Kunst und Peripherie / dérive – Zeitschrift für Stadtforschung, Heft 86 (1/2022)

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Jan — Mar 2022 No 86

Zeitschrift für Stadtforschung

dérive

dérive

KUNST UND PERIPHERIE

dérive

ISSN 1608-8131 9 euro


Editorial

Normal – Direkter Urbanismus x 4 heißt ein Projekt, das transparadiso, das sind Barbara Holub und Paul Rajakovics, im Rahmen von Graz Kulturjahr 2020 umgesetzt haben. Das Kulturjahr war für sie »eine außergewöhnliche Chance, um relevante Themen von Stadtentwicklung an den Rändern, in ›peri-urbanen‹ Räumen, zu behandeln, die – obwohl die Mehrheit der Bevölkerung in solchen Räumen lebt – kaum im Planungsinteresse liegen«. Barbara Holub und Paul Rajakovics sind seit vielen Jahren für das Kunstinsert in dérive redaktionell verantwortlich und arbeiten im Kunst- und Architekturkontext an urbanen Themenstellungen. Zu Beginn des Projekts vor zwei Jahren (siehe dérive 79) haben die beiden einen ersten Beitrag in dérive als Vorschau auf Normal veröffentlicht. Nun, nach Abschluss des Projekts, haben wir ein ausführliches Interview zu ihrer Arbeit geführt. Transparadisos künstlerischurbanistische Auseinandersetzung mit der Grazer Peripherie nahmen wir zum Anlass, einen Schwerpunkt zusammenzustellen, der ähnliche Projekte in mehreren Städten gemeinsam vorstellt und Texte bringt, die sich der Thematik Stadtrand, Kunst und Kultur widmen. Das Thema Peripherie ist nur eines, das transparadiso mit Normal – Direkter Urbanismus x 4 anvisiert haben. Wie der Titel schon verrät, spielten Normalität und damit Normsetzungen und Differenz eine wichtige Rolle. Wie sieht ein ›normales‹ Leben, ein ›normales‹ Wohnen (am Stadtrand) aus und wer bestimmt, was ›normal‹ ist? Wie verhält sich die Kunst zum Unspektakulären der Normalität? Ausgelöst hat dieses Nachdenken das Motto des Grazer Kulturjahres: Wie wir zusammen leben wollen? Ein Autor, der sich schon viele Jahre mit dem Thema Peripherie und Kunst beschäftigt, ist der römische Kurator Giorgio des Finis. Er stellt in seinem Beitrag Die Stadt durch das Museum denken Museumskonzepte an der römischen Peripherie vor, die »als Gegenmaßnahme zum fortschreitenden Abbau des öffentlichen Raums« einen Begriff von Stadt vorschlagen, der »das ›Leben‹ in den Mittelpunkt stellt, das urbane Ökosystem als Gemeingut betrachtet und gegen die Idee einer Stadt kämpft, die nur der Ausbeutung und dem Profit dient«. Das reicht vom Museo delle periferie (RIF), das ein »Ort der Begegnung, der Verdichtung und Zusammenarbeit« im Stadtteil sein will, bis zum Museo dell’Altro e dell’Altrove (MAAM; dt: das Museum des Anderen und des Anderswo), das in einem besetzten Hausprojekt ansässig ist, dessen Schutz Ziel des Museums ist.

