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FALTER

Biofrühling Beilage mit Anstößen zu nachhaltiger Nachdenklichkeit

Nr. 20a/12

SO SPRIESST DER FRÜHLING. SPÄTER WIRD DILL DAR AUS. FOTO: IRENA ROSC

Herr über fünf Millionen Tiere: Wurmkönig Alfred Grand · Er hat’s gefördert: Franz Fischler im Gespräch über Biolandwirtschaft · Armin Thurnher über Biogefühle · Wo geht’s hier zum Biobauern? Die große Ausflugskarte macht Biospaß

Erscheinungsort: Wien P.b.b. 02Z033405 W Verlagspostamt: 1010 Wien laufende Nummer 2349/2012


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Zwei Herzen für Bio: Nach der Ernte ist vor der Ernte und die Transportkisten sind bald schon wieder voll mit lauter guten Sachen

Biofrühling


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Schon Darwin pries ihn: den Regenwurm. Ein Niederösterreicher züchtet ihn und vermarktet weltweit das Patent dazu

Inhalt

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Herr der Würmer Irena Rosc über den Wurmfarmer Alfred Grand Ich hab’s gefördert Wolfgang Zwander spricht mit Franz Fischler Wie schwul ist Rucola? Armin Thurnher über Biogefühle

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Bio kurz Splitter und Statistik vom Planeten Bio Fleisch, aber richtig Florian Holzer über das Fleischdilemma Basisfragen Birgit Wittstock über Nachhaltigkeit von unten

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Buchtipps Drei Bücher voller nachhaltiger Information: ein Lexikon, eine Anklage, ein Manifest

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Ausfliegen zu Bio Christopher Wurmdoblers praktische Tipps für den Besuch von Biobauern in und um Wien

Vorwort

Fotos: Irena Rosc, Archiv (6)

io liegt im Trend – das behaupten B wir hier jedes Jahr. Und noch immer stimmt es – obwohl die Bio-Zu-

wachskurve nicht mehr so steil nach oben zeigt wie eben noch. Ehrlich gesagt gab es 2011 auf dem Biomarkt einen Stillstand. Gar keinen Stillstand aber gab es, was die Beschäftigung mit dem Thema Bio betrifft. Immer intensiver werden hier Fragen von Moral diskutiert: Unter welchen Umständen ist es legitim, das Fleisch toter Tiere zu essen? Sind Lebensmittelkonzerne überhaupt berechtigt, Bio für sich zu reklamieren? Eine Flut kritischer Bücher setzt sich mit solchen Fragen auseinander, und auch wir hier ver-

suchen wieder, ein paar Denkanstöße zu liefern. Stets aufs Neue erstaunlich ist die Vielfalt und die Kreativität unter den landwirtschaftlichen Produzenten, denen der Städter indolenterweise so etwas nicht zutraut. Nehmen wir Alfred Grand aus Absdorf, der das Patent für eine Wurmfarm entwickelte und seine Idee weltweit exportiert – und sei-

Rosc

Zwander

Wittstock

ne Bioerde auch über heimische Supermarktketten vertreibt. Lebendiger Boden ist die Voraussetzung funktionierender Landwirtschaft. Irena Rosc hat Grand besucht. Nebenbei hat sie wieder für die Bilder dieser Ausgabe gesorgt; neben Würmern rückt sie zarte Biokeime ins Bild. Warum ist Österreich Vorreiter in Sachen Bio? Meinetwegen, sagt nicht

Wurmdobler Holzer

Tschaikner

ohne Selbstbewusstsein Franz Fischler. Unser Ex-EU-Agrarkommissar begründet das im Intervie mit Wolfgang

Zwander. Florian Holzer widmet sich dem mo-

ralischen Zwiespalt von Fleischgenuss und Korrektheit (der Widerspruch lässt sich auflösen!). Birgit Wittstock erzählt eine Geschichte von der BioBasis, von wo aus sich das Wachstum der Bioketten etwas anders ausnimmt. Und Christopher Wurmdobler empfiehlt Bio-Ausflüge von Wien aus, die nicht nur für Kinder, sondern für alle geeignet sind. Bianca Tschaikner liefert dazu die kongeniale Karte. 

A rmin T h u rnher

Impressum Falter 20a/12 Herausgeber: Falter Verlagsgesellschaft m.b.H.  Medieninhaber: Falter Zeitschriften GmbH, Marc-Aurel-Straße 9, 1010 Wien, T: 01/536 60-0, E: service@falter.at, www.falter.at  Redaktion: Armin Thurnher  Layout: Raphael Moser  Anzeigen: Sigrid Johler  Geschäftsführung: Siegmar Schlager  Druck: Passauer Neue Presse Druck GmbH, 94036 Passau  DVR: 047 69 86


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BioFrühling

Clever designt und mit einfachsten Mitteln umgesetzt: Alfred Grand in seiner Wurmfarm in Absdorf

Weltweit schätzt man den Biolebensmittelmarkt auf 60 Milliarden Dollar  D Zur Fotoserie Die Fotografin hat dem Frühling beim Keimen zugesehen. Die meisten Fotos (nicht alle!)wurde bei Reinhild Emmelmanns Saatgutfirma „Reinsaat“ aufgenommen Fotos: I re n a R o s c

Chinesische Gemüsemalve

Dill


B i o f r ü h l i n g   

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Herr über fünf Millionen Mithilfe seiner Kompostwürmer stellt der Biobauer Alfred Grand Biokompost her. Das Patent seiner Wurmfarm exportiert er weltweit Bericht: Irena rosc

B

ei Alfred Grand ist der Wurm drin. „Als Kind habe ich meiner Mutter zum Muttertag Regenwürmer für ihren Garten geschenkt,“ erzählt der 41-jährige Biobauer und blickt zärtlich zum Kompostwurm, der sich mithilfe seiner Borsten, der Ring- und Längsmuskulatur über seine Hand bewegt. „Anscheinend hatte ich immer schon ein Naheverhältnis zu Regenwürmern. Die Idee einer Kompostwurmfarm kam eigentlich aus dem Internet. Wir haben einen Kompostplatz gebaut, und ich versuchte mich im Internet über die Komposttechnologien anderer Länder zu informieren. Das hat mich sofort fasziniert. Schon die Eltern haben mir erzählt, wie wichtig Regenwürmer sind.“

„Achtung! Bei der Beschäftigung mit Kompostwürmern könnten Sie kompostsüchtig werden“ Alfred Grand

Foto: Irena Rosc

Jahrelang bauten die Grands Tabak an und be-

trieben ein Heurigenrestaurant. Doch Ende der 1990er hatte Grand, Landwirt und Segelflieger, der gerne Motorradmechaniker geworden wäre, „nur mehr Kompost im Kopf “. Er entwickelte zuerst kleine Wurmfarmen für Schulen und Kindergärten, für die er viel Schulterklopfen und eine Auszeichnung für ein besonders interessantes ökopädagogisches Projekt von der Unesco bekam. Die Produktion von Regenwurmhumus, mit der er aus „jugendlichem Leichtsinn“ einfach anfing, lief langsam und schleppend an. „Wobei das ohne der Landwirtschaft im Hintergrund nicht gegangen wäre“, es handelt sich immerhin um 100 Hektar landwirtschaftliche Fläche. Bis zum finanziellen Erfolg dauerte es weitere zehn Jahre. Fünf Millionen roter Mist- oder Kompostwürmer (Eisenia fötida) verarbeiten auf der von Alfred Grand entwickelten und ge-

Eine Exkursion der Landwirtschaftsschule Edelhof führt zu Grand und zu einer Straußenfarm in Schönberg/Kamp Treffpunkt: Busparkplatz Edelhof (bei Zwettl) Kosten: € 30,- (Bus) Anmeldung erforderlich bis 1. Juni! Tel.: 02822/52402, Exkursion: 14. 6, 8.00 bis 19.00 Uhr

bauten Kompostwurmfarm, der ersten übrigens in Österreich, organische Abfälle zu Biowurmhumus. Auf 200 Quadratmetern Fläche, die den „Esstisch“ der Kompostwürmer darstellen, werden Luzerne vom eigenen Hof, Hanf und Weizenstroh, Pferde- und Schafmist aufgetischt. Das Material wurde schon vorgerottet, per sogenannter Heißrottenkompostierung. Bei der Heißrottenkompostierung entstehen Temperaturen bis zu 70° C, dadurch werden laut Grand pathogene Keime hygienisiert, eventuelle Samen abgetötet und Zellen schneller aufgeschlossen. Da Kompostwürmer nicht kauen können, lassen sie, um an den nahrhaften Inhalt zu kommen, auch noch Bakterien und Pilze, Springschwänze, Bodenmilben und Einzeller, mit denen sie eine Lebensgemeinschaft bilden, „vorarbeiten“. Kompostwürmer kriechen immer in die oberste, noch nicht verarbeitete Schicht Erde. Die unterste Schicht, der fertige Regenwurmhumus, bestehend aus hochkonzentrierten Bestandteilen an pflanzenverfügbaren Nährstoffen, kann ganz einfach „abgeerntet“ werden. Dieser Humus regt Keimung und Wachstum der Pflanzen an, sorgt für eine schöne Krümelstruktur, eine Vielfalt des Bodenlebens und lässt sich gut lagern. Gerne zeigt Alfred Grand Besuchern seine Wurmkompostanlage, die Türen stehen offen, an der Anlage sind keine Beobachtungskameras angebracht. Sein freundlicher Hund streift umher, eine Schar Hühner sucht nach Verwertbarem, und Pferde Fortsetzung nächste Seite

