ff Wohnen 47-2019

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ff-extra vom 21.11.2019 – ff Nr. 47

Beilage zu ff 47/2019 I Vers. in Post. - 45% I Art. 1 Abs. 1 I Ges. 353/2003 (abg. Ges. 27.02.2004 Nr. 46) CNS Bozen I Poste Italiane SpA I Taxe percue / Tassa pagata

WOHNEN

LEBEN MIT KUNST

Zwischen Passion und Therapie: Warum uns Kunst so guttut JÄGER UND SAMMLER

Der Kunstsammler Antonio Dalle Nogare öffnet sein privates Reich

FREIGEISTER

Wie zwei PR-Profis alte Mauern mit zeitgenössischer Kunst füllen

VERWUNSCHENE VILLA

Die Villa Freischütz in Obermais: So lebt es sich mit 10.000 Kunstgegenständen


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EDITORIAL

WO LICHT ZUHAUSE IST

Foto: Manuela Tessaro – Location: Goldenstern Townhouse

LIEBE LESERINNEN, LIEBE LESER, Was ist eigentlich Kunst? Diese Frage beschäftigt Philosophen, Ästheten und Kunstliebhaber seit jeher. Jeder hat seine eigenen Vorlieben, seine eigenen Vorstellungen. Jeder interpretiert für sich, was Kunst ist, was sie kann, was sie sein darf. Man kann sie kritisieren, man kann über sie diskutieren – richtig oder falsch, das gibt es in der Kunst nicht. Für viele ist sie bloße Geldanlage, für andere Ausdruck unerfüllter Träume. Antonio Dalle Nogare hatte einen solchen Traum. Tennisprofi wollte er werden. Am Ende hat es nicht gereicht. Das Loch, in das er fiel, füllte er mit Kunst. Das Betrachten von Werken, so erzählt er, löse bei ihm ein Gefühl der mentalen Freiheit aus. Eine Freiheit, die ihm ein ganzes Haus wert war. Ein Kunsthaus (Seite 26), nicht nur für sich, sondern für alle, die sich für seine Sammlung interessieren. Dabei kann Kunst noch viel mehr. Für den PR-Profi Christian Pizzinini hat sie eine therapeutische Wirkung. Seine Häuser in Galatina und Mailand hat der Gadertaler mit Objekten zeitgenössischer Kunst der 50er- und 60er-Jahre bestückt. Hat er mal einen schlechten Tag, so gesteht er im Interview auf Seite 16, so bringt ihn die Kunst auf positive Gedanken. Lassen Sie sich davon inspirieren! Ihre Verena Pliger

INHALT ANSITZ DOLOMYTOS

Wie die Familie Marginter das Erbe des Weinkünstlers Rainer Zierock fortführt.

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FREIGEISTER

Wie zwei PR-Profis alte Mauern mit zeitgenössischer Kunst füllen.

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JÄGER UND SAMMLER

VERWUNSCHENE VILLA

Die Villa Freischütz in Obermais: So lebte es sich mit 10.000 Kunstgegenständen.

IMPRESSUM „ff-extra Wohnen“, 21.11.2019, Beilage zu ff 47, Herausgeber: FF-Media GmbH, Eintragung Landesgericht Bozen 9/80 R.ST. vom 27.08.1980. Presserechtlich verantwortlich: Manuel Saxl; Konzeption & Redaktion: Verena Pliger; Grafik & Layout: Sabine Rainer; Werbung: Elisabeth Forer-Naumann, Roswitha Rauter; Titelseite: Helenio Barbetta. © ® FF-Media GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Zeitschrift darf mit grafischen, mechanischen, elektronischen oder mit digitalen Mitteln reproduziert werden. Jeglicher Missbrauch wird im Rahmen des Gesetzes verfolgt.

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Der Kunstsammler und Unternehmer Antonio Dalle Nogare öffnet sein privates Reich.

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≥ PANTA RHEI

Naturweine: Rainer Zierock versuchte, im Keller möglichst wenig Einfluss zu nehmen. Das Ergebnis: Selbst zehn Jahre nach der Abfüllung werden sie in Fachkreisen für ihre Langlebigkeit hochgelobt.

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≥ PANTA RHEI

RITTEN

PANTA

RHEI Rainer Zierock, ein Pionier für Naturweine, hat aus dem Ansitz Dolomytos ein künstlerisches Unikat geschaffen. Wie die Familie Marginter sein Erbe fortführt. Text: Verena Pliger | Fotos: Alexander Alber

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1. Die Winzerin: Die Eppanerin Bruni Marginter und der ehemalige Radprofi Claudio Camin leben seit sechs Jahren im Ansitz Dolomytos. Zuvor hat der Weinbaupionier Rainer Zierock zehn Jahre auf dem Hof aus dem 13. Jahrhundert gewirkt. 2. Die Terrassen: Den einstigen Kurienbesitz hat Rainer Zierock in ein einzigartiges Weingut verwandelt. Unter anderem mit drei überdimensionalen Terrassen. Er bezeichnete sie als Aussichtsturm für Fauna und Flora. Die oberste Terrasse war für die Götter gedacht, die mittlere für Geistliche und Gelehrte, die unterste für das Fußvolk. 3. Die Gastgeberin: Bruni Marginter ist Gastgeberin aus Leidenschaft. Am liebsten bekocht die passionierte Köchin Freunde und Gäste auf einer der drei übermächtigen Terrassen mit Blick auf die Blumauer Schlucht.

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≥ PANTA RHEI

„VIELE VON ZIEROCKS ARBEITEN KONNTEN WIR ZU BEGINN NICHT RICHTIG DEUTEN.“ BRUNHILDE MARGINTER

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anta rhei – alles fließt. Rainer Zierock war geradezu getrieben von dem Aphorismus des griechischen Naturphilosophen Heraklit. „Alles bewegt sich fort, und nichts bleibt.“ Das war Rainer Zierocks Antrieb. Danach hat er gelebt, danach hat er gewirkt. Der gebürtige Deutsche, der in der Nähe von Stuttgart aufwuchs, gilt in Fachkreisen als ein Pionier für Naturweine. Als ein Visionär, Kosmopolit, Philosoph, aber auch als Eigenbrötler. Rainer Zierock, so erzählt man, war ein Mann mit ständig neuen Ideen im Kopf. Ideen, mit denen er aneckte, die so genial wie ausgefallen waren. Genie und Wahnsinn, so beschreibt ihn sein Umfeld, waren bei ihm eng verbunden.

ZEHN JAHRE sind seit seinem frühen Tod – er wurde 61 Jahre alt – vergangen. Geblieben sind Erinnerungen an einen Kreativen, dessen Vermächtnis Rätsel aufgibt. Stück für Stück versucht Brunhilde Marginter, es zu entschlüsseln. Seit sechs Jahren sind sie und ihr Vater Norbert im Besitz des Ansitzes Dolomytos. Eines Hofes aus dem 13. Jahrhundert, auf dem Rainer Zierock zehn Jahre lang gewirkt hat. Im Auftrag der damaligen Besitzer, des Ehepaars Paul von Hepperger und Margit Hubmann, hat er Großes geschaffen. Der griechischen Mythologie folgend, die der Agrarphilosoph studiert hat, hat er ein Unikat kreiert. Im Weinberg genauso wie im alten Bauernhaus und dem angrenzenden Stall und Stadel. Den einstigen Kurienbesitz hat

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Heimelig: In der 120 Jahre alten Stube offenbart sich die wahre Kraft des historischen Bauernhauses. Die Holztäfelung wurde von einem Restaurator abmontiert und renoviert. Dabei wurden auch alte Fresken freigelegt.

