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DAS MAGAZIN DER DEUTSCHEN UMWELTHILFE

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Durchbruch f체r den Schutz der Biodiversit채t? Mit dem Fahrrad zu den Seen der Welt Kein Endlager in Sicht Freiburg ist Bundeshauptstadt im Klimaschutz

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schwecke.mueller

Felicidad Gonzales, eine der Bäuerinnen der Kleinbauernkooperative ANAPQUI: „Es ist erfreulich, wie sich der QuinoaAnbau in den letzten Jahren entwickelt hat. Das haben wir vor allem dem Bio-Anbau und dem Fairen Handel zu verdanken. Viele Familien sind aufgrund dieser guten Perspektiven wieder hierher zurückgekommen.“

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Wir machen Bio aus Liebe.


Auf ein Wort...

Prof. Dr. Harald Kächele Bundesvorsitzender Deutsche Umwelthilfe e.V.

Liebe Leserin, lieber Leser, es ist schon eigentümlich mit den internationalen Umweltkonferenzen. Nach dem Desaster der Klimakonferenz in Kopenhagen im Dezember 2009 kamen jüngst die Unterhändler in Sachen Biodiversität aus dem japanischen Nagoya regelrecht euphorisiert zurück. Und dann die nächste Klimakonferenz in Cancun, die mangels nennenswerter Erwartungen kaum noch scheitern konnte. Für engagierte Umwelt- und Naturschützer vor Ort bleibt bei all dem ziemlich undurchsichtig, welche praktischen Auswirkungen Erfolg oder Scheitern solcher Konferenzen eigentlich haben. Hilft der Erfolg von Nagoya der Rotbauchunke in Brandenburg oder dem Soldatenara in Costa Rica? Wir haben versucht, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen. Im Blickpunkt stellen wir die wichtigsten Ergebnisse der Biodiversitätskonferenz von Nagoya vor. Im Umweltministerium ist man optimistisch, jetzt bei der Umsetzung der Biodiversitätsziele voranzukommen. So jedenfalls Gertrud Sahler, Abteilungsleiterin Naturschutz, im DUHwelt Interview. Misst man die Bundesregierung an ihren bisherigen Taten, bleibt allerdings Skepsis angezeigt. Die Rechtswidrigkeit der bisherigen Bauausschreibungen und Bauarbeiten für Stuttgart 21 musste jetzt die Bahn eingestehen. Eine schallende Ohrfeige für die baden-württembergische Landesregierung, die sich geweigert hatte, die im Planfeststellungsverfahren vorgesehene Rußpartikelfilterpflicht auf der Großbaustelle gegenüber der Bahn durchzusetzen. Unsinnig, überteuert und jetzt auch noch illegal – die DUH fordert einen sofortigen Baustopp. Wenn Sie diese DUHwelt im Briefkasten finden, ist das Jahr 2010 fast schon zu Ende. Ich danke Ihnen für Ihr Interesse an der Arbeit der DUH und Ihre Unterstützung in diesem ereignisreichen Jahr und wünsche Ihnen frohe Weihnachtsfeiertage und ein gutes Jahr 2011.

Ihr

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Inhalt

DUH aktuell

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Stuttgart 21: Bahn akzeptiert Rußfilterpflicht

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10 Jahre Telekom und DUH

7

Porsche-Magazin ist nicht unabhängig

7

Energieeffizienz in Altbauten

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Bürger wünschen nachhaltige Fischerei in der Europäischen Union

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Nerze im Trainingscamp

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Partner des Global Nature Fund mit Onassis-Umweltpreis ausgezeichnet

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Impressum

Im Blickpunkt

Erfolg für die Biodiversität? Ganz zum Schluss herrschte internationale Einigkeit in Nagoya. Immerhin waren ambitionierte Ziele und ein ABS Protokoll im Reisegepäck der Verhandlungsreisenden. Umfangreiche politische Zielmarken für biologische Vielfalt hat sich Deutschland bereits in der schwarz-roten Regierungszeit gesetzt. Jetzt geht es um die Umsetzung.

Seite 10

10 Die Ziele sind gut, nun muss die Politik die Weichen stellen 11 Sind die Beschlüsse von Nagoya ein Durchbruch? 12 „Wir kommen voran.“ Interview mit Gertrud Sahler, Bundesumweltministerium 14 Vier europäische „Hauptstädte der Biodiversität“ gekürt 15 Buchtipp: Wilde Tiere in der Stadt

Naturschutz

Tierisch gute Landschaftspfleger n Naturschützer an der Sude können nicht nur Leit-

ideen, sondern auch Erfolge vorweisen. Die FlussNiederung entwickelt sich prächtig. Trotzdem gibt es Stoff für kontroverse Diskussionen.

Seite 20

16 EU muss Verstümmelung von Haien verhindern 17 Waldbauprojekt hilft der Haselmaus in der Oberlausitz

hand in hand

18 Okavango-Delta: Tag für Tag ein unglaubliches Naturschauspiel 18 Eine-Welt-Festival von Rapunzel Naturkost

Lebendige flüsse

20 Sude: Tierisch gute Landschaftspfleger 21 Renaturierung der Lippeaue geht weiter 22 Orchideen an der Elbe – Wasser für Tansania 22 Vom Wissen zum nachhaltigen Handeln

Umweltbildung

Unternehmen entdecken die Natur n Die Wirtschaft profitiert von der Viefalt der Natur. Die meisten Unternehmer haben sich mit dem Thema bisher allerdings nur wenig befasst. Dabei ist es nicht nur kostenträchtig. Es birgt auch Chancen.

Seite 30

23 Essen mit Köpfchen

Global Nature Fund 24 Blaues Wunder im Garten Eden 26 Mit dem Faltrad zu den Seen der Welt 28 Energiesparlampen für Fischer in Sri Lanka 30 Unternehmen entdecken die biologische Vielfalt

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Inhalt

„Unbekannte“ Tierart

32 Der König der Berge Steinböcke leben fast überall im Hochgebirge der Alpen.

Erfrischendes im Fußball-Stadion n Der Spitzenfussball sieht sich selbst engagiert,

fördernd und nachhaltig. Auf vielen Feldern gibt es Möglichkeiten, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Auf Seite 40 zeigen wir ein schönes Beispiel, wie das beim Thema Umweltschutz praktisch aussehen kann.

Seite 40

Energie und klima

34 Freiburg liegt im Klimaschutz vorne 36 Gorleben: Blockierte Zukunft 37 Photovoltaik made in Germany 38 Schneisen in Wäldern naturschonend pflegen 38 Plan N – Akzeptanz für neue Netze

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DUH markt

Kreislaufwirtschaft

40 Mehrwegbecher für Fußballfans

In Berlin werden Linienbusse noch umweltfreundlicher

41 Energiesparlampen gehören nicht in den Hausmüll 41 Recyclingkartons mit Nebenwirkungen

n Pünktlich und sauber, angenehm klimatisiert, mög-

lichst leise und natürlich in schickem Design – so soll ein moderner Stadtbus daherkommen. Wer in den Linienbus steigt, ahnt kaum, dass darin noch weit mehr Potentiale für den Klimaschutz schlummern.

Seite 42

Verkehr

42 In Berlin werden Linienbusse noch umweltfreundlicher 43 Das neue Energielabel für Pkw – eine Mogelpackung?

Umweltmedienpreis

44 UmweltMedienpreis 2010 – Zwischen Kunst und Plastik Zum 15. Mal ehrt die DUH engagierte Medienschaffende.

DUH INTERN

46 35 Jahre und kein bisschen leise Die Deutsche Umwelthilfe blickt auf ein weiteres aktives Jahr zurück.

UmweltMedienpreis n Fast zehn Jahre Recherchearbeit, Gespräche mit

Wissenschaftlern und mit der Industrie sowie eigene Datenerhebung bis hin zum Nachweis von Plastik im Blut des Filmteams – all das hat Werner Boote für seinen Dokumentarfilm „Plastic Planet“ geleistet. Der einstige Kabelhalter erhielt nun den renommierten UmweltMedienpreis der Deutschen Umwelthilfe. Und nicht nur er. welt 4/2010

Seite 44

menschen für natur 47 Ihr Legat für die Natur wird ein Lebenszeichen! 47 Bildnachweis

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DUH AKTUELL Rechtswidrig ausgeschrieben

Stuttgart 21: Bahn akzeptiert Rußfilterpflicht n Die Verletzung von Luftreinhalteauf-

lagen durch die Deutsche Bahn auf der Großbaustelle Stuttgart 21 hat ein Ende. In einem vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart geführten Verfahren hat die Deutsche Bahn allen inhaltlichen Forderungen eines von der Deutschen Umwelthilfe unterstützten Stuttgarter Anwohners zugestimmt. Danach verpflichtet sich die Bahn, dass bei den Bauarbeiten für Stuttgart 21 nur noch Baumaschinen und Fahrzeuge mit Dieselrußpartikelfilter zum Einsatz kommen. Mit dem Vergleich wird umgesetzt, was bereits 2005 im Planfeststellungsbeschluss für das Bauprojekt Stuttgart 21 festgeschrieben, vom Bauträger und den Aufsichtsbehörden allerdings ignoriert wurde: Zu den Gesundheitsschutzauflagen gehörte damals die Verpflichtung zum Einsatz einer Abgasreinigung nach dem „Stand der Technik“, was nach Aussagen des Umweltbundesamtes bedeutet, dass zwingend ein Dieselrußpartikelfilter eingesetzt werden muss. Gegen diese Auflage hat die Bahn jedoch systematisch verstoßen, was sich bereits aus den Ausschreibungsunterlagen für das Milliardenobjekt ergibt. Nach Beobachtungen der DUH hat die Deutsche Bahn die Bauarbeiten an Unternehmen vergeben, die durch den Einsatz besonders alter, rußender und offensichtlich dadurch besonders billiger Baugeräte die Ausschreibung gewannen. Unternehmen mit modernen Baumaschinen und Fahrzeugen kamen ganz offensichtlich nicht zum Zuge oder erkannten bereits bei Lektüre der Ausschreibung, dass sie gegen die Billigkonkurrenz keine Chance haben. Die nun erfolgte Anerkennung der Rußfilterpflicht durch die Deutsche Bahn eröffnet unterlegenen Bauunternehmen eine Klagemöglichkeit. „Mit dem Vergleich gesteht die Deutsche Bahn die Rechtswidrigkeit der

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bisherigen Bauarbeiten ein. Die Deutsche Umwelthilfe hat daher bei den Genehmigungsbehörden einen sofor-

tigen Baustopp beantragt.“ sagte Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH. (ufo) o

Auf der Großbaustelle Stuttgart 21 arbeiteten bislang ungefilterte Baumaschinen. Das Stadtgebiet ist mit Luftschadstoffen ohnehin hoch belastet.

Starke Partner

10 Jahre Telekom und DUH n Die Deutsche Umwelthilfe und die

Telekom blicken auf 10 Jahre erfolgreiche Zusammenarbeit für den Natur- und Umweltschutz zurück. Was auf der Expo 2000 in Hannover begann, hat sich zu einem erfolgreichen Dialog zur nachhaltigen Unternehmensführung entwickelt. Aktuelles Beispiel ist die Kooperation von DUH und Telekom bei der Förderung von Naturschutzprojekten im Rahmen des Naturschutzfonds „Lebendige Wälder“. Im Internationalen Jahr der Biodiversität 2010 wurden daraus fünf Naturschutzprojekte gefördert, die sich für den Erhalt von Wäldern und dem Lebensraum von Tieren und Pflanzen im Wald einsetzen. Seit sieben Jahren rufen DUH und Telekom zur Rückgabe von Althandys auf. Die in den Elektrokleingeräten enthaltenen wertvollen Rohstoffe werden so zurück gewonnen. Intakte Endgeräte erfahren eine zweite Nutzung. Ein wichtiger Nebeneffekt: Aus dem Erlös der Handysammlung fördert die DUH

Die Telekom-Förderung ermöglicht unter anderem naturpädagogische Angebote in den Weser-Auen.

zahlreiche Naturschutzprojekte im Inund Ausland. Im Jubiläumsjahr beschäftigt sich die Telekom außerdem mit der Verringerung des Energieverbrauchs innerhalb des Unternehmens und bei den unternehmerischen Aktivitäten sowie mit der Umstellung auf erneuerbare Energien. Ihre Flotte stellte die Telekom auf emissionsarme Fahrzeuge um. (mf) o

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DUH AKTUELL Ehrlich werben

Weniger ist mehr

Porsche-Magazin ist nicht unabhängig

Energieeffizienz in Altbauten

n Nach einem über eineinhalb Jahre

andauernden Rechtsstreit entschied das Oberlandesgericht Stuttgart Ende September höchstrichterlich, dass das von Porsche Deutschland herausgegebene „Christophorus-Magazin“ eine Werbeschrift im Sinne der Pkw-Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung (Pkw-EnVKV) sei. Laut Gericht dient es der Förderung des Absatzes von Porsche-Modellen. Der Sportwagenhersteller Porsche muss seine potenziellen Kunden auch dann über den horrenden Spritdurst und die enormen Treibhausgasemissionen seiner Luxuslimousinen informieren, wenn er sie in Werbeschriften anpreist, die sich als journalistische Beiträge tarnen. Der schwäbische Sportwagen-Hersteller vertrat die Auffassung, dass es sich bei der Hochglanz-Broschüre um eine redaktionell unabhängige Zeitschrift handele mit Berichten von Journalisten, die frei von jeglichem wirtschaftlichen Interesse seien. Da der Hersteller bereits im Jahr 2007 eine Unterlassungserklärung gegenüber der DUH abgegeben hatte, wonach er sich verpflichtete, nicht mehr gegen die Pkw-EnVKV zu verstoßen, wurde Porsche jetzt zur Zahlung von zweimal zehntausend Euro verpflichtet. Entgegen mehrmaliger Zusagen seitens des Stuttgarter Autobauers, zukünftig Verbrauch und Klimagasemission korrekt anzugeben, gehen die Verstöße weiter. Zwischenzeitlich hat die DUH vier weitere Verstöße von Porsche gegen die Verbraucherschutzverordnung PkwEnVKV entdeckt und abgemahnt. (as) o welt 4/2010

n Die 18 Millionen Gebäude in Deutschland sind für etwa 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs verantwortlich und für ein Drittel der CO2-Emissionen. Rund vier Fünftel der Gebäudeenergie dienen der Heizung und der Warmwasserbereitstellung. In ihrem Energiekonzept nimmt sich die Bundesregierung vor, die Sanierungsrate der Altbauten von derzeit jährlich etwa ein Prozent auf zwei Prozent zu verdoppeln. Ziel ist es, „bis 2050 nahezu einen klimaneutralen Gebäudebestand zu haben“.

Für das hehre Ziel verspricht Schwarzgelb einen „neuen strategischen Ansatz“, der Gebäudeeigentümern langfristig Klarheit über die Anforderungen bei Sanierungen verschaffen soll. Derzeit liegt etwa ein Faktor fünf zwischen den

Fördersummen, die notwendig wären, um die versprochene Verdoppelung der Sanierungsrate zu erreichen und den bereitgestellten Mitteln.Bisher allerdings setzt die Bundesregierung auf Tradition: CO2-Gebäudesanierungsprogramme, die „im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten besser ausgestattet werden“ sollen. Mit ihrer „Modernisierungsoffensive für Gebäude“ sollen Neubauten auf Basis einer Novelle der Energieeinsparverordnung (ENEV) bis 2020 nur noch „klimaneutral“ errichtet werden dürfen. Doch der Sanierungsfahrplan für alte Gebäude soll erst 2020 starten und bis 2050 eine Minderung des Energiebedarfs um 80 Prozent bewerkstelligen. Eine Begründung für die zehnjährige Verzögerung liefert die Regierung in ihrem Programm nicht. (gr) o

Kostbare Nahrungsquelle

Bürger wünschen nachhaltige Fischerei in der Europäischen Union n Über 90 Prozent der Deutschen sind

besorgt über die dauerhafte Überfischung unserer Meere und fordern von der Bundesregierung einen grundlegenden Kurswechsel in der Fischereipolitik. Mehr als 80 Prozent der deutschen Befragten wünschen sich Zielvorgaben der EU-Fischereiminister, die einerseits die Gefahr des Zusammenbruchs von Fischbeständen und schweren Umweltschäden verringern und andererseits den Fischern eine langfristige wirtschaftliche Perspektive sichern. Das sind Ergebnisse einer im November veröffentlichten repräsentativen Umfrage. Sie wurden im Vorfeld von Sitzungen der EU-Fischereiminister veröffentlicht, bei denen bis Jahresende über die europäischen Fischfangquoten für 2011 entschieden wird. Laut EU-Kommission sind derzeit mehr als 70 Prozent der untersuchten europäischen Fischbestände überfischt. Mehr

als 20 Prozent dieser Bestände werden über sichere biologische Grenzen hinaus genutzt. Für 14 Prozent der Bestände wird empfohlen, jegliche Fischerei komplett einzustellen. (jk) o

Überfischung bedroht die Bestände bekannter Speisefische.

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DUH AKTUELL Hoffnung für ausgerottete Art Anspruchsvoll Nerze im Trainingscamp n Der Verein EuroNerz e.V. will im

Saarland in den Naturschutzgebieten bei Alsweiler und Berschweiler ein Nerz-Auswilderungsprojekt starten. Artenschutz-Fachleute bezeichnen das Projekt als ein erfolgversprechendes Vorhaben. Die Nachzucht der empfindlichen Tiere, ihre Auswilderung und die wissenschaftliche Begleitung des Projekts sind aufwändig und teuer. Die DUH will die Arbeit des EuroNerz e.V. deshalb mit Spendengeldern unterstützen. Der Verein kümmert sich zum einen um die

Frieden und Wasser

Partner des Global Nature Fund mit Onassis-Umweltpreis ausgezeichnet n Die Naturschutzorganisation Friends

of the Earth Middle East (FoEME) wurde im November in Hamburg mit dem Onassis-Preis für den Schutz der Umwelt geehrt. Die Organisation engagiert sich für Frieden und Umweltschutz in Israel, Jordanien und Palästina. Gemeinsam mit dem GNF hat FoEME eine Studie zur nachhaltigen und umweltgerechten Wasserversorgung am Jordan erarbeitet. Sie zeigen damit, wie viel Wasser der Jordan benötigt, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Der Präsident der Onassis-Stiftung, Anthony S. Papadimitriou, begrüßt die Wahl, da FoEME „zusätzlich zu den hervorragenden Leistungen im Gebiet, Menschen von verschiedenen Nationalitäten mit einbezieht und damit das friedliche Zusammenleben und die harmonische Zusammenarbeit für einen gemeinen Zweck fördert.“ Mit 250.000 Euro gehört der Onassis-Preis zu den höchstdotierten Umweltpreisen. Der GNF und FoEME arbeiten bereits seit dem Jahr 2000 eng zusammen, um Lösungen für die regionale Wasserproblematik im Nahen Osten zu entwickeln. (cg) o

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Erhaltungszucht. Dabei werden in Zusammenarbeit mit europäischen Zoos gesunde, durchsetzungsstarke Tiere aufgezogen, die das Überleben der Art sichern sollen. Die gezüchteten Nerze werden nach einer Übergangszeit in einem Freigehege in die Freiheit entlassen. Die Zeit im „Trainingscamp“ ist wichtig, damit sich die Tiere ans Freiland gewöhnen, eine gewisse Ortskenntnis erlangen und arttypisches Verhalten lernen. Die ausgebrachten Tiere werden zur Identifizierung mit Mikrochips markiert. Mit Hilfe der implantierten Telemetriesender können die Tiere im Gelände aufgespürt werden. Die Chancen für eine dauerhafte Wiederansiedlung des Nerzes im Saarland stehen gut. Das Flusswasser und Gewässerstrukturen sind vielerorts von weit besserer Qualität als früher. Die Flusslandschaften sind wieder attraktive Lebensräume für wildlebende Tiere geworden. Außerdem ist der Südwesten des Saarlandes nahezu frei vom Mink. Der eingewanderte Vetter aus Amerika könnte dem Europäischen Nerz sonst ernsthafte Konkurrenz machen. (mf) o

Lebensraumzerstörung und Jagd haben den Nerz in Deutschland ausgerottet.