Nach der dritten Brücke über den Bosporus und dem neuen Flughafen von Istanbul ist der Istanbul-Kanal das nächste Megaprojekt, das Recep Tayyip Erdoğan gegen alle vor allem ökologischen Bedenken in Istanbul umsetzen will. Der Künstler Serkan Taycan hat bei der Istanbul Biennale 2013 das künstlerische Projekt Between Two Seas gestartet, das eine Wanderung entlang der 60 km langen prognostizierten Strecke des Kanals umfasst, um den Teilnehmer*innen diese bei vielen Stadtbewohner*innen wenig bekannte Region in der Peripherie von Istanbul nahezubringen. »In diesem Sinne ist das Gehen eine Suche nach Wissen, ein Akt der Solidarität und ein Akt des Widerstands«, schreiben die beiden Architekturwissenschaftlerinnen Ipek Türeli und Meltem Al in ihrem Beitrag über Taycans Projekt. Die Ungleichbehandlung von Zentrum und Peripherie, was die Versorgung mit Kultureinrichtungen anbelangt, reicht im Osten Deutschlands in die Zeiten der DDR zurück. Zwar fehlte es selten an großen Plänen, zur Umsetzung kam es jedoch zumeist nicht. »Wie in den Neustädten Schwedt, Hoyerswerda oder Hellersdorf wurden auch in Halle-Neustadt keine prägnanten Kulturbauten realisiert, allerdings die damals größte Kaufhalle der DDR«, schreibt der Berliner Autor und Kurator Jochen Becker in seinem Beitrag, der diesen Mangel bis in die Gegenwart diagnostiziert. Beckers Text pendelt zwischen Einblicken in die Planung der Großsiedlungen der DDR, der künstlerischen Auseinandersetzung mit ebendiesen nach Ende der DDR und einem Hinweis auf die station urbaner kulturen, einem aktuellen diskursiven Veranstaltungs- und Ausstellungsraum im Berliner (Rand-)Bezirk Hellersdorf, an dem er beteiligt ist. Im Magazinteil setzt Ursula Maria Probst mit ihrer Interviewserie zur Kunst im öffentlichen Raum fort. Für diese Ausgabe hat sie mit Cornelia Offergeld, der neuen Kuratorin von KÖR Wien, über soziale Verantwortung in der Kunst, Individualität und Kollektivität, Stadtgeschichte, Migration und Nachbarschaft und selbstverständlich über ihre kommenden Themenschwerpunkte gesprochen. Der zweite Beitrag des Magazinteils kommt noch einmal zurück nach Graz und erinnert uns an ein wegweisendes Hausprojekt, das gemeinschaftliches und selbstbestimmtes Wohnen im Gemeindebau ermöglicht hat. Es handelt sich dabei um das 1987 eröffnete Haus für Studenten am Grazer Lendplatz, das über drei Jahrzehnte von Student*innen selbstorganisiert bewohnt wurde. Jomo Ruderer hat sich im Zuge seiner Diplomarbeit nicht nur mit der Geschichte des Objekts beschäftigt, sondern auch über neue Nutzungsmodelle nachgedacht. Für das Kunstinsert dieser Ausgabe kombiniert die in Paris lebende Künstlerin Tiphaine Calmettes Bilder aus ihrem Atelier zu einem ausschnitthaften Bildatlas. »In ihren Objekten, Installationen und sozialen Ereignissen«, schreibt Andreas Fogarasi in seinem Text zum Insert, »provoziert [sie] Entropie und Kontrollverlust und beweist dennoch eine große Sensibilität für die Möglichkeiten künstlerischer Form«. Eine anregende Lektüre wünscht Christoph Laimer

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»In einem Post-

Gezi-Istanbul ist die

Besetzung öffentlicher

Räume aus Protest gegen die Regierung fast unmöglich geworden, was alternative künstlerische und aktivistische Praktiken umso

wichtiger macht.« Ipek Türeli & Meltem Al, S. 19

ANGEBOT: ABONNEMENT + BUCH* 8 Ausgaben (2 Jahre) dérive um 56,–/75,– Euro (Österr./Europa) inkl. ein Exemplar von:

Stephan Lanz Das Regieren der Favela: Gewaltherrschaft, Populärkultur und soziale Kämpfe in den Peripherien von Rio de Janeiro Bielefeld: transcript 412 Seiten, 49 Euro

Bestellungen an: bestellung@derive.at *Solange der Vorrat reicht

dérive Zeitschrift für Stadtforschung

www.derive.at


Inhalt 01 Editorial CHRISTOPH LAIMER Schwerpunkt 04—11 Die Normalität von VIELFALT und Einfalt in städtischen PERIPHERIEN Gespräch über ein Kunstprojekt an den Rändern von Graz BARBARA HOLUB & PAUL RAJAKOVICS (TRANSPARADISO), CHRISTOPH LAIMER 12—16 Die STADT durch das MUSEUM neu denken GIORGIO DE FINIS 17—24 Wandern in der PERIPHERIE Aktivistische Kunst und städtischer Widerstand gegen Megaprojekte in Istanbul IPEK TÜRELI, MELTEM AL 25—31 REIZ der PAMPA Großsiedlungen und urbane Kulturen JOCHEN BECKER

Magazin 37—42 Gemeinschaftliches und selbstbestimmtes Wohnen im Gemeindebau Vergangenheit und Zukunft eines Grazer Pilotprojekts JOMO RUDERER 43—46 Öffentliche Kunst am Schnittpunkt von Kunst, Gesellschaft und Politik CORNELIA OFFERGELD, URSULA MARIA PROBST Besprechungen 47—54 Urbane Räume in der plattformbasierten Organisation sozialer Reproduktion S. 47 Solidarität unter Nicht-Gleichen S. 48 Jenseits des Spektakulären S. 49 De-Tours – Wie Film urbanen Raum produziert S. 50 Europa macht Platz S. 52 Trotzdem – »Theater als Chance, das Leben wirklich zu sehen« S. 53 Bad Gastein 2.0 – es wird wieder nach Gold gegraben S. 55 60 IMPRESSUM

