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39 28. September 2011

Nachrichten und Meinungen aus der evangelischen Welt

www.ideaschweiz.ch

Einzelverkaufspreis: CHF 4.–

Welche Zukunft hat Chrischona?

Der neue Direktor René Winkler über die Qualitäten und Baustellen des 171 Jahre alten Werkes 7 «Commission»: Konferenz bringt

12 Hilfswerk «Remar»: Ex-Drögeler

8 Marsch fürs Läbe: Engagieren

22 Der Papst in Deutschland: Wie

9 Daniel Schöni: Der prominente

30 Neues Leben: Junge Polin findet zu

sich die Christen 2012 noch mehr? Transpörtler will auf Gott hören

engagieren sich für Notleidende

inspirierend.

führende Evangelikale reagieren

Jesus – dank einem Schuhkarton

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Alle bürgerlichen Zürcher Regierungsräte sind im Komitee:

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I NSE R AT E

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für Gewerbe und KMU.

Stefan Markus Ursula Barbara Angelsberger, Präsidentin FDP Schlieren Dollenmeier WäflerSchweiz Köppel Doris Fiala, Nationalrätin, Präsidentin Kunststoffverband Robert E. Gubler, Co-Präsident Forum Zürich Dr. Rolf Hartl, Präsident Erdöl-Vereinigung Rolf Hegetschweiler, alt Nationalrat und ehem. Direktor Hauseigentümerverband Kanton Zürich Dr. Ruedi Jeker, alt Regierungsrat Franziska Troesch-Schnyder, Präsidentin Konsumentenforum Bruno Zuppiger, Nationalrat, Präsident Schweizerischer Gewerbeverband sgv Robert Roth Gründer und Delegierter Jobfactory AG omitee-Mitglieder: und Stiftung Weizenkorn

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G RÜ e z i

hopp chrischona! Das Chrischona-Werk hat gewählt. Mit René Winkler wird ein Mann neuer Direktor, der das Werk seit langem von innen kennt (siehe Seite 4). Er ist auch mir kein Unbekannter, denn wir sind in den vergangenen Jahren ein paar Wegstrecken zusammen gegangen, zum Beispiel in der Leiterkonferenz des VFG-Freikirchen Schweiz oder im Komitee des Christustages. Dabei habe ich René Winkler kennengelernt als einen Leiter von Format, mit einer tiefen Liebe zu Jesus, einem brennenden Anliegen, das Reich Gottes voranzubringen und mit einer grundsätzlichen Offenheit für neue Ideen.

Umfeld ist für kirchliche Werke nicht einfacher geworden. Ausserdem werden heute von Leiterpersönlichkeiten in Gemeindebewegungen neben geistlichen Qualitäten auch visionäre Kraft und Innovation erwartet. Dazu kommt, dass man in einem kirchlichen Werk auch die Kunst beherrschen muss, Traditionsanschlüsse zu bewahren und gleichzeitig zukunftsorientiert zu arbeiten. Ich wünsche René Winkler und seiner Leitungscrew, dass es ihnen gelingt, das grosse Potenzial, das im Chrischona-Werk steckt, kontinuierlich zu fördern und einzusetzen.

Als Präsident des VFG-Freikirchen Schweiz freut es mich ausserordentlich, dass der neue Chrischona-Direktor das Leben der Ortsgemeinde nicht nur theoretisch, sondern aus persönlicher Diensterfahrung kennt. Starke Gemeinden sind für die Verbreitung des Evangeliums von zentraler Bedeutung. Deshalb erwarte ich auch, dass er der Entwicklung von Gemeinden sowie der Rekrutierung und der Ausbildung von Gemeindeleitern in seinen Zielsetzungen eine hohe Priorität einräumt. Chrischona kann - als eine der grösseren freikirchlichen Bewegungen in unserem Land wesentlich dazu beitragen, dass die Gemeinden einen noch effektiveren Dienst zur Verbreitung des Evangeliums tun können.

Was die Erwartungen an einen neuen Direktor betreffen, so wird es ähnlich sein wie beim Wechsel des Cheftrainers in einem Sportteam. Diese schwanken meist zwischen hochgesteckten Erwartungen und skeptischer Zurückhaltung. Aber an diese Spannung sind sich erfahrene Leiter längst gewöhnt. Bei allen unberechenbaren Faktoren, die mitspielen mögen, ist nur eines wichtig: Das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Im Fussball geht es darum, den Ball ins Tor zu bringen. Im Reich Gottes geht es darum, dass Menschen Jesus kennenlernen und ihm dienen.

Es wird für den neuen Direktor nicht leicht sein, das über 170-jährige, vielschichtige Werk so weiterzuführen, dass es in der Zukunft relevant bleibt. Das gesellschaftliche

Also dann: «Hopp Chrischona!» Im Namen des VFG-Freikirchen Schweiz gratuliere ich René Winkler zur Wahl zum Direktor des Chrischona-Werks herzlich. Ich wünsche ihm für diese Aufgabe viel Freude, Kraft und Inspiration vom Herrn.

BiBlisch Ein Lieblingsbibelwort von Mirjam Dentler, Schau­ spielerin und Mitarbeiterin der christlichen Bühne «Die Boten», Aadorf TG:

«Er wird nicht müde und wird nicht matt, unergründlich ist seine Einsicht. Er verleiht dem Ermatteten Kraft und gewährt dem Ohnmächtigen stärke in Fülle.» (Jesaja 40,28­29) «Auf die Behauptung Israels: ‹Verborgen ist dem Herrn mein Geschick...› antwortet Gott mit obigem Vers. Wir haben vieles gemeinsam mit seinem Volk. Auch wir sind manchmal verzagt, mutlos, und unser Vertrauen ist so klein wie ein Senfkorn. Und dennoch ist Gott treu! Er lässt die Seinen oft in ausweglosen Situationen an den menschlichen Tiefpunkt kommen. Aber die menschliche Ohnmacht lässt nach Gott greifen, wie ein Ertrinkender nach Halt. Er verleiht dem Ermatteten Kraft und dem Ohnmächtigen Stärke in Fülle. Wie oft durften das auch wir ‹Boten› auf unseren schon mehr als 54 Tourneejahren erfah­ ren. Das soll auch durch unsere Theaterstücke die Zuschauer ermutigen. Er gibt immer wieder die nötige Kraft! Vertrauen wir Ihm – Er ist treu!»

Redaktion neu in Belp Die Redaktion von «idea Spektrum Schweiz» ist dieser Tage von der Josefstrasse 32 in Zürich ins neue Me­ dienhaus der Firma Jordi AG in Belp umgezogen. Da­ mit befinden sich Redaktion, Abonnements­ und Inse­ ratverwaltung nun unter dem gleichen Dach. Die neue Adresse lautet: Redaktion «idea Spektrum» Aemmenmattstrasse 22 Postfach 96, 3123 Belp Tel. 031 818 01 44, Fax 031 819 71 60 E­Mail: redaktion@ideaschweiz.ch Die Adresse des Chefredaktors bleibt unverändert: Andrea Vonlanthen Bahnhofstrasse 65, 9320 Arbon Tel. 071 446 70 02, Fax 071 446 74 88 andrea.vonlanthen@ideaschweiz.ch Die Sitzungen der Gesamtredaktion werden nach wie vor an der Josefstrasse 32 in Zürich, in den Räu­ men der Schweizerischen Evangelischen Allianz, abgehalten. Alle weiteren Informationen zu «idea Spektrum» finden sich wie immer im Impressum auf Seite 12.

Praktisch

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MAX SCHLÄPFER

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BR E N N P U N K T

«Chrischona hat nicht viel Provokatives an sich» NEUER CHRISCHONA-DIREKTOR Es bleibt entscheidend, dass Menschen zu Jesus Christus finden und zu reifen Christen werden. Das betont René Winkler, der am vergangenen Samstag vom 26-köpfigen Komitee zum neuen Direktor der Pilgermission St. Chrischona gewählt wurde. Er meint aber auch, sein Werk könnte sich noch offensiver «verkaufen».

Ihre Frau war bei allen Gesprächen dabei, als es darum ging, ob Sie Direktor von Chrischona werden sollen. Fürchtet sie sich davor, «Frau Direktor» zu werden? René Winkler: Nein, gar nicht. Der

Für die säkularen Medien ist unsere Existenz und Entwicklung zu unspektakulär. In den christlichen Medien sind wir durchaus ein Thema, als aktuelles Beispiel sei die Innovationsmesse genannt. Unsere Gemeinden sind an vielen Orten sehr gut integriert und ein fester Bestandteil des kirchlichen Lebens. Wir haben offensichtlich nicht viel Provokatives an uns. Sicher «verkaufen» wir uns auch oft zu wenig offensiv. Wir wollen unsere Überzeugungen zu aktuellen Fragestellungen in Zukunft aktiver in die öffentliche Meinungsbildung einbringen.

gemeinsame Auftritt hatte damit zu tun, dass wir zusammen in dieser neuen Aufgabe stehen wollen. Meine Frau ist jemand, der gerne hilft und unterstützt. Wir werden in der neuen Aufgabe auch oft zusammen unterwegs sein.

Wie sind Sie zu einem vollen Ja zu dieser Aufgabe gekommen?

Das Ja ist wie ein Puzzle durch viele kleine Einzelteile zu einem eindeutigen Bild herangewachsen. Dafür sprechen unter anderem meine Begabung, die Bekanntheit, das breite Vertrauen, das mir entgegengebracht wird, aber auch die Kontinuität bei der Entwicklung des Werkes. Wir haben auch etliche Leute einbezogen, um mit uns zu prüfen und zu beten. Durch verschiedene Impulse haben ich und meine Frau gemerkt, dass dies jetzt unser Platz ist.

Welche Qualitäten werden Ihnen als Direktor auf dem Chrischonaberg besonders dienlich sein?

René Winkler Jahrgang 1960, Sohn von Gottfried Winkler, Prediger EGW im Kanton Bern, verheiratet mit Monika, drei Kinder (Stefan 23, David 20, Fabienne 18), wohnhaft in Muttenz. Beruf: Betriebssekretär PTT, Theologisches Seminar St. Chrischona (TSC), später Prediger in Steckborn und Muttenz. 1996 bis 2000 zugleich Bezirksvorsteher Chrischona BL/ BS. 2000 bis 2011 Leiter Gemeinden Schweiz. Ab März 2012 Direktor der Pilgermission St. Chrischona als Nachfolger von Markus Müller. Mitglied Leiterkonferenz Freikirchenverband Schweiz VFG, Stiftungsrat Christliches Fernsehen, Vorstand Bund Evangelischer Schweizer Jungscharen Besj, Präsident Christustag 2010. Hobbys: Sport, Musik, Campieren. Bild: idea/av

René Winkler will auch Brücken bauen zwischen den Generationen.

Sicher einmal die Fähigkeit, Entwicklungen prozesshaft gestalten und führen zu können. Ich bin analytisch begabt. Stärken habe ich auch in den Bereichen Leitung, Verkündigung und Kommunikation. Und eine Qualität hat mit meiner Geschichte als Sohn eines EGW-Predigers zu tun: Ich kenne das Gemeindeleben und die Veränderungen der letzten fast vier Jahrzehnte aus eigenem Erleben. Ich kann zwischen den Generationen Verständnis schaffen und Brücken bauen.

Seit Ihrem Studienbeginn 1982 gehören Sie zu Chrischona. Gab es ein prägendes Erlebnis?

Aufgrund einer Bibelarbeit über die Kundschafter in 4. Mose 13 und 14 habe ich Anfang der 90erJahre so etwas wie eine innere Verpflichtung verspürt, auch in schwierigen Zeiten nicht einfach davonzulaufen. Ich bekam die Perspektive, mich bei Chrischona für das Reich Gottes zu engagieren. Prägend war dann auch, dass es bei Chrischona immer wieder Leute gab, die mich zu Aufgaben herausforderten, die ich mir selber nie zugetraut hätte. Sie sahen mein Potenzial und schenkten mir Vertrauen.

Welche Baustellen bei Chrischona

werden Sie stark beschäftigen?

Im Vordergrund steht die strategische Entwicklung von Chrischona mit dem Kernbereich Theologisches Seminar (TSC). Wir lancieren gerade ein Fernstudium. Sowohl in Bezug auf unsere Ausbildung als auch in Bezug auf unser Werk stellen wir uns die Frage nach strategischen Partnerschaften. Eine grosse Herausforderung bleiben die personellen und materiellen Ressourcen. Im Reich Gottes bleibt jedes Werk und jede Gemeinde immer eine Baustelle – hoffentlich. Erst am Ziel wird alles vollendet sein.

Evangelisation und Gemeinschaftspflege: Das war der Leitspruch der alten Chrischona-Väter. Direktor Edgar Schmid prägte das Motto «Bewährtes erhalten, Neues wagen». Ihr Leitspruch?

Ich habe keinen Leitspruch. Sehr wichtig ist mir das auftragsorientierte Arbeiten. Deshalb sind nach wie vor Evangelisation, Jüngerschaft und Gemeindebau zentral. Entscheidend ist, dass Menschen zu Jesus finden und zu reifen Christen werden.

Heute schreiben die Medien vom ICF, von IGW, von der Chile Hegi. Warum kommt Chrischona in den Medien kaum vor?

Am Anfang von Chrischona stand die Ausbildung. Welche Bedeutung hat das Theologische Seminar denn noch für das internationale Werk Chrischona?

Der Bildungsauftrag am TSC ist nebst dem Gemeindebau unser Kernauftrag. Die Ausbildung von jungen Männern und Frauen bleibt unser Beitrag an die weltweite Gemeinde Jesu. Sie ist das Talent, das wir von Gott bekommen haben. Damit wollen wir weiterhin wuchern!

Die Konkurrenz durch christliche Ausbildungsstätten wird immer grösser. Wie will sich das TSC behaupten?

Gründliche theologische und praxisorientierte Ausbildung, die Lebensgemeinschaft und das gemeinsame Arbeiten sind unsere Markenzeichen. Die Prägung durch das gemeinsame Leben auf dem Campus ist ein wesentlicher Faktor unserer Ausbildung. Gerade für postmoderne Menschen hat gemeinsames Leben und Unterwegssein einen hohen Stellenwert. Unsere Ausbildung steht sowohl Leuten mit Berufsabschluss und als auch mit Matura offen.

Tatsache ist, dass immer mehr Chrischona-Gemeinden Pastoren mit anderem Hintergrund anstellen. Trägt das TSC den Bedürfnissen dieser Gemeinden zu wenig Rechnung?

In den letzten fünfzehn Jahren idea Spektrum 39.2011


BR E N N P U N K T

konnten wir den eigenen Bedarf an Pastoren zahlenmässig nicht mehr durch eigene Absolventen decken. Dadurch kamen wir nicht umhin, Leute von andern Seminaren anzustellen. Es gibt heute eine Vielzahl von Ausbildungsmodellen und Anstellungsvarianten. Viele Gemeinden wollten für besondere Aufgaben zusätzlich zum Prediger jemanden teilzeitlich anstellen. Deshalb kommen dann auch Absolventen anderer Ausbildungen zum Zug.

Wird auch das TSC die praxisnahe Ausbildung noch verstärken?

Unsere besondere Stärke ist von jeher die Grundlagenarbeit. Mit dem Praxisstudienjahr bieten wir auch einen starken praktischen Anteil. Ich bin überzeugt, dass sich unser Vollzeitstudium auf lange Sicht vorteilhaft auswirkt.

Der achte Direktor René Winkler ist erst der achte Chrischona-Direktor seit 1840. Bisherige Direktoren waren Christian Friedrich Spittler (1840–1868), Carl Heinrich Rappard (1868-1909), Friedrich Veiel (1909–1947), Hans Staub (1947–1967), Edgar Schmid (1967–1991), Karl Albietz (1991– 2001) und Markus Müller (2001– März 2012).

Immer wieder zieht es jüngere Chrischona-Prediger in den früheren Beruf zurück. Was steckt dahinter: Überforderung, Resignation?

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Dass es Prediger gibt, die nach einer gewissen Zeit eine andere berufliche Laufbahn einschlagen, ist kein neues Phänomen. Wenn ich die Klassen früherer Jahrgänge betrachte, stelle ich fest, dass längst nicht mehr alle im Pastorendienst sind. Die Gründe dafür sind sehr verschieden und können mit der Überforderung zusammenhängen. Der Predigerberuf ist vielfältig und schön, aber auch

anspruchsvoll. Wenn jüngere Prediger aussteigen, kann das mit der Begabung, der Belastbarkeit oder andern Gründen zusammenhängen. Es ist heute auch akzeptierter, vom Predigerberuf in eine andere Aufgabe zu wechseln.

Chrischona vereinigt mit seinen Zweigen in der Schweiz, in Deutschland und in Frankreich völlig unterschiedliche Prägungen. Bleibt es bei dieser Heterogenität?

Wir haben uns für eine hohe Selbständigkeit der eigenen Zweige entschieden. Uns ist es wichtiger, wie wir von unseren unterschiedlichen Erfahrungen und Prägungen profitieren können. Vielfalt verstehen wir als Stärke. In Frankreich ist das Umfeld sehr laizistisch geprägt. Wir können die dortigen Erfahrungen im Gemeindebau für andere Bereiche nutzbar machen. In Deutschland hat Chrischona als eigenständiges Werk innerhalb der Landeskirche ein ganz anderes Selbstverständnis. In Deutschland ist es nicht das Ziel, dass Chrischona eine Freikirche wird. Wir wollen unsere Vielfalt noch stärker betonen, aber auch den Knowhow-Transfer und die Synergien verstärken.

Die evangelische Landeskirche schrumpft massiv. Wie könnte Chrischona noch deutlicher zur Alternative werden?

Das hängt schlussendlich von der Qualität unserer Gemeindearbeit ab. Wir sind relevant, wenn unsere Botschaft Substanz hat und wir den Menschen da helfen, wo sie tatsächlich Hilfe brauchen.

Wo steht Chrischona heute in der Frauenfrage?

Frauen sind in alle Gremien wählbar und können auch die verschiedensten Leitungsaufgaben wahrnehmen. Es liegt in der Verantwortung der örtlichen Gemeindeleitung, inwieweit sie diesen Spielraum in der Praxis nutzen möchte. Wir haben aber die Einschränkung, dass eine Frau als PastoDurch den Jugendkongress rin nicht alleine die letzte an Silvester 2011. geistliche Verantwortung für die Gemeinde www.mission-net.org haben kann.

Total verändert!

