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30. März – 15. Mai 2019

Francis Ford Coppola Joe May

NEU: ASS M-P RAM G O R P anze Das g Angebot ! lle aktue 0 Franken 6 r n a fü ltlich Erhä okasse. in der K


Das Jahresabo für alle in Ausbildung.

RUND 60 FILME FÜR 50 FRANKEN. «Das erste Jahrhundert des Films» im Filmpodium.

30.4. — 9.5.19 Zürich

22.

10.5. — 12.5.19

Frauenfeld


01 Editorial

Abos à la carte Das Publikum des Filmpodiums besteht zu einem ansehnlichen Teil aus Stammgästen, die seit Jahren wissen, dass es diese städtische Kulturinstitution gibt und was da veranstaltet wird. Sie sind in aller Regel alt genug, um das Kino dem PC, dem iPhone und der guten Stube als Abspielstätte für Filme vorzuziehen, und sie nehmen sich Zeit, um anderes als nur das Neueste und Lauteste zu sehen. Sie schätzen die kuratierte Auswahl von Klassikern der Filmgeschichte und die Präsentation von Trouvaillen abseits des Kanons. ­Zumeist haben diese Cinephilen ein General- oder ein Halbtax-Abo fürs Filmpodium; nicht wenige sind auch Mitglieder unseres Fördervereins Lumière. Neben diesen treuen Habitué(e)s gibt es aber immer auch Personen, die gezielt zu einer bestimmten Veranstaltung ins Filmpodium kommen, sei es für Events wie neulich unsere Rocky Horror Picture Show-Sause und die «Woche der Nominierten» für den Schweizer Filmpreis, für das Arab Film Festival oder im Zuge des Pink Apple Filmfestivals. Viele entdecken dabei unser 70-jähriges Kino zum ersten Mal. Um diesen zumeist jüngeren Gästen die Rückkehr zu uns zu erleichtern, bieten wir zwei Spezial-Abos an: eines für die Dauerreihe «Das erste Jahrhundert des Films» und das verbilligte U25-Halbtax-Abo. Manche unserer Gäste sind von einer oder mehreren unserer Filmreihen besonders angetan und könnten etwa von Francis Ford Coppola, Joe May oder Rosa von Praunheim gar nicht genug kriegen. Für solche Fans haben wir ein neues Abonnement geschaffen: den Programm-Pass. Er ist ein zeitlich beschränktes General-Abo (analog zu unserem Sommer-Abo) und erlaubt für 60 Franken freien Zutritt zu sämtlichen Vorstellungen einer regulären Programmperiode – inklusive Sonderevents und Stummfilme mit Live-Begleitung. Kino à discrétion also, aber für eine überschaubare Zeit: eine echte Einladung zum «binge-watching». Apropos sattsehen: Als Folge einer Umbaupause im März beginnt das April-Mai-Programm zwei Tage früher, und zwar mit einem Paukenschlag. Am Samstag, dem 30. März, zeigen wir Coppolas Godfather-Trilogie als Marathon. Zwischen den ersten beiden Filmen gibt es kongeniale Cannoli und Caffè; zwischen dem zweiten und dritten Teil Zürichs beste Pizza frisch vom Foodtruck mit Holzofen, dazu Wein von Francis Ford Coppola persönlich. In den Worten von Don Vito Corleone: «An offer you can’t refuse.» Michel Bodmer Titelbild: Apocalypse Now von Francis Ford Coppola


02 INHALT

Francis Ford Coppola zum 80. Geburtstag

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Francis Ford Coppola hat sich vom Handlanger Roger Cormans schnell zum ­ Mitbegründer des New Hollywood und zum Schöpfer ehrgeiziger und unvergesslicher Blockbuster emporgeschwungen. Zu seinem 80. Geburtstag am 7. April würdigt das Filmpodium den grossen Cineasten mit einer Retrospektive. Die GodfatherTrilogie, The Conversation, Apocalypse Now, Bram Stoker’s Dracula – viele von Coppolas Werken sind Epen über Macht, Wahn und Gewalt, aber er kann auch anders: Subtile Psychogramme wie The Rain People, Milieustudien wie Rumble Fish und romantische Komödien wie Peggy Sue Got Married gehören ebenso zu seiner Filmografie. In den letzten Jahren wurde Coppola wieder zum Independentfilmer, der mit kleinen Budgets sehr persönliche Werke erschafft. Bild: The Conversation

Joe May und der frühe deutsche Tonfilm

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Der gebürtige Wiener Joe May (1880–1954) war eine der zentralen Figuren des Weimarer Kinos. Er war nicht nur Regisseur, Produzent, Atelierbetreiber und Pionier zahlreicher populärer Filmgenres, sondern auch Entdecker von Talenten wie Fritz Lang und Thea von Harbou. Er scheute keinen Aufwand: Für Monumentalfilme wie Das indische Grabmal (1921) errichtete er vor den Toren Berlins eine gigantische Filmstadt; für Asphalt (1929) liess er in Babelsberg ganze Strassenzüge nachbauen. In der Frühzeit des Tonfilms drehte May frivole Komödien und Musikfilme, bevor er vor den Nazis nach Hollywood floh. Die Auswahl seiner Filme aus mehreren Schaffensperioden wird ergänzt mit Werken anderer Regisseure aus der frühen deutschen Tonfilmzeit. Bild: Asphalt


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Rosa von Praunheim

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Rosa von Praunheims Filme haben seit fünf Jahrzehnten den Prozess der gesellschaftlichen Emanzipation der Homosexuellen begleitet und beflügelt. Zu Ehren der Verleihung des Pink Apple Festival Award an diesen wegweisenden Vorkämpfer des Queer Cinema zeigt das Filmpodium eine Auswahl seiner besten Filme

Das erste Jahrhundert des Films: 1949

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Reedition: Lola von Jacques Demy

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Filmpodium für Kinder: Einmal Mond und zurück

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Die Familie versöhnen und gleichzeitig den Mond vor der Ausbeutung retten. Kein Problem, oder? Ein rasanter Animationsfilm, passend zum Mondlande-Jubiläum. Bild: Einmal Mond und zurück

Einzelvorstellungen Von Yasujiro Ozus friedlicher Familienstudie Später Frühling gehts über Carol Reeds zithernden Untergrundkrimi The Third Man bis zu Raoul Walshs frenetischem Gangsterfilm White Heat. In Jean-Pierre Melvilles Résistance-Kammerspiel Le silence de la mer schweigt nicht nur der Ozean und Jacques Tati pedalt als Postbote wortkarg durch Jour de fête. Bild: White Heat

70 Jahre «Studio 4»:  A Connecticut Yankee in  King Arthur’s Court IOIC-Soireen:  The Big Parade, J’accuse

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Alfred R. – Ein Leben und ein Film und Max Frisch: Blaubart 35 Sélection Lumière:  36 Das Erbe oder: Fuckoffjungsgutntag


05

Francis Ford Coppola zum 80. Geburtstag Independentfilmer, Anti-Hollywoodmogul, Winzer, Familienmensch – Francis Ford Coppola, der am 7. April 80 Jahre alt wird, ist eine schillernde, überlebensgrosse Figur. Seine kometenhafte Karriere vom Schundbastler über den New-Hollywood-Autorenfilmer zum gefeierten Epiker und Blockbuster-Schöpfer erfuhr einen jähen Absturz als Plei­tier und mündete in eine Rückkehr zu einem persönlicheren, selbst­ bestimmten Filmschaffen. Kaum ein Filmemacher kann eine solche Erfolgssträhne vorweisen wie Francis Ford Coppola in seiner goldenen Dekade, den Siebzigerjahren: Als Produzent zeichnete er für die ersten zwei Filme von George Lucas, THX-1138 (1971) und American Graffiti (1973); er schrieb die Drehbücher zu Patton (Franklin J. Schaffner, 1970) und The Great Gatsby (Jack Clayton, 1974) und inszenierte die ersten beiden Godfather-Filme (1972/1974), The Conversation (1974) und Apocalypse Now (1979). Fünf Oscars, zwei Golden Globes und zwei Palmes d’or sowie viele weitere Preise konnte er damit einheimsen. Noch vor Lucas, Steven Spielberg und Martin Scorsese war Coppola der Titan des New Hollywood. Die Erwartungen an den Cineasten waren von da an entsprechend gross und kaum mehr zu erfüllen. Auch sein Versuch ab 1969 bei San Francisco mit seinem eigenen Studio American Zoetrope eine kleine, unabhängige ­Gegenwelt zu Hollywood zu schaffen, wurde ihm nicht nur zugutegehalten. Coppola wurde gerne mit seinen grössenwahnsinnigen Protagonisten von Don Vito Corleone bis Colonel Kurtz verglichen, sein Scheitern von Missgünstigen schadenfreudig zelebriert, sein Spätwerk zumeist ignoriert. Sowohl Letzteres als auch Coppolas Meilensteine verdienen eine Neueinschätzung. Aufstieg und Ruhm Nach der UCLA Film School diente Coppola bei Roger Corman, Produzent spekulativer Reisser und Horrorfilme, der ihn sowjetische Science-Fiction und deutsche Lustspiele mit Monstern und Busenwundern aufmotzen liess. Sehenswert ist erst Dementia 13 (1963), ein Schwarzweiss-Schocker, den Coppola für 20 000 Dollar in Irland drehte. Bei aller Rohheit zeigt dieser Quickie schon

< >

Macht und Korruption: The Godfather Liebe und Illusion: One from the Heart


06 e­inige seiner Qualitäten als Regisseur; auch seine Lieblingsthemen − Zeit, Geld und Macht, Familie und Verlust − sind hier bereits angelegt. Die innovativ-verspielte Coming-of-Age-Komödie You’re a Big Boy Now (1966) stand im Schatten von Richard Lesters Beatles-Filmen; Coppolas konventionelle Inszenierung des Musicals Finian’s Rainbow wirkte im Umwälzungsjahr 1968 naiv und gestrig. The Rain People (1969) hingegen war ein subtiles Emanzipations-Roadmovie, dessen Skript Coppola im Laufe der linearen Dreharbeiten unterwegs durch die USA fortwährend umschrieb; ­dieses Prinzip erlaubt zwar eine stimmige Figurenentwicklung, liess aber bei seinen späteren Filmen oft die Produktionskosten ausufern. Aus heutiger Sicht betrachtet, ist es kaum zu glauben, dass der Erfolg von The Godfather überraschend kam. Paramount hatte zwar die Rechte an Mario Puzos Bestseller erworben, aber Mafiafilme wie The Brotherhood (1968) von Martin Ritt waren kurz zuvor gefloppt, und so heuerte man mit Coppola einen billigen, unbekannten Regisseur an. Dessen unerwartetes Feingefühl für Milieu, Atmosphäre und Familienbeziehungen sowie sein Sinn für die politischen Implikationen des Stoffs hoben den Film über das Niveau der mittelmässigen Vorlage hinaus. Für Coppola war die Mafia klar eine Metapher für Amerika: Beide verstanden sich als wohlwollende kapitalistische Organisation, vergossen aber Blut, um ihre Macht zu erhalten, mit dem Unterschied, dass die Mafia – zumindest einer romantisierenden Auffassung nach – besser für die Ihren sorgte als Amerika. Kaum stand fest, dass der Film Erfolg haben würde, war Coppola bereit, den zweiten Teil zu drehen, nicht als gewinnträchtiges Sequel, sondern zur Vervollständigung der Corleone-Saga. Zwischen den beiden Grossproduktionen schob er das Kammerspiel The Conversation ein, das er vor The Godfather geschrieben und vergeblich Marlon Brando angeboten hatte. Brando gewann er aber wieder für sein Projekt, Joseph Conrads Novelle «Heart of Darkness» als Allegorie über den Vietnamkrieg zu adaptieren. ­Apocalypse Now (1979) geriet zum Prüfstein für alle Beteiligten und führte nicht nur Coppola selbst an den Rand des Verderbens. Die Kritik war gespalten; der Film wurde von der Linken wegen seines Gigantismus und seiner Ambivalenz verteufelt. Heute steht dieses Wahnsinnswerk auf Platz 14 der «Sight&Sound»-Liste der besten Filme aller Zeiten. Fall und Nachspiel Quasi zur Erholung packte Coppola nach dieser Strapaze One from the Heart als kleines, intimes Projekt an. Wie fast 30 Jahre später Lars von Trier bei Dancer in the Dark (2000) wollte er das Musical wie eine Live-TV-Sendung aus vielen Blickwinkeln gleichzeitig drehen. Kameramann Vittorio Storaro ­redete ihm das aus, und so blieb nur der gigantische Aufwand, halb Las ­Vegas im Studio nachzubauen und parallel mit Film und Video zu drehen. Der Flop


07 dieses postmodernen Meta-Musicals stürzte Coppola faktisch in den Ruin, und in den folgenden Jahren musste er diverse Projekte annehmen, nur um sich finanziell aufzurappeln. Bei The Cotton Club (1984), einer Produktion, die ihrerseits aus dem Ruder lief, stand immerhin nicht sein eigenes Geld auf dem Spiel. Selbst bei Auftragsarbeiten brachte Coppola jedoch eine persön­ liche Note ein und/oder verlieh den Filmen eine ganz spezielle, hoch stilisierte Ästhetik. Mit wenigen Ausnahmen wandte er sich dabei vom klassischen ­Hollywoodkino mit seinem Scheinrealismus und zugänglichen Identifikations­ figuren ab und näherte sich je länger desto mehr dem Independent-, wenn nicht dem Kunst- und Experimentalfilm an, was der Kritik zumeist entging. Gleichzeitig lotete er in diesen Werken Motive aus, die ihn seit jeher ­faszinierten. Aus der Zeit gefallene Figuren, deren Reifeprozesse schieflaufen, findet man in so unterschiedlichen Filmen wie der Romanze Peggy Sue Got Married (1986), der sinnlich-gruseligen Phantasmagorie Bram Stoker’s ­Dracula (1992), dem Kinderfilm Jack (1996) und der Akademikerfantasie Youth With­ out Youth (2007). Das Dilemma junger rebellischer Männer mit viel Zeit und ohne Ziel prägt The Outsiders (1983) und Rumble Fish (1983), findet aber seine endgültige, stark autobiografische Form in Tetro (2009). Das Trauma des Todes eines Kindes – bereits in Dementia 13 und The Godfather angelegt, ­bevor Coppola es mit dem Unfalltod seines Sohnes Giancarlo 1986 persönlich erlebte – wird nach Jack vor allem in Twixt (2011) explizit thematisiert. In Dramen um einsame, verkannte Genies und frustrierte Künstler (­ Tucker – The Man and His Dream, 1988; Youth Without Youth, Tetro, Twixt) spiegelte Coppola sein eigenes Schicksal auf mehr oder weniger direkte Weise. Zwischen seinen selten gewordenen eigenen Inszenierungen war Coppola in den letzten Jahren nicht nur als Winzer, sondern vor allem auch als Produzent aktiv: Die wiedererstandene American Zoetrope feiert sich als Film-­ Familienunternehmen, das Angehörige und Freunde des Coppola-Clans ­unterstützt und sich um Vorwürfe von Nepotismus foutiert. Als Cineast allerdings ist Coppola des Tüftelns auch mit 80 noch nicht müde. Sein aktuelles Projekt Distant Vision experimentiert mit Live-Kino. Michel Bodmer

GODFATHER-MARATHON

SA, 30. MÄRZ | 12.30 UHR

Das Filmpodium zeigt zur Lancierung der Coppola-Retrospektive die ganze Godfather-­ Trilogie, mit analogen Kopien. Für diesen Marathon gibt es einen Sondertarif; Karten für Einzelvorstellungen sind ebenfalls erhältlich. Wir bitten um verbindliche Reservationen, damit die Lieferanten von Cannoli und Pizza wissen, was sie zu tun haben. Abholung von Karten möglichst bis zum 24. März, da das Kino wegen Umbauarbeiten vom 25.–29. März geschlossen ist. Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit


> Tucker.

