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FAZIT Nr. 94 5/2013 EURO 2,50 Erscheinungsort Graz Verlagspostamt A-9000 Villach P.b.b. 04Z035487 M

Wirtschaft und mehr. Aus dem S체den.

Abzug zum Auftakt Fazitgespr채ch mit Gerald Klug

Juli 2013 Kunst. Von der Freiheit, Geld zu verdienen Das umstrittene Sulmkraftwerk polarisiert Steirische Hilfe f체r Steierdorf im rum채nischen Banat


Wow*

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WILLKOMMEN BEI FAZIT

Z A H L

D E S

M O N A T S

4.816 Kilometer per Fahrrad in sieben Tagen, 22 Stunden und ganzen 52 Minuten. Diese Wahnsinnsleistung ist Christoph Strasser beim Race Across America gelungen. Der Leobner hat das Extremradrennen von der West- zur Ostk端ste nicht nur in Rekordzeit, sondern auch bereits zum zweiten Mal gewonnen. Respekt.

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FAZIT JULI

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8 Kunst. Von der Freiheit, Geld zu verdienen Es gibt Leute, die machen Kunst, und es gibt andere, die schauen sich das Ergebnis an. Eine schöne Sache, wäre da nicht das Geld. Künstler wollen bezahlt werden, ohne dafür ihre höheren Ideale aufzugeben. Eine Problemanalyse zum Thema Kultursubventionen.

24 Gerald Klug im Fazitgespräch Nach 100 Tagen 100 Prozent Zustimmung in der eigenen Partei und laut Umfragen der beliebteste Bundesminister. Gerald Klug scheint alles richtig zu machen. Nun hat er die österreichischen Soldaten von der Friedensmission am Golan abgezogen. Genügend Anlässe für ein Interview.

40 Streit um die Wasserkraft Steht das Sulmkraftwerk auf der Tagesordnung im steirischen Landtag, gehen die Wogen hoch. Geplant ist ein Wasserkraftwerk, ein sogenanntes Ausleitungskraftwerk, an der Schwarzen Sulm bei Schwanberg. Kraftwerksgegner halten zum Unverständnis der Projektwerber bereits eine Mahnwache. JULI 2013


Zum Thema 36 50.000 Arbeitsplätze durch die EU Ende Juni findet in Graz ein EU-Seminar zur Stärkung der europäischen Automobilindustrie statt. Wirtschaftslandesrat Christian Buchmann sprach mit Johannes Tandl über die Zukunft der vermeintlich »autolastigen« steirischen Wirtschaft. 50 Immobilienpreise steigen In der Steiermark wohnt man, gemessen am Bundesschnitt, noch immer recht günstig. Aber auch hierzulande ist Wohnen deutlich teurer geworden. Die Gründe dafür seien jedoch hausgemacht, kritisiert die Wirtschaftskammer. 48 Power-Frauen der Wirtschaft Der diesjährige »Tag der Frauen in der Wirtschaft« stand unter dem Motto »Anders denken ... anders sein«. Rund 300 steirische Unternehmerinnen informierten sich über Strategien und Wege zum Erfolg. 56 Constantinus für die besten Berater Bereits zum elften Mal holte der Constantinus-Award die Besten der Besten aus der österreichischen Beratungsbranche vor den Vorhang. Bei der Gala in Schladming wurden die Preise vergeben. 58 Rumänien: Steirer helfen weiter! Die Steiermark hält die Kontakte zu den Nachkommen der 1773 in das Banater Bergland ausgesiedelten Obersteirer aufrecht. Nachdem VP-Klubobmann Christopher Drexler vor zwei Jahren einen dreigruppigen Kindergarten übergeben konnte, besuchte Anfang Juni eine Delegation das Kirchweihfest in Steierdorf.

Titelfoto: Jacqueline Godany Fotos: Michael Thurm, Jacqueline Godany, Michael Neumayr, Himbeergelb, Georg Beyer

INTERN HITZEFREI Das würden wir uns hier in der Redaktion derzeit wünschen. Aber jetzt, wo die Ausgabe kurz vor der Drucklegung steht, kündigt der Wetterbericht auch schon wieder Regen an. Der Wettergott meint es einfach nicht gut mit uns. Aber der Sommer dauert ohnehin noch ein paar Tage. Bei den derzeitigen Wetterkapriolen – einmal zu viel Wasser, einmal zu viel Hitze, dann wieder kalt und später hoffentlich wieder wärmer – kann er es auch niemandem recht machen. Aber wenigstens dieser Tage könnte er ab und an ein Tschisi-Eis regnen lassen.

RUBRIKEN 3 5 6 14 16 30

Zahl des Monats Zum Thema Editorial, WebWatch Politicks Innovationsporträt Investor

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Recht haben Gut geplant Zur Lage Mist und Musts Kultur undsoweiter Schluss, Impressum

Zur Kunst gehören immer Zwei Auf der Art Basel, der größten Kunstmesse der Welt, werden Millionen umgesetzt und jedes Jahr aufs Neue die gefragtesten Künstler ermittelt und erschaffen. Heuer überragte allerdings ein Polizeieinsatz die Sensationsmeldungen von den Verkaufsrekorden. Ursprünglich wollte der japanische Künstler Tadashi Kawamata mit seiner Installation »Favela Café« soziale Verhältnisse kritisieren. So was machen Künstler hin und wieder. Dass in dieser künstlichen Ausgabe eines südamerikanischen Elendsviertels aber teurer Kaffee durch teure Maschinen floss, um die noch teurer angezogenen Besucher zu beglücken, störte einige Aktivisten, die kurzerhand ihr eigenes Kunstwerk zimmerten, das noch ärmer und noch viel viel echter war. Am Ende des Tages hatte die Polizei etwas gegen dieses nicht genehmigte Happening und räumte das Areal ohne übertriebenes Einfühlungsvermögen, dafür mit Tränengas. Diese kleine Geschichte zeigt, wie schlecht sich künstlerischer Anspruch und gesellschaftlichökonomische Normen vertragen. Sozialkritische Kunst kann in einem Wohlfahrtsstaat nicht authentisch sein. Dieses Spannungsverhältnis war unter anderem Ausgangspunkt für die Analyse auf den folgenden Seiten. In der Titelgeschichte dieser Ausgabe wird vieles am Kunstbetrieb und seinen Förderungssystemen kritisiert. Bei all dieser Kritik sind aber auch ein paar Worte ans Kulturpublikum angebracht, also an uns alle. Vor allem die Erziehung zur Kultur, so der nicht zu widerlegende Tenor aller Kulturpessimisten, lässt dabei immer mehr zu wünschen übrig. Wenn schon die grundlegenden Kultur(!)techniken – Lesen, Rechnen, Schreiben – zum Problem werden, dann bleibt für Goethe, Mozart und van Gogh nicht mehr viel Zeit und Hirn übrig. Von allem, was über diese populären Grundlagen kultureller Bildung hinausgeht, ganz zu schweigen. Man darf das nicht mit bürgerlicher Attitüde verwechseln: Wer sich mit Kunst beschäftigt, der kultiviert sich damit selbst. Er bekommt ein Gefühl dafür, wie störend ein Handyklingeln während eines Konzertes ist oder wie respektlos nachlässige Kleidung gegenüber seinen Mitmenschen wirken kann. Dabei geht es nicht darum, unser Verhalten zu uniformieren, sondern eine gewisse Form der ehrlichen Rücksichtnahme zu entwickeln. Die eigene Individualität ein Stück weit beherrschen, um seine Mitmenschen nicht durch Exzentrik oder Nachlässigkeit zu belästigen. Wenn es den Künsten und Künstlern gelingt, uns zu kultivieren, zu unterhalten und unsere Gedanken voranzutreiben, dann wird sie den hohen Ansprüchen, die wir zu Recht an sie haben, gerecht. Und wir werden der Kunst gerecht, wenn endlich auch der letzte Depp die Erfahrung gemacht hat, dass auch er derjenige sein kann, dessen Handy im falschen Moment klingelt. Michael Thurm Sie erreichen den Autor unter michael.thurm@wmedia.at


Editorial Von der griechischen Regierung lernen In Griechenland wurde der öffentlich-rechtliche Rundfunk zugesperrt. In einer Blitzaktion hat die Regierung den »ERT« am 11. Juni aufgelöst und beschlossen, im Herbst mit einer neuen, abgeschlankten und effizienteren Struktur an den Start zu gehen. Der ERT hatte bis zu diesem Aus über 2.600 Von Christian Klepej Mitarbeiter (2006 waren es noch mehr als 5.000), die zum Teil mit überdurchschnittlich hohen Gehältern ausgestattet waren. Im internationalen Vergleich hatte dieser Sender damit mehr als fünfmal so viele Mitarbeiter wie private Sendeanstalten. Der Österreichische Rundfunk hat heute über 5.000 Mitarbeiter. Bei noch weniger Sendeminuten am Tag als sein nun geschlossenes griechisches Pendant. Und dieser ORF hat laut Kleiner Zeitung vom 21. Juni nun eine »Rosskur« vor sich. Es gilt, ein Sparpaket von 80 Millionen Euro zu stemmen, und erste Programmopfer wurden auch schon gefunden: So soll das eigenproduzierte Kinderprogramm reduziert und vor allem nur mehr aus zugekauften, internationalen (damit in aller Regel USamerikanischen) Serien bestehen. Insgesamt sollen Eigenproduktionen rarer und etwa auch die Übertragung der Lesungen in Klagenfurt zum Bachmann-Preis gestrichen und wohl durch die siebenunddreißigste Sitcom ersetzt werden. Eine Reduktion der Mitarbeiterzahl habe ich im ORF-Konzept noch nicht gefunden. Wiewohl gerade die dringend notwendig wäre. Der ORF war eine moderne, ja avantgardistische und tolle Rundfunkanstalt. Zumindest bis in die Neunzigerjahre des letzten Jahrhunderts hinein. Spätestens seit der Intendanz von Gerhard Zeiler aber hat der ORF begonnen, zum »Bilderlradio« zu werden, zu einer Abspieleinheit für eben meist amerikanische Leichtestkost. (Gegen die überhaupt nichts einzuwenden ist, nur nicht in einer dem öffentlich-rechtlichen Gedanken verpflichteten Sendeanstalt. Das können Private durchaus besser, dafür aber ohne Gebühren zu verlangen.) Natürlich hat der ORF noch immer auch gutes wie sehr gutes Programm im Angebot. Was aber etwa die oft getrommelte »Regionalität« betrifft, erscheinen die 13 Minuten »Bundesland Heute« am Tag eher als Hohn. Man sollte den ORF per Regierungsbeschluss schließen. Ö3 sofort als Privatsender führen, 3Sat (mit Regionalfenstern) und Ö1 sowie FM4 als Übergangsangebot weitersenden lassen und im Herbst mit einem modernen, dem Attribut »öffentlich-rechtlich« würdigen Angebot neustarten. Schaden würde das weder dem ORF noch den werten Zusehern. Die können »Scrubs« auch auf Pro7 viermal am Tag sehen. Christian Klepej, Herausgeber

Web

Watch Wie gefährdet ist Ihr Grundstück bei Hochwasser? D

ie Hochwasser der letzten Wochen haben gezeigt, dass man sich oft nicht bewusst ist, wie gefährdet Häuser und Grundstücke sind. Dabei gibt es im Internet eine Plattform, die genau diese Information beinhaltet. »Hora« steht für Hazard Overview & Risk Assessment Austria, wird vom Landwirtschaftsministerium betrieben und zeigt nicht nur Überschwemmungsgebiete. Auch Analysen zu Erdbeben, Stürmen, Hagel und Schneelast finden sich. Ein Pflichtbesuch für jeden Häuslbauer und Grundbesitzer.

hora.gv.at Was genau Hazard Overview & Risk Assessment bedeutet, bitte beim Minister erfragen.

TU-Graz vertreibt Unterlagen via Apples Netzladen A

pple bietet im Itunes-Store kostenlose Lernmaterialien zum Download an. Mehr als 1.000 Universitäten und Hochschulen aus der ganzen Welt stellen etwa 350.000 Lernmaterialien zur Verfügung. Pro Jahr wird dieses Angebot rund 300 Millionen Mal genutzt. Unter den 19 deutschsprachigen Universitäten ist auch die Grazer Technik vertreten. Geboten werden vor allem Unterlagen aus der Welt der Informationstechnologie sowie sonstige Fachpublikationen und Vorträge.

itunes.tugraz.at Als eine der wenigen deutschsprachigen Universitäten ist auch die TU Graz bei Itunes.

Sie erreichen den Autor unter christian.klepej@wmedia.at

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fit2work

NEUES IM NETZ

Ersurfenswerte Webseiten zusammengestellt

fit2work – ein neues Angebot

von Christian Klepej, Michael Neumayr und Michael Thurm

Onlineempfehlungen für das perfekte Frühstück N

Gesundheitliche Probleme können zu einer Gefährdung des Arbeitsplatzes führen. Ein neues Beratungsangebot des Bundessozialamtes soll das verhindern. Case ManagerInnen des Projekts „fit2work“ klären gemeinsam mit den Ratsuchenden, welche Interventionen in der jeweiligen Situation notwendig sind. Kostenlos – vertraulich – alles aus einer Hand

ichts geht über ein ordentliches Frühstück, besonders wenn man es nicht selbst zubereiten muss. Doch welches Frühstückslokal kann man wirklich empfehlen? »Die Frühstückerinnen«, ein Team aus acht Autorinnen, frühstücken sich durch Österreich und halten dem Ei den Spiegel vor, wie es auf der Website so schön heißt. Besprochen werden dabei Frühstückslokale in Wien, Graz, Linz und Salzburg. In Graz wurde zuletzt das Lokal »Blendend« vorgestellt und gleich mit 29 von 30 Semmeln ausgezeichnet.

Informationen: Annemarie Hochhauser

diefruehstueckerinnen.at Hier findet sich ein Überblick über die österreichische Frühstückskultur.

Nicht witzig, dafür auf den zweiten Blick lustig A

ibis acam Bildungs GmbH Theodor Körner Straße 182, 8010 Graz T: +43 (0)316/775629 E: annemarie.hochhauser@stmk.fit2work.at www.fit2work.at

antiwitz.at Bernd Grubmann macht keine Witze. Das dafür aber recht lustig.

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uf dem Blog »Antiwitz« spielt der Wiener Designer Bernd Grubmann mit der Struktur des Humors, indem er Witze erzählt, die nicht witzig sind. Seine Karikaturen greifen ein Wort auf und zeigen, wie man es mit nur einem Buchstaben verändern kann. So wird aus dem Kugelschreiber eine Kugelschreibar, ein Lokal, in dem laut Kugel geschrien wird. Oder das Barschloch, das schlicht ein Fisch mit einem Loch in der Mitte ist. Nett ist auch ein Spiel, bei dem man anhand der Zeichnung erraten muss, was gemeint ist.

www.bundessozialamt.gv.at JULI 2013

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THEMA KUNST UND GELD

KUNST

Von der Freiheit, Geld zu verdienen

VON MICHAEL THURM MITARBEIT: LARS WOREMTE

Kunst ohne Geld gibt es nicht. Mit ihr wird spekuliert wie mit Aktien, Künstler werden von Agenturen vermittelt, Intendanten wie Fußballspieler verpflichtet. Immer häufiger wird auch das Geld selbst Teil der Kunst. Sie als Wirtschaftszweig zu klassifizieren ist ein problematischer Schritt, weil Kunst ja immer auch mehr sein soll als bloße Konsumbefriedigung. Die Verbindung zwischen schöner Muße und schnödem Mammon ist heute aber unvermeidlich. Die britische Künstlerin Justine Smith zum Beispiel nutzt Geldscheine als Material für ihre Collagen. So entstehen Landkarten und Waffen. Der Schweizer Ian Anüll presste Banknoten in Form einer Kerze und lud so zur Geldverbrennung ein. Für 2.500 Euro hätte man sich dieses Exponat auch gleich kaufen können. Jota Castro hängte 2009 Galgenstricke aus Dollarnoten in einem Raum auf. All das ist längst kein Aufreger mehr. Ausstellungen, die sich ganz explizit mit dem Thema Geld und Kunst befassen, finden längst in regelmäßigen Abständen wohl eingebettet in den alltäglichen Kulturbetrieb statt. Beim steirischen herbst sind heuer 21 Künstler in der Ausstellung »Liquid Assets« zusammengefasst, die sich mit Geld und Marktmechanismen auseinandersetzen will. Die Kritik an Markt und Geld funktioniert in der Kunst meist nur in der Übertreibung und Perversion des Marktes, aber immer innerhalb

des Systems, das man eigentlich kritisieren will. Sich als Künstler diesem Geschehen zu verweigern, seine Kunst den Marktregeln zu entziehen funktioniert kaum, ohne dafür den Preis der Nichtbeachtung zu zahlen. Eine der wenigen Ausnahmen ist Michael Marcovici, der sich als Künstler und Unternehmer versteht. In dieser Funktion war er bis zur Insolvenz seines Unternehmens Qentis der größte eBay-Händler Europas. Als Künstler stellte er mit »One Billion Dollar« ein leider missglücktes Kunstwerk aus. Der ursprünglichen Intention, eine Milliarde US-Dollar auszustellen, musste aufgrund der hohen Kosten, die für die Zinsen eines solchen Betrages zu zahlen gewesen wären, eine Nachbildung weichen. Kombiniert hat er seine künstlerische und wirtschaftliche Tätigkeit später im Projekt »Rattraders«: Ratten handelten für ihn an der Börse mit allen möglichen Finanzprodukten. Waren sie dabei erfolgreich, gab es Futter, machten sie Verluste: Stromschläge. Laut Berechnung Marcovicis waren die Ratten in ihrer Trefferquote ähnlich gut wie durchschnittliche Fondsmanager. Bei der Kunstausstellung documenta 11 (2002) präsentierte Maria Eichhorn das Stammkapital einer tatsächlich nach deutschem Recht gegründeten »Maria Eichhorn Aktiengesellschaft«. Inklusive aller

Justine Smith: Euro Europe, 2007 83 x 89.6cm. Edition of 95 signed and numbered by the artist. Inkjet print on 330gsm Somerset satin enhanced paper.

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THEMA KUNST UND GELD

Kunst kostet Geld. Und kann mitunter viel Geld bringen. Im Gegensatz zu anderen Wirtschaftszweigen lässt sich bei Kunst und Kultur aber nur selten eine direkte Beziehung zwischen Investition und Gewinn, Budget und Qualität oder Preis und Nachfrage herstellen.

Formulare und Regeln, die für dieses »Unternehmen« und sein Kapital galten. Statt wirtschaftlich aktiv zu werden übertrug Eichhorn alle Anteile der AG an die AG selbst. Das dadaistisch-kritische Werk blieb aber im Stadium des Kunstwerks, weiterentwickelt wurde es vor kurzem in Graz: Vor einem Jahr gründete sich aus dem Kunstverein »eeza« heraus die »dp Projektform AG«. Eine echte Aktiengesellschaft und im Gegensatz zu Eichhorns AG vor allem zum Zweck der wirtschaftlichen Tätigkeit. Rund um die Vorstandsvorsitzende Barbara Sommerer entwickelt die Firma Ausstellungskonzepte für Museen, Unternehmen und Industrie. Die künstlerische Tätigkeit wird ganz klar als Dienstleistung verstanden. Wenn sich Kunst normalerweise mit Geld auseinandersetzt, geschieht das bis auf diese zwei letztgenannten Ausnahmen vor allem kapitalismuskritisch. Egal ob diese Kritik explizit oder indirekt ist, ob subtil oder brachial, ironisch oder konkret: Mit der Ausstellung von Geld wird es immer auch kritisiert. Tatsächlich kreativ – im schöpferischen Sinne – sind aber nur jene geworden, die über diese Kritik hinausgehen und sich vom kritisierten Objekt möglichst unabhängig machen. Und sei es dadurch, dass sie es durch Arbeit verdienen. So gelingt zumindest die Befreiung von der öffentlichen Kunstförderung, die in den letzten Jahren zunehmend in der Kritik stand und mit ihr auch jede Form geförderter Kunst. Vor einem Jahr

erlebte die Debatte um die subventionierte Kunst ihren vorläufigen Höhepunkt, als vier Autoren ein Buch unter dem Titel »Der Kulturinfarkt« veröffentlichten. Zeitgleich wurde in der Steiermark das »Sparpaket« bekannt gegeben, das für den Kulturbereich mit dem Slogan »Die Großen retten die Kleinen« zusammengefasst wurde. Während die kleineren Initiativen und Vereine ihre Existenzsicherung behielten, mussten Joanneum und Bühnen, also Oper, Schauspielhaus und Orpheum, teils deutliche Einsparungen verkraften. Dadurch erhöhte sich insgesamt der Legitimationsdruck für alle Subventionsempfänger. Besucherzahlen, Sponsoring und Eigenfinanzierung wurden immer wichtiger. Kunst und Kultur müssen automatisch mehr Publikum anziehen, sie müssen massentauglicher werden und das verlangt einen höheren (finanziellen) Einsatz für die sogenannte Kulturvermittlung. Mit der abstrakten Idee von der Freiheit der Kunst ist das nicht unbedingt zu vereinbaren. Da ähneln sich die Ansprüche an Hochkultur und ORF: Beide müssen ihre öffentlichen Subventionen legitimieren. Zum einen mit gesellschaftlicher Relevanz, gemessen an Einschaltquote und Besucherzahlen, und zum anderen mit einem Qualitätsanspruch, der als »Bildungsauftrag« allen Institutionen eingeschrieben ist und der öffentlich immer neu verhandelt wird. Aus staatlichen Förderungen leitet sich auch eine Erwartung an Qualität und Quantität der Ergebnisse ab.

Jota Castro: Mortgage, 2009 dollar bills, rope, dimensions variable

Michael Marcovici: One Billion Dollar, ca. 2009 stacked on 12 standard pallets, altogether 10 million 100 USD notes.

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THEMA KUNST UND GELD Das Universalmuseum Joanneum konnte im letzten Jahr in beiden Bereichen punkten – dank des neu gestalteten Joanneumsviertels und der dortigen Ausstellungen wurde man eben jenem Qualitätsanspruch gerecht, der einer solchen Institution entspricht. Gleichzeitig gelang trotz reduzierter Öffnungszeiten (Sparmaßnahme) ein neuer Besucherrekord. Im Detail fällt aber auf, dass es vor allem der Schlosspark Eggenberg ist, der wohl hauptsächlich wegen seiner Grünanlagen geschätzt werden dürfte. Nur die Hälfte der Besucher finden ihren Weg auch noch in die Prunkräume, die Münzsammlung oder das Archäologiemuseum im Schloss. Aber Achtung, die Besucher wurden zwar mehr, die Erlöse aus Eintrittskarten gingen im Vergleich zu 2011 allerdings um vier Prozent zurück. Dass insgesamt trotzdem mehr eingenommen wurde als im Vorjahr, verdankt das Joanneum vor allem den gestiegenen Einnahmen aus Sponsoring und Veranstaltungen. Insgesamt ergibt sich für das steirische Landesmuseum folgendes Bild: Den Kosten von über 21 Millionen Euro stehen Eigenerlöse von gerade einmal 2,8 Millionen gegenüber – davon stammt nicht einmal eine Million Euro aus Eintrittsgeldern. Die restlichen 18,5 Millionen kommen hauptsächlich vom Land Steiermark. Kunst als Werbung So schwer es die öffentlichen Subventionsempfänger des Kulturbetriebes haben, allen an sie herangetragenen Ansprüchen gerecht zu werden, so leicht scheint es anderen zu fallen, ihr künstlerisches Schaffen ohne Geldsorgen zu verwirklichen. Erfolg bringt mehr als jede Subvention. Dabei ist Massentauglichkeit nicht einmal das wichtigste Kriterium – vielmehr geht es darum, zumindest bestimmten Bedürfnissen des irrationalen Marktes zu entsprechen und ausreichend viele Gönner, Interessierte, ja Kunden zu finden,

die bereit sind die Kunstproduktion zu fördern. Große Unternehmen haben längst erkannt, dass sich mit der Investition in Kunst Geld verdienen lässt. Und zwar auf vielerlei Art und Weise: Der Verleger Hubert Burda (Bunte, Focus, Playboy) gilt als engagierter Kunstsammler und hat einige Werke im kaum genutzten Treppenhaus seines Münchner Verlagsgebäudes hängen, über die sich so manches Museum freuen würde. Werbung für die Kunst Aber auch kunstsinnige Liebhaberei ist nicht notwendig: die kitschigen Nippes-Artikel mit dem Aufdruck der beiden gelangweilten und inzwischen langweiligen Engel der sixtinischen Madonna, ein simpler Citroën, der nach Pablo Picasso benannt wurde, oder das Hotel Daniel in Wien, auf dessen Dach eine Erwin-WurmSkulptur steht. Mit den unterschiedlichsten Ansprüchen an den eigenen Umgang mit Kunst ist diesen Beispielen gemeinsam, dass sie von Unternehmen zur Steigerung des eigentlichen Produktwertes verwendet werden. Das ist keine Seltenheit und oft ist es wie bei Schokoladenproduzent Josef Zotter so, dass der künstlerische Einfluss tatsächlich Teil des Produktes ist. Die Zeichnungen von Andreas Gratze sind extra für die entsprechende Schokolade entstanden. Streng genommen müsste man sie als »Design« definieren und in dieser Diskussion ignorieren. Aber wird Kunst dadurch schlecht, dass sie kommerziell verwertbar und erfolgreich ist? Die antikommerzielle Grundhaltung, die einige Künstler noch immer vertreten, ist entweder Attitüde oder das Totschlagargument der Erfolglosen. Das Argument »Wer Geld mit Kunst verdient, der macht keine Kunst« ist nicht mehr haltbar. Aber die Umkehrung, daraus die Einstellung aller Subventionen zu folgern, ist natürlich ebenso abwegig. Kommerzielle Erfolglosigkeit ist eben auch kein

Das Universalmuseum in Zahlen FLAVIA SOLVA 9.923

Quelle: Geschäftsbericht Universalmuseum Joanneum 2012

SCHLOSSPARK EGGENBERG 192.900

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NEUE GALERIE 39.892

AUSSTELLUNGEN IM SCHLOSS EGGENBERG 90.706

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Subventionen 86,7 Prozent

BESUCHER 2012 507.208

KUNSTHAUS 51.482 SONSTIGE 77.929

Eintrittsgelder 4,4 Prozent

Sonstige Eigenerlöse 8,9 Prozent

ZEUGHAUS 44.376

EINNAHMEN 2012 Eintrittsgelder 946.876 Euro Sonstige Eigenerlöse 1.911.726 Euro Subventionen 18.668.334 Euro

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THEMA KUNST UND GELD letztgültiges Kriterium für »schlechte Kunst«. Die qualitativen Einschätzungen, die über das situative Gefallen hinausgehen, sind dem Urteil von Kunsthistorikern überlassen, die meist ebenfalls im subventionierten Bereich angestellt sind. Der Gedanke ist natürlich reizvoll: im undurchsichtigen und verbürokratisierten System dieses kultur-industriellen Komplexes ein wenig roden. »Von Allem zu viel und überall das Gleiche« lautet der Untertitel zum »Kulturinfarkt«, dessen polemische Forderung darin besteht, die Kultursubventionen auf die Hälfte zu kürzen. Vielleicht hat also die Steiermark mit der versuchten 25-ProzentStreichung ein gar nicht so schlechtes Ziel vorgegeben. Eine gewisse Marktbereinigung muss auch der Kunst nicht schaden. Denn zu oft hat es den Eindruck, und ein solcher Eindruck kann immer nur subjektiv sein, dass vermeintliche künstlerische Qualität erst das Resultat einer Förderung ist – nicht umgekehrt. Die Subvention zeichnet aus und erhöht dadurch das Werk und seinen Künstler. Ästhetische Urteile werden so zu Fragen des Lobbyings, der Macht und der Willkür. Die künstlerische Wirkung über den Dunstkreis von Künstlern und Kultursubventionierern hinaus zur Nebensache. Der bereits erwähnte Kunstverein eeza hat immer versucht, ohne öffentliche Förderungen auszukommen. Auch wenn er durch Aufträge des steirischen herbstes oder des Joanneums davon profitiert hat. Mit der 2012 gegründeten »dp Projektforum AG« heben sich die Künstler um Barbara Sommerer auf eine Stufe mit ihren Kunden aus der freien Wirtschaft. Und zu denen zählte unter anderem das Lafarge-Zementwerk in Retznei, für das sie eine ansprechende und anspruchsvolle Werksbegehung ermöglicht haben, oder auch

die Knill-Gruppe, die ihre mitunter schwer greifbaren Produkte durch die Projektform in einem Besucherzentrum hat aufbereiten lassen. Die künstlerische Lust auf Wirtschaft geht inzwischen so weit, dass sich die AG seit 2013 unter dem Titel »Kunst fördert Wirtschaft« weit über das hinausbewegt, was Werbung, PR und Design üblicherweise für Betriebe leisten. Geld verändert Kunst Ob es um öffentliche Förderung, ökonomische Einbindung oder private Liebhaberei geht: Kunst wird sichtbar gemacht und verändert. Wenn sich mit einer bestimmten Art von Kunst kein Geld verdienen lässt – sei es, weil dafür keine Förderungen bewilligt werden, sei es, weil sich dafür keine privaten Käufer finden –, dann wird diese Kunstform ein bescheidenes Dasein fristen und in der Irrelevanz verschwinden. Der Unterschied zwischen dem bloßen Ausleben individueller Kreativität und relevanzbeladener Kunst ist eben vor allem einer der Verwertung und Verwendung. Über die objektive Qualität lassen sich so natürlich keine Urteile treffen. Wenn Heimo Zobernig eine weiße Leinwand aufhängt und diese in einen Kontext setzt, der so überzeugend ist, dass er dafür auf der ganzen Welt und eben auch im Grazer Kunsthaus eine Ausstellung bekommt (siehe Seite 60), dann besteht ein evidenter Unterschied zu einem Schüler, der – aus Faulheit oder Genialität – im Kunstunterricht ein unberührtes Blatt abgibt und dafür ein »Nicht genügend« erhält. »Der Markt« – und Förderinstitutionen gehören in diesem Sinne sehr wohl dazu – ist im Gegensatz zu Kunsthistorikern eben nicht zum abstrakten Urteil fähig. Er beurteilt nicht, ob etwas in einem besonderen Kontext zu würdigen ist. Auf ihm wird entschieden, wie viele Menschen – Politiker, Besucher, Investoren ... – bereit sind, das ihnen zur Verfügung stehende Budget an