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Vor 171 Jahren auf St. Chrischona gegründet Die Pilgermission St. Chrischona ist ein internationaler christlicher Verband mit Sitz in Bettingen bei Basel. Sie wurde am 8. März 1840 von Christian Friedrich Spittler in der ehemaligen Wallfahrtskirche «St. Chrischona» gegründet. Zum Verband gehören die Chrischona-Gemeinden Schweiz, das Chrischona-Gemeinschaftswerk Deutschland, der französische Gemeindeverband Vision-France, die Evangelische Stadtmission im Südlichen Afrika, die Arbeitsgemeinschaft für das messianische Zeugnis an Israel (Amzi), das Diakonissenmutterhaus St. Chrischona und die Literaturarbeit Schweiz (Brunnen Basel/Bibelpanorama) und Deutschland (Brunnen Giessen/

Und wie hält es Chrischona heute mit den Geistesgaben?

Wir fördern sie. Wie dies geschieht und in welchem Rahmen welche Geistesgaben in der Gemeinde praktiziert werden, liegt auch wieder in der Verantwortung der örtlichen Gemeindeleitung.

In den letzten Jahren wurden kaum neue Chrischona-Gemeinden gegründet. Woran liegt das?

Es sind durchaus neue Gemeinden entstanden, vor allem in Frankreich. Auch im Osten Deutschlands haben wir die Entstehung und den Aufbau neuer Gemeinden gefördert. In der Schweiz hatten wir bis Anfang der 90er-Jahre diverse Gemeindegründungen, seither aber deutlich weniger. Derzeit haben wir in Frankreich eine klare Gemeindegründungsstrategie. In Deutschland halten wir vor allem im Osten Ausschau nach Möglichkeiten, Gemeindegründungen zu unterstützen. In der Schweiz arbeiten wir vor allem in der Westschweiz auch verstärkt interkulturell.

Junge Menschen betrachten ICF oder Vineyard als attraktiver. Wie stellt sich Chrischona darauf ein?

Wir investieren in junge Menschen und ihre geistliche Entwicklung. Dazu gehört auch, dass wir ihnen viele Möglichkeiten bieten, ihre Kreativität leidenschaftlich für Jesus einzusetzen.

Laut neuer Nationalfonds-Studie stagniert auch bei Chrischona der Gottesdienstbesuch. Wie könnte

Alpha). Chrischona zählt rund 200 örtliche Gemeinden mit 20 000 Besuchern. In der Schweiz sind es 98 Gemeinden mit 7000 Erwachsenen und 4000 Kindern und Jugendlichen. Kernauftrag der Pilgermission St. Chrischona ist die Bildungsarbeit am Theologischen Seminar (TSC) mit derzeit über 120 Studierenden. Sie studieren Theologie oder Gemeindepädagogik oder besuchen den Jahreskurs. Die BachelorAbschlüsse sind von der Middlesex University in London validiert. Neben dem TSC zieht das Konferenzzentrum St. Chrischona jährlich rund zehntausend Gäste zu Seminaren oder Konferenzen an. www.chrischona.org

sich das in Zukunft ändern?

Wir fokussieren uns auf die Qualität unserer Arbeit und fördern die geistliche Reife und eine leidenschaftliche Spiritualität.

Welches wird der profilierte Beitrag von Chrischona für eine glaubwürdige Kirche im 21. Jahrhundert sein?

Chrischona darf die Verkündigung des Evangeliums nicht vernachlässigen, muss aber auch ein starkes Bewusstsein für die Lebenshilfe entwickeln. Evangelisation und Diakonie gehören zusammen. Wir wollen weiterhin die Wohltaten Gottes verkündigen, die zu einer Lebensveränderung führen, die sich auch ganz praktisch auswirkt. Wir wollen die Menschen ganzheitlich ansprechen. In unsern Gemeinden sollen Menschen zum Glauben kommen und im Glauben wachsen. Wie das geschieht, ist unwesentlich. Massgebend ist die Frucht, die daraus wird.

Vom Direktor wird nach seinem Abgang jeweils ein Bild in den Esssaal des Brüderhauses auf St. Chrischona gehängt. Welche Geschichten sollen sich die Studenten einmal erzählen, wenn sie vor Ihrem Bild stehen?

Sie sollen sagen, dass ich sie gefördert habe. Dass ich ihnen geholfen habe, ihr Potenzial zu entdecken. Dass ich ihnen Perspektiven vermittelt habe für ihr Leben und dass ich ihnen vertraut und viel zugetraut habe. Interview: ANDREA VONLANTHEN


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Seit über 14 Jahren sind wir mit den drei Arbeitsbereichen Gassenarbeit, Café Elim und begleitetes/betreutes Wohnen im niederschwelligen Suchtbereich tätig. Zur Betreuung unserer KlientInnen im Wohnheim Elim sowie im ambulant begleiteten Wohnen suchen wir in Ergänzung unseres Teams eine

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DasDas Evangelische Gemeinschaftswerk eigenständigesWerk Werkinnerhalb innerhalb Evangelische Gemeinschaftswerk ist ist ein eigenständiges derder reformierten reformiertenund Landeskirche sich in der evangelischen Allianz. Landeskirche engagiert und sichengagiert in der evangelischen Allianz. Wir ringen darum, Beziehungen nach biblischenWerten Wertenzu zu leben leben • Wir ringen darum, Beziehungen nach biblischen Wir wollen in einem fröhlichen Glauben Jesuswachsen wachsen • Wir wollen in einem fröhlichen Glauben ananJesus Wir helfen einander, Gaben zu entdecken und einzusetzen • Wir helfen einander, Gaben zu entdecken und einzusetzen Wir streben danach, kirchenfernen Menschen Gottes Liebe ganzheitlich nahezubringen • Wir streben danach, kirchenfernen Menschen Gottes Liebe ganzheitlich nahezubringen

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14 Cit City Ch Church: h GGott in i mehreren h

11 Führung: So kam Transport-Chef

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Sie verpasste das Tram und fand Jesus JoURnAL Kirchen als Uni-Hörsäle?

«CoMMiSSion» Die Evangelisations-Plattform «Netzwerk-Schweiz» veranstaltete

am Wochenende in Basel ihre erste Konferenz. Natürlich nicht ohne einen Stras seneinsatz. Vorher gab es noch eine Anfrage an den Trendbegriff «missional». Es ist ein strahlender Samstagnachmittag. Die Fussgängerzone von Basel macht den Eindruck, die ganze Stadt sei auf den Beinen. An allen Ecken stehen Musiker und Künstler. Eine Versicherung macht eine Umfrage, ein Stand mit Verteilschriften informiert über den Islam. Am Barfüsserplatz hören vier türkische Jugendliche gebannt einem grossen blonden Schweizer zu: Gabriel Häsler, der Leiter von «Netzwerk Schweiz», erklärt ihnen leidenschaftlich das Evangelium. Er fragt nach ihrer Meinung und stellt sich ihren Fragen. Am Schluss bekommt nicht nur jeder einen Energydrink, sondern nimmt auch interessiert ein «Gott-kennen»-Kärtchen mit.

Glaube wird Stadtgespräch

Die ungewöhnliche Szene war Teil der Strassenevangelisation im Rahmen der Konferenz «Commisson». Der Einsatz war aufgeteilt auf acht Gruppen: Über der Freien Strasse hing ein grosses Banner mit der Aufschrift: «Gibt es einen Gott??». An einer andern Stelle wurden Luftballons verteilt, ein «Flashmob» brachte zum Nachdenken über den Sinn des Lebens. Überall sprachen Leute über Jesus und beteten miteinander. Glaube wurde zum Stadtgespräch.

Der «Countdown» tickt

Am Morgen vor dem Einsatz hatten sich im Basler Stadtcasino

netzwerk Schweiz Netzwerk Basel organisiert jeden Samstag eine Strassenevangelisation. Mittlerweile sind sechs weitere Netzwerke in anderen Regionen dazugekommen. Im Sommer 2010 wurde die nationale Dachorganisation Netzwerk Schweiz gegründet. Ziel ist es, die Gründung von neuen regionalen Netzwerken zu fördern, bestehende Ressourcen zu vernetzen und durch Medien und nationale Projekte eine Stimme für die Evangelisation zu sein. www.netzwerkschweiz.ch

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Universität und ETH Zürich platzen aus allen Nähten. Nun wurde abgeklärt, ob leerstehende Kirchen als Hörsäle genutzt werden könnten. Die Hälfte der 47 reformierten Kirchen wird in absehbarer Zeit nicht mehr gebraucht; fünf davon könnten grundsätzlich in Frage kommen. Vorlesungen seien mit dem Charakter einer Kirche eher vereinbar als die Nutzung als Shoppingcenter oder als Wohnungen, argumentiert der Stadtverband. (idea)

Frischer Wind im TDS Gabriel Häsler spricht vor dem Plenum im Stadtcasino Basel.

etwa 200 Leute versammelt. Nach einer Anbetungszeit mit der Band «Upstream» aus Zürich erklärte Gabriel Häsler, warum Evangelisation nach wie vor nötig ist. Das Versöhnungsangebot durch Jesus Christus sei «Gottes Priorität». «Es ist eine grosse Dringlichkeit da. Im Himmel tickt ein Countdown», so Häsler. Gottes Fokus liege auf den Menschen, die Jesus noch nicht kennen. Das habe sich auch in einer postmodernen Gesellschaft, die nicht nach Wahrheit frage, nicht geändert. Leider hätten viele Christen den Eindruck: «Das funktioniert alles nicht mehr.»

Gespräch mit Passanten über Jesus in der Freien Strasse.

Alles «missional»?

Man weiss ja nie

Der Theologiestudent Simon Walder vom Netzwerk «Zürcher Unterland» hatte denn auch einige kritische Anfragen an den «missionalen» Gemeindebau. Seit 1998 der Begriff «missional» aufgekommen ist, wurde er zunehmend zu einem Trendwort. Ihm liege ein breiteres Heilsverständnis zugrunde, das auch die soziale Gerechtigkeit, also «befreite Umstände» mit einbeziehe. Durchaus nichts Schlechtes. Aber: «Wenn alles Mission ist – dann ist vielleicht nichts mehr Mission», so Walder. Zuerst komme immer noch «die innere Umkehr und Busse». «Eine komplizierte Sache, worüber viel Unklarheit herrscht», meinte Gabriel Häsler. Er lehnte das Thema keineswegs ab, betonte aber, dass der Hauptauftrag, «von Jesus zu erzählen», nicht verloren gehen dürfe.

Dass Menschen weiterhin offen sind für das direkte Ansprechen mit dem Evangelium, zeigte sich am Nachmittag. Die Teilnehmer kamen erfüllt vom Einsatz zurück und hatten viel zu berichten: Eine Frau habe ihr Tram verpasst und wurde daraufhin in ein Gespräch verwickelt, in dem sie ihr Leben Jesus gegeben habe. Daraufhin sei sie ins nächste Tram eingestiegen. Nicht jedes Erlebnis war so spektakulär. Ein Mädchen hatte hauptsächlich neue Facebook-Kontakte zu verzeichnen. Aber jeder wurde durch die Erfahrungen für den eigenen Glauben ermutigt. Man weiss ja nie, was geblieben ist: «Oft hört man später gerade von jenen Leuten etwas, die im Gespräch sehr skeptisch waren», sagt Gabriel Häsler. CHRISTOF BAUERNFEIND Bilder: zvg

Das Theologisch-Diakonische Seminar (TDS) Aarau setzt auf Fachkompetenz, Leidenschaft und tatkräftiges Engagement. Aktuell haben 25 junge Menschen das Studium aufgenommen. «Am TDS Aarau werden Talente gefördert. Junge Menschen erhalten Gelegenheit, auf ihren Begabungen und Talenten aufzubauen und diese zu Kompetenzen zu entwickeln, die sie in Kirche und Gesellschaft investieren können», heisst es im Medienbericht. Am 25. September erscheint das bisherige Informationsorgan «TDSinform» nach acht Jahren als «meinTDS». Das neue Magazin setzt verstärkt auf die Bildsprache, ohne Aktualität und Qualität der Inhalte zu verändern. (idea) www.tdsaarau.ch

C-Leaders: Resilienz

40 Führungskräfte beschäftigten sich im Workshop der Fachschule für Führungskräfte vom 15. September mit der Frage, wie man Krisen unter Rückgriff auf persönliche, soziale und geistliche Ressourcen konstruktiv nutzt: «Alles, was uns widerfährt, in den betenden Dialog mit Gott hineinnehmen, für ein stabiles soziales Netzwerk sorgen, eigenverantwortlich handeln lernen.» Der achte Jahreskurs startet im Januar 2012. (idea) – www.c-leaders.ch

Kirche Gossau hilft Afrika

Am Sponsorenlauf «Race for Kisangani» der Evangelisch-reformierten Kirche Gossau SG haben 244 Läuferinnen und Läufer mit insgesamt 1313 Sponsoren 95 950 Franken erlaufen. Das Geld kommt Jugendhäusern in Afrika und in Gossau zu Gute. Partnerorganisation vor Ort ist der «Bibellesebund». (idea) www.refgossau.ch


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TAG E SSC H AU

Sie wollen weiter «die Flagge fürs Leben hissen» «MARSCH FÜRS LÄBE» «Party-Chaoten» und Anarchisten bedrängten die Zürcher Kundgebung vom Bettags-Samstag.

Trotzdem: Der Trägerkreis plant 2012 nach zehn Jahren Fristenregelung eine Neuauflage des Grossanlasses. «Ich denke, es war trotz allem ein Sieg für das Leben», sagt Michael Herwig. Der evangelische Pfarrer aus Winterthur gestaltete zusammen mit seinem katholischen Amtskollegen Roland Graf den ökumenischen Gottesdienst: «Wir hatten die Ehre, die Fahne für das Leben zu hissen». Organisator Daniel Regli aus Zürich meint: «Generell sind wir sehr zufrieden. Wir erhielten viele motivierte Rückmeldungen. Ein junger Mann will die Facebook-Seite ausbauen. Und die Unterzeichnung der ‹Charta fürs Läbe› ist sprunghaft angestiegen.»

Bald überall in der Schweiz?

«Lärm und Radau gegen reaktionäre Lebensschützer» stand in Broschüren der teils vermummten Gegendemonstranten. «Hätt Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben» oder «Jesus

Schweiz zu hören sein.» Er möchte, dass sich noch viel mehr Gemeinden mit einbeziehen lassen. «Endlich mal aus unserer Ecke rauskommen und öffentlich hinstehen: Darum soll es gehen!» Der Hass in den Gesichtern vieler Gegendemonstranten hat ihn bewegt, wie auch seinen katholischen Amtsbruder Roland Graf aus Unteriberg SZ.

Ziel: Grössere Beteiligung Sie traten an der Zürcher Kundgebung für das Recht auf Leben ein.

raus» war auf Transparenten zu lesen. Trotz einer aggressiven Stimmung konnte der friedliche Kundgebungsmarsch unter Polizeischutz durchgeführt werden. «Der Wind hat sich gedreht», beobachtet Michael Herwig von der Stiftung Schleife. «Bekennende Christen sind nicht mehr in der

Mehrheit.» In einem säkularen Umfeld mit zum Teil antichristlichen Tendenzen müsse mit mehr Widerstand gerechnet werden. Jedoch: «Wir sollten uns davon nicht entmutigen oder abschrecken lassen. Die Stimme der Lebensschützer sollte nicht nur in Zürich, sondern in der ganzen

Daniel Regli sagt: «Ziel bleibt, dass die Menschen in der Schweiz wieder uneingeschränktes Lebensrecht geniessen dürfen – vom Mutterbauch bis zum Sterbebett. Wir werden demnächst erste Überlegungen zum Marsch 2012 besprechen. Zehn Jahre Fristenregelung... Ich hoffe auf grössere Mitwirkung von Verantwortlichen aus Kirchen, Freikirchen und Werken.» THOMAS FEUZ

Junge und Senioren segneten sich gegenseitig LANDESKONFERENZ VFMG «Zäme starch si»: Unter diesem Motto trafen sich am Bettag fast 900 Mitglieder der Freien Missionsgemeinden auf St. Chrischona bei Basel zu ihrer Jahreskonferenz. Sie erfuhren Motivation und Zurüstung. Solidarität ist einer der Grundwerte der Gemeinden der Vereinigung Freier Missionsgemeinden (VFMG). Deshalb wurde das Thema «zäme starch si» gewählt.

Aus Solidarität: Postkarten

Als Hauptreferent wirkte Bernhard Ott, Präsident des Bundes der Evangelischen Täufergemeinden und Dozent am Theologischen Seminar Bienenberg. In einem tiefgründigen Vortrag zum «Miteinander und Füreinander» in der Bibel gab er praktische Ratschläge für den Alltag. In einem bildhaften Vergleich mit kleinen und grösseren Münzen beschrieb Ott die Umsetzbarkeit biblischer Wahrheiten zu der in der Bibel geforderten Solidarität. Patrice Alcindore, Präsident von France-Mission, sprach als Gastreferent über die Notwendigkeit der Solidarität mit der Mission. Um diesem Aspekt NachhaltigBild: zvg

Feierten und segneten sich: Teilnehmende der VFMG-Landeskonferenz.

keit zu geben und um eine langfristige Stärkung der FrankreichMission der FMG-Gemeinden zu erreichen, wurde die Aktion «Motivations-Post für Missionare» ins Leben gerufen: Die Besucher konnten «Schreibaufträge» für Postkarten übernehmen. So werden die Missionare im kommenden Jahr regelmässig motivierende Post von verschiedensten Menschen erhalten.

Neue Arrangements

Eine weitere praktische Umsetzung des Tagesthemas fand sich in dem von Toby Meyer und Band gestalteten musikalischen Rahmen. Viele altbekannte Hymnen wurden neu arrangiert und flossen zusammen mit modernen Lobpreisliedern ins Programm ein. Während am Vormittag alle Generationen im Plenum feierten, fand am Nachmittag parallel

eine Jugendkonferenz statt. Hier konnte die Musik etwas lauter aufgedreht werden. Zur jüngeren Generation sprach Etienne Josi, Pastor der Ekklesia-Jugendkirche in Frutigen. Gleichzeitig berichteten bei der Erwachsenenveranstaltung der ehemalige Junior-Pastor und der Senior-Pastor der FMG Frutigen darüber, wie sie es schafften, innerhalb einer «gewöhnlichen» Mehrgenerationengemeinde die Jugendkirche «Ekklesia» zu errichten, um mit diesem ungewöhnlichen Modell der zunehmenden Zahl von Jugendlichen eine angemessene Heimat zu bieten. Mit einem Generationen-Segen, bei dem die Jugendlichen die Senioren und die Senioren die Jugendlichen segneten, endete ein bewegender Tag. FRANK VORNHEDER www.vfmg.ch idea Spektrum 39.2011


TAG E SSC H AU

Oft fragt er Gott nach dem Kaufpreis

ÄXGÜSI

RAUHER WIND Daniel Schöni führt eines der grössten Transportunternehmen. Seine

Hilfe, Mission!

