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Biofrühling Beilage mit Anstößen zu nachhaltiger Nachdenklichkeit

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Nr. 19a/13

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SARAH WIENER · FOTO: HERIBERT CORN

Sarah Wiener: Essen ist eine Bildungsfrage · Öko-Professor Bernhard Freyer: Lebensmittel sind zu billig · Florian Holzer: schickes Biobrot · Irena Rosc porträtiert einen Demeter-Imker · Ute Woltron über Bienen in ihrem Garten · Die Bienen-Wien-Karte

Erscheinungsort: Wien P.b.b. 02Z033405 W Verlagspostamt: 1010 Wien laufende Nummer 2398/2013


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In einem kroatischen Wäldchen nahe der slowenischen Grenze …

Inhalt

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Sarah Wiener im Gespräch Ein Würmchen schmeckt mehr als wir Lebensmittel sind zu billig Öko-Professer Bernhard Freyer erklärt, warum Biobrot Nicht nur gesund, immer öfter auch sehr schick

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Bücher Lesenswertes zu Gärten und Bienen Bienen-Special Eine Glosse und mehr Informationen zum Thema Wie sich ein Demeter-Imker praktisch wehrt Es geht auch ohne Neonikotinoide

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Bienen im Blütengarten Ute Woltron ist Gärtnerin und Imkerin Bienen in Wien Übersichtskarte und Essay Wiener Bienen-Adressen Wo Sie in Wien was zum Thema Biene finden

Vorwort

Fotos: Irena Rosc, Archiv

nter Biopolitik versteht man im Allgemeinen Politik, die sich mit U Lebensfragen auseinandersetzt, mit

schwer lösbaren Problemen pränataler Diagnostik, mit gentechnischer Veränderungen und mit Tötung auf Verlangen zum Beispiel. In Österreich – man weiß nicht, soll man lachen oder weinen – bedeutet Biopolitik vor allem Streit um Dinge, die längst entschieden sein sollten. Zum Beispiel geht es um die Frage, ob der Umweltminister mit der chemischen Industrie stimmt oder den Empfehlungen seiner eigenen Experten folgt. Als wir dieses Biofrühlings-Special planten, war noch nicht absehbar,

wie dieser Konflikt kulminieren würde. Es war aber klar, dass der Kampf gegen die Neonikotinoide die Szene beherrschte. In unserem BienenSpecial beschreibt Irena Rosc, wie eine Welt ohne Bienen aussähe; sie porträtiert den Demeter-Imker Roland Berger und hat wieder für die Bilder dieser Ausgabe gesorgt; diesmal Bienen, Bienenstöcke und Imker.

Rosc

Zwander

Horaczek

Ute Woltron ist selbst Imkerin, sie

schildert ihr Leben mit Bienen im blühenden Garten. In der Stadt haben es Bienen noch besser; weniger Landwirtschaft, weniger Pestizide! Auf der Wien-Bienenkarte von Christopher Wurmdobler und Bianca Tschaikner erfährt man alles Nötige. Florian Holzers Biobrot-Story richtet sich ebenfalls ans städtische Publikum.

Wurmdobler Woltron

Tschaikner

Grundsätzlich wird die Starautorin, Köchin und TV-Präsentatorin Sarah Wiener im Interview mit Nina Horaczek: Essen ist eine Bildungsfrage. Mit sicherer Hand greifen Kinder zu den ungesündesten Lebensmitteln; hier ist Erziehungsarbeit und Aufklärung zu leisten, unaufdringlich und spielerisch. Aufklärung verlangt auch Bernhard Freyer, Professor für Öko-Landbau an der Boku in Wien. Darüber, dass wir den Wirkungen entfremdet sind, die wir mit unseren Kaufentscheidungen auslösen. Mit Wolfgang Zwander spricht er über unterbezahlte Lebensmittel. AT

Impressum Falter 19a/13 Herausgeber: Armin Thurnher Medieninhaber: Falter Zeitschriften Gesellschaft m.b.H., Marc-Aurel-Straße 9, 1010 Wien, T: 01/536 60-0, F: 01/536 60-912, E: wienzeit@falter.at, www.falter.at  Redaktion: Armin Thurnher  Layout: Raphael Moser  Lektorat: Wieland Neuhauser, Patrick Sabbagh  Anzeigen: Sigrid Johler  Geschäftsführung: Siegmar Schlager  Druck: Passauer Neue Presse Druck GmbH, 94036 Passau  DVR: 047 69 86. Alle Rechte, auch die der Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2 Urheberrechtsgesetz, vorbehalten. Die Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz ist unter www.falter.at/offenlegung/falter ständig abrufbar.


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„Jedes Würmchen schmeckt mehr als wir“ Spitzenköchin Sarah Wiener über Essen als Bildungsfrage und eine tote weiße Flüssigkeit namens Milch I n t erview : Ni n a H o r a c ze k

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ie deutsche Spitzenköchin und gebürtige Wienerin Sarah Wiener hat ein für Kochexperten ziemlich untypisches Buch geschrieben. In ihrer Neuveröffentlichung „Zukunftsmenü“ verrät Wiener nur wenige Rezepte, dafür aber sehr viele Wahrheiten über konventionelle Nahrungsmittelerzeugung. Sie erklärt aber auch, „Österreich ist, wie wir durch Genuss den Planeten retten im Gegensatz zu können. Deutschland, vom Glück Falter: Wieso haben Sie statt eines

Kochbuchs eine Anleitung für ein besseres Leben verfasst? Sarah Wiener: Ich beschäftige mich seit langem mit Ernährung. Mich hat immer schon gestört, wie wenig die Menschen über ihre Nahrungsmittel wissen. Wir denken, das Qualitätsmerkmal für gesunde Ernährung wäre, frisch kochen zu können. Aber wir müssen uns auch damit beschäftigen, woher unsere Lebensmittel kommen.

geküsst, wenn man sich die Vielfalt ansieht“ Sarah Wiener

Was hat Sie bei Ihren Recherchen am meisten schockiert? Wiener: Die ganz ekelhaften Sachen habe ich zum Teil nicht aufgeschrieben, weil ich interessierte Menschen nicht gleich verstören wollte. Trotzdem: Ganz schlimm finde ich zum Beispiel, wie wir unsere Tiere behandeln. Kupierte Schnäbel von Hühnern, abgezwickte Schwänze von kleinen Ferkeln, enthörnte Kühe, aber auch die Zerstörung unserer Lebensgrundlage, der fruchtbaren Böden. Das kommt bei mir nur als Randthema einer absolut verfehlten Landwirtschaftspolitik vor. Sarah Wiener: Sie treten für biologische, nachhaltige Ernährung ein. Ist das nicht etwas, das man sich erst einmal leisten muss? Wiener: Unsere Vorfahren haben sich bis vor kurzem alle biologisch ernährt. Die konven-

Zukunftsmenü. Warum wir die Welt nur mit Genuss retten. Riemann Verlag, 224 S., E 20,60

tionelle Landwirtschaft, die die Erde zerstört, wird ja so massiv erst seit ein paar Jahrzehnten betrieben. Es mag schon sein, dass biologische Lebensmittel heute für manche Menschen auf den ersten Blick einen Luxus darstellen. Wenn wir aber an künftige Generationen denken, wenn wir daran denken, wie viele gesunde Böden die konventionelle Landwirtschaft zerstört, wie viel Tierleid sie verursacht und wie kleine Landwirtschaftsstrukturen durch sie zerstört werden, dann ist Bio für mich alles andere als Luxus. Wenn wir konventionelle Nahrungsmittel kaufen, dann sind wir nicht solidarisch mit Kleinbauern, nicht mit unseren Mitgeschöpfen, nicht mit der Natur. Wir lassen uns von Großkonzernen manipulieren, die uns minderwertige, stark bearbeitete Nahrung liefern. Hauptsache, alles ist billig. Sie müssen sich vorstellen: Ein Huhn im Supermarkt kostet mittlerweile weniger als zwei Stunden parken in Wien. Wir haben ein System, das glaubt, auf dem Acker muss es aussehen wie in unserem Wäscheschrank, nämlich Bug auf Bug und normierte Karotten, normierte Erdäpfel, normierte Bohnen und alles, was wild oder anders wächst, was klein oder groß ist, muss raus. Das wird gar nicht gehandelt, weil eine riesige Marketingmaschinerie uns eingeredet hat, wir hätten so einen Überfluss, dass wir es uns leisten könnten, die Hälfte liegenzulassen. Es fehlt also an Bewusstsein? Wiener: Gesunde Ernährung ist auch eine Bildungsfrage. Wie man sieht, kochen nicht die Menschen am meisten, die am meisten Zeit haben. Wenn man armen Menschen Geld gibt, investieren sie es nicht in ihren Körper, sondern in ein Auto oder in ein Smartphone. Ich kenne aber auch Menschen, die haben ihren Reichtum statt in

einen Mercedes in gute Nahrung für ihren Körper investiert. Aber es ist doch absurd: Österreich zählt zu den reichsten Ländern der Welt. Trotzdem geben die Menschen hier nur zehn Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel aus. Und trotzdem wird gejammert, dass alles so teuer sei. Da muss man sich doch fragen, wieso die Leute an einem heißen Sommertag, ohne mit der Wimper zu zucken, 80 Cent für eine Eiskugel zahlen, aber nicht bereit sind, 80 Cent für ein Ei zu zahlen. Aber auch der Anteil an Bioprodukten steigen. Bio wird immer mehr zum großen Geschäft. Wiener: Man muss sich immer fragen, warum wer was bio herstellt. Wenn der konventionelle Bauer neben seiner normalen Landwirtschaft auch ein Biofeld hat, dann liegt der Grund wohl weniger darin, dass er überzeugt ist von der Erhaltung ökologischer Kreisläufe. Der möchte wohl seinen Gewinn maximieren. Das öffnet Tür und Tor für Betrug und für die Verwässerung von Biostandards. Trotzdem ist EUBio noch immer ein höherer Standard und wird mehr kontrolliert als konventionelle Landwirtschaft. Sie leben die meisten Zeit in Deutschland, kommen aber immer wieder auch in Ihre alte Heimat zurück. Wie sehen Sie die Vielfalt an Nahrungsmitteln in Österreich im Vergleich zu Deutschland? Wiener: Österreich ist, im Gegensatz zu Deutschland, vom Glück geküsst, wenn man sich die Vielfalt ansieht. Heumilch zum Beispiel, die man in Österreich auch im Supermarkt kaufen kann, findet man in Deutschland kaum, auch in anderen LänFortsetzung nächste Seite

Unversehens wurden die Bienen zum Symbol einer irregeleiteten Agrarpolitik.

