg und Anne Thomas S. Fischer, 25.09.2019 GOLDSCHMIDT 978-3103974836 | € 26 2015

Eine fesselnde Reportage aus dem Innersten des Vatikans: Frédéric Martel beschreibt, wie katholische Priester, Kardinäle und Bischöfe die rigide, homophobe Sexualmoral verteidigen. Obwohl die meisten von ihnen selbst homosexuell sind. Warum diese Doppelmoral? Warum wird so hartnäckig geschwiegen, warum wird gegen Papst Franziskus intrigiert, den ersten Papst, der homophobe Positionen lockern will? Dahinter steckt ein weltweiter Machtzirkel homosexueller Pries­ ter und Würdenträger, die sich selbst als die „Gemeinde“ bezeichnen. Sie verhindern jede Liberalisierung, um ihr Doppelleben zu schützen: Ob es um Kondome geht, um die gleichgeschlechtliche Ehe oder die wichtigste Bastion: das Zölibat. Auch das Schweigen über sexu­ ellen Missbrauch ist Teil dieses Systems. Frédéric Martel, geboren 1967, ist Journalist und Soziologe und selbst homosexuell. Er ist katholisch, steht aber der Kirche nicht besonders nah. Sein Motiv, dieses Buch zu schreiben, war der Wunsch, das System von Schweigen und Doppelmoral aufzubrechen und den Vatikan zu „outen“.

45


NEUE STIMME

Jean-Luc NANCY Körper

Agathe NOVAK-LECHEVALIER

Corine PELLUCHON

Emmanuelle POUYDEBAT

Michel Houellebecq

Ethik der Wertschätzung. Tugenden für eine ungewisse Welt

Da drehte die Qualle die Zeit zurück. Vom genialen Können der Tiere

Corine Pelluchon entwickelt eine Tugendethik, die uns hilft, mit den Herausforderungen unserer moder­ nen Gesellschaften umzugehen. Dabei legt sie den Schwerpunkt nicht in erster Linie auf die Prinzipien unserer Handlungen, vielmehr geht es ihr um unsere konkrete Motivation, um die Vorstellungen und Affekte, die uns dazu bringen, aktiv zu werden. Diese Ethik der Besinnung gründet sich auf Demut und der Erfahrung der Verletzlichkeit. Pelluchon definiert die Besinnung über die „Transdeszendenz“. So bezeichnet sie eine Selbstbetrachtung, durch die das Subjekt seine Verbindung zu den anderen Lebe­ wesen wahrnimmt und durch die das theoretische Wissen um die Zugehörigkeit zu einer gemeinsamen Welt zum gelebten Wissen wird. Eine solche Haltung kann dazu führen, sich konkret zu engagieren.

Dieses kunstvoll gestaltete Buch entführt den Leser in das Land der Tierwunder, in der Reptilien übers Wasser laufen, Insekten Blumen pflücken, Quallen sich verjün­ gen oder tote Frösche wieder auferstehen können. Wir begegnen 36 außergewöhnlichen Tierarten mit uner­ warteten und manchmal unerklärlichen Fähigkeiten und tauchen ein in eine fast unbekannte Welt, in der es vieles zu entdecken und vieles zu schützen gilt. Kurze und kurzweilige Geschichten erzählen anhand der neu­ esten wissenschaftlichen Erkenntnisse Staunenswertes zur jeweiligen Tierart und sind mit einem kurzen biolo­ gischen Porträt ausgestattet sowie mit einer kleinen Karte, die ihr Vorkommen lokalisiert. Künstlerische Bildta­bleaus setzen die Tiere gekonnt in Szene.

Übersetzt von Valérie Ivanovic Passagen Verlag, 01.10. 2019. 978-3709203569 | € 19,90

Übersetzt von Stephan Kleiner (u.a.) DuMont, 14.10.2019 978-3-8321-8387-5 | € 38

Jean-Luc Nancy betrachtet den Körper aus unter­ schiedlichen Perspektiven, ohne ihn begrifflich voll­ kommen zu fixieren: Der Körper wird nicht als lebloses Studienobjekt behandelt, sondern bildet den Ausgang­ spunkt für vielfältige philosophische Reflexionen, die von der existenziellen Erfahrung der Körperlichkeit inspiriert sind.

Es ist in Frankreich eine Auszeichnung, wenn einem Schriftsteller schon zu Lebzeiten ein Cahier de L'Herne gewidmet wird, ein Sammelband mit Beiträgen von Journalisten und Schriftstellerkollegen sowie Tex­ ten des jeweiligen Künstlers. Das von Agathe Novak-­ Lechevalier, einer ausgewiesenen Kennerin des Werkes von Michel Houellebecq, herausgegebene Cahier enthält unveröffentlichte Texte von Houellebecq, Gespräche mit literarischen Größen, Texte von Freunden, Schiftstellerkollegen, von Philosophen, Musikern, von französischen wie ausländischen Journalisten. Alle Texte versuchen das Phänomen Houellebecq zu fassen und zu erklären, spiegeln die Komplexität seines Den­ kens und die Aktualität seines literarischen Werkes wider.

Jean-Luc Nancy zählt zu den bedeutendsten Philosophen der Gegenwart. Sein vielfältiges Werk umfasst Arbeiten zur Ontologie der Gemeinschaft, Studien zur Metamorphose des Sinns und zu den Künsten, Abhandlungen zur Bildtheorie, aber auch zu politischen und religiösen Aspekten im Kontext aktueller Entwicklungen. Auch in diesem Jahr erschienen: Sexistenz Übersetzt von Thomas Laugstien Diaphanes, 27.02.2019 978-3035801811 | € 18

46

Agathe Novak-Lechevalier hat eine Assistenzprofessur an der Universität Paris X Nanterre inne. Sie ist Chefredak­ teurin der Zeitschrift Magasin du XIXe siècle. Neben Michel Houellebecq zählen die Werke von Honoré de Balzac und Stendahl zu ihren Forschungsgebieten.

Übersetzt von Heinz Jatho und Annette Jucknat WBG Academic, 07.05.2019 978-3-534-27071-2 | € 50

Prof. Dr. Corine Pelluchon lehrt Philosophie an der Université Paris-Est-Marne-la-Vallée. Ihre Schwerpunkte sind Moralphilosophie, Politische Philosophie sowie angewandte Ethik (Bioethik, Umwelt- und Tierethik).

Übersetzt von Claudia Seele-Nyima Knesebeck, 15.10.2019. 978-3957283429 | € 25

Emmanuelle Pouydebat ist Verhaltensforscherin und arbeitet zu tierischer Intelligenz am französischen National­museum für Naturgeschichte. Auch in diesem Jahr erschienen: Was Tiere können. Wie sie denken. Wie sie kommunizieren. Wie sie uns Übersetzt von Alexandra Baisch Goldman, 18.02.2019 978-3442177844 | € 10

47


Jacques RANCIÈRE Die Ränder der Fiktion

Übersetzt von Richard Steurer-Boulard Passagen Verlag, 01.07.2019 978-3709203286 | € 24

Seit Aristoteles weiß man, dass die Fiktion sich von der Alltagserfahrung nicht dadurch unterscheidet, dass sie weniger, sondern mehr Rationalität besitzt. Sie ver­ schmäht den Alltag, um zu zeigen, wie das Unerwartete geschieht, wie das Glück in Unglück und die Unwissenheit in Wissen umschlägt. Diese Rationalität hat die Sozial­ wissenschaft in der Moderne auf die Gesamtheit der menschlichen Beziehungen ausgedehnt. Die Literatur hin­ gegen hat sie in Frage gestellt, indem sie sich dem Alltag und den gewöhnlichen Existenzen zugewandt und sich am äußersten Rand angesiedelt hat, der das, was es gibt, von dem trennt, was geschieht. Von Stendhal über Marx, Proust, Rilke und Conrad bis hin zu Faulkner, Sebald und anderen erforscht Rancière die Ränder der Fiktion. Jacques Rancière, geboren 1940, lehrte zwischen 1969 und 2000 Philosophie und Kunsttheorie an der Universität Paris VIII.

Das Verfahren der Szene. Gespräch mit Adnen Djey

Félix RAVAISSON

Charles REEVE

Übersetzt von Thomas Laugstien Diaphanes, 01.10.2019 978-3035801873 | € 18

Abhandlung über die Gewohnheit

Der Wilde Sozialismus: Selbstorganisation und direkte Demokratie in den Kämpfen von 1789 bis heute

Auch in diesem Jahr erschienen:

In diesem Text entwickelt Félix Ravaisson eine Theorie der Gewohnheit, die nicht nur die idealistische Philo­ sophie des 19. Jahrhunderts, sondern auch Phänome­ nologie und Poststrukturalismus im 20. Jahrhundert maßgeblich beeinflusst hat. Ausgehend von Aristoteles beschreibt Ravaisson Gewohnheit als ein aktives Ver­ mögen, durch das ein Organismus Unabhängigkeit von seiner Umwelt erlangt. Konstituiert durch Wiederho­ lung befreit sie den Organismus von den unmittel­baren Affektionen der Umgebung und bestimmt zugleich seine weitere Handlungstendenz. Als allgemeine Handlungsweise steht die Gewohnheit so zwischen Notwendigkeit und Freiheit. Diese Verschränkung von Natur und Selbsttätigkeit erreicht ihren Höhepunkt im Menschen, dessen Natur seine eigene Tat ist.

