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Ausgabe #7 | Sommersemester 2016 www.diezeitlos.at

DIE ZEITLOS DAS STUDENTENMAGAZIN

Pfiartuckd! i Innsb

VON DEN BERGEN IN DIE WELT

UNDER AFRICAN SKIES AUSTAUSCH IN EIN NEUES LEBEN

ZU GAST BEIM FEIND ACHTUNG RUSSEN, WIR KOMMEN!

CANADIAN STUDENT‘S LIFE MY SEMESTER ABROAD IN TORONTO

free issue

#7


oder waren noch bis zum Hals im Sandstrand. Nichtsdestotrotz mobilisierten wir nun im Winter (oder ab sofort auch erhältlich als „kalter Sommer“) wieder all unsere Kräfte und stellten wieder ein schickes kleines Magazin auf die Füße. Und das für euch, wie immer kostenlos, zum siebten Mal!

TOBIAS, UTE & LORENZ

Lucky Number Seven! Seit fünf Jahren (jippie!) gibt es nun die Zeitlos. Das heißt wir haben dieses Jahr einen Grund mehr zum Feiern! Und wir sind nach unserer Sommerpause endlich wieder im Papierformat erhältlich.

E

ines habe ich in meiner Zeit als Journalist und als Obmann einer Zeitung gelernt: Kein/e Sau (oder Eber) liest Editorials. Und weil ich an diese unbewiesene Regel auch glaube, halte ich

mich so kurz wie möglich. Nur zwei Dinge sind mir so wichtig, dass ich sie trotzdem ausführlicher loswerden muss: Endlich wieder Print! Nachdem das Sommerloch auch bei uns tatkräftig eingeschlagen hat, wurde uns allen Anfang September wieder klar, dass wir wohl für unsere Bildung auch noch was erledigen müssen. Während einige noch an ihren Projektarbeiten feilten, bewarben sich die anderen für ihren Master

Und Danke! Wie bereits angekündigt, existiert die Zeitlos nun seit fünf Jahren. Über 80 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer machten den Druck von über 15.000 Magazinen und mehreren hundert Online Artikeln möglich. Als wiedergewählter Obmann möchte ich mich dafür bei allen Beteiligten, unseren kreativen Köpfen, unseren Unterstützern und Sponsoren und natürlich auch bei unseren Lesern bedanken. Dank euch gehören wir nun zu den BIG FIVE der größten studentischen Unternehmungen Österreichs. DANKE! Und nun, viel Spaß mit unserer glücklichen #7!

Tobias Pircher Und weils so wichtig klingt:

Obmann und naja Mädchen für alles.

ZEITLOS - DAS STUDENTENMAGAZIN e.V., befindet sich in der Ampfererstraße 29 in 6020 Innsbruck unter der Vereinsnummer ZVR: 99701294 OBMANN: Tobias Pircher | SCHRIFTFÜHRERIN : Ute Schneiderbauer | KASSIER: Lorenz Zenleser DER HARTE KERN: Felix De Zordo, Clemens Rosner, Matthias Schmid, Elfriede Hirsch, Susanne Astl, Sandra Rettenegger, Melanie Hirsch, Janina Berkmann, Ulrich Ringhofer, Veronika Schmidt, Victoria Dutter, Kerstin Schwabenbauer, Ines Condoy Franco, Moritz Jelting, David Minatti-Krauhs, Lars Dornseifer, Nathalie Paulus, Monika Bachhuber | DESIGN&LAYOUT: Tobias Pircher, Lorenz Zenleser | EMAIL&ANZEIGEN: medienimperium@diezeitlos.at | HOMEPAGE: www.dieZeitlos.at

Mit freundlicher Unterstüzung:

Alle Inhalte stammen von Studierenden verschiedenster Hochschulen und werden frei von den Autoren gewählt. Wir gewähren keinerlei Gewähr für die Aktualität, Qualität, Vollständigkeit oder Korrektheit der bereitgestellten Inhalte und Informationen. Haftungsansprüche gegen das Magazin, welche sich auf Schäden ideeller und materieller Art beziehen, die durch die Nutzung oder die Nichtnutzung der angebotenen Informationen bzw. durch die Nutzung fehlerhafter oder unvollständiger Informationen verursacht wurden, sind grundsätzlich ausgeschlossen. Copyright auf alle Inhalte durch den Verein Zeitlos Zeitlos 2016.


Wir suchen Redakteure, Designer, Fotografen, Zeichner, Organisatoren und Marketing‘ler.

MACH MIT!


INHALT issue nr. 7: PFIAT DI INNSBRUCK

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WELT STUDIEREN GENIAL TRENDS ZÜGELLOS

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Canadian students‘ life

Under African Skies

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Erasmus in Innsbruck

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Zu Gast beim Feind

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Videospiele in der Vorlesung

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Hinaus aus Innsbruck

23 24 26 32 41

REZEPT POSTER HOROSKOP „ANGST“ QUIZ & GEWINNSPIEL


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Vier Schnitzel und ein Halleluja

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Interview Badewanne

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Mysterium: Kaugummiautomat

Bis uns der Bissen im Hals stecken bleibt

Sind wir nicht alle ein bisschen...bi?

John Wayne war gestern


WELT | under african skies

Under African Skies AUSTAUSCH IN EIN NEUES LEBEN +

A

ustausch ist kein Jahr in einem Leben, sondern ein Leben in einem Jahr, versprach man mir, und ich sollte nicht enttäuscht werden. Februar 2012, am Golf von Genua, Westafrika. Ich kann nicht recht schlafen heute Nacht. Trotz Deckenventilator ist es zu heiß. In meinem Zimmer steht die Hitze und ich gehe nach draußen, um mir ein Plätzchen auf unserer Terrasse zu suchen. Eine Weile lausche ich mit geschlossenen Augen den zirpenden Grillen und einem Gespräch meiner Gastgeschwister Prince und Efua. Auch sie finden Gefallen an der kühlen Abendluft. Ein paar Brocken Twi, dieser fremdartigen und doch wohlklingenden Sprache, verstehe ich ja schon! Als ich die Augen wieder aufmache, merke ich plötzlich, dass der Strom ausgefallen ist. Es ist dunkel in der ganzen Nachbarschaft, nur die Milchstraße über mir erstrahlt so klar und hell wie nie. Ob ich ausschlafen will oder nicht, hat die Hühner meiner Gastmutter noch nie

Elfriede Hirsch

interessiert und so stehe ich am nächsten Morgen auf und nehme als erstes eine kalte Dusche. Rein in die Schuluniform und auf den Weg zum Taxi. Auch heute übersieht „die Weiße“ niemand und mein Nachbar grüßt mich freundlich über die Gartenmauer hinweg. Als ich ins Taxi steige, ist es noch morgendlich kühl, aber die Sonne wird auch heute wieder nicht auf sich warten lassen. So beginnt der Tag. Straßenlärm und aufkommende Staus, weder Klimaanlagen noch Sicherheitsgurte, dafür Soundsysteme, die einen schon frühmorgens zum Tanzen bringen. Was, du kannst tanzen? Aber du bist doch weiß!? Mit Alkohol können wenige etwas anfangen, aber ob im Taxi, in der Kirche oder auf Großtantes Begräbnis – Dezibel sind obligatorisch. Und auch in der Schule angekommen, geht es erst nach der Nationalhymne und einem Morgengebet in die Klassen. Ich besuche eine islamische Schule, meine zwei besten Freundinnen Najila und

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Samira sind Musliminnen, aber etwa die Hälfte der Schüler sind Christen. Denn gegenseitiger Respekt ist das Maß der Dinge. Kein Wunder: Wieviele verschiedene Ethnien es gibt ist ein ungelöstes Rätsel, aber angeblich spricht Ghana mehr als 30 verschiedene Sprachen. Moscheen nebst Kirchen und Naturheilern, aufgeweckt vom Imam und in den Schlaf gesungen vom Pastor beim Abendgottesdienst. Egal woher du kommst und was du glaubst, solange du an irgendetwas glaubst – gebetet wird zusammen. Und dann gibt es noch eine weitere Religion. Die ganze Nation versammelt sich vor den Bildschirmen, wenn ihre „Black Stars“ spielen, und für neunzig Minuten lässt man den Leuten sogar den Strom. Ein Tor fällt, und der Jubel ist kilometerweit zu hören. Pünktlich um zwei läutet die Schulglocke. Es ist Markttag in meinem Stadtteil und am Heimweg spaziere ich an beleibten Marktfrauen mit Strohhüten vorbei. Hat man Mangos, Kokosnüsse und Avocados nicht hinterm Haus, gibt es sie eben hier,


WELT | under african skies und „chopbars“ verkaufen immer Heißes und Scharfes am Straßenrand. Man kocht und isst und wäscht draußen, überhaupt spielt das Leben viel im Freien. Ich fahre zurück in meine Nachbarschaft und werde es noch viele Male tun, bevor ich fünf Monate später zurück nach Österreich fliege.

Teil der Geschichte sei an anderer Stelle geschrieben. Ernüchtert fahren wir weiter ins Landesinnere nach Kumasi, in die zweitgrößte Stadt. Was für Tirol Andreas Hofer war, ist hier Königin Yaa Asantewaa, die mit ihrem Heer den Widerstand gegen die Briten im Jahr 1900 ein letztes Mal aufleben ließ. Nach Jahren sehe ich endlich meinen Gastbruder Prince wieder. Doch als wir ihn auf den Mt. Afadjato, Ghanas höchsten Berg jagen wollen, werden wir ersteinmal für verrückt er-

Juli 2015, am Golf von Genua, Westafrika. Es war mir wie eine halbe Ewigkeit vorgekommen, und endlich saß ich wieder im Flieger Richtung Ghana. Hat sich viel verändert? Wie wird es sein, alle wiederzusehen? Aber als die Türen des Flugzeugs aufgehen und mir wieder dieser ganz bestimmte erdige Geruch in die Nase strömt, bin ich sofort daheim. Mit reichlich Moskitospray im Gepäck wollen meine Schwester und ich diesmal herausfinden, was Backpacking in Westafrika heißt. Unsere Reise beginnt im Süden des Landes. Wo idyllische Palmenstrände von kalkweißen Slave Castles durchbrochen sind, liegt Accra mit seiner Hauptstadtinfrastruktur. Was immer Europa zu bieten hat, brauchen wir auch hier nicht lange zu suchen. Hotels und Einkaufszentren reihen sich an bunte Straßenmärkte, wo Hausfrauen und herausgeputzte Geschäftsleute leidenschaftlich um billige Preise feilschen. Ein Unabhängigkeitsdenkmal übertrumpft das nächste und der Unicampus ist die grüne Oase der Stadt. Wenige Kilometer die Küste weiter werden Öl und Kakao in alle Welt verschifft. Aber als wir durch Agbobloshie fahren, das Viertel mit dem angeblich größten Elektroschrottplatz der Welt, trübt sich das Bild. Aber diesen

GHANA mit Hauptstadt Accra Spitzname Mother Ghana Einwohner 26 Millionen Amtsprache Englisch Währung Ghana Cedi Fläche ca. 3x Österreich

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Ghana ist laut dem GPI das friedlichste Land Afrikas. Kofi Annan war der erste afrikanische UN-Generalsekretär (1997-2006) und stammt aus Ghana. Das Rot in der Nationalfahne steht für den Unabhängigkeitskampf.


