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21 23. Mai 2012

Nachrichten und Meinungen aus der evangelischen Welt

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Sabrina, Silas und der

Heilige Geist Zwei Teenieleiter über ihre Erfahrungen mit dem Geist von Pfingsten 7 Volksrechte: Philipp Hadorn (SP)

15 Pro Adelphos: „Mini Farmen“ als

9 Heilsarmee: Ist die Kündigung

27 Schicksalsschläge: Und plötzlich

12 Mennoniten: 640 Täufer wollen

28 Bibel aktuell: Gottes Zuwendung

einer Lesbierin diskriminierend?

Hände als Friedensstifter reichen

neue Perspektive für Osteuropäer ist der Himmel wieder neu offen

gilt allen Menschen genau gleich

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gegen Andreas Brönnimann (EDU)

Seite 4

&ÔR´BERSETZUNGEN+ORREKTORAT


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I NSE R AT E

SemINAre mIt

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Zukunftswerkstatt – Wegweiser für eine alternde Gesellschaft: Arbeitsgruppen Neues Denken – Altersbilder für eine alternde Gesellschaft Neue Bedürfnisse – Angebote für eine alternde Gesellschaft Neue Ressourcen - Erfahrung und Wissen für eine alternde Gesellschaft

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G RÜ e z i

Gottes Geist bringt leben Weltweit breitet sich eine kaum absehbare Glaubenskrise aus. Der Glaube an die Quartalszahlen, die kurzfristigen Gewinne und sicheren Anlagen wurde in den Grundfesten erschüttert. Die Krise hat im Finanzmarkt begonnen und ergreift nun auch andere Le­ bensbereiche. Das Vertrauen wird auf die Probe gestellt. Was hat der Glaube an Gott mit dem weltwei­ ten Finanzmarkt zu tun? Mehr als man denkt! Der Gott Mam­ mon hat im Zuge der Marktöff­ nung die anderen Götter in den Schatten gestellt. Der Reformator Martin Luther fragte: «Was heisst ‹einen Gott haben›?» Er antwor­ tete: «Woran du nun dein Herz hängst und dich darauf verlässt, das ist eigentlich dein Gott.» Woran hängen wir das Herz, und worauf vertrauen wir? Die Ant­ wort wird davon abhängen, wie wir die Menschen und die Welt anschauen. Nach alter griechischer Tradition beruht unser Dasein auf den Grundelementen Erde, Wasser, Feuer und Luft. Diese sind zwar lebensnotwendig, doch keines der vier Elemente kann Leben aus sich selbst hervorbringen. Im Ge­ genteil. Überlässt man diese dem freien Spiel der Kräfte, so herrscht bald das Chaos. So ist es auch im wirtschaftlichen und politischen Zusammenleben der Menschen. Es muss ein fünftes Element geben, damit das Leben gedeiht. Ein Element, das Ordnung im Chaos schafft. Was ist dieses fünfte Element, lateinisch die «quintaes­ sentia», also die Quintessenz? Jesus sagt: «Gottes Geist allein macht lebendig; alle mensch­ lichen Möglichkeiten richten nichts aus. Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind von diesem Geist erfüllt und bringen das

Leben.» Der Geist Gottes macht lebendig, der Geist von Pfingsten, der für das geordnete Zusammen­ spiel der freien Kräfte sorgt. Er wird jenen Menschen geschenkt, die Gott darum bitten und ihr Herz dafür öffnen. Genau dies geht auch aus dem Gespräch mit den beiden Ostschweizer Teenie­ leitern hervor. (Seite 4) Wie die Natur als Ganzes, so sind auch wir Menschen auf diesen Geist angewiesen. Die Masslosig­ keit hat in die Krise geführt. Des­ halb braucht der globale Markt als Quintessenz eine globale Ethik auf der Basis von geistlichen Grund­ werten. Glaubwürdigkeit, Verant­ wortung und Selbstbeschränkung gehören dazu. Diese Werte zu leben, beginnt bei jedem Menschen in den eigenen vier Wänden. Glaubwürdigkeit bedeutet aufrich­ tig, ehrlich und transparent reden und handeln. Wer glaubwürdig auftritt, nimmt Abstand von taktischen Ränkespielen. Auf lange Sicht wird damit Vertrauen aufge­ baut. Verantwortung übernehmen heisst sorgfältig mit der Schöpfung umgehen. Wir sind nicht Allein­ herrscher, sondern verantwortliche Verwalter. Selbstbeschränkung be­ deutet, mit Augenmass die eigenen Grenzen beachten. Was ist die Quintessenz auf dem Weg aus der globalen Vertrau­ enskrise heraus? Es ist der Geist von Gott, der Glauben weckt und den Weg des Vertrauens weist. Wir brauchen Männer und Frauen, die das Herz für den Geist von Pfingsten öffnen. Sie entscheiden sich für das wahre Leben.

BiBlisch Ein Lieblingsbibelwort von Schwester Iris Neu, Oberin des Diakonissen-Mutterhauses St. Chrischona in Bettingen BS:

«ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre.» (Lukas 22,32) «Kennen Sie die Gefahr, dass der Glaube aufhören kann? Nach aussen geht alles seinen gewohnten Gang, aber innerlich ist etwas abgerutscht, heruntergefallen. Jesus weiss darum. Jesus weiss, dass mein Glaube angefochten ist, dass ich ein potenzieller Verräter an seiner Sache bin und bleibe. Er sagt nicht: Reiss dich zusammen, jetzt glaube gefälligst! Nein, Jesus sagt mir zu: Ich habe für dich gebeten. Ich trete beim Vater für dich ein – nicht erst, wenn Gefahr im Verzug ist. Ich gebe der Liebe Gottes in deinem Leben ein Gesicht, das zur stärkenden, richtunggebenden und gestaltenden Kraft deines Lebens wird.»

Wörtlich «sterben ist ein existenzieller Prozess. hier geschieht für sterbende und Angehörige viel Wesentliches. Zweitens ist suizidbeihilfe bei einer guten palliativen Betreuung, die sterben lässt und mehr umfasst als das rein Medizinische, nicht nötig … Zigtausend leidenden wird zudem indirekt suggeriert, sie seien nichts wert.» Monika Renz, Leiterin der Psychoonkologie am Kantonsspital St. Gallen, spricht sich im «St. Galler Tagblatt» gegen den weiter zunehmenden begleiteten Suizid als Sterbehilfe aus.

Kompetent

ALFRED AEPPLI

Der Autor ist reformierter Pfarrer in Jegenstorf BE und Präsident des Landeskirchenforums.

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BR E N N P U N K T

«Der Heilige Geist ist ein mega Schatz für mich» JUGEND UND PFINGSTEN Der Heilige Geist ist ein «mega Schatz». Er wohnt in jedem Gotteskind, doch er ist nicht einfach zu fassen. Das meinen zwei St. Galler Tennieleiter in einem Gespräch zu Pfingsten: Sabrina Ledergerber (Pfingstgemeinde) und Silas Kutschmann (FEG). Beide möchten vom Geist Gottes noch mehr erwarten. Nicht nur an Pfingsten.

Wie haben Sie den Heiligen Geist heute schon erlebt? Sabrina Ledergerber: Ganz kon-

kret! Ich komme direkt vom Mami-Treff in unserer Gemeinde, den wir momentan aufbauen. Vor dem Beginn um 9 Uhr haben wir für diesen Morgen gebetet, und schon während des Gebets kam ein erstes Mami, das uns ganz fremd war, mit seinem Kind. Es war dann sicher auch der Heilige Geist, der die gute Atmosphäre schuf, um mit den Mamis und Kindern Gemeinschaft zu haben. Silas Kutschmann: Ich habe vor diesem Gespräch einfach mit dem Heiligen Geist geredet. Ich habe ihm diesen Tag in die Hände gelegt. Er gibt mir eine mega Ruhe, Gelassenheit und Dankbarkeit. Er hat diesen Tag für mich im Griff!

Wer ist der Heilige Geist für Sie? Silas: Der Heilige Geist steht

«Sicher keine Angst»: Sabrina Ledergerber und Silas Kutschmann.

was Übernatürlich-Natürliches. Der Heilige Geist wohnt in mir, er begleitet mich in meinem Alltag.

mir vor, dass Gott schweigen würde und dass ich keinen Ort mehr finden könnte, wo ich ihm begegne.

Was wäre Ihr Leben ohne ihn? Sabrina: Ohne den Heiligen Geist

Wie haben Sie den Heiligen Geist persönlich kennengelernt? Silas: Schwer zu sagen. Ich weiss,

nicht für sich allein, sondern er ist eine Form von Gott. Gott ist der Vater, Jesus ist der Mensch gewordene Erlöser und der Heilige Geist ist wie der Wind. Er ist für mich auch der Odem von Gott, er trägt das Leben in sich, er ist der Tröster, er ist der Stellvertreter von Jesus in meinem Herzen. Sabrina: Er ist eine Person, etwas Personelles, etwas Greifbares, et-

wäre es kaum denkbar, eine Beziehung zu Gott zu pflegen und Zeuge zu sein für ihn. Ich hätte auch die Gewissheit nicht, ein Kind Gottes zu sein. Das wäre schlimm! Silas: Ohne den Heiligen Geist hätte ich viel mehr Angst. Ich stelle

Sabrina Ledergerber

Silas Kutschmann

Jahrgang 1981, aufgewachsen und wohnhaft in St. Gallen. Gelernte Pflegefachfrau HF und Still- und Laktationsberaterin IBCLC. 2009 Beginn des BA-Studiums am IGW Zürich und seit einem Jahr Praktikantin in der Pfingstgemeinde St. Gallen mit Schwerpunkt Teenagerarbeit und Mission. Zusätzlich noch tätig als freiberufliche Pflegefachfrau (ambulante Wochenbettbetreuung). Zukunftspläne: Nach Abschluss des IGW-Studiums im Jahr 2013 weiteres Engagement in der Pfingstgemeinde mit Investition im Bereich Kinder und Familien. Zudem Erhöhung des Pensums als freiberufliche Pflegefachfrau. Hobbys: Sport und Natur.

Jahrgang 1991, aus Äthiopien stammend, wohnt in Gossau SG. Findet Kinder inspirierend, faszinierend und bringt sie gerne zum Lachen. Führt deshalb sein Lehrerstudium nach einem Zwischenjahr fort. Macht bis Mitte Juli ein Praktikum in der Stami St. Gallen, mit dem Wunsch, anschliessend in der FEG Gossau eine Jungschar zu gründen. Aktiver Teenieleiter. Musik ist seine zweite grosse Leidenschaft. Mit seinen selbst komponierten Liedern möchte er Freude und Fröhlichkeit verbreiten. Gott ist für ihn ein Vater, der nicht in erster Linie Regeln aufstellt, sondern die Menschen liebt und eine Beziehung mit jedem Einzelnen haben möchte.

Bild: idea/av

dass es ihn gibt, dass er sowieso bei mir ist und mich führt, dass er ein mega Schatz ist für mich. Gott fragt wohl nicht zuerst, wie gut ich den Heiligen Geist kenne. Er schenkt mir in seiner Liebe und Gnade all das, was ich brauche. Sabrina: Ich bin daran, den Heiligen Geist kennenzulernen. Das hat angefangen als Kind in der Jungschar bei uns in der Pfimi, als ich Gott kennenlernte. Seither darf ich immer wieder Erfahrungen mit ihm machen.

Wie pflegen Sie die Beziehung mit ihm? Sabrina: Ich kann eigentlich nicht

so unterscheiden, dass ich jetzt die Beziehung mit Jesus und dann die Beziehung mit dem Heiligen Geist pflege. Ich will einfach ganz bewusst auf Gott hören, auch im Prophetischen, und sensibel sein für sein Reden und Führen. Silas: Es gibt Situationen, in denen ich mich bewusst vom Heiligen Geist führen lasse. Da der Heilige Geist aber ein Teil von Gott

ist, ist es nicht entscheidend, ob ich jetzt speziell zu Gott, zu Jesus oder zum Heiligen Geist komme. Der Heilige Geist ist der Teil von Gott, der gerade vor Ort ist. Doch noch immer fällt es mir schwer, zu verstehen, dass Gott zwar drei Personen umfasst und der Heilige Geist nur eine davon ist. Sabrina: Es gibt Situationen, in denen ich bewusst die Hilfe des Heiligen Geistes in Anspruch nehmen möchte. Manchmal bitte ich ihn innerlich, er möge mir helfen oder er möge die Herzen von andern Menschen berühren. Ich bin noch freiberuflich Krankenschwester. Bevor ich zu einer Wöchnerin komme, bete ich für den Kontakt mit ihr, und während des Besuches bitte ich den Heiligen Geist oft um Hilfe.

Beten Sie also zum Heiligen Geist? Sabrina: Ich finde, dass ich das

kann, aber nicht muss. Ich mache wahrscheinlich beim Beten oft ein Durcheinander. Es ist auch nicht so wichtig, an welche Adresse ich meine Gebete richte. Ich bitte Jesus, er möge eine Frau berühren, weiss aber, dass es der Heilige Geist ist, der es macht. Silas: Kommts denn darauf an, zu wem ich bete? Der dreieinige Gott hat uns ja zugesagt, dass er sieht, was wir brauchen. Entscheidend ist, mit welcher Herzenshaltung ich bete.

An welche Bibelstelle denken Sie? Silas: Mir kommt 2. Korinther

3,17 in den Sinn: «Der Herr ist Geist, und wo der Geist des Herrn ist, das ist Freiheit.» Sabrina: Ich denke an die Situation der Jünger, als Jesus ihnen seinen Geist versprochen hat. Dieses Versprechen gilt auch mir. Jesus fuhr in den Himmel auf, doch er versprach den Jüngern, und so auch mir, dass der Heilige Geist sein Stellvertreter sein wird und wir seine Kraft empfangen werden.

Welche Geistesgaben sind Ihnen besonders wichtig? Sabrina: Mir ist keine Gabe wich-

tiger. Persönlich ist mir wichtig, idea Spektrum 21.2012


BR E N N P U N K T

dass der Heilige Geist durch die Gaben, die ich bekommen habe, in meinem Leben und im Alltag Raum bekommt und Auswirkungen hat, sei das nun beim Lehren, bei der Prophetie oder sonst bei einer Gabe. Silas: Mich fasziniert alles Übernatürliche: Prophetie, Weissagung, Heilung. Doch ich glaube, dass man bei so speziell sichtbaren Gaben aufpassen muss, dass man sich nicht selber darstellen will. Gott will uns auf jeden Fall mit den Gaben beschenken, die genau auf uns zugeschnitten sind.

Welchen Stellenwert hat der Heilige Geist in Ihrer Gemeinde und in Ihrer Teeniegruppe? Silas: Bei uns steht Jesus im Zent-

rum. Wir verneinen den Heiligen Geist gar nicht, doch wir halten ihn vielleicht etwas auf Distanz. Sabrina: Bei uns gibt es momentan eine Predigtserie «Auf Gottes Stimme hören», und da spielt der Heilige Geist natürlich eine grosse Rolle. So wird versucht, dem Heiligen Geist Raum zu geben. Ich denke auch, dass es im persönlichen Leben unserer Gemeindeglieder grosse Unterschiede gibt. Für viele ist der Heilige Geist etwas eher Unfassbares. Die Teenies gehen wohl offener auf das Thema zu. Hier erlebe ich, dass sie sich einfacher auf das «Hören der Stimme Gottes» einlassen.

Wie kommt Ihre Gemeinde zu einem «gesunden» Verhältnis zum Heiligen Geist? Silas: Wenn sie sich an der Bibel

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orientiert. Und wenn sie keine Angst hat und auch Übernatürliches zulässt. Ich merke selber, dass ich Gott gewisse Sachen manchmal gar nicht richtig zutraue, zum Beispiel Heilungen. «Ungesund» kann es aber werden, wenn es zu einer einseitigen Verherrlichung des Heiligen Geistes kommt. Sabrina: Damit wir zum richtigen Verhältnis kommen, braucht es

einfach Gnade. Ich brauche den Heiligen Geist, und meine Gemeinde braucht ihn auch.

Wird darüber in Ihrer Gemeinde heftig diskutiert? Sabrina: Heftig? Nein. Vielleicht

auch darum, weil wir mit dem Thema unterwegs sind, jetzt mit der Predigtreihe. Doch es ist klar, dass das Thema die Gemeinde bewegt. Von daher wird schon oft darüber geredet. Silas: Nur ab und zu wird darüber gesprochen, aber nie heftig. Das hängt wohl damit zusammen, dass wir den Heiligen Geist etwas ausklammern. Ich denke, es ist bei solchen Diskussionen wichtig, eine gewisse Offenheit zu pflegen.

Welche Geistesgaben kommen Ihrer Ansicht nach zu kurz? Silas: Übernatürliche Gaben wie

Weissagung oder Heilung kommen bei uns praktisch nicht vor. Sabrina: Es ist uns ja verheissen, dass wir durch den Heiligen Geist mit der gleichen Kraft wirken können wie Jesus – das erleben wir viel zu wenig. Ehrlich gesagt, erwarte ich auch zu wenig von dieser Kraft. Wir erleben zwar Heilungen, doch es könnten noch viel mehr sein. Auch die Auslegung des Zungengebetes wird kaum praktiziert.

Wird in Ihren Gottesdiensten in fremden Zungen gebetet? Sabrina: Ja, das kommt in den

Lobpreiszeiten vor, meist im Miteinander, aber nicht regelmässig und ohne Auslegung. Bei den Teenies gibt es das nicht. Silas: Bei uns erlebe ich das gar nicht. Ich muss diese Frage für mich noch klären. Ich weiss nicht, wie relevant sie ist. In der Bibel heisst es, wir sollten im Gebet nicht plappern. Für mich ist es schwierig, das richtig zu verstehen.

Was hat der Heilige Geist in letzter Zeit in Ihrer Gemeinde bewirkt? Silas: Er zeigt sich bei

Seminare mit René Meier 26. 6. Small Talk 18. 9. Rhetorik 13. 11. Schwierige Gespräche

idea Spektrum 21.2012

einzelnen Leuten, die offen sind für sein Wirken und im Glauben wachsen. Doch ich wünsche mir, dass sich das Feuer für Jesus noch viel mehr ausbreitet und dass wir ihn immer besser kennenlernen. Sabrina: Der Heilige

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Pfingsten – für die meisten Menschen zu fremd Warum hat Pfingsten in unserer Gesellschaft als christlicher Feiertag praktisch keine Bedeutung? Sabrina Ledergerber: Das ist einfach zu beschreiben. Die Geburt eines Kindes, der Tod eines Menschen, eine Auferstehung – das sind greifbare Geschehnisse. Wenn einfach ein Geist kommt, ist das für die Menschen zu fremd. Darum ist Pfingsten der christliche Feiertag, der am meisten vernachlässigt wird. Es gibt ja auch keine speziellen Rituale an Pfingsten wie an Weihnachten oder an Ostern. Silas Kutschmann: Wir sind in unserer Gesellschaft soweit, dass man vielleicht noch Jesus und die Zehn Gebote kennt. Für Menschen, die nicht glauben, hat der Heilige Geist keine Priorität. Die können Pfingsten vielleicht gar nicht verstehen.