Zoos unterstützen den Naturschutz durch die Nachzucht von Nerzen.

Sie können die DUHwelt auch auf dem iPad lesen. Einfach die DUH-App laden und die aktuelle Ausgabe öffnen.

IMPRESSUM Zeitschrift für Mitglieder und Förderer der Deutschen Umwelthilfe e.V. ■ Herausgeber: Deutsche Umwelthilfe e.V., Fritz-Reichle-Ring 4, 78315 Radolfzell, Tel.: 07732 9995-0, Fax: 07732 9995-77, www.duh.de, E-Mail: info@duh.de ■ V.i.S.d.P.: Rainer Baake, Jürgen Resch ■ Redaktion: Michael Hadamczik (mha), Jutta Kochendörfer (jk), Melanie Fessler (mf), Christine Göcke (cg) ■ Autoren: Annette Bernauer (ab), Erika Blank (eb), Nadja Fahlke (nf), Gabriele Fiedler (gf), Thomas Fischer (tf), Ulrike Fokken (ufo), Udo Gattenlöhner (ug), Christine Göcke (cg), Michael Hadamczik (mha), Rotraut Hänlein (rh), Tobias Herbst (th), Stefan Hörmann (sh), Jutta Kochendörfer (jk), Eva Lauer (el), Franziska Müller (fm), Gerd Rosenkranz (gr), Karen Ross, Agnes Sauter (as), Nicole Schrader (ns), Ulrich Stöcker (us), Katja Tolkachyova (kt), Patrick Trötschler (pt), Marco Walter, Anna Weber, Silke Wissel (sw), Nina Wolff (nw), Albert Wotke (aw) ■ Gestaltung: Claudia Kunitzsch ■ Druck: Wachter GmbH & Co. KG, Bönnigheim ■ Anzeigen: Michael Hadamczik; es gilt die Anzeigenpreisliste 2010 ■ Verlag und Vetrieb: DUH Umweltschutz-Service GmbH, Fritz-Reichle-Ring 4, 78315 Radolfzell ■ Gedruckt auf 100 % Recycling-Papier ■ Heftpreis: 1,50 Euro

■ Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft Köln (BLZ 370 205 00) 8 190 002

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Die Ziele sind gut, nun muss die Politik die Weichen stellen Die Konferenz in Nagoya endete ungeahnt mit anspruchsvollen Beschlüssen. Die Vertragsstaaten der Konvention über die Biologische Vielfalt (CBD) senden damit auch ein Signal für die Behandlung von Umweltfragen in anderen internationalen Prozessen.

n Zu Recht bewertet Bundesumweltminister Norbert Röttgen die beschlossenen Ziele als Erfolg. Im Einigungsprozess spielte die deutsche CBD-Präsidentschaft eine positive Rolle.

Doch damit ist der Biodiversitätsverlust noch nicht gestoppt. Die Ziele allein helfen weder den letzten Nashörnern noch dem vom Aussterben bedrohten Europäischen Nerz oder den mittlerweile fast unbekannten Ackerwildkräutern wie der Kornrade. Mit den Arten schwinden genetische Ressourcen. Auch ganze Ökosysteme gehen unwiederbringlich

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verloren: tropische Korallenriffe ebenso wie Mitteleuropas Auwälder.

Wie stehen die Chancen für die Umsetzung der Beschlüsse in Deutschland? Die von der Bundesregierung 2007 beschlossene Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt, kurz NBS, weist in die richtige Richtung, doch manches ihrer Ziele ist von der Realität noch weit entfernt. Beispielsweise, dass 2020 der Anteil der Waldflächen mit natürlicher Waldentwicklung fünf Prozent beträgt.

Angesichts der Widerstände der Waldbesitzer und des zuständigen Bundeslandwirtschaftsministeriums scheint dies ein kaum lösbares Unterfangen. Die Deutsche Umwelthilfe fragt im Bundesumweltministerium nach der Umsetzung der NBS (siehe Interview auf Seite 12) und erläutert die wichtigsten Nagoya-Beschlüsse. Erfolgreiche praktische Schritte gehen beispielsweise manche Kommunen. Ihre Naturschutzbeiträge beleuchtet die DUH mit dem Wettbewerb „Europäische Hauptstadt der Biodiversität“ (Bericht Seite 14). welt 4/2010


IM BLICKPUNKT

Sind die Beschlüsse von Nagoya ein Durchbruch?

Mit dem Strategischen Plan hat sich die internationale Staatengemeinschaft auf ein neues globales Biodiversitätsziel und eine ehrgeizige Strategie für die Zeit bis 2020 geeinigt.

Schutzgebiete

Leider noch unklar ist, wie hier Deutschland und Europa trotz vielfältiger Nutzungsanforderungen an Nord- und Ostsee einen nennenswerten Beitrag leisten können. Zielkonflikte mit Fischerei, Schifffahrt, Tourismus und Energieversorgung über Offshore-Windkraft und Öl- und Gasexploration bestehen heute schon.

Ursachen des Biodiversitätsverlustes

Bis 2020 sollen alle für die Biodiversität schädlichen Subventionen, beispielsweise für Landwirtschaft und Fischerei, abgeschafft werden. Allerdings arbeiten Lobby-Mächte in Deutschland und Europa dagegen: Die Pendlerpauschale besteht weiter, obwohl sie Verkehr erzeugt. Agrar- und Fischereipolitiker agieren fern von den Umweltministern. Weitere Beschlüsse betreffen Überfischung und zerstörerische Fischereipraktiken, Schadstoffeinträge, Klimawandel sowie nicht nachhaltigen Konsum und Produktion. welt 4/2010

Leistungen des Naturhaushaltes

Der Wert der Biodiversität und ihrer Dienstleistungen, wie zum Beispiel sauberes Wasser, Holz oder CO2-Speicherung, soll zukünftig bei nationalen Planungsprozessen berücksichtigt werden. Nicht nur die für die Biodiversität schädlichen Subventionen (siehe oben) sollen abgebaut werden, sondern Prämi-

en für den Erhalt von Biodiversität eingeführt werden. Der Strategische Plan sieht vor, Ökosystemdienstleistungen in die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung zu integrieren. In Deutschland stemmen sich allerdings das Finanz- und Wirtschaftsministerium dagegen.

Mobilisierung von Finanzen

Finanzmangel ist bisher einer der Hauptgründe für den Biodiversitätsverlust. Insbesondere die ärmeren Länder des Südens, die den Großteil der weltweiten Biodiversität beherbergen, verfügen über keine ausreichenden Mittel für deren Schutz und nachhaltige Nutzung. Die CBD-Vertragsstaaten beschlossen eine erhebliche Steigerung von finanziellen Ressourcen zur Umsetzung des Strategischen Plans. Allerdings handelt es sich bisher lediglich um eine generelle Absichtserklärung. Noch unklar ist, woher die erforderlichen Mittel kommen. Endgültig soll diese Frage leider erst auf der nächsten Vertragsstaatenkonferenz 2012 in Indien geklärt werden.

Bei den Meeresschutzgebieten wurde eine Einigung auf zehn Prozent der gesamten Fläche mariner und Küstenhabitate einschließlich der Hohen See erzielt. Bislang steht erst knapp ein Prozent der Fläche unter Schutz.

Auch zu Biokraftstoffen verabschiedeten die Vertragsstaaten in Nagoya eine Entscheidung. Sie wollen kritische Ökosysteme, die nicht für die Produktion von Biokraftstoffen geeignet sind, ebenso wie besonders geeignete Anbauflächen identifizieren. Die Beschlüsse kommen spät angesichts des von der EU angefachten Agrospritbooms und der Rodung von Regenwäldern für den Palmöl- und Sojaanbau. Nicht nur Bundesumweltminister Norbert Röttgen, sondern die gesamte Bundesregierung und auch EUEnergiekommissar Günther Oettinger müssten hier sofort umsteuern.

17 Prozent der weltweiten Landflächen sollen als Schutzgebiete ausgewiesen werden. Der derzeitige Stand liegt bei knapp 13 Prozent.

Biokraftstoffe

Der Plan nennt 20 Punkte, von denen die Wichtigsten nachfolgend aufgelistet sind. Das ambitionierte Ziel lautet, die Verlustrate an biologischer Vielfalt um die Hälfte und wo möglich auf nahe Null zu senken.

Der Strategische Plan nennt Ziele und Maßnahmen

DUH in Nagoya n Die Nagoya-Konferenz bot zusätzliche Fachforen, wie beispielsweise den dreitägigen „Städtegipfel zur Biodiversität“. Die Vertreter der Gewinnerstädte aus Frankreich, Spanien und Ungarn präsentierten dort vor mehr als 400 internationalen Teilnehmern ihre Strategien und Maßnahmen, denen sie den Titel „Hauptstadt der Biodiversität“ verdanken.

Bei der DUH-Veranstaltung über die „Europäischen Hauptstädte der Biodiversität“ sprach Ladislav Miko, Leiter des Direktorats „Natur“ bei der Europäischen Kommission und hob die Bedeutung des DUH-Projekts für den Schutz der biologischen Vielfalt o in Europa hervor.

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IM BlickPUNKT ▲

Das ABS-Protokoll regelt die Nutzung genetischer Ressourcen

Das so genannte „ABS-Protokoll“ enthält international verbindliche Festlegungen, die den Zugang zu genetischen Ressourcen und den gerechten Vorteilsausgleich regeln. ABS steht für „Access and Benefit Sharing“. Der Zugang (Access) zu den genetischen Ressourcen eines Landes wird rechtssicher geregelt. Hierfür müssen die Industrieländer noch Umsetzungsbehörden benennen. Die Herkunftsländer solcher Ressourcen werden an den Gewinnen gerecht beteiligt (Benefit Sharing), die ein Nutzer erzielt, beispielsweise bei der Entwicklung von Medikamenten oder Züchtungen. Ein internationales Zertifikat für den Herkunftsnachweis von genetischen Ressourcen soll eingeführt werden.

Regenwälder sind vielerorts gänzlich unerforscht. Hier gibt es genetische Ressourcen, die möglicherweise wirtschaftlich genutzt werden können.

Das Instrument soll sowohl den Entwicklungsländern als auch den Nutzerländern, insbesondere Industrieländern, einen verlässlichen Rahmen bei der Nutzung genetischer Ressourcen geben. Für das Inkrafttreten des Protokolls bedarf es der Ratifizierung durch fünfzig Staaten. Ob und wann Deutschland ratifizieren wird, hängt vor allem von zwei Akteuren ab. Von der EU, die noch Richtlinien ändern muss, die den ABSFestlegungen entgegen stehen, und auch davon, was der Bundesgesundheitsminister tut, der durch seine Haltung lange Zeit das BMU und das ABS-Protokoll blockierte. (us, jk) o

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Interview

„ Wir kommen voran.“ Nach der Konferenz von Nagoya und vor der Entscheidung über den Bundeshaushalt fragte die DUHwelt im Bundesumweltministerium nach, wie die ehrgeizigen Pläne der nationalen Biodiversitätsstrategie und die ambitionierten Ergebnisse der Nagoya-Konferenz den Weg in die Wirklichkeit finden sollen. Gertrud Sahler, seit ihrem Amtsantritt im Jahr 2009 Büroleiterin von Bundesumweltminister Norbert Röttgen und ab diesem Sommer zusätzlich Abteilungsleiterin für den Naturschutz, beantwortete Fragen von Michael Hadamczik. n Im Frühjahr musste die EU feststellen,

dass sie die Ziele ihres Aktionsplans für die Biodiversität für das Jahr 2010 verfehlt hat. Die kürzlich beendete Biodiversitäts-Konferenz in Nagoya wird allenthalben als großer Erfolg bewertet. Sind wir bei der Aufstellung von Zielen erfolgreicher als bei deren Umsetzung?

Was wurde aus der Zusage der Bundeskanzlerin, für internationalen Biodiversitätsschutz 500 Millionen bis 2012 und dann jährlich weitere 500 Millionen Euro bereitzustellen? Ich bin sehr optimistisch, dass wir all diese Zusagen einhalten können.

Ein Ergebnis von NaGertrud Sahler, AbteilungsDas könnte man vielgoya ist das Ziel, zehn leiterin Naturschutz im leicht so sehen. Ich bin Bundesumweltministerium. Prozent der weltweiten mit gemischten GefühMeere als Schutzgebielen nach Nagoya gete auszuweisen. fahren und habe auch Ob wir die zehn Prozent bis 2020 – ehrlich gesagt – nicht geglaubt, dass schaffen, habe ich eher Zweifel. wir den Strategischen Plan bekommen würden und dass er ambitioniert sein Aber immerhin: Es gibt eine Reihe würde. Das ist jetzt gelungen. Das ist von Ländern, die erkannt haben, dass aus unser aller Sicht ein Erfolg. sie im küstennahen Bereich etwas tun müssen. Was die Gebiete auf hoher See angeht, da ist das MeeresschutzDie Ergebnisse der Konferenz stehen übereinkommen OSPAR ja vorangeund fallen mit ihrer weltweiten Umgangen mit der Auswahl der ersten setzung. Schutzgebiete außerhalb nationaler Erst einmal müssen wir es schaffen, Hoheitsgebiete. Aber das wird noch in zwei Jahren diesen Plan auch mit ein langer Weg. den entsprechenden Finanzmitteln zu unterlegen. Damit insbesondere die Am Rande von Nagoya wurde der Entwicklungsländer die Gelegenheit TEEB-Bericht vorgestellt, der auf glohaben, entsprechende Schutzmaßnahbaler Ebene den Nutzen der Biodivermen oder auch Maßnahmen zur nachsität für Gesellschaft und Wirtschaft haltigen Nutzung zu ergreifen. Es wäre beziffert. Wird es einen deutschen schon ein Erfolg, wenigstens in die TEEB-Bericht geben? Nähe der Ziele für 2020 zu kommen. welt 4/2010


IM BLICKPUNKT

Wir werden die TEEB-Studie, das Baby, das wir mit der EU zusammen aus der Taufe gehoben haben, auf internationaler Ebene weiter unterstützen, auch finanziell. Und wir werden eine Deutschlandstudie in Auftrag geben, die bestimmte Ökosysteme in den Fokus nimmt und versucht, den Wert der Dienstleistungen, die dort erbracht werden, zu berechnen. Das ist ein Schlüsselforschungsvorhaben. Ich ärgere mich über Verkehrsminister in Ländern, die uns vorrechnen, was ein Molch kostet in einem Infrastrukturprojekt, die aber keine Sekunde darüber nachdenken, was es für unsere Lebensgrundlage bedeutet, wenn bestimmte Tier- und Pflanzenarten oder ganze Lebensräume verloren gehen, unter anderem durch den Straßenbau. Die Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt (NBS) wird viel gelobt. Greift sie heute schon? Alle Ressorts müssen an der Umsetzung arbeiten, dass klappt in Teilen schon sehr gut. So mit dem Verkehrsminister, der ein Programm aufgelegt hat, das die Durchlässigkeit der Flüsse

wiederherstellen soll. Es gibt auch sehr gute Fortschritte auf der Ebene der Kommunen. Da entsteht auf vielen Ebenen ein Bündnis, das ausbaufähig ist. Ab dem kommenden Jahr werden wir das Bundesprogramm Biologische Vielfalt haben, das mit 15 Millionen Euro pro Jahr ausgestattet sein wird. Wir haben gerade im Kabinett den Indikatorenbericht verabschiedet. Wir kommen voran. Die DUH fordert einen obligatorischen Biodiversitäts-Check für alle Planungen und Gesetzesvorhaben des Bundes. Klingt gut, aber ich halte das nicht für durchsetzbar. Wir prüfen ja heute schon, ob ein Gesetz nachhaltig ist. Ich denke, wir müssen unter dem Begriff Nachhaltigkeit die Biodiversität mitdenken. Und dann gibt es ja auch noch die Ressortabstimmung.

Die DUH fordert ebenfalls, dass der Bund einen Plan für einen bundesweiten Biotopverbund aufstellen soll.

Vor allem große Säugetiere, wie beispielsweise der Wolf, wandern über weite Strecken und brauchen deshalb Biotopverbünde.

Auch ein schöner Vorschlag. Allerdings glaube ich, dass wir da eine Bauchlandung erleben würden. Wir müssen uns jetzt mit den Ländern darüber verständigen, wo die großen Achsen liegen sollen, um wandernden Arten den notwendigen Raumbedarf zu sichern. 75 Prozent der deutschen Bevölkerung sollen – so sagt es die NBS – den Schutz der Biodiversität als vorrangige gesellschaftliche Aufgabe ansehen. Was kann man tun, um das zu erreichen? Wir haben im vergangenen Jahr zum ersten Mal eine Naturbewusstseinsstudie durchführen lassen. Das Ergebnis war positiver, als ich geglaubt hatte. Aber das Thema ist so komplex, dass wir zunächst einmal die politische Ebene erreichen müssen und vor allem die Medien. Dann wird es auch eher möglich sein, die Menschen von der Wichtigkeit dieses Themas zu überzeugen. Ihr Minister ist seit kurzem Landesvorsitzender NRW und Stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU. Macht ihn das als Umweltminister stärker oder muss er jetzt noch mehr Rücksichten nehmen? Mit der CDU NRW ist eine starke Hausmacht verbunden. Ich gehe davon aus, dass das der Umweltpolitik gut tun wird. Als Leiterin des Ministerbüros und Abteilungsleiterin Naturschutz haben Sie gleich zwei Aufgaben, von denen jede die ganze Frau fordert. Geht das zu Lasten des Naturschutzes? Nach meinem persönlichen Eindruck habe ich das bisher gut miteinander verbinden können. Ich teile meine Arbeitszeiten zwischen Bonn, wo die Abteilung Naturschutz sitzt, und Berlin auf. Außerdem bin ich an beiden Orten in beiden Funktionen ansprechbar. Dass ich näher auch an den anderen Themen dran bin, ist für die Abteilung Naturschutz kein Nachteil. o

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IM BlickPUNKT

Ausschnitt des Grünrings um Vitoria, erster Platz der Kategorie über 30.000 Einwohner im spanischen Wettbewerb.

