Zu Hause / At Home

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ZU HAUSE AT HOME

Architektur zum Wohnen im Grünen Edition ∂

Architecture for Rural Living


ZU HAUSE

AT HOME

Architektur zum Wohnen im Grünen

Architecture for Rural Living

Sandra Hofmeister (Hg. Ed.)

Edition ∂


6 Ein Haus im Grünen A House in the Country Sandra Hofmeister 16 Das Einfamilienhaus: Traum und Trauma einer Baugattung The Single-family Home: The Dream and Trauma of a Building Type Wolfgang Bachmann 26 Das Dorf ist tot! Es lebe das Dorf! The Village is Dead! Long Live the Village! Heide Wessely

RAUMUND LEBENSMODELLE SPATIAL AND LIVING CONCEPTS 38 In den Hügeln des Alentejo In the Alentejo Hills Atelier Data 48 Wohnen im Obstgarten Living in the Orchard Juri Troy Architects 60 Schutzdach vor Sonne und Wind Canopy against Sun and Wind Sean Godsell Architects 70 Die grüne Mitte The Green Centre Maka Architektur 82 Haus als Mauer zum Garten Garden Wall House Harquitectes 92 Landschafts-Kontinuum Landscape Continuum Studio Okami Architects


MATERIALITÄT MATERIALS 108 Von Kork umhüllt Wrapped in Cork Emiliano López Mónica Rivera Arquitectos 120 Konstruktive Collage Constructional Collage lenschow & pihlmann 130 Das kleine Schwarze Clad in Black Yonder – Architektur und Design 140 Modulate Elemente aus Sandwichpaneelen Modular Elements Made of Sandwich Panels Alejandro Soffia 150 Holzhaus am Waldrand Wooden House by the Forest Mork-Ulnes Architects 160 Hülle aus Aluminium Aluminium Shell OFIS arhitekti

170 Ziegellandschaft am Bach Brick Landscape on the Creek Tham & Videgård Arkitekter 178 Lichtwände aus Polycarbonat Polycarbonate Walls of Light Finckh Architekten 186 Vorgefertigte Raumzelle aus Beton Pre-fabricated Concrete Room Units Pierre-Alain Dupraz Architectes NACHHALTIGKEIT SUSTAINABILITY 194 Ökologisches Leichtgewicht An Ecological Lightweight Leopold Banchini Architects 206 Eingebettet in die Dorfstruktur Embedded in the Village Structure Staufer & Hasler Architekten 216 Im Welterbe-Ensemble In a World Heritage Ensemble Architekten Luger & Maul 224 Energieautark Energy Self-Sufficient Bearth & Deplazes \ Ladner Architekten


232 Natürlich klimatisiert Naturally Air-conditioned Harquitectes

284 Fenster zum Hof Rear Window House RCR Arquitectes

240 Lichterfülltes Passivhaus Light-Filled Passive House Manfred Lux

ANHANG APPENDIX

UMBAU UND SANIERUNG CONVERSION AND REFURBISHMENT 250 Raue Schale, wohnlicher Kern Rough Shell, Comfortable Core Wespi de Meuron Romeo Architekten 262 Holzhäuser im Kiefernwald Wooden Houses in a Pine Forest Johansen Skovsted Arkitekter, Lasc Studio 270 Dachlandschaft mit Raumgewinn Roofscape with Space Gain Leth & Gori 276 Sommerfrische in den Schären Summer Retreat in the Archipelago Johannes Norlander Arkitektur

294 Autoren/Bildnachweis Authors/Credits 296 Projektbeteiligte Project Team and Suppliers 304 Impressum Imprint


Das Einfamilienhaus: Traum und Trauma einer Baugattung

Wolfgang Bachmann

Als ich mit dem Architekturstudium begonnen habe, lag der Gedanke, sich damit Kenntnisse anzueignen, um selbst einmal seiner Familie ein solides oder sogar außergewöhnliches Haus zu bauen, nicht so weit entfernt. Die Studentenbewegung hat dieses gutbürgerliche Besitzstandsstreben jedoch bald kalmiert. Das Thema Einfamilienhaus war damit aber nicht erledigt. Bei meinem ersten Arbeitgeber, einem bekannten Architekturbüro in Stuttgart, bauten sie Museen, Altenheime und Bankgebäude. Das kleine Wohnhaus, das beiläufig geplant wurde, zeichnete der Chef zu Hause. Darauf angesprochen erklärte er, mit so was ließe sich kein Geld verdienen. Außerdem, grinste er, sei die Bauherrschaft, ein Lehrerehepaar, etwas heikel.1 AUSNAHME UND REGEL Diese beiden Charakteristika finden immer wieder ihre Bestätigung. Titus Bernhard, der jedes Wohnhaus als unvergleichliche Sonderanfertigung entwirft, nennt als Bedingung, dass er tätig werden kann: Bausumme ab einer Million Euro, anders rechne 16

The Single-family Home: The Dream and Trauma of a Building Type

When I first took up my studies in architecture, the idea of acquiring the knowledge to build a respectable or even extraordinary house for one’s own family one day seemed quite natural. The student movement, however, soon curbed this middle-class striving for possession. However, that didn’t end the topic of the single-family house. My first employers, a well-known architectural firm in Stuttgart, built museums, retirement homes and bank buildings. Designs for small houses, however, the boss would more casually plan and sketch at home. When asked about it, he explained that there was no money in this sort of assignment. Besides, he said with a grin, the client, a teacher couple, was a little fussy.1 THE EXCEPTION AND THE RULE These two characteristics are confirmed again and again. Titus Bernhard, who designs every residential building to be an incomparable custom build, cites a precondition for starting


Antivilla ist die umgenutzte Ruine der früheren Trikotagenfabrik VEB Ernst Lück am Krampnitzsee bei Potsdam (DE, 2014). Mit dem Umbau zum Wohngebäude wird das Verhältnis von Bauvorschriften, Baustandards und Energieeffizienz im Zusammenhang mit Wiederverwertung und adaptivem Wohnen hinterfragt. Architektur: Brandlhuber + Emde, Burlon

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Antivilla is the transformed former German Democratic Republic lingerie factory Ernst Lück on Krampnitzsee Lake near Potsdam (DE, 2014). With the conversion to a residential building the relationship between building regulations and standards, energy efficiency together with the idea of re-use and adaptive living is questioned. Architects: Brandlhuber + Emde, Burlon


Manche Architekten entwerfen Einfamilienhäuser erst als routinierte Könner. Andere Architekten wie Heinz Bienefeld haben diesen Maßstab gar nicht verlassen. Haus Babanek, Brühl (DE), 1996 Architekt: Heinz Bienefeld

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Some architects design single-family houses only when they are experienced professionals. Other architects like Heinz Bienefeld never left this scale at all. Babanek House, Brühl (DE), 1996 Architect: Heinz Bienefeld