Geist wirkt in unserer Gemeinde, indem in letzter Zeit einige Menschen ganz zum Glauben finden durften und indem wir jetzt Schritte unternehmen, um den Menschen in unserm Quartier zu dienen. Doch ich erwarte, dass die Kraft von Jesus noch viel mehr sichtbar wird, und zwar im Wachstum unserer Gemeinde und im Alltag einzelner Menschen.

Was tut der Heilige Geist nicht? Sabrina: Er macht uns sicher kei-

ne Angst. Er drängt sich uns nicht auf, er vergewaltigt uns schon gar nicht. Er ist ein Gentleman, wir sind nicht seine Marionetten. Silas: Er ist kein Automat, kein Dienstmaitli, kein reiner BitteErfüller. Er wird uns aber echte Furcht vor Gott lehren, Ehrfurcht. Doch er wird nie im Widerspruch zur Bibel handeln.

Ist Pfingsten in Ihrer Gemeinde etwas Spezielles? Silas: Ich bin an Pfingsten mit

unsern Teenies an einem Wochenende in Nesslau. Ehrlich gesagt, habe ich keine besonderen Erwartungen an Pfingsten. Aber ich erwarte, dass Gott wirkt. Doch das ist nicht auf ein Datum oder einen Event fixiert. Sabrina: In unserer Gemeinde wird Pfingsten sicher zum Predigtthema werden. Unser Bestreben ist es, das, was wir an Pfingsten bekommen, dann auch 365 Tage im Jahr zu leben. Daran wird

Was könnte es für unsere Gesellschaft heissen, wenn Sie sich stark vom Heiligen Geist leiten liesse? Sabrina: Dann würde sich unsere Gesellschaft dahin entwickeln, wie Gott sie sich gedacht hat. Die Menschen würden Liebe anders definieren. Zwischenmenschliche Beziehungen wären von echter Liebe geprägt. Es ginge den Menschen nicht nur um sich selber, sondern um das Wohl der Gemeinschaft. Silas: Die Liebe hätte eine ganz andere Bedeutung. Die Bibel fordert uns ja auf, Gott mit ganzem Herzen, mit voller Kraft und mit allem Verstand zu lieben und die Mitmenschen wie sich selber zu lieben. Aber die spannendere Frage wäre: Was könnte es für unsere Gesellschaft bedeuten, wenn wir Christen uns stärker vom Heiligen Geist leiten liessen?

an Pfingsten sicher erinnert.

Was erwarten Sie vom Heiligen Geist für unser Land? Silas: Für unser Land erwarte ich,

dass er uns Christen hilft, eine Einheit zu werden. Dann kann es wahr werden, dass man uns an unserer Liebe zueinander erkennt und dass die Menschen so auch Gott erkennen können. Sabrina: Es ist meine Erwartung, mein Wunsch, mein Gebet, dass der Heilige Geist in jedem einzelnen Christen und jeder Gemeinde wirkt und uns als Leib Christi zusammenführt, damit wir Jesus ähnlicher werden und die Gesellschaft viel stärker prägen können. Silas: Wir sollten uns weniger von der Gesellschaft prägen lassen. Der Heilige Geist möge uns prägen und helfen, Salz zu sein in der Gesellschaft. Sabrina: Ich erwarte vom Heiligen Geist eine Erweckung, so dass viele Menschen Jesus kennenlernen und ihm ihr Leben übergeben.

Was erwarten Sie für Ihr Leben? Sabrina: Der Heilige Geist möge

mir helfen, ihm mehr Raum zu geben. Ich erwarte noch zu wenig von ihm. Er möge durch mein Leben noch viel mehr bewegen. Silas: Ich erwarte vom Heiligen Geist, dass er sich mir mehr offenbart. Er möge mich führen, belehren, ermahnen. Er möge mir helfen, das Beste aus meinem Leben zu machen. Interview: ANDREA VONLANTHEN


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I nse r at e | s t e lle n EVANGELISCHES GEMEINSCHAFTSWERK

Unsere Kirchgemeinde besteht aus drei kleinen Dörfern im südwestlichen Teil des Kantons Aargau.

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p ol i t i k

Unsere Volksrechte sind heute in Gefahr!

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ANDREAS BRÖNNIMANN Alt Nationalrat EDU Unternehmer Belp BE

Unsere freiheitlichen Volksrechte geraten seit Jahren aussen-, aber auch innenpolitisch unter grossen Druck und werden laufend unterwandert und abgebaut. Irgendwo auf der Welt findet sich immer ein Völker- oder ein Menschenrecht, das beweisen soll, dass unbeliebte Volksvorstösse völkerrechtswidrig sein sollen. Diese werden dann bei der Umsetzung hinausgezögert und bekämpft, da internationale Menschenrechtskonventionen eine wortgetreue Umsetzung dieser Volksentscheide anscheinend nicht zulassen sollen.

Souveränität in Gefahr

Weiter kommt dazu, dass der Bundesrat auf Druck von Brüssel laufend neue EU-Gesetze zu Schweizer Gesetzen macht. Diese automatische Übernahme der EUGesetzgebung widerspricht ganz klar dem schweizerischen Souveränitätsverständnis. Der Bundesrat beabsichtigt, der EU noch weiter entgegenzukommen und plant die Einsetzung einer nationalen Überwachungskommission, welche bei Streitigkeiten die korrekte Umsetzung der EU-Gesetze in der Schweiz kontrollieren soll.

Fremde Richter

Die Forderungen von Brüssel gehen aber noch weiter. Es wird verlangt, dass der Efta-Gerichtshof in Luxemburg über die Umsetzung der EU-Gesetze in der Schweiz entscheiden soll. Es ist damit zu rechnen, dass die Schweizer Regierung auch hier nachgeben wird und diese fremden Richter schlussendlich akzeptiert. Es ist höchste Zeit, dass sich das Schweizervolk gegen diese gefährliche Entwicklung zur Wehr setzt.

Bewährtes bewahren

Unsere Bundesverfassung bezieht sich auf Gott den Allmächtigen und legt grosses Gewicht auf Freiidea Spektrum 21.2012

heit, Eigenverantwortung und Unabhängigkeit. Gerade diesen wichtigen christlichen Werten haben wir es zu verdanken, dass es unserem Land in den schwierigen Zeiten der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise immer noch so gut geht. Viele Staaten, besonders die EU, beobachten unser Land mit einem gewissen Argwohn und nicht zuletzt auch mit entsprechendem Neid. Mit grossem Druck wird versucht, unsere Eigenständigkeit und die direkte Demokratie abzubauen, um damit unser Land EU-kompatibel zu machen. Leider gibt der Bundesrat immer wieder nach und ist in solchen wichtigen Fragen zu wenig selbstbewusst und konsequent.

Demokratie stärken

Mit einem Ja zur Initiative helfen wir mit, unsere bewährten Volksrechte zu erhalten. Die Volksinitiative verlangt, dass folgenschwere Staatsverträge in einer Abstimmung dem Volk und den Ständen zwingend in einer Abstimmung vorgelegt werden müssen. Ohne die Zustimmung der Stimmberechtigten dürfen keine fremden Richter und Gerichte über das Schweizervolk gesetzt werden. Auch ist es nicht zulässig, fremdes Recht und fremde Gesetze am Volk vorbei einzuführen. Es ist allerhöchste Zeit, mit dieser Volksinitiative die Messlatte neu zu setzen und unsere Demokratie zu stärken. Darum appelliere ich gerade an die Christen, mit «Ja» zu stimmen.

PHILIPP HADORN Nationalrat SP Gewerkschaftssekretär Gerlafingen SO

In der Schweiz leben wir in einer direkten Demokratie. So können wir Menschen unseres Vertrauens in Aufgaben stellen, die sie «für uns» zu erledigen haben. Dabei wählen wir Menschen mit dem notwendigen Sachverstand, den erforderlichen Kenntnissen und der charakterlichen Integrität für das entsprechende Amt. Zu vielen Sachfragen bringen wir an der Urne unsere Meinung zum Ausdruck. Zudem haben wir die Möglichkeit, mittels Initiativen und Referenden Einfluss zu nehmen. Wohl wegen Komplexität, Häufigkeit der Urnengänge, aber auch wegen Desinteresse oder Frustration ist die Stimmbeteiligung relativ gering.

Gegen Benachteiligte

Seit ihrer Entstehung schürt die «Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz Auns» Ängste gegen Fremde, führt Kampagnen mit diskriminierendem, menschenverachtendem und Hass schürendem Inhalt. In der Zielgeraden stehen dabei meist Benachteiligte wie wirtschaftlich und sozial Schwache, Randständige, Hilfebedürftige und Fremde. Die vorliegende Initiative spricht

Darum gehts bei der abstimmung vom 17. Juni Die Volksinitiative «Für die Stärkung der Volksrechte in der Aussenpolitik (Staatsverträge vors Volk!)» ist mit 108 579 gültigen Unterschriften zustande gekommen. Sie schlägt vor, das obligatorische Referendum für völkerrechtliche Verträge erheblich auszuweiten. Gemäss Initiativtext sollen dem obligatorischen Referendum völkerrechtliche Verträge unterliegen, die eine multilaterale Rechtsvereinheitlichung in wichtigen Bereichen herbeiführen, die Schweiz verpflichten, zukünftige rechtsetzende Bestimmungen in

wichtigen Bereichen zu übernehmen, Rechtsprechungszuständigkeiten in wichtigen Bereichen an ausländische oder internationale Institutionen übertragen oder neue einmalige Ausgaben von mehr als einer Milliarde Franken oder neue wiederkehrende Ausgaben von mehr als 100 Millionen Franken nach sich ziehen werden. National- und Ständerat lehnen die Initiative ab. Von den politischen Parteien sprechen sich nur die SVP und die EDU für die Vorlage aus, über die am 17. Juni abgestimmt wird.

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vordergründig von mehr Mitbestimmung. Für «wichtige» Staatsverträge soll das obligatorische Referendum, also eine Volksabstimmung, durchgeführt werden.

Die Regelung von heute

Bereits heute unterstehen «wichtige» Staatsverträge dem obligatorischen Referendum wie der Beitritt zur EU. Andere umstrittene Verträge können mit dem fakultativen Referendum leicht zur Abstimmung gebracht werden. Die Initiative fördert eine unnötige und oft komplizierte Abstimmungsflut. Selbst über völlig unbestrittene Verträge müsste abgestimmt werden – ein bürokratischer, teurer Nonsens, bei Einflussnahme durch kapitalpotente Personen gar demokratiefeindlich.

Schwächung unserer Position

Zu grosse Unsicherheit schwächt die Verhandlungsposition der Schweiz. Die Schweizer Wirtschaft profitiert von Rechtssicherheit und Stabilität in der Schweiz. Freihandels-, Doppelbesteuerungs- oder Investitionsabkommen sind elementar für die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz – eine Grundlage für sichere Arbeitsplätze. Bundesrat, Parlament, die Kantone, SP, FDP, BDP, CVP, GLP, EVP und Grüne lehnen diese Vorlage ab. Die Initiative gefährdet stabile Beziehungen mit dem Ausland und öffnet Populismus und Fremdenfeindlichkeit ein weiteres Aktionsfeld.

WWJD – What would Jesus do?

«Was Würd Jesus Due»? Auch wir Christen wählen betend Menschen in politische Aufgaben, denen wir zutrauen, nach Jeremia 29,7 «der Stadt Bestes (zu) suchen und zum Herrn (zu) beten». Die Annahme der Auns-Initiative ergibt eine Plattform für weitere menschenverachtende Kampagnen - gegen Menschen, für die Jesus eine besondere Liebe predigte und lebte. Kampagnen gegen Benachteiligte sind Kampagnen gegen den Schöpfer selbst. WWJD? – Sein Nein zur vorliegenden Auns-Initiative scheint mir klar zu sein!


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TAG E SSC H AU

Die Freude an der Auferstehung feiern: Tänzerinnen und Tänzer auf dem Bundeplatz.

Tänzerische Osterfreude auf dem Bundesplatz TANZ-AKTION 750 Christen trafen sich am Samstag auf dem Berner Bundesplatz mit dem Anliegen, die Freude an der

Auferstehung tänzerisch auszudrücken. Die Aktion war Teil einer Bewegung, die mittlerweile um die Welt geht. Ob in Madrid, Hong Kong, Berlin oder Melbourne – überall das gleiche Bild, die gleiche Musik, die gleiche Botschaft: Christen feiern die Auferstehung Jesu mit einer mitreissenden Tanz-Choreografie. Nun erreichte der sogenannte «Resurrection Sunday Dance» auch die Schweizer Bundeshauptstadt Bern. «Wir wollen Freude am Glauben ausdrücken», erklärt Organisator Samuel Ramser die Motivation. Die Idee zu dem Tanz stammt

eigentlich aus Budapest. Im Zeitalter von Youtube und Facebook breitete sie sich rasend schnell aus und wurde bereits an Dutzenden Orten rund um den Erdball umgesetzt.

Ermutigung für Christen

In der Schweiz stehen die «Glaubensgemeinde Bern», «Gebet für die Schweiz» und «Campus für Christus» hinter der Aktion. Die Tänzer meldeten sich aus allen Teilen des Landes an. Über Inter-

netvideos konnten die Bewegungen bereits zu Hause einstudiert werden. Eine Gemeinde aus Yverdon-les-Bains VD habe «extra das Kirchenkaffee ausfallen lassen und dafür den Tanz geübt», so Ramser. Am Samstag trafen sich dann um 15 Uhr alle Teilnehmer auf dem Bundesplatz. Zusätzlich zu den 650 Tänzern fanden sich 100 Fahnenträger von «Gebet für die Schweiz» ein. Eine gewaltige Soundanlage tat ihr Übriges, und der Bundesplatz verwandelte sich

in einen bunten Reigen aus tanzenden Menschen jeden Alters. In den kurzen Pausen wurde für die Schweiz und die Politiker des Landes gebetet. Demnächst wird ausserdem ein Film von dem sehenswerten Ereignis auf der Website und auf Youtube aufgeschaltet. Wenn es nach Samuel Ramser geht, wird der Tanz im nächsten Jahr wieder stattfinden. CHRISTOF BAUERNFEIND www.uptofaith.ch

Auch Eltern dürfen immer wieder Kinder sein ELTERNKONFERENZ Fachwissen zum Thema Erziehung gibt es genug. Leider trägt es oft zur Verunsicherung der Eltern

bei. An der Elternkonferenz der Stiftung Schleife sollten die Eltern lernen, als Kinder des mächtigsten Vaters zu leben.

«Die Unsicherheit und Überforderung in der Erziehung ist gross», sagte Werner Tanner, Leiter der Beratungsstelle «Familienwerkstatt» der Stiftung Schleife. Darum stiess die Elternkonferenz der Stiftung Schleife in Winterthur erneut auf grossen Anklang. 120 Eltern nutzten die Gelegenheit, sich übers Auffahrtswochenende für den Familienalltag inspirieren zu lassen. Gleichzeitig fand eine Kinderkonferenz statt, in der 270 Kinder Gott hautnah erleben durften.

Das Leiden an sich selbst

Werner Tanner erklärte zuerst den Titel der Konferenz – «Fly high». Fliegen können wir nur dann, wenn wir Gott immer mehr vertrauen. Oft schleppen wir Lasten Bilder: idea/chb, Simone Pflüger

Wunder erlebt

Im Malatelier versuchten die Eltern, das Gelernte zu verarbeiten.

mit uns herum, die uns am Fliegen hindern. Zum Beispiel die Sorge um die Zukunft der Kinder, die ja eigentlich in Gottes Händen liegt. Die schwerste Last sei aber die eigene Schuld. Hier setzt die Antriebs- oder Auferstehungskraft ein. Es geht um die Botschaft des Neuen Testaments, die laut Tanner in pädago-

gischen Büchern fehlt und auch in christlichen Ratgebern oft zu kurz kommt: Gott hat uns zu neuen Menschen, zu seinen Kindern gemacht. Und Kinder müssen nicht perfekt sein. Paradoxerweise erfährt Tanner in Beratungen der «Familienwerkstatt», dass es Christen oft schwer fällt, ihre Schwächen offen zuzugeben.

Tanner nannte weitere Beispiele für einen solchen kindlichen Glauben: So blicken Kinder auf, um zu hören, was der Vater zu sagen hat. Genauso könnten Eltern ihren Blick nach oben richten und den Heiligen Geist in die Erziehung miteinbeziehen. Ein Beispiel für die übernatürliche Kraft des Heiligen Geistes war das Zeugnis eines Ehepaars, das erzählte, wie Gott das Gehör seiner vierjährigen Tochter und ihre Essprobleme heilte. Der Ehemann berichtete auch, wie er mit Gottes Hilfe aus seinem Burnout herausfand. Alles Gehörte konnten die Eltern in Workshops tanzend, malend, austauschend oder schreibend verarbeiten. SIMONE PFLÜGER idea Spektrum 21.2012


tag e ssc h au

Diskriminierung bei der Heilsarmee?

ÄXGÜSI

UMSTRITTENE KÜNDIGUNG Die Heilsarmee ist in die öffentliche Kritik geraten, weil sie

Blickkontakt

einer leitenden Mitarbeiterin kündigte, die eine gleichgeschlechtliche Beziehung führt. Wie gehen christliche Arbeitgeber mit dem Thema Lebensführung ihrer Mitarbeiter um?

«Der Verband Christlicher Hotels Schweiz (VCH) orientiert sich am Leitfaden der Bibel», betont Geschäftsführer Falk Pfleiderer. Es werden aber vom Verband keine verbindlichen Regeln zur Lebensführung der Mitarbeiter vorgegeben. «Jeder Betrieb geht da seinen eigenen Weg. Die einen setzen bei den Mitarbeitern eine christliche Grundeinstellung voraus. Bei anderen ist die berufliche Qualifikation entscheidend», erklärt Pfleiderer die Handhabung. Wichtig für die VCH-Hotels sei vor allem, dass sie den Gästen «ein christliches Umfeld bieten». Das Beispiel des VCH zeigt, dass christliche Einrichtungen nicht von vornherein eine bestimmte Lebensführung von ihren Mitarbeitern erwarten. Ein Hotel ist aber im Gegensatz zur Heilsarmee ein Unternehmen, bei dem die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund steht.

Organisation glaubhaft vertreten

Die Heilsarmee ist nicht nur Sozialwerk, sondern ein christliches Hilfswerk, das eine Botschaft verkünden will. Wie jeder «Tendenzbetrieb» habe die Heilsarmee eine

Rechtlich gültig Peter Deutsch, Rechtsexperte der Freikirchen Schweiz, Bern, erklärt, dass die Heilsarmee als «religiöse Körperschaft» ein gewisses Grundverständnis hat, auf das sich die Mitarbeiter einigen müssen. Die Kündigung sei rechtlich in jedem Fall gültig. Sollte die Kündigung missbräuchlich sein, kann der Richter eine Entschädigung bis zu sechs Monatslöhnen zusprechen. Anders als in Deutschland gebe es kein besonderes Arbeitsrecht für religiöse Körperschaften. In Deutschland können solche sogenannten «Tendenzbetriebe» ein eigenes Recht schaffen. Niemand sei schliesslich dazu verpflichtet, in einer religiösen Körperschaft zu arbeiten. Im Normalfall würden die Mitarbeiter mit der Haltung eines solchen Arbeitgebers übereinstimmen. idea Spektrum 21.2012

Die Heilsarmee: «Werte der Organisation glaubhaft vertreten.»