WELT | under african skies klärt. Und am Ende wissen wir tatsächlich nicht, ob wir den Berg oder der Berg uns geschafft hat – im Tropenklima raffen uns selbst 885 Höhenmeter dahin. Also zieht es uns (nach einem Abstecher ins französischsprachige Togo) bald gen Grenze Burkina Faso, wo die drückende Schwüle einem Savannenklima weicht, und auch die Mentalität im muslimisch dominierten Norden ist entspannter. Die Fahrt führt vorbei an Lehmhäusern wie aus dem Bilderbuch, die den Temperaturen hier immer schon besser gerecht wurden als die versiegelnde europäische Bauart. Stundenlang, über Staubpisten durch die Weite des Hinterlands – es ist ein Tag, als hätte man uns die Abenteuerlust zum Frühstück gespritzt. Unser letzter Halt ist dann Mole National

Park. Wegen seiner außergewöhnlichen Artenvielfalt soll er eine der Hauptattraktionen Ghanas sein. Und natürlich, weil man super Selfies mit Elefanten machen kann. Aber warum finden dann nur wenige mit uns hierher? Nicht erst jetzt wird uns bewusst, wie touristisch unerschlossen Westafrika noch ist. Mittlerweile sind wir seit vier Wochen in holprigen Bussen unterwegs und kommen nur mithilfe von Mundpropaganda und dem einzigen Reiseführer, der sich in der Hauptstadt finden ließ, voran. Immer und überall fallen wir mit unseren Rucksäcken und unserer Hautfarbe auf, und einmal fragt uns eine Einheimische ganz ungeniert: „Wie fühlt sich eigentlich blondes Haar an?“ – Wiebitte? Wofür hält man in Österreich eine Weiße,

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die eine unbekannte Schwarze auf der Straße fragt, wie sich ihre Haare anfühlen? Eine Rassistin, eine Rechte, auf jeden Fall ein komischer Kauz muss die sein. Aber schon damals als Austauschschülerin hatte ich gemerkt: In Ghana spricht da schlicht die herzliche Art der Leute, mit Unterschieden zu spielen. Wahrscheinlich hatte die Frau sogar Recht: Auf der Suche nach der Fremde fliegen meine Schwester und ich um den halben Planeten, während wir zuhause nichteinmal wissen, woher die freundliche slawischsprechende Familie in der Nachbarwohnung kommt. Und sie hingegen hat einfach den Mund auf gemacht, und die Welt von ihrer eigenen Türschwelle aus gesehen.


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r e t s e m e S I MC y t r a P g n i n e Op 10.03.2016

#MCIgoesCloud9


WELT | zu gast beim Feind

Zu Gast beim Feind WAS VERBINDEN WIR MIT RUSSLAND? Felix De Zordo

S

ind es die Bösewichte aus den James Bond Filmen oder ist es etwa das russische Staatsballett? Oft ist es negatives, aber doch auch positives. Unser Meinungsbild wird allerdings zurzeit von etwas ganz anderem dominiert. Seit der Ukrainekrise gilt Russland als kriegerischer Aggressor mit Putin als großer Diktator der Nation und Feind des Westens und der De-

Julia Wolf

mokratie. Trotz der vielen Vorbehalte hat unser Redakteur Felix De Zordo in weiblicher Begleitung die Reise gewagt. Eine Geschichte über Moskau, das nicht Russland ist, einem etwas ungewöhnlichen Frauenbild, und ja, dem einen oder anderen Vodkaglas. Angekommen in Russland, warten wir auf die Passkontrolle. Die Schalter sind

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besetzt, die Mitarbeiter geben sich vielbeschäftigt in ihren Privatgesprächen. Die Schlange wird immer länger. Zehn Minuten vergehen bis sich endlich jemand nach vorne traut und siehe da, die Passkontrolle beginnt. Moskau ist anders. Anders als das „richtige“ Russland. So sagen es die Einheimischen aus anderen Regionen und auch ich darf mich noch früh genug davon überzeugen. Mit über elf Millionen Einwohnern gilt


WELT | zu gast beim Feind

Москва MOSKAU

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WELT | WELT | Zu Gast beim Feind zu gast beim feind

RUSSLAND mit Hauptstadt Moskau Schrift kyrillisches Alphabet

Moskau ist mit 10,5 Millionen Einwohnern die größte Stadt Europas.

Einwohner 17x Österreich

Alaska und Russland liegen nur 4 Kilometer voneinander entfernt.

Anzahl Zeitzonen 11 (MEZ+2 bis +11)

1919 erfand der Russe Vladimir Zvorykin den ersten Fernseher.

Wechselkurs 1€ = ca. 70 Rubel

Im Winter sind in Russland Temperaturen von -45° Celius keine Seltenheit.

Fläche 1370x Tirol

Wodka muss in Russland per Gesetz mindestens 37,5 Prozentpunkte Alkohol enthalten.

Moskau als das wirtschaftliche, wissenschaftliche, politische und auch kulturelle Zentrum Russlands. Das schlägt sich auch auf den Gesamteindruck der Stadt aus: reich, gepflegt, fast schon modern. Als nicht russisch sprechende Person hat man es, trotz des europäisch angehauchten Hauptstadtflairs, nicht leicht sich zu verständigen. Das wissen die findigen Geschäftsleute vor Ort natürlich und so kann es schon einmal vorkommen, dass die eine oder andere englischsprachige Menükarte höhere Preise als die russische hat. Stellt sich nur die Frage ob Tirol mit seinen Einheimischen-und Touristenpreisen besser dasteht. Nichtsdestotrotz ist auch hier das negative Image Russlands spürbar. Es kommen merklich weniger Touristen nach Moskau und so blöd es auch klingt, der gute europäische Käse wird vermisst. Die geringe Anzahl an Ausländern in einer solchen Metropole ist nicht zu übersehen. Erst als wir uns dem Kreml, dem uns allen bekannten Befestigungskomplex inmitten Moskaus, nähern, kommen wir in Kontakt mit den ersten asiatischen Reisegruppen auf deren Urlaubsfotos wir unfreiwillig landen. Europäer als auch Amerikaner sind aber auch hier recht wenig vertreten. Gezwungenermaßen müssen wir feststellen, dass Donnerstag der Kreml seine schöpferische Pause hat. Die gewonnene Zeit nutzen wir, uns mit einigen Russen zu unterhalten. Aussagen wie „Wir wurden nicht gefragt bei der Krim“ oder „Es wird Zeit, dass Putin in Pension

geht“ verdeutlichen einmal mehr, dass man Russland nicht nur in Schwarz und Weiß sehen sollte. ES IST HEIß. VERDAMMT HEIß. AM LIEBSTEN WÜRDE ICH RAUSRENNEN. Aber nein, ich wollte ja das ganze Programm, jetzt muss ich es auch ausbaden. Besser gesagt ausschwitzen. Dann beginnt es. Zusammengebundene Birkenblätter schlagen auf mich ein. Ich fühle mich als ob ich gerade in einem Versteck des KGBs gefoltert werde. Meine Schreie werden gekonnt ignoriert, der Kerkermeister ist meiner Sprache nicht mächtig. Schließlich springe ich auf, verlasse die Banya, die russische Sauna, und schütte mir zur Abkühlung einen Ei-

росси́йский* на вся́кий слу́чай Sdràstwui Grüß dich Da Ja Njet Nein Spasìba Danke Poschàlvsta Bitte Piwo Bier Kak delà Wie geht‘s? Hòroscho Gut Plòcha Schlecht * russisch für den Notfall. Just in case.

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mer Wasser über den Kopf. Genug Sauna für einen Tag, zum Regenieren gibt’s Vodka und Schaschlik. TAPETENWECHSEL. WIR BEFINDEN UNS IN PERM. Gelegen am Uralgebirge ist es über 1000 km von Moskau entfernt und zählt knapp über eine Million Einwohner. Die Sommertage in Perm sind lang, der Höhepunkt ist im Juni, wenn es erst um eins dunkel wird und um drei schon wieder hell. Schon als wir aus dem Flugzeug steigen, haben wir das Gefühl im „richtigen“ Russland angelangt zu sein. Kleiner Flugplatz, schlechte Straßen und viel Landschaft. Warum die Straßen so schlecht sind? Die einen behaupten, das hat mit dem starken Temperaturgefälle zu tun. Andere meinen, dass die Unternehmen absichtlich schlecht bauen, um sich auch in den nächsten Jahren fleißig die Aufträge zu sichern. Als wir hören, dass die Bewohner teilweise nur knapp über 20.000 Rubel (ca. 300 €) für einen Vollzeitjob verdienen, wird uns auch klar warum. Natürlich ist das Leben hier definitiv günstiger, 16 Rubel (ca. 0,20 €) zahlt man z.B. für ein Busticket. Trotzdem sind viele, vor allem auch Jugendliche, auf ihre Familien oder auf ihren Schrebergarten, genannt „Sad“, angewiesen. Besonders in Perm spüren wir auch die kulturellen Unterschiede. „Wenn wir Homosexualität erlauben, dann dauert es


WELT | zu gast beim feind

Пермь́ PERM

nicht mehr lange bis Orgien auch normal werden!“ erzählt uns ein junger Mann der uns im nächsten Satz mitteilt, dass er in seinem Leben erst zwei Mal den Abwasch gemacht hat. Schließlich ist das ja auch nicht seine Aufgabe als Mann. Genauso wie hier keine Frauen Koffer schleppen oder gar Holz hacken. Zu Konflikten scheint dies nicht zu führen, vielmehr hat man das Gefühl, dass die Frauen, als auch die Männer es akzeptieren, die jeweils anderen Aufgaben nicht machen zu müssen.

ANDERE LÄNDER, ÄNDERE SITTEN? Im Gespräch mit den Einheimischen, fühlt man sich schon fast privilegiert. Auch sie würden gerne reisen und andere Länder sehen. Ihre Realität mal mit anderen vergleichen können. Doch mit ihrem Gehalt ist das unvorstellbar. Umso interessanter finden sie unseren Besuch und löchern uns mit Fragen über das Studiensystem, die Arbeitswelt und die europäische Sicht auf die Ukrainekrise. Und uns wird klar, dass wir Russland nicht über Putin definieren dürfen.