Kunstinsert 32—36 Tiphaine Calmettes Une petite histoire entre nous, arrangements #1,2,3,4 ANDREAS FOGARASI

– dérive – Radio für Stadtforschung Jeden 1. Dienstag jeden zweiten Monat von 17.30 bis 18 Uhr in Wien auf ORANGE 94.0 oder als Webstream http://o94.at/live. Sendungsarchiv: https://derive.at/radio

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BARBARA HOLUB & PAUL RAJAKOVICS / CHRISTOPH LAIMER

Die Normalität von VIELFALT PERIPHERIEN

Gespräch über ein Kunstprojekt in Graz

Schwerpunkt

»Wie wir leben wollen« lautete das Motto des Grazer Kulturjahres 2020, das sich coronabedingt weit bis ins Jahr 2021 zog. transparadiso, das sind Barbara Holub und Paul Rajakovics, haben mit ihrem Projekt NORMAL – Direkter Urbanismus x 4 daran teilgenommen. Dabei spielte die Grazer Peripherie und die ebenso rasante wie ungehemmte profitorientierte Entwicklung, die sie erfährt, eine wichtige Rolle. transparadiso wählten vier Bezirke am Stadtrand und luden drei internationale Teams ein, an diesen Orten kontextspezifische Projekte umzusetzen. Fokus des Projekts war die Frage nach der Normalität von Zu- und Umständen und eine Kritik eines effizienzgetriebenen, rein funktionalistischen Handelns. Im von Christoph Laimer geführten Gespräch geht es neben dem Grazer Projekt auch um das Selbstverständnis und die Arbeitsweise von transparadiso sowie die Möglichkeiten und Maßstäbe künstlerischen und urbanistischen Handelns.

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dérive: In eurer Arbeit spielt das Thema Peripherie schon lange eine wichtige Rolle. Für euer jüngstes Projekt Normal – Direkter Urbanismus x 4 habt ihr vier Orte am Grazer Stadtrand gewählt. Stadtränder können sehr vielfältig sein: Vom Villenviertel oder Einfamilienhaussiedlungen über Gewerbezonen bis zu Massenwohnbauten und Großsiedlungen. Was interessiert euch in eurer künstlerischen Arbeit am Thema Peripherie und welche Orte habt ihr in Graz für Normal ausgewählt? Paul Rajakovics: Die Differenz der Situationen am Stadtrand und die dort rapid voranschreitenden Transformationsprozesse – das waren die eigentlichen Ausgangspunkte. Wie sich der Stadtrand entwickelt und welche Gesellschaftsschichten dort wohnen. Das Interessante an der Peripherie in Graz ist, dass, wenn man von Liebenau absieht, alle Bezirke Mittelstandsbezirke sind oder von der Oberschicht bewohnt werden. Es ist ein Grazer Spezifikum, dass es am Stadtrand wenige Gegenden gibt, die klassischen Arbeitervierteln entsprechen. Ausnahmen sind wie gesagt Liebenau und Teile von Straßgang. Barbara Holub: Man muss Normal im Kontext des Calls zum Graz Kulturjahr 2020 und der Aufforderung an die Kunstszene sehen, tatsächlich eine Vision für die Zukunft einer Stadt zu entwickeln. Da haben wir uns natürlich gefragt: Wo sind die Orte in Graz, die üblicherweise keine Aufmerksamkeit bekommen? Und wo finden derzeit die massivsten Transformationsprozesse statt, die gleichzeitig wenig diskutiert werden? Es gibt in Graz zwar immer wieder einzelne kleine Protestbewegungen, aber letztendlich bleibt die Gesamtthematik der ungehinderten Umwidmung und Zerstörung von Landschaftsflächen, von alteingesessenen Strukturen, der Auslöschung von Wirtshäusern als informellen Treffpunkten und einer stattdessen maximalen Ausnutzung mit schickem neuen Wohnbau größten-

Graz, Stadtrand, Transformation, Widmungen, Luxuswohnbau, Sozialleben, Urbanismus, Planung, künstlerische Interventionen, Normalität

und Einfalt in städtischen


GIORGIO DE FINIS

Die STADT durch das

MUSEUM neu denken Peripherie, Museum, Rom, Gemeingut, öffentlicher Raum, Kooperation, Solidarität, Selbstorganisation

Die Mondrakete im MAAM. Foto — Space Metropoliz

Es mag seltsam anmuten, das Thema ›Recht auf Stadt‹ anzugehen, indem man sich Museen anschaut. Sind Museen, insbesondere jene, die seit dem Bilbao-Effekt erbaut wurden, denn nicht die Leuchttürme weltweit konkurrierender Städte, die neuen NichtOrte der Spektakelkultur, geschaffen von globetrottenden (und häufig zu regelrechten Markennamen gewordenen) Architekt*innen, um Massentourismus anzuziehen und das Prestige und letztlich den Immobilienwert von Metropolen zu steigern?