An den Rändern des Politischen

Übersetzt von Richard Steurer-Boulard Passagen Verlag, 01.04.2019 978-3709203576 | € 24,90

48

NEUE STIMME

Übersetzt von Daniela Voss August Verlag, 05.12.2019 978-3941360457 | € 12

Jean Gaspard Félix Ravaisson-Mollien (1813–1900) war ein französischer Philosoph und Archäologe.

Übersetzt von Felix Kurz Nautilus, 02.09.2019 978-3960542100 | € 28

Prinzipien der direkten Demokratie und der kollektiven Selbstverwaltung ziehen sich durch alle revolutio­ nären Epochen. Charles Reeve zeigt die revolutio­ nären Phasen der sozialistischen Bewegung aus der Perspektive häretischer Sozialismuskonzeptionen, jener Strömungen, die die offiziellen und offiziösen Geschichtsschreibungen als „extreme Überschrei­ tungen“ bezeichnen: die „Enragés“ während der Fran­ zösischen Revolution, den Kampf der Sowjets in der russi­schen Revolution. Die Selbstregierung der Räte und die Versuche einer Sozialisierung der Ökonomie in der Deutschen Revolution von 1918 bis 1920. Die Verwirklichung anarchistischer Kollektive in der Spani­ schen Revolution sowie die Praktiken der autonomen Selbstorganisation im wilden Generalstreik des Mai 1968 und während der Portugiesischen Revolution von 1973–1975, die Gelbwesten heute. Charles Reeve, geboren 1945 in Lissabon, lebt seit seiner Desertion aus der portugiesischen Kolonialarmee 1967 als Aktivist und Schriftsteller in Paris.

49


NEUE STIMME

NEUE STIMME

Felwine SARR

Michel SERRES

Bérengère VIENNOT

Jean ZIEGLER

Afrotopia

Was genau war früher besser?

Die Sprache des Donald Trump

Was ist so schlimm am Kapitalismus? Antworten auf die Fragen meiner Enkelin.

Übersetzt von Max Henninger Matthes & Seitz Berlin, 25.01.2019 978-3957576774 | € 20

„Dunkler Kontinent“, „Elendsgebiet“ oder „Rohstofflager der Welt“, noch immer denken und reden wir über Afrika in Stereotypen. In seinem bahnbrechenden Manifest, das zugleich Ana­ lyse und Utopie ist, fordert Felwine Sarr eine wirkliche Entkolonialisierung Afrikas, indem es sich auf seine ver­ gessenen und verdrängten geistigen Ressourcen zurück­ besinnt, ohne gleichwohl den Kontakt mit der Moderne zu verleu­ gnen. Die afrikanische Kulturrevolution bietet dabei auch für den Rest des Planeten dringend benötigte Ansätze, um eine würdevollere Zivilisation zu begründen. Felwine Sarr wurde 1972 in Niodior im Senegal geboren. Er ist Schriftsteller, Musiker und lehrt als Professor für Wirtschaft­swissenschaften an der Gaston Berger Universität in Saint-Louis, Senegal. Auch in diesem Jahr erschienen: Felwine SARR und Bénédicte SAVOY Zurückgeben. Über die Restitution afrikanischer Kulturgüter Übersetzt von Daniel Fastner Matthes & Seitz Berlin, 24.05.2019 978-3957577634 | € 18

50

Übersetzt von Stefan Lorenzer Suhrkamp, 10.03.2019 978-3518074978 | 12 €

Früher war alles besser, so hören wir fast täglich. Früher, da haben sich die Menschen noch miteinan­ der unterhalten, statt auf ihre Handys zu starren. Sie engagierten sich für die Gemeinschaft, statt verein­ zelt vor sich hin zu vegetieren, und nebenbei hatte der Sommer noch die perfekte Temperatur. Michel Serres wuchs vor über achtzig Jahren im ländlichen Südwest­ frankreich auf, und er kann uns erzählen, wie es wirk­ lich war: Ja, die Hühner mögen alle frei herumgelaufen sein, und die Schweine wurden noch nicht mit Antibio­ tika behandelt. Aber Seuchen und Krankheiten waren an der Tagesordnung, bei Tieren wie bei Menschen. Zwar gab es keine Internetpornos, doch manch junges Paar glaubte, die Liebe werde durch den Bauchnabel gemacht. Die Nostalgie für das Vergangene, so ermahnt uns Serres, lässt uns vergessen, was unsere Gegenwart so wertvoll macht. Michel Serres, geboren 1930 in Agen, ist ein französischer Mathematiker und Philosoph. Seit 1990 ist er einer der vierzig „Unsterblichen“ der Académie française. 2012 erhält Serres den „Meister-Eckhart-Preis“ der Identity Foundation und der Universität zu Köln.

Übersetzt von Nicola Denis Aufbau, 13.09.2019 978-3351034832 | € 18

Donald Trump ist berühmt für seine vulgäre, sarkasti­ sche und konfuse Sprache, die allen Regeln der Gram­ matik und des Anstands trotzt. Bérengère Viennot übersetzt seine Reden und Beiträge ins Französische und ist dabei mit einem Universum konfrontiert, das sie fassungslos und wütend macht. In ihrem brillan­ ten Essay geht sie dem Phänomen der Trump-Sprache auf den Grund: Wie fließend ist der Übergang von der Brutalität seiner Worte zu seiner Politik? Was sagt die Verrohung seiner Sprache über den Zustand Amerikas aus? Und warum geht uns das alle etwas an? Bérengère Viennot ist seit vielen Jahren Übersetzerin und arbeitet inzwischen ausschließlich für die Presse. Sie schreibt unter anderem für den Courrier international. Darüber hinaus unterrichtet Bérengère Viennot Übersetzen an der Universität Paris VII.

Übersetzt von Hainer Kober C. Bertelsmann, 18.03.2019 978-3570103708 | € 15

Leben wir mit dem Kapitalismus in der besten aller Welten? Dass Jean Ziegler dieser Ansicht entschieden widerspricht, wissen seine Leser. Jetzt erklärt er seiner Enkeltochter Zohra und ihrer Generation, welchen unmenschlichen Preis wir für dieses System zahlen, warum es „radikal zerstört“ werden muss und mit dem weltweiten Erstarken der Zivilgesellschaft eine neue Antwort der Geschichte heraufzieht. Wie in all seinen provokanten Analysen stellt sich Ziegler in unmiss­verständlicher Klarheit den Fragen von Zohra: Der Kapitalismus ist als „kannibalische Weltordnung“ unreformierbar. Und er zeigt sich überzeugt, dass des­ sen Abschaffung eine kraftvolle Utopie ist, an deren Verwirklichung bereits Millionen Menschen arbeiten und sich als breite Widerstandsfront formieren. Jean Ziegler, geboren 1934, lehrte bis 2002 Soziologie an der Universität Genf und als ständiger Gastprofessor an der Sorbonne, er war von 2000 bis 2008 UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Mitglied im Beratenden Ausschuss des Menschenrechtsrats und im Beirat von "Business Crime Control". Er ist derzeit Mitglied des UN-Menschenrechtsrates.

51


Das passiert wenn man französische Bücher liest

Das passiert wenn man französische Bücher liest


Kinder- und Jugendbücher

NEUE STIMME

Marguerite ABOUET, Mathieu SAPIN

Marion ACHARD Am Ende des Regenwaldes

Akissi – Vorsicht, fliegende Schafe!

Übersetzt von Anna Taube Magellan, 16.01.2019 978-3-7348-5044-8 | € 11

Wo Akissi ist, ist Chaos vorprogrammiert... Das bekommen auch ihre Großeltern zu spüren: Bei Opa und Oma auf dem Land können sich Akissi und ihr Bruder Fofana so richtig austoben, ehe die Schule wieder anfängt wilde Schafsjagd und Kokosnuss­ pflückwettbewerb inbegriffen. Zurück in der Stadt vergeht der frischgebackenen Zweitklässlerin das Lachen aber erst einmal, denn der neue Lehrer ist ein richtiges Ungeheuer! Was nun? Zum Glück ist Akissi nie um einen Einfall verlegen... Warum nicht einen kleinen Unfall inszenieren, damit man nicht zur Schule muss... Oder einfach Klassenschlechteste werden, die sitzt nämlich ganz hinten und wird vom Lehrer in Ruhe gelassen.

Daboka und ihre jüngere Schwester gehören zu einem kleinen indigenen Stamm, der friedlich in den dunkel­ grünen Tiefen des Regenwaldes lebt – bis eines Tages Männer mit großen, stinkenden Maschinen kommen. Sie wollen Straßen und Ölplattformen bauen. Dafür schaffen sie ohne Skrupel alles aus dem Weg, was sie stört. Bäume, Tiere, Menschen… Daboka muss kämp­ fen. Um ihr Leben und für ihren Wald. Die Geschichte eines starken Mädchens, inspiriert von einer wahren Begebenheit.

