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DUHwelt DAS MAGAZIN DER DEUTSCHEN UMWELTHILFE

4 DUH welt 4/2006

Atomkraft – Aussteigen leicht gemacht

2006

Mangrovenwälder gegen Tsunami Münster: Bundeshauptstadt Klimaschutz Geesteniederung: neues Tierparadies 1


Auf ein Wort...

Inhalt

Liebe Leserinnen und Leser,

DUH AKTUELL

die positive Resonanz auf unsere Leserumfrage zur DUHwelt könnte einen fast verlegen machen, aber so schlimm ist es dann doch nicht. Die Mehrheit der Leserinnen und Leser unserer Vierteljahreszeitschrift lobt die umfassende und sachliche Berichterstattung über Umwelt- und Naturthemen. Die meisten lesen die DUHwelt sehr intensiv und fast alle lieben die Titelfotos, häufig Aufnahmen des Tierfotografen Otto Hahn. Unter der Rubrik DUH intern finden Sie eine kleine Auswertung der Umfrage.

Einstweilige Verfügung gegen Media Markt Diesel-Smart ohne geregelten Rußfilter

Seit Sie das letzte Heft der DUHwelt in die Hand bekommen haben, ist eine Menge geschehen: Energiekonzerne haben zum Frontalangriff auf den mühsam gefundenen Konsens über den Atomausstieg geblasen und wir haben eine passende Antwort darauf gefunden. Sie heißt ASM – Atomausstieg Selber Machen. Wie das geht, erfahren Sie auf Seite sechs. So viel kann schon verraten werden: Es ist ganz einfach, kostet fast nichts, ist ohne Risiken und Nebenwirkungen und trotzdem sehr wirksam. Probieren Sie es aus! In der letzten Ausgabe hatten wir im Blickpunkt das Thema Klimaschutz, es lässt uns nicht wieder los. Beinah täglich ist der Klimawandel in den Medien. Jetzt beginnen auch die Ökonomen den Ernst der Lage zu begreifen. Unser schon länger geplantes Infoblatt zum Klimaschutz aus der Feder des renommierten Klimaforschers Mojib Latif kommt da zur rechten Zeit. Es beschreibt knapp und präzise die Ursachen des Klimawandels und erfolgversprechende Strategien, ihm zu begegnen. Typisch DUH sozusagen. Ob Sie die DUHwelt nun vor, nach oder zu Weihnachten lesen, ich wünsche Ihnen geruhsame und friedliche Feiertage und ein glückliches neues Jahr.

IM BLICKPUNKT

Prof. Dr. Harald Kächele Bundesvorsitzender Deutsche Umwelthilfe e.V.

P.S.: Viele von Ihnen haben auch in diesem Jahr unsere Naturschutzprojekte mit großherzigen Spenden unterstützt. Es ist kaum auszudenken, wo der Naturschutz heute ohne Menschen wie Sie wäre. Vielen herzlichen Dank!

DUH welt 4/2006

06 10

Atomausstieg selber machen Kernkraft ist kein Klimaschutz

LEBENDIGE ELBE UNESCO-Perlen an der Elbe Der Weißstorch – Botschafter für einen Strom Lernen am Fluss

12 14 18

LEBENDIGE SEEN 11.Living Lakes-Konferenz in China Post-Tsunami-Projekt Sri Lanka Miles to Help Gärten für den Frieden

20 22 22 24

DUH-MARKT

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„UNBEKANNTE“ TIERARTEN

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Der Wiedehopf: Klima-Mimose

LEBENDIGE FLÜSSE Erlebniswochenende an der Weser Wiedervernässung in der Geeste-Niederung

30 32

DUH INTERN

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Leserumfrage zur DUHwelt

NATURSCHUTZ

34 36

Interview mit EU-Kommissar Dimas 2007 – Jahr der Delfine

ENERGIE UND KLIMASCHUTZ Münster ist Bundeshauptstadt im Klimaschutz Unternehmensumfrage zum Klimaschutz

38 40

MEHRWEG UND VERWERTUNG Halbjahresbilanz zum Elektrogesetz Es rappelt im Kasten

42 44

MENSCHEN FÜR NATUR DUH-Ehrenpatin 2006: Ursula Fink

Ihr

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IMPRESSUM Zeitschrift für Mitglieder und Förderer der Deutschen Umwelthilfe e.V. Herausgeber: Deutsche Umwelthilfe e.V., Fritz-Reichle-Ring 4, 78315 Radolfzell, Tel.: 07732/99 95-0, Fax: 07732/99 95-77 http://www.duh.de, E-Mail: info@duh.de V.i.S.d.P.: Rainer Baake, Jürgen Resch Redaktion: Prof. Dr. Gerhard Thielcke, Thomas Giesinger, Michael Hadamczik Gestaltung: Claudia Kunitzsch Druck: Wachter GmbH, Bönnigheim Anzeigen: Michael Hadamczik; es gilt die Anzeigenpreisliste 2006 Verlag und Vertrieb: DUH Umweltschutz-Service GmbH, Fritz-Reichle-Ring 4, 78315 Radolfzell Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft Köln (BLZ 370 205 00) 8 190 002 Gedruckt auf 100 % Recycling-Papier Fotos: Titelseite: Wiedehopf, S. Ernst/Naturfoto-Online; S. 3: BUND Berlin; S. 4: D. Damschen; S. 5: DUH (o,u), pixelquelle.de (m); S. 6, 8: A. Busch; S. 10: R. Harms; S. 11: H. Blomberg; S.12: DUH, F. Neuschulz (m), M.-L. Werwick (r); S. 13: M.-L. Werwick; S. 14/15: O. Hahn; S. 16: E.-P. Dörfler (o), PRO ELBE (u); S. 18: Lebendige Elbe; S. 20: GNF; S. 21: R. Eckhoff (o,m), GNF (u); S. 22: U. Gattenlöhner; S. 23: GNF; S. 24: GNF; S. 26: U. Ehinger; S. 28: Rolf E. Kunz/OKAPIA; S. 29: C. Decout/OKAPIA (o), B. Roth/OKAPIA (u); S. 30: G. Fiedler; S. 31: BUW (o), W. Wahl (u); S. 32: H. Kunze/BUND Bremen; S. 34: Europäische Kommission; S. 35: Komitee gegen den Vogelmord; S. 36: M.E.E.R. e.V.; S. 37: U. Ramsig; S. 38: Stadtwerke Münster GmbH; S. 39: Stadt Münster; S. 40: DUH; S. 42: DUH; S. 43: Greener Solutions, T-Mobile; S. 44: M. Hahn (o,m), S. Holzmann (u); S. 45: S. Holzmann; S. 46: HAND IN HAND-Fonds/Rapunzel Naturkost AG; S. 47: Patuca e.V. (o), DUH, Privat (u); S. 48: pixelquelle.de, DUH Heftpreis: € 1,50

3Dezember 2006


DUH AKTUELL

Minister mit Kettensäge

Sander legt Hand an geschützten Auwald ■ Im niedersächsischen Elbeabschnitt veranlasst ausgerechnet der Umweltminister der schwarz-gelben Landesregierung, Hans-Heinrich Sander (FDP), die Rodung und Abholzung von Weiden und Pappeln. Unter Protest von Anwohnern und Umweltschützern legte der Minister sogar selbst Hand an die niedersächsische Weichholzaue. Angeblich im Interesse des Hochwasserschutzes. Die Weiden und Pappeln, die beidseitig der Elbe wachsen, sind mitten in der am höchsten geschützten Kernzone C des Biosphärenreservats „Niedersächsische Elbtalaue“ gelegen. Damit sind sie zugleich Bestandteil des besonderen Schutzgebietes nach der EU-FFH-Richtlinie. Sie sind Lebensraum für zum Teil bestandsgefährdete Arten wie Elbe-Biber, Flussuferläufer, Beutelmeise oder Pirol. Aus Sanders Sicht verhindern sie

„gefährlichen“ Auengehölz „befreien“, verhallte glücklicherweise weitgehend ungehört.

Umweltminister Sander beim eigenmächtigen Fällen eines Baumes.

jedoch ein rasches Abfließen von Hochwässern an der Elbe. Ein Gutachten, auf das sich Sander beruft, ist jedoch längst von Fachleuten der Universität Karlsruhe als „nicht haltbar“ qualifiziert worden. Sanders Aufforderung, die Besitzer der elbnahen Grundstücke im Kreis Lüchow-Dannenberg mögen ihre Grundstücke gefälligst selbst von dem

Unverbesserliche Ignoranz

Einstweilige Verfügung gegen Media Markt ■ Wegen Verstößen gegen die gesetzlich vorgeschriebene Energiekennzeichnung hat das Landgericht Stuttgart auf Antrag der Deutschen Umwelthilfe e.V. gegen die Esslinger Filiale der Elektrogeräte-Kette Media Markt eine einstweilige Verfügung erlassen. Unter Androhung einer Geldstrafe von bis zu 250.000 Euro verurteilte das Gericht die zum Metro-Konzern gehörende Filiale zur Einhaltung der Energieverbrauchskennzeichnungs-Verordnung. Die Kennzeichnung soll den Kunden beim Kauf von Kühl- und Gefriergeräten, Waschmaschinen oder Wäschetrocknern (so genannte „weiße Ware“) die Entscheidung für verbrauchsarme Geräte erleichtern. Mit der Entscheidung ist die Deutsche Umwelthilfe nach Erfolgen in zwei Hauptsache-Verfahren gegen Media Markt- bzw. Saturn-Filialen vor dem Landgericht Berlin nun erstmals auch im

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einstweiligen Verfahren gegen einen der beiden Marktführer im Elektrogerätemarkt erfolgreich. „Media Markt erhält mit dieser Gerichtsentscheidung die Quittung für unverbesserliche Ignoranz gegenüber geltendem Recht“, kommentierte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Im Gegensatz zu anderen großen Elektrogeräte-Anbietern sei Media Markt seit einem Jahr „nicht Willens oder in der Lage, eklatante Verstöße bei der Energiekennzeichnung verbindlich und flächendeckend abzustellen“. Resch kündigte an, dass Mitarbeiter der DUH in nächster Zeit verstärkt Testbesuche abstatten würden, um auf eine korrekte Einhaltung der Energiekennzeichnung hinzuwirken. Die „Sünder“ würden konsequent abgemahnt und auf einer „DUH-Schmuddelliste“ im Internet veröffentlicht werden.

Statt durch effektiven Umwelt-, Naturund Hochwasserschutz tut sich der Minister durch ein mehr als fragwürdiges Rechts- und Amtsverständnis hervor. Das Verhalten von Minister Sander erfüllt eindeutig den Tatbestand einer Ordnungswidrigkeit. Da für die Verfolgung der Ordnungswidrigkeit die untere Naturschutzbehörde zuständig ist und diese wiederum dem Umweltministerium nachgeordnet ist, wird es aber wohl kaum zu einer Ahndung des Sanderschen Verhaltens kommen...

Kommunales Nachhaltigkeitsmanagement in Europa ■ Die Bodensee-Stiftung ist beteiligt am europaweiten Projekt „Managing Urban Europe 25 - Kommunales Nachhaltigkeitsmanagement“. Das Drei- Jahres-Projekt will die Erfahrungsbasis kommunaler Umweltmanagementsysteme verbreitern. Darauf aufbauend wollen die Projektpartner ein Instrumentarium für ein Nachhaltigkeitsmanagement entwickeln. Das internationale Städtenetzwerk Union of Baltic Cities (UBC) koordiniert das EU-geförderte Projekt mit 15 Städten aus 9 Ländern. Das weltweite Städtenetzwerk ICLEI und die Bodensee-Stiftung sind verantwortlich für das deutsche Modul – beteiligt sind 10 Städte. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, die Länder Baden-Württemberg und Bayern sowie die Deutsche Umwelthilfe fördern das Projekt. Die Bodensee-Stiftung verfügt über große internationale Erfahrung und spezifische Komptenzen im Bereich Siedlungsentwicklung. Deshalb ist sie gleichberechtiger Partner unter den beteiligten EU-weiten Netzwerken. Mehr unter www.mue25.net

DUHwelt 4/2006


DUH AKTUELL

Feinstaub bekämpfen! ■ In Schreiben an die deutschen Abgeordneten des Europäischen Parlaments forderte die Deutsche Umwelthilfe im September 2006 die Feinstaubgrenzwerte nicht zu verwässern. „Es ist angesichts jährlich über 70.000 vorzeitiger Todesfälle durch Feinstaub allein in Deutschland geradezu obszön, wenn EU-Parlamentarier statt des Feinstaubs die Grenzwerte bekämpfen“, sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Das Parlament verabschiedete allerdings großzügige Ausnahmefristen von bis zu sechs Jahren zur Einhaltung der Grenzwerte. Die Zahl der erlaubten Überschreitungen der Tagesgrenzwerte solle von bisher 35 auf 55 pro Jahr erhöht werden. Beides stieß auf Ablehung nicht nur bei Umweltverbänden und Grünen, sondern auch bei EU-Umweltkommissar Stavros Dimas.

Staubild

Wetter und Klima – Wie ein „heißer Herbst“ das Denken verändert von Gerd Rosenkranz, Leiter Politik und Öffentlichkeitsarbeit Maikäfer im Advent, blühende Forsythien im Dezember, merkwürdige Frühlingsgefühle auf dem Weihnachtsmarkt. Der „Klimawandel zum Anfassen“, den die Deutschen im Herbst 2006 erlebt haben, treibt die Tourismusmanager in den Skihochburgen in die Depression und hinterlässt überall sonst mulmige Gefühle. Nicht nett, sondern beängstigend findet die Stuttgarter Zeitung die Vorstellung, dass sich in „nicht allzu ferner Zukunft am MaxEyth-See die Flamingos tummeln.“ Jahrzehntelang haben die Klimaforscher den Klimawandel vorhergesagt und gleichzeitig gewarnt, Klima und Wetter zu verwechseln. Im realen „heißen Herbst“ 2006 werden die Töne schriller, auch bei den kühlen Forschern und den noch kühleren Ökonomen. 3,2 Grad höher als im langjährigen Mittel lagen die Temperaturen in diesen (meteorologischen) Herbstmonaten. Schweizer Forscher haben herausgefunden, dass es so etwas mindestens 500 Jahre nicht gegeben hat. Und die Klimawissenschaftler beobachten mit Schrecken, dass ihre Prognosen schneller und dramatischer Realität werden, als sie selbst jemals befürchtet haben. Sie wissen, dass das, was hierzulande vor allem die Rückversicherungen umtreibt, die für die Milliarden-Folgekosten von Überschwemmungen, Hitzewellen und Trockenheit aufkommen müssen, anderswo auf der Welt schon heute die Existenz von Millionen Menschen unmittelbar bedroht. Und sie streiten nicht länger rigoros ab, dass Klima und Wetter etwas miteinander zu tun haben. Das ist gut so: Denn immer häufigere Extremwetterlagen werden irgendwann zu Normalwetterlagen, aus denen sich das Klima ergibt. Ein neues Klima. Die Deutsche Umwelthilfe trommelt deshalb weiter und verstärkt für verbrauchsarme Autos, für hocheffiziente Kühlschränke und Waschmaschinen und für mehr Ehrgeiz im Klimaschutz, lokal, regional, national und auf EU-Ebene.

Der Dreckspatz von Mercedes

Diesel-Smart auch 2007 ohne geregelten Rußfilter ■ Die Entscheidung von DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche, den DieselSmart auch in der Modellreihe 2007 ohne vollwirksamen Russfilter anzubieten, trifft auf zunehmende Kritik. Das runderneuerte Citymobil, das ab Frühjahr 2007 ausgeliefert werden soll, stößt ein Vielfaches der gesundheitsschädlichen Feinstaubpartikel aus, die zum Beispiel ein moderner Stadtomnibus mit geregeltem Partikelfilter an die Umgebung abgibt. DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch sprach von einer skandalösen Fehlentscheidung und forderte, die Aus-

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lieferung des Diesel-Smart so lange auszusetzen, bis der Stadtwagen mit einem geregelten Partikelfilter ausgestattet ist. Auch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) plädierte für eine „Veränderung dieser nicht besonders klugen Entscheidung“. Nach Informationen der DUH steht DaimlerChrysler wegen dieser Modellpolitik auch unter zunehmendem Druck aus dem eigenen Haus. Offensichtlich protestieren immer mehr Smart-Verkaufsstätten gegen die „aktive Sterbehilfe“ für den im Konzern umstrittenen Kleinwagen.

Die DaimlerChrysler Tochter Smart hatte sich bereits im Sommer in einer außergerichtlichen Vereinbarung gegenüber der DUH verpflichten müssen, den aktuellen Smart-Diesel nicht mehr mit der irreführenden Zeile „PM-Katalysator mit Dieselpartikelfilter“ zu bewerben. Vorläufer des Dreckspatzes: Greenpeace-Schweine-Smart 2005

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IM BLICKPUNKT

Atomausstieg selber machen! Aktionsbündnis wächst und wächst Die Deutsche Umwelthilfe koordiniert seit Ende September 2006 eine Stromwechsel-Initiative, die Aufsehen erregt. Unter dem Namen „Genug ist genug: Atomausstieg selber machen!“ entwickelt sie sich schon nach wenigen Monaten zum größten Anti-Atomkraft-Bündnis seit dem Supergau von Tschernobyl vor mehr als zwanzig Jahren. Mitmachen kann jeder. Das Aktionsbündnis aus 14 Umweltorganisationen, Verbraucherschutzverbänden und Anti-Atomkraft-Initiativen reagierte schnell. Kaum 24 Stunden nach der Ankündigung des Stromkonzerns RWE, das Atomkraftwerk Biblis A nicht, wie vorgesehen, im Jahr 2008 stillzulegen, gab unsere Initiative die passende Antwort. „Sechs Jahre nach der Unterzeichnung des Atomkonsenses vom 14. Juni 2000 kündigen die vier dominierenden Stromkonzerne die Vereinbarung einseitig auf“, heißt es im Gründungsaufruf des Aktionsbündnisses. Und weiter: „Der an das Bundesumweltministerium gerichtete Antrag des Essener Stromriesen RWE ist der besonders dreiste Versuch, eines der unsichersten und verwundbarsten Atomkraftwerke Deutschlands über die Bundestagswahl 2009 zu retten, um danach die Atomvereinbarung ganz aufzuheben.“

DUH-Bundesgeschäftsführer Baake (links) und Bundesumweltminister Gabriel sind gegen eine Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke.

Stromwechseln ist ganz einfach.