Foto: Georg Beyer

Lafarge-Zementwerk in Retznei Die Projektform AG macht Industrie durch künstlerische Eingriffe verständlich

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THEMA KUNST UND GELD Zeit und Geld für ein bestimmtes Kunstwerk oder eine bestimmte Kunstform auszugeben. Und so haben alle ihre Chancen: Wer zuerst öffentliche Aufmerksamkeit bekommt, der wird mittelfristig auch Förderungen dafür bekommen, und wer öffentlich gefördert wird, der wird bei ausreichender Bewerbung anfangen aufzufallen. Allerdings wird beides an jene Grenzen der Anerkennung stoßen, die der Künstler und sein Werk durch ihre Qualität – oder fehlende Qualität – provozieren. Dabei werden Dummköpfe und Ahnungslose immer wieder auf Scharlatane hereinfallen, so ist der Mensch. Ungebildete Kulturpolitiker, die ihr Ressort meist nur aus machtpolitischen Gründen annehmen, müssen dann über Förderungen in der bildenden Kunst entscheiden. Erfolgreiche Unternehmer auf Anraten ihrer Steuerberater in Kunstwerke investieren, deren Urheber sie bis dahin nicht kannten. Das gelingt mal mehr und mal weniger gut und die jeweiligen Wahrscheinlichkeiten richten sich nicht nur nach dem Kunstsinn des Käufers, sondern auch nach dem der restlichen Gesellschaft. Ständig wird neu verhandelt werden, wie sich der künstlerische Wert eines Objekts oder gar einer Performance in Geld umrechnen lässt. Verliert sich bei all dem das, was die vermeintliche Aufgabe der Kunst ist? Die Unabhängigkeit, die Widerständigkeit und Unbequemlichkeit, die immer auch Teil künstlerischen Schaffens ist, wenn es über Handwerk, Design und Dekoration hinausgehen soll. Auf dem Basar der Musen Den Grazer Clemens J. Setz als aufstrebenden Autor zu bezeichnen wäre schon eine Untertreibung. Der Debütroman des 30-Jährigen ist erst 2007 erschienen – seitdem folgten bereits drei weitere um-

fangreiche und komplexe Werke. Nach einem Preis bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt 2008 folgte 2011 der Leipziger Buchpreis. Ausgezeichnet wurde er zuletzt – und das ist für diesen Kontext interessant – mit dem Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft, dotiert mit stattlichen 20.000 Euro. Setz steht weder im Verdacht, besonders bekömmliche oder massentaugliche Bücher zu schreiben – im Gegenteil. Und trotzdem hat er Erfolg. Ebenso wenig findet sich bei ihm ein antikommerzieller Reflex. Er ist sogar froh, dass gleich im Namen des Preises klar wird, wer ihn vergibt und finanziert. Mit seinen Büchern ist er einer der wenigen Autoren der Steiermark, die tatsächlich allein von ihrer literarischen Arbeit leben können. Obwohl sich auch er trotz des momentanen Erfolges mit der Tatsache auseinandersetzt, dass diese Unabhängigkeit in den allermeisten Fällen nicht von Dauer ist: »Ich werde irgendwann in den nächsten Jahren von der Bildfläche verschwinden, so wie die allermeisten Autoren. Es kann auch anders kommen, aber das wäre der eindeutig seltenere Fall und ich wäre sehr dumm, würde ich mir das Gegenteil einzureden versuchen.« Dass man von künstlerischem Tun tatsächlich in Wohlstand leben kann, ist nicht immer der Fall. Lässt man die populären Extrembeispiele und Selbstständige außen vor, zeigt die Statistik ganz klar: Die 80.000 unselbstständig Erwerbstätigen im Kultursektor verdienen im Schnitt vier Prozent weniger als der Gesamtdurchschnitt. Wirft man einen Blick auf die Verteilung dieser Einkommen, ist das Bild noch drastischer: Die zehn Prozent der künstlerisch Tätigen mit dem geringsten Einkommen liegen damit ein Drittel unter den einkommensschwächsten zehn Prozent aller Erwerbstätigen. Die einkommensstärksten zehn Prozent dafür acht Prozent über


THEMA KUNST UND GELD ihrer Vergleichsgruppe. Übersetzt heißt das: Wer es innerhalb der Kunstbranche einmal über das prekäre Niveau hinaus geschafft hat, der verdient am oberen Ende der Skala mehr als die Gutverdiener anderer Branchen. Ausgerechnet in der als links geltenden Kulturindustrie ist also das Maß an Einkommensgerechtigkeit besonders gering. Man kann also mit und durch Kunst Geld verdienen, man sollte dabei nur nicht auf eine der schlecht bezahlten Projektstellen oder geringfügigen Beschäftigungen angewiesen sein. Das große Geld – so hofften viele – lässt sich im internationalen Kunsthandel verdienen. Und auch nach den Preisturbulenzen der letzten Jahre will kaum jemand den Kunsthandel als Investitionsfeld abschreiben. Zwar lässt sich der Kunstmarkt nicht so simpel in Börsencharts darstellen wie Gold- oder Aktienpreise – eine reizvolle Alternative zum oft unverständlichen Derivatehandel ist er allemal. Ein Bild kann man ähnlich wie Gold greifen und begreifen, auch das ist ein Wert, für den man das Risiko des turbulenten Kunstmarktes eingeht. In Österreich ist das Volumen des Kunsthandels aber noch relativ überschaubar. Im letzten Jahr wurden nur fünf Werke vom Auktionshaus Dorotheum – dem größten des Landes – für mehr als eine halbe Million Euro verkauft. In Summe aller Auktionen wurden aber immerhin 152 Millionen Euro umgesetzt. Auch der Handel mit Intendanten und Direktorenposten ist ein ganz eigener Markt geworden. Das wurde sowohl bei den Neubesetzungen an den verschiedenen Wiener Institutionen als auch bei den Salzburger Festspielen wieder deutlich. Um die Einladung zu Festivals wird gemauschelt wie um seltene Paninibilder. Die Kunst, die dort entsteht, ist oft entscheidendes Argument für die Förderungen und Einladungen der nächsten Jahre. In der Summe und

Pluralität all dieser Einrichtungen, Veranstaltungen und Organisationen finden sich aber dann doch auch jene Räume, in denen das entsteht, was über die Momente der Präsentation hinaus Wirkung entfaltet und dessen Anspruch weit über die Legitimation der Subventionen hinausgeht. Daher ist es gut und notwendig, dass Kunstschaffende ohne existenzielle Not arbeiten können und nicht gezwungen sind, zwischen Pinsel und Brot zu entscheiden. Auf der anderen Seite ist es nicht Aufgabe des Staates, jedem und jeder sein und ihr Hobby zu finanzieren. Vor allem wenn in der seltenen Phase der Haushaltskonsolidierung eben knallhart zwischen Einsparungen im Sozialbereich oder der Kunst unterschieden wird. Und auf die Frage, ob ein Krankenhaus oder ein Museum geschlossen werden soll, gibt es im Normalfall nur eine Antwort. Immerhin geht es der Steiermark so gut, dass solche Entscheidungen trotz all der notwendigen Sparsamkeit nicht getroffen werden müssen. Die Kunst tut trotzdem gut daran, sich unabhängiger zu machen. Nur so wird die »Freiheit der Kunst« ihren Pathos und ihren Wert behalten können.

WEITERE INFORMATIONEN Der Kulturinfarkt. Von Allem zu viel und überall das Gleiche. Von Dieter Haselbach, Armin Klein, Pius Knüsel und Stephan Opitz. Knaus (2012) Hype! Kunst und Geld. Von Piroschka Dossi. Deutscher Taschenbuch Verlag (2007)

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politicks Auf die Bürgermeister warten höhere Gagen. Können Landeshauptmann Franz Voves und sein Vize ...

... Hermann Schützenhöfer dadurch offene Wunden nach der Gemeindereform schließen?

Verteidigungsminister Gerald Klug wird steirischer SPÖ-Spitzenkandidat bei der nächsten Nationalratswahl.

In der Obersteiermark verdrängt der 28-jährige SJ-Chef Wolfgang Moitzi die etablierte Elisabeth Hakel.

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Rechtzeitig vor dem Sommer: Höhere Bürgermeistergagen Nach dem Sommer wird gewählt. Auf Bundesebene merkt man zwar nicht viel davon, denn Rot und Schwarz befanden sich – trotz Koalition – ohnehin über die gesamte Legislaturperiode im Wahlkampfmodus. Ein Blick in die Online-Foren offenbart jedoch, dass nun auch die »War-Rooms«, mit denen die Parteien die öffentliche Meinung beeinflussen wollen, aktiviert wurden. Nun ist also offiziell Wahlkampf! Was die steirischen Reformpartner anbelangt, ist wohl nicht mit gröberen Scharmützeln zu rechnen. Denn sowohl Landeshauptmann Franz Voves für die SPÖ als auch LH-Vize Hermann Schützenhöfer für die ÖVP wollen ihren Bundesparteien beweisen, dass ein gutes Ergebnis möglich ist, auch ohne dass man ständig aufeinander herumhackt. Sowohl in der SPÖ als auch in der ÖVP entscheidet in erster Linie die Mobilisierung der Parteibasis über einen Wahlsieg. Vor diesem Hintergrund braucht sich daher auch niemand zu wundern, wenn die Bürgermeistergagen endlich an vergleichbar verantwortungsvolle Jobs in der Privatwirtschaft herangeführt werden. Triebfeder der Gemeindestrukturreform war die Professionalisierung der Verwaltung, und dazu benötigt man nun einmal gute Leute mit entsprechender Bezahlung. Dass die Bürgermeister von diesem Geldsegen, der sie erwartet, noch vor der Nationalratswahl erfahren, kommt natürlich weder der SPÖ noch der ÖVP ungelegen. Nationalratswahl: Mobilisierung zählt! Vor wenigen Tagen haben die steirischen Parteien ihre Kandidatenlisten präsentiert. Wer wo und wie gereiht wird, interessiert zwar kaum einen Wähler – die nehmen ohnehin keinen Hinterbänkler wahr –, hat aber manchmal großen Einfluss auf die Mobilisierungskraft der Parteien und die wird – da sind sich alle Politologen einig – in Zeiten niedriger Wahlbeteiligung und abnehmender Parteienbindung immer wichtiger. Außerdem ist es ganz interessant, die Liste mit den letzten Wahlergebnissen zu vergleichen. Wie nach der Wahl regiert wird, steht mangels Alternativen ohnehin fest: Wenn es sich ausgeht, bleibt die schwarz-rote Koalition, falls nicht, kommen entweder die Grünen oder das Team Stronach dazu. Ein Schwarz-Blau-Stronach-Experiment ist genauso unwahrscheinlich wie eine Rot-Grün-Stronach-Regierung. Daher gehen wir in unseren Berechnungen davon aus, dass die steirischen Regierungsmitglieder ihre begehrten Ministerund Staatssekretärsposten halten können.

Nationalratswahl: Die SPÖ setzt auf das Tandem Voves-Klug Die steirischen Sozialdemokraten ziehen wie erwartet mit ihrem neuen Superstar Verteidigungsminister Gerald Klug an der Spitze der Landesliste in den Wahlkampf. Klug – und nicht etwa Bundeskanzler Werner Faymann – rührt in den bisher publizierten Inseraten gemeinsam mit Landeshauptmann Franz Voves die Werbetrommel für die SPÖ. Nach seinem sensationellen Abschneiden beim APA/OGM-Vertrauensranking als bestes Regierungsmitglied ist das kein Wunder. Und die Auguren fragen sich nun natürlich, ob das nicht schon ein deutliches Signal für den Ausgang der Nachfolgerdiskussion ist. Auf Platz zwei auf der roten Landesliste folgt die ehemalige Bildungslandesrätin Elisabeth Grossmann, dahinter kommen Michael Ehmann und Karin Greiner. Aufgrund der Halbierung der Wahlkreiszahl von acht auf vier bleiben natürlich wesentlich weniger Mandate für die Landesliste übrig. Theoretisch wären zwar drei Landeslistenmandate möglich, viel wahrscheinlicher sind jedoch eines oder zwei. Klug, Grossmann, Ehmann und Greiner führen aber auch die Wahlkreisliste in Graz und Graz-Umgebung an. Sollte daher Gerald Klug wieder in die Bundesregierung kommen, könnte Karin Greiner über den Wahlkreis zu einem Mandat gelangen. Graz und Graz-Umgebung sind für die SPÖ die Schlüsselbezirke. Legt man das Wahlergebnis von 2008 auf die aktuellen Wahlkreise um, kratzt die SPÖ dort an einem zweiten Grundmandat. Damit hat auch Susanne Bauer eine realistische Mandatschance. Im Wahlkreis Weststeiermark bleibt das bombenfest abgesicherte SPÖ-Mandat bei Josef Muchitsch, in der Obersteiermark müsste die SPÖ etwa 8.000 Stimmen verlieren, damit sie weniger als drei Grundmandate schafft. Damit ziehen Erwin Spindelberger und Andrea GesslRanftl fix und mit großer Wahrscheinlichkeit auch Wolfgang Moitzi in den Nationalrat ein. Damit auch die Listenvierte Elisabeth Hakel ihr Mandat verteidigen kann, müsste allerdings ein Wunder geschehen und die SPÖ massiv dazugewinnen. In der Oststeiermark hält die SPÖ nach der neuen Wahlkreisaufteilung bei einem gut abgesicherten Grundmandat, das die Feldbacher Juristin Sonja Steßl-Mühlbacher einnehmen wird. ÖVP: In Graz/Graz-Umgebung könnte es zu einem Vorzugsstimmenmatch kommen Spitzenkandidatin der ÖVP ist erwartungsgemäß Justizministerin Beatrix Karl. Sie führt

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MIT JOHANNES TANDL

FPÖ-Steiermark präsentiert sich als Reserve-Reformpartner Eigentlich wollte sich FPÖ-Landesrat Gerhard Kurzmann als Speerspitze gegen die Reformpartnerschaft positionieren. Doch von diesem Ziel ist nicht viel übrig geblieben. Unter dem Zwang der Sachpolitik werden sogar stramme Rechte wie Kurzmann zu pragmatischen Konsenspolitikern. So werden nach wie vor die meisten Stücke in der Landesregierungssitzung

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einstimmig beschlossen. Besonders skurril war ein Auftritt Kurzmanns im Landtag, als er bei einer dringlichen Anfrage der Grünen zum geplanten Kraftwerk an der Schwarzen Sulm von Landeshauptmann Franz Voves an das Rednerpult gebeten wurde, um von dort aus den grünen Anfragern den Standpunkt der Landesregierung und ihre Auffassung von Rechtsstaatlichkeit darzulegen. Für die unglückliche Rolle, die er dabei einnehmen musste, kann Kurzmann nichts, weil natürlich auch die Bereiche der mittelbaren Bundesverwaltung in den Fachressorts abgearbeitet werden. Für die Zuhörer gab der FPÖ-Chef dennoch das Bild eines braven Reserve-Reformpartners ab. Viel schlimmer für die steirischen Freiheitlichen ist jedoch, dass es ihnen derzeit überhaupt nicht gelingen will, mit Themen Fuß zu fassen. Selbst eine dringliche Anfrage zum vom Höchstgericht aufgehobenen Bettelverbot an den Landeshauptmann fand kaum größere mediale Beachtung. Auf Bundesebene hat die FPÖ mit dem Team Stronach einen ernstzunehmenden Gegner dazubekommen, in der Steiermark macht sie sich selbst das Leben schwer. Edlinger-Ploder gewinnt gegen klagende Heimbetreiber Die von 64 steirischen Pflegeheimbetreibern gegen das Land Steiermark eingebrachte Klage wegen der ihrer Meinung nach zu niedrigen Tagsätze in den Pflegeheimen wurde vom Landesgericht Graz abgewiesen. Damit setzt sich die Position von Landesrätin Kristina Edlinger-Ploder durch, dass es den Heimbetreibern infolge gültiger Verträge nicht möglich sein dürfe, die Tagsätze gerichtlich festlegen zu lassen. Das Urteil sei, so Edlinger-Ploder, für beide Seiten eine Klarstellung. Das Land bekenne sich jedoch auch weiterhin dazu, kostendeckende Tagsätze zu zahlen, um eine qualitätsvolle Pflege sicherzustellen.

Der 25-jährige JVP-Obmann Lukas Schnitzer kann jüngster Abgeordneter des nächsten Nationalrats werden.

Fotos: Philipp, ÖVP-Steiermark, BMLV, SJ-Steiermrak, Foto Fischer, Parlamentsdirektion/Wilke, Robert Frankl, Michael Thurm

die Landesliste vor Staatssekretär Reinhold Lopatka, Werner Amon und JVP-Obmann Lukas Schnitzer an. Dahinter folgen Eva Schmidinger und mit nur mehr theoretischen Chancen der wieder in die Landespolitik zurückgekehrte Bürgermeister von Zwaring-Pöls, Ernst Gödl. Wie für die SPÖ gelten auch für die ÖVP ein bis zwei Landeslistenmandate als wahrscheinlich. Wenn Karl und Lopatka ihre Regierungsfunktionen halten und Werner Amon, der in den Regionalwahlkreis West gewechselt hat und dort die ÖVP-Liste anführt, das mit etwa 5.000 Stimmen abgesicherte Grundmandat annimmt, wird der junge Lukas Schnitzer als jüngster VP-Abgeordneter in den Nationalrat einziehen. Schnitzer kommt aus Hartberg, studiert Jus und will sich für die Rechte der Jungen in die Pensionsdiskussion einbringen. Es könne nicht sein, dass man auf Kosten der nächsten Generation Politik macht, so Schnitzer. Bei diesem Szenario hätte auch noch die Brucker Personalvertreterin Eva Schmidinger die Chance, über die ÖVP-Landesliste in den Nationalrat einzuziehen. Ernst Gödl käme nur dann zu Mandatsehren, wenn die ÖVP drei Landeslistenmandate schafft. Gödl ist auch nicht über den Wahlkreis Graz/Graz-Umgebung abgesichert. Dort wird die Liste von Beatrix Karl angeführt. Das Grundmandat könnte daher wieder auf den Grazer Bernd Schönegger fallen. Allerdings ist damit zu rechnen, dass der schlechter gereihte Ernst Gödl mit Vorzugsstimmen eine Umreihung erreichen will. Bei etwa 8.500 Vorzugsstimmen könnte er an die Spitze der Wahlkreisliste treten. In der Oststeiermark führt Reinhold Lopatka die Liste an. Die Volkspartei hält bei zwei Grundmandaten, die – falls Lopatka in der Regierung bleibt – an die südoststeirische Bäuerin Maria Pein und an die Unternehmerin Gerlinde Hutter fallen würden. In der Obersteiermark wird Fritz Grillitsch das nach den Ergebnissen von 2008 gut abgesicherte VP-Grundmandat, das der ÖVP aufgrund der Wahlkreisänderung dort erstmals zufallen wird, einnehmen.

Bernd Schönegger wurde von der ÖVP in Graz und Graz Umgebung an die Spitze gereiht.

Die Klage gegen die von Gesundheitslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder verordneten Tagsätze ist abgewiesen.

FPÖ-Landesrat Gerhard Kurzmann wird in die Rolle des Reserve-Reformpartners gedrängt.

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MEINUNG

Zu Gast bei Fazit

Ein Kommentar von Botschafter Aviv Shir-On

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ie Wahlen im Iran geben einen Grund zur Hoffnung, dass die extremistischen, bisweilen antisemitischen Positionen der Regierung nun gemäßigter werden. Bis jetzt hat die iranische Regierung den syrischen Regierungschef Baschar al-Assad und das Morden, das seine Soldaten an der syrischen Zivilbevölkerung in den letzten zwei Jahren begangen haben, unterstützt. Die Ohnmacht der internationalen Gemeinschaft angesichts dieses Blutvergießens, welche oft bei der ergebnislosen Diskussion im Weltsicherheitsrat oder der EU zum Ausdruck kam, wird leider noch einmal bewiesen durch die Entscheidung Österreichs, einem EU-Staat, seine Soldaten vom Golan abzuziehen. Damit hat Österreich seinen Beitrag zur UNO-Friedenstruppe beendet, die 1974 entlang der Waffenstillstandslinie zwischen Syrien und Israel stationiert wurde. Der Abzug der österreichischen

Das Bedauern über den Abzug der Österreicher ist groß, auch aufgrund ihrer guten und professionellen Leistung im Laufe der Jahrzehnte, die von allen Seiten stets gelobt wurde.

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Blauhelme, welche das größte Kontingent der UNO-Truppen bildeten, ist nicht nur ein weiterer Hinweis auf diese Ohnmacht, es ist auch ein schlechtes Zeichen für die Friedensbemühungen der UNO insgesamt und könnte in Zukunft die Bereitschaft von Konfliktparteien reduzieren, sich auf deren Vermittlung und Friedenstruppen zu verlassen oder diese gar zu akzeptieren. Ja, es stimmt schon, dass sich die Lage innerhalb Syriens verschlechtert hat und sich die Kampfhandlungen des Bürgerkrieges der Grenzlinie genähert haben. Aber zwischen Syrien und Israel – jenen Parteien, zwischen denen die Blauhelme stationiert wurden – blieb es relativ ruhig, zumal die Soldaten der UNO genau dort hingeschickt werden, weil es ein Krisengebiet ist und es deren Aufgabe ist, eine Eskalation so weit wie möglich zu verhindern. Dafür werden sie trainiert und dafür waren sie dort. Die Entscheidung Österreichs ist legitim, für manche sogar verständlich, aber für einen Israeli, der in einen Kriegszustand hineingeboren wurde und der seit über 60 Jahren mit diesem Konflikt leben muss, scheint mir diese Entscheidung etwas überhastet zu sein, und auch der Abzug der Soldaten geschieht schneller als erwartet. Nach der letzten Beratung zu Syrien in Brüssel gab die österreichische Regierung zu verstehen, dass bis August nichts geschehen wird, doch plötzlich wurde die UNO in New York vor vollendete Tatsachen gestellt und muss bereits jetzt einen Ersatz für die österreichischen Blauhelme finden. Das Bedauern über den Abzug der Österreicher ist groß, auch aufgrund ihrer guten und professionellen Leistung im Laufe der Jahrzehnte, die von allen Seiten stets gelobt wurde. Der schnelle Abzug schafft nun ein Vakuum, das nicht so schnell gefüllt werden kann. In Israel ist man enttäuscht und besorgt über diesen Beschluss, weil die derzeitige Lage, die der Grund für diese Entscheidung war, genau jener entspricht, in der sich Israel seit seiner Entstehung 1948 befindet – nur können wir nicht einfach aufstehen und gehen. Wir müssen bleiben, uns selbst schützen und ums Überleben kämpfen.

Israel hat sich, was seine Sicherheit angeht, zwar nie auf internationale Truppen alleine verlassen, aber es ist trotzdem schwer, das Gefühl zu verbergen, dass man alleine gelassen wird. Ich kann nur hoffen, dass diese Entwicklung dazu beiträgt, dass die Österreicher die schwierige Lage Israels im Nahen Osten besser verstehen. Manche hier werden nun vielleicht zweimal darüber nachdenken, bevor man uns aus der Ferne – im sicheren Europa – vorschreibt, was wir zu tun oder zu lassen haben, um uns zu verteidigen. Hoffentlich wird man auch künftig in Wien die Lage im Nahen Osten allgemein und in Syrien im Besonderen anders einschätzen, gerade was die »Hisbollah« betrifft. Diese schiitische libanesische Miliz kämpft jetzt gemeinsam mit der iranischen Revolutionsgarde an der Seite Assads und tötet Rebellen und unschuldige Zivilisten. Es ist wichtig, dass man auch in Europa erkennt, dass es sich hierbei um eine Terrorgruppe handelt. Die Hisbollah ist zwar eine politische Partei im Libanon – jedoch eine Partei, die einen militärischen Flügel hat, die Unschuldige in ihrem eigenen Land und in anderen Ländern ermordet. Sie ist in erster Linie eine Terrororganisation und gehört auf die Terrorliste der EU.

Aviv Shir-On ist Botschafter des Staates Israel in Österreich. embassies.gov.il/vienna

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menschen Offensive für besseres Zusammenleben Die Wohnbauressorts und das Integrationsressort des Landes setzen gemeinsam mit den steirischen Wohnbauträgern sieben Maßnahmen um, die das Zusammenleben im Wohnumfeld verbessern sollen. Unter anderem werden „BotschafterInnen des Zusammenlebens“ in Siedlungen gesucht.

Über die Ressorts hinweg konnten sich die Landesräte Bettina Vollath, Johann Seitinger und Siegfried Schrittwieser auf sieben Maßnahmen zum besseren Zusammenleben einigen.

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ie kann man das Zusammenleben im Bereich Wohnen verbessern? Dieser Frage sind in den vergangenen Monaten die zuständigen Ressorts des Landes gemeinsam mit dem Verband der gemeinnützigen Bauvereinigungen (GBV) nachgegangen. Aus der tiefgreifenden Analyse des Themenkomplexes „Wohnen & Integration“ ist ein 7-Punkte-Maßnahmenpaket entstanden. „Es geht um Prävention, nachhaltige Bewusstseinsbildung, Begleitung und Angebote zur Konfliktintervention“, betont Bettina Vollath. Besseres Zusammenleben könne man nicht verordnen, aber die Poli-

tik könne die Rahmenbedingungen verbessern, so die Integrationslandesrätin. In erster Linie soll die Zusammen-Wohnen-Offensive dazu beitragen, Menschen dazu zu motivieren, selbst zu handeln und die eigene Nachbarschaft positiv zu gestalten. Neben dem bereits laufenden Kleinprojektefonds „ZusammenWohnen“ und einer breit angelegten Info-Offensive werden ab Herbst auch „BotschafterInnen des Zusammenlebens“ in Siedlungen gesucht. „Eigenverantwortung und Empowerment können nur gelingen, wenn neben der institutionellen Ebene auch die BewohnerInnen selbst eingebunden werden“, erklärt Landesrat Johann Seitinger.

Mediation bei schweren Konflikten

Auch für den Fall, dass in Siedlungen schwere Konflikte auftreten, schafft die Offensive ein Angebot: Ab Herbst gibt es ein Angebot zur Krisenintervention durch Mediation, das von Städten, Gemeinden oder den Wohnbauträgern und Hausverwaltungen angefordert werden kann. „Die Unterstützung durch eine professionelle Mediation ist ein möglicher Ausweg, um einen Streit beizulegen“, erklärt LH-Stv. Siegfried Schrittwieser.

Fotos: Land Steiermark, Novapark, Fsg, Steiermark Tourismus

Pesserl wird neuer AK-Präsident

AK-Präsident Walter Rotschädl wird am 1. November 2013 in den Ruhestand treten. In einer Abstimmung im erweiterten Landesvorstand der Sozialdemokratischen Gewerkschafter konnte sich Josef Pesserl mit 53,15 Prozent durchsetzen. Die FSG wird daher den GKK-Obmann bei der AK-Vollversammlung im Herbst als neuen Präsidenten vorschlagen. Außerdem wird Pesserl als Spitzenkandidat der FSG in die AK-Wahlen 2014 gehen.

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kurz im Gespräch Natascha Koschutnig leitet das Hotel Novapark in Graz. Mit FAZIT sprach sie über die Positionierung des Hotels und die konjunkturell schwierige Seminarsparte.

Das Hotel Novapark gilt als klassisches BusinessHotel. Konnte man sich hier breiter aufstellen?

Unser Plan war es, im Bereich Kulinarik und Events unsere Angebotspalette zu erweitern. Die Produktlinie des Sonntagsbrunchs ließ sich sehr gut umsetzen und wird nach wie vor gerne von unseren Kunden angenommen. Im Eventbereich sind wir mitten im Aufbauprozess. Als erste Zwischenbilanz kann man jedoch sagen, dass wir als Kleinkunst- und Kabarettlocation gesteigertes Interesse der Veranstalter verzeichnen können. Eine Stärke ist der Seminarbereich. Wie haben sich die Ansprüche der Kunden über die Jahre geändert?