Übersetzt von Ulrich Pröfrock Reprodukt, 20.10.2019 978-3-95640-205-0 | € 18

Marguerite Abouet verbrachte ihre ersten zwölf Lebensjahre in der Elfenbeinküste, bevor sie nach Frankreich zog. Für Aya erhielt sie 2006 wie Clément Oubrerie den Preis für das beste Debüt beim Comicfestival im französischen Angoulême. Mathieu Sapin studierte in Straßburg Illustration. Zuletzt erschien die viel beachtete Comicreportage Gérard - Fünf Jahre am Rockzipfel von Depardieu.

Ihre Ausbildung zur Zirkusartistin absolvierte Marion Achard an der Schule der Fratellini-Familie und bei dem Trapezkünstler Jean Palacy. Heute reist sie gemeinsam mit ihrer Truppe Tour de Cirque mit einer eigenen Bühnenshow durch die ganze Welt – und schreibt Erzählungen für Kinder und Jugendliche.

55


Virginie ALADJIDI, Emmanuelle TCHOUKRIEL

Chiara ARSEGO, Aymeric VINCENOT

Wunderwelt Natur. Über 450 Tiere und Pflanzen

Colette und ihre ungewöhnlichen Haustieren

Übersetzt von Andreas Illmann Schaltzeit Verlag, 02.09.2019 978-3946972365 | € 16

Seit mit Kiwi, Kürbis, Kokosnuss ihr erster Erfolgstitel beim Gerstenberg Verlag erschien, beschrieben und zeichneten Virginie Aladjidi und Emmanuelle Tchou­ kriel in über zehn Einzelbänden die verschiedensten Aspekte der Natur, seien es Pflanzen, Insekten, Tiere in den Bergen oder die Vogelwelt. Mit diesem Buch haben sie nun ein einzigartiges Natur-Sammelsurium geschaffen, das auf über 450 farbenprächtigen Bildta­ feln die ganze Vielfalt unserer Natur zeigt. Ein buntes Bildwörterbuch zum Schmökern, Staunen, Entdecken und Verschenken!

Colette erlebt einen turbulenten Tag: Ein Walross teilt sich mit ihr die Badewanne, ein Pandabär wird zu ihrem Schminkspiegel und eine Giraffe taucht mitten im Wohnzimmer auf. Was hat das alles wohl zu bedeuten?

Rein gar nichts kann dem kleinen Helden dieser Geschichte Angst einjagen. Egal, ob er sich im Super­ markt verirrt, ob er Auge in Auge einem Löwen gegen­ über steht oder ob er ganz allein in seinem Bett liegt. Warum nur ist er so mutig? Die Erklärung ist einfach, er hat immer sein kleines Stoffhäschen bei sich. Aber was, wenn das geliebte Kuscheltier eines Tages mal nicht mehr da sein sollte?

Übersetzt von Cornelia Panzacchi und Ursula Bachhausen Gerstenberg, 01.07.2019 978-3836960281 | € 20

Virginie Aladjidi hat zunächst als Journalistin gearbeitet und sich dann dem Schreiben von Kinderbüchern zugewandt. Rund 50 Bücher sind von ihr bereits erschienen. Ihre sechs Kinder haben sie jeweils als Erste getestet. Auch in diesem Jahr erschienen Rabe, Buntspecht, Pinguin Übersetzt von Cornelia Panzacchi Gerstenberg, 01.01.2019 978-3836956734 | € 15

56

Übersetzt von Andreas Illmann Schaltzeit Verlag, 01.03.2019 978-3946972327 | € 15

Chiara Arsego wurde in Italien geboren, wo sie auch ihr Graphikstudium absolviert hat. Sie illustriert Bilderbücher und leitet regelmäßig Malkurse für Kinder. Sie lebt in Paris.

BARROUX Bin doch kein Angsthase

Barroux reist für sein Leben gern. Er hat in Frankreich Fotografie, Kunst und Architektur studiert. Anschließend arbeitete er als Artdirektor in Paris und Montreal, wo er auch zu illustrieren begann. Mittlerweile ist er ein bekannter Illustrator von Kinderbüchern.

Marc BOUTAVANT, Emmanuel GUIBERT Ariol T9. Hasenzähne

Übersetzt von Annette von der Weppen Reprodukt, 31.05.2019. 978-3-95640-190-9 | € 14 Emmanuel Guibert und Marc Boutavant haben mit „Ariol“ eine Figur geschaffen, mit der sich junge Leser wirklich identifizieren können. In kurzen, ebenso komi­ schen wie treffenden Episoden erzählen sie aus dem Leben des kleinen blauen Esels und von unser aller Freuden und Ängsten. Hasenzähne ist der neunte Band der Serie: So richtige Hasenzähne – die hat Bitonio! Aber im Sportunterricht ist er trotz Zahnspange der Allerbeste, und Ariol muss sich ganz schön anstrengen, um mitzuhalten… Emmanuel Guibert, geboren 1964 in Paris, hat sich als Comiczeichner und Szenarist einen Namen gemacht und unter anderem mit Joann Sfar und Christophe Blain zusammengearbeitet. Marc Boutavant, geboren 1970 im französischen Dijon, lebt und arbeitet in Paris.

2019 und 2020 wird die Ausstellung „Ariols Welt“ durch Deutschland reisen.

57


Davide CALI, Magali Le HUCHE Eléctrico 28 oder wie Amadeo die Liebe fand

Joris CHAMBLAIN, Aurélie NEYRET

Übersetzt von Ingrid Ickler Knesebeck, 21.02. 2019 978-3-95728-184-5 | € 14

Valentin und Crissis Tagebücher

Amadeo ist Straßenbahnfahrer in Lissabon. Und was für einer! Im Laufe seiner langen Karriere hat er mit seiner berühmten Eléctrico 28 schon vielen schüch­ ternen Liebespaaren auf die Sprünge geholfen. Dank eines ausgeklügelten Systems unterschiedlichs­ ter Fahrmanöver haben alle Fahrgäste zueinander gefunden, die in Sachen Liebe einen kleinen Schubs benötigen. Alle? Außer Amadeo selbst, der doch ein so großes Herz hat. Wird Amadeo am Ende seiner letzten Fahrt auch noch seine Herzensdame finden?

Crissi, Valentin und ihre Eltern sind schon ganz auf­ geregt, denn sie gehen auf eine Reise um die gan­ ze Welt! Aber Valentin ist erst sieben Jahre alt, und diese Reise macht ihm ein bisschen Angst. Um ihm zu helfen, denkt sich Crissi eine Geschichte von einem Außerirdischen aus: Am 18. August landet Toloh-Tim in ihrem Garten. Er versucht, sich vor einer Mission zu drücken, die er erfüllen soll. Was kann das nur sein? Es liegt an den Super-Spezialagenten Crissi und Valentin, es herauszufinden! Ein neues, alleinstehendes Abenteuer aus der erfolg­ reichen Reihe „Crissis Tagebücher“ mit einer rühren­ den Geschichte über Familie, Freundschaft und die Kraft der Fantasie.

Davide Cali lebt heute in Italien. Er schreibt Texte für Bilder­ bücher und Graphic Novels. Seine Werke sind schon mehr als 30 Sprachen übersetzt worden. Magali le Huche hat an der Kunsthochschule in Straßburg studiert und arbeitet für Kinder- und Jugendbuchverlage sowie Zeitschriften.

58

Übersetzt von Tanja Krämling Splitter, 25.10.2019 978-3958399853 | € 14,95

GOLDSCHMIDT 2000

Als Kind verbrachte Aurélie Neyret ihre Tage mit Zeichnen und ihre Nächte mit Lesen. Heute illustriert sie Jugendmagazine und Comics. Joris Chamblain ist Comic- und Romanautor. Mit Aurélie Neyret hat er die erfolgreiche Reihe Crissis Tagebücher erfunden.

Benjamin CHAUD

Rébecca DAUTREMER

Ein Tag bei den kleinen Marsupilamis

Das Stundenbuch des Jacominus Gainsborough

Übersetzt von Constanze Steindamm Carlsen, 01.08.2019 978-3-551-51846-0 | € 13

Jeden Tag stehen die kleinen Marsupilamis auf, wa­ schen sich, frühstücken und gehen in die Schule. Nach dem Mittagessen geht es zum Sport, sie spielen mit ihren Freunden und natürlich gibt es nach dem Abend­ essen noch eine Gute-Nacht-Geschichte. Doch an je­ dem Tag erleben und lernen sie auch viele neue Dinge… Benjamin Chaud wurde 1975 in den Französischen Alpen geboren. Er studierte Zeichnen und Angewandte Kunst in Paris und Bildende Künste in Straßburg. Er hat mehr als 70 Bücher illustriert, die in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt wurden.