sich die Planung für so ein Einzelstück nicht.2 Otto Steidle dagegen wollte nie ein Einfamilienhaus bauen. Warum? „Weil ich keine Lust habe, am Samstag mit der Gattin des Bauherrn Teppichböden und Fliesen auszusuchen“, beschied er dem Fragesteller.3 Man könnte glauben, Architekten bauten nur in Ausnahmefällen für Verwandte, gute Freunde oder sehr solvente Auftraggeber private Wohnhäuser, aber eigentlich sei es eine Zumutung, sich mit den persönlichen Wohnvorstellungen der Bauherrschaften auseinanderzusetzen. Und wenn es nach den Grünen in Köln und Hamburg ginge, würde das frei stehende Einfamilienhaus als überholte Neubautypologie ohnehin bald verboten, weil es bei seiner Herstellung und Nutzung die Landschaft zerstört, Flächen versiegelt und Ressourcen verschwendet. Da hat sich die Partei ja etwas vorgenommen. Denn die Fertigstellung von neuen Einfamilienhäusern steigt kontinuierlich. 16 Millionen stehen bereits, und jedes Jahr kommen über 80 000 neue Häuser mit einer Wohnung hinzu (die Typologie ist ja nicht ausschließlich auf Familien fixiert). 69 ha Fläche werden pro Tag durch Neubautätigkeit der Natur mehr oder weniger entzogen. Doch das Einfamilienhaus im Grünen, auch das ist ein unzerstörbarer Parameter, gilt für zwei Drittel der Deutschen als Traumziel im Leben. Für junge Architekten ist es oft der Einstieg in ein selbstständiges Berufsleben, vor allem ist das Risiko gering, denn es bedarf keiner Spezialkenntnisse von Schulbaurichtlinien, Kreislaufwirtschaftsgesetz oder Versammlungsstättenverordnung. Es genügen die eigene Erfahrung und ein Zollstock, mit dem man durch seine Wohnung läuft und die Ausrichtung von Türen, Treppen und die sinnvolle Anordnung von Mobiliar zu ermittelt. Ein Grundriss ist die Abbildung einer Lebensweise. Die eigene Behausung herzustellen, folgt einem Instinkt, die Anthroposophen nennen es das Hüllebilden um das Zentrum Mensch. Für Peter Rosegger4 war das Wohnhaus „recht eigentlich die Brunnstube aller Kultur“.5 Vielleicht entwerfen deshalb manche Architekten Einfamilienhäuser erst als routinierte Könner. Meinhard von Gerkan hat inzwischen ein halbes Dutzend für sich selbst gebaut. WOHNEN ALS THERAPIE Beim Wunsch nach den eigenen vier Wänden trifft sich anthropologisch Gegebenes mit kulturell Gewordenem. Das Nest- und Höhlenbauen hat sich die Spezies Mensch eingeprägt, seit sie nach der Eiszeit das Nomadenleben aufgegeben hat. Schon Kinder bauen sich ihre „Lägerle“ und Baumhäuser, wobei man in sogenannten besseren Wohngegenden den im Wald bosselnden Nachwuchs vor Verletzungen bewahren möchte und so eine Bretterstellage lieber beim Schreiner in Auftrag gibt. Das sieht im eigenen Garten dann auch 19

work: a building sum of one million euros or more – otherwise planning such a unique piece did not pay off.2 Otto Steidle, on the other hand, didn’t even want to build a single-family house. Why? Because he didn’t feel like choosing carpeting and tiles with the client’s wife on a Saturday, he replied.3 One might think that architects only ever built private homes in exceptional cases for relatives, good friends or very solvent clients. And that it was often considered something of an imposition to have to deal with the clients’ personal ideas on dwellings. And if it were up to the Green Party in Cologne and Hamburg, the detached single-family house was slated to be banned soon anyway as an outdated typology for new buildings since its construction and use destroy the landscape, seal the soil and waste resources. The party has its work cut out for it, as the number of completed new single-family houses is growing continuously. 16 million have already been built and every year more than 80,000 new single-dwelling houses are being added (the typology is not exclusively familyoriented, after all). 69 ha of land are taken away from nature every day by new building activity. Nevertheless, it is also an indestructible parameter that two thirds of Germans dream to one day have a single-family house in the countryside. For young architects, it often provides an entry into an independent professional life, at low risk, above all, since there is no need for special knowledge of school building guidelines, recycling law or venue regulations. All that is needed is one’s own experience and a folding rule with which to go through one’s home and determine the orientation of doors, stairs and the sensible arrangement of furniture. A floor plan illustrates a way of life. Creating one’s own dwelling follows an instinct, which the anthroposophists term as forming a shell around the human being as its centre. For Peter Rosegger 4, the dwelling was “actually the wellspring of all culture”.5 Perhaps this is why some architects design single-family houses only when they are experienced professionals. Meinhard von Gerkan has meanwhile built half a dozen for himself. DWELLING AS THERAPY When it comes to the desire for one’s own four walls, the anthropologically given meets the culturally developed. Nest-building and cave-building have been ingrained in the human species since it abandoned its nomadic lifestyle after the Ice Age. Children already build little camps and tree houses, though the residents of so-called refined areas tend to want to protect their offspring from sustaining injuries while frolicking around in the woods, so they prefer to commission a carpenter to build a playhouse, with the added advantage that it will look neater in their garden. The parents show the way: familial isolation in one’s own house (around which one


Das Dorf ist tot! Es lebe das Dorf!

The Village is Dead! Long Live the Village!

Heide Wessely

Der Strukturwandel trifft den ländlichen Raum – immer mehr Dörfer sterben aus. Wie ihre Revitalisierung gelingen kann, zeigen Beispiele aus Bayern, dem Piemont, der Lombardei und Graubünden. Wo früher reger Alltag herrschte, ist heute oft alles verlassen: Der Strukturwandel betrifft viele Dörfer. Ihre Bewohner ziehen in die Stadt – dorthin, wo sie Arbeit finden. Kleinere Bauernhöfe verschwinden. Mit Beginn der Industrialisierung und dem Einsatz von Landmaschinen ließen sich zunehmend größere Flächen mit immer weniger Menschen bestellen. Ernährte ein Bauer in Deutschland vor 100 Jahren gerade einmal vier Menschen und vor 50 Jahren lediglich zehn, so sind es heute etwa 150. In Getreide gemessen sieht die Rechnung so aus: Vor 100 Jahren brachte ein Acker von 1 ha Größe durchschnittlich 1850 kg Weizen ein, heute, dank besseren Saatguts, Dünge- und Pflanzenschutzmittel 8100 kg. Kein Wunder also, dass mangels Arbeit in der Landwirtschaft die Dörfer schrumpfen. Die Wirtschaftszweige Handwerk, Forstwirtschaft und Tourismus vermögen diese Tendenz nicht auszugleichen. Auch die demografische Entwicklung bekommt der Lebendigkeit auf dem Land nicht 26

Many rural areas are being hit by structural change: more and more villages are becoming extinct. Just how these might be revitalised is shown by examples in Bavaria, Piedmont, Lombardy and the Grisons. In many places where a buoyant daily life once existed, things seem deserted today. Structural change is affecting many villages. The residents are moving to cities, to places where they can find work, and smaller farmsteads are disappearing. With the advent of industrialisation and the use of agricultural machinery, ever larger areas can be cultivated by ever fewer people. Whereas a farmer in Germany fed just four people 100 years ago and only ten 50 years ago, the figure today is around 150. Measured in cereals, the calculation looks like this: A century ago, one hectare of land would produce 1, 850 kg of wheat. Today, thanks to better seeds, fertilizers and pesticides, that figure is more likely to be 8, 100 kg. Despite the lower rents, rural areas are no alternative for younger families and in communities that are poorly linked, a downward spiral manifests itself. Even in many villages close to economic metropolises, a bustling form of life has been lost. Villages become dormitory suburbs, with space-consuming


Prägend für Weyarn sind das Kloster sowie die ehemalige Stiftskirche St. Peter und Paul mit dem mittelalterlichen Turm. In unmittelbarer Nachbarschaft dazu, direkt auf dem Klosteranger, liegt die neue Wohnanlage von Kehrbaum Architekten. Dank der zurückhaltenden Gestaltung fügt sie sich gut in die bestehende Dorfstruktur ein.

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Salient features of Weyarn are the monastery and former collegiate church of St Peter and Paul with its medieval tower. In immediate proximity to this, on the village green, is the new housing complex by Kehrbaum Architects. Thanks to its restrained design, this development fits in well with the existing village fabric.


Francesca Favero, Caterina Franco und Anna Frigerio studierten noch, als sie die Gebäude für Contrada Bricconi entwarfen. Heute heißt ihr Architekturbüro LabF3.

Massimo Crotti, Antonio De Rossi und Marie Pierre Forsans entwarfen das Kulturzentrum Lou Pourtoun im Piemont. Unter einem Dach vereinen sie sechs Baukörper, die sich im Maßstab an die Dorfbebauung anlehnen.