Branche ist stark gefordert. Wie begegnet er dem «Krieg» auf Europas Strassen, und warum vertraut er in allem auf Gott? Er erklärte es an einem IVCG-Meeting. Er redet gerne Klartext und sagt geradeheraus, was in seiner Branche abgeht. Der Berner Transportunternehmer Daniel Schöni will mit seinen Referaten Verständnis schaffen für seine Welt. So stand der 40-Jährige in Gottlieben vor einem grossen Publikum der IVCG Thurgau (Internationale Vereinigung Christlicher Geschäftsleute).

Kriminelle Entwicklungen

In der Transportbranche sind die goldenen Zeiten vorbei. Die Entwicklungen der letzten zehn Jahre waren gekennzeichnet von einem massiven Preiszerfall. Der Wegfall der Kabotage, des Verbots für ausländische Transporteure, in einem Land im Binnenverkehr tätig zu sein, habe die Branche durchgerüttelt. Die Konkurrenz aus dem Osten setze die traditionellen westeuropäischen Unternehmer zunehmend unter Kostendruck. Kleinkriminelle Erscheinungen wie Diesel-, Pneuund Batterieklau hätten dem noch eins draufgesetzt, ebenso grosse Organisationen, die Geldwäscherei betrieben. Es gebe kein Amt in Europa, das die Struktu-

Nicht Obamas Slogan Seit 2002 nutzt die Schöni Transport AG den Slogan «Yes, we can», der vor allem seit dem Wahlkampf des heutigen amerikanischen Präsidenten Barack Obama weltweit bekanntgeworden ist. «Ja, wir haben Post aus Washington erhalten und wurden aufgefordert, zu belegen, woher wir die Erlaubnis hätten, diesen Slogan zu verwenden», erzählte Daniel Schöni. Doch das Unternehmen hatte seinen Slogan schon Jahre vor Obamas Wahlkampf eingeführt. Für die Schöni Transport AG sind heute 350 eigene sowie 100 bis 150 fremde Fahrzeuge im Einsatz. Die Schöni-Familie, wie Daniel Schöni die Firmengruppe nennt, beschäftigt im Transportbereich etwa 600 Mitarbeitende. Zusammen mit den Bereichen Food, Handel und Hotel sind es rund 700 Beschäftigte. idea Spektrum 39.2011

Daniel Schöni spricht vor wichtigen Führungsentscheiden mit Gott.

ren und Vorgänge kontrollieren könne, legte Schöni dar.

«Krankes Modell»

Es herrsche ein Krieg auf Europas Strassen. Verantwortlich dafür sei die Politik, die den freien Warenverkehr und den Wegfall der Kabotage ohne flankierende Massnahmen eingeführt habe. Verantwortung trügen aber auch die Transporteure, die die Gesetze einhalten sollten, ebenso die Verlader. Sie wüssten, dass sie eigentlich von «einem kranken Modell» lebten. Wenig Verständnis zeigte Schöni, dass die Polizei angesichts dieser Entwicklungen auch kleinste Fehler der Transporteure mit massiven Bussen bestrafe. Demgegenüber seien unzählige Osteuropäer mit technisch maroden Lastwagen unterwegs.

Täglich im Schaufenster

Trotzdem gibt es die Schöni Transport AG immer noch, auch wenn die Erträge unter Druck geraten sind. Warum, das erklärte der Unternehmer mit klaren Geschäftsprinzipien: Fokussierung auf den Italienmarkt, Disponenten, die die Zahlen kennen, keine finanziellen Experimente. Die Unternehmung ist seit 2002 von 90 auf 700 Mitarbeitende angewachsen, illustrierte Schöni stolz. Seine Eltern und Grosseltern hätten den christlichen Glauben gelebt, und auch er orientiere sich daran. Es gehe nicht darum, per SMS Bibelverse an seine

Chauffeure zu versenden, sondern im Alltag den Glauben zu leben. Er stehe täglich im Schaufenster und bemühe sich deshalb, sich korrekt zu verhalten. Das beginnt bei steuerlichen und finanziellen Transaktionen, reicht über das saubere Verbuchen von gebrauchten LKWs bis zu Firmenkäufen.

Auf Gott hören

Gerade für Firmenkäufe, und solche hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren zahlreiche getätigt, gibt es laut Daniel Schöni ein klares Prozedere. «Ich frage Gott jeweils: Wo ist die Obergrenze für den Kaufpreis? Und wenn ich mich daran gehalten habe, kam es immer gut.» Auf Gott zu hören, habe schon etwas. Auch bei wichtigen Führungsentscheiden spreche er mit Gott. «Ich bete viel, auch bevor ich grosse Kunden besuche, vor wichtigen Verhandlungen oder Personalentscheidungen.» Den christlichen Glauben lebt Daniel Schöni auch in seiner Familie, mit seiner Ehefrau Andrea und seinen drei Kindern. Das Prinzip, sechs Tage zu arbeiten und am siebten zu ruhen, ist eine feste Konstante für ihn. Es gebe immer Gründe, am Sonntag ins Büro zu gehen, aber er habe genauso viele Gründe, sich am Wochenende der Familie zu widmen. Oder auch der Sonntagsschule, der er sich in seiner freikirchlichen Gemeinde widmet. MARTIN SINZIG Bild: Martin Sinzig

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Die vergangene Woche hatte es in sich. Am Montag war die erste Fra­ ge, die mir auf einem öffentlichen Podium gestellt wurde: «Machen Sie eigentlich Entwicklungszusam­ menarbeit, um zu missionieren?» Einen Tag später begegnete ich für ein Vorbereitungstreffen Sheryl Haw, der Direktorin von «Micah Network». Sie erklärte dem Team, was sie unter integraler Mission versteht: «Integrale Mission ist von bedingungsloser Liebe und Dienen gekennzeichnet, und sie ist nicht Mittel zum Zweck.» Und dann erreichte mich Mitte Woche eine Vorstossantwort der Berner Regie­ rung, worin sie schreibt: «Bei Fürsor­ ge, Jugend­ und Sozialarbeit liegt das Motiv für das Handeln von Freikirchen in der Verbreitung der eigenen Glaubensrichtung und der Gewinnung neuer Mitglieder. Es fehlt damit auch für diese Tätigkei­ ten an der Gemeinnützigkeit im Sinne der Steuergesetzgebung.» Was um alles in der Welt lässt prak­ tizierte Nächstenliebe in unserer Ge­ sellschaft als gefährlich erscheinen? Oder wie anders als mit Furcht vor christlicher Mission lässt sich diese Grundstimmung im 21. Jahrhun­ dert beschreiben? Ob ich über Ent­ wicklungshilfe, Jugendarbeit oder gar Politik diskutiere: Regelmässig wird mir unterstellt, ich wolle mein Gegenüber unter falschen Vorwän­ den über den Tisch ziehen. Ist es die orientierungslose Situa­ tion, in der sich die Mehrzahl der Menschen heute befindet? Oder sind es die misslungenen Beispiele von christlicher Lebensführung, welche Menschenseelen noch heute wie neu zu erobernde Kontinente aufs Korn nehmen? Wahrscheinlich spielt beides zusammen gegen uns. Und ich werde Tag für Tag erklären müssen, dass meine Mission schlicht darin besteht, die empfangene Liebe Gottes mit anderen Men­ schen zu teilen. MARC JOST

Der Autor ist Geschäftsführer des Hilfswerkverbandes «Interaction» und Berner Grossrat. Er wohnt in Thun.


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P u bl i r e P or tag e

PUBLIREPORTAGE

39/2011 l ideaSchweiz

Wir gratulieren zum Masterabschluss 2011! Linda Blumer

Christian Salvisberg

Praktikantin Jugendarbeit Christliches Zentrum Buchegg, Passagierbetreuug Careport Zürich

Pastor BewegungPlus Spiez

Masterarbeit: «Eine Jugend ohne Gewissen...? Eine empirische Untersuchung zur Scham- & Schuldorientierung von Jugendlichen und der Kommunikation des Evangeliums»

Masterarbeit: «Zwischen Traditionalismus und Anpassung: Was wir von Francis Schaeffers Dialog mit der Kultur lernen können.»

Marianne Brassel

Thomas Schnyder

Sekretariat FEG Heiden, Aufbau sozialdiakonische Arbeit, Weiterstudium MTh (UNISA)

Mitarbeiter ETG Erlen Projekt «missionale Buchwiesengemeinde», Studienleiter-Assistent IGW International in Zürich

Masterarbeit: «Die Herrlichkeit des Herrn – Eine biblisch-theologische Untersuchung zum unterschiedlichen jüdischen und christlichen Verständnis in der Gottesbegegnung Moses am Sinai»

Masterarbeit: «Unser Nächster: Der Muslim – Gesellschaftsrelevanter Gemeindebau der Buchwiesengemeinde ETG Erlen im Kontext der muslimischen Bevölkerung»

Wolfgang Briglauer

Robert Singer

Wissenschaftlicher Assistent Universität Wien, Gemeindeprojekt in Wien

Schulleiter Gemeinde Uzwil

Masterarbeit: «Gibt es biblische Begründungsansätze zur Ausgestaltung der Wirtschaftsordnung? – Eine theologisch-ökonomische Analyse entlang der Extrema einer zentralen Planwirtschaft und einer freien Marktordnung»

Masterarbeit: «Wie christlich darf die Volksschule sein? Ein Vergleich der St. Galler Volksschule mit den pädagogischen Prinzipien von August Hermann Francke»

Peter Haslimann

Christian Stäheli

Informatiker Glencore International AG

Pastor BewegungPlus Stans und Chauffeur

Masterarbeit: «Biblisches Fasten: Eine biblischtheologische Untersuchung.»

Masterarbeit: «Damit wir an der Liebe erkannt werden – Die Gemeinschaftspraxis des gesellschaftsrelevanten Gemeindebaus im Lichte von Paulus»

Michael Moesch

David Staub

Jugendpastor bei Stadtmission Chur

Studienleiter-Assistent IGW International in Bern

Masterarbeit: «Die Sozialethik des Alten Testaments im Neuen Testament. Eine kritische Würdigung radikaler evangelikaler Theologie.»

Masterarbeit: «The Medium is the Message – Der Einfluss des Mediums Blog auf die Grundwerte von Emergent Deutschland»

Wir gratulieren unseren Absolventinnen und Absolventen herzlich zum bestanden Masterdiplom und wünschen ihnen Gottes Segen in ihren neuen Aufgaben.

www.igw.edu

Thomas Mauerhofer Studienleiter Master of Arts

Mathias Burri Bereichsleiter Weiterbildung

idea Spektrum 39.2011


f oru m | LE SE r Br I E f E

SYNERGIE Altes Modell für Vollzeiter Eines der Bücher, das mich – nebst der Bibel – in den letzten Jahren am meisten herausgefordert hat, ist «Das normale Gemeindeleben» von Watchman Nee, einem chinesischen Christen. Die Lektüre war für einen wie mich, der von Kindesbeinen an einen Evangelikalismus westlicher Prägung erlebt hatte, ein (heilsamer) Kulturschock. Nee räumt in seinem Buch mit dem bei uns weit verbreiteten Irrtum auf, dass die drei Hauptelemente der westlichen Kirche (Gebäude, Prediger, Gottesdienst) die wichtigsten oder gar einzigen Wesenszüge einer Gemeinde nach neutestamentlichem Verständnis seien. Aber darum soll es heute nicht gehen. Vielmehr hat mich noch ein anderer, wirtschaftlich interessanter Aspekt im besagten Buch herausgefordert. Watchman

Respekt! «idea Spektrum» Nr. 38 – «Konsequent für das Leben» Ich möchte mich bei allen Frauen und Männern bedanken, die sich am «Marsch fürs Läbe» in Zürich öffentlich für den Schutz des ungeborenen Lebens eingesetzt haben. Sie verdienen unseren Respekt. In einer Zeit, in welcher vielerorts die Freiheit der Eltern höher gewichtet wird als das Leben ungeborener Kinder, ist die christliche Präsenz in der Öffentlichkeit ein starkes Zeichen, das nötiger denn je ist! Nur so kann dem heute immer stärker überbordenden Egoismus einzelner Eltern Einhalt geboten werden. Urs MArTIN, Kantonsrat SVP, Romanshorn

Liebe zu Israel

Nee widmet nämlich ein ganzes Kapitel dem Thema Finanzen. Darin provoziert er hauptsächlich mit zwei Thesen: Erstens sei es Gottes Sache, ein Werk, das er ins Leben gerufen hat, zu finanzieren. Will heissen: Gott zahlt restlos, was er bestellt. Damit stellt Nee unter anderem die üblichen Spendenaufrufe christlicher Werke radikal in Frage. Der finanzielle Engpass eines Werkes wäre auf dieser Grundlage ein potenzieller Hinweis, dass Dinge getan werden, die vom Allmächtigen vielleicht gar nie bestellt wurden. Die zweite These geht in die gleiche Richtung: Demnach dürften Vollzeiter nicht von einer Gemeinde oder einem Verein angestellt, sondern müssten selbständig und direkt von Gottes Versorgung abhängig sein. Die Begründung ist einfach: Wen der Herr beruft, den versorgt er auch. Und wenn ein Mann Gottes vom Weg abkommt, so steht seinem Chef ein ziemlich effizientes Korrektiv zur Verfügung: Ein solcher Vollzeiter wird – sobald es mit der Versorgung werde, weil es sich als Heimstätte der Juden verstehe. Und Christen würden die Regierungen ihrer Länder ermutigen, für Israel einzustehen. Im letzten Abschnitt dagegen stellt er fest, weil Christus alle Menschen liebe, dürften Christen nicht einige Menschen lieber haben als andere. Und schon gar nicht ihre Staaten. Wo stehen die letzten zwei Aussagen in der Bibel? Verbietet es mir die Bibel, ein Land meiner Wahl und damit auch dessen Bevölkerung besonders zu lieben? Verbietet sie mir, meine Frau, meine Kinder und meine Freunde mehr zu lieben als andere Menschen? Hat Gott nicht gesagt: «Jakob habe ich geliebt, aber Esau habe ich gehasst.» (Maleachi 1,3, Römer 9,1116)? Hatte nicht Jesus einen der Jünger besonders lieb? PETEr MüLLEr, Freienstein

«idea Spektrum» Nr. 35 – «Steht uns Israel näher als jedes andere Land?»

Mission gehört dazu

Im Gegensatz zu seinem Kontrahenten Jürgen Bühler nennt Frank Fornaçon, Präsidiumsmitglied des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, keine einzige Bibelstelle, um seine Aussagen zu untermauern. Schade! Am Anfang seiner Stellungnahme schreibt er, Christen würden stets darunter leiden, wenn Israel angegriffen

«Der Teufel läuft wie ein brüllender Löwe um euch herum»: Diesen Bibelvers aus dem Petrusbrief (1. Petrus 5,8) zitiert Hugo Stamm in einem Artikel im «Tages-Anzeiger» über die ICF-Kirche durchaus richtig. Wie wohl auch die meisten anderen Aussagen. Interessant sind einfach die manipulativen Zwischentöne, mit denen

ideaSpektrum 39.2011

klemmt – meist viel schneller Gottes Angesicht suchen und den Grund für die Probleme beseitigen, um wieder in seiner Berufung zu laufen, als jemand, der von einer Gemeinde ein Monatsgehalt bekommt. Leider ist es bei uns nicht ganz einfach, das etablierte System zu hinterfragen, da der Monatslohn eine Art unantastbares Grundrecht darstellt und auch die AHV wenig Spielraum lässt. Und doch fände ich es reizvoll, ein Geschäftsmodell zu entwickeln, das unseren Vollzeitern die Selbständigkeit ermöglichen würde. Spenden würden direkt an sie überwiesen und wären (steuerpflichtiges) Einkommen. Mutmasslich würde diese Art von «Abhängigkeit in Selbständigkeit» manchen christlichen Leiter so richtig freisetzen. DANIEL ALBIETZ Der Autor ist Anwalt und Gemeinderat in Riehen BS. www.albietz.biz

Stamm die Sektenkarte spielt, ohne diesen Begriff verwenden zu müssen. Er weigert sich, zur Kenntnis zu nehmen, dass nicht nur Freikirchler, sondern auch bekennende Christen in den Landeskirchen an einen «Widersacher» glauben, der den guten Absichten Gottes entgegenwirkt. Auch das missionarische Element ist keine ICF-Erfindung, sondern gehört zum genetischen Code aller JesusNachfolger. Denn Menschen können und dürfen eingeladen werden, sich zu entscheiden, welchen Weltanschauungen sie Gehör schenken und nach welchen Werten sie ihr Leben ausrichten wollen. Und einer dieser Werte ist eben auch das grosszügige Geben, das Hugo Stamm bei Christen zu irritieren scheint. Logisch, dass Freikirchen auch ihre Existenz darauf aufbauen, und dass sie deshalb in Gefahr stehen – wie übrigens jeder finanziell herausgeforderte Fussballclub –, gelegentlich manipulativ zu werden. Dem sozialen Engagement des ICF unterstellt Stamm unlautere Motive, obwohl das Heilsarmee-Motto «Suppe, Seife, Seelenheil» ja für alle JesusNachfolger Gültigkeit hat. Ich freue mich, dass das ICF missioniert und sich um «Leidgeprüfte» kümmert. WILF GAssEr, Präsident Schweizerische Evangelische Allianz, Bern

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PODIUM Die Reichsten Die Schweiz ist laut des «Global Wealth Report» das reichste Land der Welt. Das durchschnittliche Vermögen pro Einwohner beträgt 250 000 Franken, das sind 19 Prozent mehr als im Jahr zuvor (auch eine Folge des starken Frankens). Derweil kämpfen Millionen von Menschen ums Überleben. Wenn wir ein christlich geprägtes Land sein und bleiben wollen, muss uns die Überzeugung lenken, dass Armut und Not dann überwunden werden, wenn alle Menschen die ihnen zustehenden Rechte geltend machen können, die für uns selbstverständlich sind: bürgerliche und politische Rechte für Frauen und Männer, das Recht auf Bildung, Gesundheit, auf Nahrung, sauberes Wasser, auf eine intakte Umwelt, auf Frieden. Der Weg dazu ist vielfältig. Einer betrifft die Verantwortung der Wirtschaft im globalen Markt. Die Wirtschaft muss verpflichtet werden zu ethischem Handeln. Dazu gehören «Fair Trade» und die Bedingung, dass Geschäftspartner die Menschenrechte respektieren müssen. In der Zusammenarbeit sind «saubere» Partner vorzuziehen, nachhaltige Firmen, die es mit dem Verbot des Verursachens von Umweltschäden und dem Zulassen von Kinderarbeit etc. ernst nehmen. Die Chance, dass ein Reicher in den Himmel kommt, ist nicht grösser, als dass ein Kamel durchs Nadelöhr gelangt. Wir wissen um dieses biblische Bild. Aber Jesus hatte diese Antwort gegeben, ob es uns passt oder nicht. Das Milleniumsziel der Halbierung der weltweiten Armut bis 2015, zu dem sich die Schweiz verpflichtet hat, ist schlicht chancenlos mit dem derzeitigen Budget für Entwicklungszusammenarbeit. Wann will denn die Schweiz als reichstes Land den Tatbeweis antreten statt der blossen Lippenbekenntnisse der bürgerlichen Parteien? MAYA INGOLD Die Autorin ist Nationalrätin der EVP und wohnt in Winterthur. Bild: VBG


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DI A KON I E

Liebe und Hilfe statt Recycling von Menschen HILFSWERK «REMAR» Seit bald 20 Jahren gibt es das Hilfswerk für Menschen am Rande der Gesellschaft auch in der

Schweiz. Wie Menschen mit Drogensucht und anderen Problemen bei uns Zuflucht finden: Das erzählen der Schweizer Initiator Christian Köppel und Paulo Oliveira, Präsident von «Remar» in den deutschsprachigen Ländern.

