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ERWACHSENE

LEKTÜREN

JOSEPH ROTH DIE KAPUZINERGRUFT

NIVEAU 2

DIE KAPUZINERGRUFT

DIE KAPUZINERGRUFT

In dem Roman „Die Kapuzinergruft“ thematisiert der Schriftsteller Joseph Roth anhand der Lebensgeschichte des Ich-Erzählers Franz Ferdinand Trotta mit fesselnder Ironie den Untergang des Habsburgerreiches. Der junge Leutnant aus besten Wiener Kreisen verliert durch den Krieg seine gesicherte Existenz.

JOSEPH ROTH

Joseph Roth

NIVEAU 2

ELI-Lektüren: Texte für Leser jeden Alters. Von spannenden und aktuellen Geschichten bis hin zur zeitlosen Größe der Klassiker.

- Vereinfachter und gekürzter Text mit Erklärung schwieriger Wörter als Fußnoten - Übungen zu Leseverständnis, Wortschatz und Grammatik - Übungen zur Prüfungsvorbereitung Start 2 - Abschlusstest.

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ERWACHSENE ELI LEKTÜREN

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DAF A2

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HAUPTFIGUREN

Franz Ferdinand Trotta Ich-Erz채hler und Hauptperson

Joseph

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Manes Reisiger

anco Freund von Joseph Br nd na rdi und Franz Fe

6

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Elisabeth Kovacs Ehefrau von Franz Ferdinand

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Mutter

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joseph roth

„Ich möchte eine Kartoffelsuppe“, sagt mein Cousin. „Wie du willst“, meine ich, „für mich einen Kaffee, bitte.“ Zufrieden löffelt Joseph Branco seine Suppe und erzählt aus seinem Leben. Im Frühling, Sommer und Herbst arbeitet er als Bauer. Im Winter verkauft er Maroni im ganzen Land. „Deine Kette gefällt mir, verkaufst du sie mir?“, frage ich ihn, als er einen Augenblick mit dem Erzählen auf hört. „Ja, weil du mein Cousin bist“, gibt er zur Antwort. „Wie viel kostet sie?“ „Dreiundzwanzig Kronen.“ Ich gebe ihm 25 Kronen. Ohne mir den Rest zu geben, legt er das Geld in sein Taschentuch. Dann zieht er die Uhr hervor und legt sie auf den Tisch: „Für drei Kronen verkaufe ich dir auch die Uhr. Weil du mein Cousin bist.“ Ich nehme die Uhr und gebe ihm ein Fünf kronenstück. Auch diesmal gibt er mir keinen Rest. Er steckt die Münze in die Hosentasche. „Verkaufst du mir auch das Gilet?“, frage ich weiter. „Ja, aber nur weil du mein Cousin bist“, antwortet er wieder. „Wie viel kostet es?“, will ich wissen. „Das Gilet ist aus gutem Stoff. Deshalb ist es etwas teurer. Es kostet zwei Kronen fünfzig“, antwortet er erwartungsvoll1. Ich gebe ihm 3 Kronen in die Hand. Leicht enttäuscht steckt er das Geld ein. Ich muss lächeln. Er wollte noch ein Fünf kronenstück. Ich fühle mich wie ein echter Slowene. Spontan beschließe ich, Joseph Branco meinen Freunden vorzustellen. Mit seiner volkstümlichen Art ist er eine willkommene Unterhaltung für uns. 1

erwartungsvoll voller Hoffnung

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Grammatik 4 Der Kausalsatz Antworten Sie mit einem Kausalsatz auf die folgenden Fragen. Warum?

Weil...

Warum ist Jolanth aus Budapest zurückgekehrt?

Weil sie nach Amerika fahren will.

1 Warum träumt Elisabeth von Hollywood? Weil sie _______________________________________________ 2 Warum schickt Franz Ferdinand seinen Sohn nach Frankreich? Weil _ ________________________________________________ 3 Warum verkauft er das Haus? Weil _ ________________________________________________ 4 Warum mag die Mutter Elisabeth nicht? Weil _ ________________________________________________ 5 Warum trifft Franz Ferdinand seinen alten Freund Manes Reisiger auf dem Zentralfriedhof? Weil _ ________________________________________________ 6 Warum verkauft Joseph Branco nur noch gebratene Äpfel? Weil _ ________________________________________________ 7 Warum erschrecken die Gäste im Kaffee, als sie das Wort „Volksgenosse“ hören? Weil _ ________________________________________________ 8 Warum verlassen die Gäste das Kaffee? Weil _ ________________________________________________ 9 Warum mag Franz Ferdinand den Hund nicht? Weil _ ________________________________________________

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5

Die Zusammenfassung enthält 10 Fehler. Korrigieren Sie! Jolanth und Kurt von Stettenheim ist (1) wieder in Wien. Elisabeth ist oft mit sie (2) zusammen und beschließt, Schauspieler (3) zu werden. Sie verlässt seine (4) Familie. Die Mutter von Franz Ferdinand stirbt. An ihrer Beerdigung begegne (5) Franz Joseph seinem ehemaligen Freundin (6) Manes Reisiger. Ephraim, der einzige Söhn (7) von Manes Reisiger ist im Kampf gegen Dollfuss gestorben. Am Ände (8) ist Franz Ferdinand allein. Der Monarchie und die alten Traditionen existieren nicht mehr. Die Nationalsozialisten werden immer stärker und übernehmen die Macht auch in Östherreich (9). Sie beginnt (10), die Juden zu diskriminieren und zu verfolgen. 1 _______________________