«weltanschauliche Ausrichtung», erklärt Mediensprecher Martin Künzi. «Wir haben Vorgesetzte, von denen wir erwarten, dass sie eine Vorbildfunktion ausüben. Wenn sie sich anstellen lassen, dann wird natürlich darüber gesprochen.» Die entlassene Frau war Leiterin einer Zürcher Behinderteneinrichtung. Für Kadermitarbeiter gilt: «Sie sollten die Werte der Organisation glaubhaft vertreten.» Bei Mitarbeitenden ohne Kaderrolle werden nicht dieselben Massstäbe angesetzt. «Wir haben vor einigen Jahren dieselbe Konsequenz bei einem Leiter gezogen, der eine Beziehung zu einer Mitarbeiterin pflegte.» Doch dieser Fall habe in der Öffentlichkeit kein Aufsehen erregt, obwohl eigentlich der gleiche Grund zugrunde lag: Der gemeinsame Verhaltenskodex der Heilsarmee. Martin Künzi betont: «In jedem Job gibt es gewisse Rahmenbedingungen. Wenn jemand Gemeindepräsident von Thun werden will, kann er auch nicht in Zürich wohnen.»

Klare Haltung

Man habe sich die Entscheidung auch nicht so leicht gemacht, wie das in der Öffentlichkeit rübergekommen sei. «Es war kein Kurzschlussentscheid. Man hat mit der Person das Gespräch geführt und über die Konsequenz der Kündigung gesprochen», so Künzi. Das heisse nicht, dass kategorisch im-

mer so entschieden werde. Man sei nicht auf der Suche nach den «schwarzen Schafen» in der Organisation. Die Heilsarmee habe aber in Beziehungsfragen eine klare Haltung. So sei aus Gründen der Vertraulichkeit zum Beispiel auch eine Beziehung zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitenden heikel.

Identifikation wichtig

Rahmenbedingungen, die die Lebensführung betreffen, gibt es in vielen Arbeitsbereichen. Niemand würde sich zum Beispiel darüber wundern, dass ein Mitarbeiter vom «Blauen Kreuz» privat kein Problem mit Alkohol haben sollte. Walter Liechti, Geschäftsführer vom Blauen Kreuz Schweiz: «Früher war sogar im Arbeitsvertrag festgelegt, dass die Mitarbeiter völlig abstinent leben müssen. Heute wird lediglich empfohlen, es einmal ein halbes Jahr auszuprobieren.» Sonst gebe es keine besonderen Auflagen; die fachliche Kompetenz sei entscheidend. Liechti: «Das «Suchtverhalten ist bei uns das zentrale Thema.» Man sei aber auch ein Sozialwerk und kein Missionswerk. Die christliche Einstellung lasse sich eben schlecht messen. Aber auch beim Blauen Kreuz gilt: «Es versteht sich von selbst, dass sich die Mitarbeiter mit der Organisation identifizieren sollten.» CHRISTOF BAUERNFEIND Bild: zvg

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Ich bin weder Gesellschaftskritikerin noch Zukunftsforscherin. Ich bin keine Frau von der Sorte «früher war alles besser». Trotzdem legen sich mir beim Blick auf Eltern mit ihren Kindern öfters Sorgenfalten auf die Stirne. Ich wittere eine heranwachsende Generation mit schwerwiegenden Mankos, die möglicherweise alles bisher Dagewesene übersteigen: Verbale Unfähigkeit, soziale Inkompetenz. 90 Prozent der Kinder sitzen heute im Kinderwagen nach vorne gerichtet, von Papi oder Mami abgewandt. Kommunikation, Augenkontakt sind unmöglich. Man trägt lieber den i-Pod oder die Kopfhörer des Handys in den Ohren, ständig in Verbindung mit der weiten Welt, fernab von Kindergeschrei und unverständlichem Geplapper. Die kostbaren ersten Monate eines Menschen werden von vielen Eltern nur noch erduldet, anstatt die Zeit zu nutzen, um ein solides psychosoziales Fundament zu legen. Die Eltern vergessen, wie wichtig es ist, Kindern Geborgenheit, Liebe und Sprache zu vermitteln. So früh als möglich werden Kinder aus dem Nest in die Kita geschubst (Kita steht für Kindertagesstätte und ersetzt das anrüchig klingende Wort Krippe). Es werden Menschen «gezüchtet», die unfähig sind, anderen in die Augen zu sehen, Beziehungen zu pflegen, Worte zu finden, um Freude auszudrücken, Anliegen und Gefühle auszusprechen oder diese bei anderen wahrzunehmen. «Angesehene Leute» sind nicht jene mit einer steilen Karriere und einem dicken Portemonnaie, sondern jene, die Eltern und Freunde um sich haben, die einen liebevollen, wohlwollenden Blick auf sie werfen. Nicht umsonst sagt Gott, dass er uns mit seinen Augen leiten will. Der Blickkontakt mit Gott und mit Menschen schafft Beziehung und macht glücklich! HELENA GYSIN Die Kolumnistin ist Familienfrau, Sekretärin der Baptistengemeinde Bülach und Autorin.


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P u bl i r e P or tag e

Das Kernanliegen der Vineyard Bewegung

Reich Gottes sichtbar machen Dr. Wilf Gasser, langjähriger Mitarbeiter der Vineyard Bern und Vertreter der Vineyard-Bewegung in der Leiterkonferenz der Freikirchen, beschreibt aus seiner persönlichen Sicht die interessante Entwicklung der Bewegung. Schon früh in meinem Leben war ich einer Vielfalt von geistlichen Einflüssen ausgesetzt und erlebte dies als grosse Bereicherung. Aufgewachsen bin ich in einer Chrischona-Gemeinde, hatte aber auch fünf nahe Verwandte im Predigtdienst in Baptistenund FEG-Gemeinden. Eine Zeit lang hielt ein sehr wortverwurzelter «geschlossener Bruder» in unserem Haus Bibelstunden und brachte jedes Mal wunderschöne Teile der Kinderbibel mit. Seine Ernsthaftigkeit, aber auch die Begeisterung und Liebe zur Bibel, hat in mir ein Verlangen hinterlassen, selbst dieses Wort Gottes besser zu kennen und zu verstehen.

Geistliche Einheit In der Schülerbibelgruppe der VBG erlebte ich später eine geistliche Einheit, die man nicht erst «suchen» musste. Sie war einfach gegeben im unbeschwerten Miteinander von jungen Christen, die grossenteils auch Taizé-geprägt waren. In einer weiteren Lebensphase begegnete ich Christen, die in einer mit unbekannten Art bewusster mit dem Wirken des Heiligen Geistes rechneten. Und langsam begann ich, etwas vom unendlichen Reichtum geistlichen Lebens zu spüren. Ich erlebte aber auch, dass «neue» geistliche Erkenntnis und Erfahrung immer auch das Potenzial hat, ein Elitedenken zu fördern und eigene Erfahrung absolut zu setzen.

Von der Basileia zur Vineyard Die Vineyard Bern, damals noch Basileia genannt, erhielt diesbezüglich durch den Landeskirchen-Pfarrer Marcel Dietler eine hilfreiche Horizonterweiterung. Er half uns zu entdecken, dass «Erneuerung» immer auch an den Erfahrungsschatz frü-

Die Vineyardbewegung

«Die Vineyard Bern, welche sich lokal als Gemeinschaft innerhalb der reformierten Kirche versteht, scheute sich nicht, an ihren Konferenzen auch schwierige oder gar provozierende Themen aufzugreifen, hier das Thema 'Endzeit'» herer Generationen anknüpfen darf. Diese Wertschätzung für unser geistliches Erbe förderte in den folgenden Jahren auch John Wimber. So entschieden wir uns als Leitungsteam, unsere regelmässigen Retraiten mit einer bewussten Suche nach unserem «Erbe» zu verbinden. Zum Beispiel indem wir uns in Cluny mit einer der gewaltigsten Gemeindebau-Bewegungen des Mittelalters beschäftigten, welche in ihrer Blütezeit rund 10 000 Mönche umfasste und auch in der Schweiz mehrere Orte berührte. Wir lernten in den folgenden Jahren aber auch die Täuferbewegung kennen, entdeckten unsere Nähe zum EGW und andern «älteren Geschwistern» von Erneuerungsbewegungen. Wir liessen uns inspirieren vom Methodismus, freuten uns über die geistlichen Erfahrungen des Brüderverein-Gründers Fritz Berger, lernten vom «Suppe-Seife-Seelenheil»-Prinzip der Heilsarmee, liessen uns verwöhnen im Haus der Communität Don Camillo oder in Häusern von Jugend mit einer Mission etc. etc. Die Liste ist bei weitem nicht vollständig.

Vielfalt und Offenheit Unsere wachsende Wertschätzung für die Vielfalt unseres geistlichen Erbes, verbunden mit einer grossen Offenheit für segensreiche Einflüsse auch in unserer Zeit, hat meines Erachtens den Boden dafür vorbereitet, dass die Vineyard-Bewegung in den rund 30 Jahren ihres Bestehens immer wieder ein Kanal sein konnte, um «Wieder-Entdecktes» in den Leib

Jesu hineinfliessen zu lassen. Angefangen mit dem Anliegen, Anbetung nicht nur als Liedersingen, sondern als Lebensstil zu verstehen – übrigens ein Kernanliegen der CluniazenserMönche im Jahre 900. Dann auch das wichtige Anliegen des allgemeinen Priestertums, wo Vollmacht nicht beim Pastor oder beim Mann auf der Bühne gesucht wird, sondern der Dienst jedes einzelnen Gläubigen gefördert wird. Viel Segen und zugleich manche Herausforderung floss auch durch die verschiedenen Konferenzen in den 80-er und 90-er Jahren zu biblischen Kernthemen wie Profetie, Heilung, Gebet, Gegenwart Gottes etc.

Die Gegenwart des Reiches Gottes Die Gegenwart Gottes in unserem Leben, und natürlich auch das Sichtbarwerden von Gottes Reich in dieser Welt, ist und bleibt das Kernthema der Vineyard-Bewegung. Denn Gott sucht nicht in erster Linie christliches (Wohl-)Verhalten, sondern eine intime Herzensbeziehung, die uns zu Kindern, aber auch zu Freunden und Partnern Gottes macht. Als sein Leib in dieser Welt dürfen und wollen wir in der Abhängigkeit von ihm gemeinsam etwas vom Reich Gottes sichtbar machen.

Dr. Wilf Gasser ist Vertreter der Vineyard Schweiz an der Leiterkonferenz der Freikirchen.

Die Vineyardbewegung besteht in der Schweiz aus 23 Vineyards bezw. Vineyard-Gründungsprojekten. Während sich die Vineyard Bern als innerkirchliche Bewegung versteht, sind die meisten Vineyards der Bewegung als Freikirchen organisiert. Die Lokalgemeinden sind eigenständig, aber die Leitung/Leitungsteams sind eingebunden in ein Beziehungsnetz und werden gefördert durch regionale Coaches. Der Zusammenhalt wird durch jährliche Leiterkonferenzen, regionale Gruppen, gemeinsame Ausbildungsangebote sowie Seminare und Konferenzen zu «VineyardThemen» sicher gestellt. Diesen widmet sich auch das vierteljährlich erscheinende Magazin «equipped».

Leitung Die Bewegung mit rund 90 Vineyards in den deutschsprachigen Ländern und weiteren 70 in andern Nationen wird von Martin und Georgia Bühlmann geleitet, welche die Leitung der Vineyard Bern nach einer längeren Vorbereitungszeit im Herbst an Marius und Caro Bühlmann übergeben werden.

«The Presence of God – Kraftvolles Leben» Pfingstkonferenz (25.–28.5.2012) mit Bill Johnson (Redding) und Martin Bühlmann; Tagesbesuch ist möglich. www.vineyard-konferenz.ch

«Übergabe-Konferenz» - The favour of God Vom 12. – 14. Oktober werden zahlreiche Freunde der Vineyard erwartet, die über die Jahre durch Konferenzen, Anbetungsmusik, Seminare etc. bei uns Segensspuren hinterlassen haben. Gemeinsam wollen wir Gottes Güte feiern und uns für nächste Schritte inspirieren lassen.

Kontakt Vineyard DACH, Kornhausplatz 18, PF 647, 3000 Bern 7, www.vineyard-dach.net Vineyard Bern: www.vineyard-bern.ch Konferenzen: www.vineyard-konferenz.ch

Der VFG Zum Verband «VFG – Freikirchen Schweiz» gehören 15 freikirchliche Körperschaften mit über 700 lokalen Gemeinden, vorwiegend in der deutschen Schweiz, sowie vier Gast-Mitglieder. Wir bringen auf dieser Seite Informationen aus dem Leben von Freikirchen in der Schweiz sowie wichtige Themen und Anliegen des Verbandes. Mit der Form der Publireportage unterstützt der VFG auch die Arbeit von «idea Spektrum Schweiz». www.freikirchen.ch

idea Spektrum 21.2012


F ORU M

SYNERGIE Verpasste Chancen Kürzlich las ich die Todesanzeige eines Mitgliedes unserer früheren Gemeinde. Die alte Dame lebte im Pflegeheim und besuchte unsere Gottesdienste. Oft unterhielten wir uns nach dem Gottesdienst miteinander, und manchmal besuchte sie uns zu Hause, besonders auch wegen unserer Kinder, die sie besonders gern hatte. Immer wieder lud sie mich zu sich ein. Doch leider fand ich nie die Zeit für einen Besuch – und jetzt war es zu spät. Eine verpasste Gelegenheit, die sich für mich nie wieder ergeben wird. Ich hatte nicht bedacht, dass die Chance für einen Besuch auch einmal vergeben sei könnte. Das machte mich betroffen. Ebenso wie die Tatsache, dass ich immer wieder Patienten von ihren verpassten Gelegenheiten reden höre. Besonders bedrückend sind die Momente, in denen von zwischenmenschlichen

Ohne Scheuklappen «idea Spektrum» Nr. 20 – «Bibel und Koran: Wo liegt die Wahrheit?» Vielen Dank für das Interview mit Pfarrer Bernhard Rothen in der letzten Ausgabe. Ich begrüsse es, dass Sie sich nicht damit begnügt haben, den Koran zu verteufeln, sondern jemandem eine Plattform gaben, der sich ohne ideologische Scheuklappen (aber mit einer klaren christlichen Grundhaltung) mit dem Koran beschäftigt. Das ist ein wichtiger Beitrag zur Meinungsbildung. ADRIAN HARTMANN, Uster

Schönes im Islam «idea Spektrum» Nr. 20 – Bibel und Koran: Interview mit Pfarrer Bernhard Rothen sowie weitere Artikel zum Islam Im letzten Herbst fuhren wir in den Ferien mit unserer Reisegruppe eines Abends im Bus. Es war schon dunkel geworden. Eine wunderschöne Mondsichel war durch die Scheibe des Cars am Nachthimmel zu sehen – zunehmender Mond. Meine Gedanken schweiften hin und her und blieben bei den Muslimen hängen. Die Mondsichel ist ja für sie das Zeichen ihrer Religion, das «Logo» des Islam. Eigentlich drückt die Mondsichel das Wesen des Islam treffend aus. Es gibt Schönes, Leuchtendes, Positives im Islam. Doch im Zentrum ist es finster ideaSpektrum 21.2012

Konflikten und Streitigkeiten ohne Aussicht auf Versöhnung gesprochen wird. Ein Leben lang unversöhnlich mit Familienmitgliedern oder Freunden zu leben, schafft eine schlechte Basis fürs Sterben. Nichtigkeiten, die sich wie unüberwindbare Hindernisse aufblähen, und Stolz, der unfähig zur Vergebung macht, belasten das Leben und lassen uns die Möglichkeit zur Versöhnung verpassen. Im Angesicht des Todes ist es dann meist zu spät. Die Hinterbliebenen können nichts mehr korrigieren oder richtigstellen, und so bleiben Schuldgefühle für den Rest des Lebens. Mir kommen die Worte von Mose im 90. Psalm in den Sinn: «Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf das wir klug werden.» Unser Leben hier auf Erden besteht nicht ewig. Wir haben die christliche Pflicht, unseren Mitmenschen Nächstenliebe entgegenzubringen und uns zu versöhnen. Die Zeit, die wir mit Streitereien, Hartherzigkeit und Lieblosigkeit vergeuden, ist unwiederbringlich verloren, und wir – Mohammed war ein Krieger. Gegen Ende seines Lebens hat er viel Gewalt, Zwang und Unterdrückung gepredigt und in den Koran gebracht. Leuchtend positiv ist aber zum Beispiel der Aufruf, Waisen und anderen Benachteiligten zu helfen, wie es in Vers 177 der 2. Sure heisst: «Frömmigkeit besteht darin, dass man an Gott, den Jüngsten Tag, die Engel, das Buch und die Propheten glaubt, dass man, aus Liebe zu Ihm, den Verwandten, den Waisen, den Bedürftigen, dem Reisenden und den Bettlern Geld zukommen lässt und (es) für den Loskauf der Sklaven und Gefangenen (ausgibt) …» Diese Solidarität ist übernommen von den Juden (Altes Testament) und den Christen (Neues Testament). In Jeremia 22,3 heisst es: «So spricht der Herr: Übt Recht und Gerechtigkeit und befreit den Beraubten aus der Hand des Unterdrückers! Und den Fremden, die Waise und die Witwe unterdrückt und vergewaltigt nicht und vergiesst nicht unschuldiges Blut an diesem Ort!» Und in Jakobus 1,27 lesen wir: «Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott und dem Vater ist dieser: Waisen und Witwen in ihrer Bedrängnis zu besuchen, sich selbst von der Welt unbefleckt zu erhalten!» Was im Isalm schön und leuchtend und positiv ist, kommt aus der Bibel, genauso wie das Licht der Mondsichel von der Sonne kommt. GEORG E. RADECKE, Winterthur

berauben uns selbst vieler schöner Momente und machen uns das Leben schwer. Unsere Kräfte werden aufgezehrt, und wir fühlen uns für wichtige Dinge wie Gemeindemitarbeit, Familienleben oder Beruf unfähig und kraftlos. Das Resultat sind psychische und/oder physische Beschwerden, die uns in eine Abwärtsspirale treiben können. Ich habe erfahren, dass man sich aus dieser scheinbar ausweglosen Situation befreien kann, in dem man die Worte von Paulus aus dem Epheserbrief annimmt: «Seid freundlich und hilfsbereit zueinander und vergebt euch gegenseitig, was ihr einander angetan habt, so wie Gott euch durch Christus vergeben hat, was ihr ihm angetan habt.» ANNE SACHS Die Autorin ist als Ärztin im Bereich der Wirbelsäulen- und Neurochirurgie in einer Aarauer Privatklinik tätig.