Der Hauptanteil entfällt auf Nordamerika und Europa. In den USA wuchs der …

Asia Salat

Kapuzinerkresse zwischen zwei Kistchen


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Biofrühling

Fortsetzung von Seite 5

Alfred Grand inmitten seines Luzernenfelds: Nahrung für die Würmer

Charles Darwin hat nach jahrzehntelangen For-

schungen ein Jahr vor seinem Tod ein Buch über das Verhalten der Würmer veröffentlich: „Die Bildung der Ackererde durch die Tätigkeit der Würmer“ („The Formation of Vegetable Mould Through the Action of Worms, with Observations on Their Habits“). Darwin erkannte die Regenwürmer als unsere Wohltäter: „Es ist ein wunderbarer Gedanke, dass sämtlicher Humus der oberen Bodenschichten durch die Regenwürmer gegangen ist und wiederum innert einiger Jahre die Körper der Würmer passieren wird.“ Durch den Einsatz von Kompostwürmern wird organisches Material so umgewandelt, dass es Pflanzen als wertvoller Nährstoff zur Verfügung steht. Die Regenwürmer als unsere Helfer beim Klimawandel? Eine perfekte Recyclinganlage für

Sie machen es möglich: 100 Hektar ohne Pflug

Während Alfred Grand erzählt …

Pflanzen- und Tierreste ist der Kompostwurm jedenfalls. Mehr, als es Darwin damals berechnen konnte. Wenn sich bei Alfred Grand zunächst auch noch kein richtiger finanzieller Erfolg einstellte, so lernte er schon vor Jahren den Schotten Ron Gilchrist kennen und schätzen. „Ron ist ein Komposttrainer, der bereits sehr viel in der Welt herumgekommen ist. Durch unsere Zusammenarbeit können wir sowohl in Österreich als auch in Schottland Workshops und Seminare zum Thema Kompostierung und Lebensmittelproduktion anbieten. Mit unserem gemeinsamen Buch können wir auch eine Arbeitsunterlage bieten. Die neueste freudige Nachricht aus Schottland ist, dass wir dort eine ,International School for Soil Fertility and Community Food Production‘ gründen können!“ Gi­l­ christ ist mehrmals im Jahr in Österreich, die beiden haben gemeinsam Seminare und Vorträge für Bio Austria, Natur im Garten, Die Garten Tulln etc. gehalten. Von Gilchrist kam „vor allem der Impuls der sozialen Komponente, dass sich viele Menschen Lebensmittel in bester Qualität (Bio, ohne Schadstoffe, aus regionaler Produktion) nicht leisten können, und daher die Eigenproduktion auch in Städten eine gute Alternative darstellt (urban gardening).

Auch die Idee, die Kombination aus Heißrotte und Wurmkompostierung im kleinen Maßstab umzusetzen, kam von ihm.“ Der urbane Gärtner will natürlich Bioerde haben, Wurmerde ist für ihn die ideale Lösung. Seinen jetzigen Geschäftspartner Leopold Fischer hat Grand als Betriebsberater 2009 erstmals konsultiert. „Es hat sich die Frage gestellt, wie man die Kapazitäten erhöhen kann. Da lag es bald auf der Hand, das unterschiedliche Know-how von uns beiden zu verbinden. Wir haben 2010 die Vermigrand Naturprodukte GmbH gegründet und entwickeln uns seither sehr dynamisch.“ Heute bieten die beiden Lizenzen ihres selbstentwickelten „Regenwurmstalls“ weltweit an. Großes Interesse aus Deutschland, Rumänien, der Ukraine, der Türkei und dem Iran ist vorhanden, ein Clip auf Youtube bringt täglich mehrere seriöse Anfragen. Es sieht gut aus für Alfred Grand. Wenn Sie Bioerde und Wurmhumus kaufen, könnten diese aus Grands Produktion und von den fleißigen Würmern in Absdorf am Wagram stammen. Ein österreichischer Lebensmittelkonzern hat dieses Jahr 60.000 Säcke Bioerde geordert. Ein Liter solcher Wagramer Erde kostet im Supermarkt das Zehnfache von herkömmlicher Pflanzerde, gibt ihnen aber die Sicherheit, keinen Torf, Seevogelkot oder Kokosfasern zu enthalten. Eine kleine, auch für die Wohnung geeignete Kompostwurmfarm kann man bei Vermigrand bestellen. Schön und kostengünstig ist es, sich die eigene zu basteln. Hunderte von Anregungen, wie schon Alfred Grand sagte, gibt es im Internet. Doch Achtung: Sie könnten auch kompostwurmsüchtig werden! Während Alfred Grand erzählt und das rege Bodenleben auf dem Acker vorführt, pickt eine schwarze Henne circa 1000 Kompostwürmer aus der Vorführkiste. 50 Euro in wenigen Minuten weggefuttert, kein einziger Wurm mehr da! Alfred Grand ist erschüttert. Aber er hat ja noch 4.999.000 Würmer in seiner Halle. F

… Umsatz von Bio um 8 %, der konventionelle um 1 %. In Europa werden Bio- …

Junge Blumen

Bartnelke

Fotos: Irena Rosc

schauen neugierig aus ihrer Koppel. Der „Kompostwurmbauernhof “ ist eine einfache Leichtbauhalle mit Betonboden, im besten Kosten-Nutzen-Verhältnis, wie Grand sagt. Jede andere schon vorhandene Halle könnte jedoch ebenfalls genutzt werden, wenn die Abmessungen halbwegs passen. Damit die Kompostwürmer im Winter weiterarbeiten, dürfen sie nicht frieren, deshalb wird die Anlage mit einem Leistungsbedarf von fünf Kilowatt mit Hackschnitzeln geheizt. An einer Kompostheizung arbeitet Grand gerade. Ein Kompostwurm kann täglich das Eineinhalbfache seines Eigengewichts fressen. Bei guten Bedingungen, also ausreichendem Feuchte- und Nahrungsangebot, vermehrt er sich schnell. Anfang des 19. Jahrhunderts galten Regenwürmer noch als Schädlinge, die die Wurzeln der Pflanzen fressen würden. Unsinn! Auf dem Acker bauen Regenwürmer lange Röhren, die ein perfektes Lüftungssystem für die Pflanzen bilden. Und auch ein perfektes Drainagesystem bei starken Regenfällen. Vier- bis zehnmal mehr Wasser nimmt ein wurmbearbeiteter Boden auf. Außerdem wird der Boden damit vor Oberflächenerosion geschützt.


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BioFrühling

„Ich bin schuld am Bio-Boom“ Was Österreichs ehemaliger EU-Agrarkommissar über Bio denkt und was er als Minister dafür getan hat I n ter v ie w : W o lf g a n g Z w a n d er

FALTER: Herr Fischler, Sie waren neun

Jahre lang EU-Kommissar für Landwirtschaft. Wie steht es heute in Europa um den biologischen Landbau? Franz Fischler: Es gibt eine langsame, aber stetige Aufwärtsentwicklung. Österreich ist nach wie vor ein absoluter Ausnahmefall, der Anteil der biologischen Landwirtschaft liegt bei uns bei 15 Prozent. In allen anderen europäischen Staaten liegt er unter fünf Prozent. Interessant ist, dass in den vergangenen Jahren vor allem in Südeuropa ein signifikantes Wachstum bei der Bioproduktion zu beobachten war. Warum ist Österreich mit so großem Abstand Spitzenreiter? Fischler: Daran bin ich selbst schuld. Als ich 1989 österreichischer Landwirtschaftsminister wurde, lag die Höhe der Förderung bei zwei Millionen Schilling. 1994 waren es 200 Millionen Schilling. Der wichtigste Punkt war aber ein anderer: Es ist uns damals gelungen, mit dem Rewe-Konzern eine große Supermarktkette dafür zu gewinnen, Bioprodukte ins Sortiment aufzunehmen. Im Ministerium war allen klar, wenn das ein

Michelle Obama gesagt hat, sie würde für ihre Familie nur Biolebensmittel kaufen.

Franz Fischler: Bio kann eine Lösung für die Ernährungsprobleme der Welt sein

Erfolg wird, wird die Konkurrenz automatisch mitziehen. So ist es dann auch gekommen. Wenn Bionahrung nur am Bauernhof und in Spezialläden angeboten wird, kommt es zu keiner Breitenwirkung.

