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Billeder Heimatblatt 2010

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Billeder Heimatblatt 2010

Herausgegeben von der HOG Billed www.billed.de


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Foto oben: Die freiwilligen Helfer beim Versand des Heimatblattes in Karlsruhe. Management: Josef Herbst, Norbert M端ller und Werner Gilde Foto unten: Gruppenbild mit dem Versandteam 2009 der Billeder HOG


www.billed.de | heimathaus.info.ms

Billeder Heimatblatt 2010 Dezember 2010 | 23. Ausgabe

Inhalt

3 Vorwort, Werner Gilde 4 Aktuell, Brauchtum und Tradition 4 Aktuelles aus Billed, Adam Csonti 8 Mit zwei PS durch Europa, O. Ieremiciu 10 Auf Spurensuche im Banat, Dr. H.-J.Braun 20 Sommerfest in Karlsruhe, Irmgard Triess 22 Rückblick 30 Exodus der Billeder, Hans Rothgerber 34 Der geldgierige Schaffner, Anton Wambach 42 Beim Fluchtversuch, Norbert Koch 44 Billeder Gilde als Rebell, Josef Herbst 51 65 Jahre sind vergangen, M. Weber 57 Rückblick in das Damals, Marg. Wagner 61 Ihr seid nicht vergessen, Katharina Keller 62 Inna Wassiljewa-Kasanova, Peter Krier 72 Der Billeder Kirchenchor, Hermine Schnur 74 Ferien in Billed, Erika Weith 77 Internetprojekte, Elisabeth Packi (Hehn) 81 Allerheiligen 2010, Norbert Neidenbach 84 Schwarzfahrer, Hans Dama 86 Dichtung - Dialekt 98 Begegnungen 108 Schlachtfest, Adam Tobias 112 Billed - Gernsbach, Peter Neumann 114 Klassentreffen des Jhrg. 1960, Hans Gebel 118 Billeder Rentnertreffen 2010, Jakob Muttar 120 Banater Schwaben in Paris, Melanie Müller 123 Einladung zum Billeder Heimattag 2011 124 Leistung und Würdigung 124 Musik präsentiert mit Witz und viel Gefühl 127 100 Jahre - ein Geschenk, Josef Herbst 128 Zum 60-jährigen Ehejubiläum 129 Billeder Rentnerin im Web, E. Martini 131 Familie Hirth, Josef Herbst 132 Mathias Jans 133 Ehre wem Ehre gebührt! E. Herrenreich 134 Ein kleiner Nachruf, Kaplan M. Frantescu 135 Nikolaus Schmidt verstorben, Peter Krier 137 Statistik, Josef Herbst 160 Inhaltsverzeichnis

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Billeder 2010 in Ulm, Peter Neumann

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Donau­ schwä­bi­sches Blasmusikkonzert in Mannheim, Irmgard Triess

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Die Ausstellung in Gertianosch, Richard Weber

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Im Tankwaggon ums Leben gekommen, Hans Steiner

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90 Jahre seit Trianon, Wilhelm Weber

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Und er „lockte“ sie nach Lippa..., E. Martini

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Fotos meiner God aus Amerika, Josef Freer

Impressum Herausgeber: Heimatortsgemeinschaft Billed e.V. | www.billed.de | heimathaus.info.ms Redaktion: Elisabeth Martini | Layout, Grafik und Satz: Hans Rothgerber | Druck: Nino-Druck in Neustadt Umschlaggestaltung: Hans Rothgerber


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Das „Billeder Heimatblatt“

Grundsätzlich wird das „Billeder Heimatblatt“ allen Landsleuten kostenlos zuge­stellt. Da wir jedoch für den Druck und den Versand je Buch 10 € leisten müssen, bitten wir Sie, soweit es möglich ist, eine Spende auf das Konto der HOG Billed, Nr. 111 791 Volksbank Karlsruhe, BLZ 66190000 zu überweisen. Einen entsprechenden Überweisungsschein für dieses Büchlein ist beigelegt. Wir erwarten keine Spende von Landsleuten mit geringer Rente, von Arbeitslosen, Spätaus­siedlern der letzten zwei Jahre und von den Landsleuten aus Billed. Wir freuen uns, dass wir Ihnen unser „Heimatblatt“ als Zeichen unserer Verbundenheit übermitteln können. Wir bitten jedoch um Verständnis dafür, dass wir wohlsituierten Landsleuten ohne Ge­genleistung die nächste Ausgabe nicht mehr senden können. Da viele Überweisungen auf unser Konto oh­ne Absender aufgegeben wurden, konnte unser Kassierer Jakob Muttar bei vielen den Absender nicht feststellen. Unsere Bitte: Schreiben Sie auf den Überweisungsschein

In eigener Sache

Vorname (auch der E­he­frau), Familienname und Ortschaft, Zweck. Neuangekommene und Landsleute, deren An­schrift sich geändert oder in deren Familien ein Ereignis (Geburt, Hochzeit, Todesfall) stattgefunden hat, bitten wir um Mitteilung an Josef Herbst Freiligrathweg 14 76571 Gaggenau Tel.07225/76041, josef.herbst@billed.de Ihre Meinungen und Äußerungen zum „Heimatblatt“, Ihre Vorschläge und Ideen richten Sie bitte an die Redaktion: Elisabeth Martini Kronenstraße 36 76133 Karlsruhe Telefon 0721/379214 Druckfehler, Änderungen und Irrtümer vor­behalten. Autorenbeiträge sind namentlich gekennzeichnet und die inhaltliche Verantwortung liegt bei diesen. Die Redaktion dankt allen diesjährigen Mitarbeitern für ihre Beiträge und Bilder und möchte gleichzeitig alle Landsleute auffordern, Artikel bzw. Anregungen für das „Heimatblatt“ auch im nächsten Jahr zu senden.

Der Vorstand der HOG Billed

Gewählt am 28. Mai 2007 bei der Hauptversammlung in der Rintheimer Sporthalle in Karlsruhe Ehrenvorsitzender: Peter Krier Vorsitzender: Werner Gilde, Tel. 0721-863891 Stellvertreter: Josef Herbst, Tel. 07225-76041, Email: josef.herbst@billed.de Alfred Herbst, Tel. 0721-867834 Schriftführer: Adelheid Müller, Tel. 0721-1331547 Kassenwart: Jakob Muttar, Tel. 0721-784177, Email: J.Muttar@web.de Beisitzer: Elisabeth Martini, Tel. 0721-379214 Johann Rothgerber, Tel. 0721-9613750 Hans Herbst, Tel. 07225-77233, Email: Hans.Herbst@billed.de Adam Tobias, Tel. 0721- 865315, Email: EA.Tobias@web.de


Vorwort Liebe Billederinnen, liebe Billeder, liebe Freunde,

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wieder geht ein Jahr mit vielen interessanten aber auch weniger erfreulichen Ereignissen zu Ende. Sie haben dank der Mitarbeit vieler Landsleute wieder rechtzeitig das Billeder Heimatblatt erhalten. Mit der Ihnen vorliegenden 23. Ausgabe unseres Heimatblattes möchten wir Ihnen zunächst einen Rückblick auf das zurückliegende Jahr 2010 geben. Sie finden wieder zahlreiche Berichte, die für uns Billeder wichtig und von Interesse sind. An dieser Stelle möchte ich allen, die bei der Entstehung dieses Heimatblattes mitgewirkt haben, unseren Dank aussprechen. So mancher von uns meint, wir wären am Ende unserer fast 250-jährigen Geschichte als Banater Schwaben / Billeder angelangt. Ich teile diese Meinung nicht ganz, denn damit würden wir die Bemühungen jener missachten, die sich auch heute noch für die Erhaltung deutscher Kultur und Sitten, des Brauchtums in der alten Heimat einsetzen. Solange es dort eine deutsche Minderheit gibt, die sich zu den Wurzeln bekennt, haben wir nicht das Recht, diesen Menschen die Hoffnung auf den Erhalt ihrer Identität zu nehmen. Wir dürfen ihre Entscheidung nicht in Frage stellen oder gar abwertend beurteilen, im Gegenteil, sie verdienen unsere Anerkennung und unsere Unterstützung. Für uns, die wir heute in Deutschland oder sonstwo leben, hat eine neue Phase unserer Existenz begonnen, eine Phase des Neubeginns des Heimischwerdens, der Standortbestimmung, des Umdenkens. Es kann und darf nicht sein, dass wir uns hier wohlgefällig auf dem Erreichten ausruhen und uns nach einem fast 250-jährigen Wirken im Banat sang- und klanglos von unserer alten Heimat verabschieden. Damit würden wir unsere eigene Vergangenheit verleugnen. Unsere Vergangenheit, die Geschichte der Banater Schwaben, verdient es, dass wir uns mit ihr auseinandersetzen. Wir brauchen sie vor niemandem zu verstecken und brauchen unsere Herkunft nicht zu verbergen. Wir können und dürfen auf uns stolz sein. Unsere Geschichte ähnelt einem Staffellauf, den vor fast 250 Jahren unsere Ahnen in Bayern, Franken, Elsass, Lothringen, Pfalz, in Baden und Württemberg und... und... und... begonnen haben. Sie sind in eine ungewisse Zukunft gestartet, vor Augen das Ziel, ein besseres Leben in der versprochenen Freiheit zu führen. Die erste Etappe war voller Schwierigkeiten. Aber die meisten Einwanderer schafften es schließlich, die Stafette an ihre Nachkommen weiterzugeben. Und auch diese haben, allen Widrigkeiten zum Trotz, ihren Streckenabschnitt bewältigt. So hat jede Generation zur wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung des Banats beigetragen. Sind wir, die Auswanderer, die Letzten in diesem Staffellauf? Sind wir am Ziel? Sollen wir nun die Stafette fallenlassen? Wir sind am Ende und doch wieder am Anfang, an unseren Wurzeln angekommen. Wir konnten aus dem Banat nicht viel mitbringen, aber wir haben unser kulturelles Gut, die Trachten, die alten Lieder, die Blasmusik usw. mitgebracht. Die Stafette werden wir, sollten wir sogar weitergeben an die nächste Generation. In diesem Sinne rufe ich alle Billeder und Freunde der Billeder auf, nächstes Jahr zu unserem Heimattreffen am Pfingstsamstag und Pfingstsonntag nach Karlsruhe zu kommen. Wir wollen, Jung und Alt, gemeinsam schöne Stunden verbringen. Beim Lesen des Heimatblattes wünschen wir allen viel Freude und Vergnügen. Ein fröhliches und gesegnetes Weihnachtsfest im Kreise der Nächsten, voll von Liebe und gegenseitigem Verständnis und ein gutes und glückliches Jahr 2011 allen Billedern, die sowohl in Billed als auch in der ganzen Welt leben, wünscht von ganzem Herzen Werner Gilde, Vorsitzender der Heimatgemeinschaft Billed


Aktuell

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Das „Fest der Gemeinde“ (früher Kirchweih) am 29. August in Billed mit Ringelspiel und üblichen Jahrmarktsbuden. Foto: Hans Martini

Aktuelles aus Billed

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as diesjährige „Fest der Gemeinde“ fand am 29. August statt. Zu diesem Anlass wurde wieder ein Handballturnier ausgetragen. Die Mannschaften waren aus Gavojdia, Reschitz, Arad, Großsanktnikolaus, Lovrin, Hatzfeld und 2 Mannschaften aus Billed. Bester Torhüter war Cristian Sipos aus Großsanktnikolaus, der technischste Spieler des Die Billeder Tanzgruppe „Heiderose“

Adam Csonti

Turniers Alin Kirsch aus Lovrin, Torschützenkönig Marius Baston aus Billed. Anschließend fand ein Kulturprogramm statt, an dem sich die Billeder Tanzgruppe „Heiderose“ und die Ensembles aus Kleinbetschkerek und Billed beteiligten. Der Abend klang mit Musik und Tanz auf dem Handballplatz aus.


Aktuell

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Billed auch anders. Zum Glück bewahrt unsere Erinnerung auch Bilder und Eindrücke, die durch den gegenwärtigen Wildwuchs mancherorts nicht verwischt oder gar gelöscht werden können. Zur Zeit überragt nur stolz der „Hambar“ das Unkraut, wo uns früher ein breiter Weg oft singend und lachend vorbeiführte, wo wunderbare Kastanienbäume ihre rosa Blütenkerzen gen Himmel streckten. Einsender: Anna Mann Sommer 2010 in der Temeswarer AlbaIulia Str. Bei meinem Banat-Aufenthalt hatte ich bei glühender Hitze in Temeswar Riesendurst, sah dann Kinder und Erwachsene an einem Brunnen Flaschen und Krüge füllen. Beim näheren Hinsehen fiel mir die Plakette auf, über die ich mich sehr freute. Ich kniete nieder, um meinen Durst mit dem kostbaren Wasser zu stillen und dachte mit Dank an die Karlsruher, die für diese großartige Sache gespendet haben. Einsender: Anna Mann


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Aktuell


Aktuell Das Heimathaus im Oktober „wie aus der Schachtel“, mit neuem Tor und neuem Zufahrtsweg zu den Parkplätzen neben dem „Hambar“. Zimmerbuchungen im Internet unter heimathaus.info.ms Fotos: Roswitha Csonti

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Aktuell

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Der Planwagen ist selbstgemacht, vorn ist eine Tafel angebracht mit der Aufschrift: „Karlsruhe grüßt Temeschwar“, hier im Hof des Billeder Forums.

Mit zwei PS durch Europa

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illi Beyer und sein Kumpel Franz Endlicher kutschieren durch den Kon­tinent, haben es besonders auf die Partnerstädte von Karlsruhe abgesehen. Von Temeswar, wo wir sie auch kennenlernen durften, waren sie unterwegs nach Karlsruhe, die längste Strecke, die sie bisher per Planwagen bewältigt haben, etwa 1.600 km. Auf Autobahnen und Schnellstraßen durften sie nicht fahren, hatten aber Radio und Verstärkerboxen dabei, wollten Ende Mai ihr Zwischenziel Wien erreichen und Ende Juli Karlsruhe, um am 24. Juli in Offenburg an der Internationalen Pferdemesse „Eurocheval“ teilzunehmen. Der „Nomaden-Willi“ hat per Planwagen bereits (über die Schweiz) Nancy in Frankreich besucht, Halle in der ehemaligen DDR,

O. Ieremiciu

nun Temeswar in Rumänien, es soll Nottingham in England und Krasnodar in Russland folgen. Zeit hat er zur Genüge, da er nun Rentner ist, die Kosten trägt er größtenteils selber, mit einem kleinen Zuschuss seitens des Karlsruher Bürgermeisteramtes. „Es ist meine große Leidenschaft, meine große Liebe. Das letzte Hemd hat keine Taschen. Man sollte sich somit seine Träume, soweit es geht, zu verwirklichen suchen, solange man es noch kann. Außerdem werden die Kosten auch durch die Gastfreundschaft der Leute, die einen aufnehmen, verringert.“ Der Planwagen ist selbst gemacht, diesmal mit der Aufschrift: „Karlsruhe grüßt Temesch­war“, dazu wehten hinten die deutsche und die rumänische Fahne; auf dem kleinen Proviant-Anhänger die Fahne der


Aktuell EU. Die 2 „Norweger“ (Pferderasse) waren von einem Freund ausgeliehen, geschlafen wurde meist im Planwagen, gekocht haben sie selber. Für die Pferde wurde immer ein passender Schlafplatz gesucht, auch wenn es mit Arbeit verbunden war. Der älteren gastfreundlichen Frau, der sie beim Heuwenden geholfen haben, schickt Willi nun immer eine Karte von seinen Reiseorten. Nach Temeswar waren die beiden samt Planwagen, Pferden und Hund mit dem LKW gekommen, blieben fast eine Woche hier, ein Problem war die Heimfahrt deshalb, weil in Rumänien auf ziemlich allen Straßen die Fahrt mit Pferdewagen verboten ist.

9 Doch die 80 km bis zur ungarischen Grenze bei Tschanad war dann doch auch zu bewältigen. Pferdeschonend sollte der Weg sein, die Hufe hatten Hartstahlstifte mit Stollen, um auf dem Asphalt nicht so schnell kaputt zu gehen und die etwa 1600 km durchzuhalten ohne Behufungs-Wechsel. Eine derartige Fahrt ist eigentlich weder leicht noch ungefährlich, man muss eben wachsam und vorsichtig sein, Unfälle und Überfälle vermeiden. In Temeswar hat das Gespann jedenfalls für Aufsehen gesorgt! PS: Leider konnte das Vorhaben nicht zum guten Ende gebracht werden: In Ungarn wiesen die Aluminiumfelgen Risse auf und die Weiterfahrt wurde zu riskant.

Die 2 „Norweger“ (Pferderasse) waren von einem Freund ausgeliehen, geschlafen wurde meist im Planwagen, gekocht haben sie selber.


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Auf Spurensuche deutscher Kultur im Banat im Sommer 2010

Aktuell

Dr. Hermann-Josef Braun, Mainz

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on dem Ehepaar Jutta und Werner Tobias wusste ich aus Erzählungen, dass beide aus dem Banat stammen. Im Verlauf des Jahres 2005 erzählte Werner, er habe aus Anlass der 240-Jahrfeier seines Heimatortes mit seiner Familie Billed besucht und zeigte auch Fotos von den Festlichkeiten. Dadurch wurde in mir das Interesse geweckt, Land und Leute im Banat einmal aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Nachdem dieses Vorhaben im Laufe der Zeit immer wieder erörtert wurde, haben schließlich die Ehefrauen im Herbst 2009 einen Zeitplan entwickelt und die Rumänienfahrt für den Sommer 2010 terminiert. In der ersten Julihälfte war es dann soweit. Für mich und meine Frau war es das erste Mal, dass wir Rumänien besuchten. Aber auch für Jutta und Werner gab es eine Reihe von Neuigkeiten und Überraschungen, obwohl das Banat ihre Heimat ist. Dies hing in erster Linie damit zusammen, dass sie ein Erfahrungswissen mitbrachten und nun von den starken Veränderungsprozessen des Landes in den letzten Jahren überrascht wurden. Mit der Lufthansa erreichten wir von München aus Hermannstadt. Dort blieben wir einige Tage und erkundeten mit einem Mietwagen sternförmig die nähere und weitere Umgebung Siebenbürgens mit seiner ehemals deutsch geprägten Kulturlandschaft. Von Siebenbürgen aus durchquerten wir im Alttal die Südkarpaten sowie die Kleine Walachei und gelangten bei Turnu Severin an die Donau. Wir folgten dem Strom und genossen die grandiose Flusslandschaft bis Moldova Noua, darunter insbesondere das „Eiserne Tor“, um dann nach Norden zum Semenic im Banater Bergland abzubiegen. Über Reschitz, Franzdorf und Wolfsberg kamen

wir nach Weidenthal. Die Strecke von dort nach Slatina Timis wird uns unvergessen in Erinnerung bleiben. Trotz schönstem Sommerwetter hatten wir die größte Mühe, die 18 Kilometer mit dem Dacia Logan zurückzulegen. Obwohl auf der Karte als normale Straße ausgewiesen, präsentierte sie sich in einem katastrophalen Zustand und stellte an Technik und Fahrer allerhöchste Ansprüche. Werner kannte den Weg aus seiner Jugendzeit und war von den Gegebenheiten vollkommen überrascht, meisterte ihn aber doch mit herausragendem fahrerischem Geschick. Übereinstimmend stellten wir hinterher fest: Hätten wir den Straßenzustand vorher gekannt, hätten wir diese Strecke nicht gewählt. Über Karansebesch, Lugosch und Temeswar gelangten wir schließlich nach Billed, unserem eigentlichen Reiseziel. Hier waren wir in der örtlichen Niederlassung des „Demokratischen Forum der Deutschen in Rumänien“ einquartiert und trafen dort auf das Ehepaar Roswitha und Adam Csonti, die beide die Einrichtung in gewisser Weise personifizieren. Das Forum als Begegnungsstätte der Deutschen, im früheren Hofgut der Familie Jakob Schmidt (Haus‑Nummer 421, erbaut 1920) untergebracht, wurde für die moderne Zweckbestimmung umgebaut. Augenblicklich umfasst es, neben diversen Übungsräumen für Gruppenaktivitäten mit Sanitäreinrichtungen, einen großen Veranstaltungsraum, der üblicherweise als Freizeitraum und Treffpunkt der Deutschen genutzt wird, und in dem auch besondere Veranstaltungen abgehalten werden. Er stellt das Herzstück der Einrichtung dar. Dieser Raum war früher der Pferdestall des landwirtschaftlichen Anwesens, was für den Kenner an den erhalten gebliebenen und


Aktuell

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Gruppenbild im Hof des Heimathauses in Billed harmonisch in den Raum integrierten ehemaligen Futter- und Tränkeeinrichtungen erkennbar ist. Die in einem modernen Anbau an das ältere Anwesen untergebrachte Sozialstation wurde 1994 eröffnet. Hier werden täglich etwa 40 Mittagessen zubereitet. Diese, sowie die integrierte Küche sind organisatorisch dem Altenheim für Deutsche (Adam-Müller-Guttenbrunn-Stiftung) in Temeswar angegliedert. Die Sozialstation in Billed wird von Roswitha Csonti geleitet; zwei Helferinnen stehen ihr tatkräftig zur Seite. In der Mittagszeit werden die Essen an die alten Menschen ausgeliefert, nach dem Modell von „Essen auf Rädern“. Wer sich körperlich in der Lage fühlt, holt sich das Essen selbst ab. Im Innenhof des Anwesens herrscht gegen Mittag stets eine gewisse Geschäftigkeit, wenn sich mehrere ältere Leute treffen, um Neuigkeiten auszutauschen. Im Obergeschoss des Forums wurden drei Gästezimmer jeweils mit Bad eingerichtet. Die Zimmer, Bäder und sanitären Einrichtungen entsprechen den modernsten Standards und brauchen keinen Vergleich mit

mehrsternigen Hotels zu scheuen. Über Einzelheiten informiert folgende Internetadresse: heimathaus.info.ms Anlaufstation für Gäste des Forums sind Roswitha und Adam Csonti, die ich nicht nur wegen ihrer Tatkraft und ihres organisatorischen Geschickes, sondern auch wegen ihrer höflichen, freundlichen und überaus zuvorkommenden Art in besonderer Weise in Erinnerung behalten werde. Adam Csonti, Vorsitzender des Forums, zeigte mir kenntnisreich seinen Heimatort in allen Dimensionen. Die Standorte der Kindergärten, der Schulen, der Pfarrkirche und die der Friedhöfe, deren Grabstätten bis in die Gründerzeit zurückreichen. Selbst der Glockenturm mit dem mächtigen Glockenstuhl blieb von unserem Erkundungsdrang nicht verschont. An einem Sonntagnachmittag, den wir mit Roswitha und Adam in Temeswar verbrachten, zeigten sie uns nicht nur die Stadt, sondern auch das bereits oben erwähnte dortige deutsche Altenheim, wo in einer Dauerausstellung Sitten und Gebräuche, sowie das Alltagsleben der Deutschen im Banat doku-


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An einem Sonntagnachmittag mit Roswitha und Adam in Temeswar mentiert sind. Aus ihren Erzählungen entwickelte sich bei mir allmählich eine Vorstellung vom einstigen Leben der Deutschen im Banat. Trotz aller kultureller Autonomie für das Deutschtum war das Leben in Rumänien nach dem Krieg immer härter und unerträglicher geworden. Die Deutschen konnten angesichts der sich stetig verschlechternden Lebensumstände immer weniger eine Perspektive für eine sinnvoll gestaltete Zukunft in Rumänien entwickeln. Das galt auch für den Zeitraum nach der Wende; offensichtlich gab es für die Deutschen, die den Kommunismus – wie Adam einmal mit einem hintergründigen Lächeln aber in aller Ernsthaftigkeit darlegte – nur durch die rumänische Schlamperei ertragen konnten, mit der Möglichkeit zur freien Ausreise kein Halten mehr. Der rumänische Staat hat es nicht geschafft, der deutschen Volksgruppe Anreize zum Bleiben zu vermitteln. Der Besuch in Billed wird, neben Jutta und Werner, die hier die Möglichkeit hatten emotional in ihre Kindheit und Jugendzeit zurückzukehren, meiner Ehefrau und mir - die wir beide erstmals in Rumänien weil-

Brauchtum und Tradition ten - unvergessen in Erinnerung bleiben. Mit großem Staunen lernten wir eine Ortschaft kennen, die am Reißbrett mit rechtwinklig sich kreuzenden Straßen entworfen und 1765 gezielt von deutschen Kolonisten aufgebaut und besiedelt worden war. Mit großem Interesse konnte ich feststellen, dass die ursprünglichen Einwanderer mehrheitlich aus meiner eigenen weiteren Heimat dem mosel- und rheinfränkischen Sprachgebiet stammten. Die Häuser sind stets nach dem gleichen Grundriss gebaut und unterscheiden sich vornehmlich äußerlich in der Giebelform. Aber heute ist die bis zur Wende noch weitgehend deutsch geprägte Ortschaft Billed nur noch durch die Hausformen erkennbar deutsch, d.h. nur noch äußerlich. Das Deutschtum ist zu einer Randerscheinung geworden. Es sind neben mehreren älteren Leuten nur noch wenige Familien da, die es hochhalten, pflegen und leben. Darunter ist beispielsweise Erwin, der Bruder von Adam, der seit 1997 sehr erfolgreich eine eigenständige Landwirtschaft aufgebaut hat und dessen Spezialwissen von vielen Berufskollegen in der Umgebung gezielt abgefragt wird. Als wir an einem frühen Abend dort waren, herrschte eine rege Geschäftigkeit durch die Selbstabholer, die sich mit Milch, Käse und anderen Hofprodukten versorgten. Ich fühlte mich an die eigene Kindheit erinnert, als es ebenfalls durchaus üblich war, sich naturnah beim Landwirt mit elementaren Lebensmitteln selbst zu versorgen. Äußerlich gleicht vieles den von Westeuropa gewohnten Standards. Dies gilt insbesondere für die Gastronomie und die Geschäftszentren in den großen Städten. Dennoch wird von den Einheimischen immer wieder auf die Armut des Landes verwiesen. Wir wünschen dem Land und seinen Bewohnern, dass dieser Kontrast zwischen Schein und Sein überwunden werden kann und das Land den Anschluss an Westeuropa findet.


Brauchtum und Tradition

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Werner Gilde an der Spitze der Karlsruher Trachtengruppe beim Aufmarsch in der Ulmer Fußgängerzone. Fotos: Cornel Gruber

Billeder 2010 in Ulm

„M

ir ware an Phingschte bei unsrem Phat, de Mischko, et Lissi un ich“. Dazu noch 136 Billeder und über 6000 „anre Schwoweleit“. „De Phat“ ist eine Stadt, Ulm, die Patenstadt der Banater Schwaben. Sie wollte ihrer Rolle gerecht werden und er­wartete ihre Gäste zum Heimattag gastfreundlich, herzlich, mit einem Wetter wie auf Bestellung: in der Stadt, am Donauufer, auf dem Messegelände. Und die Banater Schwaben wollten sich so zeigen wie das zum Heimattag gewählte Motto, „weltoffen und traditionsbewusst“, auch die Billeder. Festtagsstimmung verbreiteten die Trachtengruppen schon am Samstag: in der Fußgängerzone, beim Rathaus, am Auswanderer­ denkmal. Und Billeder waren immer dabei, tonangebend in den Trachten- und Tanzgruppen aus Karlsruhe. Das Tagesereignis war sicher die „Neupanater Auswanderergruppe

Peter Neumann

1785“. In zeitgemäßen Trachten, mit Wasserkrug und Wanderstock, mit Beutel und Körbchen, mit Kind und Kegel begaben sie sich mit der Ulmer Schachtel auf eine symbolische Reise, donauabwärts. Vom Ufer wink­ten Billeder und viele Schaulustige. Ganz weit dürften sie nicht geschippert sein, denn sie wären ja Gefahr gelaufen, „Heimkehrer“ zu werden. Auf das Dabeisein am Pfingstsonntag wollte sicher auch keiner der Neupanater verzichten. Für Billed war das Ereignis des Tages am Abend in den Ulmer Stuben: Beim Zeppelpolka-Wettbewerb gelang es unseren Lands­­leuten Hans und Otilia Lind aus Nagold durch Können, Ausstrahlung und Eleganz bis zum letzten Takt, die Jury zu beeindrucken. Während vier, sich im Rhythmus steigernder Polkas zeppelten sie eine starke Konkurrenz hinter sich, so dass die Jury sie


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Brauchtum und Tradition

Die Gruppe aus Karlsruhe mit starker Billeder Beteiligung beim Nachmittagsereignis in der Donauhalle, dem „Schwowical“. zum Zeppelpolka-Königspaar kürte, zudem an ihrem 17. Hochzeitstag. Billed freut sich und schickt stolz seine Glückwünsche. Auch am Sonntag blieb das Wetter schön und doch strömten weniger Besucher zu den Hallen, viel weniger als je zuvor, doch reichlich genug, um die Feier feierlich zu gestalten, zu erleben. Der Festgottesdienst in der Donauhalle war ein Pfingstgottesdienst mit Banater Schwaben für Banater Schwaben - auch die Verhinderten wurden in die Gebete eingeschlossen – mit 3 Priestern aus 3 Generationen wie man sich auch die Zusammensetzung der Heimattag-Teilnehmer wünschen würde. Für heimatliche Klänge, feuchte Augen, doch auch für hoffnungsvolles Mitsingen sorgten die Original Donauschwäbische Blaskapelle Reutlingen und der vierstimmige Banater Chor Reutlingen, wo die Sacklasser zuhause sind. Auch zwei Billeder „Singmädcher“ waren dabei, „et Lissi un et Gretche“, mitgebetet und mitgesungen haben noch einige.

Angereist zum Heimattag waren Gäste aus dem Banat, aus Rumänien, unseren Nachbarländern und Übersee. Die Liste der zu be­ grüßenden Ehrengäste war sehr lang, auch unser Ehrenvorsitzender Peter Krier war da, in Tracht und wurde begrüßt. Ranghöchster Ehrengast war der vom „Sachsentreffen in Dinkelsbühl“ angereiste rumänische Innenminister Vasile Blaga: „Wir Rumänen fühlen heute sehr deutlich, dass Ihre Aussiedlung aus den angestammten Gebieten eine empfindliche Leere hinterlassen hat.“ Leider zu spät. „Ich möchte Ihnen sagen, dass Rumänien Sie vermisst.“ Billed seine Billeder wohl auch. Sollen Unkraut und Wildwuchs wohl Umweltbewusstsein bedeuten, Ökologie? Das Nachmittagsereignis in der Donauhalle war das „Schwowical“, mit einer Bühne voller Talente – international: Entre Rios und Temewar, außer den Gruppen aus Karlsruhe noch mindestens 8 Kreisverbände mit Beiträgen. Überraschungen wurden geboten, Erwartungen erfüllt, Unterhaltung war angesagt, die Zuschauer kamen auf ihre Rech-


Brauchtum und Tradition nung, die Darsteller zum hochverdienten, lautstarken Applaus. Warum jedoch der Pendlerzug auf der Bühne vor allem Fahrgäste aus Ortschaften ohne Bahnstation aufnahm, wissen wahrscheinlich nur die Mitwirkenden. Vermisst haben nicht nur Billeder ihre Blaskapelle, wahrscheinlich alle aus Halle 1, mit ihr wäre die Billeder und die Gesamtteilnehmer-Zahl stattlicher ausgefallen, Tanzmusik gab‘s nur in Halle 2 und hier wurde fest getanzt. Eine Neuheit bei diesem Heimattag: Im Hof aufgestellte Tische und Sitzgelegenheiten boten die Möglichkeit, herrliches Wet­ter, frische Luft, Speis und Trank, fröhliche Menschen, das große „Verzähle“ hier zu genießen, dem Lärm zu entfliehen, eine Verschnaufpause einzulegen. Männer mit Glatze und ohne Hut mussten auf der Hut sein vor Sonnenbrand, Sodbrennen und stolpernden Zungen. Lissi und Hans genossen mit schelmischen Augen und freudestrahlendem Gesicht das Treffen, verdeutlichten, wie wichtig das Dabeisein ist. Die Ausstellung „Temeswar/Timisoara, Klein-Wien an der Bega“ im Donauschwä­ bischen Zentralmuseum präsentierte vor Ken­nern und Wissbegierigen eine Vielzahl von Exponaten, faszinierte, überraschte, hielt gefangen. Bemerkungen, Fragen, Gesichtsausdruck, Sprachfarbe, innere Aufgewühltheit verrieten die „Waschechten“, an manchem Exponat blieb der Blick länger hängen: Man wusste, hier etwas mitgeprägt zu haben, erkannte, ein Teil davon zu sein und selbst schon Geschichte zu sein. Das Erlebnis dieser Stunde war, jene Welt durch die Augen und Ansichten einer jungen Forscherin mit solidem Wissensstand, neutralem Blick, vor allem einer anderen Gefühlswelt, sozusagen von außen, erläutert zu bekommen, die Ausstellung so zweimal zu sehen. In der Rotunde der Donauhalle zeigt das DZM „Das Banat im Luftbild“, sehenswert.

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Hans und Otilia Lind aus Nagold wurden beim Zeppelpolka-Wettbewerb in den Ulmer Stuben zum Zeppelpolka-Königspaar gekürt. Der bekannte und vielmals ausgezeichnete Sammler Johann Hoch aus Traunau hatte dem 60. Jubiläum der Landsmannschaft 2 seiner Ausstellungen, beruhend auf Ansichtskarten, Briefen und Briefmarken, zur Verfügung gestellt: „Die Donau, der europäische Strom. Vom Schwarzwald zum Schwarzen Meer“ und „Das Banater Land, sein Volk, sein Schicksal“, bewahrt so Kleinode vor unwiederbringlichem Verlust, gewährt Einblick in die Epoche, beleuchtet auch das Ewig-Menschliche. Die Landsmannschaft wurde also 60 Jahre alt, „Aldemasch hat käne gezaahlt“. Wer in 2 Jahren den Heimattag besuchen, dabei die Ulmer Messe anfahren will, sollte die Navi-Empfehlungen missachten, die Ausfahrt Oberelchingen nehmen, von der bayrischen Seite über Thalfingen, entlang der Donau Böfingen, danach Ulm-Zentrum ansteuern. Die schöne Bilderbuchansicht entschädigt für den vermeintlichen Umweg. Zuhause angekommen, meinte meine Frau, ich sehe doch ein bisschen mitgenommen aus, zweifellos die wohlige Bürde eines erlebnisreichen Heimattages!


Brauchtum und Tradition

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Die „Trachtenblasmusikkapelle Billed-Alexanderhausen“ unter der Leitung von Jakob Groß und Adam Tobias, Dirigent Franz Tröster, in Mannheim. Foto: Cornel Gruber

Donauschwäbisches Blasmusikkonzert in Mannheim

A

m Sonntag, dem 4. Juli 2010, fand in der Konzertmuschel des Herzogenried­ parkes in Mannheim in Zusammenarbeit mit dem Innenministerium des Landes BadenWürttemberg und dem Freundeskreis Donauschwäbischer Blasmusik e.V. das 6. Donauschwäbische Blasmusikkonzert in Mannheim statt. An diesem Konzert nahmen drei Formationen teil: „Die Original Banater Dorfmusikanten“ unter der Leitung von Helmut Baumgärtner, „Die Eisenbahner Mu­sikanten Freiburg“ unter der Leitung von Josef Zippel und den Abschluss des Konzerts machte „Die Trachtenblasmusikkapelle Billed-Alexanderhausen“ unter der Leitung von Jakob Groß und Adam Tobias, Dirigent Franz Tröster, mit dabei die Trachtengruppe

Irmgard Triess

des Kreisverbandes der Banater Schwaben Karlsruhe unter der Leitung von Heidi Müller und Werner Gilde. Schon am Morgen versammelten sich die Teilnehmer aus Karlsruhe mit den Freunden dieser Formationen am Treffpunkt. Die Stimmung war gut, obwohl das ganze Gepäck mit den vielen Instrumenten und mit den Trachtenröcken der Tanzgruppe verstaut werden musste. Im Bus bis Mannheim wurde fleißig das Abschlusslied, das eine Überraschung sein sollte, geübt. Die Texte wurden im Bus verteilt und das Vorbereitungskonzert mit dem Lied „Frühlingsblumen“ ging los. Schon der Text dieses Liedes brachte alle zum Schwärmen, da es die aktuelle Stimmung widerspiegelte: „Gib mir


Brauchtum und Tradition deine Hand, schau wie schön ist das Land, für dich und mich lacht der Sonnenschein...“ Als die Gruppe in Mannheim ankam, wurde sie schon mit Blasmusikklängen empfangen, da das Konzert schon begonnen hatte. Die Mitgereisten suchten sich ein Plätzchen, um ja nichts zu verpassen, aber leider war Schatten Mangelware. Die Sonne brannte erbar­mungslos auf die Besucher nieder. Es war aber nicht möglich, die Plätze zu verlassen, da die Musik alle im Banne hielt. Mal schunkelte man, mal klatschte man, es war herrlich. Keiner verließ seinen Platz, da man sich mit kalten Getränken und Eis versorgen konnte. Die zwei ersten Formationen wurden von Anton Bleiziffer moderiert, während die Billed-Alexanderhausener Blasmusik und das Programm, das die Karlsruher darboten, von der Moderatorin Gerlinde Gilde und dem Sprecher Günther Goschi präsentiert wurden. Die Herzen schlugen schneller, als diese wunderbaren Musiker ihre Stücke spielten: „Marsch 22 Billeder“, „ MarischaLändler“, „Paul-Polka“ usw. Zur Abwechslung gab Josef Herbst einige Gedichte zum Besten: „Keweihgäscht“ und „Der Rotschnauzer“. Seine gekonnte, humorvolle und sympathische Art begeisterte das ganze Publikum. Heidi Müller, die sich besonders mit dem Einstudieren von Tänzen und mit organisatorischen Problemen auskennt, präsentierte an einem Trachtenpaar die Tracht, die die Mädchen zur Kirchweih trugen. Sie sprach klar und deutlich, für jeden verständlich und sie kennt sich aus mit den typischen Begriffen der einzelnen Bestandteile der Tracht der Mädchen und der Jungen. Zwischen den einzelnen Programmpunkten spielte die Blasmusik und ließ alle Anwesenden ihre Sorgen vergessen. Unter anderem: „Andulka-Marsch“, „Schöne BlumenWalzer“, „Schwarze Augen-Walzer“, „Dorfmädel-Polka“.

17 Es trat ein junges Mädchen in Tracht an das Mikrofon, es war Melanie Müller und faszinierte das Publikum mit dem Gedicht: „Heimat“, was nicht besser in diesen Rahmen passen konnte. Günther Goschi hatte nun eine besondere Aufgabe, denn im Programm ging es weiter mit Liedern, vorgetragen von dem Gesangsduo Irmgard Holzinger-Fröhr und Melitta Giel. Der Ansager machte es besonders spannend, denn er präsentierte die Solistinnen einzeln und mit ihrer gesanglichen Laufbahn. So konnte jeder erfahren, dass man beide Sängerinnen zu den Profis rechnen kann. Sie sangen die Lieder: „Vor meinem Vaterhaus steht eine Linde“ von Robert Stolz, „Ach ich hab in meinem Herzen“ aus der Oper „Schwarzer Peter“ von Norbert Schultze, als Zugabe, was sehr verständlich war, sangen sie das ChiantiLied „ Tarantella“ von Gerhard Winkler. Die Zuschauer waren begeistert. Der Applaus war groß, denn auch ihr Äußeres, ihre Dirndlkleider passten zu der Kulisse auf der Bühne. Die Hauptpersonen waren aber die Musiker mit ihren Instrumenten und sie spielten nun: „Im Schlummer-Walzer“, „Musikanten­ pol­ka“, Brautnacht-Walzer“ und „Schöne Serenade-Polka“. Die Geduld vieler war bis dann gut, aber nun konnte man die Menschen nicht mehr auf ihren Plätzen halten: Sie begannen zu tanzen, was ein Ausdruck der guten Stimmung war. Ein Höhepunkt dieses Programms war die Tanzgruppe des Kreisverbandes Karlsruhe. Sie wurden von Günther Goschi vorgestellt und sie tanzten nach den Klängen der Blasmusikkapelle ihre gut einstudierten Tänze. Der Dirigent Franz Tröster passte die Musik den Figuren der Tänzer an, was sehr viel Fingerspitzengefühl seinerseits bedurfte. Dieser Programmpunkt war wiederholungswürdig und die Rufe „Zugabe!“ erfüllte die Tänzer mit Freude.