6 _______________________

2 _______________________

7 _______________________

3 _______________________

8 _______________________

4 _______________________

9 _______________________

5 _______________________

10 _______________________

6 In den folgenden Sätzen gibt es Fehler in der Satzstruktur! Schreiben Sie die Sätze richtig! 1 Ich jeden Abend ins Kaffeehaus gehe. ______________________________________________________ 2 Im Wohnzimmer Elisabeth und Jolanth sitzen. ______________________________________________________ 3 Sie wollen investieren in die Filmindustrie. ______________________________________________________ 4 Elisabeth will werden Schauspielerin. ______________________________________________________ 5 Meine Mutter nicht überrascht ist. ______________________________________________________ 6 Sie ist gute Person keine. ______________________________________________________

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Zum Weiterlesen

Joseph Roth Joseph Roth heißt mit vollem Namen Moses Joseph Roth. Seine Eltern sind Juden. Er kommt am 2. September 1894 in der galizischen Kleinstadt Brody zur Welt. Als er geboren wird, gehört das Gebiet zu Österreich-Ungarn. Brody befindet sich an der Grenze zu Russland. Der Vater verschwindet, als Joseph Roth noch ein Junge ist. Die Mutter konzentriert sich auf die Erziehung des Sohnes. Joseph Roth besucht das Gymnasium. Die Unterrichtssprache ist Deutsch. Er ist ein guter Schüler und schließt das Abitur mit Auszeichnung ab. Nach dem Abitur beginnt er das Studium der Germanistik in Wien.

Joseph Roth und der Erste Weltkrieg

Der Schriftsteller als Journalist

Joseph Roth erlebt den Ersten Weltkrieg als Verlust seiner Heimat. Er bedauert den Zerfall des Habsburgerreiches.Als er seine Hauslehrerstellen verliert, meldet er sich freiwillig zum Militärdienst und wird nach Galizien versetzt. Bis Kriegsende arbeitet er für den Pressedienst. Nach Kriegsende muss Roth sein Studium abbrechen. Er muss Geld verdienen und beginnt, für mehrere Zeitschriften zu schreiben.

1920 verlässt Joseph Roth Wien und zieht nach Berlin. Zuerst schreibt er für den Berliner Börsen-Courier. Danach schreibt er für wichtige deutsche und österreichische Zeitungen gleichzeitig. 1925 wird er Pariser Korrespondent für die Frankfurter Zeitung. Als er die Stelle nach einem Jahr schon wieder verliert, beginnt er, Reisereportagen zu schreiben. Für ein paar Jahre bereist er Russland, Albanien, Jugoslawien, Deutschland, Polen und Italien.

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Die Frauen Joseph Roth heiratet 1922 in Wien Friederike Reichler. Er hat seine Frau in seinem Stammcafé kennengelernt. Doch schon bald wird Friederike krank, sie wird wahnsinnig. Joseph Roth beginnt zu trinken. Seine Frau kann nicht geheilt werden und Roth verlangt die Scheidung. Friederike Reichler wird 1940 ein Opfer der nationalsozialistischen Rassenpolitik. Joseph Roth lernt verschiedene andere Frauen kennen. Die Beziehungen halten nicht lange. 1929 verliebt er sich in eine schöne Exotin, Tochter einer Hamburgerin und eines Kubaners. Doch auch diese Beziehung endet wenige Jahre später.

Joseph Roth als Emigrant Als 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kommen, verlässt der Journalist Deutschland. Er wählt das Exil und hält sich an verschiedenen Orten in Frankreich auf. Obwohl seine Bücher von der Nazis verbrannt werden, hört er nicht auf, seine Werke weiter zu publizieren. Die Kapuzinergruft erscheint 1938 in dem niederländischen Verlag De Gemeenschap.

Tod im Exil Joseph Roth zieht von einer Stadt zur anderen, von einem Land zum anderen. Die Heimatlosigkeit ist für ihn Dauerzustand. 1939 stirbt er in Paris an einer Lungenentzündung.

Innere Wahrheit „Es kommt nicht auf die Wirklichkeit an, sondern auf die innere Wahrheit“, das soll Joseph Roth zu seinen Werken gesagt haben. In der Monarchie und der katholischen Kirche sieht er die einzigen Kräfte, die den Nationalsozialismus aufhalten könnten.

Heimat und Heimatverlust In vielen seinen Werken steht der Untergang Österreich-Ungarns als Metapher für den Verlust der Heimat. Dieses Thema ist zentral in seinen Erzählungen. Das Gefühl der Heimatlosigkeit ist für ihn das Lebensgefühl der Juden überhaupt. Heimweh ist auch die Sehnsucht nach der Heimkehr in eine religiöse Geborgenheit. 119