Bassenge Kunstauktion 112: Zeichnungen des 16.-19. Jahrhunderts

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BASSENGE

AUKTION 112 ZEICHNUNGEN DES 16. BIS 19. JAHRHUNDERTS

Freitag, 30. November 2018

Galerie Bassenge . Erdener Straße 5a . 14193 Berlin Telefon: 030-893 80 29-0 . E-Mail: art@bassenge.com . www.bassenge.com


I H R E A N S P R E CH PA RT N E R F Ü R D I E S E N KATALO G / E X P E RT S FO R TH I S CATA LO G U E :

Abteilung Gemälde und Zeichnungen des 16. bis 19. Jahrhunderts / Department of 16th – 19th Century Paintings and Drawings Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den gewünschten Losnummern zu erfragen, da Angaben zum Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog notiert sind. Dr. Ruth Baljöhr

+49 (0)30 - 893 80 29 22 r.baljoehr@bassenge.com

David Bassenge

+49 (0)30 - 893 80 29 17 david@bassenge.com

Lea Kellhuber

+49 (0)30 - 893 80 29 20 l.kellhuber@bassenge.com

Nadine Keul

+49 (0)30 - 893 80 29 21 n.keul@bassenge.com

Harald Weinhold

+49 (0)30 - 893 80 29 13 h.weinhold@bassenge.com

Die Galerie Bassenge ist Mitglied bei

Eindeutig identifizierbare Werke mit einem Schätzpreis von mindestens 2500 Euro werden vor der Auktion mit dem Art Loss Register abgeglichen.


T ER M I N Ü BER SICH T

AU KT ION 112

MITTWOCH, 28. November 2018 Vormittag 10.00 Uhr Druckgraphik des 15. bis 17. Jahrhunderts Nr. 5000-5261 Druckgraphik des 18. Jahrhunderts Nr. 5262-5372 Nachmittag 15.00 Uhr Druckgraphik des 19. Jahrhunderts und des Fin de Siècle Nr. 5373-5474 Miscellaneen und Trouvaillen der Druckgraphik Nr. 5475-5699 des 15. bis 18. Jahrhunderts DONNERSTAG, 29. November 2018 Vormittag

11.00 Uhr Gemälde Alter und Neuerer Meister Rahmen

Nr. 6000-6252 Nr. 6253-6278

Nachmittag

16.00 Uhr Portraitminiaturen

Nr. 6801-6930

FREITAG, 30. November 2018 Zeichnungen des 16. bis 19. Jahrhunderts

Nr.

6400-6711

Vormittag

11.00 Uhr

Nachmittag

14.00 Uhr Discoveries (nur als Online-Katalog verfügbar) Nr. 6720-6778

SONNABEND, 1. Dezember 2018 Vormittag 10.00 Uhr Nachmittag 14.30 Uhr 15.00 Uhr ca. 17.00 Uhr

Moderne Kunst Teil II

Nr.

7000-7402

Lovis Corinth: Aus dem Nachlass Allan Frumkin Sammlung Marguerite Schlüter Moderne Kunst Teil I: A – K Sammlung Margarethe Posselt Moderne Kunst Teil I: L – Z

Nr. Nr. Nr. Nr. Nr.

8500-8532 8000-8016 8017-8150 8151-8203 8204-8370

VORBESICHTIGUNGEN Druckgraphik, Gemälde, Zeichnungen des 15. bis 19. Jahrhunderts, Portraitminiaturen: Erdener Straße 5A, 14193 Berlin Donnerstag, 22. November bis Montag, 26. November, 10.00–18.00 Uhr, Dienstag, 27. November, 10.00–17.00 Uhr (nur für auswärtige Besucher) Moderne Kunst Teil I und II: Rankestraße 24, 10789 Berlin Donnerstag, 22. bis Donnerstag, 29. November, 10.00–18.00 Uhr, Freitag, 30. November, 10.00—16.00 Uhr Schutzgebühr für die Kataloge Druckgraphik des 15. bis 19. Jahrhunderts Gemälde Alter und Neuerer Meister Zeichnungen des 15. bis 19. Jahrhunderts Portraitminiaturen Moderne Kunst Teil I Sonderkatalog Lovis Corinth Moderne Kunst Teil II Umschlag außen: Los 6515, Pieter Ernst Hendrik Praetorius, und Los 6650, Deutsch

€ 20,– € 15,– € 15,– € 15,– € 20,– € 10,– € 15,–



Z EICH N U NGEN DE S 16.–18 . JA HR H U N DERT S


Zeichnungen des 16.–18. Jahrhunderts ________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6400

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_______________________________________________________________________________________________________________________________________________ Zeichnungen des 16.–18. Jahrhunderts

Carletto Caliari (1570–1596, Venedig)

6400 Die Himmelfahrt Christi. Feder in Braun, weiß gehöht, auf blauem venezianischen Papier. 30,8 x 21,5 cm. 2.400 € Charakteristische, bildmäßig komponierte Zeichnung Carletto Caliaris, des Sohnes und Schülers von Paolo Veronese.

Italienisch 6401 17. Jh. Der Evangelist Johannes mit Kelch und Adler. Feder in Braun, braun laviert. 15,4 x 12 cm. 750 € Beigegeben drei weitere italienische Zeichnungen des 17. und 18. Jh. in Rötel und schwarzer Kreide: „Ruhender Flussgott“, „Halbportrait einer bekrönten weiblichen Figur“ und „Kopfstudie einer Frau nach rechts“ (mit einer alten Zuschreibung an Piazzetta).

6401

Genuesisch 6402 18. Jh. Der hl. Antonius von Padua. Feder in Braun, alt auf Sammlerkarton aufgezogen. 20,8 x 13 cm. 400 € Provenienz: Hauswedell & Nolte, Hamburg, Auktion 192 am 14. Juni 973, Los 205, mit Abbildung. Seitdem Privatbesitz Norddeutschland. Beigegeben eine Johannes Glauber zugeschriebene Zeichnung „Flusslandschaft mit großem Baum und Personenstaffage“, Pinsel in Grau, 16,5 x 23,6 cm. Wz. „Vryheit“ in bekröntem Kreis. 6402 7


Zeichnungen des 16.–18. Jahrhunderts ________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6403 8


_______________________________________________________________________________________________________________________________________________ Zeichnungen des 16.–18. Jahrhunderts

Bernardino Campi (um 1522 Cremona – 1591 Reggio Emilia)

6403* zugeschrieben. Die neun Chöre der Engel. Feder in Braun über schwarzer Kreide, braun laviert, auf trapezförmig geschnittenem Bütten. 34 x 23,3 cm. Unten links alt bezeichnet „Bernardino Campi“. 2.400 € Provenienz: Unidentifizierter Sammlerstempel unten rechts (nicht bei Lugt). Sammlung Ingeborg Tremmel. Ketterer, München, Auktion am 5. Mai 2003, Los 343.

Nicola Massaro (Landschaftsmaler in Neapel, dort gest. 1706)

6404

6404 Fantastische Landschaft mit einer Grotte und dichtem Wald. Feder in Braun, braun laviert. 18 x 21,8 cm. Unten in schwarzer Feder bezeichnet „Nicola Massaro 0.2.0“. 400 € Provenienz: Aus den Sammlungen Johan Conrad Spengler, Kopenhagen (Lugt 1434, dessen Versteigerung im Oktober 1839, Kopenhagen, Nr. 196) und Benjamin Wolff (Lugt 420). Alt aufgezogen. Beigegeben eine Zeichnung des 18. Jhs. mit einer Ansicht der Umgebung der römischen Kirche Santissima Trinità dei Monti mit der Spanischen Treppe im Hintergrund, ebenfalls aus der Sammlung B. Wolff (Lugt 420).

6405

Francesco Allegrini (1587 Gubbio – 1663 Rom)

6405 zugeschrieben. Ein Priester am Opferaltar. Feder in Braun, aufgezogen. 10,4 x 15 cm. 600 € Beigegeben zwei weitere Federzeichnungen mit Figurenstudien, ein Blatt mit einer alten Zuschreibung an Salvator Rosa, das andere wohl aus dem Umkreis von Jean Baptiste Le Prince.

Venezianisch 6406 16. Jh. Die Schindung des Marsyas. Rötel auf blauem Bütten. 15,6 x 16,1 cm. 600 € 6406 9


Zeichnungen des 16.–18. Jahrhunderts ________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6407

Raffaelino da Reggio (eigtl. Raffaello Motta, 1550 Codemondo bei Reggio – 1578 Rom)

6407 Vier Musen. Feder in Braun, braun laviert. 33,5 x 26,2 cm. Verso in einer Hand wohl des 16. Jh. bez. „M Rafael da Reggio“. Wz. Schild mit Buchstaben M mit Fleur-de-lis. 7.500 € Provenienz: Manteau (Lugt 1851). Die auf vorliegender Zeichnung dargestellten Musen sind angeregt von Taddeo Zuccaros um 1559 ausgeführtem Fresko „Die Musen am Berg Parnass“ im Palazzo del Bufalo in Rom (zerstört, die Fresken sind auf Leinwand übertragen).

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_______________________________________________________________________________________________________________________________________________ Zeichnungen des 16.–18. Jahrhunderts

6408

Italienisch 6408 um 1560. Entwurf für eine Supraporte mit zwei Rückenfiguren. Feder in Braun, weiß gehöht, auf rotbraun grundiertem Papier, verso eine Variante des gleichen Entwurfs. 26,5 x 39,8 cm. 2.400 €

Flämisch 6409 um 1600. Studienblatt mit vier Propheten. Feder in Braun, graubraun laviert, Spuren von Graphit, alt montiert. 26,5 x 37,5 cm. 600 € 6409 11


Zeichnungen des 16.–18. Jahrhunderts ________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6410

Pierre Boucquet

Stefano della Bella

(1593–1647, Paris)

(1610–1664, Florenz)

6410 nach. Ornamentblatt mit floralen Motiven. Feder in Braun über Bleistift. 27,9 x 19,8 cm. Unten links in Feder bezeichnet „Baldasar Moncornet“.

6411 zugeschrieben. Stallender Hengst sowie weitere Pferdestudien. Feder in Braun, aufgezogen. 13,2 x 27 cm.

2.400 €

2.400 €

Als Vorbild für die Zeichnung diente ein Kupferstich nach einem Entwurf des Pariser Goldschmiedes Pierre Boucquet (1593 - nach 1647, Paris). Die insgesamt sechs Blatt zählende Stichfolge mit dem Titel LIVRE DE / TOUTES SORTES DE / FEUILLES POUR SER=/ VIR A L‘ART D‘ORFEBVRIE ... wurde 1634 von dem Pariser Verleger Balthasar Moncornet herausgegeben. Lediglich zwei vollständige Folgen haben sich erhalten, die beide in Paris aufbewahrt werden. Der anonyme Zeichner unseres Blattes kopierte das fünfte Blatt aus der Folge, das eine orna­ mentale, filigrane Komposition aus Blättern zeigt. Es handelt sich um die Studienarbeit eines Goldschmiedes, der sich durch das Kopieren schulen wollte oder das Modell als Ausgangspunkt für eine eigene Arbeit nutzte. Im Vergleich zur Vorlage blieb die Zeichnung jedoch unvollendet. Diese Art von Studienzeichnungen ist von großer Seltenheit. Das Blatt entstand in direkter zeitlicher Nähe zur Kupferstichfolge Moncornets, was zeigt, welcher Beliebtheit sich die Entwürfe Pariser Gold­schmiede während des zweiten Viertels des 17. Jahrhunderts in Europa erfreuten.

Provenienz: Aus der Sammlung John Spencer (Lugt 1530).

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Antonio Tempesta (1555 Florenz – 1630 Rom)

6412 zugeschrieben. Wildschweinjagd. Feder in Braun, braun laviert, alt montiert. 43,4 x 65,5 cm. Am Unterrand neben der Blattpflanze monogrammiert „AT“ (ligiert). 3.500 € Provenienz: Antoine-Joseph Dezallier d’Argenville (Lugt 2951-2952), mit dessen Sammlungsnummer 434, auf dessen Originalmontierung. Dessen Nachlaßversteigerung bei Pierre Rémy, Paris, 18.-28. Januar. 1779, Los 15 (als eine von drei Zeichnungen).


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Zeichnungen des 16.–18. Jahrhunderts ________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6413

Giovanni Battista Pittoni (1687–1767, Venedig)

6413 Studie einer knienden Figur. Rötel, alt montiert. 17,1 x 11 cm. Am Unterrand von alter Hand in brauner Feder bez. „Corregio“. 3.500 € Provenienz: Sir Joshua Reynolds (Lugt 2364). Richard Ford (Lugt 2209). Dr. C. R. Rudolf (Lugt 2822a). Unbekannte Sammlung „B“ (nicht bei Lugt). Nach Auffassung von Alice Binion handelt es sich bei der Zeichnung wohl um die Vorstudie zu dem Hohepriester in Pittonis Gemälde „Die Beschneidung Christi“, das sich in der Accademia in Venedig befindet. Das Blatt gehört zu einer Gruppe von lockeren Figurenstudien, eine weitere befindet sich in einer Sammlung in Stockholm (s. Per Bjurström: Drawings in Swedish Collections: Venice, Brescia, Parma, Milan, Genua. Stockholm 1979, Nr. 208).

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6414

Lorenzo Sabatini (1539 Bologna – 1576 Rom)

6414 Die Madonna mit Kind und dem hl. Petronius. Schwarze Kreide, grau laviert, quadriert, verso in Feder und Pinsel in Braun: Die Anbetung der Hirten wohl von der Hand eines Künstlers aus der Werkstatt Sabatinis. 38,1 x 24,5 cm. 7.500 € 15


Zeichnungen des 16.–18. Jahrhunderts ________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6415

Giulio Romano (auch Giulio Pippi, 1499 Rom – 1546 Mantua)

6415 Nachfolge. Tod des Adonis. Feder in Grau über Spuren schwarzer Kreide, braun laviert, weiß gehöht, an den oberen Ecken montiert. 36 x 63,2 cm. Am linken Rand unten bezeichnet „Giulio Romano delin.“ (verblasst). 600 €

Römisch 6418 17. Jh. Kniender Mönch in Verzückung. Schwarze Kreide auf blauem Papier, aufgezogen. 39,5 x 26,5 cm. 450 € Provenienz: Sammlung Alessandro Maggiori, Rom (verso in brauner Feder bez. “Alesso Maggiori compró in roma correndo l’anno 1803”, siehe Lugt 3005b). Beigegeben eine weitere italienische Kreidezeichnung wohl des 17. oder 18. Jh. „Kopf eines Knaben en face“.

Bolognesisch 6416 spätes 17. Jh. Christus am Ölberg. Schwarze Kreide, Feder in Grau, braun laviert. 38,7 x 28,2 cm. 750 € Provenienz: Sammlung Lucien Rouzé-Huet, Lille (Lugt 1742).

Italienisch 6419 17. Jh. Die Heimsuchung. Feder in Braun, braun laviert über Rötel, verso eine Studie zum Bethlehemitischen Kindermord. 28,9 x 20,3 cm. Wz. Wappenkartusche. 750 €

Italienisch 6417 17. Jh. Andromeda an den Felsen geschmiedet. Schwarze und weiße Kreide auf blauem Bütten. 28,9 x 22,3 cm. 800 € Verso mit einer Zuschreibung an Giovanni Stefano Danedi, gen. Il Montalto (1612-1690).

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Zeichnungen des 16.–18. Jahrhunderts ________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6420

Italienisch 6420 16. Jh. Liegender männlicher Akt. Rötel auf Bütten. 24,2 x 35,7 cm. Wz. Osterlamm im Kreis. 450 €

Italienisch 6421 18. Jh. Männlicher Akt. Rötel auf Bütten, verso zwei weitere männliche Aktstudien. 52,9 x 38,6 cm. Verso am Unterrand mit Feder bezeichnet „Bartolozzi ut. T[?]ohl [...]au 1901 fr. Wz. Tre Lune. 750 € 6421 18


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6422

Cristoforo Roncalli (gen. Il Pomarancio, c. 1552 Pomarancio – 1626 Rom)

6422 zugeschrieben. Die Bekehrung des Paulus. Feder in Braun, braun laviert, über schwarzer Kreide, auf Leinwand aufgezogen. 43,5 x 25,5 cm. 1570er Jahre. Unten mittig bezeichnet „Pomeran[cio]“, links oben nummeriert „259“, mittig „12“. Verso alt in Feder bezeichnet „Roncagli“, und in schwarzer Kreide „Tito“. 2.400 €

Provenienz: Sammlung Conte E.R. Lamponi-Leopardi (2. Hälfte 19. Jh.), Florenz und Turin (Lugt 1760). In der Florentiner Nachlassversteigerung der Sammlung Lamponi im November 1902 führt der Katalog unter den Zeichnungen des Santi di Tito eine ‚Conversion de St. Paul, Plume et bistre‘ auf (J. Sambon / N. Ferri: Catalogue de la Collection Lamponi de Florence, Mailand 1902, S. 14, Nr. 372). Höchstwahrscheinlich handelt es sich hierbei um vorliegendes Blatt, da es verso die Zuschreibung an Santi di Tito trägt.

Literatur: Ralf Scholz: Neu aufgefunden: Modello einer Caduta da cavallo von Cristoforo Roncalli, in: Das Münster. Zeitschrift für christliche Kunst und Kunstwissenschaft, 60. Jahrgang, Bd.2, Regensburg 2007, S. 110-113 (Abb.); (als Cristoforo Roncalli).

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Zeichnungen des 16.–18. Jahrhunderts ________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Nürnberg 6423 16. Jh. Die drei Marien am Grab mit einem Engel. Feder in Grau über Spuren von Rötel. D. 23,1 cm. 1.800 €

Süddeutsch

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6424 um 1590. Der gekreuzigte Christus erscheint einem Heiligen. Feder in Schwarz, grau laviert, oben halbrund. 42,3 x 27,5 cm. 750 €

Josias Murer (1564–1630, Zürich)

6425 Der barmherzige Samariter. Feder in Schwarz, grau laviert. 26 x 16 cm. Monogrammiert und datiert: „IM. 1608“. 2.400 € Josias Murer war der Sohn des Züricher Glasmalers Jos Murer und wurde gemeinsam mit seinem älteren Bruder Christoph (1530-1580) in der Werkstatt des Vaters ausgebildet. Während Christophs künstlerischer Werdegang sehr umfassend dokumentiert ist, sind über Leben und Werk des Josias nur relativ wenig Fakten überliefert. Der als Künstler bekanntere Christoph eröffnete in Zürich eine florierende Werkstatt und entwickelte sich bald zu dem bedeutendsten Glasmaler und Formschneider im Schweizer und oberrheinischen Raum. Seine mit manieristischer Eleganz ausgeführten Scheibenrisse gelten als Hauptwerke der Schweizer Kabinettscheibenmalerei um 1600. Der jüngere Bruder Josias hat von dem Ruf seines Bruders profitiert und trat 1588 in die Werkstatt ein. Die Zusammenarbeit muss sehr eng gewesen sein, denn die stilistische Nähe zu den Arbeiten Christophs und insbe­ sondere zu jenen des Vaters Jos ist frappierend. Im Gegensatz zu den beiden genannten Künstlern sind Josias‘ Zeichnungen jedoch weitaus rarer. Der vorliegende Scheibenriss mit der Darstellung des barmherzigen Samariters ist in einem flüssigen, routinierten Zeichenstil aus­ geführt und trägt die Jahreszahl 1608. Die Zeichnung ist stilistisch engstens verwandt mit einer Allegorie der Caritas von der Hand des Vaters, die im British Museum in London aufbewahrt wird. Eine Lunette in der oberen Bildhälfte zeigt die Geschichte des barmherzigen Samariters und hat zweifellos als Prototyp für die vorliegende Zeichnung gedient. 6424 20


_______________________________________________________________________________________________________________________________________________ Zeichnungen des 16.–18. Jahrhunderts

6425

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Zeichnungen des 16.–18. Jahrhunderts ________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6426, recto

Hermann Weyer (1596 Coburg – nach 1621)

6426 Joseph und die Frau des Potiphar. Feder in Schwarz, grau laviert, weiß gehöht auf hell­ braunem Papier, verso in schwarzer Feder „Landschaft mit Felsentor, dahinter eine Stadt“. 17,7 x 19,8 cm. Am Unterrand datiert „1614“. 1.800 € Literatur: Christine Wolff: Studien zum zeichnerischen Werk Hermann Weyers. Diss. Bonn 2016 (urn: nbn:de:hbz:5-43176), S. 73-74, Z 42 (recto) und S. 121, Z 103 (verso), mit Abb. 42 und 103. Provenienz: Karl & Faber, München, Auktion am 28.-29. November 1990, Los 248 (mit Abb.). Die Darstellung der Begebenheit aus dem Alten Testament gehört zu den wenigen Innenraumszenen Weyers. Die Ehefrau Potiphars auf ihrem Bett liegend, hält Joseph am Zipfel seines Umhangs fest, um ihn an der Flucht aus ihrem Gemach zu hindern. Die Kleidung des Fliehenden mit den Pluderhosen und den geschlitzten Ärmeln scheint von Landsknecht-Darstellungen des 16. Jahrhunderts angeregt zu sein, wie sie Weyer durch Jost Ammans Kunstbüchlin bekannt gewesen sind. 6426, verso 22


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6427

Hans Friedrich Schorer (um 1585 – nach 1654, Augsburg)

6427 Amor und zwei Nymphen. Feder in Schwarz, grau laviert. 25,3 x 18,7 cm. Verso am oberen Rand monogrammiert „HSF“ (ligiert), sowie unten rechts mit alter Paginierung in brauner Feder „45“. 1.800 € 23


Zeichnungen des 16.–18. Jahrhunderts ________________________________________________________________________________________________________________________________________________

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6429 24


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6430

Deutsch 6428 1645. Venus und Adonis. Feder in Braun, blau laviert. 9,6 x 14,6 cm. Am Unterrand datiert „1645“ (oder „1625“, vorletzte Ziffer undeutlich), links davon ein Besitzervermerk wohl in einer Hand des 17. Jh. „HjB“, verso nummeriert „N: 8“ sowie ein Stammbucheintrag in lateinischer Sprache „Ego Ja: de Piere haec [...] recordationis ergo [...]“. 900 €

Zeichnung gleichseitige, Federzeichnung verwahrt, die aufgrund der Griffelspuren als direkte Arbeitsstudie für die Graphik gelten darf. Es ist möglich, dass es sich bei unserer Zeichnung um eine bisher unbekannte Replik dieser Darstellung handelt, und sie aufgrund der detaillierten und versierten Ausführung und des kleinen gezeichneten Schmuckrahmens mit Goldfarbe eine Vorzugszeichnung darstellt.

Georg Christoph Eimmart d. J. (1638 Regensburg – 1705 Nürnberg)

Pieter Cornelis Verbeeck (um 1610 – um 1654, Haarlem)

6429 zugeschrieben. Loths Frau blickt zurück nach Sodom. Feder in Grau und Schwarz, grau laviert, weiß gehöht, mit Goldfarbe umrahmt, alt montiert. 10,8 x 11,2 cm. Oben links monogrammiert und datiert „P:VB 1640“. 1.500 € Die Darstellung geht zurück auf die seitenverkehrte, eminent seltene Radierung Pieter Cornelisz. Verbeecks, deren einziger, bekannter Abzug in der Kunsthalle Bremen verwahrt wird. In der Sammlung der Kunst­ halle Hamburg wird eine zur Radierung gegenseitige, also zu unserer

6430 Allegorie des Rheinstroms. Pinsel und Feder in Grau, weiß gehöht. 12,3 x 14,2 cm. Oben links im Spruchband spiegelverkert bez. „Ausfführle. Beschre(ibung)/ des ganzen/ Rhein-Stroms“, verso alt in Bleistift bez. „C. Eimert“. 900 € Der vielseitig begabte Kupferstecher, Astronom und Mathematiker Georg Christoph Eimmart, Schwager des Verlegers Joachim von Sandrart, schuf die vorliegende Zeichnung als Vorlage für das in Kupfer gestochene Titelblatt von Kaspar Schneiders „Ausführliche und Grundrichtige Beschreibung Des ganzen Rheinstroms...“ von 1686, einem historisch-geographisches Kompendium über den Rhein und seine Nebenflüsse.

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Zeichnungen des 16.–18. Jahrhunderts ________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6431

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6433

Niederländisch 6431 um 1600. Hirschjagd. Feder in Rotbraun, graubraun laviert. 10,3 x 15 cm. 800 €

Robert Nanteuil (1630 Reims – 1678 Paris)

6433 Umkreis. Brustbildnis eines Edelmannes. Rötel, in einer gedruckten ovalen Einfassung. 18,6 x 14,6 cm. 1.800 €

Johann Wilhelm Baur (1607 Straßburg – 1642 Wien)

6432 zugeschrieben. Große Kreuztragung. Gouache auf Pergament, auf Papier, dann auf Kupfer aufgelegt, goldgehöht. 13,7 x 24,5 cm.

Die Rötelzeichnung diente höchstwahrscheinlich als Vorbild für einen Kupferstich und kann dem Umkreis Robert Nanteuils zugeordnet werden, von dem sich ganz ähnliche Stiche mit ovaler Einfassung, liniertem Grund und eckig oder oval eingefasstem Wappenschild unterhalb des Porträts erhalten haben. - Alt auf Bütten aufgezogen.

1.800 € Der Maler, Miniaturmaler und Radierer Johann Wilhelm Baur lernt in Straßburg bei Friedrich Brentel, dessen Werk ihn anfangs stark prägt. Spätestens 1631 ist er in Neapel nachweisbar, 1633 wird er nach Rom berufen. Hier begegnet er dem Werk des Adam Elsheimer. Weitere Einflüsse üben sowohl die Architekturstiche von Vredeman de Vries als auch die Radierungen Jacques Callots aus. In vorliegendem Beispiel überträgt er dessen Kreuztragung aus der Großen Passion (Lieure 286) in ein kräftiges Blau-, Rot- und Grünkolorit unter Beibehaltung der Feinheiten der Details.

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Zeichnungen des 16.–18. Jahrhunderts ________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6434

Niederländisch

Niederländisch

6434 1689. Flusslandschaft mit Ruine. Feder in Braun, braun und grau laviert. 19,6 x 27,9 cm. Verso alt bez. und datiert „‘4 [...] tot [...] 1689 6/a“. Wz. Nebenmarke Initialen CDG.

6436 spätes 17. Jh. Italienische Ideallandschaft. Feder in Braun, grau laviert. 24 x 32 cm. Unten links bezeichnet „2.14“. Wz. Adler.

750 €

Niederländisch 6435 17. Jh. Südliche Landschaft mit Blick auf eine Stadtmauer mit Turm. Pinsel in Grau über schwarzer Kreide. 18 x 28 cm. Wz. Bekröntes Wappen mit Posthorn und angehängten „4WR“. 750 € Provenienz: Aus einer unbekannten Sammlung (RSM mit Schale der Hygieia im Dreieck, nicht bei Lugt). Die Modellierung des Bildes durch großflächige Lavierungen in fein kalibrierten Grautönen und sparsam eingesetzten, skizzenhaften schwarzen Kontur- und Binnenlinien lassen eine Rezeption von Adam Pynackers Landschaftszeichnungen vermuten. Einige gut vergleichbare Blätter Pynackers befinden sich in der Hamburger Kunsthalle (vgl. Sammlung Online, u.a. Inv.Nr. 22386, 22389 und 22390).

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750 € Provenienz: Aus den Sammlungen Johan Conrad Spengler, Kopenhagen (Lugt 1434, dessen Versteigerung im Oktober 1839, Kopenhagen, Nr. 137) und Benjamin Wolff (Lugt 420). Alt auf einen Untersatzkarton montiert, dort mit einer alten Zuschreibung an Gaspard Dughet.

Cornelis Symonsz. van der Schalcken (1611–1671, Haarlem)

6437 Gebirgslandschaft mit Blick auf eine Stadt. Schwarze Kreide, grau laviert. 15,4 x 26,2 cm. 1.200 € Literatur: Gerard Meijer: Old Master Drawing, Catalogue I, Abbenbroek 1974, Nr. 33. In alter Sammlermontage.


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Zeichnungen des 16.–18. Jahrhunderts ________________________________________________________________________________________________________________________________________________

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6440

Leonhard Bramer

Abraham Casembroot

(1596–1674, Delft)

(1593 Brügge – 1658 Messina)

6438 Greis beim Schälen einer Orange. Feder in Braun auf Bütten, aufgezogen. 18,2 x 14,7 cm.

6440 zugeschrieben. Blick auf den Hafen einer niederländischen Stadt mit Kränen. Feder in Braun, grau und graubraun laviert. 18,7 x 29,5 cm.

1.200 € Provenienz: Aus der Sammlung Juan Jorge Peoli, New York (Lugt 2020).

Cornelis Droogsloot (auch Droochsloot, 1630 – 1673, Utrecht)

6439 Studienblatt mit drei Pilgern und einem Knaben. Rötel auf Bütten. 8,2 x 14,4 cm.

2.400 € Provenienz: Sammlung Bernard Houthakker (Lugt 1272). Dessen Auktion bei Sotheby Mak van Waay, Amsterdam am 17.-18. November 1975, Los 45 (als „Casembrot“). H. R. Bijl, Den Haag. Dessen Auktion bei Sotheby‘s, Amsterdam, am 17. November 1993, Los 26 (als „Casembrot zugeschrieben“). Privatsammlung Niederlande.

400 € Provenienz: Auktion Paul Brand, Amsterdam, am 9. Mai 1951, Los 364.

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Zeichnungen des 16.–18. Jahrhunderts ________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6441

Jacob van Mosscher

Adriaen van de Velde

(tätig in Haarlem circa 1635–55)

(1636–1672, Amsterdam)

6441 Eine Baumgruppe in einer holländischen Landschaft. Schwarze Kreide, grau laviert. 14,6 x 23,1 cm. Wz. Basilisk (Laurentius 37).

6443 Südliche Landschaft mit rastenden Kühen. Feder in Braun, Pinsel in Grau über schwarzer Kreide, alt montiert. 12,9 x 19,4 cm.

4.500 € Ausstellung: Rotterdam, Museum Boijmans Van Beuningen/Paris, Fondation Custodia/Brüssel, Bibliothèque Albert 1er: Le Cabinet d‘un Amateur: Dessins flamands et hollandais des XVIe et XVIIe siècles d‘une collection privée d‘Amsterdam, bearb. J. Giltaij, 1976-77, Kat. Nr. 91 mit Abb. 53. Provenienz: Jan Veth: Auktionskatalog R.W.P. de Vries, Amsterdam, 6. Dezember 1930. Sammlung J. Q. van Regteren Altena (Lugt 4618).

Matthias Scheits (um 1625 – um 1700, Hamburg)

6442 Fahrende Händler in einer Hügellandschaft. Feder in Schwarz, grau laviert. 17,3 x 28,9 cm. Monogrammiert und datiert unten rechts „M.S. 1671. inv.“ und zweites Monogramm auf einem Gepäckstück „MS“. Wz „Kool“ mit Nebenmarke Hahn. 1.800 € Provenienz: Sammlung Louis und Renée Oungre, New York. Matthias Scheits erhält seine prägende Ausbildung in Haarlem als Schüler von Philips Wouwerman. Auch ein Einfluss Ostades und Teniers ist spürbar. 1651 erwirbt der Rückkehrer das Hamburger Bürgerrecht. Hier schafft er nahezu ein halbes Jahrhundert lang meist undatierte Gemälde, Handzeichnungen und Vorlagen für Druckgraphiken, die von den angesehensten deutschen und niederländischen Stechern ihrer Zeit umgesetzt werden. Ein großer Teil seines Werkes befindet sich heute in der Hamburger Kunsthalle.

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800 € Provenienz: Auktion Parke-Bernet Galleries, New York, am 15. April 1953.

Peter Caulitz (1650–1719, Berlin)

6444 Italienische Landschaft mit Gebäuden und Turmbau. Feder in Schwarzgrau, grau laviert. 22,7 x 33,7 cm. Unten links in brauner Feder signiert: „P. Caulitz f.“. 1.200 € Provenienz: Aus der Sammlung Benjamin Wolff (Lugt 420). Der gebürtige Berliner Peter Caulitz erlernte zuerst in Italien das Landschaftsfach und wurde zurück in seiner Heimatstadt 1695 von Friedrich I. zum brandenburgischen Hofmaler ernannt. Neben wenigen Landschaften und Tiermalereien haben sich mehrere Zeichnungen des Künstlers erhalten, welche italienische Landschaften oder Ruinen­architekturen zeigen. Die Signatur in brauner Feder der vorliegenden Federzeichnung findet sich so auch auf einer von Caulitz‘ Arbeiten im Herzog Anton Ulrich-Museum, Braunschweig (Inv. Nr. Z 595). - Alt auf einen Untersatzkarton aufgezogen.