Jeder blühende Garten ist für Bienen eine Arbeitsstätte…

Zu den ersten blühenden Wildgehölzern zählt der Schwarzdorn. Die Biene ist schon da


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Die Relationen stimmen nicht, sagt Sarah Wiener. Die Preise für Lebensmittel haben mit dem Produktionsaufwand nichts zu tun

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Foto: Heribert Corn

Das Bienensterben ist ein weltweit beobachtetes und gut dokumentiertes …

Bienenstöcke des Demeter-Imkers Roland Berger in Klosterneuburg (Seiten 16–17)

Ein Bienenschwarm lässt sich auf einer blühenden Weigelie nieder


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Fortsetzung von Seite 4

Mittlerweile haben Sie nicht nur drei Restaurants und ein Cateringunternehmen, sondern in Berlin auch eine eigene Bäckerei eröffnet. Warum jetzt auch noch Brot? Wiener: Heute können Sie im Supermarkt Semmelrohlinge aus der Tiefkühlbox um sieben Cent das Stück kaufen. Gleichzeitig stirbt in Deutschland jeden Tag ein handwerklicher Bäckerladen. Wenn Qualität nicht mehr nachgefragt wird, dann wird es auch das Angebot an qualitativ hochwertigen Backwaren nicht mehr geben. Handwerkliche Bäcker, von denen es Gott sei Dank noch einige gibt, backen alle unterschiedlich. Jedes Brot schmeckt dadurch auch anders, und das ist doch ein unglaublicher geschmacklicher Gewinn. Ich will die Wahl haben und wissen, was in meinem Brot drinnen ist. Heute ist bei der Brotherstellung die Zugabe von bis zu 42 Zusatzstoffen erlaubt. Die fertig gebackenen Wecken werden in Plastik eingeschweißt. Jedes Mal, wenn ich so ein trockenes Brot im Plastiksack sehe, frage ich mich, was in dem Brot drinnen ist, dass es in Plastik eingeschweißt werden kann. Wenn ich das frische Brot aus meiner Bäckerei in ein Plastiksackerl stecke, beginnt es zu schwitzen und verschimmelt dann ganz geschwind, weil mein Brot frisch und lebendig ist. Was also ist in diesen industriellen Broten drinnen, dass im Plastiksack nicht einmal ein Hauch von Feuchtigkeit zu sehen ist? Was denn?

Sarah Wiener: Wir müssen unser Leben ändern. Sie fängt mit Kinderkochkursen an

Der gute Geschmack stirbt also aus? Wiener: Wenn wir unseren Kindern nicht mehr diese natürlichen Geschmackserfahrungen zugänglich machen, wenn wir mit unseren Kindern nicht mehr kleinbäuerliche Strukturen aufsuchen und ihnen zeigen, wie Hühner am Misthaufen scharren, dann wird schon die nächste Generation kein natürliches Geschmacksempfinden mehr haben. Und auch keine Sehnsucht nach dem Natürlichen, weil sie es gar nicht mehr kennen. Die Industrie versucht den Kindern den Geschmack abzuschneiden und damit auch die Verbindung zur Natur. Ein Kind, das nie frische Milch von der Kuh probieren durfte, wird eine lebenslange Vorliebe für diese tote weiße industrielle Flüssigkeit aus der Fabrik haben.

Wiener: Da sind schon im Teig Konservie-

rungsstoffe und Anti-Schimmelpilz-Mittel drinnen. Dieses Brot im Plastikbeutel ist einfach tot. Eine Ratte würde das nicht essen. Aber wir fressen ja leider alles. Ein einfacher Wurm zum Beispiel hat einen besseren Geschmack als wir. Der würde nie in einen pestizidgetränkten Apfel beißen. Deswegen bespritzen wir die Äpfel ja mit Gift. Aber wir sind so doof und essen den.

„Wissen Sie worauf der Erdbeergeschmack im Yoghurt beruht? Auf Pilzen, die auf Sägespänen wachsen“

Das bedeutet, wir haben im Gegensatz zum Sarah Wiener kleinen Wurm unser natürliches Gefühl für Geschmack verloren? Wiener: Ich erzähle Ihnen ein Beispiel: In meiner Sarah-Wiener-Stiftung machen wir Kochkurse und auch viele Geschmackstests mit Kindern. Wenn wir den Kindern ein Naturjoghurt mit frischen Erdbeeren und daneben ein industrielles Erdbeerjoghurt hinstellen, dann gewinnt immer das industriell verarbeitete Produkt gegen das natürliche. Wissen Sie, worauf der Erdbeergeschmack im Industriejoghurt beruht? Auf dem Extrakt von Pilzen, die auf Sägespänen gezogen wurden. Leider haben viele Kinder schon jetzt so verschlampte und

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ruinierte Geschmacksnerven, weil sie nur mehr diesen starken künstlichen Industriegeschmack kennen. Die brauchen eine richtige Geschmacksexplosion im Mund, um überhaupt etwas als angebliche Erdbeere zu erkennen.

Was würden Sie Eltern raten? Wiener: Das Allererste in der Erziehung wäre, Kindern Geschmack näherzubringen, ihnen ganz viele Geschmackserlebnisse zu ermöglichen. Und natürlich, ihnen das Selberkochen näherzubringen, um die Kontrolle über den eigenen Körper zu stärken. Ich kenne Kinder, die denken, Ketchup und Mayonnaise gibt es nur aus der Tube. In meiner Stiftung bieten wir in deutschen Städten Kochkurse für Kinder, auch für jene aus sozial benachteiligten Kreisen. Im April haben wir mit ersten Fortbildungen der Stiftung im Burgenland begonnen. Wien hat zwar die größere ökologische Vielfalt als Berlin, kann sich sogar zum Großteil regional ernähren. Trotzdem ist auch hier viel zu tun. Speziell bei den Kindern: kochen lernen, auf einen Bauernhof fahren, das sollte auch für Wiener Kinder möglich sein. Denn wer nie selber kochen gelernt hat, wird sich ein Leben lang füttern lassen müssen.  F

Foto: Heribert Corn

dern nicht. Bei der Milch ist der europaweite Standard die Silage- und Maisfuttermilch, die sterilisiert und ultrahoch erhitzt, pasteurisiert, teilent­rahmt, fettkettenzerschlagen und sonst wie in tote weiße Flüssigkeit verwandelt wird und die wir dann „Milch“ adeln. Jeder denkt heute, diese zerstörte weiße Flüssigkeit sei echte Milch. Die Leute haben vergessen, wie Milch schmeckt, nämlich je nach Kuhrasse, Standort und Fütterung unglaublich unterschiedlich.

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„Lebensmittel sind unterbezahlt“ Freyer: Weil davon nicht nur die Landwirt-

Falter: Herr Freyer, sollte unsere Gesellschaft auf biologisch produzierte Lebensmittel umsteigen? Bernhard Freyer: Diese Frage lässt sich nur sinnvoll beantworten, wenn man Ihren Rahmen vergrößert. Wir müssen den engen Fokus der Ernährungsfrage verlassen und das Thema aus einer gesellschaftlichen Perspektive betrachten.

schaft betroffen wäre, sondern eine Vielzahl von anderen gesellschaftlichen Systemen. Traditionen bei der Ernährungskultur müssten aufgebrochen und auch wiederentdeckt werden; Forschungsbudgets müssten umgeschichtet und Inhalte der Bildungspolitik verändert werden; die Regional- und Stadtentwickler müssten neue Wege gehen; die Glieder der Versorgungskette müssten neu zusammengesetzt werden. Kurz: Alte Netzwerke bedürften einer völligen Neuordnung. Ein anderer wichtiger Punkt ist, dass ein Wechsel auf Biolebensmittelproduktion eine enorme Effizienzsteigerung beim Lebensmittelverbrauch verlangen würde.

Warum würde die Produktion von mehr Biolebensmitteln unsere Gesellschaft verändern?

Wie könnte man die Menschen dazu bewegen, so ein weitreichendes Projekt zu unterstützen?