Wertvoll: Nach dem Tod von Zierock stand der Hof drei Jahre leer. Entsprechend, so erzählen die heutigen Besitzer, musste erst mal aufgeräumt werden. Dabei fanden sie Schmuckstücke wie den Heiligen Geist oder das kleine Ölbild.

Original: Die Decke ist – ganz typisch für eine Rittner Stube – gemauert und nicht mit Holz vertäfelt. Bruni Marginter lädt in der gemütlichen Stube zu Weinverkostungen oder verwöhnt ihre Gäste mit hausgemachten Schlutzkrapfen.

Gu ne 8 No. 47 / 2019

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≥ PANTA RHEI

Der Urfisch: Der Quastenflosser lebte in tiefen Gewässern. Fossilien in der Bletterbachschlucht zeugen davon. Rainer Zierock hat ihn nicht nur auf den Etiketten seines Weines angebracht, sondern auch als riesige Malerei auf der Hausmauer.

er in ein einzigartiges Weingut verwandelt. Mit bunt bemalten Wänden, überdimensionalen Freiluftterrassen, opulenten Einbauten und Weinen, die so eigenartig wie wundervoll sind. DER ANSITZ DOLOMYTOS liegt knapp oberhalb von Blumau. Die einzige Verbindungsstraße führt über das 400 Meter höher gelegene Dorf Unterinn am Ritten. Von dort führt eine schmale Straße runter zum Hof, der einst den Namen „Curia im Sacke“

trug. Wein wurde hier schon immer angebaut. Die Kurie soll von hier den Messwein bezogen haben. Rainer Zierock, der als Dozent und Professor an der Weinbauschule in San Michele wirkte, hat das Potenzial der Lage früh erkannt. Nach der Trennung von seiner Frau – der Winzerin und Mutter seiner drei Kinder Elisabetta Foradori – erfüllte er sich hier am Ritten den Traum, einen Wein nach seinen Ideen zu produzieren. Er baute über hundert verschiedene Rebsorten, darunter viele seltene ≥

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DIE BAUHERRIN IM GESPRÄCH ff: Ihr Vater Norbert hat Sie vor sechs Jahren auf den Hof aufmerksam gemacht. Ihr erster Eindruck? Bruni Marginter: Seit dem Tod von Rainer Zierock stand der Hof drei Jahre leer. In diesen Jahren ist nichts passiert, und man kann sich vorstellen, wie die Natur gewütet hat. Die beiden Gebäude waren total verwachsen. Überall ragten Feigenbäume und Efeu empor, auf den Terrassen haben Pfaue eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Je öfter wir aber für einen Lokalaugenschein vor Ort waren, umso größer wurde die Liebe zu diesem magischen Ort. Was macht den Hof so magisch? Einerseits natürlich die Lage, inmitten der Weinberge und der hohen Zypressen. Dazu kommen die unglaublichen Dimensionen. Allein die drei großen Terrassen sind einzigartig, aber auch die großflächigen Malereien, die Rainer Zierock an verschiedensten Mauern, Türen und Böden hinterlassen hat.

Wissen Sie, was Rainer Zierock mit den Malereien ausdrücken wollte? Zierock hat sein Wissen ja kaum dokumentiert. Damit konnten wir viele Arbeiten zu Beginn nicht richtig deuten. Wir haben sie schlichtweg nicht verstanden. Erst im Laufe der Jahre, vor allem dank der Erzählungen von Weggefährten, konnten wir einige Schriften und Zeichnungen entschlüsseln. Vieles wird aber wohl ewig ein Geheimnis bleiben. Vielleicht war das auch sein Ziel. Kannten Sie Rainer Zierock persönlich? Leider nein. Er hatte aber einen sehr großen Bekanntenkreis. Und jeder, der das Vergnügen hatte, ihn kennenzulernen, weiß eine Anekdote zu erzählen. Wie lange hat es gedauert, den Hof instand zu setzen? Im ersten Jahr ging es nur darum, den Hof zu säubern. Damit wir hier leben und arbeiten konnten. Dann haben wir den Hof Schritt für Schritt renoviert. Unter anderem haben wir

die drei Terrassen instand gesetzt und von einem Restaurator die 120 Jahre alte Stube aufrichten lassen. Und Sie haben den Keller erneuert? Nicht den gesamten Keller, sondern nur den 70 Meter langen Tunnel, mit dem Zierock den vorderen Teil des Kellers mit der dahinterliegenden Eschenbachschlucht verbinden wollte. Da er den Tunnel aber nur mit Holzpfählen gestützt hatte, brach der Tunnel immer wieder ein und begrub seine wertvollen Weine unter sich. Wir versuchten, sie zu bergen, bis die Rettungsaktionen so gefährlich wurden, dass wir den Tunnel erneuerten. Eine kostspielige Maßnahme, oder? Ja, zumal wir diese Kosten nicht eingeplant hatten. Dazu war der Tunnelbau statisch eine große Herausforderung. Heute sind wir wahnsinnig glücklich, dass wir die Investition getätigt haben. Der Tunnel führt heute raus in eine faszinierende Schlucht mit Blick auf den Eschenbach-Wasserfall. Er wurde zum Herzstück des Hofes.

Strahlefrau: Bruni Marginter, 49, ist Mutter von zwei erwachsenen Kindern und lebt mit ihrem Lebensgefährten, dem Ex-Radprofi Claudio Camin, am Ansitz Dolomytos. Erworben hat sie den Hof gemeinsam mit ihrem Vater Norbert. Aus einem Guss. Auf der Terrasse vor dem Hauseingang thront ein zwei Meter langer Tisch mit einer drei Tonnen schweren Marmorplatte.

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≥ PANTA RHEI PR-INFO

Mediterran: Obwohl der Ansitz nur knapp oberhalb von Blumau liegt, führt die einzige Verbindungsstraße über Unterinn am Ritten. Umgeben sind das alte Bauernhaus (links) und der angrenzende Stall und Stadel von schmalen hohen Zypressen. pr-info

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ank seiner Vielseitigkeit und der Vielzahl unterschiedlicher technologischer Lösungen kann der Holzbau zahlreiche Anforderungen erfüllen. Dieser Rohstoff bedeutet, im Einklang mit der Natur zu bauen. Von Einfamilienhäusern bis zu Reihenhäusern, von Villen bis zu Industriehallen, von Turnhallen bis zu Kultstätten kann alles mit Holz realisiert werden. Es ist ein grundlegendes Element zum Schutz unserer natürlichen Umwelt, denn tatsächlich wirken Holzbauten wie Bäume,

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die das CO² aus der Atmosphäre entfernen. Aber mit Holz bauen, heißt nicht, für die Entwaldung verantwortlich zu sein. Die Bewirtschaftung der Waldflächen und das relative Fällen der Bäume sind durch strenge Vorschriften geregelt, die es ermöglichen, h e r vo r ra g e n d e Rohstoffe zu gewinnen, ohne die Umwelt zu schädigen. Infos: www.holzbau-suedtirol.it

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Nischen: Für seine Seminare ließ Rainer Zierock das Obergeschoss (oben) in einen riesigen Schlafsaal verwandeln. Die Seminarteilnehmer übernachteten auf Matratzen in kleinen Nischen. Heute dient das weitläufige Dachgeschoss als Ruheraum.

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Visionen: Der griechischen Mytholgie folgend hat Rainer Zierock aus dem Ansitz Dolomytos ein Unikat kreiert. Im Weinberg genauso wie im Inneren. In Seminaren gab er sein Wissen weiter. Unten wurde gelehrt, oben geschlafen.