«Es gibt eine Kraft, der niemand widerstehen kann: Die Liebe.» So lautet ein Zitat von Miguel Diez, der das Hilfswerk «Remar» 1982 in Victoria in Spanien ins Leben gerufen hat. Diez, ehemaliger Alkoholiker und Spieler, war von dieser enormen Kraft der Liebe überzeugt. Nach seiner radikalen Hinwendung zu Jesus erkannte er in einer Vision vier Säulen: Evangelisation, Jüngerschaft, soziale Arbeit und christliche Geschäfte. Das Fundament dieser vier Säulen ist Jesus Christus, die christliche Organisation «Remar» bildet das Dach. In 30 Jahren hat sich die Vision von Miguel Diez weltweit verbreitet. Heute ist «Remar» in 68 Ländern in Nord- und Südamerika, in Europa, Australien, Afrika, Asien und dem Mittleren Osten präsent.

Impressum Idea Schweiz Herausgeber: Idea Information AG, 4410 Liestal Verwaltungsrat: Heiner Henny, Präsident; Sam Moser, Stellvertreter; Paul Beyeler, Hans Lendi, Hansjörg Leutwyler, Hanspeter Schmutz Ideelle Trägerschaft: Schweizerische Evangelische Allianz (SEA), Verband Evangelischer Freikirchen und Gemeinden (VFG), Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Missionen (AEM) Redaktion: Aemmenmattstr. 22, 3123 Belp, Tel. 031 818 01 44, Fax 031 819 71 60 E-Mail: redaktion@ideaschweiz.ch Internet: www.ideaschweiz.ch Chefredaktor: Andrea Vonlanthen Büro: Bahnhofstr. 65, 9320 Arbon Tel. 071 446 70 02, Fax 071 446 74 88 E-Mail: andrea.vonlanthen@ideaschweiz.ch Redaktor: Thomas Feuz Erweitertes Team: Esther Reutimann, Sibylle Zambon, Christian Bachmann, Mirjam Fisch-Köhler, Marlies Reutimann Praktikum: Christof Bauernfeind Inserateservice: Jordi AG – das Medienhaus, Roland Rösti, Aemmenmattstr. 22, 3123 Belp, Tel. 031 818 01 25, Fax 031 819 38 54 E-Mail: inserate@ideaschweiz.ch Aboservice: Jordi AG – das Medienhaus, Ursula Seifried Jordi, Aemmenmattstr. 22, 3123 Belp, Tel. 031 818 01 20, Fax 031 819 38 54 E-Mail: abo@ideaschweiz.ch Abopreise: Jahresabo Fr. 145.–, Seniorenabo Fr. 117.–, Halbjahresabo Fr. 77.–. Das Abo ist unter Einhaltung einer vierwöchigen Frist jeweils zum Bezugsende kündbar. Konto: PC-Konto 40-788586-4 Idea Information AG, 4410 Liestal Layout/Druck/Versand: Jordi AG – das Medienhaus, Aemmenmattstr. 22, 3123 Belp www.jordibelp.ch

Bild: zvg

leben bescheiden, und das Verwaltungsteam entscheidet, was wir brauchen, um unseren Bedarf zu decken.» Viele Gemüsehändler wie die Müller Agrar AG, Coop, Migros und Carrefour spenden regelmässig Lebensmittel.

Armut lindern – Türen öffnen

Hilfe bleibt nötig: «Remar» packt an, wie nach dem Erdbeben in Haiti.

Ein Haus voll von «Junkies»

Christian Köppel aus Oberweningen ZH ist mit der Ärztin Ursula Köppel verheiratet und Vater von fünf erwachsenen Töchtern. 1992 hört er durch Hans Peter Nüesch, Leiter von Campus für Christus Schweiz, von der spanischen Drogenarbeit «Remar», die ihn sehr beeindruckt. Das Drogenelend auf dem Platzspitz in Zürich beschäftigt ihn sehr, die Schliessung des Geländes durch die Behörden und die zahlreichen Junkies, die nun wieder auf der Strasse waren. Er entschliesst sich zum Handeln. Von seinem Vater hat Köppel in Schwerzenbach ZH ein grosses Grundstück mit zwei alten, verlotterten Häusern geerbt. Die Häuser werden mit vielen Freiwilligen renoviert. Ein paar Wochen später, im Februar 1992, ist das Haus bereits Anlaufstelle für über hundert Drogensüchtige, die beim Letten in Zürich fortgejagt wurden. Sie werden von engagierten Helfern aufs Grundstück in Schwerzenbach geholt. Dort unterziehen sie sich vorerst einem Entzug und werden dann in verschiedenen «Remar»- Stationen im Ausland therapiert und versorgt. Heute leben im einen Haus in Schwerzenbach zwölf Männer und daneben drei Frauen mit Kindern.

Eine Art modernes Kloster

Dem Ruf, «alles zu verkaufen», folgt Miguel Diez ein Jahr nach

seiner Bekehrung. Paulo Oliveira, ehemaliger Drogenabhängiger aus Portugal, erzählt von Diez und seiner Art, «ganze Sache zu machen». Paulo Oliveira hat durch die Therapie von «Remar» in Spanien zum Glauben gefunden und ist heute Leiter der drei Länder Schweiz, Deutschland und Österreich. Mit seiner Frau und den drei Kindern lebt er seit 2004 in Schwerzenbach. Dort ist er Pastor einer Spanisch sprechenden Gemeinde, führt ein Brockenhaus und leitet die «Remar». Die meisten rehabilitierten Drogensüchtigen arbeiten heute für «Remar», und zwar für Kost und Logis. Das restliche Geld geht an die Bedürftigen von «Remar». Oliveira erklärt: «Wir sind wie ein modernes Kloster. Unser Acker ist die Brockenstube. Alle Kartoffeln, die wir ernten, gehen in eine gemeinsame Kasse. Wir

«Remar» bietet in der Schweiz 50 Menschen Wohnraum in vier Häusern. In Burkina Faso beispielsweise werden knapp 1000 Waisenkinder von «Remar» betreut. Seit einigen Wochen arbeiten rehabilitierte «Remarios» bei der Renovation eines alten Hauses mit, um bei Elektrikern, Spenglern und anderen Fachleuten das Handwerk zu erlernen. Übung macht den Meister! Der Wunsch von Köppel und Oliveira: Dass in der Schweiz noch mehr Menschen Möglichkeiten schaffen, um ihr Wissen auf diese Art weiterzugeben.

Den Glauben leben

Was an Möbeln und Waren – sei dies ein altes Auto, Computer, Kleider und anderes – bei «Remar» eingeht, wird fast alles wieder gebraucht. Die Bescheidenheit von Paulo Oliveira und seinen Teams macht betroffen. Da wird der christliche Glaube gelebt, damit es weniger Armut auf der Welt gibt. Beeindruckend! Christian Köppel meint: «Wenn man es selbst gut hat und reich beschenkt wird, dann ist es gut, nicht alles für sich zu behalten.» MARTINA SCHNIDRIG

«Remar» hilft Randständigen ganzheitlich Evangelisation geht einher mit sozialer Arbeit. Menschen in Not bekommen Unterkunft, Kleider und Essen. Drogenabhängige machen den Entzug und werden in die Gemeinschaft aufgenommen. Schwangere und Alleinerziehende erfahren Hilfe und Zuwendung. Menschen in Gefängnissen werden besucht und bekommen Mahlzeiten. Aidskranke und Waisenkinder werden umsorgt und mit Medikamenten versorgt.

Jüngerschaft wird gelebt, indem die Menschen ein Fundament des christlichen Glaubens erhalten. Verschiedene Arbeitszweige dienen dazu, das Projekt «Remar» zu finanzieren: Brockenhäuser, Transport-, Reinigungs- und Gartenarbeiten. «Remar» ist zu 90 Prozent selbsttragend und von niemandem, ausser von Gott, abhängig. www.remar.ch, www.remar.org

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TAG E SSC H AU

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«Läbeplus» brachte schon 50 Menschen Lebenswert TAGLOHN-ARBEIT «Läbeplus» feierte am Sonntag in St. Gallen das einjährige Bestehen. Das Werk der «Stiftung Bild»

(Baptistengemeinde) vermittelt zahlreichen Arbeitslosen Taglohn-Arbeit und damit neuen Lebenswert. «Die gesellschaftlichen Nöte werden in Zukunft kaum kleiner, eher grösser. Gerade Christen sind gefordert zu handeln», betonte Joe Schmidmeister, Leiter von «Läbeplus», in seiner Ansprache. Die Idee zu «Läbeplus» kam dem Sozialpädagogen zusammen mit Pastor Ernst-Gerhard Fitsch und dessen Ehefrau Rita während einem Treffen anfangs 2008. Zwei Jahre dauerte die Projektentwicklung, ein halbes Jahr die Suche nach einem Büro und Lager sowie die Rekrutierung von Mitarbeitenden. Lag der erste Monatsumsatz bei 5000 Franken, wurde nun im Juni 2011 der Höchstwert von 27 000 Franken erreicht. «Gut 50 Personen fragten bisher nach Arbeit. Konkret konnten knapp die Hälfte davon für Aufträge bei Privat- und Geschäftskunden

Joe Schmidmeister will mit «Läbeplus» ein «Licht sein».

eingesetzt werden», erklärte Joe Schmidmeister.

Herausforderungen gemeistert

Leni Hasegawa, Leiter Garten/Reinigung, bezeichnete die Verantwortung für Reinigungsdienste, – «nicht wirklich meine Kernkompetenz» –, als seine grösste Herausforderung. «Doch mit

jedem Auftrag konnte ich mich verbessern», sagte er. Grundsätzlich wird vom Team grosser Einsatz und Enthusiasmus gefordert, da die stark variierenden Umsätze bisher noch keine «riesigen» Löhne zulassen. Dies wird durch ihren «Eifer für die Sache» aber mehr als wettgemacht. Wie die Erfahrungen etwa von «Läbesruum» in Winterthur zeigen, sind Sozialfirmen auch auf Sponsoring und wenn möglich staatliche Unterstützung beziehungsweise Leistungsverträge angewiesen. Dieser Bereich kann (und muss) bei «Läbeplus» noch ausgebaut werden. Die Beratung für Stellensuchende wird bisher, trotz bereits erfolgreichen Vermittlungen, gratis geleistet. Auch stehen neue Anschaffungen an, wie Auto und Rasenmäher oder

bei Wachstum grössere Räumlichkeiten. Am liebsten würde man gleich eine ganze Liegenschaft kaufen, um auch sozial Benachteiligten günstigen Wohnraum zu ermöglichen.

Jeder ist berufen

Wie Ernst-Gerhard Fitsch am Sonntag in seiner Predigt erläuterte, hat jeder Mensch (und Christ) eine Berufung von Gott. Um sie zu finden, braucht es offene Augen so wie bei Mose, der die Not seines Volkes sah und «zur Tat schritt». «Läbeplus» will deshalb den Menschen neben der Vermittlung von Arbeit durch echtes Interesse an ihnen auch tieferen Lebenswert ermöglichen. ROLF FREY www.laebeplus.ch

Äthiopische Partner übernehmen Verantwortung 25 JAHRE «SELAM» Seit einem Vierteljahrhundert ist das Hilfswerk in Äthiopien eine feste Grösse. Nun steht es vor neuen Herausforderungen: Die Partner vor Ort übernehmen die operative Leitung der diversen Einrichtungen.

«Ich habe immer davon geträumt, einmal vor allen Spendern zu stehen und ihnen zu danken», sagte ein ehemaliges Waisenkind an der Jubiläumsfeier. «Früher waren wir Nobodys, jetzt sind wir jemand.» Seit im Jahr 1986 das Hilfswerk «Selam» (Deutsch: Friede) gegründet wurde, ist viel passiert – sowohl im Werk selber als auch im Wirkungsland Äthiopien.

«Guten Rucksack» mitgeben

Begonnen hat «Selam» ganz klein mit dem Aufbau eines Kinderheims. Das war noch in den Zeiten von kommunistischer Mangelwirtschaft am Horn von Afrika. Inzwischen ist eine umfangreiche Arbeit mit den Schwerpunkten «Heimat geben» und «Ausbildung ermöglichen» gewachsen. Das vielfältige Angebot reicht von Kinderdörfern über Schulen und Werkstätten bis zu einer Tagesklinik. Aber auch Äthiopien hat sich gewandelt. Dadurch sind die Anforderunidea Spektrum 39.2011

welche Massnahmen nötig sind. Sie haben auch schon eine ganze Reihe von Ideen entwickelt und umgesetzt. Wenn das weiterhin gelingt, dann hat «Selam» etwas geschafft, womit andere häufig zu kämpfen haben: Nicht nur Hilfe anbieten, sondern Menschen die Selbstständigkeit ermöglichen. Aus «Nobodys» werden Verantwortungsträger. CHRISTOF BAUERNFEIND

«Selam»- Gründerin Zahai Röschli Yoseph mit Ehemaligen am Jubiläum.

gen an die Ausbildung gestiegen. Hier sieht sich das Hilfswerk in der Pflicht, seinen Schülern einen «guten Rucksack» mitzugeben. Dies ermöglicht es ihnen, Verantwortung zu übernehmen.

Selbstständigkeit ermöglichen

Verantwortung übernehmen beziehungsweise übergeben ist auch das Stichwort, wenn es um die Zukunft von «Selam» selbst geht. Der Trägerverein in der Schweiz ist zwar noch für

Information und Fundraising zuständig, die operative Leitung liegt seit 2010 aber vollständig in äthiopischer Hand. Ein Schritt, der das Vertrauen in die einheimischen Partner beweist. Aber auch ein Schritt, der nicht ganz einfach war. «Loslassen ist eine Herausforderung», sagt Christoph Zinsstag, Geschäftsführer der Organisation. Jetzt geht es darum, dass die Kommunikation mit Äthiopien gut klappt. Die Leute vor Ort wissen viel besser,

70 Läufer – ein Ziel Am 3. September feierte «Selam» in der Parkarena in Winterthur sein Jubiläum. Das Fest stand unter dem Zeichen der Dankbarkeit. Unter anderen kamen ehemalige Heimkinder zu Wort. Bei einem Sponsorenlauf mit 70 Teilnehmenden wurden 25 000 Franken gesammelt. Mehr zum Thema: «Fenster zum Sonntag» vom 1. Oktober, 17 Uhr, auf SF2 (Wiederholung: 2. Oktober, 12 Uhr). www.selam.ch

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Pilger auf dem Weg in den Wallfahrtsort Etzelsbach im Eichsfeld (Nord-Thüringen) zur Marianischen Vesper mit Papst Benedikt XVI.

Wie Politik & Kirchen den Papstbesuch bewerten BILANZ Der Papstbesuch hat ein unterschiedliches Echo hervorgerufen. In Berlin, Erfurt, im Eichsfeld und Freiburg hielt Benedikt XVI. 17 Ansprachen. Zu 5 Gottesdiensten unter freiem Himmel kamen rund 300.000 Besucher. Zudem traf sich der Papst mit evangelischen Repräsentanten im Erfurter Augustinerkloster, wo Martin Luther 6 Jahre lang lebte. rateten, Schwulen und Lesben.“ Nach Meinung des Vorsitzenden der Linksfraktion, Gregor Gysi, hätte der Papst „etwas zu Krieg und Frieden sowie zur Zunahme von Armut und Reichtum auf der Welt sagen müssen“.

Lammert: Manche Kritiker werden beschämt sein Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), der Papst Benedikt XVI. eingeladen hatte, registrierte bei dessen Rede ein Klima „angespannter, konzentrierter Aufmerksamkeit“. Das erlebe man im Bundestag nur selten. Der Katholik Lammert: „Manche, die im Vorfeld zu wissen glaubten, dass es für den Auftritt eines deutschen Papstes in einem deutschen Parlament keine hinreichende Rechtfertigung gäbe, werden nach dieser Rede eher beschämt sein.“ Etwa 80 Abgeord-

» Ihr seht aber alle gut aus. « Die thüringische Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht zu Ministranten bei der Papstmesse in Erfurt

» Sie sehen aber heute auch gut aus. « So reagierten die Helfer beim Gottesdienst.

» Weil wir eben alle Gottes Kinder sind « antwortete die CDU-Politikerin, die einst auch als lutherische Pastorin wirkte. Christine Lieberknecht

nete – vor allem aus der Fraktion „Die Linke“ – waren der Rede des Papstes ferngeblieben.

EKD: Luther wurde rehabilitiert Unterschiedlich wahrgenommen wurde auch der ökumenische Wortgottesdienst mit 300 Teilnehmern im Erfurter Augustinerkloster. Dabei hatte der Papst die Predigt gehalten. Die Präses der EKD-Synode, Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen), sprach zur Begrüßung ein „geistliches Wort“. Vorausgegangen war eine knapp einstündige Begegnung von jeweils 20 Vertretern der römisch-katholischen Kirche und der evangelischen Kirchen. Der EKD-Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf), zeigte sich erfreut darüber, dass der Papst Luther gewürdigt habe. Der Reformator habe durch den Mund des Papstes Rehabilitation erfahren, so Schneider. Die Begegnung sei von einem „starken ökumenischen Geist“ geprägt gewesen. Es gebe ein gutes Fundament an Gemeinsamkeiten, etwa bei der gegenseitigen Anerkennung der Taufe sowie beim gemeinsamen Verständnis der Rechtfertigungslehre. Nach Jahrhunderten des unfreundlichen bis feindlichen Umgangs habe die Beziehung zur römisch-katholischen Kirche in den letzten 50 Jahren ein „völlig neues

Fotos: Pilger/idea/kairospress; Lieberknecht/PR

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er Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, lobte die Papstrede im Parlament als klaren Hinweis, dass menschliches Leben nicht angetastet werden dürfe. Lob gab es auch von FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle: „Benedikt XVI. hat die Abgeordneten in jener Wertebasis für verantwortliches Handeln bestärkt, worauf die inneren Fundamente von Demokratie und Rechtsstaat beruhen.“ Der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier erklärte: „Wer hingehört hat, konnte hören, dass es die Aufgabe der Politiker ist, Regeln zu setzen. Das war nicht die Rede, um junge Menschen in die Kirche zu bringen.“ Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sagte dagegen: „Der Papst hat wichtige Fragen offen gelassen, wie Aussagen zu unterschiedlichsten Lebensentwürfen etwa von Wiederverhei-

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Der Papst in den Medien » Das Ringen um ökumenischen

Ein Gegner des Papst-Besuches demonstrierte in Berlin vor dem Brandenburger Tor.