B

ernhard Freyer ist Experte für ÖkoLandbau, doch wer mit ihm nur über Landwirtschaft sprechen will, wird ein große Überraschung erleben.

Bernhard Freyer, Professor für Öko-Landbau an der Boku Wien, über gesunde Lebensmittel für alle, sinnstiftende Ökonomie und die BioSystemfrage

Freyer: Lassen Sie mich Ihre Frage mit ei-

ner Gegenfrage beantworten: Wollen wir als Gesellschaft des dritten Jahrtausends unter würdigen oder unwürdigen Bedingungen leben? Pestizide und Giftstoffe raus, Energieverbrauch und Schadstoffausstoß runter, Umwelt-, Lebensmittel- und Lebensqualität nach oben – dass das technologisch möglich ist, daran zweifle ich keine Sekunde. Das hätte natürlich seinen Preis. Aber auch die Fortsetzung des derzeitigen Systems verursacht immense Kosten! Eine Gesellschaft, die so gerne mit dem Wort Nachhaltigkeit hausieren geht, hat diesen Begriff auf alle Produktionsbereiche umzulegen – oder diese Rhetorik einzustellen. Wie meinen Sie das? Freyer: Nehmen Sie die extrem billigen Lebensmittel in den Supermärkten. Unter ei-

… Faktum. Wir schätzen Biolebensmittel, weil der biologische Landbau …

Stilleben mit Blüten und Honig

Blütenrausch mit Bienen im Weinviertel

Foto: Hans Hochstöger

Gespräch: Wolfgang Zwander


B i o F r ü h l i n g 1 3    nem sozialen Blickwinkel sind die durchaus auch positiv zu bewerten. Ich möchte aber bei manchen dieser Produkte gar nicht wissen, unter welchen ökologisch und sozial verheerenden Bedingungen sie hergestellt werden. Lebensmittel sind in vielen Fällen grundsätzlich unterbezahlt. Wir haben bis heute keine Vollkostenrechnung, die Faktoren wie Umweltbelastung und Sozialverträglichkeit berücksichtigt. Wir zahlen auch nicht für die Schäden einer verfehlten Landnutzung und damit verbundenen Ernährungsweisen; Politiker müssen sich Gedanken machen, welche Ökonomie man den Menschen hier eigentlich anbietet. Denn irgendjemand muss für diese Schäden aufkommen: wir oder unsere Nachkommen! Das gilt übrigens auch für viele andere gesellschaftliche Bereiche.

Zur Person

Bernhard Freyer ist seit 1998 ordentlicher Professor und Leiter des Instituts für Ökologischen Landbau an der Universität für Bodenkultur Wien. Der geborene Deutsche hat Agrarbiologie an der Universität Hohenheim studiert, seine Arbeit zielt auf die Verbindung von Natur- und SoziDas ist doch eine Frage der Brieftasche. Die alwissenschaften. Seit teuren Bioprodukte kann sich nicht jeder 2003 koordiniert er ein leisten. Projekt zum langfrisFreyer: Ja, das ist so lange richtig, solan- tigen Monitoring der ge das aktuelle System etabliert ist. Dazu Auswirkungen einer gibt es aber einiges zu sagen. Die finanzi- Umstellung auf den ell Schwachen sind nur bedingt in der Lage, biologischen Landbau sich Biolebensmittel zu kaufen. Das ist ein mit zwölf beteiligten Faktum. Auf der anderen Seite: Eine In- Forschungsabteilungen

dustrie- und Mediengesellschaft, die mit Slogans wie „Geiz ist geil“ agiert, und eine Konsumgesellschaft, die da mitspielt, wird keinen Schritt weiterkommen auf dem Weg zu einer nachhaltigen Gesellschaft. Die damit geschaffene Atmosphäre ist krank. Könnte Bionahrung überhaupt auf Massenbasis produziert werden? Könnte

man also die ganze Welt mit ökologischem Landbau versorgen? Freyer: Diese Frage höre ich oft, erachte sie aber nicht für zentral. Natürlich könnte man mit Bionahrung die Massen ernähren, aber nicht von heute auf morgen. Eine Verdoppelung der Lebensmittelproduktion in den Tropen und Subtropen ist bereits über einfache Techniken einer biologischen Landwirtschaft erreichbar, leider wird das oft ignoriert. Der Forschungsbedarf beim Obst- und Gemüseanbau ist riesig; soll die ganze Welt Bio essen, muss der Fleischverbrauch massiv gedrosselt werden. Müssen wir dann alle Vegetarier oder gar Veganer werden? Freyer: Nein, das ist Quatsch. Aber auch Pflanzen sind ein Stück Lebenskraft, ohne diese gibt es kein Gramm Fleisch. Mit der Veränderung der Ernährungsgewohnheiten ändern sich die Anteile an Obst, Gemüse, Getreide, Fleisch automatisch – und damit die Struktur der Mengennachfrage. Diese Entwicklung fordert auch die Ernährungswissenschaft und sie steht im Einklang mit einem gesunden Lebensstil. Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es für die Politik zwei Möglichkeiten: Entweder man überlässt die Nachfrage dem Markt, und alles bleibt wie es ist. Oder man stellt die kühne Frage: Was macht Sinn? Wollen wir einen nachhaltigen, gesundheitlich und sozialökologisch orientierten Weg beschreiten? Wenn man die Sache so betrachtet, braucht es mehr als die Devise „Der Markt regelt das“. Was müsste passieren?

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Freyer: Wandel findet generell bei den jun-

gen Menschen statt, aber nicht nur. Weithin bekannt ist die Forderung, vor allem in Schulen, Kindergärten sowie anderen öffentlichen Einrichtungen auf Bio umzustellen. Wenn Bio bei den Kleinen etabliert ist, wird es später einmal ganz selbstverständlich den konventionellen Lebensmitteln vorgezogen. Wichtig wäre auch ein engerer Dialog zwischen Landwirtschaft und Konsumenten, den es bislang kaum gibt. Gegen so eine Vorgehensweise würde sich Protest unter dem Schlagwort „Umerziehung“ nähren. Freyer: Natürlich ist das auch eine Interessenfrage, die man nicht unterschätzen darf. Ein konventioneller Betrieb gibt 6000 bis 8000 Euro pro Jahr für Pflanzenschutz, Düngemittel et cetera aus, ein Öko-Betrieb nur 500 bis 800 Euro. Da kann es in gewissen Kreisen kein Interesse an einer Umstellung geben. Aber dass in unserer Gesellschaft ein umfassender Veränderungsbedarf besteht, ist offensichtlich. Der Zusammenhang zwischen einem in der Landwirtschaft weit verbreiteten Herbizid und den Krankheiten Alzheimer, Parkinson und Krebs ist evident! Allein in Bayern erkranken jedes Jahr 70.000 Menschen an Krebs, wobei das Durchschnittsalter bei Hodenkrebs bei 38 Jahren liegt. Ich sage nicht, dass diese immer höher werdende Zahl zwangsläufig nur mit der Landwirtschaft und Ernährung zu tun hat, aber sie zeigt, dass Vorsorge sich nicht in einem regelmäßigen Arztbesuch erschöpft, sondern bereits weit früher beginnt! F

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Unser täglich schickes Brot Das Wiener Brot hat sich verändert. Es wurde vom Grundnahrungsmittel zum Lifestyle-Asset – eine Chance für Bio B ac k r e p o r t : Florian Holzer

Foto: heribert Corn

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in bisschen merkwürdig ist es schon: sich um Brot anstellen. Passiert in der schicken Brotboutique des Desig­ nerbäckers Joseph Brot aber täglich unge­ fähr nach Büroschluss, am Samstag sowie­ so, und ein paar Innenstadtecken weiter bei Gragger & Cie natürlich auch, wenngleich nach weniger berechenbaren Kriterien. Dass es zu wenig vom Brot gäbe, dass Hunger drohte, sich die Menschen Sorgen um die Versorgung ihrer Kinder machen müssten, ist natürlich nicht der Grund dafür, warum sie da vor den Bäckereien Schlangen bilden. Nein. Sie wollen sie haben, die flaumig-saf­ tigen It-Brote mit der knusprigen Kruste, P-Brot und Joseph-Brot, die dann so schön duftig in Leinen gebettet in den süditalieni­ schen Steingutbrotdosen mit Olivenholzde­ ckel liegen, herrlich dazu die französische Baratte-Butter mit Fleur de Sel „croquant“ von der Ile de Ré ... Wie sich die Szene doch ändert. Es ist noch nicht wirklich lange her beziehungs­ weise auch heute fallweise noch erlebbar, da hatte Biobrot einen Attraktivitätsgrad, vergleichbar dem von Jacken aus unbehan­ delten Schaffellen. Und roch auch so ähn­ lich. Graue, feuchte Kastenbrote, natürlich Vollkorn, natürlich mit besonders hohem Kleieanteil, natürlich fast ungesalzen und selbstverständlich zumindest aus klebri­ gem Roggen, besser aber noch aus Wald­ viertler Dinkel und noch besser aus Kamut

Für sein Brot stehen die Wiener Schlange: Der Joseph hinter Joseph, Joseph Wegscheider

… auf Pflanzenschutzmittel wie die zu Recht verrufenen Neonicotinoide …

Bienenstöcke in Mähren/Tschechien, nahe der Kunst-Kolchose von Falter-Autor Jan Tabor

Bienenstöcke in einem slowenischen Bauerngarten nahe der Kärntner Grenze


oder einem anderen Urgetreide. Nichts gegen Dinkel, Roggen, Kamut & Co, aber gut waren diese Brote echt nie, durften sie aber auch nicht sein, diese Brote wurden ja „bewusst“ gegessen, im Einklang mit Natur und Universum. Irgendwann erblühte dann die Einsicht, dass biologischer Anbau und Verzicht auf Freude am guten Geschmack nicht zwingend was miteinander zu tun haben müssen. Die in Wiens Bioläden häufig vertretenen Brote vom Sarleinsbacher Mauracherhof sahen nicht nur verführerisch aus, sie schmeckten auch so; der Waldviertler „Slow-Baker“ Kasses schraubte die Brotqualität (konventionell wie bio) ebenfalls über Jahre hinweg nach oben; Gragger versorgte vor allem Biobauernmärkte mit frisch gebackenen Herrlichkeiten aus dreitägig gegangenen Sauerteigmehlen, und mit den Eröffnungen der Gragger’schen Holzofenbäckerei in der Spiegelgasse, und mit der Joseph-Boutique in der Naglergasse hatte das Biobrot seinen Weg in Richtung LifestyleGourmandise endgültig eingeschlagen.