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Massimo Crotti, Antonio De Rossi and Marie Pierre Forsans designed the Lou Pourtoun Cultural Centre in Piedmont, uniting beneath a single roof six building volumes that adopt the scale of the village fabric.

Francesca Favero, Caterina Franco and Anna Frigerio – still studying when they designed the structures for Contrada Bricconi – are now known as LabF3 Architects.


gut. Immer mehr Menschen ziehen in die Stadt, Schulen schließen, Bus- und Bahnlinien werden stillgelegt, Gasthäuser und Dorfläden verschwinden. Trotz geringerer Mieten ist der ländliche Raum für junge Familien meist keine Alternative. In schlecht angebundenen Gemeinden tut sich damit eine Abwärtsspirale auf: Die Jungen gehen fort, die Alten harren aus und sinnieren über die Zeiten, als auf dem Kirchplatz noch Dorffeste stattfanden und Kinder spielten. Dieses Leben ist selbst in vielen Dörfern, die in der Nähe von Wirtschaftsmetropolen liegen, verloren. Auch hier verwaisen die Ortsmitten, obwohl die Bevölkerung dort oft sogar wächst. Sie schläft in vermeintlich individuell gestalteten Einfamilienhäusern, deren Strukturen die Ortsränder ausfransen – das Dorf wird zur Schlafstadt, garniert mit flächenfressenden Gewerbegebieten am Ortsrand, die Gewerbesteuer in die Kassen spülen. DonutEffekt nennt sich dieses Phänomen. Um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten, sind dringend Ideen gefragt. BETEILIGUNGSKULTUR = DORFSTRUKTUR Nahe der Autobahn A8 und nur 35 km von München entfernt liegt die Gemeinde Weyarn mit 21 Dörfern, in denen insgesamt 3660 Menschen leben. Weil in München die Mieten in die Höhe schießen, ist Weyarn als Wohnort für Pendler interessant. Die Gemeinde hätte problemlos expandieren können, Fläche gibt es genug. Anfragen einer Fastfood-Kette, eines Autohofs und eines Discounters lagen bereits auf dem Tisch. Der weitsichtigen Bodenpolitik und einer umfassenden Bürgerbeteiligung ist es zu verdanken, dass sich Weyarn sein ländliches Idyll und einen lebendigen Ortskern bewahrt hat. Nach umfassenden Bürgerbefragungen, initiiert vom Gemeinderat, wurde ein Bauleitbild der Gemeinde aufgesetzt, in dem die Punkte „Nebeneinander Wohnen und Arbeiten“, „Qualitätsvolle Planung“ und „Schonung der Bauerndörfer“ verankert sind. Dies zeigt sich auch in der Neugestaltung der Ortsmitte mit Klosteranger des Dorfs Weyarn. Über vier Jahre lang arbeitete die Gemeinde zusammen mit Arbeitskreisen und Dorfplanern daran. In Bürgerversammlungen und -befragungen wurde geklärt, welche Nutzungen der Gemeinde guttun würden. Über die Sanierung der alten Klosterbrauerei, in der heute auch ein Café und der Gemeindesaal untergebracht sind, und die Wiederherstellung der Höfestruktur des früheren Klosters war man sich von Anfang an einig. Heute stehen sich um den Prälaturhof (das Gebäude der Prälatur wurde abgerissen) mit seinem alten Baumbestand zwei Riegel mit asymmetrischen Steildächern gegenüber, in denen 38 Wohnungen unterschiedlicher Größe, teils zweigeschossig, mit Terrassen oder Loggien auf drei Stockwerken verteilt sind – ein enormes Maß an Dichte. In insgesamt sechs Bauabschnitten folgten Mehrgenerationenhäuser mit 50 Wohnungen, Reihen- und Doppelhäuser, ein Supermarkt und 2018 nochmals zwei Mehrgenerationen29

commercial areas around the periphery that pour trade taxes into the public coffers – a phenomenon known as a “doughnut effect”. New ideas are urgently needed to put a stop to this. PARTICIPATORY CULTURE = VILLAGE STRUCTURE Close to the A8 motorway and only 35 km from Munich lies the municipality of Weyarn with 21 villages and an overall population of 3,660. Since rents are high in Munich, Weyarn is interesting for commuters as a place to live. It has had no problem in expanding: there is space enough. Enquiries from a fast-food chain, a truck-stop facility and a discount store have already landed on the table. Thanks to a far-reaching land policy and comprehensive public participation, however, Weyarn has been able to preserve its idyllic rural image as well as a lively town centre. After comprehensive enquiries initiated by the local council, a public development plan was drawn up with aspects such as “living and working alongside each other”, “qualitative planning” and “preservation of the arable villages”. This is also evident in the redesign of the town centre of Weyarn with a village green. For more than four years the municipality toiled to this end together with working groups and village planners. Agreement existed from the outset about the refurbishment of the old monastery brewery, which today also houses a cafe and the community hall, and about the reinstatement of the courtyard structure of the former monastery. Around the prelature courtyard today with its old stock of trees (the prelature itself was demolished), two building strips with steeply pitched asymmetric roofs stand opposite each other. They contain 38 dwellings of various sizes, partly two storeys high, with terraces or loggias and distributed over three floors, creating an enormous volume. In a total of six construction phases, there followed multigeneration blocks with 50 further dwellings, semi-detached and double houses, a supermarket and, in 2018, a further two multi-generation blocks with 20 flats, for which the citizens of Weyarn have first option. Almost half the site remains in municipal hands. The council had footpaths and planted areas laid out so that the village green would be publicly accessible and merge with the older areas of the municipality. In the village shop, people come together again. The wish to promote a sense of community has succeeded here. HIGH IN THE ITALIAN ALPS Contrada Bricconi, a village in the Val Seriana in the province of Bergamo has pursued a quite different course. Man and




LandschaftsKontinuum

Landscape Continuum

Studio Okami Architects

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RAUM- UND LEBENSMODELLE

UNSICHTBARES HAUS IN MONT-DE-L’ENCLUS, BE


Ein zur Hälfte in den Hang geschobener Baukörper, dessen begrüntes Dach mit der Umgebung verschmilzt: In der Hügellandschaft von Mont-de-l’Enclus, einer ruhigen Freizeitregion rund 90 km westlich von Brüssel, konzipierten Studio Okami Architects ein von oben unsichtbares Haus. Zur Talseite dagegen öffnet es sich als gläserner Pavillon, dem ein breiter, von Ziegelpfeilern gefasster Umgang vorgelagert ist. Dieser bildet einen großzügigen geschützten Freibereich, in dem sich innen und außen verschränken. Zugleich dienen die Pfeiler als „Rahmen“ für die dahinterliegenden vollständig aufgeglasten Fassaden und interpretieren so die in der Gestaltungssatzung vorgesehenen definierten Fensterformate neu. Eigentlich war auch ein geneigtes Dach vorgegeben. Mit der Einbindung des Gebäudevolumens ins Terrain konnten die Architekten jedoch die Behörden von einem begrünten Flachdach überzeugen. Über dieses erfolgt nun auch der Zugang zum Haus: An den Längsseiten sind zwei Treppen in das Dach eingeschnitten, die hinunter zum Umgang führen und den großen Allraum mit Wohn-, Ess- und Kochbereich von beiden Seiten erschließen. Der überdachte Freibereich beschattet die weit zurückversetzten Glasfassaden und wird zur nahtlosen Erweiterung der Innenräume, wenn die Schiebetüren geöffnet sind. Der gesamte Grundriss ist als offenes Raumkontinuum organisiert. Die Bauherren, ein Ehepaar im Ruhestand, legten Wert auf große Transparenz und den Bezug zur Umgebung, sodass man von allen Räumen des 273 m2 großen Hauses den Ausblick ins Tal genießt. Bei Bedarf trennen Schiebewände die Privatbereiche ab. Diese befinden sich im rückwärtigen, in den Hang eingelassenen Teil des Gebäudes um den zentralen Innenhof, über den sie auch belichtet und belüftet sind. In Wandschränken untergebrachte Ausklappbetten machen diese Räume flexibel nutzbar, wenn Gäste zu Besuch kommen. Hochwertige und langlebige Materialien verleihen dem Haus im äußeren Erscheinungsbild wie in den Innenbereichen eine klassische Zeitlosigkeit. Alle Außenflächen – Pfeiler, Deckenuntersicht, Treppen, Böden, Wände – sind mit einem robusten, farblich changierenden Ziegel bekleidet. Die Abdrücke der Holzschalung verleihen den Sichtbetondecken eine haptische Struktur und korrespondieren mit den Dielenböden aus Hartholz. Einen reizvollen Kontrast dazu setzen die hellen Marmorplatten für Bad, Kochnische und Arbeitsplatte des frei stehenden Küchenblocks.