Künste: Für seine Seminare ließ Zierock das heutige Wohnzimmer aufwendig und auch kostspielig einrichten. Unter anderem mit opulenten Einbauten und einem IntarsienParkett. Seine Malereien auf dem Ofen und den Türen wurden bewusst belassen.

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Zwischen Genie und Wahnsinn: Rainer Zierock war getrieben von dem Aphorismus des griechischen Naturphilosophen Heraklit. Er war sein Antrieb, nach ihm hat er gelebt und gewirkt.

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Untertunnelung: Das Herzstück des Hofes. Was Rainer Zierock im Keller begonnen hat, führte die Familie Marginter zu Ende. Heute lagern im 70 Meter langen Tunnel die eigenen Weine.

Unikate: Im vorderen Teil des Kellers lagern die historischen Weine von Rainer Zierock. Selbst zehn Jahre nach der Abfüllung werden sie in Fachkreisen für ihre Langlebigkeit gelobt.

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„VIELES HIER WIRD EWIG EIN GEHEIMNIS BLEIBEN“ BRUNHILDE MARGINTER

griechische Sorten, an und gab sein Wissen in Seminaren weiter. Dafür erweiterte er im Zuge eines EU-Projekts den Hof aufwendig und auch kostspielig. Unten wurde gelehrt, oben geschlafen. Dafür hat er das Obergeschoss des Bauernhauses in einen riesigen Schlafsaal verwandelt. Übernachtet wurde auf Matratzen, in kleinen Nischen. Im ehemaligen Stall wurden Heubäder angeboten, in die Mitte des Raumes wurde eine mit Mosaik ausgekleidete überdimensionale Badewanne eingebaut. Am Wannenboden mit dem Auge von Zeus, dem Göttervater der olympischen Götter. RAINER ZIEROCK, so erzählt man, war sein eigener Architekt. Jede Konstruktion am und im Haus folgte dem Prinzip der fünf Elemente. Und auch seine Weine produzierte er nach dem Pentagrammprinzip. Daraus hat er sogar ein eigenes Verkostungssystem entwickelt. Norbert Marginter, ehemals Mitinhaber der Sektkellerei Haderburg in Salurn und 40 Jahre Vertreter der Ersten + Neuen Kellerei Kaltern, war von Zierocks Fähigkeiten seit jeher fasziniert. Gemeinsam mit seiner Tochter versucht er, sein Lebenswerk zu erhalten. Ein Stück weit auch weiterzuführen. Vor allem im Weinberg. „Zierock war ein Gegner der perfekten Weine, wie wir sie heute kennen. Jeder Jahrgang ist anders, entsprechend darf ein Wein jedes Jahr anders schmecken“, erklärt Bruni Marginter. Genauso wie Zierock versucht die Familie Marginter, im Keller möglichst wenig Einfluss zu nehmen. Weine, so sind sie überzeugt, hätten die Fähigkeit, sich selbst zu regulieren. Zierocks Weißweine beweisen es. Selbst zehn Jahre nach der Abfüllung werden sie in Fachkreisen für ihre Langlebigkeit hochgelobt. „Orange-Weine und naturnahe Weine sind mittlerweile en vogue. Zu Zierocks Zeiten wurden sie noch nicht ernst genommen. Genauso wenig sein Appell, wonach sich in der Weinwelt etwas ändern, dem Boden mehr Beachtung geschenkt werden muss“, so Bruni Marginter, die gemeinsam mit ihrem Vater 2013 den ersten Jahrgang abgefüllt hat. Bis zu 12.000 Flaschen im Jahr sollen es künftig sein. Genauso wie bei Zierock sind es immer Cuvées aus verschiedenen Rebsorten, also sehr vielschichtige und tiefgründige Weißweine. „In unseren Weinbergen gedeihen so viele unterschiedliche Rebsorten, damit wird jeder Jahrgang zum Abenteuer“, meint die Winzerin. n

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≥ DIE FREIGEISTER

Leben mit Kunst: Antonio Scolari und Christian Pizzinini in ihrem Sommerdomizil, dem Palazzo dell’Elefante della Torre in Apulien. Die Stahl-Skulptur des Südtiroler Bildhauers Eduard Habicher zieht sich als rotes Band durch die Eingangshalle im ersten Obergeschoss.

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≥ DIE FREIGEISTER

GALATINA & MAILAND

DIE FREIGEISTER Der Gadertaler Christian Pizzinini lebt zwischen Apulien und Mailand. Wie er zusammen mit Antonio Scolari alte Mauern mit zeitgenössischer Kunst füllt.

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Foto: Helenio Barbetta

Text: Verena Pliger


Foto: Daniele Notaro

1 1. Hell: Durch das Wohnzimmer des Palazzos zieht sich ein Bardiglio-Marmorboden. Darauf haben seltene Kunstobjekte Platz genommen: Stühle von Medea, ein VintageSofa aus einem Florentiner Palast oder ein Sideboard von Gio Ponti.

3. Farbig: Auch in ihrer Wohnung in Mailand gibt Design den Ton an. Links eine Zementskultpur der Südtiroler Künstlerin Ursula Huber, an der Wand ein Messingwerk von Roberto Visani, vorne ein 60er-JahreSessel von Mario Bellini.

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Foto: Max Zambelli

Foto: Openhouse Magazine

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2. Rar: Der Palazzo ist mit Objekten zeitgenössischer Kunst der 50er- und 60er-Jahre bestückt und zieht Designinteressierte aus der ganzen Welt an. Ein ganz besonderes Stück: Diese seltene Leuchte von Stilnovo aus den 50er-Jahren.

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≥ DIE FREIGEISTER

„KUNST HAT EINE THERAPEUTISCHE WIRKUNG“ CHRISTIAN PIZZININI

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it dem Gadertal fühlt er sich auf ewig verbunden. Hier hat Christian Pizzinini 33 Jahre seines Lebens verbracht. Hier ist der Mann mit den stechend blauen Augen groß geworden. Hier hat er in 18 Jahren das Pressebüro von Alta Badia aufgebaut und geführt. Dann, mit 33, so erzählt er, ist er auf den letzten Zug aufgesprungen. Er zog zu seinem Partner Antonio Scolari nach Brescia. Dort gründeten sie die PR-Agentur Pizzinini Scolari ComunicAzione und kauften ihr erstes Haus. Heute spricht Christian Pizzinini von Mut. Von Mut, sich abzunabeln, das Tal zu verlassen, Neues zu wagen.

DAS PAAR hat eine Leidenschaft für alte Häuser. Sie kaufen sie, renovieren sie, wohnen darin und verkaufen sie wieder. In den zwölf Jahren, als sie in Brescia gelebt haben, wechselten sie vier Mal ihre Häuser. Das letzte Haus haben sie innerhalb von 24 Stunden gegen ihre aktuelle Wohnung in Mailand eingetauscht. Sechs Monate im Jahr leben sie dort. Die restliche

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PIZZININI UND SCOLARI bezeichnen sich als Freigeister. Viel wurde über die beiden Nomaden die vergangenen Jahre geschrieben. Die amerikanische und südkoreanische Ausgabe der

Elle Decor hat es genauso getan wie die brasilianische Ausgabe der Vogue Casa, das französische Magazin Ideat oder die deutsche Zeitschrift Architektur und Wohnen. Christian Pizzinini und Antonio Scolari sind Meister der Inszenierung. Beruflich wie privat. Die Inhaber der Presseagentur bringen nicht nur ihre Kunden – vor allem Tourismusdestinationen und Hotels – in die Presse, sondern auch sich selbst. Oder besser gesagt: ihre Häuser.

