Page 4

DIE KUNST MIT DEM SCHÖNEN SCHEIN von Petra Prahl Als Ende der 50er Jahre die ersten Künstler in Großbritannien und den USA mit dem begannen, was später als Pop-Art weltweit Furore machte, war die Welt des Konsums noch in Ordnung. Der gesellschaftliche Wohlstand hatte um sich gegriffen und eine Gesellschaft hervorgebracht, die sich immer stärker und in immer weiteren Bereichen ihres Alltags spiegeln wollte. Die Waren-, Medien- und Modewelt entwickelte eine solche Dynamik und Verfeinerung, dass die Künstler sich ihrer annahmen – und sie von da an entscheidend prägten. Die Pop Art nahm sich die Phänomene der Massenmedien zum Thema und wurde selbst ein Massen-Phänomen. Was folgte war die Auflösung der Abgrenzung von Hochkultur und Trivialem, ein Umstand, der heute zur Normalität geworden ist. Diese Verbindung war künstlerisch so fruchtbar, dass die Pop-Art, die erst in den 60er Jahren gesellschaftskritische Züge annahm, kaum als kritische Kunstrichtung sondern bestenfalls als ambivalent wahrgenommen wurde und wird. Damals wie heute gönnen sich Künstler die Freiheit ihre Faszination für den ästhetischen Reichtum, den Glamour und Luxus hervorzubringen vermögen, auszuleben. Und sie sind wider besseren Wissens genussvoll bereit, die auratische Überhöhung von Alltagsgegenständen durch Werbung zu akzeptieren, auch wenn sie sie, wie Stephanie Guse, im nächsten Moment karikieren. Ihre künstlerische Position wäre ohne die Errungenschaften der pop artists nicht denkbar und ist darüber hinaus geprägt von den 68ern und dem sich später entwickelnden „grünen“ Bewusstsein. Zwar ist die geistige Nähe zu alternativen Lebensformen und Kritik am Konsumverhalten in ihren Arbeiten unübersehbar, doch verzichtet die Künstlerin weise

4

STARRING STEPHANIE GUSE  

ART CATALOG, EXHIBITION GALERIE MICHAELA STOCK 2008, WIEN / VIENNA

STARRING STEPHANIE GUSE  

ART CATALOG, EXHIBITION GALERIE MICHAELA STOCK 2008, WIEN / VIENNA

Advertisement