Affront gegen die Mehrheit der Bevölkerung Der RWE-Vorstoß war erst der Anfang. Denn Energie Baden-Württemberg, Vattenfall und E.ON hatten bereits zuvor angekündigt, dass auch sie den demonstrativen Wortbruch in Kürze zum integralen Bestandteil ihrer Unternehmenspolitik machen wollen. Entsprechende Anträge für die ebenfalls zur Stilllegung anstehenden Atommeiler Neckarwestheim 1 und Brunsbüttel seien in Vorbereitung. Ausgerechnet die ältesten und unsichersten Atomkraftwerke im Land sollen länger als von den Unternehmen vertraglich zugesichert betrieben werden. Mit dem Antrag auf eine Laufzeitverlängerung für Biblis A verlangt RWE vom Umweltminister, geltendes Recht zu brechen. Der Konzern gab damit den Startschuss für die Wiederbelebung des seit 30 Jahren andauernden Fundamentalkonflikts um die Kernenergie in Deutschland. Wenige Wochen zuvor noch war das Hochtechnologieland Schweden in Forsmark nur knapp einer Atomkatastrophe entgangen. Wenn florierende Unternehmen den seit über zwanzig Jahren erklärten Mehr-

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heitswillen der Bevölkerung str��flich missachten, muss es um viel Geld gehen. Sonderprofite von durchschnittlich 300 Millionen Euro pro Reaktor und Jahr sind die Erklärung für den provokativen Versuch. Doch hier geht es um die Sicherheit von Millionen Menschen. Eine entschiedene Antwort der Gesellschaft ist unausweichlich.

Wir zeigen den Weg Der Zusammenschluss ruft seither alle Stromverbraucher - gleich ob privat, öffentlich oder Unternehmen - auf, ihre Vertragsbeziehungen zu den Atomstrom-Produzenten und deren Tochterunternehmen zu beenden. Sie alle sollen die Möglichkeit nutzen, zu Ökostrom-Unternehmen zu wechseln, die ausschließlich Elektrizität aus effizienter Erzeugung, zum Beispiel Kraft-WärmeKopplung, und aus Erneuerbaren Energien anbieten. Seither haben zehntausende Menschen die Internetseite des Bündnisses angeklickt. Die Suchmaschine Google wies unter dem Schlagwort „Atomausstieg selber machen“ bis zu 180.000 Fundstellen aus. Die vier von der Initiative vorrangig empfohlenen Anbieter von Ökostrom – Elektrizitätswerke Schönau,

DUHwelt 4/2006


IM BLICKPUNKT

Deutschlands Atomstromproduzenten wollen die 채ltesten und unfalltr채chtigsten Reaktoren l채nger laufen lassen. Ziehen Sie jetzt die Konsequenzen! Finanzieren Sie die AKW-Betreiber nicht l채nger mit Ihrer Stromrechnung. Wie Ihr Strom produziert wird, entscheiden Sie ganz allein.

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IM BLICKPUNKT Greenpeace energy, Naturstrom und Lichtblick – berichten übereinstimmend über einen deutlichen Anstieg an Neuverträgen und außergewöhnlich viele Besucher auf ihren Internetseiten. Prominente wie Tatort-Kommissar Peter Sodann, Rockmusiker Wolfgang Niedecken oder Ritter-Sport Geschäftsführer Alfred Ritter haben sich öffentlich als „Stromwechsler“ bekannt. Die DUH war beim Energiegipfel im Kanzleramt Anfang Oktober mit einer „Stromwechselstube“ und auf zahlreichen Veranstaltungen präsent. „Niemand in Deutschland ist gezwungen, Atomstrom zu kaufen. Der Wechsel kostet Sie fünf Minuten und danach etwa ein halbes Bier im Monat“, erklärte DUH-Bundesgeschäftsführer Rainer Baake unter dem Beifall der Delegierten des Bundesparteitags von Bündnis 90/ Die Grünen Anfang Dezember in Köln.

Es dauert fünf Minuten… 1

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Atomstrom soll schwer verkäuflich werden Ziel des Aktionsbündnisses „Atomausstieg selber machen!“ ist es, Atomstrom „zu einer immer schwerer verkäuflichen Ware zu machen“, bis die dominierenden Energiekonzerne den Atomausstieg tatsächlich vollziehen. Dass diese Botschaft auf der anderen Seite der Barrikade angekommen ist, war bereits kurz nach dem Start der Initiative dem wirtschaftsnahen Handelsblatt zu entnehmen: „Der Antrag des Energiekonzerns RWE auf Laufzeitverlängerung für sein Kraftwerk Biblis A kommt für die Gegner der Kernkraft wie gerufen“, hieß es. Und: „Endlich hat das Feindbild wieder scharfe Konturen. Schon sammeln sich verschiedene Organisationen zu einem Aktionsbündnis. Die Stromkonzerne dagegen sehen sich in der Defensive und fürchten Schaden fürs Image“.

Folgende Organisationen bilden das Bündnis „Atomausstieg selber machen“:

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Wechseln Sie zu den Elektrizitätswerken Schönau (EWS). Die EWS sind aus einer Bürgerinitiative – den Schönauer Stromrebellen – entstanden, um den Energieriesen zu zeigen, dass eine atomstromfreie, umweltfreundliche und unabhängige Energieversorgung möglich ist. Mit unserem eigenen Ortsnetz und ca. 37.000 bundesweiten Kunden (Stand: 11/06) sind wir heute eine ernst zu nehmende Bewegung und – der etwas andere Stromversorger.

Unter www.ews-schoenau.de finden Sie neben vielen weiteren Informationen auch einen Vertrag, den Sie einfach herunterladen und ausfüllen. Kopieren Sie Ihre letzte Stromrechnung und senden Sie beides an uns zurück. Alles Weitere (Ummeldung etc.) erledigen wir für Sie. Bei Ihnen sind keine technischen Installationen notwendig. Natürlich können Sie sich auch per Brief, Fax oder Telefon mit uns in Verbindung setzen.

Warum gerade „Strom der EWS Schönau”?

Einziger Ökostromanbieter mit der Note „Sehr gut“

• Der Strom der EWS Schönau stammt ausschließlich von Produzenten, die nicht mit Atomkraftwerksbetreibern verflochten sind. • Unser Strom kommt aus umweltfreundlicher Wasserkraft und ressourcenschonender Kraft-Wärme-Kopplung. • Unser Stromtarif ist stromsparfördernd.

Beim Vergleich bundesweiter Ökostromanbieter durch den unabhängigen „Bund der Energieverbraucher e.V.“ im März 2004 wurden die Elektrizitätswerke Schönau als einziger Anbieter mit der Gesamtnote „Sehr Gut“ ausgezeichnet.

Durch unser Förderprogramm „Rebellenkraftwerke” entstanden seit 1999 über 900 neue umweltfreundliche Stromerzeugungsanlagen (Sonne, KWK und Wasser) in der ganzen Republik – alle in Bürgerhand.

Preise für die Schönauer Energie-Initiativen: Deutscher Energiepreis (1994), Ökomanager des Jahres (1996), Förderpreis „Demokratie leben“ und Henry Ford European Conservation Award (1997), Nuclear Free Future Award (1999), Europäischer Solarpreis (2003).

Ist das ein teurer Spaß? Nein! Für viele zahlt sich der Wechsel sogar in barer Münze aus. Denn die 650 Gesellschafter der EWS wollen nicht ihren eigenen Gewinn maximieren, sondern eine energiepolitische Idee umsetzen. Das geht nur, wenn viele mitmachen können. Und darum ist unser Strom so günstig!

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IM BLICKPUNKT

Kernkraft ist kein Klimaschutz Von Rebecca Harms, Mitglied des Europaparlaments

Seit die Atomspaltung der Energieerzeugung dient, wird um ihre Risiken und Gefahren gestritten. In Europa ist dieser Konflikt seit dem GAU im Atomkraftwerk Tschernobyl 1986 eigentlich entschieden: Eine Mehrheit der Bürger des Kontinents lehnt diese Technik ab. senschaftlichen und technologischen Informationen zur friedlichen Nutzung der Kernenergie zu erleichtern“ und deren Anwendung zu ermöglichen. Just auf dieses „unveräußerliche Recht“ pocht heute das Unterzeichnerland Iran. Der Nichtverbreitungsgedanke wird durch die im Vertrag geförderte Verbreitung der „zivilen“ Technik unterlaufen.

Hinter dieser Ablehnung steckt mehr als nur Instinkt. Auch wenn Japaner, Franzosen, Schweden, Finnen oder Deutsche jeweils mit der Vorstellung leben, ihre eigenen Anlagen seien im Vergleich die sichersten: Immer wieder schrammen die Betreiber von Atomanlagen an der Wiederholung des Katastrophenfalls vorbei.

Hier nur einige Beispiele einer langen Liste: Eine sichere Endlagerung für hochradioakIm amerikanischen Kraftwerk Davis-Besse tive Abfälle für Jahrtausende kann bis heute wurde 2003 ein großes Loch im Deckel nirgendwo garantiert werden. Unklar ist des Reaktordruckbehälters entdeckt. Fünf auch, woher das Geld für die bestmögliche Millimeter Stahl trennten das Land noch Entsorgung kommen soll. Wer garantiert, von der Katastrophe. Im ungarischen KraftRebecca Harms dass in 30 oder 40 Jahren ausreichend Geld werk Paks liegen seit 2003 über 3,5 Tonfür Rückbau und Lagerung verfügbar sein wird? In den meisnen Brennstoff auf dem Boden eines Reinigungsbehälters. ten Atomstaaten ist davon auszugehen, dass der Steuerzahler Die gefährliche Säuberung hat begonnen und soll mehrere die Rechnung für den Müll übernehmen muss. In Europa Monate dauern. In der englischen Wiederaufarbeitungsanruhen die Hoffnungen der Anhänger der Renaissance der lage Sellafield liefen 80 Kubikmeter Salpetersäure aus, die Atomenergie auf Finnland. Dort baut die deutsch-französicirca 22 Tonnen Uran und 200 Kilogramm Plutonium entsche AREVA NP, an der Siemens 34% des Kapitals hält, den hielten. Die Anlage liegt seither still. Im AKW Brunsbüttel Prototypen des Europäischen Druckwasserreaktors (EPR). In explodierte 2001 eine Druckleitung nahe am Reaktorkern. Rekordzeit soll zum Festpreis der Bau fertig Der Stromausfall im Juli 2006 im schwedigestellt werden. Nach einer geplanten Bauschen AKW Forsmark hat Schlagzeilen geDie Behauptung, zeit von fünf Jahren hat sich das Projekt bemacht. Doch viele Beinahe-GAUs schaffen dass Atomenergie reits um ein Jahr verzögert. es nicht mal in die Nachrichtenredaktionen.

eine große Rolle beim

Die finnische Aufsichtsbehörde STUK hält Die Ablehnung der Atomenergie liegt aber Kampf gegen den in einem Bericht fest, in der Ausschreibung nicht nur im Unfallrisiko begründet. WähKlimawandel spielen für den Bau seien billigste Angebote ausgerend die Atomkraft als probates Mittel gewählt worden, viele der am Bau beteiligten gen den weltweiten Klimawandel propagiert könne, wird durch Unternehmen hätten keine Erfahrungen im wird, droht Pjöngjang mit der Atombombe. Wiederholung auch Atombereich, auf der Baustelle würden Die ganze Welt schreckt auf. Auch wenn nicht richtiger. mindestens 20 Sprachen gesprochen. Die Experten den Test inzwischen als gescheiVerkehrssprache Englisch würde nicht von tert ansehen, da die Stärke der Explosion allen ausreichend verstanden. Zeit- und Kostendruck gehen mit etwa 0,5 Kilotonnen ungewöhnlich gering blieb, die Welt zu Lasten von Qualität und Sicherheit. Trotzdem hat AREVA zählt seit dem Oktober 2006 einen neuen Atomwaffenstaat. bereits 300 Millionen Euro Verlust angemeldet; eine WettbeDie angebliche Unterscheidung von ziviler und militärischer werbsbeschwerde bei der EU-Kommission wegen unverhältNutzung der Atomkraft war und ist trügerisch: Reaktor und nismäßig billiger Kredite und Exportkreditgarantien in dreiBombe sind siamesische Zwillinge, wie der schwedische Phystelliger Millionenhöhe ist noch nicht einmal entschieden. siker und Nobelpreisträger Hannes Alven formulierte. Der Nichtverbreitungsvertrag bestimmt zwar den Verzicht auf die Die Behauptung, dass Atomenergie eine große Rolle beim Atombombe, verpflichtet aber andererseits dazu, „den weiKampf gegen den Klimawandel spielen könne, wird durch testmöglichen Austausch von Ausrüstung, Material und wis-

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12.10.2006

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Wiederholung auch nicht richtiger. Deren Anteil an der Endenergie weltweit ist dafür mit etwa 2 Prozent viel zu gering. Selbst in Frankreich, dem Mekka der Atomindustrie, werden gerade einmal 15 Prozent des Endenergieverbrauchs durch Atomkraftwerke gedeckt. Fast 10 Milliarden Kilowattstunden Kohlestrom hat das Atomland letztes Jahr außerdem aus Deutschland bezogen. Die Zahl der Reaktoren weltweit stagniert praktisch seit Ende der 80er Jahre und wird mittelfristig eher zurückgehen. In der EU laufen heute bereits 25 Anlagen weniger als 1989. Laut Wiener IAEO sind derzeit 28 Meiler im Bau, darunter 10, die bereits seit 19 bis 31 Jahren durch die Statistik geistern. Selbst wenn China bis zum Jahre 2020 zwanzig neue Blöcke bauen würde, könnte das die Abschaltungen aus Altersgründen nicht auffangen. Der Umwelt hilft das alles nicht. Gegen den Klimawandel hilft nur eine Strategie, die endlich die Fixierung der Energiekonzerne, Ministerien und auch der Bürger auf die Energieproduktion durchbricht. Einsparung und Effizienz müssen überall da Priorität bekommen, wo Energie erzeugt oder verbraucht wird. Nur Negawatt statt Megawatt und der rasche Ausbau der regenerativen Energien können den Klimawandel noch bremsen.

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4. Neueinzug

(Bitte 6 Wochen vor Einzug mitteilen)

Ich werde in die Wohnung zum

neu einziehen.

Der Name des Vormieters der Wohnung ist

Die Kolumne erschien erstmals in leicht gekürzter Version in DIE ZEIT vom 19.10.2006.

An einer Katastrophe vorbeigeschrammt: Im schwedischen AKW Forsmark fiel im Juli 2006 der Notstrom aus.

Ja, ich will Strom mit Zukunft! 5. Auftragserteilung Ich beauftrage NATURSTROM mit der Lieferung von elektrischer Energie in Höhe meines Gesamtbedarfs für die oben bezeichnete Stromabnahmestelle. Ich beauftrage und bevollmächtige NATURSTROM, meinen gegenwärtig mit dem bisherigen Stromversorger bestehenden Stromversorgungsvertrag zu kündigen und, sofern notwendig, die erforderlichen Verträge mit dem örtlichen Netzbetreiber abzuschließen. Ich ermächtige NATURSTROM hiermit widerruflich, die fälligen Abschlags- und Rechnungsbeträge von folgendem Konto einzuziehen:

Name des Geldinstituts Bankleitzahl

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Sollte ich keine Ermächtigung zum Einzug der fälligen Zahlungen erteilen, so fällt eine Bearbeitungsgebühr von 1,50 Euro pro Monat an. Entsprechendes gilt ab Widerruf der Einzugsermächtigung. Unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) finden Anwendung. Diese sind wie unser Stromherkunftsnachweis unter www.naturstrom.de einsehbar. Gerne senden wir Ihnen die AGB auf Anfrage auch zu.

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Information über die Ausübung meines Widerrufrechts Mir ist bekannt, dass ich den Vertragsabschluss innerhalb von zwei Wochen nach Vertragsunterzeichnung schriftlich widerrufen kann. Zur Fristwahrung genügt die rechtzeitige Absendung des Widerrufschreibens. Der Widerruf ist zu richten an NaturStromHandel GmbH, Mindener Straße 12, 40227 Düsseldorf. VA VA 142 - 133, VP - 115

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LEBENDIGE ELBE

ElbeForum 2006 Am 14. Oktober 2006 veranstaltete die Deutsche Umwelthilfe in Dresden einen Kongress über die Elbe, an dem 120 Personen teilgenommen haben. Gefördert hat das ElbeForum unser Hauptwirtschaftspartner im Projektnetzwerk Lebendige Elbe, das Verlagshaus Gruner + Jahr.

Faszinierende Wasserspiele beim ElbeForum

Das diesjährige ElbeForum zeichnete sich durch seine Vielseitigkeit an Themen aus. Die Schmuckstücke an der Elbe, vor allem die Welterbestätten der UNESCO, standen im Mittelpunkt der Veranstaltung. Das ElbeForum 2006 setzte sich vielfältig mit dem Thema Mensch und Fluss auseinander: Die Teilnehmer entdeckten dazu zum Beispiel den literarischen Reichtum rund um den Fluss und sie erlebten die Schönheit der Elbe bei Dresden auf einer Flusskreuzfahrt.

Elbehochwasser in Hitzacker

In diesem Heft berichten wir ausführlicher über UNESCO-Perlen an der Elbe, über den Weißstorch, über eine Aktion der Bürgerinitiative PRO ELBE und über das Lernen am Fluss.

Doch auch Strom-Netzwerke und Naturschutzprojekte waren wichtige Themen. Die grenzüberschreitende Flussgebietsentwicklung, die Schadstoffbelastung und natürlich auch Hochwässer und Deichrückverlegungen wurden intensiv besprochen.

Schloss Wörlitz

Schmuckstücke im Verbund:

UNESCO-Perlen an der Elbe Die Elbe gehört zu den letzten großen naturnahen Flussgebieten in Europa. Hier befinden sich Natur- und Kulturgüter von internationaler Bedeutung in einzigartiger Dichte und Vielfalt. An der Quelle im Riesengebirge liegt das Biosphärenreservat Krkonoše. In dem Gebiet soll die biologische Vielfalt geschützt werden, dazu ist das Gebiet nachhaltig zu entwickeln. Flussabwärts prägen 24 Staustufen die Landschaft. Kurz bevor die Elbe nach Norden fließt, liegt Kutna Hora. Das historische Stadtbild wurde 1995 von der UNESCO als Welterbestätte anerkannt. An der deutsch-tschechischen Grenze hat die sächsisch-böhmische Schweiz

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gute Chancen, Welterbegebiet der UNESCO zu werden. Ein Stück flussabwärts liegt das Welterbe Dresdner Elbtal mit den Elbewiesen, der Dresdner Innenstadt und vielen weiteren Teilflächen. Die UNESCO hat das Welterbe Dresdner Elbetal auf die Rote Liste gesetzt, weil die geplante Waldschlösschenbrücke den zusammenhängenden Landschaftsraum des Elbbogens an der empfindlichsten Stelle irreversibel in zwei Hälften zerteilen würde. Beharrten die Entscheidungsträger auf dem Bau der Brücke, würde das Dresdner Elbtal von der UNESCO-Liste gestrichen. Das wäre der erste Fall in der Geschichte der Konvention.