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Viele Bürger sind selbst mit der Situation unzufrieden und teilen die vorgelebten Werte nicht. Wir Europäer dürfen aber nicht vergessen, dass auch unsere Werte und Sitten nicht perfekt sind und wir diese niemandem aufzwingen sollten. So bin ich froh, dieses doch eher ungewöhnliche Reiseziel gewählt zu haben, um dem Feind mal die Hand zu geben und über einigen Gläschen Vodka russisch-südtiroler-Freundschaften zu schließen. WEITERLESEN „19 RUSSEN UND ICH“ www.diezeitlos.at/2016/02/russland


STUDIEREN | hinaus aus innsbruck

Hinaus aus Innsbruck + Tobias Pircher WO DAS WLAN AUFHÖRT, FÄNGT DAS STUDIEREN AN +

F

ast alle unsere 28.000 Kommilitonen studieren auf Grund der Berge und der Landschaft hier in Innsbruck. Natürlich erleichtern die nicht vorhandenen Semestergebühren und der fehlende Numerus clausus die ganze Entscheidung im geringen Maße. Und obwohl dieses rege landschaftliche Interesse besteht, trifft man außerhalb der Stadt, abgesehen von den überlasteten Skigebieten, nur äußerst selten auf gleichgesinnte Studienkollegen. Da das Studieren in Innsbruck viel mehr zu bieten hat als die billige Segabar, den Hofgarten, die Emma und eine Universitätsbibliothek, hier die Liste: Der 5 Erlebnisse, die deine Studienzeit in Innsbruck wirklich zur besten der Welt machen.

Tobias Pircher

The alternative Sonnenaufgang auf der Nockspitze Es ist 04:30. Man steht mit einem guten Dutzend weiterer Menschen auf engstem Raum, die Füße schmerzen und man wartet bis es endlich soweit ist. Nein, wir stehen nicht im Chillis, sondern auf der Serlesspitze. Und obwohl der Sonnenaufgang am Serles sicherlich wunderschön ist, empfehlen wir euch für euren nächsten Sonnenaufgang die viel nähere und weniger anstrengende Nockspitze. Der Aufstieg beträgt nur 850 Höhenmeter und man wird mit einem Innsbruck Panorama belohnt, welches man vom Serles aus nur vage erahnen kann. Ausgangspunkt für dieses Naturschauspiel ist der Parkplatz des Skigebiets Axamer Lizum, welcher mit dem Auto in circa 20 Minuten von Innsbruck aus erreicht werden kann. Von dort aus geht es über einen gut befestigten Steig in lockeren

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2 Stunden hoch zum Gipfel. Bitte informiert euch aber im Vorfeld über Wetter, Wind und die eventuelle Altschneelage. Ideale Voraussetzungen sind ein wolkenloser Himmel, gutes Schuhwerk und warme Kleidung. Ein Kanada Ausflug an den Obernberger See Während sich am Baggersee die Touristen mit den Studenten um den letzten verbleibenden Grashalm streiten, befinden sich die Einheimischen fernab vom Trubel der Großstadt. Am Ende des Obernbergtales liegt der gleichnamige und wunderschöne Obernberger See. Ausgedehnte Lärchenwälder mit kleinen Lichtungen und vielen Flüssen erinnern viele Weltreisende an Kanada. Der See liegt in einer großen Bergmulde und war bereits im 15. Jahrhundert ein beliebter Urlaubsort für Adelige. Heute


STUDIEREN | hinaus aus innsbruck

Die erste Hütte? Hey, wie kommen wir nun zur Hütte? So ein Google Maps wär fein! Das gibt es natürlich auch, ob mit oder ohne GPS, ob Android oder iOS, die Auswahl ist groß. Ich verwende zum Planen der Wanderrouten oudooractive.com und fürs Smartphone „Easytrails Pro“.

Schreib der Schutzhütte mal ne Email zwecks Reservierung! Besser nicht, sondern ruf einfach an! Hütten sind sehr einfache Gästhäuser, keine fünf Sterne Paläste. Mit dem Telefon ist man hier deutlich schneller am Ziel.

Was brauche ich für die Hütte noch alles? Einen Hüttenschlafsack und Hausschuhe.

steht das gesamte Gebiet unter Naturschutz und bietet mit seinem See einen wundervollen Ort für die ein oder andere frische Abkühlung an heißen Tagen. Mit den Öffis kommt man innerhalb von 50 Minuten an den Ausgangspunkt namens Waldesruh. Von dort aus erreicht man den See über eine Forststraße in 20 Minuten. Mit ins Gepäck müssen eine Jause, 20 Euro und ein Badetuch.

Die Magie von Schutzhütten Das Übernachten auf Schutzhütten zählt wohl zu den tollsten Sachen, die man im Alpenraum machen kann. Während alle anderen Wanderer, müde vom Aufstieg, wieder Richtung Tal pilgern, macht man es sich hoch in den Bergen in fluffigen Hausschlappen bequem und genießt den Tee oder das Bier zum Sonnenuntergang. Traditionelle und nahrreiche Kost, mo-

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Wann haben die Hütten überhaupt offen? Das richtet sich nach der Altschneemenge. In der Regel von Mai bis Oktober. Alle Infos zu Tirols 176 Schutzhütten findet ihr auf der Seite des Alpenvereines Tirol.

Und wie wird den das Wetter? Vergesst bitte dieses Flachland Yahoo Wetter und gebt mal dem alpinen Wetterdiensten (Alpenverein Wetter Tirol) eine Chance.


STUDIEREN | hinaus aus innsbruck derne Infrastrukturen und einheimisches Personal machen die lokalen Schutzhütten rund um Innsbruck einzigartig. Im Raum Tirol war ich bereits auf einer Vielzahl von Hütten und könnte sie eigentlich fast ausnahmslos alle empfehlen. Insgesamt umgeben 176 Alpenvereinshütten die Landeshauptstadt ,welche je nach Ausstattung 15 bis 100 Personen beherbergen können. Für Öffis, ein dreiteiliges Abendessen, einen Schlafplatz, ein ausgiebiges Frühstück und eine Hüttenjause, kann man mit circa 40 Euro rechnen. Alpenvereinsmitglieder dürfen davon rund fünf Euro abziehen. “Nächtliches Ruhen” am Salfeiner See Er gehört zu den außergewöhnlichsten und meist fotografiertesten Seen in Tirol: der Salfeinsee. Er liegt auf rund 2.000 Höhenmetern und er kann in zwei Stunden von Sellrain aus (Öffis!) erreicht werden.

Die 800 Höhenmeter verlaufen durch dichte Wälder bis man kurz nach Erreichen der Baumgrenze an den See kommt. Der See selbst liegt auf einem großen Hochplatteu und ist auch im Winter ein beliebtes Ziel für Tourenskigeher. Wenige Meter nördlich vom See steht das Figlkreuz, von wo aus man über das gesamte Stadtgebiet Innsbrucks bis tief ins Inntal blicken kann. Wer sich erst an einem späten Nachmittag für diese Wanderung entschließen sollte, ist gut beraten sich einen Schlafsack, Zelt und Liegematte mit in den Rucksack zu stopfen. Die windsicheren Gräben rund um den See bieten sich für ein “nächtliches Ruhen” ideal an. Bei guten Wetter wird man mit einen massiven Sternenhimmel und einen wunderschönen Sonnenaufgang über der Nordkette belohnt. Mit dem Schiff über den Achensee

Mit rund 35 Euro, sicherlich nicht die billigste Tagesbeschäftigung, aber bei schönem Wetter mit Sicherheit eine der schönsten, die man in Tirol machen kann. Ausgangspunkt unseres letzten Tipps ist Pertisau, ein Dorf am Achensee. Mit Hilfe einer Spende von 11 Euro an unsere Öffis, erreicht ihr den Startpunkt von Innsbruck aus in circa 50 Minuten. Die Wanderung verläuft nun über einen gut gepflegten Wanderweg immer die Küste entlang bis nach Achenkirch im Norden des Achensees. Immer wieder laden Strände und Buchten zum Faulenzen oder Wirtshäuser zum Einkehren ein. Je nach Wanderlust erreicht man Achenkirch in 2 bis 3 Stunden. Von dort aus geht es mit einem Wanderschiff (10 Euro pro Person) wieder zurück zum Ausgangspunkt. Wer mit Auto und Freunden anreist, kann sich die relativ teuren 22 Euro für die Öffis natürlich sparen.

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STUDIEREN | canadian students‘ life

Canadian students‘ life MY SEMESTER ABROAD IN TORONTO +

M

y alarm clock is ringing. It’s very early in the morning but I am getting up with a lot of excitement as today will be the beginning of a big adventure: My semester abroad in Toronto starts now. So I get up and once again I check the size and weight of my luggage just to avoid nasty surprises at the airport. I heard a lot about Toronto and Canada in advance, not only about the country itself but also about the people. Canada is the second largest country in the world according to its size and I am now really looking forward to get the chance to explore this awesome part of the world. Goodbyes, a new time zone and unforeseen surprises On my way to the airport I feel the excitement increasing more and more. After my check-in it’s time to say goodbye to my family and boyfriend – I hate goodbyes

Janina Berkmann

and can’t hold back some tears. Let the adventure begin! 8 hours, 3 movies and 2 meals later I arrive at Toronto’s airport. I grab my luggage and move on to the passport control. As a temporary student I do not even need a Visa to get into Canada, which is very nice. Already at the airport I recognise a lot of different cultures and people all around me. I am very happy to meet my friend Steffi, once I arrived at the hotel but I am very tired from my journey and all I want for now is sleep. The first point on our to-do-list on the next morning is to find a flat. Fortunately we find a nice place to stay pretty quickly and now live in a shared house, only a few kilometres away from our university. Starting to settle down into our new hometown, we decide to get some administrative tasks done for university. The first impression of the campus is as simple as that: It’s HUGE. Nothing compared to our nice assessable campus back in Innsbruck. Oh and the biggest difference to home I clearly recognize: the prices for

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CANADIAN PRICES AVERAGE BUCKS FOR... A COFFEE (CAPPUCCINO) ...........

$5,-

BEER IN DOWNTOWN ..................

$7,-

PER MULLED WINE .......................

$8,-

FLAT RENTAL PRICE ......................

$500+

PER PIZZA .......................................

$8,-

ENTRY FEE FOR CLUBS .................

$15,-

LONG DRINK PRICE IN CLUBS .....