> The Rain People.

> Peggy Sue Got Married.

> The Godfather: Part II.

> The Cotton Club.

> Dementia 13.


09

Francis Ford Coppola

DEMENTIA 13 USA 1963 Die Amerikanerin Louise hat John Haloran geheiratet, einen Iren aus wohlhabendem Hause, und besucht erstmals mit ihm seine Heimat. Johns ­eifersüchtige Mutter will Louise verstossen, wenn John stirbt, und als er einen Herzanfall hat, versenkt Louise seine Leiche und gibt vor, er sei ­verreist. Doch die Familie Haloran birgt ihrerseits viele Geheimnisse, und auf ihrem Gut geht ein Mörder mit einer Axt um … Klar von Hitchcocks Psycho inspiriert, mixt Coppolas atmosphärischer Schwarzweissthriller allerlei Zutaten, die auch andere Corman-Streifen kennzeichnen: dekadente Familien, Sex und Gewalt. Gezeigt wird eine restaurierte Fassung. (mb)

Fredo und den nachdenklichen Michael, der mit den krummen Geschäften der Familie nichts zu tun haben will – sowie einen Ziehsohn, Tom ­Hagen, der als Consigliere amtiert. Vito will nicht ins Drogengeschäft einsteigen, aber Sonny ist a ­ nderer Ansicht. Als Sonny von einem feindlichen MafiaClan ermordet wird, muss Michael wider Willen in die Fussstapfen seines Vaters treten. «Ein breites, verblüffend lebhaftes Porträt ­einer Mafia-Dynastie, in dem das organisierte Verbrechen zum obszönen Albtraum-Abbild des freien Unternehmertums in Amerika wird. (…) Durch und durch aussergewöhnlich.» (Pauline Kael, 5001 Nights at the Movies, Marion Boyars 1993) 175 Min / Farbe / 35 mm / E/d/f // REGIE Francis Ford Coppola // DREHBUCH Mario Puzo, Francis Ford Coppola, nach dem Roman von Mario Puzo // KAMERA Gordon Willis // MUSIK Nino Rota, Carmine Coppola u. a. // SCHNITT William Rey-

75 Min / sw / DCP / E // REGIE Francis Ford Coppola // DREH-

nolds, Peter Zinner u. a. // MIT Marlon Brando (Don Vito Cor-

BUCH Francis Ford Coppola, nach einer Originalstory von

leone), Al Pacino (Michael Corleone), James Caan (Santino

Charles Hannawalt // KAMERA Charles Hannawalt // MUSIK

«Sonny» Corleone), Richard Castellano (Peter Clemenza),

Ronald Stein // SCHNITT Mort Tubor, Stewart O’Brien // MIT

Robert Duvall (Tom Hagen), Sterling Hayden (Capt. McCluskey).

William Campbell (Richard Haloran), Luana Anders (Louise Haloran), Bart Patton (Billy Haloran), Mary Mitchell (Kane), Patrick Magee (Justin Caleb), Ethne Dunne (Lady Haloran).

THE RAIN PEOPLE USA 1969 Die junge Natalie fühlt sich in ihrer Ehe gefangen. Als sie erfährt, dass sie schwanger ist, verlässt sie ihren Mann und fährt im Kombi gen Westen. Sie liest den ehemaligen Footballer Jimmy auf, der seit einem Unfall geistig leicht behindert ist. Stramm und zugleich kindlich gehorsam, ist Jimmy ganz anders als Natalies Gatte, und zwischen den beiden entspinnt sich eine seltsame Beziehung. Natalie will die Verantwortung für Jimmy aber nicht auf Dauer übernehmen und versucht ihn loszuwerden. Ein feministisch angehauchtes Roadmovie über Selbstfindung mit tollen Schauspielern. (mb)

THE CONVERSATION USA 1974 «Ein makelloser Thriller, eine Studie über Ver­ folgungswahn und Einsamkeit, die einen langen Reifungsprozess durchlaufen hatte, zum Teil von Antonionis Blow-up inspiriert und ins Kino gebracht, als der Watergate-Skandal ans Licht kam. Der Film zeigt Gene Hackman in einer seiner ­besten Rollen als Harry Caul, einen Überwachungsspezialisten aus San Francisco, einen von Schuldgefühlen geplagten, höchst verschlossenen Mann, der grossen Wert auf Anonymität und ethische Neutralität legt. Harry wird in die zwielichtigen Leben der Menschen, die er belauscht, hineingezogen und vor moralische Entscheidungen bezüglich seiner Tätigkeit gestellt.» (Philip French, ­theguardian.com, 20.10.2011) 113 Min / Farbe / Digital HD / E/d // DREHBUCH UND REGIE

101 Min / Farbe / 35 mm / E // DREHBUCH UND REGIE ­Francis

Francis Ford Coppola // KAMERA Bill Butler // MUSIK David

Ford Coppola // KAMERA Wilmer Butler // MUSIK Ronald

Shire // SCHNITT Richard Chew, Walter Murch // MIT Gene

Stein, Carmine Coppola // SCHNITT Blackie Malkin // MIT

Hackman (Harry Caul), John Cazale (Stan), Allen Garfield

James Caan (Jimmy Kilgannon), Shirley Knight (Natalie

(Bernie Moran), Frederic Forrest (Mark), Cindy Williams

­Ravenna), Robert Duvall (Gordon), Marya Zimmet (Rosalie),

(Ann), Michael Higgins (Paul), Elizabeth MacRae (Meredith),

Tom Aldrege (Mr. Alfred).

Harrison Ford (Martin Stett), Teri Garr (Amy Fredericks).

THE GODFATHER

THE GODFATHER: PART II

USA 1972

USA 1974

New York, 1945. Der alternde Mafiaboss Don Vito Corleone hat eine Tochter, Connie, drei leibliche Söhne – den impulsiven Sonny, den schwächlichen

Der Aufstieg Vito Corleones Anfang des 20. Jahrhunderts kontrastiert mit den Versuchen seines Sohnes Michael, sich 1958 mit der Politik zu


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Francis Ford Coppola ­ rrangieren, unter Druck von seiner Frau Kay, die a Familie anständig zu machen. «The Godfather (…) hatte metaphorische Zwischentöne, die ihn weit über das Gangster-Genre hinaushoben. In Teil II sind die breiteren Themen nicht mehr nur impliziert. Er zeigt die Konsequenzen der Handlungen im ersten Film. (…) Es ist eine epische Vision der Korruption Amerikas.» (Pauline Kael, The New Yorker, 23.12.1974) 202 Min / Farbe / 35 mm / E/d/f // REGIE Francis Ford Coppola // DREHBUCH Francis Ford Coppola, Mario Puzo, nach dem Roman von Mario Puzo // KAMERA Gordon Willis // MUSIK Nino Rota // SCHNITT Barry Malkin, Richard Marks, Peter Zinner // MIT Al Pacino (Don ­Michael Corleone), Diane Kea-

Glitzerstadt, um ihre Fantasien auszuleben: Frannie sieht im Barpianisten Ray den Latin Lover ­ihrer Träume, während Hank sich in die deutsche Zirkusartistin Leila verguckt. Coppolas Versuch, nach den Strapazen von Apocalypse Now eine kleine Romanze zu drehen, wurde selbst zum Grossprojekt: Die Las-VegasKulissen wurden stilisiert nachgebaut und Coppola experimentierte mit Video, das er parallel zum Film einsetzte; eigentlich wollte er das Musical live drehen, mit zahlreichen Kameras. Bei seiner Erstaufführung von der ratlosen Kritik verrissen, wirkt dieses Meta-Musical, das zum Ruin von Coppolas Studio American Zoetrope führte, im Zeitalter von La La Land wegweisend. (mb)

ton (Kay), Robert De Niro (Vito Corleone), Robert Duvall (Tom Hagen), John Cazale (Fredo Corleone), Talia Shire

107 Min / Farbe / 35 mm / E/d/f // REGIE Francis Ford Coppola

(Connie Corleone), Lee Strasberg (Hyman Roth).

// DREHBUCH Armyan Bernstein, Francis Ford Coppola, nach einer Story von Armyan Bernstein // KAMERA Ronald Víctor

APOCALYPSE NOW REDUX USA 1979

García, Vittorio Storaro // MUSIK Tom Waits // SCHNITT Rudi Fehr, Anne Goursaud, Randy Roberts // MIT Frederic Forrest (Hank), Teri Garr (Frannie), Raul Julia (Ray), Nastassja Kinski (Leila), Lainie Kazan (Maggie), Harry Dean Stanton (Moe),

«Während des Vietnamkriegs erhält ein amerikanischer Captain den Auftrag, einen Oberst zu ­liquidieren, der im Dschungel von Kambodscha zum eigenmächtigen Warlord mutiert ist. Auf der Fahrt mit einem Patrouillenboot ins Landes­ innere werden der Captain und seine Mannschaft fortlaufend mit den Schrecken des Krieges konfrontiert; die Reise nimmt zunehmend alptraumhafte Züge an. (…) Coppolas berühmter Kriegs- und Antikriegsfilm leuchtet auch in der um einige politisch-­ historische Szenen erweiterten ‹Redux›-Fassung weniger die militärischen und politischen als die psychischen Aspekte des amerikanischen Vietnam-Debakels aus, (…) mit einer Intensität, die den Film zu einer Grenzerfahrung macht.» ­(Andreas Furler, Filmpodium, Jan./Feb. 2010) 196 Min / Farbe / 35 mm / E/d/f // REGIE Francis Ford Coppola // DREHBUCH John Milius, Francis Ford Coppola, frei nach «Heart of Darkness» von Joseph Conrad // KAMERA Vittorio Storaro // MUSIK Carmine Coppola // SCHNITT Lisa Fruchtman, Gerald B. Greenberg, Walter Murch // MIT Robert ­Duvall (Lt. Col. Bill Kilgore), Marlon Brando (Col. Walter E. Kurtz),

­Allan Garfield (Restaurantbesitzer), Jeff Hamlin (Reiseberater), Luana Anders (Coiffeuse).

RUMBLE FISH USA 1983 «Coppola durchtränkt eine Geschichte um taffe Teenager mit der rhapsodischen Leidenschaft der Oper, den scharfen Kontrasten des deutschen Expressionismus, der Angst des Existentialismus und der Bildsprache des Dadaismus. (…) Rumble Fish handelt von zwei Brüdern, der eine heisst Rusty James und der andere Motor­ cycle Boy. In der namenlosen Stadt, wo Rusty James noch wohnt, gilt sein Bruder als geborener Anführer, eine mythische Figur, ein heldenhafter Veteran der Bandenkriege. Rusty James hingegen hat keine richtige Bande hinter sich und auch keine richtige Schlacht auszufechten. Gebannt vor Ehrfurcht vor seinem viel geschickteren ­Bruder, ist er unsicher, wie er in die Fussstapfen des Motorcycle Boy treten kann.» (Janet Maslin, The New York Times, 7.10.1983)

Martin Sheen (Capt. Benjamin Willard), Frederic Forrest (Jay «Chef» Hicks), Sam Bottoms (Lance B. Johnson), Laurence

94 Min / sw / 35 mm / E/d/f // REGIE Francis Ford Coppola //

Fishburne (Tyrone «Clean» Miller).

DREHBUCH S. E. Hinton, Francis Ford Coppola, nach dem ­Roman von S. E. Hinton // KAMERA Stephen H. Burum //

ONE FROM THE HEART USA 1982 Hank und Frannie sind seit fünf Jahren zusammen, aber es funkt nicht mehr. Ihr ärmliches ­Leben am Rande von Las Vegas ist frustrierend, und so stürzen sie sich getrennt in die nächtliche

­MUSIK Stewart Copeland // SCHNITT Barry Malkin // MIT Matt Dillon (Rusty James), Mickey Rourke (Motorcycle Boy), Diane Lane (Patty), Dennis Hopper (Vater), Nicolas Cage (Smokey), Christopher Penn (B. J. Jackson), Tom Waits (Benny).


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Francis Ford Coppola

THE COTTON CLUB USA 1984 «Schlicht und einfach ein wunderbarer Film. (…) Er spielt im New York der 20er- und 30er-Jahre, wo irische und jüdische Gangster mit den Italienern um das Schiebergeschäft kämpften. Die meisten ihrer Ränkespiele wurden öffentlich ausgetragen, an glitzernden Schauplätzen wie dem Cotton Club, einem Nachtklub in Harlem. (…) Zwei Liebesgeschichten entwickeln sich vor einem Hintergrund von viel sehr gutem Jazz, teilweise tollen Tänzen, scharf umrissenen Charakterstudien der Bandenchefs und ein paar unerwarteten Gewaltausbrüchen, die uns (…) an Augenblicke in Coppolas Godfather-Filmen erinnern.» (Roger Ebert, Chicago Sun-Times, 1.1.1984) 127 Min / Farbe / 35 mm / E/d/f // REGIE Francis Ford Coppola // DREHBUCH William Kennedy, Francis Ford Coppola, Mario Puzo, nach Motiven des Buchs von Jim Haskins // KAMERA Stephen Goldblatt // MUSIK John Barry // SCHNITT Barry Malkin // MIT Richard Gere (Dixie Dwyer), Gregory Hines (Sandman Williams), Diane Lane (Vera Cicero), Lonette McKee (Lila Rose Oliver), Bob Hoskins (Owney Madden).

PEGGY SUE GOT MARRIED USA 1986 An der 25-Jahr-Feier ihrer Highschool-Abschlussklasse begegnet die 42-jährige Peggy Sue ihrem Ex-Mann Charlie, den sie mit naiven Vorstellungen heiratete. Hätte sie damals nur gewusst, was sie heute weiss, denkt Peggy Sue. Prompt fällt sie in Ohnmacht und erwacht als 17-Jährige wieder – mit dem Bewusstsein der erwachsenen Frau. «Kathleen Turner als Peggy Sue muss zwei ­Figuren und Stimmungen auf einmal spielen. Sie muss das Hochgefühl ihrer Teenagerzeit gleichzeitig erleben und beklagen und sie vollbringt diese Leistung mit Anmut, Witz und Gefühl.» (Richard Corliss, Time Magazine, 13.10.1986)

­ ucker Torpedo. Doch sein Start-up stösst bei den T drei etablierten Autoherstellern auf erdrückende Gegenwehr. Jeff Bridges brilliert in dieser Capraesken ­Fabel als pionierhafter Unternehmer. Sein Kampf gegen das Big Business spiegelt Coppolas eigenen Versuch, sich mit American Zoetrope gegen Hollywood zu behaupten. Der swingende Soundtrack stammt von Joe Jackson. (mb) 110 Min / Farbe / 35 mm / E/d/f // REGIE Francis Ford Coppola // DREHBUCH Arnold Schulman, David Seidler // KAMERA Vittorio Storaro // MUSIK Joe Jackson // SCHNITT Priscilla Nedd // MIT Jeff Bridges (Preston Tucker), Joan Allen (Vera Tucker), Martin Landau (Abe Karatz), Frederic Forrest (Eddie Dean), Lloyd Bridges (Senator Homer Ferguson), Mako (Jimmy Sakuyama), Elias Koteas (Alex Tremulis).