Die Ansprüche haben sich der wirtschaftlichen Lage entsprechend natürlich angepasst. Die Kunden erwarten ein hohes Maß an Flexibilität und Geschwindigkeit, ohne dabei Qualität zu verlieren. Die technischen Anforderungen sind einem ständigen Wandel unterworfen, auf den wir ebenso zeitgerecht reagieren müssen. Zusätzlich ist merkbar, dass Seminare, Tagungen etc. in immer komprimierterer Form stattfinden und oft auch sehr kurzfristig gebucht werden.

Georg Bliem: Top Tourismuschef

Das Branchenmagazin FM erstellte eine Liste der besten Touristiker Österreichs. Bewertet wurden Kompetenz, Sympathie und Leistung. Georg Bliem, Geschäftsführer von Steiermark Tourismus, belegte den zweiten Platz unter den Landestourismusdirektoren. Platz eins ging an Norbert Kettner von Wien Tourismus. Von allen 300 Touristikern aus Hotellerie, Interessensverbänden, Kongresszentren, Tourismusdirektoren und Seilbahnen erzielte er Platz elf.

Welche Herausforderungen kommen auf die Grazer Hotellerie in den nächsten Jahren zu?

Hierzu ist es schwierig, eine Aussage zu treffen. Wir, als vorwiegend im Businessbereich tätiges Unternehmen, sind sehr an die gesamtwirtschaftliche Lage gebunden, über die man derzeit sehr wenig sagen kann. Prognosen hierzu sind aus meiner Sicht allenfalls vage Vermutungen. Die Herausforderungen der nächsten Jahre sehe ich darin, Angebot und Kosten so variabel wie möglich zu halten sowie die Fähigkeit zu haben, auf Änderungen des Marktes schnellstmöglich reagieren zu können. FA Z i t

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MENSCHEN

Das grüne Herz als Käse

GRAWE für Kundenorientierung ausgezeichnet

Gerade erst ging Vinzenz Stern als Landessieger bei der Steirischen Käseprämierung hervor, jetzt kann er ein neues kulinarisches Highlight vorstellen: den Steiermark-Herzkäse aus Rohmilch, Rosmarin und Holunder. „Ich habe ein Jahr lang am Geschmack, der Herzform und der Farbe getüftelt. Ich bin vom Ergebnis begeistert“, so Stern. „Unsere Genusspalette ohne einen richtigen grünen HerzKäse wäre unvollständig“, freut sich Georg Bliem, Geschäftsführer von Steiermark Tourismus.

Bereits zum fünften Mal in sieben Jahren wurde die GRAWE mit dem „Recommender Award“ des Finanz-Marketing Verbandes Österreich ausgezeichnet. In diesem Jahr konnte sich die GRAWE in der Kategorie „Versicherungen bundesweit“ durchsetzen. GRAWE-Vorstandsdirektor Erik Venningdorf freut sich: „Es bedeutet uns viel und wir sind sehr stolz. Diese Auszeichnung spiegelt die Zufriedenheit unserer Kunden wider.“

Hochstrasser präsentiert neue Vakuum-Destillate

Am 6. Juni präsentierte die Edeldestillerie Hochstrasser aus Mooskirchen eine neue Produktlinie. Dabei kommt auch eine neue Vakuum-Destillieranlage zum Einsatz. Zur Premiere sind die Sorten Pfirsich, Rote Williams Birne, Williams Christbirne, Waldhimbeere, Marille und Zwetschke als Vakuum-Destillat erhältlich. „Die Vakuum-Destillation wird auch bei der Herstellung von feinen Parfum-Essenzen eingesetzt und ist das höchstentwickelte Destillierverfahren“, betont Geschäftsführer Gerald Hochstrasser.

WB Landesobmann Christian Buchmann und WB Direktor Kurt Egger gratulierten gemeinsam mit zahlreichen steirischen Persönlichkeiten dem ehemaligen Bundesminister Martin Bartenstein im feierlichen Ambiente des Landhauskeller zum 60. Geburtstag. Buchmann und Egger überreichten bei dieser Gelegenheit Bartenstein die höchste Auszeichnung des Wirtschaftsbundes, die Julius-Raab-Medaille.

Lyoness Open: Enttäuschung für Wiesberger

Bernd Wiesberger konnte seinen Vorjahrestriumpf bei den Lyoness Open nicht wiederholen. Er belegte nur den 14. Rang. Der Sieg ging an den Niederländer Joost Luiten, der nach einer 71er-Runde (-1) mit dem Total von 271 Schlägen (-17) vor dem Dänen Thomas Björn (273/-15) triumphierte.

Fest im Garten Österreichs

Am 26. Mai hat die Tourismusregion Oststeiermark zum Fest im Garten Österreichs eingeladen. Der Schlosspark Pöllau verwandelte sich dabei in eine kulinarische Genussmeile vom Apfel bis zum Weizer Berglamm. Mehr als 40 Aussteller der Region und auch aus den Projektpartnergebieten Wien und Ungarn präsentierten ihre Produkte. 18

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Die besten Jungverkäufer 2013

In vier Vorausscheidungen mit 58 Kandidaten aus 16 Branchen wurden schließlich im Finale im Cineplexx Kino Graz die besten Nachwuchsverkäufer ermittelt. Ganz oben auf dem Stockerl standen schließlich Lisa Hörting (Gernot Zeiringer GmbH) und Uwe Fritsch (Kaufhaus Karl Kappaun GmbH). Die Aufgabe der Kandidaten war es, ein zehnminütiges professionelles Verkaufsgespräch zu führen. Die beiden Gewinner werden nun die Steiermark beim Österreichwettbewerb in Salzburg vertreten.

Essigworkshop mit Alois Gölles

Am 5. und 6. Juli kann man sich gemeinsam mit Alois Gölles über die traditionsreiche Essigerzeugung und -lagerung informieren. Dabei werden auch die wichtigsten internationalen Essige, die Gölles auf seinen Reisen gesammelt hat, verkostet. Die Teilnehmerzahl ist auf 15 Personen beschränkt. Insgesamt kostet der Workshop 95 Euro. Anmeldungen unter: obst@goelles.at JUli 2013

Fotos: fmvoe, Bernhard Loder, Hochstrasser, GEPA, WB, WK Steiermark, STGKK, TV Oststeiermark, Fischer, Heimo Binder

Martin Bartenstein feiert 60. Geburtstag


MENSCHEN

GKK: Andrea Hirschenberger als Generaldirektorin

Zurück ins Zentrum

Die Preise für Bauland steigen kontinuierlich. Im Gegensatz dazu stehen in Ortskernen immer mehr alte, sanierungsbedürftige Gebäude leer. Landeshauptmann-Stellvertreter Siegfried Schrittwieser will nun auf diese Tendenz reagieren und ihr entgegenwirken. Mit dem Programm „Neues Leben im Ortskern“ will er Gemeinden dabei unterstützen, alte Gebäude zu erwerben, zu sanieren und dadurch günstigen Wohnraum zu schaffen.

Andrea Hirschenberger wurde vom Vorstand und von der Kontrollversammlung der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse einstimmig als Generaldirektorin bestätigt. Die Juristin steht seit 2009 als leitende Angestellte an der Spitze der Kasse. GKK-Obmann Josef Pesserl: „Der Anteil der Generaldirektorin an der erfolgreichen Konsolidierung ist gar nicht hoch genug einzuschätzen.“ Die Funktionsperiode Hirschenbergers dauert bis 2019.

Maecenas: Call for entries

“Wirtschaft und Kunst sind keine Gegensätze, auch das soll mit dem Symposium zum Maecenas zum Ausdruck gebracht werden,” erklärt Wirtschafts- und Kulturlandesrat Christian Buchman bei der Auftaktveranstaltung zum Maecenas Steiermark 2013. Am 30. Oktober werden in drei Kategorien Kunstsponsoring-Preis Maecenas von den Initiativen Wirtschaft für Kunst (IWK) vergeben. Einreichungen werden im Internet unter www.kulturservice.steiermark.at entgegengenommen. Die Einreichfrist endet am 18. September 2013.

Energie Steiermark steigt aus Ungarn aus

Die Energie Steiermark hat ihren 30-Prozent-Anteil an der ungarischen Energiedienstleistungsfirma Cothec Kft verkauft. Der Käufer ist eine österreichische Tochtergesellschaft des französischen Energiekonzerns Gaz de France/Suez. Vorstandssprecher Christian Purrer: „Wir wollen unser Engagement in Südosteuropa grundsätzlich stärken – die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dafür sind jedoch in der Slowakei günstiger.“ Dort will man nun verstärkt auftreten.

Konto kommt von Können: Das Raiffeisen Firmenkonto.

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Jederzeit den Überblick zu behalten, ist im Geschäftsleben schon der halbe Erfolg. Mit Raiffeisen ELBA Electronic-Banking können Sie rund um die Uhr und überall Ihre Bankgeschäfte erledigen. Wird die eigene Buchhaltung mit dem Firmenkonto verknüpft, werden Sie sogar automatisch an Skontofristen und Zahlungsfälligkeiten erinnert. Was Ihr Firmenkonto noch alles kann, erfahren Sie bei Ihrem Raiffeisenberater und unter www.raiffeisen.at/steiermark

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MENSCHEN

Echte Männer gehen in Karenz

Leonardo da Vinci in Leoben

Die Ausstellung „Faszination Schädel – der Kult um den Kopf“ in Leoben hat ein ganz besonderes Highlight zu bieten. Ein etwa zehn Zentimeter großes Objekt stammt aus der Nähe von Florenz und wurde zur Zeit der Renaissance hergestellt. Die Detailtreue und zahlreiche Parallelen zu Leonardo da Vincis Schädelzeichnungen weisen darauf hin, dass der Ausnahmekünstler selbst die Schädelfigur hergestellt haben könnte. Viele Indizien sprächen dafür, bestätigen Kenner der Materie und Wissenschafter.

Männer mit Babys und Männer, die bald Vater werden, informierten sich beim Beratungstag „Echte Männer gehen in Karenz“ in der Grazer Arbeiterkammer. AKPräsident Walter Rotschädl erklärt, warum sich die AK beim Thema Väterkarenz engagiert: „Die Väterkarenz ist ein wesentlicher Bestandteil in der Gleichstellung der Geschlechter.“ Erst vier Prozent der steirischen Kindergeldbezieher sind Männer.

Faszination Technik Challenge

Großes Theater um die Werber

Ein kanadischer Entertainer inszenierte gemeinsam mit dem „Theater am Bahnhof“ unter dem Motto „Glory Days“ die 25. Green Panther Gala am 6. Juni 2013 im ausverkauften Schauspielhaus. Der Werbepreis wurde bei der anschließenden Gala in der Alten Universität verliehen. Am erfolgreichsten war dabei die Agentur moodley mit zwei goldenen, einem silbernen und zwei bronzenen Panthern.

SPAR begleitet Licht ins Dunkel-Projekt

Durch das Anpflanzen von Kräutern, Obst- und Gemüsepflanzen im hauseigenen Garten sollen die Kinder des Anton Afritsch Kinderdorfs künftig ihre eigenen Lebensmittel ernten können. Unterstützt wurde das Projekt von der Aktion „Licht ins Dunkel“. Auch SPAR hat im vergangenen Jahr einen Teil der für Licht ins Dunkel gesammelten Spendengelder diesem Projekt gewidmet.

Landeswappen für steirischen Seniorenbund

Seit 1962 fungiert der steirische Seniorenbund, als Teil der ÖVP, als Sprachrohr für die ältere Generation. Inzwischen ist der Seniorenbund auf fast 40.000 Mitglieder in 343 Ortsgruppen angewachsen. Hunderte Veranstaltungen werden jährlich durchgeführt. Am 20. Juni hat die steirische Landesregierung dem Seniorenbund unter Geschäftsführer Friedrich Bernd Roll das steirische Landeswappen verliehen. 20

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Die „Faszination Technik Challenge“ findet heuer zum siebten Mal statt. Mehr als 1.000 Schüler aus 31 steirischen Gymnasien und 100 Betriebe nahmen bis jetzt an der Aktion teil. Sie nutzten die Gelegenheit und tauchten hautnah in die Welt der Technik ein. Organisiert wurde die Aktion von der Sparte Industrie der steirischen Wirtschaftskammer. „Um unseren Standort weiter zukunftsfit zu halten, müssen wir jede Gelegenheit nutzen, Hirnschmalz zu fordern und zu fördern“, erklärt WK-Präsident Josef Herk.

SPAR: Regional statt global

Rund 84 Prozent der österreichischen Bevölkerung bevorzugen beim Lebensmitteleinkauf Produkte aus Österreich. „Regionalität“ heißt das Zauberwort. Und Regionalität ist bei SPAR weit mehr als eine Modeerscheinung ist. Allein in der Steiermark bietet Spar mittlerweile in etwa 5.750 lokale und regionale Lebensmittel von 245 heimischen Erzeugern an. „Unsere vielfältigen Kooperationen mit regionalen und lokalen Anbietern zeigen, dass die Zusammenarbeit zwischen großen Händlern und kleinen Erzeugern gut funktioniert“, freut sich SPAR-Geschäftsführer Christoph Holzer.

BKS Bank „Bestes regionales Institut“

Die BKS Bank belegte beim Recommender 2013 den ersten Platz in Kärnten und der Steiermark und erhielt das österreichische Gütesiegel für „Sehr gute Kundenzufriedenheit“. „Wir sind sehr stolz darauf, dass wir in Kärnten und der Steiermark zum besten Institut gewählt wurden“, erklärt BKS Bank-Generaldirektor Heimo Penker. JUli 2013


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Meisterschulen und Sprachen boomen

Zum Tag der Weiterbildung am 12. Juni präsentierte das WIFI Steiermark die aktuellen Bildungstrends. Besonders stark war die Nachfrage bei den Meisterschulen, der runderneuerten Mediationsausbildung sowie bei Sprachenangebote für Kinder und die Generation 50 plus. Im Jahr 2012 hat das WIFI Steiermark 2.956 Weiterbildungsveranstaltungen für 36.194 TeilnehmerInnen abgehalten.

SPÖ Steiermark bestimmt Nationalratskandidaten

100 Prozent des Landesparteirates der SPÖ Steiermark hat sich für Verteidigungsminister Gerald Klug als Spitzenkandidaten ausgesprochen. „Die SPÖ hat ein starkes Team und wir sprechen die wichtigen Themen an. Unser Ziel ist es, dass wir die Steirerinnen und Steirer in Wien bestens vertreten“, so Klug. Auch bei der Nominierung der vier Spitzenkandidaten in den Wahlkreisen waren sich die 200 Delegierten einig.

Fotos: Freisinger, Langmann, Frankl, Wk Steiermark (2), LK Steiermark, Spar (2), Wifi Steiermark, SPÖ, Ingrid Fuchs, Steiermärkische Sparkasse, Bankhaus Krentschker, Fischer

Tischlerlehrlinge beeindrucken in Fürstenfeld

Über die ausgezeichneten Leistungen seiner Schützlinge freute sich der Landeslehrlingswart der Tischler Anton Ulrich beim Landeslehrlingswettbewerb in Fürstenfeld. Gewonnen haben im ersten Lehrjahr Alexander Haidinger von Cserni Wohnen, im zweiten Lehrjahr Michael Prader von der Lamprecht KG und im dritten Lehrjahr Bernhard Haidinger von der Tischlerei Haidinger. Das Potential, das in den Nachwuchstischlern steckt, ist außerordentlich beachtlich und lässt auf eine gute Zukunft des Gewerbes hoffen.

Investment-Brunch über Wachstumsmärkte

Der Präsident der Industriellenvereinigung Steiermark, Jochen Pildner-Steinburg, war Gastredner beim Investment-Brunch des Bankhaus Krentschker. Gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden des Bankhauses, Georg WolfSchönach, und dem Leiter des Vermögensmanagements, Karl Freidl, wurde über Emerging Markets und Chancen und Risiken internationaler Marktentwicklungen diskutiert.

Steiermärkische verlängert Vorstand

Der Aufsichtsrat der Steiermärkischen Bank und Sparkassen AG hat am 6. Juni den vierköpfigen Vorstand für die Funktionsperiode bis 2019 wiederbestellt. Gerhard Fabisch, Franz Kerber, Georg Bucher und Sava Dalbokov bilden weiterhin den Gesamtvorstand. Vorstandsvorsitzender bleibt Gerhard Fabisch. „Trotz des schwierigen Umfelds hat sich die Steiermärkische Sparkasse in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt“, lobt Aufsichtsratsvorsitzender Werner Tessmar-Pfohl.

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Gewinner des ÖBV Gewinnspiels

Nach Auswertung der durch die Österreichische Beamtenversicherung ÖBV durchgeführten Meinungsumfrage zum Thema „ Vorsorge“ wurde anlässlich des damit verbundenen Gewinnspiels unter den Teilnehmern Herr Mag. Franz Proksch aus dem Finanzamt Graz als einer der Hauptgewinner ermittelt. Der Sachpreis wurde von Regionalverkaufsleiter Herrn Hannes Greilberger und der ÖBV Versicherungskauffrau Andrea Manokyan überreicht. FA Z i t

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Klammerth eröffnet neu

La Bionda lud zum Tag der offenen Tür

Die Umbauarbeiten im Hause Klammerth in der Grazer Innenstadt sind beendet. Die Familie Nagl hat das gesamte Haus umgestaltet und auch das Konzept des Grazer Traditionshauses adaptiert. Die Bereiche „Cooking“, „Dining“, „Living“ und „Giving“ ziehen sich nun durch das gesamte Konzept. Firmenchefin Andrea Nagl: „Wir haben unsere Kernkompetenzen, die unsere Kunden so schätzen, in diesen vier Lebenswelten definiert.“

Schlumberger-Präsentation im Eckstein

Gleich doppelten Grund zum Feiern hatte Anita Priebernig, Besitzerin La Bionda, Friseur und Stylist in der Grazer Kalchberggasse 5, dieser Tage: einerseits lud man zum Tag der offenen Studiotür und andererseits konnte Anita Priebernig gleichzeitig ihren runden Geburtstag mit Kunden und Freunden feiern. Seit 2003 bietet La Bionda neben flotten Schnitten für die 'hellsten Köpfe' von Graz, Haarverlängerungen- und Verdichtungen, Wimpernverlängerungen, Nageldesign, Fußpflege, Farb- und Stilberatung an. Ein Besuch lohnt sich als, den das Team, rund um Anita ist einfach 'im Schnitt um Haareslängen voraus“.

Im neu umgebauten Grazer-Nobellokal Eckstein feierten die neuen Schlumberger Editionen Classic Brut 2009 und Rosé Brut 2011 ihre Steiermark-Premiere. Vom zeitlosen und gleichzeitig innovativen Schaumwein überzeugten sich nicht nur Schlumberger-Verkaufsleiter Herbert Emberger und Winzerin Illa Szemes, die für die neuen Kreationen neben Manfred Tement und F. X. Pichler ihr Know-how zur Verfügung stellt, sondern auch die zahlreichen geladenen Gäste aus der Grazer Gastronomie ließen sich die Präsentation nicht entgehen.

Forderungen für die Grazer Wirtschaft Die Regionalstelle Graz der Wirtschaftskammer hat auf Grundlage von rund 120 Gesprächen mit Grazer Unternehmen und einer Standortanalyse einigen Handlungsbedarf festgestellt.

G

raz ist mit 16.579 Unternehmen nach wie vor der Wirtschaftsmotor der Steiermark. Die Stadt steht allerdings vor der Herausforderung, nicht nur die bestehenden Unternehmen am Standort zu

sichern, sondern auch die Attraktivität des Standortes weiter zu erhöhen. Ausgehend von rund 120 Gesprächen mit Grazer Unternehmerpersönlichkeiten und der aktuellen Standortanalyse fordern WK-Re-

Foto: WK-Steiermark

Situation am Arbeitsmarkt verbessern

Regionalstellenobfrau Sabine Wendlinger-Slanina und Regionalstellenleiter Viktor Larissegger von der Wirtschaftskammer Steiermark fordern für den Wirtschaftsmotor der Steiermark neue Impulse. 22

gionalstellenobfrau Sabine WendlingerSlanina und Regionalstellenleiter Viktor Larissegger, dass ein wirtschaftsfreundlicheres Umfeld geschaffen werde. Dazu sollen das Standortmarketing ausgebaut werden, die Entfaltungsmöglichkeiten der Betriebe sichergestellt und Behördenverfahren rascher abgewickelt werden. Ein wichtiges Thema sei auch, die Erreichbarkeit sicherzustellen. Dafür brauche es die Errichtung eines dynamischen Parkleitsystems, neue Impulse für die Innenstadt und kreative Lösungsansätze wie die Murgondel. Wobei dabei zuerst die Wirtschaftlichkeit geprüft werden solle.

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Ein weiterer zentraler Punkt ist die Arbeitsmarktsituation in Graz. Derzeit sind 10.000 Menschen in der Murmetropole arbeitslos, während die Unternehmen händeringend nach Fachkräften suchen. Hier fordern Wendlinger-Slanina und Larissegger eine aktivere Integrationspolitik, mehr Berufsorientierung und den Ausbau des Universitätsstandortes. JUli 2013


NEUES AUS DER HAUPTSTADT

Grazer Behörden informierten über Verfahrensabwicklung

Kinder schwingen den Kochlöffel

„Die Kinderkochkurse der Genuss Hauptstadt Graz sind ein Erfolgsmodell“, ist Landesrat Johann Seitinger begeistert. Grazer Spitzenköche vermitteln dabei den teilnehmenden Kindern die Freude am Kochen. Etwa in der Küche des Restaurants Blounge. Seit 2010 haben mehr als 740 Kinder von diesem Kursangebot in den verschiedenen Grazer Gastronomiebetrieben Gebrauch gemacht.

Die Leiterin der Bau- und Anlagebehörde Verena Ennemoser und der Leiter des Stadtplanungsamtes Bernhard Inninger informierten am 17. Juni gemeinsam mit der Wirtschaftskammer im Hotel Europa über ihre Arbeit und die Verfahrensabwicklung. Die Bau- und Anlagenbehörde führt neben Bau- und Betriebsanlageverfahren auch Verfahren nach dem Veranstaltungsgesetzt und der Straßenverkehrsordnung durch.

Modelcasting im Shopping Nord

Beim Modelcasting im Shopping Nord mussten die Models nicht nur hübsch sein, sondern auch Mode präsentieren und im Posing geübt sein. Die Jury hatte es nicht leicht, die drei Schönsten zu wählen. Am Ende standen Christina Posch aus Parschlug, Elisabeth Novak aus Graz und Alexandra Rupp aus Heiligenkreuz am Waasen als Siegerinnen fest

kurz im Gespräch Sylvia Baumhackl leitet das Einkaufszentrum Shopping Nord in Graz. FAZIT sprach mit ihr über das harte Geschäft der Einkaufszentren und über die schwache öffentliche Anbindung in den Norden von Graz. Die Konkurrenz in Graz ist groß. Wie kann man sich als Einkaufszentrum durchsetzen?

Indem man sich von den anderen ein wenig abhebt, sei es durch Events oder unser Wohlfühl-Konzept. Wir versuchen, unseren Kunden immer auch etwas zurückzugeben – wie mit unseren Gewinnspielen oder anderen Benefits, etwa unseren „Geburtstagssackerln“. Ich denke, dass man sich auch immer etwas Besonderes einfallen lassen muss und nicht stehenbleiben darf. Tun ist das Zauberwort. Außerdem versuche ich, als Centerleiterin „meinem“ Center auch eine persönliche Note zu geben. Ich hoffe, das spüren unsere Kunden.

Fotos: Klaus Pressberger, Klammerth, Lebensressort, wko (2), Shopping Nord (2), TKZ, Schlumberger, Fazit

Gibt es in Graz zu viele Einkaufszentren?

Sommerempfang der WK Graz

Die Regionalstelle Graz lud zum zweiten Sommerempfang in das Erzherzog-Johann-Zimmer der Wirtschaftskammer Steiermark. In lockerer Atmosphäre nutzten rund 50 Unternehmer sowie Vertreter von Politik und Behörden, unter anderem auch WK-Direktor Thomas Spann, WKPräsident Josef Herk und Wirtschaftsstadtrat Gerhard Rüsch, die Chance für persönliche Gespräche und gemeinsamen Austausch.

Positives Geschäftsjahr für Holding Graz

Das Geschäftsjahr 2012 verlief für Wolfgang Malik, Vorstandsvorsitzender der Holding Graz, sehr gut. Der Umsatz konnte aus 208 Millionen Euro gesteigert werden. 71 Millionen Euro wurden in die Infrastruktur investiert. Die Vorgaben der Stadt Graz wurden erfüllt. „Die Einsparungspotenziale einer gemeinsamen Holding werden bereits jetzt sehr gut genutzt“, freut sich Malik. JUli 2013

Sagen wir es so: Durch die hohe Anzahl wird es für jedes einzelne Center nicht leichter. Ein zusätzliches Center wäre allerdings eindeutig zu viel. Ich denke, dass wir uns alle gut positioniert haben und da wir uns auf alle Himmelsrichtungen aufgeteilt haben, ist das nur ein Vorteil für unsere Kunden. Wie sagt man so schön: Konkurrenz belebt das Geschäft. Dem Shopping Nord fehlt die Anbindung zur Straßenbahn. Wie machen Sie diesen Wettbewerbsnachteil wett?

Wir haben dafür den Vorteil, dass wir direkt an der Autobahnanbindung liegen und unsere Kunden vorwiegend aus dem Norden kommen. Natürlich wäre es für unsere Kunden leichter, wenn etwa die Bushaltestelle wieder in das Areal des Shopping Nord verlegt werden würde. Dafür kämpfen wir seit Jahren. Ich denke, nach fünf Jahren Shopping Nord haben wir gezeigt, dass wir unsere Sache sehr gut machen. Was uns auch immer wieder – auch mir persönlich – von unseren Kunden bestätigt wird. Sie lieben das „heimelige“ Gefühl, wenn sie im Center sind, und dass sie alles bekommen, was sie brauchen. FA Z i t

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Foto: Jacqueline Godany


DAS FAZITGESPRÄCH

ABZUG zum Auftakt Wenn es einen Idealtyp für das diffizile Amt des Verteidigungsministers gibt, dann ist Gerald Klug nah dran, diesen zu erfüllen. In seiner Körperhaltung, seiner akkuraten Kleidung, dem praktischen Kurzhaarschnitt – in seinem ganzen Auftreten verkörpert er etwas Militärisches, ohne dabei auch nur in die Nähe einer martialischen Geste zu kommen. Sogar seine Schuhe putzt er akribisch selber – das wissen wir aus einem investigativen Interview der Kronen Zeitung. Klug befriedigt die Bedürfnisse von Militär und Zivilbevölkerung – und bis jetzt ist ihm kein Fehler unterlaufen. Einzig die Verantwortlichkeiten um die 90-Tage-Frist beim Abzug von den Golanhöhen sind noch ungeklärt und damit die erste Möglichkeit für alle politischen Gegner, den Überflieger zu kritisieren. Im Interview sprechen wir mit Klug darüber, wo er eigentlich die letzten sieben Jahre war und warum davon so wenig öffentlich wurde. Zudem geht es um die Beweg- und Hintergründe für den Abzug der österreichischen Soldaten vom Golan.