Foto: Heribert Corn

Was aber noch viel interessanter ist: Die Groß-

Adressen Gragger & Cie, 1., Spiegelg. 23, Tel. 01/513 05 55, Mo–Sa 8–20 Uhr, www.gragger-cie.at Joseph Brot, 1., Naglerg. 9, Mo–Fr 7–19, Sa 9–18 Uhr, www.joseph.co.at Vollkornbäckerei Kornradl, 7., Lerchenfelderstr. 13/ Durchgang, Di–Fr 6–12, 16–19, Sa 6–15 Uhr www.kasses.at www.mauracherhof.com www.stroeck.at www.gradwohl.info www.vollkornbaeckereiwaldherr.at

bäckereien springen auf und dringen dabei vor allem ins Revier der bisher nicht übermäßig aggressiv auftretenden Bio- und Vollkornfilialisten Waldherr und Gradwohl ein: Anker hat einen besonders krustigen Bio-Bauernlaib, Mann bäckt seine Biobrote mit Natursauerteig und Granderwasser, und Ströck verwendet für sein neues „Bio Johanns-Brot“, das zum Andenken an Betriebsgründer Johann Ströck kreiert wurde, nicht nur Biogetreide mit Herkunftsgarantie, sondern lässt die Natursauerteige gleich auch 30 Stunden reifen und bäckt sie dann auf Steinplatten. So ein Brot will auf Dass dieses Brot viel eher an die – wie- Olivenholz liegen… derum nach französischen Vorbildern gebackenen – Edelbrote der hippen Boutiquenbäckereien erinnert als an die Brote, die Johann Ströck vor 42 Jahren in der Donaustadt gebacken hat, macht gar nichts. Biobrot hat sich nicht nur dem Geschmack geöffnet, sondern ganz offensichtlich auch dem Marketing.  F

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Buchtipps   Empfehlenswertes für Bio-Interessierte

Bücher rund ums Thema Bio. In Garten, Küche, Bienenstock Alles für Biogärtner Auf dieses Buch haben wohl viele gewartet: ein Biogartenbuch aus der Arche Noah. Die berühmte Gärtnerei im niederösterreichischen Schiltern hat sich auf die Erhaltung seltenen Saatguts und alter Obst- und Gemüsesorten spezialisiert (Saatgut steht wie die Bienen im Blickpunkt einer umstrittenen EU-Verordnung). Andrea Heistinger zeigt in diesem umfassenden und opulent illustrierten Buch alles, was man über einen Biogarten wissen muss. Alles Wissen

Andrea Heistinger, Arche Noah: Das große Biogarten-Buch 624 S., € 39,90

aus der Praxis der Arche-Noah-Gärtnerinnen fließt ein, Grundlagen vom Gewächshaus bis zu Aussaattabellen werden vermittelt. Dass das Wissen um Saatgut­erhaltung und -gewinnung im Mittelpunkt steht, wundert bei dieser Auto­rin nicht. Den Hauptteil des Buches nehmen Tipps und Anweisungen zum Gemüseanbau ein, der Obstteil ist ebenfalls umfangreich und auch ein Blumenteil fehlt nicht. Garten- und Biointeressierte werden an diesem Buch nicht vorbeikommen.

Nicht nur für Vegetarier

Hugh Fearnley-Whittingstall. Dieser Name klingt bereits so, als wären seine landadeligen Eltern seit Jahrhunderten im Fairtrade-Fusion-Veggie-Business tätig. Whittingstall ist Journalist, TV-Moderator und Buchautor. Darüber hinaus betreibt er in Dorset und Devon zwei Restaurants mit dem schönen Namen River Cottage. Er nennt sie Canteens. Dazu

Hugh FearnleyWhittingstall: Täglich vegetarisch. AT Verlag, 416 S., € 25,60

ist er auch noch Lebensmittelaktivist, das heißt, er setzt sich für biologische, gesunde und vernünftige Ernährung ein. Kurz, Whittingstall ist ein Unternehmen, ein kleiner Multi für sich, aber ein guter „Täglich vegetarisch“. Sein Kochbuch ist eine echte Empfehlung. Bio beschränkt sich zwar nicht auf vegetarisch, aber ein eingeschränkter Fleischkonsum ist in jeder Hinsicht sinnvoll. Dieses Buch macht daraus ein leicht nachkoch­bares Vergnügen.

kann jeder selber nachlesen. Das Buch bietet Anleitungen zum Leben mit dem Garten, zum Anbauen und zum Verarbeiten des Geernteten – diese sind meist lehrreich und immer nützlich. Die kleinen Feuilletons zu den Einträgen sind außer­dem glänzend geschrieben.

Das Rätsel Biene

Mehr als Honig In „More Than Honey“

Ute Woltron hat nicht nur für dieses Heft einen Beitrag über Bienen geschrieben (Seite 18), sie hat in diesem Frühjahr auch ein feines kleines Büchlein vorgelegt, dessen Titel natürlich ebenso in die Irre führt wie neugierig macht. Warum die Maulbeeren nackt am besten schmecken,

zeigt Dokumentarfilmer Markus Imhoof in spektakulären Aufnahmen, wie gefährdet das Überleben der Bienen aufgrund von Pestiziden, Antibiotika und Monokulturen ist und wieso dieses Insekt wichtig ist. Ohne Biene keine Nahrung. Und ohne Nahrung kein Leben. Die eindrucksvolle Dokumentation wird mittlerweile sogar in der Kronen Zeitung empfohlen. Zur DVD hat Imhoof nun gemeinsam mit Claus-Peter Lieckfeld auch ein Buch mit gleichem Titel veröffentlicht. Hier kann man sich noch gründlicher über die vielen spannenden Fragen informieren, zum Beispiel über jene, wie die Biene mit ihrem stecknadelkopfgroßen Hirn ihre erstaunlichen Orientierungsleistungen vollbringt. Kann eine Biene ihre Handlungen tatsächlich planen? Und wie zerstören die berüchtigten Neonicotinoide solche Leistungen?  At

Ute Woltron: Warum schmecken Maulbeeren am besten nackt? Brandstätter Verlag, 176 S., € 25,–

Markus Imhoof: More Than Honey. Orange Press, DVD, 146 Min., € 14,90; Blu-Ray, € 19,90; Buch: Claus-Peter Lieck­feld, Imhoof: 208 S., € 20,69 Alle erhältlich auf falter.at

Beeren nackt

… und weitgehend auf chemische Düngemittel verzichtet. Stattdessen…

Bienenstöcke an der kroatisch-slowenischen Grenze

Zwei Nachwuchsimker in Luce am Eingang zum Logartal/Slowenien


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Die neue Düngergeneration auf rein pflanzlicher Basis Wie wir alle wissen – von nichts kommt nichts. Auch nicht in einem natürlichen Kleingarten. Die Pflanzen, ob Blumen, Gemüse oder Bäu­ me, brauchen Nahrung. Die wichtigsten Nähr­ elemente sind dabei Stickstoff, Phosphor, Ka­ lium, Magnesium und Eisen. Vor allem im Ge­ müsegarten muss der Mensch für einen erhoff­ ten Ertrag etwas einbringen. Betritt man ein Geschäft auf der Suche nach einem Dünger, findet man eine große Auswahl davon. Wie orientiert man sich als Laie am An­ gebot? BioAgenasol ist ein Universaldünger, der nur aus pflanzlichen Bestandteilen besteht, also keine tierischen Bestandteile wie Hornspäne, Fe­ dermehl usw. beinhaltet. Beim unbeabsichtig­ ten Verzehr ist er völlig harmlos und birgt keine Gefahr für Haustiere oder Kinder. BioAgenasol wird aus der Schlempe der Bioethanol­Fermen­ tation unter Beimengung von einer Spezial­ melasse getrocknet und auf eine Größe von 2 bis 7 mm gesiebt. Als Rohstoffe werden ausschließ­ lich pflanzliche Produkte wie Mais und Weizen eingesetzt. Alle Rohstoffe entsprechen den Krite­ rien der GMO­Freiheit und werden durch stän­ dige Zertifizierung abgesichert. Somit ist Bio­ Agenasol ein reines Naturprodukt für den öko­ logisch bewussten Hobby­Gärtner. Auch der angenehme brotartige Geruch und das optisch ansprechende Aussehen sind Kriterien, die eine Anwendung im Hausgar­ ten oder in Siedlungsgebieten ohne Probleme ermöglichen.