Militante Haltung «idea Spektrum» Nr. 20 – Leserbrief: «Affen und Schweine» Lieber Daniel Zingg, ich bin irritiert, dass «idea Spektrum» deinen Beitrag abgedruckt hat. Ich empfinde deine Ausdrucksweise als pauschalisierend und fahrlässig. Spätestens beim menschenverachtenden Luther-Zitat hättest du dich zurückhalten müssen. Deine militante Haltung dient weder dem Dialog mit fortschrittlichen Muslimen noch der Annäherung oder dem gegenseitigen Verständnis. Deine Worte vertiefen Gräben, Vorurteile und Ressentiments. ANDRE KESPER, Winterthur

Wichtige Diskussion «idea Spektrum» Nr. 20 – «Ich bin evangelikal! Wo ist das Problem?» Im Interview geht Rolf Hille unter anderem auf die historisch-kritische Erforschung der Bibel und die sich daraus ergebenden Folgen für das kirchliche Leben ein. Im Blog «Atheist Media Blog» ist im Beitrag «Evangelikaler Theologe: Historischkritische Methode ist atheistisch» ausgehend von Rolf Hilles Ausführungen zur historisch-kritischen Methode eine Diskussion zu den philosophischen Grundlagen derselben zu finden. PATRICK SELE, Vaduz

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PODIUM Sunday-Break Sonntagmorgen. Oft schlendere ich so gegen 7 Uhr in den Wintergarten, frisch geduscht, bepackt mit Bibel und Zeitungen, oft noch mit einigen Akten. Kaffee schlürfend geniesse ich die Ruhe. Gegen 8 Uhr stresst gelegentlich einer der Jünglinge vorbei, bittet mich, auch seine Tasse wegzuräumen, da er in der Gottesdienst-Band mitspiele und zur Probe müsse. Karin, meine Frau, kommt etwa um 8.30 Uhr. Gelegentlich stösst noch der eine oder andere unserer drei Teenager zum Frühstückstisch. Um 9.15 Uhr gehts Richtung EMK-Kapelle, zwei Strassen weiter. Beim Rausgehen rufe ich den Kids noch zu, pünktlich zu erscheinen. Einer wird jetzt blitzartig aus dem Bett springen. Während des ersten Songs setzt er sich mit vom Kissen gezeichneter Frisur zwischen andere Jugendliche in eine der vordersten Reihen. Ein ganz gewöhnlicher Sonntag, geprägt von Austausch, Begegnungen, einem gemeinsamen Spiel, einem Spaziergang, Lesen in Dossiers, Verarbeiten aufgestauter Post oder auch mal Schreiben einer Kolumne. Ich bin dankbar für den Sonntag. Kein Briefträger bringt neue Akten, niemand geht Einkaufen, das Telefon klingelt kaum, und der Garten bleibt, wie er ist. Am 3. Mai stimmte der Nationalrat einer parlamentarischen Initiative aus den Reihen der FDP mit 105 zu 73 Stimmen zu: Tankstellenshops sollen auch in der Nacht und am Sonntag ihr ganzes Sortiment verkaufen können. Nicht nur die Gewerkschaften laufen Sturm. Nebst vielen Ladenbesitzern setzten sich bisher auch die Christen zur Wehr gegen die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten. Und mit Erfolg! Korrigiert der Ständerat nicht den «Fehlentscheid», muss erneut an der Urne die Nacht- und Sonntagsruhe verteidigt werden. Sunday-Break – eine Erfindung Gottes! PHILIPP HADORN Der Autor ist Nationalrat der SP, Gewerkschafter und wohnt mit seiner Frau und den drei Söhnen in Gerlafingen SO. Bild: VBG


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Einander die Hände reichen und Frieden stiften TÄUFERKONFERENZ Wer tritt in Konflikten zwischen die Parteien und hebt Ausgrenzung auf? Mennoniten setzen auf

Gewaltlosigkeit und darauf, dass der Andere seine Geschichte erzählen kann. Am Auffahrtswochenende liess sich die Europakonferenz der täuferischen Freikirche im Emmental von der Bibel und Mut machenden Erfahrungen inspirieren.

Das Motto der Konferenz «Hände reichen über Grenzen» nahm die Akzente auf, die die Freikirche mit ihrem Eintreten für Gewaltlosigkeit, mit Friedensarbeit und Nothilfe seit Generationen setzt. Das Motto wurde auch missional ausgedeutscht: «Gottes Geschichte mit den Menschen ist eine seines Händereichens über Grenzen hinweg», hiess es in der Einleitung zum Plenum am Freitagvormittag. «Gott bezieht uns ein. Durch uns will er den Menschen Hände reichen.»

Vielsprachiger Dialog

Die Täufer pflegen den internationalen Charakter ihrer Bewegung, Ergebnis der Verfolgung der frühen Neuzeit, mit grossen, vielsprachigen AustauschForen. Zum dritten Mal waren

Impressum Idea Schweiz Herausgeber: Idea Information AG, 4410 Liestal Verwaltungsrat: Heiner Henny, Präsident; Sam Moser, Stellvertreter; Paul Beyeler, Hans Lendi, Hansjörg Leutwyler, Hanspeter Schmutz Ideelle Trägerschaft: Schweizerische Evangelische Allianz (SEA), Verband Evangelischer Freikirchen und Gemeinden (VFG), Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Missionen (AEM) Redaktion: Aemmenmattstr. 22, 3123 Belp, Tel. 031 818 01 44, Fax 031 819 71 60 E-Mail: redaktion@ideaschweiz.ch Internet: www.ideaschweiz.ch Chefredaktor: Andrea Vonlanthen Büro: Bahnhofstr. 65, 9320 Arbon Tel. 071 446 70 02, Fax 071 446 74 88 E-Mail: andrea.vonlanthen@ideaschweiz.ch Redaktor: Thomas Feuz Erweitertes Team: Esther Reutimann, Christian Bachmann, Mirjam Fisch-Köhler Praktikum: Christof Bauernfeind Kundenberatung Anzeigen: Jordi AG – das Medienhaus, Aemmenmattstr. 22, 3123 Belp, Tel. 031 818 01 17, Fax 031 819 38 54 E-Mail: inserate@ideaschweiz.ch Aboservice: Jordi AG – das Medienhaus, Franziska Schüller, Aemmenmattstr. 22, 3123 Belp, Tel. 031 818 01 20, Fax 031 819 38 54 E-Mail: abo@ideaschweiz.ch Abopreise: Jahresabo Fr. 145.–, Seniorenabo Fr. 117.–, Halbjahresabo Fr. 77.–. Das Abo ist unter Einhaltung einer vierwöchigen Frist jeweils zum Bezugsende kündbar. Konto: PC-Konto 40-788586-4 Idea Information AG, 4410 Liestal Layout/Druck/Versand: Jordi AG – das Medienhaus, Aemmenmattstr. 22, 3123 Belp www.jordibelp.ch

Bild: Peter Schmid

Harte Zeiten: Der Historiker Hanspeter Jecker mimt den Emmentaler Täuferlehrer Hans Bürki, der vor 300 Jahren gelebt hat.

die Mennoniten des Kontinents zu Gast in der Schweiz. Die 9. Mennonitische Europäische Regionalkonferenz (MERK 2012) in Sumiswald bei Bern am Himmelfahrtswochenende wurde von 640 Dauerteilnehmenden besucht, zwei Drittel von ihnen aus dem Ausland, vornehmlich Deutsche, Holländer und Franzosen.

Der Wahrheit begegnen

Wie können die europäischen Mennoniten mit wenigen, kleinen, teils schrumpfenden Gemeinden gesellschaftlich wirken und über Mauern und Grenzen hinweg Begegnung ermöglichen? Den Weg wies die Strassburger Pastorin Anne-Cathy Graber, die das Gespräch von Jesus mit der samaritanischen Frau beziehungsreich auslegte (vergleiche Johannes 4). Jesus sei müde gewesen und habe sich wie ein Bedürftiger verhalten, sagte Graber – und dies gegenüber einer Fremden, einer Heidin. «Er scheute sich nicht, sich von dieser Frau abhängig zu machen. Damit zeigt er uns, dass wir nicht warten sollen, bis die Bedingungen ideal sind für eine Grenzüberschreitung.» Auf die Frage der Frau, wie denn Jesus als Jude sie um Wasser bitten könne, antwortete er offensiv. Graber: «Er will sich nicht vor Unreinheit schützen, indem er Grenzen und Mauern errichtet, sondern er vermittelt Leben.»

Nicht die Unreinheit, sondern die Heiligkeit Gottes, die Kraft des Lebens in Christus, seien da ansteckend, betonte die Theologin. Jesus habe sich in der Folge auch der dunklen Seite der Existenz der Samaritanerin zugewandt. «Christus begegnen bedeutet, dass wir der Wahrheit über unser Leben begegnen – einer Wahrheit, die wiederherstellt und neue Beziehungen ermöglicht.»

Vom Neben- zum Miteinander

Die Reformierten hierzulande haben sich in den letzten Jahren der Täuferverfolgung des 16. bis 18. Jahrhunderts gestellt, bei der sie mitwirkten. Derweil gingen mennonitische Fachleute daran, die Geschichte des Täufertums seit 1850 aus globaler Perspektive darzustellen; 1851 reiste der erste Mennonitenmissionar nach Indonesien. Fünf Kontinentalbände, von Historikerteams erstellt und mit zahlreichen Geschichten («oral history») angereichert, erscheinen auf Englisch und in

Übersetzungen. Hanspeter Jecker, Neal Blough und Alle Hoekema erläuterten in einem Workshop, wie sie für den Europa-Band mit national(istisch) gefärbten Sichtweisen rangen. Eine deutliche Mehrheit der Mennoniten lebt heute ausserhalb der westlichen Länder. Von dort migrieren manche nach Europa und beleben die alteingesessenen Gemeinschaften. In Paris und Barcelona erfolgten Neugründungen von Gemeinden. Hanspeter Jecker vom Ausbildungs- und Tagungszentrum Bienenberg bei Liestal bezog täuferische Identität auf Geschichte: «Wenn wir ein weltweiter Leib sind, gehört das Wissen über Geschichte in Afrika auch für europäische Mennoniten dazu.»

Bewegendes aus aller Welt

Die Spannungen zwischen verfolgten Berner Täufern und holländischen Mennoniten nach 1700 brachte Jecker am Freitagabend auf die grosse Bühne, indem er den damaligen Täuferlehrer Hans Bürki mimte. Die Holländer, in Freiheit lebend, wollten die Berner freikaufen, doch Bürki und andere, eingekerkert und verbannt, kehrten zurück und riskierten Kopf und Kragen, um den geistlich suchenden Menschen in ihrer Heimat weiter zu dienen. Den Höhepunkt des Abends bildete der Bericht von Daniel und Joji Pantoja. Das Paar aus den Philippinen, das in Nordamerika die mennonitische Friedenstheologie kennenlernte, hat nach jahrzehntelangem Konflikt mit muslimischen Rebellen auf Mindanao Gespräche ermöglicht und Verständigung angebahnt. PETER SCHMID

Mennoniten-Konferenzen in der Schweiz Im Anschluss an die MERK 2012 treffen sich 120 Vertreter aus 50 Ländern zur Mennonitischen Weltkonferenz im Emmentaler Dorf Sumiswald. Und vom 28. bis 30. Mai schliesslich finden auf St. Chrischona die

2. bilateralen Dialoggespräche zwischen mennonitischen Theologen und den Siebenten-Tags-Adventisten statt. www.merk2012.ch

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Ein «Glas Wasser» öffnet Herzenstüren JOURNAL FREIWILLIGE BETREUUNG Im «Café International» in Uetendorf bei Thun gibt es keine

Speisekarte. Hier werden Asylsuchende regelmässig zu Gespräch und Spiel eingeladen. «Die Ankündigung im Dezember 2011, dass 50 Asylanten nach Uetendorf kommen, sorgte für gemischte Reaktionen», erinnert sich Fritz Gugger. Dann traf eine zentrale Aussage der Weihnachtspredigt sein Herz: «Und es war kein Raum in der Herberge.» Der 73-Jährige hat Mitglieder von anderen christlichen Gemeinden am Ort kontaktiert. Und staunte über die grosse Bereitschaft, «etwas» zu machen. «Wir sind überzeugt, dass wir diesen Menschen als Christen begegnen müssen», betont er.

Niemand sonst könnte das tun

Seit Anfang Jahr treffen sich am Mittwochnachmittag rund 30 Menschen dunkler Hautfarbe im «Café International». Ein Team von Freiwilligen hat ein Zvieri vorbereitet und nimmt sich Zeit für das ungezwungene Zusammensein bei Gespräch und Spiel. «Wir wollen diesen Menschen nach biblischem Vorbild ‹ein Glas Wasser› geben, ihnen unsere Aufmerksamkeit und Liebe zeigen»,

«Café International»: In der farbigen Strickjacke Initiator Fritz Gugger.

beschreibt Fritz Gugger das Anliegen. Das Angebot von kostenloser Literatur in verschiedenen Sprachen wird von den Gästen geschätzt. Die Aktion wurde mit dem verantwortlichen Betreuer der Asylsuchenden abgesprochen. Dieser meinte zu Fritz Gugger: «Sie machen etwas, das die professionelle

Betreuung nicht tun kann.» Was aus der Aktion wird, ist offen. Voraussichtlich im Juni werden die Asylsuchenden ihr jetziges Domizil verlassen. Bis dahin macht das Freiwilligenteam in Uetendorf weiter. Guggers Weihnachtserlebnis hat auch in den Herzen von Mitchristen etwas bewegt. THOMAS FEUZ

THEOLOGIE An Pfingsten feiert die Gemeinde die Ausgiessung des Heiligen Geistes. Das Institut für Gemeindebau und Weltmission (IGW) hat 13 Thesen zum Thema aufgestellt.

Aktiv handelnd und göttlich

Eine Vernachlässigung der Lehre vom Heiligen Geist führe zu theologischen Einseitigkeiten, heisst es etwa in den Thesen. Der Heilige Geist sei als dritte Person der Dreiidea Spektrum 21.2012

Der Evangelische Buchhandel macht mobil: Mit grosser Mehrheit beschlossen die Verbandsmitglieder eine Umwandlung in die «Interessengemeinschaft Evangelischer Buchhandlungen und Verlage» (IG EBV). Künftig können auch Privatpersonen, Organisationen und Firmen, die nicht direkt im Buchhandel tätig sind, an den Treffen der IG EBV teilnehmen. Eingeladen sind alle, denen die flächendeckende Versorgung und Verbreitung christlicher Bücher und Bibeln ein Anliegen ist. (idea)

Für die Kirchensteuer

Den Heiligen Geist neu entdecken «Theologie und Kirche, Pastoren und Gemeindeglieder, Doktoren und ehrenamtliche Mitarbeitende bedürfen der Führung des Heiligen Geistes», betont IGWRektor Fritz Peyer-Müller. Das Thema Heiliger Geist werde sowohl in der Theologie als auch in der Gemeindepraxis oft zu wenig beachtet. Die «13 Thesen zur missionalen Pneumatologie» wollen einen Beitrag dazu leisten, «die Tat, Kraft und Dynamik des Heiligen Geistes in Leben und Lehre neu zu entdecken», so Peyer.

Aus VEBV wird IG EBV

einigkeit «ebenso aktiv handelnd und göttlich wie der Vater und der Sohn». Der Heilige Geist offenbare «das Wesen und Werk Gottes», durch ihn gewinne «die missionarische Kirche immer wieder neu ihre Identität und Kraft». Die Wirkung des Geistes sei aber nicht an die «Präsenz der Kirche» gebunden. «Der Heilige Geist wirkt unter und an allen Menschen» und schaffe dadurch die Voraussetzung für das Erlösungshandeln Gottes. Die Thesen wurden im Rahmen des «IGW-Think-Tanks» im Januar 2012 formuliert. Sie basieren auf einer Vorarbeit von Heinrich Christian Rust, Matthias Wenk und Urs Schmid.

Gebetsreise im Kanton Uri

16 Christen aus sieben Kantonen verbrachten das Auffahrtswochenende in der Fürbitte für den Kanton Uri. Das Programm umfasste Wanderung, Biketour, Sozialeinsatz, Umfragen und eine Gebetsnacht, die von Teilnehmern aus allen drei Freikirchen des Kantons besucht wurde. Die Gebetsreise wurde von «Vision Schweiz», der Inlandmission der Freien Evangelischen Gemeinden, durchgeführt. (idea) www.feg-altdorf.ch

Kirchliche Leistungen

CHRISTOF BAUERNFEIND www.igw.edu/downloads/

Im Blick auf die kantonale Abstimmung über die Kirchensteuer lancieren die beiden Zürcher Landeskirchen gemeinsam eine Kampagne. Die Initiative der Zürcher Jungfreisinnigen fordert die Abschaffung der Kirchensteuer für Unternehmen, was Mindereinnahmen von 100 Millionen Franken bedeuten würde. Kirchensteuern werden im Kanton Zürich nicht für kultische, sondern insbesondere für soziale Zwecke eingesetzt. (idea)

«Der Heilige Geist wirkt unter und an allen Menschen.»

Die Landeskirchen der beiden Appenzeller Kantone erbringen im gesellschaftlich-sozialen Bereich Leistungen von vier Millionen Franken jährlich. Das geht aus einer Studie der Fachhochschule St. Gallen zur Erhebung und Bewertung der kirchlichen Leistungen hervor. Zu den rund 90 Vollzeitstellen kommt die ehrenamtliche Tätigkeit mit 12 700 Arbeitstagen pro Jahr. Das Angebot könne nur durch ein noch grösseres ehrenamtliches Engagement aufrechterhalten werden, teilt die Agentur ref.ch mit. (idea) Bilder: idea/tf, zvg


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P u bl i r e P or tag e

UNSER AUFTRAG – IHRE MISSION

Nachhaltige Hilfe. Durch Arbeitslosigkeit und fehlende staatliche Unterstützung werden zahlreiche Eltern in Osteuropa zur Auswanderung gezwungen. Allein in Moldawien vegetieren heute Zehntausende von ihren Eltern im Stich gelassene Kinder dahin, ihrem Schicksal überlassen. Die Stiftung Pro Adelphos ist der Schweizer Zweig des international tätigen Hilfswerks Mission Without Borders. Wir sind in ein funktionierendes, eingespieltes Netzwerk eingebunden. Seit 50 Jahren kümmern wir uns in den verarmten Ländern Osteuropas um die Ärmsten. Stiftung Pro Adelphos Palmstrasse 16 8400 Winterthur Telefon Fax

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Unsere erfahrenen Mitarbeiter vor Ort erbringen unspektakuläre, nachhaltige Hilfe. Sie ist seit jeher darauf angelegt, die grösste Not unverzüglich zu lindern und danach die Menschen Schritt für Schritt in ein unabhängiges Leben zu führen. Dank jahrzehntelanger Erfahrung ist es uns möglich, selbst in ausweglos scheinenden Situationen gangbare Wege zu finden. In einer ersten Phase decken wir vor allem Grundbedürfnisse ab, bringen Grundnahrungsmittel, Hygieneartikel und Kleider und leisten medizinische Versorgung. Wo nötig, besorgen wir Sehhilfen und finanzieren Augenoperationen. Auch dringendsten Unterhalt an Wohnungen, wie Reparatur von Fenstern, Wasserleitungen und anderem, lassen wir ausführen. Anlässlich der periodischen Besuche durch unsere Mitarbeiter werden alle Lebensfragen besprochen. Seelischer Beistand und moralische Unterstützung sind das Rückgrat jeglicher Hilfe

zur Selbsthilfe. Wir führen die vereinsamten Menschen aus ihrer Isolation heraus und lehren sie, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Dies in Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden und Seite an Seite mit ausgewählten Kirchgemeinden. Deren zahlreiche freiwillige Mitarbeiter bilden wir für die verschiedensten Aufgaben sorgfältig aus und begleiten sie auch in ihrer Arbeit.