Übersetzt von Eva Moldenhauer Insel, 28.10.2019 978-3-458-17838-5 | € 25

Jacominus Gainsborough hat sich auf den Mond geträumt, ein großes Schiff bestiegen, sich verliebt, seine Großmutter beerdigt und mit seinen Kindern herumgetollt. Ein ganz normales Leben – und ein erfülltes. In ihrem berückend schön illustrierten Buch erzählt Rébecca Dautremer von den Wagnissen, Wid­ rigkeiten und Glücksmomenten, die unser Dasein kostbar machen. Und erschließt ihren kleinen wie großen Leserinnen und Lesern behutsam die bedeu­ tenden Fragen des Lebens. Rébecca Dautremer, 1971 in den französischen Alpen geboren, hat an der école nationale supérieure des Arts Décoratifs grafische Gestaltung studiert und hegt eine Leidenschaft für Fotographie. 1996 veröffentlichte sie ihr erstes Kinderbuch.

59


Die Spiegelreisende 2: Die Verschwundenen von Mondscheinpalast Übersetzt von Amelie Thoma Insel, 27.07.2019. 978-3-458-17826-2 | € 18

NEUE STIMME

Christelle DABOS Die Spiegelreisende 1: Die Verlobten des Winters Übersetzt von Amelie Thoma Insel, 11.03.2019 978-3-458-17792-0| € 18

Am liebsten versteckt sie sich hinter ihrer dicken Brille und einem Schal, der ihr bis zu den Füßen reicht. Dabei ist Ophelia eine ganz besondere junge Frau: Sie kann Gegenstände lesen und durch Spiegel reisen. Auf der Arche Anima lebt sie inmitten ihrer riesigen Familie und kümmert sich hingebungsvoll um das Erbe der Ahnen. Bis ihr eines Tages Unheilvolles verkündet wird: Ophelia soll auf die eisige Arche des Pols ziehen und einen Adligen namens Thorn heiraten. Wer ist der Mann, dem sie von nun an folgen soll? Warum wurde ausgerechnet sie, das zurückhaltende Mädchen mit der leisen Stimme, auserkoren? Ophelia ahnt nicht, welche tödlichen Intrigen sie auf ihrer Reise erwarten, und macht sich auf den Weg in ihr neues, blitzgefährliches Zuhause. Christelle Dabos, geb. 1980 an der Côte d’Azur. Als sie 2007 an Krebs erkrankte, begann sie zu schreiben. Nachdem sie den Jugendbuchwettbewerb von Gallimard Jeunesse gewonnen hatte, wurde der erste Band der Serie, Die Verlobten des Winters, publiziert und entwickelte sich rasch zu einem Bestseller.

60

Ophelia wurde gerade zur Vize-Erzählerin am Hof von Faruk erkoren und glaubt sich damit endlich sicher. Doch es dauert nicht lange, und sie erhält unheilvolle anonyme Drohbriefe: Wenn sie ihre Hochzeit mit Thorn nicht absagt, wird ihr Übles widerfahren…

Die Spiegelreisende 3: Das Gedächtnis von Babel Übersetzt von Amelie Thoma Insel, 18.11. 2019. 978-3-458-17827-9| € 18

Fast drei Jahre hat Ophelia Thorn nicht mehr gese­ hen. Nach seinem plötzlichen Verschwinden musste sie den Pol verlassen und nach Anima zurückkehren. Doch eines Tages macht sie sich heimlich auf den Weg zur Arche Babel, um mehr über Gott herauszufinden und sich auf die Suche nach Thorn zu begeben…

Marie DORLÉANS Auf leisen Sohlen durch die Nacht

Claude K. DUBOIS Pfff

Übersetzt von Ina Kronenberger Gerstenberg, 01.07.2019 9783-8369-6037-3 | € 16

Übersetzt von Tobias Scheffel Moritz Verlag, 13.02.2019 978 3 89565 371 1 | € 10,95

Eine Familie wandert los, um den Zauber einer Som­ mernacht zu erleben. Durch den duftenden Garten und das schlafende Dorf führt sie ihr Weg. Hier und da brennt noch Licht, Gerüche vermischen sich mit den sanften und geheimnisvollen Geräuschen der Nacht. Über die Felder und durch den Wald geht es, ein See lädt zu einem Spiel mit dem Mond ein. Am Himmel geben die Sterne ein prächtiges Schauspiel. Voller Erwartung beginnt die Familie den letzten Aufstieg. Am Ziel angelangt sind alle, auch der Leser, überwältigt von der Ruhe und Schönheit des anbrechenden neuen Tages. Mit poetischen Worten und in atmosphärischen Blautönen erschafft Marie Dorléans eine Sommer­ nacht und nimmt den Leser mit auf diesen wunder­ schönen Nachtspaziergang.

Oh wie langweilig können manche Tage sein. Die Vogelkinder halten es kaum aus! Warum bloß dürfen sie nicht mehr auf dem Tablet spielen? Spielt doch Fußball! Geht schaukeln! Macht ein Wettrennen!, ermuntert sie ihr Papa. Nichts gefällt! Selbst als er das Planschbecken für sie aufstellt, ist ihnen erst das Wasser zu kalt, dann fehlen die Bademützen. Aber da kommt Spatz und springt ins Wasser. „Der Letzte im Wasser ist ein Angsthase!“, ruft er. Und als dann auch noch ein Pupser zu hören ist, gibt es kein Halten mehr: Der Tag wird wunderbar! Ein Bilderbuch, das zeigt, wie gemeinsam zu spielen immer noch den größten Spaß bereitet.

Marie Dorléans wuchs in einer Familie auf, in der Musik, Kunst und Theater eine wesentliche Rolle spielten. Sie hat in Straßburg an der Akademie der Bildenden Künste studiert und arbeitet als Autorin und Illustratorin. 2019 wurde sie mit dem Prix Landerneau ausgezeichnet.

Claude K. Dubois, geboren 1960 in Verviers (Belgien), unterrichtet Illustration an der berühmten Kaderschmiede dieses Faches, dem Institut Saint-Luc in Lüttich/Liège/ Luik, an dem sie selbst studiert hat. Für Akim rennt erhielt sie den Katholischen Kinderbuch- und den Deutschen Jugendliteraturpreis.

61


NEUE STIMME

Marianne DUBUC Komm mit, Lulu

Übersetzt von Anna Taube Carlsen, 31.01.2019 978-3-551-51943-6 | € 15

Frau Dachs ist sehr alt und hat schon viel in ihrem Leben gesehen. Ihr Haus liegt am Fuße eines kleinen Berges. Jeden Sonntag wandert sie allein auf den Berg, um dort in Ruhe den Ausblick zu genießen und nachzudenken. Eines Tages trifft sie den jungen, neu­ gierigen Kater Lulu, der sie fortan jeden Sonntag bei ihrem Spaziergang begleitet und dabei begreift, was wichtig ist. Marianne Dubuc studierte Graphik Design an der Universität Québec in Montreal. Sie illustriert nicht nur Kinderbücher, sondern schreibt auch die Texte selbst dazu. Nach Meine große kleine Welt (nominiert für den Jugendliteraturpreis 2011) ist dies ihre fünfte Veröffentlichung bei Carlsen.

Malika FERDJOUKH, Lucie DURBIANO

Élise GRAVEL Eine Kartoffel fährt Fahrrad

Sohn des Himmels

Die vier Schwestern – Vier Jahreszeiten

Übersetzt von Nicola Stuart Jacoby & Stuart, 01.02.2019 978-3964280176| € 9,50

Übersetzt von Tobias Scheffel Moritz Verlag, 21.08.2019 978 3 89565 382 7 | € 18

Egal zu welcher Jahreszeit, in der alten Villa am Meer ist immer was los: Fünf Schwestern, zwei Katzen, ein Paar Geister sowie ein launischer Heizkessel sorgen für windzerzauste Abenteuer, fliegenden Nagellack und mindestens alle zehn Tage für die große Liebe!

Kann es sein, dass eine Karotte BADET? Aber nein! Das kann NICHT sein! Kann ein Brokkoli bis 10 zählen? Aber nein! Das kann NICHT sein! Dass eine Zahnbürste FLIEGT? Aber nein! Das kann NICHT sein! Dass eine Gabel AUTO fährt.? Aber nein! Das kann NICHT sein! Dass ein Würstchen ein Buch LIEST? Aber nein! Das kann NICHT sein! Dass ein Baby GEKITZELT wird? Aber ja! Das kann gut sein! Wunderbar witzige, alberne, fröhliche, spaßige und kindgerechte Pappbilderbücher

Prinzessin Xian-Zi, die Tochter des Jade-Kaisers, lebt im Palast des Himmels. Wie gerne wurde sie einmal die Erde besuchen. Eines Tages macht sie sich auf – ohne Wissen ihres Vaters. Xian-Zi verliebt sich in einen jungen Mann und bringt einen Sohn zur Welt. Voller Zorn lasst der Kaiser seine Tochter zurück in den Him­ melspalast holen, ihr kleiner Sohn bleibt auf der Erde zurück. Irgendwann macht er sich auf, seine Mutter zu finden. Chen Jianghong verbindet seine Geschich­ te mit der Legende um die Mondküchlein, die in China alljährlich im Herbst Anlass großer Familientreffen sind.