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Zeichnungen des 16.–18. Jahrhunderts ________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Samuel Bottschild (1641 Sangershausen – 1706 Dresden)

6445 Männlicher Akt, sitzend. Schwarze und weiße Kreide auf hellbraunem Bütten. 70 x 50 cm. Signiert und datiert mit schwarzer Kreide in der Schraffur rechts vom Knie „S. Bottschild / Dresden 1680“ sowie rechts unten mit alter Bleistiftannotation und rot gestempelter Inventarnummer. Wz. „4“ mit angefügtem Herz. 1.200 € Der Maler und Radierer Samuel Bottschild wurde 1677 in Dresden zum Oberhofmaler und Kammerdiener des sächsischen Kurfürsten Johann Georg II. ernannt. Bottschild entfaltete in Dresden eine sehr erfolgreiche Karriere als Deckenmaler und Radierer und diente bis zu seinem Tode vier sächsischen Kurfürsten. Er hinterließ ein recht umfangreiches zeichnerisches Werk, das vor allem aus Vorstudien zu seinen Deckengemälden besteht. Hingegen sind Akademiestudien von seiner Hand bislang nicht bekannt geworden. Die großformatige, treffsicher und souverän hingeworfene Aktstudie steht wohl im Zusammenhang mit Bottschilds Leitung einer privaten Zeichenschule in Dresden, die 1693 den Status einer Akademie erhielt. Auch die Tat­ sache, dass der Künstler das Studienblatt mit einer vollständigen Sig­natur, Ortsbezeichnung und Datierung versah, ist eher ungewöhnlich und ein Indiz für die eigene Wertschätzung der Zeichnung.

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Elias van Nijmegen (1667 Nijmegen – 1755 Rotterdam)

6446 Helena empfängt einen Boten. Feder in Braun, farbig aquarelliert. 21,1 x 18,2 cm. In brauner Feder signiert „E. V: Nijmegen“. Wz. Wappen von Amsterdam. 750 € Elias van Nijmegen stattete gemeinsam mit seinem Bruder Tobias u.a. die Schlösser in Leeuwarden und Overijssel aus. Das halbrunde ausgesparte Feld am Unterrand lässt den Schluss zu, dass es sich bei dieser Zeichnung um einen Entwurf für eine Supraporte oder eine Wand­ malerei handelt, die im Zusammenhang mit den oben genannten Dekorationen stehen könnte. Eine sehr ähnliche Zeichnung Nijmegens befindet sich im Rijksmuseum in Amsterdam (Inv.Nr. RP-T-1968-248) und zeigt Helena, einen Liebesbrief von Paris lesend. 6446 34


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6447

François Boitard (um 1667 Toulouse? – 1719 Amsterdam)

6447 Die Krönung der Jungfrau. Feder in Schwarzgrau über Graphit. 37,2 x 54,1 cm. Signiert „Franciscus Boitard In fecit“. 2.800 € Der Zeichner François Boitard bezeichnete sich selbst als Schüler von Raymond Lafage, und wenn diese Angabe zutrifft, erscheint es als wahrscheinlich, dass der Künstler aus Toulouse stammte, wo Lafage zwischen 1683-84 Schüler hatte. Boitard spezialisierte sich auf bib­li­ sche und klassische Themen und entwarf auch Buchillustrationen. Seine Biographie ist von einer gewissen Ruhelosigkeit gekennzeichnet, denn Boitard war nach seinen Anfangsjahren in Frankreich in mehreren Ländern tätig. Er verblieb Ende der 1680er Jahre einige Zeit in Rom, wo er nach der Antike arbeitete, und versuchte 1709 sein Glück in London. 1710 sehen wir den Künstler in Amsterdam, wo er in Verbin-

dung mit Pieter Schenck stand. Offenbar zeichnete Boitard nicht nur hehre religiöse Sujets, denn er erregte in Amsterdam Aufsehen mit der Darstellung erotisch-obszöner Szenen, über die sogar Gottfried Wilhelm Leibniz in seiner Korrespondenz mit Unmut berichtete. Boitard war ein schneller und routinierter Zeichner und das vorliegende großformatige Blatt ist ein charakteristisches Beispiel seines von Lafage geprägten Stils. Die vielfigurige Komposition ist gekonnt und anschaulich arrangiert und Zeichnungen dieser Art waren als selbständige, für den Verkauf bestimmte Kunstwerke konzipiert.

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Zeichnungen des 16.–18. Jahrhunderts ________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6448

Martino Altomonte (1657 Neapel – 1745 Wien)

6448 Die Bekehrung des hl. Augustinus. Feder in Grau, grau laviert. 14 x 22,2 cm. Verso von alter Hand in Graphit bez. „J. A Mölk“. 1.200 € Provenienz: Aus der Sammlung Wilhelm Suida, Wien. Die Zeichnung, die möglicherweise ein Fresko vorbereitet, zeigt die Bekehrung des hl. Augustinus, der nach der Erzählung des Ponticianus unter einem Feigenbaum sitzend von oben die Stimme vernimmt, „tolle, lege“ (nimm und lies!). Das offene Buch liegt deshalb vor ihm auf dem Boden. In abgewandelter Form hat Altomonte diese Szene im Jahr 1720 in der Hauskapelle des Stiftes St. Florian (OÖ) zusammen mit zwei weiteren Augustinus-Szenen (hl. Augustinus mit dem Kind am Meeresstrand und hl. Augustinus weiht sein Herz der Hl. Dreifaltigkeit) dargestellt. Wir danken Dr. Johann Kronbichler, Brixen, für die Identifizierung des Themas und die Zuweisung an Martino Altomonte. 6449 36


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Joseph Adam von Mölck

Melchior Steidl

(1718–1794, Wien-Rodaun)

(1657 Innsbruck – 1727 München)

6449 zugeschrieben. Eine Auseinandersetzung mit Pistole zwischen zwei Kavalieren. Feder in Grau, grau laviert, aufgezogen. 14,9 x 21 cm. Auf dem Passepartout eine alte Zuschreibung an „Johann Adam Ritter von Mölck“.

6450 Die Auffindung des Kreuzes. Feder in Rotbraun, Pinsel in Grau. 18,6 x 18,6 cm. Wz. Wappen mit Schlangenstab. 1.200 €

600 € Provenienz: Aus der Sammlung Wilhelm Suida, Wien.

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Oberitalienisch 6451 18. Jh. Allegorische Szene: Apoll krönt eine Muse. Feder in Braun, graubraun laviert, auf blassblauem Bütten. 38,1 x 25 cm. Wz. Kleines Wappen mit Stadttor und Buchstaben „BF“ und Nebenmarke „Al Terrazzo“. 400 €

Böhmische Schule 6452 18. Jh. Maria mit dem Jesuskind im Tempel. Grauer Stift auf Bütten, verso weitere Figurenstudien. 20,2 x 16,2 cm. 600 € Provenienz: Aus der Sammlung Wilhelm Suida, Wien. Verso eine alte Zuschreibung an Johann Christoph Liska (1650 Breslau - 1712 Leubus). Beigegeben eine süddeutsche Zeichnung um 1600 „Pilger bei einer Kirche, an der eine Prozession vorbeizieht“ sowie eine Rötelzeichnung des 18. Jh. „Christus inmitten seiner Jünger“.

Italienisch 6453 18. Jh. Brustbild einer jungen Frau mit Kind. Feder in Braun. 26,1 x 18,8 cm. 600 € 6451

Provenienz: Aus einer unbekannten Sammlung (RSM mit Schale der Hygieia im Dreieck, nicht bei Lugt).

Österreichisch 6454 spätes 17. Jh. Die Madonna erscheint einem Feldherren. Feder und Pinsel in Braun über grauem Stift. 31 x 21,8 cm. 600 € Beigegeben zwei weitere Zeichnungen: „Bildnis eines bärtigen Mannes mit Barett“, grauer Stift auf Pergament mit einer Zuschreibung an Cornelis Visscher, sowie „Die Madonna erscheint einem Heiligen“, wohl Süddeutsch oder Italienisch, 18. Jh.

Daniel Gran (1694 Wien – 1757 St. Pölten)

6455 Stehende Frau mit Kind. Feder in Braun, über schwarzem Stift. 22,6 x 16 cm. 400 € Provenienz: Aus der Sammlung Giacomo de Nicola (Lugt 1953a).

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Pietro Antonio Novelli (1729–1804, Venedig)

6456 Die hll. Hieronymus und Nikolaus. Feder in Braun, grau und braun laviert, mit schwarzer Kreide leicht quadriert. 41,4 x 27,6 cm. 2.400 € Pietro Antonio Novelli erhielt seine erste Ausbildung bei Jacopo Ami­goni und wurde 1768 Mitglied der Accademia in Venedig. Er reiste nach Bologna und Rom und wurde in seinem Schaffen maßgeblich durch die Kunst Raffaels und den römischen Klassizismus beeinflusst. Novelli schuf ein umfangreiches zeichnerisches Œuvre und führte zahlreiche Altarbilder und dekorative Fresken für verschiedene Auftraggeber aus. Trotz gewisser Abweichungen in der Komposition kann die vorliegende Zeichnung mit einem Altarstück Novellis mit dem gleichen Sujet in Verbindung gebracht werden, das 1791 für einen den Heiligen Nikolaus und Hieronymus geweihten Altar im Dom zu Udine entstanden ist. Zwischen 1846 und 1847 wurde der Altar nunmehr der Madonna della Provvidenza gewidmet und Novellis Gemälde entfernt. Der Zusammenhang zwischen der Zeichnung und dem Altarbild wird auch dadurch bestätigt, dass die Maße unseres Blattes sich proportional zu denen des Gemäldes verhalten. Die auf der Zeichnung angegebene Breite in venezianischem Fuß korrespondiert exakt mit der Breite des Gemäldes. Vieles spricht daher dafür, in der vorliegenden Zeichnung eine detaillierte Vorstudie zum ausgeführten Altarbild von Udine zu sehen. Es handelt sich um ein Spätwerk Novellis und entsprechend flüssig und scheinbar mühelos ist der Zeichenstil des Künstlers. Die ausgeprägten Hell-Dunkel-Kontraste und die sehr frei applizierten Lavierungen verleihen dem Blatt eine markante Note.

6457 Knabe mit einem Kelchglas. Feder in Braun. 9,7 x 11,4 cm. Wz. Adler (Fragment). 450 € Beigegeben eine weitere Federzeichnung Novellis „Orientale“.

6458 Mutter mit Kind, Orangen von einer kleinen Straßenhändlerin kaufend. Feder in Braun, auf Untersatzkarton aufgezogen. 16,8 x 16,8 cm. 400 €

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Zeichnungen des 16.–18. Jahrhunderts ________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6459

Sebastiano Ricci (1659 Belluno – 1734 Venedig)

6459 zugeschrieben. Studie zu Christus und die Samariterin. Feder in Braun, braun laviert. 32,5 x 23,8 cm. Um 1718. 2.400 € Souverän und frei ausgeführte Vorstudie zu „Christus und die Samariterin“. Eine detailliertere Vorstudie befindet sich in den Gallerie dell‘Accademia, Venedig (siehe Disegni veneti del Settecento della Fondazione Giorgio Cini e delle collezioni venete, Venedig 1963, Bd. 19, Nr. 74).

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Venezianisch 6460 18. Jh. Diana und Aktäon; Venus und Adonis. 2 Zeichnungen, je Feder in Grau, grau laviert. Je ca. 7,5 x 13,3 cm. 600 € Provenienz: Aus einer unbekannten Sammlung „W“ (nicht bei Lugt). Am linken Rand auf ein Untersatzpapier montiert, dort mit alter Zuschreibung in brauner Feder an „F. Solimena“.

6461 18. Jh. Tod einer Heiligen mit Engeln. Grauer Stift auf Bütten, aufgezogen. 16,3 x 22,3 cm. 600 € Beigegeben drei weitere Zeichnungen des 17. und 18. Jh.: „Leda mit dem Schwan“, „Studie zu der Tochter des Pharao mit dem Mosesknaben“ und „Kniende weibliche Figur“. 6461 43


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Italienisch 6462 18. Jh. Parklandschaft mit einer Kugelvase und Freitreppe. Pinsel in Braun über Rötel, aufgezogen. 28,6 x 35 cm. 900 € Provenienz: Aus der Sammlung Charles Henri Marcellis (Lugt 609).

6463 frühes 18. Jh. Die reuige Maria Magdalena mit einer weiblichen Heiligen, über die Vergänglichkeit meditierend. Rötel, mit grauem Stift quadriert. 19,2 x 25,6 cm. Wz. Vogel auf Dreiberg im Kreis mit aufgesetztem Kreuz.

6464 frühes 18. Jh. Ideallandschaft mit Bergdorf und Staffagefiguren, verso Ideallandschaft mit Küstenstadt. Feder in Braun, grau laviert. 16,9 x 25,1 cm. Wz. Löwe (?) im Doppelkreis. 900 €

Oberitalienisch

750 €

6465 18. Jh. Die Ruhe auf der Flucht. Feder und Pinsel in Schwarz, grau laviert, weiß gehöht. 29 x 22 cm.

Beigegeben ein Bogen mit kalligraph. Schriftproben in brauner Tinte.

750 € 45


Zeichnungen des 16.–18. Jahrhunderts ________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Zacharias Longuelune (1669 Paris – 1748 Dresden)

6466 Kostümentwurf. Feder in Schwarz, grau laviert und Aquarell. 23,2 x 16 cm. 1.200 € Der Architekt, Maler und Zeichner Zacharias Longuelune wurde bei Antoine Lepautre in Paris ausgebildet. Nach 1696 war er als Architekt am Hofe des Friedrich Wilhelm I. in Berlin tätig. Nach einer im Jahre 1710 unternommenen Italienreise trat Longuelune um 1715 in den Dienst des Kurfürsten Friedrich August I. in Dresden. Longuelune machte sich als Architekt, Dekorateur und Festausstatter einen Namen am Hofe des sächsischen Kurfürsten. 1728 wurde er zum Oberlandbaumeister ernannt und fertigte zahlreiche Entwürfe für meist nicht ausgeführte königliche Bauten in Dresden und Warschau an. Bei dem vorliegenden Blatt dürfte es sich um einen Kostümentwurf für die prunkvollen Vermählungsfestlichkeiten des Kurprinzen August III. von Sachsen handeln, die im Jahre 1719 stattfanden. Die phantasievolle, exotische Kostümierung zeugt von der barocken Pracht und der opulenten Verschwendungssucht, die damals am sächsischen Hofe herrschten. Eine stilistisch eng übereinstimmende Zeichnung befindet sich im Kupferstichkabinett der Kunstsammlungen der Veste Coburg.

Pietro Gonzaga (1751 Longarone – 1831 St. Petersburg)

6467 Bühnenentwurf für eine gothische Säulenhalle. Feder in Braun, aquarelliert. 24,1 x 32,7 cm. 6466

1.200 € Der Maler, Architekt und Bühnenbildner Pietro Gonzaga war ein Schüler Antonio Visentinis in Venedig und der Gebrüder Galliari in Mailand, mit denen er für das dortige Scala-Theater Bühnendekorationen malte. Gonzaga arbeitete seit 1780 für das Teatro della Fenice in Venedig und für das Argentina-Theater in Rom. In der Folgezeit arbeitete der Künstler in Parma, Genua und Rom. Seit 1790 war Gonzaga in St. Petersburg tätig.

Pietro Gonzaga 6468 Eine antike Säulenhalle mit Palastbauten im Hintergrund. Feder in Braun, grau laviert. 18,7 x 25,4 cm. 750 €

Pietro Gonzaga 6469 Das Innere eines antiken Mausoleums. Feder in Braun, braun laviert. 18,5 x 24 cm. 1.200 € Fein durchgeführte Zeichnung mit imposanter Raumwirkung.

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Pier Leone Ghezzi (1674–1755, Rom)

6470 Der maltesische Bischof Paulus Alpheran mit kurzem Cape. Feder in Braun, in einem Fensterpassepartout. 31,3 x 22,5 cm. Verso in brauner Feder von alter Hand betitelt „M. L‘Eveq. de Malte“. 2.400 € Provenienz: John Griffin Griffin, 4. Baron Howard de Walden, 1. Baron Braybrooke (1719 - 1797), Audley End House. Durch Erbfolge an Henry Seymour Neville, 9. Baron Braybrooke (1897-1990). Sotheby‘s, London: „Caricature Drawings by Pier Leone Ghezzi (Rome 1674-1755). The Property of the Rt. Hon. Lord Braybrooke“, Auktion am 10. Dezember 1979, Lot 111.

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Pier Leone Ghezzi 6471 Monsieur Le Marquis de Montorio mit Dreispitz und Degen. Feder in Braun, alt montiert. 29,1 x 19,7 cm. Unterhalb der Darstellung in schwarzer Feder betitelt „M. LeMarq. Montorio“. 2.400 € Provenienz: Sammlung Ambrogio Carabelli, Mailand. 6471 48


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Pier Leone Ghezzi 6472 Monsieur David, der französische Konsul in Neapel. Feder in Braun. 32,2 x 22,9 cm. Verso in brauner Feder von alter Hand betitelt „M. David“. 2.400 € Provenienz: John Griffin Griffin, 4. Baron Howard de Walden, 1. Baron Braybrooke (1719 - 1797), Audley End House. Durch Erbfolge an Henry Seymour Neville, 9. Baron Braybrooke (1897-1990). Sotheby‘s, London: „Caricature Drawings by Pier Leone Ghezzi (Rome 1674-1755). The Property of the Rt. Hon. Lord Braybrooke“, Auktion am 10. Dezember 1979, Lot 111.

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Pier Leone Ghezzi 6473 Monsieur L‘Abbé de Monte Santo mit Dreispitz unter dem Arm. Feder in Braun, alt montiert. 27 x 19,8 cm. Verso in brauner Feder wohl eigenh. betitelt „M. L‘abbé de Monte Santo“ (schlägt auf der Vorderseite durch), sowie unterhalb der Darstellung auf der Montierung wohl von anderer Hand in schwarzer Feder bez. „M. L‘abbé de Monte Santo“. 2.400 € Provenienz: Sammlung Ambrogio Carabelli, Mailand.

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Zeichnungen des 16.–18. Jahrhunderts ________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6474

Jean-François Guillibaud (1718–1799, Genf)

6474 Junge Frau im blauen Kleid mit Pelzbesatz und einem Nerzcollier bei einem Tässchen Schokolade. Pastell. 25,5 x 19,8 cm. Verso auf dem hölzernen Rahmenrückdeckel mit aufgeklebtem Papierschild, darauf in brauner Feder signiert und datiert „Peint par Jn. François Guillibaud en 1762“. 3.200 € Literatur: Neil Jeffares: Dictionary of pastellists before 1800, Online edition, J.367.189. Provenienz: Sotheby‘s, London, Auktion am 18. April 1996, Los 52.

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6475

Deutsch 6475 18. Jh. Belagerung von Hanau in Hessen in Vogelschauperspektive. Feder in Schwarz, Grau und Rot, stellenweise grün, rot und grau laviert. 63,5 x 73 cm. In einem Spruchband links oberhalb der Stadt in brauner Feder bezeichnet „Die Festung Hanau - wie sie von/ Her(r)n lamboy Belagert/ Anno 1636“, weiterhin Benennung der militärischen Lager, eine alte Nummeriung oben rechts „109“ sowie verso von alter Hand nummeriert „No. LXIX“. Wz. C&I Honig. 800 € Die Ansicht erinnert an die Belagerung der Festung Hanau, die während des Dreißigjährigen Krieges 1631 von den Schweden besetzt worden war und deshalb von Januar bis Juni 1636 durch den kaiserlichen Generalwachtmeister Wilhelm Graf von Lamboy (gest. 1659) belagert wurde. Die Belagerung endete mit der Niederlage der kaiserlichen Truppen, die vor der angerückten Verstärkung unter der Führung von Landgraf Wilhelm V. von Hessen-Kassel und dem Feldmarschall Alexander Leslie (gest. 1661) zurückweichen mussten. Die Anlage der Festung in Vogelschauansicht wurde frei nach dem Stich in Matthäus Merians 1655 veröffentlichten Topographia Hassiae (Taf. 25) gefertigt, wobei der anonyme Künstler das umliegende Land mit den eingezeichneten Schanzen und militärischen Lagern eigenständig erweiterte.

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Zeichnungen des 16.–18. Jahrhunderts ________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6478

Christoph Ludwig Agricola (1667–1719, Regensburg)

6476 Weite Flusslandschaft mit Häusern und Wanderern an einer Furt. Gouache auf Bütten, auf dünnen Karton aufgezogen. 17,3 x 21,9 cm. Um 1700. 1.800 €

6477 Flusslandschaft mit Angler bei einer Mühle. Gouache auf Bütten, auf dünnen Karton aufgezogen. 17,2 x 22,1 cm. Um 1700. 1.800 € Provenienz: Seit 1980 in rheinischem Privatbesitz.

Provenienz: Seit 1980 in rheinischem Privatbesitz. Christoph Ludwig Agricola, dessen Lebensumstände und künstlerische Ausbildung weitgehend unbekannt sind, war vor allem in Neapel und Augsburg tätig. Während seines Italienaufenthalts entwickelte er eine heroische, von Gaspar Poussin und Claude Lorrain beeinflusste Landschaftsauffassung, die trotz der künstlerischen Impulse einen Eigenwert der Farbe entwickelt. 1914 hebt die Darmstädter Ausstellung ‚Deutsche Kunst 1650 bis 1800‘ Agricola als einen der frühen barocken Landschaftsmaler hervor und bezeichnet ihn zugleich als „einen der ersten Romantiker der Landschaft“. In der vorliegenden, außerordentlich qualitätvoll ausgeführten Landschaftsdarstellung werden zudem die Einflüsse niederländischer Landschaftskompositionen nachvollziehbar, die Agricola mit seiner idealisierenden Landschaftsauffassung verbindet.

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Jean-Baptiste Oudry (1686 Paris – 1755 Beauvais)

6478 Kopf eines Jagdhundes. Schwarze Kreide, weiß gehöht auf bräunlichem Bütten, montiert. 22,4 x 30,6 cm. 600 € Provenienz: Sammlung François-Achille Wasset (Lugt 201). Sammlung Nicos Dhikeos (Lugt 3529).


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Zeichnungen des 16.–18. Jahrhunderts ________________________________________________________________________________________________________________________________________________

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Johann Elias Ridinger (1698 Ulm – 1767 Augsburg)

6479 Der Luchs. Feder in Braun, braun laviert über Spuren von Graphit. 35,4 x 27 cm. Unten links signiert und datiert „J El Ridinger del 1759“. 2.400 € Vorzeichnung zu der Radierung Ridingers aus dem Jahr 1761 (Thienemann 148).

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6480

Johann Daniel Herz (1693–1754, Augsburg)

6480 Ein Gelehrter in seinem Studiergemach. Rötel. 26 x 17,7 cm. Monogrammiert „JH“. 2.400 € Das vorliegende Gelehrtenbildnis zeigt einen Mann mittleren Alters, der an einem barocken Schreibtisch sitzt und dem Betrachter zugewandt ist. Die architektonische Ausstattung des Studiolos mit Säulen und Pilastern lässt auf eine noble Herkunft schließen, und auch die Allongeperücke und der üppige Brokatmorgenmantel verraten Wohlstand und das Bewusstsein des eigenen gesellschaftlichen Status. In einer Nische im Hintergrund beobachtet man Folianten, Apothekerflaschen und Gläser mit Präparaten. Es dürfte sich daher bei dem Dargestellten um einen Naturwissenschaftler oder Arzt handeln. Der

Mann deutet mit der rechten Hand auf eine Statue der Eva, welche die Symbole des Sündenfalls in ihren Händen hält und damit auf die Sterblichkeit des Menschen verweist. Der Autor dieser feinsinnig beobachteten Szene, Johann Daniel Herz, war einer der bedeutendsten Augsburger Zeichner, Kupferstecher und Graphikverleger des 18. Jahrhunderts. Der konzentrierte Duktus der Zeichnung mit den präzise geführten Schraffuren könnte ein Indiz dafür sein, dass das Blatt als Vorzeichnung für den Titelkupferstich eines wissenschaftlichen Traktates konzipiert war.

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Zeichnungen des 16.–18. Jahrhunderts ________________________________________________________________________________________________________________________________________________

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Claude-Louis Desrais

Jakob Matthias Schmutzer

(1746–1816, Paris)

(1733–1811, Wien)

6481 Allegorie der Unwissenheit, welche die Inspiration zu töten versucht. Feder in Schwarz, grau laviert. 21,8 x 26,5 cm. Um 177080.

6482 Kopf eines jungen Mannes mit Barett. Rötelzeichnung. 57,5 x 46 cm. Oben links in brauner Feder bez. (leicht verblasst) „D. H. 4“. Wz. Schriftzug.

2.400 € Der tiefere Sinn dieser flott und virtuos gezeichneten Allegorie lässt sich nicht eindeutig entschlüsseln. Ein kniender Mann in Rüstung und mit Teufelsohren verbirgt sich hinter einem Plankenzaun und richtet sein Gewehr auf eine hübsche junge Frau. Ein erschreckter Pfau kreischt auf, jedoch nimmt die in ein leichtes, antikes Gewand gehüllte Frau die drohende Gefahr nicht wahr. Sie steht in einer klassischen Kontrapost­ haltung und hält einen Malstift in der linken Hand, während ihre rechte Hand auf einem großen Zeichenheft ruht. Ihr nach oben gerichteter verklärter Blick weist darauf hin, dass sie als die weibliche Personifizie­ rung der schönen Künste oder der künstlerischen Inspiration zu deuten ist. Offenbar hat Claude-Louis Desrais, der Autor unserer Zeichnung, den ewigen Konflikt zwischen erhabenen künstlerischen Bestre­bungen und deren Rezeption in der Öffentlichkeit thematisieren wollen: Die Ignoranz und das Unverständnis der Allgemeinheit sind lebensbedrohlich für jegliche Art der Kunstausübung. Desrais war ein Schüler von Francesco Casanova, unter dessen Einfluss er sich auf historische und Genreszenen spezialisierte. Er bevorzugte mit Tusche oder Gouache angelegte Federzeichnungen, deren energischer und flüssiger Duktus an den Stil seines Lehrmeisters Casanova erinnert.

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1.800 € Bei dieser Zeichnung handelt es sich um eine von Schmutzers zahlreichen Ausdrucksstudien, wie sie in Frankreich in der Nachfolge Charles Le Bruns und seiner 1698 veröffentlichten theoretischen Abhandlung Conférence sur l‘expression génerale et particulière gelehrt wurden. Die disziplinierte Zeichentechnik erinnert an die Methodik des Kupferstechens - Schmutzer war bereits während seiner frühen Zeit in Wien zum Kupferstecher ausgebildet worden.

Matheus de Sallieth (1749 Prag – 1791 Rotterdam)

6483 Junger Kavalier im Streifenhemd auf einem Stuhl . Schwarzer Stift auf Velin. 22,5 x 30,5 cm. Am rechten Rand in brauner Feder bezeichnet (signiert?) „Sallieth“. 450 € Matheus de Sallieth beginnt sein Studium bei J. E. Mansfeld in Wien. In Paris setzt er seine Studien bei J. P. Lebas fort. 1778 schließlich lässt er sich als selbstständiger Maler in Rotterdam nieder.


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Zeichnungen des 16.–18. Jahrhunderts ________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6484

Nicholas Guibal (1725 Lunéville – 1784 Stuttgart)

6484 Bildnis eines jungen Mannes. Rötel mit Spuren von Weißhöhung auf graubraunem Papier, auf Makulaturpapier aufgezogen. 40 x 30,9 cm. 1.200 € Provenienz: Aus der Sammlung Joseph Kuderna, Wien (vgl. Lugt 1482b).

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6485

Jacques Antoine Marie Lemoine (1751 Rouen – 1824 Paris)

6485 Bildnis eines jungen Mannes (Selbstportrait des Künstlers?). 2 Zeichnungen, je schwarze Kreide, weiß gehöht, auf ockerfarbenem Bütten. Je ca. 19 x 16,7 cm. Wz. Großes bekröntes Wappen; Schriftzug. 2.400 € Lemoine studierte in Paris an der École des Beaux-Arts unter Jean-Jacques Lagrenée, der ihn als Schüler an Maurice-Quentin de la Tour empfahl. Etwa 1785 begann er eine erfolgreiche Karriere als Miniaturmaler und erwies sich dabei als sehr begabt. 1799 erhielt Lemoine eine Professur für Zeichnen an der École de Marine in Rouen. Seit 1813 beschäftigte er sich intensiv und mit großer Anerkennung mit der Malerei auf Porzellan. Bei den vorliegenden, sensibel beobachteten Bildnissen, die denselben jungen Mann einmal im Profil und einmal in Dreiviertelansicht zeigen, könnte es sich durchaus um Selbstbildnisse des jungen Lemoine handeln.

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Zeichnungen des 16.–18. Jahrhunderts ________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6486

Joseph Benoît Suvée

Jean Jacques de Boissieu

(1743 Brügge – 1807 Rom)

(1736–1810, Lyon)

6486 Umkreis. Weibliche Kopfstudien. Zwei farbige Kreidezeichnungen auf bräunlichem Papier. Je ca. 20,2 x 25,2 cm. Um 1770.

6487 Angler an einem Fluss vor der Stadt. Feder in Braun, über schwarzer Kreide, weiß gehöht, aufgezogen. 27,5 x 37,8 cm. Unten links monogrammiert und datiert „DB [ligiert] / 1787“.

1.200 €

2.400 €

Jean Jacques de Boissieu 6488 Szene im Weinkeller an der Rhône. Feder in Braun, braun laviert, auf Bütten. 24,9 x 35,2 cm. Rechts auf dem Boden des Fasses monogrammiert und datiert „DB [ligiert] / 1767“. Wz. Bekröntes Wappen. 1.800 € Provenienz: Sammlung François Alziari, Baron de Malaussena, 19. Jh., Nummer „419“ (Lugt 1887). Das British Museum besitzt eine in Größe und Technik vergleichbare Zeichnung Boissieus mit der Darstellung von Müllersleuten bei der Arbeit - ebenfalls 1767 datiert (Reg.Nr.: 1860,0616.113). Möglicherweise arbeitete Boissieu in dieser Zeit an einer Serie über die Berufstände. Beide Zeichnungen datieren in die Zeit nach Boissieus Italienreise, in der er das Radieren zeitweilig aufgab und sich vermehrt der Zeichnung und ersten Malversuchen widmete. 6486 60


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Zeichnungen des 16.–18. Jahrhunderts ________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6489

6490

Pietro Gonzaga (1751 Longarone – 1831 St. Petersburg)

6489 Ein Architekturcapriccio. Feder und Pinsel in Braun. 22,4 x 28,9 cm.

6490 Studienblatt mit zwei Dekorentwürfen für eine pastorale Landschaft. Feder in Braun, braun laviert. 22,7 x 30,3 cm.

900 €

900 €

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6491

6492

Giuseppe Bernardino Bison

Jean Baptiste Louis Cazin

(1762 Palmanova – 1844 Mailand)

(tätig in Paris 1782–1819)

6491 Venezianische Vedute mit Segelbooten auf der Lagune. Gouache auf Papier, eingelassen in ein Etui aus rotem Maroquinleder. D. 6,3 cm.

6492 Landschaft mit einer Pyramide und figürlicher Staffage. Feder und Pinsel in Schwarz und Graubraun. 20,3 x 30,8 cm. Unten links signiert „Cazin“.

1.800 €

400 € Cazin war ein Schüler Jollains und als Landschaftsmaler und Radierer in Paris tätig. Er war zwischen 1782 und 1819 regelmäßig mit Werken auf den Pariser Salonausstellungen vertreten. - Alt aufgezogen.

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Zeichnungen des 16.–18. Jahrhunderts ________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6493

Louis-Jean Desprez (1743 Auxerre – 1804 Stockholm)

6493 Catania: Komödianten auf der Piazza del Obelisco. Feder in Schwarz, aquarelliert. 21,5 x 34,8 cm. Verso signiert und eigenh. bezeichnet „Vue de la Place de l‘obelisque à Catane“. Um 1778. 6.000 € Die Ansicht zeigt den Platz vor dem Dom von Catania mit dem berühmten Elefantenbrunnen, der 1736 unter Verwendung eines antiken Obelisken errichtet wurde. Louis-Jean Desprez bereiste Sizilien im Jahr 1778 und besuchte bei dieser Gelegenheit auch das an der Ostküste der Insel gelegene Catania. Von diesem reizvollen Motiv sind drei weitere Aquarelle von der Hand Desprez‘ bekannt, die sich jeweils in den Details voneinander unterscheiden: zwei in einer New Yorker Privatsammlung (siehe P. Stein und M. Tavener Holmes: Eighteenth-century French Drawings in New York Collections, The Metropolitan Museum of Art, New York 1999, S. 154-157 mit Abb. 66 und 66,3), und eine weitere im Centre Culturel Suèdois, Paris und im Kunsthandel (s. Sotheby‘s: Les Dillèe: Une Dynastie d‘Experts et de Collectioneurs, Auktion am 18.19. März 2015 in Paris, Los 367). Im Vergleich zu der Radierung, die Jean-Claude Richard nach Despez‘ für Abbé de Saint-Nons Voyage Pittoresque anfertigte, ist die Piazza auf unserer Zeichnung mit zahlreichen Figuren angefüllt, die ein Spektakel von Schauspielern in chinesischen Kostümen verfolgen. - Auf der originalen Montierung.