Vier europäische „Hauptstädte der Biodiversität“ gekürt

CAPITA AN

n Seit vielen Jahren ruft

Y

die DUH Kommunalwettbewerbe aus, um die Bemühungen von Städten und Gemeinden im Natur- und UmS weltschutz zu würdigen IO DIVER und weitere Kommunen zu verstärkten Aktivitäten zu motivieren. Das bewährte Konzept dehnte die DUH nun auf andere europäische Länder aus: Passend zum Internationalen Jahr der Biodiversität der Vereinten Nationen wurden im Laufe des Jahres 2010 in Frankreich, Spanien, Ungarn und der Slowakei „Hauptstädte der Biodiversität“ gesucht. Mit der DUH als Projektkoordinator und „Trainer“ haben Partnerorganisationen in den vier Ländern mit großem Engagement ihren ersten nationalen Wettbewerb durchgeführt und mit Erfolg zu Ende gebracht. Im September und Oktober kürten sie die Siegerstädte.

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EUROPE

Gute Naturschutzaktivitäten verdienen eine große Resonanz. Deshalb trug die DUH ihre auf deutscher Ebene langjährig bewährte Idee der Kommunalwettbewerbe in vier weitere europäische Länder. Über 200 Kommunen in Frankreich, Spanien, Ungarn und der Slowakei nahmen an den jeweiligen nationalen Wettbewerben teil. Darunter waren große Metropolen wie Paris und Barcelona. Kleine Gemeinden und Kleinstädte siegten.

sprochen. Von den knapp 140 Städten nahmen 20 teil. Die slowakische Hauptstadt der Biodiversität 2010 ist Želiezovce, eine Kleinstadt mit 7.500 Einwohnern im interkulturell geprägten Süden des Landes. Vogel- und Fledermausschutz sowie ein großangelegter Kampf gegen invasive Pflanzen gehören zu den Kernmaßnahmen. In Zusammenarbeit mit den örtlichen Naturschutzverbänden findet

jährlich eine Vielzahl von Aktionstagen für Kinder statt.

Grande-Synthe: Naturnahe Grünflächen bieten mehr Lebensqualität In Frankreich stieß der Wettbewerb auf besonders großes Interesse. 80 Kommunen beteiligten sich, von denen eine Kleinstadt am Ärmelkanal zur Hauptstadt ernannt wurde. Grande-Synthe (22.000

Grüner Fußweg quer durch eine naturnahe Grünanlage in Grande-Synthe (Frankreich).

Želiezovce setzt Artenschutz gezielt um In der Slowakei richtete sich der Wettbewerb in diesem Jahr lediglich an die Städte; die kleineren Gemeinden werden im Folgewettbewerb 2011 ange-

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IM BLICKPUNKT Buchtipp

Wildgänse an der Renaissance-Burg von Tata (Ungarn).

Einwohner) überzeugte mit einem ambitionierten Konzept zur Wiederherstellung einer hohen Biodiversität im Stadtgebiet. Die Stadt legt schon seit Jahren besonderen Wert auf naturnahe Grünflächenpflege und sorgt so für eine hohe Lebensqualität inmitten einer stark industrialisierten Region.

El Real Sitio de San Ildefonso integriert Naturschutz-Ziele in die Stadtentwicklung Das 5.700 Bewohner zählende El Real Sitio de San Ildefonso liegt etwa 80 Kilometer nördlich von Madrid und erlangte auf Grund seiner breit gefächerten Ansätze im Naturschutz den spanischen Titel „Hauptstadt der Biodiversität“. Seit 15 Jahren setzt das Städtchen ein Entwicklungsmodell um, das historische, umweltpolitische und kulturelle Aspekte zusammenbringt. Achtung vor der Natur, eine nachhaltige Entwicklung und die Steigerung der Lebensqualität sollen nebeneinander existieren können. Otterund Forellenschutz, nachhaltige Waldbewirtschaftung sowie die Förderung von alten landwirtschaftlich genutzten Arten, zum Beispiel der regionalen La Granja Bohne, gehören zum vielfältigen Programm der Kommune.

Tata sorgt für bessere Wasserqualität und mehr Grün In Ungarn wurde eine Stadt von 24.000 Einwohnern zur „Hauptstadt der Biodiversität“ gekürt. Tata liegt im Norden des Landes, mit einem europaweit bedeutenden und durch die RamsarKonvention geschützten Feucht- und welt 4/2010

Vogelschau im Rahmen des internationalen Earth Day in Želiezovce (Slowakei).

Vogelrastgebiet vor der Haustür. In den letzten Jahren hat Tata viel Arbeit in die Verbesserung der Wasserqualität, die Ausdehnung von Grünflächen und in eine ökologisch sinnvolle Entwicklung der Stadt gesteckt. Unter anderem ließ die Stadt in den letzten vier Jahren 12.000 Bäume pflanzen.

Wer wird in Deutschland „Bundeshauptstadt der Biodiversität“ ? Der deutsche Wettbewerb „Bundeshauptstadt der Biodiversität“ fand zeitlich versetzt zu den europäischen Wettbewerben statt. Die Gewinner werden derzeit ermittelt und im Frühjahr 2011 feierlich ausgezeichnet. (sw) o Förderer: Die europäischen Wettbewerbe werden im Rahmen des EU-Programms LIFE+ gefördert.

n Ist Ihnen schon mal ein Wildschwein im Park begegnet, haben Sie einen Fuchs bei den Mülltonnen beobachtet oder einen Waschbären auf Ihrem Abendspaziergang gesehen? Der Fotograf und Autor Florian Möllers hat häufiger tierische Begegnungen in der Stadt – er hat ein ganzes Buch daraus gemacht. Das Besondere: seine Bilder zeigen nicht nur die Tiere, die wir in der Stadt vermuten, sondern echte „wilde Kerle“.

Möllers Buch „Wilde Tiere in der Stadt“ ist gerade wegen dieser Aufnahmen ein richtiger Hingucker. Die Fotos sind lustig, überraschend und machen neugierig. Wer genau wissen will, warum es so viel Wildnis in unseren Städten gibt, hat mit Möllers Buch auch viel Lehrreiches zu lesen. Ein großes Nahrungsangebot, eine geringere Bedrohung durch Beutegreifer und abwechslungsreiche Lebensräume locken die Wildtiere in unsere Städte. Für uns Menschen entsteht dadurch ein neues Miteinander mit den Wildtieren. Das braucht Verständnis für die neuen Nachbarn – Möllers Bilder und Texte tragen kurzweilig dazu bei. (mf) o Florian Möllers Wilde Tiere in der Stadt Gebunden, 176 Seiten Mit 140 farbigen Abbildungen Knesebeck Verlag, 2010 ISBN: 978-3-86873-196-5 Preis: 29.95 Euro

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naturschutz

EU muss Verstümmelung von Haien verhindern Ein Drittel aller bekannten Haiarten ist vom Aussterben bedroht. Hauptursache ist die Überfischung. Vor allem die grausame Praxis des Finnings muss aufhören.

n Auf dem Weltmarkt erzielen Haiflos-

sen sehr viel höhere Preise als Haifleisch. Das unterschiedliche Preisniveau schafft den wirtschaftlichen Anreiz für das so genannte Finning. Bei dieser Praxis trennen die Fischer die Haiflossen unmittelbar nach dem Fang auf See ab. Die verstümmelten und schwimmunfähigen Tiere werden im Meer entsorgt und verenden. Die abgetrennten Flossen werden vorwiegend in asiatischen Ländern als Delikatesse – meist als Haifischflossensuppe – verzehrt. Die Praxis des Finnings trägt erheblich zum weiteren Rückgang der Haibestände bei.

Haifang nach industriellem Maßstab „Augenmerk aufs Finning“ lautete das Motto der European Shark Week 2010. Die diesjährige Haiwoche vom 9. bis 17. Oktober nutzten zahlreiche NichtRegierungsorganisationen europaweit, um die grausame Praxis des Finnings einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen.

spannende Präsentation im Rahmen einer DUH-Veranstaltung. Worm, der an der kanadischen Dalhousie University forscht, berichtete, dass bereits 32 Prozent aller bekannten Haiarten vom Aussterben bedroht seien. Hauptursache ist die Fischerei. Die meisten Haiarten sind außerordentlich anfällig gegenüber Überfischung, da sie langsam wachsen, erst spät geschlechtsreif werden und jeweils nur wenige Jungtiere hervorbringen. Anders als andere Fische legen Haie nicht Millionen Eier. Einige Arten brauchen so lange wie Menschen zur Geschlechtsreife. Nach langer Trächtigkeit gebären sie jeweils nur eine Handvoll Junge. Der modernen Fischerei mit

100 Kilometer langen Hakenleinen, an denen zehntausende Haken hängen oder Netzen mit einer Fläche von mehreren Tausend Quadratmetern können Haie nicht ausweichen. Arten wie Dorn-, Herings- oder Engelhai sowie einige Tiefwasserhaie sind im Nordostatlantik inzwischen vom Aussterben bedroht.

Das Finning-Verbot der EU ist zu schwach Einige der wichtigsten Haifangstaaten wie Spanien und Italien sind Mitglieder der Europäischen Union. Die EU ist darüber hinaus auch ein wichtiger

Der Meeresbiologe Boris Worm (Dalhousie University, Kanada) wies bei einer DUH-Veranstaltung in Berlin eindringlich auf die weltweite Bedrohung der Haie hin.

„Es ist ein Unding, dass die Vermarktung von Haiflossen heute überhaupt noch erlaubt ist“, sagte der renommierte Meeresbiologe Boris Worm bei seinem Vortrag im Berliner Aquadom. Dort verfolgten etwa sechzig Gäste seine

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Naturschutz

Waldbauprojekt hilft der Haselmaus in der Oberlausitz Im gleichförmigen Wirtschaftsforst finden viele Tierarten nicht ausreichend Schutz und Nahrung. Das gilt auch für die Haselmaus, einen daumengroßen Schläfer.

Haiflossen für lukrative Geschäfte.

Händler und Konsument von Haifleisch. Angesichts der äußerst bedrohlichen Situation hat zwar die EU 2009 einen Hai-Aktionsplan verabschiedet, doch das europäische Finning-Verbot bedarf dringend einer Verschärfung. Es enthält weit reichende Ausnahmeregelungen, die eine effektive Durchsetzung bisher verhindern. Der einfachste Weg, die Wirksamkeit des Finning-Verbots zu steigern, wäre eine Verpflichtung der Fischer, die gefangenen Haie als ganze Körper – mitsamt ihren Flossen – anzulanden.

Diese Haikörper wurden ins Meer zurückgeworfen und verwesen am Grund.

Die DUH beteiligt sich im Verbund mit der Shark Alliance an einer Initiative zum Schutz der Haie. Wir wollen die Mehrheit der Europaparlamentarier für eine Erklärung gewinnen, die ein EUweites Verbot des Finnings verlangt. Damit soll Druck auf die EU-Komission ausgeübt werden, die derzeit die EUVerordnung über das Finning bei Haien überarbeitet. (nw) o

n In Sachsen fand 2004 die erste „Gro-

ße Nussjagd“ statt. Anhand von Fraßspuren schlossen Naturschützer dabei auf die Existenz der scheuen Haselmäuse. So konnten sie das Oberlausitzer Bergland als einen der wenigen Verbreitungsschwerpunkte der Art in Sachsen identifizieren. Der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) e.V., Landesbüro Sachsen, wählte dort das Naturschutzgebiet Rotstein für ein waldbauliches Projekt aus, das der Haselmaus gezielt helfen soll.

Die Haselmaus braucht Abwechslung Derzeit startet der DVL gemeinsam mit seinen Partnern – dem Büro für ökologische Studien Büchner & Scholz und dem LPV Zittauer Gebirge e.V. – die waldbaulichen Maßnahmen. Die Schaffung lichter Bereiche in dem ehemaligen Niederwald aus Hasel soll die Entwicklung einer dichten Bodenvegetation begünstigen. Durch Zurückschneiden werden vergreiste Sträucher verjüngt, damit sie wieder Früchte tragen. Auch die Waldränder werden haselmausgerecht umgestaltet, damit sie zukünftig ein reiches Früchte-Büffet aus Haselnuss, Holunder, Brombeere und weiteren Köstlichkeiten bereitstellen können. Neu gepflanzte Hecken vernetzen Waldinseln miteinander. So kann die Haselmaus neue Gebiete erschließen und gewinnt Lebensraum hinzu.

Für ihren Winterschlaf benötigt die Haselmaus Fettreserven.

Die Entwicklung vom arten- und abwechslungsreichen Mittelwald zum strukturarmen Wirtschaftsforst hat die Haselmaus vieler natürlicher Lebensräume beraubt. Die EU stellte die Art unter Schutz, da ihre Vorkommen europaweit zurück gegangen sind. Nicht nur die Haselmaus profitiert von dem Waldprojekt in Sachsen. Strukturreiche, ökologisch intakte Wälder und Heckenstrukturen sind wertvolle Rückzugsräume für Vögel, Kleinsäuger und Pflanzenarten von Saumbiotopen, wie zum Beispiel Vogelnestwurz und Leberblümchen. (nf) o Förderer: Das Projekt wird durch den Naturschutzfonds Lebendige Wälder von Telekom Deutschland GmbH und Deutsche Umwelthilfe gefördert.

Statt Forstmaschinen arbeiten Pferde im Wald. So wird der Boden geschont.

Internet: Den Text (englisch) der Erklärung finden Sie unter: www.sharkalliance.org welt 4/2010

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hand in hand

hand in hand

Tag für Tag ein unglaubliches

Naturschauspiel „Manche Flecken auf unserer Erde bergen einzigartige Schätze, die die Aufmerksamkeit der ganzen Welt verdienen.“ Das sagt Karen Ross, promovierte Ökologin, über das OkavangoDelta mit seinem Naturreichtum. Sie setzt sich in Botswana seit 20 Jahren für dessen Erhalt ein.

n Aufgrund ungewöhnlich starker Re-

genfälle war das Okavango-Delta in diesem Jahr viele Monate überschwemmt. Was für das Ökosystem von Vorteil ist, erschwert die Arbeit von Karen Ross. Die aktive Naturschützerin bewohnt ein Zelt auf einem eigenen kleinen Grund-

stück mitten im Binnendelta des Okavangos. Seit den Regenfällen kann sie ihr Stück Land nur noch per Boot erreichen. Ross hat erreicht, dass die Regierung von Botswana das Gebiet 2009 auf die Bewerberliste für das Weltnaturerbe setzen ließ. Bis September 2011 muss der

Eine-Welt-Festival

n Mit einem „Eine Welt-Festival“ und 22.000 Gästen feierte Rapunzel Naturkost in Legau (Allgäu) im September seinen 35. Geburtstag. Der Naturkosthersteller und die DUH kooperieren seit zwölf Jahren im Hand in Hand-Fonds. Beim Festival stellten sie dessen Projekte gemeinsam vor. Besonderes Interesse erntete Paul Ngwé aus Kamerun (Mitte), der Dörfern seines Heimatlandes Solarstromversorgung ermöglicht. Zwei Mitarbeiter des Tropica Verde e.V. (rechts) berichteten von einem Wiederaufforstungsprojekt in Costa Rica. DUH-Mitarbeiterin Erika Blank (2. v. li.) überreichte Fonds-Initiator Joseph Wilhelm (links) die Broschüre „Ein Fonds für eine gerechtere Welt, 1998 o 2010“, die neu herausgegeben und ihm gewidmet wurde.

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UNESCO ein Dossier über das Delta vorgelegt werden, das die Schutzwürdigkeit begründet. Ross diskutiert mit diversen Interessengruppen über die Inhalte, berät die Regierung und trägt Fakten für das Dossier zusammen. Die DUH unterstützt ihre Arbeit aus Mitteln des Hand in Hand-Fonds. Für die DUHwelt berichtet Ross:

Bei Bootsfahrten im Delta trifft man auf den Roten Karminspint, SchreiSeeadler, Silberreiher und verschiedene Eisvögel. 500 Vogelarten und eine große Anzahl Säugetiere, darunter Elefant, Büffel, Nashorn, Löwe und Leopard und gefährdete Arten wie Wildhunde und Geparden leben hier. Schwimmende Erhebungen im Fluss könnten Nilpferde sein. Auf sie müssen Bootsführer besonders achten, denn diese Tiere gehören trotz ihres etwas tapsigen Auftretens zu den gefährlichsten neben den Krokodilen. Das Leben im Delta ist beschwerlich, aber bietet Tag für Tag ein unglaubliches Naturschauspiel. Der Erhalt des Deltas und seiner außergewöhnlichen Biodiversität ist nicht nur für Botswana, sondern auch für Afrika und die gewelt 4/2010


hand in hand samte Welt wichtig. Geformt wird das Okavango-Delta durch den gleichnamigen Fluss, der in Angola entspringt, ein kurzes Stück durch Namibia fließt, bevor er das nördliche Botswana erreicht. Das Delta liegt an den Ausläufern des Großen Afrikanischen Grabens in einer hügeligen Landschaft. Das Wasser des Okavango mündet nicht ins Meer, sondern versickert im Sand der KalahariWüste. Seit jeher ist das Delta auf dem Landweg schwer zu erreichen. So existierte es bis ins frühe 20. Jahrhundert nahezu unangetastet und bewahrte seinen intakten Zustand weitgehend. Dann tauchten

immer wieder Pläne auf, der Landschaft Wasser zu entnehmen, beispielsweise für die Versorgung von Diamantminen. Das Gebiet besitzt bis heute keinerlei Schutz-Status. Vielleicht fürchtete die Regierung von Botswana, ihre Souveränität und den ungehinderten Zugriff auf die Ressourcen des Deltas zu verlieren?

Karen Ross arbeitet freiberuflich im Naturschutz. Sie hat afrikanische und europäische Wurzeln und lebt heute in mehreren Staaten, vornehmlich im Okavango-Delta in Botswana.

Mein Ziel ist es, dass 2011 die Deklaration des Deltas als Welterbestätte gelingt und dazu führt, dass auch der gesamte Okavango-Fluss in Namibia und Angola dank der globalen Aufmerksamkeit geschützt werden kann. Denn die Natur hier ist ein Labsal für die Augen und fürs Gemüt.

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Ja wo fahren sie denn hin? Weltweit wird das Elektroauto angeschoben. China, USA, Frankreich, Deutschland – alle träumen von der Marktführerschaft. Benzin raus, Strom rein und die Party geht weiter? Beim Elektroauto bleibt der Verstand schnell in der Garage, unausgegorene Phantasien mischen sich mit der Imagepolitur der Autobauer. Was kann das Elektroauto wirklich und wohin wird es fahren?

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n Vier Wochen nach der Giftschlamm-

Katastrophe: Die Kindergärtnerin der ungarischen Unglücksstadt berichtet. n Eine Kuh ist kein Klimakiller:

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n Möwen, Krähen, Habichte und Co:

Der Kampf um die Berliner Lufthoheit. n Stuttgart 21: Das politische Erdbeben

kommt Ende März. n Vergesst Amerika! Stefan Rahmstorf

über die europäische Rolle im Klimakampf.

