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HEIMATSCHUTZ PATRIMOINE

Historische Pfade Sentiers historiques

SCHWEIZER HEIMATSCHUTZ PATRIMOINE SUISSE HEIMATSCHUTZ SVIZZERA PROTECZIUN DA LA PATRIA


Einladung zur Verleihung des Wakkerpreises 2018

NOVA FUNDAZIUN ORIGEN RIOM

Samstag, 18. August 2018, in Riom GR 14.30 Uhr Freilichtbühne auf dem Schulhausplatz — Dramatischer Prolog gestaltet von den Künstlern des Origen Festivals Begrüssung —  Christof Dietler, Präsident Bündner Heimatschutz Fachliche Preisbegründung — Daniela Saxer, Präsidentin Kommission Wakkerpreis Laudatio — Martin Killias, Präsident Schweizer Heimatschutz Dankesworte — Giovanni Netzer, Intendant, und Andrea Hämmerle, Präsident Pro Origen Grusswort — Mario Cavigelli, Regierungspräsident Graubünden Dramatischer Epilog

15.30 Uhr Apéro in den Gärten der Villa Carisch

16.30–17.00 Uhr «Café Sibiria» — Miniatur über einen glücklosen Bündner Emigranten Kurzkonzert in der Clavadeira der Villa Carisch

21.00–22.15 Uhr «Grand Riom Palace» — Der zerbrochene Hoteltraum des Charles Laurent Carisch Freilichtspiel auf dem Schulhausplatz

Donnerstag, 16. August, bis Sonntag, 19. August 2018 Rahmenprogramm zum Wakkerpreis — Das Rahmenprogramm zum Wakkerpreis dauert vier Tage und umfasst thematische Führungen im Dorf Riom, offene Diskussionsrunden zur Zukunft der alpinen Brache und eine Vielzahl von künstlerischen Darbietungen, die sich mit der Geschichte einer uralten Passregion befassen und das reiche Kulturerbe zeitgenössisch interpretieren. Das detaillierte Programm ist unter www.origen.ch abrufbar. Weitere Infos: www.heimatschutz.ch/wakkerpreis


EDITORIAL

2 ZUR SACHE/AU FAIT FORUM 6 Françoise Krattinger Kulturgut Weg – Schritt für Schritt Des biens culturels à découvrir pas à pas 11 Zwei Ausflüge für Leserinnen und Leser 13 Marco Guetg Marion Sauter: «Verkehrswege ver raten, wie die Menschen lebten und arbeiteten» «Les voies de communication révèlent le mode de vie et la façon de travailler» 16 Hans-Peter Kistler Postkutschenromantik trifft Mobilitätsgesellschaft Diligences rétro et société de la mobilité 20 Lukas Kistler Die Züge gehen, die Blitze bleiben Les trains disparaissent, les éclairs restent 26 GUT ZU WISSEN/BON À SAVOIR 28 FRISCH GESTRICHEN PEINTURE FRAÎCHE SCHWEIZER HEIMATSCHUTZ PATRIMOINE SUISSE 30 Wakkerpreis 2018 Prix Wakker 2018 32 NHG-Revision Révision de la LPN 34 Schulthess Gartenpreis 2018 Prix Schulthess des jardins 2018 38 Rote Liste Liste rouge 40 Schoggitaler Ecu d’Or 41 SEKTIONEN/SECTIONS 44 VON MENSCHEN UND HÄUSERN DES MAISONS ET DES HOMMES 46 BÜCHER/LIVRES 48 LEA, LUC & MIRO ∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏

Titelseite: Bern und die Aare – eine der Routen in der neuen Publikation Heimatschutz unterwegs – Historische Pfade (Foto: James Batten) Page de couverture: Berne et l’Aar – l’un des itinéraires de la nouvelle publication Destination patrimoine – Sentiers historiques (photo: James Batten)

Heimatschutz unterwegs Historische Verkehrswege und deren Einbettung in die Kulturlandschaft sind schon seit Langem ein Thema für den Schweizer Heimatschutz. Wege, Pfade und Strassen verbinden Natur und Baukultur. Sie standen immer wieder im Fokus unserer Verbandstätigkeiten – so zum Beispiel beim erfolgreichen Büchlein Die schönsten Spaziergänge der Schweiz, bei der Schoggitaleraktion 2004 für das Programm «Kulturwege» von ViaStoria oder mit verschiedenen Projekten zur Erhaltung und Pflege historischer Verkehrswege. Mit der Publikation Heimatschutz unterwegs lancieren wir nun eine Schriftreihe, die dem Thema in neuer Form gerecht wird. Das vorliegende Heft liefert ergänzend dazu wertvolle Hintergründe und geht auf die Bedeutung historischer Wege und Pfade ein. Im Interview mit Marion Sauter wird klar, wie vielgestaltig und komplex die Geschichte der Verkehrswege ist und was sich alles anhand dieses Kulturerbes erkennen und verstehen lässt. Ein Bericht aus der Optik des Bundesamts für Strassen zeigt zudem die Herausforderungen beim Unterhalt und der Erneuerung besonders wertvoller Teile des historischen Strassennetzes. Die Aktivitäten des Schweizer Heimatschutzes waren im vergangenen Jahr so vielfältig wie zahlreich. Einen Einblick in das Engagement, aber auch in Zahlen und Fakten, gibt der diesem Heft beigelegte Jahresbericht 2017. Peter Egli, Redaktor

Destination patrimoine Patrimoine suisse étudie depuis longtemps les voies de communication historiques et leur intégration aux sites et paysages. Les sentiers, chemins et routes qui nous font découvrir la nature et les sites construits en éveillant nos sens ont toujours été au centre des activités de notre association – citons par exemple notre plaquette sur Les plus belles promenades de Suisse, la campagne de l’Ecu d’or 2004 en faveur des «Itinéraires culturels en Suisse» de ViaStoria et divers projets de restauration et d’entretien de voies historiques. La première édition de la nouvelle collection Destination patrimoine lancée par Patrimoine suisse revisite la thématique des voies de communication historiques dans un nouveau format. Le présent numéro de notre revue livre diverses analyses de fond qui mettent en relief l’importance des chemins et sentiers historiques. Dans notre interview, Marion Sauter s’exprime sur la complexité et la diversité de l’histoire des voies de communication et nous invite à décrypter ce que ce patrimoine nous révèle. Un article présentant le point de vue de l’Office fédéral des routes attire notre attention sur les défis liés à l’entretien et à la restauration des tronçons les plus remarquables de notre réseau historique. L’année dernière, Patrimoine suisse a conduit des actions aussi diversifiées que nombreuses. Le rapport annuel 2017 encarté dans le présent numéro vous donne un aperçu de son action engagée en s’appuyant sur des faits et chiffres. Peter Egli, rédacteur


ZUR SACHE/AU FAIT

Zunächst ein herzliches Kompliment für die Nummer 1/2018: Sie enthält eine ganze Zahl thematisch interessanter und ausgezeichnet geschriebener Artikel. Der Beitrag «Keine Kehrtwende in Sicht» zum Thema historische Luftseilbahnen sollte allerdings im Interesse einer widerspruchsfreien Politik des Schweizer Heimatschutzes ergänzt werden, denn man muss erklären, wieso die Erstellung von Seilbahnen vielfach bekämpft wird, aber seinerzeit bekämpfte Seilbahnen nun trotzdem als schutzwürdig beurteilt werden. Die Leiterin des Heimatschutzzentrums hat in ihrem Artikel die Luftseilbahnen als «Kulturgut par excellence» bezeichnet, das heisst als ein Kulturgut, das die anderen Kulturgüter überragt. Dies ist ein massloses Urteil, welches dann auch im ganzen Text sich als Verherrlichung der Seilbahnen wiederholt. Angemessen ist, Seilbahnen als Kulturgut wie alle anderen Menschenwerke zu sehen. Von all diesen sind einzelne Beispiele erhaltenswürdig, wenn sie für einen bestimmten Zeitund Kulturraum charakteristisch sind. Und zwar auch dann, wenn man sie gegenwärtig als hässlich taxiert oder die Absichten der seinerzeitigen Ersteller nicht gutheisst. Nur mit einer solchen distanzierten Haltung handelt der Schweizer Heimatschutz widerspruchsfrei, wenn er sich für die Erhaltung einzelner Seilbahnen einsetzt, gleichzeitig aber auch die Erstellung neuer Seilbahnen aus Gründen des Landschaftsschutzes fallweise bekämpft hat und weiter bekämpft.

SCHWEIZER HEIMATSCHUTZ

Schutz wertvollster Naturgebiete

Der Vorstand

Die Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des Ständerates (UREK-S) hat am 29. März 2018 einen Vorentwurf zur Änderung des Natur- und Heimatschutzgesetzes (NHG) in die Vernehmlassung geschickt. Für Pro Natura, WWF Schweiz und BirdLife Schweiz zielt die Vorlage auf eine weitere Schwächung des Schutzes der wertvollsten Landschaften und Naturdenkmäler ab, wie sie gemeinsam verlauten liessen. Für sie ist klar: «Eine Aufweichung des schon heute viel zu schwachen Schutzes der wertvollsten Landschaften und Naturdenkmäler in der Schweiz werden wir nicht akzeptieren.»

→ Mehr zur Position des Schweizer Heimatschutzes auf Seite 32

Jutta Vogel

Kulturgut «par excellence»?

REVISION DES NHG

Der Vorstand des Schweizer Heimatschutzes setzt sich aktuell zusammen aus (v. l. n. r.) Julie Schär, Basel, Beat Schwabe, Ittigen BE (Vizepräsident), Daniela Saxer, Zürich (Vizepräsidentin), Adrian Schmid (Geschäftsführer), Benedetto Antonini, Muzzano TI, Martin Killias, Lenzburg AG (Präsident) Andreas Staeger, Brienz BE, und Brigitte Moser, Zug.

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Pierre A. Martin

Leserbrief

Ruedi Müller, Zürich

→ Schreiben auch Sie uns Ihre Meinung an redaktion@heimatschutz.ch

→ Réagissez et donnez-nous votre avis en écrivant à: redaction@patrimoinesuisse.ch

ANNÉE DU PATRIMOINE CULTUREL 2018 FERIEN IM BAUDENKMAL Auftakt zur Renovation Das Interesse für den Auftaktanlass zur sanften Renovation des Flederhauses «Alte Trotte» in Wegenstetten AG war gross. Fast 100 Gäste folgten am 20. April 2018 der Einladung der Projektgruppe Pro Natura Aargau, Stiftung Ferien im Baudenkmal, dem kantonalen Fledermausschutzbeauftragten und dem Jurapark Aargau.

→ www.magnificasa.ch

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Le «Clou rouge» en Suisse romande L’opération Roter Nagel, «Clou rouge», a été lancée il y a 15 ans par l’Architekturforum Obersee à Rapperswil. Un clou rouge en métal de 60 kg mesurant 1,7 m est planté à proximité immédiate d’un édifice qui a été restauré dans les règles de l’art ou qui a fait l’objet d’une mise en valeur particulière. Tout «plantage» du Clou rouge souhaite être une action proactive et éminemment positive qui rassemble le public et Patrimoine suisse autour d’une manifestation festive. L’objectif est de sensibiliser tout un

chacun à la thématique du patrimoine bâti et de susciter une réflexion constructive. Dans le cadre de l’Année du patrimoine culturel 2018, les sections romandes de Patrimoine suisse ont décidé de s’unir pour faire voyager ce Clou rouge. Il sera «planté» à 17 reprises sur l’ensemble du territoire romand. Photo: le deuxième arrêt du Clou rouge en Valais, devant le couvent des capucins à Sion, œuvre majeure de l’architecte Mirco Ravanne.

→ www.leclourouge2018.ch et page 39


ZUR SACHE/AU FAIT

LU DANS LE MATIN DIMANCHE

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James Batten

Publication: Destination patrimoine «Comme toutes les publications de Patrimoine suisse, la priorité est donnée à la simplicité et à l’accessibilité des informations. Les excellentes cartes topographiques de Swisstopo, indiquant arbres isolés et forêts, lacs et rivières, maisons et chemins avec une précision parfaite, servent de base cartographique. (...) Le promeneur ne se trouve pas en salle de classe d’histoire: il éprouve plutôt physiquement ces multiples passages et chemins, bâtis par d’autres hommes, à d’autres époques, toujours en quête de nouvelles manières de pratiquer leur territoire et de se relier les uns aux autres. Que découvre-t-on exactement? Une multitude d’idées pour inspirer des sorties ponctuelles ou programmer un grand voyage historico-piétonnier à travers la Suisse.» «A la découverte de la Suisse sur de jolis sentiers qui sentent la noisette», Valérie Hoffmeyer dans Le Matin Dimanche du 22. 4. 2018

AUSZEICHNUNG FÜR DIE GÄRTEN AUF DEM BALLENBERG

Schulthess Gartenpreis 2018

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NEUE UNTERRICHTSMATERIALIEN Kulturerbe im Unterricht

Das Freilichtmuseum Ballenberg engagiert sich seit seiner Gründung für die sorgfältige Pflege und die aktive Vermittlung der traditionellen Garten- und Landschaftskultur. Der Schweizer Heimatschutz würdigt das

langjährige Engagement für dieses bedeutende Schweizer Kulturerbe im Kulturerbejahr 2018 mit dem Schulthess Gartenpreis.

→ Mehr dazu auf Seite 34/35 und unter www.heimatschutz.ch/gartenpreis

HEIMATSCHUTZ VOR 80 JAHREN

Neben sausenden Autos

Wertvolle Häuser, Landschaften und Traditionen gehören zum kulturellen Erbe und prägen unseren Lebensraum. Um diese Werte für kommende Generationen erhalten zu können, brauchen sie mehr Aufmerksamkeit. Zum Kulturerbejahr 2018 hat das Heimatschutzzentrum zusammen mit dem Schoggitaler Unterrichtsmaterialien erarbeitet, die Anregungen zur Umsetzung dieses aktuellen Themas geben. Die Schülerinnen und Schüler lernen anhand konkreter Objekte, was Kulturgüter auszeichnet, und erkennen, wie heutige Entscheide unsere Lebenswelt von morgen gestalten.

→ www.schoggitaler.ch und Seite 40

«Die Zeit ist endgültig vorbei, da ‹der Wanderbursch, mit dem Stab in der Hand› zur beruflichen Weiterbildung oder aus Freude an der lockenden Fremde von Stadt zu Stadt zog, wo das Wandern des Müllers und anderer Leute Lust war. Zweck und Sitte des Wanderns haben sich im Laufe eines halben Jahrhunderts gründlich geändert, und mit ihnen die Möglichkeiten. Zunächst schien die Entwicklung des Verkehrswesens, die leichte Möglichkeit des Reisens mit Bahn, Velo, Töff und Auto die Fusswanderungen überhaupt überflüssig zu machen. (...) Aber die rationalisierte Arbeit in Bureau und Werkstatt, das enge Zusammenleben in Industriezentren und Grossstädten, die ganze Hast des modernen Lebens schaffen seelische Konflikte, Krankheitszustände des Körpers und der Nerven,

die nach einem gesunden Gegengewicht rufen. Nicht alle können sich im Sport erholen, und nicht immer ist Sport Erholung. Diese Übelstände haben dem Wandern in jüngster Zeit einen starken Auftrieb gegeben. (...) Aber es ist kein Vergnügen, neben rauschenden Lastwagen oder sausenden Autos herzugehen, auch auf dem asphaltierten Gehweg nicht, oder auf der alten staubigen Strasse das Gesicht abzuwenden, bis die Staubwolke sich verzogen hat. Schelten wir aber deswegen das Auto nicht, das ein lebenswichtiger Bestandteil unserer Zeit ist, sondern suchen wir mit dem Automobilisten zusammen die Lösung positiv! Sie heisst ganz einfach: Dem Auto die Strasse, dem Wanderer die stillen Wege.» «Auf Wanderwegen durchs Schweizerland»: J. J. Ess, in Heimatschutz/Patrimoine 3/1938

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ZUR SACHE/AU FAIT

DER KOMMENTAR

LE COMMENTAIRE

Das Kulturerbejahr verbindet Menschen

L’Année du patrimoine culturel rassemble!

Jutta Vogel

L’Année européenne du patrimoine culturel 2018 rassemble et Das europäische Kulturerbejahr 2018 verbindet die Menschen rayonne au-delà de nos frontières. Elle nous rappelle notre hisüber die Grenzen hinweg und erinnert uns an die eigene, oft toire, parfois douloureuse, parfois couronnée de succès. Cette schmerzliche, oft erfolgreiche Geschichte. Der Schweizer Heimatannée, Patrimoine suisse finance grâce aux ventes de l’Ecu d’or schutz finanziert deshalb aus Mitteln des Schoggitalerverkaufs im plus de 80 manifestations des plus intéressantes imaginées par laufenden Jahr landesweit über 80 attraktive Veranstaltungen ses sections et, au mois d’août, la fête de seiner Sektionen. Ein Höhepunkt im Kulremise du Prix Wakker à la Nova Fundaturerbejahr wird die Feier zur Verleihung des Wakkerpreises im August an die Nova ziun Origen de Riom en marquera le Fundaziun Origen in Riom sein. Das kleipoint d’orgue. Ce petit village de monne Bergdorf steht für die Geschichten von tagne est représentatif de récits de miBündner Auswanderern, die viele Jahrgrants qui ont dû quitter leur patrie duhunderte lang ihre Heimat verlassen mussrant plusieurs siècles pour s’établir à Saint-Pétersbourg, Berlin, Odessa ou ten und sich in St. Petersburg, Berlin, Odessa oder Paris niederliessen. Einige Paris. Certains ont sombré dans la misère, verkamen dabei, andere haben später ihre d’autres ont par la suite investi une partie teilweise beachtlichen Vermögen in Hotelde leur fortune, parfois immense, dans des paläste und Patrizierhäuser investiert. palais et des maisons patriciennes. Adrian Schmid Der innovative Intendant des KulturfesL’ingénieux directeur artistique du festiGeschäftsführer Schweizer Heimatschutz val Origen consacre le programme de cet tivals Origen widmet das Sommerproété aux relations entre les Grisons et l’Empire tsariste à la veille gramm den Beziehungen zwischen Graubünden und dem Zarenreich am Vorabend der Russischen Revolution. Russische de la révolution russe. A cette époque, des touristes russes avaient Touristen vermerkten sich damals im Gästebuch des Posthotels signalé leur passage dans le livre d’or du Posthotel Löwen de Löwen in Mulegns an der Strasse zum Julierpass und erholten Mulegns, sur la route du col du Julier, et s’étaient ensuite reposés de leur voyage dans des stations thermales d’Engadine. Giovansich später in den Heilbädern des Engadins von der beschwerlini Netzer met en scène leur histoire en présentant de nouvelles chen Reise. Ihnen gilt das Interesse von Giovanni Netzer, der mit neuen Choreografien, einer Commedia und zwei Theaterauffühchorégraphies, une comédie et deux spectacles de théâtre qui rungen das Festival prägen wird. marqueront cette édition du festival. Kulturerbe als Geschenk und als Verpflichtung Das kleine Dorf wird so neu zur Heimat für Künstlerinnen und Künstler und Gäste aus der ganzen Welt: Es sind die Zuwanderer, die neues Leben ins leer stehende baukulturelle Erbe bringen. Und es ist die Vergangenheit, die zur Zukunft wird durch den kulturellen Diskurs im Surses, im legendären Saal des Posthotels Löwen, im spektakulären Turm auf Zeit auf dem Julierpass oder in der denkmalgeschützten Reithalle in St. Moritz. Dieser Diskurs verbindet die Menschen und vermittelt gesellschaftliche Werte in einer sich rasant verändernden Welt. Unser Kulturerbe ist Geschenk und Verpflichtung zugleich. Wir müssen es für die kommenden Generationen schützen, pflegen und nutzen. Es steht heute unter massivem Druck. Der Schweizer Heimatschutz wehrt sich, sei es gegen den vom Bündner Tiefbauamt geplanten Abbruch eines wertvollen Baudenkmals im Ortskern von Mulegns, der eine schwerwiegende Beeinträchtigung des schützenwerten Ortsbildes bedeuten und mithin zu einer gravierenden Wertminderung des legendären Löwen führen würde, oder gegen den Abbau beim Natur- und Heimatschutzgesetz. Unsere Baudenkmäler gehören allen Menschen über die Grenzen hinweg! Ich freue mich auf eine spannende und intensive Auseinandersetzung im Kulturerbejahr und lade Sie ein, sich daran zu beteiligen, zum Beispiel an der Verleihung des Wakkerpreises in Riom am 18. August 2018. → www.heimatschutz.ch/kommentar

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Le patrimoine culturel: un héritage qui nous engage Le petit village de Riom sera le refuge d’artistes et d’hôtes du monde entier: les hôtes de passage redonneront vie au patrimoine culturel abandonné. Ainsi, le passé ouvre des perspectives d’avenir: le bâti existant sert de caisse de résonance à Surses, dans la salle légendaire du Posthotels Löwen, la tour spectaculaire du col du Julier ou la halle équestre protégée de St. Moritz. La culture rassemble et transmet d’importantes valeurs sociales dans un monde en profonde mutation. Notre patrimoine culturel est un héritage qui nous engage: nous devons le protéger, l’entretenir et l’utiliser pour le léguer aux générations futures. Il est aujourd’hui exposé à de très fortes menaces. Patrimoine suisse s’oppose à ces pressions, que ce soit en refusant la démolition d’un monument historique de valeur dans le cœur de la localité de Mulegns, destruction qui porterait gravement atteinte à ce site digne de protection et dévaloriserait de manière dramatique le légendaire Posthotel Löwen, ou en refusant le démantèlement de la loi fédérale sur la protection de la nature et du paysage. Nos monuments historiques appartiennent à l’humanité. Ils sont sans frontières! Je me réjouis de célébrer avec vous cette Année du patrimoine culturel qui s’annonce passionnante et très intense et vous invite à y participer, par exemple en fêtant la remise du Prix Wakker à Riom le 18 août 2018. →  www.patrimoinesuisse.ch/commentaire


ZUR SACHE/AU FAIT

AUSSTELLUNGSTRILOGIE IN FLIMS, STANS UND ZÜRICH

Das Gelbe Haus Flims (Bild links), das Nidwaldner Museum in Stans (Mitte) und das Heimatschutzzentrum in Zürich (rechts) zeigen derzeit eine lustvolle und aufschlussreiche Ausstellungstrilogie zur Luftseilbahn. In den drei Ausstellungshäusern werden unter-

schiedliche Schwerpunkte präsentiert: Kleinseilbahnen und Transportschiffchen, Gondelträume und Aussichten sowie Oldtimer und Newcomer. Jede Ausstellung ist in sich abgeschlossen und zugleich Teil des gemeinsamen Parcours.

Christoph Oeschger

Das Gelbe Haus Flims

Christian Hartmann

«Luft Seil Bahn Glück»

Vielfältige Aspekte der Luftseilbahnen und der drei Ausstellungsorte können so entdeckt werden. Beim Besuch von zwei Ausstellungen ist der dritte Eintritt gratis.

→ Alle Ausstellungen bis 28. Oktober 2018, www.luftseilbahnglueck.ch

BEGLEITPUBLIKATION

Bähnlitag am 24. Juni 2018

Lufseilbahnen in Wort und Bild

Christian Perret

EMMETTEN NW

Luftseilbahn-Glück draussen vor Ort erleben und dabei hautnah erfahren, was in der Ausstellungstrilogie zu sehen und zu lesen ist. Am Sonntag, 24. Juni, kann ab 8.30 Uhr in Emmetten NW den ganzen Tag nach Herzenslust mit fünf verschiedenen Luftseilbahnen gefahren werden, und die Bergstationen können jeweils mit leichten, kurzen Wanderungen verbunden werden. Die drei Ausstellungshäuser spannen hierfür mit

den Freunden der Kleinseilbahnen und Emmetten Tourismus zusammen. Gross und Klein sind herzlich willkommen! Es gilt ein Einheitstarif zur Fahrt auf allen Bahnen. Die Emmetter Restaurants im Dorf und auf dem Berg bieten vielfältige Verpflegung. Abbildung: Luftseilbahn Niederbauen.

Die Begleitpublikation der Ausstellungstrilogie zum Thema Luftseilbahnen: Jeder Ausstellungsort geht Fragen zur Geschichte, Bedeutung und Zukunft dieses urschweizerischen Verkehrsmittels nach. Luftseilbahnen als Pioniertaten, Lebensadern und Kulturgut. Die Publikation wurde grosszügig durch einen Beitrag der Finanzdirektion der Stadt Zürich unterstützt. Sie fasst zusammen, was das Nidwaldner Museum, das Gelbe Haus Flims und das Heimatschutzzentrum in der Villa Patumbah dokumentieren. Luftseilbahnen faszinieren und wecken Träume – nun auch in Buchform.