Universaldünger mit Langzeitwirkung bis zur Ernte BioAgenasol eignet sich für Ackerkulturen, alle Obst­ und Gemüsearten sowie im Hobbygarten für Rasen, Ziersträucher, Blumen und Gemüse. BioAgenasol bietet von Natur aus eine Sofort­ und Langzeitwirkung über die gesamte Wachs­ tumsperiode hinweg. Gesunde Pflanzennahrung sichert ein gesundes Pflanzenwachstum. Durch die Düngung mit BioAgenasol kommt es neben einer Nährstoffversorgung zu einer Bodenbele­ bung und Strukturverbesserung. BioAgenasol beinhaltet über 85 % organische Substanz und fördert den Aufbau von Humus und die Wasser­ aufnahmefähigkeit des Bodens. Der wesentliche Unterschied gegenüber chemischen, salzhalti­ gen Düngern liegt in der Förderung des Boden­ lebens und der Regenwürmer­Population. Der Gesamtstickstoff liegt bei etwa 5,5 % und ist zu

90 % organisch gebunden. Stickstoff fördert die Bodenlebewesen. Neben der Wirkung als Nähr­ stofflieferant beobachtet man auch noch weitere sogenannte Synergieeffekte. Besonders wertvoll ist der beträchtliche Biomasseanteil der Hefe. Hefebiomassen tragen zur Stimulation des Bo­ denlebewesens bei und mobilisieren die vielfach nicht pflanzenverfügbaren Nährstoffe wie Phos­ phor und Kalium.

Dosierung & Anwendung BioAgenasol ist einfach zu dosieren und streu­ fertig. Die Düngergabe kann auf ein Mal im Frühjahr oder auf zwei Gaben erfolgen. Die erste Düngung wird am besten eine Woche bis zehn Tage vor der Aussaat bzw. Anpflanzung leicht in den Boden eingearbeitet. Wenn es eine zweite Düngung gibt, wird diese idealerweise zur Halb­ zeit der Kultur ausgebracht. Eine gleichmäßi­ ge Ausbringung und eine oberflächige Einarbei­ tung sind ideal. Die Aufwandsmenge erstreckt sich je nach Kultur von 50 bis 150 g/m2. Genaue Dosierangaben finden Sie auf der Packung. Bei geschlossenem Boden reicht auch ein oberfläch­ liches Ausbringen, allerdings kommt es dabei zu einer Wirkungsverzögerung. Ideal ist die Aus­

bringung vor einem Regenguss oder Taunässe, weil das die Auflösung des Korns beschleunigt. Durch die Düngung mit BioAgenasol unterstüt­ zen Sie die natürlichen Kräfte der Natur und erreichen dadurch auf Dauer beste Ergebnisse. BioAgenasol fördert den Fruchtansatz sowie die Ertragskraft bei allen Obst­ und Gemüsesorten. Bei Rasenflächen fördert BioAgenasol die Besto­ ckung und bei langjähriger Anwendung entsteht eine sehr dichte Grasnarbe ohne unerwünsch­ tes Unkraut.

NEU in den Baumärkten verfügbar BioAgenasol ist in InfoXgen gelistet und so­ mit auch als Dünger für die Anwendung in der biologischen Landwirtschaft erlaubt. Seit heu­ er finden Hobby­Gärtner BioAgenasol auch in 1­kg­Packungen, in 5­kg­ oder 20­kg­Säcken im Bauhaus oder auch über die Firma Biohelp. Ge­ nießen Sie einmaligen Geschmack, gesunde Ent­ wicklung, kräftigen Wuchs und reichen Ertrag Ihrer Pflanzen. Weitere Informationen finden Sie unter: www.bioagenasol.com


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B i e n e n Der Umweltminister als Bienenfresser

Was macht Doris Bures auf der Staats-

oper? Die Infrastrukturministerin wollte darauf hinweisen, dass Forscherinnen des zu 50 Prozent von ihrem Ministerium, dem bmvit, geförderten AIT (Austrian Institute of Technolo-

www.varroa-controller.com

Hier wird Andacht im Schwarm geschildert

Doris Bures besucht die Bienen auf der Wiener Staatsoper. Warum?

gy) Alternativen ausgeheckt haben, wie man Pflanzenschutzmittel durch Bakterien ersetzen kann. In Frankreich soll damit bis 2018 im Weinbau der Einsatz von Pestiziden um 50 Prozent reduziert werden. Die Varroa-Milbe ist ein Feind der Bie-

ne. Richard Wimmer, Wiener Öko-Designer und Professor an der TU hat

zen der Bestäubungsleistung der Bienen liegt laut Deutschem Imkerbund in Deutschland bei zwei Milliarden Euro, weltweit bei 70 Milliarden USDollar. In Kalifornien werden für die Befruchtung von Mandelblüten Millionen von Bienen in Tausenden von Kästen mit Lastern über viele Quadratkilometer hinweg in den Plantagen verteilt. 1,5 Millionen Bienenvölker befruchten dort die Blüten von 77 Millionen Mandelbäumen.

Ute Woltron

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Hier findet man alles zu Bienen in Wien C . W u r md o b l e r

Seite 20

Tag des offenen Bienenstocks Heuer

wahrscheinlich interessanter denn je. Infos über Besichtigungsmöglichkeiten in Ihrer Nähe: www.imkerbund.at

Imkerkongress Man nennt ihn jetzt

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Wanderimker bei einem Fest in St. Leonhard am Hornerwald/Waldviertel

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Foto: Johannes Zinner; Illustr ationen Bianc a Tschaikner

Irena Rosc

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Volkswirtschaft Der jährliche Nut-

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onig, das ist eine Selbstverständlichkeit. Honigbienen, das sind Insekten, die man gern schrulligen Imkern überlässt. Dann starben die Bienen. Es gab Mutmaßungen, Materialien, Dokumentationen, und bald wissenschaftliche Gewissheit: Chemische Gifte, Neonikotinoide und andere Pestizide, sind schuld. Aber das Ökoparadies Österreich hat einen Landwirtschaftsminister, der die Informationen seiner Experten ignoriert und mit der chemischen Industrie stimmte – gegen die Mehrheit seiner Kollegen in Europa. Die industriehörige EU beschämte das Umweltmusterländchen. In unserem Schwerpunkt lesen sie bei Irena Rosc, wie ein Welt ohne Bienen aussähe und wie Demeter-Imker arbeiten; Ute Woltron schildert das Leben mit Bienen. Dazu finden Sie einen Stadtplan zum Thema Bienen und Honig in Wien. F

Hier wählen Bienen ihre Königin selber

eine originelle, chemiefreie Methode zur Bekämpfung dieses Bienenfeinds gefunden: durch Erhitzen. Die Milbe und die Bienenlarven sind unterschiedlich temperaturempfindlich.

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Kurz und klein   Bienenmeldungen

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Glosse   Welt ohne Bienen?

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Welt ohne Bienen? Freiheit für die Königin! Ursachen und Konsequenzen des Bienensterbens. Und was der Imker Roland Berger dagegen tut Porträt: Irena Rosc

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eit mehreren Jahren sterben die Bie­ nen. Sie sterben weltweit in drama­ tisch großer Zahl. Krankheiten, Para­ siten, Klimawandel und industrielle Land­ wirtschaftspraktiken sind dafür mitver­ antwortlich. Pestizide aus der Gruppe der Neonicotinoide spielen eine tödliche Rol­ le. Die Europäische Behörde für Lebens­ mittelsicherheit (EFSA) hat diese Pestizi­ de als hohes Sicherheitsrisiko für Bienen und die Umwelt eingestuft. Ein Verbot wäre wichtig, weil Neonico­ tinoide gefährlich sind und die Umwelt ge­ fährden. Sie kontaminieren das Wasser und die Erde und gelangen in Nektar, Pollen und Saft der Pflanzen, wo sie Bestäuberinsekten wie Bienen vergiften. „Neonicotinoide greifen das Nervensys­ tem der Bienen an und desorientieren sie. Sie finden nicht mehr in den Bienenstock zurück und verenden im Feld. Bienen, de­ nen die Rückkehr gelingt, verfüttern den vergifteten Pollen an die Brut. Das Bienen­ volk wird geschwächt, das Immunsystem bricht zusammen. Die Wirkstoffe der Neo­ nicotinoide bleiben jahrelang im Boden und können in den nachfolgenden Kulturen wie­ der ‚aufblühen‘ und die Bienen vergiften. Die Folge ist eine langfristig schleichen­ de Verseuchung der Bienenvölker.“ Soweit ein Auszug aus einer Petition an Landwirt­ schaftsminister Nikolaus Berlakovich, der trotz massiver Proteste nicht für ein Verbot der Neonikotinoide stimmen will.