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Sehr einfühlsam und wunderbar präsentiert, vor dem Halbkreis der Tanzgruppe, war das Gedicht: „Owets am Brunne“. Es wurde vom Vorsitzenden des Kreisverbandes der Landsmannschaft Karlsruhe, Werner Gilde, persönlich vorgetragen. Man muss sagen, das war das Tüpfelchen auf dem I, denn was

Brauchtum und Tradition

kann passender sein, als ein Gedicht vom Banat, sehr gut in Mundart vorgetragen? Das Finale dieses außerordentlichen Konzerts ließ die Anwesenden sich erheben, denn nun sangen alle auf der Bühne und das Publikum das Lied: „Frühlingsblumen“. Die Musikkapelle wiederholte immer wieder


Brauchtum und Tradition

den Refrain, bis zuletzt konnte ihn jeder. Die Tanzgruppe tanzte zum Ausklang als Zugabe eine Polka und mit einem Figurenmarsch verabschiedete sie sich, was vom Publikum mit großem Applaus belohnt wurde. Dieses Konzert berührte alle Herzen und man wurde nicht fertig, diesen Tag zu loben.

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Ein Höhepunkt dieses Programms war die Tanzgruppe des Kreisverbandes Karlsruhe. Sie wurden von Günther Goschi vorgestellt und sie tanzten nach den Klängen der Blasmusikkapelle ihre gut einstudierten Tänze. Foto: Cornel Gruber


Brauchtum und Tradition

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Die Stimmung kommt von der Billed-Alexanderhausener Trachtenblas­mu­sik­kapelle. Es gab über den ganzen Tag hinweg „Mici“ und Steaks.

Sommerfest in Karlsruhe

A

m 17. Juli 2010 fand das inzwischen traditionelle Sommerfest des Kreisver­ bandes der Landsmannschaft der Banater Schwaben Karlsruhe statt. Man könnte diesem außergewöhnlichen Feste das Motto: „Sommer, Sonne, Blasmusik“ geben. Das Gelände des FC Südstern war wie geschaffen für dieses Vorhaben. Alles stimmte: Das etwas abgekühlte Wetter, die Verteilung der Sitzgelegenheiten oben als Logenaussicht auf einer Terrasse, unten die Biertische mit Blick auf das sattgrüne Fußballterrain, das alles umsäumt von einem Waldstreifen. Die Stimmung wurde von den Musikanten der Billed-Alexanderhausener Trachtenblas­mu­ sik­kapelle unter der Leitung von Jakob Groß und Adam Tobias zum Sieden gebracht. Das Essen und Trinken schmeckte allen gut, da man an diesem Samstag die Küche zu Hause kalt ließ. Es gab über den ganzen Tag hinweg „Mici“ und Steaks. Die „Mici“ wurden von Mitgliedern des Kreisverbandes und Helfern am Freitag frisch zubereitet. Die fleißigen Hausfrauen aber ließen es sich nicht nehmen und zauberten eine Kuchentheke für den Nachmittagskaffee, die

Irmgard Triess

sich sehen lassen konnte. Die Unterhaltung war auch auf der Höhe, da alle drei Karlsruher Tanzgruppen ihr Bestes boten. Als Erste waren die Kleinen dran. Die Erdbeertanzgruppe unter der Leitung von Helga Ebner und Angela Schmidt tanzte auf ihre lieblichen Melodien einige Tänze. Auffallend waren ihre Kostüme, die öfter gewechselt wurden. Nach einer Pause kamen die Kinder und Jugendlichen dran. Sie werden von Elwine Muth und Dagmar Österreicher eingelernt, die kaum eingreifen mussten, denn die Figuren folgten fast automatisch und von allen gleichmäßig. Das beweist, dass diese Kinder die Tänze perfekt beherrschen. Die Zeit verging wie im Flug, denn alles sah wie ein Landsmannschaftstreffen aus. Die Leute gingen von Tisch zu Tisch, man unterhielt sich, man lernte neue Menschen kennen, da auch viele einheimische Karlsruher anwesend waren. Im Großen und Ganzen - ein gelungener Nachmittag. Zwischendurch wurde getanzt, denn - wen hält es auf den Stühlen - wenn eine Polka nach der anderen, ein Walzer nach dem anderen so schwungvoll gespielt wird? Die Musikka-


Brauchtum und Tradition pelle war fleißig und alte Erinnerungen wurden wach. Aber der krönende Höhepunkt dieses Sommerfestes war der Auftritt der ErwachsenenTanzgruppe, angesagt und geleitet von Heidi Müller und Werner Gilde, dem Vorsitzen­den und der Triebfeder für diese Ver­anstaltung zugleich. Die Art und Weise, wie diese Gruppe sich präsentierte, war weltmeisterlich. Sie kamen aus einem Versteck im Marschrhythmus zu den Klängen der Blas­musik hervor und begaben sich auf das Fußballfeld, das von allen Seiten eingesehen werden konnte. Natürlich wurden alle Anwesenden aufgescheucht und man nahm teil an der Freude, die diese Gruppe ausstrahlte. Sie tanzten mehrere Tänze, einer perfekter als der andere. Da man alles von oben sah, konnten die einzelnen Figuren mal so richtig in Ausführung gesehen werden. Ganz wunderbar, zur Begeisterung aller, war die Tanzweise der Rose, die fließend nach innen und außen zum Blühen gebracht wurde. Die Begeisterung war groß und es folgten Zugaben, da auch der Anblick dieser Gruppe ein ganz besonderer war, denn ihre Kostüme waren der Landschaft angepasst. Die Frauen trugen schwar-

21 ze Dirndl mit roten Schürzen und weißen Blusen, die Männer sehr schöne, gestickte Trachtenhemden mit schwarzen Hosen. Vor die Kulisse der Tanzgruppe trat der Ehrenvorsitzende des FC Südstern Günter Weber und bedankte sich bei den Mitwirkenden und beim zahlreichen Publikum für diesen gelungenen Nachmittag. Er sprach sich auch dafür aus, dass man so ein Fest im nächsten Jahr auf dem Gelände des FC Südstern wiederholen sollte. Er hat ein Herz für diese Landsmannschaft, da auch seine Frau eine Banaterin ist. Das Sommerfest hat sein Ziel erreicht, man hat die Zusammengehörigkeit und die Tradition aufleben lassen, man hat die junge Generation in die Gemeinschaft aufgenommen und ihr ein positives und lehrreiches Beispiel vorgeführt... Den Einsatz vieler freiwilliger Mitarbeiter muss man loben, denn ohne gegenseitige Hilfe kann man so eine Veranstaltung nicht bewältigen. Auch den Menschen muss Danke gesagt werden, die sich mit den Kindern beschäftigten und viele schöne Geländespiele organisierten. Danke allen, die zum Gelingen des Sommerfestes beigetragen haben.

Gruppenbild auf dem Gelände des FC Südstern Fotos: Cornel Gruber und Heidi Müller


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Die Ausstellung in Gertianosch 1910

Landwirtschafts- und Gewerbeausstellung. Enthüllung des Einwanderungsbildes von Stefan Jäger

I

m Jahre 2010 sind es 100 Jahre, dass zu Pfingsten des Jahres 1910 der „Südungarische landwirtschaftliche Bauernverein“ unter Mitwirkung seines Gertianoscher Ortsvereins und deren dortigen Gewerbetreibenden eine Landwirtschafts- und Gewerbeausstellung veranstaltete. Zugleich hielten der örtliche Bauernverein und der Gewerbeverein ihre Fahnenweihfeste ab. Den Glanzpunkt der Ausstellung bildete aber die Enthüllung des Einwanderungsgemäldes von Stefan Jäger, ein einmaliges Ereignis. Von überall, wo der Bauernverein Mitglieder hatte, waren Gäste erschienen, um Zeugen der wirtschaftlichen Erfolge und Bestrebungen der Gertianoscher zu sein. Schon Samstag trafen mit den Nachmittagszügen zahlreiche Festteilnehmer in der Gemeinde ein. Abends fanden zu Ehren der beiden Fahnenmütter, Frau Elisabeth Römer und Frau Röser, Lampionsserenaden statt, die einen imposanten Verlauf nahmen. Aber auch Sonntag und Montag trafen große Gruppen von Besuchern ein, die jedesmal am Bahnhof von einer Empfangsdeputation der Gemeinde herzlichst begrüßt und willkommen geheißen wurden. Unter klingendem Spiel einer Musikkapelle wurden die Gäste in die Ortschaft geleitet. Die Gemeinde war beflaggt und an mehreren Straßen wurden Triumpfbögen errichtet. An die 5000 auswärtige Gäste wurden an diesen Tagen in Gertianosch gezählt. Aus allen Ecken und Enden des Banats kamen die Leute hierher. An diesen Festlichkeiten nahm auch eine Delegation aus der Großgemeinde Billed teil. Sie bestand aus: Adam Schmidt (Dorfrichter), Jakob Thöresz (Notär), Dr. Josef Szentirmai (Arzt), Emmerich Spiritza (Schuldirektor), Johann Szeibert (Bauer), Wende-

Rückblick

Richard Weber

lin Steiner (Bauer), Friedrich Gilde (Bauer), Johann Szlavik (Bauer), Josef Holtz (Bauer), Johann Daniel (Kammmacher), Franz Rieder (Gerber), Johann Roth (Schmied). Den Auftakt am Pfingstsonntag früh morgens um halb sechs gab mit lautem Tschinellen- und Trommelschlag die durchs Dorf ziehende Blechmusik. Früh 8 Uhr fand die Eröffnung der Gewerbeausstellung statt. Die Festrede hielt Franz Blaskovics, Abt-Domherr. In großzügiger Weise setzte er sich mit den Bestrebungen der Gemeinde und insbesondere mit dem zu zeigenden Jägerbilde auseinander. Lobend hob er die Leistungen der Handwerker und Bauern hervor und sprach dem Initiator des schönen Einwanderungsbildes Adam Röser, sowie dem Maler Stefan Jäger, Dank aus. Das Ausstellungsterrain auf dem alten Marktplatz am oberen Ende des Dorfes hatte eine provisorische Umfriedung aus Pfählen, Brettern und Seilen erhalten. Da waren zahlreiche Exponate meist bäuerlicher Art ausgestellt: Allerlei Maschinen – Mähbinder, Mehrscharpflüge aus Eisen, Drill- und Saatmaschinen, Dreschgarnituren, schöne rassige Pferde, Nonius und Lipizaner, massige Rassenrinder, Schweine u.v.a.m. Große Lettern auf hellgestrichenen Holztafeln kündeten von Ausstellern und Organisatoren. Am Eingang waren längsgestreifte dreifarbige Fahnen gehisst, eine besondere Note verlieh die neuerrichtete Ausstellungshalle. Der langgestreckte Bau von annähernd 40 –50 m Länge und an die 6 m Höhe war aus Brennziegeln hiesiger Fabrikation errichtet. Die kleinen Fenster sorgten kaum für natürliches Licht und die wattarmen Glühbirnen, die vom Mühlenwerk mit Strom gespeist wurden, gaben auch nur spärliches Licht.


Rückblick

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Landwirtschafts- und Gewerbeausstellung des „Südungarischen landwirtschaftlichen Bauern­­ vereins“ in Gertianosch im Jahr 1910. An der Ausstellung beteiligten sich insgesamt 51 Gewerbetreibende mit 134 Gegenständen, ferner in der Hausindustrieabteilung zahlreiche Frauen mit 750 Exponaten. Außerhalb der Halle waren landwirtschaftliche Maschinen sowie Erzeugnisse der beiden Gertianoscher Zigeleien zu sehen. Noch am selben Vormittag zog man hinaus ins Freie, um dem „Nagelschlag“ beizuwohnen. An den Fahnenschäften wurden Namensschildchen der Spender mit Nägeln eingeschlagen. Am frühen Nachmittag fand der „Imkerausflug zu zwei Musterbienenständen“, das große Volksfest auf dem Marktplatz mit allerlei Darbietungen zur Belustigung der Leute fand anschließend statt. Die Darbietungen des zweiten Tages standen fast ausschließlich im Zeichen der bäuerlichen Vorführungsgeschehen und begannen schon am frühen Morgen. Bauernvereinspräses Johann Wittmann hielt die Eröffnungsrede und konstituierte auch zugleich eine Jury, die sich mit der Beurteilung und Prämierung der ausgestellten bäuerlichen Produkte befasste. An viele Aussteller wurden Prämien, Anerkennungsdiplome und Geldpreise verteilt.

Am gleichen Nachmittag wurde eine „Pro­beackerung“ mit dem „BauernvereinsDampfpflug“ vorgeführt. Ob der Dampfpflug viele Fürsprecher gefunden hat oder nicht, sei dahingestellt. Dampfpflüge wurden zeitweilig auf den ausgedehnten Gütern des Hatzfelder Grafen Csekonics verwendet, unsere Bauern aber sind größten Teils bei den Pferden verblieben. Die Schlussrede zu den ausklingenden Festlichkeiten wurde allerdings schon am Morgen des zweiten Ausstellungstages so gegen 11 Uhr von dem Pressestellvertreter Dr. Melchior Frecot gehalten. Desgleichen wurden auch Gottesdienste mit Hochämtern am Anfang und Ende der Festlichkeiten abgehalten. Für das leibliche Wohl der Gäste und die gesellige Unterhaltung hatten die Gertianoscher während der zwei Tage in reichlichem Maße gesorgt. Im Kasinolokal des Georg Müller wurde ein Festbankett veranstaltet, zu dem nicht wenige Gäste erwartet wurden. „Per Gedeck 2 K 40 Heller zu bezahlen beim Bankett dem Gastwirten“ hieß es in der gedruckten Ankündigung. Die Ausstellungshalle hielt ihre Tore bis zum Abend des zweiten Tages offen. Eintritt in


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Rückblick

Stefan Jäger, „Die Ansiedlung der Schwaben im Banat“, Tryptichon Teil 1, Ausschnitt die Halle war 20 Heller. Um diesen Preis konnte man auch das „Einwanderungsbild“ sehen. An zwei Tagen. Dann sollte es einen ehrwürdigen Platz in einem Haus finden. Mit großer Erwartung waren viele zur Bildenthüllung nach Gertianosch gekommen. Schöpfer dieses Bildes ist der Kunstmaler Stefan Jäger, damals 33 Jahre alt. (*28.05.1877 in der Gemeinde Tschene/ ung. Csene, rum. Cenei/ unweit von Gertianosch, †16.03.1962 Hatzfeld). Vater: Barbier und Feldscher Franz Jäger aus Tschene (*1839, †1901 ). Mutter: Margareta Schuler/ Schuller/ aus Billed (*1855 † 1927). Dem jungen Künstler war ein Gelingen beschieden mit der Verwirklichung des „Großen Einwanderungsbildes“ – wie dieses Triptychon mit den großflächigen drei Teilbildern „1. Am Wege der Wanderung; 2. Rast beim Ankommen in der neuen Heimat; 3. Die ei-

gentliche Ansiedlung“, während der Gertianoscher Festlichkeiten genannt wurde. Zum Einwanderungsbild gibt es mehrere Varianten. Es besteht die Feststellung, dass Stefan Jäger ein Einwanderungsbild früheren Datums auf Betreiben von Adam Röser und Jakob Knopf gemalt hat. Jäger kam schon damals die Inspiration, ein dreiteiliges Bild zu malen. Das fertige Bild war ca. 3 m lang und wurde zur Besichtigung im Gertianoscher Kasinoverein ausgestellt. Der Vorsitzende des Kasinovereins, Johann Walzer, unterzog das Bild einer kritischen Betrachtung und beanstandete auf höfliche Weise, dass die Personen im Bilde nicht mit der Originaltracht der Einwanderungszeit bekleidet sind. Seiner Meinung schlossen sich dann auch andere Mitglieder des Kasinovereins an, vor allem der Vorsitzende des Gewerbevereins Anton Gamauf. Jäger hat darauf die berech-


Rückblick tigte Kritik anerkannt und gewürdigt. Angeregt von Johann Walzer, wurde beschlossen, dass Jäger nach Deutschland fährt, um die Volkstracht der Einwanderungszeit zu studieren. Das geschah dann auch im Jahre 1906. Das „große“ Einwanderungsbild wurde in einem Zeitraum von vier Jahren fertiggestellt. In diese Zeitspanne fällt auch die Studienreise Jägers, die er nach Deutschland unternommen hatte, um zweckentsprechende Vorarbeiten für die Verwirklichung dieses Bildes zu leisten. Den Gertianoscher ist es zu verdanken, dass diese Reise und damit das Bild der „Einwanderung“ überhaupt zustande kommen konnte, denn der zündende Funke zu diesem Vorhaben wurde in dieser Gemeinde gelegt. Hier fanden sich einige beherzte Männer, die mit Wort und Tat für das Zustandekommen eines großformatigen Gemäldes eintraten und den Künstler in konkreter Weise unterstürzten, damit er die vorgesehenen Studien im Ausland anstellen konnte. Dabei ging es den Gertianoschern in erster Reihe darum, geldliche Mittel zu erstellen, um für das Auskommen und den Unterhalt des Künstlers während seines Aufenthalts in Deutschland vorstellig werden zu können. Durch persönliche Sammlungen, die ausschließlich in Gertianosch getätigt wurden, und durch öffentliche Veranstaltungen seitens der Mitglieder einiger Vereine kam eine ansehnliche Geldsumme zusammen. Insbesondere der Bauern- und der Gewerbeverein hatte, durch verschiedene Aktionen und durch individuelle Spenden der Mitglieder, eine vorrangige Stellung eingenommen. Lehrer Simon Kreppel notierte seinerzeit auf der Rückseite einer zeitgenössischen Fotografie von der Gertianoscher Ausstellung im Jahre 1910 die Namen der Spender (mit Summe), die durch freiwillige Beiträge dem großzügig begonnenen Unterfangen eine tatkräftige Unterstützung angedeihen ließen. Insgesamt 4560 Kronen ergaben sich aus den Beiträgen. Die Spenderliste

25 war von Johann Walzer mit einer Eintragung von 200 Kronen angeführt und dann von Anton Gamauf, Adam Röser, Jakob Knopf u.a.m. wie auch von verschiedenen Vereinen und Bürgern gefolgt. Weil man damals in dem vorrangig von der Landwirtschaft beherrschten Gebiet alles in „Frucht“ (Weizen) umzurechnen und zu verrechnen gewohnt war, sei erwähnt, dass man diese Summe – unter den damaligen ökonomischen Gegebenheiten – dem Gegenwert von 4 ½ Waggon Weizen gleichsetzen konnte. Ob man in Kronen (viereinhalb Tausend) oder in Weizen (45 Tonnen) verrechnet, es war gewiss eine ganz ansehnliche und respektable Spende, dennoch aber „bescheiden“ genug für ein Bild der Einwanderung, wie es Jäger für alle seine Landsleute und deren Nachkommen zu malen imstande war und dessen Wert heute nicht mehr mit „Dukaten“ aufzuwiegen ist. In Dr. Matz Hoffmanns Monographie aus dem Jahre 1935 Seite 57 heißt es: „Röser fand das ursprüngliche Einwanderungsbild in seinen Maßen zu klein. So musste Jäger ein zweites schaffen. Es ist das heute bekannte.“ Darum lässt sich in eindeutiger Weise ableiten, dass ein erstes, von Dr. Hoffmann als „ursprüngliches“ bezeichnetes Einwanderungsbild nicht nur existierte, sondern auch kleinere Ausmaße (3 m lang) als das „Original“ (das uns bekannte) gehabt hat. Das Originalbild befindet sich heutzutage im Besitz des Museums zu Temeswar. Es ist 6 m lang (breit) und 2 m hoch. Es sei angeführt, dass angeblich das erste, also kleinere, ursprüngliche Einwanderungsbild, im Besitze Adam Rösers blieb, das zweite, große aber wurde gemeinsamer Besitz von Adam Röser und Kunstmaler Stefan Jäger. Es blieb vorübergehend in Aufbewahrung bei Röser. Dann nahm es Jäger zu sich nach Hatzfeld. Inzwischen geriet Röser durch Fehlspekulationen der Gertianoscher Sparkasse in materielle Schwierigkeiten und die materielle Lage des jungen Künstlers Jä-


26 ger war auch nicht die beste. Sie beschlossen daher, das im gemeinschaftlichen Besitz befindliche große Einwanderungsbild zu verkaufen. Es wurde für 2.000 Kronen von der Stadt Temeswar angekauft, wahrscheinlich noch vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges. So kam das Bild in den Besitz der Stadt Temeswar und in das Städtische Museum in der Lonovicsgasse. Durch die historischen Ereignisse der Nachkriegszeit (Dreiteilung des Banats) geht es schließlich in rumänischen Besitz über. Im Jahre 1922 stand das Gemälde in einem Saal des ersten Stockwerkes des Museums (Lonovicsgasse), an die Wand gelehnt hinter vielem anderen Tand verborgen. Der große Rahmen des Kunstwerks war aus den Fugen gegangen und in drei Teile zerlegt. Staub und Moder ließen die Farben nicht mehr zum Ausdruck kommen. Das für unseren Volksstamm so wertvolle historische Kunstwerk befand sich in einem fortschreitenden Verwitterungszustand. In den anfänglichen 40er Jahre des vorigen Jahrhunderts findet das große Triptychon einen neuen Besitzer. Es wurde auf dem Tauschwege für zwei andere Bilder von dem damals eine Zeitlang bestandenen deutschen Forschungsinstitut der Deutschen Volksgruppe in Rumänien übernommen und in den Räumen des Scherter-Hauses (Eminescugasse) ausgestellt. Es nahm an der Stirnwand des großen Saales eine überragende Stellung ein. Hier blieb es bis zum Spätsommer des Jahres 1944, als es auf Anweisung nach Blumenthal „evakuiert“ wurde, um es vor eventuellen Bombardierungen zu schützen. Zu diesem Zwecke hatte man die drei Teilbilder des Triptychons von den Holzrahmen abgetragen, eingerollt und in Blumenthal im Haus Nr. 62 untergebracht. In der Zeit der einsetzenden Wirren blieb das in Rollen zusammengewickelte Gemälde in Blumenthal. Bei diesen Manipulationen wurden die drei Teile des Gemäldes beschädigt. Nach den Kriegsereignissen

Rückblick wurde das Gemälde dem Temeswarer Mu­ seum übergeben. Dort lag es aus „politischen Gründen“ gut über ein Jahrzehnt „bestens konserviert“ im Keller. Erst 1967, anlässlich der großen JägerAusstellung, wird es nach einer fachkundigen Restaurierung im ehemaligen Rittersaal des renovierten und zu einem Museum umgestalteten Hunyadi-Kastells, zeitweilig zu Ehren Stefan Jägers, ausgestellt. Im Jahre 1969 wurde es dann schließlich nach Hatzfeld gebracht und fand seinen ständigen Ausstellungsplatz an der Stirnseite im großen Saal der Gedenkstätte. Es hing hier bis Ende der 1990er Jahre, als man diese wegen Vernachlässigung des Gebäudes und Nässe der Wände in den Ausstellungräumen schließen musste. Das Triptychon, mit den anderen Bildern, kam wieder ins Museum nach Temeswar, wo es zum Teil restauriert und vorerst untergebracht wurde. Als die Landsmannschaft der Banater Schwaben in Deutschland eine Stefan-JägerAusstellung organisierte, stellte die Kunstabteilung des Banater Museums aus Temeswar der Landsmannschaft als Leihgabe neben vielen anderen Jäger-Bildern auch das Trip­ tychon zur Verfügung. Diese Bilder wurden nun in einer repräsentativen Jäger-Wanderausstellung in Ingolstadt, Fürth, Stutt­gart, Mainz, Frankenthal u.a. gezeigt. Anlässlich des Heimattages der Banater Schwaben zu Pfingsten 1992 in Ulm wurde das Triptychon hier ausgestellt. Zum Gelingen dieses umfangreichen Unterfangens trugen der damalige geschäftsführende Bundesvorsitzende der Landsmannschaft Peter Krier und der damalige Bundeskulturreferent der Landsmannschaft Walther Konschitzky tatkräftig bei. Nach der Rückkehr der Bilder ins Banater Museum wurde anlässlich der Festlichkeiten zur Eröffnung des Adam-Müller-Guttenbrunn-Hauses in Temeswar am 4. Mai 1994 das berühmte Triptychon von Stefan Jäger an der Hauptfront der Eingangshalle


Rückblick

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Stefan Jäger, „Die Ansiedlung der Schwaben im Banat“, Tryptichon Teil 2, Ausschnitt des Hauses angebracht. Das Gemälde wurde vom Banater Museum als Leihgabe dem Haus zur Verfügung gestellt und befindet sich auch heute noch an diesem Platz. Hier muss wieder die Bemühung des damaligen geschäftsführenden Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft Peter Krier lobend hervorgehoben werden. Außer den von Stefan Jäger auf Bestellung angefertigten unzähligen Einwanderungsbildern (Kopien, meist in Öl) brachten auch verschiedene Verlage Schwarzweiß- und Farbdrucke heraus. In erster Reihe soll der von Adam Röser herausgebrachte großformatige Farbdruck des Franklinschen Verlages (Budapest) Erwähnung finden. Dieser für die damalige Zeit gelungene Farbdruck wurde als „Einwanderung der Schwaben in Südungarn“ bekannt und fand in unseren Dörfern einen recht guten Absatz. Auch heute noch schmückt dieser Kunstdruck, meist in einem breiten Zierrahmen eingepasst, die Wohn-

räume vieler Landsleute. Der aus dem Verkauf der Papierkopien ergebene Reinertrag soll angeblich dem geschäftstüchtigen Adam Röser hauptsächlich zugefallen sein, der sich um die Drucklegung des Bildes bemüht hatte. Weitere Drucke kamen später heraus. Abgesehen von den etlichen Abdrucken in Büchern (so z.B. im deutschen Lesebuch für das Lyzeum innerhalb der Banatia aus den 30er Jahren usw.) dürfte die in der Nachkriegszeit vom Pannonia Verlag (BRD) herausgebrachte Reproduktion im Vierfarbendruck, dann eine in Tusche ausgeführte kleinformatige Kartenreproduktion, beide als Ein-Bild, und eventuell die vom „Neuen Weg“ (Bukarest) 1975 als Kalenderbeilage sowie die von der Banater Landsmannschaft in Deutschland abgedruckte Farbreproduktion von Bedeutung sein. Interessanterweise erschienen die Kunstdrucke unter verschiedenen Titeln (Aufschriften), obgleich es doch bekannt ist, dass Jäger seinen Bildern unmissverständlich und einma-


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Rückblick

Stefan Jäger, „Die Ansiedlung der Schwaben im Banat“, Tryptichon Teil 3, Ausschnitt lig die „Namen“ (Titel) selber gesetzt hat. So finden wir unter anderem folgende Bezeichnungen zu den verschiedenen Bildreproduktionen: „Einwanderung der Deutschen in das Banat“; „Die Einwanderung

der Donauschwa­ben“; „Ansied­lung der Donauschwaben“; „Der große Schwabenzug“; „Die Einwanderung der Deu­tschen in SüdUngarn“; „Die Ansiedlung der Schwaben im Banat“, nach Stefan Jäger.


Rückblick

29 2. Für die Landsleute ein Zuhause. AdamMüller-Guttenbrunn-Haus in Temeswar feierlich eröffnet. Banater Post vom 20. Mai 1994, Titelseite und S. 2. 3. Gross, Karl-Hans: Stefan Jäger. Maler seiner heimatlichen Gefilde. Aus seinem Leben und Werk. Herausgeber: Oswad Hartmann Verlag, Sersheim und Karl-Hans Gross, Mannheim 1991. 4. Hoffmann, Matz Dr. Arzt in Gertianosch: 1785-1935. Hundertfünfzig Jahre deutsches Gertianosch. Banat-Rumänien. Druck und Verlag der Schwäbischen Verlags-A.-G. Timişoara 1935. 5. Jahrbuch des Demokratischen Forums der Deutschen in Temeswar. Herausgegeben von Dr. Annemarie Podlipny-Hehn. Eurobit Verlag Temeswar 2001. S. 157-161 und 176, 177. 6. Liebhard, Franz: Der Schwabenmaler Stefan Jäger. In: Menschen und Zeiten. Kriterion Verlag Bukarest 1970. S. 105-122. 7. Petri, Anton-Peter Dr: Biographisches Lexikon des Banater Deutschtums. Marquartstein 1992. S. 811-812. 8. Pink, Peter Dr. Arzt in Ostern: Stefan Jäger – Ein Banater schwäbischer Kunstmaler. Tiposkript, Gemeinde Ostern 1962. 9. Podlipny-Hehn, Annemarie: Stefan Jäger. Kriterion Verlag Bukarest 1972.

Literatur: 1. Dold, Stefan: Kurzgefaßte Gelegenheitsbroschüre zur Bildenthüllung in Gyertyámos am 15. Mai 1910. Druck von Anton Heim, Temesvár.

10. Temesvárer Zeitung 18. Mai 1910: „Festtage in Gyertyámos.“ 11. Mitteilung von Herrn Josef Herbst (Billed-Gaggenau) an den Verfasser (2009).


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Rückblick

Exodus der Billeder Deutschen zwischen 1940 - 2000

Quelle: Billeder Familienbuch; Grafik: Hans Rothgerber

Personen

237 Billeder, Angehörige der rumänischen und deutschen Streitkräfte, sind nach dem 2. Weltkrieg nicht mehr zurückgekehrt. 104 sind gefallen, 133 nach ihrer Kriegsgefangenschaft im Westen geblieben 142 Personen sind 1944 in den Westen geflüchtet, 7 sind dabei ums Leben gekommen

106 Russlanddeportierte sind nicht mehr zurückgekehrt, 76 Deportierte haben ihr Leben verloren, 30 sind nach ihrer Entlassung im Westen geblieben

58 Billeder sind in der Baragansteppe gestorben

Krieg- und Kriegsfolgen (545)

Familienzusammenführung


Rückblick

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Ein Großteil der 1727 Auswanderer ist „legal durch Bezahlen von Kopfgeld“ mit einer Kiste in den Wes­ten gekommen. Pro Person durfte nur Vorgeschriebenes mitgeführt werden - nicht mehr als in eine schlampig zusammengenagelte „Standardkiste“ pass­te, die zudem von den staatlichen Behörden überteuert erworben werden musste. 95 Billeder konnten auf verschiedenen abenteuerlichen Wegen die scharf bewachte Grenze des kommunistischen Rumänien überwinden

1990, nach der Rumänischen Revolution, sind die Grenzen offen. Jetzt gibt es kein Halten mehr! Der jahrzehntelang unterdrückte Wunsch geht in Erfüllung: Allein in einem Jahr kehren 583 Personen ihrem Dorf, in Richtung Bundesrepublik Deutschland, den Rücken.

3155 Personen verlassen Billed und Rumänien in der Zeitspanne 1940 - 2000

Anno 2000 zählt Billed 119 Deutsche = 3,2% gegenüber 1940 (3652) Heute leben in Billed noch 74 Nachkommen der Einwanderer aus der Zeit der Ansiedlung

/ Freikauf (1727), Flucht (95)

Aussiedlung (788)


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R端ckblick


Rückblick

Im Tankwaggon ums Leben gekommen Band zwei „Die Gräber schweigen. Berichte von der blutigsten Grenze Europas“ erschienen

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enn sich die Sonne in den 1970er und 1980er Jahren im Westen neigte, haben viele rumänische Staatsbürger, aber auch manch ein Deutscher aus der DDR die Flucht über die Westgrenze Rumäniens gewagt. Stacheldraht und Wasser, die Donau, Schießbefehl und Folter haben sie nicht abgeschreckt. Der Drang nach Freiheit war so groß, dass sie ihr Leben riskierten. Die knapp 1000 Kilometer lange Westgrenze Rumäniens ist in den 1980er Jahren zur blutigsten in Europa geworden. Vermutlich sind an dieser Grenze mehr Menschen ums Leben gekommen als an der innerdeutschen. Vor zwei Jahren hat der aus dem Banat stammende Journalist Johann Steiner zusammen mit seiner Temeswarer Kollegin Doina Magheţi ein Buch unter dem Titel „Die Gräber schweigen. Berichte von der blutigsten Grenze Europas“ herausgegeben. Vor knapp einem Jahr ist das Buch in rumänischer Übersetzung im Polirom-Verlag in Jassy erschienen. Jetzt legen Steiner und Magheţi einen zweiten Band unter demselben Titel vor. Die Autoren warten mit neuen Erkenntnissen auf. Auch in dem neuen Band kommen Flüchtlinge zu Wort. Ihre Geschichten sind chronologisch geordnet. Die ersten reichen in die Zeit des Zweiten Weltkrieges hinein. Sie handeln von der Flucht aus den Tito-Lagern im serbischen Teil des Banats, über die Hilfe, die die Grenzgänger von ihren Landsleuten im rumänischen Teil des Banats erfahren haben, aber auch über ihren weiteren Weg in den Westen. Sie beschreiben die weitgehend unbekannten Gräueltaten der kommunistischen Partisanen, denen die Flüchtlinge entkommen wollten. Andere Berichte handeln von den ersten gelungenen Fluchten von Rumänien nach Jugoslawien und dem

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Hans Steiner

Zwangsaufenthalt der Flüchtlinge in serbi­ schen Arbeitslagern. Über das Fluchtgeschehen Mitte der 1950er Jahre und die Zustände in den rumänischen Gefängnissen gibt der Bericht von Peter Schuster aus dem siebenbürgischen Mediasch Aufschluss. Er legt eine an Dramatik kaum zu übertreffende Geschichte vor. Wie man als Taucher durch den Bega-Kanal nach Serbien gelangen konnte, schildert der aus dem bekanntesten Banater Musikhaus stammende Anton Braun. Im zweiten Band kommen, anders als im ersten, auch die Schwimmer zu Wort. Wie viel Glück notwendig war, um an die Donau zu gelangen und diese auch noch schwimmend zu überwinden, teilt Alfred Waldenmayer aus Guttenbrunn im Banat dem Leser mit. Seine Geschichte zeigt aber auch, wie wichtig es war, dass die Flucht auch gut vorbereitet war, sowohl auf rumänischer als auch auf jugoslawischer Seite der Donau. Solch einen Tod wünscht sich bestimmt keiner. Peter Eisgeth aus dem siebenbürgischen Zeiden wähnte sich schon auf dem Weg in den Westen, ist aber allem Anschein nach ganz jämmerlich ums Leben gekommen. Ob er erstickt oder aber bei lebendigem Leibe gekocht wurde, das weiß keiner und ist wohl auch nicht mehr zu klären, berichtet sein Bruder Volker. Am 4. April 2010 wäre Peter Eisgeth 70 Jahre alt geworden. Seit dem Tag, als er in seinem Heimatort in einen mit Knochenfett gefüllten Tankwaggon gestiegen ist und ein Bekannter die Luke hinter ihm versiegelt hat, sind 36 Jahre vergangen. Statt in Mailand ist er in Craiova angekommen: tot. Wie wenig Verlass auf die selbsternannten Fluchthelfer war, führt uns Lothar Hafer aus


34 Altsadowa im Banater Bergland vor Augen, der mit zwei Freunden im Schlauchboot die Donau überwunden hat. Sein Bericht wirft auch ein Licht darauf, wie unsanft die jugoslawischen Behörden selbst in den 1980er Jahren noch mit Häftlingen umgesprungen sind. Ignaz Pfleger aus Jahrmarkt im Banat schildert, wie einem zumute ist, wenn man fast ein Vermögen ausgibt, um kurz vor dem Fall des Eisernen Vorhangs in den Westen zu gelangen. Wie man in einen offen stehenden Kofferraum und ohne Wissen des Fahrers über die österreichisch-deutsche Grenze gelangt, schil­dert der aus Temeswar stammende orthodoxe Priester Gheorghe Naghi.

Rückblick Steiner berichtet in diesem 304 Seiten star­ ken zweiten Band auch über die Flucht der vielfachen Turn-Olympiasiegerin und -Weltmeisterin Nadia Comǎneci nach Ungarn und anschließend in die USA, ferner über den Fluchtweg der Temeswarer Pop-Gruppe Phönix über Jugoslawien nach Deutschland. Der zweite Band des Buches „Die Gräber schweigen“ kann bestellt werden beim Verlag Gilde & Köster, Am Wassergraben 2, 53842 Troisdorf, Telefon 0175/6094431 und 02246/2166, E-Mail verlaggilde@web.de, ferner im Buchhandel; Preis 22 Euro, einschließlich Versandkosten, ISBN: 978-3-00031829-0

Leseprobe aus Band 2 „Die Gräber schweigen“ von Hans Steiner

Der geldgierige Schaffner

W

ir waren eine Gruppe von sieben bis acht jungen Burschen. Zu Hause waren wir in Tschanad, im Dreiländereck Jugoslawien/Rumänien/Ungarn. Wir trafen uns fast allabendlich, um Karten zu spielen oder sonst etwas zu unternehmen. Tagsüber hatte jeder seine Arbeit, meist etwas, was mit Landwirtschaft zu tun hatte. Einer davon, Hans Jung, war mit seinen Eltern 1944 wegen der Kampfhandlungen im Dorf geflüchtet und bis nach Deutschland gelangt. Nach dem Krieg ist die Familie heimgekehrt. Er erzählte oft von seinen schönen Erlebnissen in Deutschland. Eines Abends sprachen wir auch davon, ob wir nicht ins „Reich“ sollten, weil wir Deutsche in Rumänien keine Zukunft hätten. Allmählich fassten wir einen Plan. Hans Jung, Joschka Wolf, Toni Koreck und ich beschlossen, über die Grenze zu flüchten. Mit Geld und Lebensmitteln von daheim ausgerüstet, sollte es losgehen.

