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IM GESPRÄCH MIT JUTTA SPEIDEL HIMMEL DER VÖGEL UND DER ENGEL DER MANN ALS BINDUNGSPERSON GESCHICHTEN: „DIE LIEBE FAMILIE“ MARTIN LUTHER UND DIE FÜRSTEN

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! t i m h c i Sp r

Diese Zeitschrift wird in Zusammenarbeit mit dem KreisSeniorenRat Enzkreis – Stadt Pforzheim e.V. und mit Unterstützung der Sparkasse Pforzheim Calw hergestellt.

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2015


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Editorial

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Sie sind noch berufstätig, oder haben die Familie zu versorgen, oder aber einen Terminplan voller Aktivitäten, die Sie voll in Anspruch nehmen, oder aber ihr gesundheitlicher Zustand gebietet Ihnen absolute Ruhe? Sollte dies alles jedoch nicht zutreffen, so ist ein lebenerhaltendes Thema angesagt: z.B. Ehrenamt. Es warten die Alten, und es warten die Jungen auf Sie, und es warten der Kopf und das Herz, um Aufgaben zu erfüllen, tätig zu werden, aktiv leistungsfähig und in Bewegung zu bleiben. Wir werden überschüttet von der Notwendigkeit der Fitness des Körpers. Das ist gut, aber wenn das Herz und der Kopf nicht zum Einsatz kommen – und nur durch Kreuzworträtsel und Schnulzenfilme gefüttert werden – dann ist das kein lebenspendendes Einsatzgebiet. Vor vielen Jahren hat mein Sohn einmal ein Kinderstück geschrieben, dessen Thema lautete: „Der Kopf, der ist zum Denken da, das Herz ist zum Verschenken da.“ Es wurde mit großem Erfolg im Schlosspark in Bauschlott aufgeführt. Und was für Kinder als Überlebensstrategie gültig ist, das gilt auch für uns Erwachsene! Es gibt viel zu tun. Ihre Gerda Görnemann

IMPRESSUM:  Herausgeber: Gerda Görnemann Lisztstraße 31, 75179 Pforzheim Telefon: 0 72 31/15 53 44 Telefax: 0 72 31/15 53 43 E-mail: cucgg@t-online.de  Redaktion: verantwortl.: Gerda Görnemann  Anzeigen: Eva Rank

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 Grafik + Satz: Simone Bok, Agentur für Mediengestaltung, Horb a.N., Daten an E-mail: info@bok-medien.de  Bildbearbeitung: Repro-Mayer, Birkenfeld  Druck: Mayer & Söhne, Druck- und Mediengruppe GmbH  Erhältlich beim Herausgeber, über die Geschäftsstellen der Sparkasse Pforzheim Calw und dem KreisSeniorenRat Enzkreis – Stadt Pforzheim e.V. Ebersteinstraße 25, 75177 Pforzheim

Prof. Dr. Ernst Peter Fischer: „Der Himmel der Vögel und Engel“ 4 – 5 Dr. Thomas Gesterkamp: „Der Mann als Bildungsperson“ Teil II 6 – 8 FRAG: „Verschenken Sie Zeit“ 9 Im Gespräch: Schauspielerin Jutta Speidel 10 – 13 Jugendmusikschule Pforzheim: „Crossover Europa 2015“ 14 – 15 50 Jahre Jugendmusikschule Neuenbürg: „Guter Unterricht ist das A und O“ 16 – 17 Baugenossenschaft Arlinger: „Auf gute Nachbarschaft“ 18 – 19 Familienheim Pforzheim: Neubau Mehrfamilienhaus 20 – 21 40 Jahre Kultur im Johanneshaus 22 25 Jahre Soziales Netzwerk Schauinsland 23 Pforzheimer Bau & Grund: neue Wohnungen Auerhahnstraße und Oberer Wingertweg 24 – 25 SPPS: „Bessere Rahmenbedingungen für Pflegedienste“ 27 „Die liebe Familie“ – Senioren erinnern sich 28 – 30 Sanierungsarbeiten im Haus Bethesda 32 – 33 Die Sparkasse berichtet 34 – 35, 44 – 45 Programm Kulturhaus Osterfeld 36 AOK: „Neue Kraft schöpfen“ 37 Der KreisSeniorenRat: Aktivitäten 38 – 41 Rechtsanwältin Hutter-Vortisch: „Die EU-Erbrechtsverordnung“ 42 – 43 Dipl.-Ing. Vortisch: „Energie-Effizienz“ 43 Prof. Dr. Ulrike Krenzlin: „Luther und die Fürsten“ 46 – 51 Schmuckwelten Pforzheim 52 – 53 Schmuckmuseum Pforzheim 54 – 55 Sicher in die Urlaubs-Saison 56 – 57 Bücher – Bücher – Bücher 58, 60 Mit „Thalia“ Bücher gewinnen 61 A. L. Szalay: „Unsere Wirtschaft“ 62 – 63 Der Pforzheimer Hauptfriedhof 64 – 65 Sparkasse: Veranstaltungskalender 67 Titelbild: Schauspielerin Jutta Speidel mit ihren beiden Töchtern Antonia und Franziska. Foto: © Barbara Ellen Volkmer

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Prof. Dr. Ernst Peter Fischer

Der Himmel der Vögel Wer tagsüber an den Himmel schaut, erblickt oftmals Wolken, die als gestaltfreudige und meist weiße Ansammlungen von Wassertröpfchen und Eiskristallen vor einem blauen Hintergrund schweben, ohne herunterzufallen (was kein Wunder ist, sondern erklärt werden muss und einen Versuch lohnt). Wer nach Einbruch der Dunkelheit an den Himmel schaut und dies in Regionen unternimmt, die nur gering oder gar nicht mit Straßenbeleuchtung ausgestattet sind, kann in einer wolkenlosen klaren Nacht anfangen, die Sterne am Himmelszelt zu zählen. Menschen benutzen diesen Ausdruck gerne für das kosmische Gewölbe, das sich augenscheinlich über ihnen spannt und das früher auch als Firmament bekannt war und in dieser Form Eingang in die Dichtung gefunden hat. Der alte und heute vielleicht noch in Liedern gebräuchliche Name erklärt sich daher, dass die Menschen sich in vorwissenschaftlichen Zeiten vorstellten, an diesem Firmament, das sich sprachlich vom lateinischen Ausdruck für „Befestigungsmittel“ ableitet, seien die Himmelskörper angebracht, deren funkelndes Licht die Augen erreicht, von dem sie erst verzückt und dann zu Beobachtungen angeregt werden. Hinter diesem ersten soliden Gebilde läge dann der eigentliche offene Himmel, der zwar einer sinnlichen Erfahrung entzogen bleibt, den Menschen aber schon früh im Verlauf ihrer kulturellen Geschichte als einen wirklich vorhandenen höheren Ort für etwas Überirdisches auserwählt haben. Diese Vorstellung lässt sich ohne Umschweife auch als eigenständige und wirkmächtige Sphäre des Überirdischen oder Göttlichen beschreiben, wie nicht eigens erläutert werden muss. Wer tagsüber seinen Blick nach oben richtet, kann auch heute dort zwei Arten von Himmel sehen oder sehen wollen, die in der englischen Sprache als „sky“ und „heaven“ unterschieden werden und mit denen der vergängliche Aufenthaltsbereich von Menschen von dem ewigen Gemach für das Göttliche abgetrennt wird.

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Aus der deutschen Romantik ist die Idee bekannt, dass Menschen über zwei Augenpaare verfügen und beim Betrachten der Welt mit den sinnlichen Sehorganen im Kopf erst das ihnen zukommende äußere Licht wahrnehmen, bevor sie mit den inneren – seelischen – Augen im Dunkel das Eigentliche erkennen. Mit dem ersten Augenpaar in ihrem Gesicht sehen die Menschen den einen Himmel, den sky, aus dem die Luft kommt, die sie atmen, und in dem unter anderem Vögel, Fußbälle und Flugzeuge umher fliegen. Und mit dem zweiten Augenpaar in ihrem Inneren sehen die Menschen den anderen – höheren – Himmel, den heaven, und in dem „muss ein lieber Vater wohnen“, wie der Chor in Schillers „Ode an die Freude“ überzeugt ist und jubelnd singt. Dort „überm Sternenzelt“ muss man den Schöpfer suchen, wie der Dichter vorschlägt und verkündet, und viele Menschen schauen tatsächlich dankbar in die empfohlene Richtung, wenn ihnen etwas Besonderes gelungen ist, wie etwa bei Fußballspielern nach einem erfolgreichen Torschuss zu beobachten ist. Sie recken die Arme in die Höhe und blicken verzückt auch an einen wolkenverhangenen oder künstlich beleuchteten Himmel und versuchen dabei keineswegs, im erdzuge-

wandten Bereich des Himmels Sterne zu zählen. Sie hoffen vielmehr, dass ein „lieber Vater“ in seiner über- oder außerirdischen Sphäre bemerkt, wie sie mit strahlenden Augen zu ihm hinaufschauen, weil sie sein huldvolles Wirken und gnädiges Eingreifen beim erfolgreichen Torschuss bemerkt haben – ohne sich zu fragen, was der gerade überwundene Torhüter der gegnerischen Mannschaft jetzt von dem „lieben Vater“ zu halten hat, der ihm gerade gründlich die Laune verdorben und seinem Team den möglichen Sieg vermasselt hat. Im siebten Himmel Übrigens – wer Grund zu übergroßer Freude hat, fühlt sich manchmal „im siebten Himmel“ oder „auf Wolke sieben“, wie jeder schon einmal gesagt und hoffentlich auch erlebt und empfunden hat. Diese Siebenzahl leitet sich aus dem Denken des griechischen Philosophen Aristoteles ab. Bei ihm kann auf der einen Seite die kosmische Zweiteilung des Weltalls gefunden werden, die oben als irdische und überirdische Bereiche eingeführt worden sind. Aristoteles richtet sein Denken dabei am Mond aus und unterscheidet eine sublunare Sphäre mit den Menschen und ihren Zufälligkeiten von einer supralunaren Sphäre, in der


und der Engel eine vollkommene Regelmäßigkeit herrschte, wie sie Göttern zu verdanken ist. Bei Aristoteles findet sich aber auch eine Einteilung des Himmels in sieben durchsichtige Ge-wölbe (Schalen), wobei deren Zahl durch die Menge der damals bekannten Planeten zu erklären ist, von denen noch die Rede sein wird. In dem skizzierten Schema gibt es also einen siebten Himmel, und mit ihm kommt die antike Welt zu einem Abschluss. Im siebten Himmel endet in dieser heidnisch kosmischen Konstruktion die materielle Welt, und das Reich der Wünsche und Träume öffnet seine Tore, ganz wie es sich die Menschen damals und heute erhoffen. Die Vorstellung von sieben Himmeln findet sich übrigens nicht nur in der zitierten heidnischen Philosophie der griechischen, sondern auch im hebräischen Talmud und im muslimischen Koran. Sie wird hier nur vorübergehend erwähnt, weil das Augenmerk der erwähnten, nach wie vor unübersehbaren und durchgängigen Dopplung des Firmaments gelten soll, und solch eine Dichotomie oder Dualität ist nicht nur an dieser Stelle der menschlichen Geschichte zu finden. Sie macht offenbar einen Grundzug im humanen Denken aus. So zeigt sich die Zweiteilung in einen weltlichen und einen göttlichen Himmel unter anderem in dem Mitund Nebeneinander von heidnischen und christlichen Kulturen. Sie zeigt sich weiter in dem Gegenüber von säkularen und religiösen Haltungen und Vorgehensweisen, und sie tritt ganz allgemein in dem durchgehenden Wettstreit von Glauben und Wissen in der menschlichen Kultur in Erscheinung. Menschen suchen immer das Eine, und sie finden es, wenn sie das Andere nicht vergessen, das dazugehört und zu ihm hinführt. Auf der einen Seite streben alle Menschen von Natur aus nach Wissen,

wie bereits Aristoteles geschrieben hat, weil sie Freude an der Welt unter ihren Füßen haben, die ihnen sinnlich zugänglich ist, was sie neugierig macht und sie anregt, sie verstehen zu wollen. Auf der anderen Seite glauben sie an das Vorhandensein einer göttlichen Sphäre, der gegenüber das irdische Jammertal belanglos, unwesentlich und überwindungsfähig erscheint und mit der sie in Kontakt kommen oder bleiben wollen, weil sie von dort Hinweise auf den Sinn des Lebens erwarten. Sowohl die Möglichkeiten des unerschütterlichen Glaubens an einen Himmel voller Engel als auch die Fähigkeit, immer mehr Wissen über einen Himmel voller Planeten und Kometen zu erlangen, gehören gemeinsam und untrennbar zu den grundlegenden Fähigkeiten von Menschen und entfalten sich im Wechselspiel im Verlauf ihrer Geschichte. Dabei gibt es Zeiten, in denen der Glauben dominiert. Und sie werden abgelöst von Zeiten, in denen mehr dem Wissen ein höherer Wert zugeschrieben wird. Es gibt im Leben des Einzelnen und im Leben der Gattung Mensch immer die zwei erwähnten Augenpaare, die sowohl das Eine als auch das Andere sehen, wobei der Autor der Ansicht ist, dass das ersehnte Eine erst durch das erlebte Andere entsteht. Das Eine durch das Andere – das gehört längst auch zum Erkenntnisprinzip der Naturwissenschaft, mit dem etwa das eine Licht, das den Menschen leuchtet, nicht nur als Erscheinung einer Welle, sondern auch als Bewegung von Teilchen erfasst, und mit dem eine Person, die jemand ist, auf der einen Seite als individueller Körper und auf der anderen Seite mit gleicher Berechtigung als Teil einer Gemeinschaft zu verstehen ist, ohne die es den Menschen nicht gibt. Die Idee von der Doppelnatur des Lich-

tes geht auf Albert Einstein zurück, der dabei 1905 auch bemerkt hat, dass mit diesem Gedanken etwas Besonderes in die Welt der Wissenschaft gelangt. Denn wenn Licht sowohl Welle als auch Teilchen und beides zugleich sein kann, dann können Menschen nicht mehr eindeutig sagen, was es ist. Licht bleibt somit trotz aller Wissenschaft und technischen Verfügbarkeit geheimnisvoll, und das sollte man dankbar zur Kenntnis nehmen. Denn damit erlaubt die exakte Wissenschaft den Menschen, ein Gefühl für das Geheimnisvolle der Welt zu entwickeln, und das ist das Schönste, was ihnen passieren kann, wie Einstein ebenfalls in diesem Zusammenhang bemerkt und festgehalten hat. Aber nicht nur die Wissenschaft kann auf diese wunderbare Weise die Welt verzaubern. Der Religion gelingt dies auch – und wahrscheinlich sogar unmittelbarer und für viele Menschen überzeugen der –, denn „das Christentum ist die Sprache eines Weltgefühls, das den Überschuss [im Welterleben] als das Aufleuchten göttlicher Gegenwart in der Welt versteht“, wie Jörg Lauster in seiner Kulturgeschichte des Christentums anmerkt, der er den Titel „Verzauberung der Welt“ gegeben hat. Religion und Wissenschaft, sie beide verzaubern die Menschen und gehören allein deshalb zusammen. „Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft blind“. So hat erneut der unvermeidliche Einstein den Gedanken auf wunderbare Weise formuliert, wobei er über sich selbst die Auskunft gegeben hat, so etwas wie eine kosmische Religiosität zu empfinden. Das Eine geht nicht ohne das Andere. Das Eine braucht das Andere – wie in jedem Dialog, der sich mit Bildung abmüht. Bildung meint etwas, das (gebildet) ist, und etwas, das (gebildet) wird.

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Dr. Thomas Gesterkamp

Der Mann als Ob Vater oder Erzieher, Männer erweitern ihre Rollen und werden wichtiger für die kindliche Entwicklung: Ergebnisse aus Väterforschung und Väterarbeit (Fortsetzung).

Thomas Gesterkamp, Journalist und Autor.

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3. Das Dilemma der Väter Die kurze Skizze zur Bindungsforschung macht deutlich, dass von Le Camus abgesehen die meisten vorliegenden Arbeiten auf die Bedeutung des Vaters im Umfeld der Geburt fokussiert sind. Über den späteren Einfluss von Männern als Miterzieher in der Familie oder gar als professionelle Fachkräfte in Kindertagesstätten gibt es deutlich weniger wissenschaftliche Erkenntnisse. Im folgenden wird versucht, das Dilemma aufzuzeigen, mit dem Väter langfristig zwischen privaten und beruflichen Anforderungen konfrontiert sind. Männliche Patriarchen und „Bestimmer”, die sich auf gelegentliche einschüchternde Auftritte beschränken, sind in den Familien nur noch wenig gefragt. Das klassische Leitbild des Versorgers ist aber keineswegs verschwunden. Stabile wirtschaftliche Verhältnisse sind Männern wichtig, bevor sie Vater werden wollen. Neben der finanziellen ist zumindest ein Teil der Väter bereit, auch erzieherische Verantwortung zu übernehmen. Wie die Mütter möchten sie ihre fürsorglichen Eigenschaften ausleben – und sich nicht auf die Rolle eines zahlenden Zaungastes beschränken. Deutlicher sichtbar in den Großstädten und in akademischen Kreisen, wächst so eine Väter-Generation heran, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten mit tradierten Geschlechterrollen bricht. Wer als Mann zu Hause nicht randständig sein will, gerät in eine Zwickmühle. Das beginnt oft gleich nach der Ausbildung: Selbst Hochschulabsolventen müssen sich über Jahre mit Zeitverträgen und befristeter Be-

schäftigung auseinander setzen. Das Zeitfenster für die Familiengründung ist schmal: Manchmal vergeht fast ein Jahrzehnt, bevor junge Akademiker eine feste und abgesicherte Stelle finden. Ist die gewünschte Position dann endlich erreicht, wird volles Engagement erwartet. Wünsche nach kürzeren Arbeitszeiten – oder auch nur nach Einhaltung der tariflich vereinbarten Stundenzahl – werten manche Arbeitgeber als Verweigerungssignal. Dann droht der Absturz von der Karriereleiter oder zumindest die berufliche Stagnation. Männer haben oft wenig Spielraum für Experimente bei der Arbeitszeitgestaltung und beim Ausprobieren neuer Geschlechterrollen. Für Väter in der Altersphase zwischen 30 und 50 Jahren gilt in besonderem Maße die Devise „Hauptsache Arbeit” (Schnack/Gesterkamp 1998), die Familie zur „Nebensache” macht. Hindernisse im Beruf sind das klassische Argument von Männern, wenn sie ihre geringe Beteiligung an der Kindererziehung erklären wollen. Väter leisten freiwillig und ohne Bezahlung Mehrarbeit, bleiben bis in die Abendstunden hinein. Sie trauen sich nicht, die wichtige Sitzung am späten Nachmittag mit der offen geäußerten Begründung zu verlassen, sie wollten ihre Kinder noch sehen. Auf dem Heimweg sitzen sie in verspäteten Pendlerzügen oder quälen sich durch den Autobahnstau. Zu Hause kommen sie erst an, wenn es zu spät ist für die Gute-Nacht-Geschichte. Solche Alltagserfahrungen sind Ausdruck einer missglückten Balance zwischen Beruf und Familie. In der Welt der Erwerbsarbeit hatten Vater-Kind-Beziehungen einst keinen

Platz, sie durften in keiner Weise die betrieblichen Abläufe stören. Der Mangel an qualifizierten Fachkräften in bestimmten Branchen und Regionen lässt inzwischen manches Unternehmen umdenken. Zwar gilt als idealer „High Potential“ noch immer der beliebig verfügbare und hoch motivierte 30-Jährige, der sich in seiner knapp bemessenen Freizeit eher im Kraftraum als im Kinderzimmer aufhält. Doch die Personalchefs stellen überrascht fest, dass auch männliche Mitarbeiter ein „Vereinbarkeitsproblem” benennen, sich zwischen Kind und Karriere aufgerieben fühlen. Diese Väter lassen nicht mehr allein mit hohen Gehältern, schicken Büros, teuren Dienstwagen oder luxuriösen Tagungshotels ködern. Sie suchen betriebliche Partner für einen alternativen Karriereweg, der ruhig ein bisschen länger sein darf, der private Umwege akzeptiert und das Sammeln von Erfahrungen jenseits des Berufes positiv bewertet. Sie wenden sich gegen die Ansprüche von Vorgesetzten, die stets Einsatzbereitschaft über dem Limit erwarten. Sie fordern Rücksicht und Entgegenkommen: Ein „familienfreundliches” Unternehmen darf sich ihrer Meinung nach nicht auf „mütterfreundliche” Angebote beschränken, sondern sollte auch „väterfreundlich” sein. 4. Tücken der privaten Arbeitsteilung In der Paarbeziehung sind Männer mit ambivalenten Erwartungen konfrontiert. Aus der Perspektive ihrer Frauen sollen die Väter alles zugleich sein: kämpferischer Beschützer und verlässlicher Ernährer, aber auch einfühlsamer Partner und Versorger des Nachwuchses. Vor allem nach der Geburt eines Kindes wirken alte, meist in der Herkunftsfamilie gelernte Bilder: Papa bringt das Geld, Mama windelt und stillt. Wenn vor der


Bindungsperson Familiengründung ein großes finanzielles Gefälle bestand, der Mann „einfach mehr verdiente“, bleibt von den egalitären Vorsätzen besonders wenig übrig. Die Väter gehen dann erst recht lange arbeiten, ihre Partnerinnen werden „vorläufig“ Hausfrau und Mutter, später vielleicht Hinzuverdienerin. In Umfragen geben Väter mehrheitlich an, nicht der Beruf, sondern Frau und Kinder seien für sie das Wichtigste im Leben. Das ist kein Widerspruch zu ihrem Verhalten. Denn sie betrachten die Erwerbsarbeit als wesentlichen Beitrag zur Familienarbeit, als eine männliche Form der Sorge. Zwar müssen sich Väter wegen häuslicher Abwesenheit auch Vorwürfe anhören, doch im Kern akzeptieren ihre Frauen das getroffene Arrangement: Sie wissen um die große Bedeutung, die „sein“ Job für das Wohl der Familie hat. Als Gegenleistung übernehmen die meisten Mütter die Regie in Erziehungs- und Haushaltsfragen, beanspruchen dort aber auch die Definitionsmacht. Männer müssen sich mit Hinweisen auf ungeputzte Badezimmer oder schmutzige Fußböden auseinander setzen und über die Nachteile der praktischen Buntwäsche mit 40 Grad belehren lassen. Findet Mama bei der Rückkehr ein schreiendes Baby vor, kann der Verdacht aufkommen, dass während ihrer Abwesenheit die väterliche Pflege versagt hat – auch wenn das Kind vielleicht einfach nur Bauchschmerzen hat. Manche Frauen trauen ihren Partnern den zärtlichen und fürsorglichen Umgang mit dem Nachwuchs einfach nicht zu. Die Aufgabenteilung zwischen jungen Eltern wird laufend neu definiert und ist daher konfliktträchtig. Ein Diktat karriereverliebter männlicher Workaholics, die ihren Nachtschlaf retten, sich vor dem Wickeln drücken und morgens ins Büro flüchten wollen, ist sie jedoch mit Sicherheit nicht.

Teil II

Das „Zutrauen, das die Mutter in die Kompetenzen ihres Partners zur Ausübung der Elternrolle besitzt”, betrachtet auch Wassilios Fthenakis als „kritische Größe”. Er schildert seine Beobachtungen aus einer Langzeitstudie: „Mütter, die schon vor der Geburt des Kindes ihrem Partner die Fähigkeiten absprechen, das Kind angemessen zu betreuen und engagiert, sensibel und kompetent auf die Bedürfnisse des Kindes einzugehen, geben ihm wenig Möglichkeiten, sich an der Betreuung und Versorgung des Kindes zu beteiligen.” Dies könne dazu führen, „dass die ursprünglich durchaus vorhandene Motivation des Mannes durch gut gemeinte Anweisungen oder Kritik untergraben wird”. Ein geringes väterliches Engagement, spitzt Fthenakis zu, sei „somit auch Resultat des mütterlichen Verhaltens” (Fthenakis 2008, S. 70/71). 5. Die „Papa-Welle” in Kindergärten und Familienbildung Eltern benötigen soziale Netzwerke, um sich gegenseitig zu unterstützen. Solche mit Betreuungsaufgaben verknüpften Kooperationen bestehen vor allem unter Frauen und Müttern. Während traditionelle Männertreffpunkte wie Sportklubs, Parteiversammlungen, Stammtische oder Nachbarschaftsvereine in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung verloren haben, sind andere Orte öffentlicher Begegnungen und sozialer Kontakte wie Volkshochschulen, Bildungswerke oder Beratungsstellen entstanden. Alle diese Institutionen werden überwiegend von Frauen frequentiert, die offenbar mehr Bedarf, mehr Interesse und mehr Mut haben, an Gesprächskreisen, Therapiegruppen oder Elternangeboten teilzunehmen. Im Umfeld von Kindergärten und Familienbildungsstätten haben sich auf diese Weise nahezu geschlossen feminin geprägte Welten etabliert.

Eine gezielte pädagogische Arbeit mit Vätern findet in diesen Einrichtungen so gut wie nicht statt (Verlinden/Külbel 2005). Dem ganz überwiegend weiblichen Personal fällt es meist leichter, mit den Müttern der ihnen anvertrauten Kinder zu kommunizieren. Manche Väter pflegen einen ungewohnt anderen Kommunikationsstil, manche Erzieherinnen haben regelrecht Angst vor einem engeren Kontakt zu dem männlichen Elternteil. Vereinzelte Angebote, die sich dezidiert an Männer richten, fallen häufig aus. Die Zielgruppe habe zu wenig Interesse, klagen die Veranstalterinnen. Das klingt defizitär, lässt sich aber auch anders interpretieren: Die Abwesenheit der Väter hat mit den spezifisch weiblichen Welten zu tun, in die geladen wird. Die Familienbildungsstätten, die einst den Namen „Mütterschulen“ trugen, sind das im Kern bis heute geblieben. Ihre „Elternarbeit“ ist mütterzentriert. Sie sind ein selbstverständlicher Bestandteil des MutterKind-Kosmos – wie Spielplatz, Tagesstätte oder Grundschule. Der Paarkurs für Schwangere, den ein werdender Vater vielleicht mit seiner Partnerin besucht hat, war meist seine erste und letzte Eltern-Bildungsaktivität. Mütter dagegen knüpfen gerade in der Säuglingszeit frauenspezifische Beziehungsnetze: Rückbildungsgymnastik, Spielgruppe in der Gemeinde, tägliche Spaziergänge im Stadtpark, Plaudern mit anderen Frauen am heimischen Küchentisch. Junge Mütter treffen sich dauernd und tauschen sich regelmäßig über ihre neue Lebenssituation aus. Aktive Väter dagegen sind häufig isoliert; sie haben es schwerer als Mütter, Gleichgesinnte zu finden. Umso wichtiger wären „männergerechte” Bildungs- und Beratungsangebote. Denn als Folge der stark wachsenden Nutzung der Elternzeit durch Väter rollt eine „Papa-Welle” auf jene

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Dr. Thomas Gesterkamp · Fortsetzung

Der Mann als Bindungsperson Institutionen zu, mit denen Familien zu tun haben. Krippen, Kitas, Jugendämter und Schulen treffen erstmals auf eine größer werdende Gruppe von Männern, die in der Säuglingszeit ihres Kindes andere Erfahrungen gemacht haben als frühere Generationen. Es reicht nicht mehr, Väter zum kostengünstigen Renovieren einzuspannen oder sie beim Sommerfest an den Grill zu stellen. Wer als Mann schon direkt nach der Geburt des Babys zeitweise allein verantwortlich war, hat später ein Recht darauf, von Erzieherinnen oder Lehrerinnen beachtet und ernst genommen zu werden. Schon in die Ausbildung dieser Berufe gehören deshalb Seminare und Bausteine, die sich mit Väterarbeit beschäftigen. 6. Betriebliche Hürden Die Diskussion um die Bedeutung von Männern für die kindliche Entwicklung beschränkte sich lange weitgehend auf die Zeit rund um die Familiengründung. Es ging um die Zeit und das „erste Jahr zu dritt”, das Zusammenleben mit Säuglingen und Kleinkindern, im günstigsten Fall noch um fehlende Betreuungsangebote. Der Phase danach wurde zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Die Absolventen der Elternzeit merken schnell, dass Kinderaufziehen nicht nur ein paar Monate dauert, sondern um die zwanzig Jahre – manchmal sogar noch länger. Beginnt die „Retraditionalisierung” der Geschlechterrollen, von der die Forscher sprechen, also einfach ein bisschen später? Kehren Männer und Frauen dann zurück zur althergebrachten Arbeitsteilung, vielleicht mit ein paar modernen Elementen? Die „Papa-Welle” erreicht auch die Unternehmen. Eine kurze Babypause wird in den meisten Betrieben relativ problemlos bewilligt, Wünsche nach langfristig reduzierten Arbeitszeiten aber sind erheblich schwerer durchzusetzen. Es braucht Selbstbe-

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wusstsein, in einer männlich geprägten Arbeitskultur abweichendes Verhalten zu zeigen. Viele Väter scheuen die Risiken, die damit verbunden sind, im Unternehmen eine ausgeprägte private Orientierung offen zu vertreten. Vorgesetzte messen Leistung immer noch an betrieblicher Präsenz und weniger an Ergebnissen. „Karrieren werden nach 17 Uhr entschieden“ bekommt zu hören, wer genau dann endlich gehen will. Häufig geht es weniger um Betriebswirtschaft als um Psychologie: Die Unternehmensleiter betrachten es als eine erzieherische Aufgabe, ihre Erwerbsorientierung als Kern persönlicher Identität an die jüngere Generation weiterzugeben. Wer sich seinen Posten durch lange Arbeitszeiten mühsam erkämpft hat, stellt hohe Ansprüche an die Anwesenheitsdisziplin seiner Untergebenen. Die persönliche Einstellung zur Erwerbsarbeit ist in vielen Betrieben ein wichtiger Bestandteil des heimlichen Lehrplans. Mitarbeiter, die signalisieren, dass ihnen andere Lebensbereiche wichtiger sind, werden misstrauisch beäugt. Dieser kulturelle Konflikt dreht sich nur am Rande um praktische Umsetzungsprobleme einer geringeren Präsenz am Arbeitsplatz. Viel bedrohlicher scheint die demonstrative Distanz zur bezahlten Tätigkeit, das mögliche Aushöhlen der Arbeitsmoral. 7. Fazit Das Lebensgefühl junger Paare ist heute von einem selbstverständlichen Anspruch auf gleiche Chancen geprägt. Frauen wollen erwerbstätig sein, Männer privat nicht mehr im Abseits stehen. Immer mehr Väter sind es leid, in ihren Familien die Rolle des ewigen Praktikanten zu spielen. Vom randständigen Arbeitsmann erweitern sie ihre Identität zu einer stärker ganzheitlichen Persönlichkeit, die Sorge- und Erziehungsaufgaben selbstverständlich einschließt.