So können Sie unseren Auftrag zu Ihrer Mission machen: Mittels einer spontanen Spende, durch eine Familien- oder Kinderpatenschaft mit direkter Beziehung zu den Unterstützten oder mittels einer Patenschaft für ein Gemeinschaftszentrum ohne direkte Beziehung.

In den Gemeinschaftszentren betreuen wir besonders gefährdete Menschengruppen allen Alters: abgesonderte Betagte, in Elend geratene Familien, Behinderte, Kriegsgeschädigte, vor allem aber sehr viele verstossene Kinder. Ihnen fehlt es an allem, auch an grundlegendem Wissen über das Leben: Selbstannahme, Vertrauen, Umgang mit anderen, Übernahme von Verantwortung. Dank der Ergänzung unserer Arbeit durch die freiwilligen Mitarbeiter der Kirchgemeinden wird jeder Spenderfranken aufgewertet.

Dank Ihnen. idea Spektrum 21.2012


e n t w ic k lu ng sh i l f e

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«Mini-Farmen» als grosse Hoffnung für den Osten HILFE ZUR SELBSTHILFE Die Medien vermitteln uns täglich Bilder und Eindrücke des Leidens und Sterbens. Wer hilft

jenen Menschen, die zwar ein Stück Land besitzen, aber weder Wissen noch Geld zum Aufbau einer eigenen Existenz haben? Das Rezept der Stiftung Pro Adelphos heisst: Starthilfe zu einem kleinen Landwirtschaftsbetrieb. «Vielen Familien in Osteuropa wird vom Staat ein Stück Land zugewiesen», erklärt Franz Michel. «Trotzdem leiden diese Menschen bittere Not, weil ihnen die Mittel zum zweckmässigen Bearbeiten des Landes einfach fehlen.» Der 59-Jährige ist seit anderthalb Jahren Geschäftsleiter der Stiftung Pro Adelphos in Winterthur. Das christliche Hilfswerk für Osteuropa ist Teil des international tätigen Hilfswerks «Mission Without Borders» (Mission ohne Grenzen). Seit mehr als 50 Jahren ist «Mission Without Borders» unter den ärmsten Menschen der verarmten Länder Osteuropas tätig.

en an und begleiten sie mit unserem Rat auf ihrem Weg in die Eigenständigkeit.» Bei den periodischen Besprechungen werden offene Fragen beantwortet, Erfahrungen und Anregungen vermittelt. Auch moralische Unterstützung und seelischer Beistand gehören zum Angebot. Das Hilfswerk Pro Adelphos ist in enger Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden mit ausgewählten Kirchgemeinden aktiv. Freiwillige Mitarbeitende werden für die verschiedensten Aufgaben ausgebildet und in ihrer Arbeit begleitet.

Eine gute Saat geht auf

Grenzenlose Not – trotz Besitz

Die Praxis der staatlich organisierten Umsiedlungen von ganzen Bevölkerungsgruppen während des Kommunismus war häufig mit der Vergabe eines Stück Lands verbunden, das die neuen «Besitzer» nach ihrem Ermessen bewirtschaften konnten. Das jedoch stellte sich immer wieder als grosses Problem heraus. Noch schwerwiegender ist ein Phänomen der Neuzeit: Infolge Arbeitslosigkeit und fehlender staatlicher Unterstützung wandern zahlreiche Erwachsene aus Osteuropa aus. «Allein in Moldawien vegetieren heute Zehntausende von ihren Eltern im Stich gelassene Kinder dahin, ihrem Schicksal überlassen», weiss Franz Michel.

Kuh ist unerschwinglich

Peter Schöni, Verantwortlicher bei Pro Adelphos für Materialspenden, sagt: «Zahlreiche Familien haben zwar ein Stück Land, aber kein Geld, um eine kleine Scheune zu bauen oder ein paar Hühner oder Kaninchen zu kaufen. Ein eigenes Schwein oder eine Kuh sind meist unerschwinglich. Die meisten können sich auch keine Samen leisten und auch nicht einfache Werkzeuge, um den Boden zu bebauen.» Der 33-Jährige kennt die Situation aus zahlreichen Berichten vor Ort. Immer wieder durften diese erleben, wie eine bescheidene Anstossfinanidea Spektrum 21.2012

«Die Resultate sind ermutigend. Die von uns unterstützten Notleidenden lernen ihr Überleben als Selbstversorger sicherzustellen. Wir verhelfen diesen Menschen nicht nur zu einer sinnvollen Arbeit, sondern auch zur Selbstannahme und zu neuem Lebensmut. Sie werden ermutigt, Verantwortung für ihre Mitmenschen und die Gesellschaft zu übernehmen», sagt Franz Michel. «Jeder einzelne Einsatz ist ein Säen auf Hoffnung», ergänzt Peter Schöni. Die Mitarbeitenden bei Pro Adelphos bleiben ihrer Aufgabe, ihrer Mission, treu. Unspektakulär und nachhaltig.

Emsig werden wie die Bienen: Die Hilfe von Pro Adelphos verhilft vielen Familien zu einem bescheidenen Grundeinkommen, Hoffnung und Menschenwürde.

zierung Früchte trug – in Garten und Feld, aber auch in den Herzen der Empfängerfamilien.

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Damit der Start gelingen kann

Wie geht «Mission Without Borders» vor? «In einer ersten Phase werden die Grundbedürfnisse abgedeckt», erklärt Peter Schöni. «Wir versorgen die Menschen mit Grundnahrungsmitteln, Hygieneartikeln und Kleidern. Wo nötig, leisten wir medizinische Versorgung, besorgen Sehhilfen oder finanzieren Augenoperationen.» In dieser Phase werden auch Unterhaltsarbeiten an Wohnungen erledigt, beispielsweise das Auswechseln kaputter Fensterscheiben oder das Reparieren defekter Wasserleitungen. Mitarbeiter vor Ort entwickeln mit jeder Familie einen Plan, wie ihre Ziele erreicht werden kön-

Das ist die Starthilfe

nen. Dabei steht nicht die Abdeckung der dringendsten Nöte im Vordergrund, sondern der längerfristige Anstoss zu Hoffnung und Menschenwürde. «Mit einem Startkapital von rund 4000 Franken für den Aufbau einer ‹Mini-Farm› können wir für eine Familie das Notwendigste anschaffen. Dazu gehören Baumaterial, Werkzeuge, einige Hühner und Bienen, ein Schwein oder eine Kuh. Wir leiten die Famili-

Das Projekt von Pro Adelphos hilft den Bedürftigen mit Rat und Tat. Die Hilfe zum Aufbau einer kleinen Landwirtschaft besteht aus: Baumaterial für Stall, Treibhaus und kleine Scheune, landwirtschaftliche Geräte, einige Bienenstöcke und die Ausbildung zum Imker, mehrere Hühner als Grundlage für den Neubeginn und ein bescheidenes Einkommen sowie, je nach Situation, einige Schweine oder eine Kuh. Nachdem die erste Not gelindert ist, werden die Menschen Schritt für Schritt in ein unabhängiges Leben geführt. Die Autorin ist Nationalrätin der EVP und www.proadelphos.ch wohnt in Winterthur. Bilder: zvg


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Christliche Fachkräfte gesucht – sogar für China und Nordkorea WELTMISSION 1.500 Interessierte informierten sich bei einer Konferenz für Weltmission in Stuttgart.

F

ür die Dritte Welt werden dringend christliche Fachkräfte gesucht, zum Beispiel Agrarexperten, Lehrer, Mediziner und Sozialpädagogen. Das wurde auf der Konferenz für Weltmission an Christi Himmelfahrt in Stuttgart geäußert. Veranstalter waren die evangelischen Organisationen „Christliche Fachkräfte International“ (CFI), „Hilfe für Brüder International“ und „CoWorkers International“ (alle Stuttgart). Wie der Leiter der drei Werke, Ulrich Weinhold, gegenüber idea sagte, biete allein

Universität in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang benötigt. Im Osten der Demokratischen Republik Kongo warte ein Krankenhaus auf eine Hebamme, und in Haiti und Uganda brauche man Physiotherapeuten. Die Ausreise von Entwicklungshelfern wird von „Christliche Fachkräfte International“ organisiert, für Personen im Rentenalter – Senior-Experten – ist „CoWorkers“ zuständig. Dieser Dienst vermittelt auch Jugendliche zu einjährigen Einsätzen, etwa als Bauhelfer oder Sprachlehrer.

radikal-islamischer Parteien korrupt seien. So habe sich ein bekannter Salafist mit verbundenem Gesicht fotografieren lassen und behauptet, politische Gegner hätten ihn zusammengeschlagen. Doch ein Arzt einer christlichen Klinik habe Dokumente vorgelegt, aus denen hervorging, dass der Salafist eine Schönheitsoperation machen ließ. Durch solche Vorkommnisse verlören die Islamisten an Glaubwürdigkeit.

„Gott will die Not lindern“ – und zwar durch uns Christen

Der Leiter dreier Werke, Ulrich Weinhold, spricht vor der Weltmissionskonferenz.

CFI 24 offene Stellen an. Außerdem lägen 30 weitere Bitten von Kirchen vor, Fachkräfte zu entsenden. So werde dringend ein Deutschlehrer gesucht, um an einer chinesischen Universität in der Inneren Mongolei Germanistik zu unterrichten und zugleich bei der Übersetzung der Bibel in die mongolische Sprache zu helfen. Das Neue Testament sei gerade fertiggestellt worden. Mit staatlicher Erlaubnis könne es ungehindert verbreitet werden.

Fotos: Andreas Stein

Mehr als eine Milliarde Chinesen landen in der Hölle, wenn … Dies sei eine wichtige Voraussetzung dafür, dass mehr Chinesen Christen werden. Offiziellen Angaben zufolge seien dies bisher etwa 80 Millionen. Das bedeute aber auch, dass „mehr als eine Millarde Chinesen in der Hölle“ endeten, wenn sie nicht zum Glauben an Jesus Christus fänden. Weitere Deutschlehrer würden für die Christliche 21.2012

Auch über 70-Jährige im Einsatz Am Schluss der Konferenz wurden 15 Entwicklungshelfer und 50 „Co-Workers“ ausgesandt. Zwei der in China und Malawi (Südostafrika) tätigen Senioren haben bereits das 70. Lebensjahr überschritten.

Hoffnung in Ägypten Wie der ägyptische Christ Bascha, der ein evangelikales Zentrum in Kairo leitet, auf der Konferenz berichtete, haben die dortigen Kirchen frühere Spannungen beigelegt und durch ein gemeinsames Auftreten an Ansehen gewonnen. In der Bevölkerung werde zunehmend wahrgenommen, dass Christen sich um Verletzte kümmerten, Hungrige speisten und die Hoffnung auf ein besseres Leben wachhielten. Zugleich stelle sich heraus, dass einige Führer

Der Direktor der österreichischen Bibelschule Tauernhof, Hans Peter Royer (Schladming), sagte den Konferenzbesuchern, sie sollten nicht in die Klage einstimmen, warum Gott Leid und Ungerechtigkeit zulasse, sondern sich stattdessen Gott zur Verfügung stellen: „Gott will die Not lindern – durch euch“. P

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Islamist darf auftreten, Islamopfer nicht MEDIEN Die ARD-Sendung „Menschen bei Maischberger“ lud eine Islamkritikerin aus. Dagegen konnte ein Salafist reden.

Z

u Kritik hat geführt, dass eine Islamkritikerin aus der ARD-Sendung „Menschen bei Maischberger“ am 15. Mai ausgeladen wurde. Sie befasste sich mit dem Thema „Die Salafisten kommen: Gehört dieser Islam zu Deutschland?“. Zu den Studiogästen gehörte auch der radikal-islamische Salafist Imam Scheich Hassan Dabbagh (Leipzig). Ursprünglich sollte als Gegenpart die vom Islam zum Christentum übergetretene Anzeige

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Sabatina James mitwirken. Sie wurde jedoch vor der Sendung ausgeladen. James sagte gegenüber idea: „Ich erhielt am Wochenende einen Anruf der Re- Sabatina James daktion, in dem man mir mitteilte, ich sei für die Sendung nicht mehr vorgesehen. Man wolle die Runde ‚politischer‘ gestalten und da passe meine Geschichte nicht hinein.“ James hält diese Begründung für eine Ausrede. Tatsächlich hätten die Verantwortlichen ein Problem mit ihrer Kritik am Islam. James warnt seit Jahren vor der Religion, die in ihren Augen nur Unterdrückung bedeute: „Doch diese Meinung ist nicht gewünscht. In der Sendung war niemand, der ein islamistisches Regime erlebt hat oder Erfahrungen mit dem Wahhabismus hat.“ Sie sollte als junges Mädchen in Pakistan zwangsverheiratet werden. Doch sie konnte fliehen und wurde Christ. Seitdem lebt sie aufgrund von Morddrohungen an verdeckten Orten. Die Redaktion der Sendung „Menschen bei Maischberger“ gab seit 14. Mai trotz mehrmaliger Anfragen seitens idea keine Stellungnahme zu der Frage ab, warum James ausgeladen wurde.

Scharfe Kritik der CDU/CSU Menschenrechtssprecherin Die Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe, Erika Steinbach (Frankfurt am Main), sagte auf idea-Anfrage: „Durch gezielte Denunziation ist es den Salafisten gelungen, eine ihrer argumentativ stärksten Gegnerinnen aus der Sendung fernzuhalten. Die Methode islamistischer Propaganda, Islamkritiker durch Verbreitung von Lügen zu diskreditieren, funktioniert.“ Steinbach mahnt: „Das sollte uns mehr als nur eine Warnung sein. Auf diese Weise wird unsere Meinungsfreiheit unterwandert, Andersgläubige werden gezielt mundtot gemacht.“ P

NOTIERT Frankreich: Neuer Präsident mit evangelischen Wurzeln Der neue französische Präsident Franςois Hollande soll protestantische Wurzeln haben, heißt es in einer letzte Woche in Frankreich erschienenen Biografie des Sozialisten. Laut Autor Serge Raffy seien Hollandes Vorfahren im 16. Jahrhundert vor der Verfolgung durch Katholiken aus den Niederlanden geflüchtet, wurden dann später aber selbst katholisch. Vater und Mutter des 1954 geborenen Präsidenten sind jedenfalls Katholiken. Während der Vater politisch auf äußerst rechtem Flügel aktiv ist, sieht sich die Mutter als Sozialistin. Der Vater schickte seinen Sohn auf eine katholische Privatschule. Franςois Hollande Dieser sagte Ende des Jahres gegenüber einer katholischen Zeitschrift: „Ich praktiziere keine Religion, aber ich achte alle Konfessionen. Meine Konfession ist es, keine zu haben.“

Elsass: Jesus-Marsch Rund 1.000 Christen aus Frankreich und Südwestdeutschland haben mit einem „Marsch für Jesus“ durch Straßburg ein Zeugnis für den christlichen Glauben abgelegt. Auf Transparenten zeigten die Teilnehmer Jesus-Worte aus der Bergpredigt. Vor dem Europarat und an zentralen Orten in der Innenstadt beteten sie für die EU und ihre Politiker. Der Zug wurde von 5 Lastwagen begleitet, auf denen Musikgruppen christliche Lieder spielten. Nach Angaben des Präsidenten des Organisationskomitees, Daniel Rivaud, gehörten die Teilnehmer überwiegend evangelikalen Gemeinden an, aber auch Lutheraner, Reformierte und Katholiken hätten sich beteiligt. b www.marchepourjesus.org Fotos: Hollande/imago; übrige/PR

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Missionare mussten vor Islamisten in Westafrika fliehen MALI Missionswerke evakuieren Stationen im Norden des Landes – 284.000 Flüchtlinge

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on den kriegerischen Auseinandersetzungen im westafrikanischen Mali sind auch evangelikale Missionswerke betroffen. Am 22. März hatte das Militär gegen den Präsidenten Amadou Toumani Touré geputscht. Begründung: Die Regierung sei unfähig, eine Rebellion im Norden des Landes zu beenden. Wenige Tage später brachten die Rebellen – darunter radikal-islamische Kämpfer der „Maghreb Al-Kaida“ – das nördliche Mali unter ihre Kontrolle. Das Missionswerk „Neues Leben Ghana“ (Fürth/Odenwald) musste deshalb in dem besetzten Gebiet drei Missionsstationen evakuieren. Geräumt wurden eine Bibelschule in Timbuktu und zwei Schulen in Bambara und Botha. Mit einem der letzten Lastkraftwagen seien Bibel- und Internatsschüler sowie etwa 30 Mitarbeiter in Sicherheit gebracht worden, berichtete

Mali 14 Millionen Bürger Muslime Naturreligionen Christen

87,0 % 10,0 % 2,6 %

Blick vom Dach der Bibelschule

Missionsleiter Georg Stoll. Nach dem Fall Timbuktus sei es dort zu Morden an der Zivilbevölkerung gekommen. Nach Augenzeugenberichten seien Menschen umgebracht worden, weil sie sich nicht an die islamische Gesetzgebung, die Scharia, gehalten hätten. Darunter seien zwei Frauen gewesen, die Hosen getragen hätten.

Allianz-Mission: Ausgereist Die Allianz-Mission des (deutschen) Bundes Freier evangelischer Gemeinden hat ihre Mitarbeiter aus Sicherheitsgründen aus Mali abgezogen. Drei Familien seien nach Deutschland zurückgekehrt und eine halte sich im Nachbarland Burki-

na Faso auf, teilte Missionsleiter Erhard Michel (Dietzhölztal/Mittelhessen) mit. Nach seinen Worten gibt es auch Schießereien in der Hauptstadt Bamako. Man hoffe, die Arbeit in Mali fortsetzen zu können. Nach Angaben der Hilfsorganisation „Caritas International“ verschlechtert sich im Norden die Sicherheitslage für die Zivilbevölkerung immer mehr. Lokale Caritas-Partner berichteten von 284.0000 Flüchtlingen aus der Krisenregion. 177.000 seien in die Nachbarländer Niger, Algerien, Burkina Faso und Mauretanien geflohen. P

b www.nl-ghana.de • 06253 932357 www.allianz-mission.de • 02774 93140

Neue Funde bestätigen die Bibel ISRAEL Neue Funde nahe Jerusalem sollen beweisen, dass Salomo und David über ein großes Reich herrschten – und damit die Bibel bestätigen.