Ohne die Biene als Bestäuberin würden 30 Prozent der weltweiten Ernte ausfallen

APIS-Z IM Dr. Roland Berger Martinstraße 18/6, 3400 Klosterneuburg Tel: 0699/12 56 46 05 E-Mail: office@apis-z.at www.apis-z.at

Mellifera e.V. Bei Mellifera e.V. steht die wesensgemäße, nachhaltige und ökologische Bienenhaltung im Zentrum der Vereinsarbeit. Wir engagieren uns in vielen verschiedenen für die Bienen relevanten Bereichen: Eine Welt ohne Bienen hätte katastropha­ mit Forschung, Lehre, le Folgen, weil die Biene mit ihrer zentra­ Öffentlichkeitsarbeit und len Funktion im Ökosystem nicht ersetz­ auch mit Lobbyarbeit für bar ist. „Das weltweite Bienensterben ist die Bienen. Dieses Portal die Summe all dessen, was wir den Bie­ bietet Zugang zu unseren nen antun. Sie sterben an Überzüchtung vielfältigen Initiativen für und an Parasiten, mit denen sie ohne uns Biene, Mensch, Natur. nicht zu kämpfen hätten. Die Bienen ster­ www.mellifera.de

ben am Menschen und seinen Versuchen, ein perfektes System zu verbessern“, sagen die Autoren des spannenden Films „More Than Honey. Vom Leben und Überleben der Bienen“. Die Mehrheit der Kulturpflan­ zen und 90 Prozent der Obstbäume wer­ den von Bienen bestäubt. „Ohne die Biene als Bestäuberin fielen 30 Prozent der glo­ balen Ernte aus.“ Was uns unvorstellbar erscheint, ist in manchen Gebieten Chinas Realität: Obst­ bäume werden, Blüte um Blüte, von Men­ schen bestäubt. Zuerst muss Blütenstaub gesammelt werden, mit dem schon reger Handel getrieben wird. Dann muss er von Hand mit selbstgebastelten Werkzeugen auf jede einzelne Blüte aufgetragen werden. Weil nicht alle Blüten eines Baumes zur gleichen Zeit aufnahmefähig sind, muss die mühsame Prozedur bei jedem Baum mehr­ mals wiederholt werden. Bei Roland Berger in Klosterneuburg summt es: Es sind vitale Bienen, die ihre natürlichen Triebe ausleben dürfen. Berger, Jahrgang 1961, Imkermeister und promo­ vierter Biologe, betreibt die Imkerei nach Bio-Demeter-Richtlinien, wesensgemäß und mit Respekt. Das heißt, es herrscht Demokratie und „freier Hausbau“! Damit das auch für Laien verständlich wird, erklärt es Roland Berger genauer: „Meine Bienenstöcke werden ausschließ­ lich aus Holz gemacht. Vorgefertigte, von den Imkern eingebrachte Wachszwischen­ wände als Bauhilfe für die Waben der Bie­ nen sind bei Demeter verpönt. Vor allem das Brutnest ist tabu. Üblicherweise werden heute in der Imkerei, sei sie konventionell oder bio, sogar an diesem intimsten Platz des Bienenstocks, also jenem Ort, wo die Königin residiert, Vorgaben gemacht, um den Wabenbau zu beschleunigen. Bei mir dürfen die Bienen ihre Waben nach eigenem

Gutdünken und Tempo gestalten. Der Köni­ gin wird von Demeter-Imkern vollkomme­ ne Ehrerbietung zuteil. Üblicherweise wer­ den an ihr verschiedenste Eingriffe vorge­ nommen, vom Flügelbeschneiden über die genetische Auslese bis hin zur künstlichen Befruchtung im Labor. Das Ziel ist stets der höchstmögliche Ertrag. Derartige Ma­ nipulationen kommen für mich nicht in­ frage: Die Bienen wählen ihre Bienenkö­ nigin selbstverständlich selbst und ziehen sie alleine auf.“ Jahrelang forschte Berger als Biologe an der

Österreichischen Akademie der Wissen­ schaften und an der Universität für Bo­ denkultur in Wien. In seinem gemeinsam mit Friedrich Ehrendorfer herausgegebe­ nen Buch „Ökosystem Wien. Die Natur­ geschichte einer Stadt“ führt er die Leser durch die unterschiedlichen Landschaften und Ökosysteme, die in Wien aufeinander­ treffen. „Zu sehen, was vor den Augen liegt, ist eine in der urbanen Gesellschaft nicht selbstverständliche Fähigkeit. Sie ist heute jedoch notwendiger denn je, wenn wir das einzigartige Naturerbe des Wiener Raums erhalten wollen.“ Berger ist einer der wenigen DemeterImker in Österreich. Zu den Bienen kam er nach einem Unfall, der ihm ein gebroche­ nes Knie, vier Operationen und einen lan­ gen Aufenthalt im Krankenhaus bescherte; da hatte er viel Zeit, um über den Sinn des eigenen Wirkens nachzudenken. Mit Unter­ stützung seiner Frau wagte er den Schritt in ein neues Leben: mit Bienen und in frei­ er Natur. „Ich habe mir gesagt, wenn so viele Menschen von einer ungeliebten Ar­ beit leben können, dann muss es auch mög­ lich sein, von einer geliebten Arbeit, wie in meinem Fall mit den Bienen, leben zu können.“

… um Schädlinge zu minimieren. Es ist absurd: Der Landwirtschaftsminister

Naturwabenbau in der Bienenkiste – ohne Vorgaben, ohne Rähmchen – natur pur

Berger und der Smoker. Mit ein wenig Rauch beruhigt der Imker die Bienen


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Foto: Irena Rosc

Diese Bienenkiste wurde von Mellifera e.V. entwickelt, für Menschen, die mit verhältnismäßig wenig Aufwand gerne selbst Bienen naturnahe halten möchten und für den Eigenbedarf etwas Honig ernten wollen, ohne gleich die gesamte Freizeit dafür einsetzen zu müssen. Voraussetzungen sind Begeisterung für Bienen, ein gewisses Durchhaltevermögen und Sorgfalt. Wie es genau funktioniert, lernt man im Seminar zur naturgemäßen Bienenhaltung „Imkern mit der Bienenkiste“ am 26. Mai mit Imkermeister Roland Berger. Infos unter: www.apis-z.at

Seit mehr als zehn Jahre forscht Roland Berger nun schon in der Welt der Bienen und gibt sein Wissen in Seminaren an Interessierte weiter. In seinem Unternehmen APIS-Z stellt er nicht nur hochqualitativen Honig, vielfältige Bienengenussprodukte und Naturkosmetik her. Gemeinsam mit Ärzten widmet er sich auch der jahrtausendealten Apitherapie, der Heilkunst mit Bienen. Berger ist Mitbegründer der Österrei-

chischen Gesellschaft für Apitherapie. In seinem neu geschaffenen „Mellarium“ bietet Roland Berger u.a. Honigmassagen und Bienenluft-Inhalationen an. Ein Bienenvolk ist für Berger ein grenzenlos faszinierender Kosmos. „Je mehr ich in seine Geheimnisse eintauche, umso mehr nimmt er mich gefangen. Ich bin heute fest überzeugt davon, dass die Welt der Bienen für uns moderne Menschen neu zu entde-

Roland Berger mit Bienenkiste. Darin herrscht „Demokratie“: Bienen wählen ihre Königin selbst

cken ist. Naturreine hochwertige Bienenprodukte haben als Lebensmittel, als Genussmittel und als Heilmittel eine große Zukunft.“ Die Arbeit mit den Bienen ist für Berger auch ein starkes sinnliches Erlebnis, nicht zuletzt, weil Honig materialisierte Liebe ist. Das hat Berger von den Indern gelernt. Wie auch immer: Wir müssen unsere Bienen achten. Und vor allem am Leben halten. F

stimmt bei der EU gegen Biobauern und Imker und für die chemische …

Die Bienenkiste wird zum ersten Mal nach der Winterruhe geöffnet:

Da lacht das Imkerherz: Das Bienenvolk ist wohlauf!


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Pelzige Wunderwerke im blühenden Garten Was Bienen im Garten brauchen und warum einem mitten im Schwarm feierlich ums Herz wird Imkerin: Ute Woltron

Sonst sind sie friedlich, die Bienen, und eine

erfreuliche Bereicherung des Gartens. Sie bestäuben meine Obstbäume, meine Gemüsepflanzen und die Blumen. Sie liefern kiloweise Honig. Das Beste an ihnen aber ist: Sie schärfen das Bewusstsein für die komplizierten Vorgänge und Zusammenhänge in der Natur. Die sind fantastischer, als man sich das je ausmalen könnte. Wer Bienen beherbergt, sieht den Jahresablauf mit anderen Augen, erfasst den katastrophalen Umgang des Menschen mit der Landschaft umso schmerzlicher, denkt mehr über leichtfertige Faulheit wie Giftspritzen und anderen Chemiemissbrauch nach. Ein Bienenvolk ist ein Wunderwerk der Schöpfung, das weiß man erst, wenn man sich näher mit den pelzigen Fliegern befasst hat. Doch zurück zum Jahresablauf. Der bedeutet im Falle der Bienen „Trachtfolge“. Die Tracht, so nennt der Imker die Pflanzen, an denen sich seine Imme labt. Das Nahrungsangebot steht in direktem Zusammenhang mit dem Wohlergehen und der Stärke des Bienenstocks. Interessanterweise finden Bienen heutzutage in vielen Städten bereits