Niveau“ erreicht. Man sei „freundschaftlich verschieden“. Diese Art der Ökumene stehe noch am Anfang. Zur Frage, ob er mit dem Treffen zufrieden sei, erklärte Schneider: „Ja und nein! Ja, weil es eine sehr ernsthafte, sehr tiefe, sehr geschwisterliche Begegnung war. Nein, weil wichtige Fragen weiterhin der Klärung bedürfen – und da müssen wir auch dringend ran.“ So dürfe mangelnde theologische Erkenntnis das Leben der Menschen, etwa in konfessionsverschiedenen Ehen, nicht behindern. Ziel bleibe zudem, dass auch Katholiken die zentralen Erkenntnisse der Reformation beim 500. Jubiläum am 31. Oktober 2017 mitfeiern können. Schneider: „Unser Herz brennt nach mehr; das war heute zu spüren.“

Göring-Eckardt: Lösungen waren nicht zu erwarten Göring-Eckardt erklärte, es sei nicht zu erwarten gewesen, dass man in 35 Minuten alle Fragen besprechen und zu Lösungen führen könne. Die „ökumenische Ungeduld“ bleibe bestehen: „Es wäre auch völlig unpassend, wenn wir sagen würden: Jetzt sind wir zufrieden, jetzt lehnen wir uns zurück. Im Gegenteil. Wir haben einen Auftrag entgegengenommen und sagen gemeinsam: Wir wollen uns tatsächlich auf diesen Weg machen.“

Foto: dpa

Kardinal: Gemeinsames Abendmahl schwer denkbar Der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kurt Kardinal Koch (Rom), bezeichnete die Zulassung konfessionsverschiedener Ehepaare zur Eucharistie als unrealistisch. Aus katholischer Sicht sei die Abendmahlsge-

meinschaft ohne Kirchengemeinschaft schwer denkbar. Heilung und Versöhnung seien nicht nur Angelegenheit der katholischen Kirche, sondern auch der evangelischen Seite. Diese müsse sich bewusst werden, dass sie sich „von 1.500 Jahren Kirchengeschichte gelöst“ habe.

Erzbischof Zollitsch: Papst kam nicht mit fertigen Lösungen Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch (Freiburg), verteidigte das Ausbleiben konkreter Vereinbarungen. Der Papst sei nicht mit fertigen Lösungen gekommen, sondern habe gesagt, welche Aufgabe die Christen haben. Zudem habe er zur Zusammenarbeit in der Ökumene ermutigt. Der Wert des Treffens im Erfurter Augustinerkloster liege in seiner Symbolkraft.

Fortschritt fällt ausgesprochen einseitig aus. Präses Schneider, der EKD-Ratsvorsitzende, und GöringEckardt als Präses der Synode sind die Höflichkeit in Person. Sie werben um den Bruder Papst, sie bitten, sie schmeicheln, sie schnurren und gurren: Es müsse doch weitergehen auf dem Weg der getrennten Christen zueinander … Der Papst indes bleibt nicht nur ungerührt von der Charme-Attacke der Protestanten. Er fährt ihnen brüsk in die Parade: Wer von ihm ein ‚ökumenisches Gastgeschenk’ erwartet haben sollte, der hat sich schwer getäuscht. Im Glauben gebe es keine Kompromisse, keine Verhandlungen. « Berliner Zeitung

» Benedikt versteht sich als Stellver-

treter Christi und ist als solcher nicht angetreten, um seine Privatmeinung zu äußern. Immerhin muss er ein weltumspannendes Reich katholischer Gläubiger zusammenhalten, das bei zu schnellen Volten unter seinen Fingern zerbröseln würde. Der Prozess der mühsamen Annäherung in Trippelschritten geht also weiter. « Leipziger Volkszeitung

Vatikan: Wir haben Luther nicht rehabilitiert

» Als Benedikt sprach, fielen die

Unterdessen kritisierte der Sprecher des Vatikans, Federico Lombardi (Rom), eine Äußerung des EKD-Ratsvorsitzenden, Nikolaus Schneider. Dessen Aussage, Martin Luther habe durch den Papst Rehabilitation erfahren, sei „ein bisschen übertrieben“. Benedikt XVI. habe lediglich die „Tiefe des Glaubens“ des Reformators unterstrichen.

Welt am Sonntag (Berlin)

Dinge für einen Moment in ihr rechtes Maß zurück. Das Niedrige überlagerte nicht länger das Hohe, das Vulgäre nicht das Anständige. Die Visite des Papstes war in diesem Sinne eine schöne Reise: Deutschland machte einige Tage lang Urlaub von seinen Neurosen. «

» Weit über 300.000 Menschen haben den Papst live erlebt,

Millionen im Fernsehen seine Reden und Predigten verfolgt. Kein Politiker und kein Popstar wäre imstande, so viele Menschen innerhalb von drei Tagen zu mobilisieren und zu begeistern ... Mit seinem dritten Deutschland-Besuch hat Benedikt XVI. seinen Landsleuten ein Geschenk gemacht. Und die haben es dankbar und herzlich angenommen. « Die Boulevardzeitung „Bild“ (Berlin)

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Was der Papst beim Deutschlandbesuch sagte Im Augustinerkloster: Über Martin Luther „‚Wie kriege ich einen gnädigen Gott?’ Dass diese Frage die bewegende Kraft seines ganzen Weges war, trifft mich immer neu. Denn wen kümmert das eigentlich heute – auch unter Christenmenschen? Was bedeutet die Frage nach Gott in unserem Leben? In unserer Verkündigung? Die meisten Menschen, auch Christen, setzen doch heute voraus, dass Gott sich für unsere Sünden und Tugenden letztlich nicht interessiert. Er weiß ja, dass wir alle nur Fleisch sind. Sofern man heute überhaupt an ein Jenseits und ein Gericht Gottes glaubt, setzen wir doch praktisch fast alle voraus, dass Gott großzügig sein muss und schließlich mit seiner Barmherzigkeit schon über unsere kleinen Fehler hinwegschauen wird. Aber sind sie eigentlich so klein, unsere Fehler? … Die Frage: Wie steht Gott zu mir, wie stehe ich vor Gott? – diese brennende Frage Martin Luthers muss wieder neu und gewiss in neuer Form auch unsere Frage werden. Ich denke, dass dies der erste Anruf ist, den wir bei der Begegnung mit Martin Luther hören sollten.“

Über die Ökumene „Im Vorfeld des Papstbesuchs war verschiedentlich von einem ökumenischen Gastgeschenk die Rede, das man sich von diesem Besuch erwarte. Die Gaben, die dabei genannt wurden, brauche ich nicht einzeln anzuführen. Dazu möchte ich sagen, dass dies ein politisches Missverständnis des Glaubens und der Ökumene darstellt. Wenn ein Staatsoberhaupt ein befreundetes Land besucht, gehen im Allgemeinen

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Kontakte zwischen den Instanzen voraus, die den Abschluss eines oder auch mehrerer Verträge zwischen den beiden Staaten vorbereiten: In der Abwägung von Vorund Nachteilen entsteht der Kompromiss, der schließlich für beide Seiten vorteilhaft erscheint, so dass dann das Vertragswerk unterschrieben werden kann. Aber der Glaube der Christen beruht nicht auf einer Abwägung unserer Vor- und Nachteile. Ein selbst gemachter Glaube ist wertlos. Der Glaube ist nicht etwas, was wir ausdenken oder aushandeln. Er ist die Grundlage, auf der wir leben. Nicht durch Abwägung von Vor- und Nachteilen, sondern nur durch tieferes Hineindenken und Hineinleben in den Glauben wächst Einheit.“

Über den Glauben an Gott „Braucht der Mensch Gott, oder geht es auch ohne ihn ganz gut? Wenn in einer ersten Phase der Abwesenheit Gottes sein Licht noch nachleuchtet und die Ordnungen des menschlichen Daseins zusammenhält, scheint es, dass es auch ohne Gott geht. Aber je weiter die Welt sich von Gott entfernt, desto klarer wird, dass der Mensch in der Hybris der Macht, in der Leere des Herzens und im Verlangen nach Erfüllung und Glück immer mehr das Leben verliert. Der Durst nach dem Unendlichen ist im Menschen unausrottbar da. Der Mensch ist auf Gott hin erschaffen und braucht ihn. Unser erster ökumenischer Dienst in dieser Zeit muss es sein, gemeinsam die Gegenwart des lebendigen Gottes zu bezeugen und damit der Welt die Antwort zu geben, die sie braucht. Zu diesem Grundzeugnis für Gott gehört dann natürlich ganz zentral das Zeugnis für Jesus Christus, wahrer Mensch und wahrer Gott, der mit uns gelebt hat, für uns gelitten hat und für uns gestorben ist und in der Auferstehung die Tür des Todes aufgerissen hat.“

Über die Weltmission „Die Geografie des Christentums hat sich in jüngster Zeit tiefgehend verändert und ist dabei, sich weiter zu ändern. Vor einer neuen Form von Christentum, die mit einer ungeheuren und in ihren Formen manchmal beängstigenden missionarischen Dynamik sich ausbreitet, stehen die klassischen Konfessionskirchen oft ratlos da.“

Im Bundestag: Über Politik „Dem jungen König Salomon ist in der Stunde seiner Amtsübernahme eine Bitte freigestellt worden. Wie wäre es, wenn uns, den Gesetzgebern von heute, eine Bitte freigestellt wäre? Was würden wir erbitten? Ich denke, auch heute könnten wir letztlich nichts anderes wünschen als ein hörendes Herz – die Fähigkeit, Gut und Böse zu unterscheiden und so wahres Recht zu setzen, der Gerechtigkeit zu dienen und dem Frieden.“

Über Ökologie „Ich würde sagen, dass das Auftreten der ökologischen Bewegung in der deutschen Politik seit den 70er Jahren zwar wohl nicht Fenster aufgerissen hat, aber ein Schrei nach frischer Luft gewesen ist und bleibt, den man nicht überhören darf und nicht beiseiteschieben kann, weil man zu viel Irrationales darin findet. Jungen Menschen war bewusst geworden, dass irgendetwas in unserem Umgang mit der Natur nicht stimmt. Dass Materie nicht nur Material für unser Machen ist, sondern dass die Erde selbst ihre Würde in sich trägt und wir ihrer Weisung folgen müssen. Es ist wohl klar, dass ich hier nicht Propaganda für eine bestimmte politische Partei mache – nichts liegt mir ferner als dies.“ ¶Ã tì 7‘ ãt ïÕ £ ”¨ ”ã ˆt 5® Õ  ¨k tÙ tÕ ì¨ Wt k‘ ”G t”ã ˆt ãÙ ãG ˆ

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Das Bild der Woche EIN HISTORISCHER MOMENT Der höchste Repräsentant der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider, und Papst Benedikt XVI. im vertraulichen Austausch im (heute evangelischen) Augustinerkloster in Erfurt, das den späteren Reformator Martin Luther von 1505 bis 1511 als Mönch und Theologen stark geprägt hat. Einer der Vorgänger des Papstes – Leo X. – hatte Luther 1521 exkommuniziert. Die Bilder von der jetzigen ökumenischen Begegnung gingen um die ganze Welt. 1.700 Journalisten waren in Erfurt anwesend. Nun dürfte es in stark katholischen Ländern schwerfallen, Protestanten weiterhin als Sektierer zu bezeichnen – schließlich hat der Papst den tiefen Christusglauben Luthers gelobt.

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Eine finnische Band ruft zu Christenmord auf CHRISTENFEINDLICHKEIT Empörung blieb bei Auftritt in Deutschland aus.

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it ihrem Lied „Kill the Christian“ („Töte den Christen“) hat die finnische Band „Deicide“ („Gottesmord“) bei einem Auftritt in Wacken bei Itzehoe zum Christenmord aufgerufen. Auf dem jüngsten „Wacken Open Air“, dem größten HeavyMetal-Freiluftfestival der Welt, konnten die Musiker ihr Lied aus dem Jahr 1997 ungehindert zum Besten geben, ohne dass es Proteste gab. „Bands wie Deicide setzen mit gewaltverherrlichenden und christenfeindlichen Texten ganz bewusst darauf zu provozieren“, sagte die Diplom-Theologin Claudia Knepper von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW, Berlin) auf Nachfrage. Jedoch drückten die meisten Musiker der Black-Metal-Szene damit vor allem ihren Frust gegenüber einer christlich geprägten Gesellschaft aus, die ihre dunklen Seiten verdränge. Mit schockierenden Aussagen und Symbolen wolle sich die Musikszene davon abgrenzen. Knepper: „Christen müssen dem die Botschaft von der Überwindung des Bösen durch Gottes Liebe entgegensetzen.“ P

b Eine Liveaufnahme des Lieds kann man sich im Internet ansehen: idea.de/is113611

Deutsches Missionswerk baut eine Bibelschule für Indianer WELTMISSION Soziale Taten können die Verkündigung der christlichen Botschaft nicht ersetzen.

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n der Mission muss die Verbreitung der christlichen Botschaft Vorrang haben vor sozialem Engagement. Diese Ansicht vertrat der Verantwortliche der Deutschen Indianer Pionier Mission (DIPM) für die Arbeit in Brasilien, Markus Hiller, beim Jahresfest der evangelikalen Organisation in Geradstetten bei Stuttgart. Soziale Aktionen seien mit dem Licht von Taschenlampen zu vergleichen, die in der Dunkelheit den Weg weisen, während die Bibel als Wort Gottes

BUCHBESPRECHUNG:

Menschen Orientierung gebe wie das Tageslicht. Taten könnten die biblische Botschaft nicht ersetzen, so Hiller. Auch Alphabetisierungskurse dienten dazu, Christen die Heilige Schrift zugänglich zu machen, ergänzte die in Paraguay tätige Missionarin Bärbel Ostertag. Nach ihren Angaben kann nur eine Minderheit unter den Indianern lesen und schreiben. Selbst Indianer, die sich ein Mobiltelefon zugelegt hätten, seien häufig nicht in der Lage, darauf eine Kurz-

nachricht zu lesen. Manche Teilnehmer von DIPM-Lesekursen schämten sich allerdings dafür und ließen ihre Hausaufgaben von ihren Kindern machen. Missionsleiter Jürgen Sachs teilte mit, dass die DIPM in der paraguayischen Stadt Santani eine Bibelschule für Indianer bauen wolle. Sie werde voraussichtlich in einem Jahr eröffnet. P

b Deutsche Indianer Pionier Mission: www.dipm.de • 07122 180

Was sagt die Bibel zur Palästinenserfrage?

Wer die nicht endenden Auseinandersetzungen zwischen Israel und seinen Nachbarn besser verstehen will, der greife zu diesem Buch. Johannes Gerloff weist nach, dass vieles anders ist, als es für manche Beobachter, Berichterstatter und Kritiker der Fall zu sein scheint. Gerloff schlägt einen weiten Bogen von Jassir Arafat, dem fintenreichen „Palästinenserpräsidenten“, zurück in die Vergangenheit und Geschichte der Region, die auf alten Landkarten als Palästina bezeichnet wird. Gerloff macht u. a. deutlich, warum die Flüchtlingsfrage auch nach 60 Jahren immer wieder thematisiert wird, obwohl es in anderen Teilen der Welt gelang, Millionen von Flüchtlingen einzugliedern. Er zerstört den Mythos vom „friedlichen Nebeneinander von Juden und Muslimen“

vor Gründung des Staates Israel. Er erinnert an die Bemühungen führender Politiker, durch Verhandlungen Frieden zu erreichen. Erklärt wird, warum und wie Israel sich vor seinen Feinden zu schützen versucht und wie Medienberichte zu werten sind, die nachweisbar ein falsches Bild von der Situation zeichnen. Gerloff zeigt auch die „andere Seite“ auf: Palästinenser mit ihren Sorgen und Befürchtungen, Erwartungen und Hoffnungen. Und welche Rolle spielen eigentlich die Christen in der Region? Spannend ist auch das letzte Kapitel überschrieben: „Was sagt die Bibel zur Palästinenserfrage?“. Ich hoffe, dass dieses Buch mit dazu beiträgt, Entwicklungen in der Region besser zu begreifen und sachlicher zu beurteilen. Horst Marquardt P

Johannes Gerloff: Die Palästinenser SCM Hänssler gebunden • 384 Seiten ISBN: 978-3-7751-5337-9 19,95 € / 28.50 SFr.

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USA: Die Mormonen gewinnen immer mehr an Einfluss SEKTEN Nach einem Leben am Rande der Gesellschaft streben sie nun „die Eroberung des Landes“ an.

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o heißt es in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Sondergemeinschaft – offiziell „Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage“ – hat weltweit 14 Millionen Mitglieder, davon 6,5 Millionen in den USA – Tendenz steigend. Die Zeitung verweist auf einflussreiche Politiker in den Reihen der Mormonen. So bewerben sich in der Republikanischen Partei die Ex-Gouverneure der Bundesstaaten Utah und Massachusetts, Jon Huntsman und Mitt Romney, um die US-Präsidentschaftskandidatur. Harry Reid führt die Mehrheitsfraktion der Demokraten im Senat.

Die Mormonen Weltweit Deutschland Schweiz Österreich

14 Mio. 36.000 8.000 4.200

„Mormonisch“ bestimmte Unternehmen Führende Unternehmen wie American Express, die Mariott-Hotelkette oder Fluggesellschaften würden von Mormonen geleitet oder seien von ihnen geführt worden, so der Bericht. US-Geheimdienste und Banken rissen sich um die Absolventen der Mormonen-Universität Brigham Young in Provo. Auch auf den mormonischen Einfluss auf die Kultur wird hingewiesen: Mit dem Musical „Book of Mormon“ habe die Sondergemeinschaft „den Broadway erobert“.