THE GODFATHER: PART III USA 1990 Michael Corleone ist alt geworden. Seine Versuche, die Geschäfte der Familie zu entkriminalisieren, haben immerhin dazu geführt, dass er vom Vatikan geehrt wird. Doch bald wird er durch die Machenschaften der jüngeren Generation wieder in verbrecherische Händel verstrickt. «Tatsächliche Ereignisse – der verfrühte, plötzliche Tod von Johannes Paul I., die Skandale bei der Vatikanbank, die Leiche eines Bankiers des Vatikans, die unter einer Londoner Brücke hängend gefunden wurde – werden fröhlich mit der fiktiven Geschichte der Corleones verwoben.» (Roger Ebert, Chicago Sun-Times, 25.12.1990) 162 Min / Farbe / 35 mm / E/d/f // REGIE Francis Ford Coppola // DREHBUCH Mario Puzo, Francis Ford Coppola // KAMERA Gordon Willis // MUSIK Carmine Coppola, Nino Rota // SCHNITT Barry Malkin // MIT Al Pacino (Don Michael ­Corleone), Diane Keaton (Kay Adams Michelson), Andy Garcia (Don Vincent «Vinnie» Mancini-Corleone), Joe Mantegna (Joey Zasa), Talia Shire (Connie Corleone Rizzi), Eli Wallach (Don Altobello), Bridget Fonda (Grace Hamilton).

103 Min / Farbe / 35 mm / E/d/f // REGIE Francis Ford Coppola // DREHBUCH Jerry Leichtling, Arlene Sarner // KAMERA Jordan Cronenweth // MUSIK John Barry // SCHNITT Barry Malkin // MIT Kathleen Turner (Peggy Sue), Nicolas Cage (Charlie Bodell), Barry Miller (Richard Norvik), Catherine Hicks (Carol Heath), Joan Allen (Maddy Nagle), Kevin J. O’Connor (Michael Fitzsimmons).

TUCKER: THE MAN AND HIS DREAM USA 1988 Preston Tucker versucht nach dem Zweiten Weltkrieg, ein wegweisendes Auto zu bauen, den

BRAM STOKER’S DRACULA USA 1992 Der transsilvanische Vampir Dracula zieht nach London, um Mina, die Braut seines Anwalts Jonathan Harker, zu verführen, in der er die Wiedergeburt seiner grossen Liebe erkennt. «Kein Horrorfilm, schon eher ein Spiel mit den Ingredienzien des Genres, die ihre Bedrohlichkeit längst verloren und einen rein ästhetischen Reiz gewonnen haben. (…) Was Coppola in den besten


> Youth Without Youth.

> The Rainmaker.

> The Godfather: Part III.

> Twixt.

> Bram Stokerâ&#x20AC;&#x2122;s Dracula.

> Tetro.


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Francis Ford Coppola Momenten seiner Filme zusammenzwingt, ist die Balance zwischen opernhafter Bombastik und präziser Fingerspitzenarbeit.» (Roger Köppel, NZZ, 19.2.1993) 128 Min / Farbe / 35 mm / E/d/f // REGIE Francis Ford Coppola // DREHBUCH James V. Hart, nach dem Roman von Bram Stoker // KAMERA Michael Ballhaus // MUSIK Wojciech Kilar // SCHNITT Nicholas G. Smith, Anne Goursaud // MIT Gary Oldman (Vlad Dracul/Graf Dracula), Winona Ryder (Elisabeta/ Mina), Anthony Hopkins (Prof. Van Helsing), Keanu Reeves (Jonathan Harker), Bill Campbell (Morris), Richard E. Grant (Dr. Stewart), Tom Waits (Renfield), Sadie Frost (Lucy).

THE RAINMAKER USA/Deutschland 1997 Der ehrgeizige junge Jurist Rudy Baylor legt sich mit einer grossen Versicherungsgesellschaft an. Thriller nach John Grisham. «Coppola gewichtet Charakter und Atmosphäre höher als Handlung und Tempo und etabliert ­einen ruhigen Rhythmus, der den Schauspielern erlaubt, Präsenz zu entfalten. Der Film ist tadellos besetzt (…) und wie immer bei Coppola dienen die Ausstattung (…) und die Kamera (…) dazu, die Authentizität und die Ausstrahlung des Films ­geschickt zu verstärken.» (Dave Kehr, New York Daily News, 20.11.1997) 135 Min / Farbe / 35 mm / E/d/f // REGIE Francis Ford Coppola // DREHBUCH Francis Ford Coppola, Michael Herr, nach dem Roman von John Grisham // KAMERA John Toll // MUSIK ­Elmer Bernstein // SCHNITT Barry Malkin, Melissa Kent // MIT Matt Damon (Rudy Baylor), Danny DeVito (Deck Shifflet), Claire Danes (Kelly Riker), Jon Voight (Leo F. Drummond), Mary Kay Place (Dot Black), Dean Stockwell (Richter Harvey Hale), Teresa Wright (Colleen «Miss Birdie» Birdsong).

YOUTH WITHOUT YOUTH USA/Rumänien/F/I/D 2007 1938. Der 70-jährige vereinsamte Gelehrte Mattei hat zeitlebens nach der Ursprache geforscht. Vom Blitz getroffen, erlebt er eine wundersame Verjüngung, sein Geist wird enorm leistungsfähig. Und er findet eine Partnerin, die geistig in der Zeit zurückreist, zu den Ursprüngen der Sprache. «Es ist erstaunlich, was Coppola diesen intellektuellen Zumutungen Mircea Eliades ästhetisch alles abgewinnt, wie auch dieser Film jenen für Coppola typischen halluzinatorischen Sog atmet.» (Rüdiger Suchsland, artechock.de)

Osvaldo Golijov // SCHNITT Walter Murch // MIT Tim Roth (Dominic Matei), Alexandra Maria Lara (Veronica/Laura/Rupini), Bruno Ganz (Prof. Roman Stanciulescu).

TETRO USA/Argentinien/Spanien/ Italien 2009 «Ein Drama um Familiengeheimnisse. (…) Bennie, der junge Angestellte eines Kreuzfahrtschiffs, geht in Buenos Aires von Bord, um seinen künstlerischen Bruder Tetro zu besuchen. Zuerst ignoriert der mürrische Tetro den Jungen und überlässt dessen fürsorgliche Betreuung seiner Freundin Miranda (…). Doch dann finden die beiden eine Gemeinsamkeit in ihrer geteilten Abneigung gegen ihren berühmten Vater. (…) Ich rate Ihnen, sich einfach vom gewaltigen emotionalen Sog des Films mitreissen zu lassen. Es gibt in diesem rauen, fesselnden Werk keine Einstellung, die Coppola nicht mit Gefühl ausgestattet hätte. » (Peter Travers, Rolling Stone, 11.6.2009) 127 Min / Farbe + sw / 35 mm / E+Sp+F/d/f // DREHBUCH UND REGIE Francis Ford Coppola // KAMERA Mihai Malaimare Jr. // MUSIK Osvaldo Golijov // SCHNITT Walter Murch // MIT Vincent Gallo (Angelo «Tetro» Tetrocini), Alden Ehrenreich (Bennie), Maribel Verdú (Miranda), Silvia Pérez (Silvana), ­Klaus Maria Brandauer (Carlo/Alfie), Erica Rivas (Ana).

TWIXT USA 2011 Der Gruselromanautor Baltimore kommt ins ­verschlafene Nest Swann Valley. Dessen Sheriff erzählt Baltimore von einem Massenmord an ­Kindern in Swann Valley und dass Edgar Allan Poe dort einst gewohnt hat. Baltimore, von Traumata und Trunksucht geplagt, verliert sich bald im ­Delirium zwischen Wahn und Wirklichkeit. «Hoffentlich erweist sich Twixt nicht als Coppolas Schwanengesang – doch wenn es so wäre, ergäbe diese entwaffnend freche, streckenweise prachtvolle Petitesse einen perfekt symmetrischen Schlusspunkt zu einer Karriere, die vor fast 50 Jahren mit dem von Roger Corman produzierten Billigschocker Dementia 13 anfing.» (Rob Nelson, Variety, 12.9.2011) Weil zwei Sequenzen des Films in 3D gedreht wurden, zeigen wir Twixt auch in diesem Format. 88 Min / Farbe + sw / DCP / E // DREHBUCH UND REGIE Francis Ford Coppola // KAMERA Mihai Malaimare Jr. // MUSIK Dan Deacon, Osvaldo Golijov // SCHNITT Kevin Bailey, Glen Scantle-

124 Min / Farbe / 35 mm / OV/d/f // REGIE Francis Ford Cop-

bury, Robert Schafer // MIT Val Kilmer (Hall Baltimore), Bruce

pola // DREHBUCH Francis Ford Coppola, nach der Novelle

Dern (Sheriff Bobby LaGrange), Elle Fanning (V.), Ben Chaplin

von Mircea Eliade // KAMERA Mihai Malaimare Jr. // MUSIK

(Poe), Joanne Whalley (Denise), David Paymer (Sam).


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Stummfilmfestival 2019


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Joe May und der frühe Tonfilm Aus Anlass des 100. Jahrestags der Gründung der Weimarer Republik hat das Hamburger cinefest, das «Internationale Festival des deutschen Film-Erbes», seine Festivalausgabe vom November 2018 dem Regisseur, Produzenten und Talentförderer Joe May (1880–1954) gewidmet, der auch als Atelierbetreiber und Erfinder zahlreicher Genre-Serien einer der wichtigsten Filmschaffenden des Weimarer Kinos war. Wir übernehmen eine Auswahl seiner Filme aus verschiedenen Schaffensperioden und ergänzen sie mit zeitgenössischen frühen deutschen Tonfilmen. Der gebürtige Wiener Julius Otto Mandl ist durch seine Frau, die Operettendiva Mia May (1884–1980), zum Film – und zu seinem Künstlernamen – gekommen. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg versuchte er als Regisseur, Autor und Produzent u. a. mit May’s Preisrätsel im Film, mit Mia-May-­ Melodramen und Detektiv-Serien ein bürgerliches Publikum zu erreichen. Zu den wenigen erhaltenen Filmen dieser Epoche gehören Der Mann im ­Keller (1914, Regie: Johannes Guter) und Das rollende Hotel (1918/19, Regie: Harry Piel). Der Grossfilm Veritas vincit (Die Wahrheit siegt; 1918/19) entstand – mit Mia May in der Hauptrolle – im Rahmen der neu gegründeten Ufa. Die Filmtrilogie ist ein (vergessenes) deutsches Gegenstück zu D.  W. ­Griffiths Intolerance (USA 1916), der erst Jahre später in Deutschland ­herauskam. Für seine May-Film GmbH führte er 1919 im eigenen Atelier Berlin-­Weissensee und in der Filmstadt Woltersdorf die Oberleitung für die weltumspannende Abenteuerserie Die Herrin der Welt mit acht selbstständigen Teilen, etwa mit dem für Metropolis als Vorbild dienenden Afrika-Abenteuer Ophir, die Stadt der Vergangenheit und der Mediensatire Die Frau mit den Milliarden, beide unter der Regie von Uwe Jens Krafft. Zu den jungen Mitarbeitern dieses Projekts zählte auch Fritz Lang, dem May 1920 die Regie zum Mia-May-Melodram Das wandernde Bild übertrug. Das Drehbuch schrieb Lang mit seiner späteren Ehefrau Thea von Harbou. Beide waren 1921 auch die Autoren des exotischen Zweiteilers Das indische Grabmal, dessen Inszenierung mit Grossbauten in Woltersdorf dann May selbst übernahm. Der Stoff wurde zweimal wiederverfilmt; 1958/59 von Fritz Lang selbst. Im folgenden Jahr inszenierte Joe May mit internationaler Besetzung und mit Blick auf die ausländischen Märkte die amerikanisch-europäische

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Zivile Aufarbeitung des Weltkriegsgeschehens: Heimkehr von Joe May > Bis in die Nebenhandlungen frivol: Ihre Majestät die Liebe von Joe May Differenziert inszenierte Gefühle: Mädchen in Uniform von Leontine Sagan


16 Gesellschaftskomödie Der Farmer aus Texas nach dem Bühnenstück «Kolportage» des Erfolgsautors Georg Kaiser. Da ab Mitte der 1920er-Jahre die May-Film AG in wirtschaftliche Probleme geriet, arbeitete May nun mit und für wechselnde Firmen. So drehte er 1928/29 im Rahmen der Erich-PommerProduktion der Ufa zwei Stummfilm-Meisterwerke: den Grossstadtkrimi ­Asphalt ­sowie das Zeitdrama Heimkehr nach einer Novelle von Leonhard Frank. Offen für Neues Der stets an der technischen Entwicklung interessierte May engagierte sich auch theoretisch und praktisch für die Erweiterung des Mediums durch den Ton. Zunächst betreute er 1929/30 im Rahmen der Joe-May-Produktion der Ufa internationale Mehrsprachen-Versionen fremder Regisseure: Gustav ­Ucickys Dorf-Musical Der unsterbliche Lump und Kurt Bernhardts PreussenDrama Die letzte Kompagnie mit Conrad Veidt in der Haupt- und Heinrich Gretler in einer (sehr kleinen) Nebenrolle; von diesem Film zeigt das Filmpodium die zeitgenössische englische Synchronfassung, da die deutsche Originalfassung nur sehr fragmentarisch erhalten ist. 1930 übernahm May selbst wieder die Regie und realisierte für die wiedererstandene May-Film AG zwei der gelungensten frühen deutschen Tonfilmkomödien, für die Walter Jurmann Ohrwürmer komponierte: Ihre Majestät die Liebe und ... ist das die Hauptsache?!, ein verblüffend frivoles Ehedrama und eine eigentliche Wiederentdeckung. Der skurrile Sängerfilm Ein Lied für Dich kam noch im April 1933 heraus und wurde für den jüdischen Regisseur der letzte Film, den er in Nazi-Deutschland herstellen konnte. Zunächst war May mit anderen Film-Emigranten in England und Frankreich an verschiedenen Produktionen beteiligt. 1934 konnte er in Hollywood für die Fox Film Music in the Air drehen, produziert von Erich ­Pommer, das Drehbuch stammt u. a. von Billie Wilder. Doch während junge Nachwuchskräfte wie Wilder (als Billy Wilder) eine Karriere im HollywoodSystem begannen, konnte sich der 55-jährige Ex-Mogul nur schwer anpassen. Seine nächste Regie-Chance, Confession (1937) für Warner Bros., war ein Remake von Willi Forsts Cine-Allianz-Tonfilm Mazurka (1935), bei dem May einzelne Szenen dem Original nachgestaltete. Ab 1938 arbeitete er für Universal, drehte mit The House of Fear (1939) ein Ton-Remake von The Last Warning (1928), dem letzten Film seines ehemaligen Mitarbeiters, des Szenografen und Regisseurs Paul Leni (1885–1929). Gemeinsam mit dem Autor Kurt Siodmak beteiligte er sich mit The Invisible Man Returns (1939/40) an einer erfolgreichen Universal-Horror-Serie. Die Heimatfront-Komödie Johnny Doesn’t Live Here Anymore (1943/44) wurde Joe Mays letzte Filmregie.  Hans-Michael Bock