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6494

Louis-Jean Desprez 6494 Die Festa della Cuccagna auf dem Largo di Castello in Neapel. Feder in Schwarz, aquarelliert. 22,1 x 36,8 cm. Verso signiert und eigenh. bezeichnet „Vue de la Place du Chateau Neuf à Naples avec la représentation de la fete de la cocagne/ Despréz. del“. 6.000 € Unsere detaillierte Zeichnung entstand als Illustration für das reichbebilderte Publikationsprojekt Voyage pittoresque ou description des royaumes de Naples et de Sicile, welches 1781-1786 im Auftrag des Abbés Jean Claude de Saint-Non in Paris erschien und das bis heute als eines der ambitioniertesten Meisterwerke französischer Verlagsarbeit des 18. Jahrhunderts gilt. Das fünfbändige Werk umfasst facettenreiche Beschreibungen der Sitten und Bräuche, Landschaften und Monumente Süditaliens, die überwiegend auf einen Reisebericht des damaligen Sekre­tärs der französischen Botschaft Dominique Vivant Denons zurückgehen. Die Vorlagen für die Illustrationen lieferte eine Gruppe von Künstlern, die unter der Leitung Denons 1777/78 das Land bereiste. Unter ihnen befand sich der damals noch junge, als Architekt ausgebildete Louis-Jean Desprez, der ein Jahr zuvor als Gewinner des begehrten Prix de Rome nach Italien gelangt war. Das vorliegende Blatt fand im ersten, Neapel gewidmeten Band als Radierung von der Hand Du Plessis Bertaux (Taf. 120) Verwendung. In diesem Band lag neben der Geschichte, Topographie und künstlerischen Produktion Neapels besondere Emphase auf die Beschreibung der

Volksbräuche. Als besonders verstörende Feierlichkeit wurde die „Festa della Cuccagna“ („Fest des Schlaraffenlandes“) beschrieben. Von den bourbonischen Herrschern in der Mitte des 18. Jahrhunderts eingeführt, handelte es sich hierbei um ein makabres Bankett für das arme Volk, das während der Karnevalszeit vor dem Castel Nuovo auf dem Largo di Castello eingerichtet wurde. Dabei wurde die „Cuccagna“, eine temporäre Holzkonstruktion, über und über mit Speisen, Kleidern und Wertgegenständen bestückt, auf die das rasende, von Hunger geplagte Volk nach einem als Startzeichen abgegebenen Kanonenschuss losgelassen wurde. Das grausame Schauspiel der untereinander ringenden Menschen beobachteten aus sicherer Entfernung der Hofstaat und die neapolitanische Aristokratie. Dem Fest wohnte Desprez vermutlich als Augenzeuge bei (vgl. Ausst. Kat: Theatres of Life: Drawings from the Rothschild Collection at Waddesdon Manor, London 2007, S. 89-92) und verarbeitet das Erlebte zeichnerisch als packend choreographiertes Schauspiel, in dem der Betrachter von einem erhöhten Standpunkt aus die panoramisch breit angelegte Komposition überblickt. Der Kanonenrauch über den Türmen des Schlosses zeigt, dass das Fest soeben eröffnet wurde: Die streng geordneten Ränge der Kavallerie wurden bereits an einigen Stellen durchbrochen und links im Bild strömen die Massen über Treppen, Straßen und Gebäude auf die Cuccagna zu, auf welche bereits die Schnellsten unter ihnen emporgeklettert sind. In der atmosphärischen Wiedergabe des offenen Platzes und der meisterhaften Bewegungsregie offenbart sich bereits das unbestechliche Talent eines der herausragenden und originellsten Szenographie-Gestalter seiner Epoche.

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Zeichnungen des 16.–18. Jahrhunderts ________________________________________________________________________________________________________________________________________________

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6497

Heinrich Friedrich Füger

Pietro Adami

(1751 Heilbronn – 1818 Wien)

(tätig im 18. Jh.)

6495 Die Verurteilung einer Vestalin. Kreide in Schwarz und Weiß auf grün grundiertem Papier. 49,3 x 73 cm. Unten mittig alt nummeriert „A. 27“ (?).

6496 Der Tod des Adonis. Feder in Braun, Pinsel in Grau, alt montiert. 27,5 x 36 cm. Am Unterrand signiert „P. Adami“.

1.200 €

450 €

Ein früher, skizzenhafter Entwurf für das Gemälde „Verurteilung einer Vestalin“ (heute Eremitage, St. Petersburg) oder für den „bildmäßig ausgeführten Karton zu dem Gemälde“, der 1783 entstanden ist (vgl. Robert Keil: Heinrich Friedrich Füger, Wien 2009, S. 232, Kat. Nr 113, 114). In der Hauptgruppe mit der Vestalin und den beiden Liktoren steht der Entwurf sowohl dem Gemälde als auch dem Karton nahe, zeigt aber vornehmlich in den linken Figurengruppen starke Unterschiede. Im Hintergrund sind die im Gemälde vorhandenen Säulen zu erkennen, an deren Stelle im Karton eine Pilastergliederung vorkommt. „Füger wählte den Moment unmittelbar nach der Verurteilung, in dem die emotionale Reaktionen auf den Urteilsspruch am stärksten ausgeprägt sind“ (ibid., S. 71). Das Bildthema ist also nicht die Verurteilung einer bestimmten der mehr als zehn Vestalinnen, sondern die Darstellung der „emotionalen Reaktion“ auf die Verurteilung eines unschuldigen Menschen.

Provenienz: Aus der Sammlung Benjamin Wolff, Dänemark (Lugt 420).

Louis Adrien Masreliez (1748 Paris – 1810 Stockholm)

6497 Antike Szene. Feder in Braun über Kreide, grau laviert. 27,9 x 30,8 cm. 1.800 € Provenienz: Sammlung Christian Hammer, Stockholm (Lugt 1237). 1770-74 hielt sich Masreliez in Bologna auf, wo er an der Akademie Carracci die beiden ersten Preise gewann. Er wurde beeinflusst von Vien, David und Winckelmann. Durch den Kontakt mit Mengs wandte sich Masreliez dem Klassizismus zu. Auf Grund seiner Begabung und seines umfassenden kunsttheoretischen Wissens wurde Masreliez 1783 zum Mitglied der Stockholmer Akademie ernannt. Seit 1784 galt er als der bevorzugte Dekorateur Gustavs III. Seit 1802 entfaltete er als Rektor der Stockholmer Akademie eine einflussreiche Lehrtätigkeit. Das eindrucksvolle Studienblatt erinnert in seinem Zeichenduktus an Masreliez‘ Zeitgenossen Ehrensvärd und Sergel.

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Zeichnungen des 16.–18. Jahrhunderts ________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6498

Ferdinand Jagemann (1780–1820, Weimar)

6498 Selbstbildnis des Künstlers. Pastell. 36,5 x 31,5 cm (oval). Verso bezeichnet „Ferdinand Jageman[n] / [...] der Großmutter Da [...] / Maler / [...] Caroline Heygendorf / Eigenthum von [...] Nisse / Onkel Ferdinand selbst gemalt“. 2.400 € Ferdinand Jagemann erhielt seine erste Ausbildung an der Weimarer Zeichenschule bei Georg Melchior Kraus und setzte sie als erst 16-Jähriger 1797 in Wien bei Heinrich Füger fort. Von 1802 bis 1805 hält er sich in Paris auf. Nach Weimar zurückgekehrt, stellt er 1805 Portraits von Franz Jospeh Gall, Prinzessin Caroline von Sachsen-Weimar und Christoph Martin Wieland aus. Von 1807 bis 1810 folgte ein Aufenthalt in Rom. Das hier vorliegende Portrait ist das dritte bekannte Selbstbildnis und wirkt in dem knapp gefassten Oval als auffallendem Merkmal wie eine vergrößerte Miniatur. Es lässt sich neben die in der Regel ovalen Miniaturen Heinrich Fügers stellen und beweist eine Entstehung in den fünf Wiener Jahren von 1797 bis 1802. Prof. Helmut Börsch-Supan vermutet wegen der Jugendlichkeit der Erscheinung, dass es eher am Anfang dieser Zeit als gegen das Ende gemalt wurde. Mit seiner modischen Frisur, den nach vorn gekämmten Haaren, gibt sich Jagemann selbst-

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bewusst als aufstrebender Künstler. Unverkennbar ist auch die Anlehnung an das Selbstbildnis des jungen Anton van Dycks in der Akademie der Künste in Wien. Goethe, der Jagemann hochschätzte, schreibt in der zur Trauereloge am 15. Juni 1821 verfassten Biographie über ihn: „Er war von Jugend auf von Natur und Umstände begünstigt; als Knabe schön gebildet. Liebe und Neigung sich von früh auf erwerbend; aus dem Jünglinge entwickelte sich ein treffliches Künstler-Talent, er lebte als treuer heiterer Freund unter seinen Gesellen zeigte sich als wackerer kriegerischer Bürger, und in allen diesen Zuständen sieht er sich gefördert, jeden Wunsch erreicht, jeden Vorsatz begünstigt.“ (Goethes Werke, Weimarer Ausgabe I 47. S. 249-253 und I 36, S. 356-362). Das Pastell ist eine treffliche Illustration von Goethes Ausführungen. Das Gutachten von Prof. Helmut Börsch-Supan, Berlin, vom 26. Februar 2017 ist im Original vorhanden.


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6499

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Emanuel Steiner (1778–1831, Winterthur)

6499 Eine idyllische südliche Landschaft mit drei Frauen am Ufer eines kleinen Wasserfalls. Feder und Pinsel in Braun. 43,4 x 57,5 cm. Um 1805-10.

Deutsch 6500 um 1800. Reiter im Sturm. Öl auf Papier. 15,7 x 22,7 cm. 1.200 €

2.400 € 69


Zeichnungen des 16.–18. Jahrhunderts ________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6501

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6503

6503

Ludwig Philipp Strack

James Forbes

(1761 Haina – 1836 Oldenburg)

(1749 London –1819 Aix la Chapelle )

6501 Die Ziegengrotte auf dem Ätna. Pinsel in Graubraun über Bleistift. 40 x 48 cm (Darstellung); 43,4 x 52 cm (Blattgröße). Verso betitelt und signiert „Die Ziegen Grotte auf dem Etna / nach der Natur gezeichnet. Lud Strack“.

6502 Die Große Halle in der Villa des Maecenas in Tivoli. Aquarell über schwarzer Kreide, alt montiert. 20,2 x 27,3 cm. Auf dem Untersatzpapier oben nummeriert „237“, unter der Darstellung bezeichnet, signiert und datiert „The present appearance of the Large Hall / in the Villa of Mecenas, at Tivoli; / once celebrated for its superior beauty, and costly magnificence. / J. Forbes 1796.“ sowie darunter eigenhändig eine Passage aus dem Gedicht „Ancient and Modern Rome“ von George Keate (1755).

800 € Die Ziegengrotte am Ätna war das Ziel einiger Künstler der Goethezeit. Auch Jakob Philipp Hackert hat dieses Motiv für seine Radierfolge Vues de la Sicile gewählt. Die flache Grotte aus vulkanischem Gestein gewährte Menschen Schutz in der freien Natur. Üblicherweise gönnten sich Reisende auf der Grand Tour hier einige Stunden Schlaf, um dann zum Gipfel des Ätna aufzubrechen und bei Sonnenaufgang die Blicke in den Krater und von dort auf die erwachende Landschaft zu genießen.

600 €

Deutsch 6503 frühes 18. Jh. Zwei Campagnalandschaften. Pinsel in Braun, über Graphit. Je ca. 26,5 x 20 cm. 600 € Provenienz: Aus der Sammlung Benjamin Wolff (Lugt 420).

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Zeichnungen des 16.–18. Jahrhunderts ________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Martin von Molitor (1759–1812, Wien)

6504 Gebirgsbach im Walde. Aquarell, auf Pappe kaschiert. 35 x 32 cm. Verso mit handschriftl. Klebeetikett mit einer alten Zuschreibung an den Künstler. 1.200 € Jean-Louis Prévost d. J. (1760 Nointel – nach 1810 Paris)

6505 Obststillleben mit blauer Balustervase und Insekten. Gouache auf Velin, auf festem Karton, aufgezogen. 38,8 x 30,7 cm. Signiert unten rechts „J.L. Prevost“. 2.800 € Bilder des Blumen- und Landschaftsmalers Jean Louis Prévost le Jeune finden sich u.a. in den Museen von Angers, Besançon, Langres und Stockholm. 6504

Peter Birmann (1758–1844, Basel)

6506* Der Wasserfall (Giessen) des Eibachs bei Kilchberg in der Schweiz. Feder in Braun über Bleistift, braun laviert. 52,4 x 43,7 cm (Blattgröße); 58,4 x 49,2 cm (Unterlagekarton). Zeitgenössisch montiert auf hellgrünem Karton. Auf diesem verso alt bezeichnet „No. 442 der Gießen. bey Kilchberg. c. Bâle.“ und wohl monogrammiert „PB.“. 1.800 € Seitengleiche Vorstudie einer sepialavierten Aquatintaradierung, mit Variationen in den Details, aber in identischem Format. Hierzu schuf Birmann auch ein Gegenstück mit der Darstellung des Wasserfalls von Schelmenloch, ebenfalls im Kanton Basel. Der in vorliegendem Blatt dargestellte sogenannte „Zegliger Giessen“ im Bereich der Gemeinde Kilchberg ist ein Wasserfall des Flüsschens Ei, der aus 9m Höhe in ein natürliches Becken fällt. Von dort wird das Wasser durch einen künstlichen Kanal kontrolliert abgeleitet. Bereits um 1800 war dieser Giessen im Eital ein bekanntes Ausflugsziel, aber auch als eindrucksvolles Landschaftsmotiv bei den Malern aus Basel beliebt.

Adrian Zingg (1734 St. Gallen – 1816 Leipzig)

6507 Werkstatt. Ansicht von Schloss Rauenstein an der Röha im Erzgebirge. Feder in Grau, braun laviert und weiß gehöht, alt aufgezogen. 56,7 x 74 cm. Verso wohl später bezeichnet „Rauenstein / Zingg fec(i)t R7“. 800 € 6505 72


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6506

Die vorliegende, in der Literatur bisher unbekannte Arbeit stellt eine Ansicht von Schloss Rauenstein mit dem Fluss Röha im Erzgebirge dar, die Adrian Zingg beziehungsweise seine Werkstatt in weiteren Varianten mehrmals bearbeitet hat. Wie Dr. Sabine Weisheit-Possél in ihrem Buch „Adrian Zingg, Landschaftsgraphik zwischen Aufklärung und Romantik“ (Münster 2010) bemerkt, weisen dabei sowohl die Kompositionen in der Wiener Albertina (Inv. Nr. 14992), als auch die Varianten in der Wiener Akademie (Inv. Nr. 9884 und 9883) und in der Art Gallery Washington (Aisla Mellon Bruce Fund Nr. 1991.126.1) zahlreiche stilistische und kompositorische Unterschiede auf. Die Autorin vermutet, dass lediglich das signierte Blatt der Wiener Akademie (Inv. Nr. 9884) als vollständig eigenhändig gelten kann, nach welcher der geschäftstüchtige Künstler seine Werkstatt verschiedene Varianten erstellen ließ, die sich größter Beliebtheit erfreuten und unter anderem direkt vom Herzog Albert von Sachsen-Teschen in Auftrag gegeben wurden (op.cit. S. 373): „Die vier Fassungen der Rauenstein-Ansicht sind ein weiterer, deutlicher Beleg dafür, dass Wiederholung eines Motivs, eigenhändig oder von Mitarbeitern, eine gängige und offenbar erfolgreiche Praxis der Zingg-Werkstatt war.“ (op.cit. S. 372). 6507 73


Zeichnungen des 16.–18. Jahrhunderts ________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6508

Christoph Heinrich Kniep (1755 Hildesheim – 1825 Neapel)

6508 Studienblatt mit dem Stamm einer knorrigen Eiche, Blattpflanzen und Gräsern. Bleistift. 20 x 29,7 cm. Signiert und datiert auf dem Original-Untersatzbogen: „C. H. Kniep Napoli 1816“. 1.800 € Der in Hildesheim gebürtige Maler und Zeichner Christoph Heinrich Kniep hatte seit 1785 seinen ständigen Wohnsitz in Neapel. Dort gehörte er dem Kreis um Jakob Philipp Hackert und Johann Heinrich Tischbein an, der ihn auch als Reisebegleiter an Goethe vermittelte. Als das Königreich Neapel zur Zeit Napoleon Bonapartes unter französische Herrschaft fiel, blieb Kniep im Unterschied zu vielen anderen deutschen Künstlern weiterhin in Neapel ansässig. Er lebte von den Verkäufen seiner Werke an lokale Auftraggeber und an Reisende der Grand Tour. Das vorliegende Studienblatt ist wahrscheinlich während eines der zahlreichen Ausflüge des Künstlers in das Tal von La Cava

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beim Städtchen Cava dei Tirreni, unweit von Salerno entstanden. Diese landschaftlich pittoreske Lokation mit ihrer reichen, südlichen Vegetation zählte zu den bevorzugten Reisezielen der in Neapel lebenden Künstlerschaft. Die schlichte, andächtig gezeichnete Naturstudie ist eng mit anderen, dem Spätwerk angehörigen Studienblättern verwandt, wie Kniep sie beispielsweise für das 1816 entstandene Tocco-Album und für das 1818 datierte Sammelwerk Disegni Originali geschaffen hat (siehe Georg Striehl: Der Zeichner Christoph Heinrich Kniep (1755 - 1825). Landschaftsauffassung und Antikenrezeption, Hildesheim -Zürich New York 199, S. 260. Abb. 342 - 343).


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Richard Cosway (1742 Okeford – 1821 Edgware)

6509 zugeschrieben. Mutter mit ihrem Kind. Schwarze Kreide, partiell Pinsel in Rot auf Bütten. 22,4 x 13,9 cm. Verso in Bleistift bez. „Cosway“. 750 € Beigegeben eine englische Zeichnung „Landschaft bei Duffryn im Tal von Glamorgan in Wales“, datiert 1824, sowie von L‘Allemand „Marktplatz in einem niederländischen Dorf“.

6509

Jakob Philipp Hackert (1737 Prenzlau – 1807 San Piero di Careggio bei Florenz)

6510 Südliche Gebirgslandschaft mit zwei Zeichnern. Feder in Schwarz und Graphit, grau laviert, auf Bütten. 31 x 22,5 cm. Unten mittig undeutlich bezeichnet sowie verso bezeichnet „Hackert [...]“. Wz. J. Honig & Zoonen und Wappen mit Fleur-de-lis. 2.400 € Provenienz: Sammlung Comte E. R. Lamponi-Leopardi (Lugt 1760). Unbekannte Sammlung „Grüner Kreis“ (nicht bei Lugt). Die freie Pinselführung des Blattes ähnelt einigen Blättern der französischen Zeit sowie besonders einer in Schweinfurt aufbewahrten Zeichnung des Künstlers mit der Ansicht einer Brücke in Vicovaro bei Rom (Nordhoff 605). Somit scheint eine Datierung des vorliegenden Blattes in die Zeit von Hackerts Übersiedlung nach Rom um 1769 wahrscheinlich. Die Rückenfigur des rechten Zeichners findet sich zudem sehr ähnlich auf einem früheren Blatt des Künstlers mit zwei Zeichnern vor dem Gutshaus Boldevitz auf Rügen (Nordhoff 1143). 6510 75


Zeichnungen des 16.–18. Jahrhunderts ________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6511

Wolfgang Adam Toepfer (1766 Genf – 1847 Morillon)

6511 Eine Satyrfamilie vor einer Felsenhöhle. Feder in Schwarz und Aquarell. 25,5 x 19,1 cm. Signiert und datiert: „Töpfer 1791“. 2.400 € Der Schweizer Landschafts- und Genremaler Wolfgang Adam Toepfer lernte in Paris an der École des Beaux-Arts und wandte sich auf Anraten seines Freundes Jean-Thomas Thibault der Aquarellmalerei zu. Während eines weiteren Parisaufenthalts im Jahr 1791 entstand das hier vorliegende Aquarell, das in seinem antikisierenden Idiom bereits die Stilrichtung des Empire vorwegnimmt. Die launisch beobachtete

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antike Szene besticht durch ihre verfeinerte Ausführung und durch ihre bildmäßige Kompositionsweise. Pointiert und humorvoll hat Toepfer das dolce far niente der Satyrfamilie dargestellt und mit großer Präzision Details wie das verwitterte Mauerwerk und die felsige Höhle wiedergegeben. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz war Toepfer zuerst als Zeichenlehrer und Porträtist in Genf tätig, um sich anschließend seiner eigentlichen Berufung, der Landschaftsmalerei zuzuwenden. In den frühen Jahren des 19. Jahrhunderts wurde Toepfers Kunst auch einem breiten Publikum bekannt. Zu seiner adligen Klientel zählten die Kaiserin Maria Feodorovna von Russland und die französische Kaiserin Joséphine de Beauharnais, der er 1807 Zeichenunterricht erteilte.


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Wolfgang Adam Toepfer 6512 Baumstudie. Feder in Braun über Graphit, Aquarell. 26,4 x 17 cm. 1.800 € Das vor der Natur entstandene Studienblatt besticht durch die Schlichtheit der Auffassung und seine ansprechende mise-en-page. Mit großer Ökonomie der Mittel hat der Künstler die lebendige Textur der verwitterten Baumstämme wiedergegeben. Das feuchte Moos auf dem Stamm der Buche links bildet ein dekoratives Oberflächenmuster, während die Rinde der Eiche rechts in einem linearen Duktus dargestellt ist. In einer flüssigen Aquarelltechnik sind die dünnen Äste und das frische Laub charakterisiert, das Terrain im Hintergrund ist nur summarisch angedeutet. Die reduzierte Palette mit ihrer subtilen Harmo­ nie aus kühlen Grün-, Braun- und Grautönen verleiht dem bescheidenen Studienblatt einen ganz besonderen Reiz. Alles zeugt von einer objektivistischen Naturanschauung, welche die Essenz des Gesehenen so wahrheitsgetreu wie möglich darzustellen versucht.

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Zeichnungen des 16.–18. Jahrhunderts ________________________________________________________________________________________________________________________________________________

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6513

Louis Gabriel Moreau (1740–1806, Paris)

6513 Spaziergänger am Strand bei windstiller See; Weite Landschaft mit Spaziergängern auf einer Chaussee. 2 Aquarelle. Je ca. 11,9 x 14,3 cm. 1.200 € 78


____________________________________________________________________________________________________________________________________________________ Zeichnungen des 19. Jahrhunderts

Z EICH N U NGEN DE S 19. JA HR H U N DERT S

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Zeichnungen des 19. Jahrhunderts ______________________________________________________________________________________________________________________________________________________

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Jacob Ernst Marcus

Jean-Antoine Constantin

(1774 St. Eustatius, Niederländische Antillen – 1826 Amsterdam)

(gen. Constantin d‘Aix, 1756 Bonneveine – 1844 Aix-en-Provence)

6514 Bei der Kornernte. Feder in Braun, grau laviert auf Bütten. 23,8 x 30,8 cm. Verso signiert und datiert „J. E. Marcus ft 1812“.

6516 Schiffbrüchige an einer felsigen Küste, im Hintergrund ein Hafen. Pinsel in Grau und Schwarz, auf Bütten. 21,2 x 49 cm.

1.800 €

1.200 €

Pieter Ernst Hendrik Praetorius (1791–1876, Amsterdam)

6515 Sitzende Frau mit Haube in Rückenansicht. Rötel und Pinsel in Braun auf Bütten. 16,5 x 13 cm. Unten rechts monogrammiert „P.P.“, verso datiert „Zwat [...] 4 Nov: 1816“. 800 €

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Jean-Antoine Constantin studierte an der Akademie in Marseille, sollte aber sein Leben lang besonders Aix-en-Provence verbunden sein. Er wandte sich schon früh der Pleinairmalerei zu und wurde zu einem der Vorreiter der provenzalischen Schule der Landschaftsdarstellung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Seit 1780 fertigte er zahlreiche Studien nach der Natur an. Seinen zeichnerischen Stil kennzeichnen dabei eine virtuose Tuschtechnik und deutliche Hell-Dunkel-Kontraste, die wir auch im hier vorliegenden Werk mit der dramatischen Szene eines Schiffbruchs wiederfinden. Hinter den kargen Felsen im rechten Vordergrund, die durch ihre intensive, dunkle Gestaltung besonders deutlich hervortreten, erkennen wir das gekenterte Segelschiff, das nun geradezu von der aufgewühlten See verschluckt zu werden scheint. Die sich ans Ufer rettenden Seemänner und die herbeieilenden Beobachter auf der gegenüberliegenden Seite verstärken dabei noch die Dramatik der Szene.


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Johann Ludvig Gebhard Lund (1777 Kiel – 1867 Kopenhagen)

6517 Stehender weiblicher Rückenakt. Schwarze Kreide, grau laviert. 59,8 x 36 cm. Signiert „J G Lund“. Um 1800-1810. 1.500 € Der dänische Historienmaler Johann Ludvig Lund lernte zunächst an der Kopenhagener Akademie bei Nicolai Abildgaard und folgte 1799 seinem Mitschüler Caspar David Friedrich nach Dresden, um sich an der dortigen Akademie weiterzubilden. Später folgte ein längerer Italienaufenthalt, der von 1802-1810 währte. In Rom wurde der junge Künstler in den Kreis deutscher und dänischer Künstler um Wilhelm und Caroline von Humboldt und Friederike Brun aufgenommen. Lund stand in engem Kontakt zu Bertel Thorvaldsen und den Künstlern des Nazarenerkreises und beteiligte sich 1819 an der Ausstellung deutscher Künstler im Palazzo Caffarelli in Rom. Im gleichen Jahr kehrte er mit Thorvaldsen nach Kopenhagen zurück, um einer Berufung als Professor an der dortigen Akademie nachzukommen. In der Folgezeit entstanden monumentale Historienbilder, Altar- und Andachtsbilder, die seinen Ruf als Historienmaler in Dänemark begründeten. Lund war anfangs in seinem Schaffen noch stark von dem strengen Klassizismus Abildgaards und Davids geprägt, um sich dann nach der zweiten Italienreise (1816 -19), in Anlehnung an die Nazarener, einer romantischreligiös geprägten Kunstauffassung zuzuwenden. Durch seine über vier Jahrzehnte andauernde Lehrtätigkeit hat Lund einen prägenden Einfluss auf die nachfolgende Generation dänischer Künstler ausgeübt. Der weibliche Rückenakt ist in einem delikaten und gleichzeitig treffsicheren zeichnerischen Duktus behandelt. Die sorgfältigen, eng gesetzten Schraffurmuster betonen die plastischen Volumina des weiblichen Körpers, während die weichen Lavierungen ein mildes Clairobscur erzeugen. Lunds vereinfachende, fast schematisierende Figurenauffassung, die in großen Formen denkt und sich niemals in Details verliert, erinnert noch stark an den Zeichenstil seines Lehrmeisters Abildgaard.

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Französisch 6518 19. Jh. Psyche, von Zephyren in den Himmel getragen. Grauer Stift auf Velin. 22 x 17,5 cm. 1.200 €

Bonaventura Genelli (1798 Berlin – 1868 Weimar)

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6519* Studie zu „Apoll unter den Hirten“. Bleistift auf chamoisfarbenem Velin. 19,9 x 25,2 cm. 800 € Ausstellung: Zeichnungen des 18. und 19. Jahrhunderts, Galerie Fred Jahn, München 2006, Nr. 17. Die ersten Entwürfe zum Thema „Apoll unter den Hirten“ entstanden bereits 1829 in Rom, als Genelli noch häufig mit Joseph Anton

Koch zusammentraf. Bis in die 1850er Jahre schuf Genelli verschiedene Variationen zu diesem Bildmotiv, wobei sich vorbereitende zeichnerische Studien in dem Museum der Bildenden Künste in Leipzig (Karton-Inv. Nr. 76 und 77) sowie in den Staatlichen Kunstsammlungen in Weimar befinden. Weitere Kompositionen zu diesem Thema im Kupferstichkabinett Berlin sind Kriegsverlust.

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Louis Legendre (1794 Paris – nachweisbar bis 1846)

Louis Legendre

6520 Felsige Landschaft mit Wasserfall. Schwarze und weisse Kreide auf blauem Papier. 28,2 x 43,5 cm. Oben rechts datiert „12-9-182(?)“.

6521 Ein kleiner Wasserfall neben einem verfallenen Gehöft. Schwarze und weisse Kreide auf blauem Papier. 28,9 x 22,3 cm. Unten rechts datiert „27.3 ...“. Um 1820.

750 €

600 €

Der Historien-, Genre- und Landschaftsmaler Louis Félix Legendre war ein Schüler von David. Zwischen 1819 und 1846 beteiligte er sich an den jährlichen Ausstellungen des Pariser Salons. Sein überschaubares zeichnerisches Werk zeugt von einem starken Naturempfinden. Die vorliegende Studie ist in einer treffsicheren und beherrschten Zeichentechnik ausgeführt, die kennzeichnend ist für die David-Schule. Die wenigen, effektvollen Weißhöhungen suggerieren einprägsam die Wirbel des kühlen Wassers des Baches, der sich unaufhaltsam seinen Weg zwischen den Felsblöcken bahnt. Die leuchtende Farbigkeit des blauen Papiers ist ungewöhnlich frisch erhalten.

Französisch 6522* 19. Jh. Felspartie im Wald von Fontainebleau mit Haus auf einer Anhöhe. Bleistift auf Velin. 23,5 x 34,9 cm. 800 € Provenienz: Sammlung Henri und Suzanne Paradis, Saint-Etienne (Lugt 4361).

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6523

Franz Kobell

Johann Georg von Dillis

(1749 Mannheim – 1822 München)

(1769 Grüngiebing – 1841 München)

6523 Baumreihe mit Häusern unter Wolkenhimmel. Pinselzeichnung in Sepia. 16,5 x 20,5 cm. Um 1800.

6525 Ein Bauerngehöft mit Scheunen in bayrischer Landschaft. Kreide und Tuschpinsel, grau laviert, auf grün grundiertem Papier. 17,5 x 22 cm. Um 1820.

1.800 € Franz Kobell war ein äußerst produktiver Zeicher, der entscheidend von der idealistischen Landschaftsmalerei Lorrains und Poussins geprägt wurde. Bevorzugte der Künstler anfangs die Bleistift- und Federtechnik, so entstanden um 1800 eine größere Zahl von Pinselzeichnungen in Sepia. Die in Folgen gesammelten und undatierten Blätter sind alle annähernd gleich groß und bestechen durch ihre zeitlos wirkende Frische der Naturbeobachtung. Mit großem Geschick hat Kobell die Wirkung des Lichtes eingefangen. Unter einem bewölkten Himmel sehen wir eine Baumgruppe, die vom Wind geschüttelt wird. Die Vegetation ist mit raschen, fein abgestuften Pinselstrichen charakterisiert. Durch die effektvolle Benutzung des reinen Papiertons wird helles Sonnenlicht suggeriert, das die Giebel von zwei Häusern im warmen Schein aufleuchten lässt. Schlichte und spontane Landschaftsstudien wie das vorliegende Blatt, weisen Kobell als Vorläufer einer neuen Landschaftsauffassung aus.

Friedrich Salathé (1793 Binningen b. Basel – 1858 Paris)

6524 Waldpartie mit Laubbäumen. Feder in Grau über Bleistift auf Velin. 22 x 30,2 cm. Verso in Bleistift bez. „Salathe“. 750 €

4.000 € Die spontan und mit Verve hingeworfene Landschaftsstudie ist zweifellos direkt vor der Natur entstanden und dokumentiert Dillis‘ Begabung, auch anspruchslose, alltägliche Sujets mit einem Höchstmaß an zeichnerischer Delikatesse auszustatten. Im Panorama der deutschen Zeichenkunst um 1800 nehmen die Naturstudien des Malers, Galeriedirektors und bayrischen Kunstbeamten Johann Georg von Dillis eine Sonderstellung ein. Nur wenigen Künstlern seiner Generation ist es gelungen, ein so unmittelbares, kunsttheoretisch unbelastetes und zeitloses Abbild von der Natur zu vermitteln wie er. Dillis war ein überaus fleißiger und talentierter Zeichner, der durch die gleichzeitige Verwendung unterschiedlicher Zeichenmittel eine ganz eigenständige und technisch verfeinerte Handschrift entwickelte. Zeit seines Lebens benutzte der Künstler hochwertige hadernhaltige, geschöpfte Papiere, die die Vorzüge seiner Zeichentechnik voll zum Tragen kommen ließen. Gerne bediente Dillis sich auch farbiger Papiere, die ihm die Möglichkeit boten, die Nuancen von Licht und Atmosphäre überzeugend und lebensnah einzufangen. Das hier zur Verwendung gelangte grüne Papier, das seine ursprüngliche Leuchtkraft vollständig bewahrt hat, verleiht der blühenden Landschaft ein Höchstmaß an Frische und Lebendigkeit. Die sparsamen, jedoch visuell sehr wirksamen Weißhöhungen beleben das Ganze auf wohltuende Weise.

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Franz Caucig (1755 Görz – 1828 Wien)

6528 Zwei Frauen beweinen den toten Patroklos vor dem Scheiterhaufen. Feder in Grau, grau laviert. 25,2 x 36,8 cm. Signiert und datiert: „Franc.o Caucig (1)827“. 2.400 € Der aus der slowenischen Stadt Gorizia stammende Maler Franz Caucig studierte zuerst an der Wiener Akademie und bildete sich ab 1779 in Bologna und Rom weiter, wo er sich dem Neoklassizismus zuwandte und freundschaftliche Beziehungen zu Felice Giani und Antonio Canova anknüpfte. Caucig verbrachte insgesamt ein Jahrzehnt (17811791) in der Ewigen Stadt und begab sich anschließend nach Mantua, wo er im Auftrag der Wiener Akademie Gipsabgüsse antiker Skulpturen und Zeichnungen nach Werken alter Meister anfertigte. Ein längerer Studienaufenthalt in Venedig (1791-97) bildete den Abschluss der italienischen Wanderjahre. Nach seiner Rückkehr nach Wien erhielt Caucig 1798 eine Professur an der dortigen Akademie und war seit 1820 Direktor dieser Lehranstalt. 6526

Eduard Bendemann (1811 Berlin – 1889 Düsseldorf)

6526 Sitzender Fischerknabe am Gestade. Feder in Grau und Bleistift auf festem, graubraunem Velin. 11,5 x 10,6 cm. Links unten monogrammiert (ligiert) und datiert „18EB63“. 400 € Provenienz: Aus der Sammlung A. M. Pachinger, Linz (Lugt 2010), sowie wohl von dessen Hand mit Bleistift bezeichnet als aus der Sammlung Wilhelm Gail, München.