Das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe mit einer Länge von 400 Kilometern bildet heute mit dem Wattenmeer die größten internationalen Schutzgebiete in Deutschland. In der Flusslandschaft liegt der größte Auenwald, der in Mitteleuropa bis heute erhalten geblieben ist. Nur hier hat in Mitteleuropa der Biber die brutalen Nachstellungen unserer Vorfahren überlebt. Wir finden an der Mittleren Elbe neben dem Biosphärenreservat auch alle anDas Projekt „Lebendige Elbe“ wird unterstützt von:

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LEBENDIGE ELBE

„Wenn alle an einem Strang ziehen, dann stehen die Zeichen gut, aus der Elbe in Deutschland das zu machen, was die Loire für Frankreich ist.“ Roberto Epple, Projektleiter „Lebendige Elbe“ und Direktor des international tätigen European Rivers Network

deren regionalen, nationalen und internationalen Schutzgebiete vertreten: Landschaftsschutzgebiete, Naturschutzgebiete, Naturparks, Ramsargebiete, Natura 2000-Gebiete und Welterbestätten. Kein anderes Gebiet in Deutschland hat so viele außergewöhnliche Kulturund Naturgüter. Neben den als Welterbe anerkannten Stätten in Wittenberg, Wörlitz und Dessau liegen der Magdeburger Dom sowie die Kirchen von Jerichow und Tangermünde nahe der Elbe. An der Mündung der Elbe liegt das Wattenmeer. Es ist noch nicht Welterbe, aber als einmalige Landschaft anerkannt. Voraussichtlich wird es 2008 für das Welterbe nominiert. Weite Teile der Elbe stehen zu Recht unter Schutz. Die Elbe hat ihr ureigenes Profil mit reizvollen Natur- und Kulturlandschaften. Die zahlreichen Schutzgebiete entlang der Elbe zeugen von der großen Bedeutung für den nationalen und internationalen Naturschutz. Was an der Elbe passiert, sollte deshalb international bekannt gemacht werden.

„Über die medienwirksamen Badetage hinaus möchten wir die Kommunikation und Zusammenarbeit entlang des Stromes künftig durch regelmäßig stattfindende Elbe-Foren weiter verbessern.“ Dr. Maria Hoffacker, Leiterin Public Affairs/Corporate Responsibility des Verlagshauses Gruner + Jahr

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Gotisches Haus im Dessau-Wörlitzer Gartenreich.

Von den ursprünglichen Überschwemmungsflächen der Elbe sind nur noch 13 Prozent vorhanden. Deshalb ist ein weiterer Rückbau der Deiche dringend notwendig. Unverantwortlich ist der geplante weitere Ausbau der Elbe für die Schifffahrt und insbesondere die Staudammprojekte in Tschechien. Das Kleinod Elbe ist hochgradig gefährdet. Obwohl es in einer solchen Situation darauf ankommt, die Kräfte zu bündeln und zu koordinieren, bleiben Natur- und Kulturgüterschutz an der Elbe durch Länder- und Gemeindegrenzen fragmentiert und schwach. Es fehlt eine länderübergreifende Allianz für die Erhaltung der Perlen. Bernd Paulowitz

UNESCO-Perlen an der Elbe

„In keiner Flussregion Deutschlands gibt es von der Quelle bis zur Mündung eine so hohe Dichte von internationalen Schutzgebietskategorien, die unter der Schirmherrschaft der UNESCO stehen, wie an der Elbe.“ Prof. Dr. Bernd von Droste zu Hülshoff, ehemaliger Direktor der UNESCO-Welterbezentrums in Paris, heute Berater der UNESCO

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Wattenmeer (Wartestand) Chile-Haus Hamburg (Wartestand) Biospärenreservat Flusslandschaft Elbe Gartenreich Dessau-Wörlitz Luthergedenkstätten in Wittenberg Dresdner Elbtal Museumsinsel Berlin Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin Historisches Zentrum von Prag Luthergedenkstätten in Eisleben Bauhaus in Weimar Historische Altstadt Weimar Schloss Litomýsl 14 Historisches Zentrum von Ceski Krumlov 15 Historisches Dorf Holasovice 16 Biosphärenreservat Krkonoše (Riesengebirge) 17 Bauhaus in Dessau 18 Bétlem Sculpturen bei Kuks (Wartestand) 19 Festung von Terezin (Wartestand) 20 Kutna Hora 21 Stiftskirche, Schloss und Altstadt von Quedlinburg

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LEBENDIGE ELBE

Der Weißstorch – Botschafter für einen Strom

Nirgendwo in Deutschland siedeln mehr Weißstörche als in der Elbregion. Der Strom ist zugleich die Verbreitungsgrenze zwischen den westlichen, sehr storchenarmen Brutgebieten und den östlichen Gebieten mit noch relativ hoher Besiedlung.

Bestandserholung von Dauer? Neben der höchsten Siedlungsdichte findet sich in den Landkreisen längs der Elbe auch der durchschnittlich beste Bruterfolg der Störche. So liegt der Bruterfolg der Störche hier bei durchschnittlich 2,5 Jungen pro Brutpaar. 2,5 Junge pro erfolgreich brütendem Paar – dieser Wert wird in den wenigsten deutschen Weißstörche am Fluss.

Kreisen erreicht . Er ist jedoch erforderlich, um den Weißstorchbestand zu erhalten. Die in den letzten fünfzehn Jahren zu beobachtende, leichte Bestandserholung bei den Weißstörchen ist denn auch eindeutig nicht auf verbesserte Bedingungen im Brutgebiet zurückzuführen. Vielmehr sind es günstigere klimatische Verhältnisse im Winterquartier. Seit Beginn der neunziger Jahre gab es mehr Niederschläge in der West-Sahel-Zone, was sich positiv auf die Rückkehrrate ausgewirkt hat. Die an der Elbe brütenden Störche profitieren eindeutig von Hochwasser. So haben die bis zu einer Entfernung von zwei Kilometer zur Elbe brütenden Storchenpaare in Jahren mit Hochwasser einen besseren Bruterfolg als elbfern brütende Paare. Nach Hochwässern gibt es immer sehr viele Amphibien, die den Störchen eine gute Nahrungsversorgung für die gesamte Brutsaison bieten. Im Frühjahr sind durch das hoch anstehende Grundwasser vornehmlich Regenwürmer verfügbar, die eine sehr wichtige Nahrung für die Jungen sind.

Storchendörfer in Brandenburg und Sachsen-Anhalt Eine besondere Attraktion an der Elbe sind die Storchendörfer Rühstädt in Brandenburg sowie Wahrenberg und Werben in Sachsen-Anhalt. Rühstädt ist mit seinen etwa 40 Storchenpaaren auch als „Europäisches Storchendorf“ ausgezeichnet. In Werben und Wahrenberg brüten jährlich 15 - 20 Paare. Interessant ist die Frage nach der Herkunft und dem Verbleib der Rühstädter Störche. Eine Auswertung von 150 Ringdaten im Zeitraum von 1964 bis 2003 zeigt, dass ein Großteil der Störche aus südöstlicher, ein kleinerer Teil aus nordwestlicher Richtung stammen. Die meisten Wiederfunde von in Rühstädt beringten Störchen stammen zur Brutzeit aus west-nordwestlicher Richtung. Diese Ansiedlungsrichtung von Südost nach Nordwest entspricht großteils dem Verlauf der Elbe bei Rühstädt, insofern ist eine Ausbreitung der Störche in westlicher Richtung sehr wahrscheinlich. Das Storchendorf Rühstädt ist Mitinitiator des „Verbunds der Europäischen Storchendörfer“. Aufgrund seines hohen Bekanntheitsgrades und seiner allgemeinen Beliebtheit bietet sich der Weißstorch in idealer Weise an, die Notwendigkeit für den Schutz der Art und ihres Lebensraumes deutlich zu machen und mit ihm dafür zu werben. Dies gilt besonders für Dörfer und Städte, in denen viele Störche kolonieartig zusammen brüten. Insgesamt gibt es inzwischen in Europa neun Gemeinden, die den Titel „Europäisches Storchendorf“ führen. Längerfristige Naturschutzkonzepte, die über die Betreuung der Nester in den Dörfern hinausgehen und die Nahrungsräume der Störche umfassen, fehlen allerdings zumeist.

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LEBENDIGE ELBE

Weißstörche während des Zuges.

Internationales Treffen der Storchendörfer in Rühstädt In Kooperation mit den spanischen Partnern aus dem Storchendorf Malpartida de Cáceres wurde im Rahmen eines über die Gemeinschaftsinitiative LEADER+ geförderten Projektes 2005 begonnen, den „Verbund Europäischer Storchendörfer“ auf internationaler Ebene aufzubauen und eine Organisationsstruktur für diesen Verbund zu erarbeiten. Dies wurde beim dritten Internationalen Treffen der Europäischen Storchendörfer anlässlich des Storchenfestes 2006 in Rühstädt fortgeführt. An der Tagung haben 40 ausländische Partner teilgenommen. Dazu kamen Vertreter von der Stiftung Euronatur, der Deutschen Umwelthilfe, Ciconia und Artist for Nature. Als wichtigstes Ergebnis der Tagung wurde eine „Petition Stromtod“ abgefasst. Der Tod durch Stromschlag beziehungsweise durch Kollision mit den Leitungen ist sowohl im Brutgebiet als auch auf dem Zug die häufigste Todesursache der Störche. Vor allem in Spanien als Durchzugs- und Überwinterungsgebiet und in der Türkei sind die Unfälle von Störchen an Stromleitungen extrem hoch. Die Petition zum Stromtod dient als wichtiges Argument, um mit den jeweils für die Freileitungen verantwortlichen Stromversorgern und Politikern ins Gespräch zu kommen.

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Fast flugfähige junge Weißstörche in gefährlicher Nähe einer Stromleitung.

Ein weiterer wichtiger Baustein des Netzwerkes ist ein jetzt bereits im zweiten Jahr stattfindender Jugendaustausch. Jugendliche aus verschiedenen europäischen Storchenregionen beschäftigen sich vornehmlich mit dem Weißstorchschutz in den jeweiligen Gastgeberländern. Neben den Rühstädter Störchen gibt es eine weitere, inzwischen sehr berühmte Botschafterin für die Elbe: Prinzesschen. Sie stammt vom Storchenhof Loburg und trägt einen kleinen Sender auf dem Rücken. Er lässt sich per Satellit orten. So ist es möglich, sehr viel über Gefahren auf dem Zug und in den Rastgebieten der Störche zu erfahren und eventuell Schutzmaßnahmen einzulei-

ten. Die Thematik wurde vom ZDF in einem zweiteiligen Abendfilm ausgestrahlt. Aktuell befindet sich Prinzesschen im Sudan, ihre Zugroute ist im Internet nachzulesen unter: www.prinzesschen.de. Die Elbtalaue ist heute aufgrund der hohen Dichte und des guten Bruterfolgs das Kerngebiet der Weißstörche in Deutschland. Nur eine intakte Population mit hoher Reproduktionsrate kann sich auch ausbreiten. Schutzmaßnahmen müssen also hier an der Elbe greifen. Insofern bleibt zu hoffen, dass die Botschaft der Störche erhört wird und ihnen der vom Wasser beeinflusste Lebensraum an der Elbe auch in der Zukunft erhalten bleibt. Krista Dziewiaty

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LEBENDIGE ELBE

Neues von der Elbe Die Elbe ist ein flacher Fluss, Herr Tiefensee! Mitglieder der Bürgerinitiative PRO ELBE wanderten Anfang Oktober bei Dessau durch die Elbe, die zu dieser Zeit maximal 95 Zentimeter tief war. Mit dieser Aktion wollten die Flussschützer dem Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee verdeutlichen: Die Elbe ist ein Niedrigwasserfluss. „Die Elbe ist viel zu flach, als dass sie jemals eine ganzjährig befahrbare Wasserstraße für den Güterverkehr werden könnte“, erklärte Iris Brunar, Koordinatorin der Umweltverbände in der Internationalen Kommission zum Schutz der Elbe.

Auch an der tiefsten Stelle kann man hier gut stehen (oben). Schottersteine nützen der Elbe nicht. Sie braucht neue Ideen (rechts).

Kyocera unterstützt Hochwasserschutz Die Kyocera Mita Deutschland GmbH, langjähriger Wirtschaftspartner der Deutschen Umwelthilfe, führte im Sommer 2006 eine besondere Spendenaktion durch. Zur Markteinführung seines neuen Multifunktionsgeräts FS-1016 MFP mit langlebiger Ecosys Technologie führte der Düsseldorfer Druckerhersteller für jedes verkaufte Gerät dieses Typs eine Spende von 10 Euro an die DUH ab. 10.333 Euro kamen so zusammen. Inklusive der staatlichen Hilfen konnte damit ein Fördervolumen von über 100.000 Euro für die Elbe mobilisiert werden. Das Geld wird für das Projekt Lenzener Elbtalaue verwendet, wo 450 Hektar Überschwemmungsfläche neu entstehen. Kyocera und die DUH arbeiten seit 1984 zusammen. „Fortschritte beim ökologischen Hochwasserschutz können wir nur erreichen, wenn die Bemühungen der regionalen Behörden von Politik und Unternehmen stärker unterstützt werden“, forderte Jörg Dürr-Pucher, Generalbevollmächtigter der Deutschen Umwelthilfe andere Unternehmen auf, dem Beispiel von Kyocera zu folgen. Im Gegensatz zur Politik, die den großen Worten nach dem Elbehochwasser und seinen Vorgängern an Oder und Donau kaum Taten hat folgen lassen, will die Deutsche Umwelthilfe mit Unterstützung des Bundesamtes für Naturschutz an der Elbe bei Lenzen das größte Rückdeichungsprojekt an der Elbe voranbringen. „Da die staatlichen Kassen leer sind und die Spendenbereitschaft der Menschen wegen der Steuer- und Abgabenerhöhungen deutlich zurückgeht, sehen wir eine besondere Verantwortung als Unternehmen, Flüsse wieder zu Lebensadern der Landschaft zu machen. Wir wollen an vorderster Front gegen die sich häufenden Hochwasserkatastrophen kämpfen“, erklärte Detlef Herb, Umweltbeauftragter von Kyocera Mita.

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Der Bundesverkehrsminister hatte im August dieses Jahres seinem tschechischen Amtskollegen eine ganzjährige Tiefe der deutschen Elbe von 1,60 Meter zugesichert. Auf der Grundlage dieser Zusage will die tschechische Seite die Kanalisierung der Elbe mit EU-Geldern bis zur deutschen Grenze vorantreiben. „Was haben Sie mit unserer Elbe vor?“ fragt Iris Brunar den Verkehrsminister Tiefensee: „Entweder werden unsere tschechischen Nachbarn getäuscht und ihnen eine Fahrrinnentiefe versprochen, die nicht einzuhalten ist, oder uns werden die wahren Absichten über einen anschließenden Ausbau der deutschen Elbe verschwiegen.“ Die Bürgerinitiative kritisierte zudem die erneut anlaufenden Baumaßnahmen an der Elbe bei Magdeburg und CoswigWörlitz: „Der Elbe nützen keine Schottersteine, wenn das nötige Wasser fehlt. Sie braucht neue Ideen. Wir helfen Ihnen gerne dabei, Herr Tiefensee!“

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LEBENDIGE ELBE

Drei mal Lernen am Fluss

Schulen für eine Lebendige Elbe sehen jedes Mal etwas anders aus. Aber sie bringen immer Spaß und neues Wissen: Lehrer-Schüler-Workshop am Beetzsee.

den Erkundungs- und Untersuchungsaufgaben zu Fuß oder per Kanu markierten die Teilnehmer zusammen mit dem Umweltverein Die NaturFreunde, Ortsgruppe Brandenburg, einen Wanderweg. Am Abschlusstag präsentierten die 25 SchülerInnen ihre Ergebnisse. Das LISUM BRB und die Hanseatische Naturund Umweltinitiative unterstützten die Aktion in diesem Jahr finanziell.

Elbe-Schüler-Camp in Wolkenstein/Sachsen Im sächsischen Wolkenstein lernten mehr als 40 Jugendliche die touristischen Potentiale des Bergbau- und Kurortes kennen, erfassten die Gewässerund Strukturgüte der Zschopau und pflegten in Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverband ZschopauFlöhatal eine Bergkräuterwiese. Ihr neu gewonnenes Wissen stellten sie anschließend in einer Inforallye unter Beweis. Mitarbeiter der Umweltbetriebsgesellschaft Sachsen mbH führten die jungen Leute in die Hochwasservorhersage Sachsens und in die Zusammenhänge von Geologie und Hochwasserereignissen im Einzugsbereich der Zschopau ein. Der Hit: die Jugendlichen durften selbst im Neoprenanzug eine Abflussmessung durchführen. Wir danken dem Sächsischen Kultusministerium für die finanzielle Förderung.

Lehrer-Schüler-Workshop am Beetzsee/ Brandenburg Plankton, Wasserpflanzen, Fische und der Mensch als Anwohner oder als Tourist standen im Mittelpunkt des Schülerund Lehrertreffens am Beetzsee. Neben

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Rollentausch: vom Schüler zum Kaffeeplantagenbesitzer – Pflanzenschutzmittel belasten nicht nur die Gesundheit sondern auch das Grundwasser.

Projektwoche Wasser in Ronney/Sachsen-Anhalt Die Jugendlichen testen das Naturkneippbecken Wolkenstein. Wasserabflussmessung in der Zschopau.

Nachhaltigkeit im Team vermitteln, Anreize zu schaffen, über Umwelt- und Naturschutz und die sozialen Folgen des eigenen Konsumverhaltens nachzudenken – dazu gab die Projektwoche „Wasser – global und doch so nah“ Raum und Anregung. 15 Sekundarschüler bekamen unter anderem die Chance, sich mit der Rolle des Lebenselements Wasser im Nord-Süd-Konflikt anschaulich auseinanderzusetzen. Sie konnten Wasseruntersuchungen an der Elbe, Saale und Nuthe durchführen und sich über die Deichrückverlegung als Hochwasservorsorge informieren. Die Lotto Toto GmbH Sachsen-Anhalt hat diese Kooperationsveranstaltung der Deutschen Umwelthilfe und des Umweltzentrums Ronney finanziell gefördert. Vielen Dank.

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LEBENDIGE SEEN

Neues Seenschutznetzwerk für China

11. Living Lakes-Konferenz in China: Aufbruch zu nachhaltigem Seenschutz Dass China großen Umweltproblemen gegenübersteht, ist kein Geheimnis. Davor kann auch die chinesische Politik die Augen nicht verschließen. 75 Prozent aller Seen in China leiden unter Nährstoffüberschuss. In einigen Fällen sind die Seen schon umgekippt oder stehen kurz davor. Dies berichtete Siyi Hu, chinesischer Vizeminister für Wasser, auf der 11. internationalen Living Lakes-Konferenz in Nanchang. Wie Seen in China und weltweit geschützt werden können, darüber diskutierten 200 Experten vom 29. Oktober bis 2. November 2006 auf der vom Global Nature Fund (GNF) und dem chinesischen Living Lakes-Partner MRLSD organisierten Konferenz. Schwerpunktthemen bildeten Landwirtschaft und Vogelgrippe.