Fotos: PR

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s handelt sich um kultische Gegenstände, die der Archäologe Jossi Garfinkel in der antiken Festung Elah in Khirbet Qeiyafa etwa 30 Kilometer südwestlich von Jerusalem ausgrub. Darunter sind drei Schreine, Opferkelche und Keramiken. Der an der Hebräischen Universität in Jerusalem lehrende Professor datiert die Kultgegenstände in die Zeit von 1020 bis 980 vor Christus, in der laut Bibel David und Salomo regierten, und ordnet sie jüdischen Bräuchen zu. Dass in einem Gebäude zahlreiche Knochen von Schafen, Ziegen und Kühen gefunden wurden, aber keine Überreste von Schweinen und auch keine menschlichen Abbilder, ist 21.2012

für Garfinkel ein Beweis dafür, dass es sich um eine jüdische Festung handelte. Damit sei die Behauptung des Direktors des Archäologischen Instituts der Universität Tel Aviv, Israel Finkelstein, widerlegt, dass es kein Großreich unter König David gegeben habe, so Garfinkel. Finkelstein betrachtet die biblischen Geschichten als mythologische Erzählungen mit der Begründung, dass es keine archäologischen Hinweise auf David und Salomo als mächtige Herrscher gebe. Wie der deutsche Journalist Ulrich Sahm (Jerusalem) in der „Jüdischen Allgemeinen“ schreibt, hätten die Erläuterungen Garfinkels „recht überzeugend“ geklungen.

Der Archäologe Jossi Garfinkel mit einem Artefakt aus der Zeit König Davids

Es wäre toll … Nach Ansicht des deutschen Archäologen Peter van der Veen (Schorndorf bei Stuttgart) wäre es „toll, wenn Garfinkel recht hätte“, weil dann der Streit um die geschichtliche Wahrheit biblischer Berichte entschärft wäre. Allerdings werde Garfinkels Datierung von namhaften Wissenschaftlern bestritten, so van der Veen gegenüber idea. P


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N AC H R IC H T E N

Islamisten: Journalisten und Rechte töten! TERROR Extremistische Muslime wollen in Deutschland offenbar zunehmend Schrecken verbreiten. Nach gewaltsamen Attacken radikal-islamischer Salafisten auf Polizisten bei Protesten gegen die RechtsaußenPartei „Pro NRW“ (die Abkürzung steht für Nordrhein-Westfalen) sorgt ein Mordaufruf für Entsetzen.

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eil Mitglieder der Partei MohammedKarikaturen gezeigt haben, fordert der Islamist Yassin Chouka per Video: „Ihr solltet die Mitglieder von Pro NRW alle töten.“ Er ruft auch dazu auf, Journalisten zu ermorden. Sie hätten „unter dem Deckmantel der neutralen Berichterstattung“ wieder die Karikaturen veröffentlicht: „Auch dies dulden die Anhänger Mohammeds nicht!“ Der Generalbundesanwalt ermittelt nun gegen den Islamisten wegen Anstiftung zu einer Straftat.

Islamexperte: Damit zeigt der Salafismus sein wahres Gesicht Der Vorsitzende des Islam-Arbeitskreises der Deutschen Evangelischen Allianz, Ulrich Neuenhausen (Bergneustadt bei Köln), sagte gegenüber idea, damit zeige der Salafismus sein wahres Gesicht. Laut Neuenhausen – er ist im Hauptamt Leiter des Forums Wiedenest (früher Missionshaus Bibelschule Wiedenest) – muss man den Koran nicht zwangsläufig so auslegen, wie es die Salafisten tun. Allerdings sei dies ohne große Mühe möglich. Der Staat dürfe ge-

Eine Abbildung des islamistischen Aufrufs im Internet-Videodienst YouTube

genüber einem gewalttätigen Islam nicht kapitulieren. Die Salafisten haben nach Schätzung des Verfassungsschutzes etwa 3.800 Anhänger in Deutschland. Sie treten für die absolute Geltung des islamischen Religionsgesetzes, der Scharia, ein.

Drohung mit Terroranschlägen Gegen den Islamisten Chouka und seinen Bruder Mounir wird bereits seit längerem wegen der Mitgliedschaft in einer terro-

Wohin zu Pfingsten? Eine Auswahl von protestantischen Treffen über das Pfingstwochenende (soweit idea mitgeteilt): 1 Winterthur 26. 5.: Pfingstkonzert mit „Afro Gospel“ 076 307 17 09 • www.afrogospel.ch

Suhr Aarau Reconvilier 23 5 Oberägeri 8 Bern

2 Aarau 25.–27. 5.: Pfingstkonferenz der Freien Christengemeinde 062 822 44 44 • www.fcgaarau.ch 3 Suhr 27. 5., 19.30 Uhr: Pfingstkonzert mit Andrea und Albert Adams-Frey • 044 784 85 50 www.profile-productions.ch

ristischen Vereinigung ermittelt. Sie werden mit internationalem Haftbefehl von deutschen und US-Behörden gesucht. Die Brüder hatten Deutschland 2007 verlassen und sich in Pakistan der Terrorgruppe „Islamische Bewegung Usbekistans“ angeschlossen. In Video- und Audiobotschaften rufen sie immer häufiger zu Terroranschlägen in Deutschland auf. Per Internet sollen die Brüder mehrfach um Terrorkämpfer in Deutschland geworben haben. P

Winterthur

1 4 Männedorf 6 7 Amden

Rasa 9

4 Männedorf 26.–28. 5.: Pfingsttage mit Pfarrer Jakob Sturzenegger 044 921 63 11 • www.bibelheim.ch

6 Oberägeri 25.–28. 5.: Pfingsttage im Zentrum Ländli: „Pfingsten – Höhepunkt und Doppelpunkt“ 041 754 91 111 • www.laendli.ch

5 Reconvilier/Biel 25.–27. 5.: Pfingstkonferenz der Gemeinde für Christus (vormals EBV) • 031 770 71 11 • www.gfc.ch

7 Amden/Walensee 25.–28. 5.: Pfingsttagung „All meine Quellen sind in dir“ 055 611 23 33 – www.gebetshaus.ch

8 Bern 25.–28. 5.: Pfingstkonferenz von Vineyard „The Presence of God – Kraftvolles Leben“ mit Bill Johnson/USA und Martin Bühlmann 031 327 12 00 • www.vineyard-konferenz.ch 9 Rasa (Tessin) 25.–28. 5.: Pfingsttage • 091 798 13 91• www.camporasa.ch

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P RO & KON T R A

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Ist die charismatische Bewegung in einer Krise? PFINGSTEN Dieses Fest hat durch das Entstehen der charismatischen Bewegung eine Aufwertung erfahren, betont doch die Anfang der 60er Jahre entstandene Erneuerungsbewegung die Notwendigkeit des Heiligen Geistes. Doch mittlerweile heißt es, auch sie sei in eine Krise geraten.

Die charismatische Bewegung ist Teil der Krise der Kirche.

PRO

Die charismatische Bewegung hat im Bereich der evangelischen Kirche an Dynamik eingebüßt. In ihrer Anfangszeit war sie mit deutlich größerer Wirksamkeit verbunden; ebenso mit dem bemerkenswerten Versuch, charismatische Erfahrungen in theologisch angemessener Weise zu reflektieren. Heute spielen Impulse der charismatischen Bewegung in der EKD kaum eine Rolle. Mit resonanzstarken eigenen Medien tritt die Geistliche Gemeinde-Erneuerung (GGE) nicht in Erscheinung. In ihren Anregungen für eine Anbetungskultur leidet die charismatische Bewegung gewissermaßen an ihrem Erfolg: Junge Menschen schließen sich eher solchen Gruppen der Bewegung an, die kirchlich unabhängig („nondenominational“) und durch einen starken Enthusiasmus geprägt sind. Wenn über die zukünftige Gestalt von Kirche gesprochen wird, spielen Perspektiven der

Wir stecken nicht in der Krise, sondern haben einen bleibenden Auftrag.

Fotos: Hempelmann/idea/kairospress; übrige/privat

KONTRA

Zunächst einmal: Eine Krise ist per Definition keine Katastrophe, sondern birgt in sich die Chance einer Weiterentwicklung – wenn man sie nutzt. Zweitens gibt es sowieso nicht „die“ charismatische Bewegung und „die“ Charismatiker, sondern sehr unterschiedlich ausgerichtete Bewegungen und Personen – mit entsprechend unterschiedlichen Berufungen und Aufträgen: Es ist zu unterscheiden zwischen innerkirchlichen Erneuerungsbewegungen und freien charismatischen Gemeinden und Bewegungen. Vor diesem Hintergrund und im Blick auf die innerkirchlichen Erneuerungsbewegungen sage ich: Umbruch? Ja. Krise? Nein! Frühere innerchristliche Grabenkämpfe sind überwunden, und eine geistgewirkte Einheit zwischen Konfessionen wird immer normaler. Die Versöhnungswege in Vergangenheit und Gegenwart haben hier viel ermöglicht. Die 21.2012

Dr. theol. Reinhard Hempelmann (Berlin) ist Pfarrer der Evangelischen Kirche von Westfalen und Leiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen.

charismatischen Bewegung keine zentrale Rolle. Zudem hat die neocharismatische Bewegung das Erscheinungsbild dessen, was charismatisch genannt wird, unübersichtlich und diffus werden lassen: Verstand sich die charismatische Bewegung einst als „Therapieangebot“ für die Krise der Kirche in der Krise der Moderne, zeigt sich heute: Sie hat teil an dieser Krise, die nicht allein eine Mitgliederoder Finanzkrise, sondern auch eine Orientierungs- und Identitätskrise ist. Meines Erachtens sollte in dieser Situation der Mut bewahrt werden, den eigenen Weg jenseits erlebnisorientierter und zeitgeistkonformer Trends zu suchen. Der Dienst theologischer Arbeit ist nicht zu unterschätzen. Das Anliegen einer geistlichen Erneuerung der Kirche ist wichtig. Die Bitte um das Kommen des Geistes gehört zusammen mit der Bitte um die Erneuerung der Kirche. P

Pfarrer Henning Dobers (Hannoversch Münden) ist 1. Vorsitzender der (charismatischen) Geistlichen Gemeinde-Erneuerung (GGE) in der Evangelischen Kirche.

Haltung und Kultur des Lobpreises hat in vielen Gemeinden Einzug gehalten. Praktizierte Gabenvielfalt, verantwortliches Gebet für Kranke, Glaubenskurse, Segnungsgottesdienste, Hörendes Gebet, eine seriöse geistlich-theologische Beschäftigung mit ganz Israel – all das findet zunehmend und unaufgeregt Verbreitung. Auch der Umgang mit außergewöhnlichen Gaben ist gereift – einzelne Gemeinden und Gemeinschaften gehen diesen Weg. Dennoch: Eine geistlich erneuerte Theologie und Kirche, die mutig von falschen Wegen umkehrt und sich dem Wirken des Heiligen Geistes öffnet – das steht noch aus. Dies empfinde ich aber nicht als Krise, sondern als bleibenden Auftrag charismatischer Bewegungen. Erneuerung ist eben kein Sprint, sondern ein Marathonlauf – wahrscheinlich über Generationen hinweg. Da gab und gibt es kritische Wegstrecken. Aber eine ausgewachsene Krise – das ist etwas anderes! P


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IN T ERV IEW

Es gibt viele Versuche, den Heiligen Geist darzustellen: „Pfingsten“ (gemalt um 1375); als Taube im Bild „Gottvater“, gemalt von Paolo Veronese (1528–1588); oder wie „Die Bibel in Bildern“ (1860) die „Die Ausgießung des Heiligen Geistes“ sah (v. l.)

Der Stellvertreter Christi auf Erden PFINGSTEN Wozu brauchen wir den Heiligen Geist? Selbst vielen Christen ist das nicht klar. Sie

Herr Pastor Kopfermann, viele Theologen kommen ins Stammeln, wenn es um den Heiligen Geist geht. Können Sie ihn mir ganz einfach erklären? Gott existiert in drei Personen: Vater, Sohn und Geist. Der Heilige Geist ist die Person, die uns das Erlösungshandeln Jesu an Karfreitag und Ostern nahebringt, so dass wir daran glauben können, dass Jesus Christus für unsere Sünden gestorben und dass er auferstanden ist. Der Heilige Geist wird in der Bibel beschrieben als Wind, als Wasser, als Feuer, als Salböl und als Taube. Was ist er denn nun? Er wirkt in unterschiedlicher Weise, und er tut dies geheimnisvoll. All diese Bilder sind nötig, um das Ganze zu erfassen. Wind ist er, weil er in Unruhe versetzt und antreibt. Wasser ist er, weil er den geistlichen Durst stillt. Feuer ist er, weil er Leidenschaft erzeugt. Öl ist er, weil er mit Vollmacht ausstattet. Taube ist er, weil er im Unterschied zu Raubvögeln nicht gewaltsam kommt. Er bedroht nicht, auch wenn manche Christen ihn als bedrohlich empfinden. Warum? Der Heilige Geist ist die Seite von Gott, die westlichen Christen am fremdesten ist. Und was uns fremd ist, kann Ängste auslösen.

Wofür der Heilige Geist sorgt Dabei hat uns Jesus Christus den Heiligen Geist doch als Tröster versprochen (Johannes 14,26).

Durch die Anfang der 1960er Jahre in den USA entstandene und bald Europa erreichende charismatische Bewegung ist der Heilige Geist neu in den Mittelpunkt gerückt. Sie ist hierzulande vor allem organisiert in der Geistlichen Gemeinde-Erneuerung, die Wolfram Kopfermann in Deutschland von 1978 bis 1988 leitete. Dann trat der Pastor aus der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche aus und rief die freikirchlich-evangelikale Anskar-Kirche ins Leben (dazu wird er in einem 2. Teil des Interviews im Juni Stellung nehmen).

Mit der Mehrzahl der Bibelausleger würde ich die Übersetzung „Tröster“ nicht akzeptieren. Sie ist berühmt, aber sie ist nicht korrekt. Der Heilige Geist ist unser Beistand und Anwalt in der Auseinandersetzung mit der ungläubigen Welt. Und er sorgt dafür, dass Gottes Anliegen in uns zur Durchsetzung kommen, nachdem Jesus Christus nicht mehr auf der Erde ist. Ist der Heilige Geist der Stellvertreter Christi auf Erden? Ja, Jesus Christus kommt im Heiligen Geist zu uns. Dennoch ist der Geist nicht einfach Jesus in seiner nachösterlichen Gestalt, sondern eine eigene Person. Wie bekommt jemand den Heiligen Geist? Indem er umkehrt von seinem Weg ohne Gott, die Vergebung seiner Sünden annimmt und sein Leben Christus unterstellt. Dadurch bekommt er Verbindung zu Gott, dem Vater, und damit auch den Heiligen Geist. Ich glaube jedoch nicht, dass es ein bestimmtes geistliches Erlebnis wie die sogenannte Geistestaufe braucht, um den Heiligen Geist zu bekommen. Darin stimme ich mit den allermeisten heutigen „Pfingstlern“ überein. Bei der sogenannten Geisttaufe geht es um die Bevollmächtigung zum Dienst. Das ist aber etwas anderes als der grundlegende Geistempfang. In der römisch-katholischen Kirche gibt es das Sakrament der Firmung (für junge Mitglieder, ähnlich der evangelischen Konfirmation). Dabei wird unter Handauflegung und Salbung der Heilige Geist auf den Firmling übertragen. Was halten Sie davon? Im evangelischen Raum gibt es eine ähnliche Tradition, die auf den Reformator Martin Bucer (1491–1551) zurückgeht. Er verstand die Konfirmation auch als Geistempfang. Tatsächlich besteht in der Bibel ein Zusammenhang zwischen Geistempfang und Handauflegung. Nur ist dies bei der Firmung institutionalisiert – und das empfinde ich als eine Verengung. Das Neue Testament nennt mehrere Möglichkeiten für den Empfang des Heiligen Geistes: durch die Predigt, vor der Taufe oder bei der Taufe, mit Handauflegung und ohne – alle diese Möglichkeiten unterstreichen die Freiheit des Heiligen Geistes. „Der Geist weht, wo er will“, sagt Jesus (Johannes 3,8).

Fotos: akg; Kopfermann/Lothar Rühl

sehen ihn nicht als Basis ihres geistlichen Lebens. Doch das ist er, so Pastor Wolfram Kopfermann (74) aus Hamburg, einer der Väter der charismatischen Bewegung, im Gespräch mit Karsten Huhn.

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IN T ERV IEW

Ich übersetze das griechische Wort, das dort steht, wie auch andere Ausleger mit „Wind“. Denn Jesus gebraucht hier ein Gleichnis. Er spricht in diesem Gleichnis davon, wie der Außenstehende den wiedergeborenen Menschen erlebt – der ist nicht in seinem Woher und Wohin kalkulierbar.

Warum manchmal geistlich Ebbe ist Gibt es beim Heiligen Geist manchmal auch eine Flaute? Ich bin davon überzeugt, dass das Neue Testament von einem zweidimensionalen Geistbesitz spricht: 1. von dem Geist „in uns“, der uns zur Heiligung gegeben ist und dauerhaft in uns wohnt. Paulus sagt nie, dass der eine Christ weniger Heiligen Geist habe als der andere, sondern er spricht jedem Christen den Geist mit gleicher Intensität zu. Und 2. von dem Geist „auf uns“, der uns zum Dienst gegeben ist und stärker oder schwächer sein kann. „Lasst euch vom Geist erfüllen“, heißt es in Epheser 5,18. Das setzt voraus, dass es manchmal auch eine Ebbe geben kann. „Lasst euch vom Geist erfüllen“ – eine kuriose Aufforderung? So kurios wie die biblische Forderung, sich allezeit zu freuen oder allezeit dankbar zu sein. Offenbar gibt es einen menschlichen Anteil an Verantwortung. In Epheser 5,19–21 werden vier Ausführungsbestimmungen genannt, um sich vom Geist erfüllen zu lassen: 1. indem wir aus vollem Herzen dem Herrn singen; 2. indem wir den Herrn loben; 3. indem wir Gott allezeit danken; und 4. indem wir uns in der Ehrfurcht vor Christus einander unterordnen. Einerseits wird es uns also geschenkt, dass wir Gott loben können – andererseits können wir dem Heiligen Geist durch Loben und Danken einen Raum in uns anbieten, den er gerne nutzt.