Anton Wambach

Wir hatten beschlossen, am 25. Februar 1950 mit dem 4-Uhr-Zug in Richtung jugoslawischer Grenze abzufahren. Die nur zwei Kilometer entfernte ungarische Grenze kann­ten wir gut, aber die Ungarn hätten uns, bei Gefangennahme, ausgeliefert. Von den Jugoslawen war Anfang der 1950er Jahre so etwas nicht zu erwarten, denn der Konflikt Tito-Stalin war in vollem Gange, und zwischen Rumänien und Jugoslawien tobte eine schmutzige Diffamierungsschlacht. Am Abend des 24. Februar 1950 verabschiedeten wir uns bei Joschka zu Hause von den Kameraden mit einem Hühner-Gulasch. Nachdem sich der Großteil der Kameraden nach 23 Uhr verabschiedet hatte, waren nur wir vier und Joschkas Bruder noch anwesend. Wir sprachen über alles Mögliche, so auch über die Flucht. Bis dahin wusste außer uns vieren keiner etwas von unserem Vorhaben. Gegen 0.30 Uhr ging auch Joschkas


Rückblick Bruder schlafen. Wir vier versuchten, noch ein wenig am Tisch sitzend zu schlafen, was aber nicht gelang. Samstag, um 3.30 Uhr, machten wir uns auf den Weg zum Bahnhof. Der von einer Dampflok gezogene Zug fuhr um 4 Uhr ab. An der übernächsten Station, Großsanktnikolaus, mussten wir umsteigen in den Zug in Richtung Valkan (Valcan), dem letzten Ort vor der jugoslawischen Grenze. Wir mussten eine Zeitlang warten, bis der Anschlusszug kam. Genug Zeit für uns, um Fahrkarten zu lösen. Um unsere Spur zu verwischen, hatten wir in Tschanad lediglich bis Großsanktnikolaus gültige Fahrkarten gelöst. Der Bahnbeamte am Schalter lehnte es ab, uns Fahrkarten zu verkaufen, weil unsere Personalausweise für den jugoslawischen Grenzbereich nicht gültig waren. Doch der Zug, mit dem wir weiterfahren wollten, kam eben eingefahren, und wir überlegten, ob wir unser Vorhaben bleiben lassen sollten. Während wir noch überlegten, kam ein Schaffner aus dem Zug und fragte uns auf Rumänisch, wo wir hinfahren wollten, und wir antworteten: „Nach Valkan“. Weiterhin wollte er wissen, ob wir schon Fahrkarten hätten, und als wir dies verneinten, machte er uns den Vorschlag, uns auch ohne Karten mitzunehmen, wenn wir ihm den Fahrpreis direkt bezahlten. Wir waren froh darüber und sagten zu. Mit einem Stock zeigte er über die Schulter auf einen Waggon mit Plattform im hinteren Teil des Zuges und forderte uns auf, sobald der Zug anfuhr, dort aufzuspringen. Die Geldgier des Schaffners hat uns unerwartet weitergeholfen. Er machte uns darauf aufmerksam, dass der Bahnhof von Valkan taghell erleuchtet sei und die Grenzer ernst kontrollierten. Bevor der Zug den erleuchteten Abschnitt erreicht, werde er langsam fah­ ren. Dann würde er kommen und für uns die dem Bahnhof gegenüberliegende Tür aufschließen. So geschah es auch, und wir sprangen aus dem langsam fahrenden Zug einer

35 nach dem anderen hinaus, den Bahndamm hinunter und in die dunkle Nacht. Nach etwa 200 Metern blieben wir stehen und schauten zurück zum Bahnhof. Dieser war noch hell erleuchtet, und alles schien normal zu sein. Nachdem am Bahnhof die Lichter gelöscht waren, gingen wir weiter, querfeldein in die dunkle Nacht, gegen Westen, wo wir die Grenze vermuteten. Wir fanden eine unverschlossene Weingartenhütte, in der wir ein bisschen gegessen und geraucht haben. Wir hatten Brot und Wurst für etwa zwei Tage dabei. Zigaretten hatten wir sogar für vier Wochen, aber keinen Tropfen Trinkwasser. Auf einem Feldweg suchten wir nach tiefen Wagenspuren, zerschlugen das Eis darin, um an das bisschen Wasser zu kommen, das wir aus den Händen tranken. Als es hell wurde, sahen wir vor uns den Ort Valkan, ein Dorf, wie viele im Banat. Wir gingen jeweils zu zweit ins Dorf. Gleich am Ortseingang war eine Kaserne der Grenzschutzpolizei mit einem Posten vor dem Tor. In Sichtweite dieses Postens haben wir uns zusammen auf eine Bordsteinkante gesetzt und Zigaretten geraucht. Wir saßen und standen da, ohne recht zu wissen, wie es weitergehen sollte. Wir wurden unsicher, nicht zuletzt wegen der vielen Soldaten. Joschka fragte einen zufällig vorbeigehenden Mann, einen älteren Rumänen, wo Herr Bender - aus der Phantasie geboren - wohne. Der Mann erwiderte, er kenne diesen Namen nicht, aber er zeigte auf ein Bauernhaus im Hintergrund und meinte, dort wohne ein Deutscher, vielleicht könne der uns weiterhelfen. Wir gingen zu diesem Haus und trafen einen Mann um die 50 Jahre alt und alleinstehend. Seine Familie war nach Deutschland geflüchtet, als er noch in Kriegsgefangenschaft war. Als wir ihm unser Vorhaben schilderten, bekam er sichtlich Angst. Er bat uns, mit ihm in den leer stehenden Pferdestall zu kommen, damit wir nicht gesehen werden, weil schon öfter Fluchtwillige entdeckt und verhaftet worden waren.


36 Hätte man uns bei ihm gefunden, so wäre er als Fluchthelfer bestraft worden. Er führte uns auch auf den Dachboden, schob einen Dachziegel hoch und erklärte uns den Verlauf zweier Bahndämme. Der eine führte geradeaus ins nächste Dorf, war stillgelegt, die Gleise bis zur Grenze waren entfernt worden. Der zweite führte quer zum anderen wie ein großes T, war in Betrieb und lag hart an der Grenze in Jugoslawien. Wir waren mit dieser Auskunft zufrieden und hörten nur noch halb zu, als er von Schießen und gefährlich sprach. Auch sagte er noch, wenn alles so einfach wäre, wäre er schon längst zu seiner Familie gegangen. Zum Abschied wies er uns noch an, auf dem Dachboden zu bleiben und erst bei Dunkelheit sein Grundstück zu verlassen, damit er keine Schwierigkeiten bekomme. Wir versprachen dies, gaben ihm noch unser restliches rumänisches Geld, und er verließ uns. Wir hatten ein wenig von unserem Vorrat gegessen, geraucht und auch ein bisschen geschlafen. Als wir erwachten, war es schon dunkel, und wir machten uns auf den Weg. Nach einer Weile stießen wir in der Dunkelheit auf einen Bach und gingen nun an diesem entlang weiter, immer auf der Suche nach Gegenständen, mit deren Hilfe wir trockenen Fußes den Bach überqueren könnten. Nach einer Weile fanden wir einen Feldweg mit einer Brücke. Wir überquerten den Bach und erreichten auch bald den stillgelegten Bahndamm, dem wir folgten. In der Dunkelheit konnten wir schon den neuen Bahndamm auf jugoslawischer Seite ausmachen. Wir erreichten ein abgeerntetes Maisfeld, auf dem noch das in kegelförmige Haufen zusammengestellte Laub stand. In einem solchen Laubhaufen versteckten wir uns und schliefen vor Erschöpfung ein. Der Pfiff einer Dampflokomotive und das Geräusch eines Zuges rissen uns jäh aus dem Schlaf. Wir krochen, noch schlaftrunken, heraus und sahen einen Zug an der Grenze entlangfahren,

Rückblick wie es uns der Mann gesagt hatte, etwa einen Kilometer vor uns. Wir orientierten uns neu. Inzwischen sahen wir den Grenzverlauf deutlich. Der alte Damm hörte etwa 150 Meter vor dem neuen auf. Rechts vom alten Damm, etwa 300 Meter entfernt, befand sich ein rumänischer Grenzerstützpunkt mit einem hohen Wachturm davor. Vor uns lag der neue Damm, und gegenüber dem rumänischen Grenzerstützpunkt war auf jugoslawischer Seite ebenfalls ein Grenzerstützpunkt, vor dem ein Soldat Posten stand. Es wurde uns plötzlich klar, wenn wir auf dieser Seite des alten Dammes blieben, konnte uns das Maschinengewehrfeuer vom Wachturm erreichen. Wir stiegen also über den alten Damm, und halb gehend, halb laufend näherten wir uns gebückt und im Schutze des Dammes der Grenze. Plötzlich, wir hatten vielleicht noch 500 Meter bis zur Grenze, tauchte eine rumänische Zwei-Mann-Patrouille auf. Als die Soldaten uns sahen, blieben sie stehen und beobachteten uns eine Weile. Als sie jedoch die Waffen von der Schulter nahmen und durchluden, machten wir kehrt und liefen zurück über den Damm. Wir überlegten gemeinsam die neue Situation und wussten nicht so recht, was nun zu tun wäre. Weil die Soldaten uns nicht mehr sahen, zogen sie weiter ihres Weges. Diesseits des Dammes war ein Entwässerungsgraben, vielleicht einen halben Meter tief, mit niederem Gebüsch aus trockenem, etwa zwei Meter breitem Unkrautbestand. Jetzt musste alles schnell gehen. Wir beschlossen, im Entwässerungsgraben zur Grenze in Gänsereihe zu laufen. Etwa 20 Meter vor der Grenze sahen wir dicht neben uns einen Graben, der mit Reisig abgedeckt war. Wir wussten, dass der neue Bahndamm in Jugoslawien lag, aber nun sahen wir auch, dass die Grenze schon ein Stück davor verlief. Der jugoslawische Posten sah uns kommen und kam uns entgegen, um uns den Weg abzuschneiden. Als wir die Grenzlinie über-


Rückblick schritten hatten, rief er „stoj“ (Halt), doch wir liefen weiter und wollten den Bahndamm hinauf. Erst als er sein Gewehr durchgeladen hatte und zu schießen drohte, blieben wir stehen. Wir sahen auf der Stirnseite seiner Fellmütze einen roten Stern mit Sichel und Hammer und dachten, es sei ein Russe auf rumänischer Seite. Weil ich von meinem Lehrmeister Serbisch gelernt hatte, konnte ich mich mit dem Soldaten so recht und schlecht verständigen. Mit erhobenen Händen standen wir also vor ihm. Während er uns mit einer Hand durchsuchte, fragte ich so gut ich konnte, ob wir in Jugoslawien seien. Als er dies bejahte, fiel uns ein Stein vom Herzen. Der Soldat gab uns zu verstehen, dass wir fünf Schritte vor ihm in Richtung Gebäude gehen sollten. Mit dem Gewehr im Anschlag führte er uns ab. Am Grenzerstützpunkt nahmen uns zwei andere Soldaten in Empfang. Nachdem wir durchsucht waren, führten sie uns ins Innere des Hauses, es war wohl der Aufenthaltsraum der Grenzer. Wir nahmen an einem langen Tisch mit Bänken Platz, und sie gaben uns Kaffee und dazu Weißbrot. Es kamen noch weitere Soldaten, wohl aus Neugier, dazu, einer davon konnte besser Rumänisch als ich Serbisch. Er erklärte uns, welches Glück wir gehabt hätten. Unter anderem sei der Fallgraben, den wir im Vorbeigehen gesehen hatten, schon vielen Leuten vor uns zum Verhängnis geworden. Sie hatten vom Fenster aus unsere Flucht beobachtet und wussten, dass wir es geschafft hatten, als wir am Fallgraben vorbei waren, denn der rumänische Scharfschütze war noch nicht auf seinem Posten auf dem Wachturm. Nach einer Stunde begleitete uns ein Soldat hinaus zur Toilette. Als die rumänischen Soldaten uns vier sahen, wurde es drüben sehr laut. Sie nannten uns Verbrecher und Verräter des Sozialismus, fluchten gehörig und drohten, zu schießen. Der Soldat, der uns begleitete, rief um Verstärkung, so dass

37 noch zwei Soldaten mit Maschinenpistolen herbeieilten. Inzwischen war auch der rumänische Wachturm besetzt, und der Soldat bedrohte uns mit der Maschinenpistole und zornigen Gesten. Gegen Mittag wurde es nochmals sehr laut auf der rumänischen Seite. Ein serbischer Soldat rief uns ans Fenster, und wir sahen, dass zwei berittene hohe Offi­ ziere angekommen waren. Es hörte sich an, als ob da die Prügelstrafe vollzogen würde. Wir erhielten ein warmes Mittagessen und wurden danach von einem bewaffneten Soldaten zu einer Polizeistation in ein Dorf gebracht. Der Weg über die Landstraße war menschenleer. Wir versuchten vergeblich, mit dem Soldaten ins Gespräch zu kommen. Einen Sicherheitsabstand von fünf Schritten hielt er stets ein. Nach der Übergabe an einer Polizeistation konnten wir uns frisch machen und bekamen auch Kaffee zu trinken. Dann ging es mit einem anderen Soldaten weiter in den nächsten Ort, ein Kleinstädtchen mit Gefängnis. Als Emigranten wurden wir besser behandelt als die Strafgefangenen und kamen auch alle vier in eine Zelle. Die Polizisten nannten uns „Rumuni“ (Rumänen) und waren freundlich. Gelegentlich erhielten wir auch mal einen Essens-Nachschlag zu der mageren Tagesration. Nach einer Woche wurden wir zum Bahnhof gebracht und in einen Zug gesetzt. Wir kamen nach Großbetschkerek (Zrenjanin) in ein größe­res Gefängnis. Dort wurden wir getrennt und in Zellen zu Strafgefangenen gebracht. Joschka und ich blieben zusammen in einer Zelle mit vier einheimischen Strafgefangenen. Hans und Toni Koreck kamen jeder in eine andere Zelle und konnten auch mit niemandem reden, weil sie kein Serbisch verstanden. Auch dort hatten wir Privilegien gegenüber den Häftlingen. Wir bekamen zwar mehr zu essen, aber nicht ausreichend, und hatten mehr Freigang im Hof. Unsere Zelle war etwa vier mal drei Meter groß. Neben der Eingangstür standen ein Waschtisch und ein Eimer mit


38 Wasser. Auf der anderen Seite der Tür stand ein offener Eimer zum Urinieren. Im Hintergrund gab es in Kniehöhe über die ganze Breite ein zwei Meter langes Holzpodest, das am hinteren Ende etwas erhöht war, was das Liegen erleichterte. In der Wand gegenüber befand sich ein Fenster von 80 Zentimetern im Quadrat. Jeder Insasse bekam eine Pferdedecke. Zum Schlafen hatten sich immer zwei zusammengetan und eine Decke als Unterlage und eine zum Zudecken verwendet. Wir lagen in der Reihe dicht nebeneinander. Wenn einer sich umdrehte, mussten sich auch alle anderen wenden. Wenn einer die Knie anzog, mussten alle anderen das auch tun. Es war für uns unerfahrene Jungen eine harte Zeit. Etwa 16 Tage waren wir dort untergebracht. Zu essen gab es immer das gleiche: morgens eine Schale Malzkaffee und ein Stückchen Brot, mittags und abends je eine Kelle dünne Bohnensuppe und ein Stückchen Brot. Auch hier hatten wir Vergünstigungen; je nach Laune oder Möglich­ keit der Köche bekamen wir gelegentlich Nachschlag. Außerdem bekamen wir ab und zu ein paar Zigaretten, denn die unseren waren uns zusammen mit unserer Habe abgenommen worden. Toni war in einer Zelle neben der Küche, daher wurde er öfter geholt, um zu helfen; dann bekam er auch zu essen. Hans hatte es am schlechtesten, denn er war allein unter 20 Strafgefangenen. Im Emigrantenlager Nach 16 Tagen bekamen wir unsere Sachen zurück. Wir wurden in ein Emigrantenlager am Rande der Stadt gebracht. Der Lager­ kommandant, ein Offizier, war Zigeuner und sprach Rumänisch; die Zigeunersprache in Jugoslawien ist Rumänisch. Aber er konnte auch gut Deutsch. Als er erfuhr, dass wir gar keine Rumänen, sondern Deutsche waren, sprach er mit uns immer Deutsch, nur bei Verhören sprach er Rumänisch. In diesem Lager waren Ungarn, Albaner, Rumä-

Rückblick nen, Serben und Deutsche aus Rumänien und Bulgarien. Wir wurden einer Gruppe von gut einem Dutzend Rumänen zugeteilt. In den Abendstunden, nach dem Essen, wurden wir, einer nach dem anderen, zum Verhör zum Kommandanten bestellt. Jeder von uns wurde mehrmals geohrfeigt und geschlagen. Der Joschka bekam am meisten ab. Als einziger von uns vieren wurde ich hier nicht verhört. Am anderen Morgen, beim Appell, konnte ich feststellen, dass wir in guter Gesellschaft waren. Ein Gefängnisdirektor aus Konstanza, Hauptmann Stoicǎnescu in voller Uniform, ein Hauptmann Elekes in Uniformteilen, sein Pilot Vlaicu, den er gezwun­gen hatte, ihn mit dem Flugzeug außer Landes zu bringen, die Frau eines hohen Offiziers, der zum Verhör in einem anderen Gefängnis war, und viele andere. Unser Gruppenverantwortlicher hieß Roşu, auch ein Offizier in Zivil. Hier erging es uns sehr schlecht, in jeder Beziehung. Täglich 400 Gramm Brot, eine Kelle Bohnensuppe mittags und eine weitere abends; morgens gab es eine Kelle Malzkaffee. Sonntagsmittags schwammen in der Bohnensuppe bis zu fünf würfelzuckergroße Fleischstückchen. Weil der Hans kein Fleischesser war, gab er mir seine Fleischstücke, obwohl auch er Hunger litt. Wie in den Gefängnissen vorher wurden uns auch hier die Sachen abgenommen. Zum ersten Mal, seit wir von zu Hause weg waren, konnten wir unsere Unterwäsche und Hemden mit heißem Wasser waschen und uns duschen. Einmal saßen wir im Hof im Schatten eines Baumes und langweilten uns. Da hörten wir plötzlich von weit her ein uns wohlbekanntes Geräusch, das Geräusch einer Dreschmaschine. Daher meinten wir, dass es wohl die Zeit um Peter und Paul wäre. Weil der Hunger mir sehr zusetzte, wurde ich immer schwächer. Unser Gruppenverantwortlicher Roşu setzte sich für mich ein, und so bekam ich zwei Wochen lang die doppelte Essensration. Mit der Zeit wurde es auch


Rückblick den anderen Leuten unerträglich; wir traten in Hungerstreik. Eines Morgens holte keiner seinen Kaffee an der Ausgabe ab und das Mittagessen auch nicht. Wir vier waren noch unerfahren, um das Geschehen zu ermessen und machten einfach mit. Nachmittags kamen einige hohe Offiziere. Ein allgemeiner Appell wurde angeordnet und eine Delegation zusammengestellt, die mit den Offizieren verhandelte. Es wurde vereinbart, dass nach und nach alle Insassen, bis auf die Albaner, in Braunkohlebergwerke verteilt werden. Beim zweiten Transport waren auch wir dabei. Wir wurden von Militär zum Bahnhof gebracht und in einen Zug gesetzt, der uns am 9. Juli 1950 ins Braunkohlebergwerk Kolubara brachte. Dort trennten sich unsere Wege. Joschka wurde einer Schreinerei zugeteilt, Hans, Toni und ich wurden weitergeleitet in eine nahe gelegene Zeche, wo wir in verschiedenen Schichten unter Tage arbeiteten. Dort bekamen wir Lohn und in einer Kantine ausreichend zu essen auf Lebensmittelkarten. Kleiderkarten bekamen wir keine, weil die Behörden nicht wussten, wie lange wir hier bleiben werden. Es war gegen Ende September, als mich ein mir bekannter Türke von der Donauinsel Ada Kaleh, auf Rumänisch ansprach. Er wollte in den nächsten Tagen ein zweites Mal die Flucht über Triest nach Italien versuchen. Von dort aus könne man legal in alle westlichen Länder reisen. Es sei eine sichere Sache, da er die Lage schon kenne. Nach Rücksprache mit Hans und Toni sagte ich zu. Zwei Türken, ein Russe, Toni und ich machten uns auf den Weg nach Triest. Hans und Joschka wollten es mit anderen Leuten ein andermal versuchen. Wir gingen zum Bahnhof, und um unsere Spur zu verwischen, lösten wir die Fahrkarten nur bis Belgrad. Dort kauften wir neue Fahrkarten bis Laibach (Ljubljana). Dort wollten wir Karten bis zur Grenzstation lösen, doch es kam alles anders. Als der ent-

39 sprechende Zug im Bahnhof Belgrad ankam, haben wir uns in ein Abteil gesetzt, das uns leer schien. In einer Ecke saß ein Offizier, der scheinbar schlief. Während der Fahrt kam ein Schaffner und entwertete die Fahrkarten. Es ging alles gut bis kurz vor Laibach, da wurden wir von Miliz kontrolliert und verhaftet. Im Bahnhof Laibach wurden wir aus dem Zug geholt und in eine Schule gebracht. In der Schule war schon ungefähr ein Dutzend Leute verschiedener Nationalität versammelt, die dasselbe Ziel hatten: Triest. Diesen war es ebenso ergangen wie uns, nur früher. Nach kurzem Verhör wurden wir in den Saal zurückgebracht. Dort waren wir elf Tage eingesperrt bei geringer Verpflegung. Eines Abends bekamen wir die Brennholzration für den nächsten Tag nicht. Die in solchen Sachen erfahrenen Männer sagten, das sei ein gutes Zeichen. Am anderen Morgen bekamen wir alle unsere Sachen zurück, wurden zum Bahnhof geführt und in einen Zug gesetzt. An der Grenzstation Sežana wurden wir aus dem Zug geholt. Polizei brach­te uns in einen Grenzerstützpunkt. Abgeschoben nach Italien Dort wurden wir den Rest des Tages verhört und auf Wertsachen untersucht, die beschlagnahmt wurden. Polizisten und Soldaten waren sehr grob zu uns, nicht nur im Ton, es wurden auch Leute geschlagen. Das waren wohl noch die alten Partisanen. Nach Einbruch der Dunkelheit wurden wir auf die Straße geführt und in Reih und Glied aufgestellt. Drei schwer bewaffnete Soldaten bewachten uns. Als ein vierter mit höherem Dienstgrad dazugekommen war und Anweisungen gegeben hatte, führten sie uns auf einer Landstraße ab. Wohin, wussten wir nicht. Wir hatten alle Angst, denn es wurde erzählt, dass die Partisanen die Leute zur Grenze führen, um sie „auf der Flucht“ zu erschießen. Als wir in der Dunkelheit an einer Baumgruppe vorbei waren, sahen wir in ei-


40 niger Entfernung ein Lichtermeer. Wir muss­ ten stehen bleiben. Der Offizier sagte uns in rauem Ton: „Wenn ihr in Richtung Lichter geht, kommt ihr unter einer Hochspannungsleitung durch. Dort beginnt Italien“. Halb gehend, halb laufend, stoben wir auseinander den Lichtern entgegen. Es sah aus wie in einer Mondlandschaft. Es war eine Hochebene mit umherliegenden Steinen und mannshohem Gestrüpp. Fast kein Durchkommen trotz sternenklarer Nacht. Toni und ich blieben immer dicht beieinander. Wir kamen an die besagte Hochspannungsleitung und dach­­ten immerzu: Jetzt werden sie schießen. Aber nichts dergleichen geschah. Nach etwa l00 Metern über Geröll und durch Gestrüpp erreichten wir eine kleine Lichtung. Rechts und links neben uns hörten wir andere laufen. Zusammen mit diesen rasteten wir auf der Lichtung, rauchten eine Zigarette und warteten auf die Langsameren, in der Hoffnung, dass sie es auch geschafft hatten. Im Sternenschein war nicht allzu viel zu erkennen. Nach etwa einer halben Stunde waren wir wieder alle zusammen. Alle freuten sich, dass wir heil und gesund den Eisernen Vorhang überwunden hatten. Wir berieten, wie wir weiter vorgehen sollten; wir waren mehr als 20 Personen verschiedener Nationalität. Weil wir uns nicht einig wurden, gingen wir erst einmal auf die vielen Lichter zu. Es war für uns das erste besondere Erlebnis im Westen: Alles war taghell erleuchtet, und es gab keine Soldaten in Grenznähe, auch keine Kon­trolle. Im Osten undenkbar. Nach einer Weile hatten wir eine sehr gepflegte Ausfallstraße mit Gehwegen rechts und links und schöner Beleuchtung erreicht, die jedoch menschenleer war. Wir gingen wort­los weiter in der Hoffnung, irgendwann jemanden zu treffen. Nach einer Weile, es muss gegen Mitternacht gewesen sein, beschrieb die Straße einen leichten Bogen, und danach folgte eine Straßenkreuzung. Ein Uniformierter wollte dort eben die Straße über-

Rückblick queren. Er schien unbewaffnet; wir mussten mehrmals rufen, bis er uns gehört hat. Er blieb stehen, wir gingen zu ihm und sahen, dass er einen Revolver trug. Einer von uns, der meinte, er könnte Italienisch sprechen, versuchte, zu erklären, dass wir gerade aus Jugoslawien kämen und nicht weiter wüssten. Als der Mann das Wort Jugoslawien hörte, musterte er unsere Kleidung. Da wusste er genug. Diesen Eindruck hatten wir zumindest. Er versuchte, uns zu erklären, dass er italienischer Polizist sei und uns auf die Wache mitnehmen werde. Weil Italienisch und Rumänisch viele Gemeinsamkeiten haben, verstanden wir aus Rumänien viel von dem, was er sagte. Auf der Wache, es war der 14. Oktober 1950, bekamen alle, die wollten, etwas zu essen und zu trinken. Danach folgte ein kurzes Verhör in verschiedenen Sprachen. Es wurde uns gesagt, dass im Ort Opicina (Optschinach) ein Sammellager sei, wo wir hingebracht werden. Das Lager bestand aus mehreren Holzbaracken aus der Zeit des Krieges. Triest und seine Vororte waren Freistaat unter anglo-amerikanischer Besatzung. Nach einigen Tagen wurden wir zusammen mit anderen Männern nach Triest in ein Männerheim verlegt. Toni und ich waren im Westen, Joschka und Hans noch in Jugoslawien. In Triest ging es uns relativ gut. Im Lager waren viele Nationen vertreten. Die größte Gruppe waren weißrussische Intellektuelle. Das Essen war gut und abwechslungsreich. Wer wollte, bekam Kleidung und Wäsche aus Spendensammlungen in Amerika. Um auch etwas Geld für Zigaretten, Obst, Kino und mehr zu bekommen, haben wir gelegentlich in den Gärtnereien am Stadtrand gearbeitet. Wir hatten beide die Einreise und Aufenthaltserlaubnis für Deutschland beantragt, doch es dauerte alles lange. Toni wurde ungeduldig und floh auch von hier, er wollte illegal nach Österreich gelangen. An der Grenze wurde er jedoch erwischt und in


Rückblick ein Lager in der Nähe Roms gebracht. Am 6. September 1951 bekam ich meine Papiere, und am 9. September 1951 kam ich mit dem Zug in Freilassing/Bayern an, wo ich weitergeleitet wurde ins Lager Piding. Meine Flucht war beendet. Auf dem Weg in die Integration fand ich viele, die es gut mit mir meinten. Besonders mein Arbeitgeber, bei dem ich 34 Jahre lang, bis zu seinem Tode, beschäftigt war. In mancher schlaflosen Nacht habe ich daran gedacht: War die Flucht nun ein Fluch oder ein Segen? Für mich persönlich sicher ein Segen, denn vieles, was ich angepackt habe, ist mir auch gelungen. Der Fluch der rumänischen Grenzsoldaten aber traf meine Familie voll. Sie wurde in die Donautiefebene (Bǎrǎgan) deportiert. Mein Vater und mein Bruder haben den Kampf gegen eine Abhängigkeitserkrankung frühzeitig verloren. Wegen dieser Krankheit hat sich auch meine Mutter aufgerieben. Im Sommer 1966 konnte ich sie zum ersten Mal nach meiner Flucht besuchen.

Zum ersten und einzigen Mal haben sich die Flüchtlinge aus Tschanad an Pfingsten 1966 getroffen (von links): Joschka Wolf (Jahrgang 1933), Hans Jung, Toni Koreck und Anton Wambach (alle drei Jahrgang 1932).

41 Auch Hans, Joschka und Toni haben sich in verschiedenen deutschen Städten Existenzen aufgebaut und Familien gegründet. Zu Pfingsten 1966 haben wir uns alle vier getroffen, es war das erste und einzige Mal. Heute, mit einem Abstand von mehr als 60 Jahren, frage ich mich und andere: Wer hat wohl den liebenswerten Eisenbahnschaffner zur richtigen Zeit an die richtige Stelle geschickt? Ohne ihn wären wir nicht einmal aus dem Nachbarort herausgekommen. Oder: Wer hat die Grenzstreife geschickt, um uns zurück auf den richtigen Weg zu drängen? Oder: Wer hat den Scharfschützen von seinem Posten auf dem Wachturm ferngehalten? Oder: Wer hat uns den wegkundigen Türken geschickt? War es unser Schutzengel? Oder der Herrgott selber? Hat uns der Teufel geritten, wie man so sagt? Mit dem Ende der Flucht hatte diese Glückssträhne nicht aufgehört. Wenn ich meinen Lebensweg so anschaue, so spüre ich auch heute noch die schützende Hand über mir. Ladenburg, im Juni 2004

Anton Wambach, geboren am 18. April 1932 in der Banater Gemeinde Tschanad, musste die Schuhmacherlehre abbrechen, weil seinem Lehrmeister in der kommunistischen Man­ gelwirt­schaft das Material ausging. Er wurde Arbeiter in einer Mühle. In der Bundesrepublik Deutschland war er ein Jahr lang in Weichs bei Dachau in der Landwirtschaft tätig. Nach anderthalb Jahren als Kumpel im Steinkohlebergbau in Gelsenkirchen folgte die Station Ulm, wo er kurze Zeit in einem Baustoffhandel arbeitete. Darauf wechselte er nach Heidelberg, wo er bis zur Rente als Straßenbauer sein Auskommen gefunden hat.


Rückblick

42 Leseprobe aus Band 2 „Die Gräber schweigen“ von Hans Steiner

Beim Fluchtversuch die Beine verloren

V

erkehrsunfälle haben das halbe Leben von Norbert Koch beeinflusst und bestimmt. Vor 22 Jahren hat er bei einem Fluchtversuch mit dem Zug beide Beine verloren; kurz vor den Paralympischen Spielen 2008 in Peking hat ihn ein Auto angefahren. Während das erste Unglück sein weiteres Leben entscheidend prägen sollte, war der Unfall, den er mit dem Handbike im Landkreis Karlsruhe hatte, nicht so tragisch; er hat ihn wahrscheinlich um eine Medaille bei den Spielen in China gebracht. Koch, der am 4. Mai 1970 in Lenauheim, dem Geburtsort des großen österreichischen Dichters Nikolaus Lenau (1802-1850), das Licht der Welt erblickt hat, ist heute ein lebensfroher Mensch. Die Schicksalsschläge hat er weggesteckt. Er selbst sagt von sich, er sei ein positiv Denkender. „Das Leben geht weiter, man muss die Wege gehen, wie sie sich einem anbieten“, sagt er heute. Zum vielleicht vollkommenen Glück hat ihm nur eines gefehlt: ein Kind. Das hat er inzwischen: Seit Januar 2009 ist er stolzer Vater ei­nes Töchterchens. Koch beginnt nach dem Fachabitur im Städtchen Hatzfeld an der rumänisch-serbi­ schen Grenze in der Keramikfabrik zu arbei­ ten und bekommt Ende der 1980er Jahre mit, wie immer mehr Landsleute die Flucht aus Rumänien antreten. Aus dem Betrieb, in dem er beschäftigt ist, gelingt dem einen oder anderen die Flucht in Güterzügen nach Jugoslawien. Auch Koch entschließt sich, diesen Weg einzuschlagen. Am Abend des 15. November 1988 versteckt er sich im Gebüsch an der Eisenbahnlinie und versucht, auf einen fahrenden Zug aufzuspringen. Der Zug ist zu schnell, Koch gerät unter die Räder und verliert beide Beine. Der Pförtner der Keramikfabrik hört seine

Norbert Koch

Schreie und alarmiert den Rettungsdienst, der auch rasch zur Stelle ist. Koch weiß nicht, wie lange es gedauert hat. Er meint, es könnten fünf, aber auch zehn Minuten vergangen sein, bis der Rettungswagen zur Stelle war. Die kurz darauf eingetroffenen Grenzer wollen den Schwerverletzten festnehmen und verhindern, dass er ins Krankenhaus kommt. Doch der Sanitäter setzt sich durch und nimmt ihn mit ins Krankenhaus, wo Ärzte ihm das Leben retten. Die Geheimpolizei Securitate lässt ihn wegen der schweren Verletzungen in Ruhe; die Haft bleibt ihm erspart. Nach sechs Wochen ist er zu Hause in Lenauheim. Doch im Rumänien Ceauşescus hat er keine Chance, ein menschenwürdiges Leben zu führen. Es fehlt die nötige Versorgung, ferner Prothesen und Rollstühle. Norbert Koch hat wieder Glück: Im Dezember 1989 stürzt das kommunistische Regime in Rumänien, im April 1990 kann er nach Deutschland umsiedeln und findet in Karlsruhe eine neue Heimat. Nach der Umschulung zum Mikroelektroniker in Heidelberg bewirbt er sich bei Siemens in Karlsruhe, wo er noch heute arbeitet. 1992 beginnt er in Langensteinbach Basketball zu spielen. Mit der dortigen Mannschaft steigt er in die Zweite Rollstuhlbasketball-Bundesliga auf. 2005 orientiert er sich sportlich neu, er wird Handbikefahrer. Mit einem von ihm weiterentwickelten Dreirad mit Vorderradhandantrieb wird er 2007 in Bordeaux Vizeweltmeister. Inzwischen ist er mehrfacher deutscher Meister. Seine berechtigten Medaillenträume vor den Paralympischen Spielen 2008 hat ein Unfall zwei Wochen vor der Abreise nach China zunichte gemacht: Während des Trainings mit dem Handbike hat ein Autofahrer ihm die Vorfahrt genommen und ihn ange-


Rückblick

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Norbert Koch unterwegs mit seinem Dreirad fahren. Prellungen und Sehnenverletzungen haben ihn erneut zu einer Trainingspause gezwungen; schon zuvor musste er aussetzen wegen einer Schulterverletzung. In Peking kommt er nicht auf Touren. Beim Straßenrennen über 48,4 Kilometer bremsen ihn heftige Schmerzen; er hält durch, kommt aber 20 Minuten nach dem Sieger ins Ziel. Aber schon die Teilnahme an den Paralympics war für Koch ein Traum: „Hätte mir das vor ein paar Jahren jemand prophezeit, hätte ich nur gesagt, du spinnst“. Zum Handbiken sind gewaltige Oberar­ me nötig. Die braucht der Sportler, um mit dem Handbike über den Asphalt zu jagen. Handbiken ist Radfahren für Rollstuhlfahrer. Je nach Grad der Behinderung liegen oder knien die Fahrer im Dreirad. Statt in die Pedale zu treten, treibt der Athlet das Gerät über eine Handkurbel voran. Spitzenfahrer wie Norbert Koch erreichen Geschwindigkeiten von 50 Kilometern in der Stunde. Handbikefahrer brauchen nicht nur Kraft, sondern müssen auch gute Tak-

tiker sein. Der Sportler muss den richtigen Augenblick finden, um aus dem Windschatten der Konkurrenz herauszufahren und zu attackieren. Koch liebt die Mischung aus Kraft und Finesse; er zieht deshalb die direkte Auseinandersetzung im Straßenrennen dem Zeitfahren vor. In Peking haben mit Ernst van Dyk aus Südafrika und dem für die USA startenden Mexikaner Alejandro Albor zwei Legenden des Handbikesports Gold und Silber gewonnen. 2007, bei den Weltmeisterschaften, hatte sich Koch als Silbermedaillengewinner zwischen den beiden platziert. Das Handbike ist für Koch mehr als ein Sportgerät. Es hilft ihm, seinen Freiheitsdrang auszuleben. Manchmal macht er Ausflüge von mehr als 100 Kilometern. Norbert Koch kann Handbiken als Spitzen­ sport betreiben, weil sein Arbeitgeber ihn durch eine großzügige Arbeitszeitregelung unterstützt. Koch will noch viele Jahre handbiken. Nächstes großes Ziel: 2012 will der heute 40-Jährige in London bei den Paralympics antreten.


Rückblick

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Friedrich Gilde, 1876 - 1962

Billeder Gilde als Rebell

U

m die folgende Begebenheit verstehen zu können, muss ich einiges aus der Geschichte des Banats und der unserer Heimatgemeinde Billed berichten. Die Ländereien an der von Österreich errichteten so genannten Militärgrenze in Kroa­ tien gegen einen neuerlichen Einfall der Türken in das Banat waren im Besitz von kroatischen Adeligen und mehrheitlich im Besitz des Bischofs von Agram (Zagreb). Diese Ländereien wurden 1784 an die zur Verteidigung der Militärgrenze dort angesiedelte serbische Landmiliz verteilt. Am 29. Juni 1800 unterzeichnete Kaiser Franz II. die Urkunde, laut welcher der

Josef Herbst

Agramer Bischof Maximilian Verhovatz die Kameralgüter Billiet, Gertianosch, Kleinjetscha, Perjamosch, Wariasch und das Prädium Pakacz als Entschädigung für die in Kroatien an die Militärgrenze abgetretenen Besitztümer erhielt. Damit wurde der Agramer Bischof Grundherr von Billiet. Sein Bevollmächtigter war Franz Petrovici, geb. 1738, gest. 13.05.1803, der in der Billeder Kirche begraben ist. Im Jahre 1803 erhielt Billiet das Marktrecht, so dass jeden Mittwoch ein Wochenmarkt und dreimal im Jahr - am Sonntag nach Josefi (19. März), um den 15. Juni und Ende September - Jahrmärkte stattfinden konnten.


Rückblick

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Anna Gilde, geb.Uitz, 1883 - 1962 Nachdem der Agramer Bistumsherrschaft auf den in Kroatien befindlichen Gütern die völlige Gerichtsbarkeit zustand, wurde diese auch für die nun im Banat gelegenen Besitzungen beantragt und von Wien aus genehmigt. Demnach konnte die Billieter Bistumsherr­ schaft über seine Untertanen Urteile fällen. Auf dem Grundstück mit der heutigen Haus­nummer 300 an der Ecke Kirchengasse/Bahngasse wurde ein massives, einstöcki­ ges Herrschaftshaus, das so genannte Billieter Herrschaftliche Kastell, erbaut, weil nach Billiet der Sitz der Güterverwaltung verlegt wurde und hier der Betraute und Bevollmächtigte des Agramer Bischofs, der herrschaftliche Güterverwalter, residierte und von hier aus die Banater Besitztümer verwaltete. Auf dem-

selben Grundstück wurde ebenfalls ein sehr massives einstöckiges Arresthaus erbaut, in dessen Keller sich Gefängniszellen befanden, in deren Wänden Eisenringe zum Anbinden der Häftlinge eingemauert waren. Laut Überlieferungen befand sich in diesem Arresthaus auch eine Folterkammer. Das Haus wurde vor einigen Jahren abgerissen. Bevor ich aber mit dem angekündigten Bericht beginne, muss ich noch etwas im Zusammenhang mit dem Namen Gilde klären. In Großjetscha hat sich ein Einwanderer namens Niclas (Nikolaus) Gilde, geb. 1741, mit seiner Ehefrau Eva Gretl, geb. 1734, aus Luxemburg stammend, angesiedelt. Am 08. Juli 1767 wurden sie in Wien registriert.