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IPEK TÜRELI / MELTEM AL

Wandern in

der PERIPHERIE

Aktivistische Kunst und städtischer Widerstand gegen Megaprojekte in Istanbul Megaprojekte, Istanbul, Kanal, Erdoğ an, Gezi, Gehen, Peripherie, Ökologie, Kunst, Marmarameer, Schwarzes Meer, Bosporus, Neoliberalismus, Widerstand

Die Streckenführung des Istanbul-Kanals; Plan: Randam (CC BY-SA 4.0)

Serkan Taycan, Landkarte Between Two Seas.

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Serkan Taycans gut 60 km lange Between-Two-Seas-Tour verbindet das Schwarze Meer mit dem Marmarameer. Sie führt durch Landschaften, die nur wenige Einheimische und noch weniger Besucher*innen jemals zu Gesicht bekommen. Foto — Jennifer Hattam.


JOCHEN BECKER

REIZ der PAMPA

Großsiedlungen und urbane Kulturen Großsiedlung, New Towns, DDR, Stadtgeschichte, Kunst, Peripherie, Zentrum, Berlin, Hellersdorf, Halle-Neustadt, Leipzig, Infrastruktur

Postkarte Halle Neustadt (1976): Frauenbrunnen, Fußgängerbrücke, Magistrale. (Sludge G)

Die subtropische Grassteppe im südöstlichen Südamerika wird Pampa genannt. Wirtschaftlich gesehen ist die Pampa mit ihren fruchtbaren Böden Kernland für Argentiniens Landwirtschaft, wo vor allem die Rinder- und Pferdezucht dominiert. Im übertragenen Sinne wird eine dünn besiedelte, einsame, abgelegene Gegend als Pampa bezeichnet – das sei ja mitten in der Pampa. So klingt es auch, wenn Leute aus der Innenstadt über das am östlichen Standrand Berlins gelegene Hellersdorf sprechen. In Wirklichkeit kennen sie die Außenstadt nicht. Es sei denn, sie haben dort gegen Nazis demonstriert, pendeln zur Alice Salomon Hochschule oder haben 2017 die Internationale Gartenausstellung besucht. »Die Bürger gestalten ihre Stadt tätig mit«. Stele in: Aufbauhelfer von Rudolf Hilscher, Halle-Neustadt 1975; Foto — Bettenburg, Gerardus (CC BY-SA 2.0)

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Kunstinsert Tiphaine Calmettes Une petite histoire entre nous, arrangements #1,2,3,4 Tiphaine Calmettes gehört zu einer Generation von Künstler*innen, die sich nicht damit zufrieden geben, die Auswirkungen der Moderne auf die Welt kritisch (oder nostalgisch) zu betrachten. Ihre Arbeit begibt sich direkt in die Untiefen vormoderner Aktivität. Sie vollzieht natürliche Prozesse nach, töpfert, bäckt Brot, gräbt in die Erde, bearbeitet Lehm, Teig und Pflanzen mit ihren Händen und ihrem Körper, erforscht die Verbindungen zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Lebensformen. In ihren Objekten, Installationen und sozialen Ereignissen provoziert sie Entropie und Kontrollverlust und beweist dennoch eine große Sensibilität für die Möglichkeiten künstlerischer Form. Sie schreibt über ihre Arbeit: »Through a gustatory reading, I approach the ritual of food absorption to reveal senses, in order to put forward the sensitivity of a shared experience, to give a shape to the words and a voice to what lives in us. I attend to bring a temporality to the objects, wishing to animate them with a vital force thus engaging sensory relations with the bodies in contact. I manipulate form by confronting them with space, bodies and elements in a dialogue written through time: to create open narratives, to imagine together new meanings once again where it seems that we have lost it.« Für ihren Beitrag für dérive kombiniert Tiphaine Calmettes Bilder aus ihrem Atelier zu einem ausschnitthaften Bildatlas. Installationsdetails, Materialtests, ungebrannte Tonobjekte, Bilder aus ihren Literaturrecherchen und missglückte Brennversuche gruppieren sich vor ganzseitigen Hintergründen zu theatralischen Tableaus. Die Hintergründe zeigen transitorische Momente aus der Arbeit, mit dem Mobiltelefon festgehalten und teilweise auf Instagram veröffentlicht: frischer Ton, ein Betonrelief, feuchte Erde auf einer Plastikplane. Sie interessiert sich für Material im Stadium der Transformation und zeigt auch Requisiten und Hilfsmittel – die Tannenzapfen etwa verwendet sie, um Strukturen in den Ton zu prägen. Neben den Keramikteilen liegen Brotkrusten – kaum unterscheidbar, weil beide erdgleich, während die nachgebildeten Körperteile jener der amerikanischen Spielzeugfigur Mr. Potato Head angelehnt sind (die von seinem Erfinder George Lerner zum Aufstecken auf echtes Obst und Gemüse gedacht war). Die verschiedenen Gefäße, Schalen oder Löffel entstehen oft nebenbei, oder Calmettes verwendet sie für ihre gastronomischen Performances. Der Destillator etwa, als gleichsam alchimistisches Objekt kam anlässlich ihres Aufenthalts auf der Île de Vassivière zum Einsatz, wo sie das Wasser des umliegenden Sees destilliert und den Besucher*innen zum Trinken angeboten hat – damit diese die Landschaft symbolisch in sich aufnehmen. Tiphaine Calmettes wurde 1988 geboren und lebt in Paris. Im Jahr 2021 absolvierte sie Residencies — jeweils in Verbindung mit Ausstellungen — am Centre international d’art du paysage Île de Vassivière, sowie am Crédac – Centre d’art contemporain d’Ivry-sur-Seine bei Paris. Von 19. Mai bis 23. Juli 2022 ist eine Einzelausstellung im Bétonsalon – Centre d’Art et de Recherche, Paris geplant. instagram.com/tiphainecalmettes Andreas Fogarasi