A building half-pushed into the hillside, its green roof blending in with the surroundings: in the hilly landscape of Montde-l’Enclus, a quiet holiday region about 90 km west of Brussels, Studio Okami Architects designed a house that is invisible from above. On the valley side, however, it opens up as a glass pavilion with a wide walkway framed by brick pillars. This forms a spacious and protected open space where inside and outside intertwine. At the same time, the pillars serve as a “frame” for the fully glazed facades behind them, thus reinterpreting the defined window formats provided in the design statutes. Actually, a sloping roof was also specified. By integrating the building volume into the terrain, however, the architects were able to convince the authorities of a greened flat roof. This is now also used to access the house: two staircases are cut into the roof on the long sides, leading down to the walkway and providing access to the large openplan room with the living, dining and cooking areas from both sides. The covered outdoor area shades the far-recessed glass facades and becomes a seamless extension of the interior spaces when the sliding doors are open. The entire floor plan is organised as an open continuum of space. The clients, a retired couple, requested great transparency and a relationship to the surroundings, so that the view of the valley can be enjoyed from all the rooms of the 273 m2 house. If necessary, sliding walls separate the private areas. These are located in the rear part of the building, set into the slope around the central courtyard, through which they are also lit and ventilated. Fold-out beds housed in wall cupboards ensure the flexibility of these rooms when guests come to visit. High-quality and durable materials give the house’s exterior and interior a classic timelessness. All outside surfaces – pillars, soffit, stairs, floors, walls – are clad in a robust, iridescent-coloured brick. The imprints of the wooden formwork give the exposed concrete ceilings a tactile texture and correspond with the hardwood floor planks. The light marble slabs for the bathroom, kitchenette and worktop of the freestanding kitchen unit provide a charming contrast.

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INVISIBLE HOUSE IN MONT-DE-L’ENCLUS, BE

SPACIAL AND LIVING CONCEPTS


Standort

Mont-de-l’Enclus, BE

Location

Mont-de-l’Enclus, BE

Bauherren

Dirk Impens und Mieke Berendsen

Clients

Dirk Impens and Mieke Berendsen

Planungs- und Bauzeit

8/2014–12/2019

Planning and construction period

8/2014–12/2019

Konstruktion

Stahlbeton

Structure

Reinforced concrete

Material

Vormauerziegel, Gasbetonstein, Aluminiumprofile, Stahlbeton, Mehrschichtparkett Douglasie

Material

Facing brick, aerated concrete block, aluminium profiles, reinforced concrete, multilayer parquet made of Douglas fir

Bruttogeschossfläche (BGF)

273 m2

Gross floor area (GFA)

273 m2

Baukosten pro m2 (ohne Architektenhonorare und Grundstückskosten)

1950 €

Construction cost per m2 (without architect’s fees and land costs)

EUR 1, 950

Energetische Aspekte, Energiestandard

Niedrigenergiegebäude entsprechend der belgischen EPB-Vorschriften

Energy-related aspects, energy standard

Low energy building according to Belgian EPBD regulations

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RAUM- UND LEBENSMODELLE

UNSICHTBARES HAUS IN MONT-DE-L’ENCLUS, BE


Schnitte Grundriss Maßstab 1 : 250 1 2 3 4 5 6 7 8 9

Eingang Garderobe Küche/Essen Wohnen Arbeiten/Gast Gästezimmer Schlafen Lesezimmer Innenhof

Sections Floor plan Scale 1 : 250 1 2 3 4 5 6 7 8 9

Entrance Cloakroom Cooking/dining Living Study/guest Guest room Bedroom Study Internal courtyard

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SPACIAL AND LIVING CONCEPTS

INVISIBLE HOUSE IN MONT-DE-L’ENCLUS, BE


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RAUM- UND LEBENSMODELLE

UNSICHTBARES HAUS IN MONT-DE-L’ENCLUS, BE


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SPACIAL AND LIVING CONCEPTS

INVISIBLE HOUSE IN MONT-DE-L’ENCLUS, BE


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RAUM- UND LEBENSMODELLE

UNSICHTBARES HAUS IN MONT-DE-L’ENCLUS, BE


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Vertikalschnitt Maßstab 1 : 20

Vertical section Scale 1 : 20

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Dachaufbau: Gräser, Sedum, Kräuter Substrat 800–1300 kg/m3; Filtermatte Polypropylen Drain- und Wasserspeicherelement 25 mm Trenn-, Schutz- und Speichervlies 3,6 mm Dichtungsbahn EPDM wurzelfest Wärmedämmung PIR 160 mm; Dampfsperre bituminös Gefälleestrich 2 %; Sichtbetondecke 230 mm Betonstein 500/500/55 mm; Sandbett Zinkblech; Dichtungsbahn EPDM; Sperrholzplatte 18 mm Wandaufbau: Vormauerziegel 90 mm; Hinterlüftung 30 mm Dichtungsbahn EPDM; Wärmedämmung PUR 140 mm Dampfsperre; Gasbetonstein 140 mm Wandaufbau: Filtermatte; Drainmatte 25 mm Dichtungsbahn EPDM; Wärmedämmung XPS 140 mm Dampfsperre; Stahlbetonwand 300 mm Filtermatte; Kies; Drainagerohr Bodenaufbau: Mehrschichtparkett Douglasie, schwimmend verlegt 30 mm; Heizestrich 85 mm Wärmedämmung PUR 120 mm; Bodenplatte 300 mm Sauberkeitsschicht Bodenaufbau Innenhof: Fassadenriemchen 25 mm, Fugen vermörtelt Gefällebeton 2 %; Bitumenbahn Isolierverglasung in Rahmen Alumiunium eloxiert Abdeckblech Aluminium eloxiert Fassadenträger Stahl in Deckenstirn verankert

SPACIAL AND LIVING CONCEPTS

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roof construction: grasses, sedum, herbs substrate 800–1300 kg/m3; polypropylene filter mat 25 mm drainage and water retention element 3. 6 mm separation, protection and retention fleece root-proof EPDM sealing membrane 160 mm PIR thermal insulation bituminous vapour barrier screed to 2 % falls 230 mm exposed concrete ceiling slab 500/500/55 mm aerated concrete; sand bed zinc sheet; EPDM sealing membrane; 18 mm plywood panel wall construction: 90 mm facing brick 30 mm ventilation gap; EPDM sealing membrane 140 mm PUR insulation vapour barrier; 140 mm aerated concrete wall construction: filter mat; 25 mm drainage mat EPDM sealing membrane; 140 mm XPS thermal insulation vapour barrier; 300 mm reinforced concrete wall filter mat; gravel; drainage pipe floor construction: 30 mm Douglas fir engineered parquet, laid floating; 85 mm heating screed; 120 mm PUR thermal insulation; 300 mm ground slab; subbase floor construction internal courtyard: 25 mm brick slips, mortared joints; concrete to 2 % falls; bitumen membrane thermal glazing in anodised aluminium frame. anodised aluminium cover sheet; steel facade beam anchored in end of ceiling slab