46 Diese Familie hatte 15 Kinder. Der sechste Sohn, namens Josephus (Josef) Gilde, geb. 24.10.1775, hatte mit seiner Ehefrau Katharina Trandl, geb. 07. 06. 1777, 9 Kinder. Der als Sechster geborene Jakobus (Jakob) Gilde, geb. 30. 12. 1804, heiratete nach Billed eine Elisabeth Jung, geb. 1808, die mit 25 Jahren gestorben ist und mit Jakob Gilde 4 Kinder hatte. Dieser heiratete ein zweites Mal in Billed eine Elisabeth Fischer, geb. 07. 03. 1813. Mit dieser Frau hatte er noch 13 Kinder und mit den 4 Kindern aus erster Ehe hatten sie insgesamt 17 Kinder. Von diesen erreichten aber nur 6 das Heiratsalter. Jakob Gilde verstarb mit 67 Jahren am 24. 02. 1871 in Billed. Dieser Jakob Gilde fuhr mit einem leichten Wagen, einem so genanten Sandläufer, mit zwei guten Pferden und mit seinem ältesten Sohn, der auch Jakob hieß, geb. 24. 02.1830, zu seinen Eltern nach Großjetscha. Im September war in Billiet Jahrmarkt. Hier kaufte er für seine Eltern 3 Ferkel und weil es ein heißer Tag war, fuhr er mit seinem Sohn und den Ferkeln erst am späten Nachmittag, nachdem es kühler geworden war, nach Großjetscha und beabsichtigte, noch am selben Abend nach Hause nach Billed zurückzukehren. Als er aus der Zwetgass (Zweite Gasse, Hauptgasse) in die Zwerchgass (heutige Bahngasse) gegen Großjetscha zu einbog, fuhr vor ihm eine schwere Herrschaftskutsche. Jakob fuhr ihr bis an das Dorfende hinterher, weil es bei Strafe verboten war, die Herrschaftskutsche zu überholen. Da es aber nicht die Kutsche der Billeder Herrschaft war, fuhr er an ihr vorbei und wirbelte zu deren Ärger viel Staub auf. Daraufhin verfolgte ihn die Kutsche. Noch auf der Billeder Gemarkung bog er von der Straße in sein Maisfeld ab, um nach dem Reifegrad der Maiskolben zu sehen. Das war aber ein Fehler, denn von der nachfolgenden Kutsche sah man, dass er dort stehen blieb, und es kam, wie es kommen musste. Man

Rückblick überwältigte ihn, schlug und band ihn hinten auf die Heuablage der Kutsche. Es war die Herrschaftskutsche des Verwalters des Grafen Csekonics aus Hatzfeld. Nun wendeten beide Fuhrwerke, der 8-jährige Sohn Jakob musste mit ihrem Wagen der Kutsche folgen, denn der Gutsverwalter wollte seinen Vater zur Strafe im Billeder Arresthaus abliefern. Jakob hatte ein Taschenmesser, mit welchem er in einem günstigen Moment seinen Vater von der Kutsche losschneiden konnte. Vater Jakob stieg auf seinen Wagen und sein Sohn legte sich hinten zu den Ferkeln. Im Galopp ging es wieder an der Kutsche vorbei und Vater Jakob schlug zwei Mal mit seiner Peitsche über die Gesichter der Insassen. Dann fuhr er in den Gewanneweg der Kleinjetschaer Straße zu, aber über ein Brachland wieder in Richtung Großjetscha. Nach dem Schreck auf der Herrschaftskutsche verfolgte man ihn. Doch der Abstand vergrößerte sich und so konnte er unbemerkt Großjetscha Richtung Csadat (ab 1922 Lenauheim) umfahren und weil es schon Abend wurde und er jeden Ort mied, fuhr er unbemerkt nach Billed zurück. Noch tagelang suchte man den Rebell in Großjetscha, weil man ihn dort zuhause wähnte. Gefunden hat man ihn aber nicht. Das elfte Kind der Familie Jakob Gilde war Friedrich Gilde, geb. 15.08.1847, und dessen Sohn, ebenfalls Friedrich getauft, der am 30.08.1876 geboren wurde und am 24.11.1962 gestorben ist, erzählte die vorher geschilderte Begebenheit oft und gerne seinen Enkeln und uns Nachbarkindern. Der Name Gilde ist eigentlich nicht nur in Großjetscha und Billed sehr verbreitet, sondern durch die vielen Jungen als Namensträger im nächsten Umkreis in fast jedem Ort. Die geschichtlichen Daten stammen von Wilhelm Weber und die Familiendaten sind den von Hans Wikete erstellten Sippenbüchern von Großjetscha und Billed entnommen.


Rückblick

Die Geschwister Katharina, Margarethe und Susanna Kirsch in Sonntagsracht 1916

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Das Brautpaar Nikolaus Braun und Elisabeth Gängler 1929. Einsender: Reinmund Witt

Beim „Tuwak-Kutsche-Mache“ in der Kollektiv. Einsender: Reinmund Witt


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90 Jahre seit Trianon

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0 Jahre seit Trianon bedeuten, dass unsere ehemalige Heimat – das Banat – schon 90 Jahre dreigeteilt ist und dessen östlicher Teil mit der Stadt Temeswar seitdem zu Rumänien gehört.

Auf dem Temeswar-Josefstädter Bahnhof erwartet ein Empfangskomitee mit Präfekt Dr. Aurel Cosma die mit der Eisenbahn kommende Truppe.

Die mit der Eisenbahn angekommenen Soldaten werden vom Präfekt Dr. Aurel Cosma begrüßt. An der Spitze der Truppe Oberst Virgil Economu

Rückblick Wilhelm Weber

In meinem Beitrag „Wenn Grenzen sich verschieben“ in unserem Heimatblatt 2008 beschrieb ich die Umstände, die dazu führten, dass man auf der Pariser Friedenskonferenz nach dem Ende des 1. Weltkrieges den Kompromissvorschlag vom 13. März 1919 der französischen Delegation annahm, der eine Drei-Teilung des Banats vorsah und Rumänien 70% der Gesamtfläche, nämlich 18.715 km2 zusprach. Jugoslawien, das damals Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen hieß, sollte 26% bekommen und Ungarn durfte nur 4% der Gesamtfläche des Banats behalten. Infolge des Vertrages von Trianon vom 4. Juni 1920 wurden die endgültigen Grenzen gezogen, die 1923 zwischen Rumänien und Jugoslawien noch etwas verändert wurden. Doch noch bevor die Pariser Friedenskonferenz ihre Tätigkeit am 18. Januar 1919 begann, rückten die Serben schon am 20. November 1918 ins Banat ein und besetzten Temeswar. Diese Eigenmächtigkeit wurde von den Entente-Mächten verurteilt und deshalb entsandten sie ins Banat am 3. Dezember 1918 eine aus französischen Kolonialtruppen bestehende Besatzungsarmee, um die Ordnung aufrecht zu erhalten und die unberechtigt eingedrungenen Serben zu überwachen. Nachdem aber Rumänien dieser östliche Teil des Banats zugesprochen worden war, mussten es die Serben räumen, und ihre letzten Truppen verließen am 27. Juli 1919 Temeswar. Daraufhin konnte schon am 28. Juli 1919 die rumänische Verwaltung einsetzen, nachdem der Rumänische Regierungsrat ( Consiliu Dirigent) in Hermannstadt den Rechtsanwalt Dr. Aurel Cosma zum ersten rumänischen Präfekten des Temesch-Torontaler Komitats und Temeswars ernannte. Unseren Nachkommen, die vielleicht noch


Rückblick

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Beim Marsch durch die Stadt Richtung Domplatz Triumphbogen auf der Rekascher Straße, aufgestellt zum Empfang der rumänischen Truppen. Im Vordergrund das Empfangskomitee auf den Wagen, dahinter die Truppe, am Straßenrand Spalier von Temeswarer Bürgern


Rückblick

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Anlässlich der offiziellen Begrüßung auf dem Domplatz ein Interesse an Banater geschichtlichen Ereignissen haben werden, und den heute daran Interessierten möchte ich nachfolgend beschreiben, wie die rumänische Verwaltung eingesetzt hat und wie rumänische Truppen in Temeswar eingerückt sind und von den Vertretern der Bürger begrüßt wurden. Nachdem der Präfekt eingesetzt war, kamen am 1. August 1919 die ersten rumänischen Gendarmen in Temeswar an; der feierliche Einmarsch der Truppe erfolgte am 3. August 1919 durch Einheiten der rumänischen Armee, die unter dem Kommando von Oberst Virgil Economu standen. Empfangen wurden sie vom Präfekten Dr. Aurel Cosma und einer großen Zahl von Bürgern der Stadt am Mauthaus in der Rekascher Straße. Die Truppe – sogenannte Dorobanzen – marschierten durch die damalige Rekascher Straße, die später „Calea Dorobantilor“ benannt wurde, der Innenstadt zu, um auf dem Domplatz feierlich begrüßt zu werden. Beim Einzug auf dem Domplatz defilierten 2 Ba-

taillone des 2. Romanesti-Regiments und 2 Kompanien des Maschinengewehr- und Artillerie-Regiments. Der offizielle Empfang erfolgte durch den othodoxen Erzpriester Ioan Oprea, den Temeswarer Bürgermeister Josef Geml, der die rumänischen Truppen im Namen aller Bürger der Stadt – ohne Unterschied der Nationalität – willkommen hieß. Seitens der Banater Schwaben wurden sie von Oberst a. D. Karl von Möller, seitens der Ungarn von Journalist Albert Marton und seitens der Serben vom Erzpriester Novacovici begrüßt. Oberst Virgil Economu bedankte sich für den freundlichen Empfang und die Begrüßung. All diesen Zeremonien und dem Einzug der Armee gingen Vorgespräche und besondere Vorbereitungen voraus. Schon am 1. Mai 1919 besuchte eine Delegation von Journalisten der Entente-Mächte Temeswar, um Meinungen und Unzufriedenheiten der Bevölkerung festzustellen. Der französische General Berthelot besuchte Temeswar am 9. Mai 1919 und inspizierte die französischen


Rückblick Besatzungstruppen. Am 18. Juli 1919 erschien in Temeswar eine Delegation seitens des Consiliu Dirigent, um mit dem französischen General De Tournadre und mit serbischen Militärbehörden über ihren Abzug aus dem Banat zu verhandeln. Am 19. Juli kam eine technische Delegation, um die Demarkationslinie zu bestimmen, hinter die sich die Serben zurückzuziehen hatten, um später die Grenzen ziehen zu können, die in Trianon bestimmt wurden. An diesen Gesprächen beteiligten sich der Oberst Virgil Economu, der General De Tournadre und der serbische Oberst Velcivics.

51 Auch die französischen Besatzungstruppen zogen sich etappenweise zurück, so dass ab dem 31. Juli 1919 das östliche, den Rumänen zugesprochene Banat frei war, um den rumänischen Truppen den Einmarsch zu ermöglichen. Die Militärverwaltung übernahm die II. Armeedivision Oltenia, die unter dem Kommando des Generals Iancu Jitianu stand. Die Bilder, reproduziert aus einer rumänischen Zeitung, veranschaulichen den Einmarsch und den Empfang der rumänischen Truppen in Temeswar und deren offizielle Begrüßung auf dem Domplatz.

65 Jahre sind vergangen...

Margarethe Weber (Divo)

65 Jahre sind vergangen, seit unser Leid hat angefangen; 65 Jahre sind verronnen, seit unser schweres Schicksal hat begonnen.

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ine der traurigsten und leidvollsten Begebenheiten unserer Banater Geschichte jährt sich heuer zum 65. Mal: die Deportation zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion. Nachdem am 23. August 1944 Rumänien die Fronten gewechselt und einige Tage danach seinem ehemaligen Waffengefährten Deutschland den Krieg erklärt hatte, eröffnete sich der Sowjetunion die Möglichkeit, Rumänien in kurzer Zeit zu besetzen. Demzufolge sind die Rumäniendeutschen die Ersten von allen Deutschen gewesen, die den Rachegelüsten der Eroberer und deren rumänischen Helfern ausgeliefert waren, ohne in Betracht zu ziehen, dass wir Volksdeutsche in Rumänien loyale Staatsbürger waren und

unseren Verpflichtungen dem Staat gegenüber immer pünktlich nachgekommen sind. Viele deutsche Intellektuelle wurden in das KZ Targu-Jiu verbracht. Es begannen auch andere Repressalien; Plünderungen und Raubüberfälle waren auf der Tagesordnung. Wir Deutsche waren rechtlos und dem Pöbel ausgeliefert. Neues Unheil kündigte sich an, als bekannt wurde, dass die rumänischen Behörden Namenslisten aller arbeitsfähigen Deutschen bestimmter Jahrgänge anlegen. Es wurde Realität, als im Dezember 1944 und Anfang Januar 1945 Güterzüge mit Volksdeutschen aus Jugoslawien durch Rumänien Richtung Sowjet-Russland fuhren.


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Rückblick

Fünf Billederinnen aus dem Zwangsarbeitslager Nr. 1050 in Enakiewo am 10. Mai 1946. Stehend v. l.: Barbara Haberehren, Maria Backhaus, Susanne Weber; sitzend: Anna und Margarethe Divo Mitte Januar 1945 betraf auch uns dieses Schicksal. Wie es dabei ablief, wie wir den Russen ausgeliefert wurden, ist schon mehrmals auch in unserem Heimatblatt beschrieben worden. Deshalb möchte ich mich mehr anderen Aspekten zuwenden. Nicht zufällig heißt es: „Die Zeit, sie läuft so schnell voran, sie selbst findet den Weg nicht mehr zurück, aber uns ist ein großes Geschenk gegeben: die Erinnerung.“ Man erinnert sich gern an gute, an schöne Zeiten, an Schulund Jugendzeit, an unser Gemeinschaftsleben in Billed, an fröhliche Feste, an unsere Ankunft und unser Neubeginn hier im Lande unserer Ahnen. Sehr oft aber denken und erzählen wir auch über unsere traurige, schwere, sorgenvolle Zeit, an die wir uns mit unsagbarem Schmerz erinnern. Man hat uns tiefe Herzwunden ge-

rissen, die uns, die wir unter Zwang ins fremde, kalte Land verbracht wurden, die zurückgebliebenen Kinder und die alten Leute zur völligen Verzweiflung brachten. In diesem Jahr sind es 65 Jahre, seit es uns so ergangen ist, eine sehr lange Zeit, doch vergessen können wir diese schwere Zeit nie. Kleinkinder wurden von der Mutter, Mädchen und Jungen im zarten Alter - oft auch mit Gewaltandrohung – von ihren Eltern getrennt und zusammen mit Älteren und Todkranken in Viehwaggons gepfercht und unter unmenschlichen Verhältnissen und gänzlich fehlenden hygienischen Bedingungen in das weite, kalte, verarmte Russland deportiert. Trotz der Bemühungen von den damaligen siebenbürgischen und Banater deutschen Abgeordneten im Rumänischen Parla-


Rückblick ment, wie Dr. Hans Otto Roth und Dr. Franz Kräuter, beim Ministerpräsidenten General Nicolae Radescu zu intervenieren, um uns dieses Schicksal zu ersparen, blieben diese Interventionen erfolglos, weil mit den Russen nicht zu spaßen war, die auf Arbeitskräfte zum Wiederaufbau bestanden. Rumänischerseits wurde behauptet, dass ausdrücklich Deutsche aus Rumänien verlangt wurden. Ganz aufgeklärt ist diese Aussage zwar nicht, doch lieferte Rumänien - mit ganz wenigen Ausnahmen – alle deutschen Jungen und Männer zwischen 16 (Jg. 1928) und 45 Jahren (Jg.1899) und alle Mädchen und Frauen zwischen 17 (Jg. 1927) und 32 (Jg. 1914) den Russen aus. Altersmäßige Übergriffe waren nicht selten. Was wir - ohne jegliche Schuld – in dieser Zeit an Kälte, körperlicher und seeli­ scher Not, Hunger und Krankheiten, Entbehrungen, Erniedrigungen und Misshandlungen ertragen, erleiden und mitmachen muss­ten, lässt sich mit Worten nicht beschreiben. Man muss nur genau hinhören, wenn einer von den Russlanddeportierten über seine Erlebnisse ausführlich erzählt, um sich halbwegs ein Bild vom Leben in der Zwangsarbeit zu machen. Durch die gewollten Missstände wurden die Toten immer mehr und die noch am Leben Gebliebenen immer weniger. Ein Mensch, der das nicht miterlebt hat und sogar wir, die wir 5 Jahre diese körperlichen und seelischen Leiden überstanden haben, können uns solche Missstände heute nicht mehr vorstellen. Umso mehr wollen wir 65 Jahre nach der Deportation an unsere Sterbenden denken, die dort kläglich und ganz einsam gelitten haben und an alle Verstorbenen, die ohne Priester, ja sogar ohne einen Angehörigen in der kalten russischen Erde unbarmherzig verscharrt wurden, denken und für sie beten. Kein Grabstein trägt ihren Namen. Sie sind vergessen oder leben nur noch in der Erinnerung ihrer Angehörigen und überleben-

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Am Morgen nach der Nachtschicht, im Hintergrund der Eingang zur Kohlengrube. Repro. aus O.K. Farca: Allein die Hoffnung hielt uns am Leben. den Leidensgenossen. Sie waren nicht registriert – wie die Soldaten – und trugen keine Erkennungsmarken, sie waren namenlose Arbeitstiere. Da uns die Namensliste der Billeder Lagerinsassen aus unserem Lager 1050 in Enakiewo von unserem Lagerarzt Dr. Hans Neumann mit seiner Handschrift erhalten blieb, möchte ich diese im Original im heurigen Heimatblatt veröffentlichen, um an jeden Einzelnen unserer notleidenden Landsleute zu erinnern. Dieses Lager hieß auch 14er Lager.


54 Die von Dr. Hans Neumann erstellte Liste der Billeder M채dchen und Frauen:

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56 Die 556 aus Billed zur Zwangsarbeit Deportierten wurden auf 5 verschiedene Lager verteilt, davon 172 Mädchen und Frauen und 33 Jungen und Männer in das in Enakiewo, im Donbas. Irrtümlicherweise sind auf der Namensliste 175 Frauen eingetragen, jedoch

Rückblick waren Wendling Margarethe (1924) und Müller Eva (1925) nicht aus Billed, sondern aus Bentschek und Thöress Margarethe (1921) ist auf der Namensliste zweimal eingetragen. Quinkert Josef (Kolonne rechts) gehört zu den 33 im Lager befindlichen Männern.

Die vom Lagerarzt Dr. Hans Neumann erstellte Namensliste der Billeder Jungen und Männer aus dem Lager 1050 in Enakiewo; die Namensliste derjenigen, die 1946 aus dem 4er Lager ins 14er Lager versetzt wurden:


Rückblick

Rückblick in das düstere Damals Der Heilige Abend 1945

A

nfang Oktober 1944 rollte die russische Walze über uns, sengend, brennend, das halbe Dorf stand in Flammen. Wir verloren alles, was unser Eigen war, uns blieb allein unser Leben, doch auch dieses sollte bald auf des Messers Schneide stehen. Etwa einen Monat danach ließ die rumänische Regierung nur unter uns Deutschen eine Volkszählung durchführen, denn es war fast die Hälfte von uns 3.000 deutschen Seelen aus Tschanad geflüchtet. Wir ahnten nichts Gutes. Am 14. Januar 1945 ging es los: Sie „rafften“ uns zusammen, wo sie uns fanden, Frau­ en von 18 bis 31 Jahren, Männer von 17 bis 45. Ich konnte mich einige Tage verstecken, aber dann nahmen sie die Eltern als Geiseln und drohten, diese fortzuschleppen, falls wir uns nicht meldeten. Auch meine Eltern hatten sie genommen. Da nahm ich meine zwei Kinder an die Hand und ging mich melden. Noch jetzt, nach mehr als 50 Jahren, drückt es mich am Herzen, wenn ich an die Abschiedsstunde von damals denke. Die Großeltern konnten mit den Kindern gehen und ich kam gleich unter Bewachung. Wie Sträflinge wurden wir fortgeführt und über die ganze Zeit wie solche behandelt. Sie fuhren uns in den Don-Bogen (Donbas), ins Kohlengebiet. Ich möchte nur vom Heiligen Abend 1945 berichten, denn er ist mir noch so lebhaft in Erinnerung, als wäre es gestern gewesen. Beim Kohlentransport waren wir 54 Frau­ en in drei Schichten, je 18 in jeder. Im Herbst 1945 machten unsere Oberen kurzerhand aus diesen drei Schichten zu je acht Arbeitsstunden zwei zu je zwölf Arbeitsstunden, am Tag oder nachts. Wir empfanden es als unmöglich, doch man pochte auf die Erfüllung der Norm, nämlich 2 Tonnen pro Kopf. Und die Kohle lag immer weiter von den Waggons,

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Margarethe Wagner

so hatten wir unsere Last immer weiter zu tragen, 12 Stunden am Tag. Jedoch die Bezahlung nahm immer mehr ab, blieb schließlich gänzlich aus. Bis die Rechnung für den Fraß aus der Küche beglichen war, blieben uns nur noch Schulden. Im Dezember hatten wir Tagesschicht, arbeiteten am Heiligen Abend von 7 Uhr. Als wir um 7 Uhr abends abgelöst wurden, war es schon dunkel, zum Lager mussten wir noch 3 km zu Fuß gehen, zum Glück war kein Schneesturm! Gesprochen wurde unterwegs nicht viel, da jede mit ihren Gedanken daheim war. Meine waren bei meinen Kindern, welche bei den alten Eltern geblieben waren. Wenn ich nur einen Blick auf sie hätte werfen können, wäre mir ums Herz leichter gewesen. Die Mädchen dachten bestimmt besonders an ihre einsame Mutter, denn auch die meisten Väter waren verschleppt. Wir kamen etwa um 20 Uhr im Lager an, das aus 3 Gebäuden bestand, umgeben von doppeltem Drahtzaun. Im ersten Gebäude war unten neben der Küche der Essraum. Darin war schon die Weihnachtsfeier in vollem Gange. So schwarz wie wir von der Kohle waren, schlichen wir uns durch eine Seitentür hinein. Auch ohne Weihnachtsbaum und ohne Bescherung war es sehr feierlich. Nur die Gesichter waren nicht strahlend froh, sondern schwarz, ernst, traurig. Wir in unserer Kohlenuniform hielten uns im Hintergrund, während Helene Feiler, Lehrerin von Beruf, aus Billed stammend, eine feierliche Ansprache hielt. Auch heute, nach so vielen Jahren, kann ich mich noch an einiges erinnern.Unter anderem sagte sie: „Wir alle gehen einen weiten, beschwerlichen Weg, der immer schwerer und steiler werden wird. Viele werden am Wege liegen bleiben, des


Rückblick

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Banater Frauen in Russland. Einsender: Helene Neumayer, geb. Feiler Wanderns müde. Wir aber gehen weiter und – so Gott will – bis wir endlich wieder bei unseren Lieben daheim sind.“ Den tieferen Sinn ihrer Rede konnten wir erst später erkennen, nachdem wir schon viele am Weg liegen gelassen hatten. Je steiler der Weg wurde, desto mehr blieben liegen...Er wurde unheimlich schwer, so dass wir, die wir noch „wanderten“, fast alle die Hoffnung verloren, jemals unser Endziel, die Heimat, zu erreichen. Nach der Feier gingen wir ins Bad uns waschen, holten unsere Krautsuppe und legten uns hundemüde nieder, 20 Frauen in einem Raum von etwa 24 Quadratmetern.

Der Reihe nach gingen je zwei Frauen unser Brot holen, das immer nur nachts im Lager ankam. Es hieß stets: „Nur keinen wecken!“, doch wenn die zwei ins Zimmer kamen, waren wir immer schon alle wach. Verteilt, aßen viele ihr Brot gleich auf, die meisten ließen noch ein Stück übrig, sparten für den nächsten langen, arbeitsschweren Tag. Auch am 1. Weihnachtstag 1945 bekamen wir um 6 Uhr unser Frühstück, wie immer einige saure, grüne Tomaten in viel Wasser gekocht...Eine halbe Stunde später waren wir wieder auf dem Weg zur Zwölf-StundenSchicht: „Dawai, dawai!“ (Los, los!)


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Kindergarten 1933, später Russlanddeportierte. Kindergärtnerin Juliane Hager. Stehend: Mädi Braun 299, Agnes Laub 535, Maria Klein 337, Margarethe Seibert 309, Maria Slavik 124, Barbara Hehn 472, Elisabeth Michels 252, Elisabeth Muttar 381, Margarethe Kasper 321, Maria Gilde 412, Angela Scholz 543, Katharin Kasper 26 , Leni Seibert 309. Sitzend: Nikolaus Thöres 352, Adi Klein 337, Adam Rothgärber 542, Hans Hager 238, Julius Hager 238, Willi Frick 360, Hans Braun 299, Hans Welter 397, Jani Gehl 116. Einsender: Elisabeth Thöresz (Karlsruhe) Billeder in Jenakijewo 1948. v.l.n.r. oben: Elisabeth Mann, Elisabeth Mann, Jakob Mann, Elisabeth Bettendorf, Elisabeth Gängler. Sitzend: Elisabeth Braun, Mathias Kasper, Wilma Wikete (geb.) Schubert, Mathias Just, Magdalena Gängler. Einsender: Elisabeth Plennert, Singen.


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Winterhilfswerk 1943. Obere Reihe: Hans Geisz, Georg Lauer, Hans Frank, Adam Hammer. Mittlere Reihe: Anni Uitz, Kati Klein, Elisabeth Schuch. Untere Reihe: Nikolaus Filippi, Anna Frauenhoffer, Margaretha Decker, ?, Elisabetha Koch, Lorenz Koch, Elisabeth Hahn, Katharina Wikete, Anna Schostal, Maria Krier. Einsender: Susanna Ballmann (Traunreut) Foto unten, stehend: Anna Frauenhoffer, Johann Keller, Hans Geisz, Josef Engrich, Johann Slavik, Johann Eichert, Nikolaus Zillich. Sitzend: Elisabeth Schuch, Johann Frank, Anni Uitz, Adam Hammer, Johann Klein. Hinten rechts stehend: Johann Ballmann. Einsender: Familie Keller (533), USA


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Ihr seid nicht vergessen, im Herzen lebt ihr weiter...

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Katharina Keller (Lichtfusz)

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ie schnell doch die Zeit vergeht! Auch ich bin nun schon 24 Jahre Oma. 1945 wurden Mutter und Vater nach Russland zwangsverschleppt und meine MannOma nahm mich bei der Hand und sagte: „Jetzt kommst du zu uns, bis deine Eltern wiederkommen.“ Für das kleine Mädchen mit den blonden Zöpfen war es ein schwerer Abschied, es wurde vom Schicksal hart geprüft, denn man wusste ja lange Zeit nicht, wohin die Deportierten gebracht wur­den, niemand wuss­te es! Mutter kam krank zurück, doch Vater starb dort, in Russland. Im Dorf versuchte man, wie gewöhnlich weiterzuleben, kam im Winter mit den Nachbarn zusammen: Die Frauen strickten, die Männer spielten Karten. Eines Abends erzählte meine Oma, sie habe von meinem Vater geträumt und hörte ihn rufen: „Mutter, Mutter...“ Nach einiger Zeit erhielten wir Nach­ richt, dass mein Vater verstorben ist und Oma behauptete, dass er in dieser Nacht gestorben ist. Doch Gott allein wird es wissen.

Ota und Oma haben mich in dieser schweren Zeit großgezogen, viel für mich geopfert, wofür ich ihnen tausendmal danke: Ihr seid nicht vergessen, im Herzen lebt ihr weiter... Mann Katharina, geb. Maurer, 1895-1981


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Inna Wassiljewa-Kasanova auf der Suche nach der Grabstätte ihres Großvaters in Billed

Peter Krier

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s war ein langer Weg und ein umfangreicher Schriftverkehr, den Inna Kasanova zu bewältigen hatte, bis sie erfuhr, dass ihr Großvater Danil Kasanov am 23. September 1944 bei den Kämpfen um Billed gefallen ist und dort beerdigt wurde. Sie wusste zunächst sehr wenig über ihren im Krieg gebliebenen Großvater, den sie selbst nicht gekannt hat und von dem auch ihr Vater, der ihn im Alter von 7 Jahren das letzte Mal gesehen hatte, nur eine vage Vorstellung hatte. Sie sammelte jedoch alle möglichen Informatio­ nen über ihn suchte, wo er geblieben war. „Er war immer bei uns, gehörte und gehört zu unserer Familie, wir haben ihn nie vergessen“, schreibt Inna. Ähnliches liest man häufig in der Zeitschrift des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, dass Hinterbliebene oder Nachkommen jahrelang die letzte Ruhestätte ihres Angehörigen suchen. Aus dem russischen Militärarchiv hatte sie erfahren, dass ihr Großvater dem 1243. Infanterie-Regiment in der 375. Division der Roten Armee angehörte und konnte seinen Weg im Krieg, beginnend vom Einzug zur Armee im Juni 1941 über viele schwere Kampfeinsätze durch halb Europa, bis zu seinem Tod beim Kampf um Billed nachvollziehen. Danil Kasanov wurde als einfacher Soldat eingezogen, nach drei Jahren Kriegseinsatz kommandierte er als Oberleutnant einen Zug beim Angriff auf Billed, wo er fiel. Im Januar 1944 wurde er verwundet und konnte nach seiner Genesung noch einmal kurz seine Familie besuchen; als er wegzog, war es ein Abschied für immer von seiner jungen Familie. Danils Leben bis dahin war nicht leicht. Als 15-Jähriger war er als Vollwaise ganz allein geblieben. Seine Eltern, Geschwister

und Angehörigen waren alle bei der großen Hungersnot Ende der zwanziger Jahre umgekommen. Er kämpfte sich durch, wurde Bankkaufmann in Krementschug am ­Dnepr, wo er später seine Frau Matrjona kennenlernte und heiratete. Auch sie hatte ihre Eltern und ihren Bruder verloren, war mit 15 Jahren ebenfalls alleine geblieben. Zunächst lebte die junge Familie glücklich zusammen, 1937 und 1939 wurden die beiden Söhne Leonid und Anatolij geboren. Inna meint, das einzige erhaltene Foto der Familie strömt Glück und Wohlergehen aus. Doch es kam der Krieg, Danil verlor sein Leben, die junge Familie den Vater und Ehemann. Krementschug wurde im September 1941 von den Deutschen besetzt, Matrjona musste ihre Wohnung verlassen und zog mit ihren beiden Kindern aufs Land, in ein kleines Dorf zu weitläufigen Verwandten. Auf dem langen mühsamen Fußmarsch dorthin stand sie plötzlich vor einer zerstörten Brücke, über die nur ein ganz schmaler ungesicherter Steg führte. Unentschlossen und voller Angst stand sie da, auf dem Rücken hatte sie ein Bündel mit dem Allernotwendigsten, an beiden Händen führte sie je eines ihrer Kinder. Die Buben weinten, sie konnte keinen alleine lassen, aber auch nicht mit beiden gleichzeitig über den Steg gehen. Plötzlich kam ein deutscher Soldat auf sie zu, packte den einen Jungen am Kragen und ging auf die Brücke zu. Die Mutter erschrak und zitterte, sie bangte, ob der Soldat das Kind in den Fluss schmeißt oder hinüber trägt? Der Soldat trug das Kind sicher über den Steg. Auf der anderen Seite des Flusses sagte er der Mutter, dass er auch zwei kleine Kinder zu Hause in Deutschland habe. Eine menschliche Begebenheit in einem brutalen Krieg.


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Familie Kasanov 1941. Kasanov Danil (1913– 1944), Kasanov Leonid (1937-1978), Kasanov Anatolij (1939-2006) Kasanova Matrjona (1915-1977)

Der Sowjetstern auf dem Obelisk der großen Grabanlage in Perjamosch wurde durch ein Kreuz ersetzt

Dann brachte der Kolchosvorsitzende die schreckliche Nachricht vom Tode des Vaters. Über das Kriegsende hat sich die Familie gefreut, doch es kamen noch schwere Zeiten. Beim Rückzug der Deutschen Armee wurden die Häuser ihres Dorfes verbrannt, die Familie lebte in den folgenden Jahren in Not in einer Erdhütte, sie konnte erst 1951 wieder in ein Haus ziehen und allmählich notfrei leben. Inna ist die Tochter des ältesten Sohnes von Danil Kasanov. Sie hatte das große Verlangen, die letzte Ruhestätte ihres Großvaters zu suchen, die Spur führte nach Billed. Über eine Freundin in Österreich fand sie im Internet die Billeder Heimatgemeinschaft. Es folgten ein Emailwechsel mit Hans Rothgerber und Kontakte zur Familie Csonti. Ende März 2010 war Inna Kasanova dann mit ihren Freunden aus Österreich in Billed. Sie konnte dort die Stelle am Sauländerfriedhof sehen, wo in einem Massengrab eine große Zahl Sowjetsoldaten beigesetzt waren, neben dem sich auch ein kleineres Grab für 10 Offiziere befand. Einer unter diesen war Danil Kasanov. Die in Billed beigesetzten sowjetischen Soldaten wurden nach Angaben des Militärarchivs im April 1945, wahrscheinlicher jedoch erst 1946, exhumiert und auf einer zentralen Gedenkstätte in Perjamosch beerdigt. Inna konnte diese Gedenkstätte­

besuchen, Blumen ablegen und sich dort im Gedächtnis an ihren Großvater vor seinem Grab verneigen. Sie schreibt darüber: „Ich hatte ein besonderes Gefühl der Ruhe und Zufriedenheit, ich glaubte, eine mir auferlegte Pflicht erfüllt zu haben, als ich neben dem Soldatengrab stand, wo der Staub meines Großvaters ruht, auch im Bewusstsein, dass sein Leben sich in unserem Leben fortsetzt.“ Inna schreibt uns weiter, dass sie der Billeder Heimatgemeinschaft und der Familie Csonti sehr dankbar ist für die erfahrene Hilfe, für das entgegenkommende Verständnis und die erwiesene Anteilnahme. Wir denken dabei auch an die Unseren, die am Dnepr, an der Wolga, am Bug oder sonstwo in einem Massengrab liegen. Seit dem Kriegsende sind nun 65 Jahre vergangen. Der rote Sowjetstern auf dem Obelisk der großen Grabanlage in Perjamosch wurde durch ein Kreuz ersetzt. Hunderttausende deutsche Soldatengräber in der Ukrai­ ne und in Russland sind ebenfalls durch ein Kreuz gekennzeichnet, dem Zeichen des Frie­dens. Von Albert Schweizer stammt der Satz: „Kriegsgräber sind die größten Mahner zum Frieden“. So wollen wir auch die Begegnung mit der Familie Kasanov verstehen, als Zeichen des Friedens und der Versöhnung.


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Und er „lockte“ sie nach Lippa...

Rückblick

50 Jahre und noch mehr Billed - Lippa Elisabeth Martini in Zusammenarbeit mit Johann Gehl, Georg Schmidt, Marlies Holzinger

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in bisschen erinnert das Ganze an das Märchen vom „Rattenfänger von Hameln“, doch ging es in unserem Fall überhaupt nicht um Ratten, die es sicherlich damals in Billed auch gab, sondern um Kinder, die von hier nach Lippa „gelockt“ wurden, wo sie die Mittelschule an der 1953/54 ins Leben gerufenen deutschen Abteilung besuchen konnten, dabei war dieses damalige Rayonsstädtchen nicht eben um die Ecke, verkehrstechnisch äußerst schwierig zu bewältigen. Wer „lockte“ die Kinder oder überzeugte die Billeder Eltern, ihre Kinder statt nach Temeswar nach Lippa zu schicken, sie seltener zu sehen und mehr Geld zu „verfahren“? Ein Billeder natürlich, Johann Gehl – Gehl Jani genannt. Als Absolvent der Temeswarer Banatia besuchte er 3 Jahre – bis zu ihrer Schließung 1944 – die deutsche Lehrerpräparandie, bis er 1945 zur Zwangsarbeit in die damalige Sowjetunion musste. Bodenreform und Enteignung führten zum Verlust der gewohnten Existenzgrundlage aller Deutschen in Rumänien, so auch der Familie Gehl. Aus der Sowjetunion zurückgekehrt, wird J. Gehl Hilfslehrer und Erzieher und schließt 1952 seine Lehrerausbildung mit Diplom ab. Danach wird er Direktor der deutschen Allgemeinschule mit Schülerheim in Blumenthal (Kreis Lippa) wie auch dortiger Kul­­tur­heimleiter. Durch die Schulreform von 1948 wurde die 7-jährige Elementarschule allgemein verpflichtende Schulform, woraus sich auch die Notwendigkeit deutscher Mittelschulen ergab, zuerst in Temeswar, später auch in Hatzfeld, Großsanktnikolaus, Lugosch, Reschitz, Neuarad und Lippa. Vorübergehend gab es auch Abteilungen von Fachmit-

telschulen und Berufsschulen mit deutscher Unterrichtssprache in Temeswar, Reschitz, Arad, Großsanktnikolaus und Lippa. Charakteristisch für diese Zeit des Umbruchs war der Mangel an qualifizierten Lehr­kräften, demzufolge viele Seiteneinsteiger als Hilfskräfte sowie die Umschulung aller im Sinne der marxistischen Philosophie, doch auch der akute Mangel an Schulbüchern, die existierenden waren meist Übersetzungen aus dem Russischen oder Rumänischen. Und trotzdem wurden die deutschen Schulen, die hart um ihre Existenz kämpfen mussten, bald Mittelpunkt des kulturellen Lebens der Banater, übernahmen viele Funktionen der früher allerorts existierenden Vereine, wirkten im Sinne der nationalen Identitätsbewahrung. Doch das Vertrauen der Deutschen in den Neuanfang wurde durch die Baragan-Verschleppung und die politischen „Säuberungsaktionen“ der 50er Jahre wieder erschüttert, denenzufolge auch deutsche Lehrer verschleppt, verhaftet und verurteilt wurden. 1953/54 sollte im Rayonssitz Lippa eine 10-jährige Mittelschule ins Leben gerufen werden, eine allgemeinbildende Mittelschule mit abschließender Reifeprüfung, Hochschulreife. Auf Betreiben einiger Lehrkräfte wie das des damaligen Direktors der Lippaer deutschen Elementarschule Josef Luckhaup und mit der Unterstützung des seit 1948 im Kreis Arad tätigen Schulinspektors Pankratz Beller wurde außer der rumänischen 8. Klasse hier auch eine deutsche beabsichtigt, zumal es wieder deutsche Absolventen der 7. Klasse in den meisten Banater Orten gab. Und ein beherzter 15-Jähriger hat damals maßgeblich mitgewirkt, dass die erste deutsche Mittel-


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schulklasse in Lippa aus der Taufe gehoben werden konnte. 1938 geboren, hat Georg Schmidt aus Semlak, politisch bedingt, nur die Landwirtschaftliche Mittelschule in Großsanktnikolaus besuchen dürfen, weil ihm die Aufnahmeprüfung am deutschen Lyzeum in Temeswar verwehrt wurde. Doch nach einem Jahr wusste er, dass diese Schule nicht die Voraussetzung für ein beabsichtigtes Studium sein konnte. Als er jedoch vom deutschen Lyzeum in Lippa erfuhr, war es leider für die Aufnahmeprüfung schon zu spät, obwohl es für die Klassengründung noch an Schülern mangelte. Und da hat der 15-jährige

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Georg Schmidt mit Hilfe seiner Deutschlehrerin in kürzester Zeit 10 Semlaker Familien „überzeugt“ und so die erste deutsche Lyzealklasse 1953/54 in Lippa gerettet, eine der besten überhaupt. Sie umfasste 4 Geburtenjahrgänge: 1937, 1938, 1939, 1940 aus 13 Ortschaften um Arad und Temeswar, die anfangs verschiedene Mundarten sprachen, letztlich eine seltsame Mischmundart, gespickt mit rumänischen Ausdrücken und Neuschöpfungen. Übrigens war es damals am Lippaer Lyzeum die einzige Klasse, die Englisch als Fremdsprache hatte, noch mehr wurde Russisch unterrichtet, als die junge Slawistik-Absolventin Eleonora Iliescu


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Im Schulhof in Lippa (nach oder vor der Turnstunde), in der Mitte Elisabeth Frick (Martini) 1954 kam, immer modisch-adrett, nett und beliebt, weniger ihr Fach. In den drei anfänglichen Unterrichtsjahren fanden leider musische Fächer wie Musik, Kunst, Zeichnen oder Philosophie, Latein /Griechisch keinen Platz, sie wurden erst 1955/56 mit der 4. Lyzealklasse eingeführt. Von Blumenthal kam 1955 auch Johann Gehl als stellvertretender Schulleiter an die deutsche Abteilung des Lippaer Lyzeums und Schülerheims, womit die Beziehung zu Billed und seinen 7.Klassen-Absolventen hergestellt wurde. Und J. Gehls Überzeugungskraft brachte in 3 Jahren knapp ein Dutzend derselben zeitweilig oder für die gesamte Schulzeit nach Lippa so: Isolde Glatz, Richard Hehn, Hans Schmidt, Victoria Tamas (Dascau), Georg Kiss, Marliese Braun (Holzinger), Arntrud Schäfer (Hehn), Elisabeth Frick (Martini), Elisabeth Zimmer ( ), Elisabeth Schwendner ( ), Karl Packi, wo J. Gehl sie unter seine Fittiche nahm. Denn

er sah es als Herausforderung und Berufung, je mehr deutschen Kindern zu helfen, eine bessere Lebensexistenz vermittels eines Studiums zu ermöglichen, wozu es der Mittelschule bedurfte, auch der in Lippa. Durch den Verlust ihrer Tochter schwer getroffen, kehrte J. Gehl mit Familie 1958 nach Billed zurück, war bis 1964 Grundschullehrer an der deutschen Abteilung der Billeder Allgemeinschule. Infolge des Umzugs nach Temeswar wirkte er bis 1969 als dienstleitender Bibliothekar an der Zentralbibliothek der UNI Temeswar, wo er uns Billeder Studenten auch manche Hilfe zuteil werden ließ. Nach einem Fernstudium wirkte er als diplomierter Sportlehrer bis zu seiner Ausreise in die BRD (1984), wo er im „Haus der Heimat“ Karlsruhe viele Jahre als Bibliothekar und Mitorganisator vieler Events tätig war und immer noch dazu gehört, was 1996 durch die Verleihung des Ehrenbriefs der Landsmannschaft der Banater Schwaben honoriert wurde.