17 Vom Stumm- zum Tonfilm Die letzten Jahre Joe Mays in der Weimarer Republik waren zugleich auch die ersten Jahre des Tonfilms. Im Vergleich zu anderen Ländern hatten die deutschen Filmunternehmen, angeführt von der Ufa, ihre Produktion in geradezu atemberaubender Geschwindigkeit umgestellt: Zwischen den ersten Versuchen, an amerikanische Tonfilm-Erfolge wie The Singing Fool (1928) anzuschliessen, und dem nahezu vollständigen Einstellen der Stummfilmproduktion lag kaum ein Jahr. In dieser kurzen Phase musste sich das Kino gewissermassen neu erfinden. Kritiker, Regisseure, Produzenten und Techniker debattierten dabei viel und gern, experimentierten und probierten Neues aus: Sollte im Tonfilm viel gesprochen werden? Oder lieber gar nicht? Wie kann sich der Tonfilm vom Theater unterscheiden? Und welche Rolle sollte die Musik dabei spielen? Unsere kleine Auswahl an frühen Tonfilmen der Weimarer Republik führt vor Augen, wie sich die Filmemacher der Übergangszeit solchen Fragen stellten und die bekannten Genres der Stummfilmzeit mit den neuen Möglichkeiten von Ton und Dialog anreicherten. Joe May stellte unter Beweis, dass sich mit Tempo und Wortwitz schmissige Tonfilmkomödien inszenieren lassen. Kriegsfilme wie der pazifistische Westfront 1918 (G. W. Pabst, D 1930) brachten die Schrecken des Krieges einschliesslich seiner verstörenden Geräuschwelten zu neuer, realistischer Darstellung. Auch der «Problemfilm», so etwa Mädchen in Uniform (Leontine Sagan, D 1930), profitierte von der Wirklichkeitsnähe, die der Tonfilm ausstrahlte. Zugleich entstanden gänzlich neue Genres, allen voran die diversen Formen des Musikfilms, von denen in Deutschland die Tonfilm-Operette die wohl erfolgreichste war: Filme wie Zwei Herzen im ¾ Takt (Géza von Bolváry, D 1930) boten eingängige Schlager, die geschickt in die Spielhandlung integriert waren. Vor dem Hintergrund des öffentlichen Interesses am Tonfilm verwundert es zudem nicht, dass auch dieser selbst in den Filmen thematisiert wurde – oft mit augenzwinkernder Ironie, wie der Kriminalfilm Der Schuss im Tonfilmatelier (Alfred Zeisler, D 1930) zeigt. Daniel Wiegand

Das cinefest (cinefest.de), das 2018 bereits zum 15. Mal stattgefunden hat, wird organisiert von CineGraph – Hamburgisches Centrum für Filmforschung e.V. (cinegraph.de). Der Ein­ leitungstext wurde – leicht gekürzt und auf die Zürcher Auswahl angepasst – von CineGraph übernommen; die Fotos stammen mehrheitlich vom Deutschen Filminstitut (DIF). Hans-Michael Bock, Filmhistoriker und Direktor des cinefest, wird am 2. April um 18.15 Uhr in das Werk von Joe May und den anschliessend gezeigten Film Ihre ­Majestät die Liebe einführen. Daniel Wiegand lehrt und forscht am Seminar für Filmwissenschaft der Universität Zürich zur Filmgeschichte, insbesondere zum frühen Kino und frühen Tonfilm. Er und Selina ­Hangartner (ebenfalls Seminar für Filmwissenschaft) werden in vier frühe Tonfilme einführen. Daten s. Programmübersicht.


> Westfront 1918.

> Die letzte Kompagnie.

> Zwei Herzen im ¾ Takt.

> Confession.

©Filmarchiv Austria, Wien

> ... und das ist die Hauptsache?!.

© Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen, Berlin

> Der Schuss im Tonfilmatelier.


Joe May und der frühe deutsche Tonfilm

DAS INDISCHE GRABMAL 1. DIE SENDUNG DES YOGHI Deutschland 1921 Im Auftrag des indischen Fürsten Ayan von Eschnapur soll der englische Architekt Rowland ein Grabmal zu Ehren der Fürstin Savitri errichten. Bei der Besichtigung der Baustelle erfährt er, dass die Fürstin noch lebt und dass sie den englischen Offizier MacAllan liebt. Beide will der ­Maharadscha mit dem Tod bestrafen: MacAllan soll den Tigern vorgeworfen werden.

2. DER TIGER VON ESCHNAPUR Deutschland 1921 Durch einen Fluch ist Rowland leprakrank geworden und wird gefangen gehalten. Gemeinsam mit der Fürstin und seiner Verlobten Irene gelingt ihm die Flucht, doch vom Maharadscha bedroht, stürzt sich die Fürstin verzweifelt in den Abgrund. Der Maharadscha bricht zusammen. Nun baut Rowland doch das geplante Grabmal, als «Mahnmal einer grossen Liebe und einer grossen Schuld». Der Zweiteiler entstand nach einem Roman von Thea von Harbou, die mit Fritz Lang auch das Drehbuch schrieb. Der Stoff wurde noch zweimal als Zweiteiler verfilmt, 1958/59 als bunte Euro-Version vom ursprünglichen Koautor Fritz Lang. «Ein Weltfilm! (…) Noch niemals war Mays Können sicherer, seine Einfallskraft elastischer. Man spürt an seiner Hand etwas, was keiner (wohlgemerkt keiner!) seiner Kollegen Gross-Regisseure in diesem Ausmass besitzt: den Griff ins Schauerlich-Gewaltige, Dämonisch- Gigantische. (…) Vor allem aber: Conrad Veidt. Ohne ihn wäre dieser Film undenkbar. (...) Diesen asiatisch-­ fanatischen Fürsten in allen seinen inneren Verzweigungen und äusseren Spiegelungen. Am Schluss den vor dem Grabmal der Liebe und Schuld Zerbrochenen.» (Arthur Krefft, Der Kritiker, Dezember 1921) 132 Min + 110 Min / sw / DCP / Stummfilm, d Zw’titel // REGIE Joe May // DREHBUCH Fritz Lang, Thea von Harbou, nach dem Roman von Thea von Harbou // KAMERA Werner Brandes // MIT Conrad Veidt (Ayan, Maharadscha von Eschnapur), Olaf Fönss (Herbert Rowland), Mia May (Irene, Herberts Braut), Erna Morena (Savitri), Paul Richter (MacAllan), Lya de Putti (Tänzerin Myrrha), Bernhard Goetzke (Yoghi). TEIL 1 (132’): MI, 8. MAI | 20.15 UHR TEIL 2 (110’): DO, 9. MAI | 18.15 UHR LIVE-BEGLEITUNG: NEIL BRAND, LONDON

HEIMKEHR Deutschland 1928 «Russland, 1917. An jedem der 729 Tage ihrer Kriegsgefangenschaft hat Richard seinem Ka­ meraden Karl von Anna, seiner Frau, erzählt. Am 730. Tag wagen sie die Flucht. Doch auf dem Weg in die Heimat wird Richard erneut gefangen genommen, und Karl erreicht Hamburg ein Jahr später allein. Bei Anna hofft er Richard wiederzusehen, aber vergebens. Stattdessen bietet Anna ihm eine Kammer in ihrer Wohnung an. Als Richard schliesslich doch noch heimkehrt, sind Karl und Anna ein Paar … Mit diesem Dreiecksmelodram brachte der Hollywood-Heimkehrer Erich Pommer (...) amerikanische Herstellungsmethoden ins Weimarer Kino ein. (...) In der ­Tra­dition früherer Kammerspiele konzentriert sich der Film ganz auf die Psychologie der drei Pro­ tagonisten und entwirft dabei (...) ein gänzlich ­unsoldatisches Männerbild.» (Berlinale 2018) 130 Min / sw / 35 mm / Stummfilm, d Zw’titel // REGIE Joe May // DREHBUCH Joe May, Fritz Wendhausen, nach der Novelle «Karl und Anna» von Leonhard Frank // KAMERA Günther Rittau // SCHNITT Joe May // MIT Lars Hanson (Richard), Dita Parlo (Anna), Gustav Fröhlich (Karl). MI, 17. APR. | 18.15 UHR LIVE-BEGLEITUNG: JOACHIM BÄRENZ, OBERHAUSEN (PIANO)

ASPHALT Deutschland 1929 Der junge Wachtmeister Holk erwischt eine verführerisch schöne junge Frau beim Juwelendiebstahl, verliebt sich in sie und gerät unter Mordverdacht. Von seinem eigenen Vater verhaftet, wird er schliesslich doch gerettet. «Asphalt war eine Spitzenproduktion der Ufa, die mit enormem Aufwand in den damals modernsten Babelsberger Ateliers gedreht wurde. (...) . Einer der Höhepunkte der deutschen Stummfilmproduktion.» (DIF Verleihkatalog) «Da wird die Staatsgewalt erfreulich korrumpiert durch Eleganz, durch Pelze, durch gleissende Stoffe, durch Blicke unter künstlichen Wimpern. Man spürt: Es sind die Augen, die verführt werden müssen. Für die bürgerliche Innerlichkeit muss das Kino, wenigstens in seinen Anfängen, eine ernste Gefahr gewesen sein.» (Frieda Grafe/Enno Patalas, Filmkritik, Dezember 1969) 94 Min / sw / DCP / Stummfilm, d Zw’titel // REGIE Joe May // DREHBUCH Joe May, Hans Székely, Rolf E. Vanloo, nach einer Filmnovelle von Rolf E. Vanloo // KAMERA Günther Rittau //

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Joe May und der frühe deutsche Tonfilm MUSIK Willy Schmidt-Gentner // MIT Albert Steinrück (Hauptwachtmeister Holk), Gustav Fröhlich (Wachtmeister

geschickt kommentieren.» (Harald Mühlbeyer, epd Film, 22.2.2018)

Holk), Betty Amann (Else Kramer), Hans Albers (Dieb). 102 Min / sw / 35 mm / D // REGIE Joe May // DREHBUCH RuDI, 16. APR. | 20.45 UHR

dolf Bernauer, Rudolf Österreicher, Adolf Lantz // KAMERA

LIVE-BEGLEITUNG:

Otto Kanturek // MUSIK Walter Jurmann, Willy Schmidt-

JOACHIM BÄRENZ, OBERHAUSEN (PIANO)

Gentner // MIT Käthe von Nagy (Lia Török), Franz Lederer (Fred von Wellingen), Otto Wallburg (Othmar, Freds Bruder),

… UND DAS IST DIE HAUPTSACHE?! Deutschland 1931 Ein seit sieben Jahren verheiratetes Fabrikantenpaar geht auf einen Maskenball; die Karten wurden dem Mann anonym zugestellt. «Er» vergnügt sich mit Pixi, einer Kunstgewerblerin im Louise-BrooksLook, «Sie» möchte zwar gern untreu sein, schafft es aber nicht, bis Seine Durchlaucht erscheint, ihr den Hof macht und sie in sein Hotel abschleppt. In dieser z. T. sehr frivolen Ehekomödie, die aufgrund der «entfesselten Kameraarbeit bis heute als sehenswertes Konglomerat aus Konversationsstück und Experimentalfilm» (Viennale 2008) gilt, vermittelt May vor allem beim Maskenball sehr anschaulich den viel zitierten «Tanz auf dem Vulkan» der Weimarer Zeit: Auf der Riesenfete wird überall getanzt, durch den Ballsaal sausen Schiffsschaukeln, das Orchester ist in der Mitte auf einer Art Insel platziert. (cs) 90 Min / sw / 35 mm / D // REGIE Joe May // DREHBUCH Adolf Lantz, nach der Story von Richard Duschinsky // KAMERA Otto Kanturek // MUSIK Willy Schmidt-Gentner, Walter ­Jurmann // MIT Nora Gregor (Renée Roettlinck), Harry

Szöke Szakall (Bela Török), Gretl Theimer (Elli), Alexandra Schmitt (Grossmama), Adele Sandrock (Henriette).

DIE LETZTE KOMPAGNIE Deutschland 1930 «1806. Preussen steht im Krieg gegen Napoleon vor der sicheren Niederlage. Da erhält Hauptmann Burk den Befehl, sich und die Reste seiner Kompanie im Kampf um eine Mühle zu opfern, um den Rückzug des preussischen Heers zu ermöglichen.» (cinefest.de) «Seine Umstellung auf Tonfilm hat Joe May, der erfolgreiche Pionier der stummen Ära, mit zwei Filmen vollzogen, die zu den Spitzenwerken der neuen deutschen Tonfilmkunst gehören. Dies ist umso bemerkenswerter, als neben der deutschen Fassung eine internationale englische hergestellt wurde, bei der die (...) deutschen Schauspieler durch Originalstimmen ersetzt wurden. Es ist das bekannte, von Joe May geschützte Verfahren (…). Ein System hat damit seine Verwendbarkeit bewiesen. Das Thema ‹Internationalisierung des Sprechfilms› ist um einen wertvollen Beitrag bereichert worden.» (Film-Kurier, 15.4.1930)

Liedtke (Werner Roettlinck), Ursula Grabley (Pixi), Robert Thoeren («der Fürst»), Ferdinand Hart (Diener Bittrich).

80 Min / sw / 35 mm / E // REGIE Kurt Bernhardt // PRODUKTION Joe May // DREHBUCH Ludwig von Wohl, Heinz Gold-

IHRE MAJESTÄT DIE LIEBE Deutschland 1931 «Der fesche Fred von Wellingen macht dem Barmädchen Lia den Hof. Sein Bruder und die übrige Verwandtschaft wollen ihn nicht als Generaldirektor der Wellingen-Motorenfabrik akzeptieren, weil er sich weigert, die reiche Frau von Lingenfeld zu heiraten. Um seine Familie zu provozieren, verlobt sich Fred mit Lia.» (filmportal.de) «Der Alltag der Weimarer Republik muss in den Nachtclubs stattgefunden haben. Ganz exzessiv wird das in Ihre Majestät die Liebe gezeigt (…). Lia weint und lacht vor Glück, eine herzzerreissende Szene, wie sie ihren Herrn Papa aus dem Schlaf klingelt, weil die Freude ihr Herz sprengt! In einer einzigen, kleinen Szene gelingt es Joe May, die Fallhöhe für alles Künftige enorm hochzulegen. (…) Ein sehr, sehr lustiger Film ist das, sehr beschwingt, mit eingängigen Schlagersongs, deren frech-fröhliche Texte die Handlung

berg // KAMERA Günther Krampf // MUSIK Ralph Benatzky, Franz Grothe // SCHNITT Carl Winston // MIT Conrad Veidt (Hauptmann Burk), Karin Evans (Dore), Erwin Kalser (­ Müller), Else Heller (Müllerin), Heinrich Gretler (Pelle).

CONFESSION USA 1937 Die ehemalige Opern- und heutige Kabarettsängerin Vera steht vor Gericht, weil sie ihren ehemaligen Verehrer erschossen hat: Er hatte vor Jahren nicht nur ihre Ehe zerstört, sondern sich nun auch an ihre halbwüchsige Tochter herangemacht. In Mazurka, der von Joe May produzierten deutschen Version dieses Melodrams (1935, Regie: Willi Forst), spielten Pola Negri und Willi Forst die Hauptrollen. Joe May bleibt in seiner zweiten Regiearbeit im Exil ganz nah am Original und übernimmt einzelne Szenen sogar eins zu eins. Interessant sind die Abweichungen, die z. T. dem Hays Code geschuldet sind und sexuelle Eindeutigkeiten verunklären. (cs)


Joe May und der frühe deutsche Tonfilm 85 Min / sw / 35 mm / E // REGIE Joe May // DREHBUCH Hans Rameau // KAMERA Sidney Hickox // MUSIK Peter Kreuder // SCHNITT James Gibbon // MIT Kay Francis (Vera Kowalska), Ian Hunter (Leonide Kirow), Basil Rathbone (Michail Michailow), Jane Bryan (Lisa Koslov), Donald Crisp (Gerichtspräsident), Mary Maguire (Hildegard).