$15,-

the books are over the sky! It’s kind of equivalent to the rent back home in Innsbruck. Anyways, all the people are very nice and welcoming, which seems to be typically Canadian. No matter where you are most people living here are open-minded, helpful and very nice, regardless if you talk to a stranger or a friend. I bet the world would be a better place if everybody would act only slight-


STUDIEREN |

canadian students‘ life

ly like this all over the world. I am already afraid of getting a reversal cultural shock when I arrive back home to be honest. Cultural differences, a beautiful skyline and a lot of water Canada got me now, with all my heart! The people, the university and the cities are simply amazing. Our next adventure starts just around the corner, downtown Toronto. The first impression is simple amazement. Toronto seems like a city with so many different facets. There is a huge financial district with massive skyscrapers and impressive modern glass facades, as well as the CN tower with its 553 meters height. Also there are huge shopping centres as well as massive food markets, where you can find anything you can imagine from local farmers as well as from all over the world. On the other side you find nice little food markets, amazing street artists, small outrageous shops, delicious coffee shops and an unbelievable diversity of cultures from all over the world. China town is only one example reflecting

the great diversity of this city. Another great opportunity to get another view from the city we discovered, are the patio rooftop bar all around the city. Especially during summer there are a lot of Festivals and Events happening in Toronto nearly everyday. We get the pleasure to take part in one of the most famous festivals, the TIFF (Toronto International Film Festival), which is celebrating its 40th birthday this year. On the main streets of this awesome city you will not get bored at all, there is always something going on. Another highlight of the city are the islands just beside it. Arriving there you don’t feel like being in a city anymore. There are boats everywhere on Lake Ontario, you can go to the beach and relax or simply find yourself in one of the nice bars, having a drink with the most amazing few of the skyline of Toronto. At the latest, when you are sitting on a bench in the park on the islands, while looking at the lights of the skyline of Toronto at night you will fall in love with this city. We definitely did! One thing you can’t miss, if you are in Canada is a visit to the Niagara Falls,

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which is located only a around 2 hours by bus from Toronto, just next to the border to the US. Arriving at Niagara Falls, while heading to the water with the bus I am looking out of the window and I am simply impressed. “WOW!” is all you hear all over the bus. Everybody always talks about the massive waterfalls and the power behind this natural spectacle but now, as I am actually staying in front of it, it makes me even speechless. Also the downtown of Niagara Falls is packed with attractions, which is why locals sometimes call it the “Little Las Vegas”. This area is definitely worth a visit! A short visit to France, the big Apple and a shocking fact The next trip on our adventure brings us to Montreal. We immediately feel there is a difference between Toronto and Montreal and it seem like the people are not as open anymore. It feels a bit like Europe, somehow like being in France. However, it’s a nice little city with a lot of small little cafes, a beautiful old town and an impressive Harbour. To sum it up, Montreal has a lot to


STUDIEREN | canadian students‘ life

CANADA , the second-largest country in the world, after Russia with capital Ottawa Surface Area 1/4 of the moon‘s surface

Lowest temperature recorded in Canada: -63°C in 1947.

Crime rate has been falling for more than 20 year

Canada has more lakes than the rest of the world’s lakes combined.

Phone area code first global number: +1

A „double-double“ is a coffee with double cream and double sugar.

discover and a huge diversity of different cultures, but if it feels a lot more like Europe than Canada. A few weeks later we decided to head over to the US to visit New York. To keep it short and simple, it’s exactly what you expect it to be. It’s huge, it’s nice, it’s different and it’s very American. Again the one thing that really impresses me is the cultural difference all over the city. Heading over to Chinatown or Little Italy you will actually feel like being in a different coun-

try. We spent awesome days there visiting all the tourist attractions and some insider hotspots. We met very nice people and definitely brought more back to Toronto, than just some souvenirs and a suitcase from Chinatown … a lot of experience and wonderful memories. By the time we are flying back to Toronto, we realize how fast the time has already passed. Overall, I am absolutely amazed by my exchange semester already. I really like how people treat each other here in

halbe seite

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With 1,896 km the Yonge Street in Canada, is the longest street in the world. You can write in any language to “North Pole, H0H 0H0, CANADA”, and get a letter back from Santa.

Canada and even if I am already missing the mountains, I can tell that I will leave this country with a crying and a laughing eye. Thinking back to all the adventures, memories and the people I met in Canada, I can only recommend anybody, who has the chance to visit this or any other country during their studies, to do so. You will not be disappointed by the awesome memories and experiences you are going to make, the people you will meet and the way it will broaden your worldview.


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warum erasmus in innsbruck

Warum Erasmus in IBK? + WARUM ANDERE STUDENTEN NACH INNSBRUCK KOMMEN Tobias Pircher +

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nnsbruck, wir alle wissen, ist eine Studentenstadt. Und wenn wir eine Stadt mit vielen Studenten haben, gibt es auch viel Erasmus. Im Jahr 2012/13 haben mehr als 270.000 Studenten mit Erasmus in einem anderen europäischen Land studiert. Die Universität Innsbruck hat 500 Vereinbarungen mit Auslandsuniversitäten mit Erasmus und anderen Mobilitätsprogrammen. Aber warum ist Innsbruck ein Ziel für Erasmusstudenten? Vielleicht können wir annehmen, dass wegen dem Dialekt Deutsch lernen hier schwieriger ist als an einem anderen Ort, dass Innsbruck eine zu kleine Stadt ist oder dass man zum Reisen schlechtere Verbindungen mit Europa hat. Um unsere Fragen zu beantworten haben wir sie gefragt. Wir haben nicht nur Eras-

Ines Condoy Franco aus Madrid

mus-Studenten gefragt, sondern auch Leute die an anderen Mobilitätsprogrammen teilnehmen. Und sie kommen aus verschiedenen Ländern wie Italien, Spanien, Frankreich, Finnland, Niederlande/ Holland, Mexico, Russland oder Belgien, und aus vielen mehr. Die meisten studieren einen Bachelor in Wirtschaft, Translationswissenschaft, Medizin, Geographie, Sport oder Lehramt. Und es gibt auch welche, die ein Masterstudium machen. Fast alle sprechen jetzt Deutsch und lernen die Sprache, während sie in Österreich sind. Und die Sprache lernen und verbessern ist einer von den häufigsten Gründen für ihre Wahl. Außerdem kommen sie zum Skifahren, in der Natur Sein, Reisen, anderen Sport wie zum Beispiel Wandern machen und manche kommen zum Inspiration finden. Innsbruck war die erste Wahl für fast alle und die übrigen wollten auch nach Österreich gehen. Aber sie haben nicht viel über die Stadt

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gehört und fast keiner hat Innsbruck vor dem Austausch schon besucht. Einmal hier angekommen, sind sich alle einig und sagen, dass die Stadt ihre Erwartungen übertroffen hat. Die Stadt gefällt ihnen, sie finden sie sehr schön, wenn manche sich auch ein regeres Unileben erwarteten haben, oder sie nur wenig Deutsch lernen. Viele besuchen auch andere Teile von Österreich und sagen über die Tiroler, dass sie sehr nett und freundlich sind und vielleicht ein bisschen komisch mit ihrer typischen Tracht. Für jeden gibt es eine andere Sache, die sie ein bisschen erstaunlich finden und warum sie Innsbruck im Vergleich zu ihrem Heimatland anders wahrnehmen. Alle denken, dass nach Innsbruck zu kommen eine sehr gute Entscheidung war.


STUDIEREN |

videospiele in der vorlesung

Videospiele in der VO Moritz Jelting

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er Vorlesungssaal, Ort des Erklärens und Zuhörens. Hier soll man fleißig dem dozierenden Professor lauschen, um den einzig wahren Grund zu erfüllen, warum man auf die Universität geht: das Studieren. SOWEIT ZUR THEORIE, DOCH WIE SO OFT SIEHT DIE REALE WELT GANZ ANDERS AUS. Da wird dann doch eher dem Nachbarn die heißesten Gerüchte der letzten Nacht erzählt, die neuesten Kritzeleien auf den Bänken begutachtet oder das Smartphone gezückt und gezockt. Denn nicht nur in Bus und Bahn, auch im Vorlesungssaal hat das allgegenwärtige Zocken jetzt ganz normalen Einklang gefunden. Dieses Spielen von Videospielen hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Sind die Nerds in den Neunzigern noch für ihr viel zu zeitfressendes Hobby belächelt worden, füllen in der heutigen Zeit die Weltmeisterschaften beliebtester Online Spiele riesige Hallen und die Top Elite der sogenannten E-Sportler kann mehr als nur davon leben. Noch dazu „videospielt“ gegenwärtig nahezu jeder. Früher musste man noch den grauen klobigen Kasten namens Gameboy kaufen

Lorenz Zenleser

und samt Spielen herumschleppen, heute kann jeder auf seinem Smartphone nicht nur die neuesten Spiele, sondern auch noch das Tetris von damals spielen. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis die Videospiele auch den Vorlesungssaal erobern. Doch was sind das für Menschen, die partout nicht den weisen Worten des Professors lauschen wollen und sich lieber dem scheinbar nutzlosen Trieb des Spielens hingeben? Die Zeitlos hat sich dazu furchtlos in unzählige Vorlesungen gestürzt, um diesem Mysterium auf die Schliche zu kommen. Dabei sind wir drei

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Gattungen des Vorlesungsvideospielers begegnet: TYP 1: DER GELEGENHEITSSPIELER Die erste und zugleich größte Gruppe stellen die Gelegenheitsspieler dar. Die Gelegenheitsspieler zocken nicht wirklich des Zockens Willen. Manch einer behauptet sogar, die Vertreter dieser Gruppe gehen mit der Intention aufzupassen in die Uni! Wären da eben nicht diese Gelegenheiten. Wenn zum Beispiel der Psychologieprofessor zum dreihundertsechzigsten Mal über Freud philosophiert, bleibt dem


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videospiele in der vorlesung

ein oder anderen eben nichts anderes übrig, als sich anderweitig zu beschäftigen. Flink ist da das Smartphone gezückt oder der ein oder andere Tab im Browser aufgemacht. Spitzenreiter sind hier natürlich kurzweilige Spiele wie Candy Crush, Angry Birds oder Quiz Duell. Bei letzterem muss sich der Gelegenheitszocker dann doch zusammenreißen, um nicht den Geschichtsprofessor als Joker für geschichtliche Fragen einzusetzen. Es ist nur wichtig, dass das Spiel nicht nur schnell angefangen, sondern auch schnell wieder aufgehört werden kann. Doch steckt der Gelegenheitsspieler ein bisschen in allen von uns. Es ist nur eine Frage der Selbstdisziplin und des Mangels an anderen Möglichkeiten, ob er herausgelassen wird, oder nicht. TYP 2: DER HALBGEPLANTE GAMER Nach außen hin unterscheidet sich der halbgeplante Gamer kaum vom gemeinen Gelegenheitsspieler. Doch der Schein trügt! Von der Herangehensweise des Aufpassens noch gleich, unterscheidet sich der halbgeplante Gamer durch seine viel höhere Bereitschaft, von den weisen Worten des Professors abzuschweifen und sich dem frenetischen Zocken zu widmen. Beim halbgeplanten Gamer sitzt der Game Boy schon im Anschlag oder es ist bereits ein Ordner mit dem Namen „Vorlesungsspiele“ auf der Startseite des Smartphones oder dem Desktop gespeichert. Nur für den Fall der Fälle. Doch dieser Fall tritt eben durchaus häufig ein. Sobald Schlüsselsätze wie „Ich weiß, sie haben das schon öfters in ihrem Studiengang gehört…“, oder „dies ist jetzt nicht prüfungsrelevant, aber…“ fallen, beginnt ein biochemischer Prozess im Gehirn, der jegliches weitere Zuhören unmöglich macht. Einmal begonnen, kann diese Gattung des Vorlesungsvideospielers auch nicht einfach so aufhören. Deswegen werden größere Spiele in den Vorlesungen gezockt. Es wird unter anderem daran gearbeitet, alle 151 Pokemon in einer den alten Editionen zu fangen, das 152ste Mal Prinzessin Peach vom bösen Bowser zu befreien oder die daily quests bei Hearthstone abzuarbeiten.