Johann Evangelist Scheffer von Leonhardshoff (1795–1822, Wien)

6529 Der Bildhauer Johann Nepomuk Schaller im „venezianischen Mantel“ vor dem Zeichenbrett. Bleistift auf Velin. 24,4 x 18,9 cm. Unten rechts eigenh. bez. und datiert „Roma li 16 Janaro 1815“. 1.200 €

Peter von Cornelius (1783 Düsseldorf – 1867 Berlin)

6527 Moses verlangt vom Pharao die Freilassung der Israeliten. Feder in Grau auf Velin, aufgezogen. 29,3 x 47,8 cm. 4.000 € Das Blatt zeigt die Umrisszeichnung eines Entwurfs für eine Lünette mit Darstellungen aus dem 2. Buch Mose (Exodus). Im Mittelgrund links ist Moses zu sehen, der für das verkettete Volk Israels die Freilassung einfordert. Der Pharao auf seinem Thron sitzend gewährt ihm diese mit wütender Geste, den toten Sohn im Schoß. In der rechten Bildhälfte vollzieht sich die letzte Plage - die Tötung der Erstgeborenen. Im Hintergrund erkennt man weitere Szenen aus der Legende: links der Auszug aus Ägypten, rechts die Huldigung des Goldenen Kalbs. Im Städelmuseum ist eine Vorzeichnung zu diesem Blatt erhalten (dort als „Tötung der Erstgeburt“ verzeichnet), die ebenfalls Cornelius zugeschrieben wird (vgl. Peter Böttger: „Eine unbekannte Zeichnung von Peter Cornelius“, in: Münchner Jahrbuch der bildenden Kunst, Jg. 22, 1971, S. 217-225).

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Bereits 1809 studierte Scheffer an der Wiener Akademie, wo er Johann Friedrich Overbeck, Julius Schnorr von Carolsfeld und Joseph Sutter kennenlernte. 1814 beendete er sein Akademiestudium und reiste Ende des Jahres mit einem Stipendium des Fürstbischofs Franz Xaver Salm-Reifferscheid nach Rom. Im Oktober 1815 wurde Scheffer offiziell als neues Mitglied in den Lukasbund aufgenommen. Das „große italienische Skizzenbuch“ im Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste in Wien (Inv.Nr. 8052-8140) enthält eine Anzahl von Studien Scheffers aus den ersten Monaten des Jahres 1815, die dessen Künstlerfreunde zeigen, wie etwa Overbeck, Ruscheweyh, Hess und auch Johann Nepomuk Schaller. Diese Studie mit dem Datum vom 25. Februar 1815 aus der Akademie (s. Cornelia Reiter: Wie im wachen Traume. Zeichnungen, Aquarelle, Ölskizzen der deutschen und österreichischen Romantik. Bestandskatalog des Kupferstichkabinetts der Akademie der bildenden Künste Wien, Wien 2006, Nr. 821) ist der Schlüssel für die Identifizierung der auf unserem Blatt dargestellten Figur mit dem Wiener Bildhauer Johann Nepomuk Schaller (1786-1842). Schaller, Stipendiat der Wiener Akademie in Rom, war ebenfalls Mitglied der Lukasbrüder und verwirklichte die nazarenischen Kunst­ ideale im Medium der Skulptur. Abbildung Seite 90


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Friedrich Hoffstadt (1802 Amorbach – 1846 Aschaffenburg)

6530 Allegorie der Skulptur in einem neogotischen Wandaufbau mit Kruzifix und den knieenden Brüdern Eberhard als Assistenzfiguren. Feder in Grau, grau laviert über Bleistift, Aquarell und Gouache, auf Untersatzkarton montiert. 35,4 x 17,5 cm. Monogrammiert im Wappenschild unten links „FH“ (ligiert), am unteren Ende der Konsole, welche die mit „Sculptura“ bezeichnete Hauptfigur trägt, datiert „An[no].d[o]m[ini].1835“. Auf dem Schriftband unten mit eigenhändiger Bezeichnung „Gewidmet den hochgeachten Gebrüdern K: und F: Eberhard / Bildhauermeistern zu München / von Hindelang.“, unter dem knieenden Konrad Eberhard oben links „Auch der Meisel sey bereit/ denk an alte Herrlichkeit/“ und rechts unter Franz Eberhard „Bilde Christi Angesicht / Falsche Götter länger nicht“. 6.000 € Provenienz: Sammlung der Münchner Künstlergenossenschaft (Lugt 3256)

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Der Maler, Graphiker, Bildhauer, Architektur-Kritiker, Jurist und Kunstsammler Friedrich Hoffstadt war als Künstler Dilettant. Er wächst, nachdem sein Vater früh verstirbt, ab 1815 bei seinem Onkel, dem Minister Georg Friedrich von Zentner, in München auf. 1820 beginnt er das Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Erlangen, führt es ab Mai 1822 in Landshut fort, um es 1826 in München abzuschließen. 1826-28 arbeitet Hoffstadt als Jurist in Ansbach, ab 1833 als Stadtgerichtsrat in Frankfurt am Main, 1842 als Gerichtsrat am Stadtgericht in München, und schließlich 1844, zwei Jahre vor seinem viel zu frühen Tod, als Appellationsgerichtsrat in Aschaffenburg. Seine große Leidenschaft jedoch gilt der mittelalterlichen Kunst, vor allem der Architektur und der Glasmalerei, und er zeichnet unermüdlich. 22-jährig beteiligt er sich an den 50 Illustrationen zu Friedrich de la Motte Fouqués Roman „Der Zauberring“ und beschäftigt sich eingehend und wissenschaftlich mit mittelalterlicher Glasmalerei. In den Ansbacher Jahren entwirft er einen Schnitzaltar für St. Salvator in Nördlingen. Zurück in München beginnt er Ende der 20er Jahre mit dem Aufbau einer mittelalterlichen Kunstsammlung. In Frankfurt entsteht Hoffstadts Hauptwerk, das Gothische ABC-Buch, mit dem er zu Beginn der Neogotik die „Grundregeln des gothischen Styls für Künstler und Werkleute“ in Wort und Bild zusammenträgt und einen Grundriss christlicher Architekturgeschichte erstellt. Das mit 40 kolorierten Tafeln, Initialen und Vignetten ausgestattete Werk erschien in mehreren Lieferungen von 1840-45. König Ludwig I. von Bayern ließ es schon 1840 als Unterrichtsmittel an den polytechnischen Schulen Bayerns einführen. Hoffstadt malte wenige Ölbilder mit mittelalterlichen Themen, vor allem aber drückte er sich in der Aquarelltechnik aus. Hier entstehen Veduten, Landschaften und Historien. - 1831 gründet Friedrich Hoffstadt mit Hans Freiherr von und zu Aufseß, Franz Graf Pocci, Ludwig Schwanthaler, Domenico Quaglio, Joseph Daniel Ohlmüller, Konrad und Franz Eberhard und anderen Freunden in München die „Gesellschaft für deutsche Altertumskunde zu den drei Schilden“. Ihr Ziel ist die Erforschung und Erhaltung mittelalterlicher Kunst und Geschichte. Bis zur Auflösung der Gesellschaft 1838 zeichnet Hoffstadt in Frankfurt am Main für die Mitglieder regelmässig in Bleistift Glückwunschkarten, die als Lithographien gedruckt und oft koloriert werden. Sie zeigen meist allegorische Figuren in einer gotischen Rahmen-Architektur. In dieser Bildtradition entsteht auch das vorliegende Aquarell, das subtile Kolorit jedoch bringt eine weit über diese Bleistiftzeichnungen hinausgehende Wertschätzung zum Ausdruck, die Hoffstadt, auch mit seiner Widmung, den befreundeten und hochgeachteten Brüdern Eberhard entgegenbringt. - Den künstlerischen Nachlass Hoffstadts verwahrt das Architekturmuseum der Technischen Universität München.


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Karl Friedrich Schinkel (1781 Neuruppin – 1841 Berlin)

6531 Umkreis. Klassizistische Felsenstadt am Meer. Feder in Braun über Bleistift. 36,9 x 54 cm. Um 1830. 1.500 €

eine Brunnenanlage zum Gedenken an den Bischof Otto von Bamberg errichten. Schinkel lieferte sowohl l für die Brunnenanlage als auch für das Stifthaus die Entwürfe. Peter Joseph Lenné entwarf das Konzept für den umgebenden Park.

Cornelius Suhr Hans Fincke

(1781–1857, Hamburg)

(1800 Berlin – 1849 Bad Kreuznach)

6533 Baschkiren in Hamburg nach der napoleonischen Besetzung im Jahr 1814. Aquarell über Bleistift. 49,3 x 63,8 cm. Verso bezeichnet „Baschkiren bey Hamburgs / zerstörten Vorstädten“.

6532 zugeschrieben. Der Ottobrunnen und das von Karl Friedrich Schinkel erbaute Ottostift bei Pyritz, im Hintergrund der Lenné-Park. Aquarell und Feder in Schwarz. 13,5 x 22,3 cm (Darstellung); 20,9 x 30,8 cm (Blattgröße). Um 1830. 900 € Literatur: Hans Vogel: K. F. Schinkel, Lebenswerk, Berlin 1952, Bd. Pommern Nr. 62, S. 57. Der Architekt und Kupferstecher Hans Fincke war zunächst Schüler von Buchhorn in Berlin, später von Finden in London und gründete in Berlin eine Schule für Stahlstecher. Mit zahlreichen Werken war Finke auf den Berliner Akademieausstellungen vertreten, darunter auch 1836 mit der Lithographie „Der Ottobrunnen und das Ottostift bei Pyritz“ (Berliner Akademieausstellung, Bd. 2; Nr. 1221), für die vorliegende, äußerst präzise Zeichnung wohl als Vorlage diente. Kronprinz Friedrich Wilhelm ließ 1824, auf Anregung des Pyritzer Amtsrats Sehmsdorf,

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800 € Seit dem Jahr 1806 steht Hamburg unter napoleonischer Okkupation. Es folgen verzweifelte Jahre, Aufständen seitens der Bevölkerung und Befreiungsversuchen der alliierten Truppen gegen Napoleon misslingen. Im Winter 1813/14 demolieren die Besatzer zudem die Vororte Hamburgs. Es werden Bäume gefällt, Landhäuser von Hamm bis nach Harvestehude angezündet und die Vorstadt Hamburger Berg mit der St. Pauli Kirche dem Erdboden gleichgemacht. Erst nach Napoleons Niederlage können die verbündeten Truppen Hamburg im April 1814 befreien. Die russischen Reitertruppen, die Baschkiren, werden beim Einzug in die Stadt mit großem Jubel begrüßt. Unser Aquarell zeigt die Reiter nach der erfolgreichen Befreiung der Hansestadt auf dem Hamburger Berg (heute St. Pauli) - die Spuren der französischen Besatzer sind deutlich sichtbar.


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Moritz von Schwind (1804 Wien – 1871 München)

6534 Der Arzt Romeo Franz Seligmann, umarmt von einer Dame (wohl Theresia Gutherz) sowie Ornamententwürfe. Feder in Braun, teilweise über Bleistift auf Bütten. 46,7 x 37,1 cm. Um 1838. Wz. Krone. 1.200 € Das Blatt gehört zur Gruppe der „Scherzzeichnungen aus dem Gutherzschen Hause“, welche während Schwinds Wienaufenthalten in den Jahren 1838-1840 entstanden. Er knüpfte in jenen Jahren wieder an alte Bekanntschaften aus seiner Ausbildungszeit an, darunter auch Theresia (Resi) Gutherz und ihr Mann Karl. „In dieser Zeit heiteren geselligen Zusammenlebens, auf das Schwinds Briefe [...] dann später

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immer wieder zurückkommen, ist eine größere Anzahl von scherzhaften Zeichnungen entstanden. [Resi Gutherz] war damals erkrankt und vieles in den Zeichnungen hat mit dieser Erkrankung und der darauffolgenden Genesung zu tun.“ (Ausst. Kat. Moritz von Schwind und seine Vatserstadt, bearb. v. Franz Glück, Kunsthistorisches Museum Wien, 1954, S. 60f.). Vermutlich handelt es sich bei der weblichen Figur unserer Zeichnung um Resi Gutherz. Zumal der ältere Herr mit Flasche zu ihrer linken als der Arzt, Medizinhistoriker und Orientalist Romeo Franz Seligmann identifiziert werden kann (siehe zwei weitere Zeichnungen Schwinds in Adalbert F. Seligmann: Ein Bilderbuch aus dem alten Wien, Wien 1913, S. 196). Der mit knappen Strichen beinahe karikaturistisch erfasste Seligmann verkehrte in den 1820er Jahren mit Schwind im Kreise um Franz Schubert, und er war es wahrscheinlich, der Resi Gutherz während ihrer Krankheit behandelte.


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Deutsch 6535 um 1820/30. Merkur bringt den Bacchusknaben zu den Nymphen des Nysa-Gebirges. Öl auf Papier, auf Karton aufgezogen. 21,7 x 35,5 cm. 2.400 €

Moritz Michael Daffinger (1790–1849, Wien)

6536 Wilhelm Tell, seinen Schild hochhebend. Schwarze Feder und Aquarell. 24 x 16,5 cm. Um 1810. 750 € Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers (mit dem Nachlassstempel, Lugt 652a). Moritz Michael Daffinger wurde in jungem Alter als Porzellanmaler ausgebildet und besuchte seit 1802 die Wiener Akademie, wo er bei dem Historien- und Portraitmaler Hubert Maurer lernte. Nach seiner Studienzeit begann er eine äußerst fruchtbare und erfolgreiche Tätigkeit als Porzellan- und Miniaturmaler, für seine populären Elfenbeinbildnisse wurden für die damalige Zeit ansehnliche Honorare bezahlt. Daffinger war ein versierter und begabter Zeichner. Seine Skizzen­ bücher aus der Zeit um 1808, in denen er Szenen aus Schiller‘schen und Shakespeare‘schen Dramen mit romantischer Vorstellungskraft schilderte, zeugen von seiner großen illustratorischen Begabung. So auch dieses frühe, wohl um 1810 entstandene Blatt, das in seiner virtuo­sen Linienführung und heroischen Figurenauffassung an den Zeichenstil von Zeitgenossen wie Peter von Cornelius erinnert. 6536 95


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Julius Schoppe

Michele Bisi

(1795–1868, Berlin)

(1788 Genua – 1874 Mailand)

6537 Amphitrite auf einem Tritonen reitend, eine Koralle in der Hand. Aquarell auf Velin, auf Untersatzpapier montiert. D. 23,3 cm. Unten rechts signiert und datiert „J. Schoppe 1835“.

6538 Die Überführung der Geliebten Maria Elisabeth de Ludres aus dem Kloster von Poussay zu König Ludwig XIV. Aquarell über Graphit, montiert. 26,9 x 37,5 cm. Unten links signiert und datiert „Michele Bisi / 1849“.

600 €

1.200 €

Der einer Berliner Goldschmiedefamilie entstammende und mit Gottfried Schadow verwandte Julius Schoppe besuchte zwischen 1810 und 1816 die Berliner Akademie, wo er bei Samuel Rösel studierte. Nach einem Studienaufenthalt in Wien begab er sich auf eine mehrmonatige Wanderung, die ihn über Österreich und die Schweiz bis nach Rom führte. Dort lebte er von 1817 bis 1822 als Stipendiat der Berliner Akademie in der Casa Buti und studierte ausgiebig die Werke der italienischen Hochrenaissance. Einige seiner Kopien nach Raffael wurden sogleich vom preußischen König Friedrich Wilhelm IV. für seine Orangerie in Sanssouci erworben. Nach seiner Rückkehr nach Berlin war Schoppe unter anderem an der Gestaltung von Innendekorationen nach Entwürfen Karl Friedrich Schinkels im Berliner Stadtschloss, dem Schloss Charlottenburg und im Schloss Glienicke beteiligt, bevor er schließlich 1836 zum Akademieprofessor ernannt wurde und sich zunehmend als Portraitmaler betätigte. Es ist durchaus vorstellbar, dass das vorliegende Aquarell im Zusammenhang mit einer Innenraumdekoration entstanden ist, wie er sie zum Beispiel für die Medaillons im Teezimmer des Berliner Stadtschlosses entworfen hatte, die ebenfalls Nereiden und Tritonen darstellten.

Alexander Maximilian Seitz (1811 München – 1888 Rom)

6539 Bäuerliches Fest mit Tarantellatänzern bei Castel Gandolfo. Aquarell über Spuren von Bleistift auf kräftigem Velin. 38,5 x 52,4 cm. Bezeichnet, signiert und datiert unten rechts „Romae AM Seitz 1839“. 2.800 € Der Schüler von Peter Cornelius und Heinrich Hess lebt ab 1833 in Rom und schließt sich dort dem Kreis der Nazarener an. Unterbrochen von zahlreichen Aufträgen für Kirchenausmalungen u.a. in Athen, für den Dom in Ðakovo (Kroatien) und 1848 auch für die Villa Torloni in Castel Gandolfo, bleibt Seitz bis zum Ende seines Lebens als viel­ beschäftigter Maler in der Ewigen Stadt.

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Friedrich Eibner (1825 Hilpoltstein/Oberpfalz – 1877 München)

6540* Der Domplatz in Erfurt mit Dom, Severikirche und Erthal-Obelisk. Aquarell und Gouache über Feder in Grau und Braun, teils mit Gummi arabicum überarbeitet. 35 x 43,6 cm. Signiert und schwer leserlich datiert „Eibner 7(?) 3.500 € Der Autodidakt Friedrich Eibner spezialisiert sich früh auf Architektur-Darstellungen und feiert bereits mit Anfang 20 in München erste Erfolge. Zeitlebens beherrscht er es, vortrefflich die Atmosphäre eines Platzes und seiner Staffage mit einer brillanten Genauigkeit und Detailtreue der Architektur zu verbinden.

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Adrian Ludwig Richter (1803–1884, Dresden)

6541* Überfahrt über den Gmunder See (Traunsee). Bleistift auf Velin. 19,3 x 24,1 cm. Oben rechts eigenhändig bezeichnet und datiert „auf den Gmunder See. d 7 Aug 1823“. 1.500 € Provenienz: Aus dem Nachlass der Tochter des Künstlers Helene Richter (verh. Kretzschmar, 1837 - 1927, Annotation auf dem Passepartout). Bertha Chrambach (Enkelin von Helene Richter, geb. Kretzschmar). Privatbesitz, Leipzig. Die Zeichnung entstand auf der Reise Ludwig Richters von Dresden nach Rom im Spätsommer des Jahres 1823. In seinen Lebenserinnungen schreibt Richter: „Weiter ging es dann nach Ischl, über den schönen Traunsee nach Gmunden, bis zum Traunfall bei Lambach, überall zeichnend, was mir Schönes entgegentrat.“ (Lebenserinnerungen S. 73).

6542 Gespräch am Fenster. Feder in Braun über Vorzeichnung in Graphit. 11,1 x 6,5 cm. 750 € 6542 99


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Theodor Leopold Weller (1802–1880, Mannheim)

6543* Junge Römerin in Tracht. Bleistift auf Velin. 23,4 x 19 cm. Bezeichnet und datiert unten mittig: „Subiaco Nov 25“, von fremder Hand bezeichnet unten links „F. Weller“, verso oben in schwarzer Feder „P2 W26“. 2.400 € Frühe Vorstudie für das 1829 vollendete Gemälde „Gaukler auf der Piazza Montanara in Rom“, Thorvaldsens Museum, Kopenhagen (inv. no. B166).

Friedrich Horner (1800–1864, Basel)

Provenienz: Laut Mitteilung des Vorbesitzers aus der Sammlung Otto Markés, Basel. Nach erstem Zeichenunterricht bei Peter Birmann bildet sich Horner in Paris und München weiter, geht 1822 nach Italien und lässt sich 1838 für 10 Jahre in Rom nieder, um die antiken Baudenkmäler und Ruinen und die italienische Landschaft vor allem im Aquarell zu schildern.

Deutsch

6544 Ländliches Fest vor den Toren Roms. Aquarell über Bleistift auf Velin. 29,1 x 40,8 cm. Monogrammiert unten rechts „F.H.“.

6545 um 1800. Rom: Blick auf den Aventin mit Santa Sabina. Feder in Graubraun auf Bütten. 15,5 x 28,2 cm. Verso in Bleistift bez. „Il monte aventino dal ponte volte“.

1.200 €

450 €

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Theodor Leopold Weller (1802–1880, Mannheim)

6546* Stehender italienischer Hirtenjunge im Profil. Schwarze und braune Kreide, weiß gehöht, auf hell­ braunem Velin. 42,1 x 28,5 cm. 1.500 € Die Studie entstand wohl während einem der langjährigen Italienaufenthalte Wellers. Seine wichtigsten Schaffensjahre verbrachte er 1825-33 und 1840-48 in Rom und Umgebung.

Joseph Höger (1801–1877, Wien)

6547 Kalvarienbergkapelle im Berchtesgadener Land. Aquarell über grauem Stift, montiert. 18,2 x 22,9 cm. Unten links signiert und datiert „J. Höger. 1841“. 800 €

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Der Wiener Landschaftsmaler und Aquarellist Joseph Höger unternahm mit seinem Schwager, dem Maler Friedrich Gauermann, zahlreiche Künstlerreisen, unter anderem zwischen 1831 und 1845 in beinahe jährlichem Rhythmus ins Berchtesgadener Land. Die dort gesammelten Eindrücke verarbeitete er zu stimmungsvollen Aquarellen und Gemälden. Eine besondere Vorliebe hegte er für das Motiv der Waldkappelle, welche unter dem Schatten hoher Bäume an einsamen Bergwegen als beschaulicher Zufluchtsort für Betende dient. Das gleiche Sujet nahm Höger bereits in einem 1835 entstanden Gemälde vorweg, welches heute im Wiener Belvedere hängt (Inv.nr. 8044, siehe Kunst des 19. Jahrhunderts. Bestandskatalog der Österreichischen Galerie in Wien, Bd. 2: F-K, S. 165 mit Abb.). - Beigegeben eine Lithographie nach demselben Motiv, die Joseph Höger für den Wiener Verlag L. T. Neumann fertigte.

6548 Waldpartie mit Farnen und Bach. Bleistift auf Velin. 10,9 x 18,2 cm. 400 € Beigegeben zwei Skizzenbuchblätter des Künstlers „Flusslandschaft mit Ruderer“ und „Figurenstudien“.

Thomas Ender (1793–1875, Wien)

6549 Skizzenblatt mit den Landschaftssilhouetten Silistras, Oltinas und Baltagestis in Bulgarien und Rumänien. Bleistift, teils aquarelliert. 18 x 25,4 cm. Eigenhändig numeriert, betitelt bzw. bez. „136. Silistra. türkische Stadt Bulgarien / 137. Wallachisches Ufer. Bulgarisches Ufer bey Marten (durchgestrichen) Oltiha. / 138. Bulgarisches Ufer. Baltadigeste zwischen Rosova u. Harsova.“. Um 1837. 600 € Die Zeichnung entstand vermutlich auf einer Donaufahrt des Künstlers, die er 1837 in Begleitung des Erzherzogs Johann von Österreich auf dem Weg nach Konstantinopel und Griechenland unternahm. 6549 102


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Deutsch oder Östereichisch 6550 Anfang 19. Jh. Panorama der Hochgerngruppe in den Chiemgauer Alpen. Aquarell über Spuren von Bleistift, auf Karton aufgezogen. 25,1 x 75 cm. 2.400 € Der Künstler führt den Blick des Betrachters über die Gemeinde Staudach-Egerndach auf die Chiemgauer Hochgerngruppe mit, von links nach rechts gesehen, dem Silleck (1565 m), der Zwölferspitze (1633 m) und dem Hochgern (1748 m). Selbst die Schnappenkirche (1085 m) am Westhang, an dem sich die Gruppe ins Marquartsteiner Tal senkt, bleibt dem Maler nicht verborgen. Die Reichhaltigkeit der Blau-, Grün-, und Grauabstufungen, die klare Präzision der Landschaftsauffassung, die Nass-in-Nasstechnik und nicht zuletzt das ungewöhnliche Pan­ orama­format gemahnen an die Aquarellkunst Thomas Enders.

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Joseph Selleny (1824 Wien – 1875 Inzersdorf)

6551 Studien tropischer Pflanzen. Aquarell über Bleistift auf Papier. 20,3 x 27,8 cm. Die Pflanzen eigenh. bezeichnet „Cana“, „Guava“, „Zuckerrohr“ und „Calzolaria quinquefolia/ Cassia“, verso von fremder Hand bezeichnet „Tahiti“. 750 € Nach 51.686 zurückgelegten Seemeilen lief die österreichische Fregatte Novara wieder in Triest ein, nachdem sie 28 Monate zuvor von dort zu ihrer Weltumsegelung aufgebrochen war. Mit dabei: der Wiener Landschaftsmaler und Aquarellist Joseph Selleny. Der Künstler fungierte während der wissenschaftlichen Expedition (1857-1859) zwecks einer geplanten Publikation, ganz im Sinne von Alexander von Humboldts Kosmos, als „Bildberichterstatter“. Wenige Monate nach seiner Rück-


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kehr brach er in Begleitung von Erzherzog Ferdinand Maximilian zu einer weiteren Reise nach Südamerika auf (1859-1860). Selleny fertigte auf beiden Expeditionen zahlreiche Skizzen und Entwürfe von großem dokumentarischen Wert an, die über die Darstellung von exakten Küstenlinien der Kontinente, Städten, Szenen aus dem Alltag der Reisenden und der einheimischen Völker zu genauen Aufnahmen der fremden Pflanzenwelt reichen. Beigegeben von demselben Künstler eine signierte Waldlandschaft sowie 15 Bleistiftzeichnungen mit Landschaften, Orten und Bewohnern der Campagna, die zwischen 1853-1855 während einer ausgedehnten Studienreise nach Rom und Neapel entstanden. 6551 105


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Achille Vianelli

Victor Paul Mohn

(1803 Porto Maurizio – 1894 Benevento)

(1842 Meißen – 1911 Berlin)

6552 Blick auf den Golf von Neapel von der Hermitage von San Salvatore aus gesehen. Aquarell über Umrissradierung. 20 x 29,3 cm. 1829.

6554 Campagnalandschaft mit Ochsengespann. Bleistift auf Velin. 22 x 31,8 cm. Unten rechts in Bleistift bez. „14. Dresden Juny 1882“.

2.400 €

450 €

Der Aquarellmaler, Lithograph und Radierer Achille Vianelli ist einer der Mitbegründer der Scuola di Posillipo. Er war der Schwager Giacinto Gigantes. Das vorliegende Blatt besticht durch das äußerst subtile und atmosphärische Kolorit, das vorzüglich frisch erhalten ist. Selten.

Provenienz: Sammlung Dr. Eugen Lucius (1834-1903), Frankfurt a. M./ Schönstadt.

Deutsch 6553 um 1840. Die Bucht von Palermo mit dem Monte Pellegrino, rechts die felsigen Ausläufer des Monte Ercta. Pinsel in Braun und Grau über Bleistift, auf Sammlungskarton alt montiert. 18,7 x 28,5 cm. 600 €

Beigegeben eine weitere Landschaftszeichnung von Victor Paul Mohn nach Albert Venus.

Franz Reinhold (1816–1893, Wien)

6555 Der Hafen von Como, links im Hintergrund die Kuppel des Domes. Bleistift auf Velin. 23,5 x 31,8 cm. Am Unterrand datiert „Como 1844“. 600 € Franz Reinhold studierte 1830/40 an der Wiener Akademie unter Thomas Ender und Franz Steinfeld. 1844 unternahm er eine Studienreise nach Oberitalien. Beigegeben eine weitere Bleistiftzeichnung des Künstlers „Herrenhaus in einer hügeligen Landschaft“.

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Italienisch 6556 19. Jh. Venezianisches Architekturcapriccio im Stile Guardis. Gouache. 26 x 42 cm. 900 € Francesco Santarelli (tätig um 1827)

6557 Der Sibyllentempel in Tivoli. Fixé-sous-verre. 12,4 x 10,4 cm. Verso signiert, datiert und eigenh. betitelt „Tempio della / Sibilla / in / Tivoli. / F.cus Santarelli f. / 1827.“ 400 € Italienisch 6558 1. Hälfte 19. Jh. Sechs Ansichten vom Golf von Neapel: Golfo di Napoli, Gaeta, Capri, Ponti di Galicola, Cratere del Vesuvio, Il Molo di Napoli. 6 Gouachen mit schwarzer, gezeichneter Umrahmung. Je ca. 7,7 x 10,8 cm. 2.000 € 6557 108


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Joseph Höger

Franz Alt

(1801–1877, Wien)

(1824–1914, Wien)

6559 Venedig: Blick über die Lagune auf Murano, im Hintergrund die Alpen. Aquarell über Graphit auf Velin, verso in Graphit „Segelschiff vor der Anlegestelle“ und Kalkulationen. 23,9 x 32,8 cm. Unten links signiert „Höger“ sowie unten rechts eigenh. bez. „Murano“.

6561 Holländisches Fischerboot mit Beiboot. Bleistift auf Velin. 19,1 x 13,2 cm. Unten links signiert, datiert und bez. „Gent am 7. August (1)859. Franz Alt“.

1.200 €

500 € Beigegeben von demselben vier Skizzenbuchblätter aus Rom von 1856 (Fischhändler auf dem Markt, Figurenstudien) und Rothenburg ob der Tauber sowie eine zwei Bleistiftzeichnung „Blick auf den Altar der Schlosskapelle in Frohsdorf“, insgesamt 6 Blatt.

Bernard Fiedler (1816 Berlin – 1904 Triest)

6560 Verona: Blick vom Riva San Lorenzo auf den Ponte di Castelvecchio. Bleistift und roter Farbstift auf grau grundiertem Papier, die Lichter mit dem Federmesser herausgekratzt. 23,2 x 32 cm. Unten links signiert, datiert und bez. „B. Fiedler. 1850 Verona n. d. Natur gez.“. 300 € 111


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6563

Ignace Duvivier (1758 Rians – 1832 Paris)

6562 Ansicht von Kairo: Blick über den Nil auf die Stadt. Bleistift auf Velin, braun laviert. 25,8 x 41,5 cm. Unten links eigenh. betitelt „une partie de Caire“. 1.200 € Provenienz: Aus dem Besitz des Sohnes des Künstlers. Sammlung Alfred Ritter von Pfeiffer (1858-1913), Wien. C.G. Boerner, Auktion vom 7.-9. Mai 1914, Los 121 (Nr. 61). Sammlung Rudolf Ritter von Gutmann (1880-1966), Wien. Sotheby‘s, London, Sammlung Rudolf von Gutmann, Auktion am 2. April 1993, Los 34. Beigegeben von Ignace Duvivier sieben weitere topographische Ansichten aus dem Nahen Orient: eine weitere Ansicht von Kairo „Caire“, zwei Ansichten vom Nil mit felsigem Ufer „Patamonde/ Borde du Nil“ und „Borde du Nil“, zwei Ansichten von Suez „Partie des Murailles de Sues sur Mer Rouge“ und „de Sues sur la mer rouge“ sowie des Jerusa­ lemer Tempels „parte du temple/ Jerusalem“.

6563 Ansicht des Venustempels in Baiae bei Neapel. Feder in Braun über Bleistift, grau und braun laviert auf Whatman-Velin. 25,8 x 41,4 cm. Unten links eigenh. betitelt „vue du temple de Serapis près de Naple“. 1.200 € Provenienz: wie bei Los 6562 Beigegeben von Ignace Duvivier vier weitere topographische Ansichten Süditaliens: Blick auf Procida im Golf von Neapel „vue du chateau

de projita“, die Felsenhöhle von Cumae „grote de la Sibile a Cume près de Naple“, das sog. Grab des Vergils bei Posillipo „restes du tombeau de Virgile, Situé Sur la gote de Pogilipe a naple“ und das Stadttor von Fondi an der Via Appia „Fondi et la Via Appia“.

6564 Ansicht des Château des Rohan in Saverne im Elsass. Feder in Braun über Bleistift, grau und braun laviert auf Bütten. 25,8 x 41,2 cm. Unten links eigenh. bezeichnet „vue du chateau de Salerne (sic!) près de Strasbourg cetait la residence des Eveques“. 1.200 € Provenienz: wie bei Los 6562 Beigegeben von Ignace Duvivier sieben weitere topographische Ansichten aus Frankreich und England: Blick auf das Schloss Coucy-les-Eppes bei Laon „Chateau de Coucy dep. de l‘Aisne“, Burgruine Hohbarr bei Saverne im Niederelsass „restes du chateau de Hautbal en Alzace“, Ruinen auf einem Hügel „restes du chateau de Thieri d‘Alzace [...]“, das Schloss Mehun-sur-Yèvre bei Bourges „vue du chateau de Meun dans le Berry pres de bourges, charles 7 roy de france est mort de faim dans cette tour [...]“, die Ruine Okenhampton Castle bei Devon „Le chateau d‘Okenhampton, situé dans le centre de la comté de Devon...“, Schloss Trematon in Cornwall „vue du chateau de trematon dans le Comté de Cornouaille [...]“, Reste des Kenilworth Castle, südlich von Birmingham „Restes du Chateau de Kenilworth [...]“.