→ Informationen: Infopoint auf dem Dorfplatz

→ Die Publikation kann bestellt werden unter

Emmetten, www.luftseilbahnglueck.ch oder www.kleinseilbahnen.ch

www.heimatschutz.ch/shop, Preis: CHF 10.– (Heimatschutzmitglieder: CHF 5.–)

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James Batten

HEIMATSCHUTZ UNTERWEGS – HISTORISCHE PFADE

Kulturgut Weg – Schritt für Schritt Welche Geschichte steckt hinter dem verlassenen Kanalabschnitt im abgelegenen Waadtländer Hinterland? Weshalb ragt mitten in Zürich der Stumpf einer Hochstrasse über die Sihl? Welcher Teufel hat die Tiroler Arbeiter 1736 geritten, einen befahrbaren Weg in die senkrecht hinter Leukerbad aufragende Daubenwand zu schlagen?  Françoise Krattinger, Schweizer Heimatschutz

D

ie Schweiz ist reich an faszinierenden Überbleibseln von Erschliessungsbauten aus vergangenen Epochen. Ohne historische Vorkenntnisse ist es oft schwierig, zu erraten, was frühere Generationen dazu veranlasste, an teilweise unerwarteten Orten aufwendige Bauwerke zu erstellen, die heute scheinbar

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obsolet sind. Verkehrswege sind Lebensadern für Gesellschaften und prägen die gebaute Landschaft massiv; der konstante Anpassungsbedarf dieser Infrastrukturen ist zudem für einen massgeblichen Teil unserer Bautätigkeit verantwortlich. Die Art, wie für Mobilitätsbedürfnisse gebaut wird, widerspiegelt politische, wirt-


FORUM Unzählige Käselaibe wurden auf den harmonisch in die Landschaft eingefügten Serpentinen der Alpenstrasse zum Col de Jaman von den Greyerzer Sennereien nach Vevey und Montreux gebracht. D’innombrables meules de fromage produites en Gruyère ont été transportées jusqu’à Vevey et Montreux par une route d’alpage en lacets passant par le col de Jaman.

unterwegs – Historische Pfade sind 35 attraktive historische Wegstrecken zusammengestellt und durch zeitgenössische Themen ergänzt. Die Auswahl stützt sich im Wesentlichen auf das Bundesinventar der historischen Verkehrswege der Schweiz (IVS) und umfasst möglichst viele Regionen der Schweiz. Wie 1984 in der Zeitschrift Heimatschutz/Patrimoine festgehalten, sollte «das Inventarisieren der alten Wege mithelfen, die Geschichte und Bedeutung, aber auch den funktionalen Zusammenhang von einzelnen unabhängig voneinander aufgenommenen schutzwürdigen Landschaften, Denkmälern und Ortschaften aufzuzeigen». Als Entscheidungshilfe für die Raumplanung konzipiert, umfasst das Inventar auch Lösungsvorschläge, die in Richt- und Nutzungspläne integriert werden sollten. Ganz in diesem Sinne will das neue Format weitläufige Strukturen und Zusammenhänge besser lesbar machen. Langfädige Wegbeschreibungen entfallen, stattdessen wird die Weggeschichte in den Fokus gerückt. Hochwertige Bilder und kurze Texte heben den Charakter der Tour sowie interessante Details hervor. Ziel ist, den Blick für typische Merkmale sowie besondere Lösungen zu schärfen und geschichtliche Hintergründe aufzuzeigen. Die Routenvorschläge laden dazu ein, sehr unterschiedliche Wege, Strassen und stillgelegte Bahnverbindungen zu begehen. Denn viele der historischen Strassen und Trassees, die ursprünglich erstellt wurden, um den Güter- und Personentransport immer schneller und effizienter zu gestalten, entsprechen inzwischen den zeitgenössischen Erfordernissen nicht mehr und sind für den Langsamverkehr umgebaut worden.

schaftliche, gesellschaftliche und technische Entwicklungen. Es ist eine anspruchsvolle und umfassende Gestaltungsaufgabe. In der Schweiz mit ihrer wechselvollen Topografie hat das menschliche Mobilitätsbedürfnis über Jahrhunderte zur Konstruktion von bemerkenswerten Infrastrukturbauten geführt, die Besuchende aus aller Welt anlocken und anschaulich Kulturgeschichte erzählen. Neben den Bestrebungen, Transportrouten für Handel und Militär zu schaffen, führten auch andere Anliegen zum Bau von Wegen und Strassen: Unter dem Einfluss der Romantik kamen inszenierte Promenaden zur Naturbetrachtung in Mode, Aussichtsberge wurden für Touristen erschlossen, und religiöse Motive liegen der Ausgestaltung von Pilgerwegen und Sakrallandschaften zugrunde. Fokus Weggeschichte Auch wenn es in der wanderfreudigen Schweiz nicht an Reiseliteratur mangelt, möchte der Schweizer Heimatschutz in neuer Form lustvoll auf dieses besondere Erbe aufmerksam machen und dessen Wertschätzung fördern. In der neusten Publikation Heimatschutz

Wegbaukultur erwandern Das Wandern erfreut sich grosser Beliebtheit in der Schweiz, und die Qualität des Wegnetzes ist im internationalen Vergleich so hoch, dass man von einem Kulturgut an sich sprechen könnte. Über 50 000 gelbe Wegschilder des Vereins der Schweizer Wanderwege weisen 1,3 Millionen wanderlustigen Menschen pro Jahr den Weg. Seit 1979 verfügt die Schweiz sogar über einen Verfassungsartikel zur Förderung der Fuss- und Wanderwege, damit öffentliche Fusswege nicht mehr ersatzlos aufgehoben oder nach Belieben zubetoniert werden können. Gerade für den Erhalt von historischen Verkehrswegen als Denkmäler ist dies zentral. Viele der eindrücklichen Streckenabschnitte wurden unter grossem Aufwand fachgerecht instand gesetzt, was das Wandern auf alten Wegen ausserordentlich attraktiv macht. Vielfältige Routen Einige Routenvorschläge führen durch vorindustrielle Kulturlandschaften mit besonderen Wegsystemen, andere zeigen Sakrallandschaften auf, verweisen auf lebendige Traditionen oder erzählen von längst vergangenen Formen der Existenzsicherung. Ganz der Freude an der Naturbetrachtung ist der 1875 eröffnete, romantisch inszenierte Wanderweg durch die Areuse-Schlucht gewidmet. Von weltpolitischen Unwägbarkeiten sowie unsicheren Prognosen und ihren Konsequenzen zeugen die Belchensüdstrasse in der Nordwestschweiz und der Canal d’Entreroches im Waadtland: Die

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FORUM

Armeestrasse auf dem Belchen wurde im Ersten Weltkrieg unter enormem Aufwand zur Verteidigung des Verkehrsknotenpunkts Olten gebaut. Zur befürchteten Invasion aus dem Norden kam es glücklicherweise nie. Der Canal d’Entreroches hingegen ist Reststück einer grossen Vision aus dem 17. Jahrhundert: Eine Wasserstrasse vom Genfersee bis zum Rhein hätte den Niederländern ermöglichen sollen, beim Warentransport zwischen Atlantik und Mittelmeer das Hoheitsgebiet ihres Erzfeindes Spanien zu umschiffen. Das Kanalprojekt wurde aus finanziellen Gründen nicht zu Ende geführt. Von beiden Grossvorhaben blieben eindrückliche Bauwerke übrig, die an Visionen, aber auch an Fehleinschätzungen und schlussendlich nutzlose Anstrengungen erinnern. Zwei Stadtwanderungen zeigen, wie das Umnutzungspotenzial von identitätsstiftenden Infrastrukturbauten entdeckt wird. Sowohl am Rheinufer in Basel als auch in Zürichs Innenstadt werden ältere, vormals unzugängliche Hafen- und Bahnareale zu Brennpunkten für die Entwicklung urbaner Erholungsräume. Weitere Routenvorschläge führen über ein stillgelegtes Trassee der Rigibahnen oder die Linie des Dienstzugs zum Bau der Lötschbergbahn, die in den 1960er-Jahren zum ersten Bahnwanderweg Europas umfunktioniert wurde. Auf der alten Axenstrasse, der Alten Averserstrasse, der Twingistrasse oder durch die Zügenschlucht sind nicht nur die Aussichten atemberaubend, sondern auch die Vorstellung, dass auf diesen Strecken einst Postautos im Gegenverkehr kreuzten.

Die Auseinandersetzung mit den vielfältigen Beispielen zeigt auf, wie aus ökonomisch motivierten Zweckbauten Kulturerbe werden kann. Vorausschauende Planung, intelligente Gesamtkonzeption, sensible Linienführung und qualitätsbewusste Detaillösungen tragen zu einer gelungenen Einbettung ins Terrain bei und bedeuten ein Weiterbauen der Landschaft. Ein sorgfältiger Umgang mit dieser wertvollen Ressource kann als kulturelle Handlung begriffen werden und leistet einen essenziellen Beitrag zur Lebensqualität aller, denn die Art, wie sich Menschen bewegen, bestimmt wesentlich mit, wie sie leben.

Ein Reststück des Canal d’Entreroches in der Nähe von La Sarraz VD erinnert an ein visionäres Bauvorhaben aus dem 17. Jahrhundert.

Die Maschinengewehrstellung zur Sicherung der Belchensüdstrasse im Ersten Weltkrieg wurde glücklicherweise nie zu Kampf handlungen benutzt.

Les vestiges du canal d’Entreroches, près de La Sarraz (VD), sont les témoins d’un projet visionnaire imaginé au XVIIe siècle.

Les fortifications construites sur la route du versant sud du Belchen durant la Première Guerre mondiale n’ont fort heureusement jamais été le théâtre d’un combat.

→  Die Publikation Heimatschutz unter-

James Batten

wegs – Historische Pfade kann mit der Bestellkarte auf der Heftrückseite oder unter www.heimatschutz.ch/shop bestellt werden. Preis: CHF 28.– (Heimatschutzmitglieder: CHF 18.–)

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FORUM

DESTINATION PATRIMOINE – SENTIERS HISTORIQUES

Des biens culturels à découvrir pas à pas Quelle est l’origine de ce projet de canal inachevé dans l’arrière-pays vaudois? Pourquoi ce moignon de voie express au-dessus de la Sihl en plein centre de Zurich? Qu’est-ce qui a incité des ouvriers tyroliens à percer en 1736 une voie carrossable dans la falaise de la Daubenwand qui s’élève à la verticale au-dessus de Loèche-les-Bains?  Françoise Krattinger, Patrimoine suisse

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a Suisse regorge de fascinants vestiges d’ouvrages d’infrastructure du temps passé. Il est souvent difficile, si l’on ne connaît pas l’histoire de ces projets, de deviner ce qui a conduit les générations antérieures à se lancer dans d’audacieuses réalisations, en grande partie obsolètes aujourd’hui, dans des endroits parfois des plus inattendus. Artères vitales de nos sociétés, les voies de communication laissent une empreinte marquée dans les paysages construits. De plus, la nécessité d’adapter ces infrastructures aux nouvelles exigences constitue une part importante des activités du secteur de la construction. La réalisation de voies de communication pour répondre à nos besoins de mobilité reflète les évolutions sociales, politiques, économiques et techniques. Il s’agit d’une tâche exigeante qui nécessite une conception d’ensemble. En Suisse, pays au relief accidenté, le besoin de mobilité a nécessité au fil des siècles la construction d’ouvrages d’infrastructure remarquables qui attirent des visiteurs du monde entier et apportent un éclairage instructif sur notre propre histoire. Si les voies de communication devaient en premier lieu faciliter le transport commercial et militaire, des routes et sentiers ont été également créés pour d’autres raisons: sous l’influence du romantisme, les mises en scène de promenades permettant la contemplation de la nature sont devenues à la mode, des points de vue ont été aménagés pour les touristes tandis que la création de chemins de pèlerinage et de «sites sacrés» a été motivée par des préoccupations religieuses. Focus sur l’histoire des voies de communication Les guides et récits de voyage ne manquent pas en Suisse, paradis de la randonnée. Par cette nouvelle publication ludique, Patrimoine suisse souhaite néanmoins attirer l’attention sur un bien culturel particulier et inviter à s’intéresser à son importance. La nouvelle collection Destination patrimoine – Sentiers historiques présente une sélection de 35 itinéraires historiques attractifs complétés de thématiques contemporaines. La sélection qui s’appuie sur l’Inventaire fédéral des voies de communication historiques de la Suisse (IVS) couvre de nombreuses régions de Suisse. Comme on pouvait le lire dans la revue Heimatschutz/Patrimoine de 1984, «le nouvel inventaire des voies de communication historiques mettra en relief non seulement l’importance historique mais aussi le rapport fonctionnel de monuments, de sites naturels et bâtis, dignes de protection mais souvent considérés jusqu’ici indépendamment les uns des autres». Pensé comme une aide à la décision en matière d’aménagement du territoire, l’inventaire suggère également des solutions concrètes qui devaient être intégrées aux plans directeurs et aux plans d’affectation. C’est précisément dans cette idée que la

nouvelle collection invite à découvrir et mieux décrypter les structures et interdépendances complexes de ces grands ouvrages d’infrastructure. Les itinéraires sont présentés de manière synthétique, l’accent est mis sur l’aspect historique. Des photos de qualité et des textes courts donnent un aperçu de l’itinéraire et attirent l’attention sur certains détails intéressants. Le but est de mettre en évidence les éléments marquants de chaque itinéraire et les solutions à envisager tout en retraçant le contexte historique. Les propositions d’itinéraire invitent à parcourir – au sens propre – des chemins, des routes et des anciennes voies ferroviaires. En effet, de nombreuses voies historiques construites pour faciliter le transport de voyageurs et de marchandises ne répondent plus aux exigences actuelles. Depuis leur réaménagement, elles sont désormais réservées à la mobilité douce. Randonner et se cultiver La randonnée est un loisir très populaire en Suisse, et la qualité du réseau pédestre est si élevée en comparaison internationale que l’on peut se permettre de parler de bien culturel. Plus de 50 000 panneaux jaunes de l’association faîtière Suisse Rando indiquent le chemin que plus de 1,3 million d’amateurs de randonnée parcourent chaque année. Depuis 1979, la Suisse dispose même d’un article constitutionnel qui encourage l’aménagement et l’entretien des chemins et sentiers pédestres, oblige à remplacer les chemins et sentiers supprimés et empêche le bétonnage arbitraire de ce réseau. Cet article est essentiel pour assurer l’entretien des voies de communication historiques au même titre que des monuments historiques. De nombreux tronçons impressionnants et légendaires ont été remis en état dans les règles de l’art et au prix d’une importante charge de travail. Randonner sur ces tronçons est donc particulièrement attractif. Diversité des itinéraires Quelques itinéraires proposent de découvrir des paysages préindustriels dotés d’un réseau de chemins d’un caractère particulier, d’autres des «sites sacrés», d’autres encore des traditions vivantes ou des formes révolues de moyens d’existence. Par contre, le chemin de randonnée des gorges de l’Areuse inauguré en 1875, dont l’aménagement d’inspiration rousseauiste met admirablement en scène le relief, a été conçu pour la contemplation de la nature. Les aléas et les incertitudes de la politique internationale sont à l’origine de la création de la route du versant sud du Belchen au nord-ouest de la Suisse et du canal d’Entreroches en terre vaudoise: la route militaire du Belchen a été construite durant la Première

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Guerre mondiale grâce à un énorme travail humain pour assurer la défense du nœud de transport d’Olten. Fort heureusement, l’invasion tant crainte par le nord n’a jamais eu lieu. Les vestiges du canal d’Entreroches sont les témoins d’un projet visionnaire du XVIIe siècle: une voie navigable reliant le Rhin au lac Léman aurait permis aux Pays-Bas de disposer de voies commerciales sûres entre l’Atlantique et la Méditerranée pour contourner l’Espagne catholique, leur ennemie jurée. Pour des raisons financières, ce projet de canal est resté inachevé. De ces deux grands projets, il reste des vestiges impressionnants qui témoignent de visions grandioses mais aussi d’appréciations erronées et d’efforts inutiles. Deux itinéraires de découverte en ville mettent en évidence le potentiel de réhabilitation d’infrastructures urbaines et industrielles marquantes. Au bord du Rhin à Bâle ou en plein centre de Zurich, d’anciens sites portuaires et ferroviaires autrefois inaccessibles deviennent des espaces publics de détente très appréciés. D’autres propositions d’itinéraires invitent à découvrir l’ancienne ligne du Rigi ou la ligne désaffectée des chantiers du Lötschberg qui est devenue en 1963 le premier chemin de randonnée ferroviaire d’Europe. Depuis l’ancienne Axenstrasse, l’ancienne Averserstrasse, la Twingistrasse ou les gorges de Zügen, les points de vue sont à couper le souffle de même que l’habileté dont devaient faire preuve les chauffeurs de car postal pour arriver à se croiser. Il ressort de l’analyse de ces divers exemples que des constructions et des infrastructures érigées pour des raisons économiques

peuvent faire partie de notre patrimoine culturel. Une planification prévisionnelle, une bonne conception d’ensemble, un tracé bien pensé et des solutions attentives au détail et à la qualité sont un gage d’intégration réussie à la topographie et contribuent à l’aménagement du paysage. Des interventions entreprises avec soin et minutie sur cette précieuse ressource sont à considérer comme une action culturelle. Elles améliorent de manière déterminante notre qualité de vie car nos modes de déplacement sont révélateurs de notre mode de vie.

La construction de la «strada commerciale» par les gorges de Piottino fut une réalisation importante du canton du Tessin qui venait d’être créé en 1803.

Le moignon de voie express au-dessus de la Sihl à Zurich-Wiedikon est le résultat d’une divergence de points de vue.

Der Bau der «Strada commerciale» durch die Piottinoschlucht war ein wichtiges Vorhaben des erst 1803 gegründeten Kantons Tessin.

Als sichtbare Konsequenz von Meinungsdifferenzen ragt der Stumpf der Expressstrasse in Zürich Wiedikon über die Sihl.

→  La publication Destination patrimoine – Sentiers historiques

James Batten

est à commander à l’aide du talon-réponse inséré en dernière page de ce numéro ou sur: www.patrimoinesuisse.ch/shop. Prix: 28 francs (membres de Patrimoine suisse: 18 francs)

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ANGEBOT FÜR UNSERE LESERINNEN UND LESER

Ausflüge auf historischen Pfaden Heimatschutz unterwegs: Vier Wanderungen zum Kulturerbejahr führen über prominente historische Strassen im Jura und in den Alpen. Den Anfang machen im Frühsommer die Alte Schollbergstrasse und die Belchensüdstrasse. Im Herbst folgen der Sustenpass und die Route des Diligences.  Cornel Doswald, Experte für historische Verkehrswege, Bremgarten AG Ausflug 1: Alte Schollbergstrasse, Sargans–Wartau SG

Ausflug 2: Belchensüdstrasse, Hauenstein SO–Langenbruck BL

Jetzt n! lde anme vous z e v i Inscr ntenant! mai Die 1490–1492 gebaute Alte Schollbergstrasse war die erste Strasse, die im Auftrag der Eidgenossenschaft erstellt wurde. Bis 40 Meter über der Talsohle durch den Steilhang geführt, an dessen Fuss der Rhein anbrandete, überwand sie die Schlüsselstelle des Alpenrheintals. Sie sollte den Transitverkehr auf die linke Talseite umleiten, erleichterte aber vor allem die Salzeinfuhr aus Tirol. Als 1822 dem Rhein eine neue Kantonsstrasse am Hangfuss abgetrotzt wurde, verlor sie an Bedeutung. Die Korrektion des Alpenrheins leitete ab 1837 die Entstehung der heutigen Verkehrslandschaft Schollberg ein. 1858 wurde die Eisenbahnlinie Chur– Rheineck eröffnet, seit den 1960er-Jahren entstand die Autobahn. Die alte Strasse wurde 2009–2016 denkmalpflegerisch instand gestellt, Streckenunterbrüche wurden mit sehenswerten Kunstbauten überbrückt. Dies ist mit der Nomination für den Prix Rando 2018 der Schweizer Wanderwege gewürdigt worden. Die weitere Wanderung führt über Azmoos nach Sevelen. Ein Abstecher zum Burghügel Wartau mit seiner Burgruine und der Rebbaulandschaft, die landschaftlich und ökologisch aufgewertet wurde, wird nicht fehlen. →  Sonntag, 17. Juni 2018, 10.40–15.50 Uhr Treffpunkt: Sargans, Vild, Parkplatz Gonzen-

Die Belchensüdstrasse bildete ein Rückgrat der 1914–1917 gebauten Fortifikation Hauenstein, die den Knotenpunkt Olten und die zentralen Jurapässe schützen sollte und in den Plänen des Generalstabs eine zentrale Rolle einnahm. Sie diente als Aufmarsch- und Versorgungsstrasse für die vorgeschobene Nordwestecke des Festungsraumes, von der heute noch die Infanteriestellung am Spitzenflüeli zeugt. Die exponierte Gebirgsstrasse zwischen Ifenthal und dem Chilchzimmersattel wurde 1914/15 von Soldaten erbaut und mit zahlreichen Wappen und Inschriften geschmückt. Als aufwendigste Militärstrasse des Ersten Weltkriegs ist sie ein hervorragend erhaltenes Denkmal des handwerklichen Strassenbaus und der landschaftlich schönste Weg zum beliebten Aussichtspunkt auf der Belchenflue. Am Weg nach Langenbruck besichtigen wir ausserdem die Schützengrabenstellung auf dem Spitzenflüeli, die besterhaltene Infanteriestellung des Ersten Weltkriegs im Schweizer Jura. Kurz vor Langenbruck begegnen wir schliesslich der eindrucksvollen romanischen Kirche des ehemaligen Benediktinerklosters Schönthal. →  Sonntag, 1. Juli 2018, 10.20–15.15 Uhr Treffpunkt: Hauenstein, Löwen (ab Olten,

Rückfahrt ab Sevelen (S4 nach Sargans, 15.51 Uhr, S4 Richtung St. Gallen, 16.09 Uhr, Rückkehr zum Parkplatz mit Bus 400 ab Sargans möglich)

Rückfahrt ab Langenbruck, Dorf (BUS 94 nach Balsthal, 15.16 Uhr, Bus 94 nach Waldenburg, Bahnhof, 15.50 Uhr)

Kosten: CHF 40.– (Barzahlung vor Ort)

Kosten: CHF 40.– (Barzahlung vor Ort)

bergwerk (ab Sargans, Bus 400, 10:36 Uhr)

Anmeldeschluss: 10. Juni 2018

→  Verpflegung aus dem Rucksack / Teilnehmerzahl beschränkt

→  keine Durchführung bei schlechtem

Wetter, Bestätigung oder Absage am Vorabend unter Tel. 044 254 57 95

→  Leitung: Cornel Doswald →  Anmeldungen per Formular unter

www.heimatschutz.ch/exkursionen oder direkt per E-Mail an francoise.krattinger@heimatschutz.ch

Excursions sur les sentiers historiques Destination patrimoine: quatre randonnées organisées à l’occasion de l’Année du patrimoine culturel vous conduiront sur des sentiers légendaires du Jura et des Alpes. Pour commencer la saison, l’ancienne route du Schollberg et la route du versant sud du Belchen et en automne, la route du col du Susten et la route des Diligences – cette dernière sera guidée et commentée en français.

Bahnhof, Gleis C5, Bus 506, 10.07 Uhr)

Anmeldeschluss: 24. Juni 2018

→  Inscription sur www.patrimoinesuisse.ch/

excursions ou par e-mail à francoise.krattinger@heimatschutz.ch

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Marion Nitsch

Marion Sauter inventarisierte für die Reihe Kunstdenkmäler der Schweiz historische Bauwerke im Kanton Uri und forscht und publiziert zur Kultur- und Verkehrsgeschichte der Urschweiz. Marion Sauter a inventorié les monuments historiques du canton d’Uri pour la collection Les monuments d’art de la Suisse et publié en tant que chercheuse plusieurs ouvrages sur l’histoire de la culture et des transports de la Suisse primitive.

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IM GESPRÄCH MIT MARION SAUTER

«Verkehrswege verraten, wie die Menschen lebten und arbeiteten» Marion Sauter inventarisierte von 2008 bis 2017 Urner Baudenkmäler. Dazu musste sie auch in die Berge steigen. Dort hat sie die Alpwirtschaft kennengelernt und ist dabei auf historische Verkehrswege gestossen. Was ihr zufällig vor die Füsse fiel, ist heute ihr wichtiges Forschungsgebiet: die alpine Verkehrsgeschichte.  Marco Guetg, Journalist, Zürich Frau Sauter, wie landet eine Frau aus der schwäbischen Kleinstadt Biberach in den Urner Bergen? Wegen der Expo.02. Mein damaliger Partner war an der Konzeption eines Pavillons in Biel beteiligt. Wir sind in die Schweiz gezogen und gerne hiergeblieben. Als dann der Kanton Uri jemanden für die Inventarisierung seiner Baudenkmäler suchte, habe ich mich beworben und den Job erhalten.

sonders moderaten Hanglagen statt. Ein Beispiel: Die Pfarrei Bürglen fand 857 erstmals Erwähnung, der alte Klausenweg führt direkt an der Kirche vorbei. Das dürften die Anfänge sein. Die Spiringer Kirche wurde 1290 gestiftet. Da hatte sich der alte Klausenweg längst etabliert, er verläuft deutlich unterhalb dieser Kirche. Wenn man in Erschliessung denkt, bekommt man die Siedlungsentwicklung eigentlich ganz gut sortiert.

Also weder eine Initialzündung noch irgendein Erweckungserlebnis? Nichts. Reiner Zufall – und ein absoluter Glücksfall! Ich habe schnell gelernt: Um die Urschweizer Baukultur zu verstehen, muss man die Alpwirtschaft begreifen. Einen wichtigen Impuls erhielt ich vom Muotathaler Höhlenforscher Walter Imhof. Er hat mich zur Wüstungsforschung und zur Archäologie geführt. In der Folge haben wir systematisch die Urner Berge begangen, Reste von Alphütten und Ruinen erfasst. Bei dieser Tätigkeit bewegten wir uns oft auf offenen oder versteckten historischen Wegen.

Sind viele dieser Zeichen der Vergangenheit heute noch im Gelände lesbar? Eben nicht! Die Mobilität zollt ihren Tribut. Pfade wurden zu Wegen, Wege zu Strassen, diese wurden je nach Nutzung verbreitert und später dann geteert. Bei diesem Prozess ging die historische Substanz häufig verloren. Orte wie Bürglen-Brügg oder die Schöllenen, wo mehrere Brückengenerationen nebeneinanderstehen, sind die absoluten Ausnahmen der Verkehrsgeschichte.