Übersetzt von Annette von der Weppen Reprodukt, 09.05.2019 978-3-95640-188-6 | € 20

Malika Ferdjoukh, geboren 1957 in Algerien, lebt in Paris und in der Normandie und schreibt sowohl Romane als auch Drehbücher fürs Fernsehen. Lucie Durbiano, geboren 1969, ist Illustratorin und Comiczeichnerin. Sie studierte an der École supérieure des arts décoratifs in Straßburg.

Elise Gravel, geb. 1977, ist eine kanadische Kinderbuch­ illustratorin und -autorin aus Montreal. Sie schreibt ihre Bücher sowohl auf Englisch als auch auf Französisch. Sie hat bereits mehr als 30 Bücher veröffentlicht, die in mehr als zwölf Sprachen übersetzt worden sind. auch in diesem Jahr erschienen: Ich bin ein Monster Übersetzt von Nicola Stuart Jacoby & Stuart, 01.02.2019 978-3964280183 | € 9,50

62

Chen JIANGHONG

Chen Jianghong wurde 1963 in der chinesischen Hafenstadt Tianjin geboren. Nach dem Kunststudium machte er sich 1987 auf den Weg nach Paris. Dort kam er fast zufällig zur Illustration. In seinen Büchern verbindet er traditionelle Malstile und alte chinesische Geschichten mit modernen Erzählweisen.

63


NEUE STIMME

Marion KADI, Abram KAPLAN

Dorothée de MONFREID

Newton und der Club der Astronomen

1 Wolf, 2 Hunde, 3 Schlüpfer

Übersetzt von Thomas Laugstien Diaphanes, 27.05.2019 978-3035801392 | € 14,95

In ein starkes Fernrohr schauen? Sich hartnäckig den Kopf zerbrechen? Die Erdkugel durchqueren? Wie nur hinter das Geheimnis der Sterne kommen? Am besten zur Rückseite des Mondes fliegen! Denn dort tagt der berühmte Club der Astronomen: Komm mit und erfahre, was Isaac Newton dort von seinen bahnbrechenden Gedanken über Gravitationskraft und Planetenbahnen erzählt. Marion Kadi hat Grafikdesign und Typographie studiert. Sie lebt in Paris, Berlin oder New York. Abram Kaplan ist Mathematik-Historiker, er hat an der Columbia Universität promoviert.

64

Übersetzt von Ulrich Pröfrock Reprodukt, 10.03.2019 978-3-95640-189-3 | € 14

Sébastien PEREZ, Benjamin LACOMBE

Hubert REEVES, Nelly BOUTINOT und Daniel CASANAVE

Der Zauberer von Oz (nach dem Roman von L. Frank Baum)

Hubert Reeves erklärt uns den Wald

Als sieben Freunde aus der Schachtel krabbeln, ist klar: Das gibt eine tolle Verkleidungsparty mit der ganzen Hundebande – und ein Zählspaß ist es oben­ drein! Doch wird der große, finstere Wolf dem lustigen Treiben ein Ende setzen?

Sébastien Perez hat die berühmte Geschichte in einem leichten, poetischen Stil neu gefasst – aus der Perspektive der Vogelscheuche, die sich irrtümlich für dumm hält. Denn sie beschützt nicht nur Dorothy, sondern hält auch die Gruppe zusammen und findet in gefährlichen Situationen stets eine Lösung. Trotzdem ist es ausgerechnet die kluge Vogelscheuche, die vom Zauberer mit Verstand ausgestattet werden möchte, so wie der beherzte Blechmann mit einem Herzen und der tapfere Löwe mit Mut… Die Bilder von Benjamin Lacombe verleihen der Erzäh­ lung etwas Magisches. Das Grün der Smaragdstadt dringt im Laufe des Abenteuers immer mehr in die Bilder ein und wird dabei durch den grafischen Effekt einer fünften Farbe, eines metallischen Grün, verstärkt.

Hubert Reeves unternimmt mit Schülerinnen und Schülern einen Ausflug, um die Artenvielfalt zu erkun­ den. Dabei schauen sie auf heute lebende und längst verstorbene Arten, auf große Tiere und Mikroorga­ nismen. Es wird erklärt, was wir der Artenvielfalt vor Millionen von Jahren zu verdanken haben, wie sich die heutige Biodiversität auf unsere Lebensqualität aus­ wirkt, wie die fast vollständige Ausrottung einer Art ein ganzes Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringt und dass dies rückgängig gemacht werden kann, wenn sie wieder eingeführt wird. Hubert Reeves zeigt auch, warum Regenwürmer einen Orden verdienen, warum nervige Mücken für manche Lebewesen von überle­ benswichtiger Bedeutung sind und wie der Klimawan­ del sich auf die Artenvielfalt auswirkt.

Sébastien Perez, geboren 1975 in Beauvais, mischt Fantastisches mit Humorvollem und reißt Themen an, die ihm am Herzen liegen, wie die Toleranz. Benjamin Lacombe, geboren 1982 in Paris, hat Grafische Künste studiert und gilt als einer der erfolgreichsten Repräsentanten der zeitgenösischen französischen Illustration.

Hubert Reeves stammt aus dem kanadischen Montreal. Er ist ein weltweit bekannter Astrophysiker und u.a. Präsident der Gesellschaft „Humanité et Biodiversité“. Daniel Casanave zeichnet seit fünfzehn Jahren Comics für die bedeutendsten belgischen und französischen Comicverlage.

Dorothée de Monfreid, geboren 1973 in Paris, arbeitete als Grafkerin ehe sie ihr erstes Kinderbuch schrieb und illustrierte, dem bis heute Dutzende Publikationen folgen sollten.

Übersetzt von Edmund Jacoby Jacoby & Stuart, 28.08.2019 978-3-96428-026-8 | € 29

Übersetzt von Edmund Jacoby Jacoby & Stuart, 31.07.2019 978-3-96428-036-7 | € 18

65


Coralie SAUDO, Kris DI GIACOMO

Olivier TALLEC Hund im Glück

Ins große Bett?

Übersetzt von Ina Kronenberger Gerstenberg, 01.02.2019 978-3-8369-5690-1 | € 12,95

Wie jeden Abend sagt der kleine Elefant dem großen Elefanten Gute Nacht. Und setzt gleich noch hoff­ nungsfroh hinzu: „Ins große Bett?“ Wie jeden Abend sagt der Große dem Kleinen: „Nein. Du hast ja ein eigenes Bett.“ Als ob das der Kleine nicht wüsste… Zum Glück hat er eine List parat, wie er sich des Nachts doch noch mit ins große Bett kuscheln kann. Aber ob das wirklich eine so gute Idee ist?

„Ich habe mir schon so lange einen gewünscht, dass ich meinen Augen nicht getraut habe, als ich ihn sah…“ Wer hätte nicht gern einen treuen Freund, mit dem man sogar den Lieblingsplatz auf dem Sofa teilt? Der einen versteht, der weich und kuschelig ist und einfach der beste von allen? Die ganz besondere Freundschaft zwischen Zwei- und Vierbeinern beleuchtet Olivier Tallec in seinen unverwechselbaren humorvollen Bildern und aus einer unerwarteten Perspektive: Denn hier erzählt… der Hund!

Übersetzt von Maren Illinger Beltz & Gelberg, 10.07.2019 978-3-407-75447-9 | € 20

Coralie Saudo, geboren in Nordfrankreich, arbeitete in der Multimedia-Branche als Webdesignerin, ehe sie sich dem Illustrieren und Schreiben von Kinderbüchern zuwandte. Kris Di Giacomo, geboren in Brasilien, lebt seit vielen Jahren in Frankreich. Nach dem Studium begann sie Bilderbücher zu illustrieren.

Olivier Tallec, geboren 1970, hat an der École Nationale Supérieure des Arts Décoratifs in Paris studiert und teilt seitdem seine Zeit zwischen Design und Illustration. Seine Bücher wurden in zahlreichen Ländern veröffentlicht und ausgezeichnet.

"Ariols Welt", die erste Ausstellung des berümtesten blauen Esels Frankreich, wurde September 2019 in Berlin gezeigt. Sie reist jetzt durch Deutschland! Kontaktieren Sie uns für weitere Informationen. 66

67


Das passiert wenn man französische Bücher liest

Das passiert wenn man französische Bücher liest


Comics

Zeina ABIRACHED, Mathias ÉNARD Zuflucht nehmen

Übersetzt von Annika Wisniewski avant-verlag, 01.09.2019 GOLDSCHMIDT 978-3964450203 | € 30 2013 Afghanistan, 1939: In der Nacht, in der Deutschland Polen überfällt und die Welt für Jahre in Chaos versinkt, ver­ liebt sich die Schriftstellerin Annemarie Schwarzenbach in eine Archäologin. Berlin, 2016: Karsten, der sich für die Sprachen und Kulturen des Nahen Ostens begeistert, trifft in Berlin auf Nayla, eine syrische Geflüchtete, die sich mehr schlecht als recht durch Alltag und Behörden­ wirrwarr ihrer neuen Wahlheimat manövriert. Die beiden kommen sich näher, eine zarte Liebe entsteht. Anhand dieser beiden Liebesgeschichten erzählen Mathias Énard und Zeina Abirached, wie schwierig es ist, die Grenzen im Kopf und zwischen den Menschen aufzulösen und zu vereinen, was Tradition und Geschichte getrennt haben. Und sie erzählen von der Herausforderung, zu lieben und sich zu öffnen, ob gestern oder heute, ob in Kabul oder in Berlin. Zeina Abirached, geb. 1981, hat eine Reihe autobiographischer Graphic Novels veröffentlicht, in denen sie ihrer Kindheit im Libanon und ihrer Familiengeschichte nachspürt. Mathias Enard, geb. 1972, erhielt für seinen Roman Kompass den Prix Goncourt 2017. Nach längeren Aufenthalten im Nahen Osten, lebt er heute in Barcelona.