Ich habe noch nie eine Sünde wider den Heiligen Geist erlebt Ein Rätsel ist auch die „Sünde wider den Heiligen Geist“ (Matthäus 12,31–32). Für mich ist es kein Rätsel. Legt man alle Bibelstellen dazu nebeneinander, ergibt sich für mich folgendes Bild: Wer die Vergebung der Sünden und die vielfältige Liebe Gottes erfahren hat und sich dann bewusst gegen seinen Erlöser wendet und von ihm lossagt, begeht die Sünde gegen den Heiligen Geist. Ich habe allerdings in meinem jahrzehntelangen Dienst als Pastor noch keinen Menschen getroffen, dem ich das hätte zusprechen müssen. Von der Sünde gegen den Heiligen Geist unterscheiden müssen wir die Lauheit oder Glaubenslosigkeit, der manche wiedergeborene Christen Jahre ihres Lebens Raum geben. Denn sie haben die innere Freiheit, zu Christus zurückzukehren – und viele haben das auch getan. Wird in der Verkündigung genügend über den Heiligen Geist gesprochen? Es kommt darauf an, ob die Erkenntnis „Wir können ohne den Heiligen Geist nichts tun“ nur ein theologisches Bekenntnis ist oder eine Lebenshaltung. Viel zu viele Leiter sehen den Heiligen Geist als eine Art Ergänzung ihres Dienstes – aber nicht als Basis. 21.2012

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Andererseits besteht die Gefahr der Überbetonung, wenn man alles dem Wirken des Heiligen Geistes zuschreibt. Das geistliche Leben kennt viele pathologische Entartungen. Ich habe deshalb immer viel Wert darauf gelegt, dass Christen Bodenhaftung behalten. Wir dürfen einfache Vorgänge nicht überhöhen und nicht unkritisch uns selbst gegenüber werden. Übergeistlichkeit ist für mich ein Schreckgespenst. In der Mehrzahl der Gemeinden wird der Heilige Geist in der Lebenspraxis jedoch unterbewertet.

Wir verlassen uns zu wenig auf den Heiligen Geist! Der evangelische Theologieprofessor Horst Georg Pöhlmann schreibt in seinem „Abriss der Dogmatik“: „Der Heilige Geist ist heute weithin der unbekannte Gott.“ Martin Luther hat in seinem Kleinen Katechismus den Satz „Ich glaube an den Heiligen Geist“ so ausgelegt: „Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann; sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten“. Das lässt sich unkompliziert lehren und ist auch nicht strittig. Strittig ist jedoch die Lebenspraxis. Wir verlassen uns zu oft auf uns selbst und zu wenig auf den Heiligen Geist. „Die Lehre vom Heiligen Geist scheint in die Freikirchen und Sekten ausgewandert zu sein“, heißt es bei Pöhlmann weiter. Das kann ich nicht bestätigen. Ich kenne viele Kollegen in der Volkskirche, die mit dem Heiligen Geist leben. Ob wir mit dem Heiligen Geist leben, scheint mir eher eine Frage zu sein, die quer durch alle Kirchen geht. Zugespitzt gesagt: Der Heilige Geist wird einmal im Jahr zu Pfingsten ausgepackt und bleibt für 51 Wochen in der Kiste. Die Frage ist: Was können wir von uns aus tun? Können wir als Verkündiger mit rhetorischen Mitteln, durch Bildhaftigkeit, praktische Beispiele, freie Rede usw. tiefere geistliche Prozesse anstoßen? Meine Überzeugung ist: Wir können es nicht. Wir können Menschen weder bekehren noch dazu bringen, ihr Gebetsleben tiefgreifend zu revolutionieren. Dazu braucht es das Wirken des Geistes. Wir brauchen ihn nicht wie einen Nachschlag nach einem guten, sättigenden Essen, sondern wir brauchen ihn ganz elementar.

Wer sündigt, beleidigt den Heiligen Geist „Den Geist dämpft nicht“, schreibt Paulus im 1. Thessalonicher 5,19. Wie lässt sich der Heilige Geist dämpfen? Der Heilige Geist bleibt nicht unberührt von dem, was wir tun. Wir können nicht einfach drauflos sündigen nach dem Motto „Macht ja nichts, der Geist verlässt mich sowieso nicht“. Sündiges Verhalten beleidigt, enttäuscht und betrübt den Heiligen Geist. Sieht man es jemandem an, ob er geisterfüllt ist? Es gibt Menschen, die sind von Haus aus extrovertiert und optimistisch. Andere sind still und nach innen gekehrt und können dennoch voll des Heiligen Geistes sein. Es gibt


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die berühmte Predigt „Sünder in den Händen eines zornigen Gottes“ des amerikanischen Erweckungspredigers Jonathan Edwards (1703–1758). Er hat dabei jegliche rhetorische Finesse vermissen lassen. Dennoch war es eine durchschlagende Predigt. Die Leute haben vor Sündenerkenntnis gezittert. Es war eine Predigt voll des Heiligen Geistes, obwohl Edwards kein Strahlemann war. Kritiker seiner Predigten sagen, Edwards habe den Menschen Höllenangst bereitet. Das waren nicht die schlechtesten Predigten! Ich finde es bis heute unbedingt nötig, dass man Menschen warnt, die auf einen geistlichen Abgrund zurasen. Wer Gottes Gnade als „billige Gnade“ missbraucht, darf nicht damit rechnen, dass Gott ihn akzeptiert. Um es kurz zu machen: Die Predigt des Jüngsten Gerichts darf nicht wegfallen. Sie ist integraler Bestandteil des Evangeliums (Römer 2,16).

Wir sind keine fremdgesteuerten Christen Wenn der Heilige Geist von einem Menschen Besitz ergreift, ist dieser dann fremdgesteuert? Die Verantwortlichkeit des Menschen wird durch den Heiligen Geist nicht verletzt. Der Geist lädt ein, er stellt Fragen – aber er zwingt nicht. Er ist ein Gast, der Impulse setzt, das Haus umzugestalten. Manches empfiehlt er rauszuschmeißen, anderes will er – um im Bild zu bleiben – dazukaufen. Der Heilige Geist räumt bei uns auf und renoviert? Ja, so kann man es sagen. Es gibt ein Lied von Manfred Siebald, in dem es heißt: „O Heilger Geist, kehr bei uns aus / so vieles muss aus uns verschwinden. / Feg alles, was nichts taugt, hinaus / auch wenn wir selbst es richtig finden.“ Der Heilige Geist ist also auch ein Störenfried. Ja, weil wir alle die Tendenz haben, unsere Erfahrungen festzuklopfen und den Status quo zu verewigen. Dagegen hält der Heilige Geist uns in Bewegung. Warum sündigen wir eigentlich noch, wenn der Heilige Geist in uns wohnt? Gott behandelt uns – in seinem gesamten Umgang mit uns – als Partner, nicht als Marionetten. Würde er uns zwingen, gerecht zu leben, wäre die geistliche Freiwilligkeit verletzt. Gott lässt uns jedoch bis zum Tode unsere Antwort auf seine Liebe selber geben.

„Heilige Kriege“ gibt es nicht! Über den Richter Samson berichtet die Bibel, dass er einen Löwen zerriss, als der Geist Gottes über ihn kam (Richter 14, 5–6). Später erschlägt er unter dem Einfluss von Gottes Geist 30 Philister (14,19). In der Bibel gibt es eine Entwicklung: In ihren Anfängen wird der Geist Gottes als ekstatisches Phänomen beschrieben, etwa beim Führen von Kriegen. Im Neuen Testament hat der Heilige Geist dagegen mit Kriegsführung und Gewaltakten nichts mehr zu tun. Deshalb können sich politische Revolutionäre auch nicht mit Recht auf die Bibel berufen.

Zum ersten Mal angekündigt wird Pfingsten – die Ausgießung des Heiligen Geistes – beim Propheten Hesekiel 36,26–27: „Ich will ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleische wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben; ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und darnach tun.“ Ich sehe im Alten Testament zwei Linien, die auf Pfingsten hinführen. Hesekiel betont besonders die innere Erneuerung. Der Prophet Joel betont im 3. Kapitel die charismatische Erneuerung, das prophetische Reden – auch in neuen Sprachen, wie es beim Pfingstereignis (Apostelgeschichte 2) zum Ausdruck kommt.

Warum ich im Gottesdienst nicht mitklatsche Beobachter des Ereignisses spotteten über die Sprachenrede: „Sie sind voll von süßem Wein“ (Apostelgeschichte 2,13). Ich würde gerne mal ein Buch zur Rehabilitierung der Ekstase schreiben: Viele Menschen in unseren Gemeinden tun sich schwer damit, bei Liedern zu klatschen oder gar dazu aufzustehen. Dagegen gilt es als normal, zu schreien und sich zu umarmen, wenn unser Lieblingsfußballer ein Tor schießt. Offensichtlich haben viele von uns vom Heiligen Geist ein eher bürgerliches Verständnis. Ich sage das als jemand, der selbst meist als sehr kontrolliert und rational erlebt wird. Ich klatsche zum Beispiel bei Gottesdiensten fast nie mit, weil es mich nicht dazu drängt. Dennoch bin ich dafür, dass wir uns für Ausdrucksformen des Glaubens öffnen, wie es in afrikanischen und amerikanischen Gemeinden gang und gäbe ist. Unnüchternheit beginnt erst dann, wenn man aus der Wirklichkeit flieht und sich nur noch um der Stimmung willen in Ekstase manövriert. Wie kann man aus der Wirklichkeit fliehen? Etwa indem man seine Schulden nicht bezahlt, Zerwürfnisse nicht bereinigt und dennoch Gott lobt, als sei die Welt in Ordnung. Dann kann Lobpreis zur Flucht werden. In Römer 8,26 heißt es, der Heilige Geist helfe uns beim Beten „mit unaussprechlichem Seufzen“. Warum seufzt er? Im gleichen Kapitel heißt es, dass angesichts des Sündenfalls die ganze Schöpfung seufzt. Das Seufzen ist ein Ausdruck für unsere Bedürftigkeit. Wir sind eben noch nicht am Ziel, sondern haben das Schönste noch vor uns. Viele Christen sagen: Ich spüre den Heiligen Geist nicht. Wenn man von depressiven Verstimmungen einmal absieht, kann das zweierlei bedeuten: 1. Dass wir ein Gefühlschristentum leben und Emotionen zu sehr betonen. Wir müssen lernen, unseren Glauben nicht auf Gefühle aufzubauen – sondern auf Gottes Wort. 2. Es kann aber auch sein, dass wir bestimmte Sünden nie aufgegeben haben und der Kanal zu Gott dadurch verstopft ist. Wir können uns dem Heiligen Geist öffnen oder verschließen, je nachdem ob wir uns seinem Reden entziehen oder darauf eingehen. Freude zu Gott bricht sich immer dann Bahn, wenn unsere Beziehung zu ihm hell und rein ist. Vielen Dank für das Gespräch! P 21.2012


Elke und Roland Werner

RU BR I K

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HOFFNUNG Wenn Leid über uns hereinbricht, ist plötzlich nichts mehr, wie es einmal war. Oft wird dann der Glaube auf eine harte Probe gestellt. Im jüngst vom Brendow-Verlag publizierten Buch „Wenn sich der Himmel wieder öffnet“ berichten leidgeprüfte Menschen von solchen Einschnitten. idea druckt in dieser und in der nächsten Ausgabe einen Auszug.

Kinder spielen in der Lebensplanung vieler Ehepaare eine wichtige Rolle. Auch Elke Werner, Leiterin des überkonfessionellen „Christus-Treffs“ in Marburg und Frauenbeauftragte der Internationalen Lausanner Bewegung, wollte nach ihrer Heirat mit Roland – heute Generalsekretär des deutschen CVJM– eine Familie gründen. Doch eine Krankheit macht ihre Hoffnungen zunichte. Als Jugendliche hatte ich zwei alternative Pläne für mein Leben: heiraten und viele Kinder bekommen – oder Mutter in einem Kinderdorf werden. Doch alles kam anders: Ich habe geheiratet und … bekam keine Kinder. Und dennoch führe ich ein glückliches und zufriedenes Leben. Das hätte ich mir in meinen Träumen als Jugendliche gar nicht vorstellen können.

Foto: privat

Mein Traum: Kinder haben oder mit ihnen arbeiten Ich fand Kinder schon immer klasse. Mit meiner Konfirmation begann meine ehrenamtliche Mitarbeit in der Kirchengemeinde: Ich wurde Helferin im Kindergottesdienst und kümmerte mich um etwa 20 Kinder im Alter von 4 bis 7 Jahren. Durch einen Mitarbeiter wurde ich in einen Jugendkreis eingeladen. Dort lernte ich Roland kennen, meinen späteren Mann. Er war 16, ich 17 Jahre alt. Es waren die 1970er Jahre – eine Erweckungszeit, in der viele Jugendliche Christen wurden. Wir wollten Jesus nachfolgen, mit allen ethischen und moralischen Konsequenzen. Während unsere Altersgenossen sich in Kommunen mit „freiem Sex“ beschäftigten, verteilten wir Traktate vor dem Beate-Uhse-Shop. Wir heirateten nach meinem Referendariat und engagierten uns voll und ganz im gerade entstehenden Christus-Treff in Marburg. Als Ehepaar war für uns immer klar: Wir wollen beide gerne Kinder haben. Doch dann gab es Komplikationen. Ich hatte gleich am Anfang unserer Ehe eine Zyste an einem Eierstock, die operativ entfernt werden musste – mit ihr ein Teil des Eierstocks. Erst durfte ich einige Zeit nicht schwanger werden. Danach hatte ich eine Fehlgeburt, noch ganz am Anfang der Schwangerschaft. Für mich damals noch kein Grund zur Besorgnis, denn wir hatten ja noch viele Jahre vor uns, in denen ich hätte schwanger werden können.

ideaSpektrum 21.2012

Dann kam der Krebs Doch dann kam 1988 überraschend die Krebserkrankung: Lymphdrüsenkrebs im 3. Stadium – im Übergang zum 4., dem letzten Stadium dieser Krankheit. Es war fast zu spät, als die Diagnose gestellt wurde. Ein Jahr lang erhielt ich Chemotherapie. Meinem Mann hatte der behandelnde Arzt gesagt, dass ich „vielleicht noch drei bis sechs Monate“ leben würde. Dass es nun schon so viele Jahre sind, die ich fröhlich weiterlebe, hatten wir nicht zu hoffen gewagt. Doch ich bin ganz geheilt worden und konnte mit der Chemotherapie mein Leben noch einmal neu beginnen. Etwa zwei Jahre nach der Erkrankung erkundigten wir uns, ob wir ein Kind adoptieren könnten. Doch die Chancen, in unserem Alter noch ein Kind zu bekommen, waren gering. Wir beteten und überlegten viel, ob es unser Weg sein sollte, ein Pflegekind aufzunehmen. Doch bei einer solchen Krankengeschichte erschien es uns fast als unfair, ein Kind aus einem Heim zu holen, um es dann vielleicht schon kurz darauf ohne Adoptivmutter aufwachsen zu lassen.

Gott hat Gedanken des Friedens über uns – nicht des Leides Wir kamen zu dem Schluss, dass es nicht unser Weg zu sein schien, Kinder zu bekommen. Dabei war uns wichtig, unser Vertrauen auf Gott zu behalten, der uns in Jeremia 29,11 zugesagt hat, dass er gute Gedanken über unser Leben hat: Gedanken des Friedens und nicht des Leides. Auf dieses Bibelwort vertrauen wir. Ich bin dankbar, dass ich noch lebe – und dass wir nach mehr als 28 Jahren Ehe noch zusammen sind und einander von Herzen lieben. Alle Zeiten, die guten und die schweren, haben Roland und mich noch mehr zusammengeschweißt. Ich bin sehr dankbar für mein Leben – auch ohne Kinder. Dass Roland und ich keine Eltern geworden sind, hat uns freigesetzt: Wir können viele Menschen begleiten und prägen. P Wenn sich der Himmel wieder öffnet Menschen mit Schicksalsschlägen erzählen • Brendow-Verlag • gebunden 128 Seiten • ISBN 978-3-86506-375-5 14,95 Euro / 22.50 SFr.


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BI BL I SC H E S N E U E R Z Ä H LT

Jesus spricht mit der Frau am Jakobsbrunnen: So stellte es sich der US-Maler Simon Dewey 2011 vor.

Gott achtet mich

RUF ZUR UMKEHR Mit Jesus Christus änderte sich auch das Verhalten, das man bis zu seiner Zeit ge-

Eine Frau wie Nahara würde er nie wieder finden. Sie war schön wie die Sterne, und er konnte mit ihr lachen. Er liebte es, ihr am Morgen ins Gesicht zu sehen, wenn sie noch schlief. Er liebte ihren wiegenden Gang, ihre Stimme, ihr kindliches Gemüt. Kuti hielt sich hinter den Büschen, die Dornen zerkratzten ihm die Arme. Sie durfte ihn nicht sehen, durfte keinesfalls von seinem Verdacht wissen. Was war erbärmlicher als ein eifersüchtiger Liebhaber? Seit einigen Wochen war sie zerstreut, sie hörte ihm nicht mehr zu. Da war kein Glanz mehr in ihren Augen, wenn sie ihn ansah. Er hatte gefürchtet, dass es so kommen würde – dass sie einen anderen fand, der ihr besser gefiel. Sie wolle zum Brunnen, hatte sie gesagt. Eine schamlose Lüge! Sie trug zwar den Ledereimer, aber sie ging nicht zum Stadtbrunnen, sondern verließ Sychar. Mit wem wollte sie sich treffen? Die Tageszeit hatte sie gut gewählt, in der Mittagshitze war die Straße menschenleer. Er erstarrte. Den Jakobsbrunnen hatte sie gemeint! Aber wohl nur als Vorwand. An der Weggabelung nach Nablus und Skythopolis saß ein Mann auf dem Brunnenrand. Sie ging zu ihm, die beiden redeten.

Vorsichtig kroch er näher, immer darauf bedacht, einen Strauch oder ein paar Bäume zwischen sich und ihnen zu haben. Wie oft hatte man ihn gewarnt vor ihr, hatte ihm gesagt: „Ein Mann reicht der nicht!“ Aber er hatte es nicht glauben wollen. Er hatte doch gespürt, wie sehr sie Geborgenheit suchte. Anfangs hatte sie sich regelrecht an ihn geklammert, hatte nicht gewollt, dass er das Haus verließ, hatte ängstlich gefragt, wann er wiederkomme. So oft hatte er ihr gesagt: „Ich werde dich nie verlassen, Nahara!“ Offenbar glaubte sie ihm nicht. Sie brauchte die Liebe mehrerer Männer, um sicherzugehen, dass sie nicht allein war, wenn einer sie verließ. Der Mann war Jude. Eine Samariterin und ein Jude? Unmöglich. Die Juden nannten die Samariter die „zehn verlorenen Stämme“, weil sie sich mit anderen Völkern vermischt hatten. Nicht einmal den Tempel hatten sie mit aufbauen dürfen. Sie waren verstoßen von den arroganten Juden, hatten in ihren Augen ihr Erbe als Teil von Gottes Volk auf alle Zeiten vertan. Wie kam der überhaupt hierher? Für gewöhnlich nahmen Juden auf Reisen einen Umweg, der Samarien mied.