Vorbildlich: Diszipliniert und ernsthaft Junge Mormonen lernten auf jahrelangen Missionseinsätzen im Ausland, mit einer fremden Kultur umzugehen, sich in einer fremden Sprache und in schwierigen Situationen zu verständigen. Mit 22 oder 23 Jahren müssten sie nicht nur ihr Studium meistern, sondern auch noch eine Ehe, Kindererziehung, ihre ehrenamtliche Arbeit in der Religionsgemeinschaft und oft noch einen Nebenjob unter einen Hut bekommen, um ihr Studium zu finanzieren und ihre Familie zu ernähren. Dem Bericht zufolge sind Mormonen „hartnäckig, ausdauernd, entschlossen, diszipliniert,

gemäßigt und ernsthaft“. Sie hätten in einem Amerika, das „gespaltener denn je“ sei und unter einem „dramatischen Werteverfall“ leide, eine „beruhigende Wirkung“. Der Mormonismus geht auf Joseph Smith (1805-1844) zurück, der aufgrund von Visionen das „Buch Mormon“ niederschrieb, das bis heute als Glaubensgrundlage gilt. Charakteristisch für die Mormonen sind eine hohe Wertschätzung der Familie, Verzicht auf Genussmittel und eine missionarische Orientierung. P

In 2.000 Sprachen gibt es noch keine Bibelübersetzung BIBELÜBERSETZER Für eine „bibellose Welt“ beten: Alle sollen die Bibel in ihrer Muttersprache lesen können.

Foto: PR

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ine Gebetsaktion für die „bibellose Welt“ hat der US-Zweig der Organisation Wycliff (Orlando/Florida) gestartet. Bis zum 11. November sollen Christen bei Gott dafür eintreten, dass alle Menschen möglichst bald die Heilige Schrift in ihrer Muttersprache lesen können. Obwohl Wycliff seit 1934 daran arbeitet, das „Buch der Bücher“ auch in wenig verbreitete Sprachen zu übersetzen, die teilweise keine Schrift haben, ist man von diesem Ziel noch weit entfernt. Nach Angaben der Organisation gibt es mehr als 6.800 Sprachen. Etwa 340 Millionen Menschen, die 2.000 Sprachen

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sprechen, haben noch keine Bibel in ihrer Muttersprache. Für 457 Sprachen liegt bereits die gesamte Heilige Schrift (Altes und Neues Testament) vor; 1.211 haben wenigstens eine eigene Ausgabe des Neuen

Sprachen mit Bibelübersetzung Weltweit gibt es über 6.800 Sprachen Bibelteile In 3.132 Sprachen übersetzt In 1.211 In 457

das Neue Testament die komplette Bibel

ca. 2.000 Sprachen

ohne Übersetzung

Testaments. Bis heute haben Wycliff-Mitarbeiter an rund 700 fertiggestellten Übersetzungen mitgearbeitet. Die Organisation ist in mehr als 90 Ländern mit über 5.000 Mitarbeitern aktiv. Zu ihrer Tätigkeit gehören vielfach auch die Erarbeitung einer Schriftsprache und die Organisation von Leseunterricht. Wycliff Deutschland (Burbach bei Siegen) setzt rund 140 Personen in 35 Ländern ein. Die Organisation ist nach dem englischen Theologen und Philosophen John Wycliff (1330–1384) benannt.

b www.wycliff.de • 02736 2970


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Wie wir den Papst erlebten PAPSTBESUCH An einer Begegnung mit Papst

Was Luther und Benedikt XVI. verbindet Im Kapitelsaal des Augustinerklosters zu Erfurt sitzen sich – ähnlich wie in historischen Bildern zu sehen – zwei Delegationen gegenüber. Die evangelische Delegation ist zusammengesetzt aus Kirchenleitenden (auch aus der Vereinigung Evangelischer Freikirchen), Männern und Frauen, Haupt- und Ehrenamtlichen; auf der katholischen Seite 20 Männer – alles Theologen. Zwei sich menschlich verstehende Kirchenleiter – der Ratsvorsitzende der EKD, Nikolaus Schneider, als Gastgeber, und Papst Benedikt XVI. – führen das Gespräch an. In einer freundlichen, erwartungsvollen Atmosphäre begegnen sich Geschwister mit 2.000-jähriger gemeinsamer, wechselvoller, auch sehr schmerzlicher Geschichte, mit verschiedenen Traditionen – und mit unterschiedlichen Erwartungen. Während des Gesprächs wird atmosphärisch spürbar: Hier in diesem Kloster hat Martin Luther entscheidende geistliche Schritte in seinem Leben gemacht. Die Würdigung dieses Suchenden nach dem gnädigen Gott zeichnet das Gespräch aus: „Wie steht Gott zu mir, wie stehe ich zu Gott?“ Diese Suche und die Sorge um die „Glaubensverdünnung“ in heutiger Zeit verbinden den Augustinermönch Martin Luther und Papst Benedikt. Tragend für diese Begegnung sind – wie vom Ratsvorsitzenden eindrücklich dargestellt – die Klarheit des gemeinsamen Christuszeugnisses, damit die Welt glaube, und die Fragen nach tiefer gelebtem, gemeinsamem, „von innen gelebtem Glauben“ – wie es der Papst formulierte. Es bleibt die Hoffnung, dass die ungelösten Fragen auf der Basis der Erfurter Schritte gemeinsam weiterbearbeitet werden. Besonders freue ich mich auf das 500. Reformationsjubiläum im Jahr 2017. Der Ratsvorsitzende hat dazu den „lieben Bruder in Christus aus Rom“ zu einem gemeinsamen Fest des Christusbekenntnisses eingeladen. Tabea Dölker (Holzgerlingen bei Stuttgart) ist Mitglied des Rates der EKD und dort Repräsentantin der evangelikalen Bewegung.

Papst Benedikt XVI. mit Vertretern der EKD und katholischen Kardinälen im Hof des Augustinerklosters in Erfurt

Wir sollten uns gegenseitig helfen Polizisten vor den Eingängen, BKA-Beamte in den Torbögen, Polizeifahrzeuge rund um das Erfurter Augustinerkloster. Das Gelände ist hermetisch abgeriegelt. Ausweisund Taschenkontrolle sind genauer und schärfer als auf jedem Flughafen. Koffer und Aktentasche werden gescannt. Der Papst kommt – es gilt die höchste Sicherheitsstufe. Die Szene wirkt auf mich befremdlich. Wie soll in diesem Umfeld ein ökumenisches Spitzengespräch stattfinden können? Wie viel Begegnung wird möglich sein im Schatten der Sicherheit und des Protokolls? Der Kapitelsaal des Klosters scheint frisch renoviert. Es ist der Raum, in dem Martin Luther in den Orden der Augustiner-Eremiten aufgenommen wurde. Es ist ein Ort, „der mit seiner Geschichte heute zu uns spricht“, wie Landesbischöfin Ilse Junkermann in ihrer Begrüßung in feinsinniger Weise herausstellt; ein historischer Ort sowohl für die katholische als auch für die evangelische Kirche. Es ist der Ort, an dem nun vielleicht ein ebenso historisches Ereignis stattfinden wird: ein Gespräch zwischen Papst und EKD-Rat. Der Papst spricht mit leiser, aber fester Stimme. Er würdigt Luther, beschreibt dessen Ringen um die Gottesfrage. Es ist eine Frage, die – so der Papst – „in neuer Form auch unsere Frage werden“ muss. Und dann mahnt er, „unter dem Säkularisierungsdruck die großen Gemeinsamkeiten nicht unvermerkt zu verlieren“. Praktische Fortschritte, konkrete Ergebnisse in unserer ökumenischen Situation? Fehlanzeige. Aber dann doch noch ein Satz zur zentralen ökumenischen Aufgabe: „Dazu sollten wir uns gegenseitig helfen: tiefer und lebendiger zu glauben.“ Es ist an der Zeit für eine „Ökumene der Gaben“, hatte der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider zu Beginn der Begegnung in seiner eindrücklichen Rede festgestellt. Für weitere konkrete Schritte zu mehr Gemeinsamkeit hatte der Präses geworben und eingeladen, „konkrete Wege der Aussöhnung zu gehen“. Deutlicher konnte der oberste Repräsentant der EKD kaum werden. Aber diese Deutlichkeit hat Benedikt XVI. wohl nicht gehört.

Fotos: Erfurt/dapd; Übrige/idea-Archiv

Benedikt XVI. nahmen im (evangelischen) Augustinerkloster in Erfurt 20 Repräsentanten des Protestantismus teil – vor allem aus der Leitung der EKD, dem Rat. idea bat drei Teilnehmer um ein Resümee.

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Nach etwa 40 Minuten ist die Begegnung zu Ende. Das römische Protokoll ist unerbittlich. Der Papst verabschiedet die evangelischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit einem festen Händedruck. Die Delegationen werden zum Gottesdienst in die Kirche geführt. Der Papst wird die Predigt halten. Den ökumenischen Weg der letzten Jahrzehnte wird er als „positiv und zukunftsweisend“ bezeichnen. Immerhin, daran lässt sich anknüpfen. Jann Schmidt (Leer) ist Kirchenpräsident der Evangelisch-reformierten Kirche und Mitglied des Rates der EKD.

Wie ich es als Methodistin sehe Im Kapitelsaal im Augustinerkloster in Erfurt würdigte Papst Benedikt XVI. Martin Luthers Suche nach dem gnädigen Gott. Er ermahnte, auch heute zu fragen: „Wie steht Gott zu mir, wie stehe ich vor Gott?“. Das hörte sich fast nach einer methodistischen Predigt an. Gut, dass der Papst so deutlich vom gelebten Glauben sprach. Die geistliche Ökumene, die im tieferen Hineinwachsen in Christus besteht, ist wichtig – gewiss. Gleichzeitig war das Nein des Papstes zu kon-

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kreten Schritten auf dem Weg zur sichtbaren Einheit enttäuschend. Gleichen die vielen Dialoge, die vom Papst in einer Passage seiner Ansprache im Wortgottesdienst ausdrücklich gewürdigt wurden, tatsächlich Verhandlungen über Glaubensinhalte? Ich lese ihre Ergebnisse als Früchte des Gebets, des Hörens auf Gottes Wort und des achtsamen Studierens der Erkenntnisse der Konfessionen, um der in Christus schon geschenkten Einheit auch Ausdruck verleihen zu können. Von evangelischer Seite kamen verbindliche Worte, den Weg hin zum Lutherjubiläum 2017 als Chance zu nutzen, um Trennungen zu überwinden. Gern will ich mich einbringen in die „Ökumene der Gaben“, zu der der Ratsvorsitzende der EKD einlud. Und die Hoffnung – die die Präses der Synode, Katrin Göring-Eckardt, in Worte fasste –, dass wir uns zur rechten Zeit gegenseitig den Tisch decken im Haus Gottes und miteinander das Mahl Christi feiern, ermutigt mich, beharrlich weiterzugehen auf dem Weg der Ökumene. Rosemarie Wenner (Frankfurt/Main) ist Bischöfin der Evangelisch-methodistischen Kirche und Vizepräsidentin der Vereinigung Evangelischer Freikirchen. P

Freude, Skepsis, Enttäuschung PAPSTBESUCH idea bat führende protestantische – vor allem evangelikale – Repräsentanten um kurze persönliche Stellungnahmen zur Visite des Oberhaupts der römisch-katholischen Kirche.

Ich habe mich gefreut

Es ändert sich nichts

Von ökumenisch-theologischen Tarifverhandlungen habe ich nie viel erwartet. Also konnte ich in dieser Hinsicht auch nicht enttäuscht werden. Ich habe mich darüber gefreut, • dass der Papst im Bundestag aufgefordert hat, Gott – wie König Salomo – um ein hörendes Herz zu bitten, damit wir Gutes und Böses unterscheiden können. • dass er in Erfurt sagte, die brennende Frage Martin Luthers „Wie kriege ich einen gnädigen Gott?“ müsse wieder neu zu unserer Frage werden. • dass er Luthers Maßstab zur Auslegung der Bibel „Was Christum treibet“ betonte mit dem Hinweis: „Dies aber setzt voraus, dass Christus die Mitte unserer Spiritualität wird und dass die Liebe zu ihm und das Mitleben mit ihm unser Leben bestimmen.“ • dass er klar sagte, dass angesichts des Säkularisierungsdrucks „nicht Verdünnung des Glaubens hilft“, sondern „tiefer und lebendiger zu glauben“. Pfarrer Ulrich Parzany (Kassel) ist Leiter des missionarischen Projektes „ProChrist“.

Papst Benedikt XVI. hat nichts Neues gesagt – nicht in seiner rechtsphilosophischen Vorlesung vor dem Bundestag, nicht im Augustinerkloster in Erfurt. Der wache Mann mit verschmitztem Humor jenseits des Redemanuskripts bringt religiöse Fragen, Gott, Jesus Christus zur Sprache. Er will diese Welt nicht dem rein Funktionalen und dem „Diktat des Relativen“ überlassen. Intellektuell anspruchsvoll, geistlich anregend und zeitgeistig inkorrekt war das. Applaus! Der Pomp, das Papstamt an sich und manche Prinzipienreiterei stehen auf einem anderen Blatt. Die römisch-katholische Kirche hat einen langen Atem. Da kann Protestanten schon mal die Luft ausgehen. Die nicht überraschende Konsequenz lautet: Am Miteinander von Protestanten und Katholiken ändert der Besuch nichts – nichts zum Guten und nichts zum Schlechten.

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Pastor Ansgar Hörsting (Witten) ist Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland.


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Knapp 30.000 Menschen versammelten sich auf dem Erfurter Domplatz, um mit dem Papst Gottesdienst zu feiern.

In der alten Kirche bildete sich im 2. und 3. Jahrhundert das Bischofsamt heraus. Dabei bekamen die Bischöfe der größeren Städte – der Metropolen – Bedeutung besonders für ihre Region. Unter ihnen gelangten 5 zu einem besonderen Rang als Patriarchen: die Bischöfe von Jerusalem, Antiochien, Alexandrien, Konstantinopel und Rom. Nach der endgültigen Spaltung der Kirche in Ost und West im 11. Jahrhundert wurde der römische Patriarch – der Papst – zum Kirchenführer des Abendlandes. Die Geschichte des Papsttums dürfte bekannt sein. Jetzt hat der gegenwärtige Bischof von Rom Deutschland besucht. Die Bewertungen dieses Besuchs gehen sicher im Einzelnen auseinander. Was Kirchenrecht und Sonderentwicklungen der römisch-katholischen Lehrbildung – gegenüber den evangelischen und übrigens auch den orthodoxen Kirchen – angeht, ist sicher noch viel Gespräch und neues Hören auf die Bibel nötig und wohl auch manche Umkehr von Fehlentwicklungen. Doch wo Papst Benedikt XVI. auf Jesus hingewiesen hat, können wir uns mit ihm zusammenstellen als Zeugen in der Welt. Und das ist für mich das Wichtigste: Menschen kommen und gehen. Doch Jesus bleibt. Dr. Roland Werner (Kassel) ist Generalsekretär des CVJM-Gesamtverbandes in Deutschland.

Weder übergehen noch überbewerten „Komme später wegen Papst“, lautet die Nachricht meiner Tochter am Freitagnachmittag per SMS. Die Bahnstrecken rund um Göttingen sind im Ausnahmezustand. Sogar die – ökumenische – Bibellese liefert zielgenau am ersten Tag der Papstreise eine Steilvorlage: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen“ (Matthäus 16,18). Aber dann – wie zur Warnung – am Tag darauf die nachfolgende Lesung, in der Jesus eben diesen Felsen scharf zurechtweist: „Weiche von mir!“ Segen und Fluch, Amt und Sündersein liegen hauchdünn nebeneinander.

Ach, ich seufze. Da wäre so sehr viel mehr möglich an gelebter Einheit. Deshalb: Lasst uns den Papst weder übergehen noch überbewerten. Lasst uns vielmehr darum beten und dafür leben, dass Gottes Geist uns alle übernatürlich ergreift. Wäre doch schade, wenn Gott uns am Schluss eine SMS schickt: „Komme später wegen menschlicher Satzungen“. Pastor Henning Dobers (Hann.Münden) ist Leiter der (charismatischen) Geistlichen Gemeinde-Erneuerung in Deutschland.

Grund zur Dankbarkeit Wer gehofft hatte, der Papst würde evangelisch, sah sich getäuscht. Trotzdem gibt es Grund zur Dankbarkeit: • Die im Vorfeld aufgetretene Polemik hat in Berlin dazu geführt, dass auch viele Evangelische im Olympiastadion ihre Verbundenheit ausgedrückt haben. Das gemeinsame Zeugnis des Glaubens ist gefragt! • Der Besuch in Erfurt zeigt, dass Berührungsängste mit den Reformatoren schwinden. Trotzdem wurde klar, wer 2017 zur 500-Jahr-Feier Gastgeber und wer Gast ist. • Der Papst hat versucht zu verdeutlichen, dass es ihm im Kern um den Glauben geht. Geistliche Prozesse schaffen die notwendigen Veränderungen und ermöglichen die Freiheit dazu. Das stimmt! Wir sollten nicht verschweigen, warum wir fröhliche Protestanten sind. Bis heute gibt es gute Gründe, evangelisch zu bleiben oder zu werden. Pfarrer Hans-Georg Filker ist Direktor der Berliner Stadtmission.

Ermutigung und Gewinn Dieser Besuch des Papstes mit seinem unerschütterlichen Eintreten für die Erneuerung des Glaubens und die Umkehr zu Gott war für alle Christen in Deutschland – bei aller konfessionellen Verschiedenheit – Ermutigung und Gewinn. Kein Papst hat Martin Luther so gewürdigt wie Benedikt XVI. – und das an der prägnanten Wirkungsstätte

Fotos: Domplatz/idea/kairispress; Übrige/idea-Archiv

Jesus bleibt

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Luthers in Erfurt, wo er mahnend die Vertreter der EKD auf die christuszentrierte Frömmigkeit Luthers, auf sein Fragen nach dem gnädigen Gott, sein Ringen um Gott und mit Gott, auf jene Grundlage lutherischer Theologie verwies, wie sie in der Evangelischen Kirche längst nicht mehr selbstverständlich gelehrt und gepredigt wird. Dies war ein ökumenisches Zeichen von historischem Rang. In dem Maße, wie sich die Evangelische Kirche im Sinne dieses christuszentrierten Glaubens gegen allen zeitgeistbestimmten Säkularisierungsdruck erneuert, gibt es Fortschritte in der Ökumene. Ermutigend war auch, mit welcher Standfestigkeit – trotz medial unterstützter Antipapststimmung und großen Erwartungsdrucks – der Papst immer wieder den Glauben und seine Vertiefung gegenüber allen Strukturmaßnahmen in den Mittelpunkt stellte und wie er sich gegen eine wahrheitspluralistische und sich dem Zeitgeist öffnende Kirche wandte. Pastor Ulrich Rüß (Hamburg) ist Vorsitzender der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften.