Woltron: die Imkerei lag in der Familie

Imposanter Bienenschwarm, fotografiert von der Autorin

mehr Futter als auf dem Land: in Parks, in den Alleebäumen, in Dach- und anderen Gärten. Auf ländlichen Getreide- und Maisfeldern hingegen ist das Futterangebot knapp. Deshalb beäugen Imker im Frühjahr aufmerksam die umliegenden Äcker und freuen sich, wenn dort Klee oder – ideal! – Sonnenblumen angebaut werden. Mais ist schlecht, denn das Maissaatgut wird immer noch viel zu oft mit Neonikotinoiden gebeizt, und die sind giftig für Hautflügler wie Bienen, Wespen, Hornissen. Im eigenen Garten wird überhaupt kein Gift

mehr verwendet, und auch sonst dreht sich vieles um die Biene. Ein guter Teil des Rasens wurde zur Blütenwiese, auf Frühlingsblüher wie Krokusse, Narzissen und andere Zwiebelblumen wird, seit es hier Bienenstöcke gibt, ebenfalls viel mehr Wert gelegt. An den ersten sonnigen Tagen des frühen Jahres wird es spannend: Jetzt fliegen sie das erste Mal aus, die braven Insekten. Die Stärke des Fluges wird weisen, wie die einzelnen Stöcke über den Winter gekommen sind. Jetzt wollen die Bienen zwei Dinge tun: endlich ihre Gedärme entleeren – was man übrigens „Reinigungsflug“ nennt – und sich nach Möglichkeit mit Pollen und Nektar stärken. Sie wollen auch trinken, das tun sie an den sumpfigen Zonen eines kleinen Teichs in dicken Trauben, und die kommenden Wochen über wollen sie das Volk rasch mehren, dann schließlich teilen und eine neue Königin im alten Stock sehen. Die alte schwärmt, wenn der Imker nicht aufgepasst hat, im Mai, Juni mit einem Teil des Hofstaats aus. Bis dahin muss viel Pollen an den Nachwuchs verfüttert werden. Wir pflanzen also Nektar- und Pollenpflanzen, wie Mohn, Lerchensporn, Mondviole, Hyazinthe, Ehrenpreis und viele andere

mehr. Auch Obstbäume sind wichtige Bienenweiden, aber von denen gab es vorher schon genug. Wenn der Imker aufpasst, teilt er den Stock rechtzeitig mit der frisch geschlüpften Königin. Verpasst er den richtigen Zeitpunkt, schwärmt die Imme, und das ist eine Sensation. Ein starker Schwarm besteht aus 30.000 bis 40.000 Bienen. Wenn die alle gleichzeitig wie ein großer, intelligenter Organismus in der Luft schwirren und man steht mittendrin, kann einem feierlich ums Herz werden. Sobald sich die Königin auf einem Baum niederlässt, bilden die Arbeiterinnen rund um sie eine schützende Traube und schicken Späherinnen aus, um eine neue Höhle zu suchen. Der Imker hat jetzt nicht viel Zeit. Er rennt mit dem Gartenschlauch zur Stelle und spritzt den Schwarm nass. Die äußeren Bienen bilden blitzschnell eine dachziegelartige Schicht, der Schwarm wird dichter und kleiner und kann, wenn die Leiter hoch genug ist, mitsamt der Königin in den Schwarmkasten gebeutelt werden. Sind die Späherbienen schneller und melden eine neue Quartiermöglichkeit, ist der Schwarm in wenigen Minuten weg. Lautlos, geordnet, wie am magischen Schnürchen gezogen. Fantastisch! Die Imkerei liegt in der Familie, schon als Kin-

der haben wir die Schleuder gedreht, den Finger in riesige Honigkübel gesteckt und gewusst, dass es keine gute Idee ist, mit dem Rasenmäher zu nahe an den Bienenstöcken vorbeizufahren. Auch, dass die Honigwaben in dichten Räumen geschleudert werden müssen, weil ein paar Bienen die Honigquelle natürlich sofort spitzkriegen, heimfliegen, ein Tänzchen aufführen und schließlich zu Hunderten anrücken, um den Honig wieder heimzuholen, war bekannt.

… Industrie, während die Mehrheit seiner EU-Kollegen für ein Verbot der …

Da ist sie mittendrin, die alte Bienenkönigin…

Für Pflanzen in der Saatgutgärtnerei in St. Leonhard bringt der Wanderimker eigens Bienenstöcke

Fotos: Archiv

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estimmten Zonen meines Gartens dürfen sich Besucher mit wuscheligem Haarschopf nur mit Kopftuch nähern. Dort stehen die Bienenstöcke, und da Bienen vorsichtige Insekten sind, walten hier die sogenannten Wächterbienen ihres Amtes. Sobald sich ein pelziges Tier, also zum Beispiel ein Lockenkopf, nähert, werden die narrisch. Denn Pelz ist gleich Bär, und der alte Honigräuber ist im kollektiven Bienenbewusstsein der Feind Nummer eins. Wenn eine Wächterbiene sticht, schickt sie gleichzeitig durch Duftstoffe ein Warnsignal an die anderen Stockbewohnerinnen, und dann sollte man schleunigst das Weite suchen. Autorin Ute


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Was es damals allerdings noch nicht gab, war die in den 1970er-Jahren aus Asien eingeschleppte Varroa-Milbe, die Bienen und Imkern seither das Leben äußerst schwer macht. Die heimischen Bienen – deren verbreitetste

Im eigenen Garten wird überhaupt kein Gift verwendet, sagt Ute Woltron. Bienen freuen sich über jede Blüte

Art, die friedfertige und gut honigeintragende Carnica, übrigens eine österreichische Züchtung ist, was auch kaum einer weiß – haben im Gegensatz zu den asiatischen Honigbienen keine Abwehrstrategien gegen die große Milbe entwickelt. Die sitzt den Bienen auf dem Buckel. Wird sie nicht regelmäßig durch verschiedene aufwendige Methoden bekämpft, stirbt das Volk. Vor allem die Wintermonate sind kritisch. Überleben im Herbst zu viele Milben, sind im Frühjahr keine Bienen mehr da. Die Imkerei ist durch die Varroa-Invasion wesentlich schwieriger und arbeitsintensiver geworden. Wer zwar nicht imkert, jedoch die Bienen, diese freundlichen Insekten, unterstützen will, hat viele Möglichkeiten: Pflanzen Sie viel Blühendes. Lassen Sie eine Wiese stehen. Streuen Sie beispielsweise Phacelia­ samen – die blauen Blumen heißen nicht umsonst „Bienenfreund“, sie sind Pollenund Nektarlieferanten besonderer Güte. Setzen Sie Obstbäume und blühende Hecken statt Thujen. Spritzen Sie kein Gift. Unterstützen Sie die zahllosen einzelgängerischen Wildbienenarten. Die sind wieder ein Kapitel für sich. Stellen Sie ein Insektenhotel auf, beobachten Sie Pelzbienen, Blattschneiderbienen & Co und entdecken Sie ein ganzes Bienenuniversum. Sie werden fasziniert sein. F


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Besser in der Stadt: die Wiener Bienen Ausgerechnet in der Großstadt finden Bienen jene Bedingungen, die auf dem Lande oft nicht mehr vorhanden sind bericht: christopher wurmdobler

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ie aus dem Bilderbuch steckt sich der Imker, der hoch über Wiens Innenstadt auf dem Dach der Staatsoper für die dort positionierten Bienenstöcke zuständig ist, erst einmal ein Pfeiflein an. Schutzkleidung trägt er keine, auch der interessierte Besucher müsse sich nicht fürchten, sagt der Mann. Hier oben gäbe es nur sehr friedliche Bienen, sagt die ebenfalls zuständige Imkerin. Trotzdem pafft der Imker ein Rauchwölkchen in den Kasten, bevor er ihn auseinandernimmt. Der Rauch soll die Tiere ablenken – Bienen reagieren so. Statt den vermeintlichen Störer anzugreifen, ist es ihnen wichtiger, den Bau vor dem Feuer zu „retten“, und sie machen sich auch gleich daran, kleine Beschädigungen in den Waben auszubessern. „Probieren Sie“, ruft die Imkerin, versenkt den Zeigefinger direkt neben emsigen Bienen in einer Wabe und taucht ihn in dunkelgoldenen Honig. Honig mitten aus der Stadt, von Bienen, die Nektar im Burggarten sammeln, auf

Illustr ation: Bianc a T schaik ner

Fortsetzung auf Seite 22

… Nervengifte eintritt. Im Bienenhonig gibt es keine Rückstände von Giften,

Severin Heinisch, Gründer von Simon und Jakober (1., Jakobergasse 4), betreut seine Bienen

Die in Tautendorferamt im Waldviertel fabrizierten Honigspezialitäten gibt’s im Innenstadtgeschäft


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Wiener Bienen (und Imker) sorgen für Vielfalt und Honig in Bioqualität* Shops/Imker

Institutionen

1 Bienenwerkstatt

11 Landesverband für Bienenzucht in Wien Imkerschule 21., Donaupark, www.imker-wien.at

18., Anastasius-Grün-Gasse 13, www.bienenwerkstatt.at

2 Wald und Wiese

7., Kaiserstr. 3; 7., Neubaug. 26, www.waldundwiese.at

3 Imkerei Honigstadt

17., Schwarzenbergpark facebook.com/honigstadt

4 Wiener Honig

www.imkerwienwest.at

13 Bienenzuchtverein Wien

www.imkerverein.at

Im Museum kann man dem Bienenvolk sogar – sicher hinter einer Glasscheibe – bei der Arbeit zusehen. Natürlich spielt hier auch die Wissenschaft eine Rolle. 1., Maria-Theresien-Platz