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Foto: Helenio Barbetta

Die Nomaden: Christian Pizzinini und Antonio Scolari haben nicht nur eine Leidenschaft für Design und Kunst. Ihre Passion: alte Häuser. „Wir kaufen sie, renovieren sie, wohnen darin und verkaufen sie wieder“, erzählt Pizzinini.

Zeit verbringen sie in Süditalien. Im Palazzo dell’Elefante della Torre. Einem historischen Palazzo inmitten des barocken Städtchens Galatina in Apulien. Vor sieben Jahren haben die beiden das historische Anwesen gekauft. Ein halbes Jahr lang haben sie das sandsteinfarbene Gebäude mit den alten Arkaden sowie Fliesen- und Marmorböden aus dem 17. Jahrhundert behutsam renoviert. Doch es ist nicht die Renovierung allein, die für die gute Presse sorgt. Es ist die Kunst, die den Unterschied ausmacht. Jeder Raum ist bestückt mit Objekten zeitgenössischer Kunst der 50er- und 60er-Jahre. Es ist eine Kombination aus Mid Century und Zeitgenössischem. Woher die Passion für die Kunst kommt und was sie mit ihnen macht – ein Gespräch mit Christian Pizzinini. ff: Sie haben gerade in Mailand Quartier bezogen. Haben Sie sich wieder gut eingelebt? Christian Pizzinini: Na ja, nach sechs Monaten Sonne sind wir nun wieder zurück im verregneten Mailand. Aber nach zwei, drei Tagen Akklimatisierung gewöhnt man sich auch daran wieder. Wir hatten wieder eine wunderschöne Zeit im Süden, jetzt gilt es, den Schalter umzudrehen. Warum leben Sie nicht das ganze Jahr im Süden? Dank der Technik können wir unseren Job zwar von überall aus erledigen, aber Mailand ist nun mal die Basis 20 No. 47 / 2019

unseres Erfolgs. Hier spielt sich alles ab, hier leben unsere fünf freien Mitarbeiter, hier befinden sich all die großen Medien, mit denen wir als PR-Agentur ständig in Kontakt sein müssen. Kurzum: Nur dank des Lebens und Arbeitens in dieser Stadt können wir unsere Kunst- und Architekturträume wahr machen. Woher kommt Ihre Passion für die Kunst? Das Thema Kunst hat in unserer Familie immer eine große Rolle gespielt. Gleich mehrere Onkel, Tanten oder Cousins waren künstlerisch tätig. Unter ihnen die Maler Lois Irsara und Aldo Canins. Und mein vor 15 Jahren verstorbener Vater hat Werke ladinischer Künstler gesammelt. Überhaupt hat er mich inspiriert. Er war ein Lebenskünstler, ein Freigeist, hat sich viel Zeit für sich selbst genommen. Er ist viel gewandert, hat Fossilien gesammelt und hat sich von seinem Brotberuf – er war Heizungsinstallateur – nicht allzu sehr einschränken lassen. Wann haben Sie Ihr erstes Kunstwerk erworben? Ich war vielleicht 20 Jahre alt. Es war ein großes Bild von Ignaz Stolz. Ich kaufte es mit meinem ersten verdienten Geld. Dann folgten eine Reihe von ladinischen Künstlern, unter anderem Lois Anvidalfarei. Es waren keine banalen Bilder oder Objekte, sondern immer Werke, die eine Geschichte erzählten.

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≥PR-INFO DIE FREIGEISTER

„FRUSTRATION KANN ICH MIR NICHT LEISTEN. WIR LEBEN NUR EIN EINZIGES MAL.“ CHRISTIAN PIZZININI

Andere kaufen sich mit 20 ihr erstes Auto. Schöne Autos haben mich noch nie interessiert. Noch heute fahre ich ein altes Auto. Kunst schenkt mir enorm viel Energie. Kunst hat eine therapeutische Wirkung. Bin ich mal schlecht gelaunt, bringt mich die Kunst auf positive Gedanken. Zudem fühlt man sich dank der Kunst überall zu Hause – in jedem noch so kleinen Loch. Anders als viele andere Sammler, haben Sie kein Problem, Ihre Kunst ganz offen zu zeigen, warum? Vielleicht da wir als Kunstsammler völlig unbedeutend sind. Uns ging es nie um das Investment, sondern immer nur um die Bellezza, die Schönheit in der Kunst. Wer sich aber für unsere Kunst interessiert, ist jederzeit willkommen. Wir teilen unsere Passion gerne mit anderen tollen Leuten.

Wird Kunst zur Sucht? Kann sein. Uns gefällt es, junge Talente zu fördern, gemeinsam mit ihnen zu wachsen. Bereits früh haben wir Werke von Raffaele Quida, Sophie Ko, Landon Metz oder Giuseppe Ciracì gesammelt. Mittlerweile haben sie sich einen Namen in der Kunstszene gemacht. Das ist unglaublich schön zu sehen. Unsere Häuser wurden die vergangenen Jahre international über vierzig Mal publiziert, und in jedem Artikel wurden auch immer unsere Künstler genannt. Damit können wir einen kleinen Beitrag für ihre Bekanntheit leisten. Es ist also immer ein Geben und Nehmen? Im Grunde, ja. Als ich Eduard Habichers rote Skulptur zum ersten Mal im Garten des Hotels Laurin in Bozen gesehen habe, war ich hin und weg. Ich wusste aber, dass ich mir seine pr-info

DOPPELT AUSGEZEICHNET

Das Südtiroler Unternehmen Provex wurde 2019 mit einer nationalen und einer internationalen Produktauszeichnung geehrt.

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rovex, führendes Unternehmen in der Herstellung von Duschkabinen und technischem Badzubehör, darf sich gleich zweimal freuen. Anlässlich der Fachmesse Cersaie in Bologna wurde das in Bruneck ansässige Unternehmen aus insgesamt knapp 600 Ausstellern für die innovative Duschkabinen-Serie Iunix mit dem „ADI Ceramics & Bathroom Design Award 2019“ ausgezeichnet. Besondere Merkmale der umfangreichen Serie Iunix sind das moderne und transparente Design, das Pendelscharnier in/out bis zu 360°, das innen flächenbündige und versenkte Scharnier für eine ideale Reinigung, und der Hebe-Senkmechanismus der Türelemente für eine sanfte Schließung. Die gesamte Serie besteht aus gehärtetem 8-mmESG-Sicherheitsglas (EN12150-11:2000) und durch die vollständig maßgeschneiderte Verarbeitung können Kundenwünsche schnell und individuell erfüllt werden.

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Die ausgezeichneten Provex-Produkte: Die Duschkabinen-Serie Iunix und der Duschklappensitz der Serie 500.

Eine zusätzliche und nicht weniger wichtige internationale Auszeichnung hat das Unternehmen mit dem „Iconic Awards 2019 – Innovative Architektur“ für den Duschklappsitz der Serie 500 in der Kategorie „Produkt“ erhalten. Eine internationale Jury aus Experten im Bereich Design und Journalismus hatte die Aufgabe, Produkte nach Kriterien wie Konzept, Innovation, Funktionalität, Design und Ergonomie auszuwählen. Der Sitz besitzt fortschrittliche Technologien und ein sehr treffendes Design, beides entwickelt in Zusammenar-

beit mit dem Designstudio Talocci + Pallocca aus Rom. Die bemerkenswerte Tragfähigkeit von 160 kg und die vom TÜV zertifizierten Bestimmungen machen den Sitz zu einem technischen Accessoire mit tollem Design. Der „Iconic Awards“ wurde Anfang Oktober im Rahmen einer großen Feier in der „Pinakothek der Moderne“ in München überreicht. Beide Auszeichnungen bestätigen die absoluten Designinnovationen „Made in Italy“ von Provex, welche auf mehr als 40 Jahren Erfahrung und modernster technologischer Forschung basiert.