Landwirtschaft und Seenschutz Drei Maßnahmen stellte Hartmut Vogtmann, Präsident des Bundesamtes für Naturschutz, in den Mittelpunkt seiner Eröffnungsrede: Vor dem Hintergrund wachsender Ressourcenknappheit und der Zerstörung natürlicher Ökosysteme sei es dringend nötig, weltweit auf ökologischen Landbau umzustellen, weniger Wasser zu verbrauchen und die wachsende Flächenversiegelung zu stoppen. Die Landwirtschaft stellt eine der größten Gefahren für intakte Seen dar, so das Ergebnis einer Umfrage unter 21 Seenregionen, die der GNF auf der Veranstaltung vorstellte.

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200 Teilnehmer diskutierten auf der 11. Living Lakes-Konferenz in China die Themen Landwirtschaft und Seenschutz.

Die negativen Auswirkungen auf die untersuchten Seen – darunter der Bodensee, der Baikalsee in Sibirien und das Tote Meer im Nahen Osten – sind vielfältig: ■ Erosion und Sedimentablagerun-

gen durch Abholzung und Übernutzung der Böden an den Seeufern und in den Einzugsgebieten, ■ Ausgetrocknete Seen infolge der

Übernutzung der Wasserreserven zur Bewässerung, ■ Eutrophierung und Belastung der

Wasserqualität durch Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden. Wie umweltschonende Landwirtschaft aussehen kann, erfuhren die Konferenzteilnehmer bei der Besichtigung einer ökologischen Teeplantage. Sie liegt in den Lushan Bergen im Einzugsgebiet des Poyangsees, Chinas größtem Süßwassersee. Der ohne künstliche Dünger und Pestizide angebaute Tee stellt eine wichtige Einkommensquelle dar und soll

weltweit exportiert werden. Eine andere Möglichkeit, Belastungen aus der Landwirtschaft zu reduzieren, sind Biogasanlagen. Sie entlasten den See von Abwässern und tragen zugleich zu aktivem Klimaschutz bei. Nach Angaben der lokalen Behörden liefern 1,2 Millionen kleine Anlagen Kochgas für die arme Landbevölkerung am Poyangsee.

Neues Seen-Netzwerk China Auf der Konferenz beschlossen der GNF und seine Living Lakes-Partnerorganisationen bis zum Jahr 2007 ein chinesisches Living Lakes-Netzwerk zu gründen. Damit sollen Bemühungen, den Schutz der Seen zu verbessern, über den Poyangsee hinaus in andere Regionen Chinas ausgedehnt werden. In einem ersten Schritt haben vier chinesische Nichtregierungsorganisationen in Zusammenarbeit mit dem GNF ein Arbeitsprogramm erstellt und die Struktur des geplanten Netzwerkes festsetzen.

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LEBENDIGE SEEN Vogelgrippe weiter ein heikles Thema Im Rahmen der Living Lakes-Konferenz fand ein von der FAO (UN-Organisation für Landwirtschaft und Ernährung) und UNEP/CMS (UN-Sekretariat der Konvention zum Schutz wandernder Arten) gefördertes Seminar zur Problematik „Vogelgrippe, Wildtiere und Umwelt“ statt. Einig waren sich die Referenten, dass nicht Wildvögel, sondern die intensive Geflügelhaltung Ursache für die Verbreitung des aggressiven H5N1-Virus sei. Der FAO-Experte Scott Newman berichtete, dass die traditionelle Fischzucht in Asien zur Verbreitung des Vogelgrippe-Erregers auf Wildvögel beitrage. Da Fischzüchter Geflügelkot als Fischfutter in ihre Teiche schütten, könne der Vogelgrippeerreger auf Wildvögel überspringen. Sorge besteht, dass der Virus sich eines Tages auf den Schneekranich übertragen könnte. Rund 95 Prozent der Population dieses seltenen Vogels überwintern am Poyangsee.

Reisanbau in der Poyangregion/Jiangxi-Provinz. Viele Menschen leben hier vom Fischfang.

Die 12. internationale Living Lakes-Konferenz wird im Jahr 2008 am italienischen Trasimeno See stattfinden. Förderer der 11. Living Lakes-Konferenz:

Die Konferenz in den Medien

Der Poyangsee, Chinas größter Süßwassersee im Modell.

■ Die tageszeitung aus Berlin schrieb am 30.10.2006 zur Living LakesKonferenz des Global Nature Fund in China:

„China nähert sich dem Ökodesaster. … Umso lobenswerter ist das Engagement von Global Nature Fund, Greenpeace und anderen, die in den letzten Jahren trotz unklarer Rechtsstrukturen und unkalkulierbaren Partnerorganisationen ihr Engagement in China beständig ausbauen. Sie nähren heute den Fundus eines ökologischen Bewussteins in einem Land, auf das die Welt noch angewiesen sein wird.“

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■ Am 1. November 2006 berichtete die Tagesschau in der ARD über die „Internationale Seenschutz-Konferenz“ des Global Nature Fund in China.

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LEBENDIGE SEEN

GNF-Stifterin der ersten Stunde ■ Karla Bauer, Stifterin des GNF, hat im Juli 2006 ihren 80. Geburtstag gefeiert. Dazu gratulieren die Mitarbeiter des GNF herzlich! Wir wünschen Karla Bauer Gesundheit und noch viele Jahre die Möglichkeit, die schöne Natur vor ihrer Haustüre zu genießen. Seit langem ist sie dem Bund Naturschutz in Bayern verpflichtet, und besonders liegt ihr das Murnauer Moos am Herzen. Karla Bauer hat immer über den Tellerrand hinausgeblickt. Sie hat sich früh sowohl für den europäischen Naturschutz als auch für internationale Projekte interessiert.

Mangroven retten Menschenleben

EU-gefördertes Post-TsunamiProjekt in Sri Lanka Am 26. Dezember 2004 ereignete sich eine der größten Naturkatastrophen unserer Zeit. Mit der Tsunami-Flutwelle brach auf Tausende von Menschen in Südostasien ein unfassbares Unglück herein. Aber auch die Hilfsbereitschaft der Menschen war überwältigend. Der Global Nature Fund hat im Frühjahr 2005 mit Spenden ein erstes Projekt zur Renaturierung der wichtigen Mangrovenwälder gestartet. Sie bilden einen natürlichen Schutz gegen die Zerstörungskraft der Wellen.

Über Gerhard Thielcke, den sie schon länger kennt, wurde sie im Jahr 1997 Gründungsmitglied des Global Nature Fund. Ihr Beitrag machte es möglich, die Umweltstiftung von Anfang an auf ein solides finanzielles Fundament zu stellen. Von 1998 bis 2006 war Karla Bauer im Stifterrat des Global Nature Fund tätig. Für ihr Engagement ein herzliches Dankeschön!

Flugmeilen für die Seen der Welt ■ Das weltweite Flugaufkommen hat sich in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdoppelt. Wegen der damit verbundenen Emissionen bewerten Umweltverbände die Zunahme der Flugreisen zu Recht kritisch. Auf der anderen Seite gibt es ein wachsendes Bedürfnis nach Mobilität. Ohne das Flugzeug wären viele wirtschaftliche Entwicklungen nicht denkbar und der Austausch zwischen den Kulturen bedeutend geringer. Deshalb bieten der Global Nature Fund (GNF) und Lufthansa AG Flugreisenden, die auf ihre Reise nicht verzichten können, einen neuen Service an. Seit November 2006 besteht die Möglichkeit, Prämienmeilen direkt für internationale Umweltweiter auf S. 23

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Baumschule für Mangrovenbäume (oben und unten).

In der Folge hat der GNF im Dezember 2005 Zuschüsse der EU-Kommission und der Hamburger Stiftung Serendib erhalten. Mit ihrer Hilfe realisieren wir derzeit ein umfangreiches Projekt zur Mangrovenaufforstung, Bildung und Wiederherstellung von Existenzen in Sri Lanka. Nach nur einem Jahr Laufzeit gibt es einige Erfolge zu berichten. In 18 neu gegründeten Baumschulen wurden von den GNF-Partnerorganisationen in Sri Lanka, der Nagenahiru Stiftung und EMACE, bereits über 50.000 Mangrovenbäume nachgezogen, die in den kommenden Monaten ausgepflanzt werden. Über 60 betroffene Binnenfischer erhielten neue Fischernetze und Boote. Ein unabhängiges Komitee, gegründet von der Nagenahiru Stiftung, besuchte

zuvor die Familien und wählte besonders bedürftige Kandidaten aus. Weitere neue Einkommensmöglichkeiten für betroffene Familien bietet das traditionelle Kunsthandwerk. Fußmatten, die aus Kokosfasern hergestellt werden, oder geflochtene Handtaschen aus heimischen Grasarten – die Ideen sind vielfältig. Im Rahmen eines weiteren GNF Projektes in Sri Lanka, das von der deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (gtz) gefördert wird, hat der GNF energiesparende LED-Lampen entwickelt. Die Fischer benutzen bis heute Kerosinlampen, um nachts beim Fischen die Garnelen anzulocken. Das benötigte Kerosin ist nicht nur teuer, sondern auch schädlich für die Umwelt, da die Lampen schnell auslaufen können. Der Einsatz von LED-Lampen ist eine umweltgerechte Alternative. Um die Erfahrungen und Ergebnisse auch an andere vom Tsunami betroffene Länder wie Indonesien, Thailand und Indien weiterzugeben, wird der GNF im April 2007 eine internationale Expertenkonferenz in Sri Lanka ausrichten.

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LEBENDIGE SEEN

Solar Lakes-Konferenz am Bodensee

Erneuerbare Energien und Naturschutz in Einklang bringen Ist eine Windkraftanlage mit Zugvogelschutz vereinbar? Rechtfertig eine Biogasanlage quadratkilometergroße Maismonokulturen? Und ist der rasante Ausbau der erneuerbaren Energien noch mit wirksamem Naturschutz in Einklang zu bringen? Fragen wie diese haben europäische Fachleute

Fortsetzung von S. 22

und Naturprojekte an den GNF zu spenden. „Miles to Help“ können Fluggäste der Lufthansa und aller Partnerfluggesellschaften der Star Alliance im Rahmen von „Miles & More“ nutzen „Die neue Aktion ist für Lufthansakunden eine wunderbare Gelegenheit, mit Flugmeilen Gutes zu tun“, betont Udo Gattenlöhner, Geschäftsführer des GNF.

während der Solar Lakes-Konferenz Ende September in Friedrichshafen am Bodensee gestellt. Die Veranstaltung wurde vom Global Nature Fund (GNF), gemeinsam mit seinen Partnern Deutsche Umwelthilfe, Bodensee-Stiftung, der Stadt Friedrichshafen und dem Unternehmen Kärcher GmbH und Co. KG organisiert. Tanja Gönner, Umweltministerin des Landes Baden-Württemberg, hat die Konferenz eröffnet.

Auf der Solarfähre Helio erklärt der Kapitän den Konferenzteilnehmern die Funktionsweise des Schiffes.

Udo Gattenlöhner, Geschäftsführer des Global Nature Fund, ist davon überzeugt, dass Konflikte beim Ausbau der erneuerbaren Energien vermeidbar sind, wenn alle Interessengruppen frühzeitig an den Vorhaben beteiligt werden. „Gerade in den ökologisch wertvollen Seengebieten muss bei der Planung und dem Bau neuer Anlagen sensibel vorgegangen werden. Wir wollten mit der Konferenz Anregungen geben, damit bei der rasanten Weiterentwicklung der regenerativen Energien der Naturschutz nicht zu kurz kommt, “ fasst er die Zielrichtung der Konferenz zusammen. Die Begeisterung der über 70 Teilnehmer aus ganz Europa spricht dafür, dass dies gelungen ist. Besonders der Besuch des Bioenergiedorfs Mauenheim, dem ersten Dorf in Baden-Württemberg, wel-

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ches demnächst vollständig aus heimischer erneuerbarer Energie versorgt wird, fand großen Anklang. „Ich war sehr daran interessiert und hätte dort den ganzen Tag verbringen können“, freute sich ein Teilnehmer aus England. Neben der Exkursion in die Bodenseeregion fanden auf dem Friedrichshafener Messegelände Vorträge und Arbeitssitzungen statt. Der GNF bekräftigte auf der Konferenz sein Bekenntnis zu erneuerbaren Energien. Das Thesenpapier war Grundlage für zahlreiche Diskussionen. Dabei spielte auch der Atomausstieg eine Rolle. Aus der Sicht des Global Nature Fund ist der verstärkte Einsatz erneuerbarer Energien die einzige risikoarme und ökologisch wie ökonomisch vertretbare Möglichkeit, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern deutlich zu reduzieren.

Seit vielen Jahren ist die Lufthansa enger Partner und Förderer des weltweiten Seennetzwerks Living Lakes. Durch die Meilenspenden werden drei Projekte innerhalb des Netzwerks unterstützt. So kann man zum Beispiel durch gespendete Flugmeilen helfen, seltene Tierarten vor dem Aussterben zu bewahren. Schon mit 10.000 Meilen kann ein Schneekranich in China beringt und dadurch besser geschützt werden. In Südafrika werden durch die Spende Wälder wieder aufgeforstet. Mit einer Spende von 10.000 Meilen können auch fünf Bäume im Projekt „Trees for Life“ gekauft, gepflanzt und gepflegt werden. Im größten Feuchtgebiet der Erde, dem Pantanal in Brasilien, werden mit jeder 20.000Meilenspende 5.000 Quadratmeter Fläche von den Umweltschützern gekauft und damit langfristig geschützt. Mehr Informationen unter www.globalnature.org/miles-tohelp.

Insgesamt zeigten sich die Veranstalter mit der Konferenz sehr zufrieden. Die Bodenseeregion präsentierte sich wieder als perfekte Gastgeberin und hat mit ihrer Landschaft und ihren Neuerungen die europäischen Gäste überzeugt. Unterstützt wurde die Konferenz durch das EU-Programm Intelligent Energy Europe, das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) und das Umweltbundesamt (UBA). Das 8. Sonderpostwertzeichen „Klimaschutz geht alle an“ machte es möglich. Vielen Dank.

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LEBENDIGE SEEN

Living Lakes-Freunde:

Zweites Treffen am Bodensee Im September 2006 fand das zweite Treffen der Living Lakes-Freunde statt. Der GNF konnte fünf Förderer aus der gesamten Bundesrepublik begrüßen. Bei schönstem Spätsommerwetter wurden verschiedene Exkursionen am Untersee, dem artenreicheren Teil des Bodensees, durchgeführt. Auf dem Programm standen eine Fahrt mit der Solarfähre auf dem Untersee, eine Besichtigung des seit 20 Jahren ökologisch wirtschaftenden Müllerhofs sowie eine Führung im Wollmatinger Ried, zwischen der Insel Reichenau und Konstanz.

Selten hatten die Gäste eine so beeindruckende Ansammlung von Großen Brachvögeln wie in den geschützten Buchten im Wollmatinger Ried beobachten können. Während der zwei Besuchstage erfuhren sie beispielsweise, wie ein Strandwall entsteht, wo das Bodensee-Vergissmeinnicht wächst, was unter Emmer (eine alte Getreidesorte) zu verstehen ist. Eine Wanderung auf einem Teil des LIFE-Untersee-Pfads rundete das Besuchsprogramm ab. Ein Dia-Vortrag in der Geschäftsstelle rückte die internationalen Projekte des Global Nature Fund ins Licht. Auch sie spielen sich teilweise am Bodensee ab, wie etwa Kids for Birds oder die Naturerlebnismesse Fokus Natur. Alle Gäste

äußerten sich positiv über die Möglichkeit, am Beispiel des Bodensees mehr über die Arbeit der Naturschutzverbände und das internationale Netzwerk Living Lakes zu erfahren.

Auch das Wetter gab sich Mühe beim Treffen der Living Lakes-Freunde.

„Gärten für den Frieden“ am Toten Meer „Trotz der schwierigen politischen Lage im Nahen Osten kann Wasser auch Mittel für den Frieden sein, wenn es nachhaltig und gerecht genutzt wird“, so Munqeth Mehyar, jordanischer Direktor vom Living Lakes-Partner, Friends of the Earth Middle East (FoEME). Junge Freiwillige aus israelischen, palästinensischen und jordanischen Gemeinden am Toten Meer sollen ökologische Gärten und Spielplätze gemeinsam planen, anlegen und pflegen. Durch die Verwendung umweltfreundlicher Komponenten und standorttreuer Pflanzen werden grüne Oasen in den jeweiligen Gemeinden geschaffen, die Kinder auf beiden Seiten der Grenze pflanzen „Gärten für den Frieden“.

der gesamten Einwohnerschaft nützen. Damit wird langfristig ein Bewusstsein für die kostbare Ressource Wasser sowie für den Sinn einer nachhaltigen Entwicklung entstehen. Gleichzeitig werden Menschen auf beiden Seiten der Grenzen über ein gemeinsames Umweltprojekt miteinander verbunden. Trotz oder gerade wegen der aktuellen Nahost-Kri-

„Die Zusammenarbeit im Nahen Osten funktioniert auf lokaler Ebene auch in Krisenzeiten schon seit langem. Das Projekt „Gärten für den Frieden“ ist ein weiterer Schritt, gegenseitiges Verständnis für die Bedeutung einer intakten Natur zu stärken und dabei konkrete Maßnahmen zum Schutz wertvoller Ressourcen vor Ort umzusetzen.“ Munqeth Meyar, jordanischer Direktor von Friends of the Earth Middle East (FoEME).

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se ist diese Initiative eine Möglichkeit, nicht nur den Naturschutz, sondern gute Nachbarschaft zwischen Gemeinden unterschiedlicher Nationen und Religionen am Toten Meer zu fördern. Für ökologische Baustoffe, Pflanzensetzlinge, Schläuche zur Berieselung während der Anwuchsphase, für Geräte und die Verpflegung der Freiwilligen werden rund 5.000 Euro benötigt. Diese Summe soll in zwei Gemeinden den Start des Projekts ermöglichen. Das Magazin natur+kosmos wird diese „Aktion des Monats“ in seinem Januar-Heft vorstellen. Spender erhalten ab einer Spende von 20 Euro eine von Gidon Bromberg, Projektleiter bei FoEME, unterzeichnete Urkunde. Helfen Sie mit, die „Gärten für den Frieden“ zu ermöglichen. Setzen auch Sie ein Zeichen für den friedlichen Umwelt- und Naturschutz. Global Nature Fund, SpendenkontoNr. 804041 6000, GLS-Bank Frankfurt/ Main, BLZ 430 609 67 Stichwort: „Gärten für den Frieden“

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LEBENDIGE SEEN

BUND-Jungstörche als „Kids for Birds“ im Einsatz Mit spannenden Aktivitäten und wissenswerten Lerninhalten zur Vogelwelt begeisterte Stephanie Lotz vom Global Nature Fund (GNF) Grundschüler aus der Kindergruppe in Volkertshausen.