Teil II

Nicht nur Frauen, auch Männer sind wichtige Bindungspersonen für die kindliche Entwicklung. Auf die Erkenntnisse der Väterforschung wird angesichts weitgehend fehlender spezifischer Studien auch in der Debatte um die Bedeutung männlicher Fachkräfte in öffentlichen Tageseinrichtungen zurückgegriffen. Mehr als ein Viertel der Väter nutzt inzwischen die Elternzeit und macht dabei neue Erfahrungen. Auf diesen kulturellen Wandel müssen sich Erzieherinnen und Erzieher einstellen und für die Kindertagesstätten Konzepte von Elternarbeit entwickeln, die neben Müttern auch Väter ansprechen. Der Verfasser Dr. Thomas Gesterkamp ist Journalist und Buchautor in Köln, er schrieb „Gutesleben.de – Die neue Balance von Arbeit und Liebe” (Verlag Klett Cotta 2002) sowie „Die neuen Väter zwischen Kind und Karriere” (Verlag Barbara Budrich 2010). Er ist Mitbegründer des VäterExperten-Netzes in Deutschland. www.thomasgesterkamp.de Literatur Beck, Ulrich: Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne, Frankfurt 1986 Fivaz-Deupersinge, E./Corboz-Warnnery, A.: Das primäre Dreieck. Vater, Mutter und Kind aus entwicklungstheoretisch-systemischer Sicht, Heidelberg 2001 Fthenakis, Wassilios: Die Rolle des Vaters. Forschungsergebnisse und Perspektiven. In: Markus Hofer (Hg.): Vater, Sohn und Männlichkeit, Kevelaer 2008 Fthenakis, Wassilios u.a.: Paare werden Eltern. Die Ergebnisse der LBS-Familien-Studie, Opladen 2002 Fthenakis, Wassilios: Väter. Zur Psychologie der VaterKind-Beziehung, München 1985 Le Camus, Jean: Die Bedeutung des Vaters für die psychische Entwicklung des Kindes, Weinheim 2001 Nickel, Horst: Väter und ihre Kinder vor und nach der Geburt. In: Walter, Heinz (Hg.): Männer als Väter. Sozialwissenschaftliche Theorie und Empirie, Gießen 2002 Walter, Heinz: Deutschsprachige Väterforschung. Sondierungen in einem weiten Terrain. In: Walter, Heinz (Hg.): Männer als Väter. Sozialwissenschaftliche Theorie und Empirie, Gießen 2002 Schnack, Dieter/Gesterkamp, Thomas: Hauptsache Arbeit? Männer zwischen Beruf und Familie, Reinbek 1998 Verlinden, Martin/Külbel, Anke: Väter Im Kindergarten. Anregungen für die Zusammenarbeit mit Vätern in Tageseinrichtungen für Kinder, Weinheim 2005 Volz, Rainer/Zulehner, Paul: Männer in Bewegung. Zehn Jahre Männerentwicklung in Deutschland. Baden-Baden 2009.


Freiwilligen Agentur Pforzheim-Enzkreis

Ă„ltere engagieren sich ehrenamtlich Oft heiĂ&#x;t es, Rentnerinnen und Rentner hätten nie Zeit. Die Vermittlungs zahlen der Freiwilligen Agentur Pforzheim-Enzkreis sprechen eine andere Sprache und weisen in dieser Hinsicht interessante Ergebnisse auf: Die Generation 60+ hat sehr wohl Zeit und einen guten Teil davon verbringt sie bemerkenswerterweise damit, sich ehrenamtlich zu engagieren. Die Freiwilligen Agentur Pforzheim-Enzkreis hat im vergangenen Jahr bei 32 % aller Vermittlungen in Ehrenämter Personen vermittelt, die älter als 60 sind. Was macht die Freiwilligen Agentur? Die Freiwilligen Agentur in Trägerschaft der Volkshochschule PforzheimEnzkreis befasst sich mit dem freiwilligen Engagement in Stadt und Landkreis in seiner ganzen Themenbreite. Ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt ist die persĂśnliche Beratung und Vermittlung von Interessierten in ein fĂźr sie geeignetes Ehrenamt. Hierzu erscheint einmal jährlich die BroschĂźre „Verschenken Sie Zeit! Zeit fĂźrs Ehrenamt“ mit Ăźber 150 EinsatzmĂśglichkeiten innerhalb der Stadt Pforzheim und in den Gemeinden des Enzkreises. Die EinsatzmĂśglichkeiten liegen häufig im sozialen, kulturellen, sportlichen oder kaufmännischen Bereich. Der zeitliche Umfang reicht von wenigen Stunden im Monat bis zu mehreren Stunden wĂśchentlich. MĂśglich ist auch eine projektbezogene Mitarbeit mit klar definiertem zeitlichen Anfang und Ende. Die Beratungen der Freiwilligen Agentur nehmen andererseits auch Organisationen in Anspruch, die auf die Mitarbeit von Freiwilligen angewiesen sind und deshalb dauerhaft ehrenamtliche UnterstĂźtzung benĂśtigen. Die Freiwilligen Agentur konzipiert und organisiert auĂ&#x;erdem ein breit gefächertes Weiterbildungsangebot fĂźr Ehrenamtliche. Wer Zeit und Lust hat, kann sich hier in unterschiedlichen Bereichen qualifizieren. Wie berät die Freiwilligen Agentur? Viele Menschen wĂźnschen zunächst ein unverbindliches Informationsgespräch, ein erstes Herantasten, bei dem auch allgemeine Rahmenbe-

dingungen besprochen werden. Ein Ehrenamt bringt zwar Verbindlichkeiten mit sich, ist aber jederzeit „kĂźndbar“ und darf auch mal ausfallen, wenn persĂśnliche Termine vorrangig sind. Die eigentliche Beratung – ob persĂśnlich, telefonisch oder im Kontakt per E-Mail – hilft bei der Entscheidungsfindung und ist besonders hilfreich, wenn zunächst noch keine konkrete Vorstellung besteht, welche Bereiche fĂźr ein Engagement in Frage kommen. In der Regel unterbreitet die Freiwilligen Agentur im Anschluss mehrere Vorschläge – immer mit der MĂśglichkeit, zunächst auszuprobieren, ob das gewählte Tätigkeitsfeld den Vorstellungen entspricht und die Einrichtung und die Freiwilligen zueinander passen. Beim Benennen ihrer Vorstellungen und WĂźnsche erwähnen die Freiwilligen oftmals Spezialkenntnisse oder besondere Fähigkeiten, wie Handarbeitstechniken, kaufmännisches Geschick, musikalische Begabung oder gute Kenntnisse in einem bestimmten Schulfach. Geschätzt werden auch Menschen, die zuhĂśren kĂśnnen, Geduld aufbringen oder freundlich präsent sind und dabei kleine Handgriffe erledigen. Weshalb sich engagieren? PersĂśnliches Wissen, Lebensund Berufserfahrung an an-

dere weiterzugeben, ist ein häufig genanntes Motiv fĂźr ein Ehrenamt. „Etwas davon zurĂźckzugeben“, was man selbst im Leben von anderen bekommen hat. Ein freiwilliges Engagement soll SpaĂ&#x; und Freude machen und bringt vielfältige EntfaltungsmĂśglichkeiten. Menschen, die im Leben nie mĂźde werden dazuzulernen, bekommen hier die Chance, in nicht gekannte Lebensbereiche einzublicken. Neben der Horizonterweiterung lernt man neue Leute kennen und wird gleichzeitig in grĂśĂ&#x;ere soziale Netzwerke eingebunden. Im Kleinen mitzugestalten zeigt Wirkung im grĂśĂ&#x;eren Ganzen, da der Einzelne dazu beiträgt, Lebensqualität am Wohnort zu erhalten oder sogar noch zu verbessern.

Nähere Infos: Freiwilligen Agentur, HohenzollernstraĂ&#x;e 34, Pforzheim (Nordstadt) oder Telefon (0 72 31) 38 00 16 oder per E-Mail unter: frag@vhspforzheim.de.

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Titelgeschichte

Jutta Speidel – „Es geht wieder los! Ich bin zu verschiedenen Drehs unterwegs!“ So lautet die Botschaft auf ihrer Homepage. Aber eigentlich geht es ein Leben lang bei ihr immer los. Schauspielerin Jutta Speidel.

Bild rechts: Jutta Speidel und Tochter Antonia beim Projekt „Goethes Italienreise“ mit dem Pianisten Markus Zugehör.

Sie startet vor 61 Jahren am 26.03. 1954 in München. Glückliche Eltern nehmen sie liebevoll in die Arme, behüten und begleiten ihre Kindheit und Jugend. Bereits mit 15 Jahren zeigt sich in zahlreichen Filmen, in denen sie vor der Kamera steht, ihr schauspielerisches Talent. Nach absolvierter Schauspielschule beginnt eine endlos wechselnde Kette von Engagements im Theater, in Film und Fernsehen, der Synchronisation und in

der Herausgabe von Büchern und Hörbüchern. Es sprudelt aus ihr eine ständige Quelle neuer Ideen, Gedanken und Aktivitäten. Von zahlreichen Auszeichnungen sind hier nur einige zu nennen: Bambi, „Bravo-Otto“ in Gold und Silber, Hersfeld-Preis, Goldene Europa, Bayerische Staatsmedaille für soziale Verdienste und das Bundesverdienstkreuz. Ihren zwei Töchtern – Franziska und Antonia – hat sie ihre Talente separiert vererbt. Franziska hat ihre soziale Seite erhalten. Sie arbeitet als Tierheilpraktikerin und Erzieherin,

e.V.“, der obdachlosen Müttern und deren Kindern Beistand leistet und Zuflucht gibt (siehe nachfolgende Seiten). In einem eigens dafür – mit Unterstützung der Bevölkerung durch Spendengelder – erbauten Haus, werden die Betroffenen aufgenommen, in auf ihre Bedürfnisse angepassten Appartements untergebracht und in den folgenden Monaten (die Verweildauer beträgt durchschnittlich 18 Monate) von Sozialpädagogen, Therapeuten, Medizinern sowie notwendigem geschulten Fachpersonal betreut und auf ein selbstbestimmtes und selbstverantwortliches Leben in gesicherten Verhältnissen vorbereitet und begleitet. Dabei ist der Verein auf viele ehrenamtliche Helfer, sozialbewusste Unternehmer, die z.B. Arbeitsplätze und Lehrstellen zur Verfügung stellen, und permanente Spenden aus Bevölkerung und Wirtschaft ange-

Jutta Speidel bei der Verleihung der Bayerischen Staatsmedaille für soziale Verdienste.

vermittelt therapeutisches Reiten und führt das Projekt der Mutter, „Horizont e.V.“ weiter. Tochter Antonia hat sich für die künstlerische Laufbahn entschieden. Sie hat eine Ausbildung als Opernsängerin absolviert. 1997 gründete Jutta Speidel den gemeinnützigen Verein „HORIZONT

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wiesen. Ohne diese tägliche Unterstützung, wäre die notwendige Arbeit mit den entsprechenden positiven Ergebnissen nicht zu leisten. DAS INTERVIEW GenDia: „Durch welche Grundsätze, Maßnahmen und Freiräume haben Ihre Eltern Ihnen die Voraussetzung


ihre Erfolge, ihre Familie, ihre Wünsche für die Erlebensfähigkeit eines so aktiven und farbenreichen Lebens geschaffen?“ Jutta Speidel: „Durch die berufliche Inanspruchnahme meiner Eltern blieb mir viel Raum und Zeit für die Entwicklung der eigenen Fantasie, der Gedanken, der Träume. Es war ein großes Geschenk.“

sehr, dass dieses gemeinsame Programm erfolgreich ankommt. Zur Zeit sind wir dabei, für den Verein „HORIZONT e.V. ein zweites Horizonthaus zu bauen, mit 48 Wohnungen und entsprechenden sozialpädagogischen Einrichtungen. Zur Durchführung dieses neuen Hauses brauchen wir viel Hilfe, viele Helfer

GenDia: „Sie haben 2 Töchter und Sie sind weitgehend alleinerziehend und beruflich ständig abwesend. Aus welchem Material besteht der Ariadnefaden, durch den Sie bis heute miteinander verbunden sind?“ JS: „Es ist die Liebe füreinander, es ist das bedingungslose Vertrauen, es ist das gegenseitige füreinander da sein. Dieser Dreiklang bildet die harmonische Basis einer wunderbaren Gemeinsamkeit.“ GenDia: „Wenn Sie einen Wunsch frei hätten – oder vielleicht auch drei – wir möchten sie gern wissen.“ JS: „,Feliccima Notte’ ist der Titel einer Abendveranstaltung, die ich zur Zeit gemeinsam mit meiner Tochter Antonia durchführe. Sie übernimmt, als ausgebildete Opernsängerin, begleitet von einem Pianisten, den musikalischen Teil, ich gebe dem Wort seinen Stellenwert. Ich wünsche mir

und viel Unterstützung. Ich wünsche mir von ganzem Herzen ein gutes Gelingen unserer Aufgabe.“ GenDia: „Und vielleicht zum Abschluss noch das aufregendste Erlebnis Ihres Lebens?“ JS: „Das aufregendste Erlebnis waren die Geburten meiner Töchter.“

Abb. im Uhrzeigersinn: Heiner Lauterbach, Jutta Speidel und Michael Fitz in dem ARD-Film „Die Doppelgängerin“. Daniel Friedrich, Janina Hartwig, Christian Wolff, Jutta Speidel, Lara Joy Körner und Patrick Wolff am Strand bei den Dreharbeiten zum ZDF-Sonntagsfilm „Entscheidung auf Mauritius“. Jutta Speidel und Peter Sattmann im ZDF-Sonntagsfilm „Ein Sommer in Marakesch“. Jutta Speidel und Fritz Wepper bei den Dreharbeiten der ARDSerie „Um Himmels Willen“. Jutta Speidel mit ihrer Mutter Gerlinde und Tochter Franziska. Fotos: © Barbara Ellen Volkmer

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Titelgeschichte

Jutta Speidel – Seit über 18 Jahren hilft HORIZONT e.V. wohnungslosen Kindern und deren Müttern schnell und unbürokratisch. Im HORIZONT-Haus können sie zur Ruhe kommen und finden so lange eine Heimat auf Zeit, bis sie ihr Leben wieder selbst in die Hand nehmen können. Einzigartig ist dabei unser sozialpädagogisches Fachteam, das die Kinder und Frauen darin unterstützt, Probleme beherzt zu bewältigen und sich mutig zu entfalten. In jeder Krise steckt eine Chance – HORIZONT hilft, diese zu entdecken und zu leben.

Jutta Speidel und Künstler Otmar Alt präsentieren ein gemaltes Riesenbild, das er zusammen mit den Kindern aus dem HORIZONTHaus gemalt hat. Foto © Barbara Ellen Volkmer

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Ausführlichere Informationen zu unserer Philosophie und unserer pädagogischen Arbeit können Sie der HORIZONT-Broschüre entnehmen, die Sie sich als pdf-Datei auf unserer Homepage unter www.horizontev.org herunterladen können. Zur schnellen Übersicht können Sie sich

darüber hinaus dort unseren Kinospot ansehen. Um unsere kleinen und großen BewohnerInnen bestmöglich zu schützen, geben wir die Adresse des Hauses im Münchner Norden auf diesen Seiten nicht bekannt. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an die Geschäftsstelle.

Unsere Kinder und Mütter Im HORIZONT-Haus nehmen wir wohnungslose Mütter mit mindestens einem Kind auf. Unsere Bewohnerinnen kommen nicht nur aus Deutschland, sondern aus allen Teilen der Erde und bereichern unser Haus mit ihren kulturellen Besonderheiten. Leider haben unsere Kinder und Mütter zu wenig Respekt, Zuwendung und Fürsorge erfahren. Daher setzt sich das sozialpädagogische Fachteam mit ganzer Kraft dafür ein, das Selbstwertgefühl seiner Bewohner zu stärken. Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe, damit die Familien möglichst schnell ihr Leben neu ausrichten und wieder ein eigenverantwortliches Leben führen können. Durchschnittlich beherbergt das HORIZONT-Haus rund 70 Personen, davon um die 45 Kinder aller Altersstufen. Nur wenige der Frauen sind berufstätig, viele Bewohnerinnen benötigen mehr Deutschkenntnisse und Wissen um unsere kulturellen Gepflogenheiten, um ihr Leben gut organisieren zu können. HORIZONT und seine Räume Das HORIZONT-Haus bietet 24 Appartements, in denen die Mütter mit ihren Kindern eigenständig leben. Jedoch sind 24 Stunden am Tag an 365 Tagen des Jahres Ansprechpartner verfügbar, die Probleme lösen helfen. Zwei Zimmer sind für Notfälle reserviert, die ohne Anmeldung vor der Tür stehen. Bis geregelt ist, wo die Betroffenen eine langfristige Bleibe finden, sind sie erst mal darin gut untergebracht. Die meisten der Frauen sind bitterarm und ihre Habseligkeiten passen in eine Plastiktüte. Deshalb sind die 24 Wohnungen bereits möbliert und beim Einzug mit dem Notwendigsten ausgestattet. Die möblierten Ein-, Zwei- und Drei-Zimmerwohnungen verteilen sich auf sechs Etagen. Alle Wohnungen verfügen


in eigener Sache …

Optimale Betreuung Zum Wohle aller kleinen und großen BewohnerInnen ist das HORIZONT-Haus mit allen wichtigen Einrichtungen vernetzt. HORIZONT e.V.

verfügt über sehr gute Kontakte zur Schulsozialarbeit, Allgemein- und Fachärzten, Psychologen, Dolmetschern und sonstigen Fachdiensten. Regelmäßige Besuche einer Ärztin helfen, seelische und körperliche Probleme bei den Kindern und Müttern frühzeitig zu erkennen und entsprechende Gegenmaßnahmen vorzunehmen. Bei Bedarf bieten wir auch eine Nachbetreuung an. So können sich die Kinder und Mütter auch nach ihrem Auszug mit ihren Sorgen an „ihr“ Fachteam wenden und erhalten gezielt die Hilfe, die sie zum selbstständigen Leben brauchen.

Das interdisziplinäre Fachteam Das pädagogische Fachteam besteht aus drei Sozialpädagoginnen, einer Kunsttherapeutin, einer Erzieherin und einer Heilpädagogin. Ansätze, Denkweisen sowie Methoden der verschiedenen Fachrichtungen arbeiten Hand in Hand und werden zum Wohle der Betroffenen kombiniert. Während die Sozialpädagoginnen den Müttern in alltäglichen Dingen des Lebens mit Rat und Tat zur Seite stehen (z.B. Umgang mit Behörden, Erziehungsfragen...) und die Kinder in der Hausaufgabenbetreuung umsorgen, bietet eine Erzieherin im hauseigenen Gruppenraum eine Kleinkindbetreuung an. So haben die Frauen beispielsweise Zeit, Deutschkurse zu besuchen oder Amtsgänge zu erledigen. Eine Heilpädagogin arbeitet mit den ganz Kleinen im Frühförderbereich, und eine Kunsttherapeutin wird da aktiv, wo die Seele neue Ausdrucksmöglichkeiten braucht. Die Organisation aller Abläufe und die administrativen Anforderungen liegen in den Händen der Hausleitung.

Abb. Mitte: Jutta Speidel freut sich über das gemalte Bild von Otmar Alt und den HORIZONT-Kindern. Foto © Barbara Ellen Volkmer

Abb. links: Die Broschüre vom HORIZONT e.V. kann auf der Homepage heruntergeladen werden. Grafik/Druck © Stolz Bild © Horizont e.V.

Auch ehrenamtliches Engagement erwünscht Ergänzt wird das Team durch ehrenamtliche MitarbeiterInnen, diverse Honorarkräfte sowie PraktikantInnen. Für die Haushygiene und Ordnung sorgen eine Reinigungskraft und unser Hausmeister. Aber wir benötigen immer helfende Hände! Die Betreuung von Kindern oder die Begleitung von Frauen sind nur zwei Bereiche von vielen, bei denen Sie gerne Ihre Fähigkeiten einbringen können. Vielleicht möchten Sie uns auch im Tag- oder Nachtdienst oder im Verwaltungsbereich unterstützen? Oder Sie haben Talent für leichte Renovierungsarbeiten? Egal wofür Sie sich entscheiden: Wir freuen uns auf Sie!

über einen geräumigen Küchen- und einen eigenen Badbereich. Nach dem Passieren der Pforte lädt ein Foyer zum Verweilen ein. Büround Betreuungsräume, Schulungsund Kreativbereiche, Multifunktionsund Therapieräume und ein Garten mit Spielplatz runden das räumliche Angebot ab.

Info-Adresse: HORIZONT e.V. Fürstenstraße 5, 80333 München Tel. 089/2 38 88 39-0 Fax 089/2 38 88 39-11 info@horizont-ev.org www.horizont-ev.org Spendenkonto: HORIZONT e.V. HypoVereinsbank München Konto 35 60 12 0000 BLZ 700 202 70 IBAN: DE13700202703560120000 BIC: HYVEDEMMXXX

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Andreas Michel, Jugendmusikschule Pforzheim

Seid umschlungen Millionen – Jugendmusikschule Pforzheim Sie stehen ganz oben auf jeder Aufgabenliste regionaler und internationaler Politiker – Integration und Inklusion. Nicht erst seit Beethovens 9. Sinfonie wird das Prinzip des friedlichen und brüderlichen Miteinanders als Grundlage einer humanistischen und kultivierten Zukunftsgestaltung der Menschheit besungen und durch die Musik dokumentiert. Die öffentlichen Musikschulen dienen diesem Prinzip der Pflege des menschlichen Miteinanders unabhängig von Alter, Herkunft oder sozialer Stellung allein durch ihre bloße Existenz und Tätigkeit, denn sie sind eine Plattform der Begegnung für Menschen auf der Basis der Musik – der Sprache, die die ganze Welt versteht. Und hierin liegt wohl auch der besondere Vorteil der Musik – man versteht sich eben auch ohne Worte.

Und da gab es für Musikschulleiter Andreas Michel keine Frage, als federführendes Institut, die Organisation zu übernehmen, als die Idee eines Nationen verbindenden „Trinationenorchesters“, zusammengesetzt aus jungen Musikerinnen und Musikern der Partnerstädte Tschenstochau, Saint-Maur-des-Fossés und der Stadt Pforzheim im Rahmen des „Kulturfestivals Pforzheim 2015“ geboren wurde. „Liegt doch gerade der Hauptzweck einer Musikschule, Menschen, auf der Basis der Musik, zusammen zu bringen und mit Toleranz und Respekt Gemeinsames zu erarbeiten“, so Schulleiter Michel.

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Internationale Zusammenarbeit war seit jeher ein Thema für das über die Stadtgrenze hinaus bekannte musikpädagogische Institut. Die Stadtoberen der drei Städte gaben ihren Beistand als Schirmherren – das Kulturamt der Stadt Pforzheim stellte Finanzmittel und Beratung zur Seite, Orchesterleiter Oliver Scherke und die Lehrkräfte konzipierten und begleiteten das mittlerweile in drei Konzertphasen unterteilte Projekt, nachdem ein Antrag auf Bezuschussung im Rahmen des europäischen Jugendförderprogramms ERASMUS+ und des DFJWs (Deutsch-Französisches Jugendwerks) erfolgreich bewilligt wurde. Nahezu zwei Jahre nahmen die Vorbereitungen in Anspruch, bis die erste Konzertreise im polnischen Tschenstochau starten konnte. 37 junge Musiker aus dem Conservatoire Saint-Maur-des-Fossés und der Jugendmusikschule Pforzheim GmbH reisten nach Polen, um das Trinationale Orchester entstehen zu lassen. Tagelange Proben sollten das unter dem Motto „Crossover Europe 2015“stehende Jugendprojekt zu einer Einheit führen, denn „crossover“ bedeutete hier nicht nur Länder- sondern auch Genre- und Musikstilübergreifend. Neben G.F. Händels Wassermusik und L. v. Beethovens


Crossover Europe 2015 verbindet Menschen grenzüberschreitend 6. Sinfonie standen Werke für großes Orchester, Band und Vokalsolisten auf dem Programm. Der in Pforzheim bekannte und in der Jugendmusikschule ausgebildete Donovan Noesser mit Band und die Vokalsolistinnen Gloria Mussago und Franziska Heidl interpretierten Songs von Michael Jackson und der Gruppe Coldplay in Spezialarrangements des ehemaligen Musikschülers und Musikstudenten Benjamin Fischer. Abwechslung war Trumpf. Nicht nur in musikalischer Hinsicht. Auch und gerade die intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Thema Europa

nahm einen außergewöhnlich hohen Stellenwert ein. In Workshops, Präsentationen und Gruppenarbeiten wurden europäische Themen bearbeitet, reflektiert und vorgestellt. Länderspezifische Eigenarten und Besonderheiten konnten auf diese Weise positiv und bereichernd vermittelt werden – im Sinne von „Vielfalt in der Einheit“– einem zentralen europäischen Grundsatz. Und die Einsicht, dass erst Verständnis die Voraussetzung für Verständigung sein kann. Aus Unbekannten wurden Freunde, Mitstreiter und Diskussionspartner. Das erste Konzert am Donnerstag, 28. Mai 2015, in der

großen Philharmonie in Tschenstochau wurde der musikalische Ausdruck einer nunmehr zusammen gewachsenen Gruppe junger europäischer Musiker. Mit Erinnerungen an ein erfolgreiches Konzert in Tschenstochau, das vom Publikum mitgetragen wurde, machte sich das Trinationenorchester auf nach Saint-Maurdes-Fossés im Stadtkreis Paris, wo nach sommerlich heißen Tagen in der Metropole und intensiver Probenarbeit im Auditorium des Conservatoire, das zweite Konzert auf hohem Niveau am Freitag, 3. Juli 2015, einem aufmerksamen Publikum prä-

sentiert wurde. Die Unterbringung der jungen Musiker in privaten Unterkünften bot die Gelegenheit, das Pariser Stadtleben unmittelbarer erfahren zu können. Mit dem TGV fuhr das 70 köpfige Trinationenorchester dann in die Goldstadt Pforzheim, der Heimat der Jugendmusikschule, wo am 5. Juli 2015, unter Anwesenheit Oberbürgermeisters Gert Hager, auf dem Marktplatz das finale Open AirKonzert aufgeführt wurde. Festivalund Happening-Stimmung machte sich trotz erbarmungsloser Hitze breit. Während Kleinkinder sich an den zahlreichen Brunnen erfrischten, klatschten begeisterte Zuhörer zu den

Themen und Rhythmen des Orchesters mit Band. Orchesterleiter Scherke, Schulleiter Michel und die Lehrkräfte zeigten sich glücklich über das gemeinsam und erfolgreich verlaufene Projekt, das den Alltag einer Musikschule bei weitem überstieg. Dem nicht genug – folgenden Tags fuhr das Orchester nach Straßburg mit romantischer Bootsfahrt und anschließendem Besuch im EU-Parlament. Die jungen Europäer wohnten einer Plenarsitzung bei und konnten sich ein Bild machen von den Erfordernissen des zukünftigen Europas. Ein Besuch in der einzigartigen Ausstellungslocation „Rom 312“ mit dem weltgrößten 360°-Panorama des Künstlers Yadegar Asisi brachte die Musiker dreier Nationen zum Staunen, bevor ein Grillfest auf der Burg Rabeneck und ein Besuch im Schmuckmuseum Pforzheim ein europäisches Jugendprojekt beendete, das für alle Beteiligten Erlebnis, Erfahrung, Erbauung und Ermutigung bedeutete. „Crossover Europe 2015“ hat Menschen verbunden, Institutionen und Länder einander näher gebracht. Ohne Unterstützung von außen wäre ein derartiges Projekt nicht möglich. Der Förderverein der Jugendmusikschule und private Sponsoren, die Städte und die EU haben an einem Strick gezogen und Europa ein Stück weit erfahrbarer gemacht. Die enge und kollegiale Zusammenarbeit mit dem Amt für Öffentlichkeit, Rats- und Europaangelegenheiten unter Amtsleiter Norbert Echle mit seinen Mitarbeiterinnen Anna-Lena Beilschmidt, Monika Finna, Susanne Schreck und Ines Aiken war für Schulleiter Michel eine dankbare Unterstützung. Seid umschlungen Millionen – in der Jugendmusikschule wird Europa bereits aktiv gelebt!