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Ignace Duvivier 6565 Ansicht eines Wasserfalls im Park „Sofiyivka“ (Sofiowka) in der Stadt Uman, Ukraine. Aquarell über schwarzer Feder. 32,8 x 44,9 cm. Auf dem originalen Fensterpassepartout in brauner Feder bez. „Le Jardin de Sofiowka près de Human en Ukraine appar­ tenant à la famille Potocki“ und „dessinée par Duvivier à Vienne“. (1815-1819). 900 € Nach einer Skizze Ludwig Fuhrmanns (1783-1829) ausgeführte Vorlage für die von Philipp Veith in Dresden gestochene Tafel Nr. 4 „Kaskada w Sofiówce“ in: Edward Raczynski „Dziennik podrózy do Tyrcyi odbytey wroku MDCCCXIV“ (Malerische Reise in einigen Provinzen des Osmanischen Reiches im Jahr 1814), Breslau 1821.

Nach einer Skizze Ludwig Fuhrmanns (1783-1829) ausgeführte Vorlage für die von Johann Jakob Wagner in Leipzig gestochene Tafel Nr. 1 „Widok Zamku w Lucku na Wolyniu“ in: Edward Raczynski „Dziennik podrózy do Tyrcyi odbytey wroku MDCCCXIV“ (Malerische Reise in einigen Provinzen des Osmanischen Reiches im Jahr 1814), Breslau 1821. „Das einst sehr feste Schloß in Luck steht nun öde und verlassen da. Es ist nicht bekannt, wer der Erbauer desselben gewesen, doch glaube ich nicht, daß es ein Werk des russischen Fürsten Wolodimir sein, welcher die Stadt selbst angelegt hat [...] Die Landschaft zwischen Luck und Dubno ist höchst malerisch“ (Graf Eduard Raczynski, Malerische Reise in einigen Provinzen des Osmanischen Reiches. Hrsg. von Peter Zieme. Bibliotheca Orientalis Hungarica XLV, 1997, s. 8).

François Alexandre Pernot (1753–1865, Vassy)

Anna Potocka (1779 Warschau – 1867 Paris)

6566 Ansicht von Luzk (Luck) in der Ukraine. Feder und Pinsel in Braun über Graphit. 24,8 x 39,4 cm. Unten links signiert „C. G. Hammer del Dresden“, auf dem originalen Fensterpassepartout in brauner Feder bez. „Vue de Luck anciennement Capitale du palatinat de Volhynie“ und ʺdesiné par la Comtesse Alexandra Potocka née Teysszkiewicz“. (1815-1819). 900 € 114

6567 Ansicht der Burgruine Ostrog in der Ukraine Feder und in Pinsel in Braun. 20,1 x 31,3 cm. Unten rechts signiert „F. A. Pernot. 1824“. Auf dem originalen Fensterpassepartout in brauner Feder bez. „Ruines du Chateau d‘Ostrog en wolhynie“ und „dessiné par Duvivier à Paris“. 750 € Zeichnung nach der von Christian Gottlob Hammer nach einer Vorlage Zygmunt Vogels gestochenen Tafel 2 in: Edward Raczynski „Dziennik podrózy do Tyrcyi odbytey wroku MDCCCXIV“ (Malerische Reise in einigen Provinzen des Osmanischen Reiches im Jahr 1814), Breslau 1821.


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Christian Gottlob Hammer (1779–1864, Dresden)

6568 Ansicht des Schlosses von Fürst Maximilian Jablo­ nowski in Staryi Kryvyn bei Ostroh in der Ukraine. Feder und Pinsel in Braun. 19,6 x 31,4 cm. Unten links signiert „C. G. Hammer del Dresden“, auf dem originalen Untersatzpapier bez. „Krzywin Maison de Campagne du Prince Maximilien Jablonowskiʺ und ʺdesinée par Hammer à Dresde“. (1815-1819). 900 € Nach einer Skizze Ludwig Fuhrmanns (1783-1829) ausgeführte Vorlage für die von Berger in Wien gestochene Tafel Nr. 3 „Widok Krzewina“ in: Edward Raczynski „Dziennik podrózy do Tyrcyi odbytey wroku MDCCCXIV“ (Malerische Reise in einigen Provinzen des Osmanischen Reiches im Jahr 1814), Breslau 1821. Graf Edward Raczynski reiste im Juli 1814 von Polen durch die heutige Ukraine über Odessa in die Türkei, wo er bis zum November Istanbul, den Bosporus und die Gegenden um Troja und Hellespont besuchte. Er veröffentlichte 1821 einen ausführlichen Reisebericht mit zahlreichen Kupfertafeln, die von verschiedenen Stechern nach den Vorlagen mehrerer Zeichner und Aquarellisten ausgeführt wurden, die selbst wiederum Skizzen Ludwig Fuhrmanns verwendeten, der Graf Raczynski begleitet hat. Der polnischen Ausgabe dieses Reisewerks folgte 1824 eine deutsche Ausgabe mit den gleichen Kupfertafeln. „Am dreiundzwanzigsten Juli erreichte ich Krzewin, wo ich im Hause des gastfreien Fürsten Maximilian Jablonowski und seiner liebenswürdigen Gemahlin einige angenehme Tage verlebte“ (Graf Eduard Raczynski, Malerische Reise in einigen Provinzen des Osmanischen Reiches. Hrsg. von Peter Zieme. 1997, s. 10).

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6569 Ansicht des Canope-Tempels im Park Sofiyivka (Sofiowka) in der Stadt Uman, Ukraine. Aquarell und Deckfarben auf Velin. 44,5 x 31,4 cm. Auf dem originalen Fensterpassepartout in brauner Feder in französischer Sprache bez. „Le temple de Canope à Sofiowka dessiné par Hammer à Dresde“. (1815-1819). 1.500 € Nach einer Skizze Ludwig Fuhrmanns (1783 - 1829) ausgeführte Vorlage für die von Christian August Günther in Dresden gestochene Tafel Nr. 5 „Swiatynia Kanopa w Sofiówce“ in: Edward Raczynski „Dziennik podrózy do Tyrcyi odbytey wroku MDCCCXIV“ (Malerische Reise in einigen Provinzen des Osmanischen Reiches im Jahr 1814), Breslau 1821. Der auch heute noch berühmte Park „Sofiyivka“ wird von der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften betreut; er hat seinen Namen nach Sophia Potocka (1760-1822), Tochter eines griechischen Kaufmanns in Bursa, die seit 1798 mit Stanislaw Potocki (1753-1805) verheiratet war, der den Park 1796-1802 errichten ließ.


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Monogrammist WB (tätig um 1800)

6570 Blick über die Newa auf den Palast der Steinernen Insel (Kamenny Ostrova) in Sankt Petersburg Gouache. 11,9 x 15,6 cm (im Oval). Unten rechts monogrammiert „WB“. Um 1800. In einem feuervergoldeten russischen Bronzerahmen, dieser eingelassen in ein Birkenholzpanel. 900 € Der neoklassizistische Palast auf der Steinernen Insel wurde in den 1770er Jahren von der Zarin Katharina der Großen von Russland für ihren Sohn Paul in Auftrag gegeben. Die Residenz wurde unter der Generalaufsicht des Hofarchitekten Georg Friedrich Veldten (17301801) erbaut und Jean-François Thomas de Thomon (1760-1813) übernahm die Gestaltung des Gartens. Der unbekannte Zeichner zeigt den Blick von der gegenüberliegenden Flusseite der Newa auf den Palast in seiner vollen Pracht.

Russisch 6571 Ende 19. Jh. Junge mit Drehleier und Makake. Feder in Schwarz über Bleistift, grau laviert, auf bräunlichem Velin. 19,1 x 11,4 cm. Verso mit Bleistift bezeichnet „H. Boik (?) Petersburg“. 700 € Provenienz: Sammlung Dr. F. Wilhelm Denzel, München (sein Stempel verso, nicht in Lugt). 6571 118


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Ludwig Thiersch (1825–1909, München)

6572 Rostow am Don: Blick auf den Kreml. Bleistift auf Velin. 12,9 x 19,6 cm. Am unteren Rand signiert datiert und wohl eigenh. bez. „Rostoff, d. 6. Juli 1860. / L. Thiersch del. / ad naturam“ und „Dom 1200 / Woskresenskaja 1650 / Spasa Ioanu Bogoslawa 1650“. 400 €

Deutsch 6573 um 1840. Sankt Petersburg: Blick über einen Wirtschaftshof auf die Dächer der Palais auf der WassiljewskiInsel. Aquarell auf Velin und dünnem Velin. 15,9 x 28,5 cm. 600 € Die direkt vor Ort aufgenommene Zeichnung zeigt einen Wirtschaftshof wohl auf der Wassiljewski-Insel im Newadelta, auf der sich bis 1880 der Hafen von St. Petersburg befand. Rechts im Hintergrund ist der von Zar Peter dem Großen in Auftrag gegebene und 1734 fertiggestellte Turm der Kunstkammer zu erkennen.

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Carl Otto von Löwenstern (1755 Anstla in Livland – 1833 Dresden)

6574 Der Friedhof Aºiyan Asri bei der Festung Rumeli Hisarı am Bosporus. Gouache. 23,8 x 30,3 cm. Monogrammiert und datiert „OL. 1817“ sowie auf dem Untersatzpapier unterhalb der Darstellung in brauner Feder alt bezeichnet „Cimitière Hisar Mizar“ und „Otto de Löwenstern“. 400 € Die delikat ausgeführte und bildmäßig komponierte Ansicht des Friedhofs der osmanischen Festungsanlage Rumeli Hisarý auf der europäi­ schen Seite des Bosporus diente als Vorlage für eine Illustration in einem 1821 veröffentlichen Prachtband des polnischen Grafen Eduard von Raczynski (1786-1845). Raczynski reiste im Juli 1814 von Polen durch die heutige Ukraine und über Odessa in die Türkei, wo er bis zum November Istanbul, den Bosporus und die Gegenden um Troja und den Hellespont besuchte. Seiner Rückkehr folgte 1821 die erwähnte Veröffentlichung unter dem Titel „Dziennik podrózy do Turcyi odbyty wroku MDCCCXIV“ (Malerische Reise in einigen Provincen des Osmanischen Reiches, 1825 auch in Deutsch erschienen), die neben dem Reisebericht zahlreiche Kupfertafeln von der Hand des Prager Stechers Georg Döbler enthielt. Die Tafeln gingen auf Aquarelle und Zeichnungen verschiedener Urheber zurück, die wiederum nach Skizzen von Ludwig Fuhrmann entstanden waren, der den Grafen während seiner gesamten Reise begleitet hatte. Unser Blatt stammt vom livländischen Rittergutsbesitzer Carl Otto von Löwenstern und ist im Reisebericht als gestochene Tafel Nr. 26 zu finden: „Cmentzarz Turecki Hissar=Mizar rysowany przez Barona de Löwenstern“. 6575 120


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Eduard Hildebrandt (1818 Danzig – 1869 Berlin)

6575 Das Bab el Assa-Tor in Tanger von der Kasbah aus gesehen Richtung Altstadt. Aquarell und Deckfarben über Bleistift, an den Rändern hinter ein Passepartout montiert. 29,2 x 22,8 cm. Unten rechts mit Bleistift bezeichnet und signiert „E. Hildebrandt“. Um 1850/60.

Englisch 6576 19. Jh. In den Dardanellen: Küstenstadt mit großen Befestigungsanlagen; Küstenstadt mit Militärhafen. 2 Aquarelle. Je ca. 19,5 x 62,7 cm. Das Aquarell mit der Befestigung unten rechts in Bleistift unleserlich signiert und datiert „C B... 1862 (?)“, das Aquarell mit dem Militärhafen unten rechts mit angeschnittener Signatur „C B...“. 800 €

450 € Der vielgereiste Landschaftsmaler Eduard Hildebrandt war bereits 1848/49 erstmals auf einer Reise entlang der afrikanischen Ostküste gewesen, brach allerdings auch zu Beginn der 1860er Jahre erneut zu einer groß angelegten Weltreise auf, von der er mit mehr als 300 Aquarellen und Zeichnungen zurückkehrte, die im In- und Ausland große Anerkennung fanden.

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Zeichnungen des 19. Jahrhunderts ______________________________________________________________________________________________________________________________________________________

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Georg Macco (1863 Aachen – 1933 Genua)

6577 Blick auf die Akropolis in Athen im Abendlicht. Gouache auf festem Malkarton. 26,6 x 39,5 cm. Unten links „Georg Macco. 1927“ sowie verso eigenhändig bez. „Georg Macco. Düsseldorf. Rubens str. 3 / Naturstudie / Abend, Acropolis / 4“. 750 € Théodose Achille Louis du Moncel (1821–1884, Paris)

6578 Die Akropolis in Athen mit dem Olympieion und dem Hadrianstor. Bleistift auf Velin. 26,4 x 35,7 cm. Am Unterrand bezeichnet „L‘illisus“, „Panorama d‘Athenes près d. l‘emplace­ment du temple d. la fortune près le Stade“ sowie signiert „Th. du Moncel“.

vorliegende Zeichnung geht der Lithographie „Blick auf die Akropolis“ in seiner Publikation „Ïäïéðïñéêü ôïõ 1843 áðü ôçí ÁèÞíá óôï Íáýðëéï [Excursion from Athens to Nafplio in 1843]“ voraus: Wie unsere Zeichnung zeigt sie in einem weiten Panorama die noch unbebaute Ebene vor den Ruinen des Olympieions und des Hadrianstors, dahinter die Häuser der Unterstadt und die sich darüber erhebende Oberstadt, die Akropolis, mit ihren einst prächtigen Bauten.

Théodose Achille Louis du Moncel 6579 Die Stadt Izmir mit der Burg Kadifekale. Bleistift auf Velin. 26,3 x 35,9 cm. Am linken Rand signiert „Th. du Moncel“ sowie am Unterrand bezeichnet „Vue de Smyrne prise de la rade“. 750 € An den Ecken montiert.

1.200 € Théodose Achille Louis Vicomte du Moncel wurde in Paris als Nachkomme einer Adelsfamilie der Normandie geboren. Neben seinem Beruf als Maler und Graveur zeichnet er sich vor allem als Physiker und Mathematiker aus, der sich auf Elektrizität spezialisierte. Als junger Mann reist er ab 1843 nach Venedig, Griechenland, Konstantinopel, Malta, Messina und Neapel. Seine Reiseeindrücke dokumentiert er in zahlreichen Zeichnungen. Diese dienen ihm nach seiner Rückkehr als Vorlage für Lithographien, die er in großformatigen Reisealben mit erläuternden Texten und Beschreibungen veröffentlicht. Die hier

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Théodose Achille Louis du Moncel 6580 Die Hafenstadt Ancona vom Wasser aus. Bleistift auf Velin. 26,4 x 35,6 cm. Am linken Rand signiert „ Th. d. Moncel“ sowie am Unterrand bezeichnet „Panorama d‘Ancone près du milieu du port.“ 750 €


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Auguste-Etienne-François Mayer (1805–1890, Brest)

6581 Orientalischer Garten am Bosporus, im Hintergrund die Silhouette von Istanbul. Aquarell, im Rund. D. 8,7 cm. Am Unterrand signiert „A. Mayer“, verso auf dem Rahmenrückdeckel mit dem Aufkleber der Galerie Commeter, Hamburg. 600 € 6582 Sommertag am Bosporus. Aquarell. 8,2 x 10,9 cm. Unten rechts signiert und datiert „A. Mayer (18)82“, verso auf dem Rahmenrückdeckel mit dem Aufkleber der Galerie Commeter, Hamburg. 450 € 6582

Englisch 6583 19. Jh. Ruinen bei Feroz Shah Kotla in Nordindien mit Wasserbüffel und Bauern. Gouache. 47,7 x 53,6 cm. 800 € Die heute nicht mehr erhaltenen Ruinen waren Teil einer Zitadelle am Fluss Jumna (heute im Südosten Dehlis), die im 14. Jahrhundert vom Herrscher aus der Tughluq-Dynastie Firuz Shah erbaut worden war. Unsere Zeichnung orientiert sich an einer handkolorierten Aquatinta von Thomas Daniell (1749-1840), der nach einer siebenjährigen Reise durch Indien 1795-1797 das mehrbändige Werk Oriental Scenery veröffentlichte. In seinen Architektur- und Landschaftsansichten treffen in einem spannungsvollen Wechselverhältnis westlich geprägte Bildkonventionen auf dokumentarisch wertvolle Pionierarbeit. 6583 124


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Georg Emanuel Opiz (1775 Prag – 1841 Leipzig)

6584 Indien: Prozession zu Ehren der hinduistischen Göttin Kali. Feder in Grau, aquarelliert, über Spuren von schwarzer Kreide, montiert. 42,5 x 35,3 cm. Unten rechts signiert „G. Opiz“. 1.200 €

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Georg Emanuel Opiz 6585 „La Garde bourgoise de Leipsic, d‘après le Journées tumultnaires 1830“. Feder in Grau, aquarelliert, aufgezogen. 48,3 x 37,6 cm. Unten links signiert „G. Opiz, del.“ und betitelt „La Grade bourgoise de Leipsic, formée d‘après le Journées tumultnaires / du 2, 3, et 4 Septemb. 1830. Le Comerce, les Bourgois et le Etudians!“ 750 € Der Zeichner und Grafiker Opiz gehörte zu den Schülern Francesco Casanovas in Dresden. Über Stationen in Wien, Paris, Heidelberg und Altenburg gelangte er schließlich 1820 nach Leipzig, wo er dem biedermeierlichen Volksleben der sächsischen Handelsstadt sein unverwechselbares Gesicht gab. Das vorliegende Blatt stammt aus der Folge „Le Monde en Miniature ou Tableaux characteristiques de differentes Nations“ von 1831, es zeigt Angehörige der Leipziger Bürgergarde und Studenten als Ordnungshüter während der Unruhen in den ersten Septembertagen 1830. 6585 125


Zeichnungen des 19. Jahrhunderts ______________________________________________________________________________________________________________________________________________________

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Wilhelm von Lindenschmit d. J. (1829–1895, München)

6586 „Ruhmeshalle der deutschen Musik (1740-1867)“. Grauer Stift (Kreide oder Kohle) auf festem Papier, auf Leinwand kaschiert. 130 x 190 cm. Unten links signiert „W. Lindenschmit“. Um 1867. 2.400 € Spross einer Künstlerfamilie, erhielt der Mainzer Historienmaler seinen ersten Unterricht bei seinem Vater Wilhelm, bevor er 1842/43 sein Studium an der Münchner Akademie antrat, das er später in Frankfurt und Antwerpen fortführte. Unsere beiden Werke entstanden im Rahmen seiner Zusammenarbeit mit dem Münchner Verlag F. Bruckmann, in dessen Auftrag er zwischen 1863 und 1867/68 eine Reihe von Kartons als Druckvorlagen fertigte. Dieses einträgliche Nebengeschäft hatte der Siegeszug der Fotografie im Laufe des 19. Jahrhunderts ermöglicht und neben Lindenschmit waren auch weitere namenhafte Künstler wie Wilhelm von Kaulbach und Carl Jäger für das Taditionshaus tätig. Die gezeichneten oder gemalten Vorlagen wurden als Fotografie oder Stich vertrieben und so fand auch unsere „Ruhmeshalle der deutschen Musik (1740-1867)“, wie verschiedene Werbeanzeigen des Verlags in deutschen Tageblättern bestätigen (vgl. u.a. Hamburger Nach-

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richten, Nr. 297 vom 13.12.1868, S. 14), als kleinformatiger Kupferstich von der Hand Adolph Neumanns und als kostengünstigere fotografische Reproduktion Verbreitung. Geschickt löst der Künstler in unserem großformatigen Vorlagewerk die Aufgabe auf engem Raume ein große Anzahl von Figuren porträtähnlich und in entsprechender Beziehung zueinander malerisch zusammenzustellen und dabei gleichzeitig gebührend zur Geltung kommen zu lassen. Vor dem architektonischen Hintergrund einer klassizistischen Halle versammeln sich auf und um einen podestartigen Marmoraufbau die Größen deutscher Musik: Komponisten, aber auch Sänger, Textdichter und Instrumentalvirtuosen. Mit Mozart, Haydn, Bach, Händel, Beethoven, Schubert, Schumann und seiner Frau Clara, Wagner, Liszt und Weber seien hier nur die prominentesten unter den 82 Dargestellten genannt. Die Identifizierungen der einzelnen Figuren ermöglicht, neben den erstaunlich veristischen Porträts, eine Bildlegende, die Bruckmann dem Stich Neumanns beilegte - ein Exemplar ist digitalisiert im Nachlass der Familie Schnorr in der Sächsischen Landes- Staats- und Universitätsbibliothek in Dresden erhalten (Mscr.Dresd.n, Inv. 3, Bl. 22). Als Pendant zur diesem Karton fertigte Lindenschmit die „Ruhmeshalle außerdeutscher Musik (1564-1864)“, heute in der Bayerischen Musikakadmie.


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Wilhelm von Lindenschmit d. J. 6587 Dante und die italienische Literatur (1265-1865). Grauer Stift (Kreide oder Kohle) auf festem Papier, auf Leinwand kaschiert. 160 x 188 cm. Unten links signiert „W. Lindenschmit“. Um 1865. 3.000 € Die grandiose Zusammenstellung italienischer Schriftsteller, Poeten und Literaten schuf Lindenschmit wohl in Hinblick auf das DanteJubiläum im Jahr 1865 und so reihen sich auf einer Freitreppe eines mediterranen Gartens die meisterhaft wiedergegebenen Persönlichkeiten in sinniger Gruppierung rund um die zentrale Figur des florenti­ nischen Meisters. Der Barbier Burchiello lagert neben der Fontäne im Vordergrund und neben ihm die bedeutendsten Humanisten der Renaissance Pico della Mirandola, Lorenzo de‘ Medici, Giorgio Vasari, Galileo Galilei und Giordano Bruno. Am gelungensten sind vielleicht die Darstellungen der Musen und Heldinnen: Eine wunderschöne

Laura bekrönt den schwärmerisch blickenden Petrarca und die jungfräuliche Beatrice reicht Dante ihre zarte Hand, während die hochgewachsene noble Eleonora d‘Este zur Gruppe um Tasso blickt, der im rechten Vordergrund ernst und besonnen dem stehenden Ariosto brüderlich seine Hand darbietet. Dort sind weiter Boccaccio und Macchiavelli sowie Metastasio, Goldoni und Alfieri versammelt. Die Terrasse über ihren Köpfen besetzt die neuere Literatur angeführt von Manzoni und Parini. Als Fotografie von Bruckmann verbreitet, rezipierte man unsere Originalvorlage bis nach London, wo sie im Atheneum ausgiebig besprochen wurde (Nr. 1945 vom 4. Februar 1865, S. 171f.). Lobende Beiträge finden sich auch in der Presse hierzulande, etwa im Morgenblatt der Bayerischen Zeitung (Nr. 340 vom 9. Dezember 1864, S. 1158f) oder den Blättern für literarische Unterhaltung (Nr. 11 vom 16. März 1965, S. 174). Pendants zu diesem Karton sind „Shakespeare und die englische Literatur (1265-1865)“ sowie die „Ruhmeshalle der deutschen Literatur (1841-1861)“.

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Zeichnungen des 19. Jahrhunderts ______________________________________________________________________________________________________________________________________________________

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Niels Andreas Bredal (1841–1888, Kopenhagen)

6588 Künstleratelier mit junger Frau bei der Betrachtung von Aquarellen. Aquarell auf Aquarellpapier. 69 x 48,5 cm. Unten links signiert und datiert „N. Bredal 1883“. 600 € 128


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Niels Wivel (1855 Hillerød – 1914 Kopenhagen)

6589 Selbstportrait. Feder in Schwarz. 18 x 12 cm. Unten rechts signiert und datiert „N: Wivel/ D:(18)83“. 600 € Nach seinem Studium bei Léon Bonnat in Paris hielt sich Wivel ab 1880 in Deutschland und Österreich auf. Er war Schüler von Wilhelm Lindenschmit in München gewesen. Das vorliegende Selbstporträt von 1883 zeigt, dass Wivel eine klassische Kunstausbildung genossen hatte und wie sehr er das Medium der Zeichnung beherrschte.

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Arthur von Kampf (1864 Achen –1950 Castrop-Rauxel)

6590 Ein Zeichner bei der Arbeit. Bleistift auf Velin. 42,1 x 27,6 cm. Unten signiert „a. Kampf“. Um 1900. 300 € 6590 129


Zeichnungen des 19. Jahrhunderts ______________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6591

Französisch 6591 um 1855-60. Salon im Stil Napoléon III. mit grünen Fauteuils Aquarell, gold gehöht, aufgezogen. 42 x 59 cm. Unten rechts undeutlich signiert. 1.800 € Das fein ausgeführte Aquarell gewährt einen intimen Einblick in einen prächtigen und zugleich wohnlich eingerichteten Salon. Spuren der Bewohner finden sich in den liebevoll eingestreuten Details wie dem braunen Mantel des Hausherrn auf dem Sessel vor dem Schreibtisch und den um den Arbeitsplatz arrangierten Bildnissen der Lieben. Auf Augenhöhe hängt das Porträt der Ehefrau, flankiert von Kopien nach Franz Xaver Winterhalters 1853 fertiggestellten Gemälden von Napoleon III. und der Kaiserin Eugénie. Am rechten Tischrand steht sogar ein gerahmtes Bild des Hausdackels, der charmant die Pose des leibhaf-

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tigen Tieres zu Füßen des Knaben auf dem grünen Kanapee im hinteren Raumende wiederholt. Das vornehme Interieur ist ganz im historistischen Stil des Second Empire eingerichtet. Die für diese Einrich­­tungsmanier charakteristische Rückbesinnung auf vorangegangene Epochen zeigt sich in den Rokoko-Ornamenten am Kaminspiegel, wo auch eine Statuette der Marie Antoinette steht, sowie in den typischen fransenbesetzten Fauteuils und Boulle-Kommoden, welche zu beiden Seiten der Flügeltür an der Stirnseite des Saals stehen.


____________________________________________________________________________________________________________________________________________________ Zeichnungen des 19. Jahrhunderts

6592

Französisch 6592 um 1855-60. Kleiner Salon im Stil Napoléon III. mit Blick in einen Wintergarten. Aquarell, aufgezogen. 41,9 x 58,6 cm. Unten rechts undeutlich signiert. 1.800 € Auch dieses Blatt erlaubt einen wunderbaren Einblick in die Wohnkultur des gehobenen Bürgertums der Restauration. Ebenso detailliert, hat dieses Interieur mit Blick ins Grüne jedoch einen weitaus privateren Charakter. Es herrscht friedliche Ruhe, Zeugnis von den abwesenden Hausbewohnern legen erneut persönliche Gegenstände ab. Da sind papierbeladene Tische, in einer Vitrine über dem Schreibpult steht eine kleine Sammlung venezianischen Glases. Auch der Dackel begeg­ net uns wieder, hier rechts neben der Glastür an der Wand kokett unter einem Bildnis der Isabella Farnese platziert.

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Zeichnungen des 19. Jahrhunderts ______________________________________________________________________________________________________________________________________________________

August Xaver Karl Ritter von Pettenkofen (1822–1889, Wien)

6593 Ungarischer Hirte. Schwarze Kreide und Feder in Sepia auf festem Velin. 22,8 x 11,9 cm. Unten links signiert und datiert „Pettenkofen (18)53.“. 750 € Beigegeben von demselben vier weitere Bleistiftzeichnungen: Ein stehendes Mädchen und eine Marktszene, je mit dem Nachlassstempel des Künstlers, weiterhin die Darstellung eines Heuwagens und eine Straßenszene, letztere aus der Sammlung des Fürsten von Lichtenstein (Lugt 4389). Sämtlich aus einer unbekannten Sammlung (RSM mit Schale der Hygieia im Dreieck, nicht bei Lugt).

Simon Warnberger (1769 Pullach bei München – 1847 München)

6594 Alpenländische Landschaft mit Hirten und Viehherde an einem Teich. Feder in Schwarz und Aquarell über Spuren von Graphit, auf Whatman-Velin. 21,5 x 29,2 cm. Unten links signiert und datiert: „S: Warnberger. 1832“. 750 € Provenienz: Aus der Sammlung B. Wolff (Lugt 420). Simon Warnberger war Schüler der Münchener Akademie und Joseph Georg Winters (1751-1789). 1810 wurde er zum königlichen Hofmaler und 1824 zum Mitglied der Akademie ernannt. Als Landschafter gilt er als einer der Vorläufer der Stimmungsmalerei. Beigegeben eine deutsche Zeichnung des späten 18. Jhs. mit eleganten Flaneuren in einer Parklandschaft, ebenfalls aus der Sammlung B. Wolff (Lugt 420).

Anton Romako (1832–1889, Wien)

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6595 Ein Spitz. Aquarell und Deckweiß über Spuren von schwarzem Stift auf Velin. 19,5 x 27,7 cm. Unten rechts in Bleistift bezeichnet „Romako“. 750 € Anton Romako zählt durch seine technisch revolutionären Werke zweifellos zu den einflussreichsten Vertretern der österreichischen Malerei des 19. Jahrhunderts. Nach dem Studium an der Wiener Akademie und Aufenthalten in München und Spanien, siedelte er 1857 nach Rom um, wo er beinahe zwanzig Jahre lang als erfolgreicher und gefragter Genremaler für ein internationales Klientel tätig war. Vor seiner Ankunft in Rom verbrachte Romako einige Jahre (1854-1856) in Carl Werners Meisteratelier für Aquarellmalerei in Venedig und fortan sollte dieses Medium innerhalb seiner künstlerischen Produktion für die ganze Dauer seines Italienaufenthalts eine hervorragende Rolle spielen. Unser Blatt entstand als Studie für den Hund des Aquarells „Beim Kirchgang“, wo er links vor den Stufen der römischen Kirche SS. Vincenzo ed Anastasio zu sehen ist (siehe Cornelia Reiter: Anton Romako. Pionier und Außenseiter der Malerei des 19. Jahrhunderts. Monografie mit Werkverzeichnis, Weitra 2010. Kat.Nr. 272, mit Abb.).

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Zeichnungen des 19. Jahrhunderts ______________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Josef Kriehuber (1800–1886, Wien)

6596 Knabenbildnis Kaiser Franz Josephs mit Hündchen. Bleistiftzeichnung, teils aquarelliert auf chamoisfarbenem Karton. 24,3 x 20 cm. 800 € Provenienz: Aus einer unbekannten Sammlung (RSM mit Schale der Hygieia im Dreieck, nicht bei Lugt).

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Bereits als Dreizehnjähriger in die Zeichenklasse der Akademie der bildenden Künste in Wien aufgenommen, entdeckte Josef Kriehuber während seiner Ausbildungsjahre das noch junge Medium des Steindrucks und avancierte ab 1826 mit seinen Bildnislithographien zum gefragtesten Porträtisten der Wiener Gesellschaft. Das über 3000 Werke umfassende Oeuvre, heute größtenteils in der Albertina und der Österreichischen Nationalbibliothek aufbewahrt, legt visuell Zeugnis der Akteure der prägenden Biedermeier-Epoche ab: „So illustrierte Kriehuber die Zeitgeschichte malerisch, anstatt der Worte sehen wir Köpfe und Figuren, statt des toten Buchstaben die lebendige Gestalt.“ (Selma Krasa: Josef Kriehuber. Der Porträtist einer Epoche, Wien 1987, S. 31). Dass neben dem gehobenen Bürgertum auch die höchsten Adelskreise zu seinen Kunden zählten, führt unser Bildnis exemplarisch vor Augen. Beigegeben drei weitere Portraitzeichnungen Kriehubers (eine davon signiert) sowie eine signierte Zeichnung von Hand des Wiener Malers Albert Decker (1817-1871). Sämtlich aus einer unbekannten Sammlung (verso Stempel RSM mit Schale der Hygieia im Dreieck, nicht bei Lugt).

Carl Joseph Geiger (1822–1905, Wien)

6597 Kaiser Franz Joseph mit Kaiserin Elisabeth und zwei von ihren Kindern vor der Kulisse von Venedig. Pinsel in Grau. 40,2 x 27,5 cm. 600 € Provenienz: Aus der Sammlung Boguslaw Jolles, Dresden und Wien (Lugt 381). Aus einer unbekannten Sammlung RSH (nicht bei Lugt). 6597 134


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Österreich 6598 um 1800. Das Maidelberger Schloss von der Kunzendorfer Comercial Strasse aufgenommen. Aquarell auf Velin. 58 x 81 cm. Unterhalb der Darstellung in brauner Feder betitelt „Maidelberger Schloss / Von der Kunzendorfer Comercial Strasse aufgenohmen worden unter dem Hrn Bailly, und Comandeur Leop. Graf von Strasoldo“, in der Schriftzeile das Wappen der Grafen Strasoldo. 800 € Maidelberg (Divci Hrad) in den Ostsudeten gehörte seit dem 13. Jh. zu den Besitzungen des Bistums Olmütz. 1768 erwarb der Johanniterorden die Herrschaft und unterhielt hier bis 1918 eine Kommende. Leopold von Strasoldo (1739-1809) war von 1771-1809 Komtur der Kommende Maidelberg des Malteserordens.