Wichtig bei den Spielen ist jedoch, dass pausiert und abgespeichert werden kann, denn meistens flaut die Zock-Bereitschaft langsam ab. Oft ist es ein pochendes, schlechtes Gewissen, meist jedoch die Angst, etwas Wichtiges zu verpassen, das den halbgeplanten Gamer wieder auf den Boden der Tatsachen bringt und in die akademische Gegenwart

YOU WANT TO PLAY A GAME? TETRIS für Architekturstudenten

• SURGEON SIMULATOR für Medizinstudenten

• DIE SIMS

für Erziehungswissenschaftler

• DER LANDWIRTSCHAFTSSIMULATOR 2016 für Agrarwissenschaftler

• The Stanley Parabel für Philosophiestudenten

• Pokémon

für Veterinärmedizinstudenten

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zurückholt. TYP 3: DER GEWISSENLOSE ZOCKER Eben dieses Gewissen fehlt der finalen Gattung: dem gewissenlosen Zocker. Hier sind weder Gelegenheiten noch Schlüsselsätze vonnöten, damit zur virtuellen Unterhaltung gegriffen wird. Schon im Vornhinein geht es mit der festen Intention in die Vorlesung, die kostbare Aufmerksamkeit nicht den Erklärungen des Professors, sondern den vielen Pixeln des Laptop Bildschirms zu widmen. Besonders häufig ist dieses Verhalten bei unnötig langen, verpflichtenden Veranstaltungen zu beobachten. Der Hörsaal wird wie eine große LAN-Party angesehen, zu der alle Kommilitonen eingeladen sind und bei der es auch noch kostenlose akademische Unterhaltung während der Ladezeiten gibt. Oft werden hier Multiplayer Titel gespielt. Eine Runde Age of Empires 2 gegen die gesamte Hinterbank? Kein Problem! Einen Mitspieler am anderen Ende des Saales wüst beschimpfen, weil er einen mal wieder bei Counter Strike abgeschossen hat? Kann passieren! Alles ist erlaubt und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich der Professor selbst mit dem Uni-PC einloggt um zu zeigen, wer mit der AK-47 am besten umgehen kann. FAZIT: Manch einer möchte jetzt den disziplinaren Verfall der Studenten heraufbeschwören. Soweit wollen wir hier jedoch nicht gehen. Denn vor dem Gelegenheitsspieler kommt noch das Ablenken anderer, vor dem Halbgeplanten Gamer das gemeine Stören des Unterrichts und vor dem gewissenlosen Zocker das gar nicht erst erscheinen . Man könnte argumentieren, dass die Videospiele die Vorlesungen vor weit Schlimmerem bewahren und irgendwo da draußen gibt es bestimmt eine psychologische Studie, die belegt, dass partielle Aufmerksamkeit zu einem besseren Verständnis führen kann. Es muss jedem selbst bewusst sein, wie sehr er seine kostbare Aufmerksamkeit während der Vorlesung verteilen will. Denn am Schluss sind nicht die Videospiele, sondern immer einer selbst für schlechte Noten verantwortlich.


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DIE ZEITLOS DAS STUDENTENMAGAZIN


Photo by DAVID MINATTI-KRAUHS

DIEZEITLOS.AT


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der beisl - test

Vier Schnitzel und ein Halleluja + DER ZEITLOS BEISL TEST Tobias Pircher

Felix De Zordo, Clemens Rosner, Matthias Schmid

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as Wiener Schnitzel gehört zu einer der weitverbreitetsten Speisen in Österreich, und das aus einem guten Grund. Und wo bekommt man ein besseres Schnitzel, als in einem Beisl? Eine traditionelle Alternative zu den ganzen neuen Gastro-Ideen, bei denen noch Bier statt Aperol serviert wird, und es statt Tofu noch das gute alte Schnitzel zum Essen gibt. Dort wo die Welt eben noch ein bisschen uriger ist. Vier Lokale, vier Schnitzel, ein Test.

David Minatti-Krauhs

Gasthaus Lewisch Ort: Bienerstraße 19, Saggen Text: Clemens Rosner

Das Gasthaus Lewisch, inmitten des bürgerlichen Viertels Saggen gelegen, verwöhnt seine Gäste seit fast 100 Jahren mit traditionellen Köstlichkeiten. Im Erdgeschoss einer Wohnzeile angesiedelt, bietet es schon im Eingangsbereich ‚Beisl-Charakter‘ in Reinkultur. Dunkle Holzvertäfelungen, eine urige Bar mit ebenso urigen Figuren am Tresen und Tiroler Volksmusik vom Heimatsender U1. Aufgeteilt ist das Gasthaus in drei

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Gaststuben, wobei die im hinteren Bereich gelegene eindeutig am ‚modernsten‘ wirkt. Schnitzel mit Salat und wahlweise Pommes frites oder Petersilienkartoffeln gibt’s um günstige 10,50€. Trotz guten Besuches, wird man von der jungen Kellnerin schnell und freundlich bedient. Das Schnitzel begeistert durch die besondere Panier (= österreichischer Begriff für Panade), schön dünngeklopftes Fleisch und der Geschmack erinnert an das gute alte Sonntagsschnitzel bei Oma. Die Pommes sind leider nicht goldbraun, sondern eher gelb und daher auch nicht besonders knusprig. Die Portion ist genau richtig:


sättigend, ohne aber auf das zweite Bier aufgrund von massiver Überfressung verzichten zu müssen. Besondere Erwähnung verdienen die Toiletten im Lewisch: Lokale, die heutzutage besonders hip, 70er-Style und flohmarktartig wirken wollen, können sich im Lewisch-Klo inspirieren lassen. Tiroler Weinstube in der Gumppstraße 38, Pradl Text: Matthias Schmid

Die Tiroler Weinstube in Pradl hat definitiv das Prädikat „urig“ verdient. Egal, ob damit nun die in die Jahre gekommene Inneneinrichtung oder so mancher Stammgast gemeint ist. Kaum betritt man das Lokal, steht man schon direkt an der Bar und mitten in den hitzigsten Diskussionen der Stammgäste. Wer diesem Trubel lieber entgehen will, begibt sich durch eine Glasabtrennung in

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der beisl - test rin bedient wird. Das stetige Lächeln auf den Lippen und die gute Laune beeindrucken, betrachtet man den doch sehr „betreuungsintensiven“ Stammgastbereich.

TENGLER

eine der beiden hinteren Stuben, in den Nichtraucherbereich. Das Wiener Schnitzel überzeugt durch seine schöne goldige Panier und dadurch, dass sich diese auch leicht vom vorbildhaft dünn geklopften Fleisch ablöst. Eine großzügig bemessene Portion Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat, den man den Pommes vorziehen sollte, schlägt mit sensationellen 6,50€ zu Buche. Und etwas das sehr positiv auffällt ist, dass man bei der Nachfrage nach Ketchup nicht etwa ein Päckchen, sondern, wie von zu Hause gewohnt, eine ganze Flasche Ketchup hingestellt bekommt. Die Bedienung ist stets freundlich und man muss fast schon von wieselflink sprechen, wenn man sieht, dass das gesamte Lokal einschließlich Bar von nur einer Kellne-

Schüssel gemischten Salat rechtfertigt dies vollkommen. Das Schnitzel selbst konnte auch überzeugen: gut gewürzt, saftig und sogar die Butter konnte man herausschmecken. Abgerundet durch eine schnelle Küche und hilfsbereiten Kellnerinnen ist das Tengler eine absolute Empfehlung für alle Innsbrucker und -innen.

Gasthaus Tengler Ort: Höttinger Au 60, Höttinger Au

Gasthaus Steneck Ort: Leopoldsstraße 21, Wilten

Text: Felix De Zordo

Text: Felix De Zordo

Das Tengler bietet die ideale Mischung aus Beisl und Gasthaus. Während der Raucherbereich standardmäßig direkt im Barbereich angesiedelt ist, bietet der Nebenraum eine rauchfreie Zone. Diese wird allerdings leider dem ‚Gasthaus-Charakter‘ nicht gerecht und so geht etwas dieser Atmosphäre verloren. Wen der Rauch nicht stört, sollte deshalb lieber den Barbereich aufsuchen. Neben dem, leider mittlerweile einer Baustelle gewichenen, Gastgarten ist das besondere Highlight dieses Lokals sicher dessen Kegelbahn. Aber Achtung: besser früh genug reservieren, sonst steht ihr ohne Abendbeschäftigung da. Preislich ist das Tengler zwar im oberen Bereich, das Wienerschnitzel kostet 12,00€, doch die Portion mit (leider etwas zu dicken) Pommes, Preiselbeeren und einer großen

Wenn man das Gasthaus Steneck nicht kennt, würde man wohl eher nur daran vorbeispazieren. Bei näherer Betrachtung wird es jedoch zum Geheimtipp und

LEWISCH

STENECK

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der beisl - test

bietet neben dem günstigen Essen auch das richtige ‚Beisl-Ambiente‘. Im Sommer ist der kleine Gastgarten des Lokals ein Muss, der durch einen separaten Eingang erreicht wird. Das Schnitzel, oder man könnte fast meinen das halbe Schwein, ist riesig und bedeckt den ganzen Teller, auf dem sich darunter die Beilage befindet. Ein zweischneidiges Schwert: Einerseits freut das natürlich die Gäste, allerdings

wird das Essen an sich eine Herausforderung. Die Panade scheint fast schon perfekt, das Schnitzel könnte allerdings einen Hauch saftiger sein. Von Haus aus wird das Schnitzel mit Kartoffelsalat serviert, was schade war, da die Pommes auf ganzer Linie überzeugen: innen weich, außen knusprig. Für 7,50€ konnte sich die Portion sehen lassen, wenngleich keine Preiselbeermarmelade mitserviert wur-

de. Durch die Kompaktheit des Lokals wurden wir auch schnell und freundlich bedient. Die Vegetarier unter uns werden hier allerdings wenig Freude haben, abgesehen vom gebackenen Camembert und Kaspressknödeln bleiben nicht viele Speisevarianten für sie übrig.

FAZIT: Alle Beisln und vor allem Schnitzel konnten uns auf ihre Art und Weise überzeugen und wir können sie ausnahmslos weiterempfehlen. Vorausgesetzt man erkennt den Charme solcher Einrichtungen. Nichtsdestotrotz kann es nur einen Sieger geben. Die Entscheidung fiel uns definitiv nicht leicht, doch in Punkto Schnitzel, Preis/Leistung, Location und Service erhält das Siegerkrönchen (dank des Gastgartens in zentralster Lage) das Gasthaus Steneck!

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mysterium: kaugummiautomat

Mysterium: Kaugummiautomat + ÜBER IHRE ERSCHAFFER, AUFSTELLER Tobias Pircher UND BENÜTZER +

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Ute Schneiderbauer

ie lauern dir an so mancher Straßenecke auf, locken mit bunten Kaugummis und kleinen Spielsachen, die Kindheitserinnerungen aufleben lassen. Wo hängen die Automaten ab, die, beständig wie sie sind, jahrelang Wind, Wetter und Vandalismus standhalten? Wer füllt Kaugummis nach und nimmt dafür den Kleinschotter mit? Vor allem, gibt es in Innsbruck nostalgische Studierende, die ihre wenigen Extramoneten nicht in der Ritze des Sparschweins, sondern in der des Kaugummiautomaten verschwinden lassen?