VON JOHANNES TANDL UND MICHAEL THURM

Herr Minister Klug, Sie sind seit rund 100 Tagen Verteidigungsminister, haben beim Landesparteitag der SPÖ Steiermark eine Zustimmung von 100 Prozent bekommen und sind nach gerade einmal drei Monaten beliebtestes Mitglied der Bundesregierung. Verraten Sie uns und Ihren weniger beliebten Kollegen: Wie haben Sie das angestellt? Ich möchte anderen Regierungskollegen dazu sicher nichts über die Medien ausrichten. Die Einladung des Bundeskanzlers, am 11. März in diese Regierung einzutreten, habe ich sehr gern angenommen. Seitdem gibt es auch eine verdichtete Tagesordnung. Wenn die Arbeit, die man dann in dieser Zeit macht, ein positives Echo verursacht, freut mich das natürlich. Im gleichen Atemzug sage ich aber immer dazu, dass ich dieses Kompliment an mein Team weitergebe. Einer allein könnte das nicht schaffen. Gibt es auch eine inhaltliche Erklärung, warum Ihre Beliebtheit so schnell und so deutlich kam? Andere Minister sind auch während der Legislatur angelobt worden und arbeiten viel. Ich kann nur meine Arbeit nach rund 100 Tagen reflektieren. Ich habe die Aufgaben, die sich mir gestellt haben, komprimiert und intensiv versucht zu erledigen. Ich habe die Vermutung, dass es vor allem hohe Erwartungen sind, die gerade am Anfang befriedigt werden, weil Ihr Vorgänger nicht sonderlich beliebt war. Bedeuten diese Erwartungen nicht auch eine gewisse Fallhöhe? Mit Fallhöhen beschäftige ich mich dann, wenn ich mein Jagdkommando besuche und entweder vom 12-Meter-Turm springe oder aus 3.800 Metern Höhe einen Tandemsprung mit einem Soldaten mache. Dann setze ich mich schon mit Fallhöhen auseinander, sonst habe ich dafür keine Zeit. Ich nutze sie, um die Aufgaben im

Gerald Klug wurde 1968 in Graz geboren und wuchs in Stainz auf. Er absolvierte eine Lehre als Dreher und auf dem zweiten Bildungsweg ein Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Graz. Gleichzeitig war er als Gewerkschafter in der Arbeiterkammer aktiv, von 2000 bis 2005 auch als Vorstandsmitglied. Im Anschluss war Klug für die SPÖ im Bundesrat, von 2010 an als Vorsitzender der SPÖ-Bundesratsfraktion. Im März dieses Jahres wurde er als Nachfolger von Norbert Darabos zum Verteidigungsminister ernannt. JULI 2013

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DAS FAZITGESPRÄCH

Von vornherein hat man schon gemerkt, dass Sie von den Soldaten ganz anders akzeptiert werden als Ihr Vorgänger. Sie unterscheiden sich aber auch in anderen Punkten, zum Beispiel in der Organisation des 8. Mai am Heldenplatz. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, diese Mahnwache abzuhalten und damit den Aufmarsch der Burschenschaften zu verhindern? Damit haben Sie ja auch viele Menschen in der Bevölkerung überzeugen können. Mir war es wichtig, ein deutliches Zeichen mit dem Bundesheer zu setzen. Wir haben das im Team vorbesprochen und wollten ein richtiges Signal senden. Daraus ist die Idee der Mahnwache entstanden, die wir dann auch umgesetzt haben. Das hatte eine hohe symbolische Wirkung, ebenso der Tandemsprung, den sie angesprochen haben, bei dem auch die Kronen Zeitung mit dabei war. Wie wichtig sind solche symbolischen Akte, um sich diese Beliebtheit zu erarbeiten, die Ihnen nun einen gewissen politischen Spielraum erlaubt? Ob ein Fallschirmsprung im Einzelfall eine wichtige Symbolik hat, weiß ich nicht, ich kann es auch nicht einschätzen. Mir sind meine Ziele wichtig, das entscheidendste für die wenige Zeit, die ich habe, ist die Attraktivierung des Grundwehrdienstes. Gleichzeitig möchte ich mir immer Zeit nehmen, um meine Truppe zu besuchen. Und ein Teil dieser Truppenbesuche ist eben auch, dass ich mich bei Gelegenheit aktiv in die Ausbildung einbringen kann. Das nehme ich dann gerne wahr. Nachdem es mein erster Fallschirmsprung aus dieser Höhe war, ist das natürlich eine neue Erfahrung, aber es geht auch darum zu wissen, wie es den Soldaten in den einzelnen Ausbildungsschritten oder den Spezialeinheiten geht. Vor den 100 sehr erfolgreichen Tagen als Minister waren Sie über sieben Jahre im Bundesrat. Was haben Sie oder was hat der Bundesrat falsch gemacht, dass man Sie bis dahin übersehen hat? Innerhalb des Bundesrates ist es meines Erachtens nach schwierig, eine aktive Öffentlichkeitsarbeit zu machen. Das ergibt sich aus dem verfassungsrechtlichen Rang, in dem die Länderkammer steht. Dazu kommt, dass die allgemeine Stimmung, die Einschätzung des Bundesrates in der Öffentlichkeit eine, sagen wir es vorsichtig, etwas unterbelichtete ist. Die öffentliche Wahrnehmung hängt ja mit der geringen politischen Bedeutung zusammen. Nur zum Teil. Es hat sich auch etwas gebessert, seitdem wir die Fernsehübertragung bekommen haben. Wenn wir daran denken, dass eine Sitzung des Bundesrates im Schnitt von 40.000 Menschen gesehen wird, dann ist das ein Schritt in die richtige Richtung. Ob es auf Dauer gelingt, bei den Kräften von Bund und Ländern einen aktiven Schritt zugunsten des Bundesrates zu machen, wird wohl die neue Legislaturperiode zeigen. Höre ich da heraus, dass eine Stärkung nötig wäre? Ich könnte mir eine Konzentration der Aufgaben im Bundesrat vorstellen. 26

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Das heißt? Da müssen Vorschläge von jenen Politikern kommen, die sich jetzt dort einbringen wollen. Ich werde mich als Regierungsmitglied nicht hinreißen lassen, meinen geschätzten Kollegen im Nachhinein etwas auszurichten. Sie sind nach drei Monaten im Amt nicht nur der beliebteste Minister, sondern in dieser Funktion auch involviert in die wichtigste außenpolitische Entscheidung der letzten Jahre: den Abzug der österreichischen Blauhelm-Soldaten von der UNFriedensmission auf den Golanhöhen. Von wem kam dafür die Initiative? Haben Sie das nach so kurzer Zeit im Amt selbst entschieden oder ging das von der Regierungsspitze aus? Wir hatten in den letzten Wochen und Monaten eine ganz eindeutige Entwicklung. Die Lage im Einsatzraum zwischen Syrien und Israel hat sich verschärft – das haben alle gemeinsam festgestellt. Innerhalb meiner politischen Verantwortlichkeit habe ich jene Maßnahmen getroffen, die zum Schutz der Soldaten notwendig waren. Das betrifft zum Beispiel die Ausrüstung, die schnell verbessert wurde. Die Verschärfung der Lage in den letzten Wochen hat sich dann am 6. Juni fokussiert. In den Morgenstunden gab es erstmals ein zeitgleiches Zusammenwirken mehrerer Rebellengruppen in dem Einsatzraum, in dem sich unsere Soldaten aufgehalten haben. Das war angeblich nach wenigen Stunden vorbei. Zum ersten Mal war es der syrischen Regierung nicht möglich, die UN-Mission ausreichend zu unterstützen. Das war eine Information in den Morgenstunden, die mich dazu veranlasst hat, den Lehrlingssporttag der Gewerkschaftsjugend in Zeltweg abzusetzen und den Krisenstab einzurichten. Zum einen, um diese Vorfälle zu analysieren, und zum anderen, um die Konsequenzen zu diskutieren. Dort waren auch Vertreter des Außenministeriums dabei. In diesem Krisenstab wurde unwidersprochen festgestellt, dass diese neue militärische Qualität eine hohe Wiederholungsgefahr hat. Vor diesem Hintergrund habe ich der Spitze der Bundesregierung einen geordneten Abzug der Soldaten vom Golan empfohlen. Diese Empfehlung wurde beraten und schließlich angenommen und die weitere Entwicklung ist bekannt. Wie »geordnet« der Rückzug nun erfolgt, darüber streitet man noch. Warum wurde die übliche 90-Tage-Frist nicht eingehalten, die zwischen Ankündigung und Rückzug zu liegen hat, damit sich die UNO um adäquaten Ersatz für das immerhin größte Soldatenkontingent dieser Mission kümmern kann?

Foto: Jacqueline Godany

Verteidigungsressort und in der Sportpolitik abzuarbeiten. In der Einschätzung, die Sie von meinem Amtsvorgänger gemacht haben, bin ich überzeugt, dass Norbert Darabos weit unter seinem Wert geschlagen wird, weil er sich auch sehr bemüht hat, die Themenfelder, die sich in diesen Ressorts stellen, aktiv zu betreiben. Jeder muss dabei seinen eigenen Arbeitsstil finden und ich pflege das als Mann des Dialoges immer mit einer offenen Tür. Zu meinem Team gehören meine engsten Mitarbeiter, in Fragen der Landesverteidigung ist mir aber auch ein regelmäßiger Kontakt mit der militärischen Führungsspitze wichtig, die ich gleich zu Beginn eingeladen habe. Und die Soldaten sehe ich ebenfalls als Teil meines Teams.

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Mir persönlich ist die Friedensmission am Golan sehr wichtig. Das war meine Position seit dem 11. März. Ich schätze die Lage mittelund langfristig auch so ein, dass es uns gelingen muss, für Stabilität im Nahen Osten zu sorgen, weil wir uns sonst Sorgen um das Friedensprojekt Europa machen müssen. Ich hatte aber von Beginn an drei wesentliche Kriterien für die Beteiligung Österreichs an dieser Mission, die für meine politische Verantwortung gelten. Das erste Kriterium war die Versorgung und Rotation unserer Soldaten. Diese muss langfristig gewährleistet sein. Das zweite war die Bedingung, dass die Überparteilichkeit und Akzeptanz unserer Präsenz von allen Parteien im Nahen Osten außer Streit steht. Der dritte Punkt war immer, dass mir die Sicherheit der Soldaten das Wichtigste ist. Mit dem Vorfall des 6. Juni sehe ich alle drei Bedingungen als nicht mehr erfüllt an, daher war aus meiner Sicht die Reißleine zu ziehen. Hätte die Aufwertung des UN-Mandates etwas gebracht, also mehr Kompetenzen für die stationierten Soldaten? Das ist eine klassische Was-wäre-wenn-Frage. Wir haben die Vereinten Nationen über viele Monate hinweg aufmerksam gemacht, dass sich die konkrete Situation im Einsatzraum sehr weit von dem ursprünglichen Mandat wegbewegt. Wir reden immer über eine Beobachter- und Meldefunktion gegenüber den Vereinten Nationen, um so die Einhaltung des Waffenstillstandes zwischen Syrien und Israel zu überprüfen. An diesem Auftrag hat sich nichts geändert, die Situation ist aber längst eine ganz andere. Der Bürgerkrieg in Syrien, der nie Teil der Mission war, ist inzwischen so nah an unsere Soldaten herangekommen, dass die Sicherheit nicht mehr gewährleistet werden kann. Ich kann dem nur Stimmen entgegenhalten, die dieser Einschätzung deutlich widersprechen. Der Protest der Israelis ist nachvollziehbar. Aber auch in Österreich gab es Kritik. Der ehemalige Generalstabschef Edmund Entacher spricht im Profil davon, dass all diese Erklärungen eine Ausrede seien, um den »aus innenpolitischen Gründen erfolgten Abzug« zu rechtfertigen. Sein Nachfolger Othmar Commenda sagt, dass man hätte bleiben können. In der Presse werden Offiziere anonym zitiert, die von glatten Fehlentscheidungen sprechen und behaupten, dass es keine »führende Persönlichkeit beim Heer gegeben hat, die sich für einen Abzug eingesetzt hätte«. Das sind alles militärische Einschätzungen, die Ihnen widersprechen. Man muss das als Entwicklung betrachten. Ich runde diese Debatte noch mit dem ausdrücklichen Hinweis ab, dass Österreich immer klargestellt hat, dass eine Aufhebung des Waffenembargos gegenüber Syrien oder den syrischen Rebellen nicht nur ein erhebliches Problem ist, sondern unsere Aufgabe dort massiv erschweren würde. Auch das gehört zum Thema. In der militärischen Einschätzung habe ich einen ganz klaren Zugang. Auf jene, die anonym geblieben sind, will ich nicht explizit eingehen. Fest steht, dass für unsere Soldaten, so wie diese an einen Auslandseinsatz herangehen, natürlich klar ist, dass sie dort bleiben wollen. Sie werden dafür ausgebildet und vorbereitet. Sie melden sich freiwillig, sie wissen, worauf sie sich einlassen, und dürfen jederzeit zurück. Und ihnen ist bewusst, dass diese Aufgabe gefährlich ist. Bei dem Holz, aus dem unsere Soldaten geschnitzt sind, ist klar, dass sie auch länger geblieben wären. Ohne Frage. Der entscheidende Punkt ist aber, dass es eine konkrete Entwicklung gibt, die eine politische Entscheidung verlangt. Also ist es eine politische Entscheidung und nicht nur eine militärische? Ganz eindeutig. Die militärische Einschätzung ist die Grundlage, aber der Abzug ist eine politische Entscheidung. Das habe ich immer versucht zu erklären. Unsere Soldaten nehmen natürlich RisiJULI 2013

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DAS FAZITGESPRÄCH

ken in Kauf. Aber als Politiker müssen wir unabhängig davon das Risiko der Gesamtlage einschätzen und das haben wir mit dem bekannten Ergebnis gemacht. Gibt es eine besondere österreichische Verantwortung gegenüber Israel? In dem Maße, in dem ich einen Beitrag leisten kann, habe ich das gemacht. Am Golan habe ich bei meinem Besuch im Mai auch den israelischen Verteidigungsminister Moshe Yaalon getroffen und ihm signalisiert, dass wir immer bemüht sind, ein verlässlicher Truppensteller zu bleiben. Wir waren schließlich 39 Jahre vor Ort. Aber wir machen das nicht um jeden Preis und dafür hatte er Verständnis. Wäre die Entscheidung auch so gefallen, wenn im Herbst keine Nationalratswahlen wären? Na selbstverständlich. Es ergibt sich die grundsätzliche Frage nach dem Zweck des Bundesheeres. Werden Inlandseinsätze wie bei der letzten Flutkatastrophe wichtiger als Friedensmissionen?

Ich sehe immer beide Bereiche als bedeutend. Wir werden uns auch weiterhin an Friedensmissionen beteiligen. Aus dem konkreten Fall des Golan lässt sich nicht ableiten, dass wir kein verlässlicher Truppensteller mehr sein wollen. Dort hat uns die Situation nach 39 Jahren zum Abzug gezwungen. Wenn Österreich wieder um Unterstützung gefragt wird, werden wir ein solches Mandat selbstverständlich prüfen. Wenn also das Mandat mehr als eine Beobachterfunktion hergibt, zum Beispiel Kampfeinsätze, könnte auch das eine Option sein? Wir haben im Libanon bereits ein solch stärkeres Mandat und beteiligen uns dort aktiv. Jeder Einsatz muss auf Basis des Mandates auch in Österreich einer Diskussion standhalten. Wir haben da sehr widersprüchliche Ansätze innerhalb der politischen Debatte und diese ist noch nicht endgültig abgeschlossen. Man muss aber immer zwischen der politischen Einschätzung und der konkreten militärischen Lage unterscheiden, die sich schneller ändern kann. Sie haben den Libanon angesprochen. Steht dort ein Rückzug zur Diskussion?

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DAS FAZITGESPRÄCH

»Das ist für ein Land wie Österreich mehr, als man erwarten könnte.« VERTEIDIGUNGSMINISTER GERALD KLUG

Zur Stunde steht so etwas nicht im Raum. Wir wollen uns dort weiter im Rahmen des Mandates beteiligen. An der Rolle des Heeres hat sich also durch diesen Abzug nichts geändert? Ganz genau so ist es. Mit dieser Rolle hängt auch der Präsenzdienst zusammen, dessen Reform Sie noch im Juni vorstellen wollen. Wozu soll das Bundesheer künftig da sein, wozu sollen Präsenzdiener ihren Dienst verrichten? Es steht nicht die große Reform des gesamten Bundesheeres an, sondern die Attraktivierung des Präsenzdienstes. Dieser Unterschied ist sehr wichtig und ich sehe das als den Auftrag der Volksbefragung vom 20. Jänner. Und diesen Auftrag arbeite ich jetzt ab. Das bleibt völlig unberührt von der Entwicklung am Golan. Wir erklären uns auch weiterhin bereit, mit durchschnittlich 1.100 Soldatinnen und Soldaten bei Friedensmissionen im Ausland aktiv zu sein. Das ist für ein Land wie Österreich mehr, als man erwarten könnte, aber wir leisten diesen Beitrag aus Überzeugung.

Was wird sich am Präsenzdienst ändern? Sie wollen diesen Monat noch Ihre Reformvorschläge präsentieren. Ich will dem Bericht nicht vorgreifen, aber es ist klar, dass wir eine Win-Win-Situation erreichen wollen. Zum einen müssen wir den Dienst für rund 22.000 Burschen, die jährlich zu uns kommen, so attraktiv gestalten, dass sie für ihr weiteres Leben etwas mitnehmen. Zum anderen wollen wir natürlich mit einem attraktiveren Grundwehrdienst einen Beitrag leisten, damit wir die besten jungen Männer für das Bundesheer gewinnen. In diesem Zusammenhang werden wir alle Eckpunkte neu aufstellen, angefangen vom konkreten Einsatz der Rekruten in sinnvollen Aufgabengebieten. Es wird also weniger Funktionssoldaten geben und mehr Ausbildung im militärischen Kerngeschäft. Wir werden auch das Sportangebot breiter aufstellen, weil wir bisher zu lauflastig waren. Und wir werden darüber hinaus ein Maßnahmenpaket auf die Beine stellen, das deutliche Signale in Richtung Miliz beinhalten wird. Herr Klug, vielen Dank für das Gespräch.

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Steuer Board

investor Europas Automarkt in tiefer Krise Der europäische Automobilmarkt setzt seine Talfahrt fort. Im Mai konnten in der EU sowie in den drei EFTA-Staaten Norwegen, Island und der Schweiz nur 1,1 Millionen Fahrzeuge abgesetzt werden – um rund sechs Prozent weniger als im Mai des Vorjahres.

Mag. Klaus Gaedke

EU-Beitritt Kroatiens Durch den EU-Beitritt Kroatiens ergeben sich ab 1. Juli 2013 bei Geschäftsbeziehungen mit kroatischen Unternehmen einige Änderungen im Bereich der Umsatzsteuer. Bei Lieferungen und sonstigen Leistungen an und von kroatischen Unternehmern und an Privatpersonen sind ab 1.7.2013 die allgemeinen Mehrwertsteuer-Regelungen der EU anzuwenden. Lieferungen an kroatische Unternehmungen gelten daher nicht mehr als Ausfuhrlieferungen, sondern als innergemeinschaftliche Lieferungen. In diesem Zusammenhang sind insbesondere die allgemeinen Rechnungskriterien für innergemeinschaftliche Lieferungen zu beachten. Auf Rechnungen sind folglich zusätzlich die UID-Nummer des Empfängers (bitte stets überprüfen!) und der Hinweis auf die Steuerfreiheit anzuführen. Bei Lieferungen an Abnehmer in Kroatien ohne UIDNummer ist grundsätzlich österreichische Umsatzsteuer in Rechnung zu stellen. Bei Dienstleistungen an kroatische Unternehmer muss ebenfalls die UID-Nummer angeführt werden. Auch sind die Leistungen an kroatische Unternehmer in die Zusammenfassende Meldung aufzunehmen. Erwerbe aus Kroatien durch inländische Unternehmer unterliegen ab 1.7.2013 der Erwerbsbesteuerung. Bei Geschäftsbeziehungen mit kroatischen Unternehmen sollten daher entsprechende Vorbereitungen getroffen und die Buchhaltungs- und Logistiksysteme entsprechend angepasst werden.

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abei war schon das Jahr 2012 das schlechteste Autojahr seit 1995. Dem Automobilherstellerverband ACEA zufolge kamen zwischen Jänner und Mai 2013 in Europa knapp 5,3 Millionen Pkw erstmals auf die Straße – ein Minus von 6,8 Prozent. Sowohl West- als auch Osteuropa kämpfen mit einer sinkenden Nachfrage. In den westeuropäischen Ländern sanken die Neuzulassungen im Mai um 5,7 Prozent auf knapp 979.000 Einheiten. Vom Rückgang waren nahezu alle größeren Märkte betroffen: Frankreich (–10,4 Prozent), Deutschland (–9,9 Prozent) und Italien (–8 Prozent) waren tief im Minus.

Europa in struktureller Absatzkrise

Die Unternehmensberatung „Alix Partners“ erwartet, dass sich die Absatzzahlen in Europa über längere Zeit nicht erholen werden, und sieht eine strukturelle Absatzkrise. So verzeichnet der Kfz-Absatz bereits das sechste Jahr in Folge einen Rückgang. Für die Zukunft sieht man einen Stillstand als realistisches Szenario, da die Veränderungen bei der Nachfrage eher strukturell als zyklisch zu sein scheinen. Gleichzeitig seien staatliche Absatz-Stützprogramme wie zu Zeiten der Abwrackprämie aufgrund der Budgetrestriktionen im Euro-Raum derzeit unwahrscheinlich, so „Alix Partners“. Für die These einer strukturellen Nachfrageveränderung in Westeuropa sprechen mehrere parallel laufende Trends, die sich dämpfend auf die Kfz-Nachfrage auswirken: Angeführt werden die hohe Jugendarbeitslosigkeit, ein stagnierendes bis schrumpfendes verfügbares Einkommen 30

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und die zunehmende Überalterung der Bevölkerung. Dazu kommen die abnehmende Rolle des Autos als Statussymbol und die verringerte Fahrzeugdichte in Großstädten. Zusätzlich nimmt die Lebensdauer der Fahrzeuge zu.

Autoindustrie: Eine Welt mit drei Geschwindigkeiten

Die globale Automobilindustrie hat sich damit zu einer Welt mit drei Geschwindigkeiten entwickelt: Im Schnellgang bewegen sich China, Russland, Brasilien, Indien und die Vereinigten Staaten. Bis 2018 werden sie 75 Prozent des weltweiten Wachstums auf sich vereinen. Westeuropa und Japan bleiben weiter im Rückwärtsgang, während sich der Rest der Welt langsam nach vorne bewegt. „Alix Partners“ sieht unter den europäischen Herstellern diejenigen gestärkt aus der Krise hervorgehen, die gleichzeitig über Premium-Marken verfügen, in den Wachstumsmärkten stark sind, ihre Produktionsstruktur flexibel an den Markt anpassen, Kostenvorteile durch modulare, globale Plattformen realisieren können und in Zukunftstechnologien investie-

ren. Im Wesentlichen sind das der VW-Konzern, DaimlerBenz und BMW. Den ACEA-Zahlen für den Absatz in Europa zufolge verbuchte Peugeot-Citroën im Mai mit minus 13,3 Prozent den schärfsten Rückgang, gefolgt von Fiat mit minus elf Prozent und Renault mit minus zehn Prozent. Marktführer Volkswagen kam mit einem blauen Auge davon: Während die Hauptmarke VW sieben Prozent weniger verkaufte als vor einem Jahr, hielt sich der Rückgang bei Audi mit minus 3,9 Prozent in Grenzen. Die lange schwächelnde spanische Marke Seat legte hingegen um fast 13 Prozent zu. Insgesamt sanken die Neuzulassungen des Wolfsburger Konzerns um 2,8 Prozent. Bei den Premiumautobauern schlug sich Daimler hervorragend. Die Neuzulassungen der Stuttgarter Oberklassemarke Mercedes-Benz stiegen in Europa um 2,6 Prozent, während der Münchner Rivale BMW 7,3 Prozent einbüßte. Auch bei Opel und Vauxhall setzte sich der Abwärtstrend mit minus 8,4 Prozent fort. Ford konnte den Absatz im Mai stabil halten, büßte seit Jahresbeginn aber wie GM Marktanteile ein.

Foto: Archiv

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In Europa stürzt der Kfz-Absatz weiter ab. Der Absatz in den USA und BRICK-Staaten boomt hingegen. JUli 2013


investor investor

REDAKTION: JOHANNES TANDL

„Wenn die Zinsen am Boden sind, kriegt das Geld Füße!“ trieren, haben sich wesentlich schneller erholt als die meisten „Small und Mid Caps“ (Anmerken: sogenannt Nebenwerte – also Aktien von kleineren und mittleren Unternehmen mit geringere Börsenkapitalisierung). Die großen Unternehmen sind meist antizyklisch aufgestellt und ihr Börsenwert aber auch ihre Gewinnsituation hat sich rasch erholt.

Die zur Uni-Credit-Gruppe gehörende Schoellerbank wurde vom „Elite-Report“ des renommierten „Handelsblatt“ zur besten österreichischen Vermögensverwaltung gekürt. Johannes Tandl sprach mit Heimo Haidmayer, dem Geschäftsführer der Schoellerbank in der Steiermark, über Veranlagungsmöglichkeiten in der Niedrigzinsphase.

Dabei gibt es gerade im sicheren PrivateBanking-Geschäft einen enormen Wettbewerb … Wir versuchen, unseren Kunden ein Konzept zu geben, wie sie ihr Vermögen werterhaltend anlegen können. Momentan sehen wir, dass nicht nur Sparbücher, sondern auch Staatsanleihen zu einer stillen Enteignung führen. Diese Entwicklung wird uns noch über einen längeren Zeitraum begleiten, und daher gibt es für uns viel zu tun, denn irgendwann werden die Zinsen anziehen und die Anleihen stürzen ab, weil dann alle in ertragreichere Investments wollen. Das ist ein sehr gefährliches Szenario. Immer wenn die Renditen in der Vergangenheit besonders hoch waren, stürzten kurz darauf die Privatanleger ab. Droht uns jetzt nicht JUli 2013

die gleiche Entwicklung? Blicken Sie zurück auf das Jahr 2008 und schauen Sie, welche Tretminen da auf den Finanzmärkten explodiert sind. Das waren Hedgefonds, „Private Equities“ und diverse Nachrangpapiere, die allesamt einen enormen Ertrag versprachen. Das sind Sachen, bei denen wir nicht mitgemacht haben. Wenn Sie zu uns kommen, erarbeiten wir für Sie eine Anlagestrategie und die ziehen wir dann durch.

Und die geschlossenen Fonds, die sonst überall angepriesen werden, sind auch nicht gut genug für die Schoellerbank? Um Gottes willen – Hände weg! Da sind zahlreiche Tretminen bereits scharf geworden. Die werden in den nächsten Wochen und Monaten hochgehen. Ganz egal ob Schiffsbeteiligungen, geschlossene Immobilienfonds oder sonstige Dinge. Diese Produkte haben sehr hohe Verwaltungs- und Vertriebskosten und liefern den Anlegern erst bei sehr hohen Renditen den versprochen Ertrag. Das Problem dabei: Die Ertragsversprechen basieren auf Zahlen aus der Vergangenheit und sind heute nicht mehr haltbar.

Und das ist dann wesentlich sicherer? Natürlich wird im Portfolio laufend umgeschichtet und auch außerhalb des Euroraums geschaut, aber im Wesentlichen setzen wir auf Aktien von global aufgestellten großen Unternehmen. Die haben 2008 zwar auch ihre Delle abbekommen, doch was ist danach geschehen? Die Spitzenwerte, auf die wir uns in unserer Kernstrategie konzenFoto: Schoellerbank

Herr Haidmayer, was bringen solche Auszeichnungen wie der „Elite-Report“ für Ihr Tagesgeschäft? Das bringt uns vor allem die Bestätigung, dass wir mit unserer Strategie erfolgreich sind. Und natürlich schadet es nicht, wenn objektive Institutionen attestieren, dass man weit besser abschneidet als der Markt. Seit Jahresfang sind wir jedenfalls um 13,9 Prozent auf insgesamt 590 Millionen Euro Veranlagungskapital gewachsen. Das macht uns schon sehr stolz.

Heimo Haidmayer: „Wir suchen Aktien von global aufgestellten Unternehmen, die über die letzten 20 Jahre trotz mehrerer Krisen eine Durchschnittsrendite zwischen 8 und 12 Prozent geschafft haben.“

Und wie stehen Sie zum Boom, den es bei Unternehmensanleihen derzeit gibt? Ebenfalls äußerst kritisch! Zu diesem Unternehmensanleihe-Boom kam es ja nur wegen Basel III. Die Banken sind sehr vorsichtig geworden und helfen den Unternehmen lieber risikofrei bei der Emission einer Anleihe als mit einem Kredit. Mir sind drei Unternehmensanleihen aus dem Jahr 2012 bekannt, die es nicht einmal bis zum ersten Kupon (Anmerkung: dem Fälligkeitstag für die Zinsen) geschafft haben und schon vorher in die Insolvenz gestürzt sind. Und in welche Papiere investieren Sie klassisch? Wir gehen zwar auch in sichere Pfandbriefe, Fremdwährungsanleihen in den Dollarwährungen, Nordeuropa aber auch asiatischen Währungen. Doch in den nächsten 10 Jahren sehen wir die Aktien als die sicherste und ertragreichste Anlageform. Wir suchen uns sozusagen die „Nestlés“,„CocaColas“ und „Colgate Palmolives“ dieser Welt zusammen – Papiere von global aufgestellten Unternehmen, die über die letzten 20 Jahre trotz mehrerer Krisen eine Durchschnittsrendite zwischen 8 und 12 Prozent geschafft haben. Wir suchen Substanzwerte, die teilweise noch sehr attraktiv bewertet sind, und veranlagen langfristig. Zusätzlich schauen wir uns auf den Emerging Markets und auf dem infolge der Geldschwemme kurzfristig boomenden Markt in Japan um. Herr Haidmayer, danke für das Gespräch! FA Z i t

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investor

Schlechte Zeiten für Gold G

old gilt als klassischer Inflationsschutz. Wer Gold kauft, hofft darauf, dass seine Goldbestände im Realwert gleich bleiben, während die Währungen an Wert verlieren. Die Geldschwemme, die von den großen Notenbanken ausgelöst wurde, hat naturgemäß entsprechende Inflationsängste genährt. Tatsächlich bleiben die Investitionen der Realwirtschaft niedrig. Daher sinkt die Inflation im Moment eher anstatt zu steigen. Die Niedrigzinspolitik der Notenbanken hat den Aktienboom zusätzlich befeuert. Und immer mehr spekulative Gold-

Vom Ing. zum

käufer, haben ihr Portfolio bereits entsprechend umgeschichtet. Natürlich waren die institutionellen Anleger wieder einmal wesentlich schneller. Seit Jahresanfang wurden Gold-Indexprodukte abgestoßen, die etwa 517 Tonnen physischem Gold entsprechen. Auch die Hedgefonds sind ausgestiegen. Die Phantasie, dass es in absehbarer Zeit zu neuen Höhenflügen kommen könnte, ist daher beinahe völlig erloschen. Trotz der sinkenden Preise bleibt physisches Gold attraktiv. Münzprägeanstalten freuen sich nach wie vor über

Dipl.-Ing. (FH)

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Gold ist erstmals seit März 2011 wieder unter 1000 Euro je Feinunze gefallen – seit Herbst 2012 immerhin ein sattes Minus von fast 40 Prozent.