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JOMO RUDERER

Gemeinschaftliches und selbst-

bestimmtes WOHNEN im Gemeindebau

Magazin

Gemeindebau, Graz, Selbstverwaltung, Wohnungsmarkt, Wohnbauforschung, Student*innenheim, Architektur, Wohngemeinschaften, Konzeptverfahren, Nutzungskonzept

Lendplatzseitige Ansicht nach Fertigstellung, 1987; Foto — Volker Giencke & Company

Gegenüber dem Grazer Stadtzentrum am rechten Murufer liegt der einstige Murvorstadt-Bezirk Lend. Der ehemalige Arbeiterbezirk wandelte sich seit den 1990er Jahren zu einem beliebten Wohnbezirk und einem kulturell vielfältigen Stadtraum, der auch Aspekte der Gentrifizierung aufweist. Mitten im Bezirk, am Lendplatz bewohnten Studierende selbstorganisiert und gemeinschaftlich über drei Jahrzehnte ein ganzes Haus. Es handelte sich um einen einmaligen Versuchsbau, der in seiner Umsetzung ein Vorzeigebeispiel für gemeinschaftliches, selbstbestimmtes Wohnen im kommunalen Wohnbau ist. Die langjährige Nutzung als selbstorganisiertes Haus für Studenten stellt sich als konkrete Utopie im Gemeindebau dar, da kommunales Eigentum mit Selbstorganisation verbunden wurde.

Damit wurden wesentliche strukturelle Aspekte der Sozialutopien des 19. Jahrhunderts realisiert. Heute, nach 35 Jahren Nutzung, einem Sanierungsrückstau und Veränderungen in der Verwaltung steht das Gebäude bis auf eine Wohnung leer. Dieser Leerstand muss nicht sein. Das für eine Gemeinschaft geplante und mehrfach preisgekrönte Gebäude kann wieder aktiviert werden und als Haus für eine Gemeinschaft als Pilotprojekt für den selbstorganisierten Gemeindewohnbau zur Vielfalt des leistbaren, selbstbestimmten Wohnungsangebots beitragen. Der folgende Artikel1 zeigt, unter welchen Voraussetzungen dieses Pilotprojekt realisiert wurde (Rückblick) und untersucht die architektonischen Qualitäten mittels empirischer Methoden aus den Disziplinen der Architektur und

Jomo Ruderer — Gemeinschaftliches und selbstbestimmtes WOHNEN im Gemeindebau

der Kulturanthropologie (Einblick). Abschließend werden mögliche Szenarien für das Haus analysiert und eine Strategie für zukünftige Nutzungen entworfen (Ausblick). Rückblick Die Geschichte des Gebäudes am Grazer Lendplatz 23 zeigt, wie aus einer innovativen Idee einer Interessensgemeinschaft für Studierende und dem Zusammenspiel unterschiedlicher Akteur*innen aus Politik, Wissenschaft und Architektur ein außergewöhnliches Pilotprojekt entstehen konnte. Wichtige Sichtweisen auf das gemeinschaftliche Wohnen wurden damals artikuliert, als Gemeindewohnbau realisiert und um den Aspekt der Selbstorganisation erweitert. In den späten 1970er Jahren war die Wohnsituation für Studierende und viele