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19 Datum, Unterschrift DUHwelt 4/2010


lebendige flüsse

Tierisch gute

Landschaftspfleger

Der Nachwuchs der alten Haustierrassen braucht neue Flächen an der Sude. Die Großtiere halten feuchte Wiesen entlang des Flusses von Bewuchs frei. Die halboffenen Weidelandschaften entwickeln sich dank der vierbeinigen Helfer hervorragend. n Sie tragen klangvolle Namen wie

zuzäunen und für die heranwachsenden Kälbchen Platz zu schaffen. Weitere Flächen sollen durch Kauf oder Pacht für den Naturschutz gesichert werden.

„Deutsches Shorthorn“ (oben), „Rotbunte Doppelnutzung“ und „Schwarzbuntes Niederungsrind“. Ihr Aussehen ist eher unspektakulär, aber Fachleute wissen, dass diese seltenen Haustierrassen kaum mehr in der Landwirtschaft zu finden sind.

Vielfalt durch Fressen In den weitläufigen Feuchtwiesen der Sudeniederung stehen sie bei Wind und Wetter zusammen mit halbwilden Konikpferden draußen. Auf gemächlichen Fresswanderungen gestalten sie eine so genannte halboffene Weidelandschaft mit wertvollen Feuchtwiesenkomplexen. Dort finden bedrohte Vögel wie Kiebitz, Feldlerche und Grauammer einen Lebensraum, der auch für Großvögel wie Weißstorch und Kranich attraktiv ist.

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Probleme mit dem Deichbau

Grauammer und Weißstorch fühlen sich auf halboffenen Weideflächen sehr wohl.

Naturschutz und Landwirtschaft Hand in Hand Seit Jahren ziehen die Naturfreunde der Region an einem Strang und haben ein Beweidungsprojekt in Gang gesetzt, das auf 1.000 Hektar eine struktur- und artenreiche Landschaft hervorgebracht hat. Drei Herden mit Mutterkühen sind ein sichtbares Zeichen des Erfolgs. Wissenschaftliche Untersuchungen unterstreichen die Bedeutung des Projekts zum Erhalt bedrohter genetischer Ressourcen von Haustieren. Die Fachleute vom BUND aus Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern planen, die naturnahe Bewirtschaftung an der Sude auszuweiten. Deshalb werden dringend Gelder benötigt, um neue Weiden ein-

Denn als Grundstückseigentümer und -nutzer erlangen die Naturschützer ein besseres Mitspracherecht vor allem in Fragen des Deichbaus. Hochwasserschutz ist für die Menschen entlang der Elbe und ihrer Nebenflüsse von elementarer Bedeutung. Die seit Jahren propagierte Forderung, den Flüssen mehr Raum zu geben, muss bei den Deichsanierungen Berücksichtigung finden, entsprechende Vorschläge von Naturschutzseite liegen auf dem Tisch. Mit dem umweltverträglichen Ausbau der Hochwasserschutzdeiche könnten sogar neue Überschwemmungsflächen geschaffen werden. Daran erhitzen sich aktuell die Gemüter. Doch die Erfolge und Erfahrungen aus der naturschutzorientierten Beweidung in der Sudeniederung könnten Wege aus der kontroversen Diskussion zeigen. Die DUH setzt sich dafür ein, dass dieses Projekt weitergeht. (ab) o welt 4/2010


lebendige flüsse

Renaturierung der Lippeaue geht weiter

Naturschützern ist es gelungen, die Flussauen der Lippe als Lebensraum für bedrohte Arten und als Rückhalteraum für Hochwasser zu schützen und zu entwickeln. Die Renaturierung der Lippe und ihrer Aue östlich der Stadt Hamm wird nun fortgesetzt. n von Anna Weber

n Uferschwalben und Weißstörche haben die Lippeauen bereits wiedererobert. Aber auf diesem ökologischen Erfolg ruhen sich die Fachleute an der Lippe nicht aus. Seit März 2010 werden vier neue Bereiche des FFH-Gebietes „Lippeaue zwischen Hangfort und Hamm“ in Nordrhein-Westfalen ökologisch optimiert.

Verbindung der Lippe mit ihrer Aue Mit seinem Budget von rund 6 Millionen Euro hat das Projektteam sich Einiges vorgenommen: So ist geplant, die stark vertiefte Lippesohle auf einer Länge von einem Kilometer wieder auf ihr natürliches Niveau anzuheben. Die landwirtschaftliche Nutzung soll auf extensive Weise fortgeführt werden. Eine Fährverbindung wird es Radfahrern und Fußgängern ermöglichen, die Lippeaue vom Wasser aus zu erleben. Die Anlage von Flutmulden, Stillgewässern und Blänken und die natürliche Gestaltung der Lippeufer sind geplant. In den kommenden Jahren sollen auf rund 182 Hektar umfassende ökologische Verbesserungen für die Lippeaue durchgeführt werden.

Eingespieltes Team Die Stadt Hamm übernimmt dabei die Federführung und wird die Arbeiten bis zum Frühjahr 2015 gemeinsam mit dem Lippeverband, der Arbeitsgemeinschaft welt 4/2010

In der Lippeaue planen die Stadt Hamm und die benachbarten Landkreise Baumaßnahmen, die zu einem naturnahen Zustand führen.

Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest e. V. sowie den Landkreisen Warendorf und Soest umsetzen. In den letzten fünf Jahren wurden durch ein EU Life-Projekt bereits viele naturnahe Lebensräume in der Lippeaue entwickelt. Doch noch immer sind die Folgen der zunehmenden Besiedelung, intensiven Landnutzung und Begradigungen des Flusslaufes zu sehen. Das neue LIFE+ Projekt an der Lippeaue ist ein weiterer wichtiger Beitrag, die Folgen der menschlichen Eingriffe zu mildern. Die bisherige Kooperation Flutmulden sind ein wichtiger Beitrag zum Hochwasserschutz.

zwischen Naturschutz, Wasserwirtschaft und Landwirtschaft und die konsequente und frühzeitige Einbindung aller beteiligten Interessengruppen sowie der Bürgerinnen und Bürger ist vorbildlich. Das LIFE+ Projekt ist daher eines der guten Beispiele für ökologischen Auen- und Hochwasserschutz, welche die DUH im Rahmen eines Forschungs- und Entwicklungsvorhabens des Bundesamtes für Naturschutz zusammengetragen hat. o Weitere Informationen: www.life-lippeaue.de Anna Weber arbeitet im Umweltamt der Stadt Hamm.

Förderer des Netzwerks „Lebendige Flüsse“:

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lebendige flüsse

Orchideen an der Elbe – Wasser für Tansania „Wasser – (wert)volle Ressource“ war für Neuntklässler des Gymnasiums Querfurt das Motto einer Aktionswoche des Umweltzentrums Ronney an der Elbe und der Deutschen Umwelthilfe. Sie fragten sich, wie sie Geld für einen guten Zweck sammeln könnten, der mit diesem Motto zu tun hat. n Ein Meer von Orchideen – vor allem

heimische Knabenkräuter – wächst auf der Feuchtwiese bei Badetz im Biosphärenreservat Mittelelbe, in vielen Violett- und Rosatönen. Die Wiese, die in Handarbeit gepflegt werden muss, war der erste Einsatzort der Querfurter Schüler. Die Jugendlichen schwangen hier voller Elan Sense, Harken und Forken, um die Orchideen-Vielfalt zu erhalten. Das Geld, das sie für ihre Arbeit bekommen, ist ein erster Spendenbeitrag für einen Wassertank und seine Installation. Die Schüler haben noch eine besondere Idee: „Ich hoffe, dass unser Benefizfußballspiel klappt“, meint Marie Barczewski. Mit dem Spiel wollen die Schüler einen weiteren Teil der 600 bis 1.000 Euro sammeln, die noch gebraucht werden. „Weltweit stirbt alle zwei Sekunden ein Kind, weil es keinen Zugang zu sauberem Wasser hat“. Betroffen von dieser Aussage, wollen die Schüler ihren eigenen positiven Beitrag leisten. Ihre Klassenlehrerin, Elke Lauckner-

Böhme, fand ein geeignetes Projekt: Die Finanzierung eines Wassertanks für eine Geburtenstation des ElisabethKrankenhauses im tansanischen Arusha. Anlass für die Projektwoche ist die Bildungsoffensive „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ der Vereinten Nationen von 2005 bis 2014. (cg) o

Förderer:

Im Rahmen des Projekts „Schulen für eine Lebendige Elbe“ halfen Schüler bei der Landschaftspflege und spendeten ihren Arbeitslohn für einen Wassertank (oben)

Vom Wissen zum nachhaltigen Handeln n Versalzen die Abwässer einer ge-

planten Sole-Kurklinik einen See der Müritzer Seenplatte? Mit dieser Frage beschäftigten sich drei Schüler des Richard-Wossidlo-Gymnasiums Waren in Mecklenburg-Vorpommern. Sie erforschten die Auswirkungen von chlorid-belastetem Abwasser auf den Jabeler See und beteiligten sich damit am Bundesumweltwettbewerb 2009/2010. Für eine neue Kurklinik mit Soleanwendungen plant die Stadt Waren, das geklärte Abwasser in den Jabeler See einzuleiten. Um die Auswirkungen besser abschätzen zu können, untersuchten Philipp Müller (16), Hannes Gierke (15) und Eric-Lucas Kiepke (16) im Rahmen des Bundesumweltwettbewerbs

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Eric-Lucas Kiepke, Philipp Müller und Hannes Gierke vom Richard-WossidloGymnasium in Waren erhielten den von der DUH gestifteten Sonderpreis im Rahmen des Projekts „Schulen für Lebendige Flüsse“.

2009/2010 den Einlauf des Klärwassers und eine unbelastete Wasserfläche. Für ihr Thema, in dem Wissen und Handeln sehr gut verknüpft waren, erhielten sie den von der DUH im Rahmen des Projektes „Schulen für Lebendige Flüsse“ gestifteten Sonderpreis in Höhe von 500 Euro. Bei dem Wettbewerb werden seit 20 Jahren praktische Beiträge junger Leute von 13 bis 21 Jahren zu Umweltschutz und Umweltbildung prämiert. Wer sich mit seinem Projekt für das Jahr 2011 bewerben will, kann sich bis zum 15. März 2011 beim Bundesumweltwettbewerb online anmelden. o Internet www.bundesumweltwettbewerb.de

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Umweltbildung

Essen mit Köpfchen Brauchen wir nach der Energie- auch noch die Ernährungswende? Ja, denn unser Essverhalten wirkt sich nicht nur auf unsere Gesundheit, sondern auch auf Klima und Landschaft aus. Das Umweltbildungsprojekt der DUH in Niedersachsen zeigt wie´s geht – das „besser essen“.

n Zum Frühstück Kaffee, Orangensaft

und Brötchen mit Nutella, mittags ein schnelles Fertiggericht aus der Mikrowelle und abends Wurstbrote – für viele Deutsche ist das sicher kein ungewöhnlicher Speiseplan. Doch ist das noch gesund? Welche Transportwege hat unser Essen hinter sich? Wie viel „virtuelles“ Wasser, Energie und Rohstoffe verbrauchen wir bei der Lebensmittelerzeugung? Und wie leben all die Tiere für unser tägliches Fleisch? DUH-Regionalgeschäftsführerin Dagmar Israel und ihr Team vom DUH-Regionalverband Nord gehen in ihrem neuen Projekt „Wer is(s)t fair?“ solchen Fragen nach: Sie nehmen den Nachhaltigkeitsaspekt unseres Essens genauer unter die Lupe. Mit der Wahl unserer Nahrungsmittel beeinflussen wir das Klima, und wir unterstützen zwangsläufig eine bestimmte Form der Tierhaltung und Bodenbewirtschaftung. Bauern in Deutschland und ebenso in Entwicklungsländern sind mit ihrer Existenz abhängig von unserer Nachfrage. Auch steigende Kosten im Gesundheitswesen aufgrund ernährungsbedingter Krankheiten gehören zu den komplexen Folgen unseres Essverhaltens.

Was hat der Klimawandel mit dem Steak zu tun? Große Anbauflächen für Futtermittelimporte zerstöwelt 4/2010

Wer is(s)t fair?

ren in ärmeren Ländern des Südens deren heimische Landwirtschaft und den Regenwald. Für Erzeugung, Transport und Lagerung unserer Nahrung werden Ressourcen verbraucht und Klimagase emittiert. Bei der Herstellung eines Rindersteaks oder einer Portion Hamburger mit Pommes fallen etwa 2,7 Kilogramm des Klimagases CO2 an – so viel wie bei einer 17 Kilometer langen Autofahrt. Mit rund 3.200 Litern wird dabei der Wasserinhalt von 20 Badewannen verbraucht.

Nur noch Steckrüben und Getreidekaffee? Massentierhaltung ist häufig nicht artgerecht, das Fleisch kann Stresshormone und Medikamentenrückstände enthalten. Beim Menschen wächst mit hohem Fleischkonsum das Risiko von Herzinfarkten und Krebserkrankungen.

on oder aus fairem Handel können wir uns lecker und gesund ernähren. Das bedeutet keinen Verzicht! Wichtig ist es, das Essen selbst zu kochen – und zu genießen. Dagmar Israel und ihr Team wenden sich an Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte weiterführender Schulen in ganz Niedersachsen. Sie bereiten Unterrichtsmaterialien, Spiele, Schulungen und Veranstaltungen mit renommierten Fachleuten vor. Dabei entsteht ein Rezeptbuch und auch Schlemmerkurse sind im Angebot. Ganz nebenbei lernen die Küchenlehrlinge den Zusammenhang zwischen Essen und Klimaschutz, Gesundheit sowie sozialer und ökonomischer Gerechtigkeit kennen. Dagmar Israel ist überzeugt: „Wir müssen insbesondere junge Menschen auf den Geschmack gesunden Essens bringen und ihnen die Konsequenzen ihres Ernährungsverhaltens näher bringen. Nur so können wir das anspruchsvolle Thema Nachhaltige Ernährung in ihren Köpfen und ihren Herzen verankern.“ (gf) o

Förderer:

„Nachhaltige Ernährung“ heißt das Zauberwort. Mit frischen, saisonalen, biologischen Produkten aus der Regi-

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Global Nature Fund

Der Global Nature Fund unterstützt die brasilianische Organisation Ecotropica beim Schutz der seltenen Papageienart. Die HyazinthAras kommen nur im Pantanal noch in größeren Populationen vor.

Blaues Wunder im Garten Eden n Früher waren Hyazinth-Aras im gesamten Pantanal-Feuchtgebiet heimisch, in jüngster Zeit gibt es nur noch aus dem nördlichen und östlichen Teil Nachweise für größere Vorkommen. Dabei sind auch heute noch große Wälder mit Acuri- und Bocaiuvapalmen vorhanden, von deren Früchten sich die Vögel ernähren. Forscher von Ecotropica gehen den Ursachen für das Verdrängen der Vögel aus demHerzen des riesigen Feuchtgebietes nach.

Schutz und zur Wideransiedlung der Hyazinth-Aras. In einem ersten Schritt haben sie Ara-Vorkommen im Acurizal, einem von Ecotropica betreuten Schutzgebiet an der Grenze zu Bolivien und im benachbarten Parque Nacional do Pantanal Mato-Grossense erfasst. In ihre Untersuchungen flossen die Beobachtungen von Fischern, Landbesitzern und indigenen Stämmen ein.

Luciene Rodriguez und Thomas Rosen leiten bei Ecotropica das Projekt zum

Nur wenn die Forscher die Ursache für das Verschwinden der Aras kennen,

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Von den Nachbarn lernen

können sie daraus Schritte zur Wiederansiedlung der seltenen Vögel ableiten. Bei ihrer Datenerhebung nutzten die Wissenschaftler auch Erfahrungen aus den Naturschutzgebieten im südlichen Teil des Pantanal und im angrenzenden Bolivien, wo Hyazinth-Aras bereits erfolgreich wiederangesiedelt wurden. Luciene Rodriguez und Thomas Rosen analysieren die

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Global nature Fund Daten und entwickeln einen Managementplan für die Wiederansiedlung des Arara Azul (so nennt man die Vögel in Brasilien) in den von Ecotropica betreuten Naturschutzgebieten und im Nationalpark. „Im Laufe der Befragungen konnten wir wichtige Kontakte zu den Fazendeiros – den Landbesitzern im Pantanal – herstellen. Sie haben ein großes Interesse an der Mitwirkung im Projekt gezeigt“, sagt Thomas Rosen.

Interview

Brandbekämpfung im Pantanal chen vor allem die Täler zu schützen, weil die Senken die höchste Biodiversität aufweisen. Das Verschwinden von Eidechsen, Spinnen und anderen Insekten beeinträchtigt die Nahrungskette unterschiedlicher Tierund Vogelarten. Wenn große Flächen verbrennen, gehen Lebensräume, Nist- und Nahrungsmöglichkeiten zahlreicher Tiere verloren.

Beliebt und doch bedroht Ihren Namen verdanken die HyazinthAras übrigens ihrer auffälligen dunkelblauen Farbe. Die bis zu einem Meter großen Vögel sind weltweit wegen ihrer sozialen und zutraulichen Art bekannt und beliebt: ein starker Tierschmuggel in den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts führte zu einem dramatischen Rückgang der Populationen. Schon vor rund zehn Jahren setzten sich Naturschützer das Ziel, den Ara-Handel zu stoppen. Das Projekt konnte wegen finanzieller Engpässe aber nicht weiter geführt werden. Seit Ende 2009 kann Ecotropica mit Unterstützung der Ursula Merz Stiftung wieder für den Schutz der blauen Aras arbeiten. (kt) o

Ecotropica-Mitarbeiter Thomas Rosen mit einem frisch gebauten Nistkasten. Geschützte Brutplätze sind eine Voraussetzung für erfolgreichen Ara-Schutz.

Wie schaffen Sie es, auf den von Ecotropica betreuten 60.000 Hektar Land Brände effektiv zu löschen?

Wolf Eberhard lebt in der Naturschutzstation Acurizal.

n In der Trockenzeit von August bis

November breiten sich Brände im Pantanal rasant aus. Sie gefährden die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt des Feuchtgebiets. Die Mitarbeiter der Living Lakes Partnerorganisation Ecotropica verbessern seit Jahren Maßnahmen für den Brandschutz und werden dabei vom Global Nature Fund unterstützt. Wolf Dieter Eberhard ist seit 1993 als Freiwilliger bei Ecotropica, dem Living Lakes Partner im Pantanal Feuchtgebiet in Brasilien. Seit 2009 lebt er das ganze Jahr über im Acurizal-Gebiet. Katja Tolkachyova vom GNF sprach mit ihm: Das Pantanal gilt als größtes Feuchtgebiet der Erde. Wieso nehmen hier die Brände zu? Den Menschen fehlt das Bewusstsein für die Gefahr. Unbeaufsichtigte Feuer verbreiten sich in der Trockenzeit extrem schnell. Es gibt auch natürliche Gründe wie Blitzeinschlag oder durch den Wind bedingte Verbreitung des Feuers.