Andreas Michel, Leiter der Jugendmusikschule Pforzheim GmbH.

Plakat der Aktion „Crossover Europe 2015“.

Infos unter: Tel. 0 72 31/ 39 35 00 oder info@jugendmusik schule-forzheim.de oder www.jugend musikschule-pforzheim.de

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Jugendmusikschule Neuenbürg

„Ein guter Unterricht Die Jugendmusikschule Neuenbürg feiert ihr 50-jähriges Jubiläum. In Zukunft will sie stärker mit Kindergärten und Schulen zusammenarbeiten. Unterricht an der Flöte bei Joanna Trautmann an der JMS Neuenbürg

Abb. rechts: Die Bundespreisträger der Jugendmusikschule: Nick Gengenbach, Jessica Kibardin, Leonie Brauns, Anthony Muresan und Daniel Salzmann.

Norbert Studnitzky, der einstige – und Christian Knebel, der jetzige Leiter der Jugendmusikschule Neuenbürg.

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same Trägerschaft eingegangen wurde. Später setzte sich auch der Musikverein ein. Ein festes Domizil gab es aber noch nicht: „Das war ein loser Verein“, erzählt Norbert Studnitzky, der die heute breit aufgestellte Musikschule von 1970 bis 2000 leitete und den Grundstein für eine dauerhafte Bildungseinrichtung legte. Es wurde zu Hause unterrichtet – oder in der Besenkammer der heutigen Schlossbergschule. „Das Klavier stand direkt neben dem Putzeimer“, erinnert sich der 79Jährige. Er habe damals sämtliche Instrumente gelehrt und auch Hand angelegt, wenn es ums Basteln von Orchesterlampen aus Konservendosen und Steckenpferde für die Früherziehung ging. Einer seiner Verdienste liegt auch in der Bearbeitung unzähliger Werke für Blasorchester – bis heute. Seit 1972 ist die Musikschule – zunächst eingeschränkt – im früheren Kino an der Burgstraße untergebracht. „Wir waren finanziell besser dran als

Früher gehörte es sich, dass Kinder zur Musikschule gehen. Sie war erschwinglich und eine Art Aufbewahrungshort. Und so ging es mit der Jugendmusikschule Neuenbürg schnell aufwärts, als 1970 eine hauptamtliche Stelle geschaffen und die Schule zwei Jahre später eine städtische Institution wurde. Zu Spitzenzeiten zählte sie fast 900 Schüler und 42 Lehrkräfte. Heute sind es 500 Schüler und 26 Lehrer, davon acht hauptamtliche. Die Anfänge

wurden bereits 1965 gemacht: „Da wurde die Musikschule zum ersten Mal erwähnt“, erzählt der Leiter, Christian Knebel. Das Musikschulwesen sei in den Sechziger Jahren aufgekommen. In Neuenbürg ergriff Eugen Armbrust die Initiative, zusammen mit Privatleuten, wie Oberstudienrat Erdmann Nöldeke. Armbrust leitete bereits eine Musikschule in Wildbad, mit der eine gemein-

heute“, sagt Studnitzky. Die Landeszuschüsse von knapp 20 Prozent wurden stetig gesenkt. Immerhin wurde im Zuge des Jugendbildungsgesetzes von 1976 festgelegt, dass sich das Land mit zehn Prozent beteiligt. Eine große Stütze sei nach wie vor der Enzkreis mit 25 Prozent sowie die vier Trägerkommunen Neuenbürg, Straubenhardt, Birkenfeld und Engelsbrand. Doch: „Mehr als die


ist das A und O“ Festakt im Schloss Neben Grußworten, unter anderem von Bürgermeister Horst Martin, Dezernent Frank Stephan vom Enzkreis, Ansprachen von Adam Klarmann vom Musikverein, Norbert Studnitzky und Schulleiter Christian Knebel, enthielt das Programm sehr viel Musik. Schon am Schlosseingang wurden die Gäste mit Straßenmusik empfangen. Verschiedene Ensembles der Musikschule, wie das Gesangsensemble „Fleur Rouge“ oder das Jugendblasorchester, spielten mit Verve und Witz.

Abb. links: Leonie Brauns und Anthony Muresan haben mit 25 Punkten den ersten Preis geholt.

Abb. Mitte: Das Orchester von Gymnasium und Jugendmusikschule, unter der neuen Leitung von Holger Schultze.

Hälfte der Kosten tragen heute die Eltern“, gibt Knebel zu Bedenken, „Tendenz steigend“. Anders als in Bayern sei das Musikschulwesen in Baden-Württemberg nicht in der Landesverfassung verankert und damit geschützt und gestärkt. Eine Verschmelzung mit dem allgemeinen Bildungssystem wäre wünschenswert. Überhaupt müsse sich der Wert von Musik und die gesellschaftliche Akzeptanz drastisch ändern. In Zukunft gelte es, verstärkt in Kindergärten und Schulen zu gehen. „Nur dort ist es möglich, alle Kinder zu erreichen“, so der Leiter. Auch die Ausbildung mit qualifizierten Lehrkräften sei zu stärken: „Ein guter Unterricht ist das A und O“. Dies zeigt sich an den Erfolgen – und daran, dass mindestens 20 ehemalige Schüler heute Musik als Beruf ausüben. Die Bundespreisträger von „Jugend musiziert“ präsentierten sich in Bestform, das Ballett gab zwei Kostproben aus dem „Nussknacker“ und der frisch gebackene ECHO-Preisträger und ehemalige Schüler der JMS, Sebastian Studnitzky, improvisierte „Happy Birthday“ für Jazz-Trompete und Streichquartett. Das Schlagzeugensemble unter Leitung von Markus Hefner führte zu Beginn das Perkussion-Projekt „Groove in the Dark“ vor. Im Anschluss wurde zum Imbiss geladen. Text: Anita Molnar

Abb. links: Mit Witz und Charme, das Gesangsensemble „Fleur Rouge“ von Claudia Wehrstein. Fotos: privat und Anita Molnar.

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Baugenossenschaft Arlinger:

Auf gute Die Baugenossenschaft Arlinger engagiert sich mit besonderen Projekten für das Gemeinwohl und den Denkmalschutz im gleichnamigen Stadtteil.

Schon beim Kauf des Gebäudes im Jahr 2013 war für die Verantwortlichen klar: Ein wunderschönes Gebäude mit Potenzial, aber auch mit gewaltigem Sanierungsbedarf. Mit besonderer Liebe zum Detail wurde dieses markante Haus nun historisch sorgsam zum Aufblühen gebracht und zu einem reizvollen Mehrfamilien-Wohnhaus mit ausgesprochen wertiger Ausstattung entwickelt. Im Herbst 2014 waren die drei Wohnungen schließlich fertiggestellt und wurden von ihren Mietern bezogen.

Die Sanierung des Alten Pfarrhauses an der Arlingerstraße 5, war kein Normalfall unter den Modernisierungsprojekten der Baugenossenschaft. Jede Perspektive zeigt, welches Gewicht auf die (Wieder-) Herstellung eines ebenso historischen wie zeitgemäßen Zustands gelegt wurde.

Vorstandsvorsitzender Carsten von Zepelin: „Im Grunde ging es um die Würdigung eines ‚Denkmals’ in unserem Heimat-Stadtteil, auch wenn das Gebäude formal betrachtet nicht unter Denkmalschutz steht.“

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Ein zweites Projekt, bei dem für die Baugenossenschaft die wirtschaftlichen Faktoren nicht im Vordergrund stehen: Das neue Bürgerhaus Arlinger. Von Zepelin: „Unser Stadtteil Arlinger braucht auf jeden Fall einen Treff, einen Ort der Begegnung. Da-


Nachbarschaft! Arlinger-Geschäftsstelle macht Sinn. So kann die Baugenossenschaft das Management des Zentrums selbst übernehmen. Besonders erfreulich: Der nahtlose Übergang. Erst wenn das neue Bürgerhaus eingeweiht ist, schließt das alte seine Pforten. Die sich von der unmittelbaren Umgebungsbebauung bewusst absetzende Architektur, die Eingeschossigkeit mit Flachdach und die Öffnung hin zum Straßenraum, machen die öffentliche Nutzung gut ablesbar. Das sah auch der Gestaltungsbeirat der Stadt Pforzheim so, der den Entwurf besonders lobte.

für wollten wir uns unbedingt einsetzen, gerade nachdem sich die Konzeption des 80er-Jahre-Bürgerhauses als nicht weiter tragfähig erwiesen hatte.“ So fiel schließlich die Entscheidung für ein neues Bürgerhaus an der Mahlbergstraße. Modern, multifunktional, mit feiner Architektur. Der neue Standort direkt gegenüber der

„Oma versucht es immer wieder, mir Flausen in den Kopf zu setzen“ Eine Arlinger-Wohnung verlässt man nicht gern.

A r l i n g e r B a u g e n o s s e n s c h a f t

w w w. a r l i n g e r. d e


Familienheim Pforzheim Baugenossenschaft eG

Neubau Mehrfamilienhaus Heute ist vieles anders als früher. Das gilt auch für den Wohnungsbau. Der Mietwohnungsbau in Baden-Württemberg ist schon seit langem ins Stocken geraten. Es werden deutlich weniger Wohnungen gebaut, als am Markt nachgefragt werden. Gründe sind unter anderem erhebliche Kostensteigerungen bei Neubauten, die zur Folge haben, dass Erstvermietungen kaum mehr unter 10,00 Euro/qm möglich sind. Gründe für den Kostenanstieg sind vor allem die immer höheren Anforderungen an den Energieverbrauch von Häusern und die gestiegenen Baukosten. Betroffen sind vor allem jüngere Familien mit Kindern, Alleinerziehende und in zunehmendem Maße auch ältere Menschen, die ihre bestehenden Mietverhältnisse nicht aufgeben wollen, da diese noch relativ mietgünstig sind. Neue Mietwohnungen für deren Bedürfnisse, z.B. barrierefrei und mit Aufzug, sind nicht erschwinglich. Für die älter werdende Gesellschaft ist dies aber von großer Bedeutung, da viele gerne möglichst lange in den eigenen 4 Wänden leben möchten, auch wenn das mit dem Laufen und Gehen nicht mehr so gut funktioniert wie früher. Die Familienheim Pforzheim hat, trotz des nicht immer leichten Umfelds, es immer wieder geschafft, kontinuier-

lich Neubauten zu erstellen, um den Wohnungsbesand auch zu verjüngen. Vor diesem Hintergrund hat sich

die Erzdiözese Freiburg entschlossen, einkommensschwächere Personenkreise wie junge Familien, Alleinerziehende und ältere Personen (mindesten 65 Jahre) bei der Anmietung von Wohnungen (Erstbezug) zu unterstützen. Zugang zu Förderungen haben grundsätzlich alle 24 Familienheimgenossenschaften, die sich in der Erzdiözese Freiburg im Siedlungswerk Baden, mit Sitz in Karlsruhe, zusammengeschlossen haben. Die dem Siedlungswerk angehörenden Genossenschaften haben in ihrer Satzung als Zweck auch die Schaffung von preiswertem Wohnraum verankert und sind bereit, einen Mietwohnungsneubau anzugehen. Zu diesen Genossenschaften gehört auch die Familienheim Pforzheim eG. Das Fördervolumen der Erzdiözese Freiburg beträgt 25.000 qm Wohnfläche. Die Berechtigung des o.g. Förderkreises


in der Postwiesenstraße in Pforzheim Zum Haus gehört auch eine Tiefgarage mit 30 Stellplätzen, wovon 16 Stellplätze als abschließbare Garagenboxen konzipiert worden sind. Die restlichen 14 sind normale Stellplätze. Das Nachbarhaus, in der Postwiesenstraße 23, wird von der Bau und Grund GmbH erstellt. Die beiden Häuser sind in ihrer Ausstattung vergleichbar. Alle Wohnungen haben Balkone oder Terrassen, die Dachgeschosswohnungen haben großzügige Dachterrassen. Unsere Häuser zeichnen sich durch moderne Architektursprache, Wirtschaftlichkeit, Unterschreitung der orientiert sich an den Einkommensgrenzen, die jährlich für das Landeswohnraum-Förderungsprogramm festgesetzt werden (§ 9 LWFG). Die Erzdiözese gewährt einen Mietzuschuss von 1,50 €/qm Wohnfläche je Monat über einen Zeitraum von 10 Jahren ab Erstbezug. Die Erzdiözese und die Familienheim Pforzheim freuen sich, mit den zur Verfügung gestellten Mitteln, Menschen der definierten Zielgruppen, einen bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung stellen zu können. Unser Haus in der Postwiesenstraße 23 a + b in Pforzheim bietet 15 Mietwohnungen auf insgesamt 4 Etagen. Es sind 2-, 3- und 4-Zimmer-Wohnungen. Alle Wohnungen sind barrierefrei von der Straße aus zu betreten. Die Übergänge in der Wohnung zu Terrasse oder Balkon sowie ins Treppenhaus und in den Fahrstuhl sind barrierefrei mit Kinderwagen, Gehwagen oder Rollstuhl ohne Probleme zu erreichen. Der Fahrstuhl im Haus ist mit modernster Aufzugstechnik ausgestattet und hilft mit geringem Stromverbrauch die Betriebskosten überschaubar zu halten. Die Wohnungen wurden mit Fußbodenheizung ausgestattet. Sie hilft durch ihre niedrige Vorlauftemperatur zu einem wirtschaftlichen Umgang

Die Abb. links zeigt den Grundriss des 2. Obergeschosses.

Die Abb. zeigt den Grundriss des 3. Obergeschosses. Hier sieht man nochmal deutlich die großzügigen Dachterrassen.

mit der Heizenergie und sorgt für ein angenehmes Raumwärmegefühl im Winter. Mit Hilfe des vorgesehenen Blockheizkraftwerkes (BHKW) und des ergänzenden Gas-Brennwertgerätes wird günstiger Verbrauch, d.h. günstige Nebenkosten erreicht. Mit dem BHKW wird darüber hinaus Elektrizität erzeugt, die für den Allgemeinstrom verbraucht werden kann bzw. ins Netz eingespeist wird. Diese Anlagentechnik sowie die Dämmung des Gebäudes sind so ausgelegt, dass die aktuelle geltende Energieeinsparverordnung um ca. 30 % unterschritten wird.

neuen Energieeinsparverordnung und barrierefreie Bauweise aus. Die Fertigstellung ist für Oktober 2015 geplant, so dass an einen Erstbezug ab November 2015 gedacht werden kann. Es gibt schon einige Interessenten für die Wohnungen. Falls auch Sie Interesse haben, können Sie sich gerne bei uns bereits vormerken lassen. Mit diesem Neubau gelingt es der Familienheim Pforzheim eG, nachhaltig Energieeinsparung, gehobene Ausstattung und Barrierefreiheit zu vereinen.

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Haus Öschelbronn:

40 Jahre Kultur „Wir sind im hohen Grade durch Kunst und Wissenschaft cultivirt. Wir sind civilisirt bis zum Überlästigen, zu allerlei gesellschaftlicher Artigkeit und Anständigkeit. Aber uns für schon moralisirt zu halten, daran fehlt noch sehr viel. Denn die

im Johanneshaus

Idee der Moralität gehört noch zur Cultur; der Gebrauch dieser Idee aber, welcher nur auf das Sittenähnliche in der Ehrliebe und der äußeren Anständigkeit hinausläuft, macht blos die Civilisirung aus.“ (Immanuel Kant, 1784)

Hier L E B E ich! Wer im Alter tätig bleibt, erfüllt sein Leben mit neuer Kraft!

für bauen wir en In 2015 ng re Wohnu ! Sie weite en ten Wohn u e r t e B im

Im Johanneshaus Öschelbronn, Zentrum für Lebensgestaltung im Alter, finden Sie ein Zuhause, in das Sie sich einbringen können, denn freiwilliges Engagement prägt seit 40 Jahren unser Haus. Zwischen Bewahren und Entwickeln leben wir die Balance zwischen Individualität und Gemeinschaft, sozialer Verantwortung und wirtschaftlichem Handeln. Wir verstehen Alter als wichtige Lebensphase, in der wir Selbständigkeit unterstützen und Individualität Rechnung tragen. Im Johanneshaus leben künstlerisch-kulturelle, philosophisch-anthroposophische, handwerklich-lebenspraktische und viele andere Bewohnerimpulse, die z.T. weit in die Region ausstrahlen. Wir bieten Betreutes Wohnen in freundlichen Appartements und ein umfangreiches Dienstleistungsangebot der ambulanten und stationären Pflege (einschließlich Pflege demenzerkrankter Menschen). Johanneshaus Öschelbronn gGmbH Am Eichhof 20 · 75223 Niefern-Öschelbronn Telefon 07233 67-9711 info@johanneshaus-oeschelbronn.de www.johanneshaus-oeschelbronn.de

Im Sinne des Kultur- und Moralbegriffes von Immanuel Kant wird im Johanneshaus Öschelbronn seit nunmehr 40 Jahren in vielfältiger Weise nicht nur zivilisiert, sondern kultiviert. Auf Basis der anthroposophischen Welterkenntnis wird hier stetig „cultivirt“ – hin zu einem neuen Freiheits- und Moralverständnis. Im Oktober 2014 blickte das Johanneshaus Öschelbronn auf vier Jahrzehnte zurück und warf gleichzeitig den Blick auch nach vorn in die Zukunft: „Gemeinschaft bilden im Alter“, welche Zukunftsfähigkeit besitzen die Wohn- und Lebensformen, wie sie im Johanneshaus für den älter werdenden Menschen angeboten werden. Kulturelles Streben bedeutet im Johanneshaus auch Pflege, Veredelung, Gestaltung und Läuterung nach dem „Maß des Menschen“ und betrifft letztlich alle Lebensgebiete und entspricht der menschlichen Würde. Dem Johanneshaus Öschelbronn ist diese „Lebensgestaltung im Alter“ von Anfang an programmatisch eingeschrieben und setzt sich im Leitbild fort, an dem sich die Arbeit am und für den älter werdenden, pflegebedürftigen Menschen orientiert: die Balance zwischen Ideal und Alltag, Individualität und Gemeinschaft, sozialer Verantwortung und wirtschaftlichem Handeln stets neu zu finden. Menschen, die den Weg in das Johanneshaus suchen, finden dort vielfältige Wohn- und Lebensformen vom selbstständig betreuten Wohnen bis hin zu verschiedenen Hilfsangeboten bei der pflegerischen Unterstützung vor. Und sie finden darüber hinaus zugleich auch die Pflege der inneren Kultur auf allen Ebenen, die für ein sinnstiftendes Leben im Alter in und für eine Gemeinschaft wichtig sind. Auszug aus den Grußworten aus dem Veranstaltungsprogramm „40 Jahre Kultur im Johanneshaus“. Das Programmheft kann kostenlos angefordert werden bei: Johanneshaus Öschelbronn gGmbH, Am Eichhof 20, 75223 Niefern-Öschelbronn, Tel. 0 72 33 - 670


Haus Schauinsland:

25 Jahre Soziales Netzwerk Schauinsland Ein Jubiläum ist eine gute Gelegenheit, auf das Erreichte zurückzublicken und sich neue Ziele zu setzen. Was viele nicht wissen: Vor 25 Jahren traf der Student Frank Birkemeyer auf eine betagte Dame, die in Pforzheim ein kleines Pflegeheim namens „Schauinsland“ betrieb. Aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters überzeugte sie ihn, das Heim zu übernehmen. Weil er die Pflege modernisieren wollte, willigte er ein. Aus den kleinen Anfängen im Stadtteil Eutingen, hat sich mittlerweile ein soziales Netzwerk über die Grenzen von Pforzheim hinaus etabliert, das auch viele Nachahmer findet. Rund 1000 Kunden jeglichen Alters schenken dem Schauinsland tagtäglich ihr Vertrauen. Tendenz steigend. Dies verdankt Familie Birkemeyer nicht nur einer besonderen Firmenkultur, sondern auch den knapp 500 Mitarbeitern, die die Ent-

wicklung vom kleinen Familienbetrieb zum mittelständigen Unternehmen mitgetragen haben. Nach den Jahren des Wachstums folgte die Zeit der Konsolidierung, immer mit Fokus auf den Kunden und dessen individuellen Wünschen. Heute steht das Unternehmen vor der Herausforderung, sich strukturell auf die Reformen der neuen Gesetzgebung vorzubereiten. Man wäre jedoch nicht das Schauinsland, wenn man die Veränderungen nicht als Chance nutzen würde.

Gudrun und Frank Birkemeyer.

Dabei kommt dem Unternehmen zugute, dass Pflege und Betreuung immer als Dienstleistung für Senioren betrachtet wird, die sich ständig entwickelt und auf wandelnde Bedingungen einstellt. Es darf also mit Spannung auch auf die kommenden Jahre geschaut werden.

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Pforzheimer Bau & Grund:

21 neue Wohnungen in der Auerhahnstraße Jahrzehntelang haben in der Auerhahnstraße Bedienstete der Bahn gewohnt. Schließlich war es nicht weit zur Bahnstation und damit zu ihrem Arbeitgeber.

Jetzt entstehen dort 21 neue, ganz modern ausgestattete Wohnungen. Die Pforzheimer hat die alten Häuser aufgekauft und gewartet, bis nach und nach alle Bewohner ausgezogen waren. Erst dann wurde mit dem Bau begonnen. In einem kleinen Wettbewerb haben sich Architekten Gedanken gemacht, wie ein Neubau aussehen könnte. Das Gebäude sollte natürlich ins Gefüge der Auerhahnstraße passen. Die Wohnungen gibt es in vielen verschiedenen Größen – zwischen 31 und 103 Quadratmetern. Es handelt sich um Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen, sie sind also für Singles genauso interessant wie für Familien oder Senioren. Voraussichtlich im Sommer 2016 können die ersten Bewohner einziehen – vielleicht auch schon im Frühjahr.

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Nah der Natur, mit toller Aussicht im Oberen Wingertweg 60 – 64 Im Oberen Wingertweg 60 – 64, am Rand der Wartbergsiedlung, plant die Pforzheimer 18 neue Wohnungen mit Tiefgarage. Dort, wo man nah an der Natur wohnt und eine wunderbare Aussicht hat, dort, wo schon einige andere Gebäude der Pforzheimer stehen, werden Zwei- bis Vier-Zimmerwohnungen entstehen. Die Größen sind ganz unterschiedlich, sie haben zwischen 66 und 133 Quadratmetern Wohnfläche. Die Baugenehmigung ist bereits erteilt. Mit dem Bau wird voraussichtlich im 4. Quartal 2015 begonnen.

Neues Projekt: Oberer Wingertweg 60 – 64

Weitere Informationen: Pforzheimer Bau und Grund GmbH Erbprinzenstraße 20 75175 Pforzheim Tel.: 0 72 31/93 02 - 0 Fax: 0 72 31/93 02 - 11 E-Mail: info@pforzheimer.de

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Wohnen mit Service Ein Konzept für Wohnen im Alter des Tiergarten Pforzheim • Naturnahes Wohnen in außergewöhnlicher Umgebung • 2–4,5 Zimmer Wohnungen mit Loggia, Balkon oder Terrasse • Barrierefreiheit, teilweise behindertengerecht • Exklusive Penthauswohnungen • Aufzug • KfW 70 Standard (EnEV 2009) • Einkaufsmöglichkeiten vor der Haustür • 60 Tiefgaragenstellplätze • Angebot an Service- und Pflegeleistungen

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SPPS Pforzheim:

Ambulante Pflegedienste brauchen bessere Rahmenbedingungen! Öffentliche Anhörung der Enquetekommission „Pflege“ im Landtag

Damit die Menschen auch künftig im Alter so lange wie möglich zuhause leben können, müssen die Rahmenbedingungen für die ambulanten Pflegedienste dringend verbessert werden. Darin waren sich bei der Anhörung am 20. März 2015, im baden-württembergischen Landtag, alle geladenen Experten einig. Die öffentliche Anhörung wurde von der Enquetekommission „Pflege in Baden-Württemberg zukunftsorientiert und generationengerecht gestalten“ initiiert und durchgeführt. Susanne Pletowski, Pflegedienst SPPS.