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URSULA MARIA PROBST IM GESPRÄCH MIT CORNELIA OFFERGELD

Öffentliche Kunst am Schnittpunkt

von Kunst, Gesellschaft öffentliche Kunst, öffentlicher Raum, Wien, Individualität, Kollektivität, Stadtgeschichte, Migration, Nachbarschaft

und Politik

Alexander Petlura, 17 Augenblicke des Frühlings, 17-teilige Performance in Wien und Niederösterreich, 2004; gefördert von Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich. Kuratorin — Cornelia Offergeld. Foto — Wolfgang Werzowa

Seit September 2021 ist die in Wien lebende Kuratorin Cornelia Offergeld kuratorische Leiterin von KÖR Kunst im öffentlichen Raum Wien. Mit der neu geschaffenen Position möchte die Institution – seit der Gründung im Jahr 2004 wurden mehr als 280 temporäre und permanente Projekte umgesetzt – den Radius ihres künstlerischen Programms erweitern und den Austausch mit der lokalen wie internationalen Kunstszene ausbauen. Kunst im Stadtraum, die sich durch interdisziplinäre Formate mit essenziellen Bedürfnissen unserer Gesellschaft und deren Vermittlung aus-

einandersetzt, sieht sich durch das Wachstum der Stadt Wien mit neuen Inhalten, Fragestellungen und Herausforderungen konfrontiert. Die seit 1989 in Wien lebende Kuratorin und Kulturwissenschaftlerin Cornelia Offergeld gilt als profunde Kennerin von Kunst im öffentlichen Raum mit direktem Draht zu Künstler*innen und Initiativen. Neben verschiedenen Engagements, etwa für Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich, kuratierte sie etliche Projekte für den öffentlichen Raum wie Zeit und Raum sind gestern gestorben. Götter, da seid ihr!, eine neo-

Ursula Maria Probst — Öffentliche Kunst am Schnittpunkt von Kunst, Gesellschaft und Politik

futuristische Oper in Lunz am See oder entwickelte – im Sinne des Unsichtbaren Theaters Augusto Boals – Formate wie 7 Days, Performances im öffentlichen Raum Wien. Sie zeichnete für den Schwerpunkt Performance des Kunstraums Niederösterreich in Wien verantwortlich und war Gründungskuratorin für den Bereich Kunst im Museum Erlauf Erinnert. Ursula Maria Probst: Eine Aussage von dir lautet: Kunst im öffentlichen Raum kann nie ohne Gesellschaft gedacht werden. Welche Bezugspunkte sind in

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BACKISSUES

dérive Nr. 1 (01/2000) Schwerpunkte: Gürtelsanierung: Sicherheitsdiskurs, Konzept – und Umsetzungskritik, Transparenzbegriff; Institutionalisierter Rassismus am Beispiel der »Operation Spring« dérive Nr. 2 (02/2000) Schwerpunkte: Wohnsituation von MigrantInnen und Kritik des Integrationsbegriffes; Reclaim the Streets/ Politik und Straße dérive Nr. 3 (01/2001) Schwerpunkt: Spektaktelgesellschaft dérive Nr. 4 (02/2001) Schwerpunkte: Gentrification, Stadtökologie dérive Nr. 5 (03/2001) Sampler: Salzburger Speckgürtel, Museumsquartier, räumen und gendern, Kulturwissenschaften und Stadtforschung, Virtual Landscapes, Petrzalka, Juden/Jüdinnen in Bratislava dérive Nr. 6 (04/2001) Schwerpunkt: Argument Kultur dérive Nr. 7 (01/2002) Sampler: Ökonomie der Aufmerksamkeit, Plattenbauten, Feministische Stadtplanung, Manchester, Augarten/Hakoah dérive Nr. 8 (02/2002) Sampler: Trznica Arizona, Dresden, Ottakring, Tokio, Antwerpen, Graffiti dérive Nr. 9 (03/2002) Schwerpunkt in Kooperation mit dem Tanzquartier Wien: Wien umgehen dérive Nr. 10 (04/2002) Schwerpunkt: Produkt Wohnen dérive Nr. 11 (01/2003) Schwerpunkt: Adressierung dérive Nr. 12 (02/2003) Schwerpunkt: Angst dérive Nr. 13 (03/2003) Sampler: Nikepark, Mumbai, Radfahren, Belfast dérive Nr. 14 (04/2003) Schwerpunkt: Temporäre Nutzungen dérive Nr. 15 (01/2004) Schwerpunkt: Frauenöffentlichkeiten dérive Nr. 16 (02/2004) Sampler: Frankfurt am Arsch, Ghetto Realness, Hier entsteht, (Un)Sicherheit, Reverse Imagineering, Ein Ort des Gegen dérive Nr. 17 (03/2004) Schwerpunkt: Stadterneuerung dérive Nr. 18 (01/2005) Sampler: Elektronische Stadt, Erdgeschoßzonen, Kathmandu, Architektur in Bratislava dérive Nr. 19 (02/2005) Schwerpunkt: Wiederaufbau des Wiederaufbaus dérive Nr. 20 (03/2005) Schwerpunkt: Candidates and Hosts