Verkehrsgeschichte ist immer auch Kulturgeschichte. Was alles kann eine Historikerin erkennen, wenn sie auf Verkehrswege blickt? Die Wirtschaftsform einer Region. Man kann sehen, wie die Menschen lebten und arbeiteten, was sie anbauten und womit sie handelten. Pfade, Wege und Strassen verraten aber auch, wie die Menschen in dieser Region ihre Produkte transportiert haben. Können Sie das anhand eines konkreten Beispiels illustrieren? Blicken wir auf die Hohlwege. Das sind in die Matten eingetiefte Wege. Damit haben die Bauern ihre Wiesen vor den vorbeitrottenden Viehherden geschützt. Das mussten sie, brauchten sie das Gras doch als Winterfutter. Diese Hohlwege zeugen vom Viehtrieb und etablierten sich ob ihres guten Ausbaustandards meist als Hauptwege. Dann gibt es Lastwege. Da es unmöglich war, lange Holzstämme durch die schmalen Hohlwege zu schleifen, entstand ein überlagertes Winterwegsystem, über das Holz ins Tal geführt werden konnte. Das Zusammenspiel von Hohl- und Lastwegen in einer Landschaft ergibt ein spannendes Geflecht, das viel über die Wirtschafts- und Lebensform einer Region aussagt und auch rechtlich fixiert wurde. Was verraten Verkehrswege über die Siedlungsentwicklung? Die ersten Häuser waren mit einfachen Trampelpfaden verbunden. Verdichtung fand an Verkehrsknotenpunkten oder auf be-

Die Mobilität hat den historischen Verkehrswegen am meisten zugesetzt? Ja, zuletzt vor allem die motorisierte Mobilität. Blicken wir nochmals zurück zum Klausen. Die 1880 eröffnete Schächentalstrasse bis Unterschächen war für einfache Fuhrwerke ausgelegt. Beim Ausbau zur modernen Passstrasse zwischen 1890 und 1900 musste viel von dem, was eben erst neu gebaut worden war, wieder weggesprengt werden. Ein gutes Beispiel dafür sind die Spiringer Kehren, die 1877 abseits des Dorfkerns errichtet wurden und sich heute bereits in der dritten neuen Streckenführung präsentieren. Mit der Zunahme der motorisierten Mobilität wurden die ärgsten Steigungen eliminiert, die Kurvenradien entschärft; dann wurde der Schotter getränkt und «staubfrei» gemacht, ab Mitte des 20. Jahrhunderts wurden die Strassen geteert. Dies ging häufig mit einer Trasseeverbreiterung einher. Alle diese Veränderungen haben die historischen Schichten entweder zugedeckt oder zerstört. Es gibt keinen einzigen Meter Klausenstrasse mehr im Zustand von 1900. Weshalb wurde überhaupt über den Ausbau der Strasse über den Klausen diskutiert? Daran lässt sich sehr schön ein Stück regionale Wirtschaftsgeschichte ablesen. Der geplante Ausbau war eine einseitige Angelegenheit. Die Urner wollten ihn nicht. Für ihre Bedürfnisse genügte, was war. Anders die Glarner. Im 19. Jahrhundert blühte dort bereits die Textilindustrie. Die Glarner suchten daher einen Zugang zur 1830 eröffneten Fahrstrasse über den Gott-

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hard. Nur: Als das Projekt Klausenstrasse 1890 dann endlich konkret wurde, existierte bereits die Gotthardbahn. Die Glarner hätten ihre Textilien auch mit dem Zug via Ziegelbrücke transportieren können. Im Rückblick fragt man sich, weshalb man damals an diesem Berg für einen so kleinen Nutzen einen derartigen Aufwand betrieb. Die strategisch-militärischen Überlegungen, die letztlich die Finanzierung ermöglichten, sind heute kaum mehr nachzuvollziehen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts kam der Tourismus auf. Alpenpässe wurden plötzlich auch zu Erlebnisrouten. Die Auswirkungen sind wiederum sehr schön am Klausenpass abzulesen, weil er die Möglichkeit einer Rundreise bietet. Die Passanten nahmen sich Zeit oder mussten sich aufgrund ihres Gefährts Zeit nehmen. Einfache Gasthäuser genügten den Ansprüchen dieser reisenden Klientel nicht mehr. Also entstanden entlang der Strecke neue Berghotels, etwa das «Posthaus Urigen» und das «Klausenpass» auf der Urner Seite, das «Wilhelm Tell» auf dem Urnerboden. Alles repräsentative Bauten, wie wir sie entlang anderer Alpenpässen auch finden. Irgendwann ersetzten mancherorts Seilbahnen den beschwerlichen Aufstieg. Nicht flächendeckend, aber mit eklatanten Auswirkungen auf die historischen Wegstrukturen! Die ersten Seilbahnen und Transportseile stammen meist aus dem frühen 20. Jahrhundert. Die Seilbahnen haben nun aber die Täler schlicht auf den Kopf gestellt. Bis anhin lief man ans Ende eines Tals und stieg von dort hoch zur Alp. Die Seilbahn aber startet meist am Taleingang, überwindet die kürzeste und steilste Stufe und führt an einen Ort, der früher gar nicht besiedelt war. Wege in Seilbahnnähe stammen daher in der Regel aus jüngerer Zeit und sind auf keinen Fall historisch. Diese findet man nur dort, wo eine Alp vor dem Bau der Seilbahn erschlossen worden ist. Sie sind Dozentin am Institut für Architektur der Hochschule Luzern und unterrichten dort Baugeschichte. Das heisst: Romanik, Renaissance, Barock … die klassische Leiter? Auch, aber nicht nur. Wir versuchen, lokale Spezifika wie etwa die Verkehrsgeschichte in die Lehre einzubeziehen. Wenn man die Transportbedingungen für Baumaterial im Mittelalter schildert, erntet man meist ungläubiges Staunen. Die Studierenden waren aber beispielsweise auch an der Urner Wüstungsforschung beteiligt. Wir haben uns gemeinsam auf die Suche nach Siedlungsspuren in der alpinen Kulturlandschaft begeben. Auf diesen Erkundungsgängen haben die Studierenden gelernt, ein Gefühl für einen Ort, für das Gelände zu entwickeln. Wir haben die künftigen Architektinnen und Architekten dann jeweils gefragt, wo sie denn bauen würden – und dort stand in der Regel auch schon die Ruine einer Alphütte. … dabei sind Sie nahe dem Surenenpass unverhofft auf eine Perle gestossen: Auf Reste eines Gebäudes aus der Hallstattzeit … … ja, auf die Reste eines 7 Mal 11 Meter grossen Gebäudes, dessen Funktion allerdings unklar ist – für eine historische Alphütte ist es zu gross. Was wir jedoch wissen: Es handelt sich um das erste bekannte Hallstatt-Haus in dieser Höhenlage in der Urschweiz.

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Zusammen mit den römischen Münzfunden an der Alpkapelle hat dies einiges Gewicht bei der Rekonstruktion der Anfänge der Begehung des Surenenpasses. In einem Aufsatz haben Sie sich mal beklagt, dass die Baukultur der Frühgeschichte in Höhenlagen noch weitgehend unerforscht sei. Haben Sie eine Erklärung dafür? Das Gebiet ist riesig, die Arbeit gross und wer dort forscht, findet meist nur Holzkohle oder Rinderknochen und keinen Goldschatz. In den letzten Jahren hat sich allerdings einiges getan, nicht nur im Kanton Uri. Während die Archäologie im Alltag in der Regel Plätze fokussiert, die unmittelbar von baulichen Veränderungen bedroht sind, blickt die Wüstungsforschung auf das gesamte Areal. So entsteht über viele Puzzleteilchen ein kontextuelles Bild. Und plötzlich werden dann auch Fragen der Erschliessung wichtig. Sie haben unter anderem am Klausen- und Surenenpass geforscht und darüber zwei Bücher publiziert. An welchem Pass findet man Sie in nächster Zeit? Am Renggpass, einem Trampelpfad zwischen Hergiswil und Alpnach, der zum Brünig, aber ehemals auch in Richtung Gotthard führte. Was interessiert Sie an diesem Präludium zum Gotthard? Seine Bedeutung für die Bewohner! Nicht alle, die auf der NordSüd-Route unterwegs sind, wollen den Gotthard queren. Ich habe meine liebe Mühe mit dem ach so zelebrierten Mythos. Und wer auch immer den Gotthard erreichen wollte, musste zuerst ein paar andere Hindernisse meistern: Die Axenstrasse wurde 1865 eröffnet, die A2 erst 1980. Die wenigsten Anwohner konnten sich früher Fährdienste leisten, und nervöse Rösser lassen sich ganz schlecht mit Ruder- oder Segelbooten verschiffen. Deshalb interessieren mich die vielen kleinen Teilstücke vor dem eigentlichen Gotthardübergang beziehungsweise der Schöllenen viel mehr. Bergbauern, die ihre Kuh auf den Markt führen, haben ganz andere Bedürfnisse als ein internationaler Händler, der seine Ware von Basel nach Mailand schaffen will. Ich fokussiere mich auf diese kleinen Strukturen in der Hoffnung, dass sich daraus nach und nach ein nachvollziehbares Verkehrsnetz formt.

MARION SAUTER Marion Sauter ist in der schwäbischen Kleinstadt Biberach (D) aufgewachsen. Sie hat Architektur (Diplom 1994), Kunst-, Architekturgeschichte und Soziologie (Magister Artium 1999) studiert, wurde 2003 am Institut für Baugeschichte der Universität Stuttgart promoviert und lehrt seit 2006 an der Hochschule Luzern Architekturgeschichte. Von 2008 bis 2017 inventarisierte Marion Sauter für die Kunstdenkmäler-der-Schweiz-Reihe historische Bauwerke im Kanton Uri. Im Juni dieses Jahres tritt sie die Leitung Architektur und Bauforschung am Freilichtmuseum Ballenberg an. Seit ihrem Urner Engagement forscht und publiziert Marion Sauter zur Kultur- und Verkehrsgeschichte der Urschweiz. Sie verantwortet als Autorin und Herausgeberin u.a. folgende Werke: Saumpfad – Lini – Speedway. Die Erschliessung des Klausenpasses, Emmenbrücke 2016; Surenenpass. Archäologie und Geschichte in Attinghausen, Hochwald 2016; Ausflug in die Vergangenheit. Archäologische Streifzüge durch die Urschweiz, Hochwald 2015.


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ENTRETIEN AVEC MARION SAUTER

«Les voies de communication révèlent le mode de vie et la façon de travailler» Marion Nitsch

De 2008 à 2017, Marion Sauter a inventorié les monuments historiques du canton d’Uri. Ce faisant, elle a dû arpenter les montagnes et se familiariser avec l’économie alpestre, ce qui lui a fait découvrir le monde des voies de communication historiques. Elle se consacre désormais à l’étude de l’histoire des transports dans les Alpes, domaine qu’elle a découvert par hasard. Marco Guetg, journaliste, Zurich

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riginaire de Biberach en Haute-Souabe, Marion Sauter est arrivée par hasard en Suisse pour accompagner son partenaire de l’époque qui travaillait pour Expo 02. Le canton d’Uri recrutait une personne pour inventorier ses monuments historiques. Elle a obtenu le poste. Elle n’a pas tardé à se spécialiser en campagnes de fouilles archéologiques et en économie alpestre en suivant notamment les traces de Walter Imhof, spéléologue de la vallée de Muota. Désormais professeure à l’institut d’histoire de l’architecture de la Haute-Ecole de Lucerne, elle enseigne les matières classiques mais aussi les spécificités locales, notamment l’histoire des transports. Elle organise avec ses étudiants des fouilles dans la montagne uranaise, principalement à proximité des cols du Klausen et du Surenen. Après la découverte des vestiges d’un bâtiment datant de la civilisation de Hallstatt à proximité de la région du col de Surenen et celle de pièces romaines dans la chapelle d’alpage, elle a collecté des informations importantes sur les débuts du col de Surenen. Pour Marion Sauter, les voies de communication historiques en disent beaucoup sur les systèmes économiques régionaux et permettent de comprendre comment les gens vivaient, construisaient, travaillaient, commerçaient et transportaient leurs produits. Les chemins creux et les chemins de plus grande capacité de charge par exemple sont révélateurs des conditions juridiques et économiques du passé. Les premières maisons étaient reliées par de simples pistes. Le réseau de voies de communication s’est densifié à certains nœuds importants, par exemple autour de certaines paroisses. L’ancien sentier du Klausen passe ainsi en dessous de l’église de Spiringen. Cependant les voies historiques ont payé un lourd tribut au trafic motorisé. Les sentiers ont été élargis et asphaltés et leur substance historique a bien souvent disparu à jamais. Les sites tels que Bürglen-Brügg ou les Schöllenen sur lesquels se côtoient plusieurs générations de ponts sont rarissimes. Pour reprendre l’exemple de la route du col du Klausen, la route du Schächental d’abord prévue pour de simples chars a été aménagée en une route moderne, puis a subi de nombreuses transformations. Les virages ont été rectifiés à plusieurs reprises, les pentes les plus fortes ont été éliminées et les chaussées élargies. Ces travaux ont recouvert ou détruit toutes les couches historiques.

Marion Sauter à Bürglen-Brügg (UR): «En explorant les Alpes, vous ne découvrirez pas de fabuleux trésor.» Marion Sauter in Bürglen-Brügg UR: «Wer in den Alpen forscht, findet keinen Goldschatz.»

Marion Sauter estime qu’il est important d’étudier l’histoire de l’économie régionale et donc celle des voies de communication. Avec l’essor du tourisme, les routes des cols alpins sont devenues des itinéraires fascinants. Sur la route du Klausen, les buvettes d’alpage ne répondaient plus aux besoins de la clientèle. Elles ont été supplantées par de nouveaux hôtels de montagne représentatifs de l’architecture alpine. Les téléphériques construits au début du XXe siècle ont révolutionné les structures historiques des voies de communication et donc, les chemins proches des stations supérieures sont récents. Pour Marion Sauter, le travail de fouilles et de recherche qui reste à faire est gigantesque dans ce grand territoire. Elle s’intéresse aux nombreuses petites structures qui existaient dans l’espoir de parvenir à retracer le réseau de voies de communication historiques.

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PASSSTRASSEN IM WANDEL

Postkutschenromantik trifft Mobilitätsgesellschaft Die Erhaltung historischer Strassen steht heute oft im Widerspruch zum Bedürfnis nach zeitgemässer Nutzung und Verkehrssicherheit. Zwei aktuelle Beispiele aus den Schweizer Alpen zeigen, wie verschiedene Interessen berücksichtigt und zufriedenstellende Lösungen entwickelt werden können.  Hans-Peter Kistler, Fachverantwortlicher Historische Verkehrswege, Bundesamt für Strassen ASTRA

K

unststrassen über die Schweizer Alpen sind ingenieurtechnisch hervorragend konstruiert: Sie wurden ab dem frühen 19. Jahrhundert gekonnt in anspruchvolles Gelände eingebettet, weisen eine gleichmässige Steigung und ihre zahlreichen Kunstbauten häufig eine einheitliche architektonische Sprache auf. Die Passstrassen folgen auch heute noch den ursprünglichen Linienführungen. Die Bauqualität der histori-

schen Substanz ist vielfach so gut, dass sie noch immer in grossen Teilen vorhanden ist. Wegelemente wie Stützmauern, Brücken, Tunnelportale oder Galerien stellen wertvolle Zeitzeugen dar, die sich trotz der intensiven Nutzung und dem Einwirken von Naturgewalten oft gut erhalten haben. Doch mit der heutigen Nutzung haben sich die Anforderungen an die Strassen verändert: Was damals für vergleichsweise einfache Fahrzeuge aus-

Ein Richtplan sorgt dafür, dass die Wegelemente der Sustenstrasse bei der Instandsetzung geschützt werden.

James Batten

Le plan directeur garantit que les travaux ne porteront pas atteinte aux éléments caractéristiques de la route du col du Susten.

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Guy Schneider

Guy Schneider

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Sustenpass vorher (links) und nachher (rechts): Historische Mauern und zeitgemässe Betonkonstruktionen bilden am instandgesetzten Tunnelportal ein neues Ensemble. Le col du Susten avant (à gauche) et après (à droite): après les travaux de rénovation, les murs historiques et les constructions récentes en béton forment un nouvel ensemble à cette entrée du tunnel.

gelegt wurde, muss heute höheren Geschwindigkeiten und Nutzlasten standhalten. Besonders hoch wird heute die Verkehrssicherheit gewichtet. Strassen sollen möglichst übersichtlich sein, Hindernisse werden aus dem Weg geräumt, Kunstbauten statisch verstärkt. Historische Wegelemente sind auch an Passtrassen unter Druck und verschwinden oft in kleinen, kaum wahrnehmbaren Schritten. Wo steile Abhänge und enge Kurven vorherrschen, ist das Sicherheitsbedürfnis besonders hoch. Andererseits sind die historischen Elemente gerade dort oft von spezieller Bedeutung und Qualität. Ihre Erhaltung ist in Zusammenhang mit den heutigen Sicherheitsanforderungen oft herausfordernd. Das Gebot der grösstmöglichen Verkehrssicherheit und hohen Unterhaltsfreundlichkeit muss deshalb gegen den Erhalt historischer Substanz abgewogen werden. Dabei vertreten das Bundesamt für Strassen ASTRA und die kantonalen Fachstellen die Interessen der historischen Verkehrswege und stellen fachliche und finanzielle Unterstützung zur Verfügung, mit dem Ziel, historische Verkehrswege zu schützen. Zwei Beispiele namhafter Alpenpassstrassen zeigen, dass sich der Erhalt von historischen Elementen durchaus mit den heutigen verkehrlichen Anforderungen vereinbaren lässt. Dazu sind allerdings eine gesamtheitliche Planung und der Einbezug aller betroffenen Parteien erforderlich. Punktuelle Lösungen unter Druck sicherheitstechnischer Dringlichkeit führen meist zu uneinheitlichen und damit denkmalpflegerisch unbefriedigenden Ergebnissen. Sustenpass: Richtplan schützt Gesamtkunstwerk Vorbildlich ist diesbezüglich der Richtplan Sustenpass des Kantons Bern. Der Pass weist drei Generationen von Verkehrswegen auf: den Saumpfad, der vor 1811 über den Susten führte, die Kommunikationsstrasse, mit deren Bau 1811 begonnen wurde, welche aber nie fertiggestellt wurde, und die Strasse von 1946. Die im Vergleich junge Kunststrasse ist ein Gesamtkunstwerk: Teilweise direkt aus dem Fels gehauene Tunnelportale, mit lokalen Bruchsteinen verkleidete Betonmauern, Kolonnensteine, Wasserdurchlässe und weitere Kleinformen haben eine einheitli-

che Material- und Formensprache. Damit die Passstrasse diese charakteristischen Elemente bei der Instandsetzung nicht verliert, wurde auf Initiative des Kantons Bern erstmals ein Richtplan für eine Strasse erstellt, der sowohl gestalterische, bauliche als auch nutzungsorientierte Grundsätze festlegt. Er würdigt die Passstrasse als Gesamtbauwerk und gewährleistet so, dass auch bei etappenweiser Bautätigkeit eine durchgängige gestalterische Qualität sichergestellt werden kann. Der Richtplan ist besonders sinnvoll als Grundlage für nicht konkretisierte, langjährige bauliche Unterhalts- und Sicherheitsmassnahmen. Splügenpass: Variantenstudium sorgt für optimale Lösungen Die Splügenpassstrasse mit ihren vielen Haarnadelkurven wurde einst im Auftrag des lombardo-venezianischen Königreiches erbaut und 1826 eröffnet. Sie hatte besonders vor dem Bau der Alpenbahnen grosse Bedeutung für den Alpentransit. Die Strasse soll nun während 10 bis 15 Jahren an heutige Ansprüche und sicherheitstechnische Anforderungen angepasst werden. Das Tiefbauamt des Kantons Graubünden zog von Beginn der Projektierungsarbeiten an das ASTRA (IVS-Fachstelle des Bundes) und die kantonale Denkmalpflege zur Fachbegleitung bei. Vor rund zwei Jahren wurde mit dem Variantenstudium für eine ausgewogene Instandstellung begonnen. Dabei wurden Varianten von Mauern und Absturzsicherungen diskutiert und ein Prototyp erstellt. Für jedes typische Wegelement kann so eine Lösung gefunden werden, die einerseits die heutigen Forderungen nach hoher Verkehrssicherheit und einfachem Strassenunterhalt erfüllt, andererseits ein ausgewogenes Mass zwischen Intervention, Erhaltung der historischen Bausubstanz und landschaftsgestalterischen Aspekten anstrebt. Die Zusammenarbeit aller Beteiligten und die Berücksichtigung der unterschiedlichsten Ansprüche ist auf den ersten Blick aufwendig. Sie gewährleistet jedoch eine sorgfältige Instandsetzung mit langfristiger Erhaltung der Eigenart des Objektes. So kann die Passstrasse sicher befahren werden und trotzdem weiterhin mit wertvollem Kulturerbe beeindrucken. →  www.ivs.admin.ch

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Wikimedia, Adrian Michael

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Des travaux seront entrepris ces 10 à 15 prochaines années sur la route du col du Splügen afin de l’adapter à un trafic plus dense et aux exigences techniques d’aujourd’hui. Die Splügenpassstrasse soll während 10 bis 15 Jahren an die heutige Nutzung und sicherheitstechnischen Anforderungen angepasst werden.

RÉNOVATION DES ROUTES DES COLS ALPINS

Diligences rétro et société de la mobilité La conservation des voies de communication historiques est souvent menacée par le besoin d’adaptation des routes aux normes actuelles ainsi qu’à la sécurité routière. Deux exemples de travaux de réfection menés dans les Alpes suisses montrent comment tenir compte des différents intérêts en jeu pour développer des solutions satisfaisantes.  Hans-Peter Kistler, Voies de communication historiques, Office fédéral des routes (OFROU)

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es chaussées (ou routes carrossables) construites au début du XIXe siècle dans les Alpes suisses sont les témoins des prouesses techniques accomplies par les ingénieurs suisses qui les ont intégrées au paysage, même lorsque le relief était très marqué, en aplanissant les formes du terrain par la construction de nombreux ouvrages d’art, créant souvent une intéressante unité ar-

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chitecturale. Les routes des cols ont gardé leur tracé d’origine. La substance historique de ces chaussées est souvent remarquable et a été préservée sur de larges tronçons. Certains éléments constitutifs (murs de soutènement, ponts, portails de tunnels ou galeries) sont de précieux témoins historiques qui ont bien résisté aux temps malgré une utilisation plus intensive et une exposition aux forces


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curité. Dès le début des travaux de planification, le Canton des Grisons a cherché le soutien de l’OFROU (Service IVS de la Confédération) et du Service cantonal de la conservation du patrimoine. Une analyse de variantes effectuée il y a deux ans a permis d’opter pour une remise en état équilibrée tenant compte des diverses exigences: après l’examen de plusieurs variantes de murs et de protection contre les chutes, un prototype a pu être réalisé. Pour chaque élément caractéristique de cette route, il a ainsi été possible de trouver une solution répondant aux exigences actuelles tant en matière de sécurité routière que de simplicité d’entretien tout en veillant à un équilibre entre un interventionnisme excessif et la conservation de la substance historique et des aspects paysagers. Si le processus de collaboration de tous les acteurs concernés et de prise en compte des diverses attentes peut sembler complexe de prime abord, il garantit une remise en état soignée assurant la préservation durable de la spécificité de chaque objet. On pourra par conséquent rouler en toute sécurité sur la route du col en admirant ce remarquable témoin culturel! →  www.ivs.admin.ch

Hans-Peter Kistler

de la nature. L’accroissement du trafic a également modifié les exigences en matière de routes: les aménagements prévus pour de simples chars doivent résister à des vitesses et des charges beaucoup plus élevées aujourd’hui. La sécurité routière a pris beaucoup d’importance et les routes doivent être bien dégagées. Les obstacles sont donc aplanis et les ouvrages d’art renforcés. Les éléments historiques constitutifs des chaussées des routes des cols subissent une forte menace et sont souvent modifiés par de petites interventions à peine perceptibles. Les exigences de sécurité sont particulièrement élevées dans les fortes déclivités et les virages étroits. Or, ces éléments historiques présentent une importance et une qualité remarquables précisément à ces endroits. Leur conservation constitue un défi exigeant dans le contexte des normes de sécurité qui prévalent à l’heure actuelle. Il importe donc de concilier les impératifs de sécurité et de facilité d’entretien avec la conservation de la substance historique. L’Office fédéral des routes (OFROU) et les services cantonaux ont pour mission d’assurer la protection des voies de communication historiques et d’apporter le soutien technique et financier nécessaire à cette protection. Deux célèbres exemples de transversales alpines démontrent qu’il est possible de concilier la conservation des éléments historiques avec les exigences de trafic d’aujourd’hui. Cela nécessite une planification d’ensemble et l’intégration de tous les partenaires concernés. Les solutions techniques ponctuelles prises dans l’urgence pour répondre à des questions de sécurité donnent le plus souvent des résultats peu harmonieux et donc discutables du point de vue de la conservation des monuments. Col du Susten: un plan directeur pour protéger l’ensemble Le plan directeur du col du Susten établi par le Canton de Berne est toutefois exemplaire. Le col du Susten a connu trois générations de passages transalpins: le sentier muletier qui permettait de franchir le col jusqu’en 1811, la route carrossable dont la construction commença en 1811 mais resta inachevée et la route aménagée en 1946. La chaussée la plus récente est une œuvre d’art en elle-même: les portails des tunnels construits avec des matériaux directement taillés dans le rocher, les murs de béton recouverts de pierres locales, les pierres bordières, les conduites souterraines et autres petits aménagements ont leur propre langage homogène pour les formes comme pour les matériaux. Désireux d’éviter que la route du col ne perde ces éléments caractéristiques durant les travaux de remise en état, le Canton de Berne a pris l’initiative d’établir un plan directeur pour la réfection de cette route (il s’agit d’une première!). Celui-ci définit les principes esthétiques, architecturaux et d’exploitation à respecter. Il considère la route du col comme un ensemble et assure ainsi une qualité constante dans la réalisation des travaux, même si ceux-ci sont échelonnés sur plusieurs années. Le plan directeur est un instrument de référence très précieux pour la mise en œuvre de mesures d’entretien et de sécurisation sur plusieurs années. Col du Splügen: plusieurs variantes analysées pour opter pour la meilleure solution Connue pour ses nombreux virages en épingle à cheveux, la route du col du Splügen a été aménagée par le royaume de Lombardie-Vénétie et inaugurée en 1826. Elle avait une grande importance stratégique avant la construction des transalpines ferroviaires. Des travaux de réfection sont prévus ces 10 à 15 prochaines années pour adapter cette route à un trafic plus intense et aux exigences de sé-

La nouvelle pierre de couverture sur les murs de soutènement du col du Splügen est en harmonie avec le mur historique de pierres sèches. Après des travaux de renforcement invisibles, le mur de soutènement répond désormais aux exigences de sécurité. Die Stützmauern am Splügenpass erhalten einen neuen Abschluss, der zur historischen Trockenmauer passt. Dank einer nicht sichtbaren statischen Verstärkung mittels Beton erfüllt die Stützmauer nun auch die Anforderungen an die Verkehrssicherheit.