DER SCHUSS IM TONFILMATELIER Deutschland 1930 «Liebe, Eifersucht und Mord! Das sind die Zutaten, aus denen eine Filmcrew ein aufregendes Melodram machen will. Gerade wird eine besonders dramatische Szene gedreht, in der zwei Rivalinnen einander gegenüberstehen (...). Eine der Frauen zieht einen Revolver – ein Schuss ertönt, ihre Nebenbuhlerin sinkt getroffen zu Boden. ‹Schnitt!›, ruft der Regisseur, aber die ‹Erschossene› steht nicht wieder auf. Aus dem Schauspiel wurde blutiger Ernst (…) Als alle Befragungen nicht weiterführen (…), haben die Ermittler eine Idee: Im Atelier des Tonmeisters könnte man dem Täter auf die Spur kommen, da zu Testzwecken stets sämtliche Gespräche im Atelier aufgenommen werden.» (filmportal.de)

WESTFRONT 1918 Deutschland 1930 Vier deutsche Soldaten unterschiedlichen Temperaments sind im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs an der französischen Front eingesetzt. «Georg Wilhelm Pabst drehte 1930 und 1931 drei wichtige Filme. (…) Der Kriegsfilm Westfront 1918 geriet zu seinem Meisterwerk. (…) (Er) verweigert sich noch der heimlichsten Verklärung des Krieges zur Stätte ‹menschlicher Bewährung›. Er erscheint als die Perfektion des Grauens, die er ist. Für die vier Infanteristen zerbricht nach und nach der Sinnzusammenhang, in den für sie zunächst auch der Krieg noch einzuordnen war. Die Oberfläche der sichtbaren Realität trans­ zendiert zum Bild der geschändeten Menschlichkeit.» (Ulrich Gregor/Enno Patalas: Geschichte des Films, Sigbert Mohn Verlag, 1965) 97 Min / sw / DCP / D // REGIE Georg Wilhelm Pabst // DREHBUCH Ladislaus Vajda, nach dem Roman «Vier von der Infanterie» von Ernst Johannsen // KAMERA Fritz Arno Wagner, Charles Métain // SCHNITT Wolfgang Loë-Bagier // MIT Fritz Kampers (Bayer), Gustav Diessl (Karl), Hans Joachim Moebis (Student), Claus Clausen (Leutnant), Gustav Püttjer (Ham-

80 Min / sw / DCP / D // REGIE Alfred Zeisler // DREHBUCH

burger), Jackie Monnier (Yvette, die Französin),

Kurt Siodmak, Rudolf Katscher, Egon Eis // KAMERA Werner Brandes // MIT Gerda Maurus (Filmdiva), Harry Frank (Hauptdarsteller), Ernst Stahl-Nachbaur (Kriminalrat Holzknecht), Alfred Beierle (Kriminalkommissar Möller).

ZWEI HERZEN IM ¾ TAKT Deutschland 1930 «Der Komponist Toni Hofer arbeitet mit den beiden Librettisten Nicky und Vicky Mahler an einer neuen Operette, doch ihm fehlt die zündende Idee für den Titelwalzer. Hilfe naht in Gestalt von Hedi, der Ziehschwester von Nicky und Vicky. Sie bezaubert Hofer und inspiriert ihn zu einer Melodie, die er jedoch wieder vergisst, sobald Hedi verschwunden ist. Da er nicht weiss, dass es sich um die Verwandte seiner Librettisten handelt, die Hedi aus Sorge von dem leichtlebigen Künstler fernhalten wollen, sucht er sie anfangs vergeblich. Doch im letzten Moment, kurz nach der Generalprobe, kehrt seine Muse zurück – und mit ihr der Walzer und die Liebe.» (filmportal.de)

MÄDCHEN IN UNIFORM Deutschland 1931 Potsdam, 1910. Die junge Manuela von Meinhardis soll nach dem Tod ihrer Mutter in einem Stift für adelige Mädchen ihre Bildung abschliessen. Das sensible Mädchen tut sich schwer mit preussischer Zucht und Ordnung. Einzig Fräulein von Bernburg zeigt für Manuela Verständnis. Manuelas Verehrung für ihre Lehrerin entwickelt sich zu ­einer leidenschaftlichen Liebe, die sie auch öffentlich erklärt – mit drastischen Folgen. «Während der Routinier ein solches Sujet bestimmt zur groben Karikatur verzerrt hätte, überschreitet Frau Sagan nirgends die von der Wirklichkeit gezogenen Grenzen. Die Oberin bleibt eine mögliche Figur, und das Exerzierreglement ist auch in seinen Ausschweifungen noch glaubhaft.» (Siegfried Kracauer, Frankfurter Zeitung, 1.12.1931) 98 Min / sw / 35 mm / D // REGIE Leontine Sagan, Carl Froelich

96 Min / sw / 35 mm / D // REGIE Géza von Bolváry // DREH-

// DREHBUCH Christa Winsloe, F. D. Andam, nach einem The-

BUCH Franz Schulz, Walter Reisch // KAMERA Willy Goldberger,

aterstück von Christa Winsloe // KAMERA Reimar Kuntze,

Max Brinck // MUSIK Robert Stolz // MIT Walter Janssen (Toni

Franz Weihmayr // MUSIK Hansom Milde-Meissner // MIT

Hofer), Willy Forst (Vicky), Oskar Karlweis (Nicky), Gretl Theimer

Herta Thiele (Manuela von Meinhardis), Dorothea Wieck (Fräu-

(Hedi), Irene Eisinger (Anni Lohmeier), Szöke Szakall (Theater­

lein von Bernburg), Emilia Unda (Oberin), Ellen Schwannecke

direktor), Karl Etlinger (Schlesinger, der Kassierer), Paul

(Ilse von Westhagen), Erika Mann (Fräulein von Atems),

Hörbiger (Ferdinand, der Kutscher)

­Gertrud de Lalsky (Manuelas Tante).

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> Pfui, Rosa! .

> Der Einstein des Sex .

> Tunten lügen nicht .

> Überleben in New York .

> Härte .


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Rosa von Praunheim Rosa von Praunheim ist ein Filmemacher, dessen Person von seinem Werk untrennbar ist; auch seine eigene Identität und seine Herkunft gehörten immer wieder zu den Themen, die er erkundete. Zu Ehren der Verleihung des Pink Apple Festival Award an Rosa von Praunheim zeigt das Filmpodium eine Auswahl seiner besten Filme. Rosa von Praunheim ist einer der seltenen Künstler, denen es gelungen ist, mit seinem Werk die gesellschaftliche Wirklichkeit zu verändern. An der Berlinale 1971 hatte der halbdokumentarische Film Nicht der Homosexuelle ist p ­ ervers, sondern die Situation, in der er lebt auf dem Internationalen Forum des Jungen Films seine Premiere. Der Film wurde heftig diskutiert, nicht zuletzt weil vor allem die betroffenen Homosexuellen sich nicht in dem vorgehaltenen Spiegel erkennen wollten. In diversen Städten der Bundesrepublik Deutschland formierten sich darauf zumeist studentische Schwulengruppen. Mit der darauffolgenden TV-Ausstrahlung wurde Praunheim erst recht zum Sprachrohr der bewegten queeren Bevölkerung. Rosa von Praunheims filmisches Œuvre begleitete in den folgenden Jahrzehnten den langen Prozess der gesellschaftlichen Emanzipation der Homo­ sexuellen. Aufgrund seiner unkonventionellen und direkten Art, Missstände in der Gesellschaft aufzuzeigen und Tabuthemen aufzubrechen, wird von Praunheim in den Medien gerne als «Provokateur» oder «Enfant terrible» beschrieben, doch ist es ihm hoch anzurechnen, dass die Fortschritte der gesellschaftlichen Gleichstellung Homosexueller massgeblich auf seine aktivistische Filmarbeit bis in die 1990er-Jahre sowie seine künstlerisch Verbündeten zurückgehen. In über 50 Jahren hat von Praunheim mehr als 150 Kurz- und Langfilme gedreht und gilt nicht nur als Pionier des queeren deutschen Kinos, sondern auch als wichtiger Vorkämpfer der ersten Stunde im Einsatz für die deutsche HIV/AIDS-Prävention. Das Pink Apple Filmfestival freut sich, diesen herausragenden, für die deutschsprachige LGBT+-Community so wichtigen Künstler, Filmregisseur und Autor am diesjährigen Festival mit dem Pink Apple Festival Award auszeichnen und ehren zu dürfen und in Zusammenarbeit mit dem Filmpodium auserlesene Werke Rosa von Praunheims präsentieren zu können. Andreas Bühlmann Andreas Bühlmann ist Programmkoordinator beim Pink Apple Filmfestival. Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt wird nicht im Filmpodium zu sehen sein, sondern in der Helferei. Details unter www.pinkapple.ch.


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Rosa von Praunheim

TALLY BROWN, NEW YORK BRD 1979 Tally Brown, schwergewichtiges Wrack der Glanzzeiten des New Yorker Undergrounds und Liebling der Schwulenszene, singt und erzählt von ihrem bewegten Leben, in dem Leonard Bernstein ebenso figurierte wie Andy Warhol, Candy Darling, Holly Woodlawn und Divine. «Tally Brown ist Freak, aber stolz auf ihre Besonderheit. Sie hat eine Billie-Holiday-Stimme, singt aber Bowie, Weill und Rolling Stones. Sie hat eine Broadway-Karriere und ist UndergroundStar. Sie schockiert die Bürger und kommt ihnen menschlich nah. Sie öffnet die Gettogrenzen und bringt Minderheiten mit der Mehrheit zusammen: in der einen, ihrer heroischen Geste.» (Dietrich Kuhlbrodt, filmzentrale.com)

ualität nicht krankhaft und unnatürlich sei. Sein Versuch, den Paragraphen 175, der Homosexualität kriminalisiert, abzuschaffen, scheitert, aber nach dem Ersten Weltkrieg gründet Hirschfeld ein Institut für Sexualwissenschaft, dessen Forschung erst von den Nazis abgewürgt wird. «Eben weil er gar keine ‹grossen› Bilder (...) bieten kann, konzentriert sich Praunheim auf eine Abfolge gut geschriebener, zwischen Komik und Tragödie schwankender Szenen, die (...) durch ihre Bescheidenheit aber ein umso intimeres und nahegehenderes Bild der handelnden ­Figuren formen. Der Witz kommt dabei nicht zu kurz.» (Christoph Huber, filmzentrale.com, 26.9.2000) 100 Min / Farbe / 35 mm / D+E/d // REGIE Rosa von Praunheim // DREHBUCH Chris Kraus, Valentin Passoni, Rosa von Praunheim, Friedel von Wangenheim // KAMERA Elfi ­Mikesch // MUSIK Karl-Ernst Sasse // SCHNITT Mike Shephard // MIT

97 Min / Farbe / Digital HD / E+D // DREHBUCH UND REGIE

Kai Schumann (Magnus Hirschfeld), Friedel von Wangenheim

Rosa von Praunheim // KAMERA Lloyd Williams, Michael

(Magnus Hirschfeld), Ben Becker (Adolf Brand), Wolfgang

­Oblowitz, Juliana Wang, Edvard Lieber, Rosa von Praunheim

Völz (Polizeipräsident), Otto Sander (Prof. Steinach), Meret

// MUSIK Tally Brown, Holly Woodlawn // SCHNITT Rosa von

Becker (Arbeiterin).

Praunheim, Mike Shephard // MIT Tally Brown, Divine, Holly Woodlawn, Taylor Mead, Andy Warhol.

ÜBERLEBEN IN NEW YORK BRD 1989

TUNTEN LÜGEN NICHT Deutschland/Frankreich 2002

«Drei deutsche Frauen versuchen Anfang der 80er-Jahre im Big Apple, dieser Stadt, die ihre BewohnerInnen hypnotisch in ihren Bann zieht, Fuss zu fassen. (...) Rosa von Praunheim: ‹Als ich diesen Film plante, dachte ich, dass ich seit langer Zeit wieder einen Film mit sogenannten «normalen Menschen» machen würde: Die Schicksale dreier deutscher junger Frauen, die seit zehn Jahren in Amerika leben, faszinierten mich, war ich doch von Amerika ähnlich begeistert, sah es zuweilen genauso kritisch.› Die mit Preisen ausgezeichnete Dokumentation Überleben in New York ist bis heute Rosa von Praunheims erfolgreichster Film.» (Xenix, Oktober 2010)

«In dem Dokumentarfilm Tunten lügen nicht erzählen vier mutwillige Tunten (Ichgola Androgyn, Bev StroganoV, Tima die Göttliche und Ovo Maltine), die sich Mitte der 80er-Jahre in Westberlin trafen, ihr Leben. Allen ist gemeinsam, dass sie nicht nur Showtunten sind, sondern sich auch politisch für Aids-Aufklärung, Aktionen gegen Gewalt gegen Schwule, Hurenbewegung, Kampf gegen Rechtsradikalismus und Rassismus einsetzen. Gemeinsam entwickelten sie ihre Shows, politischen Aktionen und Medienauftritte. Tunte zu sein, bedeutet für alle mehr, als Frauenkleider zu tragen und Strass zu horten. Alle vier arbeiten, streiten und lieben immer wieder gemeinsam, denn sie verstehen sich als Familie.» (rosavonpraunheim.de)

90 Min / Farbe / Digital HD / D+E/d // REGIE Rosa von Praun-

92 Min / Farbe + sw / Digital HD / D // DREHBUCH UND REGIE

heim // DREHBUCH Rosa von Praunheim, Claudia Steinberg

Rosa von Praunheim // KAMERA Lorenz Haarmann //

// KAMERA Jeff Preiss // MUSIK Roy Campbell // SCHNITT

SCHNITT Mike Shephard // MIT Bev StroganoV, Ichgola

Mike Shephard, Rosa von Praunheim // MIT Claudia Steinberg,

­Androgyn, Ovo Maltine, Tima die Göttliche.

Anna Steegmann, Ulrike Buchbacher, Rosa von Praunheim.

DER EINSTEIN DES SEX

THIS BRUNNER Deutschland 2012

Deutschland/Niederlande 1999 Der jüdische Arztsohn Magnus Hirschfeld widmet sich Ende des 19. Jahrhunderts der Sexualforschung und kommt zum Schluss, dass Homosex­

Ein intimes Porträt des Zürcher Kinounternehmers, Film- und Kunstkenners This Brunner, der rund 30 Jahre lang die Zürcher Arthouse-Gruppe leitete.


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Rosa von Praunheim

PFUI, ROSA!

NEW YORK MEMORIES

Deutschland 2002

Deutschland 2010

Zu seinem 60. Geburtstag schuf Rosa von Praunheim in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Filme­ macher René Krummenacher dieses Selbstporträt, das einen umfassenden Rückblick auf sein Leben und Werk bietet, mit vielen Ausschnitten aus seinen Filmen und Interviews mit Weggefährten und Mitstreiterinnen. Erstmals ist hier auch von den Enthüllungen seiner Mutter Gertrud die Rede: Im Alter von 95 Jahren verriet sie Rosa ­Geheimnisse über seine Herkunft.