„In den USA kam es zu einem Bio-Boom, weil Michelle Obama sagte, sie kaufe nur Bio“

Welche Zukunft geben Sie der biologischen Landwirtschaft? Fischler: Eine große Veränderung bei der Nahrungsmittelproduktion ist nur zu schaffen, wenn man den Kopf der Konsumenten erreicht. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: In den Vereinigten Staaten ist es in den vergangenen Jahren zu einem regelrechten Boom bei Bioprodukten gekommen, weil First Lady

Könnte man dann nicht sagen, dass „Bio“ nur ein Trend ist? Fischler: Es ist nicht nur ein Trend, es ist eine Frage des Bewusstseins und der Gesundheit. Es müsste auf der ganzen Welt gelingen, wesentlich mehr Ernährungsbewusstsein zu schaffen. Mittlerweile gibt es nicht nur in den Industrienationen viel zu viele übergewichtige Kinder, sondern auch in den Entwicklungsländern. Das führt zu großen Gesundheitsproblemen, belastet die Krankenkassen und den öffentlichen Haushalt. Eine bessere Aufklärung in Sachen Ernährung müsste daher weltweit in allen Schulen gelehrt werden. Ich bin überzeugt davon, ein größeres Bewusstsein für gesundes Essen führt automatisch zu einem Aufschwung des BioLandbaus. Spielt biologische Landwirtschaft weltweit betrachtet überhaupt eine evidente Rolle? Fischler: Global betrachtet spielt der Bio-Landbau noch keine große Rolle. Es bleibt hier noch viel zu tun. Vor allem in den Entwicklungsländern ist die Sache noch einmal komplexer. Es werden hier nämlich sehr oft zwei Sachen vermischt: Nur weil die Landwirte in armen Staaten kein Geld für Düngemittel haben, betreiben sie noch keinen Bio-Landbau. Es ist auch eine Fiktion, dass die Produktionsweise einfach von heute auf morgen umgestellt werden kann. In Wirklichkeit haben die Landwirte in den

Entwicklungsländern oft überhaupt keine Ahnung von Bio. Ein Biobauer muss viel besser ausgebildet sein als einer, der konventionell arbeitet. Er muss die Krankheiten seiner Pflanzen früher erkennen, muss kreativer beim Pflanzenschutz sein und braucht überhaupt großes Wissen über biologische Grundzusammenhänge. Woran es in den Entwicklungsländern in der Landwirtschaft wirklich mangelt, ist Beratung und Bildung. Aber an und für sich wäre es möglich, dass die kleinen Landwirte in den Entwicklungsländern auf Bio-Landbau umsteigen? Fischler: Es wäre nicht nur möglich, es wäre sogar sehr sinnvoll. Ganz einfach, weil der biologische Landbau bei den dortigen Lohnkosten billiger ist als der konventionelle. Es gibt 500 Millionen Landwirte in den Entwicklungsländern, die nur so viel Ernte einfahren, dass so gut wie nichts zum Verkaufen übrig bleibt. Die arbeiten oft noch so rückständig, wie die Bauern bei uns im 17. Jahrhundert. Während man zum Beispiel in Europa bis zu zehn Tonnen Getreide aus einem Hektar Erde holt, ist es in Afrika oft nur eine Tonne. Trotz dieser Unterschiede beim Ertrag warne ich aber vor dem alten kolonialen Fehler, unsere westliche Produktionsweise in die Entwicklungsländer zu übertragen. Allein von den klimatischen Bedingungen her kann das nicht funktionieren, ganz zu schweigen von Schädlingen und Krankheiten. Nur wenn es gelingt, vor Ort eigene ökologische Produktionsmethoden zu entwickeln, wäre der Bio-

Foto: Heribert Corn

F

ranz Fischler, 65, war sechs Jahre lang österreichischer Landwirtschaftsminister und neun Jahre EU-Kommissar für Landwirtschaft. Er fungierte außerdem als Präsident des Ökosozialen Forums Österreich und ist seit heuer Präsident des Europäischen Forums Alpbach. Unter Fischlers Amtszeit als Minister wurde Österreichs Weg zum Bio-Pionierland bereitet.

… nahrungsmittel im Wert von 20 Milliarden Dollar umgesetzt, ein Drittel in De

Paprika, Asia-Gemüse

Salat


Landbau eine große Chance gegen die Armutsfalle. Ließe sich überhaupt die ganze Welt mit biologischer Landwirtschaft ernähren? Fischler: Das wäre möglich, zumindest langfristig. Kurzfristig gedacht bin ich allerdings skeptisch. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hat gerade erst gesagt, dass wir in den kommenden

„Kurzfristig kann Bio die Welt nicht ernähren – die Eingriffe in die Natur wären schwer“

20 Jahren weltweit 50 Prozent mehr landwirtschaftliche Produktion benötigen, andernfalls drohen Hungersnöte und Unterernährung. Allein mit biologischer Landwirtschaft lässt sich die Weltbevölkerung noch nicht versorgen. Allein schon von der Fläche braucht der Bio-Landbau viel größere Ackerflächen als der konventionelle. Ein plötzliches Umsteigen würde Rodungen und schwere Eingriffe in die Natur verlangen. Im Juni findet in Rio de Janeiro eine UN-Konferenz für nachhaltige Entwicklung statt. Eines der Hauptthemen dort wird die globale Forcierung der „Green Economy“ sein, die auch ein Plus an ökologischer Landwirtschaft umfasst. Was erwarten Sie sich für Impulse von der Konferenz?

Fischler: Wenn sich die Uno für „Green

Economy“ einsetzt, ist das ein wichtiges Zeichen. Die Gefahr bei solchen Konferenzen ist aber immer, dass am Ende eine bedeutungsschwere Deklaration präsentiert wird, die danach in den Archiven verstaubt. Es gibt ganze Litaneien an Deklarationen, denen dieses Schicksal zuteil wurde. Meiner Erfahrung nach passiert am Ende des Tages nur etwas, wenn Regeln ausgearbeitet werden, deren Nichteinhalten mit Sanktionen bestraft wird. So weit kommt es bei UN-Deklarationen leider fast nie. Wie beurteilen Sie die österreichische Agrarpolitik in puncto biologischer Landwirtschaft? Fischler: Das läuft in Österreich nach wie vor sehr gut. Sowohl der Verbrauch als auch die Produktion steigen. Ein kleiner Malus ist, dass zu wenig in die Forschung investiert wird. Man darf nicht vergessen, auch die biologische Landwirtschaft funktioniert nicht ohne Schutzmittel. Es müssen nur eben Bio-Schutzmittel sein. Hier gibt es in Österreich zu wenig Entwicklung und Innovation. Bei welchen Produkten würden Sie „Bio“ unbedingt empfehlen? Fischler: Bei regionalem Obst und Gemüse, weil es frisch vom Feld kommt und nicht lange transportiert werden muss. Sehr ratsam ist Bio bei allen pflanzlichen Ölen und Fetten, weil sich darin Schadstoffe besonders leicht anreichern. Das Gleiche gilt auch für Fleisch: Da würde ich jedem raten, nicht bei der Qualität zu sparen, sondern bei der Menge.  F

eutschland, 17 Prozent in Frankreich …

Porree

bioparadies.salzburgerland.com


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Biofrühling

Biogefühle:

F o t o : X xx

Fakten und Gefühle: der gelockerte Boden, nicht mit Kunstdünger behandelt, fühlt sich besser an

… 10 Prozent in Großbritannien und 5 Prozent in Österreich  Hat sich die …

Asia Salate

Asia Salate


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warum Rucola schwul ist, Roastbeef nicht reformkost: Armin Thurnher

H

ört man dem Chef von Rewe zu, versteht man sofort, wozu Bio gut ist. „Wir müssen den Kunden inspirieren, ihn mehr auf der emotionalen und nicht allein der rationalen Ebene ansprechen“, sagt Alain Caparros, Vorstandsvorsitzender der Rewe-Gruppe, der Frankfurter Allgemeinen. Das Preisargument sei bald einmal ausgereizt, es gehe darum, Erlebnisse zu bieten. Was könnte ihn, den Kunden, besser inspirieren als Bio? Natürlich Convenience, also so ziemlich das Gegenteil von Bio. Staunend steht der moderne Konsument im modernen Supermarkt und wird sich, betrachtet er die Widersprüchlichkeit des Angebots, der Widersprüchlichkeit seiner Existenz bewusst.

Wozu uns rationale und emotionale Betrachtungen über das Bio-Business inspirieren können

– Wir Konsumenten wollen alles sofort. Ist es convenient, bequem und streichbereit, sind wir streichfähig. Wir kaufen, was knackig verpackt ist, und schauen nicht auf den Preis. Andererseits wollen wir es gesund, und haben wir Geld genug, um uns Gesundheit leisten zu können, auch ethisch korrekt. Das mit der Gesundheit war nicht immer so einfach: Mangelhafte Ernährung

„Beef Wellington ist so was von hetero. Rucola ist schwul. Aber Caesar Salad ist hetero“ Simon Doonan, Kolumnist

machte einst die Lebensmittelindustrie nötig. Aber Rachitis ist in unseren Breitengraden eliminiert und durch Adipositas ersetzt. Nicht mehr der Mangel des Einzelnen steht bei uns zur Debatte, sondern der Mangel im System. Weil der Einzelne beim Einkauf auf den Preis schaut und nicht auf die Qualität, muss das System leiden, nämlich das Gesundheitssystem. Mit hohem finanziellem Aufwand repariert es an uns, was wir uns mit Essen antun.