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Ausflug in Siebenbürgen: sitzend 2.v.l. Elisabeth Frick (Martini) stehend 1.v.l. Arntrud Schäfer (Hehn), in der Mitte Marlies Braun (Holzinger) 1956 verließen die ersten Absolventen, zu denen auch Georg Schmidt gehörte, die 10jährige Mittelschule Lippa, hinterließen ihr Klassenbild gerahmt und an der Korridorwand aufgehängt, vor dem wir, die nachfolgenden Klassen bewundernd standen, nachdem wir die Aufnahmeprüfung bestanden hatten. Schon 1955 war man zum 11-Klassen-System übergegangen, weil aus Zeitmangel viele Bildungsaufgaben nicht erfüllt werden konnten, demzufolge gab es auch 1957 keine Absolventen. Isolde Glatz, Victoria Tamas, Hans Schmidt waren schon in der 9. Klasse, als mein Jahrgang: Marliese Braun, Arntrud Schäfer und ich eigentlich mit „Bravour“ die Aufnahmeprüfung bestanden haben, was Erich Siegmeth, seit 1954 als Mathe- und Physik-Lehrer hier tätig, beim Durchschreiten der Prüfungsreihen etwa so formulierte: Mit diesen Kenntnissen hättet ihr es auch am Temeswarer Lyzeum geschafft, was wieder auf unse-

re gründliche Vorbereitung durch die Billeder Lehrer schließen lässt. Bezüglich der Schulzeit in Lippa, dem Städtchen an der Marosch, hält Georg Schmidt in seinen Aufzeichnungen fest: „Was durften und was mussten wir nicht alles erleben in dieser Zeit“, ein vielsagender Satz, dem auch ich zustimme. Auch wenn manches nicht schön, angenehm oder vorteilhaft war, fühlten sich viele hier wohl und geborgen, manche eingeengt und gegängelt Es war Teil unserer Jugend und hat uns geprägt. Heimweh und Überforderung (geistige und finanzielle) rissen immer größere Lücken, so dass in unserer Klasse von anfänglich 38 Schülern nur 19 die 11. Klasse absolvierten, davon 3 Billederinnen. Den tiefsten und nachhaltigsten Eindruck und Einfluss von allen Lehrern hinterließ Franz Lindner, gebürtiger Lippaer, Grundschullehrer, der sich nach dem Krieg autodidaktisch weitergebildet hat, sein Mathe-Stu-


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Auf dem Schiff nach Sulina – ganz rechts E. Frick und A. Schäfer dium erst beendete, während er schon an der Mittelschule unterrichtete. Georg Schmidt fasst zusammen: „Wer wollte, konnte bei ihm viel lernen, er war ein von der Mathematik Besessener, der sich ständig weiterbildete“, bei uns auch Physik und Astronomie unterrichtete auf eine unnachahmbare, uns allen zugängliche Weise, auch menschlich um unser Wohl und Wehe besorgt. Als Ausflugsbegleiter wunderte er sich, dass ich nicht so recht singen konnte, worauf ich etwas überheblich-schnippig (worüber ich mich auch heute noch schäme), entgegnete, dass man ja wohl nicht alles können musste. Seine Gegenfrage, was ich denn schon könne, ließ mich bis heute sprachlos und vergessen werde ich – und die meisten von uns – ihn nie, auch wenn er leider nicht mehr unter den Lebenden weilt. !974 kehrte er von einem BRD-Besuch nicht mehr nach Lippa zurück, konnte dann noch 12 Jahre am Kerner-Gymnasium in Weinsberg bei Heilbronn unterrichten und verstarb 80-jährig in Heilbronn.

Auch Elisabeth Kyri, zu der er ein enges, spannungsreiches Verhältnis hatte, von 1936 bis 1944 Schülerin des röm.-kath. Mädchengymnasiums Notre Dame, danach Studentin der modernen Philologie, unterrichtete das Fach Deutsch so überzeugend, dass ich ihrem Weg gefolgt bin, an der Germanistik-Abteilung der Temeswarer Uni (wo sie übrigens auch einige Jahre tätig war) studiert habe und 43 Jahre Deutschlehrerin war. Manchmal treffe ich sie in Temeswar, immer noch quirlig-freundlich und 84-jährig immer noch tätig, z.Z. als Bibliothekarin im Bischöflichen Ordinariat. 1955 kam Stefan Kussmann, der in Klausenburg Mathe studiert hatte, ans Lippaer Lyzeum, unterrichtete leider andere Fächer wie Geschichte, Chemie, bei uns auch Zeichnen, was bei vielen einen schalen Geschmack hinterließ, denn fürs Fach vorbereitet zu sein oder nicht, ist ein himmelhoher Unterschied, was bei uns vor allem Chemie betraf. Darin waren wir alle krottenschlecht, was sich vor allem bei der Reifeprüfung in


Rückblick Neuarad zeigte, wo es ohne ein gutes Wort von unseren Lehrern wahrscheinlich nicht geklappt hätte. Stefan Kussmann übernahm nach J. Gehl die Leitung der deutschen Abteilung und des Internats, was er – aus unserer damaligen Sicht - etwas zu gründlich und gewissenhaft tat. Besonders gesund sah er nie aus, denn er kam schon 1949 mit angeschlagener Gesundheit von der Zwangsarbeit in der Sowjetunion zurück, starb auch viel zu früh, mit nur 46 Jahren, was ich beim Besuch seiner Familie mit Bedauern erfuhr. Seine Bemühungen waren darauf ausgerichtet, die Eltern aus den umliegenden Dörfern zu überzeugen, ihre Kinder in der Muttersprache unterrichten zu lassen. Er kämpfte für den Weiterbestand der deutschen Schulen, für die Weitergabe der deutschen Sprache und Kultur, des Banater Brauchtums an die junge Generation, auch durch die von ihm gegründete Theatergruppe. Im September 1973 ging er krankheitshalber in Frührente und verstarb im Dezember 1973.

69 Bei zwei Lehrkräften habe ich auch heute ein schlechtes Gewissen, wenn ich daran denke, wie viel sie uns – mir vor allem – hätten vermitteln können, wenn wir einfach aufnahmewilliger gewesen wären. Victor Hulita, ein humanistisch hochgebildeter alter Herr, Rentner, der seine besten Jahre schon hinter sich hatte, durch das neue Regime verarmt, politisch verfolgt und aus dem Beruf gedrängt, war zuerst Hilfslehrer in Blumenthal, bevor er ans Lippaer Lyzeum berufen wurde. Anfangs unterrichtete er Englisch und deutsche Literatur, bei uns Geschichte und wir hätten so viel von ihm mitnehmen können, zeigten leider viel zu wenig Interesse für das Fach und Respekt vor dem Alter. 105 Jahre wurde er alt und verstarb in Bukarest. Auch für unseren Musiklehrer Peter Kleckner und seine Arbeit brachten wir nicht alle das ihm gebührende Interesse auf, obwohl er kompetent und leidenschaftlich seine Sache vertrat, sich mit den Jahren zum bedeutenden Musikpädagogen und Komponisten

Zum ersten Mal am Schwarzen Meer (bei Sulina), das weder einladend noch warm war.


70 entwickelte, in der Wallfahrtskirche Maria Radna die Orgel spielte, im Musikleben des Banats eine bedeutende Rolle spielte. Schon 1956, im festlich begangenen Mozart-Jahr, hat er bei der Vorbereitung des Schülerchors mitgewirkt, später den Chor für die Ausfahrten in verschiedene Dörfer des Banats und Orte Siebenbürgens gedrillt. Und diese Ausfahrten mit buntem Kulturprogramm brachten uns Schülern Abwechslung, Unterhaltung und die für unsere geplante Rundreise durchs Land nötigen finanziellen Mittel. Unser Klassenlehrer Herr Mali, der Chemie nur theoretisch und leidenschaftslos unterrichtete, ist mir nur noch schemenhaft in Erinnerung. Frau Ienciu, unsere Rumänisch-Lehrerin, war zwar resolut, doch den Weg zur schuleigenen Bibliothek brachte sie uns nicht bei, dafür höre ich auch heute noch ihre strafend-verletzende Einschätzung: „Stati ca niste mamaligi in banca“. Wahrscheinlich waren wir auch nicht sehr aktiv und interessiert. 1959 kam noch Herr Ignaz Hoffmann als Lehrer für Sozialwissenschaften zu uns, brachte etwas Schwung in die Bude, unvor-

Rückblick teilhaft war nur, dass es die 6. Unterrichtsstunde war und wir schon müde und schläfrig waren, nur mit Mühe die Augen offen hielten. Frau Anna Spinner - etwas distant - versuchte, uns Naturkunde beizubringen, was leider bei mir keine tiefe Spuren hinterließ; nach Jahren traf ich sie im Lenau-Lyzeum, von wo sie dann in die BRD auswanderte. Sie ist in Baden-Baden beerdigt. Doch für alle unsere Lehrkräfte haben wir uns in den letzten Schultagen stimmlich ins Zeug gelegt, indem wir ihnen zu Hause ein Abschieds-Ständchen brachten, allein der damalige Direktor Nicoli war uns nicht besonders gewogen, machte uns Schwierigkeiten auch bezüglich des Absolventenbildes, das nicht mehr auf dem Korridor aufgehängt werden durfte und danach irgendwo verstaubte, vergammelte... Das Internat, in dem die meisten von uns wohnten, war, der Zeit gemäß, nicht gerade komfortabel: Plumpsklo im Hof, übergroße Schlafräume für die Mädchen, mangelhafte hygienische und pädagogische Betreuung, strenge Tagesordnung, unterbro-

Schüler des Lippaer Lyzeums im Billeder Schulhof (vor deren Programm im Kulturheim)


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Nur Schülerinnen - und die Billederinnen sind auch dabei: Victoria Tamas, Isolde Glatz, Elisabeth Frick, Marlies Braun, Arntrud Schäfer chen saisonbedingt durch gemeinnützige Arbeit (Schnittholz so von Hand zu Hand in den Keller schaffen), Sport und Tanzunterhaltung (selbst in den Pausen wurde von den vielen Akkordeonspielern zum Tanz zwischen den Bänken aufgespielt). Eine wichtige Rolle spielte der Kofferraum, wo jeder sein Fressalien-Depot hatte, das regelmäßig durch die Familien-Delegierten (einer brachte für alle Billeder Schüler) nachgefüllt wurde, weil uns, ewig Hungrigen, das Kantinenessen nicht reichte oder nicht schmeckte (mamaliga). Die 1958 unternommene Rundreise durchs Land war kein bequemes Reisen, zumal wir einen gewöhnlichen Reisewaggon auch zum Schlafwagen umfunktionieren mussten, abwechselnd im Sitzen, im Gepäcknetz oder auf dem Boden schlafen mussten, mit dem Vorteil, dass es kein Umsteigen gab. So erlebten wir Siebenbürger Kirchenburgen, Speckturm, Schwarze Kirche, BrukenthalMuseum und freundliche Aufnahme bei sächsischen Schülern, zu denen Briefkontakte über Jahre hinweg erhalten blieben. Wir sahen auch die Klöster der Moldau und

kamen dann per Schiff auf der Donau bis Sulina, wo die meisten von uns zum ersten Mal das Meer sahen, doch zum Baden lud es uns noch nicht ein. Das Ganze liegt nun schon so weit zurück und nach 50 Jahren hat man gewiss vieles vergessen oder man verklärt manches wie Christa Wolf meint: „Die Farbe der Erinnerung trügt.“ Man war eben jung und hatte auch keine oder nur wenige Vergleichsmöglichkeiten. Unvergessen jedoch bleibt das Bild der Marosch und der Maroschbrücke, die Wallfahrtskirche in Maria Radna, wohin wir nur sonntags zum Gebet konnten, dabei die vielen Prozessionen und Verkaufsstände bestaunten, auch den Kreuzweg entlang gingen, die Schoimoscher Burg bestiegen und dann ins Tal blickten. Und Johann Gehl hat seine Aufgabe als verantwortungsbewusster Billeder Schwabe erfüllt, indem er den eingangs erwähnten Schülern ein leichteres Leben ermöglichte über höhere Qualifikation oder Studium (4 wurden Lehrer, einer Ingenieur...), wofür ihm unser Dank sicher ist.


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Der Billeder Kirchenchor

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Hermine Schnur (mit Auszügen aus dem Billeder Heimatblatt 1994, Seite 21-22)

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ei freudigen oder traurigen Anlässen, ob Hochzeit oder Beerdigung – sie waren immer dabei: die „Singmädchen“, der Bil­leder Kirchenchor. Die Geschichte der Kirchenchöre geht zu einem großen Teil auf die Singbewegung Mit­te des 19. Jahrhunderts zurück. Davor war es nicht üblich oder verbreitet, dass sich musikalische Laien in einem Gottesdienst betätigten. Es gilt als sicher, dass es in Billed bereits vor dem Ersten Weltkrieg einen Kirchenchor gab. Der Organist und Leiter des Chors war, soweit sich Zeitzeugen erinnern können, der Dorfschullehrer. Vermutlich ver­ suchte er, die musikalisch talentierten Mäd­ chen bereits in der Schule für den Gesang zu begeistern und „warb“ sie so für den Kir­ chenchor. Denn viele der Chormitglieder wirkten tatsächlich schon im zarten Alter von 7 oder 8 Jahren mit. Mit der Zeit wuchsen sie hinein in ein anspruchsvolles und abwechslungsreiches Repertoire, das je nach Bedarf und Möglichkeit erweitert wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als Kirche und Staat getrennt wurden und der Lehrer offiziell in der Kirche nicht mehr tätig sein durfte, übernahmen nach und nach Frauen aus dem Dorf gegen ein geringes Entgelt das Orgelspielen in der Kirche. Da durch das kommunistische Regime auch die Vereinstätigkeiten verboten wurden, war der Kirchenchor lange Zeit die einzige Möglichkeit, sich zum Wohl der Gemeinschaft ehrenamtlich zu betätigen und der Freude am Singen nach-

zukommen. So wurden bei den Chorproben nicht nur Kirchenlieder geübt, sondern auch der unerschöpfliche Kulturschatz, die Volkslieder gepflegt, so dass sie von Generation zu Generation weitergegeben werden konnten und nicht in Vergessenheit gerieten. „Wo man singt, dort lass dich ruhig nieder, denn böse Menschen haben keine Lieder“, so lautet ein altes Sprichwort. Im Laufe der Geschichte hat Gesang Menschen immer zusammengeführt und das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Gemeinschaft gestärkt. Zeitweise haben die Billeder „Singmädchen“ die Namens- oder Geburtstage zusammen gefeiert, es entstanden Freundschaften, die seit Jahrzehnten gepflegt werden, man hielt und hält auch hier in Deutschland noch Kontakt zueinander. Durch seine Einsatzfreude hat der Kirchenchor, manchmal unterstützt auch durch stimmkräftige Männer, die Anlässe zu Freud’ und Leid im dörflichen Leben erst vollkommen gemacht. Ihnen allen sei gedankt für ihr jahre- oder jahrzehntelanges Engagement im Kirchenchor und ihre Beteiligung an ungezählten Singproben, wo auch schwierige Messen und Lieder zum mehrstimmigen Vortrag eingelernt wurden. Auch bei den heutigen gelegentlichen Treffen wird noch gemeinsam gesungen und werden Erinnerungen ausgetauscht – die Alltagssorgen sind dann für eine Weile vergessen – damals wie jetzt.


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Die Mitglieder des Kirchenchors mit ihren Familienangehörigen beim Besuch des Bahnmuseums in Reschitza Gruppenbild des Kirchenchores anlässlich des Abschieds von Kantorin Helene


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Ferien in Billed oder „Gfrornes“ in der Kondi

Erika Weith, geb. Leidecker

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chon wieder Rumänien. Die Sommerferien standen bevor und meine Freundin fuhr nach Italien, nach Bibione oder Jesolo, also ans Meer zum Schwimmen und Segeln. Und wir? Nach Rumänien. Damit konnte man vor den Klassenkameraden keinen Staat machen. Wir fuhren sehr gern nach Billed zu den Großeltern, zu Tante, Onkel und den Kusinen. Aber Italien hatte natürlich einen anderen Klang als Rumänien. Wer wusste denn in den 60er und 70er Jahren in Deutschland irgendetwas von Rumänien oder gar von Deutschen im Banat? Wenn ich heute über die Ferien in Billed nachdenke, kommen mir viele schöne Erinnerungen in den Sinn. Welch herrliche Zeit haben wir so ca. alle 2 Jahre im Sommer in Billed verbracht. Meine Eltern, wir 3 Kinder und das Auto voll bepackt, machten wir uns auf die Reise durch Jugoslawien oder Ungarn nach Rumänien. Alles war aufregend für uns. Die fremden Länder, die Angst an den Grenzen, die lange Autofahrt. Aber wenn wir dann in Betschkerek waren und es nur noch Minuten bis Billed dauerte, waren die Freude und die Spannung riesig. Dort wartete die Freiheit auf uns. So haben wir die Ferien in Billed als Kinder begriffen. Was war das für ein großes Hallo und eine Riesenfreude, wenn wir dann angekommen waren. Unsere Kusinen Gerlinde und Erika Schiller warteten schon voller Sehnsucht auf unser Eintreffen. Meistens standen sie schon am Ortsanfang, denn dann konnten sie gleich mit dem Auto mitfahren. Ob wir da zu fünft oder zu siebt im Auto waren, spielte keine Rolle. So wie wir die Freiheit auf den Straßen ohne Autos liebten, waren sie ganz verrückt aufs Autofahren. So hatte jeder nach etwas anderem Sehnsucht. Für Gerlinde und Erika war es wie Geburtstag,

Ostern und Weihnachten zusammen, wenn wir endlich da waren. Sobald wir angekommen waren, stürzten wir uns gleich ins Getümmel. Mein kleiner Bruder Manfred musste erst mal alle Tiere begrüßen, die Hunde, die Hühner und beim Nachbarn die Pferde. Die Hühner hatten es ihm besonders angetan und er gab keine Ruhe, bis er den Hahn gefangen hatte. Da wir meistens im Sommer in Billed waren, war es oft warm bis heiß. So spielten wir meistens draußen, fuhren mit den großen alten Fahrrädern durch das Dorf und fanden es prima, dass man überall deutsch sprechen konnte und jeder uns verstand. So zum Beispiel auch, wenn wir in der „Koprativa“ mit dem Zecker in der Hand einkauften. Auch die Katzenwäsche mit dem kalten Wasser aus dem Brunnen bei meinen Großeltern war etwas Ungewohntes. Ebenso, dass die Oma zum Abspülen keine Seife in das Spülwasser getan hat, weil das Wasser noch für die Schweine verwendet wurde. Ich erinnere mich noch, als wäre es gestern gewesen, als wir im Kino den Film „Das Haus in Montevideo“ mit Heinz Rühmann gesehen haben. Er wurde im deutschen Original mit rumänischen Untertiteln gezeigt, die wir sehr interessant fanden. Danach haben wir in der Kondi Gfrornes gegessen. Noch heute sehe ich mich in der Kondi sitzen und spüre den Geschmack dieses Eises. Eis essen konnte in Deutschland jeder, aber Gfrornes in Billed, das war einmalig. Alle erinnern wir uns noch sehr gerne an die Küchenschlachten bei Seppi und Magdi Leidecker. Sie sind die Kinder des Cousins unseres Vaters. Wenn Seppi Pannekuche gebacken hat, war das immer ein Riesenspaß für uns. Denn keiner konnte sie so schön in die Luft werfen wie er. Das hat uns, die wir 6 – 12 Jahre jünger waren als er, immer un-


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Bewässerung mittels „Geppel“ im Hausgarten der Nachkriegszeit. Einsender: Elisabeth Marx glaublich beeindruckt. Magdi hat dann Erdbeerschnee gemacht und alle haben zusammen gegessen und einfach eine Mordsgaudi gehabt. Was war das für ein tolles Gefühl auf dem Kutschbock neben meinem Dumelle-Opa zu sitzen, selbst die Zügel in der Hand zu halten und den Pferden die Kommandos zu geben. Gott sei Dank haben sie deutsch verstanden. Wir fuhren öfter mal Sodawasser holen. Schon allein die Flaschen waren so ganz anders als unsere einfachen Mineralwasserflaschen. Sie waren weiß, grün, rosa oder blau und, dass sie einen Spritzknopf hatten, war das Beste daran. Auch sind wir mit unserem Opa zur Ernte auf das Melonen- und das Tabakfeld gefahren. Meine Schwester Monika und ich können uns noch ganz genau erinnern, wie wir im Hof saßen und beim „Tuwak Inreihe“ geholfen haben. Die ganze Familie saß beieinander und alle haben zusammen geredet und gearbeitet. Im Film „Ich denke oft an Piroschka“ gibt es eine Szene, wo alle beim Mulatsag, ungarisch für Fest oder Unter-

haltung, im Hof sitzen und Kukuruz lische. Dazu haben sie dann allerdings gesungen. An Gesänge im Hof meiner Großeltern kann ich mich nicht erinnern. Aber wir hatten auch ohne Gesang einen schönen Mulatsag. Es war ein wunderbares Erlebnis für uns Kinder, zusammen mit den Erwachsenen im Hof zu sitzen und etwas so Exotisches wie „Tuwak Inreihe“ zu erleben. Auch war es lustig Sonnenblumenkerne zu knabbern und die Schalen einfach „auszuspauze“. Interessant war auch der Sommer, als die Verwandten aus Ungarn auch in Billed waren. Es war die Kusine meines Vaters mit ihren 4 Kindern. Leider sprachen sie nur ungarisch. Aber das hielt uns nicht davon ab, mit ihnen zu spielen und uns mit Händen und Füßen zu verständigen. Eigentlich haben wir den ganzen Tag gespielt. Auf der Straße, bei meinen Großeltern oder bei Onkel und Tante und den Kusinen. Wir waren ständig unterwegs und immer ist uns etwas eingefallen, was man noch tun könnte. Wir haben uns einfach wohl gefühlt. Schon allein, dass wir alle immer zu-


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Gruppenbild mit der Billeder Kirchweihgesellschaft 1971 (Jahrgänge 1952-1956). Den Strauß hatte Franz Undi für sein Kirchweihmädel Marianne Basma ersteigert. Einsender Elisabeth Marx sammen am großen Tisch im Gang bei meinen Großeltern gegessen haben. Das Essen war uns allerdings nicht fremd, denn was es in Billed gab, das gab es auch bei uns zu Hause. Das von meiner DumelleOma in ihrem Ofen gebackene Brot und der Flammkuche waren allerdings schon etwas Besonderes. Als Kinder haben wir diese Zeit genossen, wir wussten nichts von Politik, Unterdrückung und Unfreiheit. Wir haben unsere kleine Freiheit in Billed geliebt. So groß wie die Freude bei unserer Ankunft war, so groß war die Trauer bei unserer Abfahrt. Wir haben uns dann zwar getröstet, dass wir ja in spätestens 2 Jahren wiederkommen, aber, wie jeder weiß, sind für ein Kind 2 Jahre eine Ewigkeit. Heute, wo ich selbst im Großmutteralter bin, weiß ich, wie schnell die Jahre vergehen. Wenn ich heute an meine Ferien als Kind in Billed zurückdenke, fallen mir so viele lustige und schöne Erlebnisse ein, dass ich oft

schmunzeln muss und mit Wehmut an diese längst vergangene Zeit denke. Noch heute fahre ich gerne ins Burgenland oder in die Puszta. Denn alles erinnert mich an das Banat, die Tiefebene und an Billed. Die Sprache, das Billedrische, habe ich damals als etwas ganz Normales wahrgenommen. Meine Eltern und Großeltern in Deutschland sprachen genauso wie meine Verwandten in Billed. Da war kein Unterschied, auch wenn wir Kinder ja eher hochdeutsch oder fränkisch sprachen. Mein großes Interesse am Schwowischen hat sich erst entwickelt, als ich erwachsen war und gemerkt habe, dass es eine besondere Sprache ist, die es wert ist, bewahrt zu werden. Deshalb werde ich mich auch weiter mit dem Billedrischen beschäftigen. Auch wenn ich es nicht richtig sprechen kann, so habe ich doch die Wörter und deren Klang im Kopf und werde weiterhin versuchen, in schriftlicher Form verschiedene Aspekte unseres Dialektes zu beschreiben.


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Internetprojekte betreffend unsere Geschichte und Kultur

Elisabeth Packi (Hehn)

„Wer glaubt, eine glorreiche Vergangenheit schütze ihn vor den durch den technologischen Fortschritt befeuerten Umwälzungen, wird scheitern und fallen.“ Rupert Murdoch

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as Internet wurde in den 70er Jahren von dem amerikanischen Verteidigungsministerium entwickelt, um eine ausfallsichere Datenübertragung zwischen den militärischen Forschungseinrichtungen zu gewährleisten. In den 80er Jahren verband man dann die lokalen Netze der Universitäten sowie weiterer Forschungseinrichtungen auf der ganzen Welt. Bis Anfang der 1990er Jahre diente das Internet vorwiegend der Kommunikation und dem Informationsaustausch zwischen Wissenschaftlern. Nach und nach wurde es von verschiedenen Einrichtungen gezielt ausgebaut. Seit Mitte der 1990er Jahre etablierte sich das Internet zunehmend als Standard für die Verbreitung von Informationen jeder Art. In erster Linie eine technische Möglichkeit mit vielen Menschen weltweit die unterschiedlichsten Informationen auszutauschen, wird das Internet im Studium, im Berufsleben und in der Freizeit gleichermaßen genutzt. Weder Radio noch Fernsehen hielten so schnell Einzug in das soziale Leben wie das Internet. Eine zunehmende Bedeutung erhält der Online-Journalismus, der heute zu einem großen Konkurrenten der klassischen Medienlandschaft geworden ist. Online-Zeitungen, Online-Bücher und Online-Enzyklopädien sind jederzeit kostenlos zugänglich für jedermann. Kollektive Intelligenz charakterisiert vor allem das Web 2. In Wikipedia, der freien Online-Enzyklopädie, die im Gegensatz zu herkömmlichen Lexika nicht das Fachwissen von wenigen Experten verbreitet, sondern für jedermann offensteht, kommt

Elisabeth Packi: Mein Bestreben war es, Beiträge von aus­gewiesenen Banater Wissenschaftlern zum Thema Geschichte, Ethnografie, Lite­ ra­tur, Architektur, wissenschaftliche Abhandlungen über die Banater Mundart oder das Banater Brauchtum auf einer einzigen Plattform unterzubringen. sie beispielhaft zum Ausdruck. Hochmotivierte Internetnutzer basteln in ihrer Freizeit unauffällig an Enzyklopädien, Communities und gemeinschaftlich betriebenen News-Websi­tes, deren Einfluss mit jedem Tag wächst. Die Revolutionierung der Medienlandschaft durchs Internet spielt sich leise ab, doch sie ist unaufhaltbar. Vor fünf Jahren verfügten bereits 73 Prozent der Firmen in Deutschland über einen Internetauftritt, derzeit sind es 80 Prozent. Im europäischen Vergleich liegen deutsche Unternehmen damit auf dem fünften Platz. Die meisten Unternehmen mit eigener Website hat Dänemark mit einem Anteil von 88 Prozent. Auf Platz zwei liegt Schweden mit 87 Prozent. Die folgenden Plätze belegen Finnland mit 85 Prozent und die Niederlande mit 84 Prozent. Schlusslichter im EUVergleich sind Rumänien und Bulgarien mit Werten um 20 Prozent. Die Zahlen gehen aus aktuellen Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat hervor. Kulturraum Banat Die Anfänge meiner Arbeit im Internet liegen weit zurück. Einige dieser Projekte wurden bereits geschlossen, neue kamen hinzu. Im Folgenden beziehe ich mich ausschließ-


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Die Internetplattform Kulturraum Banat hat das Ziel, das Banat als historisch gewachsene Region bekannt zu machen und die Erinnerungen für die zukünftigen Generationen wachzuhalten. lich auf aktuelle Banater Projekte, an denen ich zurzeit arbeite. Angelehnt an den gleichlautenden Buchtitel von Walter Engel, verfolgt die Internetplattform Kulturraum Banat das Ziel, das Banat als historisch gewachsene Region bekannt zu machen und darüber hinaus die Erinnerung daran für die zukünftigen Generationen wachzuhalten. Mein Bestreben war es, Beiträge von aus­ gewiesenen Banater Wissenschaftlern zum Thema Geschichte, Ethnografie, Lite­ra­ tur, Architektur, wissenschaftliche Abhandlungen über die Banater Mundart oder das Banater Brauchtum auf einer einzigen Plattform unterzubringen. Markante Wissenschaft­ler, Lehrer und Journalisten haben sich am Aufbau dieser Internetplattform beteiligt, sei es mit Texten, sei es mit dem Zusenden von Büchern, Bildern oder Landkarten. Wohlbekannte Namen sind im Bereich Per­ sönlichkeiten anzutreffen, Schriftsteller, Musiker, Künstler, Journalisten, Wissenschaftler und Geistliche, die das Banat im Laufe von nur zwei Jahrhunderten Siedlungsgeschichte hervorgebracht hat. Nikolaus Lenau und Adam Müller-Guttenbrunn werden ebenso behandelt wie Johnny Weißmüller und Helmuth Duckadam, aber auch die Billeder Ni-

kolaus Hummel, Franz Klein, Peter Krier und Johann Steiner sind hier zu finden. Aktuelles zum Thema Buch, Buchempfehlungen, Rezensionen, Neuerscheinungen gibt es neben aktuellen Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Eine besondere Bedeutung wird der Rubrik Veranstaltungen gewidmet. Hier findet man Veranstaltungen, die in Deutschland, in Österreich oder in Rumänien zum Thema Banat stattfinden, Veranstaltungen der Landsmannschaften aus Deutschland und aus Österreich, des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, aber auch Veranstaltungen anderer Organisationen und Institutionen, die sich um das Banat bemühen. Mehr auf: www.kulturraum-banat.de Wikipedia und BanaTerra Während meiner Arbeit an Kulturraum Banat stieß ich bei meinen Recherchen immer wieder auf die Freie Enzyklopädie Wikipedia und musste feststellen, dass es hier noch Handlungsbedarf gibt. Nicht nur viele Lücken sondern auch einige Unstimmigkeiten über das Banat sind neben unzähligen korrekten Artikeln anzutreffen. Dies bewog mich dazu, aktiv einzugreifen. Tschanader Bischöfe ab 1716, Temeswarer Bürgermei-


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Die Innerstädter Stadtpfarrkirche Temeswar, 2010. Foto: Elisabeth Packi

Adam Müller-Guttenbrunn im AMG-Haus, von Franz Ferch. Foto: E. Packi

ster zwischen 1716 und 1918, Banater Persönlichkeiten aus Kunst, Wissenschaft, Literatur, Musik, aber auch eine Vielzahl Banater Ortschaften sind auf mein Konto zurückzuführen. Die Innerstädter Stadtpfarrkirche ebenso wie die Millenniumskirche, aber auch die Adam-Müller-Guttenbrunn-Stiftung in Temeswar oder die Banater Post, als Mitteilungsblatt der Banater Schwaben weltweit, wurden von mir initiiert. Nicht zuletzt wirkte ich an den bis dahin Tabu-Themen wie die Baragan- und die Russlanddeportation, aber auch an dem Freikauf der Rumäniendeutschen mit. Eine ausführliche Übersicht dieser Artikel und Bilder sind auf der Benutzerseite aufgelistet: http://de.wikipedia.org/ wiki/Benutzer:Elisabeth_Packi Mein vorerst neuestes Projekt ist die Koordination der deutschen BanaTerra. BanaTerra ist eine Banat-Enzyklopädie in mehreren Sprachen. Initiator des Projektes ist Dusan Baiski, Schriftsteller und Journalist, aus Tschanad. Herr Baiski ist auch derjenige, der die rumänische und die serbische Fassung koordiniert. Die ungarische Fassung

wird von Kladiva Ottmár, die französische von Jean-Marie Chappé und die englische von Radu Trifan koordiniert. Die deutsche BanaTerra ist noch in den Anfängen und das Team noch im Aufbau begriffen. Neben Dusan Baiski und Erwin Tigla wirken bisher Dr. Franz Metz, Musikwissenschaftler, Dr. Claudiu Calin, Diöze­ sanarchivar, und Heinz Vogel mit. Die Liste ist offen. Neue Team-Mitglieder sind willkommen und erwünscht. Schwerpunktmäßig konnten bis dato vorwiegend Banater Kirchen (Heinz Vogel), Orgeln und Komponisten (Franz Metz), öffentliche Gebäude, Museen, Denkmäler (Elisabeth Packi), Grabstätten der Domkrypta (Claudiu Calin) sowie Banater Brauchtum und Mundart (Hans Gehl und Hans Dama), Kriegsfolgen (Wilhelm Weber) oder Bana­ter Sportler (Hans Steiner und Georg Schmidt) eingestellt werden. Banater Ortsmono­ gra­fien ebenso wie literarische Werke von Bana­ter Schriftstellern, Banater Ortschaf­ ten, Wappen, Siegel, Insignien und Fahnen, die im Laufe der Jahrhunderte als


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www.banaterra.eu/german Die deutsche BanaTerra ist noch in den Anfängen und das Team noch im Aufbau begriffen. Wahr­­zeichen dienten, sind bereits Online. Mehr auf: www.banaterra.eu/german DFDR Billed und AMG-Haus Temeswar Während meiner Arbeit an diesen Projekten musste ich immer wieder feststellen, dass man im Internet ohne Bilder nicht auskommt. So entstand nach und nach der Gedanke einer Reise ins Banat, um einige wichtige Objekte zu fotografieren. Dies geschah dann tatsächlich Anfang September diesen Jahres, als ich nach einem einwöchigen Aufenthalt mit etwa tausend Digitalaufnahmen im Gepäck zurückkam. Dabei konzentrierte ich mich nicht nur auf repräsentative Gebäude, sondern besichtigte auch wichtige Objekte, wie das Banater Museum im Hunyadi-Schloss, das Kunstmuseum am Domplatz, das AdamMüller-Guttenbrunn-Haus gegenüber dem Markt­platz Timiosara 700 oder das Demokratische Forum der Deutschen in Billed. Wahre Schätze konnte ich auf meiner Reise digital festhalten. Das Adam Müller-Guttenbrunn Portrait von Franz Ferch ist eines davon. Es hängt im AMG-Haus, eines der größten Werke, die der bedeutende Banater Maler Franz Ferch hervorgebracht hat. Das Gemälde entstand 1970 im Turm des Banater Mu­seums, wo der Maler ab 1950 sein Atelier eingerichtet hatte. Würdevoll steht im Vordergrund Adam Müller-Guttenbrunn, einer der größten Banater Schriftsteller aller Zeiten, die Hände über einem Buch gefaltet, während im Hintergrund die typisch geschwungenen banatschwäbischen Hausgiebel, als Zeichen des Wohlstandes der einst so blühenden Banater Dörfer, zu sehen sind. Nicht mindere Schätze entdeckte ich noch im Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus in Temes-

war. Einer dieser Schätze ist das Gemälde des Prinz-Eugen-Brunnens in Jahrmarkt. Die Legende erzählt, als Prinz Eugen mit seinem Heer vor Temeswar stand, um den Türken endgültig die Festung zu entreißen, war große Not im Land. Vergeblich suchten die Soldaten in der sumpfigen Gegend gutes Trinkwasser. Weit und breit fanden sie keinen Brunnen und keine Quelle. Prinz Eugen lag mit etlichen Truppen in Jahrmarkt und rastete. Er ruhte am Fuße einer alten Weide und hatte einen seltsamen Traum. Eine Stimme sagte ihm, dass unter der Baumwurzel ein verborgenes Wasser fließe. Als er erwachte, legte er sogleich die Quelle mit seinem Schwert frei, und die Soldaten konnten ihren Durst stillen. Sie erquickten sich an dem frischen Labsal vor der entscheidenden Schlacht. Seither fließt in Jahrmarkt der Prinz-Eugen-Brunnen. Meine Reise ins Banat war fruchtbar und mit Erfolg gekrönt, nicht zuletzt dank der Menschen, die meinen Weg kreuzten. Vor allem möchte ich das Entgegenkommen der Führung im Banater Museum erwähnen, sowie die freundliche Unterstützung von Anni und Helmut Weinschrott im Adam-MüllerGutenbrunn-Haus, aber auch die Hilfsbereit­ schaft von Adam Csondi in Billed. Desgleichen möchte ich mich bei Elisabeth und Hans Martini für die Fahrt nach Billed und bei Liana und Adrian Manea (Sohn von Stela Mardare, 1955-1970 Sekretärin der Berufsschule in Billed) für die mehrtägige Begleitung durch die verschiedensten Stadtteile von Temeswar bedanken. Ohne ihre begleitende Unterstützung wäre meine Ausbeute bedeutend ärmer ausgefallen.