Der Goldpreis liegt erstmals wieder unter 1000 Euro je Feinunze. Rekordabsatzzahlen bei Barren und Münzen. Immer noch werden keine Bestellungen für südafrikanische KrügerrandMünzen angenommen. Auch der American Eagle oder der österreichische Philharmoniker sind stark nachgefragt.

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Anleger die auf Werterhaltung und weniger auf Spekulationsgewinne setzen, nützen die niedrigen Preise um Goldbestände aufzubauen. Gleichzeitig kaufen auch die Zentralbanken einiger Schwellenländer.

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Versicherungsmakler: Doppelter Schutz durch die Maklerhaftung Versicherungsmakler werden vom Kunden oft mit Versicherungsvertretern oder Versicherungsagenten verwechselt. Dabei gibt es gravierende Unterschiede. Diese betreffen sowohl die besondere Ausbildung und Qualifikation der Makler als auch die Rechtsverbindlichkeit der von ihnen abgeschlossenen Geschäfte. Denn während das Gesetz im Versicherungsvertreter einen Dienstnehmer sieht, der mit bestem Wissen und Gewissen ein Produkt verkauft, gilt der Versicherungsmakler als Sachverständiger, auf dessen Expertise sich der Kunde weitgehend verlassen können muss. Insbesondere was die Herausforderungen schwierig verständlicher Polizzen-Klauseln und strittiger Deckungssituationen anlangt, haftet der Makler für die Richtigkeit seiner Ratschläge mit seinem Vermögen! Wegen dieser Haftungsproblematik wird eine Versicherung erst dann zur besten Versicherung, wenn sie bei einem Versicherungsmakler abgeschlossen wird.

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ährend beim Versicherungsvertreter und beim Versicherungsagenten klar ist, dass sie aufseiten einer Versicherungsgesellschaft stehen und deren Interessen durchzusetzen versuchen, sind die Versicherungsmakler unabhängig. Vor dem Gesetz gelten sind sie immer auch Sachverständige in Risikofragen, die ihre Kunden mit Sorgfalt beraten müssen, um ihnen bei der Risikoabschätzung behilflich zu sein. Für die Kunden heißt das, dass sie sich voll darauf verlassen können, dass der Makler weiß, wozu er ihnen rät, denn schließlich haftet er für die Richtigkeit seiner Ratschläge.

ler ist dazu verpflichtet, seiner Tätigkeit eine Risikoanalyse und ein Deckungskonzept voranzustellen. Er haftet mit seinem Vermögen für seinen Rat. Und da ein

Versicherungsmakler haften mit ihrem Vermögen bei wesentlichen Beratungsmängeln

Wenn ein Versicherungsnehmer im Schadensfall mit einer Versicherung streitet, geht es meist darum, dass die Versicherung nicht für einen Schaden aufkommen will, von dem der Versicherungsnehmer meint, dass er durch seine Versicherungspolizze abgedeckt ist. Während Privatkunden in diesem Fall durch das Konsumentenrecht hinlänglich geschützt sind, gelten für einen Unternehmer die wesentlich strengeren Vorschriften des ordentlichen Kaufmanns. Von ihm nimmt der Gesetzgeber an, dass er die kleingedruckten Klauseln des Versicherungsvertrages nicht nur genau gelesen, sondern auch verstanden hat – eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit für jeden Branchenfremden. Da nur die Versicherungsmakler für die Richtigkeit ihrer Ratschläge haften, können sich die Kunden daher nur unter der Voraussetzung darauf verlassen, dass der Versicherungsvertrag weder nicht erkannte Deckungslücken noch nicht richtig geschlossene Deckungslücken enthält, wenn er über einen Versicherungsmakler zustande gekommen ist. Denn der MakJUli 2013

„Durch die Maklerhaftung werden Versicherungsmakler bei mangelhafter Beratungsleistung zur Verantwortung gezogen“, unterstreicht Fachgruppenobmann Gunter Riedlsperger die besondere Kompetenz der Versicherungsmakler.

Großschadensereignis das Vermögen des Makler-Unternehmens regelmäßig übertreffen wird, müssen die Makler über eine entsprechende Haftpflichtversicherung verfügen. Der Maklerkunde ist daher in sicheren Händen. Als weiteres exklusives außergerichtliches Serviceinstrument haben Maklerkunden zudem die Möglichkeit, im Streitfall die gemeinsame Schlichtungsstelle von Maklerverband und Versicherungswirtschaft anzurufen, deren Ergebnisse in der Regel von der Versicherungswirtschaft anstandslos akzeptiert werden. Eine Analyse der Fachgruppe der Versicherungsmakler hat darüber hinaus ergeben, dass in vielen Unternehmen die Prämienleistungen für Versicherungen in krassem Widerspruch zu den Deckungssummen stehen. Dort wo Versicherungen als vermeintlich günstig angesehen werden, bestehen teilweise dramatische Unterdeckungen. Die Gründe für dieses Ergebnis liegen im schlechten Polizzenmanagement bei Unternehmungen, die ihre Verträge direkt beim Versicherungs-Außendienst abgeschlossen haben. Die angestellten Versicherungsvertreter verfügen meist nur über eine stark eingeschränkte Perspektive der Marktangebote. Der Versicherungsmakler kennt hingegen den Gesamtmarkt und ist bei seiner Beratung nicht auf die Produkte eines einzelnen Versicherers angewiesen. Dies Marktkenntnis birgt für die Kunden ein enormes Einsparpotential, denn im Versicherungsgeschäft gibt es, wie bei den meisten anderen Branchen auch, Experten, die nur einen Teil des Angebots, diesen dafür hervorragend abdecken. Daher empfehlen die meisten Unternehmensberater bei der Analyse des Riskmanagements die Beiziehung unabhängiger Versicherungsmakler. FA Z i t

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MENSCHEN

Buchmann stolz: „Seit 1995 haben die steirischen Unternehmen 70.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen.“

EU brachte 50.000 Arbeitsplätze in die Steiermark Ende Juni findet in Graz ein EU-Seminar zur Stärkung der europäischen Automobilindustrie statt. Wirtschaftslandesrat Christian Buchmann tritt dabei als Berichterstatter für den EU-Ausschuss der Regionen auf. Er sprach mit Johannes Tandl über die Zukunft der vermeintlich „autolastigen“ steirischen Wirtschaft. Die Steiermark wurde von der EU zur „Europäischen Unternehmerregion 2013“ gekürt. Wie erreicht man eine solche Auszeichnung? Die Steiermark ist eine von 271 Regionen in den 27 EU-Mitgliedsländern. 2013 ist die Wahl der Europäischen Unternehmerregion auf die Steiermark gefallen, weil wir aus Sicht der EU sehr gut verstanden haben, Wirtschaft und Wissenschaft miteinander zu vernetzen. In Brüssel auffällig geworden sind wir mit unserer Forschungs- und Entwicklungsquote von 4,3 Prozent – der zweithöchsten der gesamten Union. Im Vergleich strebt die EU bis 2020 eine F&E-Quote von durchschnittlich 3 Prozent an. Was bringt diese hohe F&EQuote für den Standort? Mit diesen 4,3 Prozent liegt die Steiermark natürlich auch in Österreich an der Spitze. Wir sind permanent daran, in den Betrie34

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ben neue Produkte und Dienstleistungen, aber auch neue Verfahrenstechnologien zu entwickeln und damit neue Arbeitsplätze zu gestalten sowie die bestehenden abzusichern. Es ist gerade diese Innovationskraft, wegen der wir als „Europäische Unternehmerregion“ gewürdigt wurden. Das passt ja auch zur Wirtschaftsstrategie … Man hat in Brüssel schon auch erkannt, dass wir eine äußerst diversifizierte Wirtschaft haben: mit großen Leitbetrieben, die mehr als 90 Prozent ihrer Erzeugnisse im Ausland absetzen, und vielen guten kleinen und mittelständischen Unternehmen, die mit ihrem Angebot die Nahversorgung aufrechterhalten und Lebensqualität in die Regionen bringen. Die steirische Wirtschaftsstrategie „Wachstum durch Innovation“ entspricht natürlich voll den Zielsetzungen der Europäischen Union. Gerade was die Maßnahmen zur CO2-Reduktion

oder die Förderung kleiner Unternehmen betrifft, befinden wir uns damit auf einem guten Weg. Die Auszeichnung ist damit sowohl ein Kompliment für die Unternehmen als auch für die Politik mit dieser Wirtschaftsstrategie. Hilft uns das im Standortwettbewerb? Ich bin davon überzeugt. Schließlich sind wir die erste österreichische Region, die diese Auszeichnung erringen konnte. Darauf dürfen schon stolz sein. Und im internationalen Standortwettbewerb stärkt das unsere Wahrnehmbarkeit. Wir beweisen schließlich, dass wir beste Voraussetzungen für neue innovative Unternehmen bieten. Die hohe Forschungsquote spiegelt sich dennoch nicht in entsprechenden Patentanmeldungen wider. Warum scheuen steirische KMUs den Gang zu Patentamt? JUli 2013


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Fotos: Robert Frankl

Zum Patentamt gehen in aller Regel die großen Unternehmungen, weil diese auch die Kraft haben, ihre geistigen Eigentumsrechte durchzusetzen. Dieselbe Statistik, die besagt, dass die Steiermark angeblich nicht genug Patente anmeldet, erklärt übrigens den steirischen Technologiekonzern AVL seit Jahren zum Spitzenreiter bei den Patentanmeldungen. Natürlich wäre es gut, wenn wir auch im KMU-Bereich mehr Patente hätten. Deshalb versucht das Wirtschaftsressort, die Unternehmen in den damit zusammenhängenden bürokratischen und komplexen Fragen zu unterstützen. Aber für Betriebe ohne eigene Rechtsabteilungen bieten Patente in vielen Fällen keinen ausreichenden Schutz. Österreich wird bei den internationalen Standort-Rankings derzeit nach unten durchgereicht und liegt gerade noch unter den Top 30 Ländern. Was muss Ihrer Meinung nach geschehen, damit wir den Anschluss an die Top 10 wieder finden? Die Bundesregierung muss mehr Ehrgeiz entwickeln, um die Standortfaktoren – die Rahmenbedingungen für Unternehmen – zu verbessern. Die permanente Diskussion über die Einführung neuer Steuern halte ich für äußerst „standortschädlich“. Es geht um Entlastung und nicht um Belastung. Wir müssen in der Bildungsdiskussion endlich einen Schritt weiterkommen. Das Thema der Stunde in über 90 Prozent der Unternehmen ist, dass uns die FachJUli 2013

kräfte ausgehen. Die Gründe dafür liegen natürlich in erster Linie in der demografischen Entwicklung, aber auch darin, dass in unserem Bildungssystem zu wenig Wert auf die technische Ausbildung der Jugendlichen gelegt wird. Ich hoffe, dass die Bundesregierung nach der Nationalratswahl erkennt, dass da etwas geschehen muss. Wie geht es Ihnen eigentlich als Politiker der Volkspartei angesichts dieser wirtschaftsfeindlichen Politik? Der genetische Code der Volkspartei ist es, sowohl für die Leistungsträger einzutreten als auch für soziale Gerechtigkeit zu sorgen.

einen Paradigmenwechsel. Das Auto spielt bei jungen Menschen längst nicht mehr jene Rolle, die es früher einnahm. Wie kann die regionale Politik auf diese Megatrends reagieren? In Europa finden rund 12 Millionen Menschen in der Automobilindustrie und ihren Zulieferern Beschäftigung. Bei uns in der Steiermark sind es 40.000 Mitarbeiter, die für ein Viertel der Wertschöpfung sorgen, die in der Steiermark entsteht. Die Automobilindustrie ist also eine der wichtigsten wirtschaftlichen Kräfte sowohl in Europa als auch in der Steiermark. Der Schlüssel, um diese Kraft erhalten zu können, heißt

»Die Herstellung eines Fahrzeugs benötigt in etwa gleich viel Energie, wie dieses im Laufe seines Lebens an Kraftstoff verbrennt.« Aber selbstverständlich muss mehr getan werden, damit es optimale Rahmenbedingungen für jene gibt, die Leistung erbringen wollen und Leistung erbringen können. Es ist auch eine Gerechtigkeitsfrage, ob derjenige, der bereit ist, mehr zu leisten, einen fairen Anteil für seine Mühen bekommt. In der Vergangenheit waren die Exporterfolge im Automobil-Bereich der „Jobmotor“ für die steirische Wirtschaft. Doch dieser Motor beginnt zu stottern. Die Nachfrage in Europa bricht einerseits aus konjunkturellen Gründen weg – andererseits erleben wir gerade

meiner Meinung nach „Wachstum durch Innovation.“ Nicht einmal zehn Prozent der Beschäftigten sorgen für ein Viertel der Wertschöpfung? Richtig! Daher ist der Mobilitätsbereich für uns so wichtig. Dazu gehören aber nicht nur der automotive Bereich, sondern auch die Schienen- und Luftfahrttechnik. Im Bahnbereich verfügen wir mit der voestalpine und der Siemens Transportation Technik über zwei Weltmarktführer in unserem Bundesland, und auch in der Luftfahrttechnik gibt es zahlreiche spanFA Z i t

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»Der jährliche Kfz-Absatz in Europa droht von 12 auf unter 10 Millionen Fahrzeuge einzubrechen.« nende Unternehmen mit großem Potenzial, die als Zulieferer, etwa für Airbus, eine wichtige Rolle spielen. Die europäische Autoindustrie steht vor gewaltigen Problemen. Der Absatz in Europa droht von 12 Millionen auf unter 10 Millionen Fahrzeuge einzubrechen, und dass dieser Einbruch Auswirkungen auf den gesamten automotiven Sektor haben muss, liegt auf der Hand. Daher gibt es eine große europäische Kraftanstrengung, um diesen Sektor zu stärken und durch die Krise zu führen. Ende Juni gibt es hier in Graz eine große Konferenz des „EU-Ausschusses der Regionen“, bei der ich mich als Berichterstatter der EU-Regionen mit der „Cars 2020“-Initiative, mit der die EU-Kommission die europäische Autoindustrie stärken will, auseinandersetzen werde. An welche Maßnahmen denken Sie? Ist das nicht in erster Linie ein Produktivitätsproblem, unter dem die Autobauer leiden? Wie denken da in der Steiermark durchaus über Produktivitätsprogramme hinaus. Wie schon gesagt, sind wir auch im ACStyria davon überzeugt, dass wir noch innovativer sein müssen, damit der Mobilitätsbereich seine herausragende Rolle für die steirische Wirtschaft behält. Wir beschäftigen uns intensiv mit der Ökologiesierung der Antriebstechnik, aber auch mit „Smart Production“ und „Smart Design“. Die Herstellung eines Fahrzeugs benötigt in etwa gleich viel Energie, wie dieses im Laufe seines Lebens an Kraftstoff verbrennt. Da gibt es große Einsparpotenziale. Europa hat außerdem Probleme mit dem Rohstoffnachschub. Inzwischen fehlt uns jedes Altfahrzeug, das nach Afrika oder sonst wohin verkauft wird, als Rohstoffquelle. Derzeit sind etwa zwei Drittel des Kfz-Gewichtes recyclebar – bis 2015 soll sich dieser Anteil auf 95 Prozent erhöhen. Kann der Mobilitätscluster damit jene Joblokomotive bleiben, die er in der Vergangenheit war? Aufgrund seiner großen Bedeutung für die Wertschöpfung sind wir darauf angewie36

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sen, in diesem Bereich erfolgreich zu sein. Was die Beschäftigung anlangt, bin ich sehr glücklich, wenn das Automobil den Anteil halten kann, den es jetzt hat, und wir im Bahn- und Luftfahrtbereich ein „bisserl“ was dazu gewinnen. Stimmt da nicht die Kritik, dass die Steiermark zu sehr auf das Automobil setzt? Überhaupt nicht! Wir setzen mit unserer Wirtschaftsstrategie auf drei Schwerpunkte. Da ist natürlich das Mobilitätsthema. Aber daneben spielen die Umwelttechnik und die „Erneuerbaren Energien“ sowie der Humantechnologiebereich, für den ich übrigens ein Riesenpotenzial sehe, immer größere Rollen. Die EU-Skepsis nimmt auch in der Steiermark zu. Wo, glauben Sie, würde die Steiermark heute wirtschaftlich stehen, wenn wir 1995 nicht der EU beigetreten wären? Seit 1995 haben die steirischen Unternehmen 70.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Joanneum Research hat in einer Studie nachgewiesen, dass zwei Drittel davon – also über 50.000 – unmittelbar auf den EU-Beitritt zurückzuführen sind. Die Steiermark hat damit stärker als viele andere Regionen von der EU profitiert. An EUKofinanzierungsmitteln haben wir bisher übrigens 2,3 Milliarden Euro erhalten, mit denen zahlreiche wichtige Projekte umgesetzt wurden, für die sonst kein Geld vorhanden gewesen wäre. Außerdem hat uns der EU-Beitritt unseren Nachbarn in Slowenien und Ungarn, aber auch Kroatien und Serbien nähergebracht, mit denen wir über unsere „regionale Außenpolitik“ verbunden sind. Auf diesen wichtigen neuen Heimmärkten konnte unsere Wirtschaft auch während der Krise punkten. Warum kann die Schweiz außerhalb der EU überleben? Ich freue mich, dass sich die Schweiz so gut behaupten kann, aber die Schweiz verfügt mit ihrem starken Finanzbereich über andere Möglichkeiten als wir.

Als regionaler Wirtschaftspolitiker hat man nur wenige Rädchen zur Verfügung, an denen man drehen kann. Trotzdem hat die Steiermark in den letzten 20 Jahren signifikant aufgeholt. Wie lässt sich dieser Weg fortsetzen? Nach dem Zusammenbruch der verstaatlichten Industrie in den 1980er Jahren mussten wir uns wirtschaftlich völlig neu aufstellen. Das ist den damaligen Akteuren in herausragender Form gelungen. Die voestalpine etwa präsentiert sich heute als Technologiekonzern und nicht mehr als Unternehmen der Grundstoffindustrie. Auch der Papier- und Zellstoffindustrie ist viel gelungen, und hat entlang der Wertschöpfungskette der Holzwirtschaft mit Tausenden Arbeitsplätzen Großes erreicht. Um diesen Weg fortsetzen zu können, müssen wir an den Standortfaktoren arbeiten und unsere Wirtschaftstrategie konsequent umsetzen, indem wir schneller und innovativer als andere sind. Apropos Holz: Da streitet sich die Industrie doch gerade mit der Holzwirtschaft, ob das Holz für die Energieproduktion oder für die Papiererzeugung verwendet werden soll. Wir werden diese Irritationen hoffentlich in nächster Zeit in gemeinsamer Runde zwischen Industrie und Holzwirtschaft lösen. Es geht meiner Meinung nach darum, mehr Holz zu einem Preis verfügbar zu machen, den die Industrie verträgt. Trotz Pellets und der Stärkung von Holz als Brennstoff nimmt der Waldbestand in der Steiermark nach wie vor zu. Es geht darum, den Rohstoff Holz, der ja ausreichend vorhanden ist, entsprechend verfügbar zu machen. Und dazu müssen sich Industrielle und Holzproduzenten – manche sind übrigens beides – einigen. Herr Landesrat, noch eine Frage: Wo sehen Sie sich eigentlich politisch in einem Jahr? Als Wirtschaftslandesrat einer wirtschaftlich starken Steiermark! Danke für das Gespräch. JUli 2013


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Maßgeschneiderte Altersvorsorge für Unternehmer Die Captura Wirtschaftsberatung bietet ein umfassendes Leistungspaket für KMUs. Dazu gehört auch die betriebliche Altersvorsorge, die eine kostengünstige und steuerschonende Möglichkeit der Vorsorge bietet. Dafür hat man bereits 2012 personell aufgestockt und bietet den steirischen Unternehmern individuelle Pakete.

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ra, „Wir dürfen jetzt schon an der Spitze mitmischen, möchten aber als Wegbereiter in der Entwicklung der zweiten Säule in Österreich etwas bewegen.“ Die demografischen und politischen Zeichen würden derzeit für einen Ausbau der betrieblichen Vorsorge sprechen, so Koller. Auch Peter Reinbacher stimmt dem zu und sieht seine Aufgabe klar definiert: „Ich bin dafür zuständig, die Captura in der Weiterentwicklung der BAV-Abteilung und der fachlichen Abwicklung zu unterstützen.“

Vorsorgelohn spart Lohnnebenkosten

Kern der Betrieblichen Altersvorsorge ist die Firmenpension, eine konservative und abgabenbegünstigte Möglichkeit der Altersvorsorge. Als zweite Säule neben der staatlichen Pensionsversicherung ist der sogenannte Vorsorgelohn immer billiger als Bar- oder Aktivlohn. So kann man mit Bruttobezügen Vorsorge betreiben und Lohnnebenkosten sparen. Auch steuerlich

lässt sich eine Betriebliche Altersvorsorge optimieren. Zielgruppe der BAV sind eigentümergeführte Unternehmen. Dort kann der Geschäftsführer für sich selbst, aber auch für seine Mitarbeiter vorsorgen. Captura bietet daher für steirische Unternehmen im KMU-Segment maßgeschneiderte Konzepte an. Diese Konzepte beinhalten nicht nur einen persönlichen Pensionskontoauszug, der analysiert und interpretiert wird. Ein weiterer Schritt zeigt auf, welche BAV-Möglichkeiten bestehen und in welchem Ausmaß Firma und Mitarbeiter profitieren können.

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Foto: Volker Wohlgemuth

m Sommer startet die Captura Wirtschaftsberatung mit dem KMU-PensionsCheck, einer speziellen Informationskampagne für steirische Unternehmer. Dazu wird ein umfassendes Dienstleistungspaket zu Sonderkonditionen angeboten. Um die eigenen Dienstleistungen weiterentwickeln zu können, hat man mit Peter Reinbacher bereits 2012 einen zusätzlichen Experten für die Betriebliche Altersvorsorge (BAV) an Bord geholt. Zuvor war Reinbacher bereits beim größten österreichischen Industrieversicherungsmakler für BAV zuständig, hat bei zwei Versicherungsgesellschaften diesen Bereich verantwortet und parallel am Lehrgang Sozialkapital unterrichtet. Er bringt weitere 20 Jahre Erfahrung in das Unternehmen. Das Ziel dieser Erweiterung ist klar. „Wir wollen bis 2016 unter die Top drei BAV-Beratungsunternehmen österreichweit aufrücken,“ erklärt Stefan Koller, Bereichsleiter für BAV bei Captu-

Stefan Koller (li.) und Peter Reinbacher sind im Beraternetzwerk der Captura Unternehmensgruppe die Spezialisten für BAV.

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Recht haben

Wer als Unternehmer am Wirtschaftsleben teilnimmt, muss sich darüber im Klaren sein, dass er für die Qualität seiner Leistungen einzustehen hat. Es lohnt sich daher von Zeit zu Zeit, zu prüfen, ob man das daraus resultierende Risiko richtig eingeschätzt bzw. gut reguliert und abgesichert hat. Von Johannes Pratl Das in dieser Hinsicht zweifellos größte Thema im unternehmerischen Alltag sind die Gewährleistungsrechte des Vertragspartners. Jeder Verkäufer, Lieferant und Dienstleister haftet dafür, dass das Gelieferte oder die erbrachte Leistung „mängelfrei“ ist. Betroffen sind Mängel, die bei der Übergabe vorhanden waren und innerhalb der ersten 2 Jahre hervorkommen. Das rechtlich Besondere an Gewährleistungsrechten ist, dass sie verschuldensunabhängig gegenüber dem Vertragspartner bestehen. Daher kann sich der Lieferant nicht darauf berufen, dass nicht er selbst, sondern ein Hersteller „schuld“ an einem Fehler ist, er muss den Mangel selbst beheben und sich allenfalls bei seinem Vorlieferanten regressieren. Ebenfalls bemerkenswert ist, dass Gewährleistungsrechte gegenüber Konsumenten nicht ausgeschlossen werden können. Oft wird der Begriff „Garantie“ synonym für Gewährleistung verwendet, dieser besagt jedoch rechtlich etwas völlig anderes. Eine Garantie ist eine neben der gesetzlichen Gewährleistung gemachte, freiwillige Zusage des Händlers oder Herstellers, deren Inhalt völlig frei formuliert werden kann. So kann eine Garantie von einem sehr eingeschränkten „Mangelfreiheitsversprechen“ von einer bis hin zu einer pauschalen Zusage der Funktionsfähigkeit für alle Fälle gehen. Der Inhalt einer solchen Garantie ist manchmal selbst für Fachleute schwer zu ermitteln, oft ist die Garantie reines Marketinginstrument ohne echten rechtlichen Wert. Besonders „tückisch“ im Zusammenhang mit Leistungen auf Grundlage von Werkverträgen wie etwa Bauverträgen ist das Schadenersatzrecht. Ist ein Mangel durch den Vertragspartner verschuldet, also Ergebnis einer Sorgfaltswidrigkeit, haftet er grundsätzlich für die Beseitigung samt den etwaigen Folgen. Das ist zwar grundsätzlich beim Gewährleistungsrecht nicht anders, der Unterschied liegt in den Fristen: Während Gewährleistungsansprüche prinzipiell 2 Jahre nach Übergabe erlöschen, kommt es beim Schadenersatz auf die Erkennbarkeit des Mangels an. Es kann daher passieren, dass wenn sich zB ein Bauschaden in Folge einer fehlerhaften Ausführung erst nach vielen Jahren zeigt, Ansprüche erst nach Jahrzehnten geltend gemacht werden. Im Unterschied zum Gewährleistungsrecht können Schadenersatzansprüche jedoch in gewissem Rahmen auch gegenüber Konsumenten vertraglich modifiziert oder ausgeschlossen werden. Mag. Johannes PRATL ist Jurist und Autor des juristischen Blogs »Law on the Blog«

38 F A Zunter i t lawontheblog.kundp.at im Internet

BMW triumphiert am Red Bull Ring Das dreitägige DTM-Motorsport-Fest am Red Bull Ring hat einen Sieger: Der BMW-Pilot Bruno Spengler setzte sich klar gegen seine Verfolger durch. Marco Wittmann und Timo Glock machten den Triumph des Automobilherstellers aus Bayern komplett. 44.000 Zuschauer pilgerten am Wochenende bei wechselhaften Witterungsbedingungen nach Spielberg. Verwöhnt wurden sie mit Renn-Action erster Klasse und österreichischen Fahrern auf Spitzenplätzen in den Partnerserien.

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on der Pole-Position gestartet, fuhr der Kanadier Bruno Spengler beim dritten Saisonlauf am Red Bull Ring in Spielberg den Sieg sicher nach Hause. Der Deutsche Marco Wittmann sah als Zweiter die Zielflagge, den BMW-Dreifacherfolg machte dessen Landsmann Timo Glock komplett. „Das sind die Wochenenden, von denen du immer träumst. Am Anfang habe ich geschaut, dass ich aus diesem DRS-Fenster herauskomme. Das Auto war während des gesamten Rennens spitze, das Team hat super gearbeitet“, war Spengler, der DTMChampion von 2012, nach dem Rennen überglücklich.

FIA Formel-3Europameisterschaft

Beflügelt vom heimischen Publikum gab Lucas Auer beim

dritten Rennen des Wochenendes noch einmal richtig Gas. Der Neffe von Gerhard Berger erwischte einen sensationellen Start aus der fünften Reihe und konnte gleich mehrere Plätze gutmachen. Nach einer Safety-Car-Phase katapultierte sich der 18-jährige Tiroler schließlich noch als Dritter auf das Podest mit dem dreifachen Spielberg-Siegerduo Felix Rosenqvist (SWE) und Daniil Kvyat (RUS).

Porsche Carrera Cup

Der Tiroler Norbert Siedler startete am Sonntag von der Pole-Position, musste bis zur ersten Kurve einige Plätze abgeben und landete als Dritter auf dem Podium. Platzierungen der übrigen Österreicher: 6. Philipp Eng (Sbg), 8. Marko Klein (Stmk). 1. Platz: Kévin Estre (FRA).

Sandro Zangrando/Red Bull Content Pool

Über Garantie und Gewährleistung

Beim DTM-Rennen in Spielberg konnte sich der BMW-Pilot Bruno Spengler durchsetzen. 44.000 Zuseher verfolgten das Spektakel. JUli 2013


PROMOTION

Fotos: Marktgemeinde Gratwein

Die Marktgemeinde Gratwein entwickelt sich rasant: Mehr als 100 Unternehmen bieten ein festes wirtschaftliches Standbein.