Alex ALICE Das Schloss in den Sternen. Band 4. Ein Franzose auf dem Mars Übersetzt von Swantje Baumgart Splitter, 01.10.2019. 978-3958390966 | € 18

Seraphin ist ein begabter, aber undisziplinierter Schüler. Alle Gedanken des Jungen kreisen stets um den Äther, jene Substanz, die jenseits der Erdatmosphäre vorkommen soll und die bisher unvorstellbare Pro­ jekte außerhalb des Globus ermöglichen soll. Schon Seraphins Mutter hegte dieselbe Leidenschaft, ist aber verschollen, seit sie mit einem Heißluftballon auf eine Höhe von mehr als 13000 Metern stieg. Sein anfäng­ lich noch skeptischer Vater lässt sich umstimmen, als er einen anonymen Brief erhält, dessen Verfasser vorgibt, die Aufzeichnungen seiner Frau zu besitzen, die sie auf ihrem letzten Flug mitnahm. Alex Alice, geboren 1976, wurde bekannt mit seinen Serien Das Dritte Testament (Carlsen) und Siegfried (Splitter). Mit der Reihe Das Schloss in den Sternen lädt er zu einer zauberhafte Reise. Auch in diesem Jahr erschienen: Julius 4 Mit Xavier Dorison (Szenario) Übersetzt von Harald Sachse Carlsen, 30.07.2019 978-3-551-79204-4 | € 12

71


Dominique BERTAIL, ZEP Paris 2119

Enki BILAL BUG 2

Catherine CASTRO, Quentin ZUTTION

Übersetzt von Rossi Schreiber Schreiber & Leser, 02.04.2019 978-3946337898 | € 19,80

Übersetzt von Harald Sachse Carlsen, 24.12.2019 978-3-551-72128-0 | € 24

Die Leute verreisen nicht mehr: zu sehr belastete der Individualverkehr Mensch und Umwelt. Der verantwor­ tungsbewusste Bürger setzt sich in einen Transponder und ist im nächsten Moment zum Beispiel in Shanghai. Man ist bestens vernetzt, und die Obrigkeit weiß selbst­ verständlich alles über alle - zu deren eigenem Besten. Tristan ist ein altmodischer junger Mann, ein Romantiker und hoffnungslos nostalgisch. Er misstraut dem Zauber. Und völlig zu Recht...

Auf der Erde sind unerklärlicherweise ALLE digitalen Daten, von den größten Servern bis zu den Telefon­ nummern auf den Handys verschwunden. Anschei­ nend hat das mit dem Unfall einer Marsmission zu tun, deren einziger Überlebender nun all das verloren gegangene Wissen im Kopf hat und von Geheim­ diensten und Mafia gejagd wird. Enki Bilal war schon immer einer der vituosesten Autoren und Zeichner von Zukunftsvisionen. Der Kampf um die Daten, der in diesem Szenario entfacht wird, ist wieder einmal beste Science-Fiction, denn diese Bedrohung ist für unsere Zukunft durchaus denkbar.

Lilas Kindheit ist perfekt bis zu dem Tag, an dem ihr Körper ihr und der ganzen Welt die ersten unmissver­ ständlichen Zeichen sendet, dass sie zur Frau wird. Denn Lila ist die einzige, die weiß, dass sie in Wirk­ lichkeit ein Junge ist. Ihre „weibliche Identität“, diesen Fremdkörper, kann sie nicht akzeptieren. Mit sechzehn Jahren entscheidet Lila sich, Nathan zu werden. Mit der unerschütterlichen Unterstützung seiner Familie, seiner Freunde und Lehrer und mit unzähligen Testos­ teronspritzen nimmt Nathan die Herausforderung an, die genetische Lotterie des Lebens zu korrigieren, um endlich er selbst zu sein.

Enki Bilal, geboren 1951 in Belgrad, lebt als Künstler und Filmemacher in Paris und gehört zu den renommiertesten Comiczeichnen Frankreichs. Er veröffentlicht seit den frühen 1970er-Jahren Comics, u. a. mit Pierre Christin, meist engagierte Politthriller und Dystopien.

Quentin Zuttion ist Illustrator und Comicautor. In Frankreich wurde mit seinem Blog „Les petits mensonges de M. Q“ bekannt. Catherine Castro ist Journalistin und Autorin.

Dominique Bertail, geboren 1972, studierte an der Kunst­ akademie Angoulême. Mit Thierry Smolderen veröffentlichte er den futuristischen Thriller Ghost Money (bei S&L). Zep wurde 1968 in Onex (Schweiz) geboren. Sein bekanntestes Werk ist Titeuf. Auch in diesem Jahr erschienen: Dominique BERTAIL, Arnaud LE GOUEFFLEC Mondo Reverso 1. Cornelia und Lindbergh Übersetzt von Rossi Schreiber Schreiber & Leser, 05.02. 2019 978-3946337836 | € 19,80

72

Nennt mich Nathan

Übersetzt von Tanja Krämling Splitter, 22.05.2019, 978-3-96219-305-8 | € 22 GOLDSCHMIDT 2000

Maryse et Jean-François CHARLES, Frédéric BIHEL Africa Dreams

Übersetzt von Tanja Krämling Splitter, 23.04.2019 978-3-96219-190-0 | € 36 Von 1885 bis 1908 existierte in Zentralafrika der Kongo-Freistaat unter der souveränen Herrschaft und im persönlichen Besitz von König Leopold II. von Bel­ gien. Nachdem er das Land unter dem Deckmantel der Philanthropie und der wissenschaftlichen Forschung hatte erkunden lassen, lenkte Leopold um auf einen politischen Kurs der aggressiven Ausbeutung. Mehrere Millionen Afrikaner starben durch diese sogenannten „Kongogräuel“. Maryse und Jean-François Charles sind beide Comicautoren. Frédéric Bihel ist Illustrator. Zusammen haben sie diese vier-bändige Saga geschaffen, die jetzt in Deutschland als Einzelband erscheint.

73


NEUE STIMME

Philippe COLLIN, Sébastien GOETHALS Die Reise des Marcel Grob Übersetzt von Harald Sachse Splitter, 23.04.2019 978-3-96219-320-1 | € 29,80

Marcel Grob, ein alter Mann von 83 Jahren, steht am 11. Oktober 2009 vor einem Untersuchungsrichter, um sich für sein Leben zu verantworten. Vor allem für den 28. Juni 1944, den Tag, an dem er mit 17 Jahren der Waffen-SS beitrat, wie 10.000 andere Elsässer auch. Aber tat er dies freiwillig, oder blieb ihm schlicht keine Wahl? Für die Beantwortung dieser alles entschei­ denden Frage muss Marcel Grob eine Reise zurück in die Vergangenheit antreten, tief in die schmerzhaften Erinnerungen an seine Zeit als Soldat im Italienfeldzug, die ihn auch nach Marzabotto führte, zu einem der grauenhaftesten Massaker des Zweiten Weltkriegs… Philippe Collin, geboren 1975, ist Radiomoderator und Journalist in Radio und Fernsehen. Sébastien Goethals, geboren 1970, ist Comicautor und Illustrator.

74

Guy DELISLE Ratgeber für schlechte Väter 4

Übersetzt von Volker Zimmermann Reprodukt, 17.06.2019 GOLDSCHMIDT 978-3-95640-181-7 | € 12 2015

Neue Tipps für Rabenväter verrät Guy Delisle im vierten Band seines Anti-Ratgebers: Wie man sich als Vater bei der Lehrerin des Nachwuchses unbeliebt macht, seine Kinder vom Hausaufgaben machen abhält oder sie dazu bringt zu kooperieren, nur um sie dann dafür zu bestrafen. Auch wie man die Sprösslinge vor einer Prüfung vollkommen verrückt macht oder ihnen Angst vorm Schlafengehen einjagt, bekommt Mann hier wunderbar anschaulich vermittelt. Gewohnt ironisch und pädagogisch inkorrekt widmet sich Guy Delisle aufs Neue den Rabenvaterfreuden. Sein Rezept: dreiste Schwindeleien, kindische Albernheiten, deftige Wutanfälle und eine gute Portion schwarzer Humor. Guy Delisle wurde 1966 in Quebec geboren. Von 1986 bis 1988 hat er für das Zeichentrickstudio CinéGroupe in Montréal gearbeitet, anschließend ging er nach Europa und arbeitete bei verschiedenen Studios in München, Berlin und Valencia. Seit 1991 lebt und arbeitet Guy Delisle in Montpellier.