INVISIBLE HOUSE IN MONT-DE-L’ENCLUS, BE


Lichtwände aus Polycarbonat

Polycarbonate Walls of Light

Finckh Architekten

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MATERIALITÄT

HAUS F IN ESSLINGEN, DE


Schimmernde Fassaden aus transluzenten Polycarbonatplatten charakterisieren das ungewöhnliche Wohnhaus in Esslingen, und auch die schmalen Stirnseiten mit den schaufenstergroßen Verglasungen wirken in der gediegenen schwäbischen Hangsiedlung fast experimentell. Auf der Suche nach einem bezahlbaren Bauareal für sich und seine Familie fand der Architekt Thomas Sixt Finckh das schmale und steile Restgrundstück – eine ehemalige Erschließungsstraße –, das als nicht bebaubar galt. Denn abzüglich des Grenzabstands verblieben für das Gebäude nur 4, 70 m Breite – bei einer Hauslänge von 14 m. Um die Dimension der Außenwände zu minimieren und so möglichst wenig Nutzfläche zu verlieren, entschied sich Finckh für weiße Polycarbonatstegplatten als Fassadenmaterial an den Längsseiten. Als durchscheinender Raumabschluss haben die nur 60 mm starken Platten gute Dämmeigenschaften, sind lichtdurchlässig und schirmen zugleich Einblicke ab. Eine zweite, 40 mm starke Polycarbonatschale auf der Innenseite soll Geräusche, beispielsweise bei starkem Regen, dämpfen. Über ihre gesamte Fläche belichten die Längsfassaden so den Innenraum, gewährleisten zugleich aber auch die Privatheit gegenüber den Nachbarn. Das kostengünstige, aus dem Industriebau bekannte Material überrascht hier mit seinen atmosphärischen Qualitäten: Als Lichtwände tauchen die Platten die Räume in weiches Streulicht, das Abendrot färbt die Westfassade, während sich an der Ostseite die Silhouetten der Bäume abzeichnen. Die wechselnden Stimmungen prägen das Innere des Hauses, das sich über drei Ebenen erstreckt, wesentlich. Die mittlere Etage ist ein loftartiger Allraum mit Wohn-, Ess- und Kochbereich, dessen Glasfassade nach Süden den Blick über das Neckartal zur Schwäbischen Alb fokussiert. Eine schmale, geländerlose Stahltreppe führt nach unten zu den Kinderzimmern und nach oben zum Elternbereich mit Schlafzimmer und Arbeitsgalerie. Darüber hinaus steht auf der untersten Ebene eine separate Einliegerwohnung zur Verfügung. Ermöglicht werden die großen stützenfreien Öffnungen der Fassaden durch wandhohe Stahlbetonscheiben, die mit der Betonbrüstung der Galerie, den Geschossdecken und den Dachflächen als Aussteifung verbunden sind. Die Sichtbetonflächen und Estrichböden unterstreichen den minimalistisch-reduzierten Charakter des Hauses. Aus Kostengründen wurden die großen Glasfronten der Schmalseiten als Festverglasungen ausgeführt. Raumhohe Lüftungsflügel in den Fassaden und Lichtkuppeln in der Dachfläche ermöglichen eine effiziente Lüftung

Shimmering facades made of translucent polycarbonate panels characterise the unusual residential building in Esslingen, with narrow front sides featuring extensive glazing appearing almost experimental in the sedate Swabian hillside settlement. In his search for an affordable building site for himself and his family, architect Thomas Sixt Finckh found the narrow and steep remaining plot – a former access road – that was considered unsuitable for building. After deducting the border margin, only 4. 70 m were left for the width of the building with a length of 14 m. In order to minimise the dimensions of the exterior walls and thus lose as little usable space as possible, Finckh decided to use white polycarbonate multiwall sheets as the facade material on the long sides. As a translucent room enclosure, these just 60-mm thick sheets have good insulating properties, are permeable to light, and at the same time screen off views. A second, 40-mm thick polycarbonate shell on the inside is intended to dampen noise, for example during heavy rain. Over their entire surface, the longitudinal facades thus illuminate the interior while at the same time ensuring privacy from the neighbours. Familiar from industrial construction, the low-cost material here delights with its atmospheric qualities: as walls of light, the panels bathe the rooms in soft diffused light, the evening glow colours the western facade, while the silhouettes of the trees stand out on the eastern side. The changing moods significantly shape the interior of the three-storey house. The middle level is a loft-like open-plan room with living, dining and cooking areas, whose glass facade to the south focuses the view across the Neckar Valley towards the Swabian Jura. A narrow, rail-less steel staircase leads down to the children’s rooms and up to the parents’ area with a bedroom and work gallery. In addition, a separate granny flat is available on the lowest level. The large column-free openings of the facades were made possible by wall-high reinforced concrete panels that are connected to the concrete parapet of the gallery, the ceilings and the roof surfaces for stiffening. The exposed concrete surfaces and screed floors emphasise the minimalist character of the house. For cost reasons, the large glass fronts of the narrow sides were designed as fixed glazing. Room-high ventilation sashes in the facades and skylight domes in the roof area can be opened to allow efficient ventilation.

179

HOUSE F IN ESSLINGEN, DE

MATERIALS


Ökologisches Leichtgewicht

An Ecological Lightweight

Leopold Banchini Architects

194

NACHHALTIGKEIT

CASA CFF BEI GENF, CH


Ein leichtes Gebäude mit minimalem Bodenkontakt: Auf 25 schmalen Holzstützen schwebt das Wohnhaus über dem Grundstück, das an die Gleisstränge des Güterbahnhofs im Genfer Vorort Lancy angrenzt. Der aufgeständerte Baukörper dient zugleich als Überdachung für den Pkw-Stellplatz und den Hauseingang. Vom rundumverglasten Entree – der einzigen versiegelten Fläche des Areals – führt eine filigrane Spindeltreppe nach oben in das Wohngeschoss. Dieses ist als großer offener Raum gestaltet, der durch die Stützen gegliedert wird und sich nur zur Ostseite mit einer durchgehenden Glasfront öffnet. Dennoch erscheint er wie in Licht getaucht: Für eine intensive und gleichmäßige Helligkeit sorgen die Lichtbänder der Sheddächer, die die loftartige Anmutung des Innenraums verstärken. Mit diesem Dachtyp nimmt der Architekt Leopold Banchini zudem Bezug auf den Kontext, die Gewerbehallen entlang der Bahngleise. Ein verglaster Patio als Wintergarten trennt die Küche von Essplatz und Wohnraum und verbindet sie zugleich visuell. Die nach Westen angelagerten Privatbereiche lassen sich über Schiebetüren zum Hauptraum hin öffnen. Beide introvertiert gelegenen Schlafzimmer orientieren sich mit raumhoher Verglasung zu einem weiteren überdachten Patio, der als Balkon dient. Seine kreisrunde Wandöffnung gibt den Blick zur Straße frei und setzt in der ansonsten geschlossenen Fassade einen Akzent. Der quadratische Grundriss und die Raumorganisation folgen der Tragstruktur der Holzskelettkonstruktion, die auf einem Raster von 3, 10 × 3, 10 m basiert. Dabei reizen die sehr schlank dimensionierten Brettschichtholzstützen und -träger die Fähigkeiten des Baustoffs bewusst aus, um Materialverbrauch und Gewicht zu reduzieren. Auch die Dachkonstruktion ist in Holz konzipiert, ebenso wie die in Holzrahmenbauweise erstellten Außenwände. Tragwerk, Wand- und Deckenelemente wurden größtenteils vorgefertigt angeliefert, was die Kosten reduzierte und die Montagezeit auf der Baustelle erheblich verkürzte. Bekleidet wurden die Fassaden vor Ort mit schwarzer Tannenschalung, während in den Innenräumen die werkseitigen OSB-Platten sichtbar blieben und weiß lasiert sind. Mit ressourcenschonenden Materialien, zurückhaltendem Innenausbau, Tageslicht und solarer Wärme sowie einer Wärmepumpe anstelle einer Heizung mit fossilen Energien setzt das Haus insgesamt auf einen kleinen ökologischen Fußabdruck – im wahrsten Sinn des Wortes bis hin zu den auf ein Minimum reduzierten Betonfundamenten.