Eine ausufernde Bürokratie und eine unzureichende Finanzierung haben die Arbeit der Pflegedienste in den letzten Jahren massiv erschwert. Die als Expertin geladene bpa-Vizepräsidentin Susanne Pletowski begrüßte das Projekt zur Entbürokratisierung der Pflegedokumentation: „Die vereinfachte Pflegedokumentation wird eine deutliche Zeitersparnis bringen, die den Pflegebedürftigen zu Gute kommt. Ich bin daher mit meinen Pflegediensten dabei und möchte alle Dienste ermuntern, ebenfalls an dem Projekt teilzunehmen.“ Bei der Bewältigung der Probleme in der ambulanten Pflege sieht Pletowski aber auch die Kassen in der Pflicht: „Dass sich die Krankenkassen bei den Vergütungsverhandlungen ständig auf die – angebliche – Bindung an die Grundlohnsummensteigerung berufen, ist nicht länger akzeptabel. Zu erwartende Personal- und Sachkostensteigerungen müssen von den Krankenkassen vollständig refinanziert werden, ansonsten ist die Versorgung mit häuslicher Krankenpflege im Land mittelfristig gefährdet“, betonte sie. Einen Appell richtete Pletowski außerdem an die Landesregierung: „Pflegedienste und Heime bilden den Nachwuchs der Altenpflege

aus. Um die demographischen Herausforderungen und die Qualitätsanforderungen sicherstellen zu können, brauchen wir diese Berufsgruppe. Würde die Altenpflegeausbildung zugunsten einer generalistischen Ausbildung abgeschafft, verstärkte dies den Fachkräftemangel. Im Hinblick auf die wachsende Zahl alter und pflegebedürftiger Menschen wäre dies eine katastrophale Entwicklung. Ich fordere daher die Landesregierung dringend auf, sich auf Bundesebene für den Erhalt des Altenpflegeberufes einzusetzen.“ Die Enquetekommission „Pflege in Baden-Württemberg zukunftsorientiert und generationengerecht gestalten“ war im März 2015 auf Antrag aller Landtagsfraktionen eingesetzt worden. Ziel der Enquetekommission ist es, die Situation der Pflege in Baden-Württemberg zu untersuchen und zu überprüfen, wie die vorhandenen Rahmenbedingungen verändert

und welche Impulse gegeben werden müssen, um eine qualitativ hochwertige Pflege dauerhaft sicherzustellen. Bis zum Januar 2016 wird die Enquetekommission dem Landtag im Plenum einen abschließenden Bericht erstatten. sk


Die liebe Jeder besitzt sie, eine Familie. Unterschiedlich ist sie. Da gibt es große und kleine Familien, Familien, die zusammenhalten oder solche, die sich aus dem Weg gehen. Es gibt kinderreiche und kinderarme Familien, solche, die in glücklicher Gemeinsamkeit das Leben tragen und andere, die in ihrer vereinsamten Individualität das Glück der Zusammengehörigkeit verloren haben. Dieses gemeinsame Spiel beginnt mit dem ersten Schrei des Neugeborenen und endet mit dem letzten Atemzug am Ende seiner Tage. PFLEGEHEIM ATRIUM Frau W. blickt nachdenklich vor sich hin. Sie zeigt auf zwei Fotos, die auf ihrem Nachttisch stehen. „Das sind Monika und Kurt“, erklärt sie mir. Ich schaue mir die Bilder genauer an und sehe, dass beide das DownSyndrom haben. „Ja“, sagt Frau W. leise und seufzt dabei, „das ist meine Familie“. „Im Jahre 1952 habe ich geheiratet. Als ich im sechsten Monat schwanger war, starb mein Bruder. Es war kurz vor der Hochzeit. Ein paar Monate später kam Monika

zur Welt. Sie hatte das Down-Syndrom. Damals war die Wissenschaft ja noch auf einem ganz anderen Stand wie heute. Die Ärzte meinten, dass der Grund der Behinderung meiner Tochter durch die psychische Belastung bezüglich des Todes meines Bruders schuld daran wäre. Sechs Jahre später erwartete ich wieder ein Kind. Die Freude, aber auch die Sorge war groß. Würde auch dieses Kind behindert sein? Mein Arzt sagte nein, ich bräuchte mir keine Sorgen zu machen. Am 8. Sptember 1958 kam

Kurt in Bad Herrenalb zur Welt. Aber nicht gesund. Ihn hatte das gleiche Schicksal ereilt wie seine Schwester. Die Verwandtschaft distanzierte sich von uns. Behinderte Kinder? Wie schrecklich! Ja, man wollte nichts mit uns zu tun haben. Ich war mehr oder weniger völlig auf mich alleine gestellt, musste alles alleine bewältigen, denn mein Mann war früh gestorben. Die Kinder durften damals, wegen Ihrer Behinderung, nicht in den Kindergarten und auch nicht in die Schule. Damals war alles anders wie heute. Spezielle Schulen gab es da wo wir wohnten nicht. Ich bin viel mit den Kindern im Wald spazieren gegangen. Das hat ihnen Spaß gemacht. Da konnten sie so richtig ausgelassen sein. Natürlich haben wir auch fleißig Heidel- bzw. Erdbeeren gepflückt und Holz gesammelt, denn das Geld war sehr knapp bei uns – arbeiten gehen konnte ich wegen der Kinder nicht. So vergingen einige Jahre. Zweimal in der Woche kam der Sozialdienst und half beim Duschen der Kinder. Als sie älter waren, kamen Monika und Kurt in die Lebenshilfe nach Pforzheim. Morgens um 7:30 Uhr kam ein Bus und holte sie ab und abends um 16:30 Uhr wurden sie wieder nach Hause gebracht. 10 Jahre blieben sie in der Lebenshilfe und danach kamen beide in ein Heim. Es brach mir sicher mein Herz – aber es ging nicht anders. Nun konnte ich wieder, bis zu meiner Rente, einer Arbeit nachgehen. Ich hatte eine Putzstelle in einer Firma bekommen. Zuerst fuhr ich mit dem Fahrrad und später sogar mit einem Mofa ins Geschäft. Ich besuchte die Kinder so oft ich konnte. Monika verstarb am 23.12. 2009 und Kurt im Juni 2010. Jeden Tag denke ich an sie. Morgens schon beim Frühstück und abends wenn ich schlafen gehe. Ja, ich vermisse Monika und Kurt so sehr.“


Familie ... Leben meiner Kinder teilnehmen, ders schön. Meine älteste Tochter auch wenn wir weit voneinander ent- aus Baden Württemberg hatte sich fernt sind. bei der Mittelsten über die FeierMeine Mittelste wohnt nur ein paar tage angemeldet. Sie wollte WeihMinuten von meinem Heim entfernt. nachten mit ihrer Schwester feiern. Sie besorgt mir jede Woche meine Kurz entschlossen kam mein Sohn Zeitungen und was ich sonst noch aus dem Norden mit seiner Frau für Wünsche habe. Nie kommt ein auch dazu. So kam es, das am HeiVorwurf, wenn ich sie um etwas bit- ligen Abend ich als Mutter, Oma te. Oft nimmt sie sich Zeit, bleibt bei und Uroma inmitten meiner Lieben mir und wir erzählen uns alles, was saß – und wieder war ich glückwichtig ist. Bei allen Festen werde lich. ich zu ihr eingeladen und verbringe Ich habe eine liebe Familie. Wer einige schöne Stunden mit der ge- das alles jetzt gelesen hat, wird mir samten Familie. sicher Recht geben. Ich hoffe, dass Ich habe 6 Enkelkinder und auch zu ich noch lange lebe, dass ich reladiesen habe ich trotz großer Entfer- tiv gesund bleibe und noch bei so nungen sehr guten Kontakt. Sie sind manchem Familienfest dabei sein auch schon wieder verheiratet und werde.“ haben selbst Kinder—meine Ute Rowe mit einer Bewohnerin 7 Urenkel. Der Älteste ist bereits 15 Jahre alt und der Jüngste wurde erst vor einigen Wochen geAltenhilfeeinrichtung boren. So Gott will, werAugust-Kayser-Str.23 • 75175 Pforzheim de ich im September Telefon 07231/ 9660-0 • Fax 07231/650032 mein 8. Urenkelkind beinfo@august-kayser-stiftung.de kommen. www.august-kayser-stiftung.de Auch die Enkel und Urenkel besuchen mich sooft es geht. Sie basteln kleine Geschenke, schreiben aus dem Urlaub eine Karte und oft bringt der Postbote ein kleines Überraschungspäckchen mit einer kleinen Freude für mich. Das klingt vielleicht für manchen Leser wenig, aber ich bin zufrieden, ich bin glücklich. Auf allen Hochzeiten meiner Enkel war ich eingeladen, es ist selbstverständlich für meine Kinder, dass sie mich mit dem Auto abholen und mir bei allen Dingen – auch bei den Toilettengängen – behilflich sind. • Tagespflege Letztes Jahr zu Weih• Kurzzeitpflege nachten war es besonKinderzeichnungen: shutterstock © iralu

SOZIALWERK BETHESDA „Glück ist Liebe, nichts anderes. Wer lieben kann, ist glücklich.“ „Ich habe eine große Familie, ich lebe seit 5 Jahren im Seniorenheim und—ich bin glücklich. Ich weiß nicht, ob es viele Menschen gibt, die so etwas von sich sagen würden. Oft hadert man mit dem eigenen Schicksal, ist unzufrieden mit den Gegebenheiten und macht andere verantwortlich für das, was schief gegangen ist. Aber jeder ist für sein Leben selbst verantwortlich und jeder erntet die Liebe, die er ausgesät hat. Ich bin 1933 geboren worden, hatte das Glück mit meinen zwei Brüdern in einem liebevollen Elternhaus aufzuwachsen und bin dankbar, dass ich auch die Kriegsjahre gut überstanden habe. 1953 habe ich meinen lieben Mann geheiratet und wir haben 55 gute Jahre miteinander verbracht. Natürlich gab es Höhen und Tiefen, das gehört zum Leben dazu, aber blicke ich zurück, bin ich doch immer voller Dankbarkeit. Leider bin ich seit 5 Jahren Witwe und bin sofort nach dem Tod meines Mannes aus freiem Entschluss in ein Seniorenheim gezogen. Ich habe drei Kinder und die sind immer mein ganzer Stolz gewesen. Alle drei haben einen guten Beruf gelernt, stehen mitten im Leben und sind bis auf wenige Zipperlein gesund. Sie sind in ganz Deutschland zu Hause, oben im Norden der Jüngste, der inzwischen auch schon 52 Jahre alt ist. In Leipzig wohnt unser„ Sandwichkind“, sie ist 57 Jahre alt und die Älteste ist 62 und lebt im Süden Deutschlands. Aber alle drei besuchen mich sooft sie können. Sie kommen mit dem Auto, mit dem Fernbus, mit der Bahn oder mit dem Fahrrad. Es vergeht keine Woche, in der wir nicht miteinander telefonieren. Ich bin so froh darüber, so kann ich am

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Die liebe Familie ...

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was der hungrigen Familie schmecken könnte. Wenn die Luft knoblauchgeschwängert duftete und das Aroma eines leckeren Bratens die Heimkommenden empfing, freute er sich wie ein Schneekönig: „Hmmmm…!“ Zurücklehnen und schauen, wie es den Lieben schmeckt – das war für ihn das größte Geschenk. Es bedurfte nicht vieler Worte des Lobes, sondern allein das einfache Glück, die ganze Familienbande vereint am Esstisch sitzen zu sehen, konnte Herrn W.’s Herz erfreuen. Was für eine wundervolle Familie er doch hatte! Tanja Hüttmann für Herrn W.

HAUS SCHAUINSLAND EISINGEN Eine Bewohnerin erzählt: „Ich war 20 Jahre alt, als ich geheiratet habe. Mit 24 Jahren habe ich einen Sohn bekommen. Darüber war ich sehr glücklich. Mein Mann war durch seinen Sport oft krank, deshalb schimpfte ich oft. Ich habe mit meinen Eltern in einem schönen großen Haus mit Garten gewohnt. Urlaub konnten wir uns nicht leisten, da das Geld fehlte, trotz allem waren wir sehr glücklich und zufrieden. Bis plötzlich die schreckliche Nachricht kam, dass mein Mann sterben müsse, da er Krebs habe. Nach langem Leiden durfte er nach drei Jahren endlich sterben. Mein Sohn, mittlerweile auch glücklich verheiratet, hat mir eine Enkelin geschenkt, die gerade Abitur macht. Sie kümmern sich immer noch

rührend um mich und machen mir große Freude.“ HAUS SCHAUINSLAND TIEFENBRONN Als wir die Bewohner mit dem Thema für die nächste Ausgabe der „Generationen im Dialog“ konfrontierten, war eine erste Reaktion: „Onkel und Tante, ja das sind Verwandte, die man am liebsten nur von hinten sieht…“. Das sorgte für ein Schmunzeln und jetzt wissen auch alle, dass dieses Zitat aus der Operette: „Der Vetter aus Dingsda“ stammt. Durch Beispiele aus unserem Leben animierten wir Bewohner zum Erzählen konkreter Erlebnisse. Das stellte sich jedoch schwieriger heraus als gedacht. Es kristallisierte sich heraus, dass die Vergangenheit dieser Generation immer noch von ihrer Jugend in der Kriegs- und Nachkriegsjahren geprägt ist, in der es wenig Lustiges gegeben und vor allem körperliche Arbeit das Leben bestimmt hatte. Verwandte von früher seien kriegsbedingt im Land „verstreut“ oder sogar verstorben. Uns wurde deutlich, dass es Hemmungen gibt, Konkretes über die Eltern und Großeltern preiszugeben. Zwar erfuhren wir Vieles im Vier-AugenGespräch, aber immer mit dem Hinweis, dass es nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sei. „Des geht koin was a“, hörten wir nicht nur ein Mal. Über die jüngere Generation freue man sich. Allerdings zeigte man sich auch traurig darüber, dass die Jugend viel zu wenig Zeit für sie hätten. Ja, so ist es mit der lieben Familie!

Kinderzeichnungen: shutterstock © iralu

SENIORENZENRUM PAUL GERHARDT Im täglichen Einerlei eines Familienlebens geraten manche Dinge schnell in eine Zweckmäßigkeit. Morgens laufen alle hastig aus dem Haus, jeder zu seiner Verpflichtung: die Erwachsenen zur Arbeitsstelle, die Kinder in die Schule. Da bleibt für einen ruhigen Ort der familiären Begegnung oft nur wenig Raum, das Essen an sich degradiert zur Notwendigkeit. Herr W. erzählt mir, wie er damals beschloss, diesen Alltagstrott zu durchbrechen. Er wollte die Lust am gemeinsamen Genuss wieder aufleben lassen. War es nicht schon immer eine schöne Tradition, sich an einem gedeckten Tisch bei gutem Essen zu unterhalten? Da er früher als seine Frau von der Arbeit kam, hatte er Zeit, die Küche für sich zu erobern. Seine eigene Mutter war eine gute Köchin. Er liebte es, sie als Kind bei der Zubereitung der Mahlzeiten zu beobachten, und sich dabei den im Raum verströmenden Essensdüften hinzugeben. So kam es, dass Herr W. mit wachsender Leidenschaft seine eigene Familie mit selbst kreierten Menüs am Feierabend verwöhnte. Stets stand die Lust im Vordergrund, eigene Rezeptideen aus Vorhandenem zu entwickeln. Die Kochkünste seiner Mutter boten dabei eine wertvolle Basis. Traditionelle Familienrezepte und Würzgeheimnisse wurden aber gerne von ihm durch eigene Ideen raffiniert ergänzt. Herr W. kochte mit großer Freude an der Improvisation. Einfach schauen, was der Kühlschrank hergab, aber immer in Gedanken,


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Sanierungsarbeiten im Haus Bethesda in Bewohner wieder glücklich in Um die nach über 30 Jahren Nutzungsdauer anstehenden Sanierungsarbeiten im Haus Bethesda in NeulingenBauschlott durchführen zu können, war es erforderlich, dass die Bewohnerinnen und Bewohner eines Wohnbereichs ihr gewohntes Umfeld für eine längere Zeit verließen. Da aber nicht sehr weit weg in Knittlingen, durch die Fertigstellung des Hauses Hebron, ein sehr schönes vorübergehendes Wohnen angeboten wurde, war die Entscheidung, das Angebot anzunehmen, nicht ganz so schwer gefallen.

in Bauschlott mit der Sanierung begonnen. Es wurden nicht nur neue Türen und Fenster eingebaut – nein, es wurde viel Wert darauf gelegt, dass ein aufgewerteter Wohnbereich mit hochwertiger Ausstattung, neuen funktionaleren Räumen und ein großer, freundlicher Aufenthaltsbereich entstand. Außerdem wurden der Brandschutz und die Haustechnik auf den neuesten Stand gebracht sowie verschiedene Zimmer vergrößert. Dafür setzte der Träger des Hauses Bethesda nur gute Handwerksbetriebe aus der Region ein, die über das notwendige Fachwissen verfügen. Denn es ging nicht zuletzt auch um eine große Summe Geld. Die Sanierung wurde dann über den Wohnbereich im 2. OG und den Wohnbereich im 1. OG weiter geführt. Die Zimmer vor dem Umbau.

Abb. rechts: Der neue Aufenthaltsbereich nach dem Umbau. Abb. unten: So sah es vorher aus. Die Zimmer sind jetzt hell und freundlich ausgestattet.

Die Bewohnerinnen und Bewohner des Wohnbereichs im Dachgeschoss durften deshalb im April letzten Jahres ihr neues „Übergangszimmer“ im Haus Hebron beziehen. Dort war alles neu und sehr geschmackvoll ausgestattet. Einerseits war es schön, in einem neu gebauten Haus wohnen zu können, an-

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dererseits war es schon eine Anstrengung für die Bewohner und auch für die Mitarbeiter. Während dieser Zeit wurde im Dachgeschoss

Nachdem der Wohnbereich im 1. OG fertig gestellt war, konnten die Bewohnerinnen und Bewohner von Knittlingen Mitte Mai wieder zu-


Neulingen stehen vor dem Abschluss küche ist jetzt großzügig und hochwertig ausgestattet, und auch das Dienstzimmer des Personals ist angemessen erweitert worden. Alles in allem eine anstrengende, aber gelungene Aktion mit einem erfreulichen Ergebnis.

Der neu gestaltete Flurbereich.

rück in ihre vertraute Umgebung. Sie fanden ihren Wohnbereich und ihr Zimmer zwar an der selben Stelle, diese waren nicht mehr wieder zu er-

kennen. Alles ist jetzt hell und freundlich ausgestattet, der Aufenthaltsbereich und der Wintergarten laden zum Verweilen ein. Die Wohnbereichs-

Der Flurbereich vorher.

Jetzt müssen noch das Erdgeschoss sowie das Untergeschoss und die Fassade überarbeitet werden. Dann steht das Haus Bethesda den Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Interessierten in einem neuen, attraktiven, modern ausgestatteten – und wie bisher auch – einem besonderen Flair zur Verfügung. Anschauen lohnt sich! Kontaktadresse: Seniorenzentrum Haus Bethesda, Strombergstr. 20, 75245 Neulingen, Tel.: 07237 9970 ; www.bethesda-neulingen.de

Text: ma/mek, Fotos: mek

der „neuen“ gewohnten Umgebung angekommen


„Das Zeug dazu, die Gebäudetechnik

Sparkassenstiftung „Innovative Methoden für die Nutzung von Formholz“ hat der Wissenschaftler Prof. Dr.-Ing. Peer Haller von der TU Dresden entwickelt. Dafür erhielt er in der Calwer Sparkassen-Kundenhalle den mit 10.000 Euro dotierten Hauptpreis der Umweltstiftung. Einen Sonderpreis der Sparkasse Pforzheim Calw in Höhe von 3.000 Euro überreichte Vorstandsvorsitzender Stephan Scholl an die Nagolder Firma Schnepf Energietechnik GmbH & Co KG. Das Unternehmen hat einen neuartigen Energiespeicher entwickelt, der, so Scholl, „das Zeug dazu hat, moderne Gebäudetechnik noch einmal zu revolutionieren.“

Die Träger der Sparkassen-Umweltpreise 2015 mit Vorstandsvorsitzendem Stephan Scholl (rechts hinten) und Stellvertreter Hans Neuweiler (links vorne).

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Die Firma Schnepf erzielt durch die Kombination einer Wärmepumpe mit einem Eisspeicher ein enormes Einsparpotential bei der Raumklimatisierung. Dem mit Wasser gefüllten Erdspeicher aus Beton wird im Winter Energie mit einer Wärmepumpe entzogen und für Heizzwecke verfügbar gemacht. Dabei gefriert das Wasser schließlich. Das System ist so auslegbar, dass zum Ende der Heizperiode so viel Eis gebildet ist, dass dem Speicher ein möglichst großer Anteil der Kühlaufgaben im Schnepf-Bürogebäude übertragen werden kann. Pro Kilogramm Wasser entspricht die Bindungsenergie beim Wechsel vom flüssigen in den

festen Aggregatzustand einer Temperaturänderung um 80°C. Somit steigt die speicherbare Energiemenge um rund 320 Prozent. Wie gut dem Kaufmann „der Versuch, eine technische Leistung darzustellen“ gelang, bewies der Applaus des Publikums wie der Preisträger Klaus Schnepf, Alexander Schillsott und Adrian Schaufert. Die von Katarzyna Kadlubowska meisterhaft am Marimbaphon umrahmte Preisverleihung hatte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Hans Neuweiler eröffnet. Er konnte auf zahlreiche umweltschonende Lösungen und Initiativen der Sparkasse verweisen, die seit vielen Jahren

das führende Institut bei der Finanzierung von Investitionen in alternative Energien sei. Von den vier hauseigenen Photovoltaikanlagen wurden bereits knapp 200.000 Kilowattstunden ins öffentliche Netz eingespeist. An zahlreichen weiteren Beispielen konnte Neuweiler aufzeigen, dass Umweltschutz für die Sparkasse „kein grünes Mäntelchen, sondern eine wichtige Angelegenheit“ sei. Prof. Peter Cheret aus Stuttgart machte in seiner Laudatio auf den Hauptpreisträger deutlich, dass Holz der einzige Baustoff sei, der nachwachse, wofür er lediglich Wasser, Licht und Luft brauche. Weil in einem Kubikmeter Holz eine Tonne CO2 gebunden sei, stelle seine Verwendung aktiven Klimaschutz dar. Und nichts sei sinnvoller, als dieses CO2 „in Gebäuden einzulagern.“ Zudem sei Holz „in Summe seiner Eigenschaften“ allen anderen Materialien überlegen. Durch starke Komprimierung gelingt es dem Team um Prof. Haller, dem Holz eine höhere sogenannte Rohdichte zu verschaffen, sodass es fast so stabil wie Stahl sei, zugleich aber um vieles leichter. Werden Rohre, Schalen oder Pfosten aus Formholz mit Hochleistungsfasern verstärkt, so können sie nicht nur zum Tragen schwerer Lasten, sondern auch zum Transport aggressiver Substanzen verwendet werden. Die Kombination von Formholzprofilen mit synthetischen Fasern führt zu preiswerten und vielseitig einsetzbaren Bauteilen. „Das hat ungeheuren Charme und sollte den Spieltrieb eines Architekten wecken“, ist Prof. Cheret, überzeugt. Unter dem Motto „Power to Gas“ gelang es den Überlinger Gymnasiasten Jakob Dichgans und Daniel Riester, unterstützt durch den Chemiker Dr. Bruno Kolb, eine energiesparende Methode zur Umwandlung von Kohlendioxid in Methan zu entwickeln. Dies belohnte die Jury mit dem zweiten Preis und 3.000 Euro.


zu revolutionieren“

überreichte in Calw die Umweltpreise 2015 Prof. Dr. Michael Schwarz aus Tübingen erläuterte das Energie-Speicherprinzip Strom zu Methan zu Strom, das den jungen Tüftlern auch einen „Jugend-forscht“-Preis eingebracht hat. Den mit 2.000 Euro dotierten dritten Preis erhielt die ForscheHilda AG. Schüler des Pforzheimer Gymnasiums haben einen Photobioreaktor entwickelt und zusammen mit Azubis der Stöber Antriebstechnik GmbH auch gebaut. Dr. Paul Janositz aus Berlin machte deutlich, wie Algen in dieser Anlage zur Photosynthese angeregt werden. Sie wachsen zehnmal schneller als Weizen und können als Nahrung, Futtermittel oder Treibstoff verwendet werden. Jasnositz sieht die Mikroanlagenzucht als „durchaus realistischen Wirtschaftszweig der Zukunft.“ 1.000 Euro erhielten die Pfadfindergruppe „Stamm-Sternfahrer“ und die Firma „Baumhaustechnik“ in Calw. Elf Pfandfinder und 13 Fachkräfte unterschiedlicher Gebiete haben eine Konstruktion „im Einklang mit der Landesbauordnung und den lokalen Waldgesetzen“ entwickelt. Prof. Dr. Albrecht Wendel aus Tübingen machte in seiner Laudatio deutlich, dass die Aufhängung der Plattform einem Spinnennetz nachempfunden sei und keine nachhaltigen Schäden an den Bäumen verursache. „Eine Handvoll ausgezeichneter Ideen“ seien hier vereinigt. Für die Verwirklichung des Konzepts werden jetzt noch dringend Sponsoren gesucht. Im Namen sämtlicher Preisträger bedankte sich Prof. Peer Haller bei der Jury und Preisstifter Sparkasse Pforzheim Calw. Er betrachte es als Privileg, sich der Naturkonstante widmen zu dürfen. Auch wenn die Sparkassen-Stiftung „Umweltpreis“ ihre – wie Prof. Dr. Fritz Frimmel es formulierte – „Sturmund Drangzeit“ längst hinter sich hat, beweist doch auch die jüngste Preis-

vergabe, dass man nach wie vor innovative und zukunftsweisende Lösungen prämiert. Seit 20 Jahren achte die Stiftung bei der Preisvergabe auf „Ökonomie, Ökologie und soziale Komponenten in einem ausgewogenen Maß. Der langjährige Vorsitzende ging in seinem faktenreichen Rückblick auf „teilweise epochemachende Entwicklungen“ ein, die die Stiftung ins Licht der Öffentlichkeit rücken konnte: vom selbstreinigenden Dieselrußfilter 1996 bis zur jetzt ausgezeichneten Formholz-Herstellung wurden stets der Nachhaltigkeit verpflichtete Lösungen gewählt. Vor allem Frimmels persönliches Resümee nach 20 Jahren Umweltstif-

tung verdient Beachtung: „Wir müssen die Gier nach Ressourcen und Finanzen in den Griff bekommen, sie ersetzen durch „Neu-Gier“ nach Zukunft und nach guten Methoden. Wir sollten wieder ein bisschen weg vom Ego hin zur Gesellschafft kommen und mit Zuversicht über Kleinmut hinweggehen.“ Für ihre Verdienste um die Stiftung Umweltpreis wurden Prof. Frimmel und Dr. Janositz am Ende eines erkenntnisreichen Abends von Sparkassendirektor Neuweiler mit einem Präsent und vom Publikum, darunter Gründungsmitglied und Altsparkassenchef Jürgen Teufel, mit langem Applaus bedacht.

ObenAuf mit neuem Vorstand Wechsel beim Förderverein für musische Jugendbildung in der Region Michael Lindner ist neuer Vorsitzender des Fördervereins „ObenAuf“, zur Förderung der musischen Jugendbildung in der Region Nordschwarzwald. Er löst Altlandrat HansWerner Köblitz ab, der dem Verein seit seiner Gründung 2006 vorstand. Der Chef des Naturkosmetik-Herstellers Börlind hat sich die Integration von Migranten-Kindern auf die Fahne geschrieben. „Schon wegen unserer alternden Gesellschaft sind wir auf die Einwanderer angewiesen“, machte Lindner nach seiner Wahl im Landratsamt Pforzheim deutlich. Kunst und Musik bieten sich deshalb an, weil Sprache hier kein Hindernis darstellt. Lindner führt die Arbeit seines Vorgängers Hans-Werner Köblitz nahtlos weiter. Wechsel nicht nur im Vorstand von „ObenAuf“: Auch Geschäftsführer Helmut Wagner gibt sein Amt (aus persönlichen Gründen) ab. Hans-Peter Häusser, Leiter des Altensteiger Christophorus-Gymnasiums, führt künftig die Geschäfte, ab März in Personalunion mit dem Calwer Musikschulleiter Dieter Haag. Die Erfolgsbilanz des in der Sparkasse in Calw gegründeten Vereins mit lediglich 55 ehrenamtlichen Mitgliedern kann sich sehen lassen. An Kindergärten und Schu-

len wurden weit über 500 Projekte gefördert. Mit Zuschüssen von rund 450.000 Euro wurden Projekte für knapp 1,8 Millionen Euro angestoßen. Dazu gehören das überaus erfolgreiche „Singen im Kindergarten“, zuletzt die „Liedbegleitung auf der Ukulele“, aber auch die Förderung dreidimensionalen Gestaltens unter dem Projektnamen „Kunstsinn“. Zum zehnjährigen Jubiläum im kommenden Jahr wird als Festredner übrigens EU-Kommissar Günther Oettinger erwartet, der den Förderverein noch als Ministerpräsident in der Gründungsphase unterstützt hatte.

Michael Lindner löst Hans-Werner Köblitz (rechts) als Vorsitzender von „ObenAuf“ ab.