– Wenn wir annehmen, dass biologische Landwirtschaft gesundere Nahrungsmittel schafft als konventionelle, dann können wir uns nur darüber freuen, wenn diese Nahrungsmittel massenhaft vertrieben werden. Für den massenhaften Vertrieb braucht es die großen Handelsketten. Andererseits wird dort nicht Ökologie gehandelt, sondern (siehe oben) Gefühl. Keine Ware ohne Gefühl! Und Bio ist die Gefühlsware schlechthin. Es ist gewiss nur ein Gerücht, dass in den Labors bereits an der Herstellung biologischer Gefühle als solcher gearbeitet wird, aber es wäre konsequent. Das schiere Gefühl zu verkaufen, man habe das

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Richtige getan, indem man dieses Gefühl gekauft hat – das wäre die perfekte Ware und die Krönung allen Marketings.

– Bis dahin bleibt uns noch ein wenig Zeit, denn gerade halten wir ein Päckchen voller im Jänner importierter, knackiger Bioerdbeeren in der Hand. Ist es dem Konsumenten zumutbar, diese Erdbeeren zurückzulegen? Natürlich ist es das. Der Luxus besteht in der Anwendung der feinen Unterschiede: Der moderne Konsument muss wissen, dass Erdbeeren nur unter Qualitätsverlust transportierbar sind, und dass die Erdbeersaison hierzulande von Ende Mai bis in den Sommer dauert, nicht länger. Die besten Erdbeeren meines Lebens bekam ich von einem Feld im Waldviertel. Der Bauer hatte zu spät angebaut und erntete sie im August. Das passiert mir nimmer, schimpfte er. Er konnte nicht vermitteln, dass die Beeren dann besser schmecken; keiner rechnet im August mit Erdbeeren. Oder im Februar. Außer sie kommen aus Marokko. Dort haben sie dann Saison. Fortsetzung nächste Seite


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Biofrühling

Fortsetzung von Seite 11

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Der sympathische Ökologe setzte hinzu, seine Statistik beinhalte nur die Produktionsbilanz. Die Transportbilanz musste er offenlassen; bei den erwähnten Erdbeeren aus Marokko fällt sie gewiss fatal aus. Aber selbst bei der Biobanane ist zu überlegen, dass der Abdruck des Transports bei biologischer und konventioneller Frucht gleich groß ist, die CO2-Bilanz der Produktion trotzdem unterschiedlich ausfällt.

– Wenn der Lebensmittelhandel mit dem Gefühl hantiert, begibt er sich in Gefahr. Dann wird ihm schnell nachgewiesen, dass hinter seinen inszenierten Biogefühlen in Wirklichkeit eine industrielle Produktion steckt. Das mag in vielen Fällen so sein. Im heuer erschienen Bestseller „Der große Bioschmäh“ führt uns der Autor Clemens G. Arvay zu solchen Produktionsstätten. Industriebäckereien fertigen auf ihren Backstraßen viel Konventionelles und ein wenig Biobrot. Gewiss ohne Handarbeit und ohne jene persönliche Aufmerksamkeit fürs Pro-

dukt, die wir von Biobäckern erwarten. Aber doch mit biologisch hergestellten Zutaten. Ist das nun Bio oder nicht? Kann man Bio mit handwerklich gleichsetzen, oder ist es nur im industriellen Maßstab denkbar?

– In der lexikalischen Definition schließt Bio industrielle Herstellung jedenfalls nicht aus. Biolebensmittel sind in der EU gesetzlich definiert. „Diese Produkte müssen aus ökologisch kontrolliertem Anbau stammen, dürfen nicht gentechnisch verändert sein und werden ohne Einsatz konventioneller Pestizide, Kunstdünger oder Abwasserschlamm angebaut. Tierische Produkte stammen von Tieren, die artgerecht gemäß EG-Öko-Verordnung und in der Regel weniger mit Antibiotika und Wachstumshormonen behandelt wurden. Die Produkte sind nicht ionisierend bestrahlt und enthalten weniger Lebensmittelzusatzstoffe als konventionelle Lebensmittel.“ So steht’s in Wikipedia. Von Industrie keine Rede.

– Wir reden also von der Politik der Gefühle. Denn natürlich verstehen wir den Unmut der Industriekritiker. Wir sind ja nicht blöd. Die Lebensmittelindustrie und der Großhandel üben einen Homogenisierungsdruck auf die Landwirte aus, zwingen sie in Abhängigkeiten, diktieren die Preise in einem Markt, den sie zuvor monopolisiert haben. Sie würden dagegen halten, dass sie den Markt ja erst schaffen, und die Ware eben zum Konsumenten muss, weil der nicht zur Ware kommt. Und die meisten Konsumenten wollen sich auch nicht auf das ehrenwerte Biokistl einlassen, das ihnen zugestellt wird, die wollen de Qual der Wahl vor dem Regal.

– Was bleibt uns denn als Konsumenten? Biokistl oder Moloch? Mitnichten. Wir

Jean-Jacques Rousseau Heuer feiern wir seinen 300. Geburtstag. Für Bio hat ihn noch keiner reklamiert

Das Wort „Politik der Gefühle“ stammt vom Schriftsteller Josef Haslinger. In seinem Essay dieses Titels setzte sich mit dem Österreich auseinander, das Kurt Waldheim zum Präsidenten wählte. Josef Haslinger: Politik der Gefühle. Ein Essay über Österreich. Luchterhand, 1987

müssen uns informieren und entscheiden. Und dann noch, nach erfolgter Vernunftentscheidung, gegen den Angriff der Gefühle via TV-Werbung eigene Gefühle ins Spiel bringen. Simon Doonan, Stilkolumnist und Arbiter Elegantiarum, teilt Lebensmittel in schwul und hetero ein (hetero ist, versteht sich, uncool). Geht so: „Ein hauchdünnes Seezungenfilet in brauner Butter ist schwul. Beef Wellington ist so was von hetero. Rucola ist schwul. Aber Caesar Salad ist hetero. Quiche Lorraine – hetero, das sich als schwul verkleidet. Ein Stück gekochtes Rindfleisch mit dicker, dunkelbrauner Sauce ist, logisch, hetero. Gelato ist immer schwul. Und eine Tostada mit zarten Salatbergen ist, obwohl mexikanisch – superschwul.“ Und was ist mit Bio? Doonan „erklärt ,lesbisch‘ zum angesagten Adjektiv unserer Zeit – als erdig, authentisch, im weitesten Sinne bio“, wie ich aus der Süddeutschen Zeitung lernte.

– Seltsam, dass sie Rousseau nicht einmal zu seinem heuer gefeierten 300. Geburtstag entdeckt haben. Zurück zur Natur – irgendwie wirkt dieser Spruch peinlich. Vielleicht, weil er bei Rousseau selber nicht vorkommt. Immerhin verfehlen ihn die meisten Marken nur knapp. „Zurück zum Ursprung“, „Natur pur“ – da lugt Jean-Jacques schon um die Ecke. Zu Recht: Er war ein Mann der moralischen Gefühle. Mit dem ihm zugeschriebenen Slogan meinte er nicht, dass wir in unseren Urzustand als edle Wilde zurückkehren sollten, auch nicht, dass alle Wilden edel waren. Die Errungenschaften von Wissenschaft und Technik lassen sich nicht rückgängig machen. Aber wir entscheiden, wie wir mit ihnen umgehen. Das ist nicht nur Gefühlssache, nicht einmal eine Frage der Moral. Moral ist oft genug nur ein Convenience-Produkt. Man sollte auf Gefühl nicht bloß mit Gegengefühl antworten. Für Bio spricht die Vernunft. F

Fotos: Wikipedia, Heribert Corn

Andererseits gibt es den ökologischen Fußabdruck, diesen Yeti des Durchschnittskonsumenten. Ich war vor einiger Zeit zu einer Präsentation biologischer Lebensmittel eingeladen. Ein sympathischer Koch machte die Produkte zum Geschmackserlebnis, ein Wissenschaftler von der Boku wies nach, dass die CO2-Bilanz von Bioprodukten deutlich besser ist als jene konventioneller Produkte – allerdings nur, wenn die Distanzen nicht zu groß werden. Sonst fällt die Ersparnis beeindruckend aus. 40 Kilogramm Schweinefleisch nimmt die Österreicherin im Durchschnitt jährlich zu sich (der Österreicher auch). 207,7 Kilo CO2 werden bei konventioneller, 148,5 bei biologischer Herstellung verbraucht, das entspricht einer Einsparung von 28,5 Prozent. Bei Erdäpfeln (Pro-Kopf-Verbrauch 55,4 kg) sparen wir 17 Prozent, bei Milch (60 Liter pro Kopf ) immerhin 13,5 Prozent CO2.

… Krise auf Österreichs Biowirtschaft ausgewirkt? ∂ Insofern, als der Umsatz ...

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Die große weite Welt der Bio-Ernährung

Mio. Hektar

Weltweit gibt es 37 Millionen Hektar Bio-Farmland (1999 waren es noch 11 Millionen Hektar). Das weltweit größte Bio-Land ist Australien mit 12 Millionen Hektar, gefolgt von Argentinien (4,2 Millionen Hektar) und den USA (1,8 Millionen Hektar). Auch Österreich kommt in der Statistik vor. Nach den Falkland Inseln (35,9 Prozent) und Liechtenstein (27,3 Prozent) nimmt Österreichs mit einem Bio-Anteil von 19,7 Prozent den dritten Platz ein. (Quelle: FiBL) n Afrika n Asien n Europa

n Lateinamerika n Nordamerika n Ozeanien

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Wie ertragreich ist Bio?