Sortiments waren die Folge. Heute zählt die Unternehmensgruppe 60 Angestellte und diese kümmern sich um insgesamt 100.000 Automaten. Unterschieden wird zwischen Innen- und Außenautomaten, für die entsprechende Befüllungen angeboten werden. Finden Automatenbenützer in Außenautomaten Kaugummis und kleines Spielzeug, drehen sie sich vielleicht in einem Wirtshaus für die gleiche Münze eine Handvoll Erdnüsse raus. 1981 wurden erstmals Kondomautomaten positioniert, die sich so großer Beliebtheit erfreuten, dass sie heute nun oft in Kombination mit Sex Gags, Sexy Dessous o. Ä. die Toilettenwände zieren.

Vermietet werden die Automaten von einer Firma namens „Warenautomaten Georg Schwarz“ mit Sitz in St. Johann im Pongau. Seit der Gründung 1966 stieg die Nachfrage kontinuierlich. Neugründungen im Ausland und Erweiterung des

Die Geräte werden gegen Unterzeichnung einer Platzmietvereinbarung an meist hochfrequentierten Plätzen aufgehängt oder hingestellt und zwar genau da, wo tendenziell am meisten Kinder vorbeilaufen. Der Platzvermieter geht natürlich

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nicht leer aus, denn für jede verkaufte Füllung erhält dieser eine Provision, die zuvor vertraglich festgelegt wird. Wenn dann nun so ein stylischer Automat an einem Privatzaun hängt, haften die Vermieter zwar im Falle von Diebstahl oder Vandalismus, sie müssen sich aber ansonsten nicht im Geringsten um diesen magischen Kindermagnet kümmern. Betreut werden die Automaten nämlich von Angestellten der Firma Georg Schwarz selbst. Kaugummis werden ausgetauscht, neues Spielzeug wird nachgefüllt, das Kleingeld wird mitgenommen. Es versteht sich von selbst, dass viele Kinder heutzutage lieber auf ihrem Smartphone rumdrücken und die mechanischen Wunder hinter ihnen an der Bushaltestelle übersehen. Das Kleingeld, das sie von Oma zugesteckt bekommen, wird nicht für eine einzige Kugel Kaugummi ausgegeben, sondern in eine ganze Pa-


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mysterium: kaugummiautomat

ckung des picksüßen Gaumenschmauses investiert. Doch wie steht es um Innsbrucks Studierende? Dreht sich jemand unseres Alters in den „narrischen fünf Minuten“ des Tages, in denen man auch mal kindisch ist, vielleicht ein Spielzeug raus? Ich habe mich in meinem Bekanntenkreis der Innsbrucker Studierenden mal umgehört und siehe da, ich bin nicht allein. Sie mögen körperlich erwachsen wirken, doch im Herzen sind sie manchmal noch kleine Kinder. Vor allem aus Jux und Tollerei beim Barwechsel in der Partynacht ist schnell eine Münze gezückt und der

Gummiball versüßt der ganzen Truppe den Abend. Ansonsten werden diese Faszinationen unserer Kindheit leider nur mehr wenig beachtet. Nach jahrelangem Sammeln von Erfahrungen habe ich allerdings festgestellt, dass 90% der Männer es mehr als entzückend finden, wenn die Frau mit diesem kindlichen Leuchten in den Augen auf einen Kaugummiautomaten zustürmt und hektisch in der Geldtasche nach dem passenden Kleingeld kramt. Üblicherwei-

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se haben Männer nicht nur jede Menge Kleinschotter in ihrer Geldbörse, sondern nehmen zusätzlich die Rolle des „Retters“ ein. Und wenn dann die Dame einen süßen Plastikring in Kindergröße am kleinen Finger trägt, wird sie ihm natürlich auf ewig dankbar sein dafür. So zieht jede/r seinen/ihren Nutzen daraus: die Firma „Warenautomaten Georg Schwarz“, er und sie, aber auch jene Person, die heute noch nostalgisch genug ist und den Gartenzaun mit diesen mechanischen Wundern schmückt.


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bis uns der bissen im hals stecken bleibt

Bis uns der Bissen im Hals stecken bleibt WANDEL+ZURTobias NACHHALTIGKEIT Pircher Victoria Dutter

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ier und Habsucht, Besitzansprüche und Forderungen, Wünsche und Erwartungen – Schlagworte, die unsere heutige Konsumgesellschaft nur allzu treffend beschreiben. Alles, angefangen von Lebensmitteln über Kleidung bis hin zu Elektrogeräten, landet bei uns auf dem Müll. Doch mittlerweile scheint es, als habe sich in der Gesellschaft ein mentaler Wandel vollzogen. Hat unsere Konsumgesellschaft ein Ablaufdatum? Einhundertsiebenundfünfzigtausend Tonnen Nahrungsmittel im Wert von über einer Milliarde Euro – diese Zahlen muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Doch wer denkt, dass wir uns diese Nahrungsmittel schmecken ließen, irrt: Besagte einhundertsiebenundfünfzigtausend Tonnen an Lebensmitteln verschwanden alleine im Jahr 2014 im

Lorenz Zenleser

österreichischen Müll – unverpackt und nur teilweise verzehrt oder aber noch verpackt und konserviert.

über die Lebensmittelproduzenten.

MANGEL VS. ÜBERFLUSS

Die Konsum- und Wegwerfgesellschaft, in der wir heute leben, ist geprägt von Gier und Habsucht – ganz nach dem Motto „Alles ist nicht genug.“ Ändern wir weder unser Verhalten, unser Denken noch unsere Einstellung zu Nahrungsmitteln, so wird sich die Prophezeiung des amerikanischen Ureinwohnervolkes der Hopi wohl schlussendlich doch noch bewahrheiten:

Während es in vielen Ländern der Welt an Nahrung mangelt, viele Menschen wenig bis nichts zu essen haben und an Hunger und den Folgen von Mangel- bzw. Unterernährung sterben (müssen), leben wir hier in Österreich im Überfluss. Wir sind es gewohnt, im Supermarkt zwischen vollen Regalen mit einer riesigen Auswahl an Waren herumzuschlendern. Die angebotenen Produkte sollten dabei natürlich möglichst frisch sein – ein paar Stunden alte Brötchen können wir unserem verhätschelten Gaumen beileibe nicht zumuten. Ist die Produktauswahl noch dazu gering oder sind die Lebensmittel womöglich nicht mehr ganz so frisch, ärgern wir uns und schimpfen

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ALLES IST NICHT GENUG

„Sie werden vor vollen Tellern sitzen und trotzdem verhungern.“ Gerade wir hier in Österreich sollten uns glücklich schätzen: Wir haben Wasser und Essen, Frieden und Sicherheit in allen Lebenslagen. Dennoch jammern wir – und das auf ei-


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bis uns der bissen im hals stecken bleibt SHARING UND SAVING Bis dato deutet also alles darauf hin, dass Habsucht und Selbstsucht unsere Welt zugrunde richten. Während einerseits alles immer nur gekauft wird – aus dem einfachen Grund, es zu besitzen – landet vieles wiederum im Müll, da nicht gebraucht und im Überfluss vorhanden. Es lässt sich jedoch feststellen, dass langsam eine Bewusstseinsveränderung und damit ein Umdenken eintritt. Weltweit wurden in den letzten Jahren Initiativen und Projekte gestartet, um dem Konsumwahn und der Verschwendung von Lebensmitteln Einhalt zu gebieten. Die im Jahr 2010 in New York geborene Idee, übrig gebliebene, aber noch genießbare Lebensmittel mit anderen Menschen zu teilen, findet auch in Österreich Anklang.

nem sehr hohen Niveau. Wir beschweren uns über momentan ausverkaufte Ware, die meist am nächsten Tag (wenn nicht zwei Stunden später) bereits wieder zum Verkauf steht, während in anderen Teilen der Welt in den Regalen gähnende Leere herrscht. Wir empfinden es als Selbstverständlichkeit, das ganze Jahr über Obst und

Gemüse, das in den heimischen Gärten und Plantagen nicht beheimatet ist oder saisonal bei uns nicht anbau- und erntefähig ist, auf den Teller zu bekommen. Ob für unseren Gaumenschmaus die Natur gefährdet wird, vergessen wir gerne, während wir Bananen aus Costa Rica verspeisen.

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Unter dem Motto „Teile Lebensmittel, anstatt sie wegzuwerfen!“ setzt es sich diese Foodsharing-Bewegung zum Ziel, der ausufernden Verschwendung von Lebensmitteln, man könnte in unserem Fall ja fast schon von Prasserei sprechen, entgegenzuarbeiten (foodsharing.at). Das Prinzip ist simple: Überschüssiges Essen, das, aus welchem Grund auch immer, auf dem Müll landen würde, wird kostenlos weitergegeben um es weiterzuverwerten. Das Ergebnis: Essen wird geteilt und vor dem Müll gerettet! LOKAL UND REGIONAL Doch nicht nur der Anti-Verschwendungs-Gedanke macht sich langsam in den Köpfen der Menschen breit. Auch die


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bis uns der bissen im hals stecken bleibt

bewusste Entscheidung, beim Kauf auf regionale und lokale Produkte zu achten, wird vermehrt getroffen. Bauernmärkte, an denen Köstlichkeiten aus der Region angeboten werden, finden in der Bevölkerung vermehrt Anklang. Einerseits werden dadurch lokale und meist auch kleine Betriebe unterstützt, andererseits die Transportwege für Lebensmittel drastisch verkürzt.

EIN GEWINNSPIEL!

Tomaten müssen dann nicht mehr grün von der Tomatenstaude geerntet werden, damit sie auf dem kilometerlangen Frachtweg von Spanien oder einem anderen südländischen Gefilde reifen können, bis sie dann tiefrot in der Gemüseabteilung der österreichischen Supermärkte ankommen. Im Gegenteil! Heimische Produkte kommen innerhalb weniger Stunden direkt von der Pflanze in die Supermärkte und auf unsere Teller. So sind die Tiroler Tomaten aus Haiming, die reif und rot geerntet werden, meist schon am nächsten Tag zum Verkauf in den Läden und Märkten erhältlich. Dass wir hier von Bio und Fair Trade und nicht von Pestiziden, Chemie und Ausbeutung sprechen, dürfte wohl klar sein.

So funktioniert’s: mit dem Inserat zu uns kommen - Münze in unseren Kaugummiautomat stecken - drehen - hoffen - Mit einem grünen Kaugummi und etwas Glück gewinnst du einen

von zwei

10€ Gutscheinen.