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VOM BAHNTRASSEE ZUM FAHRRADWEG

Die Züge gehen, die Blitze bleiben Einst fuhr die Zentralbahn mitten durch Luzern. Jetzt sind auf dem früheren Bahntrassee Fussgängerinnen und Velofahrer unterwegs. Masten, Fahrleitungen und die Böschung erinnern an die Bahnvergangenheit.  Lukas Kistler, Journalist, Zürich

Was von 120 Jahren Bahnfahren bleibt Manches vom früheren Bahntrassee bekommen wir nicht mehr zu sehen: Bahnschwellen, Gleise und Barrieren wurden entfernt, der Schotter als Fundament unter den Asphaltbelag verbaut. Hingegen sind die Leitungsmasten, die Fahrleitung und das Bahnbord weitgehend zu sehen. Rund 120 Jahre fuhren die Zentralbahn beziehungsweise deren Vorgängergesellschaften auf dem Meterspurtrassee zwischen dem Bahnhof Luzern und Kriens sowie Horw. Im Juni 1888 hatte die Bahngesellschaft Jura-Bern-Luzern die Strecke über den Brünig von Brienz nach Alpnachstad eingeweiht, ein Jahr später nahm sie den Abschnitt Luzern–Alpnachstad in Betrieb. Wohl nicht zuletzt wegen des Bahnanschlusses wuchsen im Verlauf des letzten Jahrhunderts Luzern, Kriens und Horw an ihren Rändern, neue Siedlungen und Industrien entstanden. Nach und nach führte das Bahntrassee, das einst Felder und Wiesen zerschnitt, mitten durch den Luzerner Stadtteil Steghof und das Krienser Quartier Mattenhof. Doch dies ist Geschichte: Seit November 2012 fährt die Zentralbahn via Tunnel zur S-Bahn-Haltestelle Kriens Mattenhof, wo das neue auf das alte Bahntrassee trifft. Damit wurden knapp zwei Kilometer des oberirdischen Trassees für den Velo- und Fussweg verfügbar. Umnutzung bringt Standortvorteil Die neue Verbindung ist für Anwohnerinnen, Spaziergänger und Pendlerinnen ein Gewinn. Trotz querender Strassen ist der Komfort beachtlich. Karin Meissle, Partnerin beim planenden

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Landschaftsarchitekturbüro Appert Zwahlen, weist auf den hohen Nutzen für Velofahrerinnen hin. Dem Quartierverein würden indes Orte fehlen, an denen sich Anwohner gerne aufhalten. Deshalb werden entlang der Eschenstrasse und beim Hallenbad Biregg Bäume gepflanzt sowie Mobiliar und Kisten für Pflanzen platziert – allerdings nur vorübergehend, bis das Bad und das benachbarte Feuerwehrdepot überbaut werden. Daniel Nussbaumer berichtet aber auch von Hausbesitzern, die sich erkundigen, wie sie ihre Liegenschaft an den neuen Weg anschliessen können. «Und eine grosse Immobiliengesellschaft preist ihre Wohnhochhäuser an, indem sie auf die Anbindung an die neue Fahrradstrecke hinweist», sagt er. Dass Leitungsmasten, Fahrleitungen und Bahnbord erhalten geblieben sind, geht auf den Vorschlag von Appert Zwahlen zurück. Bahngleis und Schwellen hatte der Kanton Luzern bereits nach Aufhebung des Bahntrasses entfernt. In ihrem Plan zur Gestaltung legten die Landschaftsarchitekten Wert darauf, die 120-jährige Geschichte des Bahntrassees gleichwohl erlebbar zu machen. Masten, Leitungen und Bord würden dem neuen Velo- und Fussweg ein unverwechselbares Gesicht verleihen. Ausserdem habe der Erhalt ökonomische sowie ökologische

Eindringliche Kommunikation in gepf legtem Design: Die Warntafel erinnert an frühere Zeiten. Communication efficace grâce à un design soigné: le panneau de signalisation rappelle le passé.

Lukas Kistler

A

n diesem kühlen Vormittag Mitte März ist auf dem neuen Fuss- und Veloweg von Luzern nach Kriens und Horw wenig los: eine Mutter mit ihrem Kind, ein Hund und dessen Halterin, einige Velofahrerinnen. Der im Dezember 2016 auf dem früheren Bahntrassee eröffnete Weg beginnt südwestlich vom Gleisfeld des Luzerner Hauptbahnhofs beim umgenutzten Hallenbad Biregg. Der Spaziergang mit Daniel Nussbaumer, Projektleiter beim Tiefbauamt der Stadt Luzern, der den Umbau des Bahntrassees geleitet hat, führt in einem weiten Bogen Richtung Süden. Wir passieren dabei das Feuerwehrdepot, den Eichwald, die Allmend mit den Hochbauten der Armee, das gegenüberliegende Kulturzentrum Südpol sowie gleich anschliessend die Baustelle für einen Neubau des Musikdepartements der Hochschule Luzern. Blockrandbauten, Einfamilienhäuser und Gewerbebauten säumen die Strecke – hier zeigt Luzern ein Alltagsgesicht, bescheidener als etwa die noble Neustadt westlich vom Bahnhof.


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Vorteile. So haben die Planer das Bahnbord nicht verändert. Hier gedeiht weiterhin die dafür typische Ruderalvegetation: Blumen wie Leinkraut, Mohn oder Natternkopf, denen Hitze nichts anhaben kann und die magere Standorte bevorzugen. Steinige Böden, wie sie an Bahnböschungen häufig anzutreffen sind, eignen sich gut dafür. Zentralbahntrassee nicht inventarisiert Damit auch die Denkmalpflege die Umnutzung hätte aktiv begleiten können, fehlte ihr das nötige Instrument: Das Bahntrassee war nicht im kantonalen Bauinventar mit den erhaltensund schützenswerten Bauten eingetragen. So gab es für die städtische Denkmalpflege keinen Anlass, sich näher mit dem Projekt zu befassen, wie Jürg Rehsteiner, Luzerner Stadtarchitekt und Leiter der Dienstabteilung Städtebau, ausführt. Allerdings prüften der Stadtarchitekt und dessen Team – darunter auch die Leiterin der Denkmalpflege – die Vorschläge der Landschaftsarchitekten. Diese seien auch deshalb willkommen gewesen, weil die Mittel für eine aufwändigere Gestaltung sowieso gefehlt hätten. In der Regel inventarisiert auch der Bund keine Bahntrassees. So beschränken sich die Schutzbestimmungen, die in der Verordnung zum Bundesinventar der historischen Verkehrswege der Schweiz (IVS) von 2010 festgehalten sind, auf historische Wege, Strassen und Wasserwege. Das IVS führt gleichwohl ein paar wenige Bahntrassees auf, etwa das aufgehobene Trassee Rigi Kaltbad-Rigi Scheidegg. Enthalten sind aber nur Bahnstrecken, die umgenutzt wurden, so Hans Peter Kistler, verantwortlich für historische Verkehrswege beim Bundesamt für Strassen. «Die Methodik des IVS enthält indes keine Kriterien, wie mit Bahnstrecken umzugehen ist.» SBB baut Inventar auf Die SBB hingegen will ihre Bahnstrecken inventarisieren. Die SBB führe Flächeninventarobjekte, erklärt Giovanni Menghini. «Ein solches Inventar enthält beispielsweise Brücken und Tunnel, aber auch Bahnwärterhäuser, Stellwerke oder Remisen in ihrer landschaftlichen Einbettung», sagt der Leiter der Fachstelle für Denkmalpflege bei der SBB. Nicht inventarisiert werden aber das Bahntrassee mit Schwellen, Gleis und Schotter sowie Leitungsmasten oder Signale. «Ein Kriterium für die Aufnahme einer Strecke ins Inventar ist etwa die Wegführung, die gewählt wurde, um die topografischen Anforderungen zu bewältigen.» Auch werde analysiert, wie bedeutend die Rolle einer Strecke bei der Entwicklung des gesamten Bahnnetzes gewesen sei. Inventarisiert werden vorderhand ausschliesslich Strecken, die der SBB gehören; obwohl die Zentralbahn eine Tochtergesellschaft der SBB ist, zählt ihr Streckennetz nicht dazu. Beim aufgehobenen Trassee der Zentralbahn zwischen Luzern und Kriens sowie Horw fallen die an den Masten angebrachten Schilder auf, die mit einem Blitz vor dem Starkstrom warnen, auch kleinere Nummernschilder, und Gewichte, die mittels Drahtseil die Fahrleitung spannen. «Anfänglich wollten wir die Schilder entfernen, entschieden uns dann aber aus historischen Überlegungen dagegen», sagt der Projektleiter Daniel Nussbaumer. Den historischen Zeugniswert solcher Details haben die Planer bereits erkannt. Die SBB anerkennt den historischen Wert ihrer Bahnstrecken. Es wäre zu wünschen, dass weitere Bahngesellschaften folgen.

BAHNGESCHICHTE UNTER DEN FÜSSEN Aufgelassene Bahntrassees gibt es zahlreiche, die Gründe dafür sind vielfältig. Wie beim Luzerner Bahntrassee verbesserte man in Naters und Zürich die Streckenführung. Die Bahnen auf der Rigi und im Misox hingegen litten unter mangelnder Nachfrage. Das aufgehobene Teilstück der BrigFurka-Disentis-Bahn (heute Matterhorn-Gotthard-Bahn) führt in Naters mitten durch das Siedlungsgebiet. Die 2,5 Kilometer lange Strecke von 1915 wurde ab 2009 zu einem Fussund Veloweg umgebaut. Schotter, Fahrleitungsmasten, zwei Brücken sowie ein Tunnel wurden integriert; im Bahnhof ist heute ein Café eingerichtet. Die Umnutzung wurde mit dem Hauptpreis des Flâneur d’Or 2011 bedacht. Der 1989 aufgehobene Lettenviadukt in Zürich verbindet heute als Fussund Fahrradstrecke die Badeanstalt Oberer Letten mit der Josefswiese. Er war Teil des 1894 von der Schweizerischen Nordostbahn gebauten Konterkurvenviadukts, der den Hauptbahnhof mit den Bahnhöfen Letten und Stadelhofen verband. Erhalten sind nebst dem Viadukt der Bahnhof Letten, die Limmatbrücke sowie Schotterflächen. Touristischen Zwecken diente die Strecke Rigi Kaltbad–Rigi Scheidegg, die 1874/75 angelegt und 1942 aufgelassen wurde. Heute ist der Bahndamm im Sommer ein Fussweg, im Winter eine Loipe. Tunnel, Brücken und Stützmauern sind erhalten. Im IVS ist das Trassee als Objekt von nationaler Bedeutung verzeichnet, was aber eine Ausnahme darstellt. Der erste Zug im Bündner Südtal Misox verkehrte zwischen Bellinzona und Mesocco 1907. Die letzten Personenzüge fuhren 1972, Güter wurden noch bis 2003 zwischen Castione-Arbedo und Cama transportiert. Heute dient das Trassee abschnittweise als Fussweg; bei Soazza etwa führt er über eine Brücke und durch einen Tunnel. ∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏

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UNE LIGNE FERROVIAIRE TRANSFORMÉE EN PISTE CYCLABLE

Les trains disparaissent, les éclairs restent Avant, la Zentralbahn traversait Lucerne. Aujourd’hui, piétons et vélos ont pris possession de l’espace dédié à l’ancienne voie ferroviaire. Les caténaires et leurs supports ainsi que les bascôtés rappellent le passé ferroviaire de ce nouveau cheminement.  Lukas Kistler, journaliste, Zurich

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ar cette fraîche matinée de la mi-mars, le nouvel axe piétons-vélos reliant Lucerne à Kriens et Horw est peu animé: juste une mère et son enfant, un chien et sa maîtresse et quelques cyclistes. L’itinéraire cyclable inauguré en décembre 2016 sur l’ancienne voie ferroviaire commence au sud-ouest des voies de la gare centrale de Lucerne près de l’ancienne piscine de Biregg. Notre promenade guidée par Daniel Nussbaumer, chef de projet à l’Office des travaux publics de la ville de Lucerne et responsable du nouvel aménagement de l’ancienne voie ferroviaire, nous conduit vers le sud en faisant une large courbe. Nous passons devant le local des pompiers, l’Eichwald, l’Allmend avec les bâtiments de l’armée, le centre culturel Südpol et finalement le chantier de construction d’un nouveau département de la musique pour l’Université de Lucerne. Notre itinéraire passe devant des blocs d’habitation, des maisons individuelles et des bâtiments commerciaux – Lucerne nous montre son aspect de tous les jours, plus modeste que la noble ville nouvelle à l’ouest de la gare. Vestiges de 120 ans d’exploitation ferroviaire Les aménagements de l’ancienne voie ferroviaire ont pour la plupart disparu: les quais, les voies, les barrières ont été supprimés et le ballast sous la couche d’asphalte a été enlevé. Par contre, les caténaires et leurs supports ainsi que les bas-côtés ont été conservés. La Zentralbahn et les compagnies ferroviaires précédentes ont exploité pendant 120 ans le tronçon à voie métrique reliant la gare de Lucerne à Kriens et Horw. La compagnie ferroviaire JuraBerne-Lucerne a inauguré la ligne du Brünig reliant Brienz à Alpnachstad en juin 1888 et l’année suivante le tronçon Lucerne-Alpnachstad. Au cours du siècle suivant, Lucerne, Kriens et Horw se sont considérablement étendues, sans doute à la faveur de ce raccordement ferroviaire, et des habitations et des industries s’y sont implantées. Petit à petit, la ligne bordée de champs et prairies s’est muée en une ligne urbaine au cœur du quartier lucernois de Steghof et du quartier Mattenhof de Kriens. Mais tout ceci appartient à l’histoire: depuis novembre 2012, la Zentralbahn emprunte une galerie souterraine jusqu’à la gare RER de Kriens Mattenhof, puis reprend son ancien tracé. Ainsi, un axe de mobilité douce a été créé sur les 2 kilomètres de l’ancien tronçon ferroviaire. Un changement d’affectation qui constitue un atout incomparable Le nouvel axe de mobilité douce fait le bonheur des riverains, des piétons et des pendulaires. Il apporte un certain confort malgré les croisements. Karin Meissle, partenaire du bureau d’architectes-

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paysagistes Appert Zwahlen chargé de la planification, souligne l’utilité de cette liaison cyclable. L’association de quartier manque toutefois de lieux de rencontre entre les riverains. Elle fait planter des arbres le long de l’Eschenstrasse et près de la piscine de Biregg et installe des bacs de verdure ainsi que du mobilier – en tout cas temporairement en attendant la reconstruction de la piscine et du local des pompiers. Daniel Nussbaumer raconte également que les propriétaires alentour se renseignent pour savoir comment raccorder leur propriété à ce nouvel axe. Il ajoute que «la publicité d’une grande régie immobilière pour des immeubles d’habitation est axée sur la proximité de cette nouvelle piste cyclable». Appert Zwahlen est à l’origine de la proposition de préserver les caténaires et leurs supports ainsi que les bas-côtés. Le Canton de Lucerne avait fait supprimer les voies et les quais dès la fin de l’exploitation du tronçon ferroviaire. Dans leur planification, les architectes-paysagistes ont cependant veillé à garder présent le passé ferroviaire de cette voie exploitée durant 120 ans. Ils ont imaginé que les caténaires, leurs supports et les bas-côtés conféreraient un caractère unique à ce nouvel axe de mobilité. Par ailleurs, la préservation de ces éléments présentait des avantages économiques et écologiques. Les architectes n’ont donc pas touché aux bas-côtés laissant libre cours à la végétation rudérale typique de ce milieu: le lin, le coquelicot ou la vipérine, fleurs bien résistantes à la chaleur qui apprécient les stations maigres, en particulier les sols caillouteux fréquents sur les talus des voies ferrées. Pas d’inventaire pour la ligne de la Zentralbahn Le service de la conservation du patrimoine ne disposait pas de l’instrument qui lui aurait permis de suivre les travaux de réhabilitation : la ligne ferroviaire n’est en effet pas répertoriée dans l’inventaire cantonal des sites et constructions à protéger. Rien ne justifiait donc que le service de la ville participe à la conception du projet, comme l’explique Jürg Rehsteiner, architecte de la ville de Lucerne et chef du service des constructions. Néanmoins l’architecte de la ville et son équipe – dont la responsable de la conservation du patrimoine – ont examiné les propositions des architectes-paysagistes. Cette participation a été d’autant plus appréciée que les moyens à disposition ne permettaient pas une planification onéreuse. En règle générale, la Confédération n’inventorie pas de ligne ferroviaire. Les dispositions de protection de l’ordonnance de 2010 concernant l’inventaire fédéral des voies de communication historiques de la Suisse (IVS) se limitent aux chemins, routes et


Lukas Kistler

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La voie ferrée abandonnée se dirige vers le sud entre l’Allmend et la zone d’activités. Les nouveaux luminaires LED ont été montés sur les caténaires de l’ancienne ligne ferroviaire. Der aufgehobene Bahndamm führt zwischen Allmend und Gewerbe Richtung Süden. Die neuen LED-Leuchten sind an der alten Fahrleitung aufgehängt.

voies navigables datant d’époques passées. L’IVS répertorie toutefois quelques lignes ferroviaires, par exemple l’ancienne ligne Rigi Kaltbad-Rigi Scheidegg. Seuls quelques tronçons ferroviaires réhabilités y figurent, explique Hans Peter Kistler, responsable du service des voies de communication à l’Office fédéral des routes. «La méthodologie de l’IVS ne contient aucun critère d’inventorisation de tronçons ferroviaires.» Les CFF travaillent à un inventaire Les CFF souhaitent inventorier leurs lignes. Giovanni Menghini explique que les CFF dressent un inventaire des objets et surfaces ferroviaires. Le directeur du service du patrimoine des CFF précise que «cet inventaire recense par exemples les ponts, les tunnels mais aussi les maisons de gardes-barrières, les aiguillages ou les hangars dans leur environnement paysager». En revanche, les lignes ferroviaires, les voies, les quais, le ballast, les caténaires ou leurs supports ne sont pas inventoriés. «L’un des critères retenus pour l’acceptation d’un tronçon dans un inventaire est le tracé choisi pour maîtriser les contraintes topographiques.» On répertorie en priorité les tronçons appartenant aux CFF. Or, la Zentralbahn est une compagnie-sœur des CFF dont le réseau n’appartient pas aux CFF. Sur l’ancien tronçon ferroviaire de la Zentralbahn qui reliait Lucerne à Kriens et Horw, le regard est attiré par des panneaux portant le symbole de l’éclair sur les supports des caténaires ainsi que par de petites plaquettes avec des numéros et des poids qui permettent de tirer les câbles pour la tension des caténaires. «Au début, nous pensions les supprimer, mais finalement, nous les avons conservés pour des raisons historiques», explique le responsable Daniel Nussbaumer. Les concepteurs du projet ont reconnu la valeur de témoignage de ces petits détails. Les CFF reconnaissent la valeur historique de leurs lignes ferroviaires. D’autres compagnies ferroviaires suivront-elles leur exemple?

L’HISTOIRE FERROVIAIRE SOUS NOS PIEDS De nombreuses voies ferroviaires ont été abandonnées pour des raisons très diverses. Comme à Lucerne, les villes de Naters et Zurich ont réhabilité d’anciens tronçons ferroviaires. Les lignes du Rigi et du Mesocco en revanche ont souffert d’une demande insuffisante. Le tronçon abandonné de la ligne Brigue-Furka-Disentis (compagnie de la Matterhorn-Gotthard-Bahn aujourd’hui) arrive au centre de Naters. Ce tronçon d’une longueur de 2,5 km aménagé en 1915 a été transformé en un cheminement piétons-vélos en 2009. Le ballast, les supports de caténaires, deux ponts et un tunnel ont été intégrés au projet, un café a pris ses quartiers dans la gare. Cette réhabilitation a reçu le prix principal du Flâneur d’Or 2011. Le viaduc du Letten, à Zurich – dont l’exploitation a été abandonnée en 1989 – est devenu une liaison piétonne et cyclable reliant les bains de l’Oberer Letten à la Josefswiese. Il fait partie du viaduc construit en 1894 par les Chemins de fer du Nord-Est pour relier la gare principale aux gares du Letten et de Stadelhofen. La gare du Letten, le pont sur la Limmat et les surfaces de ballast ont été préservés. Le tronçon touristique Rigi Kaltbad – Rigi Scheidegg, construit en 1874/75 et abandonné en 1942, sert de cheminement piétonnier en été et de piste de ski de fond en hiver. Le tunnel, les ponts et les murs de soutènement ont été préservés. Cet objet d’importance nationale est répertorié dans l’IVS, ce qui constitue une exception. Le premier train de la vallée méridionale grisonne du Mesocco reliait Bellinzone au Mesocco dès 1907. Les derniers trains de voyageurs ont roulé jusqu’en 1972. Les marchandises ont été transportées jusqu’en 2003 entre Castione-Arbedo et Cama. Aujourd’hui, certains tronçons de cette ligne ont été transformés en voie pour les piétons; celle-ci passe par un pont et un tunnel près de Soazza.

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James Batten

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Areuse-Schlucht NE: Route 10 in Heimatschutz unterwegs – Historische Pfade. Über Stege, Brücken, in den Fels gehauene Stufen und künstliche Wassersprünge wurden die topografischen Gegebenheiten regelrecht inszeniert.

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Gorges de l’Areuse (NE): route 10 de la publication Destination patrimoine – Sentiers historiques. Passerelles, ponts, marches taillées dans la roche et cascades artificielles contribuaient à une véritable mise en scène des conditions topographiques.


James Batten

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Alter Gemmiweg VS: Route 4 in Heimatschutz unterwegs – Historische Pfade. Tiroler Arbeiter waren von 1736 bis 1741 am Werk, um einen fahrbaren Weg in die bis dahin als unüberwindbar geltende Daubenwand bei Leukerbad zu schlagen.

Ancien chemin de la Gemmi (VS): route 4 de la publication Destination patrimoine – Sentiers historiques. Entre 1736 et 1741, des ouvriers tyroliens s’employèrent à percer une voie carrossable dans la Daubenwand près de Loèche-les-Bains, jusqu’alors réputée infranchissable.

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PETITION IN SOLOTHURN Lusthäuschen soll erhalten bleiben Das für die Schweiz einzigartige Lusthäuschen an der Brühlgrabenstrasse in Solothurn, welches vor rund vier Jahren durch viele freiwillige Hände und zahlreicher Gönnerbeiträge wiederbelebt wurde, soll zusammen mit dem Henzihof und dem Obstgarten als Quartier- und Begegnungszentrum erhalten bleiben. Die Stadt Solothurn wird im Rahmen der Gebietsentwicklung «Weitblick» das Baufeld der Parkanlage in den nächsten Jahren erschliessen. Für den Erhalt des bäuerlichen Ensembles und vor allem des Lusthäuschens als «Identitätsanker» und Treffpunkt für Anwohnerinnen und Anwohner setzt sich der Quartierverein «Weststadt» ein. Erbaut wurde das Lusthäuschen in seiner heutigen Form 1915 in der Tradition der englischen Kleinarchitektur mit ihren «Follies» , wie sie im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts üblich waren.

BAUKULTUR UND JUGEND

ZIEGELEI-MUSEUM

Von Spacespot zu Archijeunes

Pisé – Tradition und Potenzial

Spacespot ändert seinen bisherigen Namen zu Archijeunes. Archijeunes steht für Baukultur und Jugend in einer vielsprachigen Schweiz – junge Menschen werden zu «Archijeunes». Mit dem Launch der neuen Plattform soll Archijeunes schweizweit bekannt werden. Der Webauftritt soll mit Unterrichtseinheiten und Angeboten von institutionellen und privaten Baukulturvermittler zur Vernetzung von Lehrpersonen und Vermittelnden beitragen.

An der diesjährigen Sonderausstellung im Ziegelei-Museum Cham steht das nachhaltige Bauen mit Stampflehm im Fokus. Die mehrteilige Ausstellung zeigt die Geschichte des Pisé-Baus und die moderne Anwendung der Stampflehmtechnik durch Roger Boltshauser sowie weitere Projekte des Architekten im Kanton Zug. Das Kernstück bilden die Projekte von Studenten der TU München zum Thema «Ein Aussichtsturm aus Stampflehm für das Ziegelei-Museum».

→ www.archijeunes.ch

→ www.ziegelei-museum.ch, bis 21. 10. 2018

Mathieu Gafsou

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GUT ZU WISSEN/BON À SAVOIR

→ www.weststadt-quartierverein-so.ch

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PROCESSIONS À MENDRISIO Patrimoine immatériel de l’UNESCO Fin mars, la candidature des Processions de la Semaine sainte à Mendrisio a été officiellement déposée à l’UNESCO en vue d’une inscription sur la Liste représentative du patrimoine culturel immatériel de l’humanité. La procession du jeudi est consacrée à une représentation de la Passion et du Chemin de croix. La procession du vendredi, plus austère et solennelle, rassemble 700 habitants du lieu, adultes et enfants. L’UNESCO devrait décider de l’inscription de cette tradition vivante en novembre 2019.

→ www.bak.admin.ch

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OUEST LAUSANNOIS: PRIX WAKKER 2011

Distinction de l’Ouest 2018 Lancée par l’association «Ouest lausannois: Prix Wakker 2011» et les huit communes de l’Ouest lausannois, la nouvelle Distinction de l’Ouest récompense les maîtres d’ouvrage et les architectes qui ont, par des réalisations exemplaires mises en service entre 2011 et 2017, contribué au patrimoine de demain et à l’identité de ce territoire particulier. Sous la conduite d’un jury, 33 projets ont été évalués, douze nominés, un mentionné et cinq distingués. Cette distinction, telle qu’elle a été imaginée, se singularise des autres prix qui fleurissent dans le paysage helvétique. Si

l’un de ses objectifs est bien de récompenser la qualité de réalisations architecturales, urbaines ou paysagères et de dresser ainsi un portrait de ce que la profession juge être des «bonnes pratiques», elle s’attache aussi à rappeler et diffuser quelques fondamentaux de la culture du bâti. Photo: La Salle Perrier et bureaux, à Chavannes-près-Renens (Pont12 Architectes). La Distinction de l’Ouest 2018 fait l’objet d’une publication dans la série des Cahiers de l’Ouest parue chez Infolio au prix de CHF 25.–.

→ www.olpw-2011.ch


GUT ZU WISSEN/BON À SAVOIR

Alpines Museum der Schweiz, © Alexandre Calame

AUSSTELLUNG IM LANDESMUSEUM

Kunsthaus Zürich

Auf der Suche nach dem Stil

Die erste Weltausstellung von 1851 in London war der Startschuss für eine neue Epoche. Eine Zeitreise zwischen 1850 und 1900 durch Europa und die Schweiz zeigt im Landesmuseum in Zürich die Suche nach Schönheit, Eleganz und Stil für Wohnungsinterieurs, alltägliche Produkte, Gemälde oder Gebäude. In dieser Zeit erhielten Metropolen ihr heutiges Gesicht. Es begann die leidenschaftliche Diskussion um den geeigneten Stil. Abbildung: Giovanni Segantini, La vanità (La fonte del male), 1897.