„Der Biolandbau nimmt mehr Rücksicht auf Umwelt und Nachhaltigkeit als die konventionelle Landwirtschaft – doch ist er mit dieser in puncto Ertrag konkurrenzfähig? Eine neue Übersichtsstudie von Forschern um Jonathan Foley von der University of Minnesota, die Daten aus 66 früheren Studien auswertet, kommt zum Schluss: Im Biolandbau sind die Erträge pro Fläche im Schnitt um einen Viertel geringer.¹ Damit rückt die Studie die biologische Landwirtschaft in ein besseres Licht als jene Bio-Kriti-

ker, die behaupten, der Ertrag im Biolandbau sei nur halb so hoch wie in der konventionellen Landwirtschaft. Zugleich zeichnet sie ein schlechteres Bild als eine oft von Bio-Befürwortern zitierte Studie aus dem Jahr 2007. Diese kam zum Schluss, der Bio-Ertrag sei jenem der konventionellen Landwirtschaft ebenbürtig oder gar überlegen.“ Neue Zürcher Zeitung, 2.5. 2012

Noch einmal die Ertragsfrage „Die Zukunft der Ernährung steht auf dem Spiel, und seit Jahren streiten die Kontrahenten um eine Frage: Kann die Biolandwirtschaft eine wachsende Weltbevölkerung satt machen oder muss der Schwerpunkt zwingend auf konventionellen Anbaumethoden liegen? Umweltwissenschaftler um Verena Seufert von der McGill University in Montreal, Kanada, geben im Fachmagazin Nature (online) dazu nun eine gut begründete Einschätzung: Der Beitrag der Biolandwirtschaft könnte künftig größer sein, als Kritiker glauben. Denn der Ertrag pro Fläche liege im ökologischen Landbau gar nicht so weit unter dem konventioneller Landwirte. Das Kernargument der Biogegner lautet, dass diese Anbauart mehr Fläche für die gleiche Ernte verbrauche. Seufert und ihre Kollegen werteten zahlreiche Studien zu dieser Frage aus. Im Schnitt liegen die Erträge im Ökolandbau um ein Viertel niedriger als in der konventionellen Landwirtschaft. Doch die Differenzen fallen je nach Feldfrucht unterschiedlich aus: Bei Getreide sind die Unterschiede besonders groß, bei Leguminosen, Soja-

bohnen oder mehrjährigen Pflanzen wie Obstbäumen liegen die Ertragsraten hingegen eng beieinander. Bei optimaler Bewirtschaftung liege der Ernterückstand im Biobereich sogar bei nur 13 Prozent. Der Ökobereich könne in Zukunft also einen wichtigen Beitrag leisten. Das Fazit der Wissenschaftler schmeckt echten Bioverfechtern hingegen mutmaßlich nicht: Sie plädieren für eine ideologisch entschlackte Landwirtschaft, die Vorteile beider Anbausysteme vereint.“ Süddeutsche Zeitung, 26.4.2012

Können sich China und Indien selbst ernähren? „,China und Indien haben keinerlei Hoffnung, sich bei Agrarrohstoffen selbst versorgen zu können‘, sagte Sunny Verghese, Mitgründer und Vorstandschef von Olam (ein Lebensmittelkonzern), gestern auf der Rohstoffkonferenz der Financial Times im schweizerischen Lausanne. (…) 2012 ist die Situation bei Agrarrohstoffen vergleichsweise stabil. So bewegen sich die Getreidepreise nach einem kräftigen Rückgang im Herbst 2011 seitwärts. Weizen kostet rund 25 Prozent weniger als vor einem Jahr. Nach einer Rekordernte 2011 beliefen sich die weltweiten Lagerbestände nach Angaben der Uno-Organisation für Landwirtschaft und Ernährung (FAO) immerhin auf rund 200 Millionen Tonnen. Politisch brisant ist das Thema, weil die Förderung von Biokraftstoffen in den Industrieländern für die Lebensknappheit mitverantwortlich gemacht wird. Tonangebend sind die USA und Brasilien, die für 76 Prozent

der Weltproduktion von Biotreibstoffen verantwortlich sind. Dazu nutzen sie Mais und Zuckerrohr. Immerhin scheint die Bio-Begeisterung nachgelassen zu haben. So wurde die USEthanolproduktion seit ihrem Rekordhoch im Dezember zurückgefahren.“ Financial Times Deutschland, 25.4.2012

Biologisch abbaubare Plastiktaschen? „Lange galt die Bio-Plastiktüte als grüne Alternative zu den vermeintlich klimaschädlichen Plastiktragetaschen. ,Zeig der Umwelt dein Lächeln‘, heißt es so etwa auf den angeblichen Öko-Taschen von Aldi Süd. Das Lächeln dürfte dem Unternehmen nun jedoch erst einmal vergangen sein. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat die Handelsketten Aldi und Rewe abgemahnt und dazu aufgefordert, die ,Verbrauchertäuschung‘ mit vermeintlich biologisch abbaubaren Plastiktüten zu beenden. Eine Woche haben die Unternehmen nun Zeit, eine Unterlassungserklärung zu unterzeichnen, andernfalls will die Organisation Klage einreichen. Damit geht der Streit zwischen den Handelskonzernen und der Umwelthilfe in die nächste Runde. Am Mittwoch hatte diese eine Studie veröffentlicht, in der sie mit dem Mythos der kompostierbaren Plastiktüte aufräumt. ,Die angeblich ‚grünen‘ Plastiktüten helfen der Umwelt nicht‘, kritisiert Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe: ,Sie werden nicht kompostiert, lassen sich auch nicht recyceln und bestehen hauptsächlich aus Erdöl.‘ Die Welt, 14.4.2012

… stagniert hat. Im Jahr 2011 ist der Bioumsatz zum ersten Mal konstant …

Paprika „Quadrato d’Asti Rosso“, Verbesserungs- und Erhaltungszüchtung von Reinsaat

Pfefferoni „Elefant“

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BioFrühling

Zwischen Fleischeslust und Moral Über das Problem, geschlachtete Tiere zu essen, und das weite Feld zwischen Verzicht und Ignoranz

Gewissensbiss: Florian holzer

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ie kann es sein, dass Jonathan Safran Foers Buch „Tiere essen“, in dem er die Massentierhaltung in den USA plakativ darstellt, auch in Österreich zum Bestseller wurde und andererseits nach wie vor jedes Jahr etwa 80 Millionen heimische Tiere geschlachtet werden, Tendenz steigend? Psychologisch ist das sicher zu erklären, mit Verdrängung, selektivem Bewusstsein oder paralleler Wahrnehmung, Marketingtechnisch fällt die Ergründung dieses bemerkenswerten Umstandes wahrscheinlich aber noch leichter. Denn schließlich wissen wir, dass in Österreich nicht nur alles besser ist. Hier sind vor allem die Tiere glücklicher, die Schweinderln rosiger und fröhlicher, die Wiesen grüner, die Kräuter alpiner, die Umstände für Österreichs Kühe insgesamt also paradiesischer. Die meisten von uns können sich

Wenn man schon Schweinfleisch isst, dann von artgerecht gehaltenen Tieren, wie diesen Mangalitzas hier

auch daran erinnern, Kühe echt schon einmal auf einer Alpenweide gesehen zu haben – ein schönes Bild, danke, gespeichert! Die Werbung tut sich leicht, so etwas abzurufen. Dass die Wirklichkeit anders aussieht, wissen

wir natürlich auch, weil wir sind ja nicht blöd: Massentierhaltung (die höchstwahrscheinlich um eine Nuance weniger grauslich sein mag als jene der USA), zum Fressen und Wachsen verdammte Hühner, Truthähne, Rinder und Schweine, dank Hochleistungsfutter ergebnisoptimiert, am Fließband geschlachtet. Zu rosigem Faschiertem, parierten Filets und – den Idealbeispielen heimischer Verschleierung der tierischen Herkunft – homogener Extrawurst und golden-knusprig paniertem Schnitzel (wovon auch immer) verarbeitet, wird die Schmach für uns er-

träglich gemacht. Wir bedanken uns dafür und essen jährlich hundert Kilo davon. Man könnte jetzt sagen: Okay, Schluss damit, wenn ich schon keine Hühnerhallen besetze oder mich vor Tiertransporte werfe, dann zumindest Verzicht, Entkoppelung vom Massenmord, ich spiel nicht mehr mit! Ein paar schaffen das. Urban, gebildet, weiblich zu sein hilft offenbar dabei. Bei vielen wird dieser Verzicht dann halt lustfeindlich religiös zelebriert, was einerseits beim Verzichten hilft, andererseits auch eine gewisse Befriedigung verschafft. Die anderen, die sinnenfreudigen Vegetarier, haben’s da vergleichsweise schwer, und sie sind auch sehr wenige, was ihre Position etwa in der Gastronomie nicht vereinfacht. Was bleibt einem also außer dem Komplettverzicht? Selektion, Reduktion, Infor-