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Allerheiligen 2010 vor dem Billeder Denkmal

Ansprache von Norbert Neidenbach, Vorsitzender der HOG Groß-Jetscha

Liebe Landsleute, ich freue mich, dass ich in diesem Jahr die Möglichkeit habe, hier am Billeder Gedenkstein, der nun schon seit über zwanzig Jahren auf dem Karlsruher Hauptfriedhof steht, einige Gedanken zu Allerheiligen mit Ihnen teilen zu können. Dafür bedanke ich mich bei Werner Gilde und dem Kreisverband Karlsruhe der Landsmannschaft der Banater Schwaben. Dieses „Billeder Kreuz“, wo jedes Jahr zu Allerheiligen und alle zwei Jahre beim Billeder Heimattreffen eine Gedenkfeier für unsere Verstorbenen stattfindet, steht für alle gesetzten und auch nicht gesetzten Kreuze der Banater Schwaben in der ganzen Welt. Es werden Erinnerungen geweckt an das gemeinsame Leben mit dem verstorbenen Ehemann, der Lebensgefährtin, den Eltern, dem verunglückten Freund, vielleicht sogar mit eigenen Kindern, die uns vorausgegangen sind. Nicht alle Menschen, die an diesem Tag zum Friedhof gehen, können jedoch an einem Grab stehen und ihrer Angehörigen gedenken. Das vergangene Jahrhundert war

für die Banater Schwaben – und nicht nur für diese Volksgruppe – nicht immer ein gutes Jahrhundert. Für die Banater Schwaben war es ein Jahrhundert der Teilung und der zerrissenen Familien. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts zeichnete sich eine Überbevölkerung des Banates ab, die besseren Lebenschancen der „Neuen Welt“ brachten viele Banater Schwaben dazu, ihr Glück in Amerika zu suchen. Manche fanden dieses Glück, manche nicht. Manche kehrten zurück in die Heimat, andere nicht. Dies war bereits der erste Exodus der Banater Schwaben und hat viele Familien zerrissen. Dann kam der Erste Weltkrieg – unsere Landsleute kämpften und fielen in den entlegendsten Teilen der Welt. Viele von ihnen können keine Kreuze an ihren Gräbern haben, viele konnten nicht einmal ein Grab haben. Auch ihrer gedenken wir heute! Die Banater Schwaben hatten nie politische Ambitionen, die sie mit Druck oder Gewalt durchsetzen wollten. Sie waren nie Politiker, sie waren immer treue Untertanen. Und dennoch wurde das Banat – als Spielball der Großmächte - durch den Versailler


82 Friedensvertrag aufgeteilt, ohne die Interessen unserer Volksgruppe auch nur im Geringsten zu beachten. Nach einer kurzen „Erholung“ (sozial und wirtschaftlich) unserer Volksgruppe wurden die Banater Schwaben in den Zweiten Weltkrieg hineingezogen. Und wieder wurde Europa aufgeteilt, die Interessen der Banater Schwaben haben bei den Entscheidungen der Siegermächte keine Rolle gespielt. Durch den Ausgang dieses Krieges haben sich die Siegermächte das Recht genommen, einer ganzen Volksgruppe – der Gruppe der Volksdeutschen – eine Kollektivschuld an diesem Krieg zuzuschreiben und „alte Rechnungen“ zu begleichen. Durch die Ausführung der Potsdamer Beschlüsse kam es zu einer bisher in Europa nie dagewesenen Welle von Flüchtlingen und Vertriebenen. Etwa 12 bis 14 Millionen Deutsche und deutschstämmige Angehörige verschiedener Staaten waren zwischen 1944/45 und 1950 von Flucht und Vertreibung betroffen, wobei viele diese nicht überlebten. Auch ihrer gedenken wir heute! Dazu kam – für unsere Banater Landsleute – noch die Deportation nach Russland, danach in den Baragan und die Enteignung. Viele unserer Landsleute überlebten diese Deportationen nicht und konnten ihre Ruhestätten nicht in der heimatlichen Erde finden. Auch ihrer wollen wir heute gedenken. Mit Beginn der sechziger, danach in den siebziger Jahren, sahen immer mehr von unseren Landsleuten die Chance, überwiegend in Deutschland, ein Leben in einem deutschen Kulturraum, in einer deutschen Gesellschaft zu führen. Diese „Welle“ der Aussiedlungswilligen wurde immer prägnanter, die durch die Aussiedlung entstandenen Lücken in den Banater Ortschaften wurden immer sichtbarer und irgendwann wollte keiner mehr der Letzte sein. Und nach 1990 hat sich die Gemeinschaft der Banater Schwaben sehr schnell aufgelöst. Die Gräber wurden zubetoniert, die Häuser

Rückblick verlassen und in der Ferne ein neues Leben begonnen. Wir konnten zwar unsere Sitten, Bräuche und auch die Erinnerungen mitbringen – die Gräber unserer Ahnen mussten wir jedoch im Banat lassen. Unsere Gedanken sind an diesem Tag auch bei ihnen, in der alten Heimat, auf den Friedhöfen, auf deren Gräbern heute kaum eine Kerze brennt. Es sind nun schon fast 20 Jahre, seit der große Exodus der Banater Schwaben aus dem Banat beendet ist. In dieser Zeit haben viele von uns auch hier Angehörige verloren, auch dieser Landsleuten gedenken wir heute. Allerheiligen ist der Tag des Gedenkens an unsere Verstorbenen, ganz gleich ob sie in der alten Heimat ruhen, hier in Deutschland oder in der ganzen Welt. Daneben hat für manche unserer Landsleute der erste November aber auch eine andere Bedeutung – nicht nur das Gedenken an unsere Toten. Ich persönlich verbinde Allerheiligen mit einer Erzählung meines Vaters, der 1945, zusammen mit vielen anderen Banater Schwaben nach Russland deportiert wurde. Er erzählte mir, dass am Abend des 31. Oktober 1949, im Lenin-Lager 1423 in Dnjepropetrowsk, im Donbass, der Offizier zu den Deportierten sagte: „ Morgen, den 1. November, geht ihr nicht mehr zur Arbeit, ihr fahrt nach Hause“. Auch dies ist Allerheiligen und hat auch das Schicksal eines ganzen Volksstammes, der Banater Schwaben, wesentlich geprägt. Und bildlich sehe ich vor mir die Lichter der Kerzen an Allerheiligen, auf den Friedhöfen in Groß-Jetscha. Wenn man diese Lichter vom Dorfrand sah, hatte es den Anschein, man sieht eine Kathedrale. Auch dieser Erinnerungen gedenke ich heute. Die Gemeinschaft der Banater Schwaben sollte nicht vergessen werden, darum gedenken wir ihrer heute auch. Es bleibt ein jeder unvergessen, solange seiner gedacht wird.


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Elisabeth Luckhaub während der Feierlichkeiten am 1. November vor dem Billeder Denkmal auf dem Karlsruher Hauptfriedhof. Fotos: Cornel Gruber

Gedanken zum Jahresausklang 2009

In memoriam an meinen verstorbenen Mann Emil Knöbl Es gab Tage und Monate im Jahr, in welchen alles herrlich war! Man hatte viel Freude und Glück, denkt auch oft an sie zurück... Kramt Bilder oder Videos hervor: Es strahlt das Auge, es lauscht das Ohr. Plötzlich ist das Erlebte doppelt wert, wissend, dass es nie wiederkehrt... Es gab Tage und Monate im Jahr, in welchen viel Sorg‘ und Kummer war, man sah Leid und war in Not, fühlte sich hilflos und ahnte den Tod. Bilder der Trauer verfolgen uns Tag und Nacht: Haben wir auch nichts falsch gemacht? Es weint das Auge, es lauscht das Ohr. Ein Mensch ging für immer aus dem Tor. Es ist der Verlust, es ist der Schmerz, sie beherrschen unser Gemüt und Herz... Vor unseres Lebens Tor steht ein neues Jahr mit Tagen und Monaten – wie es schon immer war...

Marliese Knöbl


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Den 1-Uhr-Zug gibt es noch: „Săgeata albastră“ (Blauer Pfeil) nennen die Einheimischen den Bummelzug. Abfahrt Biled 13:06, Ankunft Temeswar 14:05. Preis nur 3,20 Lei (0,75 €) und trotzdem kaum Kundschaft: Personen und Waren verkehren heute hauptsächlich auf den Landstraßen.

Schwarzfahrer

Ausschnitt aus dem Prosaband „Unterwegs“ von Hans Dama ... Einander helfen bedeutete, sich selbst helfen... Also kaufte man sich keine Fahrkarte, schädigte den Staat, sparte selber, half dem Nächsten, sprich Eisenbahnschaffner, indem man ihm vor Abfahrt des Zuges, und sei es nur mit Blickkontakt, zu verstehen gab, daß man fahrkartenlos einsteige. Die Entwicklung nahm ihren Lauf: Man bereitete einen Teil des Fahrpreises in bar vor. Je länger die Reise, desto kleiner der dem Schaffner zu entrichtende Anteil: ein Drittel, ein Viertel, oft – auf Langstrecken – bis zu einem Zehntel des Tarifes wanderten in die Taschen des guten „Onkels“. Ja, ja, leben und leben lassen, das war die Alltagsphilosophie, die die meisten Menschen in den ehemaligen Ostblockstaaten vor der Verzweiflung gerettet und vor nihilistischen Abgründen zu bewahren verstanden hatte. Daß bei solchen Vorgangs- und Denkweisen der Staat geschädigt wurde, störte wohl niemanden, denn ER – und das im totalitären System – tat so, als ob er seine Untertanen bezahlte, und die

Menschen taten so, als ob sie ihm dienten.... Ein Teufelskreis. Er ist jedoch das Beweisstück für das herabgekommene und abgewirtschaftete System, für die Einstellung der Millionen, deren Denk- und Handlungsweise es fortan umzukrempeln galt. Schwarzfahrer im eigentlichen Sinne war man ja schließlich keiner, denn als mit dem Schaffner Kollaborierender drückte man sich doch keineswegs vor seiner Amtshandlung, sondern verständigte sich über pari mit ihm bei der Ausübung seiner Pflicht, die Fahrkarten der Reisenden zu kontrollieren. Gewissen? Ja?! Die kommunistische Institution Staat formte sich ihre Bürger, zu Unter-Genossen, zu Menschen zweiter Klasse degradiert, setzte ihnen prägend den Stempel auf und erhielt prompt die Retourkutsche serviert. Das Beispiel Eisenbahnfahrten ist nur eine von vielen stillen, gegen den Staat gerichteten Protestformen, die zwar keine in dieser Richtung bewußt angelegte Aktion zu bedeuten hatte, sondern eher dem Unterbewußtsein entsprungen sein dürfte.


Rückblick Kurzum, ich bestieg in P. den Mittagszug – einen Triebwagenbummelzug – um nach Temeswar zu fahren. Überfüllt, wie immer, mit Pendlern, die zur Nachmittagsschicht in die Stadt unterwegs waren, forschte ich nach einem eventuell noch freigebliebenen Plätzchen, um die einstündige Fahrt arbeitend überbrücken zu können. In einer Ecke des Großraumabteils – die Wagengarnitur stammte aus den dreißiger Jahren, war also gute vierzig Jahre überzeitig – erspähte ich das bekannte Gesicht des Herrn M., der mir auch schon mit eindeutigem Handzeichen zu verstehen gab, daß der Platz neben ihm noch zur Verfügung stünde. Also steuerte ich auf mein Ziel zu. Herr M., ehemaliger Bahnhofsvorstand in P., war vor einiger Zeit mit seiner Familie nach Temeswar übersiedelt. Er hatte sich vermutlich dienstlich verbessern können. Warum auch nicht. Eine smarte Erscheinung, redegewandt und höflich. Wir kannten einander, wie man sich so kennt, wenn man als Pendler über „sein“ Bahnhofsareal dahinhastete, gelegentlich Worte zu wechseln Zeit gefunden hatte oder über die schulischen Fortschritte seiner Tochter Dana doch ab und zu mal eingehender zu plaudern imstande gewesen war. Herzliche Begrüßung, höfliche Erkundigung nach dem gegenseitigen werten Befinden... Wir sprachen über seine Familie, über die jetzige Schule seiner Tochter, über meine Erledigungen in der Stadt. Der Zug hatte sich längst in Bewegung gesetzt, und siehe, da erscheint der Schaffner, eifrig seines Amtes waltend. Ich hatte ihn vor dem Zusteigen kontaktiert und wartete darauf, wie er nun reagieren würde, denn Herrn M. gleichfalls als Eisenbahnbediensteten zu diagnostizieren, dürfte für den Schaffner nicht allzu schwer gewesen sein. Und tatsächlich: der altgediente „Onkel“ erbleichte, als er mich neben Herrn M. ortete, doch er ließ seine jahrzehntelange – man kennt sich ja so auf den Nebenbahnen

85 - Schaffnerroutine tanzen, überging auf seinem Fahrkartenentwertungsgang sowohl Herrn M. als auch mich mit gekonnter Eleganz, weil er allem Anschein nach, sich in unser lebhaftes Gespräch nicht zäsurierend hatte einschalten wollen. „Hürde geschafft,“ dachte ich. Auch Herrn M. schien es scheinbar nicht gestört zu haben, daß der „Onkel“ uns nicht belästigte. Am Ende des Abteils angelangt, drehte sich der Schaffner noch einmal um. Seine Blicke erfaßten rasch die Situation..., denn soeben hatte sich Herr M. von seinem Platz erhoben und mich im Flüsterton wissen lassen: „Bis später. Die Pflicht ruft. Ich muß meinen Kontrollgang absolvieren. Ich hoffe, Sie können mich für einige Minuten entbehren?“ Der Schaffner erbleichte, mir begannen die Knie zu zittern... In solchen Fällen, also wissend, daß sich ein Kontrollorgan bereits im Zug befindet oder möglicherweise zusteigen wird, hatten die Schaffner Fahrkarten parat, die dem Sonderfahrer zugesteckt wurden, um einen Eklat vorzubeugen. Diesmal hatte der „Onkel“ keine Gelegenheit mehr gefunden, mich entsprechend auszurüsten, konnte er doch nicht ahnen, daß die Maus sich justament mit der Katze anfreunden werde... Mir ging es auch nicht um eine eventuelle Pönale, sondern vielmehr um die Schmach, die über mich hereinbrechen könnte. Nun, es war sowieso schon zu spät, denn Herr M. schritt auf den Schaffner zu, und beide starteten, anscheinend an irgendeinem Zugende beginnend, den Kontrollgang. Ich fieberte eventuellen Lösungsmöglichkeiten entgegen. So sehr auch meine Phantasie zu blühen sich Mühe geben wollte, es fielen mir lediglich faule Ausreden ein. Damit konnte ich Herrn M. doch nicht kommen... Das konnte ich mir doch selber nicht antun. Von verlorener Fahrkarte bis das daraufvergessen-Haben, eine zu kaufen, fiel mir


86 alles Mögliche ein, jedoch nichts plausibel Klingendes... Ich harrte der Entwicklung, die auch nicht lange auf sich warten ließ. Schon stampfte der Schaffner, dem offenbar das Herz in die Hose hinuntergerutscht sein dürfte, heran: an seiner Seite Herr M. Mein Gegenüber zückte seinen Pendlerausweis. Darauf Herr M. zu mir gewandt: „Es dauert nicht mehr lange, wir sind gleich fertig.“ Mein Blutdruck schnellte in die Höhe, mein Puls schoß expreßzugtempogleich dahin. Verlegen stammelte ich einige Worte, doch die beiden Eisenbahner schienen es eilig zu haben... Die benachbarten Mitreisenden wunderten sich nicht im geringsten darüber, daß man nicht begierig war, meine Fahrkarte zu kontrollieren. Jeder war viel zu sehr mit seinen eigenen Problemen befaßt, als sich um solchen Kleinkram kümmern zu wollen. War die Hürde nun genommen oder nicht? Wenn er aber doch etwas zu sehen begehrt? Ich weiß nicht... Wichtig ist, sich nichts anmerken zu lassen. Doch ans sprichwörtliche „ruhig-Blut-Bewahren“ war überhaupt nicht zu denken. Zu sehr war ich in Aufruhr. Lesen! Lesen lenkt ab und hilft meistens. Die Flucht ins Buch mißlang: Herr M. stand

Rückblick plötzlich wieder da und meinte lakonisch: „Geschafft!“ Ich war es aber auch. Wir plauderten weiter, ohne das Kontrollgang-Thema zu berühren. In Temeswar angelangt, herzliche Verabschiedung mit Grüßen an seine Familie usw. Ich wollte dem armen „Onkel“ seinen Anteil zustecken, doch so sehr ich dies auch versuchte, es gelang mir nicht, ihn ausfindig zu machen. Ich wurde ungewollt zum Schwarzfahrer und dies ausgerechnet dank der unbewußten Mithilfe eines Kontrolleurs. Mit dem festen Vorsatz, den „Onkel“ bei der nächsten Gelegenheit zu entschädigen, ging ich meinen Temeswarer Geschäften nach... Hans Dama Mag. et Dr. phil. (*Großsanktnikolaus/Banat), Studium der Germanistik, Rumänistik, Pädagogik, Geographie und Wirtschaftskunde in Temeswar, Bukarest und Wien. Rumänist am Institut für Romanistik der Universität Wien. In zahlreichen deutschen, österreichischen, ungarischen, rumänischen, spanischen und mexikanischen Zeitschriften sowie in Anthologien veröffentlichte Hans Dama Lyrik, Kurzprosa und Essays sowie Übersetzungen aus der rumänischen Lyrik.

Dei Heimat is jetz do

Hans Bader Einsender: Elisabeth Packi, Berlin

E Lewe lang hascht du geackert un dich geploot, dei Feld bebaut, taachaus, taachein dich abgerackert un dich em Herrgott anvertraut. Hascht nie geklaat, gezweifelt nie, die Hoffnung, nie de Mut verlor. Warscht stolz uf dei Banat, un wie! Un deiner Heimat ganz verschwor!


Dichtung - Dialekt

87 Dann hat mer dich uf Russland gschickt, weilscht Deitscher warscht. Dei Hof, dei Haus hat druf en anre bal beglickt. Mit deim Banat war‘s gschwind dann aus! Dei Weib, im Baragan is es geblieb! Dei Sohn, die Flucht is‘m gelung alleen! Dich hat als Schwob mer dann vertrieb! Du hascht geglaabt dei Herz bleibt stehn! Mit Schmiergeld bischt uf Deitschland kumm, mit leeri Händ un doch warscht froh! Dei schenschti Johre sin aa rum; E Troscht: Dei Heimat is jetz do!

Heimat

Einsender: Elisabeth Luckhaub, Karlsruhe

Ist das Land, in dem wir leben, unsre neue Heimat, noch so schön, bleiben doch die alten Zeiten, das Erinnern stets bestehn. Und wir wandern in Gedanken zu der alten Heimat hin, spüren unbewusst ein Sehnen tief in unsrem Herzen drin. Sehen dann die alten Freunde und die Heimat, wie sie war: einfach, schlicht, nicht reich an Gütern, aber dennoch wunderbar. Lasst uns davon oft noch sprechen, in Gedanken heimwärts geh‘n und mit guten alten Freunden feiern dort ein Wiedersehn!


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Dichtung - Dialekt

Ein Weihnachtsgruß

Einsender: Maria Muhl, Frankenthal

Der helle Glanz des Weihnachtssterns erstrahle euch im Herzen, in euren Seelen spiegle sich das warme Licht der Kerzen. Und lasset uns beim Feiern in der Nacht, beim Singen und beim Schenken, an alle, die nicht feiern können dann auch ein wenig denken. Und dafür sorgen, dass auch sie zur Weihnacht Glück verspüren. Drum lasset uns die Herzen öffnen, jedoch auch unsre Türen. In herzlicher Verbundenheit seid froh gegrüßt zur Weihnachtszeit! Wir wollen eines uns nur schenken, dass wir gerne aneinander denken.

Das heilige Rezept

E

ine wahre Geschichte, aufgeschrieben von Otto Conrad, welche zeigt, wie heilig die geheimen Rezepte für eine Steinschleiferfamilie waren. Ich aber schreibe sie nieder, weil diese – nebst dem Wissen und der Heiterkeit – mir persönlich mit nur wenigen Wörtern im Pfälzer Dialekt so billedrisch vertraut klang. „Oschärich“ oder „orschärich“ hat meine Mutti oder auch meine Oma über mich des Öfteren gesagt, wenn ich etwas anstellte oder auch nicht: „Wo es dann das Oschärichet?“ oder: „Was hat dann das Oschärichet gemach?“ Na, jetzt wissen wir, dass wir zwar als Pfälzer verloren gingen, nicht aber die alte „Mottersproch“ verloren.

Marliese Knöbl (Wagner)

Die Geschichte: Es muss Ende der 70er oder Anfang der 80er Jahre des vorletzten Jahrhunderts gewesen sein, als die Achatfärberei (Stein zur Schmuck- oder Zierratherstellung) in Schwung kam. Das Schwarzfärben hatte bekanntlich der Engländer „Hahn“ nach Ernst Falz, dem ersten Idarer, der Hochdeutsch sprach, in einem Pariser Gefängnis gelernt. Dort hatte er einem Mitgefangenen das Rezept entlockt, das er aber nicht als Geheimnis bewahrte, sondern nach Idar brachte, wo es bald allgemein bekannt wurde. Später waren auf einmal braune Achate auf dem Markt und wurden ein großes Geschäft. Aber sie waren selten, nur wenige


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Die Hauptgasse (später Bahngasse) auf einer Postkarte aus dem Jahr1912

Schleifer wussten um das Braunfärberverfahren. Bei einem Schleifer, der darin kundig war und der in einem Schleiferdorf in der Nähe wohnte, kam in jener Zeit ein Kindchen zur Welt, das leider „nällich Kind, schwach un orscheerig“ war. Zudem konnte die junge Mutter ihr Kind nicht ausreichend mit Muttermilch nähren und so nahm man eine „Schenkamme“ aus dem Dorf. Sie nährte das Kind und es blieb gesund und gedieh. Nach Wochen hielt man es für in Ordnung, die „Schenkamme“ einmal zu fragen, was nun die Schuldigkeit sei und was sie zu bekommen habe. Der Ehemann jener kräftigen „Schenkamme“ war auch ein Schleifer und, da die Amme nun die Forderung geltend machen durfte, sagte sie: „Ei, dann saat mir zur Belohnung ‘t Re-

zept von de Braune“ (das Braunfärbenrezept). Über diese Forderung waren die Eltern des Kindchens bestürzt und wehrten gemeinsam ab: Nein niemals würden sie ihr Geschäftsgeheimnis preisgeben, das käme nicht in Frage! Die Amme war von dieser Antwort gar nicht bestürzt und ganz gelassen sagte sie: „Dann komm ich uch eier Kend net meh schenke“. Nein, nein, betonten die Schleifersleut. Um nichts in der Welt würden sie das Braunfärberrezept verraten! „Gut“, sagte die Amme. „Dann komm ich morje net meh, dann kann‘t Kendche v‘rrecke!“ Diese Antwort ist in unserer Gegend noch heute als geflügeltes Wort bekannt. nällich = dünn; oschärich, orscheerig = klein, elend, kränklich


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Dichtung - Dialekt

Zwei Billeder Altbauern in der Zwischenkriegszeit vor dem barocken Hausgiebel in der Sauerl채ndergasse auf einer Holzbank. Ein davor gepflanztes junges B채umchen signalisiert Zuversicht in die Zukunft. Einsender: Elisabeth Marx


Dichtung - Dialekt

„H

Onser Fritzi, onser beschte Hund!

olt ne, Vedr Hans, holt ne! Ich saan Eich, Ter werd et net bereie. Sei Mottr es so e gude Hund on de Hindche werd bestimmt noch besser“, hat de Puszta-Hieder gsaat on mei Vatr hat sich iwerrede geloss on hat ne hemgebrong. On well onser Hunne entwedr Bandi, Rudi, Fritzi odr Waldi ghäsch han, es de Klääne newer onsrem Baldi ewe Fritzi geruf genn. Er waar noch verspillt, wie alle junge Hunne, awer aa gelehrich, ohne dass mr ne dressiert häde. Reinrassig waar ne net, awer weiß met große schwarze Flecke. De Baldi waar e Dackl, de Fritzi waar ausgewachs wie e Wolfshund so groß, awer wachsam, trei on kämpferisch. Wann ich als Khend met em of die Gass senn, hann die anre Hunne sich gfärcht, er hat se all aangeknurrt. Sogaar em Rossani sei Bernhardiner - e Koloss vum e Hund – hat ne en die Flucht gschlaa. Awer onsrem Fritzi sei grescht „Begabung“ waar et Ratzefange, er hat se iwerall met seiner gut Naas geroch, hat gscherrt on gegraabt, bes ne se ghatt hat. Dromm es ne en dr ganz Nochberschaft als Ratzefänger romgereicht genn on alle Leit waare begeischtert. Sei Meischterschteck awer hat ne bei Steinersch iwer die Gass am Eck gemach. Die haade ständich Unmus met de Ratze, hann awer net genau saan khenne, wo se hause. No hann mr de Fritzi suche gemach on de hat of me Platz zu scherre aangfang, wo khäne gedenkt hat, well dort jo alles zubetoniert waar. On noh es beroht genn, was zu mache es: Soll mr dem Hund so stark vertraue, dass mr de Beton em Stall ofschlaat odr liewer net? On de Steiner es bes zuletscht iwerzeit geween, dass de Fritzi net falsch leit, dass er em zutraut, sogaar dorch de Beton die Ratze zu rieche. On so waar et aa!

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H. M . Wie se et Loch ofgschlaa haade, senn dr Reih noh die Ratze em e Tempo rausghoppst, dass ne se nor em Gnack gebess on weggeworf hat. Es ään zu schnell komm, hat aa de Baldi em noch gholf, de wo aa am Loch gepicht hat. On et es de Steinersch, em Dr. Haupt on all dene Leit, wo dort zammgelaaf waare, net zum Glaawe komm: 27 Ratze hat de Fritzi aus dem Loch gholl on waar de Held – heitzutaach Star des Tages. De Dr. Haupt, de wo e aarich gude Tierarzt waar, hat vor Begeisterung nor saan khenne: „Wann dem Hund mol was passeert, khennt Tr mich aa om 3 Uhr en dr Nacht rufe, ich komm em helfe.“ Was ne aa 2mol glicklich hat khenne, well se ne vergift haade. Er hat nämlich niemand ent Haus geloss on stehle, wie das en de schwere Zeide oft passeert es. Wie die Russe rennkomm senn, es ne dem Zaldaat ant Gwehr ghoppst, dass de gaar nex meh hat mache khenne. On wie onser Kolonist mol mei Großvatr hat schlaan welle, es onser Fritzi an ne gschprong on Schluss waar seit dann met dem seiner Aangriffsluscht. Awer onser Fritzi waar all denne, wo stehle han welle, zu gfährlich on sie han et aa zum drettemol proveert, ne zu vergifte – on dasmol es et ne gelung. De Dr. Haupt hat alles proveert, awer et waar zu spoot, et waar nex meh zu mache. Aa onser Träne han nimmi gholf on traurich waare mr all. Hinne an de Sprauhitt han mer ne onsrer Erd iwergenn. Ja, de Fritzi waar wie mei Großvatr: Stolz, couragiert, trei on standhaft, drom sen se mr alle zwaa so lebhaft en Erinnerung geblieb on werre aa bleiwe, solang wie ich lewe...


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Dichtung - Dialekt

Mei Billedrisch, mei Mundaart, mei Mottersproch

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Elisabeth Martini (Frick)

n nochmol mecht ich of die Onmeglichkeit hinweise, Mundaart – aa onser Billedrisch – mit dene spezifische Zwischeteen (i-e, o-u, e-ä) in de Schrift feschtzuhalle, mit dem Phälzer Franz von Kobell sei Reime: „Wer kann‘n liewe Glockeschlag so schreiwe, wie er klingt, un wer kann schreiwe mit der Schrift, wie schee e Amsel singt? Des kann mit aller Mih kee Mensch, denk nor e bissche nooch. Un wie mit Glock un Vogelsang is‘s mit de Phälzer Sproch.“ Met onsrem Dialekt et aa net anerscht es, mer schreiwe of, wie‘s geht, dass mr ne net vergesst. Mei Billedrisch, mei Mundaart, drzu mei Mottersproch es anerscht wie die anre, awer scheen es se doch, aa wann mr gspott gen, iwer ons aa lacht, ons das wenich steert on aa nex ausmacht. On wann mr was net welle, noh saan mr änfach „Nää!“ on stehn, wann‘t reent „met äm Bään em Billeder Lähm“. Mer glaawe vill, awer traue ton mr khäm, wo späder dann vergesst, wo geleet es gen de erschte Stän. So manche gscheide Leit han aa schon feschtgstellt, dass ohne eigne Mundart mr es e heimatlose Gsell, so ohne Worzle, ohne feschte Halt em Lewe, wie wann de Mensch misst gehn so ohne Zewe. Aa wann kä reini Mundart es das Billedrisch, so es‘t doch aus meh drvon e großaartich Gmisch. Han manche schon vergess, was geipe, stuppe, hudle es? Dass die Millich lohlich, die Ometze of de Flutte sen, on die Hämmermeischer em Sommer oweds senge on dass die Nischtquaake oft et Glick erscht brenge? Dass sich die Hingle on de Kokosch em Staab oft pudle on reent et net stark, no tot et nor sudle. E Schliwert hat mr sich oft en de Fenger gerennt, well mr beim Aarweide kä Händsche hat gekennt. Et iwerzeit on haut aa hin, wann mr was saan, aa wann mr de Bozemann en de Weingaarte traan odr die scheene Pumpeller of de Blume fange welle, aus de Gaaschl manchmol trenke for onser Dorscht stelle. Die Schleicherte hat mr nor frieher bei dr Aarweit getraa, die Gatche on die Bux, de Jankl, sonntachs de Schurak aa.


Dichtung - Dialekt

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Mer hat et kheert ruschple, fluppe,rapple on kräsche on waar mr verstawert on traurich, hat mr misse kreische. Mer es net – wie heit – umgezoh, mer es nämlich geplennert; em Wärtshaus hat mr Kaarte gspillt, gepippelt, iwer anre gschent: Alle Forz lang hat äne naus pronze misse gehn, awer schnell es engsprong e „Kibitz“,et hat kä Remasuri gen. E Krupatz, e Stritzi, e Schollehopser on e Lausert waare kläne Kerle, Buwe, wo erscht späder sich han gemausert. Buckelranzeree hat mr nor dann jemand getraa, wann ne klän, schwer verwund odr aarich bsoff waar. Em Reindl hat die Mottr Gellriewe, Grombiere, Paprikasch gekocht, do hadet en de Kich emmer so aarich gut geroch, on oweds han mr Brinzl, Paradeis, Plunze gess on Worscht, do hat mr sich et schmecke geloss on ghatt große Dorscht. Die Riwlsopp, aa die met Grießknedle odr feine Nudle drenn hadet am Sonntach odr aa am Feiertaach emmer genn; de Baamstamm, die Vogelsmilch, die Krembitte han so gut gschmeckt, do hat mr sich drno alle zehn Fengre abgeleckt. Mer esse ons manchmol sokaar heit noch de Lääde aan, genn fett wie e Taaichpatze, nor seltn de Randl mr han. Die Gärwe mr braucht, dass et Brot on de Kuche ofgehn, e Bindl for of‘t Bindl-Baal en‘t Groß-Wärtshaus gehn. For die Millich hemtraan hat mr frieher die Khandl gholl, et Trenkwasser vom Tiefbronne, wann die Gieß waar voll. Met dr Gummipuschka han die Buwe so gäre of die Spatze gschoss, drbei so manche Dachzichl odr gaar die groß Scheib getroff. Die Halterpeitsch hat de Kihhalter hart knalle gemach, dass die Leit ihre Kih naus of die Gass geloss han. On Aue wie e Stoßvogl, aa gschickte Hänn hat manche von ons, kann backe Phannkuche en 32 Phanne wie die Neurohrs. Em Gärtche mr Näglcher, Runglcher, Veiglcher, Kriwlcher han, do sitt mr, wie scheen blumich onser Mundaart sen kann; aa Schneidergäs on Futtilcher, Allawitschka on Atzle mer kenne, iwer die Blutzuckler em Hanfwasser misse mr heit net meh schenne. On et geft noch so vill, wo mr erwähne misst on saan, dass onser Dialekt wärt es, das mr ne noch lang han!

On well onser Billedrisch so gut zu ons passt, hat de Kaplon Marius Frantescu, e Billeder Khend, sei Oschter-Artikl „Die Auferstehung Jesu: Die große Osterfreude“ en der Banater Post zum Täl aa en onsrem Dialekt gschrieb:

„Liewe Chrischteleit, liewe Landsleit, jong on alt, von näkscht on fern! Oschtre! Jo, mer feire en de näkschte Täch Oschtre. Et es et grescht Fescht em Kärchejohr, e Fescht dr Frääd iwer onser Erlesung, was läder nor noch wenich Leit wesse on bewusst feire.


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94 Als e Schwob von dr Heed on als das fiehl ich mich jetz noch, noh fascht 20 Johr en Deitschland – schreib ich aa zum erschte Mol en der Sprooch, met der ich ofgewachs sen. En dr Faschtezeit denk ich oft an die Zeit zuruck, wo ich als Khend en Billed bei meine Großeltre die Oschterzeit erlewe han därfe. Et schenscht von allem waar et Oschternischt-Baue met meim Ota. Do hamer onne am Wasser ganz vill Graas, Krotteblume, Botterblume on Hinglsdärm geroppt on em Hof, en de Reewe on hinner de Kutsch ganz vill Nischter gemach, en dr Hoffnung, dass de Oschterhaas aa alle Nischter voll macht...

Am nächschte Morjet – am Oschtersonntach – waar die Frääd groß, wann mer Khenner die volle Nischter gfon han. Nateerlich waar das nor e Täl von dr Oschterfrääd. Drzu gheert aa noch die Zeit, wo die Kärcheglocke of Rom gflo sen on die Ministrante met de Raschple on Klecke em Dorf unerwegs waare; das Aaierfärwe on de Kärchgang met dem Wunsch: Frohe Oschtre!...... Ehr Leit, ehr Leit, ehr liewe Leit – et kommt die heilich Oschterzeit on ich winsch eich all – klän on groß, jong on alt – frohe Oschtre!! (Das Hochdeitsche kennt‘r en der Banater Post vom 20. März 2010 nohlese, wann Tr wellt.)

Lache odr schmunzle metm Franz Gebel Reene De Kaarl macht die Tier of on streckt die Hand naus, noh gedn en die Kich, macht et Fenschter of on streckt die Hand naus. Von do gedn ent Schlofzimmer, macht et Fenschter of on streckt die Hand naus. Sei Fraa, et Resi, gsitt das alles on froot, was‘n das bedeide soll. Ja Resi, ich hann nor schaue welle, ob iwerall reene tout. Fenf Minute Hallo, Hans, wo es dann mei Schwester? Och, Bewi, dei Schwester es vor zwaa Stun for fenf Minute zu onser Nochberin gang. Scheidung De Sepp geht zum Aanwalt on well die Scheidung enreiche. De Aanwalt kennt de Sepp on sei Fraa. „Sepp, du bescht schon dreißich Johr met‘m Kathi verheirat on jetz of mol die Scheidung? Was es dann loss?“ „Das es leicht zu erkläre: Well seit me Johr

geft mr mei Kathi nimmi die Hand.“ „Ja wieso?“, froot de Aanwalt. „Well ich jede Taach met dreckiche Hänn hem komm, ich sen doch Raafangskehrer.“ Paprika De Matz hat e Haus met Gaarte on de Kaarl hat e Haus ohne Gaarte. Die Zwaa han sich awer schon lang nimmi gsien, so dass de Matz de Kaarl mol zu sich engelaad hat. Wie se em Gaarte waare, froot de Matz de Kaarl: „Schaue dei Paprika-Kepp aa so schlecht aus?“ „Nää, Matz“, saat de Kaarl. „Mei PaprikaKepp sen scheen groß, mol grien, mol geel, mol rot.“ „Ja wie machscht du das?“, well de Matz wesse. „Ich kaaf die Paprika-Kepp em Gschäft, well ich kä Gaarte han“, saat de Kaarl. Neie Schtaabsauger De Franz, de wo morjets en sei Birou geht on owets hemkommt, hat wenich Aahnung von dr Hauswertschaft on dass de Schtaubsauger


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Die Kirchengasse 1916 kaputt es. Er kaaft seiner Fraa, em Resi, e neie on well ne aa ausproweere. „Resi, wo es dann etwas zum Sauge?“ „Awer, Franz, du muscht schon selwer gsien. Ich gehn jetz zu meiner Schwester on wann ich hemkomm, koch ich die Riwle en on mer khenne esse.“ Et Resi kommt hem, well die Riwle enkoche, awer die waare weg. „Franz, kannscht du mr saan, wo die Riwle sen?“ „Resi, die sen em neie Schtaabsauger. Soll ich se rausholle? Wievl hascht dann gemach?“ Bett „Leni, wo es de Kaarl? Er muss mr was helfe.“ -“Das tät ich aa geere wesse, well vor drei Täch es‘n zu meiner Schwester gfahr, e Bett repareere.“ Plafon streiche Karin, wie schauscht dann du aus, wo waarscht dann?“ - „Ich waar bei deim Bruder, han awer net gewesst, dass ne de Plafon

streiche tout. Ich han die Tier wie emmer ofgemach on schon hadet gerumpelt, well ich met dr Tier die Läter met Farbämer on deim Bruder omgeworf han.“ „On wie gehdet dr Farb?“ -“Dr Farb gehdet gut, die leit of dr Erd, awer dei Bruder han ich so lang kisse misse, bes‘n nochmol zu sich komm es.“ Potzfraa „Matz, wo waarscht dann die ganz Nacht?“ - „Oh Schatzi, sei mr net bees, awer ich sen met meiner Potzfraa em Birou engschloof.“ Urlaab De Hans on‘t Lissi faahre en Urlaab, awer jede woanerscht hin. Wie se nochmol drhem waare, froot de Hans et Lissi, wie et em Urlaab waar. „Och, et waar jo alles scheen on gut, nor de Koch hat mich net en Ruh geloss. On wie waar dei Urlaab?“ - „Na ja, bei mer waar aa alles scheen on gut, awer mich han die Zimmermädcher net en Ruh geloss.“


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Weihnachtsgedanken

s ist wieder einmal so weit, alle Jahre wieder. Die Zeit der Vorbereitungen auf die Weihnachtszeit hat längst begonnen, bei vielen ganz traditionell mit dem Plätzchenbacken. Düfte von Anis, Nelke, Vanille und Zimt ziehen von der Küche ins ganze Haus. Sie vermischen sich mit jenem von Tannenzweigen des Adventskranzes, mit jenem von brennenden Kerzen, frisch aufgebrühtem Tee oder besonderen Parfümgeschenken. Weihnachten und die Zeit davor, der Advent, sind sicherlich der wohlriechendste Abschnitt des Jahres. Gewürzen und Düften wird ja bekanntlich eine heilende Wirkung zugesprochen. Auch Duft-Erinnerungen werden wach. Wie es wohl war, als die drei Weisen aus dem Morgenland den Weg nach Bethlehem gefunden hatten, geleitet durch den Stern? Ein aufdringlicher Stallgeruch mag ihnen wohl entgegengeschlagen haben. Doch auch hierdurch ließen sie sich von ihrem Ziel nicht abbringen. Für uns sollte Weihnachten nicht nur bedeuten, die Welt um uns herum mit allen Sinnen, auch mit der Nase, wahrzunehmen und zu genießen. Es sollte vielmehr eine Aufforderung an uns alle sein, einen Sinn zu entwickeln auch für alles, was im 21. Jahrhundert zum Himmel stinkt. Schon damals in der Weihnachtsgeschichte wurden wehrlose Kinder Opfer des machtbesessenen Tyrannen Herodes, der alle Kinder bis zu zwei Jahren töten ließ, nur um seine Machtposition zu sichern. So sollten auch wir einen Geruchssinn entwickeln für die Missstände und den Gestank unserer Zeit, denn es gibt immer noch Hunger und Ungerechtigkeit in der Welt, Heere von Kindersoldaten, Kindersklaven oder Kinderarmut, Letzteres sogar vor unserer ei-

Dichtung - Dialekt Hermine Schnur (Franz)

genen Haustür. Ein Geruch des Todes zieht nach wie vor durch unsere Welt. Durch kleine Dinge, Gesten und Taten lässt sich dieser jedoch in einen weihnachtlichen Wohlgeruch verwandeln. Abgesehen von den Geschenken, wie in unserer reichen Gesellschaft üblich, können dies auch freundliche Worte, Hilfsbereitschaft gegenüber Alten und Schwachen, die Großzügigkeit beim Spenden zur Milderung des Elends in dieser Welt oder das Aufzeigen von Diskriminierung jeglicher Art sein. So oder ähnlich können wir unseren kleinen Beitrag leisten, den Wohlgeruch der Nächstenliebe, der Lebensfreude und der Versöhnung in der Welt zu verbreiten. Für das nächste Jahr wünsche ich Ihnen: - dass Sie sich nie die Nase zuhalten müssen - dass Sie über manches Übel die Nase rümpfen - dass Sie nie auf die Nase fallen - dass Sie sich nie auf der Nase herumtanzen lassen - dass Sie nie blass um die Nase herum werden - dass Sie nicht an der Nase herumgeführt werden - dass Sie sich ab und zu an die eigene Nase fassen - dass Sie sich hin und wieder den Wind um die Nase pfeifen lassen. Allen Landsleuten duftende Weihnachten und ein von Wohlgerüchen erfülltes Neues Jahr.