Gemeindestrukturreform als positiver Impuls Mit der Gemeindefusion zwischen Gratwein, Judendorf-Straßengel und Eisbach entsteht 2015 die größte Gemeinde in Graz-Umgebung. Von der Fusion erwartet man sich in der boomenden Gemeinde Gratwein einen weiteren positiven Impuls.

kann Gratwein so gut wie alles bieten: Bildungseinrichtungen jeglicher Art, Einkaufsmöglichkeiten bei den weit über 100 Unternehmen, ärztliche Versorgung, gute

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ie Marktgemeinde Gratwein ist im Wachsen: Seit Jahren entwickelt sich die Gemeinde im Norden von Graz zu einem beliebten Wohn- und Einkaufsmittelpunkt. Erstmalig in der Geschichte sind mehr als 3.700 Menschen mit Hauptwohnsitz gemeldet. Die Nähe zur Landeshauptstadt und die gute Verbindung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln tragen zu dieser positiven Entwicklung bei. Infrastrukturell

Ein Naherholungsgebiet mitten in einer geplanten Großgemeinde.

Anbindung zu öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bahn und Bus. Das »Natur Nah Bad Weihermühle« mit einem Areal von 42.000 Quadratmeter ist eine Oase der Erholung. Die steirische Gemeindestrukturreform sieht das Zusammenwachsen mit der Marktgemeinde Judendorf-Straßengel und der Gemeinde Eisbach vor. Somit würde ab 2015 die größte Gemeinde im Bezirk mehr als 12.000 Einwohner haben und damit einhergehend wäre ein neuerlicher positiver Impuls in vielen Bereichen vorprogrammiert. In der Großgemeinde würde der Tourismus wieder den Stellenwert bekommen, den er verdient und auch Betriebsansiedelungen können für einen zusätzlichen Aufschwung sorgen.

WIRTSCHAFTSSTANDORT MARKTGEMEINDE GRATWEIN Die Marktgemeinde Gratwein, 10 km nördlich von Graz, ist eine aufstrebende Kommune mit den Schwerpunkten Klein- und Mittelbetriebe. In den letzten Jahren erlebt Gratwein mit seinen 3 700 EinwohnerInnen regelrecht einen wirtschaftlichen Boom. Gratwein entwickelte sich zu einem beliebten „Einkaufsmittelpunkt“ im Norden von Graz. Über 20 000 Menschen, die in den Nachbargemeinden leben, nützen diese Gelegenheit. Jetzt schon aktive erfolgreiche Unternehmen tragen einen wesentlichen Teil zu unserem wirtschaftlichen Erfolg bei.

Es würde uns freuen, wenn auch Sie an Gratwein Interesse zeigen. Information über die zu vergebenen Immobilien erhalten Sie im Gemeindeamt unter: 03124/51300. Wir erwarten ihren Anruf.

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Um diesen Weg weiter zu gehen, möchten wir aber auch die noch freistehenden Räumlichkeiten in verschiedenen Größen, Industriehallen aber auch freie Grundstücke bewerben. Gratwein hat eine optimale Verkehrsanbindung. Der Bahnhof befindet sich im Ortszentrum, bis zur Autobahn sind es 2 Kilometer.

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Gut geplant

Was können Unternehmer – insbesondere im KMU-Bereich, also Klein- und Mittelunternehmen – für sich, für die Absicherung der Familie, die oft mit im Erwerbsleben im Betrieb steht, oder für verdiente Mitarbeiter tun, damit keine Altersarmut droht bzw. eine gesicherte finanzielle Zukunft gewährleistet ist? Die Absicherung des Einkommens in der Pension beruht auf dem 3-Säulen-Prinzip: Der staatlichen, der privaten und der betrieblichen Altersvorsorge (BAV). Die staatliche Pension wird von Jahr zu Jahr weniger. Wenn aber über die Nutzung von Lehnnebenkostenersparnissen und Steuervorteilen in der betrieblichen Altersvorsorge zum Teil mehr als das Doppelte gegenüber der privaten Vorsorge erzielt werden kann, gewinnt diese Form enorm an Bedeutung. Über 80 Prozent der Schweizer und über 60 Prozent unserer deutschen Nachbarn sorgen bereits heute betrieblich vor, in Österreicher sind dies noch nicht einmal 20 Prozent. Eine der Hauptursachen liegt darin, dass die Möglichkeiten der betrieblichen Altersvorsorge den meisten KMUs schlichtweg nicht oder nur sehr grob bekannt sind. Aber Österreich ist doch ein Land der KMUs! Sie tragen rund 60 Prozent der Umsatzerlöse und beschäftigen rund 70 Prozent aller Erwerbstätigen – eben hier braucht es einen massiven Ausbau der zweiten Säule, deren Kern mit dem Satz beschrieben werden kann: „Vorsorgelohn ist stets billiger als Barlohn“.

Mag. Stefan KOLLER ist Betriebswirt und Prokurist der Captura-Wirtschaftsberatung,

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„Die Reformen der SP/VP-Partnerschaft in der Steiermark werden auch in der zweiten Halbzeit dieser Legislaturperiode bis zur nächsten Landtagswahl im Herbst 2015 fortgesetzt“, kündigt der steirische SPÖKlubobmann Walter Kröpfl an. Die beiden größten „Brocken“: Die Gemeindestrukturreform und das – hoffentlich ausgeglichene – Budget für 2015.

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ir haben seit der Landtagswahl im Herbst 2010 schon viel erreicht, aber wir sind noch nicht am Ende unseres Weges“, betont SPÖKlubobmann Walter Kröpfl. ie Reformen von SPÖ und ÖVP unter den Landeshauptleuten Franz Voves und Hermann Schützenhöfer müssen auch in den kommenden beiden Jahren „weiterhin Schritt für Schritt eingeleitet und umgesetzt werden“. Jüngste Meinungsumfragen würden den Reformkurs eindrucksvoll bestätigen, so Kröpfl: „Nicht nur unzählige Experten und Medien in ganz Österreich sind voll des Lobes, auch die Steirerinnen und Steirer begrüßen unsere Reformmaßnahmen mit überwältigender Mehrheit!“ Er gehe davon aus, dass die Bevölkerung auch die nächsten großen Reformschritte von SPÖ und ÖVP voll unterstützen wird, zeigt sich der SPÖ-

Klubobmann zuversichtlich. „Wir haben bis zur Landtagswahl noch zwei ganz große Brocken auf unserer Agenda – die Gemeindestrukturreform und das Budget für das Jahr 2015“, erklärt Kröpfl. Im Zuge der Gemeindestrukturreform soll bis Ende 2014 die Anzahl der steirischen Kommunen von derzeit weit über 500 auf unter 300 reduziert werden. „Damit werden unsere Gemeinden fit für die Zukunft gemacht“, betont Kröpfl. Und für das Jahr 2015 ist ein ausgeglichenes Landesbudget geplant, damit der steirischen Politik in den kommenden Jahren und Jahrzehnten neue Chancen eröffnet werden können.

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Das staatliche Pensionssystem in Österreich ist unbestritten eine wichtige Errungenschaft. Die demografische Entwicklung ist jedoch dramatisch: 2050 wird laut Hochrechnungen auf zwei Erwerbstätige ein Pensionist kommen. So wird in Zukunft die staatliche Pension – finanziert über Von Stefan Koller das Umlageverfahren – nur noch einen Teil der Alterspension abdecken. Jemand, der heute in Pension geht, erhält bereits um 15 – 20 Prozent im Schnitt weniger an staatlicher Pension als etwa ein Pensionist, der im Jahr 1989 in den Ruhestand trat. Im Jahr 2028, dann mit einem 40-jährigen Bemessungszeitraum für die Berechnung der Pensionshöhe, kommt es zu noch deutlich massiveren Abschlägen gegenüber dem Letztgehalt. Für viele von uns noch nicht vorstellbar, rückt dann die Verantwortung zur finanziellen Sicherung des Ruhestandes an eine sehr zentrale Stelle im Leben. Die meisten von uns werden es sich dann allerdings nicht mehr in dem Maße leisten können, wie sie es sich wünschen würden – spätes Handeln wird in der Regel sehr teuer.

Reformen werden fortgesetzt

Foto: SPÖ-Landtagsklub/Gallhofer

Vorsorgelohn ist billiger als Barlohn

„Bevölkerung steht voll hinter den Reformen von SPÖ und ÖVP“: Steirischer SPÖ-Klubobmann Walter Kröpfl. JUli 2013


Der Erfolg einer Veranstaltung misst sich daran, ob Veranstalter und Gäste mit einem Lächeln nach Hause gehen.

Foto: Werner Krug

Messe Congress Graz:

Erfolge durch laufende Verbesserungen Nachhaltigkeit spielt bei der Messe Congress Graz (MCG) eine große Rolle. Dass das bei den Kunden gut ankommt, zeigen auch die guten Besucherzahlen, zuletzt beim Musical Cats. Doch die Besucherzahlen allein sind kein guter Indikator für eine erfolgreiche Messe, weiß MCG-Vorstand Armin Egger

Vorstand Armin Egger im Interview über Erfolg und Nachhaltigkeit bei der Messe Congress Graz. Mit dem erfolgreichen Musical Cats hat man ein besonders langes Theatergastspiel nach Graz gelockt. Immerhin sind die Schauspieler ein Monat lang geblieben. Wie ist es gelaufen? Cats hat sich unglaublich gut verkauft. Ich hatte selbst Schwierigkeiten, Karten zu bekommen. Das Musical war ein voller Erfolg. Mit rund 54.000 JUli 2013

Besuchern waren wir fast ausverkauft. Bei so viel Besucherandrang kommt jede Menge Müll zusammen. Was macht die Messe Congress Graz eigentlich, um nachhaltig zu arbeiten? Wir setzen zum Beispiel nur noch Mehrwegbecher mit Pfandsystem ein. Dadurch vermeiden wir Tonnen an Müll.

Auch bei der Elektrizität sparen wir ein. Nachhaltigkeit ist für uns ein wichtiges Thema. Das wünscht auch der Kunde, deshalb müssen wir Nachhaltigkeit leben. Daher haben wir uns nach zahlreichen Qualitätssiegeln, wie dem Ökoprofit, zertifizieren lassen. Auch die Gala zum „Congress Award“, den wir jedes Jahr gemeinsam mit dem Bürgermeisteramt und Graz Tourismus überreichen, ist seit 2012 auf unser Bestreben hin als „Green Event“ zertifiziert. Oft wird der Erfolg gerade bei den großen Publikumsmessen am Besucherandrang gemessen. Woran erkennt man eigentlich eine erfolgreiche Messe wirklich? Es sind sicher nicht die nackten Besucherzahlen. Natürlich ist es uns recht, wenn viele Besucher kommen, aber am Besucherstrom allein lässt sich Erfolg nicht mehr messen. Wir haben auch viele erfolgreiche Fachmessen. Da kommen Fach-

besucher, die für ihre Unternehmen einkaufen und nicht nur die tolle Atmosphäre genießen. Der Erfolg ist dann gegeben, wenn sowohl Aussteller als auch Kunden zufrieden sind. Die Anzahl der Besucher ist hier nicht unbedingt das Maß aller Dinge. Erst wenn beide, die Aussteller und die Besucher, mit einem Lächeln nach Hause gehen, dann haben wir eine erfolgreiche Messe. Und das gelingt? Das gelingt uns ganz gut, das zeigen die Kontinuität der Veranstaltungen und unsere Kennzahlen. Aber es gibt natürlich immer Verbesserungspotenzial. Deshalb bleiben wir selbstkritisch und verbessern laufend unsere Produkte und Veranstaltungsformate. Die Qualität der Veranstaltungen ist uns sehr wichtig. Daher haben unsere Formate einen Lebenszyklus. Man muss sie laufend verändern und manchmal, wenn der Lebenszyklus abgeschlossen ist, leider sogar absetzen. FA Z i t

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Zur Lage (59)

Dann doch nichts über »Fat Acceptance« und »Lookism«, ein wenig über die NSA und zu wenig über einen Brief. VON CHRISTIAN KLEPEJ

Fotos: Enlarge (2), World Economic Forum, The White House, Parlamentsdirektion/Wilke, Randam, Die Grünen

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iesmal möchte ich mich mit Ihnen ein bisschen über »Fat Acceptance« und »Lookism« unterhalten. Also unterhalten wäre etwas überzogen, ging es mir doch nur darum, herauszubekommen, ob es überhaupt möglich ist, einen annähernd sinnvollen Satz mit den beiden dummfugischen Begriffen »Fat Acceptance« sowie »Lookism« zu bilden. Mehr getraue ich mich aber gar nicht hier dazu zu schreiben, habe ich mir doch schon auf »Twitter« (eine Art Facebook für 140 Zeichen) erlaubt, meinen offenbar etwas zu geringen Respekt vor »Fat Acceptance« kleinlaut werden zu lassen. Umgehend erhielt ich dort Direktnachrichten, die mich darüber aufklärten, ich solle meine Position zu »Fat Acceptance« und »Lookism« offenlegen, da man mit rassistischem Gedankengut nichts anfangen könne. Das kann ich jetzt zwar auch nicht, allerdings erscheint mir die Thematik nun zu

in einer beeindruckenden Rede wieder einmal die Vorzüge der Freien Welt gepriesen. Das Ganze aus einer Art Panzerglas-Aquarium heraus. Angela Merkel und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hatten sich mit ihm in diesem Plastikkäfig eingestellt und auch was zu sagen. Dabei hat vor allem die Bundeskanzlerin mit ihrer – mich ebenfalls beeindruckenden – Wortmeldung umgehend Spott und Hohn aus der Parallelwelt der »sozialen« »Netzwerke«, dem Internet, geerntet. Dort machte man sich lustig darüber, dass Merkel das Internet (verkürzt) als »Neuland« bezeichnet hat. Den ganzen Oberschlauzis im Netz fehlt halt die Vorstellungskraft, dass nicht jeder Mensch seinen Vormittag damit verbringt, in allen Onlineforen Nachschau zu halten, ob wohl keine abweichenden Meinungen festzustellen sind. Aber egal. Was die Kanzlerin gemeint hat, sind die vielen rechtlichen

»Liebe Maturanten, rettet nicht die Welt, sondern putzt Euch die Schuhe.« heikel, als dass ich mir gestatten würde, hier so allzufreies Denken weiterzuführen. Gut, falls in Straßburg am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte schon gegen mich ermittelt wird, bin ich guter Dinge, die Anklageschrift vor Zustellung an mich im Falter lesen zu können. Weil der Falter ja im Unterschied zur NSA über Zugang zu wirklich brisanten Daten verfügt und sich nicht mit den ganzen Google-Mails und sonstigen Kindereien herumschlagen muss. Apropos NSA. Friedensnobelpreisträger, Guantánamochef und US-Präsident Barack Obama war ja dieser Tage in Berlin. Und hat FA Z I T

Nüsse, die dieses grenzenlose Medium nun mal zu Knacken hervorgebracht hat. Etwa am Beispiel »NSA-Prism-Überwachung«. Gregor Gysi kann noch so smart in die Kamera lachen, wenn es durch US-Gesetze gedeckt ist, dass US-Unternehmen (wie eben Google, Yahoo oder Apple) ihre Daten der nationalen Sicherheitsbehörde zur Verfügung stellen müssen, dann wird das welche europäische Regierung auch immer nicht so einfach abstellen können. (Außerdem ist ja kein Europäer verplichtet, via Googleplus oder Facebook seine Jugend- oder schlimmere Fotos wie Sünden einer breiteren Öf-

fentlichkeit zugänglich zu machen.) Und so gesehen hat sie mehr als Recht mit dem »Neuland«, denn natürlich sind die Vorgänge rund um die NSA und das Netz in letzter Konsequenz nicht nur wünschenswert. Eigentlich wollte ich auch noch etwas über die Efgani-Dönmez‘schen One-Way-Tickets und die Peter Pilz‘sche Gewissensprüfung verlieren, hab aber kaum noch Platz für einen der bewegensten Momente heimischer Zeitungsgeschichte der letzten Jahre, wenn nicht Jahrzehnte: Den Brief an die Maturanten des sehr geschätzten Frido Hütter in der Kleinen Zeitung von vor ein paar Tagen. Das hat mich so ergriffen gemacht, dass ich jetzt wirklich traurig bin, nicht näher auf diesen »Leitfaden für junge Menschen« hier eingehen zu können. Was sich noch ausgeht, ist mein Postskriptum, wenn ich so sagen darf, welches ich all den jungen Menschen ans Herz lege: Liebe Maturanten! Rettet nicht die Welt, sondern putzt Euch die Schuhe. Seid höflich zu Euren Mitmenschen und vermeidet – wenn es geht – Tattoos, macht vielleicht noch zusätzlich eine Lehre, studiert jedenfalls nichts auf der Gewi, twittert nicht, sondern bloggt von mir aus, schmeißt keine Lebensmittel weg, macht keinen Urlaub auf Pump, feiert viel, aber nur donnerstags und am Wochenende, sauft ausreichend, aber nur soviel, dass Ihr Euch am nächsten Tag noch erinnern könnt und macht vor allem Eure eigenen Fehler und lasst Euch um Gottes Willen nicht von Altachtundsechzigern Ratschläge erteilen. Und reist viel; aber nicht zu viel. Herzlichen Glückwunsch zur bestandenen Matura! Im Übrigen bin ich der Meinung, dass eine große Koalition dem Lande nicht nutzen kann. JULI 2013


innovation Neuroth auf Expansionskurs Der steirische Hörgerätehersteller Neuroth ist weiter auf Expansionskurs. Erst kürzlich wurde der deutsche Markt in Angriff genommen. Ende des Jahres übersiedelt das Hauptquartier nach Graz und bald soll es auch nach Frankreich gehen.

Lukas Schinko will mit Neuroth hoch hinaus.

E

nde des Jahres ist es so weit: Die Verwaltung von Neuroth wird zusammengefasst und übersiedelt von Schwarzenau nach Messendorf in Graz. Ein großer Schritt, der das Familienunternehmen auf einen weiteren Expansionskurs vorbereiten soll. Denn in Schwarzenau, wo die Produktion weiterhin stattfinden wird, fehlt es an Platz. Die Expansion nach Deutschland und Frankreich ist eine neue Herausforde-

rung. Denn Neuroth will weiter wachsen und mittelfristig der Marktführer in allen aktiven Ländern werden. Dazu zählt seit Jahresbeginn auch Deutschland, wo man zwei Unternehmen mit insgesamt 19 Hörcentern aufgekauft hat. „Das Wachstum war eine große Herausforderung, die wir gut bewältigt haben“, erklärt Vorstandsvorsitzender Lukas Schinko. Deshalb will Neuroth weiter wachsen und nimmt den französischen Markt in Angriff. „Meine Schwester und ihr Ehemann führen derzeit die Marktrecherche durch“, erklärt Schinko. Das sei besonders wichtig, da jedes Land eigene Bestimmungen für Medizinprodukte hat. Der Einstieg in Frankreich wird über die Region Elsass erfolgen. Know-how habe man, so Schinko, bereits in der französischen Schweiz sammeln können. Rund 900 Mitarbeiter arbeiten derzeit bei Neuroth und haben im Vorjahr 111 Millionen Euro umgesetzt.

Albtraum Datencrash – wie sich steirische Unternehmen absichern Diebstahl, Naturkatastrophe oder technischer Defekt – sind die Daten eines Unternehmens plötzlich weg, hängt nicht selten die ganze Existenz am seidenen Faden.

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Fotos: Neuroth, Spar, Citycom

Christoph Holzer ist Geschäftsführer von Spar Steiermark und Südburgenland. FAZIT sprach mit ihm über Kaufverhalten und Konkurrenzkampf zwischen den großen Supermarktketten. Spar ist seit 55 Jahren in der Steiermark tätig. Wie hat sich das Verhalten der Kunden seitdem verändert?

Das Thema Regionalität gewinnt seit Jahren mehr und mehr an Bedeutung. Kunden wollen Produkte aus ihrer Region kaufen. Dies zeigt auch eine Ökokonsult-Umfrage vom Oktober 2012. Laut dieser bevorzugen 84 Prozent der österreichischen Bevölkerung beim Lebensmitteleinkauf Produkte österreichischer Herkunft. Darum sind auch wir bei Spar ständig darum bemüht, unser Sortiment an regionalen Produkten laufend zu erweitern. In der Steiermark bieten wir mittlerweile rund 5.750 lokale und regionale Produkte von rund 245 steirischen Erzeugern an. Manche dieser Produkte gibt es nur in ausgewählten Märkten, die sich im Umkreis der lokalen Lieferanten befinden, andere steirische Produkte sind im jedem Markt erhältlich. Ein zweiter Trend, der sich gerade abzeichnet, ist das Thema Convenience. Das sind beispielsweise schon fertig vorbereitete Salate oder frische Obstsäfte.

Zuletzt waren zahlreiche Supermarktketten, darunter auch Spar, wegen angeblicher Preisabsprachen in den Schlagzeilen. Ist der Konkurrenzkampf zwischen den Supermärkten nur Show?

I

mmer mehr steirische Betriebe setzen deshalb auf eine externe Datensicherung“, bestätigt Igo Huber, Geschäftsführer der Citycom. Der Telekom-Provider aus Graz sieht darin gleich mehrere Vorteile. „Über unsere schnelleren Glasfaserleitungen können große Datenmengen blitzartig in unseren Rechenzentren gesichert werden. Außerdem wird mit kilometerweit voneinander entfernten Rechenzentren in Graz die „Business Continuity“ gewährleistet, also die Möglichkeit, trotz eines etwaigen Brandes sofort wieder geschäftsfähig zu sein“, so Huber. Bei einem Unbehagen, die eigenen Daten außer Haus zu geben, kann übrigens beruhigt werden. Die Citycom setzt eine komplexe, nur vom Kunden lesbare Verschlüsselung ein. www.citycom-austria.com

kurz im Gespräch

Nein, selbstverständlich nicht. Spar verfolgt das klare Ziel, den Marktanteil laufend auszubauen. Das beweisen die aktuellen Zahlen: Wir konnten 2012 erneut deutlich zulegen und wurden zum dritten Mal in Folge Wachstumsführer im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel. Spar hält bei einem Marktanteil von 29,9 Prozent. Derzeit sind die Lebensmittelpreise und nicht die Treibstoffpreise für die Inflation verantwortlich. Warum werden Lebensmittel immer teurer?

Kilometerweit voneinander entfernte Rechenzentren in Graz sorgen für höchste Datensicherheit.

Das kann man so nicht sagen. Es ist völlig normal – auch aufgrund der Rohstoffpreise -, dass Lebensmittelpreise schwanken. Wir versuchen jedenfalls immer, unseren Kunden ein bestmögliches Preis-Leistungs-Verhältnis anzubieten. FA Z i t

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innovation

Studium von zu Hause aus Akademische Bildung kann man auch abseits der klassischen Strukturen der Universitäten und Fachhochschulen erfahren. Zahlreiche private Bildungszentren bieten Fernstudien und berufsbegleitende Angebote vom Bachelor bis zum MBA. Für Berufstätige ist das sehr praktisch. Es kann aber auch sehr teuer werden.

MBA in Kalifornien

von Michael Neumayr

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ür viele ist der Weg zur Universität oder zur Fachhochschule ein steiniger. Sei es der Beruf oder private Verpflichtungen, oft fehlt die Zeit, um sich voll und ganz auf ein Studium zu konzentrieren. In diese Lücke springen zahlreiche private Bildungseinrichtungen und bieten, oft in Zusammenarbeit mit Fachhochschulen aus Deutschland, Fernstudien an. Beliebt sind auch MBA-Studiengänge in Kooperation mit amerikanischen Universitäten.

Beim MBA (Master of Business Administration) der IBSS, einer Tochter von bit, handelt es sich zum Beispiel um eine Kooperation mit der California Lutheran University. Große Teile des 15 Monate dauernden Programms finden online statt. An sieben Wochenenden muss man zum Präsenzunterricht nach Graz. Den Höhepunkt des Programms stellen zweifelsohne die letzten beiden Wochen dar. Hier finden die letzten beiden Lehrveranstaltungen an der California Lutheran University in Thousand Oaks statt. Mit 30.000 Euro ist

das Programm aber, im Vergleich zur klassischen Universität, recht teuer.

Bachelor und Master in Deutschland

Weniger spektakulär, aber auch günstiger sind Angebote für Bachelor und Masterstudien. Sie finden oft in Kooperation mit der Hochschule Mittweida, der HTWK Leipzig oder der Hochschule Regensburg statt. So bietet etwas das Technologie Transfer Zentrum TTZ-Weiz Studiengänge in den Bereichen Maschinenbau, Technische Informatik und Wirtschaftsingenieurwesen an. Auch ein Bachelor

Schulbuffet OK

Foto: © Julia Grandegger

Ein ausgewogenes Angebot am Schulbuffet unterstützt SchülerInnen und LehrerInnen an Ihrem Arbeitsplatz dabei, gute Leistungen erbringen zu können und fördert das Wohlbefinden. Aus diesem Grund hat das Gesundheitsressort des Landes Steiermark für das Schuljahr 2012/13 das Projekt „Schulbuffet OK“ mit 19 steirischen AHS und BHS initiiert. Begleitet von Styria vitalis und der Initiative „Unser Schulbuffet“ des Bundesministeriums für Gesundheit arbeiten Schulen und Buffetbetreiber gemeinsam daran, ein attraktives Essensangebot zu gestalten. SchülerInnen werden unterstützt durch Workshops mit Wissenswertem rund um Essen und Trinken. Die Erfahrung aus den Schulen zeigt: Gesundes wird gut angenommen, wenn die KundInnen mitgestalten können und es statt Verboten ein größeres Angebot als zuvor gibt, etwa mit knackigen Salaten, Knabbergemüse mit Joghurtdip und bunt belegten Weckerln. Auch Sasha Walleczek steht hinter dem Projekt und ist überzeugt: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Wenn Sie einmal versucht haben, Ihre Ernährung umzustellen oder mehr Sport zu machen, dann wissen Sie, wie schwierig es ist, Gewohnheiten zu ändern. Aber Dinge, die wir als Kind gelernt haben und die schon damals zur Gewohnheit geworden sind, fallen uns leicht. Umso wichtiger ist es also, unseren Kindern jetzt schon möglichst gute Gewohnheiten mitzugeben, damit sie dann als Erwachsene nicht kämpfen müssen, um alles wieder umzulernen.“ Daneben ist auf Landesebene die Plattform Schulbuffet entstanden, die Wegbegleiter vom Landesschulrat bis zu Schulärzten vereint, damit der Befund zukünftig lautet: Schulbuffet OK!

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angeboten. Besonders die niedrigen Kosten und das individuelle Studientempo zeichnen dieses Studium aus. Zusätzlich zu den Studiengebühren von 363,36 Euro pro Semester und 17,50 Euro ÖH-Beitrag kommen nur drei Medienkoffer für die jeweiligen Studienabschnitte, die sich mit rund 2500 Euro zu Buche schlagen. Auch hier läuft der Großteil des Studiums online ab und auch die Prüfungen können in ganz Österreich und zur Not auch bei einem Notar abgelegt werden.

Foto: Fotolia

Bei der Wahl des Fernstudiums sollte man sich vorher gut informieren, ob das Angebot wirklich für einen passt. in Betriebswirtschaft und ein Master in Industrial Management, beide in Kooperation mit Ingenium, sind möglich. Auch hier wird eine Mischung aus Präsenzstudium an Wochenenden, Onlinestudium und einer Präsenzzeit an der jeweiligen Hochschule angeboten.

Österreichisches Jus-Diplom per Fernstudium

Ein interessantes Fernstudium kommt übrigens nicht von einem privaten Anbieter, sondern von der Johannes Kepler Universität Linz. Dort wird ein multimediales Studium der Rechtswissenschaften

„Ich will einfach schnell geeignetes Personal finden.“ Martin K., Unternehmer

In Summe können Fernstudien, besonders bei berufstätigen Studierenden, eine attraktive Lösung sein. Doch wie auch bei jedem Präsenzstudium ist die genaue Studienwahl essenziell. Gerade der finanzielle, aber auch der zeitliche Aufwand ist nicht zu unterschätzen und kollidiert oft mit den Anforderungen in Beruf und Familie.

Informationen http://www.linzer.rechtsstudien.at http://www.aufbaustudium.at http://www.ingenium.co.at http://www.ibss.co.at

„Ich möchte bei der Jobsuche aus möglichst vielen Angeboten wählen.“ Anita H., Webdesignerin

Bezahlte Anzeige

Wir kennen beide Seiten. Wir unterstützen beide Seiten. Mit den eServices des AMS: Nützen Sie den eJob-Room und das eAMS-Konto für die schnelle Personal- und Jobvermittlung auf www.ams.at/stmk

JUli 2013

Sie sind gefragt.

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innovation

Potenzial der Generation 50 plus besser nutzen Der Anteil der Arbeitnehmer aus der Generation 50 plus steigt stark an, die Zahl der erwerbstätigen Personen in der Steiermark sinkt. Das Potenzial der Generation 50 plus müsse daher deutlich besser genutzt werden, sind WIFI und AMS Steiermark überzeugt. Unerlässlich dazu sei es, in Weiterbildungsmaßnahmen für die Generation 50 plus zu investieren.

D

as Potenzial der Generation 50 plus werde am steirischen Arbeitsmarkt momentan zu wenig genutzt, betonen Peter Hochegger, Leiter des WIFI Steiermark, und Karl-Heinz Snobe, Leiter des AMS Steiermark. Dies müsse sich rasch ändern, steigt doch der Anteil der Erwerbspersonen aus der Generation 50 plus in der Steiermark bis 2050 laut Prognosen der Statistik Austria von derzeit rund 20 Prozent auf fast ein Drittel an.