Provex Industrie GmbH Industriezone Nord 10 39031 Bruneck www.provex.eu

No.47xx/ /2019 2018 No.

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≥ DIE FREIGEISTER

1. Willkommen: Wer das mächtige Holztor des Palazzos in Galatina öffnet, tritt ein in eine Welt der Künste. Den Eingangsbereich mit den alten Arkaden haben Pizzinini und Scolari für die Installation „Iride“ von Giovanni Lamorgese ganz in Schwarz streichen lassen.

1 Skulptur nie und nimmer leisten kann. Dann habe ich ihm geschrieben, er hat an unser Projekt geglaubt und ist uns mit dem Preis entgegengekommen. Sein Werk ist heute das Aushängeschild des Palazzo dell’Elefante della Torre. Habichers Name wurde in jeder der über 40 Publikationen genannt. Zugleich bin ich überzeugt, dass unser Haus auch aufgrund seines Objekts so oft publiziert wurde. Habicher ist mittlerweile ein guter Freund von uns. Ich finde es übrigens genial, Freunde zu haben, die etwas schaffen. Sie führen ein Nomadenleben. Ist das nicht auch anstrengend? Nein, als Last empfinden wir es nicht. Es erfordert aber sicher Mut und Flexibilität. Aber genau das spornt uns an. Sonst 22 No. 47 / 2019

Foto: Openhouse Magazine

Foto: Daniele Notaro

2. Luftig und leicht: Viele Sammlerstücke haben die Besitzer auf Auktionen, Flohmärkten oder in alten Hotels gefunden. Im Bild: Ein Vintage-Stuhl aus den 50er-Jahren, an der Wand ein Werk von Eduard Habicher.

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läuft man Gefahr, sesshaft zu werden, sich mit bestimmten Systemen zu arrangieren. Wir sind Kreative, brauchen das Neue, die Veränderung. Wir sehen ein Haus als einen Mattone. Es ist schön, in einem Haus leben zu dürfen. Es ist aber auch schön zu wissen, dass man es wieder abgeben, verkaufen kann. Wir sind der Überzeugung, dass man sich von einem Besitz nicht einschränken lassen darf. Das heißt, Sie haben bereits was Neues in Aussicht? Wir könnten uns durchaus vorstellen, noch einmal von null anzufangen – in einer ganz anderen Stadt, an einem anderen Ort. Es ist an der Zeit, Neues auszuprobieren, ein neues Kapitel zu öffnen. Ideen gibt es bereits, sie sind aber noch nicht wirklich spruchreif.

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≥ DIE FREIGEISTER

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Genussmenschen: Im Sommer ist der Palazzo dell’Elefante della Torre Lebensmittelpunkt von Christian Pizzinini (oben) und Antonio Scolari. Das Gebäude in Galatina stand 70 Jahre leer und wurde von den beiden PR-Profis behutsam renoviert.

Immer im Süden? Idealerweise. Wobei Galatina sicher einzigartig ist. Das historische Zentrum, in dem wir leben, ist ein einziges Kunstwerk. Alles hier ist unglaublich ursprünglich und überhaupt nicht touristisch. Hoffentlich bleibt das auch so. Als uns der Bürgermeister eine Anfrage gestellt hat, wie man die Stadt touristisch besser vermarkten könnte, haben wir abgelehnt. Die Stadt darf ihren rauen Charme nicht verlieren. Sobald die ersten Souvenierläden Einzug halten, ist Galatina verloren. Dann würden wir uns hier nicht mehr wohlfühlen. Ist Galatina dank Ihres Hauses internationaler geworden? Die vergangenen Jahre haben sich hier einige interessante Menschen niedergelassen. Unter anderen die italienische Sängerin Giorgia, die vorher bei uns auf Urlaub war. Und die Geschäftsführerin eines New Yorker Auktionshauses hat sich hier einen 2000 Quadratmeter großen Palazzo gekauft. Wohlgemerkt, ohne jemals in Galatina gewesen zu sein. Sie hat nur den Artikel über unser Haus in der US-Ausgabe von Elle Decor gelesen. Ja, und mittlerweile hat sie New York ganz verlassen und lebt mit ihrer Familie in Galatina. Wobei dieses Städtchen mit seinem rauen Charme sicher nicht für jeden gemacht ist. Schließlich lebt man inmitten von runtergekommenen Gebäuden. 24 No. 47 / 2019

Wie sehr hat Sie der Süden geprägt? Obwohl ich heute weit mehr Kunden betreue als zu meiner Zeit in Südtirol, bin ich entspannter, weniger gestresst. Seit ich im Süden lebe, nehme ich mir für bestimmte Dinge mehr Zeit. Ich erlaube mir, bestimmte Aufgaben nicht jetzt und sofort, sondern erst am nächsten Tag und dafür in Ruhe zu erledigen. Und vor allem suche ich erst dann die Lösung für ein Problem, wenn ein Problem effektiv eintritt, und nicht bereits präventiv zehn Tage vorher. Die Lockerheit des Südens kann unserer Südtiroler Präzision also recht guttun. Vor allem aber gönne ich mir mehr Lebensqualität. Wir haben nur ein einziges Leben, und Frustration kann ich mir nicht leisten. Haben Sie eigentlich noch einen Tipp, wie man sich eine Kunstsammlung aufbaut? Indem man Kunstmessen wie die Art Basel besucht, sich umsieht, auslotet, welche Künstler einem gefallen. Man darf sich auch ruhig trauen, den Künstler oder Galeristen nach dem Preis zu fragen. Denn Kunst muss nicht immer teuer sein. Auch Südtirol bringt im Moment eine Reihe von tollen jungen Künstlern hervor, die übrigens vom Südtiroler Künstlerbund n ganz toll vermarktet werden.

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JÄGER UND SAMMLER Antonio Dalle Nogare ist einer der bekanntesten Kunstsammler des Landes: 2012 hat er ein Kunsthaus geschaffen. Nun öffnet der Bauunternehmer sein privates Reich. Text: Verena Pliger | Fotos: Alexander Alber

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≥ JÄGER UND SAMMLER

Versteckt: Direkt oberhalb der Seilbahn, die nach Jenesien führt, hat sich der Bauunternehmer Antonio Dalle Nogare seinen Traum verwirklicht: ein Kunsthaus, das sich über fünf Stockwerke zieht, das sich wie eine Festung in den Hang hineinschmiegt.

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Der Koch: Künstler schwärmen von seinen „Spaghetti al Pomodoro al Piennolo“, von den langen Abenden am langen Esstisch. Antonio Dalle Nogare kocht auf einem Küchenblock aus Edelstahl. „Ich wollte einen Gegenentwurf zu all den schönen Küchen von Bulthaup oder Gaggenau schaffen und habe mich für eine Küche entschieden, wie man sie aus der Gastronomie kennt“, meint der Hobbykoch.