Helfen Sie Ecotropica und werden Sie Artenschützer! Übernehmen Sie eine Patenschaft für den Hyazinth-Ara oder spenden Sie einmalig für dieses Living Lakes-Projekt: Spendenkonto 804 041 6000, BLZ 430 609 67 bei der GLS-Bank, Stichwort: Pantanal

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Welchen Schaden richtet das Feuer an? Es gibt Brände, bei denen hauptsächlich Gras brennt. Viele Bäume in den Bergen haben eine feuerfeste Rinde und überstehen das Feuer. Wir versu-

Prävention ist ein wichtiges Stichwort. Jeder, der Rauch in der Umgebung merkt, meldet Alarm. Wir arbeiten mit einer anderen Organisation aus dem Süden des Pantanal zusammen. Gemeinsam haben wir das nötige Werkzeug und Geräte zur Brandbekämpfung gekauft. Im benachbarten Nationalpark gibt es eine Feuerwehrbrigade. Wenn das Feuer im Nationalpark oder in einer der „Pufferzonen“ ausbricht, zu denen auch unsere Schutzgebiete gehören, ist die Brigade verpflichtet, beim Löschen zu helfen. Was würde Eure Arbeit erleichtern? Wir brauchen mehr Trinkwasserbehälter für die Helfer. Es fehlen Hochdruckwasserpumpen, die schnell genügend Wasser liefern. Jetzt planen wir, 500 oder 1.000 Liter große Wasserbehälter in den Bergen aufzustellen, die frühzeitig mit Wasser aufgefüllt werden. Das spart bei einem Einsatz Zeit und Körperkraft für die Wasserschlepperei. Wir brauchen ein größeres Boot, um Benzin und Nahrungsmittel aus der Stadt ins Gelände zu transportieren und die Landepisten für Flugzeuge müssen ausgebessert werden. Wir brauchen dringend Funkgeräte, um die Löscharbeiten im Gelände zu koordinieren. Aber wie gesagt, Prävention ist wirksamer als Bekämpfung. Deswegen wünsche ich mir ein kleines Motorrad, um regelmäßige Kontrollen in den Schutzgebieten durchführen zu können. (kt) o

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Global Nature Fund

Mit dem Faltrad zu den Seen der Welt Zehn Monate lang reisten die Konstanzer Margit Weißer und Marco Walter um die Welt. Im Gepäck: zwei Falträder. Ihre Ziele: vier Seen aus dem Living Lakes-Netzwerk. n von Marco Walter

n Ein See wie ein Meer. Wir stehen am

Bug des betagten Schiffs und schauen hinab in die Tiefe. Zwischen Wellenberg und Wellental liegen acht Meter. Das Auf und Ab dieser Schiffsschaukel berauscht. Der Wind lässt die Haare waagerecht wehen. Außer uns ist kein einziges Schiff auf diesem gigantischen Wasser zu sehen, das zehn Mal so lang wie der Bodensee und 1.640 Meter tief ist. Kein Wunder, dass er die Seele Russlands genannt wird: der Baikalsee.

GRAN und Firn. Auf einer Exkursion zu den Uschkani-Inseln sehen wir Nerpas, das sind Süßwasserrobben, welche nur im Baikalsee vorkommen.

rika besuchen wir den nächsten Living Lakes-See.

Auf dem Landweg geht es weiter in die Mongolei, nach China, Vietnam, Laos, Kambodscha, bis nach Bangkok. Von hier nehmen wir den Flieger, reisen nach Australien und Neuseeland. In Südame-

In Argentinien wohnen wir fünf Tage an der Laguna Mar Chiquita im Naturschutzzentrum des Centro de Zoologica Aplicada Argentina der Universität Cordoba, Living Lakes-Partner vor Ort.

Flamingos im Abendrot

Die Weltreise führte beispielsweise an den Steppensee Mar Chiquita in Argentinien (oben) und nach Laos (unten).

Sehnsuchtsziel Baikalsee Nach über 6.000 Kilometern mit der Transsibirischen Eisenbahn haben wir ihn erreicht. Und haben das Glück, an der Living Lakes Baikalkonferenz teilzunehmen. Dabei lernen wir viel über die faszinierende Natur dieses Sees, aber auch seine Probleme kennen. Angefangen von der riesigen Papierfabrik Baikalsk, die ihre Abwässer ungeklärt in den See leitet, über Quecksilberbelastungen im größten Zufluss Selenga, durch rücksichtslosen Abbau von Bodenschätzen verschmutzt, bis hin zu den Auswirkungen touristischer Nutzung. Viel Arbeit für die regionalen Living Lakes Partner

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Global nature Fund Erio Curto, Leiter des Zentrums, zeigt uns die Besonderheiten dieses größten Sees Argentiniens, der 80 Gramm Salz pro Liter enthält – so viel wie normale Meere. In den 70er Jahren ist das Wasser durch starke Regenfälle um acht Meter gestiegen, wodurch viele Häuser bis zur Dachkante überschwemmt wurden. Mittlerweile ist der Wasserstand wieder gesunken und der See sogar durch die starke Wasserentnahme im zufließenden Dulce-Fluss bedroht. Der See ist ein Paradies für Ornithologen. Chile-Flamingos fliegen in der Abenddämmerung zu Dutzenden vorbei, auf Zaunpfählen sitzen Eulen, und auch Wilson-Wassertreter oder Goldregenpfeifer sind in großer Anzahl an der Laguna zu beobachten. Der GNF hat den Bau eines Vogelbeobachtungsturms am See unterstützt. In dessen Nähe zeigt uns Erio Curto einen Campingplatz, der durch die Überschwemmung vor über 30 Jahren zerstört wurde. Und erzählt uns seine Vision, hier einen ökologischen VorbildCampingplatz zu errichten.

Am Titicacasee setzt man auf nachhaltigen Tourismus.

streife durch die Wildnis auf der Suche nach dem Jaguar und dem Glaucus-Ara. Diese Art gilt als ausgestorben, doch die Brüder Adalberto und Wolfgang Eberhard von Ecotropica vermuten, dass es lebende Exemplare des Glaucus-Aras in ihrem Gebiet gibt. Mehrere Einheimische berichten unabhängig voneinander, Glaucus-Aras gesehen zu haben. Zur Erhaltung des seltenen HyazinthAras im Pantanal starteten der Global Nature Fund und Ecotropica jüngst ein neues Projekt.

Titicacasee: Ursprung der Inkas

Im Pantanal leben auch Landschildkröten.

Pantanal: auf der Spur des Jaguars Die Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus liegt auch Ecotropica am Herzen, Living Lakes Partner im Pantanal, dem größten Feuchtgebiet der Erde. So groß wie Frankreich liegt es in den Ländern Brasilien, Paraguay und Bolivien. Bevölkert wird das Pantanal von Millionen Krokodilen, die sich gerne von den Capybaras, den größten Nagetieren der Welt, ernähren. Ecotropica besitzt drei Schutzgebiete im brasilianischen Teil des Pantanals und betreibt die Forschungsstation Acurizal. Eine Woche verbringe ich in dieser Station, welt 4/2010

Auch TRÓPICO, Living Lakes-Partner am 3810 Meter hoch gelegenen Titicacasee, setzt auf den Tourismus als Impulsgeber für nachhaltige Entwicklung. Deren Präsident Jorge Cardenas ist bestens mit den Tourismusorganisationen des Landes vernetzt und organisiert ökologische Reisen durch Bolivien und insbesondere auch an den Titicacasee. Auf der Sonneninsel im Titicacasee betreibt der Verein eine ökologische Hotel-anlage, in der die Sonnenenergie für die Heizung und zur Warmwasserbereitung genutzt wird. Die Sonneninsel gilt der Sage nach als der Ursprung der Inkas, wir stoßen auf einzelne Ruinen der Inka-Kultur. Der Titicacasee als weltweit höchstgelegener Großsee ist 15-mal so groß wie der Bodensee und besticht durch spektakuläre Aussichten und Farben. Mit unseren Falträdern fahren wir an seiner Küste entlang bis nach Peru, der zweiten Anrainernation des Sees. In Peru besuchen wir die alte Inkastadt Machu

Die einheimische Bevölkerung bewahrt ihre Traditionen.

Picchu, den Amazonas rund um Puerto Maldonado mit seiner reichen Tier- und Pflanzenwelt, bevor wir den Heimweg nach Deutschland antreten. Wir konnten uns auf unserer Reise selbst von den engagierten Projekten der Living LakesPartner überzeugen und wurden mit einer Fülle neuer Eindrücke belohnt. o Mit einer Spende an den Global Nature Fund helfen Sie, diese einzigartigen Seen zu erhalten. Spendenkonto-Nr. 804041 6000, GLS Gemeinschaftsbank, BLZ 430 609 67, Stichwort: Living Lakes

Marco Walter ist Geschäftsführer von ECOCAMPING, einer Initiative für nachhaltigen Campingtourismus in Europa (www.ecocamping.net). Der Global Nature Fund ist Mitglied bei Ecocamping.

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Global Nature Fund

Der GNF setzt sich für umweltfreundliche Alternativen zum Gebrauch von fossilen Brennstoffen beim Nachtfischen an den Seen Sri Lankas ein. Energiesparlampen sollen mehr Licht zu geringeren Kosten liefern und positive Effekte auf Gesundheit und Umwelt haben.

Energiesparlampen für Fischer in Sri Lanka n Sri Lanka ist ein Tropenparadies, trotzdem lebt besonders die arme Landbevölkerung oft am Existenzminimum. Viele Familien sind vom Fischfang als einzige Einnahme- und Nahrungsquelle abhängig. Die Fischer Sri Lankas benutzen traditionsgemäß Kerosin- und Petroleumlampen, um nachts Garnelen und Fische anzulocken. Etwa 85.000 Binnenfischer gibt es auf der Tropeninsel, die Nacht für Nacht mehr als 100.000 Liter Kerosin in ihren Lampen verbrennen. Das summiert sich zu über 30 Millionen Litern im Jahr. Die verwendeten Lampen haben noch weitere Nachteile. Der fossile Brennstoff ist teuer und auslaufendes Kerosin schädigt die flachen Gewässer. Alternativen gab es bisher so gut wie keine.

Vor diesem Hintergrund startete der GNF mit seinen Partnerorganisationen Nagenahiru Foundation und EMACE ein Pilotprojekt zur Entwicklung und Verbreitung umweltfreundlicher Lampen an Sri Lankas Seen und Feuchtgebieten.

Batterien werden mit Energie aus dem Stromnetz oder aus Solarzellen geladen. Die erste Projektphase bestätigte, dass Lampen mit Leuchtdioden und Kompaktleuchtstofflampen gute Fangergebnisse ermöglichen. Das langfristige Ziel ist es, die Technologie für die über 85.000 Fischer im Süden Sri Lankas zugänglich zu machen. Viele der benötigten Zubehörteile wie Batterien, Energiesparlampen sowie auch andere technische Bauteile sollen dann auf den lokalen Märkten erworben werden können.

Interesse bei Fischern geweckt „Ich fische viel lieber mit den neuen Lampen”, sagt Nelson, ein Fischer aus

Durch die Einführung der Energiesparlampen werden pro Jahr und Lampe eine Tonne CO2-Emissionen eingespart.

Gute Fangergebnisse mit LEDLampen Der GNF hat mit den deutschen Unternehmen Osram und Diana Electronics Prototypen der Lampen entwickelt und in der Praxis eingesetzt. Die benötigten

Herkömmliche Kerosinlampe.

Godahenna, der seit 30 Jahren vom Fischen im Maduganga-Feuchtgebiet lebt. „Die Lampe funktioniert auch bei Regen und Wind, erzeugt keinen Rauch und kann mit einem Griff ein- und ausgeschaltet werden. Außerdem brauchen wir keine Angst mehr haben, dass unsere Boote Feuer fangen“. Insgesamt waren fast 1.000 Fischer in die erste Phase des Projektes eingebunden. Nun sollen die Erfahrungen an anderen Seen in Sri Lanka verbreitet werden, damit alle Fischer in Sri Lanka das zuverlässige und kostengünstige Lichtsystem nutzen können. (ug) o

Förderer: WISIONS im Rahmen des „Sustainable Energy Project Support SEPS“ Programms. Living Lakes-Förderer:

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Global Nature Fund

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Biologische Vielfalt gibt es nicht zum Nulltarif. Da ist es ein gutes Signal, dass erste Unternehmen den Schutz der

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Biodiversität zum Bestandteil ihrer Firmenstrategie machen.

Service

Der GNF und die Bodensee-Stiftung unterstützen Unterneh-

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Best Practice

mer dabei, Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen. Die Europäische Business and Biodiversity Kampagne schafft den Rahmen.

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Supporter: Partners:

n Unsere Ökosysteme – Wälder, Ge-

wässer, Wiesen und Moore, liefern Güter und Dienstleistungen, die von Unternehmen genutzt werden. Firmen gewinnen zum Beispiel Holz oder Trinkwasser, vermarkten den Sandstrand als Urlaubsziel oder profitieren von Bodenschätzen. Die weltweite Wirtschaft ist von den Ressourcen und Leistungen der Natur abhängig. Gleichzeitig hat jedes unternehmerische Handeln Einfluss auf die Lebensräume und die dort lebenden Tiere und Pflanzen. Unternehmen müssen deshalb mehr Verantwortung für den Schutz der Biodiversität übernehmen. Die weltweit 3.000 größten Unternehmen sind für rund ein Drittel aller globalen Umweltschäden im Jahr 2008 in Höhe von 6,6 Billionen US-Dollar verantwortlich. Das ergab die kürzlich veröffentlichte Schätzung der UNEP Finance Initiative and Principle for Responsible Investment Initiative. Die dramatisch fortschreitende Naturzerstörung wird auch für die Unternehmen spürbare Auswirkungen haben. Steigende Kosten oder Lieferengpässe bei Nahrungsmitteln, sauberem Wasser und nachwachsenden Rohstoffen wie Holz sind mögliche Folgen.

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Die Tourismusbranche setzt auf Vielfalt Eine Schlüsselbranche ist die Tourismusindustrie – intakte Lebensräume und Artenvielfalt sind ihr Geschäftskapital. Wie kann die Branche Natur und Artenvielfalt nutzen, ohne ihnen zu schaden? Wie verkraftet sie den Klimawandel, der zum Beispiel Korallenriffe auslöscht? Welche Auswirkungen auf die Wildtierwanderungen hat die quer durch den Serengeti Nationalpark geplante Straße? Die TUI AG und der GNF luden 25 Vertreter von Reiseveranstaltern, Reisebüros und

Naturschutzverbänden aus ganz Europa im Oktober nach Mallorca ein, um diese Fragen zu diskutieren. Auf dem Workshop erläuterte die TUI AG ihre Unternehmensstrategie zum Schutz der biologischen Vielfalt. Der Konzern setzt auf Schulung der Mitarbeiter in den Urlaubsorten, beurteilt die Umweltqualität von Hotels und sensibilisiert mit seinen Publikationen Kunden für Umweltthemen. Der Touristikkonzern unterstützt auf Mallorca die Aufforstung in einem Naturschutzgebiet und Schutzprojekte für Schildkröten.

Auf Mallorca diskutierten Vertreter der Tourismusbranche über Ökologie und Ökonomie.

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Global nature Fund mit der Umsetzung begonnen. Die Obst vom Bodensee GmbH säte Firmenareale mit Blühflächen ein.

Naturschutzauktion: Moore sind der Renner! Ein weiterer Baustein der Business and Biodiversity Kampagne sind Naturschutz-Auktionen. Bei der ersten Auktion in Ravensburg wurden knapp 27.500 Euro eingenommen, die nun in die Pflege oder Gestaltung von Biotopen fließen. Der Auktionator brachte Streuobstbäume, eine Jahreszeitenhecke und ein Wildbienenhotel unter den Hammer. Die Technischen Werke Schussental boten 17.000 Euro für die Wiedervernässung eines Niedermoors in Bettenreute. Die Firma elobau aus Leutkirch ersteigerte für 9.000 Euro die Wiedervernässung des Haubacher Mooses bei Isny.

Beispiel für ein naturnahes Firmenareal.

Beispiele aus der Bodenseeregion Die Bodensee-Stiftung ist einer der deutschen Partner in der EU-Kampagne. Die Stiftung informierte im Oktober beim Regionalforum „Business & Biodiversity“ in Ravensburg 80 Teilnehmer aus Süddeutschland, wie sich Unternehmen für den Erhalt der Biodiversität einsetzen können. Firmen präsentierten Aktivitäten von der Rohstoffbeschaffung über die Produktgestaltung und das Marketing bis hin zu naturnah gestalteten Firmenarealen. Wie man den Umwelt- und Naturschutz in einem Unternehmen verankern kann, zeigte Hilke Patzwall, Umweltbeauftragte von VAUDE in Tettnang. VAUDE ist europaweit das erste Unternehmen der Outdoorbranche, das mit dem EMAS-Zertifikat für freiwilliges Umweltmanagement ausgezeichnet wurde. Ein weiterer Vorreiter ist die Brauerei Clemens Härle in Leutkirch. Der Familienbetrieb setzt konsequent auf integriert und ökologisch angebaute Rohstoffe sowie heimische Holzhackschnitzel.

Auf den Wiesen rund um das Firmengebäude stellen sich Blütenbesucher ein.

haben fünf Unternehmen am Bodensee, darunter auch VAUDE, einen solchen Check gestartet. Weitere Unternehmen sind an der naturnahen Gestaltung ihres Firmengeländes interessiert. Der Fruchthof Konstanz, das Feinkostunternehmen Bruderhofer oder der EDEKA-Markt Hengge haben bereits

Marion Hammerl von der BodenseeStiftung war zufrieden: „Die Auktion hat gezeigt, dass die Menschen und Unternehmer erkannt haben, wie wertvoll Natur und Landschaft sind. Wir planen für das kommende Jahr schon die nächste Naturschutz-Auktion am Bodensee, damit weitere Naturschutzmaßnahmen finanziert werden können.“ (sh, pt) o

Förderer:

Unternehmen steigern bei Naturschutz-Auktionen. Mit dem Erlös werden HochstammObstbäume gepflanzt.

„Viele Teilnehmer waren erstaunt, wie viele Auswirkungen und Abhängigkeiten es zwischen Wirtschaft und Biodiversität gibt. Darum ist es wichtig, dass wir den Unternehmen erste Schritte anbieten können, wie sie einen Einstieg in das Thema finden“, so Marion Hammerl von der Bodensee-Stiftung. Konkret bietet die Bodensee-Stiftung zur ersten Orientierung einen BiodiversitätsCheck für Unternehmen an. Inzwischen welt 4/2010

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„UNBEKANNTE“ TIERART Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war der Alpensteinbock bis auf ein paar Dutzend Exemplare ausgerottet. Durch konsequenten Schutz und erfolgreiche Wiederansiedlungsprogramme gelang seine Rettung. Heute leben Steinböcke wieder fast überall im Hochgebirge der Alpen. n von Albert Wotke

Der König der Berge n „Er setzt mit unglaublicher, geradezu unverständlicher Sicherheit die Wände hinauf. Beim Springen scheint er den Körper wie einen Ball in die Höhe zu schnellen und die Felsen kaum zu berühren. Spielend schwingt er sich von einer Klippe zur anderen und ohne Besinnen setzt er herab in unbestimmte Tiefe.“ Wer einmal bei einer Bergwanderung in den Alpen die grazilen Kletterkünste des Steinbocks beobachten durfte, kann die Begeisterung von Tiervater Brehm nachempfinden. Und die Chancen dafür stehen nicht schlecht: rund 40.000 der edlen Wildziegen bewohnen heute wieder die Hochlagen der Alpen von Frankreich bis nach Slowenien. Doch was heute so selbstverständlich wirkt, ist einer der größten Erfolge früher Naturschutzbemühungen.