INNSBRUCK GOES GREEN Auch über Innsbruck ist bereits die Welle der Nachhaltigkeit, des Umweltbewusstseins und des Zukunftsdenkens geschwappt. Über die Facebook-Gruppe „Foodsharing Innsbruck und Umgebung“ kann das Geben-und-Nehmen-Prinzip von überschüssigen Lebensmittel angewendet werden. Unter mehr als 3.400 Gruppenmitgliedern werden fast täglich Nahrungsmittel geshared und in weiterer Folge gesaved. Aber auch auf die Regionalität des Angebots wird in Innsbrucker Gastronomiebetrieben und Supermärkten vermehrt gesetzt. So besteht der Großteil des Sortiments im Laden „tirolermadl“ aus Produkten, die regional angebaut und erzeugt werden. Natürliche Rohstoffe, Herstellungsmethoden und Handelsumgebungen sowie Fairness, Transparenz und Regionalität werden hier großgeschrieben (tirolermadl.com). Einen Schritt weiter geht das Lebensmittelgeschäft „Liebe&Lose“, welches aus der Region stammende Produkte unverpackt anbietet. Auf Einwegverpackungen aus Plastik wird hier komplett verzichtet. Mit eigenen Aufbewahrungsbehältern bewaffnet, wird hier eingekauft – ganz nach der Devise „Einkaufen nach Maß, nach deinem Maß, soviel du willst“. Das gezielte und bedarfsgerechte Einkaufen von Lebensmitteln hat hier den gewünschten Nebeneffekt der Müllvermeidung (www.liebeundlose.at). UMDENKEN UND HANDELN Lebensmitteln eine zweite Chance zu geben, ein respektvoller Umgang mit Waren und Produkten sowie mit Hirn und Verstand einkaufen und wirtschaften – das wären kleine Schritte in Richtung Erhalt unseres Planeten. Alternatives Denken und Handeln scheinen erforderlich, um der Zerstörung von Mutter Erde entgegenzuwirken. Den Verzicht auf Saus und Braus im Hier und Jetzt werden uns unsere Enkel und Ur-Enkel einmal danken.

Jahnstraße 20, 6020 Innsbruck . Eingang: Grillparzerstraße ÖFFNUNGSZEITEN: /endlichstore

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DI – FR 11:00 – 19:00 Uhr SA 11:00 – 17:00 Uhr


TRENDS

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die badewanne

Die Badewanne + VOM BADEZIMMER IN DIE KUSNTGALERIE Tobias Pircher

Susanne Astl

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ie Badewanne – dahinter stecken drei junge Wahl-Innsbrucker, denen unsere Studentenstadt am Herzen liegt. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, ungenutzte Räume in Innsbruck zu finden, temporär zu mieten und ihnen kulturelles Leben einzuhauchen. Der kreative Kopf des Trios – Johannes Münsch – folgt dem Credo „Vom Abfall zum Glücksfall“ und stellte mit seinen beiden Freunden Jannis Merz und Tobias Lichtenstern ein innovatives Projekt auf die Beine, das unsere schöne Sportstadt kulturell

Jannis Merz

bereichert. Im Mittelpunkt der sogenannten Pop-up-Galerien steht jeweils die legendäre Badewanne – randgefüllt mit Eis und Bier – und drumherum gibt es junge Kunst und coolen Sound. Die Zeitlos ließ sich die letzte Ausgabe der „Badewanne“ nicht entgehen und hat die Drei für ein Interview getroffen.

und sind schon unsere gesamte Studienzeit sehr gut befreundet. Uns ist aufgefallen, dass viele Läden und Geschäfte in der Innenstadt leer stehen und die Schaufenster verhangen sind und dass da seit Jahren nichts mehr passiert. Wir haben angefangen, uns dafür zu interessieren und die Idee der Badewanne ist entstanden.

Hallo Jungs, danke, dass ihr euch heute die Zeit nehmt. Wer seid ihr und was macht ihr hier heute?

Was ist euer Konzept?

Tobias: Wir sind Jannis, Hanne und Tobi

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Jannis: Die Badewanne ist eine sogenannte innerstädtische, temporäre Zwischennutzung. Das Konzept der Badewanne


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die badewanne Wir wollen mit unserer Idee wechselnden, jungen Künstlern und DJs eine Plattform bzw. eine Möglichkeit bieten, ihre Kunst auszustellen bzw. die Leute mit ihrer Musik zu unterhalten.

Welche Rolle spielt dabei die Musik? Tobias: Der Plan ist, die Badewanne zukünftig an mehreren, wechselnden Orten zu machen und wir können dafür aus einem Pool aus jungen, willigen, kreativen Menschen schöpfen, die gar nicht auf Profit aus sind. Die würden das sogar unentgeltlich machen, weil sie einfach Lust auf diese Idee haben und auf ein kulturelles Leben in der Stadt. Sie wollen gemeinsam mit uns das eingeschlafene Stadtleben an manchen Ecken entdecken und zu neuem Leben erwecken. In Wilten passt das einfach wie die Faust aufs Auge, denn dieser Stadtteil blüht gerade total auf. Dass wir da auch dazu kommen, das hat sich einfach sehr gut gefügt. Die Leute können kommen, gemütlich ein, zwei Bier trinken, coole Musik hören, ein bisschen feiern und gleichzeitig die ausgestellte Kunst anschauen und kaufen und das alles ohne Konsumzwang oder Eintritt zu bezahlen.

Was ist das Besondere an eurem Konzept?

ist es, freistehenden Gewerbeflächen, die schon längere Zeit leer stehen, durch temporäre Bespielung zu einem neuen Leben zu verhelfen. Unentdeckte Potentiale zu finden und aufzuzeigen. Im Rahmen vom Innsbrucker Kultursommer durften wir mit unserer ersten Badewanne das Wiltener Platzl bereichern. Das Konzept ist, dass wir immer unsere Badewanne dabei haben. Sie ist nicht das Herzstück, aber definitiv ein wichtiger Bestandteil und wird auch immer identitätsprägend sein. Sie ist randgefüllt mit gut gekühltem Bier, das man sich, gegen einen kleinen Beitrag einfach selbst herausnehmen

kann. Wir schauen immer, dass wir lokale Biersorten als Sponsoren bekommen und glücklicherweise stoßen wir mit unserer Idee immer auf großes Interesse und Zuspruch. Aber das eigentliche Augenmerk legen wir dann schon auf unser Netzwerk und dieses beinhaltet viele Künstler und DJs. Mit deren Kunst und Musik wollen wir die Räume bespielen. Einerseits eben den Raum im Raum - durch Rauminstallationen bzw. durch gewisse Eingriffe, um der Räumlichkeit selber wieder eine gewisse Identität zu geben. Und andererseits dann eben noch die Bespielung mit der Kunst an der Wand oder im Raum.

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Johannes: Für mich persönlich sollen einfach Kunst und Kultur im Vordergrund stehen. Mir ist wichtig, dass wir uns von vielen anderen Veranstaltungen ganz klar darin unterscheiden, dass die Badewanne kein weiteres kommerzielles Ding sein soll. Es soll nicht zum Geld verdienen da sein, sondern einerseits kreativen Leuten eine Plattform bieten und andererseits Interesse bzw. ein Angebot schaffen und gleichzeitig das Leben im urbanen Raum wertvoller machen. Ein anderer wichtiger Punkt ist, dass andere Institutionen immer örtlich gebunden sind. Also ein Aftershave ist immer ein Aftershave, ein Motel ist immer ein Motel und ein Blue Chip immer ein Bluechip. Was die Badewanne eben anders machen will, ist den Namen und auch ihre Gäste mitzunehmen, aber eben immer wieder in unterschiedlichen Locations aufzutauchen. Pop-up eben. Es bleibt ja immer das gleiche Programm, aber findet in einem anderen Raum seine temporäre Zwischennutzung.


TRENDS

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die badewanne

Jannis: Ja und durch den wechselnden Kontext ist die Badewanne auch nie gleich. Es ist zwar immer die gleiche Idee, aber wir reagieren ja auch auf die unterschiedlichen Begebenheiten und wollen die jeweiligen Räume wieder neu erfinden und deren Umgebung dadurch beeinflussen. Damit wollen wir auch zu einer positiven Stadtentwicklung beitragen. Also man belebt einfach ein Stück Innsbruck durch diese Intervention. Und wir sind total glücklich darüber, dass die Reaktionen der Passanten zu 99% voll gut sind und richtig viele Leute kommen und sich das ansehen.

Was steckt hinter eurer Idee? Tobias: Wir wollen einfach einen Mehrwert schaffen, einerseits eben für die Eigentümer oder Immobilienmakler – wir werten das Ganze auf und schaffen neu-

es Leben in diesen Räumen und kreieren gleichzeitig eine Plattform für Kunst, Kultur und Musik . Und das alles im urbanen Raum – das ist die Grundidee. Zudem können wir dadurch Interessenten für langfristige Nutzungen bzw. Vermietungen generieren.

Johannes, in deinem Upcycling Studio im Stöcklgebäude fanden nicht nur die letzten Badewannen statt, sondern vieles mehr. Woher kommt deine Leidenschaft für alte Dinge und was bedeutet für dich Nachhaltigkeit und Upcycling? Johannes: Ich mag einfach altes Zeug total gerne. Alte Sachen sind mir sympathischer als viele neue. Deshalb bin ich immer auf der Suche nach alten Möbeln, Büchern, Produkten, Häusern, Autos, etc. Aus diesem „Faible“ heraus habe ich mich auch im Zuge meiner Diplomarbeit mit dem Thema „Aus alt mach neu“ oder „Vom Abfall zum Glücksfall“ beschäftigt. Das trifft eben bei der Badewanne auch voll zu: Ein altes Geschäft, das leer steht, das scheinbar „nutzlos“ oder „wertlos“ ist, neu zu beleben. Mit ein bisschen Aufwand und ein bisschen Zeit, kann da gleich wieder was stattfinden.

Ist die Badewanne so etwas wie ein Türöffner für zukünftige Projekte? Johannes: Ja, auf jeden Fall. Ich habe mir zum Beispiel vor Kurzem einen alten Wohnwagen, der ausgedient hat, gekauft, um ihn wieder TÜV-fertig zu machen. Und wer weiß – vielleicht werde ich da auch mal die Badewanne reinstellen, die Innsbrucker Innenstadt beschallen und mit Flüssignahrung versorgen. Wir freuen uns total, dass so viele Leute immer vorbei kommen und unsere Idee auch cool finden. Daher möchten wir uns auch an dieser Stelle bei allen, die uns bisher unterstützt haben, bei unseren Freunden, bei allen Künstlern und DJs und natürlich auch bei den Leuten, die jede einzelne Badewanne unvergesslich gemacht haben, bedanken!

Wir sind schon gespannt, wo die Badewanne das nächste Mal auftauchen wird.

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ZĂœGELLOS |

sind wir nicht alle ein bisschen...bi?

Sind wir nicht alle ein bisschen... bi? + FRAUEN, WELCHE ZU 100% HETEROSEXUELL Tobias Pircher SIND? FEHLANZEIGE!

Sandra Rettenegger

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Philippe Leroyer

via flickr


ZÜGELLOS |

sind wir nicht alle ein bisschen...bi?