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Was gibt es zu verhandeln? Der Ruf nach Einheit und gemeinsamer Eucharistie war laut geworden. Vor dem Papst standen Vertreter, die in ihren Kirchen die Leugnung der Heilsnotwendigkeit des Sühnetodes Christi dulden. Das Begehren der Eucharistie und die Missachtung des Sühnetodes Christi stehen aber im Widerspruch zuei na nder. Fällt n iema ndem solche Ungereimtheit auf? Auch ist die Trauung und Segnung Homosexueller für Rom unannehmbar. Kann es da wundern, dass vom Papst die große Geste ausgeblieben ist? Andererseits: Wie soll aus evangelischer Sicht Einheit gelingen, solange das römische Dogma von der Heilsnotwendigkeit des Papsts und der katholischen Kirche gilt? Was gibt es hier zu verhandeln? Oder haben wir uns schon so daran gewöhnt, Schrift und Bekenntnis zu unterlaufen, weil die Glaubensinhalte beliebig aushandelbar sind? Pfarrer Hansfrieder Hellenschmidt (Filderstadt bei Stuttgart) ist Vorsitzender der Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“. P

idea Fernseh- und Hörfunk-Tipps

1. – 7. Oktober

FE R NSE H E N Sonnabend, 1. Oktober

Sonntag, 2. Oktober

Montag, 3. Oktober

Dienstag, 4. Oktober

Freitag, 7. Oktober

20.15–22.00 Porträt über Pfarrer Oskar Brüsewitz, der sich 1976 aus Protest gegen das DDRRegime selbst verbrannte

9.30–10.00 y 950 Jahre Dom zu Speyer

10.00–11.00 Gottesdienst zum Tag der Deutschen Einheit aus Bonn

20.00–20.30 ERF1 mmer mm er Talk mit Nicola Vollkommer, Autorin („Unter dem Flammenbaum”, „Am Rande der gefrorenen Welt”)

15.00–15.30 ERF1 gend nd d Singles – Tendenz steigend

21.30–22.00 ERF1 Der Apostel Paulus und d die di Urkirche – Dokumentation (Teil 2: 8. 10., 21.30 Uhr)

11.00–12.00 ERF1 b Ev. Gottesdienst aus Siegburg 15.30–17.00 Erntedank-Gottesdienst 17.45–18.15 SFinfo Fenster: „Säen und Ernten“

8.30–9.00 Predigt des Missionswerkes Karlsruhe: Wachstum & Ernte 22.05–22.35 „Ostdeutsche 2011“: Doku

21.05–22.00 Schlacht um den Teller: Fettleibigkeit und Hungersnöte

20.00–20.30 ERF1 Wert(h)e Gäste mit dem Unternehmer Fred Jung 22.00–22.30 Matthias Brender interviewt Erzbischof Zollitsch

HÖRFUNK Sonntag, 2. Oktober 8.35–8.50 Ev. Andacht: Prominente treffen „Helden” der Bibel

Montag, 3. Oktober 8.30–9.00 Perspektiven

10.00–11.00 Evangelischer Gottesdienst

10.00–11.00 Evangelischer Gottesdienst (auch NDRinfo; NWR)

10.00–11.00 Gottesdienst aus der Evangelischen Freikirche Siegburg

17.30–18.00 Feature: Schulsportprojekt im sozialen Brennpunkt

12.00–13.00 Übertragung des Festakts: Tag der Deutschen Einheit 18.05–18.30 Warum Uwe Holmer 1990 Erich Honecker aufnahm 18.05–19.00 Abwanderung West–Ost

Mittwoch, 5. Oktober 20.00–21.00 „Ein Traum von Gemeinde“: Der Evangelist und Autor Bernd Schlottoff im Gespräch 22.05–23.00 „Leonardo“: Was Kinder stark macht – Familienzentren, ein Netzwerk für alle

Donnerstag, 6. Oktober 13.07–13.30 Vietnamesen in Berlin: In Schule und Studium ganz vorn 19.30–20.00 Biologie: Künstliches Leben? 20.00–21.00 Brennpunkt Nahost

Wer reagieren möchte, kann dies unter folgenden Rufnummern tun: ARD: 089/5900-3344 | Bibel.TV: 040/4450660 | Das Vierte: 0180/5843783 Deutschlandfunk und Deutschlandradio: 0221/345-1831 | DRS 2: (0)848/808080 | ERF: 06441/957-0 | HR (TV): 069/1555111 | Kabel 1: 0180/5011150 KiKa: 0180/2151514 | Luth. Stunde: 04264/2436 | MDR: 0341/300-5401 | NDR: 0511/988-2393 | Phoenix: 0180/28213 | RBB: 030/97993-2171 SF 2: (0)62/2059050 | SR 2: (0)681/6022222 | SWR: 07221/929-0 | WDR (Radio): 0221/5678-333 | WDR (TV): 0221/5678888 | ZDF: 06131/7012164

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G E M E I N DE AU F BAU

Ein Traum von Gemeinde GEMEINDE Wie begeistern wir kirchenferne Menschen? Wie bauen wir eine missionarische Gemeinde auf? Antworten gibt der Pfarrer, Musiker und Evangelist Bernd Schlottoff (Hatten-Sandkrug bei Oldenburg) in seinem Buch „Ein Traum von Gemeinde“. idea druckt vorab Auszüge. Beginnen Sie einen Traum von Gemeinde zu träumen – Ihren Traum! Denn Ihre Träume von Gemeinde bewirken eine schöpferische Leidenschaft für Gott – und die Menschen. Glücklich sind die Pfarrer und Mitarbeiter, die (noch) träumen können, denn sie befinden sich ganz nah bei Jesus. War er nicht ein Träumer, damals, auf einem Berg in Galiläa, als er seinen Jüngern die Vision vermittelte, die ganze Welt zu bekehren? Angesichts der sehr bescheidenen Situation, in der sich jener kleine Haufen der wenig gebildeten und gar nicht ausgebildeten, teils zwielichtigen Gestalten befand. Ihnen befahl er: „Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium allen Menschen in allen Nationen und lehret sie halten alles, was ich euch gelehrt habe“ (Matthäus 28,19–20).

Träumen – weil bei Gott alles möglich ist Wenn Sie träumen, beginnt Ihr Herz zu brennen. Beim Träumen blicken wir in die Zukunft, als wäre sie schon Gegenwart – wir hoffen und vertrauen auf das Unmögliche, das dann möglich wird – weil bei Gott alles möglich ist! Wer von neuen Ufern träumt, beginnt ganz praktisch das Schiff zu bauen, das ihn dorthin bringen soll. Viele Christen in unseren Gemeinden leiden an den Geschwistern, die immer nur unter sich bleiben und die Menschen ohne Gott gar nicht mehr wahrnehmen. Sie haben eine Ahnung, dass Gemeinde anders sein kann: sich ausstreckt für diese von Gott geliebte Welt. Wir sollten diese heilige Unzufriedenheit nicht nur sehen, sondern auch nähren – damit die Mitglieder unserer Kirchen endlich beginnen zu träumen von einer Gemeinde, die sich nicht mehr nur mit sich selbst beschäftigt, sondern mit der Liebe Gottes im Herzen in die Welt geht und sich selbst hingibt. Visionen bewirken das Unmögliche, entfachen ein Feuer in der Gemeinde – mag die Realität noch so entmutigend auf sie wirken.

Der Gottesdienst als Zentrum der Gemeinde Es gibt keine bessere evangelistische Möglichkeit, mit der man das ganze Jahr über regelmäßig eine so große Zahl von Menschen erreichen kann, als das engagierte, von der Liebe zu den Menschen geprägte Gottesdienstleben einer Gemeinde. Es hat wenig Sinn, über den schlechten Gottesdienstbesuch zu klagen, denn dieses Jammern gab es schon vor Jahrhunderten – es gehört offensichtlich zu unserem Geschäft. Denn die Gottesdienste werden von allen kirchlichen Veranstaltungen noch immer am besten besucht! Im Jahresdurchschnitt nehmen in Deutschland 1,5 Millionen Protestanten an einem normalen Sonntag daran teil – mehr als die Besucher in allen Fußballstadien zusammen. Aus Umfragen wissen wir übrigens, dass die Menschen auf den Gottesdienst positiv ansprechbar sind und ihn sehr hoch einschätzen, auch wenn sie nicht daran teilnehmen. Der Fantasie einer Gemeinde sind keine Grenzen gesetzt. Denn im Gottesdienst geschehen Sammlung und Sendung wie auch Mission und Diakonie. Es gibt nur eine wesentliche Voraussetzung: die Liebe zu den Menschen, für die sich Gott zu Tode geliebt hat. Wenn diese Liebe Pfarrer und Mitarbeiter prägt, dann wird auch die Arbeit am Gottesdienst gelingen. Für Luther macht Folgendes einen Gottesdienst aus: In der Kirche solle nichts anderes geschehen, „als dass unser lieber Herr selbst mit uns rede durch sein heiliges Wort – und wir umgekehrt mit ihm reden durch unser Gebete und Gesang“.

Damit sich Besucher wohlfühlen Schon die Räume sind ein wesentlicher Faktor dafür, dass sich Besucher wohlfühlen. Dekoration, wechselnde Bilder und Gemälde, freundliche Farben, Kerzen, helle Beleuchtung, bequeme Stühle oder Bänke, gut erreichbare Toiletten und nicht zuletzt gute Parkmöglichkeiten tragen dazu bei, dass sich Menschen in ihrer Gemeinde zu Hause fühlen.

b Bernd Schlottoff: Ein Traum von Gemeinde. Mut zum missionarischen

Das Honorar für das Buch stellen Bernd Schlottoff und Werner Tiki Küstenmacher der Kinderklinik „Betel“ in Itaituba (Brasilien) zur Verfügung. Die vom Kinderhilfswerk „Global Care“ betriebene und von Spenden getragene Klinik wurde 2000 vom Ehepaar Bernd und Christa Schlottoff mit ihrer Gemeinde in Minden sowie Freunden erbaut.

Bernd Schlottoff

Foto: privat

Gemeindeaufbau. Mit vielen Illustrationen von Werner Tiki Küstenmacher SCM R. Brockhaus • 240 Seiten • ISBN: 3-417-26434-0 • 14,95 EUR/21.90 SFr.

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G E M E I N DE D AU F BAU

Die Begrüßung am Eingang entscheidet (fast) alles. „Lächle sie herein und lächle sie hinaus“, lernte ich in einer Gemeinde in den USA. Diese Aufgabe sollte von freundlichen Mitarbeitern übernommen werden, die schon von ihrem Naturell her eine gastfreundliche Ausstrahlung haben. Oft gibt es Christen, die (nur) dafür eine besondere Gabe von Gott bekommen haben! Ein gut gestaltetes Faltblatt, das am Eingang mit dem Gesangbuch überreicht wird, enthält alle Informationen, die für den Gottesdienst wichtig sind: Ablauf, Bekanntmachungen, Gebetsanliegen, neue Lieder, ein Psalmgebet im Wechsel, das Glaubensbekenntnis, Einladung zum Kirchkaffee oder Mittagessen. Die Mitteilungen ersetzen jedoch nicht die Abkündigungen nach der Predigt, die wichtige Anliegen aufgreifen, die später auch in die Fürbitten übernommen werden können.

werden. Dabei sollte keine starre Reihenfolge gelten: „Erst Reihen muss ein Mensch ein klares Verhältnis zu unserem Herrn Jesus haben, dann erst kann er mitarbeiten.“ So einsichtig mitarbe das klingt – so realitätsfern ist es auch. Denn es gibt genüD gend Belege dafür, dass Menschen erst d durch die Mitarbeit in einer Gemeinde zu einem persönlichen Glauben an Jesus gefunden haben. Es sollte daher reichen, wenn sie dem Glauben und der Gemeinde gegenüber positiv eingestellt sind. Jeder Christ ist – im Unterschied zum Pfarrer – in die alltäglichen Lebensvorgänge unserer Gesellschaft eingebunden. Das allein macht ihn schon geeignet für den Gemeindeaufbau! Er hört, was „die anderen“ (auch über ihre Gemeinde) reden; er ist Zeuge des Evangeliums in der Welt. Die „Gabenkombination“ der Mitarbeiter aus unterschiedlichen Fähigkeiten und geistlichen Gaben ist einzigartig: Sie sollte zum Nutzen der ganzen Gemeinde eingesetzt werden und dem Gemeindeaufbau dienen. Dadurch hat jeder Christ seinen eigenen Platz in der Gemeinde: da, wo er seine Gaben entfalten kann. Nach 1. Korinther 12 ist nur dann der gesamte Leib funktionsfähig, wenn jeder seine Gaben einsetzt!

Kinder sind die Kirchenmitglieder von morgen

Geschichten erzählen – so wie sie Jesus erzählt hat

Die Gottesdienste einer missionarischen Gemeinde sind auch familienfreundlich! Ein Kindergottesdienst wird entweder parallel zum Gottesdienst angeboten, oder dieser wird zumindest gemeinsam mit einem Kinderlied begonnen. Für Familien mit Baby oder Kleinkind wird Aufsicht angeboten in einem gesonderten Raum, der an den Gottesdienstraum mit Sichtscheibe angrenzt oder mit einem Lautsprecher ausgestattet ist.

Wir sind als Zeugen und Botschafter in diese Welt gesandt. Dennoch lässt sich diese „banale“ theologische Erkenntnis so schwer in die Praxis umsetzen. Das hängt auch damit zusammen, dass wir selbst immer mehr von der Postmoderne geprägt sind. Der Mensch ist ja sich selbst genug – darum richten wir uns gemütlich in dieser Welt ein und bleiben ihr das Zeugnis oft schuldig. Denn neben viel Arbeit würde es Anfeindungen, Ärger, Konflikte und Unverständnis mit sich bringen – gerade auch innerhalb der Kirche. Da belassen wir es doch lieber beim Verwalten von Christlichkeit und Kirchlichkeit. Doch Gemeindeaufbau ist immer Evangelisation, denn ohne Weltbezug kann die Gemeinde Jesu nicht leben! Sie ist der Arm Gottes, der nach dieser Welt greift, sie ist Kirche für andere: Kirche für die Welt. Es gehört zu ihrem Wesen, dass sie sich in die Welt begibt, ohne in ihr aufzugehen. Das einfache Evangelium ist die Botschaft, die vom Himmel auf die Erde gekommen ist; der Begründer und Erhalter der Erde, des Menschen und des Kosmos hat uns seinen Sohn gesandt. Im Kreuz liegt die herrlichste Nachricht, die je gesagt werden konnte: Gott ist für mich, Jesus liebt mich. Diese wunderbare Botschaft kann nicht durch theologische Formulierungen verbreitet werden, sondern lässt sich nur erzählen, so wie Jesus Geschichten erzählt hat. P

Die Begrüßung ist entscheidend

So kommen junge Familien in den Gottesdienst

Illustration: Tiki Küstenmacher

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Ich höre immer wieder den Einwand, dass der Bedarf für gesonderte Eltern-Kleinkind-Räume nicht vorhanden sei. Natürlich werden nicht alle Angebote sofort genutzt. Als wir in meiner ersten Gemeinde den Kindergarten während des Gottesdienstes öffneten, kam außer den Kindern des Pfarrers und des Organisten kein Kind. Doch das änderte sich mit der Zeit, weil zunehmend junge Familien zu den Gottesdiensten kamen!

Eine missionarische Gemeinde braucht Ehrenamtliche Grundsätzlich gilt: Christen, die am Gemeindeaufbau mitwirken, sind zuallererst „Gottes Mitarbeiter“ (1. Korinther 3,9), aber sie müssen (auch immer wieder neu) gewonnen

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BI BL I SC H E S N E U E R Z Ä H LT

Der Besuch des Engels

„Das Opfer des Manoach”, wie es der holländische Maler Rembrandt van Rijn 1641 sah.

VERSPRECHEN Engel sind Thema vieler Lebenshilfebücher. Doch selten geht es dabei um biblische

Manoachs Kreuz schmerzte jedes Mal, wenn er sich bückte und die Sichel durch die Halme zog. Er ließ die Ähren fallen und richtete sich auf. Müde stützte er den schmerzenden Rücken. Die Wahrheit war, dass er alt wurde. Kein Sohn war da, um ihm zur Hand zu gehen – und er wurde alt. Vom Hügel hatte er einen guten Ausblick auf Zora, wo er geboren und aufgewachsen war und wohl auch sterben würde. Eine kleine Ansammlung von Häusern war es, nicht zu vergleichen mit den prächtigen Städten der Philister unten am Meer. Der Bach Sorek machte das Gebiet fruchtbar. Eiskalt kam er aus dem Gebirge herab und tränkte das Hügelland. Es war Mittagszeit. Wo blieb Ada? Sie hatte doch bloß Brot und Käse holen wollen. Vielleicht sollte er zum Bach gehen und sich dort erfrischen. Oder er setzte sich einen Augenblick in den Schatten dieser Zeder. Nur einen Augenblick … „Manoach!“ Er schreckte hoch. „Hier bin ich.“ Er musste unter dem Baum eingenickt sein.

Es war Ada. „Ein Mann ist bei uns gewesen. Ich hatte solche Angst! Mir zittern immer noch die Knie.“ „Bist du unversehrt?“ Er stand auf. „Der Mann hat mir nichts getan.“ „Hat er etwas gestohlen?“ Man konnte in diesen Tagen niemandem trauen. Die Philister führten wieder und wieder Raubzüge gegen sie. „Es war ein Engel, Manoach.“ Er runzelte die Stirn. „Ich werde ein Kind bekommen, hat er gesagt. Von jetzt an soll ich keinen Wein mehr trinken und nichts Unreines essen, denn unser Sohn ist Gott geweiht. Wenn ich ihn zur Welt gebracht habe und er unter unserer Obhut aufwächst, sollen wir ihm nicht die Haare schneiden.“ „Das hat der Mann dir erzählt? Wollte er Silber dafür?“ „Glaub mir doch! Es war ein Engel. Unser Sohn wird Israel aus der Hand der Philister retten.“ „Gleich ganz Israel! Na, das wäre schön. Mir würde es schon genügen, wenn er den Stamm Dan rettet, dann ginge es uns besser.“ „Verspotte mich nicht, Manoach.“

Foto: artothek

Personen. Hier erzählt der Bestsellerautor Titus Müller (München) für die idea-Leser eine faszinierende Begegnung zwischen einem Mann, der zweifelt und auf einen Engel trifft, der seinen Namen nicht sagen will (aus dem alttestamentlichen Buch der Richter, Kapitel 13).