«1989 hat Praunheim in N.Y. einen Film gedreht unter dem Titel Überleben in New York. Jetzt trifft er zwei der darin porträtierten deutschen Girls wieder, die es in N.Y. ‹schaffen› wollten. Aus den Mädchen von damals sind gestandene Frauen geworden: Die Hetero-Frau Anna und die Lesbe Claudia sind in N.Y. geblieben, sie sind zu Einheimischen geworden, Immigranten des New Yorker Traums. Die Träumerei von damals hat sich mit einem starken Pragmatismus verknüpft.» (Hans Schifferle, epd Film, 1.7.2010)

✶ am Samstag, 4. Mai, 17.30 Uhr: Anschl. Verleihung des Pink Apple Festival Award an Rosa von Praunheim

89 Min / Farbe / Digital HD / D+E/d // REGIE Rosa von Praunheim // DREHBUCH Rosa von Praunheim, Anna Steegman // KAMERA Lorenz Haarmann, Jeff Preiss // M ­ USIK Andreas M.

THIS BRUNNER

Wolter // MIT Anna Steegmann, Claudia Steinberg, Michael

16 Min / Farbe / Digital HD / D // DREHBUCH, REGIE UND

Bloomberg, Judith Malina, Lucie Pohl.

SCHNITT Rosa von Praunheim // MIT This Brunner.

HÄRTE

PFUI, ROSA! 70 Min / Farbe + sw / Digital HD / D+E/d // DREHBUCH UND

Deutschland 2015

REGIE Rosa von Praunheim // KAMERA Lorenz Haarmann, René Krummenacher // SCHNITT Frank Brummundt, Mike Shephard, Rosa von Praunheim // MIT Rosa von Praunheim, Ichgola Androgyn, René Krummenacher, Mike Shephard, Ovo Maltine, Gertrud Mischwitzky, Werner Schroeter.

MEINE MÜTTER – SPURENSUCHE IN RIGA Deutschland 2007 Nachdem er 2000 von seiner 95-jährigen Mutter erfahren hat, dass er aus einem Waisenhaus in Riga adoptiert worden war, macht von Praunheim sich auf, um seine leiblichen Eltern aufzuspüren. Obschon solche Reisen nicht eben neu sind, sorgen die furchtlose Ehrlichkeit des Regisseurs und der Hintergrund des Zweiten Weltkriegs für ein packendes Kinoerlebnis. (...) Von Praunheim hat keine Angst, Spuren zu verfolgen, die andere lieber verbergen würden, wie etwa das grausige Erbe der SS, und obwohl am Schluss offene Fragen bleiben, ist dieser bewegende Dokumentarfilm ein perfektes Gegenstück zu seinem tuntigverspielteren Pfui, Rosa!.» (Jay Weissberg, Variety, 7.2.2008) 87 Min / Farbe + sw / Digital HD / D+Russ+E/d // DREHBUCH UND REGIE Rosa von Praunheim // KAMERA Elfi Mikesch, Thomas Ladenburger, Markus Tiarks // MUSIK ­Andreas M. Wolter // SCHNITT Mike Shephard // MIT Gertrud Mischwitzky, Rosa von Praunheim, Astrid Ruschlau, Agnese Luse, Markus Tiarks.

Andreas Marquardt wurde als Kind von seiner Mutter sexuell missbraucht und von seinem Vater mit unmenschlichen Methoden zur Härte erzogen. Als Mann wurde er in Berlin zum stadt­ bekannten Schläger und berüchtigten Zuhälter, der keine Gefühle zeigen konnte, was seine vielgeplagte Lebensgefährtin Marion Erdmann zu spüren bekam. «Das Herzstück des Films sind aber die Spielszenen, die in streng stilisierendem Schwarzweiss in die Vergangenheit entführen. (...) Von Rosa von Praunheim hätte man den Film am allerwenigsten erwartet, zumal er sich sonst um andere Themen kümmert und auch lieber mit Laiendarstellern zusammenarbeitet. Doch diese Geschichte einer Läuterung hatte es ihm angetan. Es ist einer seiner besten Filme.» (Michael Ranze Filmbulletin 5/2015) 89 Min / Farbe + sw / DCP / D // REGIE Rosa von Praunheim // DREHBUCH Nico Woche, Jürgen Lemke, Rosa von Praunheim // KAMERA Elfi Mikesch, Nicolai Zörn // MUSIK Andreas M. Wolter // SCHNITT Mike Shephard // MIT Andreas ­Marquardt (als er selbst), Marion Erdmann (als sie selbst), Hanno Koffler (Andy), Luise Heyer (Marion), Katy Karrenbauer (Andys Mutter), Rüdiger Götze (Andys Opa), Ilse ­Amberger-Bendin (Andys Oma), Steffen Bielig (Andys Vater).


26 Das erste Jahrhundert des Films

1949 1949 ist das Jahr, in dem die unmittelbare Nachkriegszeit endet, der Kalte Krieg die Welt in zwei Lager spaltet – und in dem ein Film mit einer Zither-Melodie, mit Orson Welles’ «Kuckucksuhr-Rede» und mit einer Verfolgungsjagd durch die Wiener Kanalisation für Furore sorgt: Dem Briten Carol Reed gelingt mit The Third Man eine höchst authentische Momentaufnahme der geteilten und besetzten Stadt Wien und damit einer der besten britischen Filme des ganzen Jahrhunderts. Eine der brillantesten britischen Komödien inszeniert dagegen in diesem Jahr Robert Hamer mit Kind Hearts and Coronets, wo mit tiefschwarzem Humor durch familiäre Reihen gemordet wird; alle acht Opfer werden von Alec Guinness verkörpert, der damit seinen Weltruhm begründet. Einen der Höhepunkte des amerikanischen Gangsterfilms erschafft 1949 Raoul Walsh mit White Heat, in dem James Cagney einen brutalen Gangster mit einem krankhaften Mutterkomplex spielt – ein Lieblingsfilm von Cineasten wie Rainer Werner Fassbinder und Martin Scorsese. So schnell zu sein wie die Amerikaner, das versucht Jacques Tati als staksiger Postbote in seinem Langfilmdebüt Jour de fête und überholt auf seinem Fahrrad sogar die Equipe der Tour de France; bereits hier zeigt sich sein traumwandlerisches Gespür für Stimmung, Timing und Effekte. Ein weiterer Erstling aus diesem Jahr ist Jean-Pierre Melvilles Le silence de la mer, der eindrücklich das konsequente Schweigen als Zeichen des Widerstands veranschaulicht und zu den bedeutendsten Résistance-Filmen überhaupt gehört. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges beginnt auch die grosse Zeit des japanisches Kinos: Yasujiro Ozus meisterhafter Später Frühling, der den Auftakt zu seinem majestätischen Spätwerk bildet, ist eine zärtliche Alltagsund Menschenstudie mit einer der erhabensten Schlusssequenzen der ganzen Filmgeschichte. Tanja Hanhart Das erste Jahrhundert des Films In der Dauerreihe «Das erste Jahrhundert des Films» zeigen wir im Lauf von zehn Jahren rund 500 weg­ weisende Werke der Filmgeschichte. Die Auswahl jedes Programmblocks ist gruppiert nach Jahrgängen, ­woraus sich schliesslich 100 Momentaufnahmen des Weltkinos von 1900 bis 1999 ergeben. ­Referenzzahl ist jeweils der a ­ ktuelle Jahrgang, d. h. im Jahr 2019 sind Filme von 1919, 1929, 1939 usw. zu sehen. Weitere wichtige Filme von 1949: Adam’s Rib George Cukor, USA Border Incident Anthony Mann, USA Criss Cross Robert Siodmak, USA Ein streunender Hund (Nora inu) Akira Kurosawa, J (läuft in der Toshiro-Mifune-Reihe, Juli – Sept. 2019) Gun Crazy Joseph H. Lewis, USA Little Women Mervyn LeRoy, USA On the Town Stanley Donen, Gene Kelly, USA Orphée Jean Cocteau, F

Riso amaro Giuseppe de Santis, I Rotation Wolfgang Staudte, D She Wore a Yellow Ribbon John Ford, USA The Fountainhead King Vidor, USA The Heiress William Wyler, USA The Reckless Moment Max Ophüls, USA Thieves’ Highway Jules Dassin, USA Whiskey Galore! Alexander Mackendrick, GB


Das erste Jahrhundert des Films: 1949

THE THIRD MAN GB 1949 Nach dem Zweiten Weltkrieg reist der amerikanische Autor Holly Martins ins zerbombte, besetzte Wien, um seinen alten Freund Harry Lime zu besuchen – und kommt gerade rechtzeitig zu dessen Begräbnis. Holly zweifelt am vermeintlichen Unfalltod seines Freundes und beginnt mit eigenen Nachforschungen, Harrys Geliebte Anna hilft ihm dabei. Doch Holly wird immer tiefer in e ­ inen gefährlichen Teufelskreis aus Betrug, Korruption und Mord hineingezogen. Carol Reeds Thriller The Third Man ist einer der ersten britischen Filme, die an Originalschauplätzen entstanden, und eine der ersten Koproduktionen zwischen der britischen Filmindustrie und Hollywood. Er wurde vom BFI 1999 zum besten britischen Film gekürt. Heute sind die Drehorte zu Touristenattraktionen geworden, dem Film ist ein eigenes Museum gewidmet. «Warum schauen wir uns The Third Man immer wieder an? Ich vermute wegen Joseph Cotten und Alida Valli, die den emotionalen Kern des Films bilden. (...) Welles sieht man erst etwa nach der Hälfte des Films, nachdem man so viel Zeit damit verbracht hat, ihn sich vorzustellen, weil alle über ihn gesprochen haben. Das könnte die beste ­Enthüllung der ganzen Filmgeschichte sein. (...) Man kann nicht über The Third Man sprechen,

ohne den unglaublichen Beitrag des Kameramannes R ­ obert Krasker zu würdigen. (...) Durch die expressionistische, verkantete Bildgestaltung lässt er das aussergewöhnliche Gefühl einer Welt entstehen, die auseinandergerissen wurde (...). Das Zither-Thema wurde weltberühmt (...), es ist wie eine eigene Figur und spiegelt den Wahnsinn und die Verzweiflung dieser zerrissenen Welt wider (...). Hat der Film meine Karriere beeinflusst? Als ich ihn sah, war ich bereit zu verstehen, was man mit der Kamera machen kann. Die Themen des Films gaben mir ein gutes Gefühl im Umgang (…) mit dem Charme des Bösen.» (Martin Scorsese, The Independent, 23.6.2015) 105 Min / sw / 35 mm / E/d/f // REGIE Carol Reed // DREHBUCH Graham Greene, nach seinem Roman // KAMERA ­Robert Krasker // MUSIK Anton Karas // SCHNITT Oswald Hafenrichter // MIT Joseph Cotten (Holly Martins), Alida Valli (Anna Schmidt), Orson Welles (Harry Lime), Trevor Howard (Maj. Calloway), Ernst Deutsch (Baron Kurtz), Paul Hörbiger (Karl, der Portier), Erich Ponto (Dr. Winkel), Hedwig Bleibtreu (Annas Hauswirtin), Siegfried Breuer (Popescu). Vor einzelnen Filmen der Jahre 1949, 1959 und 1969 werden Beiträge der Schweizer Filmwochenschau aus dem jeweiligen Jahr gezeigt (Daten siehe Programmübersicht). Die Auswahl besorgt der Historiker Severin Rüegg. Mit freundlicher Unterstützung von Lumière, Förderverein Filmpodium.

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Das erste Jahrhundert des Films: 1949

KIND HEARTS AND CORONETS GB 1949 Ein kleiner Verkäufer, Sohn eines italienischen Tenors und einer britischen Adligen, ermordet acht Verwandte aus dem Geschlecht der d’Ascoynes, die vor ihm erbberechtigt sind, und kommt so in den Besitz des Herzogtitels. Am Tag vor seiner geplanten Hinrichtung (für ein Verbrechen, das er nicht begangen hat) breitet er seine kriminellen Memoiren vor uns aus. Regisseur Robert Hamers Kind Hearts and ­Coronets zählt zu den grössten Triumphen der Ealing Studios und wurde für die herausragende Leistung von Alec Guinness gefeiert, der in acht verschiedene Rollen schlüpft. «Der Film ist nur auf dem Papier eine EalingKomödie. Zweifellos ist er eine Komödie und wurde von Ealing gemacht, aber in fast jeder anderen Hinsicht weicht er von dem allgemein geltenden Stereotyp ab. Ealing-Komödien sind lieblich, sogar selbstgefällig; Kind Hearts and Coronets ist herzlos und unmoralisch. Der Humor der Ealing-Komödie ist gutmütig und volkstümlich; Kind Hearts und Coronets ist cool, ironisch und witzig. Sex wird in Ealing-Komödien meist vermieden oder, wenn unvermeidbar, mit verlegener Heiterkeit behandelt; in Kind Hearts und Coronets sind mehrere Szenen stark erotisch aufgeladen. In Ealing-Komödien bezahlen die Kriminellen für ­

ihre Verbrechen; der Held von Kind Hearts and ­Coronets ist ein berechnender Serienmörder, der gute Chancen hat, ungeschoren davonzukommen. (...) Hamers scharfsinnige Intelligenz, seine Freude an der Sprache, sein Zynismus und seine böse Fröhlichkeit schimmern durch jedes Einzelbild und machen den Film (...) zur besten schwarzen Komödie, die das britische Kino je hervorgebracht hat.» (Philip Kemp, criterion.com) «Kind Hearts and Coronets ist zugleich eine witzige Gesellschaftskomödie, ein grotesker Serienmörderfilm und eine bittere Satire auf das Klassensystem. (…) Dennis Price stattet Louis mit einer katzenhaften Mischung aus Charme und Rücksichtslosigkeit aus, die Tom Ripley und Hannibal Lecter vorwegnimmt.» (timeout.com) 106 Min / sw / 35 mm / E/d/f // REGIE Robert Hamer // DREHBUCH Robert Hamer, John Dighton, nach dem Roman von Roy Horniman // KAMERA Douglas Slocombe // MUSIK Ernest Irving // SCHNITT Peter Tanner // MIT Dennis Price (Louis Mazzini), Alec Guinness (Herzog/Bankier/Pfarrer/General/ Admiral/junger Ascoyne/junger Henry/Lady Agatha), Joan Greenwood (Sibella), Valerie Hobson (Edith), Audrey Fildes (Mrs. Mazzini), Hugh Griffith (Lord High Steward), Miles Malleson (Mr. Elliott), John Penrose (Lionel), John Salew ­ (Mr. Perkins), Barbara Leake (Miss Waterman).