This lightweight building, with its minimal ground contact, is suspended on 25 narrow wooden supports above its plot, which borders the railway tracks of the freight station in the Geneva suburb of Lancy. The elevated structure also serves as a roof for the parking space and the entrance to the house. From the all-round glazed entrance – the only sealed surface on the site – a filigree spiral staircase leads up to the residential floor. This is designed as a large open space that is structured by the columns and opens up only with a continuous glass front to the eastern side. It nevertheless appears to be bathed in light: the light bands in the shed roofs provide intense and uniform brightness, reinforcing the loft-like impression of the interior. By using this roof type, the architect Leopold Banchini also refers to the context, the commercial halls along the railway tracks. A glazed patio or conservatory separates the kitchen from the dining space and living area, while at the same time visually connecting them. The private areas to the west can be opened to the main room via sliding doors. The two introverted bedrooms have floor-to-ceiling glazing towards another covered patio that serves as a balcony. Its circular wall opening provides a view of the street and forms a focus in the otherwise closed facade. The square floor plan and spatial organisation follow the load-bearing structure of the timber frame construction, which is based on a 3. 10 × 3. 10 m grid. The very slender gluelaminated timber supports and beams deliberately exploit the capabilities of the building material in order to reduce material consumption and weight. The roof structure is also designed in wood, as are the timber-frame exterior walls. Most of the supporting structure, wall and ceiling elements were prefabricated and delivered to the construction site, which reduced costs and shortened the assembly time on site considerably. The facades were clad on site with black fir boarding, while in the interiors the factory-made OSB panels remained visible and were glazed white. With resource-conserving materials, restrained interior design, daylight and solar heat, as well as a heat pump instead of fossil fuel heating, the house is all about a small ecological footprint – literally down to the concrete foundations, which were reduced to a minimum.

195

CASA CFF NEAR GENEVA, CH

SUSTAINABILITY


Horizontalschnitt Maßstab 1 : 20

Horizontal section Scale 1 : 20

1 2

1 2

Abdeckprofil Holz 10/35 mm Schalung Tanne schwarz lasiert 24/180 mm Lattung/Hinterlüftung 20 mm Holzfaserdämmplatte 20 mm Holzständer 80/160 mm dazwischen Wärmedämmung Glaswolle 160 mm OSB-Platte weiß lasiert 22 mm Stütze Brettschichtholz 120/160 mm Faserzementplatte schwarz gestrichen 15 mm Öffnungsflügel: Dreifachverglasung in Holzrahmen weiß lasiert Pfosten Brettschichtholz 120/120 mm

3 4 5

6

3 4 5

6

1

2 3

4

202

NACHHALTIGKEIT

5

6

CASA CFF BEI GENF, CH

10/35 mm wood cover strip facade construction: 24/180 mm black-glazed fir boarding 20 mm battens/back ventilation 20 mm wood fibre insulation board 80/220 mm timber posts, with 160 mm glass wool insulation between them 22 mm white-glazed OSB 120/160 mm glulam column 15 mm black-painted fibre-cement cladding opening casement: triple glazing in white-glazed wood frame 120/120 mm glulam posts


Minimaler Fußabdruck: Die Wiese läuft unter dem aufgeständerten Haus hindurch. Zwischen den Schlafräumen verströmt eine Loggia mit runder Wandöffnung Zen-Atmosphäre.

203

SUSTAINABILITY

Minimal footprint: the meadow runs under the elevated house. Between the bedrooms, a loggia with a round wall opening exudes a Zen atmosphere.

CASA CFF NEAR GENEVA, CH


204

NACHHALTIGKEIT

CASA CFF BEI GENF, CH


205

SUSTAINABILITY

CASA CFF NEAR GENEVA, CH


Lichterfülltes Passivhaus

LightFilled Passive House

Manfred Lux

240

NACHHALTIGKEIT

PASSIVHAUS IN NEUSÄSS, DE


Ein Passivhaus besonderer Form konzipierte der Architekt Manfred Lux als Wohnhaus für sich und seine Familie in Neusäß-Schlipsheim, einem kleinen Ort westlich von Augsburg. Der weiße Solitär hebt sich zwischen den umgebenden Obstgärten, Bauern- und Wohnhäusern durch seine prismaähnliche, abgeschrägte Gebäudekubatur hervor. Diese zielt auf ein energieoptimiertes Verhältnis von Oberfläche und Volumen ab, mit der Idee, sich der Form einer Kugel anzunähern. In die weiß verputzte Gebäudehülle – eine mit 32 cm dicker Zellulosefaserschicht gedämmte Holzkonstruktion – sind 10 m2 große, dreifach verglaste Öffnungen bündig eingesetzt. Diese gehen auf „Sonnenfang“, um insbesondere im Winter viel Licht und Wärme ins Haus zu holen, unterstützt durch die ebenfalls abgeschrägten Deckenuntersichten. Die solaren Einträge werden vom massiven Gebäudekern aus markant gestockten Sichtbetonwänden und -decken gespeichert. Für das Lüften und zur nächtlichen Auskühlung im Sommer dienen kleine opake Klappen neben den festverglasten Fenstern sowie die großen Schiebetüren im Erdgeschoss. Für moderaten Energieverbrauch sorgt die Kombination von Wärmepumpe, Flächenheizung und mechanischer Belüftung; dabei strömt die vortemperierte Außenluft durch die kleinen, fast unsichtbaren Lochungen der Dielen in die Räume. Das Wohnhaus verbindet die Effizienz eines Passivhauses mit architektonischer Finesse und räumlicher Großzügigkeit. Der polygonale Grundriss sowie die strahlenförmig angeordneten Innenwände weiten die Räume des kompakten Baukörpers, dessen Grundfläche rund 10 × 10 m beträgt. Durch den Verzicht auf einen Windfang wirkt der Eingangsbereich wie eine Halle, die über eine Stufe zum Wohnraum hinunterführt. Dieser ist zwar an seiner schmalsten Stelle nur 2, 10 m breit, erscheint durch seinen Zuschnitt und die Öffnung zu Halle, Küche und Esszimmer jedoch wesentlich größer. Das lichte Raumkontinuum setzt sich auch nach oben fort. Über eine minimalistische Treppenskulptur aus in die Betonwände montierten Stufen gelangt man zu den Privatbereichen. In jedem Zimmer bietet eine wandgroße Verglasung den unmittelbaren Bezug zur Umgebung, und der Blick über die Obstbäume erscheint wie ein naturalistisches Gemälde. Die Fülle an Tageslicht und die wandernden Sonnenstrahlen prägen die Atmosphäre in den Räumen ebenso wie die kräftigen und kontrastvollen Oberflächen des teils glatten, teils in hoher handwerklicher Qualität gestockten Sichtbetons. Den warmtonigen Gegenpart dazu bilden die homogenen Wandbekleidungen und Parkettböden aus weiß geölter Eiche.