Geringe Bereitschaft zu Weiterbildungen für die Generation 50 plus

Diese demografischen Veränderungen machen es unerlässlich, dass das Potenzial der Generation 50 plus besser genutzt wird.

Damit diese Personen dem Arbeitsmarkt als kompetente Fachkräfte zur Verfügung stehen, bedarf es aber regelmäßiger Weiterbildungen. Hochegger und Snobe sind sich einig: „Unser Pensionssystem wird sich in naher Zukunft stark verändern, das reale Pensionsantrittsalter wird deutlich steigen. Deshalb müssen wir mit Weiterbildungen dafür sorgen, dass die Arbeitsfähigkeit auch im Alter erhalten bleibt.“ Die Bereitschaft zu Weiterbildungsmaßnahmen ist aber gering. Laut der Studie „Weiterbildung 2012“ im Auftrag der Plattform für berufsbezogene Erwachsenenbildung gibt es allerdings in nur 17 Prozent der befragten 500 österreichischen Unternehmen Weiterbildungsschwerpunkte für Ältere. Auch am WIFI Steiermark beträgt

der Anteil der Kursteilnehmer aus der Generation 50 plus derzeit nur zehn Prozent. Peter Hochegger fordert: „Es ist höchste Zeit, dass Weiterbildungen weder von den Unternehmen noch von der Generation 50 plus als notwendiges Übel gesehen werden.“ Ländervergleiche bestätigen die positiven Auswirkungen der Weiterbildungsmaßnahmen auf die Arbeitsfähigkeit. AMS-Steiermark-Leiter Karl-Heinz Snobe: „Weiterbildungsmaßnahmen wirken sich nicht nur positiv auf die Mitarbeiterqualifikation aus. Sie tragen auch dazu bei, dass die Mitarbeiter länger im Berufsleben bleiben, wie AMS-Studien bestätigen.“

Karl-Heinz Snobe (AMS Steiermark) und Peter Hochegger (WIFI Steiermark) fordern eine Weiterbildungsoffensive für die Generation 50 plus.

Foto: Frankl

Das Land 46

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Steiermark JUli 2013


Foto: Fischer

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Gute Botschaften an die Jugend: Hermann Talowski, Armin Wolf und Elisabeth Meixner.

Zukunft an Handwerk: bitte kommen! Die Sparte Gewerbe und Handwerk und der Landesschulrat für Steiermark ziehen an einem Strang, wenn’s um das wichtige Thema Berufsorientierung geht.

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tell dir vor, es gibt Arbeit, aber die Menschen finden den Weg dorthin nicht“ – so ähnlich präsentiert sich, überspitzt formuliert, der Arbeitsmarkt für junge Menschen in der 8. und 9. Schulstufe. Lehrlinge werden bekanntermaßen gesucht, teilweise sogar verzweifelt. Umso wichtiger ist es, die Berufsorientierung für junge Menschen so zu optimieren, dass die richtigen Talente auf den richtigen Stellen in den richtigen Unternehmen landen. Der Landesschulrat für Steiermark und die Sparte Gewerbe und Handwerk – ihre Unternehmen sind zusammen genommen immerhin der größte Lehrlingsausbildner der Steiermark – krempeln jetzt gemeinsam die Ärmel auf und schlagen neue Wege der Zusammenarbeit ein. Auf Initiative der Sparte Gewerbe und Handwerk stand ein Nachmittag im Juni im Zeichen der Veranstaltung „Schule. Lehre. Karriere – Zukunft in Gewerbe und Handwerk“, mitsamt einer geballten Ladung an Information für die in der Grazer Seifenfabrik versammelten Unternehmer und Lehrerinnen und Lehrer.

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„Helle Köpfe – geschickte Hände“

Ein erfolgreiches Vermittlungsformat der Sparte wurde nun auch weiter entwickelt: Die seit 5 Jahren laufende Lehrlingsinitiative „Helle Köpfe – geschickte Hände“, bei der junge Präsentationsteams in die Schulen gehen und über die Chancen im Gewerbe und Handwerk informieren, wird um ein wichtiges Element erweitert: Elternabende werden künftig gemeinsam mit den Lehrern abgehalten, um Informationen noch zielgerichteter zu vermitteln. Denn die Lehrerinnen und Lehrer spielen gemeinsam mit den Eltern die wohl gewichtigste Rolle bei der Wahl des Berufes: „Lehrer müssen nicht nur Stoff vermitteln, sondern Begeisterung. Je professioneller die Unterstützung dafür ist, desto besser wird es gelingen, dass junge Menschen genau das finden, wofür sie geeignet sind“, so die amtsführende Präsidentin des Landesschulrates für Steiermark, Elisabeth Meixner.

Goldene Zukunft

Für die Wirtschaftskammer ist das Thema Lehrlingsausbildung seit jeher von immen-

ser Bedeutung. „Gewerbe und Handwerk hat goldenen Boden – und eine goldene Zukunft! Allerdings müssen wir selbst darauf schauen, dass das auch so bleibt“, so Spartenobmann Hermann Talowski. „Handwerkliche Berufe sind gefragt, weil sie jungen Menschen sehr viel bieten, eine hervorragende Ausbildung in einem unserer zahlreichen Betriebe, ein frühes Einkommen und beste Aufstiegs- und Karrieremöglichkeiten.“

Tipps und Tricks @ArminWolf

Zum Abschluss der Veranstaltung ergriff ZiB2-Moderator Armin Wolf das Wort, der auf Einladung der Sparte Gewerbe und Handwerk ein bisschen aus dem Nähkästchen eines Facebook- und Twitter-Users plauderte. Der mehrfach ausgezeichnete Top-Journalist sprach auch in der Seifenfabrik Klartext: Facebook für Firmen? – Ja, aber richtig! Journalismus ohne Social Media? – Absolutes No-go! Rund 700 Gäste in der randvoll gefüllten Seifenfabrik haben seine Tipps mit offenen Ohren aufgenommen. Und mitgenommen. FA Z i t

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Rund 300 Unternehmerinnen besuchten den Tag der Frauen in der Wirtschaft in der Lannacher Steinhalle.

Power-Frauen auf der Überholspur Am diesjährigen „Tag der Frauen in der Wirtschaft (FiW)“, der am 10. Juni in der Steinhalle in Lannach über die Bühne ging, stand als Motto „Anders denken … anders sein – Spuren statt Staub“ im Mittelpunkt. Über Strategien und Wege zum Erfolg informierten sich rund 300 steirische Unternehmerinnen, und sie nutzten zugleich die Veranstaltung, um an den Infoständen der Veranstaltungspartner mit gleichgesinnten Powerfrauen zu netzwerken und Erfahrungen auszutauschen.

VON JOSEF SCHIFFER

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ls Impuls-Speaker referierte der Managementberater Hannes Treichl zu Marketing und Ideenmanagement: Wie hinterlässt jede/r Einzelne von uns seine/ ihre ganz eigene Spur und wie kann „Frau“ ihr Unternehmen und ihre Produkte von der Masse abheben, sodass sie aus der grauen Masse hervorsticht? Innovation und Handeln im Jetzt seien die Schlüssel zum Erfolg, aber nicht zuletzt Kreativität, gepaart mit dem wachen Blick für das Neue und Ungewohnte, betonte Treichl. So gelinge es Frauen , im Fokus der Öffentlichkeit zu bleiben. Doch auch Unterhaltung und Funfaktor kamen nicht zu kurz. Die musikalische Untermalung der Veranstaltung besorgten Lady Sunshine & Mister Moon, die das Publikum mit Schlagermusik begeisterten, ebenso wie die Skulpturen- und Bilderausstellung des Künstlerehepaares Franz und Roswitha Riedl.

Von Seiten der Veranstalter trugen WKOPräsident Josef Herk, WB-Direktor Kurt Egger und FiW-Landesgeschäftsführerin Elke Jantscher-Schwarz zum Gelingen des Abends bei. Neben Businessstrategien kamen weitere wichtige Themen aufs Tapet. Die Wirtschaftslandschaft befindet sich im Umbruch und wird zunehmend weiblich – 2012 wurden 61 Prozent der steirischen Firmengründungen von Frauen getätigt, das entspricht einem Plus von neun Prozentpunkten innerhalb von nur fünf Jahren. „Dieser Schritt in die Selbstständigkeit ist der beste Weg zu mehr Gleichstellung“, sind sich WK-Präsident Herk und die Bundesvorsitzende von FiW, NRAbg. Adelheid Fürntrath-Moretti, einig. Aber das erfordere zur Unterstützung der Frauen auch die Ablösung von bestehenden Paradigmen und ein Umdenken in weiten Bereichen. Einmal mehr bot die Veranstaltung die Gelegenheit, die Erfüllung eines Forderungspakets an Politik und gesetzliche

Rahmenbedingungen einzumahnen, um der veränderten Rolle der Frau in der Wirtschaft Rechnung zu tragen, so Fürntrath-Moretti: „Wir haben in den vergangenen Jahren vieles erreicht, vieles gilt es aber, noch umzusetzen.“

Mehr Power für Frauen in der Wirtschaft: FiW-LGF Mag. Elke Jantscher-Schwarz, Vortragender Hannes Treichl, WKO-Stmk.Präs. Josef Herk, FiW-Landesvorsitzende Adelheid Fürntrath-Moretti (von li.)

Forderungspaket ƒƒ Mehr Frauen in Aufsichtsräten: Derzeit gibt es eine Frauen- ƒƒ Mehr Frauen in die Kammer: Immer mehr Frauen sind Unterquote von 14,2 Prozent in den österreichischen Aufsichtsräten. Um Frauen gezielt den Weg in den Aufsichtsrat zu erleichtern, hat FiW gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium und der IV das Programm „Zukunft-Frauen“ ins Leben gerufen. Wissensvermittlung für künftige Aufsichtsrätinnen und eine Datenbank mit Kandidatinnen sorgen dafür, dass weibliches Wirtschafts-Knowhow für die wichtigen Aufsichtsmandate gesichert ist. ƒƒ Kinderbetreuung für unter 3-Jährige: Das Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen für 1½- bzw. 3-jährige Kinder soll bundesweit massiv ausgebaut werden. Eine Flexibilisierung der Öffnungszeiten der Betreuungseinrichtungen ist dringend notwendig.

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ƒƒ

nehmerinnen – das muss Konsequenzen haben: FiW will den Anteil von Funktionärinnen in den Sparten, Fachgruppen, Innungen und Gremien spürbar erhöhen. Erste Erfolge zeigen sich: seit 2005 ist der Frauenanteil in der WKO Steiermark von 11 auf 19 Prozent gestiegen. Raschere Umsetzung der geplanten Anhebung des Pensionsantrittsalters bei Frauen – dieses wird nach derzeitigen Bestimmungen sehr langsam und schrittweise angehoben, sodass eine Angleichung erst im Jahr 2033 erreicht wird. Als Folge haben Frauen niedrigere Ansprüche aus dem Pensionssystem. FiW fordert daher eine raschere Umsetzung der geplanten Anhebung, damit berufstätige Frauen bei den Pensionsansprüchen besser gestellt werden.

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innovation

Gemeindereform:

Große Chance für Immobilienbranche Gerald Gollenz, Fachgruppenobmann der Immobilientreuhänder in der Wirtschaftskammer Steiermark, kritisiert lange Verfahren und unnötige Auflagen für Bauwerber. Die Preisentwicklung ist noch im Rahmen, obwohl Grundstücke in den vergangenen Jahren viel teurer geworden sind. Die Grundstückspreise sind auch der Grund, warum derzeit etwas weniger gebaut wird. Große Chancen sieht Gollenz für seine Branche in der anstehenden Gemeindereform. Das Know-how seiner Branche könnte die Gemeinden entscheidend entlasten. Wenn Sie an die Immobilienbranche und die steigenden Preise denken, was ist derzeit Ihre größte Sorge? Vor allem zähe Verfahrensdauern durch überholte Auflagen, die teilweise sinnlos sind und viel Geld kosten, bereiten mir Sorgen. Hier muss endlich reformiert werden. Eine dringende Sofortmaßnahme wäre hier zum Beispiel, dass die Behörden zum Wohle der Bauwerber besser zusammenarbeiten. Das würde so manches Projekt beschleunigen. Besonders am Beispiel Graz wären das die Stadtplanung und das Baurechtsamt. Das würde zu enormen Einsparungen führen und Bauen wieder leistbarer machen. Warum explodieren die Immobilienpreise? Das sehe ich nicht so. Die Preise in der Steiermark erhöhen sich jährlich nur um vier Prozent. Damit liegen wir im österreichweiten Schnitt. Im Bundesländervergleich zählen wir zu jenen Bundesländern mit den günstigsten Immobilienpreisen. In Graz gibt es natürlich ein paar Ausreißer. Das sind aber besondere Bauprojekte. Das hat es immer gegeben und wird es auch immer geben. Da zahlt man aber für die entsprechende Zusatzleistung oder die gute Lage mit. Im österreichweiten Vergleich liegen wir preislich in der Steiermark eigentlich sehr gut und wir sind mit Abstand günstiger als Salzburg, Wien oder Tirol. Von einer Immobilienblase sind wir also noch weit entfernt. Glauben Sie, dass derzeit zu wenig gebaut wird? Derzeit ja. Das Angebot an Wohnungen ist kleiner als die Nachfrage. Das hat auch mit den teuren Grundstückspreisen und den langen Verfahrensdauern zu tun. Innerhalb kurzer Zeit haben sich die Grundstückspreise verdoppelt. Vor sechs Jahren waren JUli 2013

Grundstücke noch deutlich günstiger. Ich glaube aber, dass sich das wieder einpendeln wird. Wir bauen zwar jetzt weniger, aber noch ist es nicht dramatisch. Wo sind derzeit die größten Chancen für die Immobilienbranche? Die Gemeindefusionen sind eine große Chance für uns. Zahlreiche Immobilien werden frei und so manche gemeinsame Immobilie muss durch die Zusammenlegung neu gebaut oder umgebaut werden. Hier wird das Know-how der Immobilientreuhänder gefragt sein. Dies gilt sowohl für die Bauträger, Makler als auch Hausverwalter, die die Gemeinden entscheidend entlasten können. Wir könnten die Gemeinden zeitlich, aber auch finanziell entlasten. Außerdem würde es zur Kostenwahrheit beitragen. Die Kompetenz dazu haben wir auf jeden Fall. Wir legen ein sehr großes Augenmerk auf die Ausbildung und Weiterbildung. Die Immobilienbranche ist sehr komplex und ist permanent

von gesetzlichen Änderungen betroffen. Deshalb bemühen wir uns, unsere Mitglieder immer am letzten Stand zu halten. Als Nachweis dafür gilt die ImmobilienCard, der Berufsausweis der Immobilientreuhänder. Sie beweist, dass der Inhaber bestens ausgebildet ist. Das trägt auch zur Steigerung unseres Images bei der Bevölkerung bei. Die Kommunen sind auf jeden Fall gut beraten, wenn sie auf unser K now-how zurückgreifen würden.

Gerald Gollenz, Fachgruppenobmann der Immobilientreuhänder, sieht mit der anstehenden Gemeindereform ein neues Aufgabengebiet für seine Mitglieder. FA Z i t

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I mmobilien

Immobilienpreise steigen weiter In der Steiermark wohnt man, gemessen am Bundesschnitt, noch immer recht günstig. Zu diesem Ergebnis kommt der Immobilienpreisspiegel des Fachverbands der Immobilien- und Vermögenstreuhänder. Aber auch in der Steiermark ist Wohnen deutlich teurer geworden. Die Gründe dafür seien jedoch hausgemacht, kritisieren WK-Vizepräsident Benedikt Bittmann.

VON MICHAEL NEUMAYR

W

er in der Steiermark eine Mietwohnung sucht, kommt relativ günstig davon und zahlt im Schnitt 5,66 Euro pro Quadratmeter. Nur in Kärnten ist der Preis niedriger. In Wien zahlt man mit 9,11 Euro fast das Doppelte. Bei Baugründen ist die Steiermark sogar das günstigste Bundesland. Mit Ausnahme des Murtals sind die Grundstückspreise weniger hoch ausgefallen als in den Vorjahren.

Teures Graz

Foto: Fischer

Regional betrachtet sind die Unterschiede jedoch sehr hoch. Grundstücke kosten zum Beispiel im Bezirk Hartberg-Fürstenfeld 36,4 Euro pro Quadrat-

meter. In Graz zahlt man 235,8 Euro. Bei Eigentumswohnungen ist das Murtal der Preissieger (1.522,8 Euro bei Erstbezug) und wieder ist die Landeshauptstadt (2.881,2 Euro) am teuersten. „Hier ist der Preisanstieg im Vorjahr mit 5,7 Prozent auch überdurchschnittlich hoch ausgefallen. Gerade in Graz stellen wir eine große Nachfrage nach gebrauchten Eigentumswohnungen fest“, berichtet Gollenz. Um günstiges Wohnen sicherzustellen, brauche es eine Bürokratiereform. Die Bürokratie und Regulierungen würden sich negativ auf die Immobilienpreise auswirken. „Acht bis zehn Prozent der Baukosten gehen mittlerweile auf das Konto diverser Auflagen“, kritisiert Bauinnungsmeister Alexander Pongratz.

Beim Wohnen ist die Steiermark eines der günstigsten Bundesländer, berichten WK-Vizepräsident Benedikt Bittmann, Bauinnungsmeister Alexander Pongratz und Fachgruppenobmann Gerald Gollenz. 50

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IMMOBILIEN

Steiermarks exklusiver Immobilienmarkt

Die Spitzenobjekte

Frohnleiten: „Wohlfühlplatz“, Eckreihen-

Graz-Ragnitz: Neubauprojekt in unmit-

St. Bartholomä: altes Mühlengebäude

St. Peter: Neubauprojekt mit 36 Wohn-

haus, sonnige Lage, Quellenweg. 6 Zim-

telbarer Nähe zum LKH und Privatklinik

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Verwendungs-

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3-Zim-

Graz-Hochsteingasse:

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JUli 2013

FA Z i t

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17:00:16

Uhr


Fotos: Michael Neumayr

innovation

Die Schwarze Sulm ist ein Natura 2000-Schutzgebiet und steht unter dem Schutz der Europäischen Union.

Streit um die Wasserkraft Steht das Sulmkraftwerk auf der Tagesordnung im steirischen Landtag, gehen die Wogen hoch. Das zeigt zum Beispiel die kürzlich eingebrachte dringliche Anfrage der Grünen. Geplant ist ein Wasserkraftwerk, ein sogenanntes Ausleitungskraftwerk, an der Schwarzen Sulm bei Schwanberg. Betroffen davon ist auch ein Natura 2000-Gebiet. Kraftwerksgegner halten bereits eine Mahnwache und die Grünen machen gegen das Projekt mobil. Zum Unverständnis der Projektwerber.

VON MICHAEL NEUMAYR

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er Weg zu den Gegnern des Sulmkraftwerkes ist ein steiniger, und nach mehrmaliger Wegbeschreibung per Telefon landet man abgeschieden, mitten in der Natur, in einem Gasthaus, keinen Steinwurf entfernt von der Schwarzen Sulm. Die Gaststube ist verlassen und erst nach Rücksprache führt mich die Wirtin

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FA Z i t

in ein Hinterzimmer. Dort beugen sich junge und alte Aktivisten gemeinsam mit grünen Politikern über eine Landkarte und diskutieren über Rohrverläufe und die Gefährdung der Natur. Was wie eine Verschwörung klingt, ist der einfache Protest gegen ein geplantes Wasserkraftwerk, das, so sagen die Aktivisten, das Natura 2000-Schutzgebiet an der Schwarzen Sulm bei Schwanberg gefährdet. Unter den eifrig diskutierenden

Kraftwerksgegnern ist auch die grüne Klubobfrau im Landtag, Sabine Jungwirth. Die Grünen thematisieren nämlich schon lange den geplanten Kraftwerksbau im steirischen Landtag. „Das Besondere bei diesem Kraftwerksbau ist, dass ein Natura 2000-Gebiet betroffen wäre. Das ist nicht nur für uns ein Tabubruch, sondern auch für viele andere, das zeigen uns die Rückmeldungen“, so Jungwirth und sie führt an, dass der Bau des Sulmkraftwerkes auch Auswirkungen auf weitere Kraftwerkspläne haben könnte. Etwa der Bau eines zusätzlichen Murkraftwerkes bei St. Michael, der Laichplätze gefährden könnte.

Schützenswerte Natur

Schützenswert sei die Schwarze Sulm, so Jungwirth, aufgrund der zahlreichen JUli 2013


innovation

Pflanzenarten am Ufer des Baches und weil vor einiger Zeit der seltene Steinkrebs im Schutzgebiet dokumentiert wurde. Für Peter Masser, er betreibt das Kraftwerksprojekt gemeinsam mit Alfred Liechtenstein, ist das vor allem Wahlkampfgetöse: „Die liebe Sabine braucht eine politische Bühne. Es wird der Schwarzen Sulm nichts passieren. Das ist eine Effekthascherei und sonst nichts.“ Masser trifft sich am liebsten in seinem Büro in der Grazer Innenstadt. Das Kraftwerk selbst sei unspektakulär, so Masser. Mit einer Tiroler Wehr wird bis zu der Hälfte der schwarzen Sulm in ein Rohr eingeleitet, um 12,5 Kilometer weiter unten eine Turbine anzutreiben. Danach wird das Wasser wieder der Schwarzen Sulm zugeführt. Laut Masser würde aber durch andere Zuläufe vor der Turbine der Schwarzen Sulm nur noch ein Viertel des Wassers fehlen. Die Schwarze Sulm und das Natura 2000-Gebiet würden davon keinen Schaden nehmen, ist Masser überzeugt. Angaben, die von den Kraftwerksgegnern bezweifelt werden. Sabine Jungwirth ortet Verfahrensmängel und stützt sich dabei auf eine Stellungnahme der Europäischen Kommission, wonach bei der Bewilligung des Kraftwerkes EU-Verträge verletzt wurden. Eine Klage der Kommission steht im Raum.

Streitpunkt Rohrverlegung

Große Diskussionen gibt es vor allem durch die notwendige Verlegung der

Sabine Jungwirth von den Grünen setzt sich gegen das Wasserkraftwerk an der Schwarzen Sulm ein.

JUli 2013

Leitung von der Wasserentnahmestelle bis zum eigentlichen Kraftwerksgebäude. Die Umweltschützer sprechen von einem dramatischen Eingriff in die Natur, den sie mit Beispielbildern von ähnlichen Baustellen im Internet dokumentieren. Die Projektbetreiber argumentieren, dass ein Großteil der zu verlegenden Rohre unter bereits bestehende Forststraßen vergraben werde. Einen großen Eingriff in die Natur sieht Peter MasInzwischen schmücken mehrere kraftwerkkritische ser nicht. Nur da und Banner die Häuser in Schwanberg. dort müssten bestehende Forstwege saniert werden. Nur etwa zehn Prozent der Rohrleitungen sollen durch den Wasserrechtliches Wald verlegt werden, behauptet Masser. Verfahren ausständig Aber auch dabei sei das Naturschutzgebiet Inzwischen rühren sich aber auch in der nicht betroffen. Bevölkerung der betroffenen Region die Kraftwerksgegner. In Schwanberg wurden zahlreiche Plakate und selbstgemachte BanProjektbetreiber sehen sich im Recht Eine Klage, die Peter Masser gelassen ner aufgehängt, die sich gegen das Kraftsieht: „Wir leben in einem Rechtsstaat und werk aussprechen. „Rettet die Schwarze die Bewilligung wurde bereits erteilt. Es Sulm“ ist ein allgegenwärtiger Slogan. Im wird nicht zu einer Klage kommen, da alles Mai fand eine Demonstration mit mehreren rechtlich einwandfrei abgelaufen ist.“ Eine hundert Kraftwerksgegnern am Hauptplatz Klärung will Masser daher erst gar nicht von Schwanberg statt. Die Bürgermeister abwarten und bereits vorher zu bauen be- der Region verhalten sich jedoch relativ ruginnen. Das wollen die Aktivisten, die seit hig. Nur Josef Steiner, Bürgermeister von Wochen in der Region St. Martin im Sulmtal, hat eine Rede bei kampieren, verhindern. der Demonstration gehalten. „Es herrscht „Wir würden uns not- in der Bevölkerung eine sehr unsichere falls auch vor den Bag- Stimmung. Viele glauben, dass man sowieso ger schmeißen“, geben nichts mehr gegen das Kraftwerk machen sich die jungen Men- könne. Ganz nach dem Motto: Die haben schen aus der Region schon immer alles durchgebracht“, kritisiert kampfbereit. Ihre Na- Jungwirth. Sie selbst ist optimistischer und men wollen sie jedoch rechnet nicht mit einem Kraftwerksbau. nicht gedruckt sehen. Inzwischen beschäftigt der Streit um das Es habe schon Klags- Kraftwerk nicht nur den steirischen Landdrohungen gegeben, tag, sondern auch den österreichischen Nasagen sie. Peter Masser tionalrat. Einer parlamentarischen Anfrage relativiert hier: „Das an Umweltminister Nikolaus Berlakovich sind junge und nette zufolge ist noch ein wasserrechtliches VerLeute. Mit denen kann fahren ausständig. In Gang gesetzt wurde man gut reden und ich es am 12. Juli 2012. Abgeschlossen ist es werde sie nicht verkla- aber freilich noch nicht. Das alles sieht Pegen. Bei der Politik ist ter Masser gelassen und denkt schon weiter. das etwas anderes. Hier Nach dem Interview in seinem Büro zeigt werden einfach zu viele Fakten verdreht. er noch schnell auf einige Hochglanz-RollDie jungen Leute werden doch nur von ups: „Das ist unser nächstes Projekt. Ein den Politikern instrumentalisiert.“ Des- Pumpspeicherkraftwerk auf der Koralm.“ halb rechnet er auch nicht mit einer Eska- Egal wie der jahrelange Streit um das Sulmlation: „Es wird sich kein Mensch vor den kraftwerk ausgeht, Ruhe wird dann wohl nicht einkehren. Bagger stellen.“ FA Z i t

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I N N O VAT I O N

Erfinder auf Anfrage Josef Stollberger entwickelt elektrobetriebene Arbeitsgeräte und löste mit seiner jüngsten Innovation ein Problem einer ganzen Branche. 2011 erfuhr er von einem Geschäftspartner, dass die Grenzkabelverlegung für automatische Mähroboter für Gartenspezialisten eine Herausforderung darstelle. Stollberger erfand daraufhin eine Maschine, mit der er die Entwicklung des Marktes vorantrieb.

Foto: Josef Stollberger

Begrenzungskabel für Mähroboter

Mit der Erfindung eines akkubetriebenen Kabelverlegers erleichtert Josef Stollberger den Betrieb von Mährobotern.

S

tollberger begann mit der Konstruktion von batteriebetriebenen Arbeitsgeräten 1989. Bis zu 200 Maschinen stellt der Techniker jedes Jahr her. Großteils arbeitet er alleine, manchmal auch mit freien Mitarbeitern. Die Herstellung einzelner Komponenten wird

ausgelagert. Nach den ersten zehn Jahren fragten immer häufiger auch internationale Betriebe nach seinen Lösungen. Die Firma Stollberger exportierte daraufhin etwa 60 Prozent der hergestellten Maschinen in die Schweiz.

2011 kam es zu einem Gespräch mit einem Geschäftspartner, das Stollberger auf eine besondere Idee bringen sollte. „Es ging um Mähroboter, die automatisch den Rasen auf einem vordefinierten Grundstück mähen“, erklärt Stollberger. Damit ein Mähroboter selbstständig arbeiten kann, muss zuerst ein Begrenzungskabel entlang der Grenzen verlegt werden. „Gartenspezialisten benötigen Maschinen, mit denen sie das Kabel einfach und schnell auf Kundengrundstücken verlegen können“, so Stollberger. Eine saubere und leise Lösung gab es noch nicht für diesen Bereich. Für Stollberger begann die Recherchephase, in der ihn die Steirische Wirtschaftsförderung SFG im Rahmen des Programms Geistes!Blitz unterstützte. Stollberger erstellte einen Kostenplan und schätzte ab, wie lange er für die Entwicklung brauchen würde. Der Markt war vielversprechend: Die Verkaufszahlen von Mährobotern hatten sich in den Jahren zuvor mehrmals verdoppelt. Der Techniker entwickelte daraufhin einen akkubetriebenen Kabelverleger, der leise und exakt arbeitet. Das Gerät kann von einer einzelnen Person betrieben werden und verlegt das Kabel in drei

bis fünf Zentimeter Tiefe im Boden. Das Produkt wurde vom Markt gut angenommen. „Wir haben bereits im ersten Jahr rund 30 Geräte verkauft“, erinnert sich Stollberger.

Zehn Erfindungen

Mittlerweile ist der Kabelverleger ein fixer Bestandteil von Stollbergers Produktportfolio. Besonders stark nachgefragt waren und sind außerdem die Akku-Schubkarre und der Akku-Schlepper. Beide Geräte werden in unterschiedlichen Branchen eingesetzt und bis heute von Stollberger vertrieben. Insgesamt entwickelte der Maschinenbauer aus Gratkorn zehn Geräte seit der Gründung der Firma.