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Zeichnungen des 19. Jahrhunderts ______________________________________________________________________________________________________________________________________________________

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6601

Österreichisch 6599 um 1840. Interieur mit einem Kakadu und zwei Hunden. Gouache auf Velin. 23 x 19,2 cm. 900 €

Thomas Faed (1826 Kirkcudbrightshire – 1900 London)

6601 Sir Walter Scott im Kreise seiner literarischen Freunde in Abbotsford. Deck- und Wasserfarben über Bleistift auf festem Velin. 63 x 81,3 cm. Um 1849. 6.000 €

Johann Nepomuk Ender (1793–1854, Wien)

6600 Ferdinand VII, König von Spanien, auf dem Totenbett. Aquarell auf dünnem Karton. 19 x 24 cm. Unten rechts in Bleistift signiert und datiert „Joh Ender 1833“. 600 €

Die Zeichnung zeigt den Schriftsteller Sir Walter Scott im Dining Room seines Anwesens Abbotsford in Schottland. Er liest aus einem Manuskript, umringt von seinen Freunden. Dargestellt sind von links nach rechts (sitzend): Thomas Thomson, James Ballantyne, Archibald Constable, Thomas Campbell, Tom Moore, Sir Adam Fergusson, Francis Jeffrey, William Wordsworth, John Gibson Lockhart, George Crabbe, Henry Mackenzie, Scott und auf dem Schemel James Hogg. Dahinter stehen Sir Humphrey Davy, Sir David Wilkie, Sir William Allan, Prof. John Wilson. Zu dieser Komposition existiert eine Gemäldeversion aus dem Jahr 1849 (National Galleries of Scotland, Edinburgh).

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Zeichnungen des 19. Jahrhunderts ______________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Carl Schulze (tätig um 1813)

6603 Blumenbouquet mit Lilie, Margerite und blauen Winden. Gouache auf braun grundiertem Bütten. 29,8 x 19,8 cm. Unterhalb der Darstellung signiert und datiert „Carl Schulze. 1813.“, verso in Bleistift bez. und datiert „No 26. den 6ten October mit 1813“. 450 €

6602

Leopold Zinnögger (1811–1872, Linz)

6602 Rosa blühender Phlox (Phlox drummondii). Deckfarben auf Velin. 34,3 x 23,2 cm. Signiert und datiert „Leopold Zinnögger 6/(1)842“ sowie bez. „Flox drimundi“. 450 € 6603 138


____________________________________________________________________________________________________________________________________________________ Zeichnungen des 19. Jahrhunderts

6604

Gottfried Wilhelm Völcker (1775–1849, Berlin)

6604 Zwei Zweige mit roten und weißen Johannisbeeren; Ein Schlehdornzweig mit Früchten. Zwei Blatt Aquarell und Gouache auf braunem bzw. braun präpariertem Papier. 18,2 x 19 cm und 17,5 x 14,9 cm. 600 € Provenienz: Sammlung Walther Unus, Berlin/Rom (eigentl. Walther E. Heinrich; ein Blatt mit Stempel Lugt 3915). Sammlung Ernst Heinrich, Berlin/Nienburg. Familie Heinrich, Bremen. Gottfried Wilhelm Völcker zählt zu den bedeutendsten klassizistischen Berliner Vertretern der Stillleben- und Blumenmalerei. Als Malereivorsteher der KPM und Professor an der Berliner Akademie trug er maßgeblich zur Hochblüte der Manufaktur bei.

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Zeichnungen des 19. Jahrhunderts ______________________________________________________________________________________________________________________________________________________

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____________________________________________________________________________________________________________________________________________________ Zeichnungen des 19. Jahrhunderts

6607

Thomas Ender

Willibald Schulmeister

(1793–1875, Wien)

(1851 Deutsch-Lodenitz bei Sternberg – 1909)

6605 Ansicht von St. Niklaus bei Zermatt im Visptal, Kanton Wallis, Schweiz. Aquarell über Bleistift. 29,9 x 44,6 cm. Unten rechts signiert „Th. Ender“ sowie verso bezeichnet „Th. Ender / St. Nikolass, Aufstieg zum kleinen Matterhorn, Schweiz“.

6607 Dorfmotiv aus Tirol. Aquarell auf Velin. 24,5 x 28,5 cm. Unten links mit dem Künstlerstempel „W. Schulmeister“.

1.200 € In zahlreichen Zeichnungen dokumentiert Thomas Ender seine Reise in die Schweiz, die er im Jahr 1854 antrat und auf der er neben vielen weiteren Schauplätzen das Gebiet Vorarlberg, den Vierwaldstättersee und den Luzernsee sowie die berühmten Gebirgsgegenden Grindelwald, Chamonix und Zermatt besuchte.

450 € Beigegeben zwei Bleistiftzeichnungen von Friedrich Treml (eine aus der Sammlung Fürst Liechtenstein) „Dragoner“ und „Zwei Seneschalle“ sowie von Franz Streussenberger „Tiroler Bäuerin in Sonntagstracht“.

Eugen Jettel (1845 Johnsdorf, Mähren – 1901 Lussingrande, Kroatien)

6606 Buchenwald bei Ramsau. Bleistift auf chamoisfarbenem Bütten. 28,4 x 43,5 cm. 600 € Provenienz: Sämtlich aus dem Nachlass des Künstlers (verso mit dessen Nachlassstempel). Beigegeben vier weitere Bleistiftzeichnungen des Künstlers, darunter holländische Ansichten.

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Zeichnungen des 19. Jahrhunderts ______________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6609

Pieter Francis Peters (1818 Nijmegen – 1903 Stuttgart)

6608 Bergdorf mit Blick auf den Tödi im Schweizer Kanton Glarus. Aquarell über Bleistift, auf blaugrauem Velin. 30,5 x 40,2 cm. Am Unterrand mittig signiert, bezeichnet und datiert „P Fr Peters. / am Zedic bei Clarus 1876“ sowie unten rechts schwer leserlich bezeichnet „zum Lochfing [...] Lynthal [...] / 8 September bei Schwanden“. 600 € Pieter Francis Peters war Sohn und Schüler des gleichnamigen Glasmalers. 1836 zog er aus den Niederlanden nach Deutschland, wo er zunächst in Mannheim lebte, bevor er sich ab 1845 in Stuttgart niederließ. Dort erhielt er von König Wilhelm I. ein Atelier im Alten Schloss, stand vermutlich auch als Hofmaler in dessen Diensten und war u.a. mit dem Ankauf von Gemälden sowohl für Wilhelm I. als auch für dessen Sohn Karl beauftragt. Peters diente zudem Karls Ehefrau, der Großfürstin Olga als Reisebegleiter, was zur damaligen Zeit einiges Aufsehen erregte. Gemeinsam bereisten sie Oberbayern, Tirol, die Schweiz und Oberitalien. 6608 142


____________________________________________________________________________________________________________________________________________________ Zeichnungen des 19. Jahrhunderts

6610

Friedrich Gauermann (1807 Scheuchenstein (Miesenbach) – 1862 Wien)

Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers.

6609 Almhütten bei Berchtesgaden, im Hintergrund der Watzmann. Bleistift auf Velin. 19,7 x 32,1 cm. Unten rechts eigenh. bez. „Berchtesgaden.“.

Die Studie einer verfallenen Mauer und eines schlichten Holzzauns zeigt einen weniger bekannten Aspekt des Schaffens des Historienmalers Karl Ritter von Blaas. Der aus ärmlichen Verhältnissen stammende von Blaas hatte 1832 dank der Förderung eines adligen Verwandten das Kunststudium an der Akademie von Venedig angetreten und errang hier nach kurzer Zeit mit historischen Kompositionen erste Achtungserfolge. 1837 erhielt er von der Wiener Akademie ein fünfjähriges Romstipendium. In Rom schloss der Künstler Bekanntschaft mit Friedrich Overbeck und verkehrte im Kreis der Nazarener. Das vorliegende Blatt dürfte während dieser römischen Schaffens­ phase entstanden sein. Die im Freien gezeichnete Studie, die wohl in einer der malerischen Ortschaften in der Umgebung Roms aufgenommen wurde, zeugt von Blaas‘ realistischer Grundgesinnung. Mit zeichnerischer Virtuosität und koloristischem Feinsinn hat der Künstler das schlichte und bescheidene Sujet eingefangenen. Die lebendige Textur der verwitterten alten Mauer bildet einen reizvollen Kontrast zu den gedämpften Grau- und Brauntönen des Gitters und der schlichten Holzbank sowie dem bereits herbstlichen Laub. Auf diese Weise entsteht ein Bild meditativer Stille, das den Betrachter auf die Vergänglichkeit aller irdischer Dinge aufmerksam macht.

1.200 € Provenienz: Aus einer Sammlung „RSH“ (nicht bei Lugt). Verso mit dem Stempel „Friedr. Gauermann‘s / Handzeichnung“. Beigegeben sieben weitere Skizzenblätter des Künstlers.

Carl von Blaas (1815 Nauders in Tirol – 1894 Wien)

6610 Eine alte Mauer und Holzzaun. Bleistift und Aquarell. 24,5 x 30,5 cm. Um 1840. 2.400 €

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Zeichnungen des 19. Jahrhunderts ______________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Ludwig Friedrich Nitzschke (1822 Halle – seit 1848 tätig in den USA)

6611 Bachlauf mit Wurzelgeäst. Feder in Braun über Bleistift, auf braungefärbtem Papier. 13,3 x 18,2 cm. Am Unterrand mittig signiert und datiert „ f[ecit] LNitzschke / Dec. [...]42“. 350 € Nitzschkes filigraner Zeichnenstil scheint inspiriert von der feinen Linienführung und der präzisen Naturbeobachtung seiner Kommilitonen Heinrich Dreber und August Leopold Venus - alle drei Künstler waren Schüler von Adrian Ludwig Richter.

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August Leopold Venus (1843 Dresden – 1886 Pirna)

6612 Eine Landschaft in der Sächsischen Schweiz, vorne ein Wanderer mit Hund. Bleistift. 12,6 x 16,6 cm. Signiert und bezeichnet: „Löschwitz 3 Juni 1859 gez. L. Venus“. 400 € Beigegeben: 8 Zeichnungen des 19. Jh., darunter H. Kaulbach, O. Pletsch, A. L. Venus.

Konrad Westmayr (1765–1834, Hanau)

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6613 „Das Canapee“ im Elbsandsteingebirge mit Blick auf das Elbtal. Pinsel und Feder in Braun, auf chamoisfarbenem Bütten. 14,8 x 20,2 cm. Unterhalb der Darstellung signiert und datiert „C. Westermayr fecit“ und „1825“, ferner mit der eigenh. Erläuterung „Das Canapee/ darüber die Bastei; unten Wehlen an der Elbe; links die Bärsteine, in der/ Ferne das Pillnitzer Gebirge und Dresden.“ 600 € Blick vom Aussichtsfelsen „Kanapee“ östlich der Bastei bei Rathen in der Sächsischen Schweiz ins Elbtal nach Westen mit den Weißen Brüchen und der Stadt Wehlen. Auf der gegenüberliegenden Flussseite der Bärenstein, in der Ferne Dresden mit der angedeuteten Kuppel der Frauenkirche. Die Zeichnung von der Hand des Hanauer Akademieprofessors Konrad Westermayr ist die malerisch angereicherte Version einer Radierung, die der junge Ludwig Richter in Zusammenarbeit mit seinem Vater für die Folge 70 mahlerische An- und Aussichten der Umgegend von Dresden in einem Kreise von sechs bis acht Meilen (Dresden, um 1820) schuf. Der aus Hanau stammende Westermayr unternahm nach einem Studium an der dortigen Akademie ausgedehnte Studienreisen im In- und Ausland und ließ sich zunächst 1790 in Weimar nieder, bevor er 1806 in seine Heimatstadt zurückkehrte, wo er bis zu seinem Tod als Professor und später Direktor der Akademie tätig war.

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____________________________________________________________________________________________________________________________________________________ Zeichnungen des 19. Jahrhunderts

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Paul Wilhelm Tübbecke (1848 Berlin – 1924 Weimar)

6614* Wurzel einer alten Buche in Ettersburg bei Weimar. Bleistift, grau und braun laviert auf Velin. 26 x 28,5 cm. Unten rechts signiert, bez. und datiert „P. Tübbecke / Ettersberg / d 9/6 (18)69.“. 1.200 € Vorliegende Studie des 20-jährigen Berliners Paul Wilhelm Tübbecke entsteht auf dem Ettersberg in der Nähe von Schloss und Park Ettersburg bei Weimar. Das Schloss ist mit Goethe und der Weimarer Klassik eng verbunden. Tübbecke wird 1873 Schüler von Ludwig Richter in Dresden und ab 1874 von Theodor Hagen an der Kunstschule Weimar. 1902 wird er zum Professor der Kunstschule Weimar ernannt.

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Zeichnungen des 19. Jahrhunderts ______________________________________________________________________________________________________________________________________________________

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Hermann Knackfuß (1848 Wissen an der Sieg – 1915 Kassel)

6615 Skizzenbuch mit Draperie- und Figurenstudien. Ca. 39 Blatt Bleistiftzeichnungen, teils aquarelliert und weiß gehöht, mit Farbproben. 17 x 27,6 cm. Pappeinband mit Leinen (leicht lädiert, fleckig). 600 € Hermann Knackfuß, der als Historienmaler vom Kaiser besonders geschätzt wurde, gehörte zu dem großen Stab von Begleitern, den Wilhelm II. auf seiner spektakulären „Reise in das Heilige Land“ mitnahm. Knackfuß‘ lebendige Schilderungen zeigen die Sichtweise des Künstlers, betonen das „Malerische“, bieten aber zugleich eine Fülle von Einzelheiten, die in den offiziellen Berichten keinen Platz fanden. 6616 146


____________________________________________________________________________________________________________________________________________________ Zeichnungen des 19. Jahrhunderts

Félix Ziem (1821 Beaune – 1911 Paris)

6616 Ein einsamer Waldweg mit einem Wanderer: Körbe an einem Hafenkai, im Hintergrund Segelschiffe. 2 Kreidezeichnungen, weiß gehöht, auf violettem Papier. 20,4 x 29,4 cm bzw. 15 x 27 cm. Ein Blatt datiert: „29 A (18)93“. 1.200 € Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers (mit dessen Nachlassstempel Lugt 3707). Das farbige Papier leuchtend frisch erhalten. 6616 147


Zeichnungen des 19. Jahrhunderts ______________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Französisch 6617 um 1860. Ein Freudenmädchen in Lima, einen Zigarillo rauchend. Aquarell. 20,2 x 13,7 cm. Bezeichnet: „Pérou / Mulata Libre (Lima)“. 1.200 €

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Emmanuel Costa (1833 Menton – 1921 Nizza)

6618 Strassenszene in Menton an der Cote d‘Azur. Aquarell auf Aquarellpapier. 66 x 37 cm. Unten links signiert „ECosta“ (Initialen ligiert). 1.200 € 6618 148


____________________________________________________________________________________________________________________________________________________ Zeichnungen des 19. Jahrhunderts

Muirhead Bone (1876 Glasgow-Partick – 1953 Ferry Hukley, Oxfordshire)

6619 Der Erzengel Michael an der Fassade des Doms zu Orvieto mit Blick über die Stadt. Bleistift auf Velin. 50,3 x 28,7 cm. Unten rechts signiert, bezeichnet und datiert „Muirhead Bone / Orvieto 1912“. 750 € Provenienz: Aus der Sammlung Robert Stayner Holford, London (Lugt 2243). Beigegeben von demselben eine weitere signierte Zeichnung mit der Ansicht einer italienischen Stadt.

Joseph Selleny (1824 Wien – 1875 Inzersdorf)

6620* Kakteen und andere Sukkulenten in Südamerika. Pinsel in Grau, teils farbig laviert, über Bleistift auf Velin. 36,2 x 20,7 cm. Unten links signiert „J. Selleny“. Um 1859/60. 1.500 €

6620

Direkt im Anschluss an seine Weltumsegelung auf der österreichischen Forschungsfregatte „Novara“ von 1857-1859 nahm Selleny an einer weiteren Expedition nach Südamerika als Begleitung von Erzherzog Ferdinand Maximilian teil, die vom Winter 1859 bis März 1860 dauerte. Selleny fertigte auf dieser Forschungsreise zahlreiche Zeichnungen an, die über die Darstellung von exakten Küstenlinien des Kontinents, Städten, Szenen aus dem Alltag der Reisenden zu genauen Aufnahmen der südamerikanischen Pflanzenwelt reichte. Ganz im Sinne Humboldts hielt Selleny die Pflanzen in der sie umgebenden Landschaft fest und zeigt wie auf diesem Blatt in welcher Konstellation die exotischen Pflanzen miteinander wachsen. Die hier dargestellte üppige Vegetation mit Kakteen, Yuccas und dickblättrigen Echeverien dürfte eher eine Wüstenregion des südamerikanischen Kontinents zeigen, wie sie etwa in Mexiko, Chile oder Peru zu finden ist. 6619 149


Zeichnungen des 19. Jahrhunderts ______________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6621

Wilhelm Kuhnert (1865 Oppeln – 1926 Flims, Graubünden)

Leopold Carl Müller

6621 Kampf der Giganten: Elefant und Nashorn kämpfend. Feder und Pinsel in Schwarz über Bleistift, weiß gehöht. 24,7 x 37 cm. Unten rechts signiert „W. Kuhnert [18]91“.

6623 Flussboot auf dem Nil. Bleistiftzeichnung auf zwei zusammengefügten Blättern, aufgezogen und hinter ein Passepartout montiert. 19,5 x 52,2 cm (Passepartoutausschnitt). Auf dem Passepartout gestempelt „Leop. Carl Müller“.

450 €

750 €

Leopold Carl Müller (1834 Dresden – 1892 Wien)

6622 Oasenstadt in Ägypten. Bleistiftzeichnung auf Velin. 28,7 x 42,8 cm. Unten rechts datiert „8/2 (18)80“ und wohl in arabischer Sprache bezeichnet.

Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers (unten links mit den Nachlassstempel, nicht bei Lugt). Beigegeben von Leopold Müller zwei weitere Bleistiftzeichnungen, je mit einem Kamelrennen und einer ägytischen Familie vor ihrem Haus, letztere mit dem Nachlassstempel des Künstlers.

Anton Daniel Melbye

750 €

(1818 Kopenhagen – 1875 Paris)

Insgesamt neun Mal reiste Leopold Carl Müller zwischen 1873/74 und 1886 für mehrere Monate nach Ägypten, wo er in den Farben und dem Licht Nordafrikas Motive fand, die seinen Ruhm als bedeutendster österreichischer Orientalist begründeten. Der Erfolg des „ÄgyptenMüller“ liegt in seiner Faszination für das Authentische im orientalischen Alltag. Eine wichtige Rolle spielte dabei die Wiedergabe der Hitze und die Wirkung des gleißenden Sonnenlichts, die Müller in mehreren Zeichnungen und Gemälden studierte. So auch in unserer Ansicht, in der das Spiel von Licht und Schatten, welches die Palmen auf den umliegenden Ruinen und Steinen erzeugen, eindrücklich festgehalten ist. Beigegeben von Leopold Müller eine weitere Studienzeichnung mit Gebäuden und Vegetation und mit dem Stempel „L. C. Müller“.

6624 Segelschiffe bei Sturm. Grauer Stift, gewischt, mit Weißhöhung auf Velin. 24,7 x 33,5 cm. Im unteren Rand rechts signiert „Anton Melbye“, links unten bewidmet und datiert „a mon ami A. Mathieu Copenhague le 18. Aout. 1849.“

150

1.200 €


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Zeichnungen des 19. Jahrhunderts ______________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Nicolaas van der Waay (1855–1936, Amsterdam)

6625 Der Medici Brunnen im Jardin de Luxembourg in Paris. Aquarell und Deckfarben auf Aquarellpapier. 44,4 x 29,1 cm. Unten links signiert „N vd Waay.“. 600 €

Eugène Ciceri (1813 Paris – 1890 Marlotte)

6626 Eine Gesellschaft in einem Garten. Aquarell. 10,6 x 17 cm. Monogrammiert und datiert: „C. 1857“. 750 € Sehr fein durchgeführte, koloristisch subtile Arbeit des Eugène Ciceri, der hauptsächlich als Landschafter tätig war und seit 1851 im Pariser Salon ausstellte.

6625

Giuseppe Signorini (1857 Rom – 1932 Paris)

6627 Das Ständchen für den Kardinal. Aquarell über Bleistift auf festem Malkarton. 37,8 x 47,9 cm. Signiert, bezeichnet und datiert unten rechts „Giuseppe Signorini / Paris - 206 / 1896“. 1.800 € Giuseppe Signorini studiert in Rom bei Aurelio Tiratelli und im Istituto di Belli Arti. Schon sehr früh konzentriert er sich auf das Medium Aquarell, und noch nicht zwanzigjährig werden seine technisch meisterhaften Arbeiten von Händlern und Sammlern in Europa und Amerika eifrig gesucht. Seine Bewunderung für Jean-Léon Gérôme, Mariano Fortuny und Ernest Meissonier führt ihn zu einer Spezialisierung auf exotische Themen. Obwohl er wohl niemals im Orient oder in Nordafrika war, besitzt er eine große Sammlung orientalischer Kostüme, Tapisserien und Möbel in seinem Atelier in Rom. Die Wintermonate verbringt Signorini in seinem Atelier in Paris. Hier widmet er sich, wie in vorliegender Arbeit zu sehen, mit der selben technischen Brillianz und Detailtreue, auch gerne anderen Themen, Er nimmt an zahlreichen Ausstellungen teil und erhält mehrfach Preise auf den jährlichen Ausstellungen des Salon. Auch nach seinem Tod bleibt er vor allem in Italien populär. Es werden ihm 1949 und 1950 in Mailand und 1946 und 1970 in Turin Einzelausstellungen gewidmet.

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Zeichnungen des 19. Jahrhunderts ______________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6628

Koch

Friedrich Perlberg

(tätig um 1879)

(1848 Nürnberg – 1921 München)

6628 Pompei: Das Haus des Fauns (La Casa del Fauno) Aquarell auf Karton. 21,9 x 33 cm. Unten rechts signiert und datiert „14/9 (18)79 / Koch“.

6629 Der Neptuntempel in Paestum: Mutter mit Tochter vor der Tempelruine. Aquarell. 44,2 x 67,1 cm. Am Unterrand links bezeichnet „Neptuns Tempel in Pästum“ sowie rechts signiert „F. Perlberg“.

600 €

900 €

6630 „Ausgrabungen in Olympia“: Griechen vor einer Tempelruine. Aquarell. 43,7 x 64,6 cm. Am Unterrand links signiert und bezeichnet „F. Perlberg / München“ sowie rechts bezeichnet „Ausgrabungen in Olympia“. 800 € 154


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6633

Victor Paul Mohn

Friedrich Preller d. Ä.

(1842 Meißen – 1911 Berlin)

(1804 Eisenach – 1878 Weimar)

6631 Heimkehr vom Feld. Aquarell auf Velin. 17,9 x 22,4 cm.

6633 Satyr und Nymphe in einer südlichen Landschaft. Feder in Schwarz und Grau über Bleistift, grau laviert. 22,4 x 29,7 cm. Signiert und datiert: „18 FP 74“.

800 € Provenienz: Sammlung Dr. Eugen Lucius (1834-1903), Frankfurt a. M./ Schönstadt. Beigegeben neun weitere Aquarelle und Bleistiftzeichnungen des Künstlers.

2.400 € Friedrich Preller war ein Hauptvertreter der heroisierenden Landschaftsauffassung in der Tradition von Joseph Anton Koch und Johann Christian Reinhart.

Friedrich Gauermann 6632 Die Lorettokapelle mit Blick auf das Freiburger Münster. Aquarell und Feder in Braun und Grün, teils weiß gehöht, auf Velin. 26,2 x 38,1 cm. 800 € Provenienz: Sammlung Dr. Eugen Lucius (1834-1903), Frankfurt a. M./ Schönstadt. Beigegeben 6 weitere Aquarelle und Zeichnungen des Künstlers.

(1807 Scheuchenstein (Miesenbach) – 1862 Wien)

6634 Rote Pestwurz. Öl auf blauem Papier. 17,2 x 18,2 cm. 750 € Abbildung Seite 158

6635 Steiniger Hang mit Strauchwerk. Öl auf Papier. 14 x 10,7 cm. 600 € Abbildung Seite 158

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Zeichnungen des 19. Jahrhunderts ______________________________________________________________________________________________________________________________________________________

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6636

Thomas Ender (1793–1875, Wien)

6636 Im Prater. Bleistift auf festem Velin, verso in Bleistift, teils laviert eine Landschaftsstudie. 18,9 x 26,3 cm. Unten rechts signiert „Th. Ender“, verso in Bleistift (eigenh.?) bez. „Th. Ender aus dem Prater“. Um 1817. 800 € Provenienz: Vier Blatt aus der Sammlung Oscar Ender (Enkel des Künstlers), Wien (mit dessen Stempel verso, nicht bei Lugt). Die Zeichnung dürfte in Zusammenhang mit der 1817 datierten Radierung „Partie aus dem Prater“ (s. Walter Koschatzky: Thomas Ender 1793 1875. Kammermaler Erzherzog Johanns, Graz 1982, S. 174, Nr. 6) stehen. Diese Radierung geht auf das von Fürst Metternich erworbene, heute verschollene Gemälde zurück, für das Ender im Jahr 1817 den ersten Preis der Akademie in der Kategorie Landschaftsmalerei erhielt. - Beigegeben von Thomas Ender fünf Bleistiftzeichnungen: vier mit Baumstudien sowie eine Zeichnung „Dame auf einem Maulesel“, diese in brauner Feder bez. „...seine Mama“.

Andreas Jeklin (1823 Schiers – 1895 Rhongellen bei Thusis)

6637* Baumgruppe an felsigem Bachufer. Schwarze Kreide, weiß gehöht, auf Velin. 18,9 x 12,7 cm. Signiert „Jaeggi“, verso signiert „A. Jaeggi del.“. 300 € 6637 159


Zeichnungen des 19. Jahrhunderts ______________________________________________________________________________________________________________________________________________________

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____________________________________________________________________________________________________________________________________________________ Zeichnungen des 19. Jahrhunderts

6640

Julius Jacob II

Anton von Werner

(1842–1929, Berlin)

(1843 Frankfurt an der Oder – 1915 Berlin)

6638 Birkenwäldchen bei Wolmirstedt mit Reisigsammlerin. Aquarell und Gouache auf Velin. 36,1 x 47,8 cm. Unten links signiert und bezeichnet „Jul Jacob / Wolmirstedt b. Neuendorf“.

6640 Skizzenbuch mit Motiven aus dem Harz: Landschaften, Dorfansichten, Figurenstudien. Skizzenbuch mit 22 meist einseitig bezeichneten Blättern. Lwdband mit Laschen für Stifte. Quer-4to. Teils monogrammiert, datiert und bez., im Innendeckel zusätzlich signiert und datiert „AvWerner 1878“.

750 €

Friedrich Gauermann (1807 Scheuchenstein (Miesenbach) – 1862 Wien)

900 € Skizzenbuch von einer Reise Anton von Werners in den Harz im Jahr 1878, die ihn nach Gernrode und Ilsenburg führte. Neben der romanischen Stiftskirche in Gernrode finden sich verschiedene Dorfstudien von Ilsenburg und Landschaftsstudien aus dem Ilsethal.

6639 Waldboden mit einem Stein und Blattpflanzen. Öl auf Papier. 16 x 16,9 cm. 800 € 161


Zeichnungen des 19. Jahrhunderts ______________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6641

Franz Skarbina (1849–1910, Berlin)

6641 Studienblatt mit Darstellungen eines Hofdieners im Rokokokostüm. Bleistiftzeichnung. 30,1 x 22,7 cm. Monogrammiert und datiert „F. Sk. (18)97“. 750 € 162


____________________________________________________________________________________________________________________________________________________ Zeichnungen des 19. Jahrhunderts

Franz Skarbina 6642 Bei der Modistin. Bleistift. 17,8 x 12,5 cm. Eigenhändig bezeichnet „Paris“. 600 € Mit dem Nachlassstempel.

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Franz Skarbina 6643 Zwei Männer bei Renovierungsarbeiten an einem Palais. Bleistift auf festem Velin. 26,3 x 18,4 cm. Rechts unten monogrammiert und datiert „F. Sk. (18)95“. 600 € 6643 163


Zeichnungen des 19. Jahrhunderts ______________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6644

Pio Joris

Adolph Menzel

(1843–1921, Rom)

(1815 Breslau – 1905 Berlin)

6644 Männlicher Rückenakt und weitere Studie der Fußstellung. Schwarze Kreide, weiß gehöht, auf grau-grünem Papier. 43,8 x 29,3 cm. Signiert unten rechts „P. Joris“, nummeriert oben links „43“.

6645 Eine Dame mit modischem Hut in Halbfigur. Bleistiftzeichnung. 20,8 x 13 cm. Monogrammiert und datiert: „A. M. (18)98“.

600 € Der Maler und Graphiker Pio Joris studiert bereits als Zwölfjähriger ab 1855 am Istituto di Belle Arti und an der Accademia di San Luca in Rom, ab 1866 ist er Schüler von Achille Vertunni. Joris schließt sich dem Kreis um Marian Fortuny Marsal an, mit dem er 1871/72 eine inspirierende Reise nach Spanien unternimmt. 1868-75 reist er ausgiebig durch Europa. Bei zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen wird er mehrfach mit Goldmedaillen ausgezeichnet.

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6.000 €


____________________________________________________________________________________________________________________________________________________ Zeichnungen des 19. Jahrhunderts

6645 165


Zeichnungen des 19. Jahrhunderts ______________________________________________________________________________________________________________________________________________________

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6646 166

6646


____________________________________________________________________________________________________________________________________________________ Zeichnungen des 19. Jahrhunderts

Anton von Werner (1843 Frankfurt an der Oder – 1915 Berlin)

6646 Skizzenbuch aus Rom: Figurenstudien, historische Szenen, Tierstudien. Skizzenbuch mit 35 Blatt meist doppelseitig bezeichneten Bleistftskizzen. HLwdband. Quer-4to. Im Innendeckel monogrammiert und datiert „AvW. 1869“ sowie ebenda signiert und datiert „A v. Werner Rom 1869“, teils mit eigenh. Bleistiftannotationen, die Studien von anderer Hand in violettem Stift oft mit dem Monogramm des Künstlers, teils mit dem Datum und Ortsbezeichnungen versehen. 1.800 € Anliegend je ein Skizzenblatt mit einer Ansicht von Böblingen (1868) und Hühnerstudien.

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Zeichnungen des 19. Jahrhunderts ______________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6647

Anton von Werner 6647 Blick auf die Küste von Sorrent. Pinsel in Grau und Graubraun. 23,5 x 36,3 cm. Unten rechts monogrammiert und datiert „AvW Sorrento 31 July 1869“. 750 € Im Jahr 1866 erhielt Anton von Werner ein Stipendium, das ihm einen einjährigen Italienaufenthalt von November 1868 bis November 1869 ermöglichte. In Rom fand er Anschluss an den Deutschen Künstlerverein und unternahm mit den dortigen Künstlerkollegen zahlreiche Reisen in die Campagna, nach Tivoli, Ostia und in die Albaner Berger. Im Jahr 1869 zog er weiter nach Olevano ins Sabinergebirge um dort vor der Natur zu zeichnen. Anschließend besuchte er Neapel, Sorrent und Capri. In dieser Zeit entstand auch unsere Zeichnung. Anton von Werners italienische Landschaften zählen zum künstlerisch Fruchtbarsten, was er frei von Aufträgen schuf.

6648 Der Garten der Villa Rispoli in Sorrent. Bleistift auf Velin. 36,3 x 23,5 cm. Am Unterrand monogrammiert, bezeichnet und datiert „AvW / nel giardino della Villa Rispoli a Sorrento / 4 Agosto 1869“. 600 € Beigegeben von demselben eine monogrammierte Zeichnung „Offizier und Matrosen im Beiboot“. 6648 168


____________________________________________________________________________________________________________________________________________________ Zeichnungen des 19. Jahrhunderts

6649

Ascan Lutteroth (1842–1923, Hamburg)

6649 Garten auf Capri. Aquarell über Bleistift. 30 x 25 cm. Unten links signiert und datiert „ALutteroth Capri 27.4.1871 (die Jahreszahl vom Passepartout verdeckt). 800 € Entlang der rückseitigen Ränder hinter ein Passepartout geklebt.

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Zeichnungen des 19. Jahrhunderts ______________________________________________________________________________________________________________________________________________________

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____________________________________________________________________________________________________________________________________________________ Zeichnungen des 19. Jahrhunderts

6651

Deutsch 6650 1876. Spiegelungen: Die Werft in Düsternbrook bei Kiel im Morgenlicht. Aquarell auf Bütten (Makulaturpapier aus den Gemeindeakten Rellingen und Bönningstedt). 37,4 x 24,4 cm. Vielfach mit eigenh. Farbangaben und Bezeichnungen sowie datiert „Düsternbrook 22/7 1876“. Wz. Aufsteigender Löwe mit Schwert und Sieben Ähren. 750 € Der unbekannte Aquarellist hat in den frühen Morgenstunden „Früh 1/2 4 Uhr“ und „4 Uhr“ am 26. Juli 1876 die magische „Morgenbeleuchtung“ der Gegend um die Werft in Düsternbrook und den umliegenden Gewässern eingefangen. Die Aquarellskizze ist zudem mit zahlreichen Farb- und Ortsangaben versehen.

Oskar Zwintscher (1870 Leipzig – 1916 Dresden-Loschwitz)

6651 Küste auf Rügen mit Blick auf Kap Arkona. Aquarell auf Aquarellpapier, auf Karton kaschiert. 16,5 x 29,6 cm. Unten links signiert „O. Zwintscher“. Um 1911. 1.500 € Provenienz: Leipzig, Museum der Bildenden Künste (mit dem Tilgungsstempel). Das Aquarell entstand wahrscheinlich während Zwintschers Erholungsreise nach Rügen im Jahr 1911.