Architect Manfred Lux designed a special form of passive house as a residence for himself and his family in Neusäß-Schlipsheim, a village west of Augsburg. The detached white building stands out among the surrounding orchards, farmhouses and residential buildings thanks to its prism-like, bevelled shape. This aims at an energy-optimised relationship between the surface and the volume, with the idea of approximating the shape of a sphere. In the white-plastered building envelope – a wooden construction insulated with a 32-cm thick cellulose fibre layer – 10 m2 triple-glazed openings are set flush. These “catch the sun” to bring plenty of light and warmth into the house, especially in winter, supported by the similarly sloped soffits. The solar input is stored by the solid building core of striking, bush-hammered exposed concrete walls and ceilings. Small, opaque flaps next to the fixedglazed windows and the large sliding doors on the ground floor are used for ventilation and night-time cooling in summer. Moderate energy consumption is ensured by the combination of a heat pump, panel heating and mechanical ventilation; the pre-tempered outside air flows into the rooms through small, almost invisible perforations in the floorboards. The residential building combines the efficiency of a passive house with architectural finesse and spaciousness. The polygonal floor plan and the radially arranged interior walls widen the rooms of the compact structure, which has a floor area of around 10 × 10 metres. By dispensing with a vestibule, the entrance area appears like a hall, from which it is one step down to the living room. Although this is only 2. 10 m wide at its narrowest point, it appears much larger due to its layout and its opening up to the hall, kitchen and dining room. The luminous spatial continuum also carries on upwards. A minimalist stair sculpture made of steps mounted in the concrete walls leads to the private areas. In each room, wall-sized glazing provides a vantage point on the surroundings, while the view over the fruit trees appears like a naturalistic painting. The abundance of daylight and the wandering rays of sunlight shape the atmosphere inside just as much as the strong and contrasting surfaces of the exposed concrete, which is partly smooth and partly bush-hammered to a high degree of workmanship. The homogeneous wall coverings and parquet floors of white oiled oak form a warm counterpart.

241

RESIDENTIAL BUILDING IN NEUSÄSS, DE

SUSTAINABILITY


Dachlandschaft mit Raumgewinn

Roofscape with Space Gain

Leth & Gori

270

UMBAU UND SANIERUNG

FAMILIENDOMIZIL IN FREDENSBORG, DK


Einen Bungalow aus den 1960er-Jahren in Fredensborg, rund 40 km nördlich von Kopenhagen, transformierten die Architekten Leth & Gori zu einem lichtdurchfluteten Familiendomizil. Das in die Jahre gekommene Bestandsgebäude mit U-förmigem Grundriss, Flachdach und roten Ziegelfassaden entsprach weder den energetischen Anforderungen noch den Raumvorstellungen der Bauherrenfamilie mit drei Kindern. Doch für das weitläufige Grundstück mit altem Baumbestand ließen die Bauvorschriften weder ein Obergeschoss noch eine Erweiterung in der Fläche zu. Die Architekten entwickelten daraufhin ein individuelles Konzept für mehr Raum und Atmosphäre: Mit fünf Dachaufbauten unterschiedlicher Größe schaffen sie nicht nur insgesamt 35 m2 zusätzliche Wohnfläche, sondern nutzen das Tageslicht auch als architektonisches Gestaltungsmittel. Zwei der als leichte Holzkonstruktion auf das Flachdach gesetzten „Hauben“ vergrößern die Kinderzimmer mit Spielflächen und Schlafemporen, eine weitere über dem Elternschlafzimmer dient als Arbeitsgalerie. Über die Oberlichtverglasungen strömt eine Fülle von Zenitlicht in die Räume, ebenso durch die Lichttrichter über dem Wohnbereich. Die neuen „Skylights“ beleben das gesamte Innere des Hauses durch die sich stets verändernden Lichtstimmungen und den Blick in Baumkronen und Wolken. Im Äußeren entsteht eine vielgestaltige Dachlandschaft, die durch die Hülle aus schwarzen Bitumenbahnen zu einer Einheit verbunden ist. Der Bestand wurde energetisch saniert und erhielt eine stärkere Wärmedämmung. Zugleich gestalteten die Architekten auch die Ziegelwände neu und ersetzten die Vormauerung aus roten Backsteinen durch anthrazitfarbene Klinker, die dem Gebäude ein elegantes Erscheinungsbild verleihen. Nahtlos verschränken die nun vollständig aufgeglasten Hoffassaden innen und außen miteinander. Auch die Räume auf der Ostseite öffnen sich großzügig mit neuen raumhohen, schmalen Fenstern zum Vorgarten. Die klaren, wie mit dem Messer geschnittenen Konturen und die konsequent gestalteten Details unterstreichen den skulpturalen Charakter des Hauses ebenso wie der Kontrast zwischen den schwarzen Außenflächen und dem hellen Interieur. In enger Abstimmung mit den Architekten trugen die Bauherren durch einen erheblichen Anteil an Eigenleistung dazu bei, dass trotz des knappen Budgets eine hohe räumliche und gestalterische Qualität realisiert werden konnte.

Architects Leth & Gori transformed a 1960s bungalow in Fredensborg, about 40 km north of Copenhagen, into a family home flooded with light. The ageing existing building with its U-shaped floor plan, flat roof and red brick facades met neither the current energy requirements nor the spatial ideas of the client’s family with three children. However, the building regulations for the spacious plot with its old trees did not allow for an upper storey or an extension of the layout. The architects then developed an individual concept for more space and ambience: with five roof extensions of different sizes, they not only created a total of 35 m2 of additional living area, but also employed daylight as an architectural design element. Two of the “bonnets” placed on the flat roof as a light wooden construction extend the children’s rooms with play areas and sleeping galleries, while another one above the master bedroom serves as a working gallery. An abundance of zenith light streams into the rooms via the skylight glazing, as it does from the light funnels above the living area. The new skylights enliven the interior of the entire house with ever-changing light moods and the view of treetops and clouds. On the outside, a multifaceted roofscape was created, unified by the envelope of black bitumen sheeting. The existing building was renovated to improve its energy efficiency and given thicker thermal insulation. The architects also redesigned the brick walls and replaced the facing of red bricks with anthracite-coloured clinker bricks, which give the building an elegant appearance. The now completely glazed courtyard facades seamlessly interlace the inside and outside. The rooms on the east side also open up generously to the front garden with new narrow, floor-to-ceiling windows. The clear-cut contours and the consistently designed details emphasise the sculptural character of the house, as does the contrast between the black exterior surfaces and the bright interior. In close coordination with the architects, the clients contributed a considerable amount of their own work to ensure that a high level of spatial and design quality was achieved despite the tight budget.

271

FAMILY HOME IN FREDENSBORG, DK

CONVERSION AND REFURBISHMENT


Standort

Fredensborg, DK

Location

Fredensborg, DK

Bauherr

Privat

Client

Private

Fertigstellung

2014

Completion

2014

Konstruktion

Umbau und Erweiterung eines Hauses aus den 1960er-Jahren

Structure

Conversion of and extension to a house from the 1960s

Material

Giebelfassaden: transluzente, hochdämmende Polycarbonatplatten (TWD), U= 0,74W/m2K; Dach: EPDM-Abdichtung mit integrierter Photovoltaik

Material

Gable facades: translucent, highly insulating polycarbonate panels (TIM), U= 0.74W/ m2K; roof: EPDM sealing with integrated photovoltaics

Bruttogeschossfläche (BGF)

Gesamt: 285 m2 (Bestand: 250 m2, Erweiterung: 35 m2)

Gross floor area (GFA)

285 m2 total (250 m2 existing, 35 m2 extension)

Baukosten pro m2 (ohne Architektenhonorare und Grundstückskosten)

ca. 1000 €

Construction cost per m2 (without architect’s fees and land costs)

approx. EUR 1, 000

Axonometrie ohne Maßstab Axonometric not to scale

Energetische Sanierung mit räumlichem Mehrwert: Fünf Dachaufsätze transformieren den Bungalow aus den 1960er-Jahren in ein lichtdurchflutetes Familiendomizil. Sie öffnen die Räume nach oben und schaffen Schlafemporen und eine Arbeitsgalerie.

272

UMBAU UND SANIERUNG

Energetic renovation with added spatial value: five roof extensions transform the bungalow from the 1960s into a family home flooded with light. They open the rooms upwards and create sleeping galleries and a working gallery.