Die Kinder hatten viel Spaß bei den Spielen und Unternehmungen rund um das Projekt „Kids for Birds“.

Die Jungstörche der BUND-Ortsgruppe Volkertshausen treffen sich regelmäßig einmal monatlich mit wechselndem Programm. Dafür werden gerne auch einmal externe Referenten eingeladen. Uschi Ehinger, Gruppenleiterin der BUND-Jungstörche Volkertshausen und GNF-Mitarbeiterin, lud ihre Kollegin Stephanie Lotz ein, das „Kids for Birds“ Projekt vorzustellen und einen Nachmittag mit Kindern zu gestalten. Hierzu traf man sich bei schönem Herbstwetter auf einer Wiese hinter der Verena Kirche, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von der katholischen Kirchengemeinde. Zur Einstimmung flitzten die „Vogeleltern“ beim Amselspiel um die Wette, um die meisten Regenwürmer ins Nest zu tragen. Dabei wurde den Kindern die Bedeutung von Tarnung deutlich. Vor allem die grünen Regenwürmer in Form von Zahnstochern blieben im Rasen auf den ersten Blick versteckt liegen. Im theoretischen Teil lernten die Kinder anhand des anschaulichen Lehrmaterials Wissenswertes über verschiedene Vogelarten und deren Anpassung an ihren Lebensraum. Bei einem Ameisen-undSpecht-Spiel wurden die Lerninhalte wiederholt.

die Gruppe mit einer Schnur ein Nahrungsnetz entstehen. Hier wurde erkennbar, dass in einem Ökosystem sehr viele Faktoren Einfluss aufeinander haben. Mit der Initiative „Kids for Birds - Jugend aktiv für Vogelschutz“ will der GNF bei Kindern und Jugendlichen im Alter von sechs bis zwölf Jahren Interesse an der heimischen Vogelwelt und am Schutz des Lebensraums der Vögel wecken. Lehrer sowie Jugendgruppenleiter können als Multiplikatoren und Betreuer aktiv am Projekt mitarbeiten. Die gewonnenen Erfahrungen sowie das erarbeitete Lehrmaterial nutzen sie für eine alternative Unterrichtsgestaltung. Das Projekt findet in der Bodenseeregion in Zusammenarbeit mit dem BUND sowie länderübergreifend auch in Polen an den Militscher Teichen sowie in Estland am Võrtsjärv See statt.Es wird mit Unterstützung der Stiftung Naturschutzfonds fonds, aus zweckgebundenen Erträgen der Glücksspirale und der Initiative Aktion Mensch 5000xZukunft gefördert.

Im zweiten Teil konnten die Kinder selbst aktiv werden und gingen mit dem Fernglas auf die Pirsch. Zum Abschluss ließ

Living Lakes-Förderer:

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Ökologischer Weinbau Natur-Textilien Die Geburt des Plopp (4-seitig) Amphibien Erfolge und Defizite im Vogelschutz Biber Eulen und Käuze Hornissen Spinnen Libellen Fledermäuse Rettet die Wale Soziale Faltenwespen Kleinwale in Nord- und Ostsee Grundwasser Aktion Biberschutz Lebendiger Neckar Lebendige Elbe Energie aus lebendigen Wäldern Lebendige Werra Lebendige Radolfzeller Aach Lebendige Donau Lebendige Weser neu ab Treibhaus Erde Janu ar 2007

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„UNBEKANNTE“ TIERARTEN

Der Wiedehopf: Klima-Mimose Wie kaum eine andere Vogelart reagiert der Wiedehopf sehr genau auf wärmeres oder kälteres Klima. So war er zum Beispiel um die Mitte des 19. Jahrhunderts in ganz Mitteleuropa verbreitet. Selbst in Südschweden brütete er als Reaktion auf höhere Temperaturen. Anfang des 20. Jahrhunderts gaben die Wiedehopfe schrittweise Gebiete im nördlichen Mitteleuropa wieder auf. Es folgten eine erneute Ausdehnung des Brutgebiets und wiederum ein Rückzug. Vor allem seit Mitte des 20. Jahrhunderts wirken Perioden günstigen Klimas nicht mehr so positiv auf die Verbreitung des Wiedehopfs wie früher. Der Grund: Seine Lebensräume werden aufgrund der Eingriffe des Menschen immer enger.

Gestank als Abwehr gegen Nestfeinde Wiedehopfe bauen ihre Nester in Baum-, Mauer- und Erdhöhlen. Im Alter von sechs Tagen beginnen die Jungen, Feinde, die am Ausgang ihrer Höhle erscheinen, mit Kot zu bespritzen. Gleichzeitig geben sie ein übel riechendes Sekret aus der Bürzeldrüse ab. Auch die Weibchen – nur sie brüten – können ein solches Sekret ausscheiden. Als weitere Abwehr stoßen die Jungen blitzschnell mit dem Kopf nach oben und öffnen dabei den Schnabel.

Vielfalt der Lebensräume Wiedehopfe leben in offenen Landschaften mit Höhlen zum Brüten und kurzer beziehungsweise schütterer Pflanzendecke. Für die Jagd nach Insekten und Larven bevorzugen sie weichen, pflanzenarmen Boden. Aber auch auf hartem und steinigem Grund kommen sie zurecht, wenn genügend Kleinstrukturen vorhanden sind, zum Beispiel Steinhaufen, Geröll, Bodenspalten, kleine Erdlöcher und Dung von Weidetieren. Typische Brutlebensräume sind offene Park- und Auenlandschaften, Obst, Wein- und Olivenanlagen, lockere Kork- oder Steineichenbestände, Viehweiden, Gärten und Äcker mit extensiver Bodennutzung. Wiedehopfe brüten in baumarmen Landschaften in Viehställen, Scheunen und verfallenen Häusern.

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„UNBEKANNTE“ TIERARTEN Tierische Nahrung Auf dem Speiseplan der Wiedehopfe steht ausschließlich Tierisches. Sie bevorzugen größere Wirbellose wie Insekten und deren Larven, zum Beispiel Heuschrecken, Maulwurfsgrillen, Feldgrillen, Engerlinge der Maikäfer, Eulenund Schwärmerraupen sowie Eidechsen. Die Vielfalt der Nahrung erfordert verschiedene Methoden, sie zu erbeuten. Wiedehopfe scheuchen Beute auf, laufen hinterher und stochern im Boden. Maulwurfsgrillen und Engerlinge werden ertastet. Bei der Jagd am Boden wenden sie Steine und Laub um, langsam fliegende Insekten wie Maikäfer fangen sie in der Luft. Die mit der Spitze des langen Schnabels erfassten Beutetiere werden in die Luft geschleudert und mit dem Schlund aufgefangen.

Wie man ihm helfen kann Die wichtigsten Maßnahmen sind die Sicherung extensiv bewirtschafteter Streuobstgebiete, Wiesen und Rebfluranlagen. Außerdem müssen Bäume mit

Wiedehopf mit Futter (oben) und beim Füttern seiner Jungen in einer Baumhöhle (unten).

Specht- und Fäulnishöhlen erhalten bleiben sowie spezielle Nistkästen aufgehängt werden. Wichtig sind auch Feldgärten am Rande der Dörfer ohne Einsatz von Pestiziden. Die Beweidung des

Grünlands mit Rindern, Schafen und Ziegen fördert das Angebot der Nahrung. Mit den meisten dieser Maßnahmen wird nicht nur Wiedehopfen geholfen, sondern auch die Biodiversität gefördert.

Steckbrief Wiedehopf

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Verwandtschaft:

Einziger Vertreter der Familie Wiedehopfe.

Aussehen:

Gefieder hell orangebräunlich. Flügel und Schwanz schwarz-weiß quergebändert. Aufrichtbare Haube. Langer, gebogener Schnabel.

Gewicht:

65 Gramm.

Gesang:

upupup.

Verbreitung:

Große Teile Europas, Asiens und Afrikas.

Lebensraum:

Lockere, lichtungsreiche Waldflächen bis baumlose Steppen.

Wanderungen:

Teilzieher.

Nahrung:

Insekten, zum Beispiel Maulwurfsgrillen, Maikäfer, Feldgrillen und Mistkäfer.

Gefährdung:

Lebensraumzerstörung. Intensive Bewirtschaftung. Aufgabe der Bewirtschaftung.

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LEBENDIGE FLÜSSE

Weser-Erlebnis-Wochenende Ausgerüstet mit Keschern, Becherlupen, Pinseln und Gummistiefeln sowie mit Helm und Kletterseil verbrachten die Schülerinnen und Schüler der Leibnizschule aus Hannover, des Gymnasiums Uetze sowie der David-Fabricius-Schule aus Ostgroßefehn ein Weser-Erlebnis-Wochenende im Schullandheim Nienstedt. Sie zählen zu den bisher 30 Schulen, die am Projekt „Schulen für eine Lebendige Weser“ der Deutschen Umwelthilfe e.V. teilnehmen. Förderer ist „BINGO – die Umweltlotterie“.

Mit dem mobilen Labor wird die Gewässergüte chemisch-physikalisch untersucht.

Mit viel Geschicklichkeit, Mut und Spaß bestanden die 26 Schüler/innen zunächst einige Abenteuer- und Überlebensprüfungen in der Natur: Sie stakten auf einem Floß über den Teich, lernten verschiedene Feuertechniken kennen und bargen fiktive Giftmüllbehälter mit Hilfe einer Kletteraktion. Dabei wurde nicht nur Forschergeist geweckt, sondern auch Kooperationsfähigkeit, Eigenverantwortung und Reflexionsvermögen geschult. Im Mittelpunkt des Wochenendes stand eine umfassende Gewässergüteuntersuchung des Waltershagener Bachs. Verschiedene Forschungsgruppen ermittelten die chemisch-physikalische und die biologische Gewässergüte sowie die Strukturgüte. Mit einem Freiland-Labor untersuchten die Schüler/innen u.a. pHWert, Phosphat- und Nitratgehalt und damit den aktuellen Belastungszustand des Bachs. Mit Feuereifer kescherten die Jugendlichen unzählige Bachflohkrebse, Wasserkäfer, Schnecken, Strudelwürmer und Insektenlarven. Insbesondere die Köcherfliegenlarven mit ihrem

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Nur gemeinsam kann die Aufgabe gelöst werden.

Mitten im Teich ist ein Behälter zu bergen – aber wie das Floß ohne Paddel über das „giftige“ Wasser bewegen?

kunstvoll gebauten Köcher aus Sand und Steinen riefen große Begeisterung hervor. „Die sehen ja aus wie aus Stein gebaut!“ stellte Rick (13) fest. „Da lebt aber jemand drin!“ beobachtete AnnKathrin (12). Ein Schüler-Reporterteam interviewte die Jungforscher/innen. Auf die Frage nach der Gewässerqualität antwortete Lukas (12): „Das ist fast wie Trinkwasser!“ Wenn auch nicht besonders lecker, wie sein Kollege Adrian (13) feststellte, als er eine Kostprobe nahm und sie in hohem Bogen wieder ausspuckte. Auf der anschließenden Pressekonferenz – diesmal vor echten Reportern – präsentierten die Jugendlichen ihre Ergebnisse in Form von bunten Plakaten, einer Power-Point-Präsentation sowie eines Videoclips. Während die chemisch-physikalische sowie biologische Gewässergüte im guten Bereich lagen, konnten sie dem Waltershagener Bach

hinsichtlich seiner Strukturgüte in Teilabschnitten lediglich die Note mäßig bis unbefriedigend verpassen – Folge einer teilweise starken Verbauung. Am Ende waren sich die Schülerinnen und Schüler, die Lehrkräfte und die Projektverantwortlichen der DUH einig: Es war ein spannendes und lehrreiches Wochenende, an dem über das gemeinsame Naturerleben wichtige Inhalte zur Ökologie und zum Schutz unserer Fließgewässer vermittelt wurden. Mehr Infos zum Thema „Schulen für eine Lebendige Weser“ gibt es bei der Deutschen Umwelthilfe, Gabi Fiedler, fiedler@duh.de, www.duh.de

Das Projekt wird gefördert von:

Projektförderung aus Erträgen von

BINGO! Die Umweltlotterie

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LEBENDIGE FLÜSSE

Ausstellung „Gemeinsam aktiv für eine Lebendige Weser“ Eine neue Wanderausstellung der Deutschen Umwelthilfe soll die Menschen im Einzugsgebiet der Weser für die Schönheit des Ökosystems Fließgewässer begeistern. Sie verdeutlicht die Schutzwürdigkeit des Fließgewässers vor der eigenen Haustür. Angesprochen sind Kinder und Jugendliche wie auch Erwachsene, die zum Hinschauen, Nachdenken und Mitmachen motiviert werden. Entstanden ist die Ausstellung im Rahmen des DUH-Projekts „Schulen für eine Lebendige Weser“. Sie wird gefördert von „BINGO – die Umweltlotterie“ und der VEOLIA-Stiftung. Neben der Vorstellung der Weser und ihres Wandels im Laufe der Zeit demonstriert die Ausstellung verschiedene Möglichkeiten, Fließgewässer auf interessante Art kennen zu lernen und sich aktiv für sie einzusetzen. Beispiele hierfür sind Bestandsaufnahmen, Bewertungen der Gewässergüte sowie Renaturierungen, die auch von Schülerinnen und Schülern geplant und durchgeführt werden können. Einfach realisierbare Ideen sowie konkrete Tipps ermutigen zum Handeln. Die Besucherinnnen und Besucher erhalten außerdem Einblicke in die Ziele der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie, nach der alle Fließgewässer bis zum Jahr 2015 einen guten chemischen und ökologischen Zustand erreichen sollen. Die Ausstellung ruft alle Menschen dazu auf, die Beteiligungschancen zu nutzen, zeigt Handlungsmöglichkeiten und nennt Kontaktadressen. Alle Schulen, öffentliche oder private Institutionen mit Publikumsverkehr im Einzugsgebiet, sind herzlich eingeladen, sich die Ausstellung auszuleihen.

BundesUmweltWettbewerb 2006

Toller Erfolg für Nachwuchs-Umweltforscher Auch in diesem Jahr stiftete das Projekt „Schulen für lebendige Flüsse“ der Deutschen Umwelthilfe einen Sonderpreis für ausgezeichnete Wettbewerbsarbeiten zur Thematik Gewässerschutz. Im Rahmen einer Festveranstaltung verlieh Ines Wittig von der DUH gemeinsam mit Ulrich Schül- Ines Wittig (ganz rechts) freut sich mit den Preisträgerinnen und Preisträgern über die ler vom BundesministeriSonderpreise des Bundesumweltwettbewerbs. um für Bildung und Forschung und Prof. Dr. Gerrit Schürmann am 22. September im Umweltforschungszentrum Leipzig zwei Sonderpreise in Höhe von je 500 Euro. Ein Sonderpreis wurde für die Projektarbeit „Unser Schulbach“ stellvertretend an die beiden 16-jährigen Gruppensprecher Oliver Behr und Toni Nohl vergeben. Ihre Projektgruppe der Sekundarschule Parey in Sachsen-Anhalt hatte sich zum Ziel gesetzt, einen Beitrag zur Erhöhung der Artenvielfalt in einem schulnahen Bereich der Elbtalaue zu leisten. In einem umfangreich angelegten Projekt schufen sie mit Genehmigung der entsprechenden Naturschutzbehörde parallel zum alten, fast geradlinig verlaufenden Flussbett der Elbe einen gebogenen Flusslauf, der alte Resttümpel miteinander verbindet. Die Auswirkungen des veränderten Wasserlaufs auf Fauna und Flora wollen sie in Zukunft beobachten und dokumentieren. Des Weiteren erhielt die 20-jährige Vipasana Roy vom Gymnasium Hohenschwangau in Bayern einen Sonderpreis für ihren Wettbewerbsbeitrag „Faulensee und seine Umgebung: Lebensräume – Nutzung – Pflege – Erholungsgebiet und Kurort“. Um etwas zur Erhaltung und Pflege des ökologisch vielfältigen und landschaftlich reizvollen Faulensees sowie dessen Umgebung zu leisten, kartierte sie das Gebiet, leitete daraus Pflegemaßnahmen ab und setzte diese dann erfolgreich um. Im nächsten Schritt möchte sie Informationstafeln insbesondere zu den dort vorkommenden Heilkräutern anfertigen und im Gebiet aufstellen. Weitere Informationen zu den Preisträgern sowie zum Wettbewerb erhalten sie unter www.buw-home.de.

Die Ausstellung „Gemeinsam aktiv für eine Lebendige Weser“ im Nienburger Rathaus.

Nähere Informationen: Deutsche Umwelthilfe, Regionalverband Nord, lebendige-weser@duh.de; www.duh.de

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LEBENDIGE FLÜSSE

Wiedervernässung in der Geeste-Niederung Am Sellstedter See in der Niederung des Flusses Geeste, knapp zehn Kilometer östlich von Bremerhaven, ist ein Naturschutzprojekt gerade abgeschlossen. Mehr als 70 Hektar stark entwässertes Grünland wurden in eine See- und Sumpflandschaft rückverwandelt – ein Paradies für Vögel und Amphibien.

Die Projektidee wurde von Biologen des BUND entwickelt nach dem Motto: Wasser zurück in die Landschaft, und die Natur macht den Rest. Das Geld für Flächenkauf und Baumaßnahmen hat die

Neu entstandener Flachwassersee.

ser gesetzt und den Wasserstand soweit ansteigen lassen, dass, wie geplant, ein verzweigter Flachwassersee entstanden ist. Und die Vögel ließen sich nicht lange bitten.

Ringelnattern finden in der Geeste-Niederung ein reichhaltiges Nahrungsangebot.

Bremerhavener Investitionsgesellschaft aufgebracht als Ausgleich für Gewerbeflächen im Fischereihafen. Das Konzept ist offensichtlich voll aufgegangen, wenngleich es zur Umsetzung Jahre gebraucht hat. Die Wiedervernässung war möglich, weil als Folge extrem starker Entwässerung des Moorbodens die Geländehöhe seit den 60er Jahren um bis zu zwei Meter abgesackt war. Der nahe am Seeufer verlaufende Deich wurde großflächig zurückverlegt und die Entwässerung wurde vollständig unterbunden. Bereits nach kurzer Zeit haben Regenfälle und Grundwasserdruck die Geländesenken unter Was-

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Überschwämmte Fläche.