Kulturhaus Osterfeld:

Programm September 2015 JAZZY DINNER So., 13.09.2015, um 17.30 Uhr, im Kulturhaus Osterfeld, Restaurant Comedia: Wochenend-End mit Dinner und Live-Musik. Das kulinarische Jazzerlebnis im Comedia Für Liebhaber von Musikalischem und Kulinarischem: Genießen Sie in entspannter Atmosphäre ein Dinner in Buffetform und Jazzmusik live. Die Band um Leiter Michael Kälber begrüßt an den Jazzy Dinner-Abenden unterschiedliche Gäste. ULI KEULER SPIELT … Sa., 19.09.2015, um 20.00 Uhr, Stadthalle Maulbronn „Uli Keuler spielt ...“ heißt das Programm des schwäbischen Kabarettisten. Der Hintergrund, vor dem seine Figuren agieren, ist der Alltag. Keulers Markenzeichen ist ein Sprachwitz, der teils derbkomisch, teils zielgenau entlarvend und teils verspielt daherkommt. PFORZHEIM – BERLIN – ISTANBUL UND ZURÜCK Di., 22.09.2015, um 20.00 Uhr, Kulturhaus Osterfeld, Malersaal: Der binooki-Verlag Berlin in Pforzheim – Lesung und Podiumsdiskussion. Die beiden aus Pforzheim stammenden Schwestern und Töchter türkischer Einwanderer Inci Bürhaniye und Selma Wels gründeten 2011 in Berlin den binooki-Verlag und bauten so eine literarische Brücke von der Türkei nach Deutschland. Der Schwerpunkt des Verlagsprogramms liegt bei türkischer Literatur in deutscher Übersetzung von jungen Autoren, die in der Türkei leben und schreiben. Gesprächsleitung: Reinhard Kölmel KRANKHEIT ALS SYMBOL Di., 22.09.2015, um 19.30 Uhr, Kulturhaus Osterfeld, Großer Saal: Vortrag mit Roland Schwab, Physiotherapeut

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Probleme der Seele sind oft die Ursache von körperlichen Beschwerden, körperlichen Krankheitssymptomen und ihren möglichen Ursachen im psychischen Bereich. Selbst ein negativer Gedanke kann schon eine Krankheit hervorrufen, wenn er lange genug besteht. Die Schulmedizin nennt diese psychosomatisch. ORCHESTER DER KULTUREN THE GLOBAL SYMPHONY Mi., 23.09.2015, um 20.00 Uhr, Kulturhaus Osterfeld, Großer Saal: Eine Klangreise um die Welt Ein Auftritt des „Orchesters der Kulturen“ ist ein einmaliges Erlebnis, das den Horizont jedes Zuhörers erweitert. Das Publikum erlebt eine Überraschung nach der nächsten. Instrumente, die bis heute noch nie Eingang in traditionelle Konzerthäuser erhielten, vereinen Ihre Klangfarben in ungehörter Weise mit traditionellen Instrumenten des Jazz und des Symphonieorchesters. MEMENTO – JAZZ TRIFFT KLASSIK Fr., 25.09.2015, um 20.00 Uhr, Kulturhaus Osterfeld, Großer Saal: Sebastian Studnitzky und das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim. Leitung: Sebastian Tewinkel Schon immer war Sebastian Studnitzky als Wanderer zwischen den Genres Jazz, Klassik und Elektro unterwegs. Mit „Memento“ bringt er seine Vielseitigkeit und stilistische Aufgeschlossenheit eindrucksvoll auf den Punkt und zelebriert auch in diesem neuen Programm sein faszinierend emotionales Spiel an Trompete und Klavier. Das klassisch geprägte Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim ist inzwischen ebenfalls für seine „Grenzüberschreitungen“ bekannt. DIE MOBILÉS Sa., 26.09.2015, um 20.00 Uhr, Kulturhaus Osterfeld, Großer Saal:

Moving Shadows – Schattentheater auf höchstem Niveau: „Die Mobilés“ erzählen mit ihrem Schattentheater bezaubernde Geschichten mit bildhafter Wucht. Das preisgekrönte Programm „Moving Shadows“ – unter der Regie von Harald Fuß, entführt in eine wunderbare Welt. Mit erstaunlicher Präzision und verblüffender Leichtigkeit kreieren „Die Mobilés“ charmante und einfallsreiche Geschichten. Mitreißende Musik unterstreicht das fabelhafte Abenteuer. MAXI SCHAFROTH: FASZINATION BAYERN – KABARETT So., 27.09.2015, um 19.00 Uhr, Kulturhaus Osterfeld, Großer Saal: In „Faszination Bayern“ geht die Reise heraus aus dem strukturschwachen Allgäuer Raum bis in die gelobte Universitätsstadt München. Dort begegnet Schafroth Starnberger Zahnarztkindern in Geländewagen, Münchner Bildungsbürgern in senfgelben Cordhosen und hippen Szene-Pärchen mit Brillen im Holz-Look. Begleitet wird er von seinem Gitarristen und Hofnachbarn Markus Schalk und evtl. dem Kinderchor der Jungen Union Miesbach. SEBASTIAN SEIBEL: BLICKWECHSEL – KUNST LEBEN Eröffnung der Fotoausstellung: Mi., 30.09.2015, um 20.00 Uhr, Kulturhaus Osterfeld – Galerie im Foyer: Seibel legt mit seiner Portrait-Reihe den Fokus auf die Menschen, die hinter der vielseitigen Kunstlandschaft des Enzkreises stecken. Mehr als 30 Künstler wurden in ihren Ateliers, Proberäumen, Büros, Werkstätten und anderswo besucht und befragt. Begrüßung: Magnus Schlecht, Einführung: Claudia Baumbusch. Dauer: bis Sa., 12.12.2015. Weitere Informationen unter: www.kulturhaus-osterfeld.de oder Tel.: 0 72 31/31 82 10


AOK Pforzheim:

Neue Kraft schöpfen Einen Angehörigen zu pflegen, bringt körperliche und psychische Belastungen mit sich. Oft über die eigenen Kräfte hinaus. Frühzeitig hat das die AOK erkannt und bietet seit Jahren erfolgreich Vorsorgekuren für Pflegende in der AOK-Klinik Schloßberg in Bad Liebenzell an.

„Pflegende sind häufig zeitlich und psychisch so angespannt, dass sie die Alarmzeichen ihres Körpers nicht mehr wahrnehmen. Ein Arztbesuch liegt oft schon längere Zeit zurück“, sagt Chefarzt Dr. Karlheinz Tschuran. Deshalb beginnt die Kur für pflegende Angehörige mit einer gründlichen Untersuchung, bevor ein individueller Therapieplan erstellt wird. Kurse zur Stressbewältigung und Entspannung gehören ebenso dazu wie Krankengymnastik, Bewegungstherapien und Wasseranwendungen. Wer möchte, kann an psychologischen Einzel- und Gruppengesprächen sowie an Gesundheitsvorträgen teilnehmen. Dazwischen bleibt genügend freie Zeit, die nach den eigenen Bedürfnissen gestaltet werden kann. Denn das oberste Ziel ist schließlich, sich zu erholen und neue Kraft zu tanken. „Ich habe hier viele gute Anregungen bekommen, wie ich durch Bewegung Stress abbauen kann und wie ich es trotz allem schaffe, mir Zeit für mich zu nehmen“, sagt Doris Blechner. Seit sechs Jahren pflegt sie ihren 89-jährigen Vater, dessen Zustand sich in-

zwischen so verschlechtert hat, dass er in Pflegestufe III eingestuft wurde. „Besonders viel bringen mir die Gespräche mit den anderen Teilnehmern, ihre Schilderungen, wie sie ihren Alltag meistern. Zu Hause fühlt man sich oft so allein“, meint Blechner. Die Teilnehmer unterstützen und motivieren sich gegenseitig. Ab der gemeinsamen Anreise begleiten sie sich drei Wochen lang bei den Gruppen- und Freizeitangeboten. Am Ende ihrer Vorsorgekur stellt Doris Blechner fest: „Der Abstand von zu Hause hat mir gut getan“. Wer pflegt braucht Hilfe. Unter diesem Motto hat die AOK BadenWürttemberg bereits in den

1990ern gemeinsam mit der Gerontologie der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg das spezielle Programm zur gesundheitlichen Unterstützung und Regenerierung für Pflegende ausgearbeitet. Inzwischen ist es mit guten Ergebnissen einer der Schwerpunkte der AOK-Klinik Schloßberg in Bad Liebenzell. Durch die steigende Nachfrage wurden die Kurtermine dieses Jahr auf 52 erhöht. Wir helfen gerne. Weitere Informationen im Internet: www.aokklinikbad-liebenzell.de

Fotos: AOK


Aktivitäten &

Dieter Müller, Architekt 1. Vorsitzender Wohnberatung & Seniorenfr. Service

Petra Bok 1. Vorsitzende

Herta La Delfa 2. Vorsitzende

DER KREISSENIORENRAT ENZKREIS – STADT PFORZHEIM E.V. ist ein Informations- und Beratungszentrum für ältere Menschen sowie Menschen mit Behinderungen. Der KSR vermittelt Hilfe im Alter und fördert die Meinungsbildung und den Erfahrungsaustausch auf sozialem, wirtschaftlichem, kulturellem, politischem und gesellschaftlichem Gebiet. In der zentral gelegenen Geschäftsstelle steht ein dynamisches Büroteam für Auskünfte, Informationen und Beratungen zur Verfügung. MITGLIEDERVERSAMMLUNG Am 8. Juni fand die diesjährige Mitgliederversammlung des KSR statt. Als neuer Vorstand wurden gewählt: Dieter Müller, 1. Vorsitzender Petra Bok, 1. Vorsitzende Herta La Delfa, 2. Vorsitzende Dr. Angela Ulrich, 2. Vorsitzende Gerda Görnemann, Ehrenvorsitzende Dieter Müller zur Wahl der neuen Vorsitzenden: „Mit 52 Jahren ist die geschäftsführende Gesellschafterin der Will & Bok Werbeagentur GmbH in Pforzheim schon seit Jahren im redaktionellen Bereich – auch für Seniorenbelange – tätig. Für den KSR

hat sie bereits verschiedene Projekte durchgeführt, wie z.B. die Konzeption und Realisation der Imagebroschüre und der Internetseite.“ Einstimmig wurde sie für das Amt des Vorstandsvorsitzenden gewählt. Dieter Müller zur Wahl der Ehrenvorsitzenden: „Seit mehr als 15 Jahren hat sich Frau Görnemann für die Belange der Senioren in Pforzheim und im Enzkreis eingesetzt. An dieser Stelle möchten wir Ihnen herzlichst für Ihre aufopfernde Arbeit danken. Keineswegs können und wollen wir auf Ihre weisen Ratschläge verzichten und bitten Sie, uns als stimmberechtigte Ehrenvorsitzende weiterhin zur Seite zu stehen.“ THEATERKARTEN Beim Stadttheater Pforzheim gibt es pro Spielzeit vier vergünstigte Seniorenvorstellungen. Informationen hierzu beim KSR. SENIORENTREFFEN IM REX An jedem 2. Mittwoch im Monat findet im Rex eine Kino-Veranstaltung mit einem speziell ausgewählten qualitativ hochwertigen Film mit anschließender Kaffeestunde statt.

ERSTEINSTIEG FÜR SENIOREN IN DIE COMPUTERWELT Der KSR bietet Neueinsteigern die Möglichkeit, erste Informationen über den Umgang mit dem PC, Laptop, Tablet-PC, Smartphone, SeniorenHandy und Apps zu erhalten. Kerstin Müller und Clemens Beisel stehen als Computer-Fachleute ehrenamtlich zur Durchführung dieser Veranstaltung zur Verfügung. Geräte können mitgebracht werden. Termine werden rechtzeitig in der Presse bekannt gegeben. Eine Anmeldung ist erforderlich. Die Teilnehmerzahl ist auf 10 begrenzt. STERNTREFFEN Das diesjährige Sterntreffen findet am 7.11.2015 in Ispringen statt. Einladungen und weitere Informationen über Programm und Durchführung erfolgen rechtzeitig. SENIORENFREUNDLICHER SERVICE Die begonnenen Aktivitäten werden weiterhin verstärkt, indem der KSR auf Institutionen und Geschäfte zugehen wird, um die gebotene Aufmerksamkeit für Senioren zu erhalten und zu intensivieren.

Dr. Angela Ulrich 2. Vorsitzende

Norbert Poff Schatzmeister

Waltraud Bopp Beisitzerin/ Bürotätigkeiten

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SENIOREN SCHAFFEN SCHÖNES Zum 36. Mal jährte sich die traditionelle Veranstaltung. Vom 4. – 8. Mai fand die Ausstellung im Atrium 3 des Volksbankhauses statt. 32 Senioren zeigten in individueller Umsetzung ihre Kreativität. Den Besuchern der Ausstellung wurde an den Nachmittagen ein vielfältiges Programm geboten. Da ging es um Informationen des DRK zum Thema „Bewegung im Alter“, oder zum Senioren-Yoga, das das Gedächtnis trainiert. Da informierte die Polizei Baden-Württemberg zum Thema „Wehren lohnt sich“ und zum Thema „Sicherheit“. Die Kleinsten der Ballettschule Roser zeigten die Interpretation „Elisa im

Wunderland“. Das Gitarrenorchester Herta La Delfa und Freunde, spielte zum Mitmachen, und der Sitztanz mobilisierte die Musik im Blut. Zum Programm gehörten: der Drehorgelspieler Gregor Schaier, Wolfgang Müller mit seiner Badischen Mundart und der so beliebte Tenor Michele Ferrancane. Andrea Überall präsentierte Tanz in geselliger Form und die Schüler der Jugendmusikschule Neuenbürg zeigten ihr musikalisches Können. Täglich am Nachmittag gab es Kaffee und selbstgebackenen Kuchen. Die Unterstützung bei der täglichen Bewirtung waren die Schüler der Carlo-Schmid-Schule, Pforzheim.

Die nächste Ausstellung für Mai 2016 ist bereits geplant. Rechtzeitige Information erfolgt über die Tagespresse.

Sozialbürgermeisterin Monika Müller und Dieter Müller, Vorsitzender des KSR, eröffnen die Ausstellung.


Veranstaltungen

FÜR ALLE VERANSTALTUNGEN SIND RECHTZEITIGE ANMELDUNGEN ERFORDERLICH! Geschäftsstelle KreisSeniorenRat Enzkreis – Stadt Pforzheim e.V. • Ebersteinstr. 25 (Ecke Salierstraße), 75177 Pforzheim • Tel. 0 72 31/3 27 98 oder Fax 0 72 31/35 77 08 • info@kreisseniorenrat-pf.de · www.kreisseniorenrat-pf.de

Ilse Kästner Beisitzerin/ Seniorenfr. Service

Bewegung bis ins hohe Alter.

Brigitte Besserer am Spinnrad.

Wehren lohnt sich. Ruth König Beisitzerin/ Theater-Service

Barbara Krauß Beisitzerin

Kaffeestunde am Nachmittag.

Ballettschule Sabine Roser.

Gitarrenorchester Herta LaDelfa.

Kerstin Müller Beisitzerin/ Computerhilfe

Ballettschule Sabine Roser.

Gedächtnistraining durch Yoga.

Drehorgelspieler Gregor Schaier.

Clemens Beisel Computerhilfe

Gerda Görnemann Ehrenvorsitzende

Tanz in geselliger Form.

Schüler der Musikschule Neuenbürg zeigen ihre Vielseitigkeit.

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Aktivitäten & THEATERGRUPPE „EULENSPIEL“ Die Theatergruppe wurde 2010 gegründet und besteht aus 12 Mitgliedern im Alter zwischen 61 und 86 Jahren.

Abb. unten: Regisseurin und Gruppenleiterin Bärbel Gerstenäcker mit ihrer Assistentin Stefani Neuhäuser.

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31 Ost – Mehrgenerationen-Theater-Projekt: Kooperation zwischen Kulturhaus Osterfeld und Jugendkulturtreff Kupferdächle. Revolution eine schnelle, radikale Veränderung der gegebenen (politischen, sozialen, ökonomischen) Bedingungen. Hat das etwas mit mir zu tun? Was bedeutet dieser Begriff für mich persönlich? Spielt er eine Rolle in meinem Leben? Die Seniorentheatergruppe „EULENSpiel“ des Kulturhauses Osterfeld und die Jugendtheatergruppe des Jugendtreffs Kupferdächle gehen diesen Fragen auf den Grund. Gemeinsam sagen Sie JA – zu einem generationsübergreifenden Projekt, in dem Jung & Alt neue Methoden des Theaterspielens – aber vor allem auch sich gegenseitig – kennen lernen. Im intensiven Austausch werden Lebenserfahrungen gepaart mit Lebensträumen und -wünschen in eine Bühnensprache übersetzt. Ängste, Hoffnungen, Zuversicht und Weisheiten werden mit Mitteln des darstellenden Spiels erforscht und inszeniert. Dabei stoßen die Gruppen unweigerlich auf die Fragen: Wie will ich leben? Und wie soll die Gesellschaft, in der ich lebe aussehen? Daraus entstanden ist eine Theaterproduktion, die das Thema „wofür kämpfst Du?“ – aus Sicht von auf den ersten Blick völlig unterschiedlichen Generationen – beantwortet. Man darf auf dieses „Generationenspiel“gespannt sein.

AKTIV UND ENGAGIERT AUCH IM ALTER Rollator-Training Im Frühjahr 2014 hat der KreisSeniorenRat wieder gemeinsam mit der Verkehrswacht, dem Stadtverkehr und dem Sanitätshaus Heintz ein Rollator-Training durchgeführt. Im Mittelpunkt standen das Ein- und Aussteigen sowie das Verhalten im Bus, Wenden auf engem Raum, Rückwärtsgehen und das Überwinden einer hohen Bordsteinkante. Ferner wurden die Rollatoren der Teilnehmer auf richtige Einstellung und Sicherheit überprüft. Unter fachmännischer Anleitung haben insgesamt 20 Teilnehmer an den einzelnen Stationen geübt mit dem Ziel, mehr Sicherheit im Umgang mit dem Rollator zu gewinnen. Ferner haben die Senioren viele hilfreiche Tipps erhalten. Die durchweg positive Rückmeldung der Teilnehmer zeigt, wie nützlich ein solches Training ist. Denn: So hilfreich ein Rollator zum Erhalt der Mobilität ist, so gefährlich kann der unsachgemäße Umgang mit dem „Fahrzeug“ sein. Unfälle mit dem Rollator sind leider nicht selten. Senioren-Aktion „Autofit“ – Fahrtauglichkeit von Senioren Der KreisSeniorenRat hat eine Kooperation mit der Verkehrswacht und dem Fahrlehrerverband initiiert mit dem Ziel, älteren Autofahrern Mut zu machen, eigenverantwortlich ihre Fahrtüchtigkeit zu prüfen und Maßnahmen zu deren Erhalt bzw. Verbesserung zu ergreifen. Das Angebot wurde über die Presse publik gemacht. Es umfasst allgemeines Informationsmaterial zu diesem Thema, Hinweise wie und wo man einen aktuellen Status seiner Fahrtüchtigkeit erheben kann sowie welche Maßnahmen im Einzelfall geeignet sind, um sich in punkto Auto-

fahren fit zu halten oder vorhandene Schwächen auszugleichen. Interessierten Senioren bietet der KreisSeniorenRat eine individuelle Beratung. Im Dezember 2014 wurde im Rahmen der Serie „Von wegen Ruhestand!“ in der Pforzheimer Zeitung über erste Erfahrungen bezüglich dieses Angebots berichtet. Einer unserer „Kunden“ war bei dem Pressetermin dabei und hat erzählt, wie es ihm ergangen ist. Fahrsicherheitstraining für Senioren Das Fahrsicherheitstraining für Senioren ist inzwischen ein fester Bestandteil in unserem Jahresprogramm. Der KreisSeniorenRat hat mit der Verkehrswacht seit Beginn 2014 insgesamt 3 Fahrsicherheitstrainings auf dem Messplatz in Pforzheim durchgeführt. Davon haben zwei in 2014 und bislang eines in 2015 stattgefunden. Insgesamt waren rund 50 Senioren am Start und haben unter Anleitung von qualifizierten Trainern ihr Fahrkönnen verbessert. Schwerpunkte des Fahrtrainings sind unter anderem Gefahrenbremsungen aus verschiedenen Geschwindigkeiten auf trockener und nasser Fahrbahn, Ausweichen vor Hindernissen, Slalomfahren vor- und rückwärts sowie Wenden und Einparken auf engem Raum. Jeweils mit von der Partie war Vanessa Striebing, eine Sporttherapeutin von der TSG Stein. Sie hat mit den Teilnehmern in lockerer Atmosphäre Übungen durchgeführt, mit denen Beweglichkeit, Konzentration und Reaktionsvermögen – wichtige Aspekte der Fahrtüchtigkeit – erhalten und verbessert werden können. Das rund dreistündige Training kommt bei den älteren Autofahrern sehr gut an. Das zeigt auch schon die Anzahl der „Wiederholungstäter.“ Bärbel Grötzinger


DIE WOHNBERATUNG – EINE WICHTIGE INSTITUTION FÜR ÄLTERE UND/ODER BEHINDERTE MENSCHEN Selbstbestimmtes Leben im Alter bzw. altersgerechtes Wohnen Diese gewaltigen Aussagen beziehen sich auf 2 Hauptthemen: Technik unterstützt Wohnen und Wohnen im Alter. Ambient Assisted Living Zur Aufrechterhaltung eines qualitativ hohen Versorgungsniveaus werden künftig verstärkt technische Unterstützungssysteme zum Einsatz kommen. Neue technologische Ansätze sollen die Umgebung (= ambient) des Menschen informell erschließen und sie dem Menschen kommunikativ dienstbar machen. Unter Ambient Assisted Living (AAL) werden Konzepte, Produkte und Dienstleistungen verstanden, die neue Technologien und das soziale Umfeld miteinander verbinden und verbessern, mit dem Ziel, die Lebensqualität für Menschen in alle Lebensabschnitten, vor allem im Alter, zu erhöhen. Übersetzen könnte man AAL am besten mit „Altersgerechte Assistenzsysteme für ein gesundes und unabhängiges Leben“. Sie versprechen Sicherheit und Entlastung für ältere, kranke und behinderte Menschen in ihrer eigenen Häuslichkeit. Als Begründung für ihren Einsatz wird meist angeführt, dass sie kostengünstiger als personale Hilfen seien, keinen Urlaub forderten, an individuelle Bedürfnisse angepasst werden könnten und nicht zuletzt die Beschämung, die mit der Inanspruchnahme personaler Hilfe verbunden sein kann, verringerten. Zudem stünden sie dort zur Verfügung, wo aufgrund von Personalmangel sonst keine Hilfe geleistet werden könnte, zum Beispiel im ländlichen Raum, der schon heute mit Ärztemangel und Defiziten in der Gesundheitsversorgung zu kämpfen hat.

Beispiele für AAL-Systeme sind u. a.: Beleuchtung, die sich automatisch an die Lichtverhältnisse anpasst, Türen, die sich beim Annähern öffnen und Bodenbeläge, die registrieren, wenn eine Person gestürzt ist, und Alarm auslösen. AAL-Systeme kommen in folgenden vier Hauptanwendungsfeldern zum Einsatz: • Gesundheit und Pflege (Telemedizin) • Sicherheit und Privatsphäre (Alarmsysteme) • Haushalt und Versorgung (Umgebungssteuerung) • Kommunikation und soziales Umfeld (via Internet) Technische Assistenzsysteme ermöglichen Selbstständigkeit. Die Technik allein reicht jedoch nicht aus – ein Alarmsystem ist wirkungslos, wenn schnelle Hilfe ausbleibt. Umfassende AAL-Systeme schließen deshalb meist komplementäre Dienstleistungen wie z. B. Call-Center, Bereitschaftsdienste und Lieferservices ein. Wohnen im Alter Das Älterwerden verdanken wir u. a. der Medizin; dieses Geschenk darf nicht ignoriert werden, nur wer sich fit hält wird den letzten Schritt ins Pflegeheim hinaus zögern können. Oberstes Ziel ist daher, den Betroffenen so wenig Verantwortung wie nötig abzunehmen, um sie dabei zu fördern, ihr Leben selbstständig zu gestalten bzw. eine Unterbringung in einem Altenpflegeheim zu vermeiden, oder so weit wie möglich hinauszuschieben. Demnach haben wir zu entscheiden: Bleiben oder umziehen? Zu Hause wohnen bleiben erfordert: Wohnungsanpassung oder Unterstützung im Alltag oder Betreutes Wohnen zu Hause. Ein neues Zuhause bedeutet: Sich Gemeinschaftlichen Wohnprojekten oder Betreutem Wohnen in einer

Wohnanlage, Betreuten Wohngemeinschaften oder Betreuten Hausgemeinschaften anzuschließen. Zu Hause wohnen bedeutet: Wohnungsanpassung nach den Richtlinien der DIN 18040, die bestehende Wohnung an die veränderten Bedürfnisse im Alter anzupassen. Zu Hause wohnen mit Unterstützung im Alltag, wenn wir Hilfe im Haushalt und im Alltag benötigen. Zu Hause wohnen mit Betreuung, um in einer altengerechten Wohnung weitgehend selbstständig leben zu können. Wohnangebote – aber wo? Früher wurden teure und aufwendige Seniorenresidenzen, danach Wohnungen für Senioren, gebaut. Diese wurden von Altenheimen verdrängt, diese wiederum fielen dem Betreuten Wohnen zum Opfer und, wenn es gar nicht mehr ging, mussten kasernenartig angelegte Pflegeheime herhalten. Zu spät wurde erkannt, dass aufgrund der demographischen Entwicklung die Nachfrage nach Wohnangeboten wächst, die möglichst barrierearm gestaltet und nicht vertraglich mit einem verpflichtenden Dienstleistungsangebot gekoppelt sind. Weil der Bedarf an solchen Wohnungsangeboten wesentlich höher ist, als das vorhandene sowie das durch Neubau entstehende, rückt der Wohnungsbestand zunehmend ins Blickfeld. Dort ist die überwiegende Mehrheit der älteren Menschen zu Hause, unabhängig vom Umfang ihres Unterstützungsbedarfs. Sowohl die Unterschiedlichkeit der Wohnungsbestände als auch die Verschiedenheit der Wohnbedürfnisse sprechen dafür, grundlegende Anforderungen für eine barrierearme Wohnungsanpassung zu formulieren, beziehungsweise rechtzeitig zu diskutieren. Dieter Müller

www.kreisseniorenrat-pf.de

Veranstaltungen

FÜR ALLE VERANSTALTUNGEN SIND RECHTZEITIGE ANMELDUNGEN ERFORDERLICH! Geschäftsstelle KreisSeniorenRat Enzkreis – Stadt Pforzheim e.V. • Ebersteinstr. 25 (Ecke Salierstraße), 75177 Pforzheim • Tel. 0 72 31/3 27 98 oder Fax 0 72 31/35 77 08 • info@kreisseniorenrat-pf.de · www.kreisseniorenrat-pf.de

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Rechtsanwältin Isabel Hutter-Vortisch

Die EU-Erbrechtsverordnung:

Rechtsanwältin Isabel Hutter-Vortisch

Ab dem 17. August 2015 gilt die EU-Erbrechtsverordnung in ganz Europa, mit wenigen Ausnahmen, wie Dänemark, Großbritannien und Irland. Damit könnte das Erben in Europa rechtlich einfacher werden, zumindest wird es sich aber rechtlich ändern. Seit 1961 gibt es bereits eine Vereinheitlichung und Vereinfachung, die nicht nur in Europa, sondern in derzeit 42 Staaten der Welt, die Errichtung eines formwirksamen Testamentes erleichtert. Dieses ist eine große Hilfe für Menschen, die ein Testament nicht in dem Staat errichten, dessen Staatsbürger sie sind, sondern in einem anderen Land welches sie z.B. zu ihrem neuen Wohnsitz gewählt haben. Damit, dass nunmehr eine Vielzahl von Testamentsformen möglich ist, jeweils nach dem Recht des Ortes, an dem das Testament errichtet wurde, der Staatsangehörigkeit des Erblassers bei Testamentserrichtung oder im Erbfall, des Ortes des Wohnsitzes bei Testamentserrichtung oder bei Tod, des Ortes des gewöhnlichen Aufenthaltes, des Ortes an dem sich der Nachlass befindet, ist es einfacher geworden, ein formwirksames Testament zu errichten. Nach welchem Erbrecht der Nachlass eines Erblassers abgewickelt wird, kann unterschiedli-

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che Anknüpfungspunkte haben, gerade dann, wenn z.B. ein Deutscher auch Konten und Immobilien im Ausland besitzt, oder umgekehrt ein ausländischer Staatsbürger in Deutschland. In manchen Erbfällen tritt eine sog. Nachlassspaltung ein, bei der z.B. das Geldvermögen und der Hausrat des Erblassers erbrechtlich dem Recht des Staates unterliegen, dessen Staatsangehöriger er im Todesfall war, während die Immobilien erbrechtlich nach dem Recht des Staates behandelt werden, auf dessen Staatsgebiet sie sich befinden. Es werden dann zwei Erbscheine benötigt und in beiden, oder falls der Erblasser in mehreren Ländern Immobilien hinterlässt, in noch mehr Ländern wird ein eigenes Nachlassverfahren nach dem Recht des jeweiligen Landes durchgeführt. In manchen Fällen widersprechen sich das deutsche und das ausländische Recht so sehr, dass noch nicht einmal klar ist, welches Land wirklich für den Nachlass rechtlich „zuständig“ ist. Für einen deutschen Staatsangehörigen gilt zunächst das deutsche Erbrecht, allerdings kann es bei Immobilien im Ausland zur Nachlassspaltung

kommen. Durch die EU-Erbrechtsverordnung wird es im Verfahrensrecht bezüglich der Erteilung und Anerkennung von Erbscheinen international Erleichterungen geben. Das Problem, welches Landesrecht anzuwenden ist, soll ebenfalls durch die EU-Erbrechtsverordnung für die Bürger der Europäischen Union vereinfacht werden. Für Erbfälle, ab dem 17. August 2015, ist für das im Erbfall anzuwendende Recht nicht mehr entscheidend, welche Staatsangehörigkeit der Erblasser hatte, sondern, welches sein gewöhnlicher Aufenthaltsort war. Damit wird es einfacher werden, das „richtige“ Landesrecht für den Erbfall zu ermitteln. Es könnte z.B. aber auch bedeuten, dass der deutsche Staatsangehörige, der sich den überwiegenden Teil des Jahres in Spanien aufhält, weil er dort eine Immobilie besitzt, nicht mehr nach deutschem, sondern nach spanischem Erbrecht beerbt wird. Also sollte jemand, der plant seinen ständigen Aufenthalt ins Ausland zu verlegen oder ihn dort bereits hat, prüfen lassen, welchen Einfluss der neue Wohnort auf das bei seinem Tode anzuwendende Erbrecht hat. Sollte bereits ein Testament nach deutschem Recht vorliegen, kann das bedeuten, dass dieses ergänzt werden muss, um zu gewährleisten, dass deutsches Recht zur Anwendung kommt. Man kann jedoch auch überlegen, wenn das ausländische Erbrecht besser in die eigene Planung passen sollte, sich vor Ort beraten zu lassen und ein Testament nach dem Recht seines neuen Aufenthaltsortes zu errichten.