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rauen sind nun mal das schönere Geschlecht. Deshalb verwundert es kaum, dass einer Studie der University of Essex zufolge (fast) keine Frau zu 100% heterosexuell ist. Männer sind weniger sexuell flexibel wie Frauen, sie sind entweder hetero oder homosexuell, das wiederum wissen Forscher der Uni Notre Dame. Deren Untersuchungen zufolge sollen Mädels dreimal häufiger bi sein als Männer. Das könnte eventuell auch daran liegen, dass das starke (weibliche) Geschlecht, anpassungsfähiger und vor allem ehrlicher mit dem Thema umgeht, oder? Keine Sorge Jungs, wir (bisexuellen) Frauen lieben euch. Die meisten Mädels ziehen euch noch vor, wenn es darum geht sich zu binden. Gerulf Rieger und sein Team an der University of Essex haben bei ihrer Untersuchung mit über 300 weiblichen Probanden herausgefunden, dass Frauen, die angaben heterosexuell zu sein, von Bildern nackter Menschen beider Geschlechter gleichermaßen sexuell erregt wurden. Scharfmacher von lesbischen Frauen waren jedoch nur die Bilder nackter Damen. Sage und schreibe 82% aller Teilnehmerinnen sind ihrer sexuel-

len Reizbarkeit nach zu urteilen entweder lesbisch oder bisexuell. Dass Frauen in Partnerschaften aber trotzdem meist Männer vorziehen, könnte daran liegen, dass sexuelle Erregtheit nicht unbedingt darauf hindeutet, wen wir lieben. Homosexuelle Frauen lieben Frauen nicht (nur), weil sie sich sexuell von Frauen angezogen fühlen. Bisexuelle Frauen hingegen experimentieren gerne mit ihrer Sexualität, das muss aber nicht immer zu Liebesbeziehungen führen. Bei (vermeintlich) heterosexuellen Frauen bleibt es oft bei den heißen Fantasien. Dabei wissen doch gerade wir Frauen selber am besten, was wir (im Bett) brauchen. Und sollte es sich ereignen und Frau mit ihresgleichen intim werden, dann hat die Gesellschaft zum Glück mittlerweile kein Problem mehr damit, bei Männern kommt es sogar gut an. FANTASIE VS. WIRKLICHKEIT – DER MÄNNERTRAUM VOM FLOTTERN DREIER Die Männerwelt dürfte sich angesichts der Studie freuen. Welcher Mann wünscht sich nicht einen leidenschaftlichen Dreier mit zwei heißen Mädels? Doch hier ist Vorsicht geboten. Zwar ist es wichtig, egal

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ob als Frau oder Mann, mit dem Partner über Fantasien oder Vorlieben zu sprechen. Bevor diese umgesetzt werden, gilt es aber einige Regeln festzulegen. Eine erotische Erfahrung zu dritt könnte nämlich unter Umständen die Beziehung gefährden. Um auf das Thema Liebe zurück zu kommen... schöner Sex, bei dem man sich so richtig fallen lassen kann, hat viel mit Vertrauen zu tun. Experimentiert man jedoch mit einer dritten Person, der man vertraut und die man eventuell schon länger kennt, könnte zwar das Liebesspiel bereichert, Freundschaften wiederum verkompliziert werden. Doch ganz ehrlich Männer...ihr glaubt doch nicht wirklich an das, was euch die Pornoindustrie verkaufen will?! Ein Dreier birgt auch die Gefahr, zwei Frauen auf einmal zu enttäuschen. Doch wenn alle drei Beteiligten locker an die Sache herangehen, das intime Erlebnis als Erfahrung sehen und mit etwas Humor betrachten, dann kann Erfahrungsberichten zufolge ein Schäferstündchen zu dritt eine großartige Bereicherung für das Sexleben aller Beteiligten sein. DER LINK ZUR STUDIE: www.essex.ac.uk/news/event.aspx?e_id=8843


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john wayne war gestern

John Wayne war gestern + DER „SCHÖNE MANN“ HAT Pircher HOCHKONJUNKTUR Tobias +

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inen attraktiven, makellosen Körper, kein Gramm Fett, ein schönes Lächeln und die richtige Körperpflege. Diese Attribute muss heutzutage nicht nur eine Frau erfüllen, sondern auch ein Mann. Denn der „schöne Mann hat Hochkonjunktur“. Die Sexualisierung hat nämlich auch beim männlichen Geschlecht zugeschlagen. Und das hat Folgen für alle. VOM MARLBORO MAN ZUM NIVEA MEN Wir schreiben das Ende der 70er-Jahre. Ein Mann schmückt Plakatwände und Werbespots auf der ganzen Welt. Sein Name: Marlboro Man. Er trägt einen blonden Schnurrbart, ein tiefsitzender Cowboyhut verdeckt einen Teil seines faltigen Gesichtes und eine Zigarette hängt in seinem Mundwinkel. Dieser Mann hat

Lorenz Zenleser

wenig mit den Models 30 Jahre später gemein. In den 90er-Jahren gab es nämlich eine Revolution in der Modeindustrie. Männermodels, wie Marcus Schenkenberg, ersetzten die haarigen Raufbolde auf den Anzeigetafeln. Die Mode- und Beautyindustrie hatte ein großes Geschäft gewittert. Sie setzten immer mehr auf den männlichen Bevölkerungsteil. Die erweiterte Produktpalette schuf einen neuen Markt. Nivea hat infolgedessen eine eigene Produktlinie, mit dem Namen „Nivea Men“, ins Leben gerufen. Die Erschaffung dieses neuen Marktes spiegelt sich auch in der Produktpalette wieder. Jedoch zu welchem Preis? Die Produktwerbung zeigt immer häufiger Männermodels. Dadurch sieht sich der Normalbürger jedoch unter Druck gesetzt, dem Ideal des „perfekten Mannes“ gerecht zu werden. SEX SELLS – AUCH IN HOLLYWOOD

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Kreischende, grölende Frauen stürmen die Kinosäle. Warum? Es wird der Film Magic Mike XXL gezeigt. Es geht in diesem Film um einen männlichen Stripper namens Mike, gespielt von Channing Tatum, der in erster Linie durch Tanzszenen mit nacktem Oberkörper auffällt. Die Handlung scheint dabei nebensächlich zu sein. Channing Tatum wird vor allem als Sexsymbol angesehen. Gar nicht so schlimm, könnte man meinen. Allerdings hat nur eine einzige Zeitung darauf aufmerksam gemacht, wie Magic Mike XXL Männer sexualisiert und zu Objekten macht. Wenn man jetzt aber das ganze Konzept auf weibliche Stripperinnen umwälzen würde, dann wären die Reaktionen wahrscheinlich ganz andere. Feministinnen und Feministen prangern schon seit Jahren die Sexualisierung des weiblichen Körpers an. Aber niemand beschwert sich über Magic Mike XXL. Aber warum? Die Journalistin eines bekannten Magazins


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john wayne war gestern

beschreibt den Film als Sieg der Emanzipation. Dabei stellte sie die Theorie auf, dass Frauen in unserem Alltag ständig sexualisiert werden, bei Männern das nicht der Fall sei. Dies ist irreführend, wenn man bedenkt, dass es seit den 90er-Jahren einen rasanten Anstieg an Männermodels in der Werbung gegeben hat. Die Autorin schreibt auch, dass die Frauen so ausgelassen auf diesen Film reagieren, da es für sie etwas Ungewohntes wäre, sexualisierte Männer zu sehen. Jedoch ist dieses Argument schwer nachvollziehbar . Zutreffender wäre der Standpunkt, dass Frauen, in diesem Bereich, noch nicht die gleiche Entwicklung wie Männer durchgemacht haben. Den Männern wurde nämlich schon seit mehreren Jahren eingetrichtert, dass eine Sexualisierung des anderen Geschlechts abzulehnen ist und schon gar nicht offen gefeiert werden darf.

bestellten 19.000 „Lammily“-Puppen. Diese Beispiele zeigen, wie sich große Modefirmen gegen die unrealistischen Schönheitsideale bei Frauen einsetzen. Männer haben jedoch mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Was wird dagegen getan? SIXPACKS UND DAD BODS Abercrombie & Fitch ist eine Modemarke, die jahrelang mit männlichen oberkörperfreien Models gearbeitet hat. Diese Models standen vor den Filialen für Fotos, mit der vor allem weiblichen Kundschaft, bereit. Ein Erfolgsrezept durch das die

LAMMILY VS. BARBIE Im September 2004 startete Dove die „Campaign for real Beauty“. Dabei haben sie Frauen mit „natürlichen“ Körpern als Models angeheuert. Auf positive Ergebnisse musste man nicht lange warten. Zwei Jahre nach der Kampagne verbannte Spanien Magermodels von den Laufstegen. Im April 2015 zog Frankreich, das Land mit der Modehauptstadt Paris, nach. Models, die einen gewissen Body-Mass-Index unterschritten, dürfen nicht mehr auf den Laufstegen und auf Fotoshootings arbeiten. Bei Verstößen drohen bis zu einem halben Jahr Haft und 75.000 € Strafe. Zudem müssen digital bearbeitete Bilder als solche gekennzeichnet sein. Eine weitere Kampagne gegen das unrealistische Schönheitsideal der Frauen startete der Künstler Nikolay Lamm. Er stellte eine „Barbie“ mit natürlichen Körpermaßen her und nannte sie „Lammily“. Diese Puppe entwickelte sich zum Verkaufsschlager. Mehr als 13.000 Menschen

Modemarke heute große Bekanntheit und großen Erfolg genießt. Seit einigen Jahren schwächelt der Konzern jedoch. Das Image, welches ihm die Bekanntheit gebracht hat, wurde ihm zum Verhängnis. Das Unternehmen wurde mehrmals wegen eines sexualisierenden Marketings kritisiert. Im Frühjahr 2015 entschied Abercrombie & Fitch sich von ihrer bisherigen Marketingstrategie zu lösen. Ein weiteres Phänomen, welches sich gegen das unrealistisch vermittelte Schönheitsideal stellt, ist der Dad Bod. Der Dad Bod ist eine Balance zwischen Bierbauch

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und trainiertem Oberkörper. Dieser Trend ist eine Bewegung gegen das Schönheitsideal, demzufolge Männer deutlich definierte, bis ins kleinste Detail trainierte Körper haben sollten. Es gibt sogar Gerüchte, dass so ein Dad Bod im realen Alltag auf Frauen attraktiver wirkt als ein Sixpack, da sich die Frauen selbst dann nicht mehr so viele Gedanken über ihren eigenen Körper machen müssen. Ein kleiner Trost für all diejenigen, die keinen Superbody haben. WAS BRINGT DIE ZUKUNFT? Wir befinden uns auf einem Weg der Besserung. Auf eine Sexualisierung von Frauen wird immer öfter hingewiesen. Sogar der Pirelli-Kalender und der Playboy verändern ihre Produktstrategie komplett. Die Frauen können sich über eine Unterstützung von den Medien, der Modeindustrie und der Männer in Sachen Sexualisierung freuen. Sie werden von fast allen Seiten gestärkt. Wie ist es mit uns Männern? Wir befinden uns auf dem besten Weg in die falsche Richtung. Die Sexualisierung der Männer ist auf dem Vormarsch und scheint so stark ins Rollen gekommen zu sein, dass sie nicht mehr so leicht aufzuhalten ist. Es fehlt das Verständnis der Medien und der Modeindustrie. Noch mehr fehlt aber das Verständnis der Gesellschaft. Es bleibt nur zu hoffen, dass irgendwann ein Umdenken in den Köpfen der Menschen stattfindet und die wahre Gleichberechtigung, in allen Bereichen, ihren berechtigten Platz findet.

Angelehnt an die Seminararbeit eines Studenten der Uni Innsbruck.


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