Fred DUVAL, Didier CASSEGRAIN, d’après Michel BUSSI Schwarze Seerosen

Übersetzt von Tanja Krämling Splitter, 21.10.2019 978-3-96219-372-0 | € 35 GOLDSCHMIDT 2000 Das Dorf Giverny ist die malerischste Ecke der Nor­ mandie: seine Gärten inspirierten Claude Monet zu einigen seiner schönsten Werke. Doch die Vergan­ genheit von Giverny ist weniger idyllisch, als seine Bewohner zugeben wollen, und plötzlich erschüttert ein Mordfall die Gemeinde. Drei Frauen kreuzen den Weg des Ermittlers, der mit der Aufklärung des Falls beauftragt wurde: eine junge Malerin, eine verführe­ rische Lehrerin und eine misstrauische Alte, die sich in ihrem Haus verschanzt hat. Aber welche kennt das Geheimnis der schwarzen Seerosen, jenes welt­ berühmten Gemäldes, das nach dem Mord spurlos verschwunden ist? Fred Duval und Didier Cassegrain adaptieren den Roman von Michel Bussi (Das Mädchen mit den blauen Augen) als eindringliche Kriminalgeschichte voller falscher Fährten und in impressionistischen Bildern, die einfach zum Schwelgen einladen.

Séverine GAUTHIER, Jérémie ALMANZA Herz aus Stein

Übersetzt von Max Murmel Splitter, 22.05.2019 978-3-95839-984-6 | € 13,95 Das Mädchen mit dem Artischockenherz hat genug Liebe für die ganze Welt, aber ganz besonders liebt sie den Jungen mit dem Herz aus Stein. Darum schenkt sie ihm jeden Tag ein Stückchen ihres Herzens, und jeden Tag reißt er es in kleine Fetzen. Das Herz des Mädchens wird kleiner und kleiner, und eines Tages verliert sie die Freude am Leben. Warum nur will der Junge mit dem Herz aus Stein sich nicht lieben lassen? Séverine Gauthier, geboren 1977 in Reims, hat viele Comics geschrieben. Auf Deutsch sind die Serie Eleonora Mandragora (Popcom) und Die Ensetzliche Angst der Epiphanie Schreck (Splitter) erschienen.

Fred Duval, geb. 1965, und Didier Cassegrain, geboren 1966, haben zusammen die Serie Code Mc Callum geschaffen. Ihre Adaption des Bestsellers von Michel Bussi erschien in Januar in Frankreich und wurde sofort von der Kritik und den Lesern hochgelobt.

75


NEUE STIMMEN

NEUE STIMME

Fabien GROLLEAU, Jérémy ROYER

Fabrice le HÉNANFF Wannsee

Charles Darwin und die Reise auf der HMS Beagle

Übersetzt von Thomas Laugstien Knesebeck, 18.09.2019 978-3957283047 | € 24

London, 1831. Der junge Naturforscher Charles Darwin begibt sich an Bord des Expeditionsschiffes HMS Beagle. Auf der Reise durch die Tropen und die eisigen Regionen des Nordens wird Darwin in eine Reihe von Ereignissen verstrickt, die sowohl sein Leben als auch den Verlauf der modernen Wissenschaft än­ dern werden. Diese außergewöhnliche Graphic Novel erzählt die Expedition, die die Anfänge seiner revoluti­ onären Evolutionstheorie bildet, anhand von Darwins persönlichem Reisetagebuch nach.

Wannsee, eine Villensiedlung in Berlin, war der Ort, an dem sich am 20. Januar 1942 die ranghohen Beamten und SS Offiziere des 3. Reichs, wie Reinhard Heydrich, Adolf Eichmann, Josef Bühler und Roland Freisler ver­ sammelten. Hier wurden die Grundzüge der Deportation der gesamten jüdischen Bevölkerung Europas in die besetzten Ostgebieten organisiert und die erforderli­ che Koordination der Aktionen sichergestellt. Inner­ halb von wenigen Stunden wurden in dieser luxuriösen Villa die Weichen für die Shoah gestellt, der 6 Millio­ nen Menschen zum Opfer fielen. Fabrice Le Hénanff fasst in seiner bewegenden Graphic Novel die schwer begreiflichen Ereignisse der Wannseekonferenz in detaillierten, fein aquarellierten Zeichnungen zusam­ men und gibt uns einen Einblick in diese schwärzeste Stunde der deutschen Geschichte und ihre Beteiligten.

Übersetzt von Anja Kootz Knesebeck, 18.09.2019 978-3-95728-313-9 | € 28

Der Zeichner und Szenarist Fabien Grolleau und der Grafik­designer Jérémie Royer setzten bereits das Leben des Naturforschers Audubon in einer preisgekrönten Comic-Biografie um.

Emmanuel LEPAGE, Sophie MICHEL, René FOLLET Die Fahrten des Odysseus

Jean-Patrick MANCHETTE, Doug HEADLINE, Max CABANES Nada

Übersetzt von Harald Sachse Splitter, 19.06.2019 978-3-96219-299-0 | € 39,80

Übersetzt von Harald Sachse Splitter, 23.09.2019 978-3-96219-296-9 | € 35

Ende des 19. Jahrhunderts begibt sich Jules, ein unbekannter und bitterarmer Maler, auf eine ziellose Wanderung über das Mittelmeer. Er sucht seine Muse, seine verlorene Liebe Anna. Seine Irrfahrt treibt ihn von Hafen zu Hafen, bis er in Istanbul Salome kennenlernt, die Kapitänin der „Odysseus“. Auch sie hat jemanden verloren: Sie sucht den Maler Ammon, dessen Spezia­ lität die griechische Antike war. Fortan bestreiten Jules und Salome ihre Odyssee gemeinsam.

„Nada“, „Nichts“. Eine sechsköpfige, linksextreme Terrorgruppe, die zu Beginn der 70er Jahre in Paris einen wagemutigen Plan fasst: Sie werden den ameri­ kanischen Botschafter kidnappen. Während er ein ein­ schlägiges Rotlicht-Etablissement besucht, schlagen sie zu. Und es läuft wie am Schnürchen. Doch die Probleme fangen damit erst an, denn sofort beginnt eine gnadenlose Jagd auf die „Anarchisten“. Und das bestenfalls brüchige Bündnis der sechs Aktivisten droht unter dem Druck zu zerbersten.

Emmanuel Lepage, am 29. September 1966 in Saint-­ Brieuc geboren, ist ein französischer Comic-Zeichner, Drehbuchautor und Kolorist. Das Reisen ist seine Leidenschaft, und Comic-Reportagen wie Weiß wie der Mond, Reise zum Kerguelen-Archipel und Frühling in Tschernobyl bezeugen seine Abenteuerlust.

Jean-Patrick Manchette (1942-1995) war ein Schriftsteller und Journalist, der insbesondere als Krimiautor und Kritiker von Kriminalromanen bekannt ist. Sein Sohn Doug Headline hat einige seiner Romane als Comic adaptiert. Max Cabanes ist Illustrator.

Fabrice Le Hénanff wurde 1972 in Quimperlé in der Bretagne geboren und studierte in Rennes Bildende Kunst. Als Szenarist und Autor schuf er bereits zahlreiche Comics, unter anderem Westfront: Berlin und Ostfront: Stalingrad, in denen er sich Personen und Details des Zweiten Weltkriegs widmet.

76

77


NEUE STIMME

Catherine MEURISSE Weites Land

Übersetzt von Ulrich Pröfrock Carlsen, 26.02.2019 978-3-551-73427-3 | € 18

Catherine Meurisse blickt zurück auf das, was sie stark gemacht hat: eine glückliche Kindheit auf dem Lande. Ebenso liebevoll wie kritisch und mit viel Humor betrachtet sie ihre Aussteigereltern und die industrialisierte Landwirtschaft rundum. Aber das Paradies der Kindheit ist endlich und das Wichtigste, was ihr ihre Eltern vermittelt haben, ist, dass die Kunst und die Literatur uns helfen können, die Vergangenheit zu bewahren und die Zukunft vorzubereiten. Catherine Meurisse studierte Französisch und Literatur in Poitiers und anschließend Illustration. Neben ihrer Arbeit für Charlie Hebdo veröffentlichte sie auch Comics für Kinder und Erwachsene. Die Leichtigkeit ist ihre erste Veröffentlichung in Deutschland.