Bestellungen via Bestellformular auf www.derive.at oder an bestellung(at)derive.at. Alle Inhaltsverzeichnisse und zahlreiche Texte sind auf der dérive-Website nachzulesen.

dérive Nr. 21/22 (01-02/2006) Schwerpunkt: Urbane Räume – öffentliche Kunst dérive Nr. 23 (03/2006) Schwerpunkt: Visuelle Identität dérive Nr. 24 (04/2006) Schwerpunkt: Sicherheit: Ideologie und Ware dérive Nr. 25 (05/2006) Schwerpunkt: Stadt mobil dérive Nr. 26 (01/2007) Sampler: Stadtaußenpolitik, Sofia, Frank Lloyd Wright, Banlieus, Kreative Milieus, Reflexionen der phantastischen Stadt, Spatial Practices as a Blueprint for Human Rights Violations dérive Nr. 27 (02/2007) Schwerpunkt: Stadt hören dérive Nr. 28 (03/2007) Sampler: Total Living Industry Tokyo, Neoliberale Technokratie und Stadtpolitik, Planung in der Stadtlandschaft, Entzivilisierung und Dämonisierung, Stadt-Beschreibung, Die Unversöhnten dérive Nr. 29 (04/2007) Schwerpunkt: Transformation der Produktion dérive Nr. 30 (01/2008) Schwerpunkt: Cinematic Cities – Stadt im Film dérive Nr. 31 (02/2008) Schwerpunkt: Gouvernementalität dérive Nr. 32 (03/2008) Schwerpunkt: Die Stadt als Stadion dérive Nr. 33 (04/2008) Sampler: Quito, Identität und Kultur des Neuen Kapitalismus, Pavillonprojekte, Hochschullehre, Altern, Pliensauvorstadt, Istanbul, privater Städtebau, Keller, James Ballard dérive Nr. 34 (01/2009) Schwerpunkt: Arbeit Leben dérive Nr. 35 (02/2009) Schwerpunkt: Stadt und Comic dérive Nr. 36 (03/2009) Schwerpunkt: Aufwertung dérive Nr. 37 (04/2009) Schwerpunkt: Urbanität durch Migration dérive Nr. 38 (01/2010) Schwerpunkt: Rekonstruktion und Dekonstruktion dérive Nr. 39 (02/2010) Schwerpunkt: Kunst und urbane Entwicklung dérive Nr. 40/41 (03+04/2010) Schwerpunkt: Understanding Stadtforschung dérive Nr. 42 (01/2011) Sampler dérive Nr. 43 (02/2011) Sampler dérive Nr. 44 (03/2011) Schwerpunkt: Urban Nightscapes dérive Nr. 45 (04/2011) Schwerpunkt: Urbane Vergnügungen dérive Nr. 46 (01/2012) Das Modell Wiener Wohnbau

dérive Nr. 47 (02/2012) Ex-Zentrische Normalität: Zwischenstädtische Lebensräume dérive Nr. 48 (03/2012) Stadt Klima Wandel dérive Nr. 49 (04/2012) Stadt selber machen dérive Nr. 50 (01/2013) Schwerpunkt Straße dérive Nr. 51 (02/2013) Schwerpunkt: Verstädterung der Arten dérive Nr. 52 (03/2013) Sampler dérive Nr. 53 (04/2013) Citopia Now dérive Nr. 54 (01/2014) Public Spaces. Resilience & Rhythm dérive Nr. 55 (02/2014) Scarcity: Austerity Urbanism dérive Nr. 56 (03/2014) Smart Cities dérive Nr. 57 (04/2014) Safe City dérive Nr. 58 (01/2015) Urbanes Labor Ruhr dérive Nr. 59 (02/2015) Sampler dérive Nr. 60 (03/2015) Schwerpunkt: Henri Levebvre und das Recht aus Stadt dérive Nr. 61 (04/2015) Perspektiven eines kooperativen Urbanismus dérive Nr. 62 (01/2016) Sampler dérive Nr. 63 (02/2016) Korridore der Mobilität dérive Nr. 64 (03/2016) Ausgrenzung, Stigmatisierung, Exotisierung dérive Nr. 65 (04/2016) Housing the many Stadt der Vielen dérive Nr. 66 (01/2017) Judentum und Urbanität dérive Nr. 67 (02/2017) Nahrungsraum Stadt dérive Nr. 68 (03/2017) Sampler dérive Nr. 69 (04/2017) Demokratie dérive Nr. 70 (01/2018) Detroit dérive Nr. 71 (02/2018) Bidonvilles & Bretteldörfer dérive Nr. 72 (03/2018) Warsaw dérive Nr. 73 (04/2018) Nachbarschaft dérive Nr. 74 (01/2019) Sampler dérive Nr. 75 (02/2019) Sampler dérive Nr. 76 (03/2019) Stadt – Land dérive Nr. 77 (04/2019) Wohnungsfrage dérive Nr. 78 (01/2020) Willkommen im Hotel dérive Nr. 79 (02/2020) Protest dérive Nr. 80 (03/2020) Pandemie dérive Nr. 81 (04/2020) Demokratische Räume dérive Nr. 82 (01/2021) Sampler dérive Nr. 83 (02/2021) Mobilität und Stadtplanung dérive Nr. 84 (03/2021) Place Internationale dérive Nr. 85 (04/2021) Strategien des Wandels dérive Nr. 86 (01/2022) Kunst und Peripherie