Kiebitze und Rotschenkel haben das Gebiet wieder entdeckt und hier gebrütet. Löffelente, Knäk- und Krickente haben sich eingefunden. Kampfläufer, Silberreiher und Seeadler statten ihre Besuche ab. Besonders bemerkenswert ist jedoch die schlagartige Besiedlung mit Amphibien. Seefrösche haben im Juni ein Konzert veranstaltet, wie es über Jahrzehnte nicht mehr in der Geesteniederung zu hören war. Und das wiederum zieht andere an, zum Beispiel die Ringelnatter, die im neuen See den Fröschen nachstellt. Am Rande dieses neuen Feuchtgebietes wurde ein Beobachtungsturm errichtet, der einen hervorragenden Einblick gewährt. Die vom BUND erarbeiteten Informationsschilder geben den Besuchern die notwendigen Erläuterungen. Ein Besuch lohnt sich! Das Modehaus C&A und die Firma Kyocera Mita unterstützen die Initiative „Lebendige Flüsse“.

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DUH INTERN

DUHwelt kommt an Wir haben unsere Leserinnen und Leser nach ihrer Meinung über die DUHwelt gefragt. Und sie haben geantwortet. Über 500 ausgefüllte Fragebögen haben wir zurückbekommen. Die Resonanz auf die Zeitschrift ist positiv, überraschend positiv. Die Gesamtnote gut bis sehr gut vergaben 87 Prozent der Auskunftswilligen. Damit hatten wir nicht ohne weiteres gerechnet. Den Leserinnen und Lesern der DUHwelt liegen zuallererst die Naturthemen am Herzen. Fast 80 Prozent interessieren sich sehr oder besonders für Tiere und Pflanzen, jeweils etwa 70 Prozent für Flüsse und Seen. Aber auch das eher politische Thema Klimaschutz ist mit über 70 Prozent weit vorn mit dabei. Andere Themen wie Kreislaufwirtschaft

(38 Prozent), Internationales (36 Prozent) oder Wirtschaft und Politik (47 Prozent) sprechen dagegen starke Minderheiten an. Die optische Gestaltung des Heftes stößt weithin auf Zufriedenheit, unsere TierTitelfotos sprechen fast jeden an, sagenhaften 93 Prozent gefallen sie gut oder sehr gut.

Thomas Giesinger geht Thomas Giesinger hat im Herbst 2006 die DUH verlassen. Er war über lange Jahre persönlicher Mitarbeiter des heutigen Ehrenvorsitzenden der DUH, Professor Gerhard Thielcke. Deshalb war er für den BUND und die DUH zugleich tätig. Durch seine profunden Kenntnisse, seine menschlichen Qualitäten und seine langjährige Erfahrung war er einer unserer wichtigsten Mitarbeiter. Ein Kollege, der mit den Untiefen eines Umweltverbands vertraut ist und dem Ruhe und Integrität auch unter Druck nicht verloren gehen, ist genau der richtige. So dachte offenbar die Mehrheit der DUH-Belegschaft, die ihn 1998 und 2002 erneut als Betriebsratsvorsitzenden zum Gegenpart einer starken Geschäftsführung wählte. Leser der DUHwelt kennen Giesinger als Mitglied des Redaktionsteams. An der Qualität der DUH-Zeitschrift hat er erheblichen Anteil. Nun hat es ihn sieben Kilometer weiter gezogen. Als Mitarbeiter des BUND Baden-Württemberg bleibt er dem Naturschutz und der Umweltpolitik erhalten. Von seinem Büro im Naturschutzzentrum Möggingen aus kann er nun aus allernächster Ferne die weitere Entwicklung der DUH begleiten. Wir freuen uns darauf.

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71 Prozent empfinden die Zeitschrift als ansprechend gestaltet. 87 Prozent finden die vierteljährliche Erscheinungsweise genau richtig. „Ich freue mich schon auf das nächste Heft“, schreibt eine Leserin. Was sollen wir verbessern, welche Themen fehlen im Heft? Einige Hinweise haben wir dann doch bekommen. Etwas übersichtlicher könnte die DUHwelt noch werden, meinen einige, ein etwas frischeres Layout, mehr Service und Handlungsorientierung wäre gut. Andere regen an, ob wir nicht mehr über Naturschutz in Süd- und Westdeutschland berichten könnten. „Es gibt doch auch hier in Bayern Naturschutzgebiete“, heißt es in einer Zuschrift. Die Deutsche Umwelthilfe verändert sich. Längst sind wir kein ausschließlicher Naturschutzverband mehr. Neue Themen wie Kreislaufwirtschaft und Verbraucherschutz sind hinzugekommen. Klimaschutz, Energie und umweltgerechte Verkehrsmittel bilden weitere Schwerpunkte. Mit der Umwelthilfe verändert sich auch die DUHwelt. Doch bei allem Wandel versuchen wir, uns treu zu bleiben. Sie, liebe Leserinnen und Leser der DUHwelt, nehmen an der Entwicklung der Deutschen Umwelthilfe intensiv Anteil, sie begleiten und motivieren uns immer wieder aufs Neue. Herzlichen Dank!

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NATURSCHUTZ

Biodiversität so wichtig wie Klimaschutz Interview mit EU Umwelt-Kommissar Stavros Dimas

DUHwelt: Deutschland sieht sich als Vorreiter auf dem Gebiet des Umweltschutzes. Wie denken Sie darüber?

Dimas: Die EU konzentriert sich auf bestimmte Aspekte des Naturschutzes wie Wildvögel und seltene oder bedrohte Tierarten. Sie verlangt, dass Mitgliedstaaten Schutzgebiete ausweisen als Teil des EU-weiten NATURA 2000 Netzwerks. Deutschland hat damit langsam begonnen, aber heute hat es seine Nennungen für seinen Teil des Netzwerks fast komplett abgegeben. Es verfügt über 4.617 FFH-Schutzgebiete, die 9,3% der Landfläche ausmachen. Dazu kommen 558 Gebiete, die nach der Vogelschutzrichtlinie unter Schutz gestellt sind - sie betragen 8,5% der Fläche. Deutschland ist sogar an vorderster Stelle, was den nächsten Natura 2000-Bereich betrifft. Hier geht es um die Nennung von Meeresgebieten innerhalb der ausschließlichen Wirtschaftszone eines Mitgliedslandes DUHwelt: Die EU hat sich selbst das Ziel gesetzt, den Verlust an Artenvielfalt bis 2010 in der EU zu stoppen. Intensive Landwirtschaft ist die größte Bedrohung für Pflanzen und Tiere. Was wird die EU unternehmen, um diese Bedrohung zu verringern?

Dimas: Die Reform der gemeinsamen Agrarpolitik, die 2003 verabschiedet

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wurde, entkoppelt die meisten Direktzahlungen an Landwirte von der Produktionshöhe. 2005 wurde ein Einmalzahlungssystem eingeführt. Es basiert auf historischen Referenzbeträgen und spielte eine große Rolle bei der Reduzierung von Anreizen für intensive Landwirtschaft. Gleich ob Bauern intensive oder extensive Landwirtschaft betreiben, sie müssen die EU Umweltanforderungen erfüllen, um Direktzahlungen zu erhalten.

„Die Habitat-Richtlinie fordert, alle Wale in europäischen Gewässern zu schützen.“ Die Integrierung von Umweltauflagen in die Landwirtschaftspolitik dient auch dem strategischen Ziel der EU, den Verlust der Artenvielfalt in Europa zu stoppen und weltweit maßgeblich bis 2010 zu reduzieren. Die Biodiversität zu erhalten ist mindestens so wichtig wie der Kampf gegen den Klimawandel. Im Mai dieses Jahres verabschiedete die Kommission eine Vorschrift, die eine feste und eindeutige politische Verpflichtung darstellt, der Biodiversität vorrangige Bedeutung zuzumessen. Wenn wir die Ziele für 2010 erreichen wollen, müssen alle Anstrengungen in diese Richtung beschleunigt werden.

DUHwelt: Zu Beginn des Jahres 2006 gab die Kommission eine Hochwasserrichtlinie heraus. Bis sie greift, wird einige Zeit vergehen. Aber in vielen Ländern, die von Hochwasser betroffen sind, ist schnelles Handeln nötig. Wie kann die EU sicherstellen, dass nachhaltiger Hochwasserschutz durch die Schaffung von zusätzlichen Überschwemmungsflächen betrieben wird?

Dimas: Die Hochwasserrichtlinie soll im kommenden Jahr verabschiedet werden. Hochwasserbezogene Projekte müssen jedoch schon jetzt den Anforderungen der bereits existierenden EUGesetze entsprechen. Gemäß den neuen Verordnungen über EU Finanzierungsinstrumente für 2007 bis 2013 sind alle hochwasserbezogenen Maßnahmen unterstützungswürdig. Die Mitgliedsstaaten werden Prioritäten festlegen, geeignete Projekte auswählen und den angemessenen Schutzgrad festlegen. Wir setzen auf wachsendes Bewusstsein für die ökologischen und ökonomischen Vorteile von Überschwemmungsflächen. Wenn notwendig wird die Einschaltung des Europäischen Gerichtshofs zu einer besseren Umsetzung der Richtlinie führen. DUHwelt: In Deutschland gehen nach wie vor beachtliche Mengen an Strukturfondsgeldern in ländliche Regionen.

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NATURSCHUTZ Naturschutzprojekte erhalten dagegen nur geringe Mittel. Was muss sich hier ändern?

Dimas: Schutz der Natur und der Biodiversität erfordert viel Geld. Es wird geschätzt, dass etwa 6.1 Milliarden Euro pro Jahr nur in der EU nötig sind, um das Natura 2000 Netzwerk zu finanzieren. Aus den Kriterien der EU zur Verwendung der Struktur- und ländlichen Entwicklungsfonds geht klar hervor: Naturschutz, Biodiversität und nachhaltige Entwicklung haben Vorrang. Die Bundesregierung und die Bundesländer

sind daher gehalten, diese Prioritäten von Anfang an zu beachten. DUHwelt: Ein amerikanisches Gericht hat der US Navy untersagt, Sonargeräte einzusetzen, um geräuschlose Unterseeboote aufzuspüren. Das Gericht erklärte: “Es gibt deutliche wissenschaftliche Beweise, dass Schalleinwirkung Wale und andere Säugetiere schädigt oder tötet.“ Zumindest die spanische, englische und französische Marine verwenden Sonartechnik. Was wird die EU hier unternehmen?

Dimas: In der Tat, die Kommission hat Beschwerden über die Auswirkung von

Schall auf Meeressäugetiere erhalten. Starke Niedrig- und HochfrequenzSchallpegel beeinträchtigen Wale. Die Habitat-Richtlinie fordert die EU Mitgliedsstaaten auf, alle Wale in europäischen Gewässern zu schützen. Die Kommission hat daher zu diesem Thema einen Bericht des Internationalen Rats für die Erforschung des Meeres (ICES) eingeholt. Auf dieser Basis führt sie derzeit Diskussionen mit Mitgliedsstaaten und anderen interessierten Institutionen, einschließlich Militärbehörden.

Vogeljagd gefährdet Artenvielfalt Die Deutsche Umwelthilfe hat den EU-Umweltkommissar Stavros Dimas aufgefordert, die Jagd auf alle im Bestand bedrohten Vogelarten in der EU zu verbieten. Aufgrund von Jagdstatistiken aus 27 europäischen Ländern haben Mitarbeiter des Komitees gegen den Vogelmord ermittelt: In Europa werden pro Jahr mehr als 100 Millionen Wildvögel geschossen oder gefangen. Aus Sicht des Artenschutzes ist es skandalös, dass die EU nach wie vor Arten zur Jagd freigibt, deren Bestände bereits seit Jahrzehnten rückläufig sind. So hat die Feldlerche stark im Bestand abgenommen. Trotzdem werden pro Jahr mehr als 2,5 Millionen Feldlerchen in der Europäischen Union geschossen oder mit Netzen gefangen. Ebenso dramatisch ist der Aderlass an Turteltauben (2,3 Millionen geschossene), an Kiebitzen (516.475 geschossene) und Bekassinen (586.020 geschossene).

Regierung im Frühjahr 2007 erneut die Frühlingsjagd auf Zugvögel erlaubt, hat der Umweltkommissar ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Malta angekündigt. Die Ankündigung geht auf eine Eingabe beim Petitionsausschuss des EU-Parlaments zurück.

Wilderei auf Ischia fast vorbei In den 90er Jahren und zu Anfang dieses Jahrhunderts waren die Inseln im Golf von Neapel eine tödliche Falle für viele Zugvögel. Noch vor wenigen Jahren sammelten Naturschützer innerhalb einer Woche 2.000 Vogelfallen und 30 Lockgeräte. Jahr für Jahr wurden zahlreiche Wilderer angezeigt. Die Aktionen zeigen Wirkung: 2006 waren nur noch vier Anzeigen erforderlich.

Gegen Frühjahrsjagd auf Malta In einem Teilbereich ist Dimas bereits aktiv geworden: Für den Fall, dass die maltesische

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Kinder lassen die gesund gepflegten Wildvögel wieder frei.

Illegal gefangener Grünfink.

Vögel freilassen! “Erlebnis Vogelschutz” ist eine Veranstaltung italienischer Vogelschützer. Dabei wurden im ersten Halbjahr 2006 fast 100 Wildvögel ausgewildert, zum Beispiel 20 Vögel vom Erlenzeisig bis zum Baumfalken auf einem Fest bei Ravenna. Die Tiere stammten aus Fallen und Netzen. Sie wurden in einem Wildtierzentrum gesund gepflegt. Das Interesse der Medien war sehr groß.

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NATURSCHUTZ

2007 – Jahr der Delfine Das UNO-Umweltprogramm UNEP und die UNO-Organisation zur Erhaltung wandernder wild lebender Tierarten (CMS) mit Sitz in Bonn haben für 2007 das „Jahr der Delfine“ ausgerufen. Schirmherr der Kampagne ist Fürst Albert von Monaco. Er betonte im September 2006, dass „mit der Initiative etwas bewirkt werden soll, um diese faszinierenden Meeressäuger vor dem Aussterben zu bewahren“. Denn verschmutzte Gewässer, Jagd und verknappte Nahrung infolge von Überfischung bringen die Delfine in vielen Meeresbereichen an den Rand ihrer Existenz. zum Schwund des Sauerstoffs. Schon jetzt sind fast alle tieferen Teile der Ostsee tot. Das Ökosystem Ostsee wird zusätzlich bedroht durch die der Algenpest folgende massenhafte Entwicklung der Quallen. Für den ohnehin im Bestand bedrohten Schweinswal können Nahrungsmangel und vergiftete Fische das aus bedeuten.

Ein Forschungs- und Bildungszentrum für La Gomera! Die Deutsche Umwelthilfe unterstützt seit Jahren Projekte zum Schutz der Delfine und Kleinwale. So die Lobbyarbeit der Gesellschaft zur Rettung der Delfine (GRD) für Walschutzgebiete in der Adria und am Schwarzen Meer, die Forschungs- und Öffentlichkeitsarbeit verschiedener Organisationen, unter ihnen die Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM), für den Schweinswal in der Nordsee sowie die Aufklärungsarbeit zum Schutz von Delfinen und Walen auf La Gomera, die der Berliner Vereins M.E.E.R. organisiert.

Algenpest in der Ostsee gefährdet Schweinswale Der Hitzesommer und die intensive Landwirtschaft haben in der Ostsee eine Massenvermehrung der giftigen Blaualgen und der Grünbraunen Fadenalge verursacht – mit schlimmen Folgen für das Ökosystem Ostsee. Nach dem Ende der Blaualgenblüte werden deren Reste am Boden abgebaut. Dabei kommt es

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La Gomera, eine der kleinsten Kanarischen Inseln, ist bis heute zu großen Teilen vom Massentourismus verschont geblieben. Über 20 Wal- und Delfinarten kommen hier vor, eine Artenvielfalt, die in Europa einzigartig ist. Bei der sich derzeit abzeichnenden Entwicklung des Tourismus auf der Insel gerät die Meereswelt jedoch immer stärker unter Druck. Überfischung und Verschmutzung der Meere machen auch heute schon vor den kanarischen Inseln nicht Halt. Unser Partner M.E.E.R. plant, auf La Gomera eine Begegnungsstätte zu schaffen, die es der lokalen Bevölkerung und den Touristen ermöglicht, sich umfassend über den großen Wal- und Delfinreichtum der Insel zu informieren. Darüber hinaus soll hier ein Ort entstehen, an dem Wissenschaftler und Experten sich treffen, austauschen und forschen können. Ein solches Zentrum trägt wesentlich dazu bei, einen nachhaltigen Schutz der

Meere um La Gomera zu gewährleisten. Die Bestrebungen der Europäischen Union und der kanarischen Regierung, Teile der Gewässer Gomeras unter Schutz zu stellen, können so flankiert werden.

Mit Althandysammlung bedrohte Buckeldelfine in Afrika schützen „Handys sammeln, in Deutschland die Umwelt entlasten und in Afrika Delfine schützen“, ist das Motto einer gemeinsamen Initiative der Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD) und der Deutschen Umwelthilfe. In den vergangenen zwei Jahren hat GDR im Rahmen dieser Aktion ca. 1.500 Euro für ein Delfinprojekt gesammelt. Von ihrem Partner T-Mobile erhält die Deutsche Umwelthillfe für jedes gesammelte Handy 5 Euro, die Hälfte des Betrages gibt die DUH an Sammelpartner weiter. Die GRD zum Beispiel setzt die Mittel zur Finanzierung eines Delfinund Meeresschutzprojekts in Mosambik ein. Ziel ist die Rettung einer der letzten größeren Buckeldelfin-Populationen, die es noch an der ostafrikanischen Küste gibt. Die auch Chinesische Weiße Delfine genannten Meeressäuger leben überwiegend in Küstennähe und in flachen Gewässern. Das macht sie besonders anfällig für menschliche Einflüsse. Die Hilfe für Afrika entlastet gleichzeitig die Umwelt in Deutschland, denn die Geräte werden umweltgerecht und zertifiziert entsorgt oder einer Weiterverwendung zugeführt. Dadurch sollen Deponien und Müllöfen entlastet und gleichzeitig wertvolle Ressourcen gespart werden.

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Springender Schweinswal – Siegerfoto des Wettbewerbs der Gesellschaft zur Rettung der Delfine.