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Informationen zu Förderungsmöglichkeiten Die Steirische Wirtschaftsförderung SFG unterstützt innovationsfreudige Unternehmen in der Steiermark bei Forschung und Entwicklung und ihrem Wachstum, damit diese neue Produkte, Verfahren und Dienstleistungen erfolgreich am Markt etablieren können. Mehr Infos unter http://sfg.at oder direkt bei der Steirischen Wirtschaftsförderung SFG, Nikolaiplatz 2, 8020 Graz, Tel.: 0316 7093–0

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Nikolaiplatz 2 8020 Graz +43 316 70 93-0 http://sfg.at JUli 2013


leben

wissen

Sommerredoute eröffnet Ballsaison Mehr als 2.000 Gäste werden am 31. August zur zweiten Sommerredoute im Schauspielhaus erwartet. Für WB-Obmann und Landesrat Christian Buchmann ist die Veranstaltung eine perfekte Verbindung zwischen Kunst und Wirtschaft.

WB-Landeschef und Kultur- und Wirtschaftslandesrat Christian Buchmann, Anna Badora, geschäftsführende Intendantin des Schauspielhaus Graz, und Organisator Herwig Straka freuen sich auf die Sommerredoute der steirischen Wirtschaft.

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m August 2012 feierte die Sommerredoute der steirischen Wirtschaft erfolgreich ihre Premiere. Zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft, Sport und Kultur tanzten im ausverkauften Ambiente des Schauspielhauses Graz bis in die Morgenstunden. Deshalb war klar, dass die Sommerredoute auch dieses Jahr erneut die Ballsaison er-

öffnen soll. „Es freut uns, dass Anna Badora als Hausherrin auch in diesem Jahr das Schauspielhaus für die Sommerredoute der steirischen Wirtschaft zur Verfügung stellt. Damit entsteht für den Wirtschaftsbund auch in diesem Jahr eine besondere Verbindung von Wirtschaft und Kultur“, hob Kultur- und Wirtschaftslandesrat Christian Buchmann die Bedeutung von Kunst und Kultur für die Wirtschaft hervor. Mehr als 2.000 Gäste werden am 31. August 2013 im Schauspielhaus erwartet.

Auf Burghöfe erweitert

Neu ist diesmal, dass die Sommerredoute dieses Jahr um die angrenzenden Burghöfe erweitert wird, betont Organisator Herwig Straka: „Der Blick auf die historische Burg und den Grazer Dom bietet dabei genügend Raum für einen Sommernachtstraum der besonderen Art.“ Tickets gibt es online unter www.graztickets.com, per EMail unter tickets@buehnen-graz.com oder unter www.sommerredoute.at. Tickets gibt es ab 65 Euro. Studenten bis zum 27. Lebensjahr zahlen 49 Euro.

Fotos: Robert Frankl, Rita Newman, Fischer, AC Styria

Landesrechnungshof Steiermark zieht Bilanz

Anlässlich des Auslaufens seiner Funktionsperiode zog Johannes Andrieu, der längstamtierende Leiter des Landesrechnungshofes Steiermark, eine positive Bilanz. „In der Periode 2001 bis 2013 wurden rund 400 Prüfungen vom Landesrechnungshof durchgeführt, die alle vom Landesrat einstimmig zur Kenntnis genommen wurden“, erklärt Andrieu. Er verwies dabei auch auf die präventive Wirkung der Prüfungstätigkeit: „Durch die öffentliche Diskussion der Berichte wird Korruption verhindert.“ JUli 2013

Steiermark: Kompetenzzentrum für grüne Technologien

In der Steiermark ist bereits großes Knowhow im Bereich umweltfreundlicher Mobilitätstechnologien vorhanden. Das zeigt eine aktuelle Studie des ACstyria, bei der 193 Clean-Mobility-Kompetenzen in der Region festgestellt wurden. „Diese Stärken müssen weiter forciert werden, um damit Wertschöpfung und Beschäftigung in der Steiermark zu stärken“, betont Wirtschaftslandesrat Christian Buchmann.

kurz im Gespräch Gottfried Gusenbauer ist Direktor des Karikaturmuseums in Krems. Mit FAZIT sprach er über seine aktuelle Ausstellung über Lucky Luke. Lucky Luke hat ganze Generationen begeistert. Was ist so besonders an dieser Comic-Figur?

Eigentlich ist Lucky Luke eine typische Figur in der Manier der Spaghetti-Western. Sein Erfolgsgeheimnis ist aber, dass er sich nicht nur auf historische Ereignisse bezieht. Auch aktuelle Themen werden aufgegriffen und parodiert. Erst vergangenes Jahr wurde zum Beispiel das Thema Überwachungsstaat behandelt. Lucky Luke ist ein sehr positiver und glücklicher Charakter. Das ist über die Jahre – immerhin hatte er 1946 seinen ersten Auftritt – erhalten geblieben. Damals hat er noch gejodelt. Wie hat sich Lucky Luke über die Jahre verändert?

Am Anfang hat Lucky Luke noch richtig zugeschlagen, geraucht und natürlich viel öfter geschossen. Auch war er noch eine typische Comic-Figur mit nur vier Fingern. Mit dem Erfolg ist er aber immer mehr ein menschliches Vorbild geworden. Mit den Trickfilmen hat man ihm dann zum Beispiel die Zigarette weggenommen und ihm einen Grashalm in den Mund gegeben. Sein Erfinder Morris hat dafür sogar den Weltgesundheitspreis der WHO bekommen. Das Karikaturmuseum in Krems liegt direkt an der Donau. Haben Sie das Hochwasser gut überstanden?

Wir hatten für eine Woche geschlossen und haben zur Sicherheit die Exponate in den ersten Stock gebracht. Das war vor allem versicherungstechnisch sehr spannend, immerhin liegen wir direkt an der Donau. Zum Glück ist nichts passiert. Inzwischen ist die Ausstellung aber wieder aufgebaut und geöffnet. Die Ausstellung »Lucky Luke. Neues aus dem Wilden Westen von Achdé« ist noch bis Mitte November in Krems zu sehen. karikaturmuseum.at FA Z i t

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LEBEN

Constantinus für die besten Berater Bereits zum elften Mal wurde der wichtigste österreichische Consulter-Award „Constantinus“ veranstaltet und von der Fachgruppe Ubit Steiermark in Schladming durchgeführt. Bei der Gala wurden die Besten der Besten vor den Vorhang geholt und in fünf Hauptkategorien, drei Sonderklassen und einer Publikumskategorie geehrt.

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tantinus-Award holte nun heuer bereits zum elften Mal die außergewöhnlichsten, innovativsten und spektakulärsten Projekte auf die Bühne.

Konjunkturmotor Beratung

In fünf Hauptkategorien, drei Sonderklassen und einem Publikumspreis wählte eine hochkarätige Fachjury Firmen aus, die Besonderes in ihren Segmenten geleistet haben. Sie tragen wesentlich zum Bruttoinlandsprodukt Österreichs bei, da bereits 6,6 Prozent auf die Beratungsund IT-Branche fallen. „Die Branche ist damit ein entscheidender Konjunkturmotor für den Wirtschaftsstandort Ös-

terreich“, ist Alfred Harl, Obmann des Fachverbandes Unternehmensberatung und IT, überzeugt. So hat die Branche trotz des schwachen Wirtschaftswachstums von nur einem Prozent um acht Prozent zulegen können. Zwei Drittel der in der Branche tätigen Unternehmen sind Ein-Personen-Unternehmen. „Jedes Mitglied trägt mit seinem persönlichen Einsatz zum Erfolg seiner Kunden bei“, so Harl und ergänzt: „Wie hoch das Niveau ist, zeigen unsere Constantinus-AwardPreisträger jedes Jahr.“ Auch Wirtschaftslandesrat Christian Buchmann ist von der Wichtigkeit der

Fotos: Constantinus Club

ie Wachstumschancen steigen!“ Wenn dieser Satz für eine Branche stimmt, dann für die Beratungs- und IT-Branche. Immer mehr Unternehmen erkennen die Notwendigkeit, sich von außen professionelles Know-how ins Unternehmen zu holen und damit den Grundstein zu legen, um das Unternehmen durch wirtschaftlich schwierige Zeiten zu führen. Fast 7.000 Ubit-Mitglieder zählt die Steiermark inzwischen. „Ich bin sehr stolz auf diese Branche. Sie zeigen den Bedarf der Wirtschaft nach externen Experten“, sagt WK-Präsident Josef Herk. Der vom Fachverband der Wirtschaftskammer ausgeschriebene Cons-

Den dritten Platz konnte die Pelzmann Unternehmensberatung in der Kategorie „Management und Consulting“ erreichen. 56

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LEBEN

Die Preisträger: Informationstechnologie: 1. Platz: kompetenzzentrum.it 2. Platz: Dr. Walter Bayrhamer 3. Platz: econob – Infodienstl. GmbH Kommunikation & Netzwerke: 1. Platz: Loop21 WLAN Entertainer 2. Platz: hotelkit GmbH 3. Platz: exthex GmbH Management Consulting: 1. Platz: C.M.T. & Co 2. Platz: Weichselbaum Consulting 3. Platz: Pelzmann Unternehmensber. Personal und Training: 1. Platz: Dasta – Lösungen f. Generationen 2. Platz: Autonom Talent Consulting GmbH 3. Platz: P&K Unternehmensberatung Standardsoftware und Cloud Services 1. Platz: Ranorex GmbH 2. Platz: Cyberhouse 3. Platz: express Sonderpreis Internationale Projekte: Loytec Sonderpreis Open Source: Gabriel Freinbichler Sonderpreis EPU-Kunden: fit for culture Publikumspreis: Cadshop

Die Grazer Unternehmen Ranorex GmbH (Bild oben) mit dem ersten Platz und die exthex GmbH überzeugten mit dem dritten Platz in ihren Kategorien. Berater überzeugt: „Erfolgreiche Unternehmen sind entscheidungsfreudig, aber nicht beratungsresistent. Die IT- und Unternehmensberater liefern mit ihrem Know-how und ihren Expertisen einen wesentlichen Beitrag für den Wirtschaftsstandort und die Sicherung von Arbeitsplätzen.“ Auch der steirische Ubit-Obmann Heinz Michalitsch glaubt an die Qualität seiner Branche: „Die österreichischen Unternehmensberater und IT-Dienstleister haben die Zeichen der Zeit längst erkannt und setzen auf punktuelle Qualität in Bereichen, wo ihre spezialisierten Kunden externe Beratung brauchen. Um diese tägliche JUli 2013

Feinarbeit an der Wirtschaftsleistung Österreichs sichtbar zu machen, gibt es den Constantinus-Award.“ Besonders die Kreativität der Preisträger freut Michalitsch: „Sie haben mit ihren Ideen ihre Kunden nicht nur zufriedengestellt, sondern überrascht, begeistert und noch weiter nach vorne gebracht, als sie es sich erhofft hatten. Dafür gebühren ihnen Respekt und Anerkennung.“

Drei Preise für steirische Unternehmen

Die Steiermark war beim ConstantinusAward mit drei Preisträgern gut vertreten. Die Ranorex GmbH aus Graz konn-

te in der Kategorie „Standardsoftware und Cloud-Services“ den ersten Platz erobern. Der dritte Platz ging in der Kategorie Management Consulting an die Pelzmann Unternehmensberatung aus Graz. Ebenfalls den dritten Platz errang Grazer Firma Exthex GmbH in der Kategorie Kommunikation und Netzwerke. Im Kongresszentrum Schladming wurde ein würdiger Rahmen für die Constantinus-Award-Gala 2013 gefunden. „Es ist kein Zufall, dass die heurige Constantinus-Verleihung in der WM-Stadt Schladming stattfindet. Dort treffen sich 2013 eben nur die Besten der Besten“, so Buchmann. FA Z i t

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LEBEN

Rumänien:

Steirer helfen weiter! Die Steiermark hält die Kontakte zu den Nachkommen der 1773 in das Banater Bergland ausgesiedelten Obersteirer aufrecht. Nachdem VP-Klubobmann Christopher Drexler vor zwei Jahren einen von steirischen Hilfsorganisationen finanzierten dreigruppigen Kindergarten übergeben konnte, besuchte Anfang Juni eine Delegation des ÖVP-Landtagsklubs das Kirchweihfest von Steierdorf. Gemeinsam mit der multiethnischen Bevölkerung feierten sie ein traditionell steirisches Fest. Zuvor hatten die Abgeordneten einen Kinderspielplatz gespendet, der ebenfalls anlässlich des Besuchs eröffnet werden konnte.

Der Bürgermeister von Anina-Steierdorf Georghe Romanu begrüßt die Steirische Delegation traditionell mit Brot und Salz.

von johannes Tandl

E

s war eine fröhliche Schar von Menschen aus Rumänien und der Steiermark, die gemeinsam das Kirchweihfest von Steierdorf, einen der

Höhepunkte im Jahreslauf der Banater Bergstadt, feiern durfte. Neben der Musikkapelle von Steierdorf und den örtlichen deutschen und rumänischen Volkstanzgruppen nahmen auch die Marktmusik Großstübing und die

Volkstanzgruppe Hitzendorf an dem Fest teil. Trotz wirtschaftlicher Not wurden die angereisten Österreicher mit großer Gastfreundschaft aufgenommen. Denn während sich etwa die Stadt Temeswar als dynamische Boom-Town präsentiert, gehört die Nachbarprovinz Caras-Severin, zu der auch das Banater Bergland gehört, mittlerweile zu den ärmsten Regionen Europas. Die Bergbaustädte Reschitz (Resita) und Steierdorf-Anina liegen wirtschaftlich danieder. Ein Ersatz für den unrentabel gewordenen Bergbau wurde nicht gefunden und auch die meisten der zahlreichen Stahlhütten sind mittlerweile geschlossen. In Reschitz etwa beschäftigte die Stahlund Maschinenindustrie vor dem Zusammenbruch beinahe 40.000 Menschen – jetzt sind es gerade noch 5000. In Steierdorf-Anina ist die Situation noch trister. Die Stadt ist von rund 15.000 Einwohnern auf mittlerweile gerade noch achteinhalbtausend Einwoh-

ner geschrumpft. Der Bergbau ist verschwunden und mit ihm die Industrie. Die meisten der Zuhausegebliebenen sind alt und leben von bescheidensten Renten, beziehungsweise von dem Geld, das die abgewanderten Jungen in wohlhabenderen rumänischen Regionen bzw. im EUAusland verdienen und nach Hause schicken. Und auch den wenigen verbliebenen Steirern von Steierdorf geht es schlecht. Geblieben sind einige Alte, die nicht nach Deutschland, wo sie eine garantierte Mindestpension und eine Krankenversicherung erwartet, auswandern wollen. Viel zu wenige, um das einst reiche Kulturleben aufrechtzuerhalten. Doch dennoch lebt das steirische Brauchtum in Steierdorf fort. Es gibt einen Brauchtumsverein, eine Volkstanzgruppe und eine Musikkapelle. Deren Mitglieder sind längst überwiegend Rumänen. Doch auch sie fühlen sich der Tradition ihres Heimatortes verpflichtet. Die Rumänen sind ab dem 19

Die Jungen sind nach Deutschland ausgewandert und besuchen ihre Heimat nur noch an großen Festtagen wie dem Kirchweihfest. Von einstmals starken Familienverbänden blieben nur einig Alte in Steierdorf zurück. 58

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Die Vizebürgermeisterin von Hermannstadt, Astrid Fodor mit VP-Klubobmann Christopher Drexler und dem stv. VP-Klubobmann Karl Lackner.

armen Banater Bergland, in Steierdorf und Reschitz, noch über lange Zeit unsere Hilfe benötigen werden, um die

JUli 2013

Nachwirkungen des Kommunismus zu überwinden, denn Freiheit allein kann die Not nicht besiegen.“

11.05.–01.12.2013

Der Kult um den KOPF

www.schaedelkult.at

Fotos: © Hugo Maertens, Brügge; © Museum of Anthropology Athen, Foto: Theodoros Pitsios

bieten wollen. Seit die meisten Deutschen, darunter auch die „Steierdorfer Steirer“, ausgewandert sind, gibt es ohnehin nicht mehr genügend deutschsprachige Kinder, um diese Bildungseinrichtungen ohne massive ethnisch-rumänische Unterstützung zu füllen. Für VP-Klubobmann Christopher Drexler steht außer Zweifel, dass es ein Gebot der Menschlichkeit sei, die Menschen in Steierdorf auch in Zukunft zu unterstützen: „Selbst wenn wir auf unserer Reise durch den Banat und Siebenbürgen eine Region voller Hoffnung mit großer Dynamik erlebt haben, steht fest, dass die Menschen im

© Kastner & Partner! GmbH | 8700 Leoben

Jahrhundert nach Steierdorf gekommen, als dort Bergleute für den Kohlenbergbau benötigt wurden. Schon vor der mit dem Zusammenbruch des Kommunismus einsetzenden Auswanderungswelle nach Deutschland lebten in Anina – so heißt Steierdorf auf Rumänisch – 90 Prozent ethnische Rumänen. Der außergewöhnlich gute rumänische Minderheitenschutz führte zudem dazu, dass das Land seine Minderheit schneller und besser assimilierte, als das sonst irgendwo in Europa möglich gewesen wäre. Dabei gibt es zahlreiche fest etablierte Institutionen, um die Sprachen und Religionen der Minderheiten schützen. Dazu gehören etwa fixe Sitze in den Gemeindevertretungen, in die jede Minderheit mindestens zwei Gemeinderäte entsendet. In allen größeren Ortschaften des rumänischen Banats und Siebenbürgens gibt es immer noch deutschsprachige Kindergärten und Schulen, außerdem existieren eine deutschsprachige Zeitung und öffentlich-rechtliche deutschsprachige Radiosendungen. Die deutschen Schulen werden inzwischen in erster Linie von bildungsaffinen Rumänen genutzt, die ihrem Nachwuchs ein besseres Leben in Deutschland oder zumindest eine Karriere in einem der zahlreichen deutschsprachigen Unternehmen in den dynamischen Städten Temeswar, Hermannstadt oder Kronstadt

Fotos: Fazit

LEBEN

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K U LT U R U N D S O W E I T E R

ie neue Ausstellung von Heimo Zobernig – ohne Titel – bietet viel Stoff für einen Monty-Python-Sketch. Vor allem wenn man mit einer ausreichend großen Gruppe von Besuchern in der neuen Ausstellung des Grazer Kunsthauses ist. Stundenlang kann man sinnierend vor der groben weißen Leinwand »ohne Titel« (2008) stehen, sich von der weißen Folie »ohne Titel« (2002) erheitern und irritieren lassen oder mit schief gelegtem Kopf vor dem weißen Querformat von 1993 »ohne Titel« grübeln. Schon störend wirken da einige farbige Werke Zobernigs: plötzliches Blau zwischen all dem Weiß – wozu? Wenn schon Nichts, dann bitte konsequent. Eine Stiege ins Nichts, die man nicht betreten darf, na gut. Ein Oktaeder aus Leinen, dessen Inneres sich dem Betrachter inkonsequent verweigert – viel zu konkret! Ein Knäuel aus Klopapierrollen, das unsere Darmwindungen fortsetzt: ein unerhörter Affront der Gegenständlichkeit! Zum Glück bleibt es eine von wenigen Ausnahmen im sonst so weißen Paradies des Nichts. Zwei Highlights hat die Ausstellung zu bieten: das Fotoverbot für die weiße Leinwand von 1993 »ohne Titel«, die als Leihgabe des Belvedere nach Graz gegeben 60

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JUNI 2013

Foto: Michael Thurm

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K U LT U R U N D S O W E I T E R

AVISO I

Nihilismus für Anfänger. Eine Anleitung zum Museumsbesuch VON MICHAEL THURM

wurde. Fotografieren Sie nichts! Niemals. Es sei denn, es ist das Nichts von 2002 oder 2008. Das geht in Ordnung. Das ohne Frage gelungenste Meisterwerk sind allerdings die subtil im Raum verteilten Bänke. Weiß, ohne Titel. Unauffällig stehen sie den Besuchern im Weg herum, zwingen sie ihre Laufwege zu ändern und stellen die immer gleiche Frage: Ist das Kunst oder kann das weg? Und sie bekommen keine Antwort. Von niemandem. Also nehmen sie Platz auf dem weißen Nichts. Man sollte nicht allzu viel Aufhebens um Kunst und künstlerisches Schaffen machen. Das ist »überbewertet«, wie der gesättigte Kunstkenner zu urteilen pflegt. Kunst braucht nur eine gute Erklärung. So und mit möglichst großen Ausstellungen rechtfertigt sie sich leicht. Zobernigs Retrospektive steht unter dem inoffiziellen Titel: »Das Nichts ist für jeden anders.« So ein Satz, auf Postkarten gedruckt, wiegt schwer und dank ihm bekommt die Kunst jene Aura verliehen, die aus dem Nichts eben etwas Kunst macht. Man darf das nur nicht ernst nehmen. Fotografieren Sie das weiße Bild des Belvedere, stellen Sie es aus und behaupten Sie, es sei das 1999er-Werk. Das ist auch weiß und hat auch keinen Titel. JUNI 2013

Oder machen Sie es umgekehrt. Legen Sie am besten noch einen Fotofilter drüber, einen von den ganz billigen. Machen Sie aus dem Nichts noch weniger. Banalisieren Sie das Banale. Stoßen Sie sich den Kopf an einem riesigen schwarzen Würfel und verklagen Sie das Kunsthaus. Warum dieser Klotz auch mitten in der Ausstellung steht. Erklären Sie dem Personal, dass ein Bild um 90 Grad gedreht gehört. Gehen Sie auf keinen Fall allein dorthin. Sinnieren Sie laut über das offensichtlich Abwesende. Beziehen Sie Umstehende in diese Diskussion ein, am besten mit Suggestivfragen. »Ist das nicht gewagt?« Bleiben Sie ernst dabei. Verziehen Sie keine Miene. Oder wenn Ihnen das liegt: Lachen Sie sich kaputt. Vor jedem Bild aufs Neue. Warum sollen sich denn immer nur die Künstler danebenbenehmen? Heimo Zobernig im Kunsthaus Graz 7. Juni bis 1. September 2013 im Space01. Täglich außer Montag von 10 bis 17 Uhr. museum-joanneum.at/kunsthaus

ZEITSCHRIFT Es ist tatsächlich schon die 200. Ausgabe der Literaturzeitschrift »manuskripte«. Nachdem im vorletzten Jahr der 80er von Alfred Kolleritsch gefeiert wurde, im letzten sein 50. Jahr als Herausgeber, steht heuer eben die 200. Ausgabe der manuskripte an. Es gibt Dinge, die kann man nicht genug feiern. Dieses Magazin und ihr Schöpfer gehören dazu. Zum Geburtstag im Schauspielhaus lesen unter anderem Clemens Setz, Vea Kaiser und Andrea Grill. Präsentation der Ausgabe 200, 26. Juni 2013, 20 Uhr, Schauspielhaus. manuskripte.at

AVISO II

VOLKSKULTUR Die Theatergruppe Pack hat sich 2004 gegründet und spielt vorwiegend heitere Volksstücke in weststeirischer Mundart. Die immer professioneller agierenden Laiendarsteller haben im letzten Jahr auf der Freiluftbühne im Packer Pfarrhof mit dem Stück »‘s Nullerl« von Carl Morré überregional aufgezeigt. Auch heuer wieder gibt es unter der Regie von Karl Christandl das Stück in einer neu überarbeiteten Version zu sehen. »‘s Nullerl« im Packer Pfarrhof; 26., 27. u. 28. 7. sowie 2., 3. u. 4. 8.; Karten und weitere Infos: theatergruppe-pack.at FA Z I T

Fotos: Manuskripte, Andrea Wipfler

Sehen Sie Nichts!

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KOMMENTAR

Tandl macht Schluss!

Allmonatliche Finalbetrachtungen von Johannes Tandl

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a dachten wir uns schon, die Tage, an denen Brüssel Gurkenradien und Mindestgrößen für Bananen verordnet, liegen hinter uns, doch weit gefehlt. Dieser Tage ereilte uns eine Ankündigung, dass mit Hilfe einer „Telefonroaming-Verordnung“ das Telefonieren in Europa billiger werden soll. Dabei dachte ich eigentlich, dass es kaum einen Bereich gibt, der sich Dank der Deregulierung so konsumenten- und „geldtascherlfreundlich“ entwickelt hat wie das Handytelefonieren. Doch die Öffnung der Telekom-Märkte geschah zu einer Zeit, in der „Marktvertrauen“ noch nicht als Schimpfwort galt und „Neoliberalismus“ noch nicht mit einer Politik verwechselt wurde, die ihre Hausaufgaben nicht macht, weil sie das Funktionieren der Märkte nicht gewährleistet. Der Plan der für die „digitale Agenda“ verantwortlichen holländische EU-Kommissarin Neeli Kroes ist, in Zukunft bei Telefonaten innerhalb Europas keine Roaming-Gebühren mehr zuzulassen. Der Jubel der vielen „antikapitalistisch“ geprägten Medien ließ nicht lange auf sich warten:

Wer nicht erkennt, dass Preise steigen, wenn sich das Angebot verknappt, wird wohl auch nicht begreifen, dass lohnenswerte Renditen die Voraussetzung dafür sind, dass investiert wird.

„Endlich wird das Telefonieren innerhalb Europas billiger!“ und „Schluss mit der Abzocke bei den Telefongebühren!“, hieß es da – übrigens auch in öffentlich-rechtlichen Servicesendungen. Sämtliche innerhalb der EU geführten Telefongespräche sollen also in Zukunft gleich wenig kosten – kein Preisunterschied mehr zwischen einem Gespräch von Malta nach Edinburgh oder einem von Gratwein nach Gratkorn. Jedem, der nicht beharrlich ignoriert, wie Märkte funktionieren, müsste eigentlich klar sein, was bei dieser Verordnung herauskommen wird: Wer hauptsächlich innerhalb seines Heimatlandes telefoniert, wird deutlich mehr bezahlen müssen, um jemanden zu subventionieren, der im Ausland telefoniert. Das Bittere an dieser Ignoranz einfachster betriebswirtschaftlicher Abläufe ist, dass Frau Kroes wahrscheinlich voll davon überzeugt ist, dass sie mit der von ihr geplanten Zwangsbeglückung das Telefonieren tatsächlich billiger macht. In ihrer einfachen Welt sorgt sie „per Verordnung“ für niedrigere Kosten. Doch, so gering der tatsächliche Mehraufwand eines Auslandsgespräch für die Provider auch sein mag: Bis jetzt bezahlt derjenige, der genug Geld hat, sich eine Auslandsreise leisten zu können. Tatsächlich führt diese Verordnung zur Umverteilung von unten nach oben. „Gut gemeint“ bewirkt bekanntlich oft das Gegenteil von „Gut gemacht“. Vielleicht könnte eine verpflichtende BWL-Auffrischung solch aktionistischen Tatendrang eindämmen. Doch um weitere Beispiele für die unabsichtliche Umverteilung zu finden, muss man gar nicht bis nach Brüssel schauen. Auch in der österreichischen Politik wird man rasch fündig. So will die SPÖ wieder einmal „per Verordnung“ die Mieten regulieren und absenken. Für jemand, der nicht um die Ecke denkt, klingt das aufs Erste vernünftig, denn schließlich kann niemand etwas dagegen haben, dass sich auch die „kleinen Leute“ das Wohnen leisten können.

Tatsächlich würde ein solcher Eingriff in den Wohnungsmarkt dazu führen, dass die Mieten deutlich schneller ansteigen. Denn potenzielle Vermieter haben schon jetzt große Probleme dabei, aus der Vermietung einer Wohnung eine werterhaltende Rendite zu erwirtschaften. Es wird zwar überall in den Städten gebaut, aber nur, weil die Anleger hoffen, über ihr Immobilien-Vermögen, den Wert des Ersparten zu erhalten. Nach der Fertigstellung bleiben jedoch viele dieser neuen Wohnungen leer, denn solange keine Mieterlöse erzielbar sind, die zumindest die Abnutzung decken, und es keine vernünftige gesetzliche Grundlage gibt, unliebsame Mieter wieder loszuwerden, wird sich das auch nicht ändern. Professionelle Investoren, die Wohnungen errichten, um von den Mieterlösen leben zu können, gibt es ohnehin immer weniger, und viele dringend benötigte Neubauprojekte, die Druck vom überhitzten Wohnungsmarkt nehmen könnten, werden dadurch erst gar nicht in Angriff genommen werden. Wer nicht erkennt, dass die Preise steigen, wenn sich das Angebot verknappt, wird wohl auch nicht begreifen, dass lohnenswerte Renditen die Voraussetzung dafür sind, dass investiert wird. Diesbezüglich unterscheiden sich die Investoren in TelekomAktien überhaupt nicht von Menschen, die ihr Geld angesichts der Euro-EZB-Krise in vermeintlich sicherem Wohnungsvermögen parken wollen. Wie man Wohnraum mobilisiert, kann man übrigens in den USA, dem Mutterland des Kapitalismus, beobachten. Dort wird das über die Grundsteuer geregelt. Die ist dermaßen hoch, dass es sich niemand leisten kann, eine Wohnung leer stehen zu lassen.

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Fazit 94  

Fazit 94, Juli 2013