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ontag früh, 9 Uhr. Strahlend blauer Himmel. Antonio Dalle Nogare blickt aus dem Fenster. Sein Blick schweift über seine Weinreben. Es ist ein herbstliches Farbenspiel aus Rot, Gelb und Orange. Der Wein ist sein Hobby. Die Kunst seine Passion. Er zählt zu den bekanntesten und damit auch größten Kunstsammlern des Landes. Die Kunst gibt ihm Raum zu träumen. Hier blüht er auf. Hier ist er ganz er selbst. Dafür hat er sich vor sieben Jahren eine kleine Festung erschaffen. Ein Kunsthaus, das sich über vier Stockwerke zieht, das sich wie eine Höhle in den Hang hineinschmiegt. Geplant wurde es von den beiden Architekten Walter Angonese und Andrea Marastoni. Ersteren kennt er vom Tennis in seinen Jugendjahren, Letzteren bezeichnet er als guten Freund. Gemeinsam haben sie ein opulentes Gebäude erdacht. Es steht am Eingang des Sarntals, direkt oberhalb der Seilbahn, die nach Jenesien führt. Es zu beschreiben, ist kein Leichtes. Architekt Angonese versucht es wie folgt: „Das Gebäude hat einen kubischen Wohnteil mit horizontalen Fensterbändern. Dieser thront auf den drei Ausstellungsgeschossen, die höhlenartig in den Berghang gebaut wurden.“ Ganz oben also Dalle Nogares 300 Quadratmeter große Privatwohnung, darunter drei Ebenen für seinen Antrieb: die Kunst. Es ist ein Haus, das er nicht nur für sich und seine drei Kinder gebaut hat. Es ist ein Haus, das er teilt. Mit Menschen, die sich für seine Kunst interessieren. Für seine 28 No. 47 / 2019

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≥ JÄGER UND SAMMLER

Das Kunstwerk: Der 2014 verstorbene japanische Künstler On Kawara ist Dalle Nogares Lieblingskünstler. Dieses Bild in seiner Küche gehört zur Serie „Today Series“, die über 2000 einzelne Bilder umfasst. „On Kawara hat in weißer Acryl-Farbe das Datum des Tages gemalt, an dem das jeweilige Bild entstand. Das Datumsformat entspricht dem Land, in dem er das jeweilige Bild schuf. Dieses Bild etwa entstand in Schweden“, erklärt Kunstsammler Dalle Nogare.

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Kunsthalle: Dalle Nogares Sammlung umfasst zeitgenössische Konzeptkunst genauso wie Konzeptkunst aus der Zeit von 1950 bis Mitte der Achtzigerjahre. Inszeniert werden die Werke in einer weitläufigen Architekturlandschaft.

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Kunsttraum: Antonio Dalle Nogare wollte Tennisprofi werden. Die Kunstsammlung sieht er als Ersatz für seinen großen Traum. Seine Sammlung und auch die vor einem Jahr gegründete Stiftung werden von Vincenzo de Bellis kuratiert.

Kunsthaus: Geschickt verknüpften die Architekten Walter Angonese und Andrea Marastoni Weinberg, Kunst und Architektur. Der rosafarbene Porphyrstein, der beim Aushub zum Vorschein kam, wurde für die Fassade wiederverwendet.

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≥ JÄGER UND SAMMLER

„ICH BIN KEIN SPEKULANT UND AUCH KEIN ART-FLIPPER“ ANTONIO DALLE NOGARE

Collezione, eine Sammlung aus Installationen, Skulpturen, Videos und Fotografien. Allesamt Werke der Konzeptkunst. Vor allem aus der Zeit von 1950 bis Mitte der Achtzigerjahre. Aber auch von zeitgenössischen Konzeptkünstlern. Ein Teil steht und hängt in seinen Privaträumen, der Rest ist öffentlich zugänglich im ersten Obergeschoss zu sehen. DIE RESTLICHEN GESCHOSSE, sprich das Erdgeschoss und das zweite Obergeschoss, gehören der „Fondazione Antonio Dalle Nogare“. Eine Stiftung, die der Bauunternehmer vor einem Jahr gegründet hat. Zwei Mal im Jahr lädt er damit einzelne Künstler ein. Er schenkt ihnen Raum, um Werke zu produzieren und sie im Anschluss auszustellen. Im Moment zu Gast: der junge Berliner Künstler Peter Wächtler. Über 40 Tage hat er hier in Südtirol verbracht. Er war auf Schloss Rafenstein genauso wie am Kaserhof am Ritten. Er hat fotografiert, Aquarelle und Bronze-Statuen gefertigt und auch einen Film gedreht. Seit Mitte Oktober ist sein Schaffen zu sehen. Jeder ist willkommen. „Sowohl kunstliebende Touristen als auch auch immer mehr Einheimische finden den Weg rauf zu uns“, meint Elisa Barison. Zwei Mal die Woche führt sie Kunstinteressierte durch die Hallen. Auf Anfrage gibt sie auch Privatführungen. Wie an diesem Morgen einem jungen italienischen Paar. Ihr Chef, Antonio Dalle Nogare, hat es sich derweil in der mit Kunst- und Designbüchern bestückten Bibliothek gemütlich gemacht. Probleme mit der Justiz machten ihm zuletzt als Bauunternehmer zu schaffen. Jetzt trinkt er einen Espresso und erzählt aus seinem Leben mit der Kunst.

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ff: Es gibt ganz unterschiedliche Sammlertypen, was für ein Typ sind Sie?

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Antonio Dalle Nogare: Ein ganz untypischer Sammler. Ich bin kein Spekulant und auch kein Art-Flipper. Sehr viele Sammler kaufen Werke junger Künstler ja nur deshalb, um sie möglichst rasch mit Gewinn wieder loszuschlagen. So eine Intention habe ich nie verfolgt. Ich gehe weder mit Trends noch mit der Mode. Eine Kunstmesse besuche ich nicht, um möglichst viele Werke zu erwerben, sondern um neue Künstler kennenzulernen. Künstler, die zu meiner Kollektion passen und die ein Konzept verfolgen. Deshalb Ihre Passion für die Konzeptkunst? Mich interessiert an der Kunst nicht nur das Ästhetische, sondern was der Künstler mit seinem Werk aussagen möchte. Ich möchte seine Gedanken, seine Beweggründe verstehen. Das bringt mich ins Träumen, bringt mich zum Nachdenken. Sammeln Sie heute anders als noch zu Ihren Anfängen? Absolut. Mein erstes Werk habe ich 1985 erworben, es war ein Bild von Leo Putz. Überhaupt habe ich die ersten Jahre ausschließlich Werke von Südtiroler Künstlern gesammelt, unter anderem von Hans Weber-Tyrol, Albin Egger-Lienz, Franz Defregger und Karl Plattner. Dann habe ich mit dem Reisen begonnen, habe mir Museen und Ausstellungen in London, New York oder Paris angesehen. Aus diesen Reisen

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„ICH GEHE WEDER MIT TRENDS NOCH MIT DER MODE.“ ANTONIO DALLE NOGARE

hat es erste Berührungspunkte mit der Konzeptkunst gegeben. Wobei ich mit dieser Kunstrichtung lange Zeit meine Schwierigkeiten hatte. Das war nicht Kunst für mich. Wann haben Sie sich schließlich mit dem Konzeptuellen angefreundet? Das war in New York, in den frühen 2000er-Jahren. Ich habe das Museum Dia:Beacon besucht, rund eine Stunde von New York entfernt. Dort waren an die hundert Kunstwerke zu sehen, zum Teil waren es über 30 Meter hohe Installationen. Ausschließlich Konzeptkunst aus den 60er-Jahren. Das hat mich so fasziniert, und ich wusste: Genau so was – wenn auch kleiner – möchte ich in Bozen schaffen. Sie tragen die Idee also bereits seit 20 Jahren mit sich rum? Im Grunde ja. Ich wollte die Kunst nie verstecken, und sie sollte auch nie

mir allein gehören. Mir gefällt es, die Öffentlichkeit daran teilhaben zu lassen. Vielleicht weil es sich um Konzeptkunst handelt. Alles hier im Kunsthaus ist mächtig, wuchtig – Sie haben sich Ihre Passion ganz schön was kosten lassen. Hinter jedem Werk steckt ein Konzept, und dieses Konzept muss erklärt werden. Mit Videos, Skizzen, Fotografien. Das braucht Raum, deshalb auch die großzügigen Ausstellungsflächen. Hat es in Ihrem Leben als Sammler auch Fehlinvestitionen gegeben? Ja, natürlich. Vor allem als ich die ersten Kunstwerke zeitgenössischer Kunst erworben habe. Ich habe jene Werke gekauft, die alle kauften. Erst mit der Zeit habe ich ein Gespür entwickelt, welche Werke zu mir passen.