Großer Auftritt für den Kleinen Tümmler Sie mit der Kamera einzufangen ist ein Kunststück: Die Rede ist von den Schweinswalen oder Kleinen Tümmlern, den Walen der deutschen Meere. Die agilen Meeressäugetiere sind extrem schnell, kommen nur kurz an die Oberfläche und schlagen unter Wasser Haken wie an Land die Kaninchen. Man weiß fast nie, wo die nur etwa 1,60 Meter kleinen schwarz-weißen Wale mit der stumpfen Schnauze auftauchen – und

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atmen. In diesem Moment Fotoapparat oder Videokamera im Einsatz zu haben, ist Glückssache. Umso mehr freut sich Hans-Jürgen Schütte von der GSM über ansehnliche Ergebnisse des GSM-Wettbewerbs für Fotos und Videos zu den Tümmlern. Die sachkundigen Juroren waren sich sofort einig: Das Foto mit einem springenden Schweinswal vor rotem Schiffsrumpf des Dänen Ulrik Ramsing war nicht zu überbieten. Die beste Videosequenz lieferte der deutsche Biologe Sven

Koschinski. Die Deutsche Umwelthilfe unterstützt den Wettbewerb finanziell. Die attraktiven Bilder sollen für das Überleben des Kleinen Tümmlers werben. Hans-Jürgen Schütte: “Es ist unmöglich, ein Tier zu schützen, das kaum jemand kennt. Deshalb hat die GSM zur Teilnahme aufgerufen.” Die Schweinswale in der Ostsee sind vom Aussterben bedroht. Neben Umweltproblemen macht ihnen besonders die Fischerei das Überleben schwer.

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ENERGIE UND KLIMASCHUTZ

Münster ist „Bundeshauptstadt im Klimaschutz“ Die Stadt Münster ging als Siegerin aus dem Wettbewerb „Bundeshauptstadt im Klimaschutz“ der

Bus- und Radfahren ist in Münster selbstverständlich.

Deutschen Umwelthilfe hervor. Damit gewann die westfälische Universitätsstadt nach 1997 zum zweiten Mal den begehrten Titel. Im Rahmen einer Feierstunde in Berlin würdigte Staatssekretär Michael Müller das besondere Klimaschutzengagement von Münster und zwölf weiteren Preisträgern. Schirmherr des Wettbewerbs ist Bundesumweltminister Sigmar Gabriel. Mit dem Wettbewerb „Bundeshauptstadt im Klimaschutz“ erfasste die DUH vielfältige Klimaschutzkonzepte von 78 Teilnehmerkommunen aus dem ganzen Bundesgebiet. Neben dem Ausbau einer klimaschonenden Energieerzeugung wurden Spar- und Effizienzmaßnahmen in kommunalen Liegenschaften sowie Klimaschutzmaßnahmen beim Verkehr und in der Stadtplanung bewertet. Zudem flossen kreative Formen der Öffentlichkeitsarbeit und die Beratung von Bürgern und Unternehmen in die Bewertung ein. Honoriert wurden auch Kooperationen zwischen Kommune, Bürgern und Interessengruppen im Hinblick auf den Klimaschutz. Ausgezeichnet wurden elf Kommunen in drei Teilnehmerklassen: bis 20.000, bis 100.000 und über 100.000 Einwohner. Des Weiteren wurden den beiden kleinsten Teilnehmerkommunen, der bayerischen Gemeinde Ascha und der sächsischen Stadt Herrnhut, Sonderpreise für ihr Klimaschutzengagement verliehen. „Die Ergebnisse des Wettbewerbs zeigen eindrücklich, dass die am Wettbewerb teilnehmenden Kommunen auf vielen Gebieten einen wichtigen und sehr handfesten Beitrag zur Realisierung der nationalen Klimaschutzziele leisten“, so der DUH-Bundesvorsitzende Prof. Dr. Harald Kächele.

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Münster - Sieger in der Großstadtklasse Seit Jahrzehnten setzt sich die Stadt Münster (270.000 Einwohner) in einem breiten Sektoren-Spektrum für den Klimaschutz ein. Es verwundert nicht, dass die als Fahrradhauptstadt bekannte Großstadt neben Deutschlands größtem Fahrradparkhaus ein ganzes Bündel beispielhafter Maßnahmen im Radverkehr wie auch für Busse und Bahnen vorweisen kann. Ebenso legt Münster großen Wert auf einen effizienten Umgang mit Energie in den städtischen Liegenschaften und in Neubaugebieten auf städtischem Boden. Auch die intensive Öffentlichkeitsarbeit und eine motivierende Bürgerbeteiligung im Klimaschutzprozess überzeugten. Oberbürgermeister Dr. Berthold Tillmann sieht den Erfolg seiner Stadt als Ergebnis langfristiger Arbeit: „Die erneute Auszeichnung Münsters als Bundeshauptstadt im Klimaschutz ist für mich Ausdruck unserer konsequenten und kon-

tinuierlichen Klimaschutzpolitik, die wir bereits Anfang der 90er Jahre eingeleitet haben. Unser Engagement in Sachen Klimaschutz hat dabei nicht nur zu einer deutlichen Entlastung von Umwelt und Klima, sondern gleichzeitig zu einer spürbaren Entlastung des städtischen Haushalts beigetragen. Auch im Integrierten Stadtentwicklungskonzept Münsters, das der nachhaltigen und damit zukunftsfähigen Entwicklung der Stadt verpflichtet ist, findet sich der Klimaschutz natürlich wieder.“

Das Projekt wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und von CO2NTRA gefördert:

Eine Klimaschutzinitiative der SAINT-GOBAIN ISOVER G+H AG

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ENERGIE UND KLIMASCHUTZ Baden-Württemberg bei den Mittelstädten vorn Zwei Städte aus Baden-Württemberg gewannen in der Teilnehmerklasse zwischen 20.000 bis 100.000 Einwohner. Die Stadt Esslingen (92.000 Einwohner) erzielte im Sektor Verkehr besonders hohe Punktzahlen. Im öffentlichen Nahverkehr stellen die klimaschonenden Oberleitungs- und Duobusse Besonderheiten im Stadtbild dar. Energieeffiziente Umbaumaßnahmen wie beispielsweise in der Eichendorffschule sorgen dafür, dass die Stadt auch in Zukunft ihren Energiesparkurs weiter verfolgen kann. Vorbildlich sanierte Altbauten werden vor Ort mit dem Esslinger Wärmesiegel ausgezeichnet. In Rastatt (48.000 Einwohner) zahlte sich das umfangreiche Energiemanagement in den Liegenschaften aus. Die Stadt erreichte von allen am Wettbewerb teilnehmenden Kommunen die dritthöchste Punktzahl im Sektor Energiesparen. In seinen Gebäuden konnte Rastatt im Verlauf der letzten fünf Jahre 36 Prozent an Wärmeenergie einsparen. Zudem wurden seit 2002 im Stadtgebiet zwei Wasserkraftanlagen mit einer installierten Leistung von 195 Kilowatt errichtet. Auch setzen sich die Rastatter für den globalen Klimaschutz ein. Seit Jahren unterstützen sie im Rahmen der El Dorado-Aktion ein Regenwald-Projekt in Kolumbien.

In Thermographien (oben) wird der Wärmeverlust an Gebäuden sichtbar.

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Sieger und Platzierungen des Wettbewerbs „Bundeshauptstadt im Klimaschutz“ In der Gesamtwertung und gleichzeitig in der T eilnehmerklasse Teilnehmerklasse über 100.000 Einwohner 1. Münster (NRW) 2. Freiburg (BW) 3. Hamburg (HH) und Heidelberg (BW) In der T eilnehmerklasse von 20.001 bis 100.000 Einwohner Teilnehmerklasse 1. Esslingen (BW) und Rastatt (BW) 2. Norderstedt (SH) In der T eilnehmerklasse bis 20.000 Einwohner Teilnehmerklasse 1. Wettenberg (HE) 2. Königsfeld im Schwarzwald (BW) 3. Diepholz (NI) und Ottobrunn (BY) Sonderpreise ■

Ascha (BY)

Herrnhut (SN)

Wettenberg gewinnt bei den Kleinstädten Die hessische Großgemeinde Wettenberg (12.500 Einwohner) siegte in der Teilnehmerkategorie der Kleinstädte. Sie führte bereits 1990 ein kommunales Energiemanagement ein – mit beachtli-

chem Erfolg! Wettenberg erzielte die zweithöchste Punktzahl bei einem Vergleich des Energieverbrauchs und des CO2-Ausstoßes in den Jahren 2000 und 2005. Hervorzuheben ist auch der Wettenberger Energiebeirat. Hier zeigt sich beispielhaft, wie eine Gemeinde vom Fachwissen ihrer Bürger profitieren kann, wenn sie den Begriff „Bürgerberatung“ einmal umgekehrt als sonst üblich versteht. Neben der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und der Klimaschutzinitiative CO2NTRA der Saint-Gobain Isover G+H AG unterstützen elf Organisationen den Wettbewerb. Es sind Agenda-Transfer, Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland, Bundesverband Erneuerbare Energien, Bundesverband KraftWärme-Kopplung, Deutscher Städtetag, Deutscher Städte- und Gemeindebund, Deutsche Energie-Agentur, GRÜNE LIGA, ICLEI-Governments for Sustainability, Klima-Bündnis und die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt/Internationale Weiterbildung und Entwicklung gGmbH. Weitere Informationen über die Siegerkommunen finden Sie unter www.klimaschutzkommune.de.

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ENERGIE UND KLIMASCHUTZ

Unternehmen erwarten Chancen durch Klimaschutz Die Folgen des Klimawandels sind zu einem Anlagerisiko geworden. Weltweit fordern deshalb 225 Großinvestoren mit einem Anlagevermögen von über 31 Billionen US-Dollar von Konzernen Klarheit über ihre Emissionen sowie ihre Bemühungen für einen verbesserten Klimaschutz. Erstmals befragte nun der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) als Partner des Carbon Disclosure Projects (CDP) die 200 größten deutschen börsennotierten Unternehmen. 57 Prozent der 63 antwortenden Unternehmen sehen sich von den Risiken oder Chancen des Klimawandels direkt betroffen. Besonders bei Banken und Versicherungen gewinnen Klimarisiken ständig an Bedeutung. Doch auch ein Chemiekonzern wie Bayer sieht „ein geschäftliches Risiko steigender Fertigungskosten“. Der Bau- und Maschinenkonzern Hochtief rechnet mit einem Anwachsen der Versicherungskosten. Von der kommerziellen Nutzung emissionsärmerer Technologien, Produkte und Dienstleistungen erwarten fast 40 Prozent der Konzerne Vorteile. So rechnet etwa Bayer mit einem verstärkten Absatz von Erzeugnissen zur Energieeinsparung oder Technologien im Be-

reich der Biomassenutzung. Hochtief sieht Chancen für die Entwicklung neuer Geschäftsbereiche durch verschärfte Anforderungen für die Energieeffizienz von Immobilien. Thyssen-Krupp setzt auf die Weiterentwicklung von Photovoltaik-Dachelementen. Die Hälfte der Unternehmen nutzt bereits neue Technologien, um niedrigere Emissionen zu erzielen, 61 Prozent führten Programme zur Reduktion von Emissionen durch. Emissionsdaten legten 64 Prozent der Firmen vor, allerdings meist nicht in der geforderten einheitlichen Form. „Diese waren dementsprechend nicht ohne Schwierigkeiten vergleichbar, denn vielmals beruhten sie auf nicht akzeptierten Berichtsmethoden“, heißt es

in der Auswertung. Zwei Drittel der Firmen stellten im Rahmen der Klimaschutz-Umfrage Informationen zu ihren Energiekosten bereit. Die Mehrheit (57 Prozent) gab an, dass Veränderungen der Energiepreise sich auf ihre Gewinne nur unbeträchtlich auswirken. Bei 8 Prozent werden Gewinne signifikant durch Energiekosten beeinflusst. Gerade dann rückt Energiesparen zunehmend in den Blickpunkt. „Die beste Möglichkeit, die Auswirkungen steigender Energiepreise zu verringern, besteht in einer Erhöhung der Energieeffizienz und einer verminderten Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen“, antwortete beispielsweise Bayer. Hans-Christoph Neidlein

Treibhaus Erde Neues DUH-Infoblatt von Professor Dr. Mojib Latif

Erscheint im Januar 2007 „Jahrhundertfluten“ bei uns, verheerende Dürrekatastrophen im Süden und dann der Untergang von New Orleans im Herbst 2005. Kein Zweifel, das Klima spielt verrückt. Der renommierte Klimaforscher und Buchautor Mojib Latif erklärt präzise und knapp die Ursachen des Klimawandels. Er zeigt auf, was wir jetzt tun müssen, um auf unserem Heimatplaneten zu überleben. Bestellungen über das Internet www.duh.de oder per Fax (07732999 577) sind ab sofort möglich. Treibhaus Erde, 6 Seiten DIN A 4, Einzelpreis 0,50 Euro, Mengenrabatt auf Anfrage.

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Moos setzt auf die Kraft der Sonne Als erste im Landkreis Konstanz hat die Gemeinde Moos Ende September den Startschuss für SolarLokal gegeben. Damit gehört Moos zur Gruppe von über 180 Städten, Gemeinden und Kreisen in Deutschland, die sich an der Aktion beteiligen. Mit SolarLokal bekommen Bürgermeister eine kostengünDer Mooser Bürgermeister Peter Kessler (rechts) stige Kampagne geliefert, um gemeinsam mit Melanie Reimer und Jörg Dürrihre Bürger zur Installation ei- Pucher von der Deutschen Umwelthilfe. ner Photovoltaikanlage oder zur Beteiligung an einer Gemeinschaftsnale Wirtschaft. Die Installation der SoSolarstromanlage zu motivieren. Für jelarstromanlage wird meist von erfahreden Ort werden attraktive Informationsnen Handwerksbetrieben aus dem Ort blätter und Poster gestaltet, die über die übernommen. Mitmachen lohnt sich Vorteile und Perspektiven von Solaralso für alle. stromanlagen informieren. Mit SolarLoWeitere Informationen gibt es unter kal kommt auch Schwung in die regiowww.solarlokal.de.

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MEHRWEG UND VERWERTUNG

Elektro-Altgeräte-Sammlung unter der Lupe: Seit März 2006 ist die Getrenntsammlung ausrangierter Elektrogeräte Pflicht. Seit dem 23. März 2006 regelt das Elektro-Gesetz die kostenlose Sammlung ausrangierter Elektrogeräte. Die Deutsche Umwelthilfe hat im September die Umsetzung in 22 Großstädten geprüft. Hier die Ergebnisse der Halbjahresbilanz: Knapp zwei Millionen Tonnen ElektroAltgeräte fallen in Deutschland jährlich an. Am Ende ihres Lebens können sie zu wertvollen Rohstoffen werden, sofern sie tatsächlich bei einer Altgeräte-Sammlung ankommen. Oder sie landen im Restmüll. Dort wird der mit Schwermetallen und Flammschutzmitteln gewürzte Elektro-Cocktail zu einer erheblichen Belastung. Das Ziel des Elektro-Gesetzes ist es daher, die Verwertung der Altgeräte erheblich zu steigern.

Wie sieht die Praxis aus? Die Umwelt profitiert von möglichst vielen Initiativen zur Wiederverwendung, einer verbraucherfreundlichen Sammlung und von einer guten Öffentlichkeitsarbeit. Nach den Ergebnissen der DUH-

Untersuchung unter 22 Großstädten rangiert Nürnberg auf Platz 1, gefolgt von Frankfurt am Main auf Rang 2. Den dritten Platz belegt Kiel. Eva Leonhardt, DUH-Projektleiterin für Kreislaufwirtschaft, begründet das Ergebnis: „Neben einer Holsammlung für alle Arten von Geräten verfügt Nürnberg über eine relativ hohe Dichte an Wertstoffhöfen. Sie werden vom Bayrischen Roten Kreuz betrieben, Mitarbeiter prüfen die eingehenden Geräte auf ihre Funktionstüchtigkeit. Diese Prüfung steht zwar im Gesetz, ist aber in Deutschland mehr die Ausnahme als die Regel.“ Auch bei der Sammelmenge ist Nürnberg mit 4,1 Kilogramm pro Kopf (ohne Großgeräte) führend.

Pflicht erfüllt, bei der „Kür“ geht noch mehr In Frankfurt haben die kommunalen Entscheidungsträger den Sozialbetrieb „Werkstatt Frankfurt e.V.“ mit der Sammlung und Aufarbeitung von Altgeräten

beauftragt. Große Geräte werden auch hier kostenlos bei den Bürgern abgeholt, der Sammelservice für Kleingeräte kommt im Vergleich zu Nürnberg jedoch zu kurz. Insgesamt bieten 59 Prozent der befragten Städte eine kostenlose Abholung großer Geräte an. Die Hälfte der Städte bindet soziale Einrichtungen bzw. Sozialbetriebe in die Sammlung ein. Die Sammelmengen haben seit Einführung des Gesetzes deutlich zugenommen. „Nach unseren Erkenntnissen erfüllen alle Landeshaupt- und Großstädte die Pflicht zur Geräte-Rücknahme. Doch die Metropolen können sich noch einiges bei den kleineren Städten und Kreisen abgucken“, merkte Eva Leonhardt an. Das Projekt wird gefördert von:

Kyffhäuserkreis für vorbildliche Sammlung ausgezeichnet ■ Der „Green Electronics-Preis“ der Deutschen Umwelt-

hilfe für den Monat August 2006 geht in den Kyffhäuserkreis. Der im Auftrag des Kreises tätige Recyclingbetrieb Elektrogeräteverwertung Göllingen GmbH bindet auf vorbildliche Weise die Schulen Östertal und Franzberg in die Sammlung ausrangierter Elektro-Kleingeräte ein. Handy, MP3-Player und Taschenrechner gehören heute zur Standardausrüstung der Jugendlichen. Doch was geschieht mit den Massengeräten, wenn sie altersschwach oder unattraktiv geworden sind? Im thüringischen Kyffhäuserkreis können sich die Schüler in den beiden Schulen aktiv an der Sammlung von Elektroschrott beteiligen.

Seit Beginn des neuen Schuljahres können die Schülerinnen und Schüler der Regelschulen alte Geräte bei ihren Hausmeistern abgeben. Darüber hinaus hat die DUH Unterrichtsmaterialien zum Thema „Elektrogeräte von der Herstellung bis zur Entsorgung“ erarbeitet. Diese werden jetzt auch von den Preisträgern genutzt. Auch viele andere Angebote zum Elektro-Recycling sind im Kyffhäuserkreis vorbildlich.

„Wir zeichnen ein Kooperationsprojekt aus, das Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit eröffnet, den Wert auch ausrangierter Geräte zu erkennen, die alltäglich genutzt werden“, sagte DUH-Projektleiterin Eva Leonhardt bei der Auszeichnungsfeier. „Es geht darum, auch der Generation einen sorgsameren Umgang mit Rohstoffen bewusst zu machen, von der eines schon heute klar ist: Sie wird mit Ressourcen pfleglicher umgehen müssen, als es die Elterngeneration gewohnt war.“

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MEHRWEG UND VERWERTUNG

Recyclen Sie Ihr Alt-Handy! Und so funktioniert’s:

Bei unseren Recyclingpartnern werden die Geräte ausgepackt und auf Ihre Funktion überprüft. Funktionsfähige oder nur leicht beschädigte Geräte werden wieder überholt und wiederverwendet.