Das erste Jahrhundert des Films: 1949

© Les Films de Mon Oncle – Specta Films C.E.P.E.C

JOUR DE FÊTE Frankreich 1949 Schützenfest in einem kleinen französischen Dorf. Briefträger François sieht dort einen Film über die amerikanische Post und ist überwältigt von der Schnelligkeit seiner Kollegen. Was die Amerikaner können, können die Franzosen schon lange, meint François und steigert fortan die Effizienz der Postzustellung mit wilder Fantasie und Akrobatik – dabei stiftet er ziemliches Chaos. Jacques Tati gelang mit seinem ersten Spielfilm Jour de fête eine liebevolle Parodie auf das provinzielle Leben. Er drehte ihn weitgehend in einem neuen Farbverfahren, musste ihn aber ­ ­wegen technischer Schwierigkeiten in Schwarzweiss herausbringen; Anfang der sechziger Jahre erstellte er eine Version mit handkolorierten Farb­elementen, erst 20 Jahre nach seinem Tod kam die rekonstruierte Farbversion heraus. «Jour de fête war der Film, der Tatis komödiantisches Genie ans Licht brachte. Sehr visuell, mit wenigen, manchmal sogar unhörbaren Worten steht sein Humor in der Tradition von SlapstickGrössen wie Keaton oder Chaplin. Das Überraschendste ist die Dichte dieses Humors. (...) Tati wendet sich auf amüsante Weise gegen Provinzialität und Moderne. Der Film war von Anfang an ein grosser Erfolg, er brachte einen Hauch von guter Laune und Frische; dies ist auch heute noch der

Fall, da er in einer Version restauriert wurde, welche die meisten von uns noch nie zuvor gesehen haben: in der ursprünglichen Schwarzweiss-Version von 1949.» (films.blog.lemonde.fr, 24.7.2013) «Für mich ist Jacques Tati ein wahrer Held. Wegen Regisseuren wie ihm mache ich Filme. Ich habe viel von seinem Stil und von seiner ‹Wissenschaft der Gags› gelernt. Er war ein Genie des Visuellen.» (Terry Jones, carlottavod.com) Mit freundlicher Genehmigung von Les Films de Mon Oncle – Specta Films C.E.P.E.C 87 Min / sw / DCP / F/d // REGIE Jacques Tati // DREHBUCH ­Jacques Tati, René Wheeler, Henri Marquet // KAMERA ­Jacques Mercanton, Jacques Sauvageot // MUSIK Jean Yatove // SCHNITT Marcel Morreau // MIT Jacques Tati (François, der Briefträger), Guy Decomble (Roger), Paul Frankeur (Marcel), Santa Relli (Germaine, Rogers Ehefrau), Maine Vallée (Jeannette), Delcassan (Klatschtante), Jacques Beauvais (Wirt).

Mitarbeitende, Studierende und Gäste des Seminars für Filmwissenschaft der Universität ­Zürich führen einzelne Filme der Reihe «Das erste Jahrhundert des Films» ein. Neben dem filmhistorischen Kontext werden f­ ormale und thematische Aspekte betrachtet.

✶ am Montag, 1. April, 18.15 Uhr: Einführung von Tamara Kobel (Studierende am Seminar für Filmwissenschaft, Universität Zürich)

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Das erste Jahrhundert des Films: 1949

LE SILENCE DE LA MER

SPÄTER FRÜHLING (Banshun)

Frankreich 1949

Japan 1949

Frankreich, 1941. Ein deutscher Wehrmachtsoffizier wird bei einem älteren Mann und dessen Nichte einquartiert, die ihm als Zeichen des Widerstands über Monate hinweg mit konsequentem Schweigen begegnen. Der Offizier respektiert dies zunächst, doch jeden Abend teilt er den beiden in langen Monologen seine Verehrung für die französische Kultur und seine Hoffnung auf eine Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich mit. Als er allerdings erkennt, wie unvereinbar seine Ansichten mit der Politik der Nationalsozialisten sind, bittet er um seine Versetzung an die Ostfront. Mit seinem Spielfilmdebüt Le silence de la mer adaptierte Jean-Pierre Melville die RésistanceNovelle von George Bruller alias Vercors ohne die Erlaubnis des Autors, traf aber mit ihm eine Abmachung: Hätte Vercors die Kinoversion nicht gemocht, hätte Melville das Negativ verbrennen müssen. Das Risiko zahlte sich aus: Ihm gelang ein vielschichtiges Kammerspiel, das zu den bedeutendsten Widerstandsfilmen überhaupt zählt. «Le silence de la mer ist in Wirklichkeit ein Dreiecksdrama, in dem zwei Menschen schweigen. (...) Auf die gewagteste Art und Weise gefilmt, mit einer neuen filmischen Sprache flüchtiger Ausdrücke und Blicke, hatte der Film einen bedeutenden Einfluss auf Robert Bresson und die ganze Nouvelle Vague.» (Chris Peachment, Time Out Film Guide) Melville war Volker Schlöndorffs «Erster Meister»: «Le silence de la mer ist sein vielleicht schönster Film, ebenso minimalistisch und wortkarg wie Le samouraï. Es geht auch da schon um den Verzicht auf Liebe.» (volkerschloendorff.com)

Die 27-jährige Noriko lebt mit ihrem verwitweten Vater, um den sie sich mit zärtlicher Fürsorge kümmert. Der Vater sorgt sich um die Zukunft seiner Tochter und versucht sie zur Heirat zu bewegen. Noriko möchte ihren alten Vater aber nicht alleine lassen und willigt erst dann in eine Ehe ein, als er selber Anstalten macht, wieder zu heiraten. Später Frühling zählt zu den stärksten Filmen von Yasujiro Ozu und gilt als Auftakt zu seiner gewaltigen letzten Schaffensphase – seine Themen, aber auch der spezielle Umgang mit Raum und Zeit beeinflussten Filmschaffende wie Claire Denis, Hirokazu Kore-eda, Aki Kaurismäki und Jim Jarmusch. «Die hochkarätigen Ozu-Schauspieler Chishu Ryu und Setsuko Hara beherrschen diese ergreifende Geschichte von Liebe und Verlust im Nachkriegsjapan, die auch heute noch so stark ist wie eh und je – und eine überzeugende Rechtfertigung für die Aufnahme Ozus in das Pantheon der grössten Filmregisseure.» (criterion.com) «Vollendete Harmonie in der Konstruktion des Films: Aussparung dessen, was gemeinhin für Melodrama sorgt, stattdessen eine unauffällig virtuose Handhabung minimalster Mittel. Kontemplatives An- und Abschwellen der Szenenfolgen, gefüllt mit Schmerz und Schönheit des Lebens. (...) Behutsam ermutigt der Witwer seine Tochter, zu gehen, ohne ihre Gefühle zu verletzen. In einem der erhabensten Enden der Filmgeschichte bleibt er alleine zurück. (...) Ein grenzenloses Meisterwerk.» (Christoph Huber, Österreichisches Filmmuseum, 1/2011) 108 Min / sw / 35 mm / Jap/d/f // REGIE Yasujiro Ozu // DREHBUCH Kogo Noda, Yasujiro Ozu, nach dem Roman «Chichi to

87 Min / Farbe / DCP / F/e // REGIE Jean-Pierre Melville //

musume» von Kazuo Hirotsu // KAMERA Yuharu Atsuta //

DREHBUCH Jean-Pierre Melville, nach der Novelle von

MUSIK Senji Ito // SCHNITT Yoshiyasu Hamamura // MIT

­Vercors // KAMERA Henri Decaë // MUSIK Edgar Bischoff //

Chishu Ryu (Shukichi Somiya), Setsuko Hara (Noriko Somiya,

SCHNITT Jean-Pierre Melville, Henri Decaë // MIT Howard

seine Tochter), Yumeji Tsukioka (Aya Kitagawa, ihre Freun-

Vernon (Werner von Ebrennac), Nicole Stéphane (Nichte),

din), Haruko Sugimura (Masa Taguchi, Norikos Tante), Hohi

Jean-Marie Robain (Onkel), Ami Aaröe (Werners Braut).

Aoki (Katsuyoshi), Jun Usami (Shoichi Hattori).


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Das erste Jahrhundert des Films: 1949

WHITE HEAT USA 1949 Der berüchtigte Gangster Cody Jarrett braucht nur zwei Dinge im Leben: geraubtes Geld und die Zuwendung seiner Mutter. Sie ist sein Leitstern, ihr Lob sein höchstes Ziel. Zudem besitzt sie als Einzige die Fähigkeit, Codys Migräneanfälle zu lindern. Als er eines Tages erfährt, dass seine Mutter ermordet wurde, macht er sich auf die Suche nach dem Täter und nimmt Rache. «Cagney, psychotischster aller Walsh-Helden, in White Heat: Ausbrecher, pervers sympathischer Mörder, von der pulsierenden, schnellen Inszenierung vorwärtsgetrieben, von einem Verbrechen zum nächsten, wenn er nicht kurz im Schoss seiner Mutter rastet. Kugeln, Silben, Gesten spuckend, akkumuliert er Energie, bis sie zuletzt in einer gigantischen Explosion entweicht: ‹Made it, Ma! Top of the world!› Und die Welt verbrennt.» (Christoph Huber, Österreichisches Filmmuseum, 5/2002) Scorsese zählt White Heat, der ihn zu The Departed inspiriert hat, zu den besten Gangsterfilmen überhaupt: «Cagney und Walsh verbissen sich in diesen Film über einen psychopathischen, mutterfixierten Gangster, als hätten sie gerade einen Hungerstreik beendet. (...) Das hohe Ausmass an Wildheit und anhaltender Energie ist atemberaubend. Alles gipfelt in der Szene, in der Cagney in der Kantine ausrastet – sie überrascht mich immer wieder.» (Martin Scorsese, thedailybeast.com, 9.8.2010) «White Heat = Scarface + Psycho. (...) Ungeachtet der Chronologie (gestört durch den Einfluss der Zensur auf die Studios) ist dies wirklich der passende Höhepunkt des Gangsterfilms der 30erJahre.» (timeout.com) 113 Min / sw / Digital HD / E/d // REGIE Raoul Walsh // DREH-

70 JAHRE «STUDIO 4»: A CONNECTICUT YANKEE IN KING ARTHUR’S COURT USA 1949 Als am 24. März 1949 das «Studio 4» eröffnet wurde, zeigte Roman Clemens, der das Interieur des Kinos gestaltet hatte und in den ersten Jahren auch für das Programm zeichnete, nicht irgend­ einen Film. Er sicherte sich bei Paramount die Weltpremiere der neuen Komödie mit ­Superstar Bing Crosby, A Connecticut Yankee in King Arthur’s Court, die sich zum Kassenschlager entwickelte. Zum 70-jährigen Jubiläum ist der Spass noch einmal zu ­sehen, in echtem Technicolor. «Musical-Version von Mark Twains Geschichte über einen Schmied des 20. Jahrhunderts, der in die Welt von Camelot zurückversetzt wird. Das ist eine äusserst liebenswürdige Angelegenheit, belebt von üppigen Technicolor-Bildern, hirnlos amüsanter Komik und einer wunderbaren darstellerischen Leistung von William Bendix, die ihren Höhepunkt erreicht, wenn er mit Bing Crosby und Cedric Hardwicke ‹Busy Doin’ Nothin’› singt.» (Geoff Andrew, Time Out Film Guide) «Wunderbare Dekors, weichzeichnende Farbaufnahmen von Ray Rennahan und unvergessliche Musik. Der berühmte Ausstatter Hans Dreier hat für den Crosby-Film ein spektakuläres und authentisches mittelalterliches Schloss geschaffen (...) Rhonda Fleming als tizianrothaarige Schönheit ist in Technicolor umwerfend, und Tay Garnetts Inszenierung ist geschmeidig und hat ein gutes Tempo.» (The Motion Picture Guide) ✶ am Sonntag, 31. März, 18.15 Uhr: Einführung zum Kino «Studio 4» von Felix Aeppli Gratiseintritt für Gäste mit Jahrgang 1949! 106 Min / Farbe / 35 mm / E // REGIE Tay Garnett // DREH-

BUCH Ivan Goff, Ben Roberts, nach einer Erzählung von

BUCH Edmund Beloin, nach dem Roman von Mark Twain //

­Virginia Kellogg // KAMERA Sid Hickox // MUSIK Max Steiner

KAMERA Ray Rennahan // MUSIK Victor Young // SCHNITT

// SCHNITT Owen Marks // MIT James Cagney (Cody Jarrett),

Archie Marshek // MIT Bing Crosby (Hank Martin), Rhonda

Virginia Mayo (Verna Jarrett), Edmond O’Brien (Hank Fallon

Fleming (Alisande La Carteloise), Cedric Hardwicke (Lord

alias Vic Pardo), Margaret Wycherly (Ma Jarrett).

Pendragon/King Arthur), William Bendix (Sir Sagramore).


32 Reedition

Lola Als «poetisches Märchen für Erwachsene» wurde Jacques Demys Erst­ ling bezeichnet. Trotz Raoul Coutard an der Kamera ist seine musikalische Komödie mit Anouk Aimée weniger der damals blühen­den Nouvelle Vague verpflichtet als dem poetischen Realismus. Gewidmet hat der 29-jährige Jacques Demy seinen Film Max Ophüls, dem Meister von eleganten, melancholisch abgeklärten Liebesgeschichten, die oft ein Hauch von Bitterkeit umweht. Dieser Hauch umgibt auch Cécile, die unter dem Namen Lola im Hafen von Nantes als Tänzerin im «Eldorado» arbeitet und unerschütterlich auf die Rückkehr von Michel wartet, der sie als ganz junges Mädchen verführt und schwanger zurückgelassen hatte. Die Liebe ihres Jugendfreundes Roland, den sie zufällig wieder trifft, kann sie nicht erwidern. Auch geht das Gerücht um, Michel sei in der Stadt gesehen worden. Den Mittelpunkt des Films bildet Anouk Aimée als Lola. 1932 geboren, begann sie ihre Filmlaufbahn als 14-Jährige; mit Les amants de Vérone von ­André Cayatte erlebte sie den Durchbruch. Das Drehbuch stammte von André Prévert, einer der führenden Figuren des Réalisme poétique, und er war es auch, der ihr den Künstlernamen Anouk Aimée vorschlug. Mit ihrer geheimnisvollen, zurückhaltenden Eleganz, einer seltsamen Mischung aus verführerischem Charme und Unnahbarkeit, schuf sie einen neuen Typ von Femme fatale, unvergessen in Fellinis La dolce vita (1960) und Otto e mezzo (1963). (cs)

LOLA / Frankreich/Italien 1961 88 Min / sw / DCP / F/d // DREHBUCH UND REGIE Jacques Demy // KAMERA Raoul Coutard // MUSIK Michel Legrand, Wolfgang Amadeus Mozart u. a.; Chanson-Texte: Agnès Varda // SCHNITT Anne-Marie Cotret, Monique Teisseire // MIT Anouk Aimée (Lola/Cécile), Marc Michel (Roland Cassard), Jacques Harden (Michel), Alan Scott (Frankie), Elina Labourdette (Madame Desnoyers), Annie Dupéroux (Cécile Desnoyers), Margo Lion (Jeanne, Michels Mutter), Catherine Lutz (Claire).


33 Filmpodium für Kinder

Einmal Mond und zurück

War die NASA vor 50 Jahren wirklich auf dem Mond? Und warum spricht Opa seither nicht mehr mit Papa?

EINMAL MOND UND ZURÜCK (Atrapa la bandera) / Spanien/USA 2015 94 Min / Farbe / Digital HD / D / ab 6 // REGIE Enrique Gato // DREHBUCH Jordi Gasull, Javier López Barreira, Neil Landau, Patxi Amezcua // MUSIK Diego Navarro // SCHNITT Alexander Adams // MIT DEN DEUTSCHEN STIMMEN VON Samira Jakobs (Amy Gonzalez), Christian Zeiger (Mike Goldwing), Maximillian Artajo (Marty Farr), Jürgen Kluckert (Frank Goldwing), Markus Pfeiffer (Scott Goldwing), Peter Flechtner (Richard Carson), Melanie Hinze (Samantha Goldwing).