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Das Gehörn kann einen Meter lang und bis zu vier Kilogramm schwer werden.

Obwohl er in den karg bewachsenen, steinigen Höhen droben über den Siedlungen lebt, war der Steinbock nicht sicher vor den Nachstellungen des Menschen. Bis zur Einführung der Feuerwaffen war es noch recht mühselig, die flinken Tiere im un-

wegsamen Gelände mit langen Speeren oder Armbrüsten zu erlegen. Doch das änderte sich rasch im 15. Jahrhundert, als die „Handpüxn“ aufkamen. Nicht nur das Fleisch, das Fell und die Trophäen waren beliebt, die Volksmedizin schrieb allen verwertbaren Teilen wundersame Heilkräfte zu. Für den Steinbock wurde die Situation schnell ungemütlich. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war der Steinbock fast ausgerottet. Nur noch einige Dutzend Exemplare überlebten im zwischen Piemont und dem Aostatal gelegenen „Gran Paradiso“-Massiv, dem Jagdgebiet von König Victor Emanuel II. von Italien. Er stellte eigens etliche

Im Frühjahr wandern die Steinbock-Rudel in die tieferen

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„UNBEKANNTE“ TIERART Wildhüter ein und Wilderern drohten drakonische Strafen. Langsam erholten sich die Bestände. Auch in der Schweiz und anderen Ländern besann man sich darauf, Steinböcke zu schützen und wieder heimisch zu machen. Da die italienische Krone viele Jahre das Ansinnen ablehnte, einige „Steintiere“ zu Zuchtzwecken zu überlassen, kaufte die Schweiz 1906 drei Kitze von einem Wilderer, der diese im „Grand Paradiso“ gestohlen hatte – zu einem Stückpreis, der heute etwa dem Wert eines Mittelklassewagens entspricht. Einige weitere gestohlene Tiere folgten und bald wurden auch einige Exemplare offiziell gekauft. Von diesen wenigen Tieren stammen sämtliche Steinbockherden ab, die heute in den Alpen leben. o

Steckbrief: Alpensteinbock (Capra ibex) Verwandtschaft Der Alpensteinbock ist eine Wildziege (Gattung Capra) aus der Familie der Hornträger (Bovidae). Nächster Verwandter ist der Iberiensteinbock in Spanien. Merkmale Das Alpensteinbock-Männchen (Bock) wird deutlich größer als das Weibchen (Geiß). Der Bock erreicht eine Länge von 140 bis 170 cm, eine Schulterhöhe von 85 bis 94 cm und ein Gewicht von 70 bis 120 kg. Geißen sind etwa 40 kg schwer. Das stattliche Gehörn der Böcke kann bis zu einem Meter lang werden, die Geißen besitzen hingegen nur kurze, gebogene Hörner. Die Männchen haben im Sommer ein dunkelbraunes Fell, das der Weibchen ist goldbraun oder rötlich. Das Winterfell beider Geschlechter tendiert nach Grau. Vorkommen und Lebensraum In Höhen zwischen 1600 m und 3200 m bevorzugen sie steiles und felsiges Gelände, das für andere Lebewesen vergleichbarer Größe nahezu unzugänglich ist. Ihre Hufe sind perfekt an ein Leben in Fels und Gestein angepasst. Allerdings haben sie wegen ihrer Größe und der geringen Huffläche im hohen Schnee oft Probleme. Aus diesem Grund suchen sie dann am liebsten Sonnen beschienene Südhänge auf. Auf der Suche nach geeigneten Wintergebieten wandern sie bis zu 50 km entlang von Graten. Nahrung Alpensteinböcke suchen während des Tages nach Kräutern, Gräsern, Knospen, Trieben, Flechten und Moosen.

Auch im steilen, felsigen Gelände bewegen sich die Kletterkünstler äußerst geschickt.

Lagen des Waldgrenzbereichs, um dort zu äsen.

Lebensweise Außerhalb der Paarungszeit bilden Böcke und die Geißen mit ihren Jungen jeweils eigene Gruppen. Die Verbände der Böcke umfassen bis zu 30 Tiere. Die ganz alten Steinböcke leben als Einzelgänger und treffen nur in der Brunftzeit auf die Geißen. Die Verbände der Geißen umfassen etwa 10 bis 20 Geißen mit ihren Jungen. Zur Brunftzeit im Winter lösen sich Herden der Männchen auf und die Böcke versuchen einen Harem für sich zu gewinnen. Dann werden die ehemaligen Herdenmitglieder plötzlich zu Rivalen, und es kommt zu Kämpfen. Im Frühjahr lösen sich die Böcke dann wieder von den Geißen und bilden entweder wieder Verbände oder leben einzelgängerisch. Feinde Erwachsene Steinböcke haben keine natürlichen Feinde. Jungtiere stehen auf dem Speiseplan von Steinadlern und Füchsen. Gefährdung und Schutz

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Mitte des 19. Jahrhunderts lebten nur noch 50 bis 100 Exemplare im Gran Paradiso-Massiv (Aostatal/Italien). Aufgrund eines erfolgreichen Wiedereinbürgerungsprogramms zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Art in den meisten Teilen ihres ursprünglichen Lebensraums wieder heimisch. Heute gibt es wieder ca. 40.000 Steinböcke (Schweiz 15.700, Italien 13.500, Frankreich 33 7.000, Österreich 5.000, Slowenien 400, Deutschland 300).


energie und klima

Freiburg liegt im Klimaschutz vorne Freiburg präsentiert als „Bundeshauptstadt im Klimaschutz 2010“ vorbildliche Projekte. Frankfurt am Main und Heidelberg folgen auf den Plätzen zwei und drei. Bei den mittleren und kleinen Kommunen setzen sich Esslingen und Ratekau an die Spitze ihrer Teilnehmerklassen. Leipzig, Hannover und Nordhausen gewinnen Sonderpreise für die Modernisierung ihrer Hardware und den Neubau eines Rechenzentrums.

n Der Weg zum Klimaschutz ist ein lan-

ger, mühevoller Marsch in kleinen Schritten, berichtet so mancher Mitarbeiter aus deutschen Städten und Gemeinden. Als eine „Heidenarbeit“ bezeichnete die Freiburger Umweltbürgermeisterin Gerda Stuchlik auch die Formalien zur Bewerbung um den Titel „Bundeshauptstadt im Klimaschutz 2010“. Jeder Teilnehmer am Klimaschutzwettbewerb der Deutschen Umwelthilfe (DUH) musste einen über vierzig Seiten umfassenden Fragebogen detailgenau und mit entsprechenden Belegen beantworten: Vom Energiemanagement und der klimaschonenden Energieerzeugung bis hin zur Siedlungsentwicklung, dem Verkehrsbereich und der Öffentlichkeitsarbeit fragte die DUH alle relevanten Bereiche des kommunalen Klimaschutzes ab.

fassende Fragebogen hilft, den Stand der eigenen Umweltaktivitäten zu dokumentieren. Fragen nach konkreten Werten wie dem Stromverbrauch der städti-

schen Gebäude oder nach belegbaren Vorgaben in der Bauleitplanung machen Klimaeffekte transparent. Die Auswertung folgt solchen objektiven Kriterien und ist daher für die Kommunen und ihre Bürger nachvollziehbar. Insgesamt 73 Städte und Gemeinden nahmen die „Heidenarbeit“ gern auf sich und bilanzierten anhand des DUH-Fragebogens ihre Beiträge zum Klimaschutz.

Das Freiburger Rathaus hält, was es verspricht: Klimaschutz findet nicht nur auf dem Dach statt.

DUH-Klimaschutz-Wettbewerb findet breite Anerkennung In deutschen Städten und Gemeinden haben die Kommunal-Wettbewerbe der DUH einen guten Ruf, denn der um-

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energie und klima Radwegenetz und Solarenergienutzung überzeugten Freiburg belegte in jedem der abgefragten Felder einen der ersten sechs Plätze. Die Breisgaumetropole besitzt ein umfassendes Gesamtkonzept für alle Bereiche des kommunalen Klimaschutzes und kann messbare Erfolge nachweisen. Damit erfüllt sie die hohen Ansprüche des DUH-Wettbewerbs: Einzelne Leuchtturmprojekte reichen ebenso wenig wie „ein bisschen von allem“.

räume verlegte. Zusätzlich verhindert eine so genannte Kaltgangeinhausung der Serverschränke das Zurückströmen von Warmluft in gekühlte Bereiche. Systematisch schöpft Leipzig alle weiteren Energiesparmöglichkeiten bei Softwareanwendungen, Hardware und Stromversorgung aus. So erzielt die Stadt eine CO2-Minderung von 270 Tonnen pro Jahr.

Die neue „Bundeshauptstadt im Klimaschutz 2010“ darf sich aber nicht nur über den Titel, sondern auch über eine neue Solarstromanlage mit einer Leistung von 30 Kilowatt freuen. Der Solarmodul-Hersteller First Solar stiftet die Anlage, die demnächst auf dem Dach eines Gebäudes der Stadt Freiburg installiert wird.

Kommunen sparen Energie bei Computer und Co. Erstmals abgefragt und mit einem Sonderpreis belohnt wurden auch Maßnahmen und Projekte aus dem Bereich Green IT, der Energieeffizienz im EDVWesen. Eines der größten Einsparpotentiale beim Neubau bzw. bei der Sanierung von Rechenzentren liegt im Bereich der Kühlung und Klimatisierung. Leipzig minimierte den Kühlbedarf, indem es wärmeintensive Infrastruktur in Kellerwelt 4/2010

n Teilnehmerklasse über 100.000 Einwohner

1. Freiburg im Breisgau (Baden-Württemberg): Bundeshauptstadt im Klimaschutz 2010 2. Frankfurt am Main (Hessen) 3. Heidelberg (Baden-Württemberg)

Freiburgs Leistungen im Bereich des Radverkehrs und der regenerativen Energieerzeugung helfen dem Klima: Über 35.000 Radfahrer durchqueren täglich die Freiburger Innenstadt, womit fast 30 Prozent der Verkehrswege per Fahrrad zurückgelegt werden. 420 Kilometer Radverkehrsnetz, rund 90 für den Radverkehr geöffnete Einbahnstraßen, Fahrradstation und Mobilitätszentrale bilden hierzu die entsprechende Infrastruktur. Ähnlich beeindruckend sieht es im Bereich der Solarenergienutzung aus. 15,8 Megawatt (MW) installierte Leistung sorgen jährlich für rund 14 Millionen Kilowattstunden sauberen Solarstrom. Mit dieser Strommenge ebenso wie mit der Pro-Kopf-Leistung zählt Freiburg zu den führenden Städten Deutschlands.

Die Sieger des Wettbewerbs „Bundeshauptstadt im Klimaschutz 2010“

n Teilnehmerklasse 20.000 bis 100.000 Einwohner

1. Esslingen am Neckar (Baden-Württemberg) 2. Ludwigsburg (Baden-Württemberg) 3. Ganderkesee (Niedersachsen) 3. Norderstedt (Schleswig-Holstein)

Im Rechenzentrum der Lecos GmbH in Leipzig minimieren geschlossene Serverschränke die Kühlverluste.

Zur Nachahmung empfohlen Abschluss und Höhepunkt des Wettbewerbs war schließlich die Auszeichnungsfeier am 25. Oktober 2010. In der Saarländischen Landesvertretung in Berlin wurden alle Siegerkommunen geehrt und ihre Vertreter feierten gemeinsam mit Gästen aus weiteren Kommunen, von Projektpartnern und Umweltverbänden. Der Freiburger Oberbürgermeister Dr. Dieter Salomon fühlte sich gar an die Oscar-Verleihungen erinnert und freute sich über den Lohn für die Heidenarbeit: „Es ist wichtig zu sehen, dass unsere Bemühungen so gewürdigt werden. Der Wettbewerb ist Ansporn, noch besser zu werden, da wir bereits den ‚heißen Atem’ der Konkurrenz im Nacken spüren.“ Salomon machte jedoch auch deutlich, dass man es mit der Konkurrenz nicht übertreiben dürfe und bringt damit die Intention des Wettbewerbs auf den Punkt: Es kommt darauf an, dass sich die Kommunen an den Ergebnissen anderer Städte messen und hemmungslos voneinander abkupfern. (th) o

n Teilnehmerklasse bis 20.000 Einwohner

1. Ratekau (Schleswig-Holstein) 2. Wettenberg (Hessen) 3. Prenzlau (Brandenburg)

n Sonderpreis Green IT

Hannover (Niedersachsen): Modernisierung der Hardware an drei Hannoveraner Schulen Leipzig (Sachsen): Neubau eines Rechenzentrums Nordhausen (Thüringen): Modernisierung der Hardware und der Serverkühlung in der Stadtverwaltung

Förderer Der Wettbewerb wurde inhaltlich und finanziell unterstützt von:

Klimaschutz-Initiative der SAINT-GOBAIN ISOVER G+H AG

Internet: Weitere Informationen mit Portraits der Siegerkommunen unter www.klimaschutzkommune.de

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energie und klima

Gorleben: Blockierte Zukunft Mit den größten Massenprotesten, die das Wendland je gesehen hat, setzt die neue Anti-AKW-Bewegung Zeichen – und die Regierung Merkel unter Druck. n von Gerd Rosenkranz

n Pünktlich um 13:01 Uhr riss der Him-

mel auf und ließ die größte und bunteste Versammlung, die der Landkreis Lüchow-Dannenberg je gesehen hatte, noch farbenfroher leuchten. „Unsere Sonne ist da!“ jubelte es vom Podium her über die 50.000, die sich zum Auftakt der Castor-Festspiele am 6. November auf einem abgelegenen Maisacker im Wendland getroffen hatten. Sie alle wussten, die Demonstration und die sich anschließenden Massenblockaden der elf aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague kommenden Castor-Behälter richteten sich nur zum Teil gegen die fortgesetzte Vorbereitung eines atomaren Endlagers im Salz von Gorleben. Vor allem richtete sie sich gegen die eine Woche zuvor im Deutschen Bundestag beschlossene Laufzeitverlängerung für die 17 deutschen Atomkraftwerke um durchschnittlich zwölf Jahre.

In Gorleben soll in Zukunft nur noch die Sonne strahlen, nicht der Atommüll!

Sachliche Zweifel nehmen zu Der Beschluss der Regierung Merkel bedeutet auch, dass es zu den etwa 12.000 Tonnen hochradioaktiver Abfäl-

le aus deutscher Atomstromproduktion einen erheblichen Nachschlag geben soll – ohne dass ein geeignetes Endlager

Dafür halten wir den Kopf hin:

wir-sind-aussteiger.de

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energie und klima in Sichtweite wäre. Die alten Zweifel am Salzstock von Gorleben – ein mangelhaftes Deckgebirge, eine nur eingeschränkte Erkundung wegen fehlender Salzrechte unter Tage – haben sich in jüngster Vergangenheit noch verstärkt: In Gestalt von beunruhigenden Meldungen über Erdgasvorkommen unter dem Salzstock, die wegen der Hitze des Atommülls zu Druckerhöhungen, Rissen im Salz, in der Folge Wassereinbrüchen oder sogar Explosionen führen können.

Nach wie vor kein Endlager in Sicht Jeder einzelne Castor-Behälter (102 stehen nun in der Zwischenlagerhalle im Gorlebener Wald) birgt etwa so viel Radioaktivität wie 1986 aus dem explodierten Tschernobyl-Reaktor aufstieg. Die schweren Gusseisen-Behälter enthalten die gefährlichsten Spaltprodukte, die einst bei der Atomstromproduktion in Deutschland entstanden sind. Seit Mitte 2005 ist ihre Wiederaufarbeitung verboten. Die seither anfallenden hochradioaktiven Abfälle warten in Zwischenlagern in unmittelbarer Nähe zu den Atomkraftwerken auf ein Endlager, das nicht in Sicht ist.

Röttgen scheut vor der Atomlobby Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) wirft seinen Vorgängern Jürgen Trittin (Grüne) und Sigmar Gabriel (SPD) vor, sie hätten ein zehnjähriges Endlagermoratorium verhängt und „aus Feigheit nichts getan“.

Photovoltaik made in Germany Weltweit nahm die Nachfrage für Photovoltaik-Anwendungen in den vergangenen Jahren stark zu.

n Rund zwei Drittel der bis heute weltweit installierten Solarstromanlagen wurden in der Europäischen Union errichtet und davon wiederum ein Großteil in Deutschland. Deutschland ist mit seinem System der staatlichen Förderung für installierte PhotovoltaikAnlagen – dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) – weltweit Vorbild für andere Staaten.

Das Markteinführungsinstrument EEG wurde zunehmend von anderen Industriestaaten in Europa und weltweit in ähnlicher Form übernommen. Sein Erfolg liegt in den garantierten Einspeisetarifen für Strom aus Photovoltaik-Anlagen – mit der verbindlichen Auflage für Netzbetreiber, sich an das Netz anzuschließen. Neben dem Exportschlager EEG wächst auch die Anzahl der aus Deutschland exportierten Anlagen rasant: Von 100 gebauten Anlagen gingen 14 im Jahr 2004 ins Ausland. Im Jahr 2008 lag die Zahl der Exporte bei 48 pro 100 Anlagen (Quelle: BWS-Solar). Diese positive Entwicklung spiegelt sich auch in der Zahl der Beschäftigten wider: waren 2004 in der Branche 160.000 Menschen beschäftigt, so waren es – laut

einem laufenden Forschungsvorhaben des Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit – 2009 bereits 340.000 Beschäftigte. Dank Massenproduktion und technischem Fortschritt ist Solartechnik kostengünstig und spielt auch in von Armut geprägten, ländlichen Regionen in Schwellen- und Entwicklungsländern eine immer größere Rolle. Spiegel Online rechnet vor, dass ein kristallines Solarstrommodul im Herbst 2008 noch 3,50 Euro pro Watt kostete, im Frühjahr 2009 lag der Preis für Module von namhaften Markenherstellern bei 2,30 bis 2,60 Euro. Innerhalb eines halben Jahres sank der Preis also um bis zu 35 Prozent. Der Boom der Photovoltaik in Deutschland ist auch in dem sehr positiven Image des Solarstroms begründet. Für Kreise, Städte und Gemeinden, die Interesse an einer verstärkten Öffentlichkeitsarbeit haben, ist die Kampagne SolarLokal interessant. (cg) o Internet: www.solarlokal.de

Tatsächlich sollte eine transparente, wissenschaftlich begründete neue Suche die Gorleben-Blockade überwinden. Der neuen Suche widersetzten sich insbesondere die unionsregierten Atomenergie-Länder Baden-Württemberg und Bayern – aus Sorge, mit ihren eigenen Ton- und Granitformationen selbst in den Fokus der Suche zu geraten. Norbert Röttgen möchte während seiner Amtszeit daran nicht rütteln, obwohl das Risiko groß ist, nach dem endgültigen Scheitern in Gorleben ganz von vorn beginnen zu müssen. Aber das ist natürlich nicht feige. o

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energie und klima

Schneisen in Wäldern naturschonend pflegen In Deutschland zerschneiden Stromleitungstrassen häufig Wälder. Drei Netzbetreiber leisten mit dem so genannten ökologischen Schneisenmanagement einen freiwilligen Beitrag, um die Schneisen durch Wälder naturverträglich zu unterhalten. n Stromleitungen durchziehen das gan-

ze Land und prägen auf unterschiedliche Weise das Landschaftsbild. Manche von uns sehen sie als technische Meisterleistung, andere fühlen sich von ihrem Anblick gestört oder betrachten sie als Belastung für die Umwelt. Vor allem dann, wenn Stromtrassen durch Waldgebiete verlaufen, zerschneiden sie Biotope und bilden oft eine unüberwindbare Barriere für zahlreiche Tiere, zum Beispiel Amphibien.