ALPINES MUSEUM IN BERN

Schöne Berge Die aktuelle Hauptausstellung des Alpinen Museums der Schweiz zeigt 120 Bergbilder aus der Gemäldesammlung des Hauses – von Ferdinand Hodlers Dioramenbildern «Aufstieg und Absturz» bis hin zu unbekannten Werken und Namen, angesiedelt zwischen Kunst und Kitsch. Die Bilder repräsentieren die Bergliebe der Malenden ebenso wie populäre Beziehungsgeschichte, die Menschen und Berge in der Schweiz ver-

→ Bis 6. Januar 2019, www.alpinesmuseum.ch

URSULA SCHNEIDER SCHÜTTEL

DIE TOTALE WOHNHARMONIE?

Pro Natura wählt neue Präsidentin

Textile Konzepte 1970–1990

Réunissant architectes et ingénieurs lors d’un évènement unique, les Journées SIA offrent un instantané de la construction suisse contemporaine. Habitations individuelles, logements collectifs, espaces publics, lieux culturels, … tous les types de bâtiments, neufs ou rénovés, sont mis à l’honneur pendant deux week-ends. L’exposition offre aux personnes intéressées l’opportunité de franchir le seuil de lieux parfois étonnants et le plus souvent inaccessibles.

Der Delegiertenrat von Pro Natura hat die SP-Nationalrätin Ursula Schneider Schüttel zur Präsidentin gewählt. Sie war im Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) und in der Rekurskommission UVEK tätig (bis 2002). Als Gemeinderätin von Murten ist sie zuständig für das Ressort «Planung» und bringt damit breite Kenntnisse in den wichtigen Dossiers des Natur- und Umweltschutzes mit. Die Freiburger Rechtsanwältin ist seit 2014 im Pro-Natura-Vorstand aktiv. Ursula Schneider Schüttel löst per 1. Juli die langjährige Pro-Natura-Präsidentin Silva Semadeni ab.

Die Ausstellung «Die totale Wohnharmonie? Textile Konzepte 1970–1990», die im Textilmuseum St. Gallen gezeigt wird, widmet sich dem Textildesign von Verner Panton, Alfred Hablützel, Trix & Robert Haussmann sowie Jean-Philippe Lenclos. Die Gestalter haben im Zeitraum von 1970 bis 1990 umfangreiche Kollektionen für die Schweizer Firma MIRA-X entwickelt, die international Furore machten und das Interieurdesign dieser Jahre massgeblich beeinflussten. Die textilen Entwürfe werden in der Ausstellung in Bezug zum gestalterischen Gesamtwerk der Designer gesetzt.

→ www.journees-sia.ch, 9-10 et 16-17 juin 2018

→ www.pronatura.ch

→ Bis 30. September 2018, www.textilmuseum.ch

→ Bis 15. Juli 2018, www.landesmuseum.ch ∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏

LES JOURNÉES SIA

Marcelo Villada Ortiz

Les portes ouvertes

bindet. Die Ausstellung fragt nach den Motiven der Malenden und geht unseren Bergsehnsüchten auf den Grund. Weshalb diese Leidenschaft für schöne Berge? Wo trifft das Klischee auf die Realität? Weitere Veranstaltungen laden dazu ein, sich mit eigenen Ansichten und Wahrnehmungsgewohnheiten auseinanderzusetzen. Bild: Alexandre Calame, Bergsturz im Haslital (1839).

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FRISCH GESTRICHEN/PEINTURE FRAÎCHE

MAIRIE ET BÂTIMENT PAROISSIAL D’AIRE-LA-VILLE (GE)

Le potentiel de l’existant Les projets réalisés par l’architecte Yves Habegger pour la commune et la paroisse d’Aire-la-Ville devraient servir d’exemples: souvent, une nouvelle construction ne devrait être envisagée qu’après avoir étudié le potentiel de l’existant. Christian Bischoff, architecte, Genève

L

e village d’Aire-la-Ville compte un peu moins de 1200 habitants. Il est situé sur la rive gauche du Rhône, à la hauteur du barrage de Verbois. La toponymie Ayra Villa atteste de l’occupation du site à l’époque romaine. En 2008, la commune organisait un concours sur invitation pour transformer l’ancienne cure en mairie et construire une annexe pour la salle du conseil municipal. A l’issue de la procédure, le projet présenté par l’architecte Yves Habegger fut désigné vainqueur. Dans son rapport, le jury estimait particulièrement réussie la sauvegarde patrimoniale du bâtiment. Il appréciait également l’implantation, la fonctionnalité et le traitement de la nouvelle construction, disposée de manière à préserver au mieux le parc et conçue comme une dépendance

en bois, simple et cohérente avec les principes de développement urbanistique du village. L’évaluation se concluait par ces mots: «Il s’agit d’une intervention modeste à l’exception de l’intervention en sousœuvre dans l’ancien bâtiment.» L’architecte développa le projet et fit établir des devis détaillés. Le montant des travaux se révéla trop élevé pour la commune. L’architecte étudia des variantes sans parvenir à faire baisser significativement les coûts. C’est souvent l’adversité qui permet d’imaginer des solutions judicieuses. Ancienne cure, la mairie est adossée à un bâtiment appartenant à la paroisse catholique. Ce bâtiment contenait alors la salle paroissiale au rez-de-chaussée et un appartement vétuste à l’étage. Commune et paroisse se rapprochèrent et trouvèrent un accord qui

L’église, la mairie et le bâtiment paroissial, vus depuis le parc.

Yves Habegger

Blick vom Park auf die Kirche, das Gemeinde- und das Kirchgemeindehaus

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les arrangeait chacun. Faisant partie de la vaste unité pastorale de la Champagne genevoise, la paroisse n’avait plus besoin de salle paroissiale: les réunions pouvaient avoir lieu dans la sacristie. Il était donc possible de louer de manière permanente la salle à la commune pour y recevoir les réunions du conseil municipal. Cette solution présentait bien des avantages: la commune disposait de tous les locaux souhaités pour un coût qui correspondait à ses possibilités financières; réhabilité, le bâtiment de la paroisse Saint-Louis pouvait devenir une source de revenus pour celleci; l’emplacement prévu initialement pour construire le nouveau bâtiment restait libre, un parc public pouvait y être aménagé. Commune et paroisse décidèrent de confier la réhabilitation de l’ensemble à


Yves Habegger

Yves Habegger

FRISCH GESTRICHEN/PEINTURE FRAÎCHE

Le hall d’entrée de la mairie. L’escalier a été refait en béton en maintenant les dimensions d’origine.

Plans du rez-de-chaussée du projet de concours (en haut) et du projet réalisé (en bas)

Die Treppe im Eingangsbereich des Gemeindehauses wurde neu in Beton ausgeführt. Die Originalabmessungen wurden beibehalten.

Grundriss des Erdgeschosses: Wettbewerbsprojekt (oben) und ausgeführtes Projekt (unten)

l’architecte lauréat du concours. Les deux chantiers parallèles eurent lieu entre avril 2013 et septembre 2015.

POTENZIAL DES BESTEHENDEN

Un projet sobre et sensible Situés au centre du village, les deux bâtiments forment un mas disposé à angle droit avec l’église. Les deux volumes définissent deux espaces extérieurs: d’une part côté rue, le parvis de l’église; d’autre part à l’arrière, un parc qui sert de transition avec les terrains de sport. L’ancienne cure a été bâtie en 1840 et le bâtiment paroissial en 1890. Ils sont d’une architecture néoclassique très simple: deux niveaux plus combles recouverts de toits à deux pans revêtus de tuiles plates; maçonnerie de boulets enduite et percée d’ouvertures régulières aux encadrements de pierre; fenêtres de bois vernis et contrevents de bois peint. Les deux bâtiments, situés en zone 4b protégée et recensés en valeur 4+, sur une échelle allant de 1 à 6, présentaient des modifications et des dégradations. Parmi les transformations inappropriées, citons pour la mairie, les banales fenêtres modernes en bois et l’auvent rustique des années 1970 et pour le bâtiment paroissial, la couverture de tuiles mécaniques et l’appentis recouvert de tôle ondulée qui séparaient les jardins des deux propriétés. Par ailleurs les encadrements en molasse des ouvertures de la mairie

étaient profondément dégradés. Mairie et bâtiment paroissial ont été réhabilités dans les règles de l’art. Un point du projet posait problème aux autorités de tutelle: la reprise en sousœuvre de la mairie pour installer les archives communales au sous-sol risquait de déstabiliser le bâtiment. Cette inquiétude fut levée quand les sondages montrèrent que les murs de boulets étaient fondés à plus de 2 mètres de profondeur. Tout ce qui pouvait être maintenu a été restauré et ce qui devait être remplacé l’a été avec un grand soin. Citons les nouvelles fenêtres en chêne à double vitrage qui ont été exécutées à l’ancienne: moulures gueule-deloup et contre-profils mouton, renvois d’eau en bois, fiches à lames, et espagnolettes récupérées. A l’intérieur, les aménagements ont été réalisés avec de beaux matériaux dans un langage contemporain, sobre et sensible, en intégrant les rares éléments de substance originale qui pouvaient être restaurés. L’architecte a pu maîtriser également les aménagements extérieurs: le parvis de l’église a été repensé et deux arbres ont été plantés. La solution trouvée intègre une nouvelle fonction qui n’était pas prévue au programme du concours: l’appartement du 1er étage et les combles du bâtiment paroissial ont permis de créer trois studios en duplex destinés aux jeunes du village.

2008 organisierte die kleine Gemeinde Airela-Ville GE einen Wettbewerb auf Einladung für den Umbau des ehemaligen Pfarrhauses in ein Gemeindehaus, mit Anbau eines Gemeinderatssaales. Gewonnen hat das Projekt des Architekten Yves Habegger, das die Jury vor allem für die gelungene Bewahrung des baulichen Erbes lobte. Allerdings erwiesen sich die Pläne trotz mehrfacher Überarbeitung als zu kostspielig. Aber Not macht erfinderisch: An das ehemalige Pfarrhaus grenzt ein Gebäude im Besitz der Kirchgemeinde mit einem Saal im Erdgeschoss und einer alten Wohnung im Obergeschoss, die nicht mehr gebraucht wurden. Diese konnte die Gemeinde mieten. So konnte auf den Anbau verzichtet und stattdessen ein öffentlicher Park gestaltet werden. Die schlichten neoklassischen Bauten von 1840 und 1890 wurden nach allen Regeln der Kunst renoviert und alles, was erhalten werden konnte, wurde bewahrt. Die Lösung umfasst zudem eine neue Funktion, die im Wettbewerbsprogramm gar nicht enthalten war: Im Obergeschoss und Dachboden des Kirchgemeindehauses konnten drei DuplexStudios eingerichtet werden, die für die jungen Leute des Dorfes bestimmt sind. ∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏

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SCHWEIZER HEIMATSCHUTZ/PATRIMOINE SUISSE

WAKKERPREIS 2018

Im Tal der Könige In vielen Dörfern der sogenannten Peripherie weicht die langjährige Kriseneiner Aufbruchstimmung. Zwischen Geschichte und Inszenierung zeigt das Surses beispielhaft, wie sich eine Gegend neu erfinden kann. Es gibt im Surses den schönen Brauch des Sternsingens. Dabei ziehen die Kinder an Epiphanie, als Könige verkleidet und einen leuchtenden Stern tragend, von Haus zu Haus und verkünden den Menschen die Geburt des Erlösers. Diese Tradition kennen wir auch in der Surselva, wo ich aufgewachsen bin. Sie gehört wie andere Bräuche zur DNA Katholischbündens. Dabei unverzichtbar: die Lust am Schauspiel, am Gesang, ein gerüttelt Mass an Pomp und ein Schuss Glamour. Nichts davon beherrschten wir Heranwachsenden wirklich gut. Aber wir zelebrierten uns umso inbrünstiger. Ich mochte sie, diese Mischung aus Teamgeist, Aufgeregtheit und Stolz angesichts des jährlich wiederkehrenden Ausnahmezustands. Für einmal waren wir Kinder sprichwörtlich die Könige im Dorf. Selbst im Gourmetrestaurant hatten wir das Sagen. Die auswärtige Hautevolee, die sich dort verköstigte, sah sich überrascht uns unvermittelt aufkreuzenden Sternsingern ausgelie-

Der Dorf kern von Riom GR

James Batten

Le cœur du village de Riom (GR)

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fert. Es waren dieselben ahnungslosen Gäste, die Monate zuvor mit ihren Porsches in eine von bewaffneten Halbwüchsigen angeführte Prozession hineinfuhren. Keine Frage, wer weichen musste. Das Revival des Bergdorfs Man hört oft, die Dörfer, in denen wir als Kinder König und Soldat spielen durften, hätten keine Potenziale. Gut, mit Wohlwollen gibt es etwas sanften Tourismus. Diese Alternativlosigkeit hat man uns so lange eingeschärft, bis klar wurde: Wir vom Outback sind die Kaninchen. Und die Konzepte der Ökonomen und Standortförderer sind die Augen der Schlange, die wir anzustarren haben. Es ist keine schlechte Fügung, haben Touristiker vor Jahren das Bergdorf fürs Marketing entdeckt. Nicht Dörfer wie das mondäne St. Moritz. Auch nicht Dörfer wie Savognin, wo der Plauschtourismus vor sich hinplätschert. Sondern die versteckten Orte dazwischen. Die Schlaraffenländer

des Authentischen, wo in Wahrheit noch nie viel Milch und Honig flossen, dafür viele Tränen im Angesicht von Armut und Abwanderung. Ich habe sie selbst gesehen. In den letzten Jahren geschah überhaupt Sonderbares. Irgendwo zwischen heiler Welt und Lädelisterben, Schellen-Ursli und Entschleunigung, Fusionsängsten und Caminada-Architektur erwachte auch im entlegensten Dorf ein neuer Geist. Eine diffuse Melange, die Unvorstellbares Wirklichkeit werden liess. In ihr gingen der kauzige Lokalhistoriker und der gewiefte Zweitwohner eine Liaison ein. Die gemeinsame Mission: die Renaissance des Dorfs. Darf man das sagen? Die Einheimischen wurden zu Touristen ihrer eigenen Dörfer und ihrer eigenen Geschichte. In der Dorfbeiz, nun zum rauchfreien Erlebnisrestaurant hergerichtet, hängen über den Köpfen der Alteingesessenen keine Jagdtrophäen mehr. Sondern Fotos ihrer selbst, als sie noch König und Soldat spielten, noch ungelenke, aber stolze Tänzer auf einer Bühne ohne Beifall klatschender Touristen waren. Gelebte Partizipation Schmal ist in den Bergen der Grat zwischen Verkauf und Ausverkauf. Die Nova Fundaziun Origen meistert diese Gratwanderung bravourös. Denn sie macht Ernst mit ihren Königen und Soldaten. Sie biedern sich nicht als Staffage im touristischen Hofstaat an. Sondern spielen gleich selbst die Hauptrollen. Überall zwischen Crap Ses und Piz Lagrev packen sie mit an: als Schreiner und als Statistin, als Chauffeur und als Solistin. Sie sind Helden auf und hinter der Bühne, die sie sich selbst gezimmert haben und die ihnen die Welt bedeutet. Da bleibt kein Platz für Dörfli-Nostalgie. Auf dieser Bühne spielt stattdessen eine Realität, die dem Schlange-und-Kaninchen-Spiel der Wirtschaftsexperten ein Schnippchen schlägt. Eine Realität, die real wurde, indem sie zu träumen wagten. Die Inszenierung von Origen ist glaubwürdig, weil sie keine ist. Und sie ist stark. So stark, dass wir nicht anders können, als zu ihrem Lied zu applaudieren. Es ist ein Lied, dessen Refrain gut klingt: Wir stehen nicht mit dem Rücken zur Wand. Sondern auferstehen im Sog der Geschichte, die uns lehrt, wer wir sind und was wir können. Fortschritt? Liegt in der Rückbesinnung. Das ist der beste Patriotismus. Weil er ohne Pathos auskommt. Und trotzdem ansteckt.


SCHWEIZER HEIMATSCHUTZ/PATRIMOINE SUISSE

Aufbruch statt Schwermut Ich habe neulich einen guten Freund getroffen. Er war einer der letzten Lehrer von Tinizong. Das Dorf liegt einen Steinwurf von Savognin entfernt. Schule und Gemeindeverwaltung wurden in den letzten Jahren dorthin verlegt, ins Zentrum der fusionierten Talgemeinde. Nicht nur die Kinder und Könige von Tinizong hat mein Freund unterrichtet. Zehn Jahre lang hat er auch den Kirchenchor geleitet. Zum Abschied hat man ihm eine Feier ausgerichtet. Ich war dabei. Der Abschied fiel dem Dirigenten schwer, und er fiel den Sängern schwer. Aber das Fest war nicht schwermütig. Jemand hielt eine Rede. Ich weiss nicht mehr genau worüber. Doch ich weiss noch, dass es der Aufbruch in Menschengestalt war, der da sprach. Es war Giovanni Netzer. Die Turnhalle von Tinizong, in der wir damals gefeiert haben, ist heute ein Restaurant mit Dorfladen. Die Betreiber haben sich in einem Verein organisiert. Er trägt den sinnigen Namen «La Scuntrada»: die Begegnung. Auch andernorts im Surses wird es gut. In Mulegns ist man um die Übernahme des altehrwürdigen Hotels Löwen besorgt, eines wahren Bergpalastes. Und in Riom schlägt das Herz von Origen. Hier nutzt die Nova Fundaziun Origen eine ganze Reihe von Bauten für ihren Betrieb. An all diesen Schauplätzen vermengen sich Inszenierung und Realität, Wunschdenken

und Durchhaltewille. Dieser Drive stimmt den Abgesang der Randregion zu deren Hohelied um. Schweiss und Tränen werden dabei weder vergessen noch verklärt. Liegt darin die Melancholie dieser Gegend? Vergangenem können wir nachtrauern. Darin sind, wie überall, wohl auch die Leute im Surses gut. Aber sie sind dessen auch etwas überdrüssig. Hier weiss man: Entscheidend ist, wie frisch Verflossenes in neu Entstehendes umgemünzt wird. Was dürfen wir von den Sursettern lernen? Ihre Kernbotschaft liegt für mich nicht in der Heimatliebe, nicht im Widerstand einer Peripherie, die in Wahrheit schon immer Mittelpunkt ihrer Bewohner war und immer noch ist. Die Kernbotschaft von Origen und dem Surses ist eine andere. Es ist die Versöhnung. Eine Versöhnung, die alte ideologische Gräben überwindet. Weil keine andere Wahl bleibt. Es ist die Versöhnung von Profis und Laien, von Zentren und Peripherie, von Kultur und Kommerz, von Geschichte und Gegenwart. Es ist die Versöhnung des Sternsingers mit dem Porschefahrer. Ich habe lange darauf gewartet. Donat Caduff, Grafikdesigner und Kulturredaktor

→ Dieser Text ist erschienen in der Begleitpubliaktion zum Wakkerpreis 2018: Büchlein inkl. Faltblatt CHF 10.– / 5.– für Mitglieder. Zu bestellen unter www.heimatschutz.ch/shop.

→ Die Verleihung des Wakkerpreises mit attraktivem Rahmenprogramm findet statt am 18. August 2018: www.heimatschutz.ch/wakkerpreis

Eine Dorf bewohnerin und ein Sänger: der Dorf laden von Riom zwischen Fiktion und Realität

Benjamin Hofer

Une habitante de Riom et un chanteur: le magasin du village entre fiction et réalité

Clavadeira : Le théâtre d’hiver dans la grange de « Monsieur Carisch ». Wakkerpreis | Prix Wakker 2018

Prix Wakker 2018

NOVA FUNDAZIUN ORIGEN RIOM (GR)

PRIX WAKKER 2018 NOVA FUNDAZIUN ORIGEN

PATRIMOINE SUISSE

DÉPLIANT ET PUBLICATION Un dépliant et une publication montrent comment la Nova Fundaziun Origen fait revivre le village de Riom et ses monuments historiques. Cette fondation grisonne a reçu le Prix Wakker 2018. Origen a compris que les bâtiments désaffectés de Riom (GR) représentaient une chance pour l’avenir et a apporté une réponse efficace aux mutations structurelles. La confiance de la fondation dans les valeurs existantes et leur potentiel ouvre de nouvelles perspectives pour l’ensemble du village et sa population. Origen prend soin du patrimoine culturel sous toutes ses formes et contribue fortement à la sauvegarde de la localité et des infrastructures. Edité à l’occasion du Prix Wakker, un dépliant invite à la découverte du village et présente les vestiges du passé de Riom et l’esprit d’Origen. En outre, une brochure propose quatre contributions d’auteurs. Ces spécialistes et fins connaisseurs du lieu dévoilent les dessous de l’histoire et livrent leurs points de vue sur les réalisations et les défis qui doivent être encore relevés à Riom. Dans l’avant-propos de la publication, le président de la Confédération, Alain Berset, commente le choix de la Nova Fundaziun Origen: «Le Prix Wakker ne lui revient pas seulement pour avoir su mettre en lumière la culture du bâti dans un village rural des montagnes grisonnes. Cette récompense lui est aussi attribuée pour avoir rappelé l’importance des lieux de culture pour la cohésion de la société.» Car «en faisant dialoguer l’ancien avec le moderne, Origen nous rappelle d’où nous venons et nous réunit pour célébrer ensemble l’art et le patrimoine.»

→ La publication Prix Wakker 2018 peut être com

mandée sur www.patrimoinesuisse.ch/shop (brochure avec dépliant CHF 10.–/5.– pour les membres.

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SCHWEIZER HEIMATSCHUTZ/PATRIMOINE SUISSE

REVISION DES NATUR- UND HEIMATSCHUTZGESETZES

Tiefpunkt in der Kaskade von Abbauplänen Die Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des Ständerates hat kürzlich einen Entwurf zur Änderung des Natur- und Heimatschutzgesetzes (NHG) in die Vernehmlassung geschickt. Für den Schweizer Heimatschutz ist die geplante Revision ein weiterer Tiefpunkt in der Kaskade von Abbauplänen des Natur-, Landschafts- und Heimatschutzes, den er so nicht akzeptieren kann. Mit der Revision des NHG soll die Interessenabwägung zwischen den Nutz- und Schutzinteressen auch dann zugelassen werden, wenn nicht nur nationale, sondern auch kantonale Interessen gegen die Erhaltung des Schutzobjekts sprechen. Zudem soll der Stellenwert der Gutachten der beiden eidgenössischen Kommissionen (Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission ENHK und Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege EKD) für die Entscheidbehörden deutlich geschwächt werden. Statt den Schutz unserer identitätsstiftenden Baudenkmäler und wertvollen Kulturlandschaften zu stärken, schwächt der

vorliegende Revisionsentwurf diesen. Für diese Abbaupolitik braucht es keine Revision, da dem Hauptanliegen der parlamentarischen Initiative des Zuger Ständerats Joachim Eder (FDP), auf welche die aktuelle Gesetzesrevision zurückgeht, bereits Rechnung getragen wurde: Das Energiegesetz ist in der Zwischenzeit so geändert worden, dass Projekte für erneuerbare Energien einfacher zu realisieren sind. Der Schweizer Heimatschutz wird die Vorlage zum revidierten Natur- und Heimatschutzgesetz sorgfältig prüfen. Er hat deshalb Ende April in einem breiten Bündnis mit Alliance Patrimoine, WWF und Pro Natura in Bern zu einer sehr gut

besuchten Veranstaltung eingeladen, wo in drei Fachreferaten die Konsequenzen der geplanten Revision aufgezeigt wurden. Ein erstes Gutachten sowie ein Kurzargumentarium als Basis für die Vernehmlassungsantwort liegen vor. Unbestritten ist: Ein weiterer Abbau des bereits heute zu schwachen Schutzes der bedeutendsten Baudenkmäler und wertvollen Kulturlandschaften und Naturdenkmäler – ausgerechnet im europäischen Kulturerbejahr, das aufmerksam macht, wie vielfältig, aber auch fragil das Kulturerbe ist – ist inakzeptabel. Adrian Schmid, Geschäftsführer, Schweizer Heimatschutz

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Unsere Heimat ist einmalig. Helfen Sie mit, ein Stück Heimat zu bewahren. Schweizer Baukultur für kommende Generationen: schützen, erlebbar machen, weiter bauen. Ihr Vermächtnis – eine Erbschaft oder ein Legat – legt den Grundstein für die Zukunft. Informieren Sie sich bei Ihrem Anwalt oder bestellen Sie die Unterlagen des Schweizer Heimatschutzes: www.heimatschutz.ch. Sie können uns auch anrufen: Unser Geschäftsführer Adrian Schmid berät Sie gerne persönlich. Schweizer Heimatschutz, Zollikerstrasse 128, 8008 Zürich adrian.schmid@heimatschutz.ch 044 254 57 00, www.heimatschutz.ch ww

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SCHWEIZER HEIMATSCHUTZ/PATRIMOINE SUISSE

RÉVISION DE LA LOI SUR LA PROTECTION DE LA NATURE ET DU PAYSAGE

Encore un projet de démantèlement de la protection de la nature, du paysage et du patrimoine La Commission de l’environnement, de l’aménagement du territoire et de l’énergie du Conseil des Etats a récemment mis en consultation un avant-projet de révision de la loi sur la protection de la nature et du paysage (LPN). Ce texte vient s’ajouter aux autres plans de démantèlement de la protection de la nature, du paysage et du patrimoine. Patrimoine suisse le juge inacceptable en l’état. sont le socle de notre identité, l’avant-projet l’affaiblit. Une telle politique ne nécessite pas une révision de la loi. La modification de la loi sur l’énergie facilite déjà la réalisation de projets pour les énergies renouvelables. Or c’est justement l’objectif principal de l’initiative parlementaire du conseiller aux Etats zougois Joachim Eder (PLR) que l’avant-projet actuel de révision de la LPN entend mettre en œuvre. Patrimoine suisse va examiner en détail cet avant-projet. Dans le cadre d’une large coalition avec Alliance Patrimoine, le WWF et Pro Natura, il a organisé à Berne

une séance d’information très bien fréquentée et a présenté au fil de trois exposés les conséquences de la révision prévue. Une première expertise ainsi qu’un bref argumentaire servant de base pour la réponse à la consultation ont été élaborés. La protection actuelle des monuments historiques et naturels les plus importants et des paysages culturels d’une valeur inestimable est déjà insuffisante: il est clair qu’un affaiblissement supplémentaire n’est pas admissible. Adrian Schmid, secrétaire général, Patrimoine suisse

James Batten

Cette modification de la loi doit permettre une pesée des intérêts entre la protection des objets et l’utilité des projets proposés lorsque des intérêts cantonaux, et non plus seulement nationaux, s’opposent à la conservation. La révision réduit en outre nettement le poids des expertises des deux commissions fédérales (Commission fédérale pour la protection de la nature et du paysage et Commission fédérale des monuments historiques) à l’intention de l’autorité de décision. Au lieu de renforcer la protection des monuments et des paysages remarquables qui

La révision de la loi fédérale sur la protection de la nature et du paysage risque d’affaiblir la protection des paysages ruraux, des sites construits et des monuments naturels tels que les chutes du Rhin. Die Revision des Natur- und Heimatschutzgesetzes droht den Schutz von Kulturlandschaften, Bauund Naturdenkmälern, wie zum Beispiel dem Rheinfall, massiv zu schwächen.