Auch Ihr Bruder Josef, der ja von Ihrem Vater das Geschäft mit dem Marmor übernommen hat, ist Kunstsammler. Gibt es Parallelen zwischen Ihren Sammlungen? Nein, wir haben zwei völlig unterschiedliche Sammlungen. Er sammelt vor allem Gemälde, hat mit dem Konzeptuellen also weniger zu tun. Häufig besuchen wir aber gemeinsam Kunstmessen und Ausstellungen. Erst Anfang November waren wir für drei Tage auf der Artissima in Turin. Wie kommt es, dass sich gleich beide Dalle-Nogare-Brüder der Kunst verschrieben haben? Bereits unser Vater hatte ein Auge für die Kunst. Auch wenn er kein Sammler war. In unserem Wohnzimmer hingen aber immer schon schöne Gemälde, unter anderem von Karl Plattner und Robert Rauschenberg, zwei Künstler, die ich nach wie vor sehr schätze.

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Privatreich: Hier in dieser 300 Quadratmeter großen Wohnung lebt Antonio Dalle Nogare mit seinen beiden Söhnen und einer Tochter im Alter von 21, 20 und 16 Jahren. Auch hier gibt Kunst den Ton an. An der Wand hinter dem langen Sofa hängt ein aus 20 kleinen Bildern bestehendes Werk von Giovanni Anselmo aus dem Jahre 1969. Hinten rechts eines der bekanntesten Werke der italienischen Künstlerin Carol Rama.

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DER BAUHERR Tennis war sein großer Traum. Antonio Dalle Nogare, 55, wollte Tennisprofi werden. „Aber wenn du mit 19 in den Achtzigerjahren nicht auf einem hohen Niveau bist, kommst du nicht mehr weiter. Ich habe einsehen müssen, dass ich nicht gut genug war“, meinte er vor einem Jahr in einem Interview mit dem Wochenmagazin ff. Nach zwei Jahren der Krise stieg er Mitte der Achtzigerjahre in das Unternehmen seines Vaters Angelo ein. Ein Betrieb, der sich in der Herstellung und dem Verkauf von Marmor einen Namen gemacht hat. So richtig glücklich wurde er dort aber nicht. „Ich musste etwas Eigenes finden. Also habe ich Mitte der 80er-Jahre den Immobiliensektor des Unternehmens entwickelt“, erzählt der heutige Bauunternehmer. Zeitgleich begann er sich für Kunst zu interessieren. Heute ist er einer der größten Kunstsammler Südtirols und lebt in einem Haus, in dem die Kunst den Ton angibt. Dalle Nogare – hier im Bild mit seinen beiden Mitarbeiterinnen Silvia Di Giorgio und Elisa Barison – spielt Schlagzeug, und seine Familie produziert mittlerweile mit der Kellerei Bozen auch einen eigenen Wein: Den Blauburgunder „Kreuzbichler“.

Sie wohnen im dritten Obergeschoss, direkt über den Ausstellungsflächen. Trennen Sie zwischen beruflichem und privatem Sammeln? Für mich macht es keinen großen Unterschied, ob die Werke bei mir privat oder in der Ausstellung zu sehen sind. Entsprechend hängen oder stellen wir die Bilder und Installationen auch immer wieder um. Je nachdem, wo sie zu welchem Zeitpunkt am besten passen. Ein Werk hängt mir in meiner Wohnung aber besonders am Herzen. Es ist ein Werk von Carol Rama. Sie ist eine der wenigen italienischen Künstler, die in den USA Karriere gemacht hat. 34 No. 47 / 2019

Was würden Sie jungen Menschen mit einem kleinen Budget raten: Wie beginnt man, Kunst zu sammeln? Reisen, reisen, reisen. Sich Museen ansehen, wie die Fondazione Prada in Mailand, das Lenbachhaus oder das Haus der Kunst in München oder auch Museen in Paris oder London. Mit Künstlern, die einen dort begeistern, sollte man sich eingehend befassen. Etwa indem man Bücher über sie liest. Nur so versteht man, was den Künstler angetrieben, motiviert hat. Und dann kontaktiert man einfach die Galerie, die den Künstler vertritt, und beginnt über seine oder ihre künstlerische Praxis zu sprechen – und natürlich auch über den

Preis. Wichtig aber bei jedem Kauf: Sich nicht von der bloßen Ästhetik täuschen lassen. Sprich, nicht nur nach dem eigenen ästhetischen Empfinden vorgehen. Ein Jahr nach der Gründung der Stiftung „Fondazione Dalle Nogare“, wie fällt Ihre erste Bilanz aus? Ich bin überglücklich. Es ist schön zu sehen, wie Künstler hier bei uns ihre Werke produzieren. Für mich hat es einen ganz anderen Wert, als ein bereits fertiges Werk zu kaufen. Das hat vielleicht auch mit meinem Beruf aus Bauunternehmer zu tun. Ein Haus von null auf zu bauen, hat auch einen anderen Reiz, als ein n fertiges Apartment zu kaufen.

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MERAN

VERWUNSCHENE VILLA Wie lebt es sich inmitten von 10.000 Kunstgegenständen? Ehrlich und echt zeigt die Villa Freischütz, wie der Kunstsammler Franz Fromm in Obermais gelebt hat. Text: Verena Pliger Fotos: Alexander Alber

1 1. Seltenes Juwel: Ein Überbleibsel vergangener Tage. Wildromantisch, inmitten eines verwunschenen Gartens, steht sie da: die Villa Freischütz in Meran-Obermais. 2. Letzte Erbin: Rosamaria Navarini ist die Enkelin des Kunstsammlers Franz Fromm. Kurz vor ihrem Tod im Jahre 2013 hat sie die Stiftung „Fondazione Navarini-Ugarte“ gegründet. Gemäß ihrem letzten Willen hat die Stiftung in der Villa Freischütz ein öffentlich zugängliches Museum geschaffen.

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1 1. Originalgetreu: Die Villa Freischütz zeigt, wie die Familie Fromm in Meran gelebt hat. Alles blieb erhalten. Vom Holzherd über das Porzellan bis hin zu den alten Backformen.

2 2. Authentisch: Zeitlose Nostalgie im 20er-Jahre-Look auch im Badezimmer. Die stilechten Armaturen mit den Aufschriften „calda“ und „fredda“ zeugen davon.

3 3.+4. Echt: Weiß und Hellblau, ein starkes Gespann für Nostalgie. Die voll funktionstüchtige Küche mit ihrer schönen Küchenkredenz stammt noch aus der Zeit um 1920.

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≥ VERWUNSCHENE VILLA

Messerscharf: Obwohl Rosamaria Navarinis Küche auf den ersten Blick ganz romantisch wirkt, an der Wand hängt eine Magnetleiste mit einem Satz Messer von damals. Originell: Die Einkaufsliste aus Emaille mit einer Übersicht, welche Lebensmittel im Haus fehlen.