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mation und – leider – Investition. Denn die Welt zu verbessern, indem man weniger vom dafür aber Guten nimmt, kostet echtes Geld (was wiederum dabei hilft, noch weniger davon zu nehmen). Die Quellen gibt es, sie sind mit minimaler Recherche leicht ausfindig zu machen, man findet Fleisch von „artgerecht“ gehaltenen, langsam gewachsenen, vielleicht sogar in freier Natur herangewachsenen Tieren auf Bauernmärkten, in Bioläden und sogar bei Fleischhauern (biologisch oder auch herkömmlich), die Herkunft und Zuchtumstände der für sie geschlachteten Tiere ja vielleicht sogar noch kennen. Je nachdem, wie weit man für faires Fleisch zu gehen oder fahren bereit ist, kann man auch Züchter oder Bauern finden, deren Tiere das ganze Jahr über auf der Weide stehen und per Schuss so stressfrei wie nur vorstellbar getötet werden – da kann man dann halt nicht zwischen Tafelspitz und Rostbraten wählen, sondern muss ein halbes Rind nehmen. Was angesichts moderner Tiefkühltechnik und organisierter Freundeskreise aber umständlicher klingt, als es tatsächlich ist. Klar, unpraktisch und nicht permanent verfügbar, aber dafür ein ganz schön großer Schritt in die richtige Richtung.

Fleischhauer Schober in Gars am Kamp: „Langsam und in kleinen Betrieben gezüchtet, eh klar“

Oder Richard Triebaumers sagenhafte Salamis, Lardos und Schmalzkreationen, zu denen er seine Mangalitza-Schweine, die das ganze Jahr über in einem Ruster Obst-

Fotos: Irena Rosc

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hain am Neusiedlersee leben, nach eigenhändiger Schlachtung verarbeitet. Diese Produkte sind so wahnsinnig gut, die genießt man mit Sicherheit nicht beiläufig, da braucht’s nicht viel, und man kann eine ordentliche Portion Gemüse dazu durchaus leicht aushalten. Oder der Fleischhauer Roman Schober aus Gars am Kamp, dessen Fleischprodukte nicht nur von biologisch gezüchteten Tieren stammen, sondern fallweise sogar von solchen, die alten, aussterbenden Gattungen wie Schwäbisch Haller-, TuropoljeSchwein oder Waldviertler Blondvieh angehören. Langsam und in kleinen, Waldviertler Betrieben gezüchtet, eh klar. Eine Leberkäsesemmel im Supermarkt geht schneller als ein Ausflug nach Gars, stimmt schon. Andererseits gab es so etwas wie ein gutes Gewissen auch noch nie geschenkt.  F

Green Smoothies. Viel Grün. Feel Good. Genießen Sie unsere GREEN SMOOTHIES täglich frisch aus Wildkräutern wie Sauerampfer, Vogelmiere und Brennnessel, verfeinert mit biologischem Obst. Durch die volle Frucht und die nahrhaften Kräuter ist dies der Drink zur optimalen Versorgung mit Vitaminen, Mineralien, Proteinen, Chlorophyll und Basen.

Weil Bequemlichkeit aber eine der stärks-

ten gesellschaftlichen Kräfte nicht nur in diesem Land ist, werden in Zukunft wohl eher jene Modelle Erfolg haben, die Fleisch mit „gutem Gewissen“ problemlos anzubieten vermögen. Der Labonca-Hof in Burgau ist etwa so ein Fall: Derzeit werden 250 „Sonnenschweine“ auf 22 Hektar das ganze Jahr über frei lebend und im natürlichen Rudel gehalten, wenn überhaupt notwendig, nur mit betriebseigenem Getreide gefüttert. Derzeit wird das Fleisch dieser wirklich erstaunlich fröhlich wirkenden Schweine noch zu Schinken und anderen Delikatessen veredelt und etwa in Bioläden

im preislichen Obersegment angeboten, Frischfleischverkauf rechnet sich derzeit noch nicht. Ein neuer, nach modernsten Erkenntnissen einer „würdigen Tötung“ ausgerichteter Schlachthof ist aber gerade im Entstehen, Konsumenten sind mit verschiedenen Finanzierungsmodellen eingeladen, sich daran zu beteiligen, 5000 Kilo völlig stressfrei gewonnenes Fleisch könnte von hier dann jede Woche kommen. Das Potenzial für eine derart kompromisslose Freilandhaltung, wie es der Labonca-Hof anbietet, sieht der Gründer Norbert Hackl bei etwa einem Drittel des heimischen Schweinefleischbedarfs.

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Florian Holzer ist der Mann, der im Falter über Essen schreibt. Mit Nina Kaltenbrunner hat er auch das Buch „Eat slow! Der Weg zum Genuss“ herausgebracht (Falter Verlag, 320 Seiten, € 25,50)

Wir setzen nicht allein auf Bio und Gesundheit, sondern auch auf Nachhaltigkeit. Durch den Ankauf der Wildkräuter aus dem Ausbildungszentrum Dorothea (Verein zur Förderung junger Menschen mit besonderen Bedürfnissen) beeinflussen wir unsere Gesellschaft positiv.

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Niemand isst nur Kraut und Rüben Über Nachhaltigkeit, Kundenwünsche und Realität im Match Bioladen versus Biokette m a rk t f a h r t : B i r g i t W i t t s t o c k

Inzwischen findet auf dem weiterhin boomen-

den Biosektor eine immer stärkere Konzentration statt: Vojvodics Filiale gehört nicht mehr zur Kette des österreichischen Biosupermarkt-Pioniers Stefan Maran. Der große deutsche Biogroßhändler Dennree, der hierzulande unter dem Markennamen „Denn’s“ auftritt, hat sich in den letzten Monaten sechs Maran-Filialen einverleibt und ist nun, neben Deutschland mit 70 Filialen, auch in Österreich mit insgesamt elf Filialen Marktführer. Dennrees 150 Mitarbeiter, brav in BioShirt, Bio-Hose und Bio-Socken gehüllt, schlichten pro Niederlassung zwischen 6000 und 8000 Artikel in die Regale. Von Hundefutter über Kloreiniger und diverse Weine, exotische Früchte und Gewürze bis

Ein letzter Bio-Mohikaner: Norbert Ulrichs Geschäft am Spittelberg

„Wenn man keine Tees aus Asien und getrocknete Früchte aus Südamerika anbietet, kann man nicht überleben“ Norbert Ulrich

zur Faltencreme – der umwelt- und ernährungsbewusste Biokunde findet hier alles für den täglichen Gebrauch und muss keinen herkömmlichen Supermarkt mehr betreten. Die Biowelt ist komplett. Irgendwie aber wollen biologischer Anbau, Nachhaltigkeit und Regionalität mit dem Konzept Supermarkt nicht ganz zusammengehen: Lediglich ein Drittel der Ware von Denn’s kommt von heimischen Feldern. Ein Dilemma, mit dem auch die kleinen Bio-

läden hadern: „Die Kunden wollen eben nicht nur nicht auf Bananen, Orangen und Kaffee verzichten – wenn man es mit dem Bio-Gedanken genau nimmt, dann bedeutet das, nicht nur Regionalität, sondern vor allem auch Saisonalität. Aber wer ernährt sich denn nun tatsächlich im Winter bloß von Erdäpfeln, Kraut, Rüben und Karotten?“, sagt Nobert Ulrich. Er betreibt das winzige Biogeschäft am Spittelberg, das ursprünglich Teil der Waldviertler Biobauerngenossenschaft BerSta (kurz für Berg und Stadt) war. Seit Anfang der 1990er gehört es dem ehemaligen Lehrer Ulrich. „Die immer größer werdenden Mengen sind einfach nicht machbar.“ Auch wenn Ulrich viele der Waren, die er in seinem Geschäft anbietet, selbst auf eigenen Feldern zieht, finden sich auch in seinen Regalen duftende Gewürze und Tees aus Asien, getrocknete Früchte aus Südamerika und Naturkosmetika, die importiert wurden. „Anders kann man nicht überleben. Die Kunden erwarten ein gewisses Angebot.“ Selbst wenn man vorwiegend heimische Produkte kauft, ist man nicht gänzlich auf der sicheren, weil biologischen Seite: Kauft man etwa im Frühjahr österreichische Salatgurken, so ist deren CO2-Bilanz, vergli-

chen mit jenen aus Spanien, katastrophal. Der Grund: Heimische Gurken gedeihen zu dieser Zeit nur in geheizten Gewächshäusern, die Spanischen wachsen hingegen längst auf den Feldern. Also ist es sogar umweltschonender, Gurken den weiten Weg von Spanien nach Österreich zu transportieren, als sie mit großem Energieaufwand in hiesigen Glashäusern zu ziehen. Damit der Bio-Gedanke Sinn macht, müssten die Konsumenten zum Verzicht bereit sein und sich saisonal zu ernähren. Aber selbst wenn man sich an das Dogma der Saisonalität hält, kann man sich täuschen: Biogroßhändler wie Denn’s beziehen ihre tausenden Produkte von an die 100 verschiedenen Lieferanten. Die Logistik ist aufwendig, weshalb die meisten Waren erst in die Hauptniederlassung nach Deutschland oder ins oberösterreichische Ansfelden gefahren und von dort wieder auf die Filialen verteilt werden. Fällt ein Lieferant aus, etwa weil jemand wie