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Erntekindergarten im Billeder Kino 1941. Einsender: Jakob Klein

Jahrgang 1960. Volkstanzgruppe mit Lehrerin Magdalena Bec. Einsender: Jakob Klein

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Gruppenbild 1965: Familie Freer und Katharina Muhl, rechts.

Fotos meiner God aus Amerika

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961 - die Banater Schwaben haben es wieder geschafft. Sie bekommen ihre entrümpelten Häuser zurück und können auf ihren ehemaligen Feldern den Kommunismus anbauen. Landsleute, die vor dem Vorhang geblieben sind, dürfen, jeweils einmal in 2 Jahren, ihre Angehörigen in der alten Heimat besuchen. So auch Katharina Muhl, meine God, die, nach ihrer Russlanddeportation, bei Verwandten in den USA untergekommen ist. Im Gepäck hat sie original-amerikani­schen Kaugummi und Luftballons für uns Kinder. Und mit einer US-Schnappschusskame­ ra knipst sie manche Fotos, die uns damals nicht viel bedeuten. Denn, um den Vogel rauszulassen, sind mindes­tens Sonntagsklei­ der, Kommunion, Kirchweih, Hoch­zeit, Be­ gräbnis oder sonstiger fei­er­licher Anlass drin­ gend nötig.

Josef Freer

Alle 4 Jahre kommt sie danach wieder, ihre Fotos, 6,5x9 und 9x12 cm, sind die ersten Buntfotos in meinem Album. Es sind Gruppenbilder der „Vertgässer Nochperschkenner“ 1961-1965-1969, Aufnahmen vom „Entelake“, der „Hutwed“, der „Vertgass“ und von „derhem“. Eine Aufnahme zeigt mich im „schwowi­ schen Bad“ - eine von meinem Großvater, dem Muhl-Spengler, handgefertigte „Blechmolter“. Über einen angeblichen Baderitus „schwäbisches Bad“ - das sind fünf oder mehr Per­ sonen über drei Generationen verteilt, von Jung nach Alt, nacheinander in derselben Wan­ne und demselben Wasser - sind die Banater Schwaben sich verbittert in die Haare geraten. Heute kann man darüber auch sagen, dass es sich dabei um ein zeitloses ÖkoBad handelte.


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Billeder Nachbarskinder der Viertgasse 1961 im Hof der Familie Freer mit Luftballons aus Amerika Billeder Nachbarskinder der Viertgasse 1969


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101 Nachbarskinder in der Viertgasse 1965 im Hof der Familie Freer


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Auf der Tenne der Familie Freer 1965 Muhl Spengler, der GroĂ&#x;vater von Sepp Freer, im Hof bei der Herstellung einer Dachrinne


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Sommer 1965, Sepp Freer mit Rad und Wilhelm Werner. Bei dem Rad handelt es sich um ein Kinderrad aus der Vorkriegszeit. Sepp Freer, mit einem Wasserball aus Amerika, ahnungslos in dem weltbekannten schwäbischen Bad. Im Hintergrund die Oma an der zeitgemäßen Waschmaschine.


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1965 vor dem damaligen รถstlichen Teich des Dorfes, im Hintergrund der Mexiko Sommer 1965, auf dem Nachhauseweg in der Viertgasse


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Ferien in Billed. Einsender: Erika Weith, geb. Leidecker Fr체her Zimmermann - nun Rentner und versierter G채rtner im eigenen Hausgarten. Einsender: Jakob Dipre

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Ausgebaggerte Erdhügel auf dem Gelände der Ziegelei. Später wurden daraus Ziegel. Niveliert ergeben sie die „Strand-­Pro­ menade“. Im Bild einer der kleinen Seen, im Hintergrund die Landstraße zwischen Billed und Alexanderhausen. (1983)


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Freizeitgestaltung 1983. Sonntägliche Badegesellschaft Billeder Junggesellen an den Baggerseen der Ziegelei, genannt „Cariera“. Mit damals üblichem Humor nannten wir die Maulwurfshügellandschaft auch „Bahamas“. Die Organisatoren Walther Graf und Sepp Freer auf dem Nachhause-Getacker von der Badeparty. Auf der Ladefläche Strandmöbel, im Hintergrund die Ziegelei. Einsender: Josef Freer


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11. Schlachtfest mit Szekely-Gulasch, Schlachtplatte, Kuchen, Torten, „Kipfle“ usw. Fotos: Cornel Gruber

Schlachtfest bei der Trachtenblasmusikkapelle Billed-Alexanderhausen

Adam Tobias

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m 23. Oktober war das 11. Schlachtfest in Frankenthal im Donauschwabenhaus, das durch umfangreiche Renovierungsarbeiten in neuem Glanz erstrahlt. Traditionell holen wir erst die Wurst ab bei Sepp Dinyer zu Hause, wo wir dann unter dem Nussbaum ein Ständchen spielen. Mit einem Glas Rotwein stoßen wir dann an und bedanken uns bei Sepp Dinyer, Franz Klein und Hans Muhl und dem ganzen Helferstab. Um dieses Fest wieder so richtig schön werden zu lassen, bedarf es vieler fleißiger Hände, auch am Fest selbst: zum Bedienen, Abwaschen, Kassieren, Aufräumen, Putzen. Das sind alles Arbeiten, die ehrenamtlich gemacht werden. Respekt, und ein ganz großes Danke. Es hat alles bestens geklappt. Das Szekely-Gulasch zu Mittag war einfach spitze und die Schlachtplatte am Abend war richtig gut. Dazwischen gab es Kaffee und Kuchen. Viele Torten, dazu noch Kleingebäck und „Kipfle“. Den Kuchenspendern, Sach- und Geldspendern herzlichen Dank.

Der „Grie­we­kuche“ von Dinyers war, wie jedes Jahr, wieder hervorragend. Herzlichen Dank auch an unseren Fanclub, der uns wieder die Einnahmen vom Nürnberger Herbstfest hat zukommen lassen. Dieses Jahr war mal wieder die Tanzgruppe der Banater Schwaben aus Karlsruhe, geleitet von Heidi Müller und Werner Gilde, dabei. Sie begeisterten die Zuschauer sehr und ernteten tosenden Applaus. Nach dem Abendessen wurde die schon sehnlichst erwartete Tombola verlost. Bis nach 23 Uhr haben wir gespielt, dann hat Gerry Kegler bis in die frühen Morgenstunden die Puppen tanzen lassen. Da einige unserer Landsleute meinen, Plätze bestellen zu müssen, um dann doch nicht zu erscheinen, werden wir ein Konto eröffnen und jeder, der da das Geld überweist, wird dann einen Platz haben. Wir werden alles rechtzeitig bekannt geben. Elisabeth Stadtfeld wird dann wieder die Regie führen und jedem den richtigen Platz zukommen lassen.


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Die Tanzgruppe der Banater Schwaben aus Karlsruhe, geleitet von Heidi M端ller und Werner Gilde.

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Sepp Dinyer, einer der Hauptorganisatoren, mit den Tombola-Preisen Die Tombola-Gewinner nach der diesj채hrigen Auslosung

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Einer der HĂśhepunkte des Festes, der Aufmarsch mit den Schlachtplatten Der Fanclub der Trachtenblasmusikkapelle Billed-Alexanderhausen hat die Einnahmen vom NĂźrnberger Herbstfest wieder der Kapelle zukommen lassen


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„T

Billed – Gernsbach, 1940 – 2010

rinkst du mal Wein am Rhein, gib acht auf den Jahrgang...“ Feiern Vierziger fünfmal, sind sie von Billed, der Wein ist egal. Nein, ein Motto gab es keins beim fünften Fünfjahrestreffen der 70-Jährigen aus Billed. Es gab zum Kaffee guten Kuchen, im Schwarzwald besseres Wetter als letztes Mal, von Geri beste Musik, im „Sonnenhof“ allerbeste Laune, mitgebracht von Rentnern, die schon 7 Jahrzehnte in 2 Jahrhunderten, sogar 2 Jahrtausenden und mindestens 2 Ländern erleben durften. Nie vergessen: 5 Jahre II. Weltkrieg gehören dazu. Die stimmungsreiche Laune will ich damit unterstreichen, nicht verderben. Wer sie nicht mitgebracht hatte, musste sie hier erwerben, kostenlos. Getrunken wurde Sonnenhofwein, doch nicht vom Rhein. Er schmeckte, rot, rein und fein, tat das Seine zum Lustigsein. Die Teilnehmerzahl konnte sich sehen lassen, bei einem in die Jahre gekommenen Jahrgang. Entscheidend beigetragen haben sicher die von Elisabeth Herbst verschickten Einladungen: wohldurchdacht, künstlerisch gestaltet, ansprechend. Sie konnten ihre Wirkung nicht verfehlen. Keiner kann`s verhehlen, in dem „Werk“ war Lissis Absicht gelungen verpackt, dessen Ansicht schon Vorfreude erweckt hat. Ihrem Erfolg zurechnen dürfen wir besonders, dass wir bei unserem Treffen Außer - Billedrische treffen durften. Es sind dies „Vierziger“ mit Ehepartnern aus Billed. Wir geben sie nicht mehr her, sie sind die Unsrigen. Anna sowie Hans mit Lissi sind schon zum zweiten Mal dabei. Das will doch was heißen! Käthe mit Hans waren Erstlinge. Beim Auseinandergehn hieß es „Auf`Wiedersehn!“ Annemarie, ein Sonderfall sondergleichen: In Billed geboren, in Österreich aufgewachsen, in

Begegnungen Peter Neumann

Deutschland gereift, 66 Jahre vom Zeitgeschehen verschluckt, hat sie nach Gernsbach und so wieder zu uns gefunden. Bezeichnend sicher auch Rosis Willen, dabei zu sein. Mit einer wohlerzogenen Enkelin, bereit ihre Zeit und Fahrtüchtigkeit der Oma zu schenken, die sich in Gernsbach wohl fühlen und die vergnüglichen „Alten“ womöglich ein bisschen bewundern kann. Billeder Wurzeln wirken nach. In ihrem Grußwort vergaß unsere Gastgeberin nicht, jene eingeladenen Kameraden, die gerne gekommen wären, aber verhindert waren. Wir sollten sie in unsere Runde einbeziehen. Gedanklich taten wir es und erwarten sie beim nächsten Mal. Gedacht haben wir auch derer, die unsere Persönlichkeit mitgeformt haben, der Lehrer unserer Schulzeit in Billed. Eine Gedenkminute war auch schon einzulegen für unsere Kollegen, die sich für immer verabschiedet haben. Leider. Es sind sieben an der Zahl. Der Sensenmann selber ist wohl auch schwer von der Glückszahl 7 zu trennen. Denn diese war Hauptthema des Beitrages unseres Runden-Ältesten und Hauptstütze der Gastgeberin, ihres Ehemannes Josef Herbst. Ein Feuerwerk an „SiebenerBlitze“ brachte er in die Runde, dafür bemühte er auch ein Gedicht von unserem Landsmann Johann Sieber-Brach (Sieber Jani) : „Zum siebzigsten Geburtstag“. Peter Kräuter hat die Versammelten verzaubert, so als wollte er beweisen, dass feinsinniger Humor und vergnügliche Albernheiten sich sehr wohl miteinander vertragen. Er konnte alle zum Mitwirken anspornen und es entspann sich ein Scharmützel von witzigen Einlagen, so dass jeder über jeden, sogar sich selber, lachen durfte. Unsere Ehepartner waren davon nicht ausgenommen. Sie machten die Feier zum Fest.


Begegnungen

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Die Teilnehmerzahl konnte sich sehen lassen, bei einem in die Jahre gekommenen Jahrgang. Gedacht haben wir auch derer, die unsere Persönlichkeit mitgeformt haben, der Lehrer unserer Schulzeit in Billed. Eine Gedenkminute war auch schon einzulegen für unsere Kollegen, die sich für immer verabschiedet haben. Dass Siebzigjährige das Tanzbein noch immer elegant schwingen, war im Sonnenhof sehr wohl festzustellen. Dass sie auch noch eine flotte Sohle auf`s Parkett legen können, bewies der Ruf nach der “Zepplpolka“. Nicht nur einmal wurde bis zum Keuchen gezeppelt. Und mit Geri war`s fast wie beim Wunschkonzert, er erfüllte jedem jeden Wunsch, verständlich: Man verständigte sich doch billedrisch. Und warum er um 2 Uhr morgens noch immer auflegen sollte? Entweder war die Gesellschaft eine nimmer- müde oder niemand hatte einen weiten Heimweg, aber schön war`s doch auch.

Für Gutausgeruhte hatte Familie Herbst sich das Sonntagsprogramm ausgedacht: Schloss Favorite, das Lustschlösschen der Markgräfin Sibylla Augusta bei Rastatt, feierte 300. Geburtstag und 300 Jahre europäisches Porzellan. Zu besuchen waren die Porzellansammlung im Schloss und das „Barockfest“ im Schlossgarten, beide ein Erlebnis. So tunlichst wie herzlich wollen wir Lissi unseren Dank aussprechen, denn auch sie gestand es offen: Wir dürfen auf ein neues Treffen im „Sonnenhof“ hoffen. Und das ist siebzigmal schön.


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Am 1. Mai in Karlsruhe: 35 Jahre sind vergangen, seit wir die Billeder Schule verlassen haben

Klassentreffen des Jahrgangs 1960

D

ieses Jahr war es wieder mal soweit. Es stand wieder eines unserer bereits zur Tradition gewordenen Klassentreffen an. 35 Jahre sind vergangen, seit wir die Schulbänke der Billeder Schule verließen und dies musste natürlich gebührend gefeiert werden, zumal wir in diesem Jahr unser Fünfzigstes begingen. Und so trafen wir uns am 1. Mai in Karlsruhe. Am frühen Nachmittag, nachdem die meis­­ten von uns eingetroffen waren, hielt Werner Gilde, der wie immer das Treffen zusammen mit Hermine Schnur hervorragend organisiert hatte, eine kurze Begrüßungsrede. Dabei betonte er die besondere „Qualität“ dieses 60er Jahrgangs. Anschließend gedachten wir unserer, leider viel zu früh, verstorbenen Mitschüler Mischi Bec und Werner Müller, sowie unserer Grundschullehrerin Frau Magdalena Bec. Besonders erfreut waren wir, dass wir dies­mal zwei unserer ehemaligen Lehrerinnen begrüßen durften, Frau Elvira Slavik und Frau Maria Schaljo, die in ihren Reden an die vier Jahre, die wir gemeinsam an der

Hans Gebel

Billeder Schule verbracht hatten, erinnerten. Leider konnte unsere Klassenlehrerin, Frau Elisabeth Martini, nicht an unserem Klassentreffen teilnehmen, der Brief aber, den sie vorlesen ließ, zeigte, dass sie uns nicht vergessen hat. Danach hat jeder von uns kurz über sich selbst berichtet, was teilweise sehr kurz ausfiel: „Wer beim letzten Mal gut aufgepasst hat, weiß auch jetzt noch über mich Bescheid“, wie einer meiner ehemaligen Klassenkollegen sagte. Damit war der „offizielle“ Teil unseres Klassentreffens beendet und das Feiern ging richtig los. Für die musikalische Unterhaltung sorgte unser Landsmann Gerhard Kegler, und so dauerte es nicht lange, bis das Tanzbein geschwungen wurde. Außerdem wurden natürlich viele Erinnerungen ausgetauscht und es wurde sehr viel gelacht. Zur späten Stunde wurde infolge der guten Stimmung der Vorschlag unterbreitet, uns nicht nur alle fünf, sondern jedes zweite Jahr zu treffen. Dies wird aber leider Wunschdenken bleiben, da es so schon schwierig ist, so viele von uns wie möglich an einem Tag zu-


Begegnungen sammen zu bekommen. Letztendlich mussten wir uns dann doch wieder trennen, obwohl weder der Gesprächsstoff ausgegangen, noch die gute Stim­mung abhanden gekommen war. Wir verließen unser Klassentreffen mit der

115 Vorfreude auf das nächste in spätestens fünf Jahren und die anwesenden Nicht-60er mussten letztendlich anerkennen, dass wir ein „besonderer“ Jahrgang sind (Es blieb ihnen auch keine andere Wahl).

Brief der Klassenlehrerin Elisabeth Martini Liebe Ex-Kolleginnen, Ex-Schüler/Innen mit ebenso liebem Anhang, weil heutzutage vieles wird in Reimen ausgedrückt, versuche ich darin nun auch mein Glück. Gelingt es mir nicht über alle Maßen gut, seid gnädig dann und nehmt mir nicht den Mut bei Anfängern man Toleranz meist walten lässt und nagelt sie nicht nur auf ihre Fehler fest. Zu euch jetzt, meine Lieben hier im Saal vereint zum Feiern nun die Lebenshälfte, womit man Reife stets auch meint. Ihr seid zur Zeit zerstreut in Stadt und Land, doch habt ihr euch als Schüler gut gekannt, weil ihr im selben Ort zur Schule seid gegangen, um Kenntnisse und Fertigkeiten zu erlangen. Danach wart scharf am Überlegen ihr, in welche Richtung geht’s? Mit welchem Ziel? Zufrieden seid ihr heute meist mit eurer Wahl: Die Arbeit und der Partner/ die Partnerin sind euch keine Qual. Vielmehr euch machen beide recht viel Spaß, auch wenn das Schicksal zuwirft euch so manchen Fraß. Zurückgeschaut auf Kindheit, Schulzeit, unsern Ort, wird feucht das Aug‘ und Wehmut in die Stimme kommt. Ihr seht euch in der ersten Klasse, dann die Leiter hoch, wobei es in der Fünften schon mehr nach Arbeit „roch“. Denn ganz problemlos war die Zeit auch damals nicht, die Lehrer waren streng, das Lernpensum, die Hausaufgaben dicht. Doch außer Pflicht auch Spiel und Freud‘ es gab im Schulhof, auf der Hutweid‘, auf Ausflug in Temeswar, wo manchen wir erst suchen mussten in der Continental – Bar, weil‘s dort interessanter als auf der Hotel – Terrasse war. Aus dieser Zeit winkt Mischi uns noch zu, den längst wir wissen jenseits, in ewiger Ruh‘. Auch wenn er oft gestört die Stunden hat, so ist ihm heut‘ doch keiner bös‘, im Urteil hart: Er war, wie er sein konnte durch seine Natur, wir haben ihn auf seinem Weg ein Stück begleitet nur. Ganz still und schüchtern, schwächer als die meisten war Werner Müller auch noch da und konnt‘ nicht alles leisten, denn so robust und stark wie Hans und Roland, Erwin war er nicht, das Schicksal hat zu früh auch ihm gelöscht das Lebenslicht. So hin und wieder denken wir an sie, bedauern dann, dass kurz und schmerzvoll, unerfreulich oft ihr Leben war.


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Zur späten Stunde wurde infolge der guten Stimmung der Vorschlag unterbreitet, uns nicht nur alle fünf, sondern jedes zweite Jahr zu treffen. Die Klassenlehrerin war damals jung, vielleicht zu streng, autoritär und sah in ihrer Direktorin das Beispiel, dem zu folgen wär‘. Heut‘ weiß sie, dass es besser ist, auch tolerant zu sein, sich öfter mit den Schülern freun als einmal nur zu schrein. Ein gutes Beispiel war ihr da die Klassen- auch die Mathelehrerin, die immer gütig, einfühlsam und doch bestimmt das schwierige Fach und auch Manieren hat getrimmt. Mein Dank soll beide auch nach vielen Jahren noch erreichen, zumal sie auch für mich behutsam einst gestellt die Weichen, weil sonst „nur“ Schneiderin wahrscheinlich ich geworden wär‘, was mancher auch von euch sich hätt‘ gewünscht oft sehr, den ich zur Ruhe und zum Fleiß gemahnt, der nicht erwog, dass seine Kinder später nachsehn können in dem Katalog und dann erkennen, dass die eignen Schwierigkeiten und Probleme zurückzuführen sind gewiss auf elterliche Gene. Ganz rechts im Absolventenbild, das hier bei mir ich habe, noch klein und brav, bei unsern Mädchen in der ersten Reihe steht Werner, unser Größter er allmählich wurde durch die Gabe, die Andern für die Sache der Gemeinschaft zu begeistern. Mit viel Verständnis, Langmut, doch auch Perseverenz hat er nicht nur die Billeder im Griff, auch alle die Banater aus Karlsruhe, egal aus welchem Ort bis zur westlichen Grenz‘; er managt alles: Ausflüge, Kulturveranstaltungen, Heimatblätter, vergisst auch Friedhöfe und Kirche, das Forum-Haus, die Leute nicht, die in der Heimat leben, alt und kränklich sind, gar hilfsbedürftig. Wir alle danken Werner hier und auch Gerlinde für Arbeit, Zeit und Liebe und wünschen sehr, dass es noch lange Zeit so bliebe. Auch Kari Balogh wir für viele Verse unsers Heimatblattes Dank wir schulden und hoffen, dass trotz Kummer, Sorgen seine Quellen weiter sprudeln! Die Mädchen in des Fotos Mitte schon damals überragten mich, sind heute ganz bestimmt in ihrem Fach ganz vorbildlich. Hermine in der Fünften für die Wandzeitung Gedichte schrieb, und jährlich man von ihr im Heimatblatt nun tiefgründige Artikel liest in einer Sprache, einem Stil, der überzeugt und auch gefällt, uns stolz macht, unser Lob als Ansporn zum Weitermachen für sie zählt.


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Obwohl zerstreut im ganzen Land und in der Welt, habt ihr euch immer wieder zum Treffen eingestellt, gefreut euch, dass es Billed und die alte Heimat gab, wo auch zurückgeblieben ist, vereinsamt, manch Familiengrab. Doch weil die Zeit vergeht und niemals stille steht, nach zwanzig, dreißig, vierzig ihr nun auch fünfzig zählt, ganz oben auf dem Berg des Lebens ihr nun seid und für die zweite Hälfte bestens auch bereit. Drum macht es besser als die andern um euch her, denn selbst aus Fehlern wird man klug und weiß dann mehr. Verzeiht den Lehrern, wenn sie mal auch übers Ziel geschossen, zu viel verlangt von euch und damit euch verdrossen. Und leider weiß man oft auch nicht voraus, was wirklich man im Leben braucht, dass mehr als Mathe manchmal Zeichnen und Geschichte taugt, auch Erdkunde, Botanik, Turnen und Grammatik kann es sein, die einen im Leben weiterbringen und Sicherheit verleihn. Gewiss ist‘s gut und spart auch Zeit, wenn gleich man richtig wählt und nicht erst paarmal ansetzt auf dem Berufs- und Lebensweg. Weil manche auch die Enkel bald gedeihen sehn, muss ich als künft‘ge „Uroma“ in Gänsefüßchen auch verstehn, dass ihr nun mir so manchen Rat und Tip jetzt geben könnt, wo doch die neue Welt um uns ihr besser als ich kennt. Drum wünsch‘ ich euch auch weiterhin Erfolg und Glück, Gesundheit, Optimismus, von der Lebensfreud‘ ein großes Stück, sodass wir dann beim nächsten, übernächsten Mal genauso froh, gesund und vollzählig erscheinen wie diesmal. Darauf stoßen wir an. Prost!! Jahrgang 1960, Schulabschluss 9. Klasse mit Lehrerin Elisabeth Martini. Einsender: Jakob Klein


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Billeder Rentnertreffen 2010

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ass die Billeder Senioren sich zweimal jährlich im „Haus der Heimat“ in Karlsruhe treffen, ist schon lange zur Tradition geworden. Das erste Treffen 2010 fand am Mittwoch, dem 21. April mit 42 Personen statt; beim zweiten Treffen im Herbst, am Mittwoch, dem 22. September waren 46 Personen zu Gast. Zu unserer Freude waren 4 Rentnerinnen und Rentner aus Frankenthal sowie eine Rentnerin aus Speyer dabei. Es würde uns freuen, sie auch bei unseren nächsten Treffen begrüßen zu können. Nach der Begrüßung der Anwesenden durch Jakob Muttar wurden die Termine für 2011 festgelegt. Dann trug Sepp Herbst – wie bei jedem Treffen – Gedichte vor, einige davon auch in Mundart, was sehr gut ankam. Er reichte auch eine Liste mit den Geburten und Sterbefällen der Billeder herum.

Jakob Muttar

Wie bei den vergangenen Seniorentreffen hatten unsere Frauen, die wie immer in der Mehrzahl waren, Bäckkipfel und allerlei Kuchen gebacken; Kaffee und Getränke wurden nach Wunsch serviert. In den 4 Stunden, die viel zu schnell vergingen, wurde viel über Billed erzählt, die „Gärtner“ tauschten Erfahrungen aus, jeder hatte ein Thema. Es war eine sehr gute Stimmung. Gut gelaunt und mit so manch einer Neuigkeit ging jeder heim, schon mit der Vorfreude auf das nächste Treffen. Der Nachmittag hätte noch viel länger andauern können. Ich lade jüngere und ältere Rentner zu unseren Seniorentreffen ein – es sind leider immer Ausfälle durch Krankheit, Behinderung oder Sterbefälle – damit wir unser „Billeder uner sich“ noch lange erhalten können. Termine 2011: Mittwoch, 27. April sowie Mittwoch, 21. September, jeweils ab 14 Uhr!


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Das erste Treffen 2010 fand am Mittwoch, dem 21. April mit 42 Personen statt; beim zweiten Treffen im Herbst, am Mittwoch, dem 22. September waren 46 Personen zu Gast. Zu unserer Freude waren 4 Rentnerinnen und Rentner aus Frankenthal sowie eine Rentnerin aus Speyer dabei. Es würde uns freuen, sie auch bei unseren nächsten Treffen begrüßen zu können.


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Banater Schwaben in Paris

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chon Wochen vorher fieberten viele Mitreisende auf die 4 Tage Paris hin. Am 30. September war es dann endlich soweit. Um 7 Uhr ging es vom Badeniaplatz in Oberreut los. Doch bevor es wirklich Richtung Paris gehen konnte, machten unsere Busse mit 85 Mitreisenden noch einen Halt in Frankenthal, wo auch noch ein paar Leute Paris sehen wollten. Nach einigen Stunden Fahrt machten wir einen Zwischenstopp in Reims, wo sich die berühmte gotische Kathedrale Notre-Dame von Reims befindet. Nach dem Aufenthalt ging es weiter Richtung Paris. Dann endlich, um halb acht abends, hatten wir es durch den dichten Verkehr bis zum Hotel geschafft. Der erste Eindruck des Hotel Mercure war sehr positiv. Am nächsten Tag ging es früh um 9 Uhr los, zur Stadtrundfahrt. Der Bus führte uns an schönen Stellen und Sehenswürdigkeiten vorbei. Wie z.B. dem Louvre, dem weltbekannten Museum mit dem Portrait der Mona Lisa von Leonardo da Vinci. Der Innenhof

Melanie Müller

des Louvre liegt in einer Linie mit der Avenue des Champs-Élysées und dem Arc de Triomph. Die Champs-Élysées ist eine der größten Prachtstraßen der Welt. Sie ist eine 71 m breite Avenue, in der sich viele bekannte und teure Geschäfte befinden, wie z.B. Chanel, Dior oder Louis Vitton. Der Arc de Triomph (dt. Triumphbogen) ist ein Denkmal. Darunter liegt das Grabmal des unbekannten Soldaten aus dem ersten Weltkrieg. Über das ganze Jahr finden hier Kranzniederlegungen und Ehrungen statt, die ihren Höhepunkt mit der Parade am 11. November finden, dem Jahrestag des Waffenstillstands zwischen Frankreich und Deutschland 1918. Am anderen Ende der Champs-Élysées befindet sich der Place de Concorde (dt. Platz der Eintracht). Es ist ein runder Platz, in dessen Mitte ein 25,6 m hoher Obelisk steht, dessen Spitze vergoldet ist. Der Louvre, der Triumphbogen, die Champs-Élysées ergeben die Axe historique, die historische Achse von Paris.


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Unsere Reiseführerin, mit der man sich auch sehr nett unterhalten konnte, war eine gebürtige Französin, die in den 60er Jahren hier in Karlsruhe gewohnt hat. Aber nicht irgendwo, sondern in Oberreut. Nach ca. 3 Stunden Stadtrundfahrt machten wir eine kurze Pause an DEM Wahrzeichen der Stadt, dem Eiffelturm. Dieser wurde 1887 bis 1889 für die Weltausstellung in Paris erbaut. Der Turm ist 300 m bzw. mit der Antenne sogar 324 m hoch. Dann ging es zu einer einstündigen Bootsfahrt auf der Seine, dem Fluss der durch Paris fließt. Auch hierbei konnten wir viele Sehenswürdigkeiten betrachten. Wie die Kathedrale Notre-Dame, die in den Jahren 1163 bis 1345 erbaut wurde und somit eines der frühesten gotischen Kirchengebäude in Frankreich ist. Die Kathedrale hat insgesamt fünf Glocken. Mit 13 Tonnen ist Emmanuel die größte Glocke. Sie erklingt nur an Ostern, Pfingsten, Weihnachten, zum Tod des Papstes und zu besonderen Anlässen. Man sieht, dass Paris während der Kriege nie große Zerstörungen davontragen musste. So wie die Kirchen, Brücken

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und andere bedeutende Gebäude sind auch Wohnhäuser noch im alten Stil gebaut. Man erkennt es z.B. an den hohen Fenstern und den verschnörkelten Balkongittern. Nach einem kleinen Spaziergang an der frischen Pariser Luft oder einem Besuch im Museum Petit Palais ging es weiter zum Cabaret Belle Epoque. Mit gutem Essen und abwechslungsreichen Vorführungen, bei denen auch Leute von uns auf die Bühne geholt wurden, war es ein gelungener Abschluss des Tages. Für Schlaf blieb allerdings nicht viel Zeit, denn auch am nächsten Morgen ging es um 9 Uhr los, Richtung Versailles. Dort angekommen, sahen wir ein sehr prachtvolles, großes Schloss, das barocke Schloss Versailles. Dieses war seit der Mitte des 17. Jahrhunderts bis zum Ausbruch der französischen Revolution die Residenz des französischen Königshauses. Mit einer Führung durch das Schloss konnte man viele prachtvolle Säle und Räume sehen. Der wohl bekannteste Saal ist der Spiegelsaal. Hier wurde Wilhelm der I. von Preußen zum deutschen Kaiser Wilhelm I. proklamiert. Nach einem dreistündigen Aufenthalt ging es zu-


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Begegnungen

Vor allem unseren Älteren gefiel es gut, mit so vielen Bekannten und Freunden einen so schönen Ausflug unternehmen zu können. rück nach Paris. Hier hatten wir nun Zeit zur freien Verfügung. Eine Gruppe fuhr mit der Pariser Metro (U-Bahn) zum Montmartre, einem Hügel, auf dem sich die Basilika Sacré-Coeur befindet. Sie wurde im 19. Jahrhundert im Zuckerbäckerstil gebaut. Andere machten eine Shoppingtour durch die Pariser Läden oder sahen sich noch einmal ein paar Sehenswürdigkeiten von nahem an. Am Abend ging es zum Tour Montparnasse, ein 210 m hohes Bürogebäude, welches 1969 bis 1972 mit 59 Stockwerken erbaut wurde. Die 56. Etage ist eine Aussichtsetage, mit einem schönen Ausblick über Paris. Doch für einen noch besseren Ausblick musste man auf das Dach in der 59. Etage. Von hier konnte man den Eiffelturm, der immer um 22 Uhr anfängt zu glitzern, super sehen und tolle Fotos machen. Nach diesem wirklich gelungenen Abschluss des Tages ging es für die letzte Nacht zurück ins Hotel.

Am vierten und letzten Tag hatten wir noch einmal die Möglichkeit, uns die schöne Stadt Paris anzuschauen und zu genießen. Um 13 Uhr ging es dann leider wieder Richtung Karlsruhe. Nach ca. 9 Stunden Fahrt kamen wir an. Rundum war es ein gelungener Ausflug nach Paris. Auch wenn nicht immer alles perfekt lief, waren alle sehr zufrieden. Vor allem unseren Älteren gefiel es gut, mit so vielen Bekannten und Freunden einen so schönen Ausflug unternehmen zu können. Ich finde es sehr schön, dass so etwas organisiert wird, denn viele würden alleine nicht einfach so, so eine Reise angehen. Auch ich bin sehr froh darüber, dass ich die schöne Stadt Paris sehen konnte. Ein großes Dankeschön an Werner und Gerlinde Gilde. Danke, dass ihr uns diese schöne Reise mit so vielen schönen Erinnerungen ermöglicht habt.


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Einladung zum Billeder Heimattag zu Pfingsten 2011 in Karlsruhe Samstag, 11. Juni 2011 1000 Treffen der Landsleute in der Badnerlandhalle Karlsruhe - Neuteut 1400 Festzug durch Neureut, Abholen des Bürgermeisters und der Ehrengäste 1500 Gottesdienst in der St. Judas-Thaddäus-Kirche 1630 Begrüßung, Grußworte der Ehrengäste und Kulturprogramm in der Festhalle 2000 Unterhaltungsabend in der Festhalle, mit der Billeder Blasmusik Sonntag, 12. Juni 2011 1000 Gedenkfeier am Billeder Denkmal auf dem Hauptfriedhof in Karlsruhe 1100 Hauptversammlung mit Neuwahlen der Heimatgemeinschaft Billed e.V. in der Gaststätte der Rintheimer Sporthalle, Mannheimer Str. 2 - Anschließend gemeinsames Mittagessen und gemütliches Beisammensein - Ausklang des Treffens Zur Mitwirkung bei dem Umzug durch Neureut in unserer heimatlichen Tracht sind alle Billeder Jugendliche und Junggebliebene herzlich eingeladen. Nicht zuschauen, sondern mitmachen und selbst mitgestalten bei diesem schönen Fest der Billeder!

Wir freuen uns auf alle Jugendlichen mit Billeder Wurzeln, die zu unserem Fest kommen. Anmeldung der Trachtenträger bei Heidi Müller, Tel. 0721/1331547. Die Chorprobe des Kirchenchores findet am Samstag, um 11 Uhr in der St. Judas-Taddäus- Kirche statt.


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Leistung und Würdigung

Musik präsentiert mit Witz und viel Gefühl

Ulrike Steiner leitet mit viel Erfolg das A-cappella-Ensemble „It’s Music!“, tritt als Solistin und Chorsängerin auf

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nstrumente brauchen sie nicht, um große Räume mit Klang zu füllen - ihre Stimmen sind Melodie und Rhythmus zugleich. Seit 1989 singen die Mitglieder der Gruppe „It’s Music!“ a cappella. Die Auftritte des Vokalensembles, das unter der Leitung der aus Billed stammenden Ulrike Steiner steht, sind stets mit Witz und viel Gefühl verbunden und darüber hinaus exzellente Hörerlebnisse. Die Sopranistin Ulrike Steiner, Jahrgang 1975, ist seit allem Anfang dabei. Das Ensemble ist vor mehr als 20 Jahren aus einer Musicals interpretierenden Schülerinnengruppe entstanden. Damals war Ulrike Steiner 14 und hatte den ersten Gesangunterricht erhalten. In den zwei Jahrzehnten ist „It’s Music!“ zu einem erfolgreichen semiprofessionellen Ensemble gereift. Als sie vor 16 Jahren das Abiturzeugnis mit 1,0 vor sich liegen hatte, wollte sie sich nicht zwischen der Musik und der Juristerei entscheiden – und machte beides. Neben dem Jurastudium setzte sie die mit 13 Jahren begonnene Gesangausbildung fort und studierte bei Anjara Ingrid Bartz (Bonn) und Carolina Gauna (Genf). 1999 gewann sie beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ in der Solowertung den 1. Preis. 2003 erreichte sie beim Concours International de Chant Baroque (Internationaler Barock-Gesangwettbewerb) in Chimay, Belgien, das Semifinale. Seit 2003 ist sie in freier Mitarbeit im Chor des Theaters Bonn tätig und hat in zahlreichen Opernproduktionen auf der Bühne gestanden. Als Mitglied verschiedener professioneller Konzertchöre tritt Ulrike Steiner regelmäßig in den großen Konzerthäusern Deutschlands und Europas auf, unter anderem unter der Leitung von Christoph Spering, Andreas Spering, Peter Neumann, Laurent Gay, Kurt Masur, Michel Corboz. Dane-

Ulrike Steiner aus Billed, Jahrgang 1975 ben ist sie Mitglied des ambitionierten Kammerchores der Bonner Kreuzkirche „Vox Bona“, der 2010 den zweiten Platz beim Deutschen Chorwettbewerb in Dortmund in der Kategorie gemischte Chöre belegt hat. Als Solistin ist sie im Konzertfach tätig; ihre Schwerpunkte liegen in den Bereichen Barock und Alte Musik, Klassik, Frühromantik sowie Musik des 20. Jahrhunderts. Ulrike Steiners besonderes Interesse gilt den Oratorien und Opern Georg Friedrich Händels sowie den Komponisten des deutschen und italienischen Frühbarock. Auch der Feuilleton des General-Anzeigers Bonn ist auf die Sängerin aufmerksam geworden: „Mit lieblicher Anmut erblühte der helle Sopran von Ulrike Steiner.“ (Weihnachtsoratorium, 2007) Und: „Stellvertretend sei Ulrike Steiner genannt, die in Monteverdis »Pianto della Madonna« eine fabelhafte Leistung bot.“ (Passionskonzert, 2008). Neben dieser Tätigkeit im klassischen Gesangfach liegt „It’s Music!“ Ulrike Steiner ganz besonders am Herzen, zumal sie alle Lieder für die Gruppe selbst arrangiert. Anlässlich des Konzerts zum 15-jährigen Bestehen der A-cappella-Gruppe 2004 schreibt der Kölner Stadt-Anzeiger: „Die Arrangements aus der Feder von Ulrike Steiner ...