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SCHWEIZER HEIMATSCHUTZ/PATRIMOINE SUISSE

SCHULTHESS GARTENPREIS 2018

Die Gärten auf dem Ballenberg Die vielgestaltigen Gärten rund um die Häuser auf dem Ballenberg zeichnen ein abwechslungsreiches Bild der regionalen Gartenkultur der Schweiz. Ihre Gestaltung und Pflege folgen seit den Anfängen des Freilichtmuseums dem Grundgedanken, dass nicht nur Gebäude, sondern auch Geländeformen, Landschaftselemente und Anbautechniken zum kulturellen Erbe zählen. «In einem baumbestandenen Gelände steht eine Anzahl von wirklichen Bauernhäusern, sinnvoll gruppiert mit den zugehörigen Wirtschaftsgebäuden, mit Feuerweihern, Bauerngärten und all dem, was eben zu einem ländlichen Anwesen gehört.» So beschrieb der Vater des Ballenbergs, Max Gschwend, 1962 in der Verbandszeitschrift des Schweizer Heimatschutzes seine Vision für ein nationales Freilichtmuseum. Dessen Errichtung bezeichnete der damalige Leiter der Schweizer Bauernhausforschung als «eine der dringendsten kulturellen Aufgaben der Gegenwart». Vor dem Hintergrund eines rasanten Strukturwandels, dem viel bäuerlich geprägtes Kulturgut zum Opfer fiel, entstanden in der Nachkriegszeit in ganz Mitteleuropa Freilichtmuseen – alleine in Westdeutschland nahmen zwischen 1950 und

GARTENKULTUR BALLENBERG Der nebenstehende, leicht gekürzte Text stammt aus der Begleitbroschüre zum Schulthess Gartenpreis 2018 für die Gärten auf dem Ballenberg, die traditionelle Gartenkultur erlebbar machen und zukunftsgerichtet gesichert werden.

→ Die informative und

reich bebilderte Publikation kann unter www.heimatschutz. ch/shop bestellt werden (CHF 10.-, für Mitglieder des Heimatschutzes CHF 5.-).

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34  Heimatschutz/Patrimoine  2 | 2018

1980 über 50 Anlagen ihren Betrieb auf. Allen zum Vorbild diente das auf einer Insel vor Stockholm gelegene Skansen, das bereits seit 1891 einem breiten Publikum schwedisches Kulturgut nahebrachte. Dem Appell Gschwends folgend, setzte das Eidgenössische Departement des Innern eine Studienkommission zur Prüfung des Vorhabens ein. Es folgten Standortevaluationen, die Gründung einer Stiftung, Landkäufe und schliesslich, am 28. Mai 1978, die Eröffnung des «Schweizerischen Freilichtmuseums für ländliche Bau- und Wohnkultur Ballenberg». Geländekammern und Baugruppen Der dafür gewählte Standort oberhalb von Brienz bot ideale Voraussetzungen für das Unterfangen: Topografie, Waldstücke und Lichtungen gliederten das rund 60 Hektar messende Areal in unterschiedliche Geländekammern, in die sich die 13 nach regionalen Aspekten arrangierten Baugruppen platzieren liessen. Im Zentrum des Sammlungsinteresses standen ländliche Hausformen sowie die dafür verwendeten Materialien und Konstruktionen. Wohn- und Wirtschaftsbauten wurden mit Klein- und Nebenbauten zu Hausgruppen arrangiert und mit originalen Möbeln und Werkzeugen ausgestattet. Bei der Anordnung von Hof- und Baugruppen spielte nicht zuletzt die Umgebung eine zentrale Rolle. Gemäss Gschwends Vision kam ihr die Aufgabe zu, die Baugruppen optisch voneinander zu trennen und sie gleichzeitig miteinander in Beziehung zu setzen; Bäume und Gärten sollten «die lebensnahe Verbindung von Haus und Umgebung» herstellen. Im Unterschied zu den Häusern, die sich am neuen Ort eins zu eins wiederaufbauen liessen, fehlten bei den dazugehörenden Gärten meist die konkreten Vorbilder. Aufgabe der Mitarbeiter der Fachgruppe Wis-

senschaft war es, sie in möglichst authentischer Form zu konzipieren. Bei ihren Recherchen stützten sie sich auf die damals für die Schweiz massgebende Bauerngartenforschung des Historikers Albert Hauser. Sie entschieden sich für eine dem Haus und dem sozialen Stand seiner ehemaligen Besitzer entsprechende Gestaltung, die ausserdem der Gartenkultur der Herkunftsregion Rechnung trug. Vom Taglöhner- bis zum Villengarten Die ersten Gärten, die als fester Bestandteil des Freilichtmuseums entstanden, befanden sich in der Baugruppe Berner Mittelland. Schmuckstücke waren zweifelsohne diejenigen der Bauernhäuser aus Madiswil und Ostermundigen. Die umzäunten Gevierte sind bis heute ein eindrückliches Zeugnis der Verbindung zwischen Nutzen und Zierde ehemaliger Berner Bauerngärten. Vor dem behäbigen Holzbau aus Madiswil wächst Gemüse in rechteckigen Beeten, die mit geschwungenen Blumenrabatten in barocker Formensprache kontrastieren. Der dem Haus aus Ostermundigen vorgelagerte Garten ist noch prächtiger und widerspiegelt den sozialen Stand seines ehemaligen Besitzers, eines gutbetuchten Offiziers, der sein stattliches Heim 1797 hatte errichten lassen. Auch hier strukturieren streng geschnittene Hecken das Geviert, Blumen und Gemüse leuchten aus dem satten Grün, und im zentralen Rondell wächst eine für Bauerngärten typische Rosa rugosa. Neben den gut gepflegten Kleinoden wohlhabender Hofbesitzer entstanden aber auch schlicht gestaltete Nutzgärten, die vom harten Leben der einfacheren Bevölkerung erzählen. So wächst im Garten des Taunerhauses aus Detligen BE eine karge Auswahl zur Selbstversorgung angebauter Gemüsesorten. Die in Hausnähe gepflanzten Weiden erinnern daran, dass sich die Tagelöhner mit der Korbflechterei einst ein Zubrot verdienten. Am anderen Ende der Skala befindet sich der Garten der Burgdorfer Fabrikantenvilla, die 1991 ins Freilichtmuseum gelangte. Der erfolgreiche Textilfabrikant Hans


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Schafroth hatte sein Wohnhaus 1872 im Schweizerhausstil bauen und von einem repräsentativen Park umgeben lassen. Hier spielten nicht Beete mit Kartoffeln und Kohl die Hauptrolle, sondern eine der Natur nachempfundene Landschaft mit exotischen Gehölzen. Ein englischer Garten en miniature mit Baumgruppen, Kieswegen und kleinen Rasenstücken umschliesst deshalb auch heute wieder den repräsentativen Bau.

Prägende Landschaftselemente Entstand die Umgebung der Bauten samt Gärten in den ersten Jahrzehnten des Freilichtmuseums jeweils situativ auf die Häuser abgestimmt, so gab der Bau der Tessiner Geländekammer 2001 erstmals Anlass für die Bestimmung gestalterischer Richt-

linien für eine grössere Einheit. Das Konzept machte sowohl Aussagen zur Verteilung der Bauten als auch zur Terraingestaltung und definierte ausserdem die Platzierung regionaltypischer Elemente wie Treppen und Mauern aus Naturstein oder von Wein bewachsene Pergolen. Diese übergeordnete Studie gab 2012 Anlass für die «Konzeptskizze Kulturlandschaft Ballenberg», die für das gesamte Areal gilt. Das Grundsatzpapier sieht vor, dass prägende Landschaftselemente, die früher aufgrund einer regional spezifischen Bewirtschaftungsart entstanden sind, den Raum zwischen den Baugruppen noch stärker gliedern sollen. Dazu zählen vielgestaltige Hecken, Zäune und Mauern, typische Bewirtschaftungsformen und Kulturen sowie Be- oder Entwässerungsanlagen. Sie sollen dazu beitragen, dass dieses kulturelle Erbe nicht in Vergessenheit gerät. Das von der Studie bezweckte Bild kommt dem nahe, was Max Gschwend vor rund 55 Jahren skizzierte. Es verdeutlicht, dass zum kulturellen Erbe der Schweiz nicht nur Bauten, sondern auch Geländeformen, Landschaftselemente und Gärten zählen. Claudia Moll, Landschaftsarchitektin, Zürich

→ Die Preisverleihung findet am Samstag,

30. Juni, im Freilichtmuseum Ballenberg statt

James Batten

Sorgfältige Pflanzenauswahl Doch nicht nur der soziale Stand der ehemaligen Hausbesitzer ist Taktgeber bei der Gestaltung der Gärten. Die unterschiedlichen Ausprägungen bilden auch die variierenden klimatischen Bedingungen der Herkunftsorte ab. Der Höhenlage von La Chaux-de-Fonds NE entsprechend schmücken lediglich ein Holunderstrauch und ein Bergahorn das Jura-Bauernhaus aus La Recorne. Beinahe mediterran mutet im Gegensatz dazu die Umgebung des Bauernhauses aus Villars-Bramard VD an: Birnenspalier und Wein wachsen an der schützenden Hauswand, Töpfe mit Oleandern und Schmucklilien zieren den Vorplatz. Bei Fragen zur Gestaltung und zur Auswahl der Pflanzen beraten das Freilicht-

museum heute Landschaftsarchitektinnen, Botaniker und Ökologinnen. In einigen Fällen dienen ihnen historische Fotos oder Pläne als Vorbild für einen neuen Garten, bei anderen sind es erhalten gebliebene Beispiele aus der Herkunftsregion der Häuser. Die Experten legen Wert auf eine authentische Zusammensetzung der Pflanzen. So wachsen rund um das Haus aus La Recorne nährstoffliebende Brennnesseln, die auch in höheren Lagen gerne in den Traufbereichen der Häuser oder in der Nähe eines Miststockes wachsen. Bei der Auswahl von Birnenspalier, Reben und Obststräuchern für das Bauernhaus aus Villars-Bramard fiel die Wahl auf Sorten, die früher in der Region bevorzugt wurden, und im Garten der Burgdorfer Fabrikantenvilla wachsen – ganz wie im bürgerlichen Garten des ausgehenden 19. Jahrhunderts üblich – Mammutbaum, Atlas-Zeder und Magnolie.

Das Freilichtmuseum Ballenberg lässt die Sinnlichkeit und Bedeutung von Bauerngärten und Kulturlandschaften aktiv erleben. Le Musée en plein air Ballenberg permet d’appréhender le sens et l’importance des jardins d’agriculteurs et des paysages ruraux.

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SCHWEIZER HEIMATSCHUTZ/PATRIMOINE SUISSE

PRIX SCHULTHESS DES JARDINS 2018

Les jardins de Ballenberg Les nombreux jardins qui entourent les maisons de Ballenberg témoignent de la richesse régionale de la culture horticole en Suisse. Depuis la création du musée en plein air, leur aménagement et leur entretien montrent que le patrimoine culturel ne se compose pas seulement de bâtiments mais aussi d’espaces ouverts, d’éléments paysagers et de techniques agricoles. «Dans un site de grande étendue, ouvert, avec des arbres, sont disposées d’authentiques maisons paysannes, groupées avec art, chacune avec ses dépendances, avec son jardin potager, avec sa mare, et tout ce que comporte une exploitation agricole.» C’est la description que donnait Max Gschwend, le père de Ballenberg, de sa vision d’un musée national en plein air en 1962 dans la revue de Patrimoine suisse. Le directeur de l’Etude de la maison rurale décrivait ce projet comme «une tâche culturelle urgente de la présente génération». Alors qu’une part importante du patrimoine culturel rural tendait à disparaître sous la pression d’un rapide changement structurel, de nombreux musées en plein air étaient créés dans l’après-guerre en Europe centrale. En Allemagne de l’Ouest uniquement, plus de 50 sites ont été ouverts entre 1950 et 1980. Ces projets s’inspiraient tous de l’île de Skansen, près de Stockholm, qui présentait depuis 1891 déjà l’héritage culturel suédois à un large public.

L’ART DES JARDINS Ce texte légèrement retravaillé est extrait de la brochure d’accompagnement du Prix Schulthess des jardins 2018 qui a été décerné aux jardins de Ballenberg qui font vivre l’art traditionnel des jardins tout en assurant la transmission active de ce savoir.

→ Une publication informative et richement illus-

trée peut être commandée à l’adresse: www. patrimoinesuisse.ch/shop (au prix de 10 francs/ 5 francs pour les membres).

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A la suite de l’appel de Max Gschwend, le Département fédéral de l’intérieur chargea une commission d’étudier la procédure. Cette dernière déboucha sur l’évaluation de sites, la création d’une fondation, des achats de terrain et, finalement, sur l’inauguration le 28 mai 1978 du «Musée suisse de l’habitat rural» à Ballenberg. Parcelles et groupes de constructions Situé au-dessus de Brienz, le site présentait des caractéristiques idéales pour le projet: la topographie, les espaces boisés et les clairières structuraient ce terrain de quelque 60 hectares en plusieurs parcelles dans lesquelles pouvaient être placés les 13 groupes de construction organisés en sites régionaux. Cette collection était centrée sur des formes d’habitat rural, des matériaux et des techniques utilisées pour leur construction. Les demeures et les bâtiments agricoles ont été entourés de petites annexes afin de former des sites régionaux. Ils ont été aménagés avec des meubles et des outils originaux. L’environnement a joué un rôle important dans cet agencement. Selon la vision de Max Gschwend, il convenait d’en tirer parti pour opérer une séparation visuelle tout en maintenant un lien entre les groupes. Les arbres et les jardins devaient «créer une relation réaliste entre la construction et son environnement». A la différence des maisons qu’il était possible de remonter sur place pièce par pièce, on manquait de modèles concrets pour les jardins. Les collaborateurs de l’équipe scientifique avaient donc pour mission de les reconstituer sous une forme aussi authentique que possible. Ils se sont fondés sur les travaux de l’historien Albert Hauser consacrés aux jardins paysans qui faisaient alors autorité en Suisse. Ils se sont décidés à chaque fois pour un agencement correspondant à la

maison et au statut social de ses anciens occupants, tout en tenant compte des coutumes du lieu d’origine. Jardins de journaliers ou de propriétaires terriens Les premiers jardins permanents du Musée en plein air ont été agencés sur la parcelle du Plateau bernois, avec pour fleurons les aménagements devant les fermes de Madiswil et Ostermundigen. Ces parcelles clôturées sont aujourd’hui encore des témoins impressionnants du savoirfaire horticole de jadis associant utilité et prestige. Devant la maison de bois trapue de Madiswil, des légumes poussent dans des carreaux rectangulaires et forment un contraste avec les bordures ourlées de fleurs dans le style baroque. Le jardin de la ferme d’Ostermundigen est encore plus impressionnant. Il reflète le statut social de son ancien propriétaire, un riche officier bernois qui avait fait construire cette imposante demeure en 1797. Là aussi, des haies taillées au cordeau structurent l’espace, les fleurs et les légumes rayonnent dans un écrin vert. Un rosier du Japon, typique des jardins paysans, s’épanouit dans le bosquet central. A côté de ces petits parcs bichonnés pour le plaisir des propriétaires terriens, de modestes jardins de subsistance ont été reconstitués, qui en disent long sur les conditions de vie des petites gens. Un pauvre choix de légumes, destinés à la survie des habitants, pousse dans le jardin de la maison de journalier de Detligen (BE). Les saules plantés à proximité rappellent que ces «Tauner» devaient souvent s’adonner à la vannerie pour améliorer l’ordinaire. A l’autre extrémité de l’échelle sociale figure le jardin de la villa d’industriel de Berthoud (BE) reconstruite en 1991 au musée en plein air. Le prospère fabricant de textile Hans Schafroth fit ériger sa maison en 1872 dans le style «chalet suisse». Dans le parc prestigieux, ce ne sont pas les carreaux de patates et de choux qui tiennent la vedette mais un paysage imitant la nature et des bosquets d’essences


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exotiques. Un jardin à l’anglaise en miniature, avec ses groupes d’arbres, ses sentiers de gravier et ses petites pelouses de gazon, a été reconstitué autour de cette demeure cossue.

Des éléments marquants du paysage Durant les premières décennies du Musée en plein air, les abords des constructions et des jardins ont été accordés à leur origine. En 2001, l’édification de la ferme domaniale tessinoise a fourni pour la première fois l’occasion de définir des lignes directrices pour des projets de grande ampleur. Ces dernières formulaient aussi bien des recommandations pour la répartition des bâtiments que pour l’aménagement des terrains et définissaient aussi la pose d’éléments typiques comme les esca-

liers et les murs en pierres sèches ou les pergolas couvertes de vigne. Ces lignes directrices ont débouché en 2012 sur le «concept paysage culturel Ballenberg» valable pour l’ensemble du site. Ce document prévoit que les éléments marquants du paysage, qui sont apparus autrefois du fait des spécificités régionales, doivent cloisonner encore davantage l’espace entre les groupes de construction. Parmi ces éléments multiformes figurent des haies, des clôtures et des murs, des méthodes de mise en valeur et de culture typiques ainsi que des aménagements servant à l’irrigation ou au drainage. Ils doivent contribuer à ce que cet héritage culturel ne sombre pas dans l’oubli. L’image projetée par cette étude se rapproche de celle esquissée par Max Gschwend il y a 55 ans. Elle montre que le patrimoine culturel de la Suisse ne se limite pas à des bâtiments mais englobe le relief des terrains, des éléments de paysage et des jardins. Claudia Moll, architecte-paysagiste, Zurich

→ Remise du Prix Schulthess des jardins samedi, 30 juin 2018 au Musée en plein air Ballenberg

James Batten

Des plantes soigneusement choisies Mais le statut social des anciens propriétaires n’est pas le seul critère présidant à l’aménagement des jardins. Ce dernier dépend aussi des conditions climatiques dominantes dans les lieux d’origine. Un sureau et un érable sycomore supportant l’altitude encadrent ainsi la maison paysanne provenant de La Recorne (NE) près de La Chaux-de-Fonds. En revanche, l’environnement de la ferme de Villars-Bramard (VD) est presque méditerranéen: des poiriers en espalier et de la vigne s’épanouissent sur le pignon alors que des bacs de laurier-rose et d’agapanthes décorent la cour. Pour l’aménagement des jardins et le choix des plantes, le Musée en plein air consulte des architectes paysagistes, des botanistes et des écologues. Dans certains cas, ceux-ci consultent des photos ou des plans historiques afin de concevoir un nouveau jardin. Dans d’autres, ils peuvent se référer à des exemples subsis-

tant dans les régions d’où proviennent les maisons. Les experts tiennent à respecter la structure authentique des jardins. Ainsi, des orties, qui poussent sur les sols riches en nutriments, croissent autour de la maison de La Recorne. On les rencontre aussi près des gouttières de toit ou à proximité d’un fumier. Pour la ferme de Villars-Bramard, les poiriers, la vigne et les arbustes fruitiers ont été choisis parmi les essences qui avaient autrefois la faveur des habitants de la région. Dans le jardin de la villa d’industriel de Berthoud s’élèvent les séquoias, les cèdres de l’Atlas et les magnolias si appréciés de la bourgeoisie du XIXe siècle.

En décernant le Prix Schulthess des jardins lors de l’Année du patrimoine culturel 2018, Patrimoine suisse distingue le Musée en plein air Ballenberg pour ses nombreuses contributions en faveur de la culture jardinière et paysagère. Der Schweizer Heimatschutz würdigt im Kulturerbejahr 2018 das Freilichtmuseum Ballenberg für die vielfältigen Leistungen für die Gartenkultur und die Landschaftspf lege mit dem Schulthess Gartenpreis.

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ROTELISTE.CH

Die Rote Liste – eine Stimme für bedrohtes Kulturerbe Die im Februar neu gestartete Rote Liste bietet einen vielfältigen Einblick in aktuell gefährdete Bauten in verschiedenen Regionen der Schweiz. Wer laufend über die diversen Fälle informiert werden will, abonniert den Newsletter der Roten Liste oder folgt dem Schweizer Heimatschutz auf Twitter und Facebook.

Fälle der Roten Liste in den Medien

Zurzeit werden auf der Roten Liste rund ein Dutzend Fälle gefährdeter oder bereits geretteter Bauten in der ganzen Schweiz näher vorgestellt und auf verschiedenen Kanälen der Sozialen Medien rege diskutiert und kommentiert. Für die Rote-Liste-Objekte setzen sich neben dem Schweizer Heimatschutz und seinen kantonalen Sektionen auch andere Organisationen und Privatpersonen ein.

Michèle Bless, Schweizer Heimatschutz

→ Kennen Sie bedrohte Objekte, die gerettet

werden müssen? Melden Sie Ihre Fälle, seien es erhaltenswerte Gebäude, Ensembles oder sonstige Zeugnisse des gebauten Kulturerbes: www.roteliste.ch/aktiv-werden

GRAUBÜNDEN

ST. GALLEN

Haus zur Kante in Chur

Zahnradkurve Ruckhalde Ralph Feiner

«Das Haus zur Kante soll eine faire Chance erhalten und nicht einfach als Verkehrshindernis gesehen werden. Es lohnt sich, bei solchen Gebäuden zweimal hinzuschauen.»

Samml. Zumbühl, Kantonsbibl. St. Gallen

Mitte Februar wurde die Rote Liste gefährdeter Bauten in neuer Form lanciert (vgl. Heimatschutz/Patrimoine 1/2018). Die Austausch- und Kampagnenplattform gibt dem bedrohten Kulturerbe – in erster Linie gefährdeten Baudenkmälern – eine Stimme. Sie motiviert zum Nachdenken und zum Mitmachen, damit das gebaute Erbe eine Zukunft in Anstand und Würde erhält.

Wer den Newsletter der Roten Liste abonniert und den Facebook- und Twitterauftritten des Schweizer Heimatschutzes folgt, wird die wichtigsten Neuigkeiten zu den einzelnen Fällen nicht verpassen. Zu den vier auf dieser Doppelseite aufgeführten Fällen und allen weiteren sind ausführliche Beschreibungen, Interviews und Videomaterial auf dem Webauftritt der Roten Liste zu finden.

Simon Berger, Bündner Denkmalpfleger, Interview Radio Südostschweiz, 11. 4. 2018

«Schauen wir die über hundert Jahre alte Geschichte des Bündner Heimatschutzes an, so lernen wir: Dieser Verein setzt sich ein. Für die Schönheit, für die Kultur, dafür, dass Gesetze eingehalten werden. Er sperrt sich gegen nichts einfach aus Lust, Laune und Fundifreude. Auch nicht gegen den Abbruch des Haus zur Kante in Chur.» Köbi Gantenbein, Chefredaktor Hochparterre, Leserbrief in der Südostschweiz, 5. 4. 2018

«Der Ruckhalderank wurde 1971 in einem weltweiten Standardwerk als historisch bedeutsam und einzigartig beschrieben.» Kathrin Hilber, Präsidentin Heimatschutz St. Gallen/Appenzell I.Rh, Interview SRF 1, Regionaljournal Ostschweiz (15. 12. 2018)

«Wir möchten die engsten 88 Meter in die neue Wohnüberbauung integrieren.» Maria Pappa, Stadträtin St. Gallen, SRF 1, Regionaljournal Ostschweiz (6. 4. 2018)

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Die Stadt Chur plante letztes Jahr, den geschichtsträchtigen Gutshof «Zur Kante» in Masans einer Fahrrad- und Busspur zu opfern. Seither kämpft der Bündner Heimatschutz für den Erhalt des Bauernhofs aus der Biedermeierzeit. Um das Haus vor dem Abbruch zu retten, gelangte der Bündner Heimatschutz im März 2016 mit einer Aufsichtsbeschwerde an die Bündner Kantonsregierung. Am 7. Februar 2017 entschied der Kanton zugunsten der heimatschützerischen und denkmalpflegerischen Anliegen. Die Stadt muss den Fall neu aufrollen. In Chur verschwinden immer mehr bedeutsame Bauzeugnisse der Vergangenheit. Mit ihrer Zerstörung wird Stück für Stück die Geschichte aus dem Stadtbild eliminiert.

Die engste Zahnradbahn-Kurve weltweit ist seit April Geschichte. Mit dem Ruckhaldentunnel zwischen St. Gallen Bahnhof und St. Gallen Riethüsli wird eine neue Streckenführung gelegt. Auf dem Areal der Ruckhalde wird in den nächsten Jahren eine Wohnüberbauung für rund 600 Personen entstehen. Die Heimatschutzsektion St. Gallen/Appenzell Innerrhoden hat sich für den Erhalt der historisch bedeutenden Zahnradkurve eingesetzt und mit Zustimmung der Stadt erreicht, dass 88 Meter der Kurve gerettet werden. In welcher Form die Kurve in das Wohnquartier integriert werden soll, ob als Veloweg oder Kunstobjekt, steht noch offen. Bis dahin werden die bereits abmontierten Gleise zwischengelagert.

→ www.heimatschutz-gr.ch

→ www.heimatschutz-sgai.ch


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LISTEROUGE.CH

La Liste rouge, porte-voix de notre patrimoine culturel menacé Notre Liste rouge a pris un nouveau départ pour donner un aperçu des diverses menaces qui pèsent sur différents bâtiments dans toutes les régions de Suisse. Elle permet de se tenir au courant en s’abonnant à l’infolettre électronique ou en suivant Patrimoine suisse sur les réseaux sociaux. la sauvegarde de cet héritage et de lui offrir un avenir respectueux et digne. A l’heure actuelle, la plateforme présente une douzaine de bâtiments en péril ou déjà sauvés dans toutes les régions de Suisse. Cette présentation suscite des réflexions et commentaires animés sur les différents réseaux sociaux. Les objets de la Liste rouge sont suivis avec attention par Patrimoine suisse et ses sections mais aussi par d’autres

FRIBOURG

VALAIS ROMAND

Station de tramway du Tilleul

Buffet AOMC à Monthey

Michèle Bless, Patrimoine suisse

→ Vous connaissez des objets menacés qu’il faudrait sauver? Signalez-les à l’adresse www.listerouge.ch – «Comment agir».