Dusko Vojvodic, heute Leiter der Denn’sFiliale in der Kaiserstraße, bei einer Kontrolle dahinterkommt, dass die Ware doch nicht so bio ist, wie sie sein sollte, muss ein anderer Lieferant einspringen, und der ist nicht selten in Deutschland, den Niederlanden oder Italien beheimatet. Trotzdem ist alles, wo Bio draufsteht, weiterhin ein Erfolg, und seitdem selbst Discounter wie Hofer eigene sogenannte Bio-Schienen fahren, kommt Bio immer mehr im Mainstream an: 2010 setzten die heimischen Bioläden 18,8 Millionen Euro um; davon machten Großhändler wie Denn’s mit 15,6 Millionen das beste Geschäft. Und der will weiter expandieren: Ein bis drei Filialen sollen jährlich dazukommen – immerhin gehe da noch so einiges im Bio-Business.  F

… Die Österreicher stehen vor allem auf Bioeier. 140 Mio Stück vertilgten sie …

Basilikum

Basilikum beginnt zu keimen

Fotos: Ber sta

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s ist eher der kleine, vielleicht etwas schrumpelige und verformte Apfel, dem wir trauen können“, sagte Dusko Vojvodic, Filialleiter des Biosupermarkts Maran in der Lindengasse in Wien-Neubau, als wir ihn vor Monaten zum Thema befragten. Jene perfekten, riesenhaften Schneewittchenäpfel haben Vojvodic immer schon misstrauisch gestimmt. Denn Bio, das wusste Vojvodic aus langjähriger Erfahrung, sieht anders aus. Verglichen mit jenem aus nichtbiologischer Landwirtschaft bleibe echt biologisch gezogenes Obst und Gemüse, sagte Vojvodic, klein, unregelmäßig geformt und trage meist den einen oder anderen Schönheitsfehler. Weil er das wusste, fragte er, schien ihm eine Gemüse- oder Obstlieferung zu fehlerlos, auch bei seinen Lieferanten nach. Ihm war klar, dass die steigende Nachfrage auf dem Biomarkt nicht nur auf Kosten der Qualität geht. Kleine Biobauern können unmöglich große Mengen liefern und gleichzeitig strenge Auflagen einhalten.


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Buchtipps   Zwei Neuerscheinungen und ein Standardwerk 

Dreifachnahrung für Bio-Bücherwürmer Souveränes Lexikon

Illustr ation: Bianc a Tschaikner

Globalisierung aus anthropologischer Sicht. Dieses Lexikon geht immer in einem Dreischritt vor: erst die Definition, dann die Diskussion, schließlich Hinweise aus der Praxis. Bio kommt mehrfach in diesem Lexikon vor. Gleich am Anfang im Stichwort Biokolonialismus, der das Recht auf Biodiversität jedes Staates festhält. Unter Biokolonialismus versteht man aber auch, was indigenen Völkern im Zuge der Grünen Revolution angetan wird: Landraub und Vernichtung. Im Abschnitt „Diskussion“ geht die Autorin unseres Beispielstichworts auf Historisches und die Patentierung biologischen Materials ein. „Beobachtungen aus der Praxis“ widmen sich ebenfalls

Fernand Kreff, Eva-Maria Knoll, Andre Gingrich (Hg.): Lexikon der Globalisierung. transcript, 528 S., € 29,80

Patentfragen: „So kann ein (etwa durch Pollenflug ausgebreitetes, eventuell sogar unerwünschtes) patentiertes Merkmal Eigentumsrecht an allen Pflanzen begründen, in denen es vorkommt. Eine solche Entscheidung wurde z.B. in Kanada und die USA bereits gefällt.“ Dieses monumentale Werk hilft zu einem nicht-eurozentristischen Verständnis unserer Welt. Qualifizierte Autorinnen und Autoren von Ulrich Beck bis Aihwa Ong machen die über 145 Stichwörter zu einer unerschöpflichen Quelle für Information und Debatte.

Fundierte Anklage

Wollen Sie Fakten über den Einfluss von Monsanto? Wissen, wie genau die antibiotikaresistenten Keime aus der Schweinmast entstehen? Wie billige Bananen Elend über die Bevölkerung von Ecuador bringen? Warum die alternative Nobelpreisträgerin Vandana Shiva Genpatente „die Kanonenkugeln von heute“ nennt? Dann liegen Sie mit diesem Buch richtig. Richard Rickelmann war zwei Jahrzehnte Reporter beim Spiegel (unter anderem deckte er die Lopez-Affäre bei VW

Richard Rickelmann: Tödliche Ernte. Wie uns das Agrarund Lebensmittelkartell vergiftet. Econ, 320 S., € 18,–

auf) und später beim Stern. Heute arbeitet er als Buchautor und TV-Journalist. Sein Buch ist eine mit präzisen Fakten untermauerte Anklage konventioneller Agrarpolitik und -praxis.

Kein Essen ohne Wissen

Slow Food kennt jeder, aber nicht jeder hat dieses Buch seines Gründers gelesen. Carlo Petrini ist studierter Soziologe und Spross der italienischen Linken der 1970er Jahre. In diesem 2007 auf Deutsch erschienenen Buch schildert er sein Erleuchtungserlebnis: In einem Lokal nahe seiner Heimatstadt Bra bekam er eine Peperonata, die nicht mehr schmeckte wie früher. Als Petrini nachforschte, warum, entdeckte er, dass die benötig-

ten Paprika nun nicht mehr aus Asti, sondern aus Holland kamen. Der ehemalige Paprikabauer baute nun Tulpen an, deren Zwiebeln er nach Holland schickte. Petrini beschreibt plastisch ein Universum agrarischer Unvernunft. Und in wohlbegründeten Abschnitten über die Gastronomie und die nachhaltige Erzeugung wohlschmeckender Lebensmittel erklärt er seine Prinzipien, also jene der SlowFood-Bewegung. Ihm geht es um die Erziehung des Menschengeschlechts, um gastronomische Aufklärung, um Wissen; ohne dieses ist Veränderung unmöglich. Petrini zeigt hier, warum Gastrosophie sehr wohl eine Wissenschaft sein kann. Nicht umsonst hat er in Pollenzo die Università di Scienze ­­Gastronomiche gegründet. At

Carlo Petrini: Gut, sauber & fair. Grundlagen einer neuen Gastronomie. Tre Torri, 304 S., € 19,90

Die App zum Essen. »Wien isst« Wiens bester Lokalführer fürs iPhone. Version 2.0 jetzt neu im App Store.


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Biofrühling

Mach dich zum Acker! Dass (Bio-)Lebensmittel nicht im Supermarkt wachsen, merkt man, wenn man sie zu Hause besucht: Ausflüge zum Bauernhof AUSFLUGSTIPPS: C h r ist o p h e r W u r m d o b l e r

I

rgendwie sind wir alle Landeier – zumindest im Herzen. Fast jeder Großstädter hat irgendwo in der Familie rurale Wurzeln. Was nicht bedeutet, dass die meisten Großstädter den Bezug zum Land noch hätten. Und es soll Stadtkinder geben, die keine Ahnung haben, wie es ist, ein Kälbchen zu streicheln, wie kuhwarme Milch schmeckt oder wie Radieschen von oben aussehen. Die Biowelt ist nämlich nicht ganz so, wie man es aus dem Werbefernsehen kennt. Und, nein, auch Ja!-Natürlich-Schweinchen können nicht sprechen. „Raus aufs Land!“ lautet die Devise; einmal nachschauen, wo die guten Biolebensmittel überhaupt herkommen. Frische Luft und Kuhmistduft schnuppern. Mög-

Verlass die Stadt: Ausflüge in Gärtnereien oder zum Bauernhof sind immer ein Erlebnis

Fortsetzung auf Seite 22

… 2011 und 40,8 Millionen Kilo Bioerdäpfel  Sie ließen 1,6 Millionen Biomasthühn

Keimlinge ohne Namen

Winterpostelein


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Bio-Ausflugsziele in und um Wien herum Produzenten

1 Bio-Feigenhof

Bei der Planung des Bio-Ausflugs sollte auch die Anreise „bio“ sein: Öffis oder Rad sind besser als das Auto

Am Himmelreich 325 1110 Wien www.feigenhof.at Feigen, Kräuter, Gartenplanung. Besichtigung nach Voranmeldung

2 Haschahof

Rosiwalgasse 41-43 A-1100 Wien www.haschahof.at Parzellen, Hobbylandwirte und Ab-Hof-Verkauf (Di–So 17–19 Uhr)

3 Schaugarten der Arche Noah

Obere Strasse 40 3553 Schiltern www.arche-noah.at Di–Fr 10–16, Sa, So & Fei 10–18 Uhr

4 Schloss Hof

(Meierhof) 2294 Schlosshof 1 www.schlosshof.at Alte Haustierrassen. Tägl. 10–18 Uhr