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Aus Dornröschenschlaf erwacht Baumärkte in Deutschland informieren heute deutlich bereitwilliger und kompetenter über die Rücknahme oder andere Entsorgungsmöglichkeiten aufgebrauchter, schadstoffhaltiger Schaumdosen, als noch vor einem Jahr. Allerdings erst nach Testkaufaktionen und Mahnschreiben der Deutschen Umwelthilfe. Beispielhaft getestet wurde die Beratung von Kunden, die in Baumärkten Auskunft über die Entsorgung von Dosen mit dem in der Bauwirtschaft und beim Eigenheimbau verbreiteten Dämmstoff Polyurethan (PU) verlangen. Die DUH hatte ergänzend die Baumärkte schriftlich mit der Frage konfrontiert, ob sie die PU-Schaumdosen mit so genannten „schadstoffhaltigen Füllgütern“ selbst zurücknehmen (laut Verpackungsverordnung freiwillig) oder ihre Kunden über andere Entsorgungsmöglichkeiten informieren (laut Verpackungsverordnung verpflichtend). Es fehlte auch nicht der Hinweis, dass Verstöße gegen die Verpflichtungen als Ordnungswidrigkeiten verfolgt und mit Geldbußen von bis zu € 50.000 geahndet werden können. Die DUH kündigte darüber hinaus an, im Jahr 2005 begonnene bundesweite Testkäufe fort-

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führen und Verstöße an die zuständigen Behörden weiterleiten zu wollen. Eva Leonhardt, Projektleiterin für Kreislaufwirtschaft bei der DUH, zeigte sich von der Resonanz auf die eigene Aktion schwer beeindruckt: „Unser Faxgerät stand nicht mehr still. Binnen weniger Tage liefen fast tausend Antworten ein. In 99 Prozent ihrer Antworten versprachen die Baumärkte, Dosen künftig selbst zurückzunehmen, 86 Prozent erklärten, ihre Kunden verordnungsgemäß zu informieren.“

Es geht doch! Später von DUH-Mitarbeitern durchgeführte Testkäufe haben die Angaben im Wesentlichen bestätigt. Darüber hinaus hat sich das Personal in den Märkten bei Nachfragen zu den Entsorgungsmöglichkeiten der PU-Schaumdosen als deutlich kompetenter und zuvorkommender erwiesen als bei einem ersten Testdurchgang im Jahr 2005. Damals

hatten die Testkäufe geradezu verheerende Ergebnisse zutage gefördert: Von 71 besuchten Verkaufsstellen informierte nur eine einzige gesetzeskonform durch Hinweistafeln auf die Entsorgungsmöglichkeiten. Auch die Auskünfte des Verkaufspersonals hatten damals noch sehr zu wünschen übrig gelassen. Ganz zufrieden ist Leonhardt natürlich nie: Sie berichtet über „enorme Unterschiede bei der Qualität der Verbraucherinformationen“ von Baumarkt zu Baumarkt. So finde man professionell gestaltete Plakate ebenso wie handgeschriebene Zettelchen. „Da ist noch Raum für Verbesserungen.“ Im Fall der PU-Schaumdosen ist es für Baumärkte besonders einfach, die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen. Denn mit der Firma PDR in Thurnau existiert ein Recyclingunternehmen, das entsprechende Informationsmaterialien kostenfrei zur Verfügung stellt. Die Testkaufaktionen werden fortgesetzt.

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MEHRWEG UND VERWERTUNG

Es rappelt im Kasten Genuss, Vielfalt und Mehrweg stehen im Mittelpunkt – bei der Glasflasche ebenso wie bei der Pressereise der Deutschen Umwelthilfe entlang des Bodensees von Steffen Holzmann In kräftigem Rot leuchten die Äpfel an den Bäumen in der Sonne. Ihr süßer Saft ist ständiger Begleiter zu fast all unseren Mahlzeiten. Und der steht auch im Mittelpunkt der ersten Station unserer Pressereise. In Radolfzell am Bodensee ist die Schlör Fruchtsaft AG angesiedelt, ein Familienbetrieb mit mehr als 80 Jahren Tradition. „Unser Hauptprodukt ist Apfelsaft aus regionalem Streuobst“, erzählt Senior-Chef Franz Einsiedler, „aber natürlich stellen wir auch andere Säfte und Mischungen her.“ Deshalb ist die Glasflasche hier ideal, denn das Material eignet sich nicht den Geschmack des Inhalts an. Eine PET-Flasche, die einmal Orangensaft enthielt, schmeckt immer danach – und kann nur noch für diesen

pressten. Es gibt Unterschiede, Saft ist eben ein Naturprodukt. Und doch - in einem sind sich alle einig: Saft aus der Glasflasche schmeckt so gut wie frisch gepresst.

Außen Glas – innen Qualität

Franz Einsiedler (links) zeigt Jürgen Resch das Getränkelager der Schlör Fruchtsaft AG.

verwendet werden. Überhaupt die Qualität. Es ist Most-Zeit und so bietet er sich an, der Vergleich zwischen dem Saft aus der Flasche und dem grade frisch ge-

Von der GlasMehrwegflasche überzeugt: Clemens Fleischmann, Geschäftsführer der Randegger OttilienQuelle (ganz oben). Dieter Fleischmann, Senior-Chef von Randegger, erklärt mit Begeisterung die hochmoderne Abfüllanlage (links).

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Geschmacksneutralität ist ein wesentliches Argument pro Glas-Mehrweg – auch für Clemens Fleischmann, Geschäftsführer der Randegger OttilienQuelle, und seinen Vater Dieter. Ihr Hauptprodukt ist Mineralwasser, gewonnen aus einer besonders alten und reinen Quelle, die gut geschützt vor Umwelteinflüssen tief im Hegau verborgen liegt. Wasser hat bei Fleischmanns Familientradition. Firmen- und Familiengeschichte sind untrennbar miteinander verbunden. Beim Rundgang durch den umweltorientierten Betrieb kommt auch Senior-Chef Dieter Fleischmann schnell zum Thema Qualität. „Glasflaschen sind die ideale Verpackung – Wasser und Säfte halten sich in ihr bis zu doppelt so lange wie in Kunststoffflaschen und das ohne Qualitätsverlust“, erzählt er seinen Zuhörern. Mit all diesen Eindrücken reisen wir weiter – dem Ufer des Bodensees folgend, bis nach Meersburg. Ein Ort, der für „Saft“ der etwas anderen Art bekannt ist – den Meersburger Wein. Im Staatsweingut erleben wir das Herz der Weinproduktion – den alten Weinkeller. Hier lagern die Rotweine in schweren Eichenholzfässern, besonders edle Spezialitäten werden im Barrique-Fass ausgebaut.

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MEHRWEG UND VERWERTUNG Beim anschließenden Abendessen auf der Schlossterrasse, idyllisch am Hang mit Blick über den See gelegen, findet sich die Zeit, die Eindrücke des Tages Revue passieren zu lassen und die regionalen Weine zu kosten. Die Gespräche der Teilnehmer drehen sich um Getränke, Genuss, Qualität und regionale Kreisläufe.

Der Stoff, aus dem die Flaschen sind Am nächsten Tag steht dann nicht mehr der Inhalt, sondern die Verpackung im Mittelpunkt des Interesses. Es geht weiter ins Allgäu, in den Kurort Bad Wurzach. Hier produziert die Saint-Gobain Oberland AG Glasflaschen, die das Rückgrat des Mehrwegsystems bilden. Aus einer kleinen Glashütte, die sich in den 40er Jahren in unmittelbarer Nähe ihres damaligen Hauptbrennstoffes Torf angesiedelt hatte, ist ein modernes Verpackungsunternehmen unter dem Dach eines Weltkonzerns entstanden. Nach einer Einführung durch Dirk de Meulder, dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden, wird es ernst – zwar sind sich alle Beteiligten darüber im Klaren, dass Glas nur bei extremen Temperaturen schmilzt, doch als neben Schutzhelmen auch Schutzmäntel und –brillen ausgeteilt werden, wird dem einen oder anderen schon ein wenig mulmig. Auf der Werksbesichtigung folgen wir dem Weg vom Rohstoff bis zur fertigen Flasche.

flüssigem Glas wird in kleine Stücke portioniert und dann vollautomatisch in zwei Schritten zur fertigen Form aufgeblasen. Die rot glühenden Gläser sind so weich, dass sie mit einer Zange einfach „zerdrückt“ werden können. Sie wandern weiter in den Kühlofen, wo sie langsam auskühlen. Danach folgen die Qualitätskontrolle und eine vollautomatische Verpackung, bis wir dann wieder vor den Paletten mit Unmengen leerer Flaschen stehen, die schon am Anfang unserer Reise standen. Diese endet mit einer Besichtigung des Glas-Recyclinghofs, einem Gruppenfoto und der Erkenntnis, dass auch eine kühle Schönheit wie eine Glasflasche manchmal ganz schön heiß sein kann.

Apropos Rohstoff, das ist bis zu 96 Prozent Altglas, wie Herr Unfried, Technikvorstand bei Oberland, erklärt. Nur ein geringer Anteil des eingesetzten Materials ist Rohmaterial, im Wesentlichen Quarzsand, Soda und Feldspat. „Wie hoch der Altglasanteil ist, hängt von der Farbe des gewünschten Glases ab: während Weißglas höchstens 75 Prozent Altglasanteil enthält, kann es bei Grünglas mehr als 90 Prozent betragen“, lernen wir. Dem Rohstoff folgen wir zu den Wannen, in denen er bei mehr als 1700 Grad zu flüssigem Glas schmilzt. Die Hitze ist atemberaubend, auf den Metalltreppen hat man das Gefühl, mit den Schuhsohlen am Boden festzukleben. Verständlich, dass die Produktionshalle über die gesamte Länge mit Getränkeautomaten bestückt ist, natürlich nur mit Glas-Mehrwegflaschen. Der Strom aus

Fertig für den Transport. Auf großen Paletten werden die Glasflaschen zu den Abfüllern transportiert.

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Aus flüssig wird fest. Der glühende Beginn einer Glasflasche.

Sicherheit geht auch für die Besucher vor. Links: Clemens Stroetmann, Staatssekretär a.D. und Geschäftsführer der Stiftung Initiative Mehrweg.

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HAND IN HAND-FONDS

„ Eine der stärksten Frauen, die ich je kennengelernt habe“ Sister Esther ist eine der stärksten Frauen, die ich je kennengelernt habe. Wie sie um das Wohl ihrer Schüler kämpft, mit ihrem Strahlen und ihrer Power! Seit 18 Jahren ist Esther Buberwa Direktorin der Hekima Mädchen-Schule in der Nähe von Bukoba in Tanzania. 20 Prozent ihrer 380 Mädchen haben keine Eltern. Wie wichtig dort unsere Hilfe ist, kann man sich vorstellen. Fördergelder sind da mehr als willkommen.

Alle profitieren vom fairen Handel Vor dem Besuch der Schule waren Joseph und ich mit John M. Kanjagaile, dem Export Manager von KCU unterwegs. Von dieser Kooperative bezieht Rapunzel seit 4 Jahren Kaffee. Von den ca. 50.000 Kleinbauern der KCU haben inzwischen 3.500 auf Bioanbau umgestellt. Sie alle profitieren vom fairen Handel. Der Manager für den biologischen Anbau begleitete uns zwei Tage zu den Kaffeebauern, die einmal im Monat besucht, für den Bioanbau geschult und auch kontrolliert werden. Einmal kamen wir spontan und unangemeldet in ein kleines Dorf, in dem gerade eine Versammlung in der Lagerhütte abgehalten wurde. Die Bauern haben sich sehr über unseren Besuch gefreut, weil es davor noch nie vorgekommen war, dass sich ein Kunde wie wir so für sie und ihre

Besuch beim Rapunzel-Partner Ka-

Rapunzel-Infos auf Suaheli

gera Co-Operative Union (KCU)

Diese Bio-Bauern haben im Schnitt nur rund 1.000 Quadratmeter Land, von denen sie 600 Quadratmeter bebauen. Viele besitzen nicht einmal eine Kuh, es gibt keinen Strom, kein fließendes Wasser. Von dem Geld, das sie für die durchschnittlich 150 Kilo Kaffeebohnen bekommen und dem, was sie sonst noch anbauen, können sie leben. Ohne den Bio-Bonus würde es für viele wohl nicht reichen. Der Bioanbau ist für die Menschen hier eine Möglichkeit, dem Preisdruck des Weltmarktes entgegenzutreten und stattdessen auf Qualität zu setzen.

und der Hekima Girls School in Tanzania, die mit Hilfe von RapunzelFördergeldern aus dem HAND IN HAND-Fonds unterstützt wird. Justina und Joseph Wilhelm von Rapunzel waren tief beeindruckt. Aus Justinas Bericht:

Mädchenklasse der Hekima Secondary School.

Arbeit interessiert hat. Joseph hat eine kleine Rede zu Rapunzel und zum BioKaffeegeschäft gehalten. Einer der Bauern, der etwas Englisch kann, hat auf Suaheli übersetzt.

Tanzania habe ich als ein buntes Land erlebt. Nach Ägypten, das ja etwas sandig und trocken ist, tat es gut, so viele Farben zu sehen. Das Land am Viktoriasee mit dem Kilimandscharo ist so tropisch und alles ist grün. Die Menschen tragen bunte Kleidung, und es wird immer viel gelacht. Ganz wichtig für die Leute dort: kein Stress. Alles geht gemütlich voran, nichts läuft davon. Da könnten wir Westler was davon lernen, denke ich.

KCU erster Exporteur von Bio-Kaffee aus Tanzania Natürlich sind wir in diesem Land auch durch zwei wundervolle Nationalparks gefahren, Serengeti und Ngorongoro, beide mit einer gigantischen Natur. Wir sind Massai begegnet, wunderschöne, stolze, graziöse Menschen. Auch das ist Tanzania. Unser Hauptinteresse auf der Reise galt aber unserem Partner Kagera Co-Operative Union und seinen Bauern. Die Leute von KCU waren 1999 die ersten, die biologischen Kaffee aus Tanzania exportiert haben. Im letzten Jahr wurden 500 Tonnen biologisch zertifizierte Robusta Bohnen verkauft. Ein nicht unerheblicher Anteil davon geht an Rapunzel. Wenn unsere Kunden wollen, werden es noch mehr. Herzliche Begrüßung durch den Hekima-Nachwuchs.

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MENSCHEN FÜR NATUR

HAND IN HAND-Fonds leistet Soforthilfe in Honduras Der Nationalpark Patuca in Honduras wird seit 1998 regelmäßig durch den HAND IN HAND-Fonds unterstützt. Jetzt hat sich die Lage dort durch eine schlimme Rattenplage dramatisch verschlechtert. Ganze Ernten sind bereits vernichtet, die Menschen waren von Hungersnot bedroht. Das Welternährungsprogramm der UN stellte 42 Tonnen Nahrungsmittel als Soforthilfe zur Verfügung. Der RAPUNZEL HAND IN HAND-Fonds übernahm die Kosten in Höhe von 5000 Euro für Transport, Lagerung und Verteilung der Nahrungsmittel im Nationalpark.

DUH-Ehrenpatin 2006: Ursula Fink Erbengemeinschaft mit Eisvogel, Biber und Wasseramsel Ihre Liebe zur Natur drückte Frau Fink aus Marbach mit einer besonderen Geste aus: Sie schenkte der DUH eine großzügige Spende aus ihrem Erbe für das Projektnetzwerk „Lebendige Flüsse“. In dieser symbolischen Erbengemeinschaft profitieren nun Eisvogel, Biber und Wasseramsel von der Erbschaft.

Schönheit auch für kommende Generationen zu erhalten. Insbesondere Kinder und Jugendliche sollen sensibel gemacht werden für den Wert einer intakten Umwelt, für den Schutz von Boden, Luft und Wasser. Gerade hier setzt das Netzwerk „Lebendige Flüsse“ der DUH an, indem es Projekttage an Schulen durchführt.

Für diese großherzige Tat verleiht die DUH Frau Fink die Ehrenpatenschaft. Es ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie der Tod eines Menschen zu einem Lebenszeichen wird. Herzlichen Dank!

Diese Initiative ist besonders unterstützungswürdig, denn junge Menschen werden an Verantwortungsbereitschaft und Naturschutz herangeführt. Ursula Fink

„Nomen est omen“ Schon ihr Nachname drückt Verbundenheit mit der Natur aus. Auch durch ihr Biologie-Studium bleibt Frau Fink mit ihrer Heimat verbunden. Seit mehr als 20 Jahren ist sie als BUNDMitglied aktiv für den Naturschutz in ihrer Region. Mit Diavorträgen und Landschaftspflegearbeiten setzt sie sich für schützenswerte Landschaften ein. Unterwegs mit dem Fahrrad und mit der Kamera ausgerüstet, beobachtete sie durch die Jahreszeiten hindurch ein Biotop im Bottwartal. Dieses Engagement und ihre profunde Artenkenntnis überzeugte bei Vorträgen andere Menschen von der ökologischen Wertigkeit dieser Lebensräume.

Natur soll eine Zukunft haben Ursula Fink ist es ein Anliegen, Natur und Landschaft in ihrer Vielfalt und

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Spenden statt Kränze für Dieter Barthel Im Oktober 2006 starb Dieter Barthel (Jg. 1935) in Braunschweig. Zeit seines Lebens hat er sich für Belange des Natur- und Umweltschutzes eingesetzt. Fast 40 Jahre ehrenamtliche Tätigkeit sind Ausdruck seines Lebensgefühls und seiner Leidenschaft. Anfangs war er in der Arbeitsgemeinschaft Umwelt- und Naturschutz tätig, später als Vertreter der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald in der Region Braunschweig. Von 1973 bis zu seinem Tod war er Umweltbeauftragter der Stadt Braunschweig.

Dieter Barthel

Es war ihm ein Anliegen, die Bürger der Stadt in Naturschutzfragen zu beraten und seine Liebe zur Natur und seine Kenntnisse zu teilen. Als Spender unterstützte Dieter Barthel die Deutsche Umwelthilfe seit vielen Jahren. An das Ende seines Lebens setzte er ein besonderes Zeichen mit seinem Wunsch, auf Grabblumen zu verzichten und statt dessen an die DUH zu spenden. Mit Dank und Anerkennung erinnern wir uns an diesen „Menschen für Natur“. Angehörige und Freunde, die seinen letzten Willen in die Tat umgesetzt haben, achten auf diese Weise sein Lebenswerk und führen es fort. Wir danken ihnen ganz herzlich!

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Legat für die Natur!

Lebenszeichen

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