Commentaires sur Facebook «Quand arrêterons-nous de graisser la patte aux investisseurs au détriment de notre patrimoine? Ne serait-ce pas politiquement correct de protéger les sites qui nous parlent et de défendre notre histoire?»

Association du Vieux-Monthey

Adèle Löffler

A la mi-février, nous avons relancé notre Liste rouge de bâtiments en péril sous une forme plus adaptée aux besoins d’aujourd’hui (cf. Heimatschutz/Patrimoine 1/2018). La nouvelle plateforme d’échange et d’information se veut le porte-voix de notre patrimoine culturel menacé – en premier lieu de nos monuments historiques menacés. Elle offre aux personnes intéressées la possibilité de réfléchir et participer à

organisations et des particuliers intéressés. Les abonné-e-s à l’infolettre de la Liste rouge et les personnes qui suivent les pages Facebook et Twitter de Patrimoine suisse sont tenus au courant des dernières actualités et de l’évolution concrète des dossiers. La plateforme de la Liste rouge présente un descriptif complet, des interviews et des vidéos sur de nombreuses situations et notamment sur les quatre affaires présentées sur cette double-page.

Christiane Remy, 28. 3. 2018

«Touche plus à ma ville et à son patrimoine. On lui a déjà fait assez de mal et de non-assistance.» Jean Ansermet, 28. 2. 2018

La station de tramway de la place des Ormeaux à Fribourg rappelle l’esprit et l’enthousiasme de ceux qui voulaient que Fribourg soit un centre politique, social, économique et intellectuel à l’échelon cantonal, national, européen et international. La halle de tramway, terminée pour la Fête fédérale de tir de 1934, sera prochainement détruite pour laisser place à un nouvel abribus. L’ association Cercle du Bourg, qui défend les intérêts du quartier et organise des évènements, s’engage pour la protection de la dernière station du tramway fribourgeois. Toute personne souhaitant soutenir le projet et le combat peut devenir membre de cette association.

Le propriétaire du Buffet de la gare AOMC souhaite remplacer cette bâtisse construite au début du XXe siècle par un immeuble comprenant logements, commerces et un parking souterrain. Pourtant, ce bâtiment constitue un important témoin de l’époque ferroviaire et de l’ancienne gare de Monthey. Le Buffet se situe dans le «vieux bourg» et figure dans l’ISOS, l’inventaire fédéral des sites construits d’importance nationale à protéger en Suisse. L’association du Vieux-Monthey s’oppose fermement à la démolition de cet édifice et au projet du propriétaire, tous deux critiqués par la section Patrimoine suisse Valais romand. L’état des démarches est pour l’instant stationnaire.

→ www.cercledubourg.ch

→ www.vieux-monthey.ch

«Nous ne nous opposons pas au projet de réaménagement du Bourg, bien au contraire. Nous refusons la destruction de la dernière station du tramway fribourgeois.» Association Cercle du Bourg, 28. 2. 2018

«Il faut protéger votre patrimoine ... ça fait partie de votre identité nationale et régionale.» Samuel Rocha, 26. 3. 2018

«Promise à la démolition par la Ville de Fribourg, la halle de tramway des Ormeaux est désormais inscrite sur la Liste rouge des bâtiments menacés de Patrimoine Suisse. Le Cercle du Bourg et Pro Fribourg se sont opposés à sa démolition. La ville entendra-t-elle ses habitants?» Pro Fribourg, 1. 3. 2018

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KULTURERBEJAHR 2018

Schoggitaleraktion «Kulturerbe» Landschaften, wertvolle Häuser und Traditionen gehören zum gemeinsamen kulturellen Erbe. Der Haupterlös der diesjährigen Schoggitaler-Aktion des Schweizer Heimatschutzes und Pro Natura sorgt im Kulturerbejahr 2018 für mehr Schutz und Pflege dieser einzigartigen Werte. Die beliebten Schoggitaler werden seit 1946 von Schulkindern verkauft. Die Vielfalt der Landschaften, die historischen Altstädte oder stattliche Bauernhäuser: Sie prägen den Lebensraum der Schweiz, erinnern uns an unsere Geschichte und machen deutlich, dass wir eine gemeinsame Vergangenheit haben. Etliche dieser wertvollen Schätze sind heute akut bedroht – durch Vernachlässigung und teilweise gar durch die mutwillige Zerstörung. Es braucht ein starkes Zeichen, damit wir diese Zeugnisse unserer Geschichte für

kommende Generationen sichern und erhalten können. Das in ganz Europa ausgerufene Kulturerbejahr 2018 kommt in der Schweiz zur rechten Zeit. Unterrichtsmaterialien Den teilnehmenden Schulklassen stellen der Schweizer Heimatschutz und Pro Natura wertvolle Unterrichtsmaterialien zum jeweiligen Schoggitalerthema zur Verfügung. Die Schülerinnen und Schüler ler-

nen die Bedeutung des umfassenden Begriffs «Kulturerbe» kennen, erarbeiten an konkreten Beispielen, was Kulturgüter auszeichnet, und erkennen, wie heutige Entscheide unsere Lebenswelt von morgen gestalten. Gleichzeitig können die teilnehmenden Schulklassen einen Beitrag für ihre Klassenkasse erwirtschaften. Verkauf im September Der Verkauf der traditionsreichen Schoggitaler aus Schweizer Biovollmilch sowie Kakao aus fairem Handel startet Anfang September. Schulkinder werden in der Deutschschweiz und in der Romandie vom 3. September bis 1. Oktober 2018 sowie im Tessin vom 10. September bis 1. Oktober die goldenen Taler verkaufen. Ab 19. September bis Mitte Oktober können die Schoggitaler zudem in den Verkaufsstellen der Post gekauft werden. Eveline Engeli, Geschäftsleiterin Schoggitaler

→ www.ecudor.ch

ACTION DE L’ÉCU D’OR 2018 Les paysages, les maisons remarquables et les traditions font partie de notre patrimoine culturel commun. Le revenu principal de l’action de l’Ecu d’or de Pro Natura et de Patrimoine suisse sera affecté cette année à la protection et à la préservation de ces biens uniques à l’occasion de l’Année du patrimoine culturel 2018. Comme chaque année, Patrimoine suisse et Pro Natura mettent à la disposition des classes participant à la vente une documentation pédagogique consacrée au thème de l’Ecu d’or. Les élèves se familiarisent avec l’héritage commun que représente le «patrimoine culturel». Ils travaillent sur des exemples concrets afin de découvrir les caractéristiques des biens culturels et comprennent comment les décisions d’aujourd’hui façonnent notre cadre de vie futur. Les élèves vendront les écus du 3 septembre au 2 octobre 2018 en Suisse alémanique et romande et du 10 septembre au 2 octobre 2018 au Tessin. Dès le 19 septembre et jusqu’à la mi-octobre, les pièces dorées pourront aussi être achetées dans les bureaux de poste.

→ www.ecudor.ch

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SEKTIONEN/SECTIONS

KULTURERBE – SCHAU HIN!

#PATRIMOINE2018 – REGARDE!

Sauvegarde du patrimoine: Pourquoi et pour qui? 2018 ist Europäisches Kulturerbejahr. Auch in der Schweiz wird mit zahlreichen Veranstaltungen ein Jahr lang unser gemeinsames kulturelles Erbe in den Mittelpunkt gerückt. Mit über 80 Veranstaltungen in allen Landesregionen beteiligen sich der Schweizer Heimatschutz und seine Sektionen an der nationalen Aktion. Die ersten Veranstaltungen unter dem Motto: «Heimatschutz: Warum und für wen?» sind auf grosses Interesse gestossen und haben eine breite Vielfalt an Themen rund um den Umgang mit unserem kulturellen Erbe aufgezeigt. Drei Beispiele aus dem Tessin, der Deutsch- und der Westschweiz (s. unten) zeigen die Spannbreite. Weitere Veranstaltungen in allen Regionen der Schweiz folgen. Schauen Sie hin, und machen Sie mit!

2018 est l’Année européenne du patrimoine culturel. Durant cette année, la Suisse met elle aussi son patrimoine culturel commun au cœur de l’attention. En organisant plus de 80 manifestations dans toutes les régions du pays, Patrimoine suisse et ses sections participent à cette campagne nationale. Les sections de Patrimoine suisse ont commencé l’Année du patrimoine culturel avec entrain. Les premières manifestations organisées à l’enseigne du slogan: «Sauvegarde du patrimoine: pourquoi et pour qui?» ont suscité un vif intérêt et montré la grande diversité des thématiques liées à la protection de notre patrimoine culturel. Trois exemples, au Tessin, en Suisse romande et en Suisse alémanique (voir cidessous), montrent la diversité des approches. D’autres manifestations seront organisées dans toutes les régions, de Ge-

nève à Herisau et de Bâle à Ascona. Que signifie notre riche patrimoine ici et maintenant, pour chacun d’entre nous et pour la société? Partez à la découverte et participez!

Führungen, Besichtigungen, Diskussionen visites guidées, circuits, conférences visite guidate, passeggiate, conferenze

HEIMATSCHUTZ: WARUM UND FÜR WEN? SAUVEGARDE DU PATRIMOINE: POURQUOI ET POUR QUI? SALVAGUARDIA DEL PATRIMONIO: PERCHÉ E PER CHI?

→ Le programme des ma-

SCHWEIZER HEIMATSCHUTZ PATRIMOINE SUISSE HEIMATSCHUTZ SVIZZERA PROTECZIUN DA LA PATRIA

nifestations de Patrimoine suisse et de ses sections est publié sur le site www.patrimoinesuisse.ch/patrimoine2018.

→ Die Veranstaltungen des Schweizer Heimat-

schutzes und seiner Sektionen finden sich unter www.heimatschutz.ch/kulturerbe2018.

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VAUD

SOLOTHURN

Visite guidée au Monte Verità

Clou rouge 2018 à Vevey

Veränderungen sichtbar machen Schweizer Heimatschutz

Pierre A. Martin

Patrimoine suisse

TESSIN

Le 7 avril, la section tessinoise (STAN) a organisé au Monte Verità une visite guidée consacrée à l’architecture moderne. Gabriele Geronzi a guidé les visiteurs dans les différents bâtiments en présentant l’histoire, les travaux de rénovation et l’importance architectonique de l’ensemble du site. Une douzaine d’autres visites sont prévues au Tessin.

Le 21 avril, plus de 2500 personnes ont pu visiter le Château de l’Aile (1846) et la Salle del Castillo (1908). Un immense succès du Clou rouge à Vevey! Les restaurations remarquables du Château de l’Aile et de la Salle del Castillo (bureaux AGN et architecum) ont reçu à cette occasion le prix de la Distinction 2018 de Patrimoine suisse, section vaudoise.

Unter der Führung von Samuel Rutishauser, ehemaliger kantonaler Denkmalpfleger, erwanderte der Solothurner Heimatschutz am 28. April mit seinen Gästen die Geschichte der Verteidigungsanlagen Solothurns. Der Anlass war Teil der Serie «Veränderungen sichtbar machen» in Zusammenarbeit mit dem BSA Bern und dem SIA Sektion Solothurn. Weitere Anlässe folgen.

→ www.stan-ticino.ch

→ www.leclourouge2018.ch

→ www.heimatschutz-so.ch

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SEKTIONEN/SECTIONS

AARGAU

BASELLAND

Aufruf für Ruine Schenkenberg.

Turn- und Konzerthalle Allschwil

Gabrielle Mer, Wikimedia

Die Turn- und Konzerthalle («TuK») in Allschwil (vgl. Heimatschutz/Patrimoine 1/2018) bleibt mindestens bis in den Frühling stehen. Die Baselbieter Regierung klärt bis dahin ab, ob eine Volksabstimmung über den Abriss der Halle durchgeführt wird. Der Allschwiler Gemeinderat beabsichtigte ursprünglich, Ende Februar mit dem Abriss zu beginnen. Doch am 6. März reichte eine Gruppe Allschwiler beim Regierungsrat eine Stimmrechtsbeschwerde ein. Bereits Anfang Januar hatte sich auch der Baselbieter Heimatschutz für einen Schutz des Ensembles mit Halle und Schulhaus aus den 1920er-Jahren ausgesprochen.

→ www.heimatschutz-bl.ch ∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏

LUZERN lität kontrolliert und ausgebessert. Das Baudenkmal befindet sich so in einem soliden Zustand. Mit einer Spende wird geholfen, dass dies so bleibt. Der aktuelle Spendenaufruf hat bemerkenswerte historische Wurzeln: 1918, vor genau hundert Jahren, rief die «Aargauische Vereinigung für Heimatschutz» zu Spenden für die Erhaltung der Ruine auf. Die Organisation hatte das Baudenkmal für 50 Franken ersteigert, nachdem sich der Vorbesitzer aus dem Staub gemacht hatte.

→ Spendenaufruf mit Einzahlungsschein unter

das Glarnerland attraktiv machen und dem sogenannten Agglomerationsbrei standhalten. Der Schaden, den diese Änderung hervorruft, ist nachhaltig und irreversibel. Der Glarner Heimatschutz wehrt sich gegen das «Schiffeversenken mit Glarner Baukultur» und ruft dazu auf, auf die jeweiligen Vertreterinnen und Vertreter im Landrat zuzugehen, damit diese die vorgeschlagene Änderung an der nächsten Sitzung im Juni 2018 haushoch ablehnen.

Die CSS-Versicherung plant auf dem Grundstück des Gewerbegebäudes an der Tribschenstrasse 51 in Luzern einen Neubau. Anfang März hat sie das Abrissgesuch eingereicht, Ende 2019 soll Baubeginn sein. Die Dienststelle Hochschulbildung und Kultur des Kantons Luzern hatte im September 2017 entschieden, das Gebäude nicht unter Schutz zu stellen. Massiver Widerstand gegen den Abriss des Baudenkmals – eines der bedeutendsten Beispiele des Neuen Bauens in der Zentralschweiz – kommt von den Zentralschweizer Sektionen des BSA Bund Schweizer Architekten, dem SIA Schweizer Ingenieur- und Architektenverein, dem Schweizer Werkbund und vom Heimatschutz, der kürzlich eine Beschwerde gegen das Abbruchgesuch bei der Baudirektion der Stadt Luzern einreichte.

→ www.glarnerheimatschutz.ch

→ www.gewerbegebaeude.ch

www.heimatschutz-ag.ch

GLARUS

«Schiffeversenken mit Baukultur» Welches alte Bauernhaus, welche Villa, welches alte Gemeindehaus oder Schulhaus und welche Kirche möchten Sie in Ihrer Gemeinde nicht missen? Die vorgeschlagene Änderung der Natur- und Heimatschutzverordnung NHV wird dazu führen, von diesen Bauten Abschied nehmen zu müssen. Die Änderung der NHV, zurückgehend auf einen SVP-Vorstoss, will eine massive Dezimierung aller wichtiger Bauten ermöglichen – bis auf ein Exemplar pro Gemeinde. Notabene sind es diese gefährdeten Bauten, die

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Beschwerde gegen den Abbruch ZVG

Der Aargauer Heimatschutz und Pro Natura Aargau sind gemeinsam Eigentümer der mächtigen Burgruine Schenkenberg. 2003 bis 2007 wurde das Baudenkmal unter Leitung des Aargauer Heimatschutzes fachgerecht renoviert. Um die vielbesuchte Ruine stabil zu erhalten, benötigt das Bauwerk regelmässige Pflege. Da der dafür geäufnete Fonds nach und nach aufgebraucht worden ist, rufen die beiden Umweltorganisationen dazu auf, den weiteren Unterhalt mit einer zweckgebundenen Spende zu sichern. Im Auftrag des Aargauer Heimatschutzes wird das Mauerwerk regelmässig auf seine Stabi-


SEKTIONEN/SECTIONS

BASEL-STADT

THURGAU

Ein historisch wichtiges Bahnareal

Thurfeldsiedlung bewahren tig einen Rekurs gegen den Abbruch der Thurfeldsiedlung eingereicht. Die Gemeinde politisiert aus Sicht der Initianten beim Projekt Thurfeld an der Bevölkerung vorbei: Die Siedlung sei einzigartig in Weinfelden und als schützenswerter Teil der Thurgauer Sozialgeschichte erhaltenswert.

Heimatschutz Basel

Mitte März haben die Unterschriftensammlungen für zwei Initiativen begonnen: Die eine will die Thurfeldsiedlung in Weinfelden vor dem Abbruch schützen und die zweite dem Volk mehr Mitspracherecht geben. Für beide Begehren braucht es je 600 Unterschriften, damit sie zur Abstimmung kommen. Der Thurgauer Heimatschutz hat gleichzei-

→ www.heimatschutz.ch/thurgau

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→ www.heimatschutz-bs.ch

ZUG

Geigenbauschule Brienz

Baukultur entdecken Andreas Busslinger

BERN

Geigenbauschule Brienz

Bei der Planung für das Areal Güterbahnhof Wolf, das sich zwischen St. Jakob und der Einfahrt zum Hauptbahnhof SBB befindet, integrierten die SBB und der Kanton von Beginn weg alle interessierten Kreise. Der Heimatschutz beteiligte sich an den Informations- und Workshoprunden, da sich auf dem Areal Bauten befinden, die in den Inventaren der Denkmalpflege, der SBB und mit dem höchsten Erhaltungsprädikat im ISOS stehen: Das Bahnhofs- oder Dienstgebäude (1899/1900) ist ein Werk des Basler Architekten Rudolf Linder (1849–1928), der Basel durch bedeutende Bauwerke (Burgweg 4–16, Wohnanlage «Am Viadukt» etc.) geprägt hat. Beim Dienstgebäude auf dem Wolf hat er laut Inventartext «Neubarock mit sachlicher Zweckarchitektur» verbunden. Die Hallen (Bild) sind weitgehend im Originalzustand erhalten und wurden in Eisen, Backstein, Holz, Metall und Glas ausgeführt. Bei zwei der Hallen finden sich noch die markanten aufgesetzten Oberlichter. Bei den zusammengebauten Hallen handelt es sich möglicherweise um den längsten Gebäudekomplex auf dem Basler Kantonsgebiet. In einer Stellungnahme hatte der Heimatschutz darauf hingewiesen, dass es sich bei der Überbauung des Areals um eine Bundesaufgabe im Sinne des Natur- und Heimatschutzgesetzes (NHG) handelt, da die SBB ein Bundesbetrieb sind. Die Bundesinventare haben somit volle und unmittelbare Rechtswirkung. Bei der Präsentation der Architekturvorschläge konnte der Heimatschutz nun mit Befriedigung feststellen, dass das historische Bahnhofsgebäude und zwei der schönsten Hallen in die städtebaulichen Entwürfe integriert werden. In der Mitte des Areals soll möglicherweise eine S-BahnHaltestelle platziert werden.

Der Berner Heimatschutz Region Interlaken-Oberhasli hatte seine Mitglieder zu einer Spende für die Sanierung der Geigenbauschule in Brienz eingeladen. Aus der Aktion sind 2000 Franken zusammengekommen. Der kantonale und der regionale Heimatschutz haben den Betrag mit je 1500 Franken auf 5000 Franken erhöht. Im Februar konnte anlässlich einer Besichtigung der Baustelle die Spende an die Schulleitung übergeben werden (Bild). Auf dem Rundgang erklärte Schulleiter Hans Rudolf Hösli, dass das historische Haus an der Oberdorfstrasse, das im Kern aus dem 16. Jahrhundert stammt, sorgfältig für die Bedürfnisse der Geigenbauschule umgebaut wird. So entsteht im grossen Dachgeschoss des Fronthauses ein Raum für Dachkammerkonzerte und die Mensa für die Lernenden, gegen Norden folgen die hellen Ateliers und das Holzlager. Man kann sich gut vorstellen, wie die angehenden Geigenbauerinnen und Geigenbauer hier mit Freude arbeiten und studieren werden. Das Projekt stammt aus der Feder der Architektengemeinschaft H. P. Bysäth, A. Linke, J. Kaufmann, S. Glaus und S. Rutishauser.

Mit dem Thema «Baukultur entdecken» steigt der Zuger Heimatschutz ins Kulturerbejahr 2018 ein. Dabei wartet er mit einer attraktiven Veranstaltungsreihe auf, bei der für Zug relevante historische Bauten und deren Geschichte bis in die Gegenwart im Zentrum stehen. Ein Programm, das Gelegenheit bietet, das eigene bauhistorische Kulturerbe neu zu entdecken und in einen breiten Dialog über seinen Wert für die Gesellschaft einzusteigen. Grundlage dafür bildet das neue Leporello in der Heimatschutz-Reihe Baukultur entdecken zur Zuger Baukultur (Autorin: Brigitte Moser, Kunsthistorikerin), das am 26. Mai 2018 anlässlich einer Vernissage mit Führung in Baar (Motto: «Industrialisierung – Umnutzung – Braukunst») erschienen ist. Darin werden drei Rundgänge in der Stadt Zug sowie in den Gemeinden Baar und Menzingen anschaulich vorgestellt; Plakataushänge weisen auf die Rundgänge hin. Weitere Führungen folgen in Menzingen («Bildungsstätten – Klosterdorf – Krapfen») am 9. Juni 2018 und in Zug («Städtebau – Weiterbauen – Kirschwasser») am 8. September 2018.

→ www.bernerheimatschutz.ch

→ www.zugerheimatschutz.ch

2 | 2018  Heimatschutz/Patrimoine  43


VON MENSCHEN UND HÄUSERN/DES MAISONS ET DES HOMMES

ARNOLD BOVET UND DAS HOTEL KREUZ IN BERN

Das Hotel ohne Eigentümer Hinter den Backsteinfassaden des Hotels Kreuz in Bern verbirgt sich Ungewöhnliches. Neben Gästezimmern, Tagungsräumen und einem Restaurant gibt es dort auch eine Kapelle. Gegründet wurde das Haus von einem Pfarrer. Heute wird der Betrieb durchwegs weltlich geführt, doch noch immer ist er von speziellen Besitzverhältnissen geprägt. Andreas Staeger, Journalist, Brienz

D

ank seiner zentralen Lage zählt das Hotel Kreuz zu den bestfrequentierten Tagungszentren in Bern. Der Bahnhof und das Bundeshaus liegen nur wenige Gehminuten entfernt. Unzählige Politiker, Geschäftsleute und Verbandsfunktionäre haben dort schon übernachtet, getafelt und Kongresse besucht. Den wenigsten jedoch dürfte der aussergewöhnliche Hintergrund des Betriebs bekannt sein. Eröffnet wurde das Hotel Kreuz 1895. Die treibende Kraft dahinter war nicht etwa ein erfahrener Gastwirt, sondern – ein Pfarrer. Arnold Bovet (1843–1903) stammte aus Boudry NE. 1875 wurde er als Prediger an die Freie Evangelische Gemeinde Bern ge-

wählt. Die sozialen Verhältnisse, denen er in der Bundesstadt begegnete, waren beklemmend. Armut war weit verbreitet. Selbst wer Arbeit hatte, verbrachte oft ein trostloses Leben. Sichtbarer Ausdruck davon waren die Gasthäuser – finstere, verrufene Löcher, in denen man nichts weiter tun konnte, als Alkohol zu trinken, was die Missstände nur noch vergrösserte. Die Sache mit dem Alkohol Der junge, enthusiastische Pfarrer mochte dies nicht hinnehmen. 1879 übernahm er das Gasthaus Bärenhöfli. Dieses befand sich dort, wo heute der Bundesplatz liegt. Den Betrieb wandelte er in eine «Kaffeehalle» um und schuf damit das erste öffent-

Der «Saal Bovet», ein Prunkstück des Vereinshauses, verströmt einen charmanten Hauch von Belle Époque.

Hotel Kreuz Bern AG

La «salle Bovet», f leuron de la «Vereinshaus», et son charme de la Belle Epoque.

44  Heimatschutz/Patrimoine  2 | 2018

liche Lokal Berns, in dem man andere Getränke als Wein, Bier oder Schnaps bestellen konnte. Ebenso wichtig war für Bovet, dass er Alleinstehenden Aufenthaltsräume ohne Konsumationszwang bieten konnte. «Gesellschaft für Kaffeehallen, Arbeitersäle und Volksbibliotheken» hiess deshalb die Trägerschaft des Betriebs. Als die Eidgenossenschaft in den 1890erJahren ihr Parlamentsgebäude (landläufig, aber eigentlich irreführend «Bundeshaus» genannt) errichtete, musste das Bärenhöfli weichen. Mit den Mitteln aus der Entschädigung für die Expropriation errichtete Bovet 200 Meter weiter nördlich an der Zeughausgasse einen Neubau: Das sogenannte «Vereinshaus» bot Raum für gesellige Zusam-


Andreas Staeger

ZVG

VON MENSCHEN UND HÄUSERN/DES MAISONS ET DES HOMMES

Eröffnet wurde das Hotel Kreuz 1895. Die treibende Kraft dahinter war der Pfarrer Arnold Bovet. L’ hôtel Kreuz a ouvert ses portes en 1895 grâce au dynamisme du révérend Arnold Bovet.

menkünfte christlicher Kreise, religiösen Schulunterricht sowie gemeinsames Singen und Musizieren für ehemalige Trinker. Kleinod der Baukunst Abgesehen von einem Gebäude nahe der Aare ist das Vereinshaus das einzige Bauwerk der Berner Altstadt mit Sichtbacksteinen. Der östliche Gebäudeteil birgt neben dem Hotel- und Kongressbetrieb ein eigentümliches Juwel: Die Kapelle der Freien Evangelischen Gemeinde Bern gilt als Kleinod der Baukunst sowohl was die Konstruktion als auch was die Ausstattung betrifft. Der Fussboden ist aus extrem harten nordamerikanischen Pitch-Pine-Brettern gefertigt. Um dem Raum Helle zu geben, baute Architekt Rudolf Ischer ein Oberlicht ein, das wohl einzigartig im Kanton Bern, ja in der ganzen Schweiz ist. Durch Glasmalerei im Jugendstil wird der Raum mit Tageslicht geflutet. Auch die Fenster auf der Südseite sind mit Glasmalereien versehen. Ein weiteres Prunkstück des Vereinshauses ist der Tagungssaal im ersten Stock. Als Hommage an den Gründer des Hotels Kreuz wird er «Saal Bovet» genannt. Mit seinen schmucken Säulen und grosszügigen Deckenleuchtern verströmt er einen charmanten Hauch von Belle Époque. Während das Vereinshaus als architektonisch geschlossene Einheit in Erscheinung tritt, hebt sich das im Westen angebaute Nachbargebäude gestalterisch deutlich ab; dort befindet sich im Erdgeschoss das Restaurant Bärenhöfli. Gleichwohl bilden bei-

de Bauten ein harmonisches Ensemble. Augenfällig sind die differenziert ausgestalteten Fassaden des Baukomplexes. Seit der Gründung hat sich im Hotel Kreuz viel verändert. Aus dem «Vereinshaus» ist ein gefragtes und erfolgreiches Kongresszentrum geworden, das frühere Hospiz für fromme Leute ist heute ein beliebtes Business- und Familienhotel, und seit einigen Jahren kann man im vordem strikt alkoholfrei geführten Restaurant Bärenhöfli auch ein Feierabendbier trinken oder zum Essen ein Glas Wein geniessen. Geblieben ist der Grundgedanke des Gründervaters. Arnold Bovet verband ökonomisches Streben mit gemeinnützigen Werten. Diesen Ansatz verstand er auf clevere Weise über sein eigenes Leben und Wirken hinaus zu sichern. Der Hotelbetrieb gehört der als Verein konstituierten «Gesellschaft für Kongresse und Gastronomie», die auch die Mehrheitsanteile an der Liegenschaft hält. Wem aber gehört dieser Verein? Die Antwort ist banal: niemandem. Die Vereinsmitglieder sind Privatpersonen, die ideell, aber nicht wirtschaftlich mit dem Hotel Kreuz verbunden sind. Das hat einen unschätzbaren Vorteil: Die Unternehmung braucht keine Dividenden auszuschütten, sondern kann die Einnahmen ganz im Sinne der Nachhaltigkeit vollumfänglich zum Wohle des Betriebs einsetzen. → Das Buch «Tradition mit Zukunft» vermittelt einen Einblick in die Geschichte des Hotels Kreuz Bern. Es ist 2017 im Blaukreuz-Verlag erschienen (CHF 20.–).