5 Sonnentor

Kräuter-Sinnes-Erlebnis Sprögnitz 10, 3910 Zwettl www.sonnentor.at Erlebniswelt, Animation und Spielplatz. Mo–Fr 8–17, Sa 9–17, So & Fei 13–17 Uhr

6 Straußenland Illustr ation: Bianc a Ts c h a ik n e r

Mollandser Straße 9 3562 Schönberg am Kamp www.straussenland.at Do, Sa, So & Fei Besichtigung um 14 Uhr (Einlass: 13.15 Uhr)

7 Paradeiser Stekovics Schäferhof 13 7132 Frauenkirchen www.stekovics.at Paradeiser- und Chiliraritäten, Jungpflanzenverkauf. Tägl 10–17 Uhr (ab Juni: So und Fei geschlossen)

8 Biobauernhof Steindl

Stammersdorferstr. 67 1210 Wien www.ambros-steindl.at

9 Biohof Adamah

2282 Glinzendorf 7 www.adamah.at Bioladen, Ab-Hof-Verkauf, Hoffeste und Exkursionen

10 Kräuterpfarrer Weidinger Zentrum 3822 Karlstein / Thaya www.kraeuterpfarrer.at Besuch nur nach Anmeldung: Tel. 02844/70 70-12

11 Der Floh

Tullnerstraße 1 3425 Langenlebarn www.derfloh.at Bio-Landgasthaus mit regionalen Produkten

12 Gasthof & Greißlerei Holzer Hauptstraße 9 (Gasthof) Hauptstraße 11 (Greißlerei) 8692 Neuberg www.hubertholzer.com Regionale Produkte

13 Meinklang

Hauptstraße 86 7152 Pamhagen www.meinklang.at Wein und Landwirtschaft

ner schlachten, verzehrten 62.000 Biorinder, tranken 459 Mio Liter Biomilch…

Bald wird es keimen

Cosmea


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BioFrühling

Fortsetzung von Seite 20

Die Stadt gar nicht erst verlassen muss man,

wenn man sich zum Acker auf dem Haschahof macht. Ganz im Süden Wiens, in Rothneusiedl (bald fährt sogar die U-Bahn fast hin), gelegen befindet sich hier einer der größten Bioparzellenhöfe Österreichs. Dabei muss man gar nicht selbst seine paar Quadratmeter Land bewirtschaften – kann man aber! Oder man macht einen kleinen Spaziergang zwischen Mangold, Karotten und Kohlrabi. Allerdings sollte man sich vorher im Hofladen anmelden, denn Besucher werden von den Parzellenpächtern immer ein bisschen schief angesehen. Und man möchte doch nicht für einen gemeinen Gemüsedieb gehalten werden, oder? Zumal man nicht wirklich auf Zucchinidiebstahl angewiesen ist. Selbstverständlich gibt’s auch auf dem Haschahof einen Hofladen, in dem man nicht nur Gemüse, sondern auch Lammfleisch und Eier von den glücklichen Hendln kaufen kann. Der Hofladen ist auch Treffpunkt für die Selbsterntegemeinde: Stadtbauern und Frei-

Im Bio-BengelchenKräuterdorf von Sonnentor können die lieben Kleinen zum Beispiel ein Duftklavier bedienen

Hunderte Sorten Paradeiser und Chili gibt es beim Paradeiserpapst Erich Stekovics im Burgenland zu bestaunen

zeitgärtner, die nach getaner Jätarbeit an den Heurigenbänken hocken und fachsimpeln. Auch wer keine Parzelle besitzt, bekommt hier Erfrischungsgetränke und was zum Speisen. Ebenfalls innerhalb der Stadtgrenzen befindet sich der Feigenhof. Genau: Im Wiener Osten wachsen und gedeihen Feigen, als wäre man nicht in Simmering, sondern irgendwo in Südeuropa. Die ersten Sommerfeigen sind schon im Juli reif, ab Mitte August beginnt dann die Ernte der Herbstfeigen. Und schon jetzt im Frühling kann man den Wiener Biofeigen im „Food Garden“ beim Großwerden zusehen. Der Biofeigenhof ist ein Projekt des Gärtners Harald Thiesz und der Gartengestalterin Ursula Kujal, deren energiegeladene Gartenideen auch im Schaugarten zu bewundern sind. Nach telefonischer Anmeldung gibt es Führungen – natürlich auch durch die Feigenglashäuser und die Topfkräutervermehrung, auf die man sich hier ebenfalls spezialisiert hat. Zudem finden von Zeit zu Zeit Ausstellungen, Feste und andere Veranstaltungen rund um die Feigerei statt. Garten schauen ist überhaupt ein großes

Ding, vor allem bei Stadtmenschen, die selbst einen Garten, eine Dachterrasse oder einen Balkon besitzen. Regelmäßig pilgern sie zur Arche Noah, jenem Idealistenverein in Schiltern bei Langenlois in Niederösterreich, wo man rare und alte Sorten kultiviert und pflegt. Außer montags hat der Schaugarten der Arche Noah täglich geöffnet, wo an den Wochenenden unter fachkundiger Führung Rares und Bewahrenswertes hergezeigt wird. Es gibt Tauschbörsen, Seminare und – im Shop – Biojungpflanzen. Und im Schloss vis-à-vis vom Schaugarten gibt es dann Kaffee und Kuchen. Wie es sich für einen richtigen Wochenendausflug gehört. Ein richtig großes Schloss ist Schloss Hof im Marchfeld, fast an der Grenze zur Slowakei. Wo einst Maria Theresia Sommerfrische schnupperte, können Stadtpflanzen von heute Landluft schnuppern. Ne-

ben all dem barocken Wahnsinn befindet sich nämlich der Meierhof, der heute wieder wie zu Kaisers Zeiten (also: „bio“) bewirtschaftet wird. Hier gibt es alte Haustierrassen zu bewundern, wollige Schweinchen und kraftvolle Rösser. Man hat barocke Kräutergärten errichtet und bietet die Produkte auch gleich zum Kauf an. Ein Ausflug nach Schloss Hof führt wirklich direkt ins Grüne. Kräuter stehen auch bei Sonnentor im Mittel-

punkt. Das Unternehmen im Waldviertel hat sich auf Biotees und -gewürze spezialisiert, die Region gestärkt und fährt damit auch international sehr erfolgreich. Natürlich gibt es hier in Sprögnitz mittlerweile auch eine Kräuter-Sinnes-Erlebnis-Welt, die für einen Familienausflug ideal ist. Denn ob sich die lieben Kleinen für duftende Kräuterstreichelgärten, Kräuterwanderungen oder die Hildegard-von-BingenKräuteroase begeistern, sei dahingestellt. Die Welt von Bio-Bengelchen macht ihnen aber sicher Spaß. Im Naschgarten ist Selberpflücken erlaubt. Es gibt ein Duftklavier, Kletterbäume, Riesenhängematte und – genau! – eine Menge Naturerlebnisse. Wo wir gerade schnuppern: Riecherlebnisse verspricht auch das Kräuterpfarrer Weidinger Zentrum in Karlstein an der Thaya mit Kräutergarten, Lehrpfad, Kräuterwanderungen. Allerdings sollte man hier in der Gruppe kommen und sich vorher angemeldet haben. Man kann Biotruthähne besuchen, bevor man sie verspeist, oder ins Burgenland zu Paradeiserpapst Erich Stekovics pilgern und sich hunderte Paradeiser- und Chilisorten bei einer Führung zeigen lassen. Orte, an denen Bio entsteht, gibt es viele. Man muss sie nur besuchen. Man kann Hoffeste feiern oder gleich Ferien dort machen. Obst, Kräuter und Gemüse wachsen eben nicht im Supermarkt; Milch und Fleisch kommen nicht aus dem Kühlregal. Und wer einmal erlebt hat, wo die guten Lebensmittel herkommen, hat plötzlich einen ganz anderen Bezug dazu. Nicht nur als Stadtkind, sondern auch als echtes Landei.  F

… und spülten 65.000 Bioschweine mit 750.000 Liter Biowein runter. Prosit!

China-Nelke

Zwiebeln, ein Salat

Fotos: Sonnentor, Irena Rosc

lichkeiten, Produzenten und Landwirte zu besuchen, gibt es eine Menge. Man kann zum Beispiel einfach seinen Marktstandler auf dem Biobauernmarkt nach der Adresse fragen. Wenn man den Betrieb nicht stört, werden die meisten nichts gegen einen kleinen Spontanbesuch einzuwenden haben. Manche Betriebe haben sich sogar richtig auf Gäste eingestellt, schenken Most aus, schmieren Butterbrote oder bieten sogar Fremdenzimmer an. Man könnte auch schauen, wo zum Beispiel das Biokistl gepackt wird, das jede Woche vor der Wohnungstür steht. Beim Biohof Adamah in Glinzendorf zum Beispiel, einem der größten Hauszusteller von Gemüse und Obst in Wien. Erstens gibt es beim Adamah auch einen Hofladen, man freut sich zweitens über Exkursionsgruppen von Kindergärten und Schulen und veranstaltet, drittens, regelmäßig Hoffeste im schönen Marchfeld. Sogar mit den Öffis ist man in 30 Minuten da und kann Landluft schnuppern.


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Biofrühling 2012