Akzeptanz für neue Netze n Mehr als 60 Unterzeichner-Organisationen legten am 29. November 2010 in Berlin einen umfangreichen Maßnahmenkatalog für den zügigen Ausbau des Stromnetzes und dessen Akzeptanz vor. Sie überreichten ihren „Plan N – Handlungsempfehlungen an die Politik zur künftigen Integration der Erneuerbaren Energien in die Stromnetze“ den Staatssekretären Becker und Homann der Bundesministerien für Umwelt und für Wirtschaft. Im nächsten Schritt wollen die Unterzeichner die politischen Schritte zum Ausbau der Netze kritisch begleiten.

technische Fragen, gesetzliche Vorgaben sowie Anwohner- und Naturschutzinteressen diskutieren. Denn parallel zum Aufbau der erneuerbaren Stromproduktion entstehen neue Erfordernisse an die Stromnetze. Wichtig für das Gelingen des Netzumbaus sind eine transparente Planung mit frühzeitiger Einbindung der

Betroffenen und die offene Diskussion um die Übertragungstechniken wie Freileitung oder Erdkabel. (rh) o Internet: Den „Plan N“ können Sie unter www.forum-netzintegration.de herunterladen.

Rainer Baake (DUH-Geschäftsführer) und Peter Ahmels (DUH-Projektleiter) überreichten den Plan N an Staatssekretär Jochen Homann (BMWi) und Staatssekretär Jürgen Becker (BMU).

Der Plan N stammt aus der Feder von Netzbetreibern, Bürgerinitiativen, Vertretern der Erneuerbare Energien-Branche und Naturschützern, die seit zwei Jahren im von der DUH moderierten Forum Netzintegration Erneuerbare Energien

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Ökologisches Schneisenmanagement im Thüringer Wald unter einer Freileitungstrasse von 50Hertz Transmission GmbH (Frühjahr 2010)

Um die technische Übertragungssicherheit zu gewährleisten, müssen Freileitungstrassen regelmäßig gepflegt werden. Bäume müssen einen ausreichenden Abstand haben, damit sie beim Heranwachsen oder Umstürzen die Leitungen nicht berühren. Deshalb findet auf den meisten Trassen durchschnittlich alle acht Jahre ein kompletter Kahlschlag statt. Dabei wird die Fläche


DUHmarkt Naturschutz DUH Intern

gepflügt und frei geräumt. Mit dieser Vorgehensweise werden regelmäßig Lebensräume zerstört.

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Majestätische und humorvolle Aufnahmen des größten Landraubtieres der Erde, im Querformat mit Eintragekalendarium. Ackermann Kunstverlag, München

Das beweisen die RWE Rhein-Ruhr Verteilnetz GmbH und die Firma Amprion als Übertragungsnetzbetreiber. Beide Unternehmen haben für bereits bestehende Trassen Pflegekonzepte in Zusammenarbeit mit Forst- und Naturschutzbehörden entwickelt. Seit mehr als 15 Jahren verfolgt RWE die Grundidee einer weniger intensiven Trassenpflege. Das Wuchstempo wird durch die gezielte Auswahl bestimmter Baum- und Straucharten reduziert. Die Pflegeeinsätze sind zwar häufiger, aber schonender. Kahlschläge werden vermieden. Die 50Hertz Transmission GmbH ergänzt den Ansatz von RWE. Sie will bereits bei der Planung neuer WaldFreileitungstrassen ein ökologisches Schneisenmanagement (ÖSM) anwenden. Das bedeutet, dass durch die frühzeitige Analyse der Flächen die Eingriffe so weit wie möglich vermieden oder aber minimiert werden. Nur einzelne Gehölze werden gezielt entnommen. Das ÖSM basiert auf einer Fachstudie und ist auf unterschiedliche europäische Regionen übertragbar. Aktuell prüft das Unternehmen, ob ÖSM für einen Teilbereich eines Trassenneubaus in Thüringen eingesetzt werden kann.

Warum nicht überall? Die Hindernisse für die flächendeckende Anwendung des ÖSM sind die höheren Kosten. Die ökologische Bewirtschaftungsform ist erst nach etwa 15 Jahren ökonomisch günstiger im Vergleich zum üblichen Kahlschlag. Wenn Netzbetreiber bei der Bewirtschaftung der Freileitungstrassen einen ökologischen Pflegeansatz nutzen, erlangen sie nicht nur einen „grünen Imagegewinn“. Sie leisten damit auch tatsächlich einen wichtigen Beitrag zum Erhalt wertvoller Waldbiotope und tragen zum Schutz der Biodiversität bei. (ns)  o  

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Kraniche 2011 welt 4/2010

12 Fotos, Format: DIN A4 (21 x 29,7 cm)  9,90 zzgl.  3,50 Versandkosten Bestell-Nr: 7214

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Kreislaufwirtschaft

Mehrwegbecher für Fußballfans Die Hälfte der Bundesligisten setzen beim Getränkeausschank auf besonders umweltfreundliche Mehrwegbechersysteme. Die DUH regt an, dass der DFB und die Deutsche Fußball Liga GmbH die Nutzung solcher Becher verbindlich festlegen.

n Fußball-Großveranstalter können einen Beitrag zum Umweltschutz leisten, indem sie für den Getränkeausschank Mehrwegbecher verwenden.

Mehrweg schlägt Einweg Woche für Woche gönnen sich Hunderttausende Fußball-Fans in den Stadien ein Bier oder eine Cola als Erfrischung. Den geleerten Mehrwegbecher gibt der Fan zurück und erhält sein Pfand ausgezahlt. Dann wird der Becher gereinigt und erneut für den Ausschank von Getränken genutzt. Die häufige Wiederbefüllung solcher Becher spart Rohstoffe und Energie. Leider setzen noch immer einige deutsche Fußballvereine auf Einwegbechersysteme. Dass diese ökologisch bedenklich sind, bestätigt eine internationale Ökobilanzstudie des Darmstädter ÖkoInstitutes, des Österreichischen Ökoinstitutes sowie der Carbotech AG. Bei Großveranstaltungen weisen Mehrwegbecher in allen Szenarien geringere Umweltbelastungen auf als Einweggetränkebecher. Einwegbecher werden nach einmaliger Nutzung zu Abfall, weshalb

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für jede neue Getränkeabfüllung ein neuer Becher verwendet werden muss. Zudem wird der gebrauchte Einwegbecher häufig verbrannt statt stofflich recycelt.

Einwegbecher aus Bioplastik sind nicht klimaneutral Werbung für so genannte „umweltfreundliche“ Bioplastik-Einwegbecher führt Veranstalter und Verbraucher in die Irre. Tatsächlich wird der Grundstoff Polylactid (PLA) überwiegend aus den USA bezogen, da in Europa bislang Im Dortmunder Bundesligastadion trinken Fans aus Mehrwegbechern.

keine ausreichend großen industriellen Produktionsanlagen in Betrieb sind. In den USA wird zur PLA-Produktion vor allem genmanipulierter Mais verwendet, dessen Anbau in Europa verboten ist. Hersteller und Lieferanten behaupten, das Material sei CO2-neutral. Zwar ist der reine Pflanzenrohstoff klimaneutral, der landwirtschaftliche Anbau und die chemische Verarbeitung, die zur Produktion nötig sind, verschlingen jedoch Energie und setzen Unmengen an Düngemitteln und Pestiziden in die Umwelt frei. Der weite Transport der Rohstoffe schlägt zusätzlich negativ zu Buche. PLA-Verpackungen sind theoretisch kompostierbar, enthalten allerdings keine wesentlichen pflanzenverfügbaren Nährstoffe und werden von Kompostierungsanlagen ungern angenommen. Der biologische Abbau des Kunststoffes dauert deutlich länger als der von herkömmlichen organischen Abfällen. Laut einer aktuellen Studie der Universität Pittsburgh entspricht die ökologische Gesamtbewertung von BioplastikBechern derjenigen von Plastikbechern aus Erdöl. (tf) o welt 4/2010


KREISLAUFWIRTSCHAFT

Energiesparlampen gehören nicht in den Hausmüll! Zu wenige Händler nehmen ausgediente Energiesparlampen freiwillig zurück. Deshalb fordert die DUH eine gesetzliche Rücknahmepflicht für den Handel. n Energiesparlampen enthalten gerin-

ge Mengen an Quecksilber. Sie dürfen deshalb nicht in den Hausmüll, sondern müssen getrennt gesammelt und umweltgerecht entsorgt werden. Alte Energiesparlampen können kostenlos bei kommunalen Wertstoffhöfen oder beim Schadstoffmobil abgegeben werden. Die verbraucherfreundlichste Art der Rückgabe ist diejenige im Handel. Die DUH hat deshalb Testbesuche bei Baumärkten, Elektro-Fachhändlern, Drogerien und Discountern durchgeführt und festgestellt, dass nur ein Bruchteil des Handels ausgediente Energiesparlampen zurücknimmt. Weniger als zehn Prozent der getesteten Filialen hatten gut sichtbare Rückgabebehälter für alte Energiesparlampen aufgestellt. Zwei von drei Geschäften verweigerten rundweg jegliche Rücknahme. Schlusslichter der

Untersuchungen sind die Drogerieketten Rossmann, Drospa und dm und die Discounter LIDL und ALDI. In keiner der untersuchten Filialen dieser Ketten konnten Energiesparlampen zurückgegeben werden. (fm) o

Internet Hier erfahren Sie, wo Sie Ihre ausgediente Energiesparlampe zur umweltgerechten Entsorgung abgeben können: www.duh.de/energiesparlampe oder: www.lichtzeichen.de/sammelstellen.html

Sammeltonne für ausgediente Energiesparlampen.

Recyclingkartons mit Nebenwirkungen Lebensmittel in Kartonverpackungen aus recyceltem Altpapier sind meistens hoch mit Mineralölbestandteilen belastet. Reis, Mehl, Haferflocken und viele weitere trockene Lebensmittel sind betroffen. n In Deutschland werden jährlich rund

2,8 Millionen Tonnen Lebensmittelverpackungen aus Papier, Karton und Pappe hergestellt. Wenn es sich dabei um recyceltes Material handelt, enthält es mit hoher Wahrscheinlichkeit Bestandteile von Mineralölen. Sie stammen aus Druckfarben, die vor allem im Zeitungsdruck verwendet werden. Aber auch die beim Bedrucken von Kartonverpackungen verwendeten Druckfarben enthalten häufig Mineralöle und gehen auf Lebensmittel über. Die Mineralölbestandteile, genauer: Kohlenwasserstoffe, gelangen durch Ausgasung aus der Verpackung ins Produkt. Stark betroffen sind feinkörnige, poröse Lebensmittel, wie Kakaopulver, Paniermehl oder Polenta. Sie nehmen aufgrund ihrer großen Oberfläche bewelt 4/2010

sonders viele Kohlenwasserstoffe auf. Bei langer Lagerung weisen Lebensmittel ebenfalls höhere KohlenwasserstoffKonzentrationen auf. Innenbeutel aus Papier, Polyethylen (PE) oder Polyethylenterephtalat (PET) bieten keinen wirksamen Schutz, da sie gasdurchlässig sind.

Mineralöl führt zu Organschäden Aktuelle Untersuchungen des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart (CVUA) und des Kantonalen Labor Zürich zeigen, dass Produkte in Recyclingkartons fast ausnahmslos hoch mit Kohlenwasserstoffen belastet sind. In Tierversuchen wurde nachgewiesen, dass Mineralölgemische im Körper gespeichert werden und zu Schäden in

der Leber, den Herzklappen und den Lymphknoten führen können.

Abhilfe ist möglich Der Übergang von Kohlenwasserstoffen von Verpackungen aus Papier und Pappe kann durch Innenbeutel mit Barrierewirkung verhindert werden. Darüber hinaus müssen Recyclingprozesse zur Entfernung von Mineralölbestandteilen aus Papier erheblich verbessert werden. Auch wäre eine Ausschleusung von Zeitungspapieren als Rohstoffquelle für die Herstellung von Papier für den direkten Lebensmittelkontakt möglich. Eine Umstellung der Zusammensetzung von Druckfarben scheint aus Verbraucher- und Umweltgesichtspunkten am erfolgversprechendsten. (tf) o

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Verkehr

In Berlin werden Linienbusse noch umweltfreundlicher Als weltweit erstes Verkehrsunternehmen haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) im Juli sieben Busse mit umweltfreundlichen Klimaanlagen auf die Straße geschickt. Die Umweltauswirkungen von Fahrzeugklimaanlagen stehen auch im Mittelpunkt einer neuen Informationskampagne von Verkehrsclub Deutschland (VCD) und der DUH. n Unter den harten Berliner Verkehrsbedingungen erproben die BVG Linienbusse, die mit einer neuen, umweltfreundlichen CO2-Klimatechnik „Made in Germany“ ausgestattet sind. Das Umweltbundesamt (UBA) und die Deutsche Umwelthilfe begrüßen die Entscheidung der BVG und fordern von anderen Verkehrsunternehmen und Busherstellern, diesem Beispiel zu folgen.

Auf das Kältemittel kommt es an Ineffiziente Fahrzeugklimaanlagen und der Einsatz treibhausintensiver Kältemittel erhöhen massiv den europäischen Beitrag zur Klimabelastung. Natürliche Kältemittel wie CO2 haben Tradition – vor allem in der Lebensmittellagerung werden sie schon seit über 130 Jahren eingesetzt. Alle natürlichen Kältemittel kommen auch ohne menschliches Einwirken in den Stoffkreisläufen der Natur vor - deshalb „natürlich“. Die innovative Technik mit CO2 ist bis zur Serienreife entwickelt. Nicht nur in Bussen, auch in stationären Anwendungen, zum Beispiel bei der SupermarktKühlung, wird sie bereits eingesetzt. Dafür sprechen gute Gründe: Kohlendioxid ist weltweit kostengünstig verfügbar, hat die erforderlichen Eigenschaften für eine hohe Kälteleistung und ist nicht brennbar. Es bietet als einziges Kältemittel eine nachhaltige Lösung, denn unter Klimaschutzgesichtspunkten ist es konkurrenzlos. Mit CO2 ausgestattete Klimaanlagen erfüllen zudem die Kriterien Komfort und Sicherheit.

Die Kampagne PRO KLIMA Weltweit sind heute etwa 600 Millionen Fahrzeuge mit einer Klimaanlage ausgestattet. Die Klimaexperten des Weltkli-

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BVG-Linienbus im Einsatz mit umweltfreundlicher Klimaanlagentechnik.

marates IPCC der Vereinten Nationen rechnen mit fast einer Milliarde klimatisierter Fahrzeuge bis zum Jahr 2015. Die neue Informationskampagne „PRO KLIMA: Effiziente Autoklimaanlagen mit natürlichen Kältemitteln“ unter Federführung von VCD und DUH sensibilisiert Autokäufer und -fahrer für

die Umweltauswirkungen von Fahrzeugklimaanlagen. Die Kampagne soll helfen, das Thema in der politischen

Warum belasten Kältemittel das Klima? Ohne Kältemittel funktioniert keine Klimaanlage. Gängiges Kältemittel in Autoklimaanlagen ist seit Jahren die Chemikalie R134a (Tetrafluorethan). Es heizt die Atmosphäre 1.430 mal stärker auf als die gleiche Menge Kohlendioxid (CO2). Jährlich verflüchtigten sich bis zu zehn Prozent des insgesamt eingesetzten und hoch klimawirksamen Kältemittels durch Undichtigkeiten, bei Unfällen oder bei der nicht sachgerechten Verschrottung der Fahrzeuge. Die zusätzliche Klimabelastung dieser diffusen Freisetzungen beträgt nach Berechnungen des Umweltbundesamtes etwa sieben Gramm CO2 pro gefahrenen Kilometer. Im Jahr 2007 sind fast 2.480 Tonnen R 134a so in die Atmosphäre entwichen. Dies entspricht dem Schädigungspotenzial von etwa drei Millionen Tonnen CO2. Die Kampagne von DUH und VCD soll wesentlich welt ver4/2010 dazu beitragen, dass diese Emissionen zukünftig so weit als möglich mieden werden.


Verkehr und gesellschaftlichen Diskussion zu etablieren. Technische Verbesserungen der Klimaanlagensysteme können deren Kraftstoffmehrverbrauch nach heutigen Schätzungen um 30 bis 40 Prozent verringern. Parallel engagieren sich DUH und VCD für die Einführung natürlicher Kältemittel wie CO2. Als Neuwagenkunde kommt man um die Klimaanlage kaum noch herum. Bislang gibt es jedoch kaum Wahlmöglichkeiten bezüglich der Klimatechnik. Die Kampagne zielt darauf ab, dass der Kraftstoffmehrverbrauch, der durch den Betrieb der Klimaanlage entsteht, ausgewiesen wird. (el) o

Ein Blick ins Innere: in der Klimaanlage stecken viele Jahre Forschung und Entwicklung.

Das neue Energielabel für Pkw – eine Mogelpackung? Die Bundesregierung beabsichtigt, Käufer von Neuwagen zukünftig besser über Betriebskosten und Kraftstoffverbrauch von Pkw zu informieren. Sie will voraussichtlich 2011 ein EnergieeffizienzLabel einführen. Die DUH kritisiert den Kern des Label-Entwurfs. n Grundsätzlich begrüßt die DUH die Pläne der Bundesregierung, für Neuwagen eine weitergehende Kennzeichnungspflicht in punkto Energieeffizienz einzuführen. Insbesondere die geplanten Angaben von Jahressteuer und jährlichen Spritkosten (bei einer Laufleistung von 20.000 Kilometern) bezeichnet die DUH als sinnvoll. Doch im Kern sei der vom Bundeswirtschaftsministerium bei der EU-Kommission Mitte Oktober eingereichte Entwurf völlig ungeeignet und trage die Handschrift der deutschen Autoindustrie, sagt DUH-Verkehrsexpertin Ulrike Bickel. Das Label in der vorgeschlagenen Form gibt den Autobauern keinerlei Anreiz, umweltfreundlichere, leichte Fahrzeuge mit geringerer Motorenleistung zu entwickeln.