UN HÔTEL SANS PROPRIÉTAIRE La façade en briques de l’hôtel Kreuz, à Berne, cache des éléments insolites: une chapelle côtoie le restaurant et les salles de congrès et de banquet. Cet établissement fondé par un pasteur est aujourd’hui géré de manière laïque. Ses conditions de propriété restent toutefois particulières. L’hôtel Kreuz situé à proximité de la gare et du Palais fédéral, est aujourd’hui un centre de conférences et de congrès très fréquenté. Ouvert en 1879 à l’enseigne du Bärenhöfli par Arnold Bovet, pasteur de l’Eglise protestante libre de Berne, cet établissement géré collectivement par la Vereinshaus était situé sur l’actuelle place Fédérale. C’était un caféauberge-bibliothèque populaire où les travailleurs venaient boire un café. Le Bärenhöfli a été déplacé à son emplacement actuel en raison de la construction du Palais fédéral. Il faisait office d’hospice et de maison chrétienne. La chapelle construite dans l’aile est est un joyau architectural, avec son sol en bois de pin très dur, un puits de lumière dessiné par l’architecte Rudolf Ischer et des vitraux art nouveau. Aujourd’hui, l’hôtel Kreuz abrite un centre de congrès proposant la location de salles dont la salle Bovet où règne une ambiance Belle Epoque. Il est en propriété collective et continue d’être géré par une société. Les bénéfices sont réinjectés dans l’amélioration durable de l’établissement.

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BÜCHER/LIVRES

UN VÉRITABLE PALIMPSESTE

WO IST MARTHA?

STREIFZUG DURCH NEUENBURG

Franz Graf et Giulia Marino (éd.): 1931– 2014. Les multiples vies de l’appartementatelier Le Corbusier Cahiers du TSAM n°2, Presses polytechniques et universitaires romandes, 2017, 195 p., CHF 45.–

Julian Salinas: Wo ist Martha? Momentaufnahmen – Ein Basler Stadtspaziergang. Christoph Merian Verlag, Basel 2018, 240 S., CHF 35.–

Serge Fruehauf: Batirama Fotografische Ermittlung Neuenburg 2017. Scheidegger & Spiess, Zürich 2018, 152 S., CHF 49.–

Le deuxième ouvrage paru dans la collection des Techniques et sauvegarde de l’architecture moderne (TSAM) est consacré à l’appartement-atelier de l’un des architectes les plus influents du XXe siècle. Le Corbusier a résidé dès 1934 et jusqu’à sa mort en 1965 dans l’immeuble Molitor dénommé également 24NC (24, rue Nungesser-et-Coli) qu’il avait réalisé en 1931 avec son cousin Pierre Jeanneret à la périphérie de Paris. L’étude commandée par la fondation Le Corbusier s’attache à rechercher comment assurer la sauvegarde de cet «épicentre» de l’expérimentation architecturale de Le Corbusier en en conservant toute sa stratigraphie. En effet, par les nombreuses transformations successives qu’il a subies, l’appartementatelier est un véritable palimpseste – selon l’expression des auteurs – qui intègre différents stades évolutifs du langage architectural de Le Corbusier. Cette étude donne un aperçu des réflexions préalables au chantier de restauration qui devrait se terminer en mai 2018. Elle constitue un guide très utile pour la préparation d’une visite sur place.

«Besser ist ein Pflegeheim wohl kaum vorstellbar.» So liess sich der Basler Heimatschutz verlauten, als er das Alters- und Pflegeheim Marthastift in Basel mit einer der drei Bautenprämierungen 2017 auszeichnete. Nicht nur baulich weiss das «Neue Marthastift» jedoch zu überzeugen, sondern auch künstlerisch: Für die Innenräume des Demenzheims hat Julian Salinas eine Fotoarbeit geschaffen, die mit der Erinnerung an Vertrautes spielt. Seine Fotografien zeigen die Stille, das Alltägliche, das Gewohnte in Basel. Die Bildsprache richtet sich an die Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner. Jedes Bild beinhaltet eine leichte Bewegung: eine flüchtige Geste, Blätter im Wind, ein Skateboarder, eine Velofahrerin ... Die Momentaufnahmen aus zehn Basler Quartieren zieren nicht nur die Wände des «Neuen Marthastifts», sondern sind nun auch in schöner Buchform erschienen, begleitet von Hintergrundtexten, Beobachtungen und Gedichten diverser Autorinnen und Autoren: ein ausserordentliches Porträt der Stadt. 

215 Bilder über die gebaute Realität bereichern seit neuem die Fotosammlung der Bibliothèque de la Ville, La Chaux-de-Fonds. Sie gab Serge Fruehauf den Auftrag für ein «aktuelles, partielles und subjektives Panorama des zeitgenössischen Bauens». Wer die Bilder betrachtet, kann sich gut vorstellen, wie viel Spass der Fotograf bei seinen Streifzügen durch den Kanton Neuenburg gehabt haben muss. Seine Wahl der Motive ist komplett frei, von reiner Neugier getrieben, mal abwechselnd zwischen Gross und Klein, mal auf das auffallend Alltägliche, mal auf das übersehbare Alltägliche fokussierend. Er nimmt das Vorhandene und komponiert es mittels der Fotografie, die eine Ambivalenz zwischen Dokumentation und subjektiver Gefälligkeit zeigt, zu überraschenden Bildern. Dabei beschränkt er sich nicht auf die Ideale der Architektur der letzten Jahrzehnte. Sein ganz persönlicher, sehr gezielter Blick auf das Gebaute und das lustvolle Entdecken, von ihm, dem Aussenstehenden, formt den Charakter der Bilder, des Buches. 

Françoise Krattinger

Peter Egli

Oliver Hänni

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PATRIMOINE & DÉBATS PUBLICS ICOMOS France (éd.): Patrimoine & débats publics: un enjeu citoyen La protection des patrimoines peut-elle être un processus démocratique? Cahier d’ICOMOS France n°28, 2017 140 p., € 20.–

Lors d’un colloque organisé les 24 et 25 novembre 2016, la section française du Conseil international des monuments et des sites (ICOMOS) a invité à un échange

46  Heimatschutz/Patrimoine  2 | 2018

d’expériences consacré aux questions de méthodes et aux outils existants pour mieux associer les citoyen-ne-s aux décisions relatives à la sauvegarde et la valorisation du patrimoine. Il s’agit, dans le cadre des travaux d’élaboration de décrets et de la mise en application de la loi relative à la liberté de la création, à l’architecture et au patrimoine du 7 juillet 2016, de trouver des nouvelles solutions et approches en France (et ailleurs). «Richesse de la France et creuset de l’identité républicaine, la culture contribue au projet de la République en rendant les Français plus libres, plus égaux, plus fraternels. Elle est aussi, pour la France, un puissant vecteur

de rayonnement de ses valeurs, de développement économique et d’attractivité des territoires», lit-on dans un communiqué de presse du Conseil des ministres. En Suisse, le référendum facultatif constitue un instrument de démocratie directe à la disposition de tous les citoyen-ne-s, utilisé avec succès par Patrimoine suisse Genève contre le projet de rénovation et de transformation du Musée d’Art et d’Histoire de Genève, et présenté à l’occasion du colloque. Il sera fort intéressant de suivre les événements dans notre pays voisin, de Grenoble à Paris – et d’en tirer nos conclusions et de s’en inspirer. Françoise Krattinger


BÜCHER/LIVRES

VERBORGENE ORTE

Catherine Iselin (Hg.): Hidden: Verborgene Orte in der Schweiz Christoph Merian Verlag, Basel 2018, 192 S., CHF 49.–

Es gibt Orte und Räume, die man üblicherweise nicht zu Gesicht bekommt – sei es, weil darin Geheimes oder Wertvolles gelagert wird, sei es, weil darin Dinge geschehen, die man nicht an die grosse Glocke hängen möchte. Die Kuratorin Catherine Iselin und der Fotograf Kostas Maros haben sich für Hidden auf die Suche nach solchen verborgenen Orten in der Schweiz gemacht und 25 von ihnen fotografisch dokumentiert. Die Kernfrage der Arbeit ist die Suche nach

der richtigen Inszenierung des Versteckten, das durch die Fotografie ja gerade öffentlich und sichtbar wird. Kostas Maros entschied sich für eine nüchterne Herangehensweise, die dokumentiert und zugleich Geschichten hinter den Räumen, Objekten und Personen antippt, aber nicht preisgibt. Ein schön aufgemachtes Buch über eine unbekannte Schweiz irgendwo im Graubereich zwischen Architekturfotografie und Bildreportage.  Patrick Schoeck

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BEKANNTES NEU ENTDECKEN

STEINERNES BERN

GARDEROBEN UND ROCK’N’ROLL Toni Labhart, Konrad Zehnder: Steine Berns Eine geologische Entdeckungsreise durch die gebaute Stadt. Haupt Verlag, Bern 2018, 200 + 180 S., CHF 68.–

Martin Boesch, Laura Lupini, João F. Machado (Hg.): Yellowred. On Reused Architecture Mendrisio Academy Press, Silvana Editoriale, Mendrisio 2017, 176 S., CHF 29.–

Alain Charles Kupper (Hg.): Beat Schlatter – Rock ’n’ Roll Hinterland Scheidegger&Spiess, Zürich 2018, 208 S., CHF 49.–

Im ersten Band zum Thema Yellowred, herausgegeben von der Professur für «Re-Use» der Accademia di Architettura in Mendrisio, werden neun Projekte mittels Plänen, Fotos, Text und Grafiken präsentiert. Interessant an dieser an sich gewöhnlichen Architekturdarstellung ist der gewählte Fokus auf das Vorher und Nachher. Dieser wird mithilfe des allgemein bekannten Farbcodes für Baueingaben – gelb für Abriss, rot für Neubau und schwarz für den Bestand – aufgezeigt. Somit ergibt sich beim Studieren der Pläne und Fotografien ein Hin und Her zwischen Alt und Neu. Das Buch lässt die Leserinnen und Leser den Umgang von verschiedenen berühmten Architektinnen und Architekten mit dem Bestand nachvollziehen. Aufgrund dieser spezifischen Darstellung schafft es das Buch, dass all die bereits publizierten Projekte nochmals Interesse wecken. Bleibt der Wunsch, dass in der nächsten Publikation mittels weiterer und vielfältigerer Darstellungsformen eine Chance zur noch genaueren Analyse des Umgangs mit dem Bestand geboten wird. 

Kalkstein, Marmor, Pierre Jaune, Granit, Gneis, Schiefer, Porphyr … Wer meint, unsere Bundeshauptstadt bestünde nur aus Sandstein, liegt falsch! Toni Labhart und Konrad Zehnder haben die Stadt Bern über viele Jahre sehr genau unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse der zahlreichen Recherchen und ihre profunden Kenntnisse über die aufgefundenen Gesteine in der Stadt präsentieren die beiden Autoren in ihrem zweibändigen Werk Steine Berns – eine geologische Entdeckungsreise durch die Stadt. Der Basisband widmet sich der Kultur- und Baugeschichte Berns und gibt Auskunft über die Verwendung und Verarbeitung der Steine. All jene, die selber auf Entdeckungsreise gehen möchten, nehmen sich den zweiten Band in Form eines geländetauglichen Exkursionsführers mit Stadtspaziergängen vor. Das fundierte Werk empfiehlt sich nicht nur Fachpersonen, sondern eignet sich für jene interessierten Leserinnen und Leser, welche die steinerne Dimension der Architektur von Bern verstehen und vor Ort entdecken möchten. 

Seit über drei Jahrzehnten bespielt der Musiker und Entertainer Beat Schlatter die Bühnen der Schweiz. Anstatt ein Tourtagebuch zu schreiben, führte er über etliche Jahre ein fotografisches Protokoll der Künstlergarderoben, in denen er die Stunden vor den Auftritten verbrachte. Hinter den Kulissen der Auftrittsorte – vom Shoppingcenter über den Stadtkeller bis hin zum Kirchgemeindehaus – ist meistens wenig von Glamour und Rock’n’Roll zu spüren. Vielmehr zeigen die 200 für Rock ’n’ Roll Hinterland ausgewählten Schnappschüsse eine verstaubte Schweiz der Früchteschalen, PET-Flaschen und angejahrten Plüschsofas. Was sagt uns das Buch? Erstens, dass Rock’n’Roll in der Schweiz ein doch recht biederes Geschäft ist, und zweitens, dass die Architektinnen und Architekten wie auch die Veranstalter doch etwas Mitgefühl mit den Menschen auf den Bühnen haben sollten: Gute Kunst verlangt gute Räume – und dies nicht nur für das Publikum.

Oliver Hänni

Michèle Bless

Patrick Schoeck

2 | 2018  Heimatschutz/Patrimoine  47


LEA, LUC & MIRO

Pour une course d’école ou une excursion en famille, on cherche un itinéraire intéressant, dans un beau paysage. T’es-tu déjà demandé depuis quand existe telle ou telle route, pourquoi on l’a construite et qui l’utilisait à l’époque? Certains chemins datent déjà de plusieurs centaines d’années et ils représentaient jadis les seules voies de communication. Avec leurs ponts, leurs tunnels et leurs viaducs, ils nous renseignent sur notre histoire et la manière dont s’est développé notre réseau routier.

WEG SUCHEN UND GEWINNEN

CHERCHE LE CHEMIN ET GAGNE!

Lea und Miro gehen wandern. Sie sind unterwegs zu Luc, der im Ferienhäuschen auf sie wartet. Unterwegs entdecken sie viel Interessantes: alte Pfade, Bauwerke, Aussichtspunkte – aber welcher Weg führt zu Luc? Umkreise den entsprechenden Buchstaben auf der Antwortkarte und schick sie uns bis am 15. Juli 2018. Vergiss nicht, dein Geburtsjahr und den Absender zu notieren. Unter allen richtigen Einsendungen verlosen wir einen Preis.

Lea et Miro partent en randonnée. Ils vont rejoindre Luc, qui les attend dans une maison de vacances. En chemin, ils découvrent un tas de choses intéressantes: de vieux sentiers, des ouvrages d’art, des points de vue. Mais quel est le chemin qui mène à Luc? Entoure la bonne lettre sur le talon-réponse et renvoie-le-nous jusqu’au 15 juillet 2018. N’oublie pas d’indiquer ton nom, ton adresse et ton année de naissance. Parmi les participant-e-s qui auront donné la bonne réponse, celui ou celle qui sera tiré-e au sort recevra un prix.

Die Gewinnerin aus der Verlosung von Heft 1/2018 ist Olivia Laubscher (11).

La gagnante du tirage au sort du numéro 1/2018 est Olivia Laubscher (11 ans).

→ Alle bisherigen «Lea, Luc & Miro»-Seiten unter www.heimatschutz.ch/lealucmiro

→ Toutes les pages «Lea, Luc & Miro» précédentes se trouvent sur

Konzept/Conception: Jonne van Galen, Raffaella Popp, Gabi Berüter/Illustration/graphisme: Gabi Berüter

Für eine Schulreise oder einen Ausflug mit der Familie sucht man sich einen spannenden Wanderweg in einer schönen Landschaft aus. Hast du aber schon mal darüber nachgedacht, wie lange es diese Wege schon gibt, warum sie entstanden sind, und wer sie benutzt hat? Manche Pfade sind schon Hunderte von Jahren alt und waren früher die einzigen Verkehrswege. Zusammen mit Brücken, Tunneln und Viadukten erzählen sie von unserer Geschichte und wie sich unser Strassennetz entwickelt hat.

48  Heimatschutz/Patrimoine  2 | 2018

www.patrimoinesuisse.ch/lealucmiro.


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GESCHÄFTSSTELLE/SECRÉTARIAT Schweizer Heimatschutz/Patrimoine suisse Villa Patumbah Zollikerstrasse 128, 8008 Zürich T 044 254 57 00 info@heimatschutz.ch, www.heimatschutz.ch, info@patrimoinesuisse.ch, www.patrimoinesuisse.ch Geschäftsführer/Secrétaire général: Adrian Schmid VORSTAND/COMITÉ Präsident/Président: Martin Killias, Lenzburg AG martin.killias@heimatschutz.ch Vizepräsident/in/Vice-président-e: Daniela Saxer, Zürich Beat Schwabe, Ittigen BE Übrige Mitglieder/Autres membres: Benedetto Antonini, Muzzano TI Brigitte Moser, Zug Julie Schär, Basel Andreas Staeger, Brienz BE GESCHÄFTSSTELLEN/SECRÉTARIATS SEKTIONSPRÄSIDENTEN/PRÉSIDENTS DE SECTION Aargauer Heimatschutz Präsident: Christoph Brun, Brugg Geschäftsstelle: Henri Leuzinger, Kapuzinergasse 18, Postfach 358, 4310 Rheinfelden, G 061 831 70 05, P 061 831 69 67 Heimatschutz Appenzell A.-Rh. Präsidentin: Eva Louis, Langenegg 877, 9063 Stein AR, G 071 367 21 12 Heimatschutz Basel Präsident: Christof Wamister, Basel Geschäftsstelle: Paul Dilitz, Hardstrasse 45, Postfach, 4010 Basel, G 061 283 04 60 Baselbieter Heimatschutz Präsident: Ruedi Riesen, Liestal, G 061 921 07 56 Geschäftsstelle: Markus Vogt, Hauptstrasse 6, 4497 Rünenberg, G 061 981 44 46 Berner Heimatschutz Präsidentin: Dorothée Schindler, Bern Geschäftsstelle: Kramgasse 12, 3011 Bern, G 031 311 38 88 Bündner Heimatschutz Präsident: Christof Dietler, Haldenstein Geschäftsstelle: Ludmila Seifert-Uherkovich, Lürlibadstrasse 39, 7000 Chur, G 081 250 75 72 Protecziun da la patria d’Engiadina Präsidentin: Patrizia Guggenheim, 7606 Promontogno, G 081 822 13 27 Patrimoine suisse, section Fribourg Président (ad interim): Pierre Heegaard, Stalden 20, 1700 Fribourg, B 032 654 91 26, P 026 322 61 36 Patrimoine suisse, section Genève Président: Robert Cramer, Genève Secrétariat: ruelle du Midi 10, case postale 3660, 1211 Genève 3, B 022 786 70 50 Glarner Heimatschutz Präsident/in: Hans-Rudolf Zopfi, Schwanden und Judith Gessler, Glarus, G 055 646 76 70 Patrimoine Gruyère-Veveyse Président: Steve Galley, Grand-Rue 3, 1630 Bulle Secrétariat: Denis Buchs, case postale 161, 1630 Bulle 1, B 026 916 10 10 Innerschweizer Heimatschutz Präsident: Conrad Wagner, Stansstaderstrasse 28, 6370 Stans Geschäftsstelle: Marco Füchslin, Steinhofstrasse 44, 6005 Luzern Patrimoine suisse, section Jura Président: Antoine Voisard, Porrentruy Administrateur: Georges Daucourt, CP 2202, 2800 Delémont 2, T 032 422 73 89 Patrimoine suisse, section neuchâteloise Président: Denis Clerc, rue des Chevreuils 41, 2300 La Chaux-de-Fonds, T 032 926 40 55 Oberwalliser Heimatschutz Präsident: Giuseppe Curcio, Terbinerstrasse 11, 3930 Visp, T 027 946 02 83 Schaffhauser Heimatschutz Präsidentin: Katharina E. Müller, Postfach 3121, 8201 Schaffhausen, T 052 624 09 69

Schwyzer Heimatschutz Präsidentin: Isabelle Schwander, Axenstrasse 12 6440 Brunnen, P 041 820 46 46 Solothurner Heimatschutz Präsident: Daniele Grambone, Solothurn Geschäftsstelle: Tanja Baumberger, Ravellenweg 12, 4702 Oensingen, G 032 622 12 26 Heimatschutz St. Gallen/Appenzell I.-Rh. Präsidentin: Kathrin Hilber, St. Gallen Geschäftsstelle: Monika Ebner, Davidstrasse 40, Postfach 931, 9001 St. Gallen, G 071 222 07 20 Thurgauer Heimatschutz Präsident: Uwe Moor, Oberhofen bei Kreuzlingen Geschäftsstelle: Gianni Christen, Schützenstrasse 28, Postfach 299, 8570 Weinfelden, G 071 620 05 10 Società ticinese per l’arte e la natura (STAN) Presidente: Antonio Pisoni, Ascona STAN: Via Borghese 42, CP 1146, 6601 Locarno, U 091 751 16 25 Patrimoine suisse, section Valais romand Présidente: Magali Reichenbach, route de Chippis 14, 1950 Sion Patrimoine suisse, section vaudoise Présidente: Béatrice Lovis, Prilly Secrétariat: chemin des Bulesses 154, 1814 La Tour-de-Peilz, B 021 944 15 20 Zuger Heimatschutz Präsident: Dr. Meinrad Huser, Zug Geschäftsstelle: Postfach, 6302 Zug G 041 711 13 18 Zürcher Heimatschutz Präsident: Martin Killias, Lenzburg Geschäftsstelle: Eichstrasse 29, 8045 Zürich, G 044 340 03 03 FACHBERATER/CONSEILLERS Anfragen über die Geschäftsstelle des Schweizer Heimatschutzes/Consulter le secrétariat de Patrimoine suisse Bauberatungskommission/Commission technique: Christoph Schläppi, Bern (Präsident) Christian Bischoff, Genève Hansjörg Stalder, Basel Patricia Schibli, Wettingen Rechtsdienst/Service juridique: Lic. iur. Rudolf Muggli, Bern Öffentlichkeitsvertreter/ Représentants des milieux officiels: Dr. Raimund Rodewald (Stiftung Landschaftsschutz Schweiz/Fondation suisse pour la protection et l’aménagement du paysage)

IMPRESSUM 2/2018 113. Jahrgang/113e année Herausgeber/Editeur: Schweizer Heimatschutz/Patrimoine suisse Redaktion/Rédaction: Peter Egli (Leitung) Elisabeth Kopp-Demougeot (traductions) Irene Bisang (Übersetzungen) Redaktionskommission/Commission de rédaction: Gerold Kunz (Vorsitz), Architekt ETH BSA Peter Egli, Architekt FH/Redaktor Christian Bischoff, architecte EPFZ Ivo Bösch, Architekt ETH/Redaktor Dr. Brigitte Moser, Kunsthistorikerin Adrian Schmid, Geschäftsführer Druck/Impression: Stämpfli AG, 3001 Bern

Erscheint/Parution: vierteljährlich/trimestrielle Auflage/Tirage: 18 000 Ex. Adresse: Redaktion Heimatschutz/Patrimoine, Villa Patumbah, Zollikerstrasse 128, 8008 Zürich, T 044 254 57 00, redaktion@heimatschutz.ch, redaction@patrimoinesuisse.ch ISSN 0017-9817 Nächstes Heftthema: Heimatschutzpolitik Redaktionsschluss: 9. Juli 2018 Thème du prochain numéro: La politique de protection du patrimoine Délai rédactionnel: 9 juillet 2018 PERFO RMAN CE

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EHRENMITGLIEDER/MEMBRES D’HONNEUR Marco Badilatti, Denis Blondel, Jaques Bonnard, Ronald Grisard, Dr. Theo Hunziker, Dr. Caspar Hürlimann, Dr. Bruno A. Kläusli, Beate Schnitter, Dr. Andrea Schuler, Hans Weiss

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Gerold Kunz (Konferenz der Schweizer Denkmalpflegerinnen und Denkmalpfleger)

SCHOGGITALER/ÉCU D’OR Villa Patumbah, Zollikerstrasse 128, 8008 Zürich G 044 262 30 86, info@schoggitaler.ch, www.schoggitaler.ch, www.ecudor.ch, www.tallero.ch PC 80-4943-5 Geschäftsleiterin/Direction: Eveline Engeli

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Gestaltungskonzept/Maquette: Stillhart Konzept und Gestaltung, 8003 Zürich

Prof. Dr. Georg Mörsch

STIFTUNG FERIEN IM BAUDENKMAL/ FONDATION VACANCES AU CŒUR DU PATRIMOINE Villa Patumbah, Zollikerstrasse 128, 8008 Zürich, G 044 252 28 72, info@magnificasa.ch, www.magnificasa.ch PC 85-778179-9 Geschäftsführerin/Directrice: Kerstin Camenisch

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Weg suchen und gewinnen! Cherche le chemin et gagne! Auch die kleinste Spende ist willkommen: Postkonto: 80-2202-7 IBAN CH04 0900 0000 8000 2202 7 Tous les dons sont les bienvenus: Compte postal: 80-2202-7 IBAN CH04 0900 0000 8000 2202 7

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