Ist Erben in Europa jetzt einfacher? Anzeige

Für ausländische Staatsangehörige mit ständigem Aufenthalt in Deutschland heißt das, dass sie sich über das deutsche Erbrecht informieren sollten und auch darüber, falls sie es wünschen, wie in einem Erbfall doch ihr gewohntes Heimatrecht zur Anwendung kommen kann. Sollte jemand mehrere Staatsangehörigkeiten ha-

ben, sollte er überlegen, welches Landesrecht im Erbfall angewendet werden soll, und das Testament dahingehend aufsetzen. Was in all diesen Fällen auch geklärt werden sollte sind die erbschaftsteuerlichen Fragen, die auftauchen, wenn sich Nachlass in verschiedenen Ländern befindet.

Energieeffizienz senkt Energieverbrauch und Energiekosten Viele Unternehmen beziehen ihren gesamten Strom bei ihrem Energieversorger und erzeugen die von ihnen benötigte Wärme mit einem Heizkessel. Große Wärme- und Stromverbraucher wie Betreiber von Alten- und Pflegeheimen, Schulen und kommunalen Gebäuden, Wohnbau, Hotels, Schwimmbädern, Gewerbe und Industrie können ihre Energieeffizienz deutlich steigern, indem sie Strom als Nebenprodukt bei der Wärmeerzeugung gewinnen. Effiziente Technik, nicht nur einzeln installiert, sondern als System mit unterschiedlichen Komponenten, bietet kluge Lösungen. Die intelligente Steuerung des Zusammenspiels von gleichzeitiger Wärme- und Stromerzeugung aus Gas und regenerativer Solarenergie kann die Stromkosten deutlich senken. Wird wenig oder keine Wärme benötigt, wird auch

wenig oder kein Strom erzeugt. Dies ist im Sommerhalbjahr der Fall. Dann erzeugt eine Solarstromanlage über 70 % des jährlichen Solarstromertrags. Neben der Energiekostenersparnis wird die Eigenproduktion von Strom durch die KWK-Förderung und die EGG-Vergütung belohnt, zusätzlich kann die Energiesteuer für den gesamten Gasbezug zurückgefordert werden. Auch direkte staatliche Fördergelder sind möglich und manche Stadtwerke und Gasanbieter unterstützen durch Zuschüsse diese Effizienzmaßnahmen. Bei der gleichzeitigen Erzeugung von Strom und Wärme sind Amortisationszeiten der Investitionskosten zwischen 3 und 5 Jahren möglich. Wird eine Solarstromanlage eingebunden, kann die Amortisationszeit bei 9 Jahren liegen.

Intelligente Beleuchtungskonzepte steigern die Effizienz in einem Unternehmen noch weiter. Nachdem in den letzten Jahren der Schwerpunkt der Energiepolitik in der Erzeugung regenerativer Energie lag, ist die neue Zielsetzung die seit Mai 2015 in Deutschland gesetzlich verankerte europäische Effi-

zienzrichtlinie. Die Anforderungen der Effizienzrichtlinie können mit den dargestellten Maßnahmen ohne Schwierigkeiten erreicht werden und führen außerdem zu einer deutlichen jährlichen Energiekostensenkung. Klimaschutz und Kosteneinsparung ergänzen sich. Ökologie und Ökonomie werden eins. Anzeige

Fügen Sie Ihrem Wärmesystem unser kompaktes Effizienzpaket hinzu! Intelligente Technik, sicher und langfristig kalkulierbar! Für große Wärme- und Stromverbraucher:  Alten- und Pflegeheime  Schulen und kommunale Gebäude

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Die Sparkasse Pforzheim Calw:

Preis hebt Stärken der Wirtschaft in der Region hervor Förderauszeichnung von Sparkasse und Handwerkskammer verliehen

Sparkasse Pforzheim Calw und Handwerkskammer Karlsruhe zeichneten wieder vorbildliche Betriebe in drei Kategorien mit dem Förderpreis „Top-Handwerk“ aus. Die Preisgeber und die Mitglieder der Jury möchten mit der Vergabe des Förderpreises „Top-Handwerk“ die Bedeutung unserer regionalen Handwerksbetriebe nicht nur würdigen, sondern auch als Beispiele für die Stärken der Wirtschaft in der Region hervorheben. In diesem Sinne soll mit der Preisverleihung den Siegern die gebührende Anerkennung gezollt und auch ein gutes Beispiel sowie ein Vorbild für andere Firmen gegeben werden. „Beispiele und Vorbilder brauchen wir zur Orientierung und Er-

aufnimmt, die an anderer Stelle die Ausbildung abgebrochen haben. Der Umschulungen durchführt und bei einer zweiten Ausbildung freiwillig eine höhere Vergütung bezahlt. Der sämtliche Azubis in ein unbefristetes Anstellungsverhältnis übernimmt; und auch Mitarbeiter jenseits der 60 einstellt. Auf dem zweiten Platz (750 Euro) landete Andreas Klug und der Barbers-Friseursalon. Den dritten Preis (500 Euro) erhielt die Bäckerei Jörg Wiskandt.

entstand ein Gebäude, bei dem der Gesamtenergiebedarf durch Solarenergie gedeckt wird. Der Ertrag durch die Netzeinspeisung im Sommer ist höher als die Kosten für den Haushaltsstrombezug im Winter. Also sind die Stromkosten negativ. Der zweite Preis ging an die Firma Richard Staib GmbH & Co.KG in Pforzheim. Dritter Preisträger in dieser Kategorie ist die Firma Elektro Mürle GmbH, ebenfalls aus Pforzheim. Die Fliesenlegermeister Andreas und Ralf Aichele aus Pforzheim gewannen den ersten Preis für gesellschaftliches und bürgerschaftliches Engagement. Sozial hat sich die Firma Aichele engagiert, indem sie zwei Menschen mit Behinderung, bzw. schwierigem Lebenslauf, berufliche

mutigung. Und wie sich im Verlauf der Ausschreibung gezeigt hat, gibt es davon viele, man muss nur genau hinschauen“, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Sparkasse, Hans Neuweiler. In der Kategorie „Zukunftsaufgabe Demografie“ ging der erste Preis (1.000 Euro) an Joachim Dangel und die Niersberger AG. Ein Betrieb, der kein Problem in einer gebrochenen Bildungskarriere sieht. Der Lehrlinge

Der erste Preis in der Kategorie „Klima, Umwelt, Resourcen“ ging an die Firma Zimmerei- und Holzbau Kalmbach aus Altensteig-Spielberg. Bereits früh nach der Gründung im Jahr 2001 beschäftigte sich das Unternehmen mit dem Thema energetische Sanierung und Modernisierung. Mit dem Neubau im Jahr 2007 für eine neue Halle und ein Wohnhaus mit Büro entstand die Idee, hier Vorbildliches als Modell zu schaffen. Es

Perspektiven in ihrer Firma gegeben hat. Für kulturelles Engagement wird jedes Jahr ein Gesamtbudget in Höhe von 10.000 Euro zur Verfügung gestellt. Und durch einen moderierten Teambildungsprozess wird die Unternehmenskultur gestärkt. Auf den zweiten Platz kam die Firma Steffen Ritter, Ritter GmbH-Elektrotechnik in Mühlacker, den dritten Preis erhielt die Bäckerei und Konditorei Reinhardt zugesprochen.

Die Förderpreisträger Top-Handwerk mit Laudatoren: hinten v.l. Hans Neuweiler (Sparkasse), Prof. Hanno Weber (Hochschule Pforzheim), die Preisträger Jörg Wiskandt, Stefan Ritter, Martin Reinhardt, Udo Mürle, Joachim Dangel, Gerd Lutz (Handwerkskammer), vorne v.l.: Andreas und Ralf Aichele, Franziska Wuchner, Vanessa Kagel (beide Barber’s) Markus Kalmbach, Andreas Staib.

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„Die absolute Benchmark im Land“ Sparkasse erhält LBBW-Auszeichnung Premiumpartner Förderberatung „Das tolle Geschäft mit Förderkrediten hat hier im Haus seit vielen Jahren Tradition“, attestierte Frank Wenz, Direktor Fördergeschäft bei der Landebank Baden-Württemberg (LBBW). Die so gelobte Sparkasse Pforzheim Calw wurde wie in den Vorjahren von ihrem Zentralinstitut wieder mit dem Titel „Premiumpartner Förderberatung“ ausgezeichnet. Mit fast 200 Millionen Euro vermittelter Fördergelder sei die Sparkasse die „absolute Benchmark im Land“, stellte Wenz fest. Die Sparkassen-Finanzgruppe Baden-Württemberg ist mit einem Anteil von rund 50 Prozent der führende Anbieter von Förderkrediten der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und der Landeskreditbank Baden-Württemberg (L-Bank). So begleiten die Sparkassen jede zweite Existenzgründungsfinanzierung in Deutschland. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Hans Neuweiler meinte, Beträge seien oft nicht der richtige Maßstab, über 1.000 vermittelte Förderkredite aber umso mehr. Schon seit Jahren sei das Gründungsgeschäft bei der Sparkasse sehr positiv gelaufen. Und es sei „oft entscheidend für eine jahrzehntelange Geschäftsverbindung.“ Das 2005 gestartete Gründercenter habe sich aus heutiger Sicht als goldrichtig erwiesen. Der langjährige Fachbereichsleiter Jochen Lewald habe ebenso zu diesem Erfolg beigetragen, wie seine Nachfolgerin Melita Klink, die diese Position zum Zeitpunkt der Auszeichnung erst 87 Tage innehatte. Der erfolgreiche Einsatz von Fördermitteln im gewerblichen wie auch im privaten Kundengeschäft bestätige der Sparkasse Pforzheim Calw höchste Beratungsqualität und besten Service, hob FirmenkundenAbteilungsdirektor Klaus Burkhardt hervor. Thomas Börsig, Relationship-Manager für das Fördergeschäft in Ba-

den-Württemberg, bescheinigte dem Premiumpartner, „wenn aus Pforzheim ein Förderantrag kommt, ist es etwas Komplexes und Großes.“ Seit März gehen die Förderanträge nach verhaltenem Jahresbeginn übrigens wieder steil nach oben und bewegen sich „mindestens auf Vorjahresniveau“, konnte LBBW-Direktor Wenz berichten.

LBBW-Direktor Frank Wenz (3.v.l.) überreichte GründercenterLeiterin Melita Klink auf dem Sparkassenturm die Auszeichnung „Premium-Partner Förderberatung“. Mit im Bild v.l. Firmenkunden-Abteilungsleiter Jochen Lewald, LBBW-RelationshipManager Thomas Börsig, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Hans Neuweiler und Abteilungsdirektor Klaus Burkhardt.

Stammkunden der Sparkasse genießen viele Vorteile Die Sparkasse Pforzheim Calw kann ihren treuen Kunden jetzt weitere einzigartige Vorteile bieten! Schon seit Oktober 2014 erhalten Stammkunden bei rund 600 Anbietern im Internet exklusive Rabatte zwischen zwei und 15 Prozent. Diese werden einmal monatlich auf dem Girokonto als sogenannter „Cashback“ gutgeschrieben. Hinzu kommen besondere Vergünstigungen bei Veranstaltungen und Vorzugsinformationen per Newsletter. Ab sofort gehören jetzt auch heimische Anbieter zu dieser „Stammkunden-Vorteilswelt.“ Bei bereits über 130 Partnern in der Region können Stammkunden der Sparkasse Geld zurück erhalten. Immer mehr Einzelhändler und

Gastronomen, Dienstleister und weitere Anbieter sind mit von der Partie. Somit trägt die „Vorteilswelt“ auch zur Stärkung der regionalen Wirtschaft bei. Weil so deutlich wird, wie attraktiv das klassische Einkaufserlebnis vor Ort sein kann. Das System der Sparkassen-Einkaufswelt ist übrigens denkbar unkompliziert. Man bezahlt lediglich mit der gewohnten SparkassenCard, um seinen Cashback zu erhalten. Ohne extra Kundenkarte, ohne Punktesammeln. Kunden müssen sich nur einmal in Ihrer Sparkassen-Geschäftsstelle für die Stammkunden-Vorteilswelt anmelden und schon können sie die Einkaufswelt nutzen. Weit über 25.000 Stammkunden profitieren bereits von den vielen Vorteilen.

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Prof. Dr. Ulrike Krenzlin

Martin Luther und die

Nationale Sonder

Prof. Dr. Ulrike Krenzlin

Das Lutherjubiläum 2017 naht mit Riesenschritten. Eine ganze Dekade dient den Vorbereitungen. Jedes Jahr ist einem Thema gewidmet. Das diesjährige Themenjahr trägt den Titel „Bild und Bibel“. Mit den dazu eingerichteten Ausstellungen ist wahrhaft ein Gipfel erklommen. Die Residenzstadt der wettinischen Landesfürsten Torgau zeigt sich im alten Glanz. Im Mittelpunkt steht Schloss Hartenfels. Dieses archtektonische Meisterwerk an der Schwelle von Spätgotik und Hochrenaissance ist wieder als ein Gesamtkunstwerk zu erleben. Denn die Fassaden, der Wendelstein, historische Innenräume sind rekonstruiert und kurzzeitig vereint mit bildender Kunst und Pretiosen aus aller Welt. Sachsen hat sich mit dieser Präsentation nahezu überboten. Auch Sachsen-Anhalt kann mit seiner Landesausstellung „Lucas Cranach der Jüngere – Entdeckung eines Meisters“ einen herausragenden Beitrag am authentischen Ort leisten. In Wittenberg findet eine „Weltpremiere“ statt. So ist im vorzüglich restaurierten Augusteum, Luthers langjährigem Wohnhaus, erstmals das Gesamtwerk von Cranach dem Jüngeren zusammengestellt worden mit einigen noch nie gezeigten Werken aus Reims. Vorausgegangen waren diesen Sonderschauen Thüringen mit: „Cranach, Luther und die Bildnisse“ auf der Eisenacher Wartburg, „Bild und Botschaft – Cranach im Dienst von Hof und Reformation“ auf Schloss Friedenstein in Gotha sowie „Cranach in Weimar“. Alle drei Bundesländer fühlen sich dem Erbe Luthers und Cranachs ernsthaft verpflichtet. Grund für die Länderbeiträge war die Leipziger Teilung aus dem Jahr 1485. Mit dieser folgenreichen Teilung Sachsens zerfiel das Haus Wettin in zwei Linien, die Ernestiner und Albertiner. Altsachsen umfasste fast ganz Mitteldeutschland. Abb. 1: Lucas Cranach d. Ä. „Hofjagd auf Hirsche und Bären“.1540. sign. und dat. u. r. geflügelte Schlange. Öl/Holz 133 cm x 185 cm. gerahmt. © The Cleveland Museum of Art .John L. Severance Fund. Wie ein Opal auf einem Schatzkasten leuchtet Schloss Hartenfels aus diesem wilden Bild heraus. Denn Jagd diente bei Hofe der Unterhaltung von Diplomaten und Gästen. Mitten in einer Waldlichtung entfaltet sich die Jagszene. Aus der Vogelperspektive gesehen, kann sie ungewöhnlich ausgerollt werden. Jagdhundrudel hetzen Hirsche in die Not. Die Hofgesellschaft, links Johann Friedrich der Großmütige und Herzog Moritz von Sachsen, rechts Kurfürstin Sybille von Cleve, viele Gäste des Fürsten betreiben das grausame Spiel zum Spaß. Cranach d. Ä. variierte dieses Thema vielfach. Derartige Großbilder dienten als beliebte Repräsentationsgeschenke, um Ruhm und Ansehen des wettinischen Kurfürstentums zu verbreiten.


Fürsten

ausstellung zum Lutherjahr 2017 in Torgau

Abb. 2: Schloss Hartenfels. Großer Wendelstein. Er leuchtet auf wie ein kostbares Schmuckstück. Im spindellosen Treppenaufgang mit den beschwingten spätgotischen Schlingrippengewölben erscheint jeder Aufstieg wie ein Nachobenschweben. Ganz oben, in den Schlussstein ist die Inschrift gemeißelt : JESUS ET SYN DAVID EBBARM DICH MEINER MET KUNZ KREBS. Diese Memoria für das Seelenheil des Künstlers war im Mittelalter nur Herrschern vorbehalten. Kühne Rundbogenarkaden nach „welscher“ Art küren die Außenseiten des Wendelsteins. Der schöne Erker hebt die kurfürstlichen Gemächer an der Fassade hervor. In seinen Fächern wird das neue Bildprogramm entwickelt. Die Frauengestalten Lucretia und Judith stehen für Tugend und Widerstand. Auf Balustern sind die Kämpfer für den Protestantismus zu sehen: Martin Luther, Philipp Melanchthon, Friedrich der Weise, Johann Friedrich I. Es wäre dennoch vermessen, den gesamten Prachtbau wegen seines plastischen Schmucks als ein Manifest der Reformation zu verstehen. Anders steht es mit der 1544 von Nikolaus Grohmann errichteten Schlosskapelle. Berühmt ist sie, weil hier erstmals protestantisches Programm architektonisch umgesetzt wird. Die einheitliche Halle mit zwei Emporen, der Altartisch und darüber die Orgel, die Predigtkanzel am Mittelpfeiler geben das Grundmodell des künftigen protestantischen Kirchenbaus. © SKD Foto: Hans Christian Krass.

Unüberschaubar sind die Forschungsergebnisse zur Lutherzeit. Urteile über Luthers Persönlichkeit und dessen weltbewegendes Werk differieren erheblich. Dasselbe trifft auch auf seine Dienstherren zu, die sächsischen Landesfürsten, die sich früh gegen die Papstkirche für den Protestantismus verschrieben haben, ebenso auf die altgläubigen Parteien mit Kaiser Karl V. an der Spitze. Jedoch gibt es nicht die klare Abgrenzung von Reformatoren und Kaisertreuen. Am protestantischen

Albertiner, Herzog Moritz von Sachsen, gerät notwendige Differenzierung in den Fokus. Warum ist das so? Eine Ursache liegt in der Wissenschaftsgeschichte. Sie hat die Erforschung der Primärquellen von der langen Rezeptionsgeschichte Luthers getrennt. Eine Leistung universitärer Geschichtsschreibung seit dem späten 19. Jahrhundert. So kann sie viele Methoden zu Epochendarstellungen und Theorien über historische Persönlichkeiten anbieten. Archivstudien und die Nachwirkungen der

Reformation führen in verschiedene Richtungen mit kontroversen Ergebnissen. Unsere heutigen Urteile speisen sich jedoch vorwiegend aus der Nachgeschichte Luthers, kaum aus den Quellen. Diese beiden Zugänge zur Lutherproblematik fordern allein schon den Historiker heraus, erst recht aber alle anderen. Beispiel: die altsächsische, die preußische und die europäische Geschichtsschreibung implizieren politische Interessen. Daher reichen Urteile über Luther vom Fürstenknecht bis hin zum

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Prof. Dr. Ulrike Krenzlin · Fortsetzung

Martin Luther und die

Nationale Sonder

Abb. 3: Lucas Cranach d. J.. Kurfürst Johann Friedrich der Großmütige. 1587. Rüstkammer Dresden. IN. 73. Öl/Lw. 121,5 x 93 cm © SKD Foto: Jörg Schöner

Garanten von Staatsfrieden. Herzog Moritz wird als Verfechter der Reformation angesehen und zugleich als ihr Verräter, der „Judas von Meißen“. Diese Widersprüche in der Sicht auch auf alle kriegerischen Abläufe drängen auf überzeugende Darstellungen. Die Reformation war kein Selbstlauf, sondern eine konvulsivisch heraufsteigende Glaubenserneuerung, die von Geistlichen ausging. Sie brach in alle gesellschaftlichen Ebenen ein. Es bietet sich auch an, die komplexe Gestalt Luthers als Mönch, Theologen, Starpublizisten, Universitätsprofessor, Ehemann und Untertan konsequent in seine Lebenszeit zurückzustellen, so dass dieselbe aus ihren Kontexten erklärt werden kann. Jedenfalls sind die Veranstalter der Ersten Nationalen Sonderausstellung „Luther und die Fürsten“, die Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden, in ihrer Torgauer Präsentation und die Katalogverfasser so vorgegangen. Was sich an der Dresdener Methode auf den ersten Blick bescheiden ausnimmt, erfüllt in der Tat höchste Ansprüche. Geschliffene Fachkenntnis ist zu bestaunen. Das Ergebnis überzeugt. Ihm folgen wir (s. Literatur). Schloss Hartenfels in Torgau Wie Aurora ihr Gespann im Morgenlicht durch den Äther führt, so erstrahlte die neue Residenz Torgau im HRR. Der mächtigste Kurfürst des Reichs, der Wettiner, Johann Friedrich I., ließ sie errichten. Ein Glücksfall der Geschichte gestattet es, die Ausstellung in Torgau, auf Schloss Hartenfels, am authentischen Ort, zu inszenieren. Auf Schloss Hartenfels weilte Luther oft und gern. Der Ernestiner Herzog Johann Friedrich I. lässt das neue Schloss nach Regierungsübernahme 1532 errichten. Es entsteht im Zeichen seiner Kurfürstenwürde. Die Erweiterung des alten Schlosses leitet Bau-

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meister Konrad Krebs von 1533 – 40. Das neue Schloss nähert sich dem Niveau der französischen Königschlösser von Franz I. Prächtiger als die kaiserliche Architektur in Wien sind die hof- und elbseitigen Fassaden gestaltet, vor allem aber der dominante Wendelstein im Hof. Die Fürsten Johann Friedrich I. der Großmütige (1503 – 54), 1532 bis 1547 Kurfürst von Sachsen (Abb. 3), war durchdrungen von Luthers Glaubensmodell. Er suchte dessen Nähe. Für sich und seine Familie wählte er Luther als seinen Seelsorger. Als Landesherr verhalf er der neuen Kirchen-

und Schulordnung zum Durchbruch. An die Universität in Wittenberg Leucorea, 1502 gegründet, berief er humanistische Wissenschaftler. Schon Vorgänger Kurfürst Friedrich der Weise verpflichtete den jungen Philipp Melanchthon 1518 mit einer Professur an die Universität. Dem Lutheranhänger folgen viele Gelehrte, vor allem Abtrünnige aus den altgläubigen Universitäten Ingolstadt und Eichstätt. Die neue Lehre verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Erzkanzler Albrecht von Brandenburg, der in Halle eine katholische Gegenuniversität zu errichten begann, scheiterte damit, weil Gelehrte seinen Berufungen nicht folgten.


Fürsten

ausstellung zum Lutherjahr 2017 in Torgau Mit Gründung des Schmalkaldischen Bundes wollte sich Johann Friedrich I. an die Spitze eines Verteidigungsbundes stellen, um die protestantischen Fürsten im Angriffsfall auch kriegerisch gegen Kaiser Karl V. zu verteidigen. Im Bund mit Luther erneuerte der Kurfürst die Landeskirche, ernergisch baute er mit seiner „Canzley“ eine effektive Verwaltung der Kirchengüter auf, führte Visitationen und Enteignungen von Klöstern und katholischen Ländereien ein. Mit seinem Glaubensbekenntnis provozierte der Kurfürst den Kaiser in Wien unablässig, u.a. mit Eigenbesetzungen von Bischofsämtern. Dafür verhängte ihm Karl V. die Reichsacht. Im Schmalkaldischen Krieg entluden sich die konfessionellen Gegensätze zwischen Protestanten und Katholiken erstmals vehement. Der Kurfürst unterliegt in der Schlacht bei Mühlberg. Er muss für seine Haltung büßen. 1547 folgen Gefangennahme und Todesurteil. Geblieben ist es bei lebenslanger Haft. Die Kurwür-

de geht ihm verloren. Sie wird seinem Neffen, Moritz von Sachsen, übertragen. Doch bleibt der Herzog hartnäckig bei seiner lutherischen Haltung. Nach fünf Jahren, 1552, wird er entlassen. Danach gründet Johann Friedrich I. in Jena eine neue Universität. Wegen seines unerschrockenen Bekenntnisses zum Luthertum gilt er in der Geschichte als christlicher Märtyrer. Moritz von Sachsen (Abb. 4) ist in diesem posthumen Bildnis in der modernsten Rüstung seiner Zeit dargestellt. Die umlaufende Goldzier ist beste Platnerarbeit. Moritz trägt die rote Feldherrenbinde, die ihn als Kämpfer auf Kaiserseite ausweist. Denn im Schmalkaldischen Krieg ergriff der Protestant Partei für Karl V. und trug zu dessen Sieg über Johann Friedrich bei. Doch lag die Absicht des albertinischen Herzogs nicht im Verrat am Protestantismus. Er sah sich zum Eingreifen gegen Johann Friedrich I. genötigt, weil er für den Fall eines Sieges der kaiserlich katholischen Partei den Untergang des ungesicherten Luthertums befürchtet hat. Die Religionskämpfe sind unübersichtlich und widersprüchlich. Die Reformation stand lange auf Messers Schneide. Der protestantische Wettiner Moritz von Sachsen aus dem albertinischen Haus wurde 1547 Kurfürst im Heiligen Römischen Reich. 1553 fiel der 32jährige Anführer des Fürstenbundes in der

Schlacht bei Sievershausen. Der Kampf war gegen Kaiser Karl V. gerichtet. In Freiberg in Sachsen befindet sich seine Grabstätte. Karl V. (1500 – 1558) seit 1519 Kaiser des HRR (Abb. 5) wird hier im Dreiviertelporträt als Sieger des Schmalkaldischen Krieges gezeigt, in den er gemeinsam mit Herzog Alba gegen den aufkommenden Protestantismus gezogen ist. Der Kaiser trat ein für die Einheit Europas. Als strenggläubiger Herrscher stand er in der Pflicht, den Katholizismus zu verteidigen, der aber durch den Niedergang des Papsttums zum Scheitern verurteilt war. Somit stand seine Regentschaft an der Scheide von Mittelalter und Neuzeit. Im Augsburger Religionsfrieden (Abb. 7) bemühte er sich darum, die Religionskämpfe zu schlichten. Das misslang ihm. Die Misserfolge in den vielen Religionskämpfen lähmten seine Kraft frühzeitig. Er legte alle Ämter nieder und zog sich in das spanische Kloster des Hl. Hieronymus de Yuste zurück.

Abb. 5: Karl V. im Harnisch nach Tizian Vecellio. Mitte 16. Jh., Öl/ Lw. 110 x 91 cm. © Kunsthistorisches Museum Wien. Gemäldegalerie IN GG 8060

Abb. 4: Cranach d.J., Bildnis des Kurfürsten Moritz von Sachsen. 1578, 121 x 93 cm. Rüstkammer IN 74. SKD © Foto Elke Estel/Peter Klut

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Prof. Dr. Ulrike Krenzlin · Fortsetzung

Martin Luther und die

Nationale Sonder

Abb. 6: Lucas Cranach d.Ä. (Werkstatt), Martin Luther. 1532. Öl/Buchenholz. 18,6 cm x 15 cm. Dresden. Gemäldegalerie Alte Meister INr. 1918 © SKD Foto: Hans Peter Klut

Anlass zur Reformation Zum Allerheiligenfesttag, am 31. Oktober, werden jährlich die Reliquien der Heiligen vorgeführt, auch in Wittenberg. Kurfürst Friedrich der Weise hatte davon eine Sammlung von 2.000 Exemplaren. Die Berührung von Reliquien verspricht Heilung. Der Ansturm ist daher groß. So wurde dieser Tag zum Verkauf des päpstlichen Ablassbriefes genutzt. Am Tag der „Weisung“ heftete Luther seine 95 Thesen als Protestschrift an die Schlosskirche in Wittenberg. Er veröffentlichte sie in Latein und auch in sächsich-oberdeutsch. Die Thesen werden gedruckt und von Luther versendet an den Erzbischof Kardinal Albrecht von Brandenburg. Dieser leitet die Provokation unmittelbar nach Rom weiter. Die Welt geriet in Unruhe. Doch welchen Anlass gab es dafür? Wenn die Wirkkraft der Thesen die Reformation auslöste?