Rechentricks sind für den Verbraucher kaum durchschaubar Das neue, farbige Label wird Pkw in Effizienzklassen von A+ (niedriger Energieverbrauch) bis G (hoher Energieverbrauch) einordnen. Nach dem

Rechenmodell der Bundesregierung soll das Gewicht eines Fahrzeugs eine wesentliche Rolle bei der Ermittlung der Effizienzklasse spielen. Das würde dazu führen, dass sich beispielsweise der BMW ActiveHybrid X6, der 231 Gramm CO2 je Kilometer ausstößt, in Effizienzklasse C fände. Genau diese Kennzeichnung bekämen auch der Mercedes A 180 CDI mit einem CO2-Ausstoß von nur 128 Gramm pro Kilometer sowie der Smart cdi, das Serienauto mit dem aktuell niedrigsten CO2-Ausstoß von 86 Gramm pro Kilometer. Durch einen weiteren Trick will die Bundesregierung die Angaben auf dem neuen Label schön rechnen: Sie legt den durchschnittlichen CO2-Ausstoß aller neu zugelassenen Wagen im Jahr 2008 zugrunde, der bei über 160 Gramm pro Kilometer lag. Die Umweltverbände setzen sich für einen ambitionierteren Wert ein, nämlich für den EU-Grenzwert für die Neuzulassungen 2012 von durchschnittlich 130 Gramm CO2 pro Kilometer. (jk) o

Die kompakte Dachklimaanlage mit geringem Materialaufwand. Speziell konstruiert für Stadt-, Überland- und Reisebusse.

Förderer: PRO KLIMA wird im Rahmen des EU-Programms LIFE+ gefördert.

Das Label-Konzept von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle hilft der Autoindustrie mehr als den Verbrauchern.

welt 4/2010

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Zwischen Kunst und Plastik – UmweltMedienpreis 2010 „Anwälte der Umwelt klären auf und machen Druck.“ Renate Künast und Sigmar Gabriel loben die Preisträger des Jahres 2010. 2010 hätten das als Anwälte der Umwelt in hervorragender Weise getan. Unter der Maxime „walk the talk“ mahnte Künast Politik und Wirtschaft, „Worten Taten folgen zu lassen“.

n Für die Preisträger und für die Deut-

sche Umwelthilfe ist sie ein Höhepunkt im Jahresverlauf – die Verleihung des UmweltMedienpreises. Mittlerweile zum 15. Mal zeichnete die DUH Medienschaffende unterschiedlicher Sparten für herausragende Leistungen bei der journalistischen und schriftstellerischen Auseinandersetzung mit der Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen aus. Die Ehrung gehört zu den begehrtesten Auszeichnungen im Bereich Umwelt- und Nachhaltigkeitsjournalismus in Deutschland. Anlässlich einer Feierstunde im Historischen Kassensaal der KfW Bankengruppe in Berlin wurden die Preise vor über 220 geladenen Gästen vom DUH-Bundesvorsitzenden, Professor Dr. Harald Kächele, übergeben. Kächele sieht Umweltthemen mittlerweile fest in der Gesellschaft verankert. Gerade deshalb sei „die Verlockung für Politik und Wirtschaft besonders groß, sich ein grünes Mäntelchen überzuziehen, um so bei den Menschen zu punkten.“ Der DUH-Vorsitzende betonte in seiner Ansprache die Aufgabe der Medien „die Spreu vom Weizen zu trennen und ökologischen Fort- und Rückschritt fein säuberlich auseinanderzuhalten. Informieren und dranbleiben, muss das Motto der Umweltberichterstattung sein.“ 44

Renate Künast stimmte mit ihrem Grußwort auf die Preisverleihung ein.

Musikalisch untermalt wurde die Feier von Frauke und Martin Losert (Klavier und Saxophon).

Renate Künast, die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, hob in ihrem Grußwort die Wichtigkeit kompetenter Journalistinnen und Journalisten in Zeiten zugespitzter Umweltdiskussionen hervor. Die Gesellschaft brauche dringend „Leute, die uns die Zusammenhänge und Konsequenzen erklären“. Die Preisträgerinnen und Preisträger des UmweltMedienpreis

Der SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel forderte in seiner Laudatio auf die Preisträgerin der Kategorie Printmedien Dagmar Dehmer, Umweltthemen auch dann engagiert zu bearbeiten, wenn sie keine Konjunktur haben: „Ohne die kritische Begleitung durch eine breite Öffentlichkeit und die Medien wird sich gerade in der internationalen Klimapolitik nichts bewegen. Wir brauchen Aufklärung und Druck gleichermaßen.“ Zum achten Mal unterstützte in diesem Jahr die Telekom Deutschland GmbH den UmweltMedienpreis. Dr. Fritz Lauer, Leiter Umwelttechnik Mobilfunk, betonte die Notwendigkeit, die Menschen in ihrem Alltagshandeln für das Thema Nachhaltigkeit zu gewinnen. Dies sei eine der wichtigsten Aufgaben der Medien und alle Preisträger hätten diese in ihren jeweiligen Bereichen in hervorragender Weise erfüllt. (eb, gr) Wir danken der Telekom Deutschland für die freundliche Unterstützung.

welt 4/2010


Die Hörfunkbeiträge „Apocalypse später“ von Florian Fricke und „Die Praxis der Utopisten“ von Matthias Leitner stehen exemplarisch für die kritische Auseinandersetzung mit globalen Umweltthemen. Laudatio: Dr. Antonia Rötger, Pressereferentin Wissenschaftskommunikation Helmholtz-Gemeinschaft

Laudatio: Sigmar Gabriel, SPD-Parteivorsitzender

Sigmar Gabriel freut sich mit Dagmar Dehmer über die Auszeichnung.

Christoph Bautz und Günter Metzges erhalten ihre Urkunden aus der Hand von Harald Kächele. Links Laudator Martin Jänicke. n Werner Boote wurde in der Kategorie Film für sein Werk „Plastic Planet“ gewürdigt. In seinem Dokumentarfilm deckt Werner Boote, dessen eigener Großvater ein Pionier der Plastikindustrie war, erstaunliche Fakten und unglaubliche Zusammenhänge auf. „Plastic Planet“ ist ein aufwühlender und investigativer Film, der zeigt, dass Plastik zu einer Bedrohung für Mensch und Umwelt geworden ist.

Laudatio: Clemens Stroetmann, Staatssekretär a.D., Geschäftsführer Stiftung „Initiative Mehrweg“

n Katja Huber, Florian Fricke und Mat-

thias Leitner erhielten den UmweltMedienpreis in der Kategorie Hörfunk. Katja Huber ist Redakteurin der Reihe „Zündfunk Generator“. Die Sendung wirft einen genauen Blick auf die Welt, in der sich das Informationskarussell immer schneller dreht. Der „Zündfunk Generator“ stellt sich dieser Entwicklung entgegen.

Laudatio: Prof. Dr. Martin Jänicke, Gründungsdirektor Forschungsstelle für Umweltpolitik Freie Universität Berlin

Werner Boote erhielt von seinen Fans, Familie Krautwaschl, einen Holzplaneten als Geschenk mit Symbolkraft.

Florian Fricke, Matthias Leitner und Katja Huber zusammen mit Harald Kächele und Laudatorin Antonia Rötger.

n Den Sonderpreis erhielten Adrienne

Goehler, Initiatorin und künstlerische Leitung und Jaana Prüss, Projektleiterin für die Ausstellung „Zur Nachahmung empfohlen – Expeditionen in Ästhetik und Nachhaltigkeit“. Die Sammlung zeigt (derzeit in Gartow im Wendland) Exponate aus Kunst, Design, Architektur und technischen Erfindungen von mehr als 40 Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt. Die Ausstellung versucht erstmals mit den Instrumenten der zeitgenössischen Kunst, Ästhetik und Nachhaltigkeit zu fokussieren. Sie verdankt ihre Existenz der Zähigkeit und Kreativität der Preisträgerinnen. Laudatio: Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Philosophie Die Freude über die Laudatio von Julian Nida-Rümelin ist Adrienne Goehler und Jaana Prüss anzusehen.

n In der Kategorie Neue Medien erhiel-

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ten den UmweltMedienpreis Christoph Bautz, Dr. Felix Kolb und Dr. Günter Metzges. Die Initiatoren des Aktionsportals campact.de nutzen die neuen

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Umwelt Medienpreis 2010

n Dagmar Dehmer ist Preisträgerin in der Kategorie Printmedien. Sie schreibt seit vielen Jahren beim Berliner Tagesspiegel ausgezeichnet recherchierte und fundierte Reportagen, Interviews, Kommentare und Berichte zu der ganzen Palette der Umweltpolitik – über Energiekonzepte, die Atomenergie, das Menschenrecht auf Wasser und den Schutz der Artenvielfalt. Sie geht auch bei der tagesaktuellen Berichterstattung den Dingen stets auf den Grund.

Medien konsequent, um Menschen bei Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen zum Handeln zu bewegen. Mehr als 100.000 Menschen machen so bereits per Mausklick Druck auf Politiker und mischen sich ein, wenn politische Entscheidungen auf der Kippe stehen.


DUh intern

35 Jahre und kein bisschen leise Im Jahr der Proteste gegen längere Laufzeiten für Atomkraftwerke und gegen Stuttgart 21 hat die Deutsche Umwelthilfe erfolgreich mitgemischt, wegweisende Verbraucherschutzurteile erstritten und neue Bündnisse für Natur und Umwelt geschmiedet. n In der ersten DUHwelt Ausgabe des

Klimagasangaben informieren müssen. Ebenso beleuchten wir Ökobilanzen, die Einwegplastikflaschen schönrechnen. Wir haben veröffentlicht, welche Handelsketten sich an das EU-weite Glühlampenverbot halten und wo Energiesparlampen verbraucherfreundlich zurückgegeben werden können.

Jahres titelten wir: „Die Anti-AKWBewegung lebt auf“. Menschenketten von Brunsbüttel nach Krümmel, Massenkundgebungen gegen Laufzeitverlängerungen setzten Zeichen für die Energiewende. In Fachgesprächen und parlamentarischen Abenden im DUH Hauptstadtbüro in Berlin argumentieren wir gegen Laufzeitverlängerungen und fordern die Energiewende.

Erneuerbare ins Netz! Der Umstieg auf Strom aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse erfordert neue Infrastruktur. Gemeinsam mit Netzbetreibern, Bürgerinitiativen und Naturschützern hat die DUH zwei Jahre das Forum Netzintegration Erneuerbare Energien moderiert und als Ergebnis den Plan N für einen konfliktärmeren und schnelleren Um- und Ausbau der Stromnetze vorgelegt. Die DUH wollte genau wissen, wie ernst den deutschen Unternehmen ihre Klimaversprechen sind. Bei 115 führenden Unternehmen haben wir nach dem CO2-Ausstoß von Vorstands-Dienstfahrzeugen und Firmenflotten gefragt – und sind auf Betriebsgeheimnisse gestoßen. Aus schlechtem Grund gaben uns nur wenige Unternehmen bereitwillig Auskunft, denn kaum eines schmückt sich mit spritsparenden Fahrzeugen. Auch bei der Umsetzung von Umweltgesetzen schaut die DUH genau hin. Werden die Energieverbrauchskennzeichnung für Pkw und Haushaltsgroßgeräte und die Pfandpflicht eingehalten? Das überprüfen wir überprüfen bei Testbesuchen im Handel. Wir haben uns höchstrichterlich bestätigen lassen, dass auch Hersteller von Luxussportwagen ihre Kunden über Spritverbrauchs- und

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Schwerpunkt Meeresnaturschutz Die DUH hat gute Argumente für die Energiewende.

Die DUH streitet für Umweltinformation und Verbraucherschutz.

Im UN-Jahr der Biologischen Vielfalt setzen wir einen neuen Schwerpunkt auf das Thema Meeresnaturschutz. Wir sind Mitglied der Shark Alliance und koordinieren die deutschen Aktivitäten der OCEAN 2012-Mitglieder für eine nachhaltige Ausrichtung der Gemeinsamen Europäischen Fischereipolitik. Europäisch wird es auch in unserem Bereich Kommunaler Umweltschutz. Wir suchten 2010 die Europäischen Hauptstädte der Biodiversität. National haben wir den Meistertitel „Bundeshauptstadt im Klimaschutz“ an Freiburg im Breisgau vergeben. Unser Wettbewerb hat dazu geführt, dass in manch einer Stadt über das Engagement bei Kohlekraftwerken diskutiert wurde – dafür gab es nämlich Punktabzug. Die Deutsche Umwelthilfe blickt nun auf 35 aktive Jahre zurück. Einen umfassenden Einblick in Arbeitsfelder und Erfolge im zurückliegenden Jahr gibt in Kürze der Jahresbericht 2010. (mf) o

Die DUH setzt sich für biologische Vielfalt ein.

welt 4/2010


Menschen für natur

Ihr Legat für die Natur wird ein

Lebenszeichen! Was Ihnen zu Lebzeiten wichtig war, findet eine Fortsetzung. Die Reform des Erbrechts 2010 gibt noch mehr Gestaltungsmöglichkeiten im Testament.

n Es gibt viele gute Gründe, warum

Menschen die Deutsche Umwelthilfe in ihrem Testament bedenken. Die einen „verschenken“ auf diese Weise einen Teil ihres Vermögens, um Angehörigen die Erbschaftssteuer zu ersparen. Andere sind ohne direkte Nachkommen und möchten nicht, dass die Früchte ihres Lebens an weit entfernte Verwandte oder den Staat fallen. Manche sind aber treue Freunde der DUH, deren letzter Gruß als Spender ein kleineres oder auch großzügiges Vermächtnis ist.

Pflichtteilergänzungsanspruch reduziert sich um 10 Prozent mit jedem Jahr, das seit der Schenkung vergangen ist. Die Steuerfreibeträge der Beschenkten im Familienkreis wurden deutlich erhöht. Aber schon Geschwister und weiter entferntere Verwandte oder Freunde zahlen deutlich mehr Steuern als früher. Die Deutsche Umwelthilfe muss keine Steuern auf Erbschaften und Schenkungen bezahlen. Ein Testament gibt jedem die Möglichkeit, über den Tod hinaus Gutes zu tun. Ein Legat zugunsten der

DUH führt fort, was Naturliebhabern zu Lebzeiten wichtig war und setzt ihnen ein NaturDenkmal. (ab) o Weitere Informationen Unser kostenloses Informationsmaterial bietet verständlich und übersichtlich Tipps und Anregungen für die Testamentsgestaltung. Ihre Ansprechpartnerin: Annette Bernauer Tel. 07732 9995-60 bernauer@duh.de

Ein Testament gibt Sicherheit Die Reform des Erbrechts, die seit dem 1. Januar 2010 in Kraft ist, gibt den Bürgern noch mehr Möglichkeiten, ihr Testament ganz individuell zu gestalten. In der Regel stehen die Versorgung nächster Angehöriger und Pflichtteilsansprüche im Vordergrund. Die Leistungen pflegender Angehöriger werden stärker gewürdigt und können deren Ansprüche erhöhen. Allerdings müssen sie diese einfordern und für die Pflege muss dann ein Wert ermittelt werden. Besser ist es, in einem Testament oder Erbvertrag festzulegen, was sie erhalten sollen. Schenkungen zu Lebzeiten verringern die Erbmasse und damit die Steuerlast. Liegt die Schenkung weniger als 10 Jahre zurück, konnten pflichtteilsberechtigte Erben früher eine Erhöhung ihres Anteils verlangen, so als hätte die Schenkung nicht stattgefunden. Nach dem neuen Gesetz erhalten Beschenkte mehr Sicherheit: Denn der so genannte welt 4/2010

■ Bildnachweis: Titelseite: Alpensteinbock, Markus P. Stähli/Naturfoto-Online; S. 3: A. Busch (o), A.-E. Arnold/Pixelio (m), Mark M. Stafford (u); S. 4: C. Schneider (o), J. Beisiegel (m.), Fotolia/Stiftung Natur und Wirtschaft (u); S. 5: Cup Concept Mehrwegsysteme GmbH (o.l.), F. Vandaele/wikimedia commons (o.r.), J. Gensheimer (m), T. Knoll (u); S. 6: DUH (o), C. Schneider (u); S. 7: Str1ke/wikimedia commons (o), H. Zidowitz (u); S. 8: F. Möllers; S. 10: R. Dirscherl/Naturfoto-Online; S. 11: DUH; S. 12: Cornerstone/Pixelio (l), privat (r); S. 13: Juan Jorgé Gonzáles Vega; S. 14: J. Martin (o), Ville de Grande-Synthe (u); S. 15: City of Tata (o), A. Toth (u); S. 16: J. Stafford-Deitsch, N. Wolff (u); S. 17: J. Rotman (2 l), S. Büchner (2 r); S. 18: R. Eckhoff (o), R. Kirchmann (u); S. 19: Milan; S. 20: BUND (o), E. Calandra/wikimedia commons (m), O. Hahn/hahn-film (u); S. 21: H. Blossey (o), Statd Hamm/Umweltamt (m, u); S. 22: E. Lauckner-Böhme (o), BUW (u); S. 23: DUH Nord (o), R. Sturm/Pixelio (m), SueSchi/Pixelio (u); S. 24: G. Ziesler (o), GNF-Archiv (u); S. 25: GNF-Archiv; S. 26/27: M. Weißer; S. 28: GNF-Archiv; S. 30: GNF-Archiv; S. 31: Bodensee-Stiftung (o), C. Breyfeld/Pixelio (m), BUND Ravensburg (u); S. 32: M.-P. Stähli/Naturfoto-Online (o), S. Ernst/Naturfoto-Online (m,u); S. 33: M.-P. Stähli/Naturfoto-Online (o); Ernst/Naturfoto-Online (m,u); S. 34: DUH/C. Kisorsy (o); FWTM/Raach (u); S. 35: Lecos GmbH; S. 36: Torben Ibs (o); S. 38: C. Stuhlmann/waldkonzepte (o), J. Gensheimer (u). S. 40: Cup Concept Mehrwegsysteme GmbH; S. 41: DUH-Archiv (l), Osram (r); S. 42: J. Gensheimer; S. 43: BVG Donath (o), J. Gensheimer (m), T. Trutschel/photothek.net/Dt. Bundestag (u); S. 44: C. Seidel/Pixelio, T. Knoll (3), Pitopia/m-mausolf.de, R. Sturm/Pixelio, Pitopia/bildbaendiger, Pitopia/E. Wodicka (links, v. o.); S. 45: T. Knoll (2 l), R. Kirchmann (3 rechts); S. 46: H.-J. Diestelkamp/Pixelio (o), T. M. Müller/Pixelio (m), O. Hahn/hahn-film (u l); Koschinski/FjordBaelt, DK (u r); S. 47: R. Sturm/Pixelio

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Wir machen uns stark für Klimaschutz und biologische Vielfalt.

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Ihre Ansprechpartnerin Annette Bernauer Tel. 07732-9995-60 E-Mail: bernauer@duh.de

Deutsche Umwelthilfe e.V. Fritz-Reichle-Ring 4, 78315 Radolfzell Fax: 07732-9995-77

Sie können auch über unsere Internetseite Mitglied des Förderkreises werden:

www.duh.de Spendenkonto: 81 90 002 BLZ 370 205 00welt 4/2010 Bank für Sozialwirtschaft Köln

DUHwelt 4/2010  

Aus dem Inhalt: •Durchbruch für den Schutz der Biodiversität? •Mit dem Fahrrad zu den Seen der Welt •Kein Endlager in Sicht •Freiburg ist Ha...

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