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BI BL I SC H E S N E U E R Z Ä H LT

„Du denkst also, du bist schwanger und bringst einen Sohn zur Welt, der mehr schafft als der Pharao?“ Früher, in seiner Jugendzeit, hatten die Ägypter die Philister gebändigt. Der Bund der fünf Städte unten an der Küste war dem Pharao untertan gewesen – die Stadtstaaten waren zwar von Philisterfürsten regiert worden, aber sie mussten tun, was ihnen der Pharao befahl. Doch inzwischen war Ägypten schwach. Das raue Seevolk der Philister lachte die Abgesandten des Pharaos aus, es fürchtete sein Heer nicht mehr. Fortlaufend unternahmen die Philister Raubzüge. Sie trieben es so schlimm, dass die Ältesten inzwischen überlegten, mit dem ganzen Stamm Dan aus dem Grenzgebiet fortzuziehen, nach Norden. „Er wird also die Philister besiegen, ja? Wollte der Mann etwas über unseren Besitz wissen? Könnte es ein Spion gewesen sein?“ „Das war kein Späher. Ein Engel ist zu mir gekommen, verstehst du nicht?“ „Wie hat er sich dir vorgestellt? Und wo kam er her?“ „Ich habe ihn nicht nach seinem Namen gefragt. Auch nicht, wo er herkam. Hättest du einen Boten Gottes so zur Rede gestellt?“ Sie war den Tränen nahe. „Tut mir leid.“ Er nahm sie in den Arm. „Ich wollte dich nicht ausschimpfen. Du bist dir also sicher, dass er von Gott kam? Dann lass uns beten, dass er den Engel noch einmal schickt. Ich möchte ihm einige Fragen stellen über diesen Sohn, den du zur Welt bringen sollst.“ Natürlich würde nichts geschehen. Der Betrüger war längst über alle Berge. Am nächsten Morgen ging Manoach nicht aufs Feld. Er schickte Ada voraus, er würde bald nachkommen. Der Nachbar hatte ihn eingeladen; es ging um eine Botschaft, die man den anderen israelitischen Stämmen schicken wollte: Sie mögen sich doch mit ihnen gegen die Philister verbünden. Die Feinde hielten zusammen, während sie, das Gottesvolk, verstreut lebten und sich wenig umeinander kümmerten. Das musste sich endlich ändern! Im Haus des Nachbarn berichtete er gerade von einem Freund in Jerusalem, der gebildet war und schreiben konnte, als Ada hereinplatzte. „Entschuldigt“, sagte sie, völlig außer Atem. „Der Mann, der uns gestern besucht hat, ist wieder da. Er will dich sehen.“ Zögerlich folgte Manoach ihr nach draußen und hinaus aufs Feld. Tatsächlich stand ein Mann am Feldrand. Er lächelte, als sie eintrafen, und sagte: „Ich grüße dich, Manoach.“ „Hast du gestern mit meiner Frau gesprochen?“ „Das habe ich.“ Der Fremde war groß. Noch nie war er einem so hochgewachsenen Mann begegnet. Ada konnte recht haben – vielleicht war er ein Bote Gottes. Er durfte das Wesen nicht erzürnen, wenn es ein Engel war. Andererseits war es besser, Fremden nicht allzu leichtfertig zu glauben. „Sollte eintreffen, was du gesagt hast, und wir bekommen einen Sohn – wie wünscht sich Gott, dass der Junge sein Leben führt? Sollen wir ihn zu Eli bringen, zu Gottes Priester?“ ideaSpektrum 39.2011

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Der Mann sagte: „Ada darf nichts essen oder trinken, das vom Weinstock kommt. Unterstütze sie dabei. Sie soll sich auch von unreiner Speise fernhalten. Euer Sohn ist Gott, dem Allmächtigen, geweiht! Als Heerführer wird er für Gottes Volk kämpfen.“ „Bleib doch ein wenig. Wir haben einen jungen Ziegenbock, den will ich für dich schlachten. Ada wird ihn zubereiten.“ Ein teures Festessen, aber der Fremde beeindruckte ihn wirklich. Einem Engel – wenn er denn einer war – konnte er nichts Geringeres anbieten. „Von deinem Brot esse ich nicht.“ Die Stimme des Mannes klang plötzlich verändert, tiefer, mächtiger. „Willst du Gott ehren, dann bereite ein Brandopfer zu.“ Manoach wich einen Schritt zurück. „Wie heißt du?“, flüsterte er. Der Blick des Fremden ging ihm durch und durch. „Warum fragst du nach meinem Namen?“ Manoach ergänzte rasch: „Damit wir dich ehren können … wir könnten unseren Sohn nach dir benennen, immerhin hast du ihn angekündigt! Und wir können anderen davon berichten, dass ein Mann wie du … ein Bote … also ein Prophet …“ Das Wesen schüttelte den Kopf. „Mein Name übersteigt deine Fähigkeiten“, sagte es. „Du kannst ihn nicht verstehen. Er ist fremd und geheimnisvoll.“ „Dann will ich opfern. Bitte, warte hier!“ Er eilte zurück nach Hause, stolperte, hastete den Weg hinab. Es war ein Engel, es musste ein Engel sein! Er holte den Ziegenbock, führte ihn hinauf zum Feld. Das Wesen war noch dort, es sprach mit Ada. Manoach legte den Ziegenbock auf den Felsbrocken am Bach und schlachtete ihn. Er trennte die Fettstücke ab und verbrannte sie vorschriftsgemäß. Als die Flamme das Fett verzehrte und hoch aufloderte, drehte er sich nach dem Fremden um. Er erschrak zu Tode. Der Mann entfaltete Flügel! Und er leuchtete, er wurde selbst wie glänzendes Feuer. Der Engel erhob sich in die Luft, nur einen einzigen Flügelschlag brauchte er dazu. Er streifte das Brandopfer, ließ die Flamme emporschießen. Mit ihr stieg er in den Himmel auf. Manoach fiel zu Boden. Er sah, wie neben ihm auch Ada niederfiel. „Wir werden sterben“, wisperte er, „wir haben Gott gesehen!“ Ada sagte: „Er hätte unser Brandopfer nicht angenommen, er hätte uns überhaupt seinen Engel nicht geschickt, wenn er das gewollt hätte. Gott lässt uns am Leben.“ Er hob den Kopf. Das Feuer auf dem Felsen brannte jetzt wieder mit gewöhnlicher Flamme. Am Himmel, weit oben, sah er noch ein fernes Leuchten. „Wir bekommen einen Sohn“, sagte er. „Ada, wir bekommen einen Sohn!“ Er lachte. „Gott schenkt uns ein Kind! Endlich! Wie nennen wir es?“ Sie sah ebenfalls zum Himmel hinauf, zu dem immer kleiner werdenden, strahlenden Licht des Engels. „Nennen wir ihn Simson – kleine Sonne. Was meinst du?“ „Simson. Ja, er soll Simson heißen.“ P


net F O R U M F Ü R J U N G E C H R I S T EN

Christin durch einen Schuhkarton GLAUBE Vor 10 Jahren bekam Marlena Dobrowolska von „Weihnachten im Schuhkarton“ ein Päckchen – und wurde dadurch Christin. Heute engagiert sich die 21-jährige Polin selbst für Kinder und Jugendliche. Simon Jahn hat sie getroffen.

Ich spürte lebendigen Glauben „Am meisten habe ich mich über die Schulhefte in meinem Karton gefreut“, erinnert sich Marlena. Mit dem Päckchen bekam ihre Familie gleich noch eine Einladung zum Gottesdienst der Gemeinde. Als sie den besuchten, war Marlena sofort begeistert. Es war zwar nicht das erste Mal, dass sie mit dem christlichen Glauben in Berührung kam: Von klein auf war sie katholisch erzogen worden, doch mit Gott konnte sie trotzdem nur wenig anfangen. „99 % der

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Polen sind Katholiken. Doch was ich als Kirche erlebt hatte, waren vor allem starre Traditionen. In der Freien evangelischen Gemeinde dagegen spürte ich lebendigen Glauben. Die Menschen sagten etwas und handelten auch danach. Sie wollten uns von Anfang an helfen.“

Endlich fließendes Wasser Bald schon besuchte die Familie regelmäßig die Gemeinde. Marlena nahm an Sonntagschule, Kinderlagern und Mädchentreffs teil. Außerdem begann sie, in der Bibel zu lesen und zu beten. Mit 14 ließ sie sich taufen. „Seit ich Jesus kennengelernt habe, hat sich unglaublich viel in meinem Leben verändert.“ Zwar ist das Geld auch heute noch manchmal knapp, doch der 6-köpfigen Familie von Marlena geht es viel besser. „Wir haben jetzt eine Toilette, fließendes Wasser und auch eine größere Wohnung. Und mein Vater betreibt wieder eine eigene Autowerkstatt – auch wenn die Aufträge nicht immer regelmäßig reinkommen“, erzählt sie fröhlich – und fügt etwas betrübt hinzu: „Leider kommen meine Eltern und Geschwister inzwischen nicht mehr mit zur Gemeinde. Warum, weiß ich auch nicht.“ Die 21-Jährige hingegen engagiert sich nun mit vollem Einsatz selbst für die Kinder- und Jugendarbeit. Sie ist sogar eine der wichtigsten Mitarbeiterinnen der Gemeinde geworden. Im Oktober fängt sie eine dreijährige kostenlose Bibelschulausbildung an. Dafür wird sie einmal im Monat für ein Wochenende ins über 200 km entfernte Bydgoszcz fahren.

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Deutsch fasziniert mich Auch beruflich möchte die Polin mal mit Kindern arbeiten – als Deutsch-Lehrerin. „Die Sprache fasziniert mich. In der Gemeinde bringe ich sie schon den Kindern bei – das macht mir unglaublich viel Spaß.“ Und so ist der Besuch in Deutschland für die Germanistikstudentin etwas Besonderes – auch weil sie hier mit einem ganz anderen Lebensstandard konfrontiert wird. „Polen und Deutschland sind zwei völlig unterschiedliche Welten“, stellt sie fest. Und auch wenn es ihr hier sehr gut gefällt – den Wunsch, die ärmlichen Verhältnisse hinter sich zu lassen und vielleicht nach Deutschland zu gehen, hegt Marlena nicht. „Ich möchte auf jeden Fall in Polen bleiben, um armen Kindern zu helfen und von meinem Glauben zu erzählen. Am meisten wünsche ich mir aber, dass meine Familie wieder zu Jesus findet. “ P

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» was läuft » was geht ab »

Tagung für Nachwuchsjournalisten „Wege in die Medien“ zeigt vom 14. bis 16. Oktober eine Tagung der Christlichen Medienakademie. Experten aus Journalismus und Pressearbeit werden in Marburg den Teilnehmern Einblicke in ihre Branche geben und zum Austausch bereitstehen. Die Kosten betragen inkl. Unterkunft und Verpflegung 50 Euro.

Anmeldung und Infos: www.christliche-medienakademie.de 06441 915 166

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Foto: idea/Bannach

Einen Dolmetscher braucht sie nicht – Marlena Dobrowolska spricht fließend Deutsch. Dass sie einmal durch Deutschland reisen und von ihrem Leben berichten würde, hätte die 21-jährige Polin vor 10 Jahren nicht für möglich gehalten. Damals reichte in ihrer Familie das Geld mitunter nicht einmal fürs Essen. „In unserer Wohnung gab es kein fließendes Wasser, und wenn wir auf Toilette wollten, mussten wir immer in den Hof rausgehen“, erzählt sie. Da ihre Eltern – der Vater Automechaniker, die Mutter Verkäuferin – arbeitslos waren, erhielten sie Sozialleistungen. Eines Tages kam vom Sozialamt die Einladung zu „Weihnachten im Schuhkarton“, einer Aktion, bei der in einer kleinen Freien evangelischen Gemeinde von Lodz Weihnachtsgeschenke an bedürftige Kinder verteilt wurden. Jedes Jahr werden so weltweit über acht Millionen Päckchen an Kinder in Not verschenkt. In Deutschland, Österreich und der Schweiz wird die Aktion vom christlichen Hilfswerk „Geschenke der Hoffnung“ organisiert.


DI E K LE I N E K A NZ E L

» Dies ist das Brot, das vom Himmel gekommen ist. Es ist nicht wie bei den Vätern, die gegessen haben und gestorben sind. Wer dies Brot isst, der lebt in Ewigkeit. «

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Friedhelm Bühner, Pfarrer in Straubenhardt (Baden-Württemberg).

Johannesevangelium 6,58

Der Mensch ist, was er isst! Jesus hat 5.000 Menschen gespeist. Sie wollen ihn zum „Brotkönig“ machen. Doch er entzieht sich, wieder einmal – warum? Weil die Menschen in seiner Nähe ihre Wünsche und Erwartungen auf ihn übertragen. Er kann ihnen geben, was ihnen wichtig ist: Brot in Fülle, erscheint als der vom Himmel Gesandte, ist „wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll“ (Joh. 6,14). Sie kennen ihre Bibel und entdecken die Parallele zum Manna in der Wüste. Aber darüber hinaus bleibt ihnen Jesus und sein Auftrag seltsam verschlossen. Bei Geburtstagsbesuchen älterer Menschen fällt mir immer wieder auf, dass sich viele trotz hohen Alters und grosser Gebrechlichkeit für die Dimension der Ewigkeit bei Gott überhaupt nicht öffnen wollen. Warum diese Verdrängung? Hat es damit zu tun, dass sie sich eingestehen müssten, ihr Leben bisher in eine falsche Richtung gelebt zu haben? Sich das in hohem Alter zugestehen

zu müssen, fällt schwerer als in jungen Jahren. Jesus stellt seine Zuhörer vor eine klare Entscheidung: „Schafft euch Speise, die nicht vergänglich ist, sondern die bleibt zum ewigen Leben. Die wird euch der Menschensohn geben“ (Joh. 6,27). Jesus provoziert, spricht von der Notwendigkeit, ihn „essen“ zu müssen, um das ewige Leben zu erhalten. Wer ihn nicht ganz in sich aufnimmt als den, der seinen Leib und sein Leben für unsere Sünden gibt, hat das Leben nicht. Gerade dieser Punkt, der aus der distanzierten Beobachterrolle herauszwingt, führt bis heute zur Scheidung. Auch „viele seiner Jünger, die das hörten, sprachen: Das ist eine harte Rede; wer kann sie hören?“ (Joh. 6,60). Sie setzen sich schon bald von ihm ab. Aber andere folgen Jesus nach. Sie finden in ihm das ewige Leben. Nicht durch unsere Vorstellungen von Jesus kommen Menschen zum Glauben. Jesus will provozieren – und auf diesem Weg Menschen retten. P

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PORTRÄT

Was für ein Leben: 9 Kinder, 53 Enkel und 101 Urenkel RUSSLANDDEUTSCHE Geburtstag feiert Abram Thiessen aus

Abram Thiessen wächst auf der sowjetischen Halbinsel Krim auf. Seine Vorfahren waren – wie viele andere Deutsche auch – im 18. Jahrhundert dem Ruf der russischen Zarin Katharina II. (1729– 1796) in das riesige Reich gefolgt. Als Kind verbringt Abram viel Zeit auf dem Hof seiner Großeltern, die eine große Landwirtschaft betreiben. Auch viele Russen arbeiten dort. „Mein Großvater hat sie immer gut behandelt. Er war ein sehr gottesfürchtiger Mann“, erzählt der 88-Jährige. „Er sorgte dafür, dass es ihnen gutging.“

Großvater verschleppt, Vater erschossen Als Ende der 1920er, Anfang der 1930er Jahre der stalinistische Terror losbrach, gerieten auch die „Kulaken“, wie wohlhabende Großbauern genannt wurden, ins Visier der Kommunisten. Doch die russischen Arbeiter, die über Jahre bei Thiessens Großvater tätig gewesen waren, warnten ihn, so dass er mit seiner Familie fliehen konnte – vorerst. Denn wenige Wochen darauf geraten Vater und Großvater im ukrainischen Menglertschik, wo sie Verwandte warnen wollten, in die Fänge der kommunistischen Schergen. Beide werden verhaftet.

„Mein Vater wurde zwei Jahre später in der Bucht Nagaeva erschossen. Von meinem Großvater haben wir nie wieder etwas gehört.“ Thiessens Mutter wird mit ihm und den drei Geschwistern nach Kasachstan verschleppt. 1942 wird er als Zwangsarbeiter nach Moskau geschickt, wo er in einem Kohlebergwerk schuften muss. Dort lernt er auch seine Frau Sara Schmidt kennen. Die beiden heiraten 1948. Sie bekommen insgesamt elf Kinder, von denen zwei in jungen Jahren starben. In der Schule haben es die Kinder nicht leicht – nicht nur, weil sie Deutsche sind und immer wieder als „Hitler-Kinder“ beschimpft werden. Auch, weil die gläubigen Eltern sich weigern, ihre Kinder in die atheistische Jugendorganisation „Pioniere“ zu geben. Deutsch spricht die Familie nur zu Hause; außerhalb ist das verboten. Anfang der 60er Jahre erkrankt Abram Thiessen schwer. Nach mehr als 20 Jahren Arbeit im Kohlebergwerk diagnostizieren die Ärzte bei ihm eine Staublunge. Ein Arzt sagt zu ihm: „Wenn du jemanden in Deutschland kennst, der dich rüberholt, wirst du vielleicht wieder gesund. Hier nicht.“ Doch sämtliche Ausreiseanträge der Familie werden abgelehnt. Statt nach

Deutschland zieht die Familie nach Kirgisien aufs Land, wo der Familienvater wieder gesund wird. 1977 stirbt jedoch seine Frau. „Sie hatte sich nur einen Bruch gehoben. Doch die Ärzte wollten sie nicht operieren – aus Sorge um ihr schwaches Herz.“ Nach eineinhalb Jahren Trauer heiratet Abram Thiessen erneut – ebenfalls eine Witwe, die selbst sechs Kinder mit in die Ehe bringt. Die Familie hört nicht auf, um die Ausreiseerlaubnis zu bitten. 1988 endlich die ersehnte Nachricht: Die ganze Familie darf nach Deutschland auswandern. Wenn Abram Thiessen an das erste Weihnachtsfest in Deutschland zurückdenkt, kommen ihm heute noch die Tränen vor Freude: „Zum ersten Mal konnten wir die Geburt Jesu feiern, ohne uns verstecken zu müssen.“ Er fi ndet Anschluss in der Mennoniten-Gemeinde in Detmold, deren Gottesdienste er regelmäßig besucht. Doch am meisten mag er die Familienfeste, wenn er alle seine Lieben – 9 Kinder, 53 Enkel und 101 Urenkel – um sich hat. Wo diese gefeiert werden? „Wir mieten uns einfach eine Halle“, sagte er und lacht. P

Foto: privat

Detmold gern in der Familie. Denn der rüstige Rentner empfindet seine große Familie als Geschenk Gottes – besonders vor dem Hintergrund seines bewegten Lebens. Von Matthias Pankau

DAS WORT DER WOCHE » Wir müssen frömmer werden! Mehr auf Gott vertrauen. Und nicht auf uns. Manchmal

denke ich, der säkulare Machbarkeitswahn hat längst auch uns erfasst. Wir sind als Evangelische Allianz vor allem eine Gebetsbewegung. Aber wir müssen’s auch immer wieder neu werden. Nicht nur vom Beten reden und Gebetswochen veranstalten, sondern beten! «

Der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Jürgen Werth (Wetzlar), im Hauptamt Vorstandsvorsitzender von ERF Medien ideaSpektrum 39.2011

Idea Spektrum Schweiz 39/2011  

Nachrichten und Meinungen aus der Evangelischen Welt mit Fokus auf die Schweiz und Deutschland.