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lles hier ist echt, nichts inszeniert. Es ist ein Museum, das anders ist. Es gibt keine Kordeln und auch keine Absperrungen. Alles darf angefasst, überall darf Platz genommen werden. Die Villa Freischütz ist ein Unikat. Ein Hausmuseum, mit Kunst gefüllt, von Menschen gelebt. Es erzählt die Geschichte

einer Familie, die in diesem Haus viel gelacht, aber auch Tränen vergossen hat. Jedes einzelne Erinnerungsstück, das in der Villa Freischütz zu sehen ist, gilt als Zeugnis einer bewegten Geschichte. Immer im Zentrum: Das Sammeln von Kunst. „Rosamaria Navarini, die Enkelin des Sammlers Franz Fromm, hat bis zu ihrem Tod 2013 hier gelebt. Sie war – das kann man

ganz offen sagen – eine Art Messie. Sie hat alles aufbewahrt. Ein großes Glück, sonst wäre wohl viel Wertvolles verloren gegangen“, erzählt Herta Waldner. MITREISSEND und voller Herzblut führt uns die Meraner Architektin durch die zwei Museumsgeschosse der vierstöckigen Villa. Sie war es, die gemeinsam

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1. Das Atelier: Das Reich von Luisa Navarini, der Tochter des Sammlers, die einen italienischen General geheiratet hat. Umgeben von asiatischen Tapeten, hat sie nicht nur mit Holz gearbeitet, sondern auch gemalt. All ihre Ölfarben und Pinsel liegen noch an der selben Stelle wie einst. Ihre Tochter Rosamaria hat nichts verändert. 2. Die Sammlung: Über 10.000 Kunstgegenstände hat Franz Fromm gesammelt. Darunter Gemälde, Miniaturen, Farbholzschnitte, Skulpturen, Bronzen, Heiligenstatuen, Medaillen, Münzen, Briefmarken, antiquarische Bücher, Silberbesteck, aber auch wunderschöne Seidenbrokate und Stoffe. Die schönsten und wertvollsten Stücke können seit Frühjahr in der Villa Freischütz besichtigt werden. Der Rest lagert in 1.400 Kartons, aufgeteilt auf zwei Magazine.

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≥ VERWUNSCHENE VILLA

Stöbern: In den Schubladen dieses Kabinettschranks können Besucher Einblick in das Leben der Familie Fromm nehmen. Gezeigt werden nette Details aus dem gutbürgerlichen Alltag, von Opernkarten bis hin zu Menükarten. Spritzige Ideen: Kuratiert wurde die Sammlung von Ariane Karbe. Ihr Ziel: Die Villa Freischütz soll kein langweiliges Museum werden. Hier sollen nicht die Kunstwerke, sondern die Menschen im Mittelpunkt stehen.

mit Karin Pircher und Antraut Torggler den Wunsch von Rosamaria Navarini umgesetzt hat. „Kurz vor ihrem Tod hat Navarini eine Stiftung gegründet. Sie wollte das Erbe ihres Großvaters öffentlich zugänglich machen und hat uns dafür in den Stiftungsrat berufen. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir noch keine Ahnung, worauf wir uns einlassen“, erzählt Waldner, heute Präsidentin der „Fondazione Navarini-Ugarte“.

ES WAR 2013, kurz vor Navarinis Tod, als die drei Stiftungsräte erstmals einen Blick in die einzelnen Stockwerke der Villa warfen. Sie waren erschüttert und überwältigt zugleich. „Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr raus. Wir standen in Räumen, die bis oben hin vollgestapelt waren mit Bildern, Skulpturen, Porzellan, Haushaltsutensilien, dazwischen überall Vogelstreu und riesige Käfige mit wild zwitschernden Vögeln“, erzählt

Waldner. Ihr bisheriges Leben sollte damit erst mal in den Hintergrund rücken. Ein Jahr lang verbrachten die drei Frauen quasi rund um die Uhr in der Villa. „So lange blieb uns Zeit, um für das Amt für Kabinettangelegenheiten alles Wertvolle zu fotografieren, bemaßen, katalogisieren und schätzen zu lassen“, erzählt Waldner. Trotz der Anstrengung, am Ende überwog das Schöne, die Aufregung: „All die Werke entdecken zu dürfen – das war

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„MITTLERWEILE KENNE ICH DIE FAMILIE FROMM BESSER ALS MEINE EIGENE“ HERTA WALDNER

Familienmensch: Der deutsche Sammler Franz Fromm zog nach dem Tod seiner Frau mit den vier Kindern von Barcelona nach Meran. Bevor er 1922 die Villa Freischütz kaufte, mietete er sich für zehn Jahre auf Schloss Rametz ein.

wie Ostern und Weihnachten zugleich“, erzählt Waldner. AM ENDE haben sie unglaubliche 10.000 Kunstgegenstände katalogisiert. Zeitgleich wurden notwendige Sanierungsarbeiten durchgeführt. Die Räume wurden mit Strom und Heizung versorgt, Tapeten wurden entfernt, darunterliegende Schablonenmalereien freigelegt und restauriert. Parallel dazu begannen die drei Stiftungsräte zu forschen und recherchieren. Herta Waldner spricht von einer Detektivarbeit. Am Ende ergaben die vielen kleinen Stücke ein zusammenhängendes Bild. Es entstand eine Familienchronik, die Herta Waldner bis heute fesselt, ja berührt. „Ich kenne diese Familie mittlerweile besser als meine eigene“, erzählt sie. ES IST DIE GESCHICHTE von Franz Fromm und seinen Nachkommen. Fromm ist 1854 in der Nähe von Göttingen geboren, seine Eltern besaßen dort eine Fla42 No. 47 / 2019

nellfabrik, er selbst zog noch in jungen Jahren nach London, von dort weiter nach Barcelona. Dort exportierte er spanischen Terragona-Wein nach Preußen und lernte seine reiche peruanische Frau Luisa Christina kennen. Sie mieteten sich eine prächtige Villa in Barcelona und bekamen fünf gemeinsame Kinder: Alfonsino, der bereits als Kind verstarb, Jorge, Paco und die beiden Mädchen Zoila und Luisa. NACH DEM viel zu frühen Tod seiner Frau suchte Franz Fromm einen heilsamen Ort für seine Familie. Er fand ihn in Meran, 1905 zog der Weinhändler mit seinen vier Kindern und zwei Gouvernanten in die Kurstadt. Anfangs nur als Kurgast, dann mietete er sich in Wohnungen von Schlössern und Ansitzen ein. Die Familie lebte in der Villa Hellbrunn und in der Villa Riedenstein genauso wie auf Schloss Rubein und auf Schloss Rametz. 1922 beschloss Franz Fromm, was Eigenes zu kaufen. Seine Wahl fiel

auf die Villa Freischütz in Obermais. Die Villa im Heimatschutzstil gehörte dem Meraner Metzger Ignaz Gritsch. Er ließ sie 1909 nach den Plänen des Stuttgarter Architekten Christian Städler für sich bauen. „Nach dem Ersten Weltkrieg und all der Krise musste Gritsch die Villa verkaufen. Franz Fromm hat zugeschlagen und ist mit seiner Familie und all seiner Kunstsammlung eingezogen“, erzählt Herta Waldner. Mit dem Sammeln, so geht aus Jugendtagebüchern hervor, hat Fromm in Spanien begonnen. 1895 erwarb er dort die ersten Zinngefäße. Über die Jahre baute er seine Sammlung kontinuierlich aus, bis zu seinem Tod 1941. In den Grundzügen, so belegt ein Kunstexperte aus Berlin, handelt es sich um eine Wilhelminische Sammlung. Ergänzt wird sie mit Werken von Orten, wo sich der gebürtige Deutsche heimisch fühlte. So gehören zu seiner Sammlung auch Werke spanischer, peruanischer und auch Tiroler Künstler. n

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