Leistung und Würdigung

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Heute gehören dem A-cappella-Ensemble „It’s Music!“ elf Sängerinnen an, daneben auch ein „Quotenmann“, der Pianist, Saxophonist und Rhythmusangeber ist. Die Stimmen reichen vom tiefsten Alt über alle „Füllstimmen“ bis zum höchsten Sopran. www.its-music.de machten jede noch so bekannte Melodie zu einem eigenen kleinen Kunstwerk. Die Arrangements zu »Wir sind von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt« oder »The Lion Sleeps Tonight« veranlassten die Zuhörer zu tosendem Applaus. Doch trotz Pepp und flotter Rhythmik bewiesen die Sängerinnen immer wieder viel Sinn für gefühlvolle Akzente. Beispiele waren Titel wie »Killing Me Softly« oder »Amazing Grace«. Viel Beifall bekam auch Pianist Fabian Leinen für sein Klaviersolo mit drei Préludes von George Gershwin.“ Fünf Jahre vorher hat dieselbe Zeitung anlässlich eines Auftritts festgehalten: „Ihre In-

terpretationen, und vor allem die beeindruckenden Stimmen der Sängerinnen gehen unter die Haut. Gesungen wird, wo immer es geht, »unplugged«, also ohne ... Mikrofone... Das Repertoire … ist kein musikalisches Fast Food, sondern ein opulentes Programm, das von den selbstbewussten Sängerinnen sehr lebendig, spannend, manchmal auch ein bisschen frech offeriert wird ...“ In einer weiteren Konzertkritik ist von einem „souveräne[n] A-cappella-Ensemble“ die Rede, bei dem „Intonation und Agogik immer stimmten, ebenso überzeugten dank Chor­leiterin und Ensemblemitglied Ulrike Steiner die Interpretationen der Werke.


126 So dirigierte sie mal »die ganz große Seele« in die langsamen Stücke, mal entlockte sie ihren Sängerinnen peppigen Charme.“ Heute gehören dem A-cappella-Ensemble elf Sängerinnen an, daneben mit Fabian Leinen auch ein „Quotenmann“, der Pianist, Saxophonist und Rhythmusangeber ist. Die Stimmen reichen vom tiefsten Alt über alle „Füllstimmen“ bis zum höchsten Sopran. Das Markenzeichen des Ensembles ist kerniger, satter Klang. Jede der elf Sängerinnen tritt auch als Leadsängerin in Erscheinung. Die Stärken des Ensembles liegen sowohl im Solo- als auch im Ensemblegesang. Das Motto der Gruppe heißt Vielseitigkeit. Das Ensemble singt, was seinen Mitgliedern gefällt, ohne Rücksicht auf Genregrenzen: Musical, Pop, Gospel, Schlager, Swing und Comedy. Auch Klassisches ist ab und zu dabei. Im Repertoire der „Comedian Harmo­ nists“ ist das Bonner Ensemble ebenso heimisch wie in den Popcharts der 70er, 80er und 90er Jahre, in den Musicaltheatern des Broadway und des Londoner West End, im Kino und im Kabarett. Für die besinnliche „Jahresendzeit“ haben die elf Sängerinnen und ihr Begleiter ein Advents- und Weihnachtsprogramm einstudiert. „Wir singen a cappella oder mit Klavierbegleitung: vier-, fünf-, sechs- und siebenstimmig, solistisch und in voller Besetzung – alle Bandbreiten sind abgedeckt“, sagt die musikalische Leiterin Ulrike Steiner. „Mal suhlen wir uns in schmelz-schnulziger Romantik, kurz darauf schmettern wir triumphierend, dass der Saal wackelt, und dann liefern wir auch musikalische Klamauknummern ab.“ Das kunterbunte Repertoire hat sich die Gruppe Lied für Lied aufgebaut und erweitert. Mittlerweile sind es mehr als 70 Titel. Die Vokalsätze schreibt Ulrike Steiner den Mitgliedern quasi in den Hals, die von sich behaupten, dass sie singen, weil es ihnen unglaublich viel Spaß macht. Sie kommen

Leistung und Würdigung fast alle „aus mehr oder weniger (un)bedeutenden Provinzdörfern im Rheinland“. Das Gravitationszentrum der Gruppe ist Bonn. Ihr bevorzugter Probenort ist das gemeine Wohnzimmer. „Alle Nachbarn lieben uns“, sagt Mezzosopranistin Jasmin Ehrenberg. Neben jährlichen Konzerten gibt das Acappella-Ensemble regelmäßig musikali­ sche Einlagen bei kirchlichen Trauungen, Hochzeits-, Geburtstags-, Betriebs-, Vereins-, Weihnachts- und Jubiläumsfeiern sowie öffentlichen Veranstaltungen. Die Gruppe wird auch von anderen Chören, Orchestern und Bands zur Ergänzung ihrer Konzertprogramme engagiert. Anlässlich des 20jährigen Bestehens hat die Gruppe im Oktober 2009 die CD „Klanggestöber“ auf den Markt gebracht. Für 2011 bereitet das Ensemble ein großes MusicalGalaprogramm vor mit Höhepunkten aus CATS, Les Misérables, Chess, West Side Story, My Fair Lady, Little Shop of Horrors und Tanz der Vampire. Im vergangenen Sommer hat das Bonner Ensemble beim Bundeswettbewerb der A-cappella-Gruppen 2010 im westfälischen Sendenhorst einen hervorragenden siebten Platz im Wettstreit mit 18 Ensembles belegt. In der Kategorie mit „gutem Erfolg“ hat „It’s Music!“ die beste Wertung erhalten. Die Mitglieder der A-cappella-Gruppe sind alle berufstätig, die meisten haben Kinder. Ulrike Steiner arbeitet als verbeamtete Juristin in einer Bundesbehörde in Bonn. Den Sprung in die Professionalität haben sie bewusst nicht getan; dennoch ist die Gruppe nicht nur in der Region um Bonn und Köln – ihrem hauptsächlichen Aktionsradius – bekannt, sondern wird immer wieder über deren Grenzen hinaus engagiert. Die CD „Klanggestöber“ des Ensembles kostet 12 Euro und kann bestellt werden unter info@its-music.de. Mehr über It’s Music! erfahren Sie unter www.its-music.de.


Leistung und Würdigung

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100 Jahre: Jeder Augenblick ein Geschenk

Josef Herbst

Vergangenheit ist Geschichte, Zukunft ist Geheimnis, aber jeder Augenblick ist ein Geschenk.

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usanne Ballmann wurde als zweites Kind der Eheleute Franz und Barbara Mersch am 31. August 1910 in Großjetscha geboren. Ihr Bruder Franz starb nach nur 13 Tagen. Ihr Vater starb am 5. Februar 1914 mit 32 Jahren. Und so war unsere Jubilarin als Kleinkind schon Halbwaise. Die Mutter Barbara (geb. Betsch) heiratete in zweiter Ehe Christian Bettendorf, der für Susanne ein sehr guter Vater war. Am 17. Mai 1936 heiratete Susanne Hans Ballmann und übersiedelte nach Billed. Die Ehe dauerte 58 Jahre, bis ihr Gatte im Alter von 81 Jahren in Frankenthal nach einem tragischen Unfall aus dem Leben schied. Die Ehe blieb leider kinderlos. Susanne Ballmann musste als Bäuerin viel und schwer arbeiten. In den Kriegsjahren führte sie die Bauernwirtschaft alleine. Ihr Mann kehrte erst im Herbst 1945, aus der serbischen Gefangenschaft, zu Fuß nach Billed zurück. Nach der Enteignung der Deutschen im Banat mussten sich die Eheleute um ein anderes Arbeitseinkom­men bemühen. Ein weiterer Schicksalsschlag traf die beiden 1951, als sie zusammen mit vielen anderen Landsleuten für fünf Jahre in die Baragan-Steppe verschleppt wurden. Nach der Rückkehr nach Billed fand ihr Mann Arbeit in der Hanffabrik, Susanne Ballmann fand eine Anstellung als Stickerin beim Staatsbetrieb Colortex. Sie hat in dieser Zeit vielen Frauen aus Billed und den umliegenden Orten das Nähhandwerk beigebracht und zu einer Anstellung verholfen, viele sind ihr heute noch dankbar dafür. 1983 gelang den Eheleuten die Übersiedlung nach Deutschland. Sie haben in Frank-

Die Jubilarin ist in der Lage, sich allein zu versorgen. Selbst einkaufen und den Haushalt führen kann sie noch ohne fremde Hilfe. Foto: Josef Herbst enthal eine neue Heimat gefunden. Trotz ihres hohen Alters hat Susanne Ballmann noch viel Freude am Leben, pflegt das gesellige Beisammensein mit Freunden, spielt Karten und Rummy. Auch verfolgt sie begeistert die Fußballspiele am Fernsehen, besonders die ihres Lieblingsvereins Kaiserslautern. Die Jubilarin ist glücklicherweise in der Lage, sich allein zu versorgen. Selbst einkaufen und den Haushalt führen kann sie noch ohne fremde Hilfe. Das Tragen eines vom Arzt empfohlenen Sicherheitsarmbands gibt ihr zusätzlichen Schutz. Die Landsleute und Freunde gratulieren Susanne Ballmann herzlich zum 100. Geburtstag und wünschen für die Zukunft weiterhin Gesundheit und Wohlergehen. Mögen unserer Jubilarin noch viele gesunde Jahre beschieden sein.


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Leistung und Würdigung

Zum 60-jährigen Ehejubiläum von Margarethe und Wilhelm Weber

hr Leben war geprägt von Höhen und Tiefen: Nachdem sie sich 1950 nach Kriegsgefangenschaft und Russlanddeportation als Lehrkräfte an der Billeder Schule begegneten und Sympathie für einander empfanden, waren sie sich bald einig, verlobten sich und wollten im Juli 1950 heiraten. Als das bekannt wurde, machte man sie darauf aufmerksam, dass im Kommunismus auf alles Religiöse, besonderes bei Lehrern, verzichtet werden sollte, ansonsten könnte das für sie unliebsame Folgen haben. Um ihre Lehrerposten nicht zu gefährden und eventuell entlassen zu werden, heirateten sie kirchlich nicht in der Billeder Kirche, sondern in der Temeswarer Innerstädtischen Pfarrkirche, wo sie Gretes ehemaliger Religionslehrer aus der Klosterschule, Domherr und Generalvikar Josef Pless, traute. So verlief ihr Hochzeitstag in einfachem Rahmen, ohne weißes Brautkleid, ohne Hochzeitszug und nur im engsten Familienkreis. Fast ein Jahr später erlebten sie ein weiteres Schicksalstief – die Baragandeporta­ tion. Doch Rat und Glück fanden sie immer in der Ehe und Rückhalt in der Familie. Freude empfanden sie an ihren strebsamen Töchtern und Enkeln – nicht zuletzt durch ihre Aussiedlung ins Land ihrer Vorfahren. Sehr zufrieden schauen sie auf die Jahre hier zu Lande zurück und danken Gott, dass er ihnen so viel Zeit gab, um sich am Wachsen und Streben ihrer Lieben, besonders ihres Urenkels, zu erfreuen. Deshalb geben sie ihrer Tochter anlässlich deren Ansprache Recht, als sie unter anderem sagte: „Es gab nicht nur Tiefen, sondern auch Höhen, die Ihr gemeinsam durchwandertet und diese Zweisamkeit war es, die Euch überall und immer geholfen hat, jede Niederlage und jeden Neuanfang zu meistern.“

Und mit dem passenden Sinnspruch von Marie Ebner-Eschenbach endete sie: „Treue üben ist Tugend, Treue erfahren ist Glück.“ Im Namen aller Billeder wünscht der Vorstand dem Jubel-Paar auch weiterhin Wohlbefinden und noch schöne gemeinsame Jahre...

Aufnahme anlässlich der goldenen Hochzeit von Margarethe und Wilhelm Weber am 30.07.2000

Aufnahme anlässlich der diamantenen Hochzeit von Margarethe und Wilhelm Weber am 30.07.2010


Leistung und Würdigung

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Hochzeitsfoto von Margarethe und Wilhelm Weber am 30.07.1950

Billeder Rentnerin beschäftigt sich mit Webgestaltung Marlies (Maria-Elisabeth) Holzinger, geb. Braun

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ls sie mit 60 in Rente ging, wollte sie einfach etwas Sinnvolles, Zeitgemäßes machen, nicht nur Hausfrau sein mit dem täglichen Kram. Und sie hatte Glück, dass es in Rheinstetten ein Internet-Büro für Senioren gab, wo sie dann alle Kurse besuchte, die angeboten wurden: Internet, Bildbearbeitung, Kartengestaltung und Excel. Dabei war es Marlies, geboren am 08.12.1941, nicht in die Wiege gelegt worden – wie heutzutage den meisten Kindern – so sattelfest im Internet zu werden. Nach den ersten 3 Schulklassen in der Billeder Allgemeinschule wurde sie mit ihrer

Elisabeth Martini

Familie in den Baragan deportiert, wo sie die 4.- 6. Klasse absolvierte, die 7. Klasse – nach ihrer Heimkehr – wieder in Billed. An­schließend, in den Jahren 1956 – 60, besuchte sie das deutsche Lyzeum in Lippa, danach das 3-jährige Pädagogische Institut für Musik in Temeschburg. Musik jedenfalls war in der Familie allgegenwärtig, zumal der Vater, Michael Braun, Kapellmeister war und seine jungen, oft sehr jungen und sehr zahlreichen „Musikanten“ selbst ausbildete – auch seine beiden Kinder Robert und Marlies, die auf den Fotos der verschiedensten Veranstaltungen zu sehen sind.


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Leistung und Würdigung

www.irmgard-melitta.de bringt auch Informationen und Bilder zu Weihnachtsfeiern, Trachtenund Faschingsbällen, Heimattreffen, Reisen der Landsleute, Chor- und Tanzwettkämpfen u. a.

Marlies Holzinger, geb. Braun Marlies war nach ihrer Ausbildung viele Jahre als Musiklehrerin in Billed, GroßKom­losch und Lovrin tätig, bis sie – wegen Ausreise-Antrags – entlassen wurde und 2 Jahre arbeitslos war. 1985 ausgereist, hat man sie in Karlsruhe zur Büro-Assistentin umgeschult, einem Beruf, den sie bis zum Rentenbeginn ausübte. Die Liebe zu ihrer Tochter Irmgard Holzinger-Fröhr, die zusammen mit ihrer Freundin Melitta Giel in klassischem Gesang ausgebildet wurde, jedoch auch schon als Solistin (mit Melitta) im Rahmen des Banater Chores Karlsruhe auftrat, brachte Marlies auf den Gedanken an eine Homepage. Unter Anleitung des Computerexperten Bertwin Mann hat Marlies Holzinger die Homepage

erstellt. Ursprünglich sollten nur die Auftritte der beiden Sängerinnen bekannt gegeben werden, auch Hörproben aus ihren CDs. Da jedoch der Kreisverband Karlsruhe keine eigene Homepage hatte, um die Veranstaltungen der Tanzgruppen und des Chores bekannt zu machen, bot Marlies an, auch diese Aktivitäten in ihre Homepage aufzunehmen, die dadurch recht umfangreich geworden ist. Es braucht zwar recht viel Zeit, alles Wichtige laufend festzuhalten, doch es macht auch viel Spaß und sie genießt es, ihre sehr kurz bemessene Freizeit – sie pflegt nämlich ihre 99 Jahre alte Schwiegermutter - dazu zu nutzen, den Banater Landsleuten mit Informationen entgegen zu kommen. So konnte man Informationen und Bilder zu Weihnachtsfeiern, Trachten- und Faschingsbällen, Heimattreffen, Reisen der Landsleute, Chor- und Tanzwettkämpfen u. a. m. nacherleben, jedoch auch die Veranstaltungstermine bis zum Jahresende gut erkennen, bis zur Weihnachtsfeier im Gemeindezentrum St. Peter und Paul am 18. 12. 2010 , zu der alle herzlich eingeladen sind. Laut Gäste-Eintragungen ist die Homepage von Marlies Holzinger eine tolle Leistung, zumal sie schön, ansprechend, übersichtlich, leicht zu handhaben ist. Magdi Roos schlussfolgert: „Dein Bemühen, Marlies, kommt von Herzen und geht zu Herzen.“ 2010 setzte mit der Neujahrssitzung im Südstern-Karlsruhe ein... Es folgten: Faschingsball in Karlsruhe... „Tronauer Kumedi“...


Leistung und Würdigung

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Familie Hirth - Handwerkstradition in dritter Generation

Josef Herbst

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rster Handwerker in der Familie war Wilhelm Hirth, Sohn von Josef und Katharina Hirth, einer Familie aus Billed. Wilhelm hat bei Baumeister Johann Plennert das Maurerhandwerk erlernt und es später als Selbstständiger, soweit das in dem kommunistischen System möglich war, ausgeübt. Er ist auch als Kappellmeister der Billeder Blaskapelle bekannt. Die Söhne Michael und Peter haben bei ihrem Vater auch das Maurerhandwerk erlernt. Peter hat 1970 in Temeschburg eine Prüfung abgelegt und den Meisterbrief (Autorisaţie) erhalten, der es ihm ermöglichte, als selbständiger Maurer in Billed und anderen Orten zu arbeiten. Peter konnte mit seiner Frau Maria, geb. Pritz, und den Söhnen Roland und Norbert 1984 in die BRD ausreisen. Frankenthal in der Pfalz wurde ihre zweite Heimat. Durch Zufall erfuhr Peter, dass man seinen Meisterbrief aus Rumänien hier anerkennt und hat sich in die Handwerksrolle eintragen lassen. Danach arbeitete er einige Zeit in einem 5-Mann-Betrieb als Maurer, um die Bautechniken hierzulande kennen zu lernen. 1988 macht er sich selbständig und gründet seine Baufirma „Peter Hirth-Bau“. Er be-

schäftigt 5 Angestellte und der Schwerpunkt des Betriebes sind Rohbau sowie Ein- und Mehrfamilienhäuser. Seine Frau Maria ist seit 1994 im Büro der Firma mit dabei. Und Sohn Norbert, nach seinem Schulabschluss als Bauzeichner und nach seinem Wehrdienst, kommt 1996 als Polier mit dazu. Er wohnt mit seiner Frau Monika und Sohn Steven in dem gemeinsam erbauten Zweifamilienhaus. Da Peter schon 65 ist, wird der Betrieb demnächst an Sohn Norbert übergeben, er wäre die dritte Generation der Hirth-Handwerker im Baubereich. Aber es könnte weiter gehen: Fragt man nämlich Enkel Steven (8) nach seinen Zukunftsvorstellungen, heißt es, „wie Papa, auf die Baustelle“.

Die neuen Parkplätze im Heimathaus der Billeder. Foto: Hans Martini


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Leistung und Würdigung

Mathias Jans: Baden-Württembergischer Meister im Langlauf-Teamsprint

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ei den Schwäbischen Langlaufmeister­ schaften im Februar dieses Jahres auf dem Kniebis bei Freudenstadt errang Mathias Jans mit Philipp Sonntag vom SC Vogt den Titel beim Langlauf-Teamsprint in der Altersklasse 14/15. Wie die Schwäbische Zeitung schreibt, fand der Lauf, bei dem zweimal im Wechsel je 900 Meter in der klassischen Technik zurückgelegt werden, bei starkem Schneefall statt. Mathias Jans – Enkel von Peter Krier legte dabei als Startläufer den Grundstein, den sein Partner zum Sieg fortsetzte. Die beiden errangen den Baden-Württembergischen Meistertitel im Teamsprint. Schon am Vortag hatte Mathias beim kombinierten Distanzrennen über 5 km klassisch und 10 km Skating, das bei –13 Grad stattfand, einen der vorderen Plätze belegt. Mathias ist sportlich vielseitig. In seiner Vitrine stehen Pokale und hängen Medaillen von Turnwettbewerben, von Radrennen und von Abfahrtsrennen. Seit zwei Jahren ist er mit viel Ehrgeiz Skilangläufer geworden. Doch er geht auch gerne mit seinem Vater auf Skihochtouren in die nahen Allgäuer Berge. Neuerdings ist aber das Felsklettern sein Lieblingssport geworden. Hier beherrscht er den Schwierigkeitsgrad 7 mit steigender Tendenz. Eigentlich fährt die ganze Familie Jans Ski und geht zum Klettern. Vater Gerold ist ein bekannter Kletterer im Allgäu, in dessen Tourenbuch Kletterrouten des höchsten Schwierigkeitsgrades in den Alpen oder auch ganz prominente Routen im Yosemiti stehen. Mutter Monika, geb. Krier, hat ebenfalls eine anspruchsvolle Tourenliste, darunter z.B. den Walker Pfeiler im Mont Blanc Gebiet. Auch die beiden Schwestern Franziska und Charlotte gehen gerne mit in die Kletterhal-

Mathias Jans: Neuerdings ist das Felsklettern sein Lieblingssport geworden. Hier beherrscht er den Schwierigkeitsgrad 7 mit steigender Tendenz. le und zum Klettern am Fels; zum Skifahren sowieso. Doch Sport allein ist für Mathias nicht alles. Er besucht das Spohn-Gymnasium Ravensburg und bringt gute Zeugnisse nach Hause, die er allerdings nicht in die Vitrine hängt. Die gebotene Möglichkeit, das Skigymnasium in Garmisch-Partenkirchen zu besuchen, hat er nicht wahrgenommen, er möchte einen soliden Beruf erlernen und Sport nebenbei betreiben, am liebsten Bergsport in allen Varianten.


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Ehre wem Ehre gebührt! Zum 75. von Peter Krier

Emmi Herrenreich

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ie obige Aussage trifft ganz besonders zu auf eine Persönlichkeit aus unserem Billeder Heimatort - und weit darüber hinaus bekannt: Peter Krier. Und weil gute Wünsche nie zu spät kommen, möchte ich im Namen aller Billeder Landsleute zum 75. Geburtstag herzliche Glückwünsche für die zahlreichen kommenden Jahre übermitteln. Ich spreche auch im Namen eines mehr als 5 Jahrzehnte währenden Freundschaftskreises, den er geprägt und der durch ihn auch heute existiert, wie nur selten einer. Er selbst hat einmal rückblickend festgehalten: „Mit uns hätte man Pferde stehlen können.“ Unsere guten Wünsche verbinden wir auch mit unserem Dank für seinen unermüdlichen, beispielhaften Einsatz für den Erhalt und das Wohl unserer vertrauten schwäbischen Gemeinschaft, für die Pflege und Bewahrung unseres Kulturgutes, unserer Sitten und Bräuche, sowohl hier als auch in der alten Heimat. Man erinnert sich gerne an die großen Schwabenbälle Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre, die er organisiert hat als Ausdruck unseres Stolzes und Stammesbewusstseins, unserer Heimatverbundenheit. Auch nach der Aussiedlung in die BRD – bekanntlich hatte er eine Handvoll Heimaterde im Gepäck – hat er sich als Heimatortvorsitzender und Landesvorsitzender in Bayern für den Zusammenhalt unserer schwäbischen Gemeinschaft und als Vorsitzemder des Banater Hilfswerks für die Verbindung zu den daheimgebliebenen Landsleuten eingesetzt, für Hilfeleistungen an diese. Die Krönung seines Bestrebens zu helfen ist das Banater Seniorenzentrum „Josef Nischbach“ in Ingolstadt, wo unsere alten Landsleute bestens betreut werden und in einem vertrauten Umfeld ihren Lebensabend

verbringen können. Wo auch die Erinnerung an die alte Heimat sichtbar ist durch viele Banater Landschaftsbilder z. B. von Stefan Jäger, Franz Ferch u.a., durch ausgestellte Trachten, liebgewordene Gegenstände, an denen viele, schöne Erinnerungen haften. Anlässlich der 10-Jahres-Feier des Hauses – in Anwesenheit hoher Persönlichkeiten des politischen und öffentlichen Lebens sowie vieler Gäste (ich war auch dabei) – konnte man aus allen Reden großes Lob, Dank und Anerkennung heraushören bezüglich dieser Leistung, die Peter Krier zusammen mit Helmut Schneider in die Wege geleitet, zielstrebig – trotz vieler Hürden – verwirklicht hat, mit großem Erfolg führt und ihr Zukunft gibt. Dieses Haus der Nächstenliebe, eine Heimstätte für die ältere Generation, kann als leuchtendes Beispiel für die ganze Bundesrepublik dienen. Im Namen aller Billeder Landsleute Dank und Gottessegen. Wir sind stolz darauf, dass solche Männer wie Pe-


134 ter Krier und Helmut Schneider aus unserer Dorfgemeinschaft hervorgegangen sind, mit soviel Idealismus, Zielstrebigkeit, Gemeinschaftssinn und Heimatverbundenheit. Erwähnenswert ist auch, dass Peter Krier bei allem Lob und allen Ehrungen für seine Verdienste, die er von höchsten Stellen erhalten hat, immer bescheiden geblieben ist, nie abgehoben ist. Was ihn besonders ehrt, ist seine Aussage: „Was ich tue, tue ich nicht im Hinblick auf öffentliche Anerkennung oder Auszeichnungen, sondern weil ich so erzogen wurde und aus eigener Erkenntnis, dem Grundsatz Thomas von Aquins folgend: ‚Was du tun kannst, das tue!‘“

Leistung und Würdigung Lieber Peter, danke für alles, was Du getan hast und... Hast Du mal Sehnsucht nach dem Banater Land, schau auf das Distel-Bild an Deiner Wand. Barbara B. hat es mit viel Liebe für Dich gemalt, es soll Dich stets erinnern an Deinen Geburtstag. „Was vergangen, kehrt nie wieder. Aber ging es leuchtend nieder, leuchtet‘s lange noch zurück.“

Ein kleiner Nachruf für meine Lissi – Tant‘ ( Elisabeth Thöresz, geb. Michels)

Liewi Lissi-Tant‘, heit sen ich of Karlsruhe komm, um Abschied zu hole. Ich han kä Blume mitgebrong, awer ich mecht a paar Wärter saan. Als Nochberschbu waar ich oft – soweit ich mich erinnre kann - jo täglich, manchmol zwaa bis dreimol driwe bei Eich em Haus, han gäre em Hof, em Gaarte und em Stall bei de Gäße gspielt – on die Kluntsch därf’mr aa net vergesse. Dr Kaba hat bei Eich emmer besser gschmeckt wie drhem. Johrelang han ich Eich beim Stricke on Schneidre (an der Nähmaschin) zugschaut und Ter hat mr vill Gschichte verzählt. Unvergesslich bleiwe die iwer onser Glaawe. Ter hat mr vill iwer Eier Zeit in dr Kloschterschul on dem Glaawe von de Billeder verzählt. Ich han emmer faszineert zughorcht. Et Hechscht waar emmer, wann ich die Heilichebiller zum Aanschaue kritt han. Äns han ich Johre später en Deitschland gschenkt kritt und das Motiv es jetz of dr Primizstola drof – et es de Jesus als de gude Hirt. Wie mei Großeltre, Path und God weg sen of

Kaplan Marius Frantescu

Deitschland, hat Ter, liewi Lissi- Tant, gsaat: „Du därfscht jederzeit zu ons komme – hem of Billed.“ Das waar scheen und ich han‘t aa nie vergess. En Deitschland han mr ons aa fascht jed Johr ämol gsien – on et waar jedsmol scheen. Beim letschte Treffe en Karlsruhe – das waar vor me Johr, zur Billeder Kerweih han ich mr etwas zu esse winsche därfe. Ich han mr e Billeder Krompiersopp und Bäckkipfle gewunsch, awer de Tisch von dr Lissi-Tant waar reichlich gedeckt met ganz vill leckere Sache – nor kä Krompiersopp. Awer ich wäs, sie hadet gäre gemach on das hat mich gfreit. Läder waar et et letscht Treffe do of dr Erd. Noch vor gude drei Wuche han mr telefoniert on Ter hat gsaat, Ter seid vorbereit for de Hemgang zum himmlische Vater, on dass Jesus schon of Eich waart. Lissi-Tant, dort seid Tr jetzt – bei Eirem Schöpfer on Jesus werd Eich an de reich gedeckte Tisch em Himmel fehre. Dankscheen for die scheene Stunne en Billed on en Deitschland – on of e Wiedersehn em Reich von onsrem Herrn – Eier Marius.


Leistung und Würdigung

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Nikolaus Schmidt in Brasilien verstorben

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us der Donauschwabensiedlung Entre Rios im brasilianischen Hochland erreichte uns die Todesnachricht von Nikolaus Schmidt. Am 9. April dieses Jahres ist unser Landsmann dort im Alter von 88 Jahren verstorben. Sein Lebensweg wurde geprägt durch die Zeit, in der er lebte. Zunächst schien es so, als sei dieser vorbestimmt durch das Elternhaus. Als zweiter Sohn einer Billeder wohlhabenden Bauernfamilie sollte er eine Bauerntochter heiraten und Bauer werden. In der Wojteker Ackerbauschule hatte er eine solide Ausbildung auf dem damals modernen Stand der Landwirtschaft erfahren. Als er sich dann 1942 mit Margarethe Seibert, die ebenfalls einer wohlhabenden Bauernfamilie entstammte, verlobte, und die Hochzeit nach dem Militärdienst schon geplant war, schienen die Weichen für seinen Lebensweg gestellt. Doch es kam anders. Der Krieg bestimmte in der Folgezeit den Weg von Millionen Menschen, auch den von Nikolaus Schmidt und Margarethe Seibert. Klos, der schon beim rumänischen Militär im Kriegseinsatz war, kam im Sommer 1943 zum deutschen Heer. Er überlebte den Krieg und kam nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft in ein Lager bei Ried im Innkreis. Margarethe Seibert wurde im Januar 1945 zur Zwangsarbeit nach Russland verschleppt. Schwer krank wurde sie 1947 in die damalige Sowjetzone entlassen. Sie kam durch. Nach einer Odyssee, die mehrere Monate dauerte, fand sie ihren Verlobten in Ried wieder, Klos hatte dort bei einem Bauern Arbeit gefunden. Die beiden Heimatlosen heirateten im November 1947, 1950 wurde die erste Tochter Edeltraud geboren. Ihre zweite Tochter Gertrud wurde 1953 geboren. Zunächst warteten sie ab in der Hoffnung auf eine Rückkehr in die Heimat. Doch von dort kamen schlechte Nachrichten, Hof und Felder waren enteignet, die Menschen unfrei, unterdrückt, Kommunismus. Als dann

Peter Krier

noch die Nachricht von der Baraganverschleppung beider Elternpaare kam, entschloss sich das Ehepaar 1951, dem Ruf zur Auswanderung nach Brasilien zu folgen. Sie zogen in das Hochland bei Guarapuava, wo Donauschwaben fünf Siedlerdörfer gründeten. Weil Grete ihr Kleinkind zu betreuen hatte, übernahm die Familie zunächst kein Feld, sie arbeiteten in einer Reismühle. Der Anfang war sehr schwer und man dachte immer noch an die Rückkehr. Doch dann wurden sie doch noch Bauern. Mit Fleiß und Tüchtigkeit konnten sie über 150 ha Feld erwerben und bebauen. Aus Banater Bauern waren brasilianische Fazienteros geworden, die aber Deutsche und im Herzen auch Billeder geblieben sind. Die Schmidts waren im Gesellschaftsleben der Siedlung sehr engagiert. Grete leitete den Kirchenchor, einen Singkreis, organisierte Feste und setzte sich für die Brauchtumspflege ein. Auch ihre Töchter, später ebenso ihre sieben Enkelkinder, wirkten dabei mit. Die Verbindung zur alten Heimat und zu den Landsleuten hatten sie nie aufgegeben. Mit großem Interesse empfingen sie jede Nachricht aus dem Banat. Klos sagte mir 1998 bei meinem Besuch in Entre Rios: „Ich kann es kaum erwarten, bis ich das Billeder Heimatblatt in den Händen habe und die Banater Post lese ich jedes Mal ganz durch.“ Damals hat er sich entschlossen, sein Elternhaus unserer Gemeinschaft zu schenken. Daraus ist mittlerweile das Deutsche Haus in Billed geworden. Nach einem tragischen Verkehrsunfall verstarb Grete 1996. Klos ist ihr in diesem Frühjahr gefolgt. Nur vier Tage nach ihm ist auch ihre Tochter Gertrud, verheiratete Scherer, gestorben.


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Leistung und Würdigung

Die Billeder Zwillinge Jakob und Franz Donawell, 1940 und 2010. Einsender Franz Donawell Heilige Kommunion 1946. Obere Reihe: Werhof Barbara +, Herbst Maria, Heinz Käthe, Helfrich Anna +, Antal Elisabeth +, Fliegl Katharina, Krogloth Grete, Leidecker Magdalena, Engrich Emma, Krier Maria. Zweite Reihe: Bauer Elisabeth, Linibach Magdalena +, Gängler Katharina, Wilhelm Katharina +, Martini Barbara, Kaplan Ackermann Stefan +, Tinnes Elisabeth, Hahn Barbara, Flesch Barbara +, Steiner Elisabeth +. Dritte Reihe: Frick Nikolaus +, Gängler Peter +, Neis Barbara +, Lahni Anna, Kräuter Elisabeth, Kaplan Stefan Ackermann +, Mann Elisabeth, Winter Veronika +, Weber Susanna, Rugel Peter +, Pinnel Nikolaus. Untere Reihe: Packi Hans +, Fronius Michael, Mark Josef +, Keller Josef, Braun Robert, Koch Hans, Pfersch Nikolaus, Pritz Nikolaus, Wikete Josef +. Geb. 1936 nicht auf dem Bild: Schiller Hans, Thöress Mareiche +, Lichtfus Kathi, Hartmayer Barbara, Frank Maria +. Einsender: Katharina Witt, geb. Gängler (Neuburg/Donau).


Leistung und Würdigung

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Nähkurs im Hof der Familie Welter in der Zwischenkriegszeit. Eins.: Maria Linzer-Backhaus Billeder Intellektuelle in der Zwischenkriegszeit, auch „Herrische“ genannt, auf dem damaligen Tennisplatz vor dem Bahnhof. Links im Bild Ing. Jakob Gilde. Eins.: Maria Linzer-Backhaus


Leistung und W체rdigung

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Kameraden: Hans Sch채dt, Willi Slawik, Josef Haberern, Mathias Noll, Franz Klein. Gruppenbild auf der Jagd mit Mathias Noll, der erste Kamerad in Uniform auf Urlaub. Stehend: Mathias Hahn, Hans Wilhelm, Hans Hehn, Michael Karl, Mathias Rieder, Hans Mann, Hans Maurer, Nikolaus Mann. Unten: Hans Slavik, Peter Rieder, Adam Muttar, Hans Hehn, in Uniform Mathias Noll (+10.10.1944 Modlin/Polen). Eins. Margarethe Geisz, geb. Noll, USA


160 Inhaltsverzeichnis In eigener Sache................................................................................................................................2 Vorwort, Werner Gilde . .................................................................................................................3 Aktuelles aus Billed, Adam Csonti................................................................................................4 Mit zwei PS durch Europa, O. Ieremiciu......................................................................................8 Auf Spurensuche deutscher Kultur im Banat 2010, Dr. Hermann-Josef Braun . ..................10 Billeder 2010 in Ulm, Peter Neumann........................................................................................13 Donauschwäbisches Blasmusikkonzert in Mannheim, Irmgard Triess..................................16 Sommerfest in Karlsruhe, Irmgard Triess...................................................................................20 Die Ausstellung in Gertianosch 1910, Richard Weber..............................................................22 Exodus der Billeder Deutschen zwischen 1940 - 2000, Hans Rothgerber.............................30 Im Tankwaggon ums Leben gekommen, Hans Steiner.............................................................33 Der geldgierige Schaffner, Anton Wambach...............................................................................34 Beim Fluchtversuch die Beine verloren, Norbert Koch............................................................42 Billeder Gilde als Rebell, Josef Herbst.......................................................................................44 90 Jahre seit Trianon, Wilhelm Weber..........................................................................................48 65 Jahre sind vergangen..., Margarethe Weber (Divo)...............................................................51 Rückblick in das düstere Damals, Margarethe Wagner............................................................57 Ihr seid nicht vergessen, im Herzen lebt ihr weiter..., Katharina Keller (Lichtfusz)..............61 Inna Wassiljewa-Kasanova auf der Suche der Grabstätte ihres Großvaters, Peter Krier.....62 Und er „lockte“ sie nach Lippa..., E. Martini, J. Gehl, G. Schmidt, M. Holzinger..................64 Der Billeder Kirchenchor, Hermine Schnur................................................................................72 Ferien in Billed oder „Gfrornes“ in der Kondi, Erika Weith, geb. Leidecker ........................74 Internetprojekte betreffend unsere Geschichte und Kultur, Elisabeth Packi (Hehn).............77 Allerheiligen 2010 vor dem Billeder Denkmal, Ansprache von Norbert Neidenbach...........81 Gedanken zum Jahresausklang 2009, Marliese Knöbl..............................................................83 Schwarzfahrer, aus dem Prosaband „Unterwegs“ von Hans Dama.........................................84 Dei Heimat is jetz do, Hans Bader .............................................................................................86 Heimat, Einsender: Elisabeth Luckhaub ....................................................................................87 Ein Weihnachtsgruß, Einsender: Maria Muhl............................................................................88 Das heilige Rezept, Marliese Knöbl (Wagner)............................................................................88 Onser Fritzi, onser beschte Hund!, H. M....................................................................................91 Mei Billedrisch, mei Mundaart, mei Mottersproch, Elisabeth Martini (Frick)......................92 Lache odr schmunzle metm Franz Gebel; Weihnachtsgedanken, Hermine Schnur .............96 Fotos meiner God aus Amerika, Josef Freer..............................................................................98 Schlachtfest bei der Trachtenblasmusikkapelle Billed-Alexanderhausen, Adam Tobias... 108 Billed – Gernsbach, 1940 – 2010, Peter Neumann..................................................................112 Klassentreffen des Jahrgangs 1960, Hans Gebel.....................................................................114 Billeder Rentnertreffen 2010, Jakob Muttar.............................................................................118 Banater Schwaben in Paris, Melanie Müller........................................................................... 120 Einladung zum Billeder Heimattag zu Pfingsten 2011 Karlsruhe........................................ 123 Musik präsentiert mit Witz und viel Gefühl............................................................................ 124 100 Jahre: Jeder Augenblick ein Geschenk, Josef Herbst..................................................... 127 Zum 60-jährigen Ehejubiläum von Margarethe und Wilhelm Weber, E. Martini.............. 128 Billeder Rentnerin beschäftigt sich mit Webgestaltung, Elisabeth Martini......................... 129 Familie Hirth - Handwerkstradition in dritter Generation, Josef Herbst............................. 131 Mathias Jans: Baden-Württembergischer Meister im Langlauf-Teamsprint...................... 132 Ehre wem Ehre gebührt!, Emmi Herrenreich.......................................................................... 133 Ein kleiner Nachruf für meine Lissi – Tant‘, Kaplan Marius Frantescu.............................. 134 Nikolaus Schmidt in Brasilien verstorben, Peter Krier......................................................... 135 Statistik, Josef Herbst................................................................................................................. 137 Statistik unserer Landsleute weltweit, Josef Herbst............................................................... 140


ng zum Einladu treffen t a m i e H 2. Juni Billeder 1 . 1 1 sten am zu Pfing lsruhe r a K n i 2011 ite 123) e S f u a m (Program

Foto oben: Die freiwilligen Helfer beim Versand des Heimatblattes in Karlsruhe. Management: Josef Herbst, Norbert M端ller und Werner Gilde Foto unten: Gruppenbild mit dem Versandteam 2009 der Billeder HOG


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Herausgegeben von der HOG Billed www.billed.de


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