78

Roxanne MOREIL, Cyril PEDROSA

Pascal RABATÉ Zusammenbruch

Simon ROUSSIN Xibalba

Das goldene Zeitalter

Übersetzt von Ulrich Pröfrock Reprodukt, 23.04.2019 978-3-95640-184-8 | € 20

Übersetzt von Christoph Schuler Edition moderne, 09.10.2019 978-3-03731-195-0 | € 39

Das Reich, das einst satt und wohlhabend war, wird seit dem Tod des Königs von Hungersnöten geplagt. Tilda, die Tochter des verstorbenen Königs, will nach ihrer Krönung endlich die Not des Volkes lindern. Doch durch ein Komplott ihres Bruders wird sie ins Exil verbannt. Geleitet von mysteriösen Zeichen bricht Tilda auf, um mithilfe ihrer Verbündeten, dem wei­ sen Tankred und dem treuen Bertil, das Königreich zuruckzuerobern. Bald zeigt sich, dass das Schicksal der Gefährten mit einer alten Legende verknupft ist: Das Goldene Zeitalter, ein lang vergessenes Buch, das die Macht hat, die Welt zu verändern…

Videgrain, Soldat des 11. Regiments, ist mit einem Motorrad unterwegs an der Front, Stukas greifen an, die Straßen sind mit Leichen übersät. 1940 sind die Deutschen auf dem Vormarsch und bringen den Fran­ zosen eine vernichtende Niederlage bei. Das besetzte Frankreich ist der Handlungsort einer Burleske, in der Soldaten gefangen genommen werden, fliehen, wieder festgesetzt werden, um am Ende eine kurze Zuflucht auf einem Bauernhof zu finden. Der Zusammenbruch der Französischen Republik steht im Mittelpunkt von Pascal Rabatés neuem Comic. Anhand der Geschichte des Soldaten Videgrain, der von den Kriegswirren hin und her gespült wird, ohne jemals Herr seiner selbst zu sein, erzählt er vom Wahnsinn des Krieges.

Simon Roussin erzählt eine anrührende Geschichte von Freundschaft und der Sehnsucht nach verlorener Liebe. Mit Xibalba beweist er sein grosses Talent als Geschichtenerzähler: Er versenkt sich in die Psyche seiner Figuren und nimmt Leserinnen und Leser mit auf ein ebenso seltsames wie schwindelerregendes Abenteuer.

Übersetzt von Ulrich Pröfrock Reprodukt, 10.05.2019 978-3956401831 | € 29

Roxanne Moreil, geboren 1987, studierte Kunstgeschichte in Nantes. Seit 2010 war sie an unzähligen Cartoon-­ Projekten beteiligt. Cyril Pedrosa, geb. 1972, hat sich bereits in früher Jugend für Asterix und Micky Maus begeistert und entschieden Comic-Zeichner zu werden. Das goldene Zeitalter ist ihr erstes gemeinsames Projekt.

Simon Roussin, 1987 in Frankreich geboren, arbeitet als Zeichner und Illustrator. 2011 schloss er sein Studium an der Kunsthochschule in Straßburg ab. Xibalba ist bereits sein neuntes Comic-Album.

Pascal Rabaté, 1961 in Tours geboren, lebt und arbeitet in Angers. Nach dem Studium veröffentlichte er 1989 seinen ersten Comic.

79


Riad SATTOUF Der Araber von Morgen 4

Riad SATTOUF

Jacques TARDI

Esthers Tagebücher 3

Ich, René Tardi, Kriegsgefangener in Stalag IIB - Band 3 Nach dem Krieg

Übersetzt von Andreas Platthaus Penguin Verlag, 25.03.2019 978-3328601029 | € 26

Übersetzt von Ulrich Pröfrock Reprodukt, Mai 2019,

Die große autobiografische Erzählung Der Araber von morgen handelt von Riad Sattoufs Kindheit im Nahen Osten und wird fünf Bände umfassen. Band IV erzählt die Jahre zwischen 1987 und 1992. Riads Leben zwischen Syrien und Frankreich wird noch kompli­ zierter, und seine Eltern, die Französin und der Araber, verstehen sich immer weniger. Riads Vater arbeitet in Saudiarabien, er wendet sich ganz dem Islam zu. Riads Mutter zieht mit den drei Kindern zurück in die Bretagne, weil sie den religiösen Lebenswandel ihres Mannes nicht erträgt. Doch dann muss die ganze Familie wieder nach Syrien...

Esther gibt es wirklich: Regelmäßig vertraut sich das Mädchen dem preisgekrönten Comicautor Riad Sattouf an, der ihr Heranwachsen über acht Jahre begleiten und dokumentieren will. Esther geht nun schon in die sechste Klasse! Es gibt viele Dinge, die sie in ihrem Alltag beschäftigen: die Präsidentschafts­ wahlen, ihr erstes Handy, ihr Hamster Manuela, der Beginn ihrer Pubertät, ihr intriganter Bruder, ihr depressiver Vater, ihre Großmutter (Le-Pen-Anhän­ gerin), Sonnenkönig Emmanuel Macron sowie ihre Leidenschaft für Galettes mit Wurst und Aprikose… Esther wird erwachsen, sie ist zwölf! Riad Sattouf, geboren 1978 in Paris, ist Comic-Zeichner und Filmemacher. Aufgewachsen in Libyen und Syrien, kehrte er mit 13 Jahren nach Frankreich zurück. Er studierte Animation und wurde bald zu einem der bekanntesten zeitgenössischen Comic-Künstler.

80

Übersetzt von Christoph Schuler Edition Moderne, 01.02.2019 978-3-03731-189-9 | € 32

Tardi erzählt sehr detailreich und präzise von den Schwierigkeiten seines Vaters, nach den Jahren im Stalag ein normales Leben aufzunehmen, und auch - mit viel Humor - von seiner eigenen Kindheit und Jugend in der Zeit des beginnenden Kalten Krieges. Jacques Tardi, geb. 1946 in Valence, studierte an den Schulen École des Beaux-Arts in Lyon und École des Arts Décoratifs in Paris. 1970 veröffentlichte er seine erste Comic-Geschichte in der Zeitschrift Pilote. Er lebt und arbeitet heute in Paris.

Bastien VIVÈS Die Bluse

Übersetzt von Andreas Förster Reprodukt, 20.05.2019 978-3956401855 | € 24

Séverine studiert Literaturwissenschaft in Paris und wohnt zusammen mit ihrem Freund Thomas, der mehr Zeit mit Computerspielen und TV-Serien verbringt als mit ihr. Sie hat sich offenbar eingerichtet in einem mono­ tonen Leben, das sie eher erduldet denn gestaltet. Bis eine geliehene Seidenbluse ihr Leben verändert: Plötzlich wird sie von aller Welt mit anderen Augen wahrgenommen, Männer sehen sie voller Ver­ langen an, und sie lässt sich bereitwillig auf Abenteu­ er ein. Es ist, als würde die Bluse ihr magische Kräfte verleihen und sie aus einem langen Schlaf wecken. Séverine taucht ein in ein Leben, das vor allem einem folgt: dem Lustprinzip. Bastien Vivès, geb. 1984, studierte Grafik und Animation an der École des Gobelins. Für Der Geschmack von Chlor ist er 2009 auf dem Comic-Festival in Angoulême mit dem Preis für den Besten Nachwuchskünstler ausgezeichnet worden. Er lebt und arbeitet in Paris.

81


Das passiert wenn man französische Bücher liest Das passiert wenn man französische Bücher liest


Das Institut français Deutschland Ein Dach für die französischen Kultureinrichtungen in Deutschland

Eines der größten französischen

Kultur- und Bildungsarbeit als wichtiger

Kulturnetzwerke weltweit.

Beitrag zur Zusammenarbeit

zwischen Deutschland und Frankreich.

Gründung des ersten Institut

français 1949 in Freiburg.

Förderung kreativer Talente

und Initiativen in allen

Kultursparten.

11 Instituts français in insgesamt 13 Städten. 9 Fachbüros, die eng mit den Instituten bundesweit zusammenarbeiten. Enge Kooperationen mit 13 deutsch-französischen Kulturzentren. Ein einheitliches Französischkursangebot in allen Instituten

Verbreitung der französischen Sprache und der französischen und frankophonen Kultur.

Vielfältige Kulturveranstaltungen in ganz Deutschland.

mit insgesamt 3.000 Sprachkursen jedes Jahr.


Impressum Herausgeber Das vorliegende Katalog ist eine Veröffentlichung vom Büro für Buch- und Verlagswesen des Institut français Deutschland.

Design, Gestaltung

DIE DIGITALE BIBLIOTHEK

© Charlie Jouvet – www.studiomueki.com

Danksagung Unser Dank gilt allen voran dem Institut français Paris, dass das diesjährige Programm auf der Frankfurter Buchmesse und damit auch diesen Katalog ermöglicht hat. Für diesen Neuerscheinungskatalog geht ein besonders herzlicher Dank an den Verleger, die uns mit Material für die Erstellung unterstützt haben.

KONTAKT Bureau du livre Institut français Deutschland Französische Botschaft myriam.louviot@diplomatie.gouv.fr christine.ferret@diplomatie.gouv.fr +49 30 590 03 92 36

InstitutfrançaisDeutschland @if_deutschland

Frankreich  auf  einen  Touch.  Filme,  Literatur, Musik und vieles mehr: Rund 200 000 Medien erwarten Sie auf www.culturetheque.com Einfach für 25 € abonnieren!

@meinfranzoesisch Bildnachweis : B ookfaces, © Émilie Delugeau – http://emiliedelugeau.com Portrait von Georges Simenon von Victor Diniz, © Simenon.tm Portrait von Nicolas Mathieu, © Bertrand Jamot


Institut franรงais Deutschland

Pariser Platz 5 - 10117 Berlin www.institutfrancais.de


Millions discover their favorite reads on issuu every month.

Give your content the digital home it deserves. Get it to any device in seconds.