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Impressum dérive – Zeitschrift für Stadtforschung Medieninhaber, Verleger und Herausgeber: dérive – Verein für Stadtforschung Mayergasse 5/12, 1020 Wien Vorstand: Michael Klein, Christoph Laimer, Elke Rauth ISSN 1608-8131 Offenlegung nach § 25 Mediengesetz Zweck des Vereines ist die Ermöglichung und Durchführung von Forschungen und wissenschaftlichen Tätigkeiten zu den Themen Stadt und Urbanität und allen damit zusammenhängenden Fragen. Besondere Berücksichtigung finden dabei inter- und transdisziplinäre Ansätze.

Anzeigenleitung & Medienkooperationen: Helga Kusolitsch, anzeigen(at)derive.at Website: Artistic Bokeh, Simon Repp Grafische Gestaltung: Atelier Anna Liska Lithografie: Branko Bily Coverfoto: 3rd World Congress of the Missing Things, Pfarre St.Paul, Graz Waltendorf; Foto: Lex Karelly Hersteller: Resch Druck, 1150 Wien

Grundlegende Richtung dérive – Zeitschrift für Stadtforschung versteht sich als interdisziplinäre Plattform zum Thema Stadtforschung. Redaktion Mayergasse 5/12, 1020 Wien Tel.: +43 (01) 946 35 21 E-Mail: mail(at)derive.at

Kontoverbindung Empfänger: dérive — Verein für Stadtforschung Bank: Hypo Oberösterreich IBAN AT53 54000 0000 0418749, BIC OBLAAT2L Abonnement Standard: 28 Euro (inkl. Versandspesen Inland) Ermäßigt: 24 Euro (inkl. Versandspesen Inland) Förder- und Institutionenabo: 50 Euro Ausland jeweils plus 8 Euro Versandspesen

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Abonnements laufen ein Jahr (vier Hefte). Bestellungen an: bestellung(at)derive.at oder per Bestellformular auf www.derive.at

dérive – Radio für Stadtforschung Jeden 1. Dienstag jeden zweiten Monat von 17.30 bis 18 Uhr in Wien live auf ORANGE 94.0 oder als Webstream http://o94.at/live. Sendungsarchiv: http://cba.fro.at/series/1235

Gefördert von: BMKOES – Kunstsektion Stadt Wien Kultur

Chefredaktion: Christoph Laimer Redaktion/Mitarbeit: Thomas Ballhausen, Andreas Fogarasi, Elisabeth Haid, Judith Haslöwer, Barbara Holub, Michael Klein, Andre Krammer, Silvester Kreil, Karin Lederer, Erik Meinharter, Sabina Prudic-Hartl, Paul Rajakovics, Elke Rauth, Manfred Russo Autor*innen, Interviewpartner*innen und Künstler*innen dieser Ausgabe: Meltem Al, Jochen Becker, Tiphaine Calmettes, Christian Egger, Giorgio de Finis, Andreas Fogarasi, Heinz Kaiser, Gisela Mackenroth, Vanessa Joan Müller, Cornelia Offergeld, Ursula Maria Probst, Jomo Ruderer, Ipek Türeli

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dérive No 86 — KUNST UND PERIPHERIE

Die Veröffentlichung von Artikeln aus dérive ist nur mit Genehmigung des Herausgebers gestattet.


»Für den Stadtrand ist wichtig, Orte wieder neu zu denken, an denen Gemeinschaft auch beiläufig entstehen kann.« Barbara Holub, S. 06

Öffentliche Kunst, öffentlicher Raum, Peripherie, Graz, Rom, Istanbul, Berlin, Immobilienmarkt, Wohnbauforschung, Megaprojekte, Gehen, Normalität, Selbstverwaltung, Gemeingut, Transformation, Kultureinrichtungen, Widerstand, Großsiedlung, künstlerische Interventionen, Stadtrand, Widerstand


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