FAMILIENDOMIZIL IN FREDENSBORG, DK


Schnitte Grundrisse Maßstab 1 : 250

Sections Layout plans Scale 1 : 250

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10

Eingang Diele Küche Wohnen/Essen Hauswirtschaftsraum Kinderzimmer Ankleide Schlafen Schlafempore Arbeitszimmer

Entrance Pantry Kitchen Living/dining Utility room Child’s bedroom Dressing Bedroom Sleeping gallery Study

bb

aa

1

5

b

6

6 9

a

a

3

9

2

6 7

8

4

10

Erdgeschoss Ground floor

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b

CONVERSION AND REFURBISHMENT

Dachgeschoss Attic

FAMILY HOME IN FREDENSBORG, DK


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UMBAU UND SANIERUNG

FAMILIENDOMIZIL IN FREDENSBORG, DK


1

2

3

3 4

5 6

Vertikalschnitt Maßstab 1 : 20

Vertical section Scale 1 : 20

1

1

2

3 4 5 6

7

7

275

CONVERSION AND REFURBISHMENT

Oberlicht: Isolierverglasung in Aluminiumprofil auf Holzrahmen gedämmt Bitumenbahn zweilagig Holzschalung Nut und Feder 21 mm Sparren Kantholz 245 mm   Wärmedämmung Mineralwolle 200 mm Sperrholzplatte 22 mm Dampfsperre Wärmedämmung Mineralwolle 45 mm Gipskartonplatte 2× 12, 5 mm Blechverwahrung Zink anthrazitfarben Balken BSH 140/200 mm Dachbalken entfernt Vormauerschale Wasserstrichziegel anthrazitfarben 228/108/54 mm Luftschicht 24 mm Windpappe Wärmedämmung Mineralwolle 120 mm Dampfsperre Porenbeton 70 mm (Bestand) Gipskartonplatte 2× 12, 5 mm Bodenbelag Diele Esche 21 mm

2

3 4 5 6

7

skylight: double glazing in aluminium profile on wood frame, insulated bituminous sheeting, two layers 21 mm tongue-and-groove boarding 245 mm squared timber/ 200 mm mineral wool thermal ins. 22 mm plywood board vapour barrier 45 mm mineral wool thermal insulation 2× 12. 5 mm plasterboard zinc flashing, dark grey 140/200 mm glue-laminated timber beam roof beam (removed) 228/108/54 mm water struck brick veneer, dark grey 24 mm air space; house wrap 120 mm mineral wool thermal ins. vapour barrier 70 mm aerated autoclaved concrete (existing) 2× 12. 5 mm plasterboard flooring: 21 mm ash planks

FAMILY HOME IN FREDENSBORG, DK


Schwebende Plattformen hinter denkmalgeschützter Fassade: Das Stadthaus in Olot wurde komplett entkernt. Mit der neuen frei stehenden Stahlkonstruktion entwickelt sich eine bis unter das Dach offene Wohnlandschaft auf versetzten Ebenen.

Floating platforms behind a listed facade: the townhouse in Olot was completely gutted. With the new freestanding steel construction, a living landscape has been created on staggered levels that is open right up to the roof.

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WOHNHAUS IN OLOT, ES

UMBAU UND SANIERUNG


291

CONVERSION AND REFURBISHMENT

RESIDENTIAL BUILDING IN OLOT, ES


IMPRESSUM IMPRINT Herausgeberin  Editor Sandra Hofmeister

Herstellung  DTP Roswitha Siegler Reproduktion  Reproduction ludwig:media, Zell am See (AT)

Autoren und Autorinnen  Authors Wolfgang Bachmann, Claudia Fuchs (Projekttexte project texts), Sandra Hofmeister, Heide Wessely

Druck und Bindung  Printing and binding Eberl & Kösel GmbH & Co. KG, Altusried-Krugzell (DE)

Projektleitung  Project management Michaela Busenkell

Papier (Innenseiten)  Paper (inner pages) Kamiko Fly shira

Übersetzung ins Englische  Translation into English Julian Jain, Berlin (DE) Lektorat Deutsch  Copy editing German Jana Rackwitz, München Munich (DE) Lektorat Englisch  Copy editing English Stefan Widdess, Berlin (DE) Schlusskorrektur Deutsch  Proofreading German Sandra Leitte, Valley City (US) Schlusskorrektur Englisch  Proofreading English Meriel Clemett, Bromborough (GB) Gestaltung  Design Wiegand von Hartmann GbR, München Munich (DE) Sophie von Hartmann, Moritz Wiegand, Sabrina Baumann Zeichnungen  Drawings Detail Business Information GmbH, München Munich (DE) Redaktionelle Mitarbeit  Editorial assistance Charlotte Petereit

Die für dieses Buch verwendeten FSC-zertifizierten Papiere werden aus Fasern hergestellt, die nachweislich aus umwelt- und sozialverträglicher Herkunft stammen. The FSC-certified paper used for this book is manufactured from fibres originating from environmentally and socially compatible sources. © 2021, 1. Auflage 1 st edition DETAIL Business Information GmbH, München Munich (DE) detail.de detail-online.com ISBN (Print) 978-3-95553-554-4 ISBN (E-book) 978-3-95553-555-1 Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Die dadurch begründeten Rechte, insbesondere die der Übersetzung, des Nachdrucks, des Vortrags, der Entnahme von Abbildungen und Zeichnungen, der Funksendung, der Mikroverfilmung oder der Vervielfältigung auf anderen Wegen und der Speicherung in Datenverarbeitungsanlagen, bleiben, auch bei nur auszugsweiser Verwertung, vorbehalten. Eine Vervielfältigung dieses Werks oder von Teilen dieses Werks ist auch im Einzelfall nur in den Grenzen der gesetzlichen Bestimmungen des Urheberrechtsgesetzes in der jeweils geltenden Fassung zulässig. Sie ist grundsätzlich vergütungspflichtig. Zuwiderhandlungen unterliegen den Strafbestimmungen des Urheberrechts. This work is subject to copyright. All rights reserved, whether relating to the material in whole or part, specifically the rights of translation, reprinting, recitation, re-use of illustrations and drawings, broadcasting, reproduction on microfilms or in other ways and storage in data processing systems. Reproduction of any part of this work in individual cases, too, is only permitted within the limits of the provisions of the valid edition of the German Copyright Act. A charge will be levied. Infringements will be subject to the penalty clauses of the German Copyright Act. Bibliographische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliographie; detaillierte bibliographische Daten sind im Internet über dnb.d-nb.de abrufbar. Bibliographical information published by the German National Library: The German National Library lists this publication in the Deutsche Nationalbibliographie; detailed bibliographical data is available on the Internet at dnb.d-nb.de.


Ein eigenes Haus im Grünen? Davon träumen viele Menschen, denn so ein Zuhause mit Garten ist immer auch ein Versprechen für individuelle Freiräume. Trotzdem müssen wir die Gewissensfrage stellen: Ist es noch sinnvoll angesichts der zunehmenden Flächenversiegelung und des eklatanten Klimanotstands ein Eigenheim zu bauen? In diesem Buch sind 26 Häuser vorgestellt, die eine Balance zwischen individuellen Träumen und ökologisch sinnvoller Architektur suchen. Die umfassenden Dokumentationen zeigen konkrete Lösungen, die das Haus in sein Umfeld einbetten, regionale Ressourcen nutzen und Bautraditionen neu interpretieren. Wohnqualitäten entstehen dabei durch gekonnte Details und ausgewählte Materialien. Durch Grundrisse, die auf einen langen Lebenszyklus ausgerichtet sind und die Lage im Grünen mit bedachten ökonomischen und ökologischen Mitteln nutzen. Your own house in the countryside? This is a dream many people have since such a home with a garden is also a promise of individual freedom. Nevertheless, we have to address a matter of conscience: Does it still make sense to build one’s own house in the face of increasing land sealing and the glaring climate emergency? This book presents 26 houses that seek a balance between individual dreams and ecologically sensible architecture. The comprehensive documentation shows specific solutions that embed each house in its environment while using regional resources and reinterpreting building traditions. Dwelling quality is created through skilful details and selected materials, as well as floor plans that are designed for a long life cycle and utilise the countryside location with prudent economic and ecological means.

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