19 AKH

9., Währinger Gürtel 18–20

20 Hotel InterContinental

19.; Krottenbachstr. 3a/2/11, www.wiener-honig.at

14 Imkerverein Donaustadt

5 Stadtimker

c/o Gasthaus Hollmann, 22., Zachgasse 4

21 Gartenbaumuseum

Bienen-Standorte

22 Tiergarten

Grundsätzlich: Überall in Wien, wo es grünt und blüht, gibt es mittlerweile Bienen und Imker, die die Bienenvölker dort betreuen. Die Stadtimker informieren gerne. Hier nur ein paar kuriose Standorte

5., Margaretenstraße 82, Mo–Fr 10–18, Sa 10–14 Uhr

5., Christophgasse 4, www.stadtimker.at

6 Erwin Daim

17., Elterleinplatz 8, www.bienenonkel.at

7 Thomas Hager

12., Schönbrunner Str. 293, www.wildundhonig.eu

8 Dietmar Niessner (Bienenschule) 15., Camillo-Sitte-Gasse 1/9, www.bienenschule.at

Der Stadtraum bietet eine große Pflanzenvielfalt – das schmeckt man Stadthonig an

12 Imkerinnen und Imker Wien West

18 Naturhistorisches Museum

9 Erich Schuster

13., Treumanngasse 17

10 Honigmaid

15 Staatsoper 1., Opernring 2

16 Burgtheater

1., Universitätsring 2

17 Secession

1., Friedrichstraße 12

3., Johannesgasse 28

22., Siebeckstraße 14

Schönbrunn

23 Hotel Daniel

3., Landstraßer Gürtel 5

*Nicht jeder Stadtimker hat Bioqualität. Bio-Imker dürfen keine synthetischen Schädlingsbekämpfungsmittel einsetzen. Das verwendete Wachs darf keine Schadstoffrückstände enthalten. Der Bau muss aus natürlichen Materialien bestehen. Die Bienen dürfen ihren Trieb des Wabenbauens ausleben

16., Hettenkofergasse 14–16 www.honigmaid.at

das Problem ist, dass die Bienen die Orientierung verlieren, ehe sie in ihre …

Bienenstöcke eines Wanderimkers in St. Leonhard am Hornerwald/Waldviertel

Zwei wichtige Werkzeuge beim Imkern: das Rauchgerät und der Stockmeißel


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Fortsetzung von Seite 20

Die gute Nachricht zuerst: Wildbienen stechen

nicht. Und wenn eine Honigbiene sticht, dann hat sie meistens einen Grund. Und jetzt die schlechte Nachricht: Bienen leben generell gefährlich. Wenn wir Menschen nicht aufpassen, dann könnte es bald keine Bienen mehr geben. Egal? Gar nicht egal! Denn auch den, der keinen Honig mag – solche Leute soll es tatsächlich geben –, geht das Bienensterben etwas an. Weil Bienen mehr als Honig machen: ohne Bienen keine Blüten, die bestäubt werden. Und ohne bestäubte Blüten keine Ernte. Obst wird zu 90 Prozent durch Bienen bestäubt. Dabei sind nicht nur Kultur-, sondern auch Wildpflanzen auf die Hilfe der Bienen angewiesen: keine Bestäubung, keine Artenvielfalt. Klar, andere Insekten sind auch fleißig. Aber die Situation stellt sich weltweit drastisch dar. Ohne Bienen, sagen die Experten, könnte es längerfristig in der Nahrungsmittelproduktion zu Problemen kommen. Dafür, dass die Bienen in Gefahr sind, gibt es unterschiedliche Gründe. Schuld am großen Bienensterben ist ausgerechnet die Landwirtschaft. Monokultur, massiver Einsatz giftiger Pflanzenschutzmittel und Umweltverschmutzung gefährden die Bienen ebenso wie Schädlinge oder Krankheiten. Für die wiederum sind belastete Bienenvölker anfälliger als gesunde. Das Ausbringen von mit Schädlingsbekämpfungsmitteln behandeltem Saatgut, zum Beispiel beim Maisanbau, vergiftet ganze Bienenvölker auf einen Schlag. Auch wenn es für den Umgang mit dem mit Neonicotinoiden gebeizten Saatgut strenge Auflagen gibt: Bienen halten sich nicht an Grundstücksgrenzen. Winde auch nicht, die den giftigen Staub, der bei der Aussaat entsteht, übers Land treiben. Überall auf der Welt verzeichnen Wissenschaftler einen Rückgang von Bienen-

Keine Angst: Der Mensch ist für die Biene eine viel größere Bedrohung

Dach der Bienen­ welt: Burgtheater­ direktor mit Burgbienen, Imker und Imkerin

völkern; in Europa ebenso wie in den USA oder China. In Europa macht vor allem die Varroamilbe Bienen und jenen, die mit ihnen arbeiten, zu schaffen. Varroa destructor ist wenige Millimeter groß und beißt sich an den Bienen fest, gelangt in Bienenstöcke und -waben und vernichtet die Nachkommen und macht sie anfällig für weitere Schädlinge: Pilze, Milben und Viren. In der Stadt haben’s die Bienen gut. Jedenfalls finden sie in Großstädten oft einen artenreicheren Lebensraum vor als in so mancher ausgeräumten Kulturlandschaft, die von Monokultur geprägt ist. Auch in Wien werden die Bienen mehr. Parks vom riesigen Prater bis zum Beserlpark, Alleen

Die Bienensaison dauert in der Stadt länger als auf dem Land, weil es in der Stadt länger wärmer ist

wie die Ringstraße, grüne Friedhöfe, begrünte Innenhöfe und private Dachgärten, Kleingartenanlagen und – natürlich – Wienerwald und Donauauen bieten eine Menge idealen Lebensraum für die nützlichen Insekten. Natürlich gab es schon immer Imker, die am

Wiener Stadtrand, im Lainzer Tiergarten oder in den Steinhofgründen ihre Bienenvölker aufstellten, wenn dort was blühte. Dafür, dass die Bienen in die Stadt kommen, sorgen seit einiger Zeit aber auch die Stadtimker. Die Leute im gleichnamigen Verein legen wert darauf, dass sie keinem modischen Hobby frönen. Den Stadtimkern geht es darum, Wild- und Honigbienen zu schützen. Die Produktion von Honig ist dabei eher Nebensache. Tatsächlich lassen sie den Bienen mehr Honig, als Imker es sonst tun. Professionelle Imker haben ebenfalls seit einiger Zeit die artenreiche Stadt ent-

deckt. Auf öffentlichen Gebäuden, Hotels, Theaterhäusern, Universitäten stehen ihre Bienenvölker und suchen sich rundherum Blüten auf Balkonen, exotische Pflanzen auf Terrassen oder blühende Bäume am Ring. Dass die Bienenstöcke meist auf den Dächern hoch oben angebracht werden, hat vor allem praktische Gründe: Hier sind die Bienen – abgesehen von den regelmäßigen Kontrollbesuchen der Imkerinnen und Imker – weitgehend ungestört. Passanten oder andere Neugiernasen direkt vor der Ein- und Ausflugsöffnung würden nur stören und würden sogar als Bedrohung wahrgenommen. So können sie in Ruhe die Tracht einbringen. Die ist in der Stadt naturgemäß nicht sortenrein und zeigt sich aufgrund des großes Pollenmixes am Ende der Saison als besonders dunkler, aromatischer Honig. In der Stadt dauert die Bienensaison übrigens

auch länger als auf dem Land; einfach weil es in der Stadt länger ein bisschen wärmer ist. So beginnen die Insekten im Frühjahr schon früher auszuschwärmen und sind im Herbst länger unterwegs. Und sie finden immer genug Blühpflanzen. Ob der Honig aus der Stadt nicht belastet sei, wollen die Leute wissen. Der Verkehr, der Dreck, der Staub. Gar nicht! Tests haben sogar ergeben, dass Stadthonig rückstandsfrei ist. Auch weil hier weniger bis gar keine Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen. Auch wer kein Händchen für die Bienen hat, kann übrigens Stadtbienen und -imker unterstützen. Indem man Flächen zur Verfügung stellt, auf denen die Stadtimker ihre Völker aufstellen können: Dachterrassen, Gärten, Brachen oder Firmengelände und so weiter. Auch bieten die Stadtimker Schulungen und Kurse an. Auch für Wildbienen kann der Stadtmensch aktiv werden. Damit die Bienen nisten können, braucht es Bienenhotels, Holzgebilde, in denen sie ihre Nester bauen. Nur Honig darf man von Wildbienen nicht erwarten. Den brauchen sie selbst. Aber dafür stechen sie auch nicht. F

… Stöcke finden. Aber vielleicht siegen am Ende die EU und die Vernunft!

Stöcke eines Wanderimkers finden Zuspruch

Bienenwaben ohne Rahmen: so naturnah wie möglich

F o tos: w w w. s ta dt i m k e r . at, h t t p:// w w w.i m k e r inn e n. at

Bäumen am Ring oder auf Terrassen von Luxusappartements. Ein Luxus? Nicht unbedingt. Bienen finden Stadt. Und manche Stadtimker haben statt Ertrag den Schutz der Natur im Sinn.


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