Fotos: PR

genüber Frauen pflegte: Sie waren Menschen zweiter Klasse. Was mit Jesus anders wurde, zeigt beispielsweise die Geschichte aus dem Johannesevangelium 4,1–42. Eigentlich hätte Jesus mit der Frau am Jakobsbrunnen überhaupt nicht sprechen dürfen: Sie war eine Frau; sie war allein; sie gehörte einem verachteten Volk an; sie besaß die falsche Religion; ihr Lebensstil war nicht in Ordnung. Und doch redet Jesus mit ihr – weil vor Gott alle Menschen gleich wertvoll sind. Der Bestsellerautor Titus Müller (München) hat die Szene exklusiv für idea neu erzählt.

ideaSpektrum 21.2012


BI BL I SC H E S N E U E R Z Ä H LT

Kuti schlich noch etwas näher. Obwohl der Mann erhitzt und müde aussah und sein Umhang staubig war, besaß er eine beneidenswerte Ausstrahlung. Er lächelte Nahara an. Unerhört, dass sie miteinander sprachen. Juden redeten nicht mal mit ihrer eigenen Frau in der Öffentlichkeit. Und dieser Fremde traf sich mit Nahara, allein. Sie schienen zu balzen. Nahara sagte: „Du hast nichts, womit du Wasser schöpfen kannst, und der Brunnen ist tief.“ Keck hielt sie ihren Eimer in die Höhe und lachte. „Wie kannst du dann behaupten, du würdest mir Wasser geben wollen? Kannst du etwa mehr als unser Stammvater Jakob, der diesen Brunnen gegraben hat? Hast du irgendwo eine Quelle entdeckt?“ Das musste ihn reizen. Sie hörten es nicht gern, wenn ein Samariter behauptete, auch von Jakob abzustammen. Dass sein Volk über Ephraim und Manasse von Jakobs Sohn Joseph herkam, galt für die Juden wegen der Mischehen als verwirkt. Aber der Fremde tat, als hätte er es nicht gehört. Naharas Schönheit blendete ihn wohl. Er lächelte weiter und sagte: „Wenn du Brunnenwasser trinkst, wirst du wieder durstig. Ich habe ein anderes Wasser für dich. Wer das trinkt, bekommt nie wieder Durst. In ihm springt eine Quelle auf, die bis ins ewige Leben hineinfließt.“ Er bot ihr Zauberwasser an? So einer war er, ein Betrüger! Aber da hatte er sich geschnitten, seine Nahara war nicht leichtgläubig. Sie lachte erneut. „Das hätte ich gern, dieses Wasser. Dann müsste ich nicht mehr dauernd hierher laufen und volle Eimer nach Hause schleppen.“ „Du redest vom Durst der Kehle. Ich rede vom Seelendurst, dem Durst nach Gott. Diesen Durst stillt das lebendige Wasser.“ Er stand unvermittelt auf. „Geh und hole deinen Mann.“ Ihr Gesicht wurde blass. „Ich habe keinen“, sagte sie. In Kuti stieg Wut auf. Sie verleugnete ihn! Wie konnte sie das über die Lippen bringen? Sie warf sich dem Fremden ja regelrecht an den Hals! Es fehlte nur noch, dass sie ihn fragte, ob er verheiratet war. Der Fremde nickte. „Du sagst die Wahrheit. Fünf Männer hast du gehabt – und der, mit dem du jetzt zusammenlebst, ist nicht dein Mann.“ Woher wusste er das? Kuti erschauderte. Nahara hatte alle Leute in dieser Gegend angelogen. Sie glaubten, er wäre erst ihr dritter Mann, niemand wusste von den ersten zwei Männern in Engannim. Und dass sie nicht verheiratet waren – hatte sich das schon so weit herumgesprochen? „Du musst ein Prophet sein“, sagte Nahara. „Gott hat dir das gesagt.“ Es wurde still zwischen ihnen, sie sahen sich an, als würden sie übereinander nachdenken. Kuti hielt den Atem an. Woher hatte sie gewusst, dass der Mann am Brunnen sein würde, wenn sie sich doch nicht kannten? Vielleicht ideaSpektrum 21.2012

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war sie nur zum entfernten Jakobsbrunnen gelaufen, weil sie den Frauen Sychars aus dem Weg gehen wollte, und war selbst überrascht gewesen, den Fremden hier zu sehen. Sie sagte: „Seit langem beschäftigt mich eine Frage. Als Mann Gottes kannst du mir vielleicht Antwort darauf geben. Ihr Juden sagt, man könne Gott nur in Jerusalem anbeten. Wir aber haben unseren Tempel auf dem Berg Garizim. Wo ist der richtige Ort, um Gott anzubeten?“ „Der Streit um den richtigen Tempel geht bald zu Ende“, antwortete er. „Es kommt eine Zeit, in der die Menschen Gott überall finden werden. Gott ist Geist – er ist nicht an einen bestimmten Ort gebunden. Er hört dir zu, wo immer du bist.“ Nahara seufzte. „Wenn erst einmal der Messias kommt, der Christus! Der wird uns alles erklären.“ Der Fremde sagte: „Du sprichst mit ihm. Ich bin der Messias.“ Ihr fiel der Eimer aus der Hand. „Ist das wirklich wahr? Ist die Zeit endlich gekommen?“ Sie schlug sich die Hände vor den Mund. „Deshalb weißt du so viel über mich!“ Mit vergnügtem Geplauder kam eine Gruppe Männer die Straße entlang. Sie trugen Brote, einen Ölkrug, Fische und Zwiebeln. „Meister, du wirst es nicht glauben“, riefen sie, „die Leute haben uns angestarrt wie ein Wunder! Wir sind die ersten Juden, die in Samarien Brot und Fische kaufen.“ Sie stutzten, als sie Nahara erblickten. „Wer ist das? Nahara ließ den Eimer liegen und rannte nach Sychar. „Das muss ich gleich weitersagen!“, rief sie fröhlich über ihre Schulter. Jetzt musste er schnell sein. Wenn sie merkte, dass er nicht bei der Arbeit war, würde sie erraten, dass er ihr gefolgt war. Sie hatte ihm oft ihr Leid geklagt von der Eifersucht ihrer ehemaligen Ehemänner. Auf keinen Fall durfte sie ihn für eifersüchtig halten. Kuti hastete hinter den Büschen entlang bis zur Stadt, schlitterte den Abhang hinunter und sprang in seine schattige Werkstatt. Aber Nahara kam gar nicht zu ihm. Er hörte sie in der Stadt laut rufen. Die Frauen, die sie vorher gemieden hatten, die Männer, die wegen ihrer Lebensführung die Nase gerümpft hatten, sobald sie ihr nur auf der Straße begegneten, sie alle traten aus den Häusern und hörten ihr zu, während sie von ihrer Begegnung mit dem Fremden erzählte. Bald bewegte sich ein großer Menschenstrom in Richtung des Jakobsbrunnens. Da schlüpfte Nahara zu ihm in die Werkstatt. Sie strahlte über das ganze Gesicht. „Kuti“, sagte sie, „Gott achtet mich! Er will mir lebendiges Wasser geben.“ Und sie umarmte ihn. P

Gerade ist ein neues Buch von Titus Müller erschienen: „Der Kuss des Feindes“ • Fischer • geb. 282 Seiten • ISBN: 978-3596854455 • 21.90 SFr.


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Songandachten: Vom Ohr ins Herz ANDACHT Musik ist ein Lebensgefühl. Besonders Jugendliche suchen – und finden – in ihr oft Ausdruck für ihre Gedanken und Empfindungen. Aus dem Grund haben Nicole Hauser, Katja Heimann und Gottfried Heinzmann in dem neuen Buch „lautstark“ 53 Jugendandachten zu populären Liedern gesammelt – z. B. zu „Plaster“ von dem Pop-Duo „Ich+Ich“. Der Nummer-1-Hit hielt sich 30 Wochen in den deutschen Charts. Von der Band aus Berlin stammt auch das erfolgreichste deutsche Popalbum („Vom selben Stern“).

Ich+Ich „Pflaster“ „Du bist das Pflaster für meine Seele, wenn ich mich nachts im Dunkeln quäle. Es tobt der Hass, da vor meinem Fenster. Du bist der Kompass, wenn ich mich verlier’, du legst dich zu mir, wann immer ich frier’. Im tiefen Tal, wenn ich dich rufe, bist du längst da.“ Es gibt gute und schlechte Tage. Manchmal steht man mit dem falschen Fuß auf, mit Kopfschmerzen oder zur falschen Uhrzeit. Meist vergeht das wieder. Der Tag läuft wider Erwarten ganz gut oder geht schneller vorbei, als man denkt, und macht Platz für einen besseren. Doch es gibt auch Krisen im Leben, die sich durch einen neuen Sonnenaufgang nicht erledigt haben, die länger andauern, die tiefer sitzen. Krisen, in denen wir unseren Wert und unsere Daseinsberechtigung infrage stellen. Es gibt immer wieder Situationen oder Begegnungen, die uns unvorbereitet treffen und komplett aus der Bahn werfen. Manchmal wissen wir gar nicht so genau warum. Einige Sprüche oder Kommentare gehen uns komplett unter die Haut und drücken zielsicher auf einen Knopf unserer Seele, von dem wir nicht mal wussten, dass er überhaupt existiert: ein wunder Punkt. Wir alle haben wunde Punkte, und sie tun weh. Doch wo kommen sie her, und wie kriegt man sie weg?

Wir gewöhnen uns an den Schmerz Manche Verletzungen, die wir in unserem Leben erfahren mussten, sitzen tief, und die Wunden verheilen nur sehr langsam oder gar nicht. Sie werden immer wieder aufgerissen. Oft vergessen wir, dass eine Verletzung der Seele im Grunde genommen nichts anderes ist als eine Verletzung am Körper. Der Unterschied ist, dass man sie nicht sieht und meistens nicht so richtig weiß, wie man so eine Wunde verarztet. Deshalb lassen wir diese Seelenwunden oft jahrelang offen vor sich hin bluten, lassen zu, dass sie immer wieder aufgerissen werden und gewöhnen uns an den Schmerz. Das muss nicht so sein. Auch diese Wunden können heilen, doch dies geschieht selten von alleine. Wir müssen etwas dafür tun. Wir müssen die wunden Punkte auf unserer Seele anschau-

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en und zulassen, dass sich ein Arzt diese empfindlichen Stellen anschaut. Das ist meist unangenehm, und das Desinfizieren einer solchen Wunde tut weh – vor allem, wenn die Wunde alt und tief ist. Doch der Gewinn ist unbeschreiblich, wenn wir uns plötzlich wieder frei bewegen, frei atmen können. Wenn wir wieder in der Lage sind, uns und unser Verhalten zu verstehen und zu akzeptieren, bekommt unser Leben eine ganz neue Qualität.

Gott will unser „Pflaster“ sein Wir brauchen dieses Pflaster auf unserer Seele wie Adel Tawil von „Ich+Ich“ singt. Gott will dieses Pflaster sein. Er sagt: „Ich bin der Herr, dein Arzt“ (2. Mose 15,26). Er wünscht sich, dass wir ihn auf unsere Seele schauen lassen und ihm unsere wunden Punkte zeigen, damit er sie verarzten kann. Sehr oft gebraucht er dazu Menschen in unserem Umfeld. Ausgebildete Seelsorger oder Psychologen können solche Menschen sein. Man muss nicht psychisch krank sein, um so jemanden aufzusuchen. Der Hautarzt kümmert sich um die Haut, der Orthopäde um den Bewegungsapparat und der Psychologe oder Seelsorger eben um die Seele. Christliche Psychologen und Seelsorger wissen, wie man Gottes Pflaster fachmännisch an den richtigen Stellen unserer Seele aufklebt. Geh doch in nächster Zeit einmal so einen wunden Punkt an und betrachte ihn mit Gott und vielleicht einem Seelsorger genauer. Es ist ein großes Geschenk, Heilung auf diese ersteWeise erleben zu dürfen – sich selbst verstehen und lieben lernen ist das Ziel. Das kann ein weiter und beschwerlicher Weg sein, aber er lohnt sich wie kaum ein anderer.r. P Autor der Andacht ist Claus-Peter Eberwein. Er ist Musiker und Sänger bei „Gracetown“ (aktuelles Album: „Stand der Dinge“ • www.gracetown.de). Nicole Hauser, Katja Heimann und d Gottfried Heinzmann: „lautstark – 53 Songandachten für Jugendliche“ 129 Seiten • buch+musik • 9,95 Euro 11.70 SFr. • ISBN: 9783866870673

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DI E K LE I N E K A NZ E L z u m Pf i n g st fe st

» Und ich will den Vater bitten, und er wird euch einen andern Mutmacher geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit. «

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Gerd Zelmer ist Prediger der Landeskirchlichen Gemeinschaft Rathenow (bei Brandenburg) innerhalb der Evangelischen Kirche und Religionslehrer an Grundschulen.

Aus dem Evangelium des Johannes 14,16

Der Mutmacher an unserer Seite Ich war 6 Jahre alt und freute mich riesig auf die Schule. Doch wenige Wochen vor der Einschulung kam ich plötzlich ins Krankenhaus. Wochenlang musste ich auf der Quarantäne-Station zubringen. Am schlimmsten war für mich, dass meine Eltern mich nicht besuchen durften. Zwar konnte ich sie ab und zu vom Fenster aus sehen, wenn sie vor dem Krankenhaus standen, und ihnen zuwinken. Doch das war ein schwacher Trost: Ich konnte nicht mit ihnen reden. Sie konnten mich nicht in ihre Arme nehmen. Und sie konnten mir am Abend keine Geschichte vorlesen oder mir einen Gute-Nacht-Kuss geben. Damals bekam ich von ihnen ein Kuscheltier geschenkt – ein einfaches kleines Schaf. Es wurde mein Lieblingskuscheltier. Wenn ich abends nicht einschlafen konnte, habe ich es in den Arm genommen und an meine Eltern gedacht.

Das Kuscheltier hat mich daran erinnert, dass ich nicht allein bin. Es hat mir die Gewissheit gegeben, dass meine Mama und mein Papa an mich denken. Es hat mich getröstet, wenn ich weinen musste. Und es hat mir Mut gemacht, als ich eine „furchbar große“ Penicillin-Spritze bekam. In diesen schweren Wochen habe ich erfahren, was es bedeutet und wie wichtig es ist, einen Beistand und Mutmacher zu haben. Genau einen solchen Mutmacher und Beistand hat Jesus Christus seinen Freunden nach seiner Himmelfahrt versprochen: den Heiligen Geist. Jedes Jahr zu Pfingsten nehme ich das Kuscheltier zum Religionsunterricht mit, um den Schülern zu erklären, dass der Heilige Geist kein Gespenst ist, sondern ein Zeichen für Gottes liebende Fürsorge: „Du bist nicht allein! Ich bin immer in deiner Nähe.“ P

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PORTRÄT

In ihren Romanen zieht Gott die Fäden BESTSELLER Lynn Austin, US-amerikanische Erfolgsautorin christlicher Romane, hat auch im deutschsprachigen Europa viele Fans. Auf der idea-Bestsellerliste von April war sie mit gleich zwei Titeln vertreten („Bibliothek der Träume“, „Luisas Töchter“). Astrid Jaehn traf die Schriftstellerin bei ihrer jüngsten Leserreise.

Erst nach 10 Jahren greift ein Verlag zu Der Erfolg lässt allerdings auf sich warten. Für ihr erstes Manuskript interessiert sich kein Verlag. Trotz der Absagen hält sie an ihrem Lebenstraum fest – weil sie davon überzeugt ist, dass es Gottes Plan für sie ist zu schreiben. Ihre Geduld zahlt sich aus. Nach zehn Jahren greift endlich ein Verlag zu – ein Glücksgriff. Lynn Austins Bücher werden zu Bestsellern, sieben erhalten den „Christy Award“ – eine Auszeichnung für herausragende christliche Romane. Das schaffte vor

ihr noch niemand. Ihr erstes Buch auf Deutsch – „Luisas Töchter“ – wird 2006 im Francke-Verlag veröffentlicht. Der Roman läuft von Anfang an gut, ebenso wie die anderen zwölf auf Deutsch erschienenen Titel. Insgesamt wurden von ihnen bislang mehr als 200.000 Exemplare verkauft – nicht nur an Christen. Im Internet loben „säkulare“ Leserinnen: „Diese Bücher machen mich zu einem besseren Menschen!“ Inzwischen gibt es ihre Bücher in 10 Sprachen, bald auch auf Chinesisch.

Manchmal weint die Autorin 18 Romane hat Lynn Austin mittlerweile verfasst. Anregungen findet die Amerikanerin überall: Sie interessiert sich für Geschichte und Archäologie, nimmt in Israel an Ausgrabungen teil, liest Tagebücher und Erfahrungsberichte. Manchmal weint sie beim Schreiben: „Mitunter entwickeln sich meine Romanfiguren einfach weiter, plötzlich bringt eine die andere um – und ich hatte das gar nicht geplant. Dann weine ich.“

Ein Gebet vor jedem Buch Heute lebt die 62-Jährige mit ihrem Mann in der Nähe von Chicago. Jedes

Jahr schreibt sie ein Buch – und vor jedem neuen Buch betet sie. Lynn Austins Erfolgsrezept: „Bücher, die ich liebe, müssen mich berühren.“ Aber sie will auch von der verändernden Kraft Gottes mitten im Alltag schreiben. Eine Leserin, die ihr Baby nach einer ungewollten Schwangerschaft zur Adoption freigegeben hatte, ließ sich von einem ihrer Bücher dazu ermutigen, nach vielen Jahren ihr Kind kennenzulernen – und ihr Leben mit Gott neu zu beginnen.

Mut machen zum Glauben Gottes Handeln an Menschen in Romanform – wirkt das nicht aufgesetzt? Lynn Austins Bücher beweisen das Gegenteil. Denn sie legt Wert darauf, dass ihre Charaktere authentisch sind und die Handlung spannend ist – nie christlich plakativ. Sie will Mut machen, am Glauben festzuhalten, auch wenn man Gott nicht spürt. Die Autorin ist überzeugt: „Gott zieht immer die Fäden – ob man ihn nun sehen kann oder nicht.“ P

Foto: PR

Geschichten dachte sich Lynn Austin schon immer aus. Aber dass sie eines Tages Schriftstellerin werden würde, hätte sie sich nicht träumen lassen. Nach der Schule studiert sie erst einmal Psychologie, heiratet, bekommt drei Kinder. Sie folgt ihrem Mann – einem Orchestermusiker – nach Kolumbien, zurück in die USA und weiter nach Kanada. Dort beginnt sie Mitte der 1980er Jahre mit dem Schreiben. In den langen kanadischen Wintern hat sie viel Zeit, aber nichts zu lesen – und beschließt, ihren langgehegten Wunsch zu verwirklichen: „Dann schreibe ich eben selbst!“

DAS WORT DER WOCHE » Die zufriedensten Menschen leben in Dörfern, glauben an Gott und vermeiden es, ihre einmal geschlossene Ehe wieder aufzulösen. Dies sind bislang die wichtigsten Erkenntnisse der Glücksforschung. « Aus einem Beitrag der Süddeutschen Zeitung (16. Mai, München) 21.2012

Idea Spektrum Schweiz 21/2012  

Nachrichten und Meinungen aus der evangelischen Welt mit Fokus auf die Schweiz und Deutschland.

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