Abb. 7: Augsburger Religionsfriede 25.September 1555, Pergamentlibell, 8 Siegel an Seidenschnüren, 56 x 35 cm. © Österreichisches Hausarchiv, Hof- und Staatsarchiv Wien. Foto: Fotostudio Otto

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Auch die deutschen Länder werden wie von einem Sturmgewitter von Luthers Bekenntnis erfasst. Papst Leo X. war zwei Jahre zuvor wie ein genialer Geschäftsmann vorgegangen. Er brauchte Geld. Deswegen verabschiedete er 1515 den Petersablass. Dieser gestattet den Verkauf von Ablassbriefen an gläubige Käufer, die sich von ihren Sünden rasch und ohne Bußfertigkeit, nur mit einer Geldsumme, loskaufen konnten. Der Papst hatte dazu eine Stellungnahme in die christliche Welt vorausgeschickt und sich darin als den einzigen Stellvertreter Christi auf Erden bekannt, der von Christus das Recht erhalten habe, allen Christen die Gnade der Sündenerlösung zu ge-


Fürsten

ausstellung zum Lutherjahr 2017 in Torgau sorgte der Ablassprediger Johann Tetzel. Briefe wurden massenhaft gekauft, die Menschen fanden es befreiend, so rasch und nachhaltig ihrer Sünden ledig zu sein, d.h. die Verantwortung dafür abzugeben. Luther reagiert entsetzt. Er deutet den Ablass als Gnadenmissbrauch. Sein Argument war, dass keinem Menschen auf Erden von Christus die Gnade zuteil werden kann, von Sünden zu erlösen. Luther nennt den Papst seitdem Antichrist. Er aberkennt ihm damit die Führungsrolle in der christlichen Welt. Die Macht haben daher nur noch weltliche Herrscher. Es kommt zum Bruch mit dem Papst. Umgehend verhängt dieser gegen Luther die Bannbulle. Luther ist mutig. Er verbrennt sie öffentlich. Luther wird 1521 zum Ketzer ver-

dammt. Er wird zum Vortrag im Wormser Reichstag vorgeladen und bald in Leipzig zum Disput mit Dr. Eck bestellt. Die Todesgefahr für Luther war ähnlich hoch, wie vormals für Jan Hus. An dieser Stelle greift der Wettiner Kurfürst Friedrich der Weise ein. Er lässt Luther gefangen nehmen. Als Jünger Jörg kann er ein Jahr auf der Wartburg verbringen. In dieser übersetzte er das Neue Testament in die deutsche Sprache. Das war die Ausgangssituation für den Welterfolg der Reformation, die in fast allen europäischen Ländern Nachfolge fand. Der Religionsfrieden (Abb. 7) sollte im HRR durch Verhandlungen der protestantischen und katholischen Parteien wieder hergestellt werden. Dieses Ziel konnte nicht erreicht werden. Aber festgelegt worden ist, dass beide Konfessionen rechtlich nebeneinander bestehen bleiben. Spätere Verhandlungen sollten zur weiteren Klärung führen. www.luther2015.de

SACHSEN-ANHALT

SACHSEN

THÜRINGEN

Lucas Cranach der Jüngere – Entdeckung eines Meisters Weltpremiere. Landesausstellung Sachsen-Anhalt. Augusteum Lutherstadt Wittenberg, Dessau und Wörlitz, bis 1.11.2015. Ausstellungskatalog, Hg. R. Enke. K. Schneider, J. Strehle. Hirmer-Verlag. München 2015 € 39,90 ISBN: 978-3-7774-2349-4

Luther und die Fürsten – Selbstdarstellung und Selbstverständnis des Herrschers im Zeitalter der Reformation 1. Nationale Sonderausstellung zum 500. Reformationsjubiläum. Torgau, Schloss Hartenfels bis 31.10.2015, Hg. Staatliche Kunstsammlungen Dresden. Katalog und Aufsatzband im Schuber. Bis 31.10.2015, Sandstein-Verlag

Bild und Botschaft. Cranach im Dienst von Hof und Reformation Stiftung Schloss Friedenstein Gotha und Kassel. Gemäldegalerie bis 29.11.2015 Ausstellungskatalog Heidelberg, © Morio Verlag 2015, ISBN 978-3-945424-09-4

Cranachs Kirche Sax-Verlag, Beucha, Markkleeberg 2015, € 20,– ISBN: 978-3-7319-0227-0

ISBN: 978-39554978158-8

Cranach in Weimar Schiller-Museum – Weimar. Klassik-Stiftung Weimar, Hg. Wolfgang Holler u. Karin Kolb, Dresden, Sandstein-Verlag 2015, ISBN 978-3-95498-5 Cranach, Luther und die Bildnisse Ausstellung auf der Wartburg. Hg. G. Schuchardt, Regensburg, Schnell & Steiner 2015, ISBN 978-3-7954 -2997-5

Abb. 8: Siegelring Martin Luthers. Karneolgemme in Goldfassung, 2,8 x 2,8 cm, Gew. 12,12 g. Grünes Gewölbe IN VIII 97 © SKD Dresden. 1530 schenkte Kurfürst Friedrich Johann I. Luther diesen Siegelring. In die Gemme ist das Kreuz mit Herz eingeschnitten, das Luther als sein Wappen führte.

Ausstellungen & Literatur

währen. Nun wurden Vertreiber des Briefes gesucht. Im HRR bot sich eine Möglichkeit. Kardinal Albrecht von Brandenburg war rasch Erzbischof von Magdeburg geworden, dazu kam das Angebot zur Administration von Halberstadt und die Würde als Erzbischof von Mainz. Diese Anträge mussten den päpstlichen Dispens erhalten, weil Ämterhäufung strafbar war. Um einer Strafe zu entgehen wird dem Erzkämmerer des Reichs, Albrecht von Brandenburg, vorgeschlagen, sich für den Ämterkauf bei den Fuggern zu verschulden. Den Erlös verkaufter Ablassbriefe aus den Diözesen seiner Bistümer jeweils hälftig an den Papst und zur Schuldentilgung an die Fugger zu zahlen. Die Buchhaltung dazu be-


Schmuckwelten Pforzheim

Jubiläumswettbewerb mit 500 Preisen im Gesamtwert von 50.000 Euro

Anlässlich ihres zehnjährigen Jubiläums haben sich die SCHMUCKWELTEN etwas Besonderes ausgedacht. Jeder Käufer erhielt im Jubiläumsmonat Juni eine Gewinnkarte und konnte damit an dem Gewinnspiel teilnehmen. 2. Preis: Herrenarmbanduhr von Chronoswiss, Wert 6.850,– Euro. 4. Preis: Feingoldbarren im Wert von 2.000,– Euro.

1. Preis: Schmuckset aus Weißgold 750/- aus dem Atelier von Juwelier Leicht, Wert 10.000,– Euro.

5. Preis: Herrenarmbanduhr von Fréderique Constant, Wert 1.800,– Euro.

Außerdem konnte er die Schmuckwelten kostenlos besuchen. „Wir möchten mit unseren Stammkunden feiern und sie für ihre Treue belohnen,“ begründete der Geschäftsführer Michael Buck die Aktion. Auch wurde das Gewinnspiel genutzt, um überregional neue Kunden zu gewinnen. Die in den Schmuckwelten vertretenen Schmuck- und Uhrenmarken unterstützten die Aktion.

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Foto: v.l.n.r. Oswald Meisenbacher, Deutsche Schmuck und Uhren; Michael Buck, SCHMUCKWELTEN; Georg Leicht, Juwelier Leicht; Silke Leicht, Juwelier Leicht; Ulrich Haag, Kartenbüro; Max Müssle, Wein.Bar

3. Preis: Kreolen aus dem Pforzheimer Traditionsunternehmen SilhouetteSchmuck, Wert 2.500,– Euro.


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Ausstellung im Schmuckmuseum Pforzheim bis zum 1. November 2015

„Stadtluft“

Schmuck

Das urbane Leben bringt zeittypischen Schmuck hervor. Mode, Zeitgeist und Lebensgefühl spiegeln sich darin. Beleuchtet werden gleichermaßen Zentren vergangener Epochen wie heutige Megastädte: Angefangen bei den Stadtstaaten der Antike als Konzentrationspunkte menschlicher Zivilisation im Mittelmeerraum wie Athen, Troja, Pompeji oder Byzanz, über die Handelsstädte des Frühkapitalismus der Neuzeit, die mit dem Fernhandel Unternehmerdynastien und das Bankenwesen hervorbringen – etwa die Medici in Florenz oder Welser und Fugger in Augsburg – bis zum Paris oder Hamburg der 1920er Jahre und den heutigen Metropolen in Asien und Lateinamerika. Die Ausstellung ist Teil des Kulturfestivals WerkSTADT der Stadt Pforzheim.

Armband: Eisen, Berlin, frühes 19. Jh., © Schmuckmuseum Pforzheim Foto Petra Jaschke

Brosche: Gold, Bergkristall, Turmalin, Perlen; Jean Fouquet, Paris, um 1931. Schmuckmuseum Pforzheim © VG Bild-Kunst, Bonn 2015. Foto Günther Meyer

Brosche: Silber, Gold, Koralle, Lapislazuli, Mondstein; Entwurf Josef Hoffmann, 1905; Ausführung Wiener Werkstätte |, Karl Ponocny, 1905; Courtesy Galerie bei der Albertina – Zetter, Wien © Wien Museum

Zwei Clip-Broschen: Gold, Topase; Cartier, London, ca. 1935/40. © Schmuckmuseum Pforzheim Foto Rüdiger Flöter

Brosche: Gold, Aluminium, Lapislazuli; Lucien Falize, Frankreich, 1858. © Schmuckmuseum Pforzheim Foto Petra Jaschke

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Gürtelschnalle: Gold, Jade, Karneol; Entwurf Lucien Hirtz, Boucheron, Paris, um 1901, Leihgabe aus einer Privatsammlung.

Opernglas: Gold, Email, Diamanten, Achate; Lucien Falize, Paris, um 1880. Leihgabe von Wartski, London.

Brosche: Silber, Malachit; Entwurf Josef Hoffmann, 1912; Ausführung Wiener Werkstätte 1912/13. Sammlung Asenbaum © Asenbaum Photo Archiv


Ohrclip: Glas, Metall; Dior, Henkel & Grosse, Pforzheim, um 1968 – 1970; Schenkung aus Privatsammlung, © Schmuckmuseum Pforzheim Foto Petra Jaschke

BEGLEITPROGRAMM Sonntag, 23. August, 20. September, 25. Oktober und 1. November, jeweils 15 Uhr Führung durch die Ausstellung Sonntag, 13. September, Tag des offenen Denkmals Eintritt frei, auch in die Ausstellung »Stadtluft«

Bildnisanhänger, Philip von Bourbon: Silber, Miniatur auf Kupfer, Diamanten; Französisch, um 1700. © Schmuckmuseum Pforzheim Foto Günther Meyer

Führungen mit Chris Gerbing: • 11:30 Uhr, Stadtmuseum Pforzheim, Kuratoren-Führung „Sie bauten eine neue Stadt“ Architekturführungen • 14 Uhr, Technisches Museum der Schmuck- und Uhrenindustrie, Steinerner Zeuge der Industriegeschichte

Ohrgehänge: Gold; Anatolien, um 2400 – 2200 v. Chr. © Schmuckmuseum Pforzheim Foto Günther Meyer

• 15:15 Uhr, im Schmuckmuseum Pforzheim, Gläserne Offenheit — das Reuchlinhaus, eine Einladung an die ganze Bevölkerung Sonntag, 2. August und 11. Oktober, 15 Uhr, Literarische Sonntagsführung Der Autor S.F. Ahrens liest in der Ausstellung aus seinem Gedichtband »Mutterstadt«. Mittwoch, 22. Juli, 19 Uhr Jules Wièse und sein Atelier — Goldschmiedekunst des 19. Jahrhunderts in Paris Vortrag von Dr. Silke Hellmuth, Kunsthistorikerin, Berlin

Brosche: Gold, Platin, Diamanten, Rubine, Amethyste, Email; Entwurf Jean Schlumberger, Tiffany, New York, um 1941. Aus dem Besitz von Diana Vreeland, © Tiffany & Co. Archives

Mittwoch, 7. Oktober, 19 Uhr, „Um uns die Luft muss zittern“ Ludwig Rubiner Lyrik des Expressionismus, Vortrag mit Lesung und Musik. Prof. Dr. Hansgeorg Schmidt-Bergmann, Leiter des Museums für Literatur am Oberrhein, und Schauspielerin Heidrun Schweda, musikalisch begleitet von Kontrabassist Klaus Dusek. Anschließend Kurzführung durch die Schau.

Sonntag, 11. Oktober, 19 Uhr, Im Licht der Antike — Klassisches aus den Musikmetropolen Wien, Mailand und Salzburg Konzert des Südwestdeutschen Kammerorchesters Pforzheim im CongressCentrum. Werke von Mozart und Beethoven. Solistin: Arabella Steinbacher, Violine. Leitung: Timo Handschuh. Infos und Tickets unter www.swdko-pforzheim.de Donnerstag, 22. Oktober, Paris — die Stadt… Tagesausflug mit Kunsthistorikerin Regina M. Fischer. Fahrt mit dem TGV nach Paris, ab Pforzheim 6:22 Uhr. Anmeldung bis 30. Juli unter 0 72 31/2 12 77, 01 71/2 68 25 43 oder: artandculture@t-online.de 6. bis 11. Oktober 2015, Istanbul — Weltmetropole am Bosporus, Städtereise mit Heideker-Studienreisen Reiseleitung: Markus Golser M.A., Kunsthistoriker. Anmeldung unter 0 73 81/93 95-0, info@heideker.de, www.heideker.de 8. bis 15. November 2015, Rom — Städtereise mit HeidekerStudienreisen Reiseleitung: Prof. Dr. Josef Nolte, Kunsthistoriker. Anmeldung unter 0 73 81/93 95-0, info@heideker.de, www.heideker.de AUSSTELLUNGEN IM RAHMEN DES KULTURFESTIVALS Noch bis 14. Februar 2016, „Sie bauten eine neue Stadt“ Der Neuaufbau Pforzheims nach 1945. Ausstellung im Stadtmuseum Pforzheim. Noch bis 11. Oktober 2015, Projekt- und Semesterarbeiten des Studiengangs SodA der Hochschule Pforzheim und des Berufskollegs für Design, Schmuck und Gerät der Goldschmiedeschule mit Uhrmacherschule. Im Schmuckmuseum Pforzheim.

www.schmuckmuseum-pforzheim.de

aus Zentren der Welt

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Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe:

Sicher in die ZUM URLAUBSCHECK IN DIE WERKSTATT Montagmorgen, Boxenstopp in einem Berliner Kfz-Meisterbetrieb: ServiceBerater Norman Domke schickt den sechs Jahre alten Mégane auf die Hebebühne und den Besitzer gleich mit darunter. Gemeinsam werden Achsen, Stoßdämpfer, Bremsen, Abgasanlage, Lenkung und Reifen beäugt. Das Cabrio soll den Kunden in einer Woche schließlich pannenfrei in die Ferien nach Kroatien bringen. Immer auf Touren, immer am Limit, voll beladen und bei extremer Hitze – das ist Schwerstarbeit. Wie in Berlin laden die über 38.000 Kfz-Meisterbetriebe bundesweit zum Urlaubscheck. Die Mitarbeiter prüfen alle sicherheitsrelevanten Teile sowie die Flüssigkeitsstände von Öl, Kühlmittel und Wischwasser, ebenso Beleuchtung, Klimaanlage und Wischerblätter. Wenn nötig wird repariert, fehlende Mengen werden aufgefüllt und verschlissene Teile ausgetauscht. Selbst die nötigen und vorgeschriebenen Accessoires wie Verbandkasten, Warndreieck und -westen müssen dem kritischen Blick der Profis standhalten: Ist alles an Bord, das Verbandmaterial vollständig und aktuell? Nun noch den Luftdruck um 0,3 Bar erhöhen und die Scheinwerferhöhe entsprechend der geplanten Ladung korrigieren – das Auto ist urlaubsfit. Den Urlaubscheck bieten viele Autohäuser und Werkstätten des Kfz-Gewerbes an. Fällt der Termin mit der planmäßigen Inspektion oder der fälligen Hauptuntersuchung zusammen reduziert sich der Aufwand. Für ältere Fahrzeuge, die nicht mehr regelmäßig gewartet werden, empfiehlt der Service-Mann, den Test mit Aktionen zu koppeln: „Fällige Wechsel von Rädern, Bremsen oder Wischerblättern werden so gleich mit erledigt.“ Das kommt an. Damit sind die Autofahrer während des Urlaubs aber keineswegs entlas-

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sen. Domke: „Der Reifendruck sollte unterwegs regelmäßig gemessen und alle Flüssigkeitsstände kontrolliert werden. Hilfreich an Bord sind Wasser für die Scheibenwaschanlage, Wagenheber, Abschleppseil, Ersatzlampen, Starterkabel und eventuell noch ein Liter Öl.“ Gute Reise!

AM TAG GESEHEN WERDEN – DAS LEUCHTET EIN Die Allee ist dunkel, die Sonne steht tief. Plötzlich taucht beim Überholen ein entgegenkommendes Auto auf. Dumm gelaufen oder nur schlecht beleuchtet? Mit Tagfahrlicht wäre das nicht passiert. „Herannahende Fahrzeuge werden bei Regen oder in dunklen Straßenschluchten mit den Leuchten einfach früher gesehen, Tempo und Entfernung können besser eingeschätzt werden. Das senkt die Unfallgefahr“, sagt Ulrich Köster vom Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe. Nicht umsonst wird das passiv weiß strahlende Signallicht seit 2011 in alle neuen Auto- und Transporter-Modelle eingebaut. Eine Nachrüstpflicht besteht zwar nicht, wird aber von Verkehrsexperten und Unfallforschern empfohlen. Auch, weil es fast überall in Europa heißt: Licht an am Tag. Wer „blind“ über die Grenzen rollt, muss mit teils drastischen Strafen rechnen. So leuchtet Tagfahrlicht Tagfahrleuchten werden an der Fahrzeugfront montiert und strahlen automatisch bei eingeschalteter Zündung. Ihre Aufgabe ist es, bei hellem Tageslicht für Aufmerksamkeit zu sorgen. Treten die Hauptscheinwerfer mit Abblend- oder Fernlicht in Aktion, erlöscht das Tagfahrlicht oder wird gedimmt. Die Leuchten ziehen wesentlich weniger Strom als Abblendlicht und verbrauchen somit kaum zusätzlichen Sprit.

Das gilt bei den Nachbarn Europa hat viele Baustellen – bei der Lichtpflicht am Tag sind sich die Länder aber weitgehend einig: Es muss strahlen. Über 20 Länder schreiben es mittlerweile fast immer und überall vor. Italien, Rumänien, Russland und Ungarn beschränken die Regel auf Autobahnen und außerorts, Kroatien und Moldawien auf die Wintermonate. Mit 265 € beziehungsweise 135 € Strafe reagieren Norwegen und Dänemark nicht gerade zimperlich, wenn sie Lichtmuffel erwischen. In Tschechien und der Slowakei werden dafür immerhin noch 60 € fällig. Beträge, die die Urlaubskasse schmälern. Allein Frankreich und Deutschland empfehlen das Licht, eine Geldbuße gibt es nicht. Vorsichtshalber sollten Urlauber in Europa immer mit Abblendlicht rollen. Fast jedes Fahrzeug nachrüstbar Mit Universal- und fahrzeugspezifischen Nachrüstsets hat sich die Autozubehörindustrie längst auf den Bedarf eingestellt. Tagfahrleuchten – verwendet werden Glühlampen oder LED-Technologie – werden entweder in die Scheinwerfer integriert oder als Zusatzleuchten im Stoßfänger eingebaut. Die Montage gehört in Werkstatthand. Die Profis kennen das erforderliche E-Prüfzeichen, den Zusatz „RL“ (Running Light) und die Einbautücken. Spätestens bei der nächsten Hauptuntersuchung kommen falsch eingebaute oder nicht geprüfte Tagfahrleuchten ans Licht. REISEN IN EUROPA – EIN TEURES PFLASTER Obwohl Urlaub im eigenen Land laut einer ADAC-Umfrage auch 2015 ganz oben auf der Reiseliste der Deutschen steht, planen viele die Ferien bei den Nachbarn. Jeweils rund 13 Prozent steuern Italien und Spanien an. Es folgen die Türkei, Österreich,


Urlaubs-Saison 2015! Osteuropa und Frankreich. Das Auto bleibt dabei weiterhin ein beliebtes Verkehrsmittel. Die Vorfreude ist groß, das Nachspiel leider oft ebenfalls. Denn wer kümmert sich bei all dem Planen und Packen für die Reise zu den Nachbarn schon um Verkehrsregeln und deren Folgen bei Verstößen? Dabei sind sie oft höher als in Deutschland und innerhalb der EU jetzt auch hierzulande vollstreckbar. Höchste Zeit für das Studieren der Regeln und Bußen. Andere Länder, hohe Strafen Mit dem Handy am Steuer erwischt zu werden, kostet in Deutschland vergleichsweise günstige 60 €. Die Italiener verlangen dafür saftige 160 € und mehr, die Spanier ab 200 €. Die höchsten Gebühren für Raserei kassiert Norwegen mit mindestens 420 € und Italien ab 170 €. Dagegen rufen die deutschen Ordnungshüter maximal humane 35 € auf, wenn die Tachonadel 20 km/h über dem erlaubten Limit liegt. Mit dem Parken halten es die Spanier mit einer Geldbuße bis zu 200 € besonders streng. Fahren mit Alkohol am Steuer ahndet Großbritannien mit bis zu 7.000 €, Malta fordert mindestens 1.200 €. Und wer es bis jetzt noch nicht weiß: In den Nachbarländern gilt die Lichtpflicht am Tag. Die Skandinavier kassieren von Sündern satte Geldbußen von 50 bis 265 €. Automobilklubs und Fremdenverkehrsämter halten Autofahrer über alle Regeln und Strafen auf dem Laufenden. Zur Kasse, bitte! Sind deutsche Autoreisende in die Polizeifalle getappt, geht es ans Zahlen. Wer der Aufforderung nicht gleich vor Ort nachkommt, riskiert die Beschlagnahme des Autos oder bei der Wiedereinreise die Vollstreckung. Länder wie Spanien, Italien oder Frankreich bedanken sich fürs Begleichen der Schuld in einem vorgegebenen Zeitraum mit Rabatten.

Die Zeiten, in denen die Fahrt über die Grenze vor der Geldforderung rettete, sind seit 2010 vorbei. Deutsche Behörden können ausländische Geldsanktionen eintreiben und seit 2013 ihren Kollegen in der EU bei Verstößen wie Tempoüberschreitung, Ampelfahrt bei Rot oder Alkohol am Steuer die Daten der Verkehrssünder übermitteln. Die Geldfalle schnappt allerdings erst ab einer Höhe von 70 Euro inklusive Verfahrenskosten zu und gilt nur, wenn der Bescheid vom Bundesamt für Justiz (BfJ) ausgestellt wurde. Punkte oder Fahrverbote gelten ausschließlich im Tatortland.

haltene Schmiermittel, das den Kompressor geschmeidig hält. Neben der Sichtkontrolle und Reinigung desinfiziert die Werkstatt unter anderem den Verdampfer, tauscht Kältemittel sowie eventuell Innenraumfilter und Filtertrockner aus. Damit die Hitze nach dem Start schnell entweicht, wird die Klimaanlage bei offenen Fenstern kurzzeitig mit vollem Gebläse auf niedrigste Temperatur gestellt. Optimal auf Reisen sind 21 bis 23 Grad Celsius, maximal sechs Grad Celsius unter der Außentemperatur. Zu kühl ist ungesund. Kurz vor Fahrtende die Air Condition ausschalten – so trocknet der Verdampfer und entzieht Pilzen und Bakterien den Nährboden.

IN DER HITZE DES TAGES Es ist heiß, es ist schwül, es ist stickig. Autofahren im Hochsommer kommt einem Saunagang nahe, nur darf sich der Körper während der Schwitzkur nicht entspannen. Hitze macht müde, unkonzentriert und manchmal auch aggressiv. Ein gefährlicher Mix im Straßenverkehr. Tipps für die große Reise an heißen Tagen.

Kühlflüssigkeitsstand prüfen Kühlflüssigkeit kann altern und durch Undichtigkeiten entfleuchen. Um kostspieligen Reparaturen vorzubeugen, sollten deshalb Flüssigkeitsstand und Alter vor der Fahrt kontrolliert und gegebenenfalls nachgefüllt werden – aufgrund der Verbrennungsgefahr nur bei kaltem Motor. Liegt der Kühlmittelstand zwischen Minimum und Maximum, ist alles in Ordnung. Die Werkstatt kennt den Mix und die Wechselintervalle.

Klimaanlage warten und richtig einstellen Air Condition einschalten und gut? Schön wär‘s. Klimaanlagen müssen regelmäßig gecheckt und gewartet werden, weil durch die beweglichen Leitungen und Dichtungen jährlich rund zehn Prozent Kältemittel diffundiert und damit auch das darin ent-

Tour planen In den kühlen Morgen- und Abendstunden reist es sich am besten. Nach maximal drei Stunden Tour brauchen Fahrer und besonders Kinder sowie Haustiere eine Rast.


• Bücher • Bücher • Bücher • Bücher Gisela Lustiger: „Die Schuld der Anderen“ Berlin-Verlag

Ein Jahrhundertsommer über dem ganzen Land, ein Mordfall, dessen Lösung zu viele Fragen offen lässt, und ein hartnäckiger Journalist, der den Zweifel zum Prinzip erhebt. In unnachahmlichem Ton entwirft die Wahlpariserin Gila Lustiger ein Bild der „Grande Nation“, das Land und Leute lebendig werden lässt und einen der empörendsten Wirtschaftsskandale Frankreichs als packenden Ermittlungsfall präsentiert. Die Geschichte einer unfassbaren Verstrickung, atmosphärisch spannend und klug – ein großer Gesellschaftsroman. Die Autorin: Gisela Lustiger wurde 1963 in Frankfurt am Main geboren. Sie studierte Germanistik und Komparatistik an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Seit 1987 lebt sie als freie Autorin in Paris. Ihr erster Roman, „Die Bestandsaufnahme“, erschien 1995, dann 1997 „Aus einer schönen Welt“. Mit „So sind wir“ (2005), einem Familienroman über die Geschichte der europäischen Juden, stand sie auf der Shortlist für den deutschen Buchpreis. Zuletzt erschien ihr Roman „Woran denkst Du jetzt“ (2011).

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Gerald Hüther: „Etwas mehr Hirn, bitte – Eine Einladung zur Wiederentdeckung der Freude am eigenen Denken und der Lust am gemeinsamen Gestalten“ Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht Die Freude am eigenen Denken und die Lust am gemeinsamen Gestalten sind die großen Themen dieses Buches. Der Biologe Gerald Hüther macht deutlich: Jedes lebende System kann das in ihm angelegte Potential am besten in einem koevolu-

tiven Prozess mit deren Lebensformen zur Entfaltung bringen. Oder einfacher: gemeinsam kommen wir weiter als allein und finden zurück zu dem Lebendigen, das uns ausmacht: zu neuer Kreativität, zum Mut zu sich selbst und zu persönlichen Antworten auf die Frage nach dem Sinn des Lebens. Wenn wir erkennen, dass unser Gehirn sein Potenzial in Netzwerken mit anderen entfalten kann, dass wir in all unserer Verschiedenheit zusammengehören, voneinander abhängig und miteinander verbunden sind, dann öffnet sich auch der Weg in eine hoffnungsvolle Zukunft. Denn: Gemeinsam verfügen wir über deutlich mehr Gehirn als allein!

Der Autor: Prof. Dr. rer. nat. Dr. med. habil. Gerald Hüther ist Neurobiologe an der Universität Göttingen. Wissenschaftlich befasst er sich mit dem Einfluss früherer Erfahrungen auf die Hirnentwicklung, mit den Auswirkungen von Angst und Stress und der Bedeutung emotionaler Reaktionen. Dabei geht es ihm um die Schaffungen günstiger Rahmenbedingungen für die Entfaltung der in jedem Menschen angelegten Potentiale. Gezielt verfolgt er dieses Anliegen seit 2014 mit der von ihm gegründeten Akademie für Potentialentfaltung. Seine außergewöhnliche Attraktivität gewinnt Gerald Hüthers hier vorgestelltes Konzept der Potentialentfaltung in individualisierten Gemeinschaften dadurch, dass es nicht nur aus den Erfordernissen unserer Wirtschaftsordnung abgeleitet ist und auch nicht auf ethischen Überlegungen und moralischen Imperativen beruht, sondern dass es der Natur des Menschen entspricht. Dörte Hansen: „Altes Land“ Verlag: Knaus Seit mehr als sechzig Jahren lebt Vera Eckhoff im „Alten Land“, ein Flüchtlingskind aus Ostpreußen, das niemals richtig angekommen ist.