Der Millionär Richard Carson behauptet, die Mondlandung habe nie statt­ gefunden. Er will nun «als Erster» hinfliegen und den Mond in Besitz nehmen. Auf diese Ankündigung hin räumt die NASA ihr ehemaliges Mondfahrtprogramm wieder aus der Mottenkiste. Mike stammt aus einer echten Astronauten-Familie. Wie schon damals sein Opa soll jetzt sein Vater beim Wettrennen auf den Mond dabei sein. Doch auch wie schon damals kommt etwas dazwischen. Papa bricht sich das Bein und muss die Mission absagen. Wer «rettet» jetzt den Mond? (pm) KINDERFILM-WORKSHOP Im Anschluss an die Vorstellungen vom 13.4. und 11.5. bietet die Filmwissenschaftlerin Julia Breddermann (fifoco.ch) e ­ inen Film-Workshop an (ca. 45 Min., gratis, keine Voranmeldung nötig). Die Kinder erleben eine Entdeckungsreise durch die Welt der Filmsprache und werden an einzelne Szenen und Themen des Films herangeführt.


34 IOIC-SOIREEN

KRIEG UND FRIEDEN IM STUMMFILM Das Institute of Incoherent Cinematography IOIC präsentiert in der Saison 2018/19 eine Reihe zu Krieg und Frieden. Donnerstag, 4. April, 20.15 Uhr:

Donnerstag, 25. April, 20.15 Uhr:

THE BIG PARADE / USA 1925

J’ACCUSE / FRANKREICH 1919

The Big Parade feierte am 19. November

Die Premiere des fulminanten Anti-Kriegs-

1925 Premiere. Die Geschichte eines eher

Epos J’accuse fand lediglich fünf Monate

dem Müssiggang als dem Patriotismus zu-

nach dem Waffenstillstand statt, der den

geneigten jungen Amerikaners, der dann

Ersten Weltkrieg beendete, den Krieg also,

doch als Soldat nach Frankreich in den Ers-

der als «the war to end all wars» bezeichnet

ten Weltkrieg zieht, war einer der ganz

wurde. Mit seinem ersten grossen Film hatte

grossen Erfolge der 1920er-Jahre. Und er

Abel Gance nichts weniger im Sinne, als

war wegweisend für alle folgenden Filme,

diese Aussage zur Realität zu machen. Um

da er den Krieg ohne Beschönigung und

die Grauen des Krieges zu schildern, verbin-

Idealisierung aus der Sicht eines einfachen

det er meisterhaft Aufnahmen von wirkli-

Soldaten ins Bild rückt.

chen Soldaten auf den Schlachtfeldern mit

Vertont wird King Vidors erster grosser

einer Dreiecksgeschichte zwischen Edith,

Erfolg von der Stimmkünstlerin Saadet Tür-

François und Jean. Mit seiner expressionis-

köz, dem Cellisten Martin Schütz und dem

tischen

Schlagzeuger Lionel Friedli. Energiegela-

Schnitt­technik weist der Film nicht nur auf

dene freie Improvisation trifft hier auf scho-

seinen späteren Jahrhundertfilm Napoleon

nungslosen Realismus.

(1927) voraus, sondern beeinflusste auch die

Vertonung: Türköz-Schütz-Friedli Saadet Türköz (Stimme), Martin Schütz (Cello) & Lionel Friedli (Schlagzeug)

Kameraarbeit

und

innovativen

Filmkunst von Hollywood bis Moskau. Vertont wird dieser Meilenstein des pazifistischen Films von der Sängerin Iokoi, dem Saxophonisten und Gitarristen Steve Buchanan und dem Live-Elektroniker und Pianisten Dadaglobal. Es ist – wortwörtlich – auch musikalisch mit Pathos zu rechnen. Vertonung: Iokoi, Steve Buchanan & Dadaglobal Mara Miccichè (Stimme, Elektronik), Steve Buchanan (Alt­saxophon, E-Gitarre) & David Daniel (Elektronik, Piano) 165 Min / tinted / DCP / Stummfilm, f Zw’titel // REGIE Abel Gance, Blaise Cendrars (Regieassistenz) // DREHBUCH Abel Gance // KAMERA Léonce-Henri Burel, Maurice Forster, Marc

151 Min / sw / DCP / Stummfilm, e Zw’titel // REGIE King Vidor // DREHBUCH Harry Behn, Laurence Stallings // KAMERA John Arnold // SCHNITT Hugh Wynn // MIT John Gilbert (James Apperson), Renée Adorée (Mélisande), Tom O’Brien (Bull O’Hara), Karl Dane (Slim).

Bujard // SCHNITT Abel Gance, Andrée Danis // MIT R ­ omuald Joubé (Jean Diaz), Séverin-Mars (François Laurin), Maryse Dauvray (Edith Laurin), Maxime Desjardins (Ediths Vater), Angèle Guys (Angèle), Mme Mancini (Jean Diaz’ Mutter).


35 ALFRED R. – EIN LEBEN UND EIN FILM

FR, 26. APRIL | 18.15 UHR

In Alfred R. – Ein Leben und ein Film hat

und gesellschaftlich suspekten Dimension

Georg Radanowicz (* 21.4.1939) sich mit

gezeigt zu haben.» (Martin Schaub)

­einem Selbstmord in seinem Bekanntenkreis auseinandergesetzt. Die Tonspur, gestaltet von Jazz-Avantgardist Steve Lacy mit Irène Aebi, Anton Bruhin und Steve Potts, erzeugt eine beklemmende Atmosphäre. «Der Filmemacher Xavier Koller spielt in

✶ anschl. Gespräch mit Georg Radanowicz und Fredi M. Murer. Moderation: Marcy Goldberg ALFRED R. – EIN LEBEN UND EIN FILM / Schweiz 1972 99 Min / sw / Digital HD / D // REGIE Georg Radanowicz // DREHBUCH Georg Radanowicz, Urs Lüthi, Giovanni Blumer,

Radanowicz’ erstem Spielfilm diesen A ­ lfred,

Heinz Hänni // KAMERA Werner Zuber, Otmar Schmid, ­Georg

der Bilanz zieht und nur eine – vom Film­-­

Radanowicz // MUSIK Steve Lacy, Irène Aebi, Anton Bruhin,

autor übrigens sehr skeptisch betrachtete –

Steve Potts // SCHNITT Georg Radanowicz, Heinz Berner // MIT Xavier Koller (Alfred R.).

Selbstverwirklichung sieht: den F ­ reitod. Dem Film von Radanowicz kommt – ausser einem ­ästhetischen: ausserordentliche, ‹konzeptionelle› Fotografie, eine ganz erstaunlich reiche Tonspur – das Verdienst zu, Selbstverwirklichung auch in ihrer lebensfeindlichen

MAX FRISCH: BLAUBART

MI, 3. APRIL | 18.15 UHR

Im Jahr 1980 beschäftigte ein Mordprozess

Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem

die Zürcher Öffentlichkeit. Max Frisch ver-

Max Frisch-Archiv an der ETH-Bibliothek,

folgte die Verhandlung aufmerksam und

im Rahmen der aktuellen Ausstellung «Max

formte daraus seinen «Blaubart».

Frisch und das Recht», die noch bis zum 12. April zu sehen ist.

Ein Goldschmied aus Winterthur wurde beschuldigt, seine Frau erdrosselt zu haben. Obwohl einige Indizien auf einen Mord hinwiesen, wurde der Angeklagte freigesprochen. Max Frisch verfolgte den Prozess von der Zuschauerbank aus und machte Noti-

✶ in Anwesenheit des Regisseurs BLAUBART / BRD/Schweiz 1984 92 Min / Farbe / Digital SD / D // REGIE Krzysztof Zanussi // DREHBUCH Krzysztof Zanussi, nach der gleichnamigen ­Erzählung von Max Frisch // KAMERA Slawomir Idziak // ­MUSIK Wojciech Kilar // SCHNITT Liesgret Schmitt-Klink //

zen zur Problematik der Wahrheitsfindung.

MIT Vadim Glowna (Dr. Felix Schaad), Karin Baal (Lilian),

Daraus entstand die Erzählung «Blau-

Vera Tschechowa (Gisela), Ingrid Resch (Corinne), Elisa-

bart», die 1982 als Buch erschien und 1984 vom polnischen Regisseur Krzysztof Zanussi verfilmt wurde, als Fernsehproduktion von SRF und WDR.

beth T ­ rissenaar (Andrea), Maja Komorowska (Katarzyna), Margarethe von Trotta (Jutta), Barbara Lass (Rosalinde).


36 SÉLECTION LUMIÈRE

DAS ERBE ODER: FUCKOFFJUNGSGUTNTAG Kurz nach dem Mauerfall schrieb der Komi-

menen Häuschen. Eines Tages taucht ein

ker und Theatermann Bolek Polívka die

Anwalt aus der Stadt auf und eröffnet

derbe Satire Dedictví aneb Kurvahošigutntág,

Bohuš, dass sein Vater ihm eine Menge Geld

die den schnellen Wandel des Systems vom

und diverse Liegenschaften vererbt habe.

bürokratischen Sozialismus zum kapitalis-

Bohuš steigt sein neuer Wohlstand schnell

tischen Oligarchismus aufs Korn nimmt.

zu Kopf. (mb)

Věra Chytilová hat diesen handfesten Stoff weniger schräg und surrealistisch als ihre

✶ am Mittwoch, 24. April, 18.15 Uhr:

früheren Filme inszeniert. Das Ergebnis

Einführung von Tereza Fischer

wurde in Tschechien zum Grosserfolg. 1991, in einem tschechischen Dorf bei Brünn, wo sich Füchse und neuerdings

DAS ERBE ODER: FUCKOFFJUNGSGUTNTAG / Tschechoslowakei 1992 120 Min / Farbe / Digital HD / Tschechisch/e // REGIE Věra Chytilová // DREHBUCH Bolek Polívka, Věra Chytilová //

deutsche Reiter guten Tag sagen. Der

­KAMERA Ervin Sanders // MUSIK Jiří Bulis // SCHNITT Jan

Nichtsnutz und Säufer Bohuš lebt mit sei-

(Dr. Ulrich), Anna Pantučková (Teta), Jozef Kroner (Koštál),

ner greisen Tante in einem heruntergekom-

Mattlach // MIT Bolek Polívka (Bohuš), Miroslav Donutil Dagmar Havlová (Vlastá), Šárka Vojtková (Irena).


37 IMPRESSUM

DAS FILMPODIUM IST EIN ANGEBOT DES PRÄSIDIALDEPARTEMENTS

in Zusammenarbeit mit der Cinémathèque suisse, Lausanne/Zürich LEITUNG Corinne Siegrist-Oboussier (cs), STV. LEITUNG Michel Bodmer (mb) WISSENSCHAFTLICHE MITARBEIT Tanja Hanhart (th), Primo Mazzoni (pm), Laura Walde SEKRETARIAT Claudia Brändle BÜRO Postfach, 8022 Zürich, Telefon 044 412 31 28, Fax 044 412 31 25 WWW.FILMPODIUM.CH // E-MAIL info@filmpodium.ch // KINO Nüschelerstr. 11, 8001 Zürich, Tel. 044 211 66 66 UNSER DANK FÜR DAS ZUSTANDEKOMMEN DIESES PROGRAMMS GILT: American Zoetrope, San Francisco; British Film Institute, London; Bundesarchiv-Filmarchiv, Berlin; Deutsches Filminstitut – DIF, Wiesbaden; Stiftung Deutsche Kinemathek, Berlin; The Festival Agency, Paris; Filmcoopi, Zürich; Les Films de Mon Oncle, Paris; Frenetic Films, Zürich; Gaumont, Neuilly sur Seine; Kinemathek Le Bon Film, Basel; Lobster Films, Paris; Motion Picture Licensing Corporation (MPLC), Zürich; Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, Wiesbaden; Park Circus, Glasgow; Praesens Film, Zürich; Georg Radanowicz, Zürich; Rosa von Praunheim Filmproduktion, Berlin; Space Films, Prag; Spiegel Media, Zürich; SRF Schweizer Radio und Fernsehen, Zürich; Studiocanal, Berlin; trigon-film, Ennetbaden; Universal Pictures International, Zürich; Warner Bros. Entertainment Switzerland GmbH, Zürich; Warner Bros. International, London. DATABASE PUBLISHING BitBee Solutions GmbH, Zürich // KONZEPTIONELLE BERATUNG Esther Schmid, Zürich GESTALTUNG TBS, Zürich // KORREKTORAT Nina Haueter, Daliah Kohn // DRUCK Ropress, Zürich // AUFLAGE 6000 ABONNEMENTE Filmpodium-Generalabonnement : CHF 400.– (freier Eintritt zu allen Vorstellungen; inkl. Abo Programmheft) // Filmpodium-Halbtaxabonnement: CHF 80.– / U25: CHF 40.– (halber Eintrittspreis bei allen Vorstellungen; inkl. Abo Programmheft) // Jahrhundert-Abo: CHF 50.– (für alle in Ausbildung; freier Eintritt zu den Filmen der Reihe «Das erste Jahrhundert des Films» // Programm-Pass: CHF 60.– (freier Eintritt zu allen Vorstellungen einer Programmperiode) // Abonnement Programmheft: CHF 20.– // Anmeldung an der Kinokasse, über www.filmpodium.ch oder Tel. 044 412 31 28

VORSCHAU François Truffaut

Youssef Chahine

François Truffaut (1932–1984), als Junge

Während Jahrzehnten war Youssef Chahine

mehr im Kino als in der Schule, wurde Film-

(1926–2008) die zentrale Figur im Kino Ägyp-

kritiker bei den Cahiers du cinéma und Mit-

tens. Mit seinen sozialkritischen Filmen, die

begründer der Nouvelle Vague. Anders als

sich bald am Neorealismus, bald an populä-

Mitstreiter wie Alain Resnais oder Jean-Luc

ren Formen wie dem Melodram und dem

Godard schuf Truffaut Filme, die geliebt

Musical orientierten, hielt er der ägypti-

werden wollten. Neben seiner quasiauto­ ­

schen Gesellschaft den Spiegel vor. Nach

biografischen Antoine-Doinel-Saga mit Jean-

seiner Schulzeit in Alexandria studierte er in

Pierre Léaud drehte er Krimis (Tirez sur le

den USA Schauspiel und Regie und kehrte

­pianiste, 1960; La mariée était en noir, 1969),

1948 nach Ägypten zurück. 1954 machte er in

Romanzen (Jules et Jim, 1962; La femme d’à

Cannes mit Siraa Fi al-Wadi (The Blazing Sun)

côté, 1981) und sogar einen Science-Fiction-

Omar Sharif bekannt, 1958 lief sein Meister-

Film (Fahrenheit 451, 1966), mit linkischen

werk Bab el hadid (Cairo Station) an der

Antihelden und schönen Heldinnen, ver­

­Berlinale. Als Höhepunkt seines Schaffens

körpert von Jeanne Moreau, Julie Christie,

gilt vielen die autobiografische Alexandria-

­Catherine Deneuve und Jacqueline Bisset.

Trilogie.


AB 9. M AI IM KINO

T E O N A S T R U GA R M I T E VS K A

«Ein Filmkomet aus Mazedonien!» J : M AG

Profile for Tanja Hanhart

Filmpodium Programmheft April/Mai 2019  

Francis Ford Coppola / Joe May / Rosa von Praunheim / Das erste Jahrhundert des Films: 1949 / Filmpodium für Kinder: Einmal Mond und zurüc...

Filmpodium Programmheft April/Mai 2019  

Francis Ford Coppola / Joe May / Rosa von Praunheim / Das erste Jahrhundert des Films: 1949 / Filmpodium für Kinder: Einmal Mond und zurüc...

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