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Zeichnungen des 19. Jahrhunderts ______________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Deutsch 6652 19. Jh. Zypressen im Garten einer italienischen Villa. Aquarell über schwarzer Kreide, weiß gehöht. 37,2 x 27,4 cm. 750 € Provenienz: Galerie L. Vetter & Cié, Düren (Stempel auf dem Passepartout verso). In ein Passepartout montiert.

6652

Franz Alt (1824–1914, Wien)

6653 Nervi: Straße zwischen zwei Gärten mit Wäscherin. Aquarell auf Aquarellpapier. 27,7 x 19,3 cm. Unten links signiert, datiert und bez. „Nervi 16. Mai 1895. Franz Alt“. 600 € 6653 172


____________________________________________________________________________________________________________________________________________________ Zeichnungen des 19. Jahrhunderts

6654

Sophie de Niederhäusern (1856 Genf – 1926 Vésenaz)

6654 Studienblatt mit Zweigen des Schlehdorns, verso: Studie mit Klatschmohn. Bleistift und Decken auf Bütten. 43,5 x 57,3 cm. 400 € Provenienz: Aus dem Nachlass der Künstlerin (verso mit dem Nachlaßstempel).

6655 Blühende Birkenkätzchen. 2 Gouachen auf Bütten. Je ca. 43,4 x 29 cm. 600 € Provenienz: Aus dem Nachlass der Künstlerin (verso mit dem Nachlaßstempel). 6655 173


Zeichnungen des 19. Jahrhunderts ______________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6656, recto 174

6656, verso


____________________________________________________________________________________________________________________________________________________ Zeichnungen des 19. Jahrhunderts

6657

Hans Thoma

Franz Xaver Hoch

(1839 Bernau – 1924 Karlsruhe)

(1869 Freiburg im Breisgau – 1916 gefallen in den Vogesen)

6656 Studie eines stehenden, weiblichen Aktes, verso: die Rückansicht des Aktes. Schwarze Stift, schwarze und weiße Kreide auf blauem Karton, silhouettiert. 38,4 x 12,8 cm.

6657 Schäfer mit Herde in hügeliger Landschaft mit hohem Horizont. Gouache auf Japan, auf festem Karton aufgezogen. 48,8 x 33,9 cm. Signiert, bezeichnet und datiert unten links „F. Hoch. München. 1898.“.

1.200 € Provenienz: Laut Auskunft des Vorbesitzers aus dem Nachlass des Künstlers.

450 € Franz Xaver Hoch ist zunächst Schüler von Emil Lugo, studiert dann von 1889 bis 1896 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe bei Gustav Schönleber, ab 1895 auch bei Leopold Graf von Kalckreuth. Unter dessen Einfluss wendet er sich einer mehr stilisierten Landschaftsauffassung zu, die er auch in Radierungen und Lithographien anwendet. Unser Bild entsteht 1898, dem Jahr von Hochs Umsiedlung nach München, Im darauffolgenden Jahr steht er der Künstlervereinigung „Scholle“ nah.

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Zeichnungen des 19. Jahrhunderts ______________________________________________________________________________________________________________________________________________________

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Ludwig von Hofmann (1861 Darmstadt – 1945 Pillnitz b. Dresden)

6658 In Erwartung. Farbige Kreiden auf Velin. 31,3 x 24,1 cm. Rechts unten monogrammiert. 1.200 €

Ludwig von Hofmann 6659 Zwei stehende weibliche Akte. Bleistift, auf braunem Zeichenpapier. 57,7 x 42,5 cm. Unten links monogrammiert „LvH [ligiert]“. 1.200 €

Provenienz: Privatbesitz, Süddeutschland. Wir danken Frau Dr. Annette Wagner-Wilke, Karben, für die Bestätigung der Authentizität der Zeichnung.

Monogrammist C. O. (wohl niederländischer Künstler, tätig um 1875)

6660 Frühling - Zwei weibliche Akte auf einer Blumenwiese vor einer klassischen Landschaft. Aquarell auf Aquarellpapier. 35,5 x 25,2 cm. Unten rechts monogrammiert und datiert „C. O. 1875“. 450 € 176


____________________________________________________________________________________________________________________________________________________ Zeichnungen des 19. Jahrhunderts

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Zeichnungen des 19. Jahrhunderts ______________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6661

Julie Wolfthorn (1864 Thorn, Westpreußen – 1944 Ghetto Theresienstadt)

6661 Stehender weiblicher Akt. Tempera auf Malkarton. 53 x 34,6 cm. Signiert unten rechts „J. Wolfthorn.“ 3.000 € Julie Wolfthorn wird als Julie Wolf(f) in Thorn (Toruñ/Polen) geboren. Ab 1890 studiert sie Malerei und Grafik in Berlin, in München, in der Künstlerkolonie Dachau und in Paris. Von dort kehrt sie 1893 nach Berlin zurück und lebt jahrzehntelang im heute nicht mehr existierenden Haus Kurfürstenstraße 50. Ab 1897 werden Arbeiten von ihr in der Zeitschrift Jugend publiziert, darunter auch Titelblätter. 1898 ist sie Gründungsmitglied der Berliner Secession, Mitglied im Verein der Künstlerinnen und Kunstfreunde Berlin, ebenso wie Mitglied in der Künstlerinnenvereinigung München. 1894, 1895 und 1900 bis 1904 stellt sie Arbeiten im Münchner Glaspalast aus. 1904 heiratet Wolfthorn den Kunsthistoriker und -kritiker Rudolf Klein-Diepold (1871-1925). Im gleichen Jahr unterzeichnet sie zusammen mit Käthe Kollwitz, Sabine Lepsius und über 200 anderen Künstlerinnen eine Petition mit der Forderung zur Zulassung von Frauen an die Preußischen Akademie der Künste, die von dem Akademiedirektor Anton

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von Werner jedoch abgelehnt wird. Erst nach Ende des Kaiserreiches können die ersten Frauen im Frühjahr 1919 das Studium dort aufnehmen. 1906 gründet Julie Wolfthorn mit Käthe Kollwitz die Ausstellungsgemeinschaft Verbindung Bildender Künstlerinnen Berlin - München, 1912 wird sie mit Käthe Kollwitz in den Vorstand und die Jury der Secession gewählt. Wolfthorn ist auch Mitglied des Lyceum-Club Berlin, einer sozial engagierten Vereinigung von und für Frauen. Bekanntheit erreicht Julie Wolfthorn vor allem als Porträtmalerin. Bis in die 1930er Jahre gehörte sie zu den erfolgreichsten Künstlerinnen Berlins, in diesen Jahren entstehen hunderte Porträts, meist aus der Berliner Gesellschaft. Wegen ihrer jüdischen Herkunft wird sie zusammen mit Fanny Remak, die nach England emigriert, aus dem Vorstand der Secession und aus den meisten Berufsverbänden ausgeschlossen. Sie darf nur noch innerhalb des Jüdischen Kulturbundes arbeiten und ausstellen. Auch hier hat sie noch große Erfolge und gewinnt Wettbewerbe. 1941 wird auch der Kulturbund Deutscher Juden verboten, die Mitarbeiter werden verhaftet und das Vereinsvermögen beschlagnahmt. Am 28. Oktober 1942 wird Julie Wolfthorn im Alter von 78 Jahren zusammen mit ihrer Schwester Luise Wolf mit dem „68. Alterstransport“ in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort verstirbt sie 1944 wenige Tage vor ihrem 81. Geburtstag. An Julie Wolfthorn erinnert seit 2005 der Name einer Straße am Berliner Nordbahnhof sowie ein Stolperstein in der Kurfürstenstraße 50.


____________________________________________________________________________________________________________________________________________________ Zeichnungen des 19. Jahrhunderts

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Hans Neumann (1873 Kassel – 1957 München)

6662 „Am Landungssteg“: Sommerfrische am Starnberger See. Aquarell und Deckfarben auf graugrünem Velin. 26,5 x 27,5 cm. Unten rechts monogrammiert „HN“. Um 1907. 450 € Franz Wacik (1883–1938, Wien)

6663 Sinnende junge Frau im weiten Gewand: „Und wie wir selig werden“. Graphit, farbige Stifte in Gelb, Blau und Rot, weiß gehöht auf graugrünem Velin. 39,4 x 35,8 cm. Signiert und datiert „Franz Wacik 1913“. 450 € Wohl Vorzeichnung für eine Illustration in der Wiener Zeitschrift „Muskete“. - Beigegeben eine weitere signierte Zeichnung des Künstlers aus dem Jahr 1917 „Sitzende Frau - Studie zu den Abendwolken“. 6663 179


Zeichnungen des 19. Jahrhunderts ______________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6664

Franz von Stuck (1863 Tettenweis – 1928 München)

6664 Vignette mit tanzenden Faunen. Feder in Schwarz auf Velin, auf einer Doppelseite aus einem Skizzenbuch, verso und auf der anschließenden Seite mit drei Kopfstudien in Bleistift. 22,3 x 30 cm. Vor 1886. 6.000 € Vorzeichnung für die Illustration Tafel 35 aus der von Martin Gerlach herausgegebenen Mappe „Karten und Vignetten, Entwürfe und Compositions-Motive für Weinkarten, Menüs, Hochzeitsblätter, Glückwunschskarten, Programme und Einladungen“. Mit 52 Tafeln von Franz Stuck. Wien, Gerlach & Schenk Verlag, o. J. (1886).

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Heinrich Kley (1863 Karlsruhe – 1945 München)

6665 Der Apfel. Feder in Schwarz, aquarelliert, weiß gehöht. 41,7 x 32,8 cm. Signiert oben links „Kley“. Um 1910. Verso mit Zollamtstempel München, Hauptbahnhof. 1.200 € Ausstellung: Kat. Ausst. München, Museum Villa Stuck 2011, Alexander Kunkel: Heinrich Kley. 1863-1945. Meister der Zeichenfeder im Kontext seiner Zeit. S. 76, S. 125, Kat.Nr. 61, Farbabb. S. 83. In diesem großformatigen Aquarell paraphrasiert Heinrich Kley augenzwinkernd den Sündenfall, indem er ihn in die Antike versetzt, Eva in eine Nymphe und Adam in einen Satyr verwandelnd.

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August Roeseler (1866 Hamburg – 1934 München)

6666 Spaziergang mit Dackeln. Schwarze Kreide auf gelblichem Velin, Gouache, weiß gehöht. 57,5 x 56,3 cm. Signiert unten links „A. Roeseler“. 450 € Der Schüler Wilhelm von Lindenschmits an der Münchener Akademie arbeitete als Genremaler, Illustrator und Karikaturist. Er lieferte zahlreiche Beiträge für die „Fliegenden Blätter“, die „Jugend“ und den „Simplicissimus“. 6666 181


Zeichnungen des 19. Jahrhunderts ______________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Carl Otto Czeschka (1878 Wien – 1960 Hamburg)

6668 Narr mit einem Weinglas. Feder in Schwarz, Pinsel in Goldbronze, auf festem Velin. 22,2 x 22,5 cm. 900 € Beigegeben von demselben eine monogrammierte „Vignette mit Herrn im Obstgarten“ sowie eine Vignette mit Masken“, ferner 12 Blatt mit typographischen Entwürfen.

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Franz Wacik (1883–1938, Wien)

6667 Der Aristokrat („Ueberzeugt“). Graphit, Pinsel in Schwarz, Spuren von Weißhöhung auf Velin. 36,9 x 27,7 cm. (1911). 450 € Vorzeichnung für die Illustration in der Wiener Zeitschrift „Muskete“, Nr. 298, vom 15. Juni 1911 (auf S. 85). Der Text unter der Illustration lautet wie folgt: „Ist - ähem - diese Einrichtung sicher nicht - hähä - sezessionsistisch?“ / „Aber Durchlaucht - wie ich schon versichert habe - der reinste Louisquinze.“ / „Ahähä - schon gut. Dann nehm‘ ich‘s.“. 6668 182


____________________________________________________________________________________________________________________________________________________ Zeichnungen des 19. Jahrhunderts

6669

Marcus Behmer (1879 Weimar – 1958 Berlin)

6669 Die Wanderung der Krebse. Tuschpinsel auf Japan. 35,3 x 21,3 cm. Neben der Darstellung monogrammiert „B“, sowie am unteren Rand signiert und datiert „Marcus Behmer. 16. Mai 1902“. 900 € 183


Zeichnungen des 19. Jahrhunderts ______________________________________________________________________________________________________________________________________________________

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Josef Hoffmann (1870 Pirnitz – 1956 Wien)

6670 Entwurf für eine Villa. Bleistift auf liniertem Papier. 8,6 x 10,1 cm. Unten rechts monogrammiert „JH“. Um 1925. 750 €

6671 Entwurf für einen Gartenpavillon. Feder in Schwarz auf kariertem Papier. 20,9 x 29,5 cm. Unten rechts monogrammiert „JH“. Vor 1947. 750 € Literatur: Eduard F. Sekler: Josef Hoffmann. Das architektonische Werk. Monographie und Werkverzeichnis. Salzburg 1982, WVZ Nr. 394 (mit Abb.). Diese Skizze zeigt ein zierliches Gebäude mit zweifach geschwungenem Dach, Draperien und Sonnensegel, das am Ende einer Gartenterrasse erhöht angeordnet ist und sich gegen eine gestutzte Hecke mit Trauerweiden abhebt. Die Studie gehört zu einer kleinen Gruppe von drei „Phantasieskizzen“ (Eduard F. Sekler) für Gartenhäuschen, die 1947 in der Zeitschrift „Die schönen Künste“ (Heft 2, S. 91-21) veröffentlicht wurden.

6672 Entwurf für einen Huthaken: Vorder- und Seitenansicht. Feder in Schwarz auf quadriertem Papier (am linken Rand gelocht). 29 x 21 cm. Monogrammiert „JH“. Um 1925.

6672

600 € Provenienz: Familie Einhorn (mit einem Stempel „Familienarchiv der Familie Einhorn). Diese Entwürfe Josef Hoffmanns wurden von der Bronzewarenfabrik und Metallgießerei Rudolf Eichhorn in Wien V, Brandmeyergasse 9 ausgeführt. Daß diese Fabrik für Hoffman gearbeitet hat, ist bis jetzt unbekannt gewesen. Beigegeben von Josef Hoffmann ein „Entwurf für den runden Fuß eines Möbels“, ebenfalls monogrammiert und aus dem Familienarchiv der Famile Einhorn.

Leopold Stolba (1863 Gaudenzdorf, NÖ – 1929 Wien)

6673 Dekorative Phantasien - Dekorationsentwürfe für das Café Sperl in Wien. Feder in Schwarz auf türkis eingefärbtem Velin. 15 x 23,5 cm (das Blatt in der Mitte gefaltet, ganze Blattgröße: 32 x 23,5 cm). 350 € Beigegeben von Leopold Stolba eine Aquatintaradierung „Promenade im Park“. 6673 185


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6674

Franz Hofer (1885 Graz – 1915 bei Gorlice, Österreich-Ungarn)

6674 Fortuna thronend über der Mal- und Zeichenkunst. Feder in Schwarz, schwarzer Stift, Rötel und Spuren von Weißhöhungen gezeichnet über einem Contre-Épreuve (40,4 x 27 cm Plattenrand) auf graubraunem Velin. 48,8 x 39,4 cm (Blattgröße). 450 € Provenienz: Sämtlich aus dem Nachlass des Künstlers (teils mit dessen Nachlassstempel). Vorstudie für eine Radierung, die in zwei gedruckten Exemplaren beigegeben ist. - Franz Hofer, dessen Name heute nur einem kleinen Kreis geläufig ist, erlernte zunächst den Beruf des Lithographen in Graz, ging dann als solcher nach Dresden. 1909 wechselte er an die Wiener Akademie, wo er erst Gasthörer bei Alois Delug und ab dem Folgejahr ordentlicher Student bei Ferdinand Schmutzer war. Seine virtuosen Zeichnungen und Graphiken belegen, dass er sich in Dresden auch mit den in Deutschland aktuellen Kunstströmungen auseinandergesetzt hat. Stilistisch erinnern seine Zeichnungen etwa an Werke von Max Klinger und Otto Greiner.

186

6675 Wien: Bauplatz in der inneren Stadt. Feder in Blauschwarz. 38,8 x 22,6 cm. Um 1910. 1.200 € Provenienz: Erzherzog Friedrich Maria Albrecht Wilhelm Karl von Österreich, Herzog von Teschen (1856-1936), im Passepartout der Albertina (1919 wurde Erzherzog Friedrich durch das „Habsburgergesetz“ zu Gunsten des österreichischen Staates enteignet. Er verlor damit auch die Albertina, er konnte jedoch die unter seiner Ägide erworbenen graphischen Blätter behalten.) Antiquitäten Blasius Fornach, Wien.


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6675 187


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6676

Ferdinand Schmutzer

Rudolf Jettmar

(1870–1928, Wien)

(1869 Zawodzie, Galizien – 1939 Wien)

6676 Blick in den großen Saal der Schiffergesellschaft in Lübeck. Schwarze Kreide auf Velin. 36,9 x 28,8 cm. Unten rechts bez. und signiert „Lübeck F. Schmutzer“.

6677 Waldinneres mit Bären. Schwarze Kreide, teils gewischt, auf festem Bütten. 46 x 30,9 cm. Unten rechts signiert und datiert „Rudolf Jettmar (18)95“.

750 €

1.500 €

Provenienz: Aus einer Sammlung RSH mit Äskulapstab (nicht bei Lugt). Beigegeben von Ferdinand Schmutzer ein Aquarell: „Blick auf den Markt einer Renaissancestadt“ von 1922.

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6681

Johan Adolph Kittendorf

Wilhelm Kuhnert

(1820 Kopenhagen – 1902 Frederiksberg)

(1865 Oppeln – 1926 Flims)

6678 Studie eines Schafschädels. Feder in Grau, grau und ocker laviert. 9 x 16,3 cm. Unten mittig signiert und datiert „Ad Kittendorff 1845.“

6680 Antilopen im Gehege. Deckfarben auf einer Postkarte (nicht gelaufen). 8,9 x 13,8 cm.

750 €

400 € Provenienz: Aus dem Nachlaß Dr. Kurt Priemel (Zoologe und langjähriger Direktor des Frankfurter Zoos, 1880 - 1959).

6679 Im Steinbruch. Aquarell über Bleistift. 11,2 x 18,7 cm. Unten rechts signiert „AdKittendorff“.

Richard Müller

750 €

(1874 Tschirnitz, Böhmen – 1954 Dresden)

Beigegeben von demselben ein weiteres Aquarell „Geäst im Sonnenschein“ sowie zwei Blatt Figurenstudien, eines signiert, das andere monogrammiert.

6681 Richard Müllers „Atelier en plein air“ bei der Ruine Geiersburg bei Teplitz Bleistift auf festem Velin. 21,8 x 26,5 cm. Unten rechts signiert, datiert und bez. „Geiersburg 1939 - Rich Müller“. 800 € 191


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6682

Otto Greiner (1869 Leipzig – 1916 München)

6682 Studie zum schreitenden Tod. Grauer Stift mit Weißhöhungen auf braunem Velin. 40,3 x 28,8 cm. Unten rechts von der Witwe Greiners Nannina Greiner, geb. Duranti in Bleistift bez. „Nachlass von Otto Greiner / Nannina Greiner / Rom 15 April 1925“. Um 1905/06. 6.000 € Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers.

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Bei der Zeichnung handelt es sich um eine Vorstudie zu der Radierung „Die Zeit geht hin“, die den Künstler nachdenklich an einem Pult sitzend zeigt (Vogel 89). Während rechts von ihm eine weibliche Gestalt davoneilt, naht von links der Tod mit der Sense. Die kleine Radierung im Rund mit dem umlaufenden Text „Die Zeit geht hin, der Tod kommt her, ach wer doch immer fertig wär“ war dazu gedacht, ausgeschnitten, in den Deckel einer Taschenuhr gelegt zu werden. - Doch anders als die Radierung im Miniaturformat entfaltet unsere ungleich größere Zeichnung durch die detaillierte Wiedergabe des Gerippes und dem separat neben den Hüftschaufeln gezeichneten Schädel eine besondere, iritierende Wirkung. Die Studie lässt einmal wieder das zeichnerische Genie Greiners deutlich erkennen.


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6683

Paul Herrmann (gen. Henri Héran, 1864 München – 1944 Berlin)

6683 „Zeit“: Chronos mit seiner Sense. Bleistift auf Bütten. 52,9 x 39,6 cm. Unten rechts bezeichnet und signiert „Zeit / Paul Herrmann“. 1.200 €

erhobenem Fuß über Trümmer, Menschen- und Tierleichen und holt mit der Sense zu einem wuchtigen Hieb aus. Die Zeichnung zeigt hier noch das „Junge Leben“, ein Kind, das auf Chronos Schultern thront das Herrmann im Laufe des Arbeitprozesses jedoch tilgt um die Dar­ stellung nicht unnötig zu überladen.

Die vorliegende Zeichnung ist Paul Herrmanns Vorzeichnung für das Schabkunstblatt „Zeit“ von 1913 (Singer 155), welches er für seine sechs Blatt umfassenden Serie „Phantasien“ entwirft. Chronos schreitet mit

Das ausgeführte Schabkunstblatt „Zeit“ von Paul Herrmann, bieten wir in unserer Auktion „Druckgraphik des 15. - 19. Jahrhunderts“ unter Los 5456 an.

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Zeichnungen des 19. Jahrhunderts ______________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6684

Walther Gasch (1886 Leipzig – 1962 Nentershausen-Dens bei Bebra)

6684 Thor: Stehender männlicher Akt mit Schwert. Schwarze Kreide und Gouache, mit Gold gehöht, auf festem Karton aufgezogen. 64,2 x 42,7 cm. Signiert unten rechts „W. Gasch“. Verso bezeichnet und datiert „Walther Gasch / Dresden-A. / Fürstenstraße 7 / Thor 1908“. 900 € 194

Der Maler, Zeichner und Graphiker Walther Gasch studiert an der Dresdener Akademie zunächst bei Emanuel Hegenbarth und bei dem dort ab 1903 lehrenden Oskar Zwintscher. 1905-07 ist er Meisterschüler von Richard Müller und 1912/13 bei Gotthardt Kuehl. Er unternimmt Studienreisen nach Frankreich, Italien und die Niederlande. Bis in die 1920er Jahre entstehen Stillleben, Landschaften und Portraits.


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Walther Gasch 6685 Alptraum: Liegender weiblicher Akt und Tiger in Nachtlandschaft. Schwarze Kreide, graugrüne Gouache auf violettem Papier. 47 x 65 cm. Signiert und datiert unten rechts „Walther Gasch 1909“. 700 €

6686 Die Verzweifelte: Weiblicher Akt unter Sternenhimmel in baumbestandener Gebirgslandschaft. Schwarze Kreide, blaue Gouache, weiß gehöht auf graugrünem Papier. 63,5 x 47,5 cm. Signiert und datiert unten rechts „19 [Künstlersignet] 11 / Walther Gasch“. 900 € 6686 195


Zeichnungen des 19. Jahrhunderts ______________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6687

Hesto Hesterberg

Ludwig Fahrenkrog

(geb. 1895)

(1867 Rendsburg – 1952 Biberach an der Riss)

6687 In Trance - Novizin, en face, mit Haube. Farbige Kreiden auf rötlichem Bütten. 43,8 x 32,8 cm. Oben rechts monogrammiert und datiert „HH 1926“, am Unterrand bewidmet „Meinem Freund Hans ... zugeeignet Hesto“.

6688 Erscheinung. Feder und Pinsel in Schwarz, Graphitstift, grau und weiß gehöht, auf hellgrünem Papier, auf festem Karton aufgezogen. 54,4 x 37,6 cm. Signiert unten rechts: „Fahrenkrog“.

450 € Hesto Hesterberg, Schüler von Lovis Corinth und Max Liebermann, wirkte in Berlin, München und Hamburg und machte sich besonders als Portraitist einen Namen.

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1.800 € Ludwig Fahrenkrog studiert ab 1887 an der Akademie der Künste in Berlin als Meisterschüler von Anton von Werner. Seine christlich geprägte Kunst wandelt sich ab 1900, nachdem er aus der Kirche ausgetreten ist, zu einem gegenständlich-symbolistischen Stil, der den Historismus genauso ablehnt wie die internationalen Avantgarden. Seine Bildthemen kreisen um die Naturauffassung der Lebensreform-Bewegung, um germanische Mythologie und innerseelische Konflikte. 1913 wird er zum Professor, 1925 zum External Professor of Art an der University of Dakota, USA, ernannt. 1913 gründet Fahrenkrog die neuheidnische „Germanische Glaubens-Gemeinschaft“, zu dessen Mitgliedern auch Fidus (eigentl. Hugo Höppener) zählt. Mit diesem verbindet Fahrenkrog eine lebenslange Freundschaft.


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6688 197


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6689

6689

Fidus (eigentl. Hugo Höppener, 1868 Lübeck – 1948 Berlin)

6689 „Vergangenheit“ und „Zukunft“ (Zwei Charakterstudien). Zwei Bleistiftzeichnungen auf Velin. Je ca. 19,7 x 15,5 cm. Beide unten links in Bleistift monogrammiert, datiert sowie betitelt „Vergangenheit F. (18)98.“ und „Zukunft F. (18)98.“ 1.500 € Literatur: Wilhelm Spohr: Fidus, Minden 1902, S. 78f. jeweils mit Abb. Verlag des St. Georg-Bundes (Hrsg.): Fidusbilder. Bebildertes Verzeichnis, Erkner-Berlin 1927, Kat. 90, 91, S. 61. Janos Frecot, Johann Friedrich Geist, Diethart Kerbs: Fidus 18681949. Zur ästhetischen Praxis bürgerlicher Fluchtbewegungen, München 1972, S. 328f. Beide Zeichnungen auf einen blaugrauen Karton aufgelegt. 6690 198


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6691

Fidus 6690 „Ach, guter Adler“ (Mädchen und Knäblein auf einem Fels, sich einem heranfliegenden Adler entgegen streckend). Kohle auf Velin. 36,1 x 24,8 cm. Unten rechts signiert und datiert „Fidus 25 III (18)91.“ sowie eigenh. bez. „Ach, guter Adler - trag‘ mich doch hinauf!! - nur einmal! - nur bis an die Himmelstüre! -“. 1.500 € Provenienz: Sammlung Dr. Eugen Lucius (1834-1903), Frankfurt a. M./ Schönstadt. Wohl vom Künstler auf grauen Karton aufgelegt.

6692 „In Banden“ (Mutter in Fischerhütte an einem Tisch sitzend blickt durch das Fenster auf einen Stern). Grauer Stift, braun laviert und weiß gehöht, auf Papier mit weißem Kreidegrund. 22 x 28,5 cm. Unten links monogrammiert und datiert „f. VI. (18)99“, sowie oben rechts eigenh. betitelt „In Banden“. 1.500 € Literatur: Wilhelm Spohr: Fidus, Minden 1902, S. 42 mit Abb. Janos Frecot, Johann Friedrich Geist, Diethart Kerbs: Fidus 18681949. Zur ästhetischen Praxis bürgerlicher Fluchtbewegungen, München 1972, S. 332. Provenienz: Sammlung Dr. Eugen Lucius (1834-1903), Frankfurt a. M./ Schönstadt. Wohl vom Künstler original auf einen rostbraunen Untersatzkarton aufgelegt.

6691 „Echo“ (Kind in der Brandung, den Wellen etwas zurufend). Bleistift auf Velin. 17,7 x 25,2 cm. Unten links betitelt sowie unten rechts monogrammiert und datiert „f. Jan.“, oben rechts mit der Ziffer „93“. 1.200 € Provenienz: Sammlung Dr. Eugen Lucius (1834-1903), Frankfurt a.M./ Schönstadt (verso mit dem Stempel „Eugen Lucius Schönstadt). Wohl vom Künstler auf grauem Untersatzkarton aufgelegt. 6692 199


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Andreas Gering 6694 Schabernack treibende Gerippe in der Glockenstube. Feder in Braun, aquarelliert und weiß gehöht. 33,7 x 26 cm. Unten rechts signiert und datiert „A. Gering / [19]16.“. 400 €

Fritz Gareis (1872–1925, Wien )

6695 Merkur, entschwebend umhüllt von dem mit Argusaugen besetzten Schleier. Pinsel in Graun und Schwarz, weiß gehöht, auf Karton aufgezogen. 24 x 21,9 cm. Unten links signiert „F. Gareis“. 450 € Beigegeben von demselben weitere 23 Zeichnungen.

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Andreas Gering (1892–1957, Nürnberg)

6693 Der fliegende Tod. Feder in Braun, aquarelliert und weiß gehöht, auf Transparentpapier, aufgezogen. 33,9 x 25,7 cm. Unten links signiert und datiert „A. Gering /1916“. 600 € Andreas Gering beginnt sein Studium an der Kunstgewerbeschule in Nürnberg, bis er schließlich nach München wechselt und dort den Unterricht bei Prof. Carl Johann Becker-Gundahl (Vertreter des Jugendstils und Impressionismus und Mitglied der Münchner Sezession) an der Akademie der Bildenden Künste besucht. Nach Ausbruch des ersten Weltkriegs 1914 wird auch Gering zum Militärdienst eingezogen. Ein traumatisches Erlebnis prägt die Kriegserfahrung des Künstlers: Nach einem Bombenangriff wurde er verschüttet und erst viel später schwer verletzt geborgen. Er brauchte Jahre, um sich von den Folgeschäden zu erholen. Das hier vorliegende Werk, noch in den Kriegsjahren entstanden, bezeugt die Auseinandersetzung des gerade einmal 24-jährigen Zeichners mit dem Tod. 6695 201


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6696

Erwin Stolz (1896 Gießhübel – 1987 Wien)

6696 Die Umarmung. Pinsel in Schwarz über Graphit auf Velin. 30 x 28,6 cm. Rechts unterhalb der Darstellung datiert „10.IV.25“. 400 € Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers (mit dessen Nachlass­ stempel).

6697 Magische Landschaft. Feder in Schwarz auf Velin. 17,5 x 12,4 cm. 250 € Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers (mit dessen Nachlass­ stempel).

6698 „Andante mysterioso“. Farbige Stifte auf Velin, verso in schwarzer Feder eine Studie „Reiter mit Kind vor einer Landschaft mit Burg“. 28 x 25,4 cm. Unten rechts monogrammiert „EST“ (ligiert), sowie links unterhalb der Darstellung betitelt. Um 1920. 350 € 6697 202


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Erwin Stolz 6699 „Föhn“. Aquarell über Graphit auf Velin. 26,9 x 35,9 cm. Unten rechts in Bleistift signiert „EStolz“, sowie unten links eigenh. betitelt. 400 €

Französisch 6700 um 1900. Entwurf für ein Deckenplafond mit schaumgeborener Nixe umgeben von Wasserfabeltieren. Aquarell und Deckfarben über Feder in Braun und Grau, mit Silber- und Goldhöhung, auf festem Velin. 42,1 x 32 cm. Unten rechts bez. „Restaurant Ledoyen“ und unten rechts wohl signiert „R. Lequier“ (?).

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750 € Der enigmatische Entwurf für ein Deckenplafond mit einer aus Schaum geborenen und mit Perlen reich geschmückten Nixe entstand laut Inschrift möglicherweise für das berühmte Restaurant im Pavillon Ledoyen unweit der Champs Elysée in Paris. Das Restaurant wurde 1791 eröffnet und zählt seither zu den ältesten und bedeutendsten GourmetRestaurants der Stadt. Berühmt ist auch die Legende, Napoléon habe dort seine spätere Gemahlin Josephine de Beauharnais kennengelernt. Maximilien de Robespierre war dort ebenso Stammgast wie später Edgar Degas, Edouard Manet, Gustave Flaubert oder Émil Zola.

Hertha Schulda-Müller (1899–1990, Wien)

6701 Krater. Tunkpapierarbeit. 7,5 x 10 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Schulda“.

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350 € Nach Ausbildung an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien (1918/19) studierte Hertha Schulda von 1919 bis 1922 Bildhauerei bei Anton Hanak an der Wiener Kunstgewerbeschule. Dort besuchte sie auch 1920/21 den Sonderkurs für Ornament bei Franz Cizek. Bereits in den 1920er Jahren war sie auch als Schriftstellerin tätig und wirkte später als Fotografin. Ihre Tunkpapierarbeiten, die in der Tradition von Koloman Moser und Leopold Stolba stehen, behaupten sich selbstbewußt als autonome Kunstwerke in der abstrakten Kunst der Zwischenkriegszeit in Wien.

Hertha Schulda-Müller 6702 Inferno. Tunkpapierarbeit. 6,3 x 6 cm. Oben links mit Bleistift signiert „Schulda“. 350 € 6702 205


Zeichnungen des 19. Jahrhunderts ______________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6703

Hermann Wöhler 6704 Im Paradiesgarten. Feder in Schwarz auf festem Zeichenkarton. 48,8 x 35,3 cm. Unten rechts monogrammiert „HW“ (ligiert). Um 1930. 1.800 € Provenienz: Aus dem Nachlaß des Künstlers. Aus der Folge „Sieben Blätter der Schöpfung zum Gedenken an Jakob Böhme“.

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6704

Hermann Wöhler (1897–1961, Hannover)

6703 „An Jakob Böhme“: Der Racheengel über der Schöpfung. Feder in Schwarz auf festem Zeichenkarton. 47,7 x 35 cm. Unten monogrammiert „HW“ (ligiert). Um 1930. 1.500 € Provenienz: Aus dem Nachlaß des Künstlers. Titelblatt zu der Folge „Sieben Blätter der Schöpfung zum Gedenken an Jakob Böhme“.