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• Bücher • Bücher • Bücher • Bücher Ihr Leben lang hat sie sich fremd gefühlt im Dorf. Bis eines Tages wieder zwei Flüchtlinge vor der Tür stehen. Veras Nichte Anne mit ihrem kleinen Sohn Leon. Anne ist aus dem nahen Hamburg-Ottensen geflohen, wo ehrgeizige Vollwert-Eltern ihre Kinder wie Preispokale durch die Straßen tragen. Und wo ihr Mann eine Andere liebt. Mit scharfem Blick und trockenem Witz erzählt Dörte Hansen von zwei Einzelgängerinnen, die überraschenderweise finden, was sie nie gesucht haben: eine Familie. Die Autorin: Dörte Hansen, geboren 1964 in Husum, lernte der Grundschule, dass es außer Plattdeutsch noch andere Sprachen auf der Welt gibt. Die Begeisterung darüber führte zum Studium etlicher Sprachen wie Gälisch, Finnisch oder Baskisch und hielt noch an bis zur Promotion in Linguistik. Danach wechselte sie zum Journalismus, war einige Jahre Redakteurin beim NDR und arbeitet heute als Autorin für Hörfunk und Print. Sie lebt in der Nähe von Hamburg. „Altes Land“ ist ihr erster Roman. Michael Branik: „Frischer Südwesten – Knackige Köstlichkeiten aus dem Gemüsegarten Baden-Württemberg“ Silberburg-Verlag Die leckersten und originellsten Rezepte aus erntefrischem Gemüse und Salat, empfohlen von Hörerinnen und Hörern von SWR 4 und baden-württembergischen LandFrauen sind in diesem Band versammelt. Hier finden Sie die ganze Vielfalt, die sich aus frischem Gemüse zaubern lässt: Rohkost, Eingelegtes und Saures, Suppen und Eintöpfe, Aufläufe und Quiches, aber auch Smoothies, Säfte und Drinks und natürlich raffinierte Gemüsebeilagen.

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Neben bewährten Gerichten finden sich in diesem Kochbuch auch exotisch angehauchte Gemüserezepte, etwa Fenchelsalat mit Radieschen oder marokkanischer Gemüsetopf. Michael Branik, Radiomoderator und bekannt als Hobbykoch liefert Rezepte mit besonderen Tipps. Auch der baden-württembergische Ministerpräsident und die drei LandFrauen-Präsidentinnen verraten ihre Lieblingsgerichte. Alle Rezepte sind vielfach erprobt und gelingen so mit Sicherheit. Der Autor: Michael Branik gehört zu den bekanntesten Stimmen des Südwestens. Geboren wurde er in in den USA, aufgewachsen ist er in Württemberg. Während des Studiums in Heilbronn sammelte er erste Erfahrungen als DJ und legte in örtlichen Diskotheken Musik auf. Es folgte ein Volontariat beim damaligen Süddeutschen Rundfunk. In den folgenden Jahren sollte er die Radiolandschaft im Südwesten prägen wie kaum ein anderer. Nach Jahren bei SDR3 und einer Vielzahl unvergesslichen Interviews mit Größen der Popmusik, landete Michael Branik bei SWR4, wo sich sein Format „Branik kocht“ großer Beliebtheit erfreut. Rolf Dobelli: „Die Kunst des klaren Denkens – 52 Denkfehler die Sie besser anderen überlassen“ Verlag: Hanser Unser Gehirn ist für ein Leben als Jäger und Sammler optimiert. Heute

leben wir in einer radikal anderen Welt. Das führt zu systematischen Denkfehlern – die verheerend sein können für Ihr Geld, Ihre Karriere, Ihr Glück. Wer weiß, wie leicht man sich irren kann, ist besser gewappnet: Rolf Dobelli nimmt die tückischsten „Denkfallen“ unter die Lupe, in die wir immer wieder tappen. Und so erfahren wir, warum wir unser eigenes Wissen systematisch überschätzen (und andere für dümmer halten, als sie sind), warum etwas nicht deshalb richtiger wird, weil Millionen von Menschen es für richtig halten, warum wir Theorien nachhängen, selbst wenn sie nachweislich falsch sind. Rolf Dobellis Texte sind nicht nur inhaltlich ausgesprochen bereichernd, sie sind ein echtes Lesevergnügen. Der Autor: Rolf Dobelli, geboren 1966, promovierte an der Universität St. Gallen, war CEO verschiedener Tochtergesellschaften der Swissair-Gruppe und gründete zusammen mit Freunden die Firma „getAbstract“, den weltgrößten Anbieter von komprimierter Wirtschaftsliteratur. Er lebte in Hongkong, Australien England und viele Jahre in den USA. Rolf Dobelli ist Gründer und Kurator von ZURICH.MINDS, einer Community von weltweit führenden Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Wirtschaft. Mit fünfunddreißig begann er zu schreiben. Bisher sind sechs Bücher von ihm bei Diogenes erschienen. Rolf Dobelli lebt heute in Luzern.


TREFFPUNKT THALIA 2015

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23. Pforzheimer Büchermarkt

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Beginn: 20:15 Uhr

Ort: Thalia Pforzheim vor der Buchhandlung

Mit Jo Jung & Boogaloo

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Thalia Autorenlesung

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Beginn: 20:15 Uhr

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von A. L. Szalay

Unsere Heutzutage hört und erfährt man so viel über die Wirtschaft, deren Zielsetzung und von Persönlichkeiten aus verschiedenen Gesellschaftsbereichen, die fordern, dass Änderungen vorgenommen werden müssen. Demzufolge scheint es empfehlenswert, nachzudenken. Handeln wir heute richtig oder falsch? „Wenn kein Umdenken stattfindet, verwandelt sich die Erde in eine unermessliche Mülldeponie und schlittert in eine Katastrophe“ (Papst Franziskus). Er sieht vor allem die reichen Länder des Nordens in einer ökologischen Schuld. Er beklagt die „wachsende Ungleichheit“ und fordert ein Wirtschaftsmodul, das der „Allgemeinheit und nicht dem Kapital“ dient. Zahlreiche Wissenschaftler, wie z. B. Joseph Stiglitz, Nobelpreisträger, Berater von Clinton und Chefvolkswirt von der Weltbank, rufen uns zu, „die Erde zu bewahren, wir sitzen auf der Erde fest“. Generell vertrete ich die Meinung, dass das Kapital dahin geleitet werden sollte, wo die Menschen sind, und nicht umgekehrt. Es wäre schon was, wenn wir das nachfolgende Grundgesetz ernst nehmen und danach handeln würden: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland Sozialpflichtigkeitsgrundsatz im Bereich der Wirtschaftsethik: „Eigentum in Form von Unternehmen steht im Rahmen dieses Konzeptes in einer gesellschaftlichen Verantwortung. Die Wahrnehmung dieser Verantwortung soll neben der Gewinnerzielungsabsicht und der Rechtsnormenkonformität einen entscheidenden Maßstab für die Führung und Ausrichtung des Unternehmens bilden“ (Sozialpflicht des Eigentums). Wenn wir mit diesem Unternehmensvermögen – in Anbetracht der Aus-

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sagen der vorherigen Zitate – umgehen wollen, dann müssen wir uns schon bemühen, unsere Entscheidungsgewalt unter von Engeln vorgesungene Regeln zu stellen. Wie Jahr 1800 1850 1900 1950 1999 Oktober 29.06.2015

Bevölkerung 906.000.000 1.171.000.000 1.608.000.000 2.454.000.000 7.000.000.000 7.256.587.585

weit wollen wir und/oder müssen wir eine Wirtschaftsordnung, die als gefährlich für unseren Lebensraum bezeichnet wird, unterstützen? Was ist eigentlich anders geworden? In meiner Kinderzeit spielten wir auf der Straße, von der Mühle Richtung Sárvár, bis zu der kleinen Kapelle: kein Auto, kein Motorrad, nicht einmal ein Fahrrad! Und heute – links wie rechts – ist die Straße voll mit Personen- und Lastwagen, unmöglich diese zu überholen. Kann es sein, dass wir es hier mit einer Fehlentwicklung zu tun haben? Und wenn diese Annahme stimmt, wie ist die Folgewirkung? Ist diese zu erfassen? Und wenn negativ, ist es dann richtig, dass wir eine Ordnung „pflichtbewusst“ bedienen, die unseren „Lebensraum“ bedroht? Ich denke oft an die Zeit bei meiner Großmutter, als ich etwa 8 – 9 Jahre alt war, um 1940 – 41 herum. Sie bewirtschaftete mit zweien ihrer Söhne und zwei Landarbeitern einen mittleren Bauernhof. Die Bedürfnisse be-

standen etwa zu 85 % aus den Grundbedürfnissen: Wohnunterkunft, Brunnenwasser, Brot, Milchprodukte, Mehlspeisen, Obst, Fleisch einmal in der Woche, Wäsche, ein Sonntagsanzug und sonst Arbeitskleidung. Dieser Bedürfnisstand, bestehend weitgehend aus Produkten der Natur, dürfte über Jahrhunderte hinweg fast unverändert gewesen sein. Wenn ich den heutigen Bedürfniskorb mit dem damaligen vergleiche, so ist eine kaum fassbare Steigerung festzustellen. Hinzu kommt eine dynamisierte Zunahme der Weltbevölkerung (siehe Tabelle): Zuwachs

Zuwachs/Jahr

265.000.000 437.000.000 846.000.000 4.546.000.000 256.587.585

5.300.000 8.740.000 16.920.000 92.775.510 17.105.839

Und jetzt bin ich dort, wo ich landen wollte, und zwar bei der „Knappheit der Güter.“ Und wenn etwas knapp ist, kann es auch (zeitlich fast nicht ermittelbar) irgendwann zu Ende gehen. Dieser Satz dürfte auf alle oder viele der meistgebrauchten Güter zutreffen. Während meiner Studienzeit an der Marburger Universität behandelten wir noch die Luft und das Wasser als Güter, die nicht zu den knappen gehörten. Nun sind die Zeiten auch bei diesen Gütern längst vorbei. Luftverschmutzung, Erwärmung der Erde, Vergiftung der Flüsse, fehlendes Regen- und Trinkwasser sind bereits die Probleme von heute. Was nun? Die gesündeste Begegnung der Knappheit der Güter ist das Ernstnehmen dieser. Wenn ich irgendwelche Vorschläge hierzu machen würde, würde ich dies als überheblich bezeichnen. Doch hierzu einige Gedanken: Machen wir die Güter teuer, dann werden die Reichen sie kaufen können und die Armen nicht.


Wirtschaft Während man in Ungarn über den „Wirtschaftsmechanismus“, etwa in der Zeit um 1965 herum (in Folgewirkung des Sowjetrussen Liebermanns), nachdachte, wie es möglich wäre, die Zentralverwaltungswirtschaft mit Einflechten von marktwirtschaftlichen Elementen mit mehr Funktionsfähigkeit zu versehen, kam ein Budapester Professor nach Marburg/Lahn, um Vorträge zu halten. Er brachte zum Ausdruck, dass man das „Volksvermögen“ oder „Staatsvermögen“ in Aktien verwandeln und diese auf Personen und oder Familien aufteilen sollte. Ich, der den Professor sympathisch fand und mich mit ihm mehrmals traf, fragte ihn, ob er die Aktien fest an die neuen „Eigentümer“ binden würde oder ob die Aktien verkäuflich sein sollten. Wenn man sie nämlich fest an die Eigentümer bindet, dann funktioniert das System nicht und wenn die Aktien verkäuflich sind, dann könnte man die Verteilung in fünf Jahren neu beginnen. Na ja, so ist es, es ist schon schwierig, einen Weg zu finden. „Dreiviertel der jungen (ungarischen) Menschen glauben an die Möglichkeit eines neuen Systemwandels mit der Wiederverstaatlichung der wichtigen Betriebe und der Abrechnung mit den schuldigen Politikern, die dem Land Schaden zugefügt hätten“ (Paul Lendvai). Zur Verstaatlichung: An der Kis-Rába (Fluss bei unserer Mühle) waren bis zur Verstaatlichung neun Mühlen. Nach der Verstaatlichung wurden alle heruntergewirtschaftet. Obwohl Francis Fukuyama, Japan-Amerikaner, nach dem Zusammenbruch der Diktatwirtschaften vollmundig in einem dicken Buch „Das Ende der Geschichte“ erklärt hatte, dass wir endgültig erreicht hätten, was wir seit Plato suchten. Thalatta, Thalatta! Wir haben es erreicht: das Gleichgewicht zwischen der Funktionsfähigkeit der Wirtschaft und der sozialen Gerechtigkeit. Kaum vorstellbar: Nicht

mal 70 Jahre und eine große Gruppe sieht die Lösung in Korrekturen der Wirtschaftsordnung durch Verstaatlichung von bedeutenden Betrieben, als ob die politische Klasse inzwischen die Fähigkeit von Gottes Gnaden erhalten hätte, die momentan im Einsatz befindlichen Wirtschaftsführer ersetzen zu können. Mit großer Wahrscheinlichkeit kann man annehmen, dass die Lösung mit der Verstaatlichung, wenn es um die Funktionsfähigkeit der Wirtschaft geht, vergessen werden kann. Sollte es um die Neuverteilung des Vermögens gehen, dann dürften die Verstaatlichungen eine Chance haben und zwar mit Wiederholungscharakter. Nicht zu vergessen, dass 1 % der Weltbewohner etwa 47 % des Wohlstandes ihr Eigen nennen dürfen. Es ist anzunehmen, dass die Wissenschaftler, nachdem sie die Gefahren aufgezeichnet haben, sich wohl bemühen, bei der Erstellung von Rahmenbedingungen richtungsweisend mitzuwirken. Ob diese Rahmenbedingungen friedliche Lösungen ermöglichen oder wir uns für die knappen Güter gegenseitig umbringen werden, ist abzuwarten und es ist zu hoffen, dass die Vernunft, die knapper ist als die Güter, siegt. Uns, als Firma, ermöglicht es uns nicht, die Bedürfnisse, aus denen sich der Bedarf ergeben kann, zu bestimmen, höchstens bedeutungslos zu beeinflussen. Hier geht es mehr um unser Gewissen. Seltene Aufforderung beim Wirtschaften. Sollen wir Unternehmer auch nachdenken und unsere Wertstellungen neu gestalten und dementsprechend unsere Verhaltensregeln korrigieren? Eigentlich heißt es, dass wir freie Bürger sind. Wir haben auch Handlungsfreiraum, in dessen Rahmen wir einiges Vernünftige tun könnten. Ich wiederhole: Nicht nachzudenken wäre „mehr als eine Sünde, es wäre ein Fehler“!

Die Zitate helfen uns, unsere Unternehmensstrategie neu oder ergänzend zu formulieren. Wie wollen wir sozial verantwortlich und wirtschaftlich erfolgreich sein? Wie können wir unsere Verhaltensrichtlinien so formulieren, dass diese gewährleisten, dass wir in unserer existenten Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung zufriedenstellend nach unserer Wertstellung handeln? Was bedeutet für uns „zufriedenstellend“? Hierfür müssen wir uns damit auseinandersetzen, ob sich unser Wirtschaften in einer sozialen Marktwirtschaft oder längst in einem „ungebremsten Kapitalismus“ bewegt. Wir müssen schon nachdenken, wie es mit unserer Ordnung ist, jetzt in der Zeit unseres Handels! Wie weit können/dürfen wir uns mit dieser identifizieren? Beziehungsweise welche Möglichkeiten haben wir, unsere Verhaltensregeln nach unserer Wertstellung auszurichten? Wir müssen schon analysieren, wie die Gelder, über die wir Entscheidungen zu treffen haben, zu ordnen sind. Vorerst, welche für die Deckung unserer eigenen Bedürfnisse, inbegriffen unserer sozialen Sicherheit, platziert sind und dann, welche uns als Unternehmensgeld für das Wirtschaften und die soziale Verpflichtung zur Verfügung stehen. Sicherlich wäre es möglich, neben Militär- und Rüstungserzeugnissen, gegen die umweltschädigenden Produkte zu sensibilisieren. Unser Tun soll nicht ein grenzenloser „Drang nach materiellem und wirtschaftlichem Wachstum“ sein, der unseren kleinen Globus dazu noch ausraubt. Es ist unbequem, aber wir sind doch aufgefordert nachzudenken! Ob es uns passt oder nicht, etwas ist nicht in Ordnung! Wahrscheinlich müssen wir ungewöhnliche Entscheidungen treffen, neue Wege gehen, neue Theorien entwickeln, bevor es zu spät wird. Die Knappheit der Güter und die Entstehung gewaltiger Bedürfnisse in unmittelbarer Zukunft, fordern uns heraus.

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Der Pforzheimer

Wir stellen vor:

Friedhofsgärtnerei Hilligardt

Christof Hilligardt

Georg Hilligardt

Fotos: © Fabian Pöhm

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Die Friedhofsgärtnerei Hilligardt, in der Wolfsbergallee 53 in Pforzheim, bildet den Abschluss unserer Vorstellungsreihe rund um die Bestattungspartner des Pforzheimer Hauptfriedhofs. 1905 wurde die Gärtnerei Hilligardt vom Großvater des jetzigen Inhabers gegründet. Zur damaligen Zeit musste während des Krieges lt. Gesetz eine Gärtnerei auch einen Gemüseanbau betreiben. Im Jahre 1973 übernahm Heinz Hilligardt, der Enkel des Firmengründers, die Friedhofsgärtnerei von seinem Vater. 1991 übernahm Christof Hilligardt den elterlichen Betrieb. Und er erzählt: „Im Laufe der Zeit ist zwar das Gemüse aus der Gesetzmäßigkeit des Anbaus gestrichen, dafür hat sich jedoch die Palette der Pflanzungen auf eine wundersame Weise vervielfältigt und eröffnet der fantasievollen Ausstattung von Ruhestätten und Friedhofsanlagen ganz neue

Möglichkeiten. Da hatte man ein Blumenbeet rund oder eckig angelegt, und viele Gräber hatten keine Dauerbepflanzung.

Dann beginnt die Zeit des Aufbruchs. Man hat sich weitergebildet, sich an neuen Formen, Farben, Pflanzen orientiert. Die Bundesgartenschau zeigt interessante Anregungen. Es beginnt das Spiel der Formenvielfalt. Es ist eine breite Palette an Pflanzen, die jetzt dargeboten werden. So hat man heute im Laufe der Zeit ganz andere Möglichkeiten. Ich habe da erfolgreich teilgenommen, auch mit meinen Kollegen vom Pforzheimer Hauptfriedhof, und unsere neuen Entwürfe werden von Gärtnereien in ganz Deutschland übernommen. GenDia: „Gab es denn bestimmte Schwerpunkte in der Gestaltung, die

für die einzelnen Epochen gültig waren?“ C. H.: „Begonien, Stiefmütterchen und die Erika sind auch heute noch die Hauptpflanzen, die eingesetzt werden, aber das vielfältige Beiwerk, das im Laufe der Jahre dazugekommen ist, gibt der Grabbepflanzung viele neue Variationen und Formulierungen und ermöglicht ein breit gefächertes Darstellungsspiel. Dies gilt auch für die Dekorationsmöglichkeiten im Rahmen der Bestattungen ebenso wie bei der Ausschmückung von Hochzeiten. Früher waren es hauptsächlich Rosen, Nelken und Lilien, aber heute ist das dekorative Zusammenspiel vielfältiger und individueller.“ Und er berichtet weiter: „Auch bei uns in Pforzheim sterben Mitglieder ausländischer Familien, denen wir die Möglichkeit geben wollen, die Gräber ihrer Angehörigen in ihrer Nähe zu behalten. In vielen Gesprächen mit den Menschen über die unterschiedlichen Dekor- und Durchführungsmöglichkeiten und auch den Behörden, die uns da sehr hilfreich waren, haben wir Lösungen gefunden, die durch eine tröstliche Begegnung am Grab die Fremde zur Heimat werden lässt.“


< Hauptfriedhof IHRE BESTATTUNGSPARTNER IN DER REGION  BLUMEN-VOLLMER Sommerweg 21 75177 Pforzheim Tel. 0 72 31/31 47 68  BLUMEN-SCHÄFER Hohenzollernstr. 41 Tel. 0 72 31/31 64 54 und Hachelallee 3 Tel. 0 72 31/31 34 55 75177 Pforzheim  FRIEDHOFSGÄRTNEREI HILLIGARDT Wolfsbergallee 53 75177 Pforzheim Tel. 0 72 31/10 69 18  H. + W. ALBERT STEINBILDHAUERMEISTER Höhenstraße 58 – 60 75179 Pforzheim Tel. 0 72 31/44 16 64

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Gemeinschaftliches Wohnen

der Generationen

Ein neues Thema um neue Lebensformen? Wir meinen, dass es so alt ist wie die Menschheit. Nur die Selbstverständlichkeit einer Wohnnähe und eines Miteinanders von Jung und Alt ist uns in einer Zeit mit zunehmendem Kommunikationsfrust und dem falsch interpretierten Bedürfnis nach „Selbstverwirklichung“ verloren gegangen. Zum Thema: Wohnprojekte für „Gemeinschaftliches Wohnen im Alter“ sind eine Antwort auf die Herausforderung unserer Gesellschaft, in der die Zeitspanne des Altseins immer größer wird und schon sehr bald die finanzielle Kapazität aller Beteiligten übersteigt. Auch andere Altersgruppen suchen nach neuen Wohn-

formen, die Singles, die Alleinerziehenden, Ältere, deren Kinder aus dem Haus sind. Gemeinschaft heißt hier: getrennte Wohnungen, gemeinsame Treffpunkte, gegenseitige Hilfe, das heißt Geben und Nehmen, generationenübergreifend und in einem natürlichen und selbstverständlichen Miteinander.

Wahlverwandtschaft? Vielleicht. 50 % aller Ehen sind geschieden, die Familie, Zelle der Grundlage für die gesunde Entwicklung der menschlichen Gemeinschaft und der nächsten Generation, verliert ihren Stellenwert. Und die Kinder? Man überfüttert sie mit materiellen Ersatz befriedigungen. Die Ärzte und Psycho logen kennen schon heute die Auswirkung dieser seelischen Unterernährung. Es ist an der Zeit, neue Wege zu suchen, und sie durch erforderliche Hilfestellungen zu öffnen. Dazu gehört eine überzeugende Öffentlichkeitsarbeit, die Brücken baut, so dass über den Dialog der Generationen Interesse, Verständnis und Zuneigung entsteht. Und dazu gehört die Möglichkeit der Verwirklichung.


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Götz Alsmann & SWR Big Band

€ 37,00 – 47,50

23.01.2016

Kastelruther Spatzen

€ 44,90 – 61,90

28. – 29.1.16

Max Raabe & Palast Orchester

€ 43,50 – 77,90

31.01.2016

Das Phantom der Oper

€ 38,90 – 78,90

2. – 7.2.16

Ballet Revolucion

€ 24,00 – 54,00

€ 34,54 – 48,97

Musicals Di. bis So.

Tarzan

€ 56,79 – 164,89

€ 22,00 – 48,40 € 24,50 – 30,50 € 34,54 – 48,97 € 28,82 – 50,82 € 51,55 – 75,55 € 22,10 – 26,60 € 19,30 – 32,30 € 42,20 – 78,90 € 35,00 € 35,00 – 40,00 € 30,35 – 36,40

Mi. bis So.

Chicago

€ 49,74 – 158,99

Di. bis So.

Ab Nov.: Rocky – Das Musical

€ 58,90 – 158,69

€ 27,70 € 28,80 € 21,00 € 24,30 € 21,00 € 18,70

Congress Centrum Pforzheim 01.10.2015 Die Amigos 11.10.2015 Im Licht der Antike, Südwestdeutsches Kammerorchester 17.10.2015 Christoph Sonntag, SWR3 Comedy Live 30.10.2015 Fantasy: Live in Concert 08.11.2015 Jay Alexander 27.11.2015 Hans Klok 04.12.2015 Urban Priol – Tilt! Jahresrückblick 2015 14.12.2015 Die Zauberflöte für Jung & Alt 14.01.2016 Ehrlich Brothers, Magic - Träume erleben! 10.02.2016 Martin Rütter 13.02.2016 Sascha Grammel „Ich find’s lustig“ 02.03.2016 SWR3 Comedy Live mit Andreas Müller Kulturhaus Osterfeld Pforzheim 06.10.2015 Klüpfel & Kobr – „Grimmbart“ 08.10.2015 Die CubaBoirischen 10.10.2015 Nacht der Stimmen XI – A Capella 29.10.2015 Andreas Rebers: Rebers muss man mögen 04.12.2015 Robert Kreis 13.12.2015 Vincent Klink + Patrick Bebelaar 16.12.2015 Emil? Noch einmal? Das neue Programm von und mit Emil Steinberger 21.12.15 – Winterträume 09.01.16 Schleyerhalle Stuttgart 18.10.2015 Die große Schlagerparade 23.10.2015 SWR 1 – Hitparade – Das Finale 30.10.2015 Simply Red 05.11.2015 Eros Ramazzotti 28.11.2015 Deep Purple 13.12.2015 PUR 15.12.2015 Night oft the Proms 2015 Liederhalle Stuttgart 05.11.2015 Symphonic Rock 06.11.2015 Howard Carpendale 08.11.2015 Michael Bully Herbigs Karneval der Tiere 30.11.2015 Hans Klok 04.12.2015 Christmas with Sinatra’s Rat - Pack 28.12.2015 Germann Brass 03.01.2016 Dornröschen mit Märchenerzähler 03.01.2016 Schwanensee – Das Russische Nationalballett

Theaterhaus Stuttgart 20.11.2015 Wirtschaftswunder

€ 25,30 – 31,90

22.+23.12.15

Dodokay

€ 31,90

Porsche Arena 7. – 12.9.15

Gymnastik-WM 2015

€ 11,85 – 34,85

10.10.2015

Oldie Night – das Original

€ 47,10 – 80,80

21. – 25.10.15

VAREKAI – Cirque du Soleil

€ 57,88 – 97,25

30.10.2015

Christoph Sonntag

€ 26,40 – 34,40

24.11.2015

Dr.med. Eckart von Hirschhausen

€ 35,15 – 46,15

02.12.2015

Michael Flatleys Lord of the Dance

€ 65,85 – 86,55

03.12.2015

Martin Rütter – nachSitzen

€ 36,00

05.12.2015

Santiano

€ 38,90 – 58,90

Donnie Munro: Sweet Surrender – Live Acoustic, Tollhaus

€ 28,70

Karlsruhe 21.10.2015 13.11.2015

€ 25,50 – 39,00 € 16,20 – 32,00

€ 40,00 – 70,00 € 21,90 € 62,45 – 87,75 € 60,00 – 87,80 € 62,90 – 80,90 € 53,90 – 68,90 € 38,90 – 82,90 € 38,50 – 63,80 € 38,60 – 98,40 € 33,90 – 77,00 € 44,50 – 96,25 € 27,50 – 43,50 € 34,90 – 56,90 € 30,40 – 54,60 € 30,40 – 54,60

Goldenes Herbstfest: Kastelruther Spatzen Stadthalle – Johannes-Brahms-Saal € 51,30 – 62,85

Baden-Baden Festspielhaus 20.02.2016 Anna Netrebko

€ 61,00 – 192,00

03.04.2016

The Bar at Buena Vista

€ 31,50 – 66,00

Mannheim 21.11.2015

Jan Plenka – singt Rio Reiser, Capitol € 27,20 – 30,50

25.11.2015

Sedar Somuncu – H2 Universe Rosengarten

€ 34,45

11.12.2015

Mundstuhl „Mütze-Glatze! Simply the Pest“, Capitol

€ 30,50

12.12.2015

Jürgen von der Lippe, Capitol

€ 27,60

Sonstige (Auswahl) tägl. außer mo. Friedrichsbau Variété Stuttgart

€ 27,00 – 57,00

1. – 3.10.15

2. Pforzheimer Oktoberfest Messplatz Pforzheim

€ 127,35 – 207,35

18.10.2015

SWR3 Live Lyrix 2015 – mit Alexandra Kamp Kurhaus Bad Liebenzell

€ 19,45 – 26,05

08.11.2015

Peter Orloff + Schwarzmeer-KosakenChor, St. Thomas Kirche Pforzheim € 25,80

11.11.2015

Harald Wohlfahrt: PALAZZO Spiegelpalast Cannstatter Wasen

€ 101,25 – 131,25

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Preise incl. Gebühren und ges. Mwst. Angaben ohne Gewähr.

In Ihrem Karten Büro in den SCHMUCKWELTEN Pforzheim erhalten Sie Tickets für alle Stücke aus dem Repertoire des Stadttheaters Pforzheim. Ebenso für alle Veranstaltungen des Kulturhauses Osterfeld, die Abo-Konzerte des Südwestdeutschen Kammerorchesters, des Oratorienchors Pforzheim, für Veranstaltungen des Figurentheaters von Raphael Mürle in Brötzingen, der Volkshochschule Mühlacker, des Tollhauses Karlsruhe und viele, viele mehr!!!


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Generationen im Dialog Ausgabe 2-2015  

Journal für kommunikative Impulse, Kommunikation zwischen jung & alt, Wissenschaft, Kunst, Literatur, Schmuck, Seniorenthemen und -geschicht...

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