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Zeichnungen des 19. Jahrhunderts ______________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6705

Hermann Wöhler 6705 „Sintflut“. Feder in Schwarz auf festem Zeichenkarton. 40,2 x 31,7 cm. Unten monogrammiert „HW“ (ligiert). Um 1925/29. 1.500 € Provenienz: Aus dem Nachlaß des Künstlers.

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6706

Hermann Wöhler 6706 Titelblatt zu „Apokalyptische Landschaften“. Feder in Schwarz auf festem Zeichenkarton. 40,2 x 31,5 cm. Unten rechts monogrammiert „HW“ (ligiert). Um 1925/26. 1.500 € Provenienz: Aus dem Nachlaß des Künstlers.

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Zeichnungen des 19. Jahrhunderts ______________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6707

Hermann Wöhler 6707 „Das ist der Tag des Herrn...“: Strahlendes Sonnen­ rad über der Landschaft. Feder in Schwarz auf festem Zeichenkarton. 44 x 30,2 cm. (1929). Unten links monogrammiert „HW“ (ligiert). 1.500 € Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers. Aus der Folge „Sieben Lieder und Landschaften der Andacht“.

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Hermann Wöhler 6708 „Es ist ein Ros entsprungen“ (Verschneite Winterlandschaft). Feder in Schwarz auf festem Zeichenkarton. 44 x 30 cm. Unten monogrammiert „HW“ (ligiert). Um 1929. 1.800 € Provenienz: Aus dem Nachlaß des Künstlers. Aus der Folge „Sieben Blätter der Schöpfung zum Gedenken an Jakob Böhme“.

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Edmund Steppes (1873 Burghausen – 1968 Deggendorf)

6709 Karge Gebirgslandschaft. Feder in Braun mit Aquarell auf Bütten. 14,8 x 12,8 cm. Oben mittig monogammiert und datiert „Edm. St. / 14. 8. 1920.“ 900 €

Edmund Steppes 6710 Weite Wiesenlandschaft mit Bachlauf. Feder in Braun, braun und grau laviert. 16,2 x 20,7 cm. Unten rechts signiert und datiert „Edm. St. 4.5.1918.“. 1.200 €

Edmund Steppes 6711 Disteln. Feder und Pinsel in Braun, auf Makulaturpapier (bayerisches Stempelpapier, 19. Jh.). 32,6 x 20,1 cm. Mittig rechts monogrammiert und datiert „Ed.St. 1915“, verso bezeichnet „[...] Quittung [...] 1866/67“. 1.200 € Nach einem kurzen, keine zwei Jahre dauernden Aufenthalt an der Münchener Kunstakademie beschließt der 22-jährige Edmund Steppes sich autodidaktisch weiterzubilden. Rasch schließt er Freundschaft mit Kollegen wie Emil Lugo und Albert Lang, dem Direktor der Neuen Pinakothek Adolf von Bayersdorfer und Hans Thoma. Ab 1897 stellt er regelmäßig in der Secession aus, ab 1902 kaufen Museen die ersten Gemälde. Ab 1910 widmen sich zahlreiche Einzelpräsentationen seinem Werk, er stellt aber auch international (Österreich, Ungarn) aus. Öffentliche Sammlungen und Museen wie die Staatsgalerien in Stuttgart und München, das Lenbachhaus, die Nationalgalerie Berlin und viele andere kaufen seine Werke. 1927 verleiht ihm das Bayerische Kultusministerium den Professorentitel. Steppes widmete sich zeitlebens der Landschaftsmalerei. Als junger Maler, alles akademische ablehnend, sieht er sich dem Ideal einer tiefsinnigen, geistigen, deutschen Kunst verpflichtet, zu denen Mitte der 1890er Jahre sowohl Hans Thoma als auch Arnold Böcklin gelangten. Vorliegende Zeichnung ist ein eindrucks­voller Beleg für Steppes intensive Beschäftigung mit der Kunst der deutschen Romantiker. Insbesondere spürbar ist der Einfluss von Werken Friedrich Oliviers und Julius Schnorr von Carolsfelds, die sich, ihrerseits inspiriert durch die Studien Schongauers und Dürers, knapp hundert Jahre zuvor ebenfalls mit der Darstellung welker Pflanzen auseinandersetzten.

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Während bei der Darstellung kunsthistorisch häufig die metaphorische Dimension des welken Laubs als Vanitas-Symbol im Vordergrund steht, reizte Olivier, Schnorr von Carolsfeld und wohl auch Steppes vor allem die zeichnerische Herausforderung der in vielfältigen Schattierungen erscheinenden Pflanzen.

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Register A Adami, Pietro 6496 Agricola, Christoph L.6476-6477 Allegrini, Francesco 6405 Alt, Franz 6561, 6653 Altomonte, Martino 6448 B Baur, Johann Wilhelm 6432 Behmer, Marcus 6669 Bella, Stefano della 6411 Bendemann, Eduard 6526 Birmann, Peter 6506 Bisi, Michele 6538 Bison, Giuseppe B. 6491 Blaas, Carl von 6610 Boissieu, Jean J. de 6487-6488 Boitard, François 6447 Bone, Muirhead 6619 Bottschild, Samuel 6445 Boucquet, Pierre 6410 Bramer, Leonhard 6438 Bredal, Niels Andreas 6588 C Caliari, Carletto 6400 Campi, Bernardino 6403 Casembroot, Abraham 6440 Caucig, Franz 6528 Caulitz, Peter 6444 Cazin, Jean Baptiste Louis 6492 Ciceri, Eugène 6626 Constantin, Jean-Antoine 6516 Cornelius, Peter von 6527 Costa, Emmanuel 6618 Cosway, Richard 6509 Czeschka, Carl Otto 6668 D Daffinger, Moritz Michael 6536 Desprez, Louis-Jean 6493-6494 Desrais, Claude-Louis 6481 Dillis, Johann Georg von 6525 Droogsloot, Cornelis 6439 Duvivier, Ignace 6562-6565 EF Eibner, Friedrich 6540 Eimmart d. J., Georg Chr. 6430 Ender, Johann Nepomuk 6600 Ender, Th. 6549, 6605, 6636 Faed, Thomas 6601 Fahrenkrog, Ludwig 6688 Fidus 6689-6692 Fiedler, Bernard 6560 Fincke, Hans 6532 Forbes, James 6502 Füger, Heinrich Friedrich 6495

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G Gareis, Fritz 6695 Gasch, Walther 6684-6686 Gauermann, Friedrich 6609, 6634-6635, 6639 Geiger, Carl Joseph 6597 Genelli, Bonaventura 6519 Gering, Andreas 6693-6694 Ghezzi, Pier Leone 6470-6473 Gonzaga, Pietro 6467-6469, 6489-6490 Gran, Daniel 6455 Greiner, Otto 6682 Guibal, Nicholas 6484 Guillibaud, Jean-François 6474 H Hackert, Jakob Philipp 6510 Hammer, Chr. G. 6568-6569 Herrmann, Paul 6683 Herz, Johann Daniel 6480 Hesterberg, Hesto 6687 Hildebrandt, Eduard 6575 Hoch, Franz Xaver 6657 Hofer, Franz 6674-6675 Hoffmann, Josef 6670-6672 Hoffstadt, Friedrich 6530 Hofmann, Ludwig v. 6658-6659 Höger, Joseph 6547-6548, 6559 Horner, Friedrich 6544 J Jacob II, Julius 6638 Jagemann, Ferdinand 6498 Jeklin, Andreas 6637 Jettel, Eugen 6606 Jettmar, Rudolf 6677 Joris, Pio 6644 KL Kampf, Arthur von 6590 Kittendorf, Johan A. 6678-6679 Kley, Heinrich 6665 Knackfuß, Hermann 6615 Kniep, Christoph Heinrich 6508 Kobell, Franz 6523 Koch 6628 Kriehuber, Josef 6596 Kuhnert, Wilhelm 6621, 6680 Legendre, Louis 6520-6521 Lemoine, Jacques A. Marie 6485 Lindenschmit d. J., Wilhelm von 6586-6587 Longuelune, Zacharias 6466 Löwenstern, Carl Otto von 6574 Lund, Johann Ludvig G. 6517 Lutteroth, Ascan 6649

M Macco, Georg 6577 Marcus, Jacob Ernst 6514 Masreliez, Louis Adrien 6497 Massaro, Nicola 6404 Mayer, Auguste-E.-F. 6581-6582 Melbye, Anton Daniel 6624 Menzel, Adolph 6645 Mohn, V. P. 6554, 6631-6632 Mölck, Joseph Adam von 6449 Molitor, Martin von 6504 Moncel, Th. A. L. du 6578-6580 Monogrammist C.O. 6660 Monogrammist WB 6570 Moreau, Louis Gabriel 6513 Mosscher, Jacob van 6441 Müller, Leopold Carl 6622-6623 Müller, Richard 6681 Murer, Josias 6425 N Nanteuil, Robert 6433 Neumann, Hans 6662 Niederhäusern, S. de 6654-6655 Nijmegen, Elias van 6446 Nitzschke, Ludwig F. 6611 Novelli, Pietro A. 6456-6458 OP Opiz, Georg E.6584-6585 Oudry, Jean-Baptiste 6478 Perlberg, Friedrich 6629-6630 Pernot, François Alexandre 6567 Peters, Pieter Francis 6608 Pettenkofen, August von 6593 Pittoni, Giovanni Battista 6413 Potocka, Anna 6566 Praetorius, Pieter E. H. 6515 Preller d. Ä., Friedrich 6633 Prévost d. J., Jean-Louis 6505 R Reggio, Raffaelino da 6407 Reinhold, Franz 6555 Ricci, Sebastiano 6459 Richter, Adrian L. 6541-6542 Ridinger, Johann Elias 6479 Roeseler, August 6666 Romako, Anton 6595 Romano, Giulio 6415 Roncalli, Cristoforo 6422 S Sabatini, Lorenzo 6414 Salathé, Friedrich 6524 Sallieth, Matheus de 6483 Santarelli, Francesco 6557 Schalcken, C. van der 6437

Scheffer von Leonhardshoff, Johann Evangelist 6529 Scheits, Matthias 6442 Schinkel, Karl Friedrich 6531 Schmutzer, Ferdinand 6676 Schmutzer, Jakob Matthias 6482 Schoppe, Julius 6537 Schorer, Hans Friedrich 6427 Schulda-Müller, H. 6701-6702 Schulmeister, Willibald 6607 Schulze, Carl 6603 Schwind, Moritz von 6534 Seitz, Alexander M. 6539 Selleny, Joseph 6551, 6620 Signorini, Giuseppe 6627 Skarbina, Franz 6641-6643 Steidl, Melchior 6450 Steiner, Emanuel 6499 Steppes, Edmund 6709-6711 Stolba, Leopold 6673 Stolz, Erwin 6696-6699 Strack, Ludwig Philipp 6501 Stuck, Franz von 6664 Suhr, Cornelius 6533 Suvée, Joseph Benoît 6486 T Tempesta, Antonio 6412 Thiersch, Ludwig 6572 Thoma, Hans 6656 Toepfer, Wolfgang A. 6511-6512 Tübbecke, Paul Wilhelm 6614 VW Velde, Adriaen van de 6443 Venus, August Leopold 6612 Verbeeck, Pieter Cornelis 6429 Vianelli, Achille 6552 Völcker, Gottfried Wilh. 6604 Waay, Nicolaas van der 6625 Wacik, Franz 6663, 6667 Warnberger, Simon 6594 Weller, Theodor L. 6543, 6546 Werner, A. v. 6640, 6646-6648 Westmayr, Konrad 6613 Weyer, Hermann 6426 Wivel, Niels 6589 Wöhler, Hermann 6703-6708 Wolfthorn, Julie 6661 Z Ziem, Félix 6616 Zingg, Adrian 6507 Zinnögger, Leopold 6602 Zwintscher, Oskar 6651


___________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Besitzer 1: 6538, 6581, 6582, 6680. 2: 6684, 6685, 6686. 3: 6474, 6491, 6601, 6696, 6697, 6698, 6699. 4: 6545. 5: 6438. 6: 6400. 7: 6493, 6494. 8: 6683, 6711. 9: 6407, 6413, 6414, 6426, 6440, 6479, 6514, 6682. 10: 6532. 11: 6549, 6650, 6654, 6655, 6656, 6700, 6709, 6710. 12: 6409, 6465, 6681, 6687, 6703, 6704, 6705, 6706, 6707, 6708. 13: 6403, 6442, 6483, 6506, 6519, 6522, 6540, 6541, 6543, 6546, 6571, 6614, 6620, 6637, 6644. 14: 6573, 6651. 15: 6604. 16: 6589, 6678. 17: 6427, 6460, 6484. 18: 6500. 19: 6576. 20: 6537, 6638. 21: 6404, 6408, 6410, 6425, 6433, 6436, 6444, 6445, 6446, 6447, 6456, 6459, 6463, 6466, 6480, 6481, 6485, 6486, 6492, 6497, 6499, 6503, 6508, 6510, 6511, 6512, 6516, 6517, 6520, 6521, 6523, 6525, 6528, 6536, 6594, 6610, 6612, 6616, 6617, 6626, 6633, 6641, 6642. 22: 6586, 6587. 23: 6455. 24: 6507. 25: 6482, 6504, 6524, 6527. 26: 6526, 6590. 27: 6530, 6535, 6657, 6661, 6665. 28: 6518. 29: 6556. 30: 6467, 6468, 6469, 6489, 6490, 6552, 6645. 31: 6437, 6441. 32: 6501. 33: 6470, 6471, 6472, 6473. 34: 6603. 35: 6640, 6646. 36: 6415, 6420, 6421. 37: 6457, 6664, 6677, 6701, 6702. 38: 6487, 6488, 6531, 6578, 6579, 6580, 6659. 39: 6476, 6477. 40: 6412, 6496. 41: 6611, 6679, 6693, 6694. 42: 6401, 6405, 6406, 6416, 6417, 6418, 6443, 6448, 6449, 6450, 6451, 6452, 6454, 6461, 6509. 43: 6628. 44: 6572, 6660. 45: 6584, 6652. 46: 6554, 6631, 6632, 6689, 6690, 6691, 6692. 47: 6570. 48: 6591, 6592, 6599. 49: 6588. 50: 6550. 51: 6621. 52: 6464, 6533, 6553, 6583, 6608, 6627, 6629, 6630, 6662, 6666. 53: 6618. 54: 6402. 55: 6432, 6505. 56: 6513, 6557, 6558. 57: 6422. 58: 6428, 6478, 6498, 6502, 6613. 59: 6624. 60: 6539, 6544. 61: 6423. 62: 6649. 63: 6462. 64: 6615, 6647, 6648. 65: 6424, 6430, 6431, 6435, 6453, 6475, 6495, 6529, 6534, 6542, 6547, 6548, 6551, 6555, 6559, 6560, 6561, 6562, 6563, 6564, 6565, 6566, 6567, 6568, 6569, 6574, 6585, 6593, 6595, 6596, 6597, 6598, 6600, 6602, 6605, 6606, 6607, 6609, 6619, 6622, 6623, 6634, 6635, 6636, 6639, 6653, 6663, 6667, 6668, 6669, 6670, 6671, 6672, 6673, 6674, 6675, 6676, 6695. 66: 6575. 67: 6643. 68: 6419. 69: 6688. 70: 6658. 71: 6439, 6515, 6625. 72: 6577. 73: 6429. 74: 6458. 75: 6411, 6434.

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V ER ST EIGERU NG S - BEDI NGU NGEN 1. Die GALERIE GERDA BASSENGE KG, nachfolgend Versteigerer genannt, versteigert als Kommissionärin im eigenen Namen und für Rechnung ihrer Auftraggeber (Kommittenten), die unbenannt bleiben. Die Versteigerung ist freiwillig und öffentlich im Sinne des § 383 III BGB. 2. Der Versteigerer behält sich das Recht vor, Nummern des Kataloges zu vereinen, zu trennen, außerhalb der Reihenfolge anzubieten oder zurückzuziehen. 3. Sämtliche zur Versteigerung kommenden Gegenstände können vor der Ver­steigerung besichtigt und geprüft werden. Die Sachen sind gebraucht. Erhaltungszustände der einzelnen angebotenen Arbeiten bleiben im Katalog in der Regel unerwähnt. Die Katalogbeschreibungen sind keine Garantien im Rechtssinne und keine vertraglich vereinbarten Beschaffenheitsangaben. Gleiches gilt für individuell angeforderte Zustandsberichte. Sie bringen nur die subjektive Einschätzung des Versteigerers zum Ausdruck und dienen lediglich der unverbindlichen Orientierung. Alle Gegenstände werden in dem Erhaltungszustand veräußert, in dem sie sich bei Erteilung des Zuschlages befinden. Soweit nicht in der Katalogbeschreibung explizit erwähnt, sind Rahmungen nicht bindender Bestandteil des Angebots. Der Käufer kann den Versteigerer nicht wegen Sachmängeln in Anspruch nehmen, wenn dieser seine Sorgfaltspflichten erfüllt hat. Der Versteigerer verpflichtet sich jedoch, wegen rechtzeitig vorgetragener, begründeter Mängelrügen innerhalb der Verjährungsfrist von 12 Monaten ab dem Zeitpunkt des Zuschlags seine Ansprüche gegenüber dem Einlieferer (Auftraggeber) geltend zu machen. Im Falle erfolgreicher Inanspruchnahme des Einlieferers erstattet der Versteigerer dem Erwerber den Kaufpreis samt Aufgeld. Die Haftung des Versteigerers auf Schadensersatz für Vermögensschäden – gleich aus welchem Grund – ist ausgeschlossen, es sei denn, dem Versteigerer fiele Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit zur Last. Die Haftung bei Verletzung von Leben, Körper und Gesundheit bleibt unberührt. 4. Der Zuschlag erfolgt nach dreimaligem Aufruf an den Höchst­ bieten­den. Der Versteigerer kann den Zuschlag verweigern oder unter Vor­behalt erteilen. Wenn mehrere Personen dasselbe Gebot abgeben und nach dreimaligem Aufruf kein höheres Gebot erfolgt, entscheidet das Los. Der Versteigerer kann den Zuschlag zurücknehmen und die Sachen erneut ausbieten, wenn irrtümlich ein rechtzeitig abgegebenes höheres Gebot übersehen worden ist oder wenn der Höchst­bietende sein Gebot nicht gelten lassen will oder sonst Zweifel über den Zuschlag bestehen. 5. Im Falle eines schriftlichen Gebotes beauftragt der Interessent den Versteigerer für ihn während der Versteigerung Gebote abzugeben. In schriftlichen Aufträgen ist bei Differenzen zwischen Nummer und Kennwort das Kennwort maßgebend. 6. Telefonische Gebote und Online-Direkt-Gebote über das Internet bedürfen der vorherigen Anmeldung beim Versteigerer und dessen Zustimmung. Für die Bearbeitung übernimmt der

Versteigerer jedoch keine Gewähr. Telefonische und OnlineGebote werden nur akzeptiert, wenn der Bieter bereit ist, den ihm zuvor mitgeteilten Mindestpreis des jeweiligen Loses zu bieten. Auch bei Nichtzustandekommen einer Verbindung gilt, dass für den Auktionator dieses Gebot in Höhe des Mindestpreises verbindlich ist. Für das Zustandekommen einer entsprechenden Telefon- oder Onlineverbindung übernimmt der Versteigerer keine Gewähr. Das Widerrufs- und Rückgaberecht bei Fernabsatzverträgen findet auf solche Gebote keine Anwendung (§ 312d Abs. 4 Nr. 5 BGB). 7. Mit der Erteilung des Zuschlages geht die Gefahr für nicht zu vertretende Verluste und Beschädigung auf den Ersteigerer über. Das Eigentum an den ersteigerten Sachen geht erst mit vollstän­ digem Zahlungseingang an den Erwerber über. 8. Auf den Zuschlagspreis ist ein Aufgeld von 28% zu entrichten, in dem die Umsatzsteuer ohne separaten Ausweis enthalten ist (Differenzbesteuerung) oder ein Aufgeld von 23% auf den Zuschlag zzgl. der USt von z.Zt. 19% (Regelbesteuerung), bei Büchern beträgt die Umsatzsteuer 7% (Regelbesteuerung).Die im Katalog mit einem * gekennzeichneten Objekte unterliegen in jedem Fall der Regelbesteuerung (Aufgeld von 23% auf den Zuschlag zzgl. der USt von z.Zt. 19%). Bei den im Katalog mit einem ^ gekennzeichneten Objekten ist Einfuhrumsatzsteuer angefallen. In diesen Fällen wird zusätzlich zu einem Aufgeld von 25% (Differenzbesteuerung) die verauslagte Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von z.Zt. 7% auf den Zuschlag erhoben. Für bundesdeutsche Kunsthändler und Antiquare, die zum Vor­s teuer­abzug berechtigt sind, kann die Gesamt­rech­nung auf Wunsch, wie bisher nach der Regelbesteuerung ausgestellt werden. Von der Umsatzsteuer befreit sind Ausfuhrlieferungen in Dritt­ länder (außerhalb der EU) und – bei Angabe ihrer USt.-Identi­ fikations-Nr. bei Auftragserteilung als Nachweis der Berechtigung zum Bezug steuerfreier innergemeinschaftlicher Lieferungen – auch an Unternehmen in anderen EU-Mitgliedsstaaten, unter der Voraussetzung, dass sie für gewerblichen Gebrauch einkaufen. Eine Korrektur nach Rechnungsstellung ist nicht möglich. Alle anderen Käufe aus EU-Ländern unterliegen der Umsatzsteuer. Ausländischen Käufern außerhalb der Europäischen Union wird die Umsatzsteuer erstattet, wenn binnen 4 Wochen nach der Auktion der deutsche zollamtliche Ausfuhrnachweis und der zollamt­ liche Einfuhrnachweis des entsprechenden Importlandes erbracht werden. Bei Versand durch uns gilt der Ausfuhrnachweis als gegeben. Bei Online-Live-Geboten über externe Internetplattformen erhöht sich das Aufgeld um die dort anfallende Transaktions­gebühr. Wäh­rend oder unmittelbar nach der Auktion ausgestellte Rech­ nun­­gen bedür­fen einer beson­de­ren Nachprüfung und eventueller Berichtigung; Irrtum vor­behalten. 9. Die Auslieferung der ersteigerten Stücke erfolgt in unseren Ge­ schäftsräumen gegen Bezahlung. Kreditkarten (Mastercard, VISA, American Express), Schecks sowie andere unbare Zahlungen werden nur erfüllungshalber angenommen. Bankspesen/


Transaktionsge­bühren bzw. Kursverluste können zu Lasten des Käufers gehen. Die Auf­ bewahrung erfolgt auf Rechnung und Gefahr des Käufers. Der Versand wird gegen Vorabrechnung des Rechnungsbetrages ausgeführt. Die Versandspesen sowie die Kosten für Versicherung gegen Verlust und Beschä­digung gehen zu Lasten des Käufers. Übersteigen die tatsäch­lichen Versandkosten die vorab berechnete Pauschale, so wird die Differenz dem Käufer nachträglich in Rechnung gestellt. 10. Bei der Ausfuhr von Kulturgütern aus dem Gemeinschaftsgebiet der EG ist gem. der EG-Verordnung Nr. 116/2009 abhängig von Kategorie und Wert des Objekts ggf. eine Ausfuhrgenehmigung erforderlich. Aus Gründen des Artenschutzes können Objekte aus bestimmten, geschützten Materialien (u.a. Elfenbein, Schildpatt, Perlmutt und einige Korallenarten) besonderen Im- und Export­beschränkungen unterliegen. Zum Zwecke des Exports (insbesondere außerhalb der Europäischen Union) kann hierfür eine spezielle Ausfuhrgenehmigung gemäß der Verordnung (EG) Nr. 338/97 erforderlich sein. Entsprechende Ausfuhrgenehmigungen können nur unter strengen Bedingungen erteilt und ggf. auch gar nicht erlangt werden, auch kann der Import dieser Gegenstände in manche Staaten ein­geschränkt oder untersagt sein. Der Käufer ist selbst dafür verantwortlich, sich über etwaige Im- und Exportbeschränkungen zu informieren. Export und Import entsprechender Objekte erfolgen allein auf Rechnung und Gefahr des Käufers. 11. Der Zuschlag verpflichtet zur Abnahme. Der Kaufpreis ist mit dem Zuschlag fällig. Der Versteigerer ist berechtigt, falls nicht innerhalb von zwei Wochen nach der Versteigerung Zahlung geleistet ist, den durch den Zuschlag zustande gekommenen Kaufvertrag ohne weitere Fristsetzung zu annullieren, Verzugszinsen in banküblicher Höhe – mindestens jedoch 1 % auf den Bruttopreis je angebrochenen Monat – zu berechnen und von dem Ersteigerer

wegen Nichterfüllung Schadenersatz zu verlangen. Der Schadenersatz kann in diesem Falle auch so berechnet werden, dass die Sache in einer neuen Auktion nochmals versteigert wird und der säumige Käufer für einen Minder­erlös gegenüber der vorangegangenen Versteigerung einschließlich der Gebühren des Auktionshauses aufzukommen hat. Zu einem Gebot wird er nicht zugelassen, auf einen etwaigen Mehrerlös hat er keinen Anspruch. 12. Erfüllungsort und Gerichtsstand im vollkaufmännischen Verkehr ist Berlin. Es gilt ausschließlich deutsches Recht. Das UNAbkommen über Verträge des internationalen Warenkaufs (CISG) findet keine Anwendung. 13. Die im Katalog aufgeführten Preise sind Schätzpreise, keine Limite. 14. Der Nachverkauf ist Teil der Versteigerung, bei der der Interessent entweder telefonisch oder schriftlich (im Sinne der Ziffern 5 und 6) den Auftrag zur Gebotsabgabe mit einem bestimmten Betrag erteilt. 15. Die Abgabe eines Gebotes in jeglicher Form bedeutet die Anerkennung dieser Versteigerungsbedingungen. Der Versteigerer nimmt Gebote nur aufgrund der vorstehenden Versteigerungs­ bedingungen entgegen und erteilt dementsprechend Zuschläge. Kommissionäre haften für die Käufe ihrer Auftraggeber. 16. Sollte eine der vorstehenden Bestimmungen ganz oder teilweise unwirksam sein, so bleibt die Gültigkeit der übrigen davon unberührt. David Bassenge Geschäftsführer Stand: November 2018

Eindeutig identifizierbare Werke mit einem Schätzpreis von mind. 2500 Euro werden vor der Auktion mit dem Art Loss Register abgeglichen.


CON DI T IONS OF SA L E 1. The Galerie Gerda Bassenge KG, subsequently called “the auctioneer” carries on business as commission-agent in its own name on behalf of its voluntary con­signors. This auction sale is a public one in the sense of § 383 III BGB. 2. The auctioneer reserves the right to combine, to split, to change or to withdraw lots before the actual final sale. 3. All objects put up for auction can be viewed and examined prior to the sale at the times made known in the catalogue. The items are used and sold as is. As long as not explicitly mentioned in the catalogue description, framing is not an inherent part of the offer. As a rule, the condition of the individual work is not given in the catalogue. Catalogue descriptions are made with as much care as possible, but the descriptions do not fall under the statutory paragraph for guaranteed legal characteristics. The same applies for individually requested condition reports. These also offer no legal guarantee and only represent the subjective assessment of the auctioneer while serv­ing as a non-binding orientation. The liability for damage to life, body or health shall remain unaffected. In case of a justified claim, however, he will accept the responsibility to make a claim for restitution on behalf of the buyer against the consignor within a period of 12 months, running from the fall of the hammer. In the event of a successful claim the auctioneer will refund the hammerprice plus premium. 4. The highest bidder acknowledged by the auctioneer shall be deemed the buyer. In case of identical bids the buyer will be deter­ mined by drawing lots. In the event of a dispute the auctioneer has the absolute discretion to reoffer and resell the lot in dispute. He may also knock down lots conditionally. 5. In the case of a written bid the bidder commissions the auctioneer to place bids on his behalf during the auction. In cases where there is a discrepancy between number and title in a written bid the title shall prevail. 6. Telephone and direct online bidding via the internet must be approved in advance by the auctioneer. The auctioneer cannot be held liable for faulty connections or transmission failure. In such a case the bidder agrees to bid the reserve price of the corresponding lot. For such bidding the regulations of long distance contracts do not apply (Fernabsatzverträge) [cf § 312d IV,5 BGB]. 7. On the fall of the auctioneer’s hammer title to the offered lot will pass to the acknowledged bidder. The successful buyer is obliged to accept and pay for the lot. Ownership only passes to the buyer when full payment has been received. The buyer, however, immediately assumes all risks when the goods are knocked down to him.

8. A premium of 28% of the hammer price will be levied in which the VAT is included (marginal tax scheme) or a premium of 23% of the hammer price plus the VAT of 19% of the invoice sum will be levied [books: 7%] (regular tax scheme). Buyers from countries of the European Union are subject to German VAT. Items marked with an * are subject to the regular tax scheme (premium of 23% of the hammer price plus the current VAT of 19%). Items marked with an ^ are subject to import duty. In these cases in addition to a premium of 25% (marginal tax scheme), the charged import tax of currently 7% will be added to the hammer price. Exempted from these rules are only dealers from EU-countries, who are entitled, under their notification of their VAT ID-Number, to buy on the basis of VAT-free delivery within the European Union. Notification of VAT ID-Numbers must be given to the auctioneer before the sale. For buyers from non EU-countries a premium of 23% will be levied. VAT will be exempted or refunded on production of evidence of exportation within 4 weeks of the auction, or, if appropriate, importation to another country. This is taken as given when the dispatch is effected by us. Live bidding through external online platforms entails a transaction fee stipulated by the platform and will be added to the premium. Due to the work overload of the accounting department during auctions, invoices generated during or directly after an auction require careful revision and possible correction; errors excepted. 9. Auction lots will, without exception, only be handed over after pay­ment has been made. Credit cards (VISA, Mastercard, American Express), checks and any other form of non-cash payment are accepted only on account of performance. Exchange rate risk and bank charges may be applicable. Storage and dispatch are at the expense and risk of the buyer. If the shipping costs exceed the lump sum on the invoice the outstanding amount will be billed separately. 10. According to regulation (EC) No. 116/2009, an export license is necessary when exporting cultural goods out of European Community territory, depending on the type or value of the object in question. 
For the purposes of wildlife conservation, it is necessary to obtain an export license according to regulation (EC) No. 338/97 when exporting objects made from certain protected materials (incl. ivory, tortoiseshell, mother-of-pearl and certain corals) out of the territory of the European Community. Export licenses for objects made of protected materials are only granted under strict conditions or may not be granted at all. The import of such objects may be restricted or prohibited by certain countries. It is the buyer’s responsibility to inform himself, whether an object is subject to such restrictions. Export and import of such objects are at the expense and risk of the buyer.


11. The buyer is liable for acceptance of the goods and for payment. The purchase price shall be due for payment upon the lot being knocked down to the buyer. In case of a delayed payment (two weeks after the sale) the purchaser will be held responsible for all resultant damages, in particular interest and exchange losses. In case of payment default the auctioneer will charge interest on the outstanding amount at a rate of 1% to the gross price per month or part of month. In such an event the auctioneer reserves the right to annul the purchase contract without further notice, and to claim damages from the buyer for non-fulfilment, accordingly he can reauction the goods at the buyer’s expense. In this case the buyer is liable for any loss incurred, the buyer shall have no claim if a higher price has been achieved. He will not be permitted to bid. 12. The place of fulfillment and jurisdiction is Berlin. German law applies exclusively; the UN-Treaty (CISG) is explicitly excluded. 13. The prices quoted after each lot are estimates, not reserves.

14. The after-sales is part of the auction in which the bidder places either by tele­phone or in written form (as stated in number 5 and 6) the order to bid a set amount. 15. By making a bid, either verbally in the auction, by telephone, written by letter, by fax, or through the internet the bidder confirms that he has taken notice of these terms of sale by auction and accepts them. Agents who act on behalf of a third party are jointly and separately liable for the fulfillment of contract on behalf of their principals. 16. Should one or the other of the above terms of sale become wholly or partly ineffective, the validity of the remainder is not affected. In the event of a dispute the German version of the above conditions of sale is valid. David Bassenge As of November 2018


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Johann Anton Ramboux. Doppelportrait der Brüder Eberhard. Lithographie auf Velin. 1822.

Druckgraphik des 15. – 19. Jahrhunderts 28. November 2018

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Los 6347. Paul Meyerheim. Guter Rath ist theuer! Maus mit Hering. Pinsel in Braun.

Discoveries 30. November 2018 Online-Katalog mit Arbeiten u.a. von Paul Meyerheim, Franz Skarbina, Anton von Werner

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Portraitminiaturen 29. November 2018 GA L E R I E BA S S E N G E  ·   E R DE N E R S T R A S S E 5A  ·  14193 BE R L I N Telefon: (030) 893 80 29-0 · Fax: (030) 891 80 25 · E-Mail: art@bassenge.com  ·  Kataloge online: www.bassenge.com


j u l i a m a rg a r e t c a m e ron Portrait of two women. 1866 -70. Albumen print.

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Katalogbearbeitung Dr. Ruth Baljöhr David Bassenge Lea Kellhuber Nadine Keul Harald Weinhold Eva Dalvai

Gestaltung & Satz Stefanie Löhr Fotografie / Reproduktionen Christoph Anzeneder Maria Benkendorf Jochen Flad Annette Stübinger




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