Strategien des Wandels / dérive – Zeitschrift für Stadtforschung, Heft 85 (4/2021)

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Okt — Dez 2021 No 85

Zeitschrift für Stadtforschung

dérive

dérive

STRATEGIEN DES WANDELS dérive

ISSN 1608-8131 9 euro


Editorial

Die KPÖ Graz, die vor allem durch ihre soziale Wohnungspolitik bekannt ist, erreicht bei den Gemeinderatswahlen in Graz 28 Prozent der Stimmen und wird damit stärkste Partei. Bei dem von der Initiative Deutsche Wohnen & Co. enteignen erreichten Volksentscheid zur Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne stimmen 56 Prozent für die Enteignung. Den habiTATHaus­projekten in Österreich ist es in den letzten Jahren gelungen, mehrere Millionen Euro an Direktkrediten zu bekommen, um Häuser zu bauen oder zu kaufen und damit Wohn- und Arbeitsraum zu schaffen, der dauerhaft dem Immobilienmarkt entzogen ist und zu günstigen Mieten zur Verfügung steht. Drei völlig unterschiedliche Wege, sich mit Wohnpolitik auseinanderzusetzen, dreimal das Ziel, Wohnraum der spekulativen Verwertung zu entziehen und Wohnen wieder leistbar zu machen. Was macht gerade diese drei Strategien erfolgreich? Ist es das Thema Wohnen, weil hier für jede und jeden offensichtlich wird, dass ein System, das darauf beruht, alles als Ware zu behandeln, nicht funktioniert? Ist es die jahrelange, konsequente Arbeit, die alle drei oben Erwähnten auszeichnet? Ist es der richtige Zeitpunkt, eine günstige (partei) politische Konstellation? Die richtige Analyse der gesellschaftlichen Verhältnisse? Ist es die Professionalität der Öffentlichkeitsarbeit? Sind das überzeugend auftretende und sympathisch wirkende Personen, die für die Sache einstehen? Strategien des Wandels ist der Schwerpunkt dieser Ausgabe. Er widmet sich weniger der Transformationsforschung, sondern bringt Beispiele und Ansätze von Parteien, Bewegungen, Initiativen und Institutionen, die gesellschaftliche Änderungen zu erreichen such(t)en. Das inhaltliche Spektrum umfasst ein Stadtteilzentrum genauso wie den Versuch, eine Alternative zur Wachstumsgesellschaft zu entwickeln. Wie jedes Jahr ist die Herbstausgabe inhaltlich mit dem jeweils im Oktober stattfindenden urbanize!-Festival verknüpft. So hat es sich für diesen Schwerpunkt angeboten, Brigitte Felderer, Leiterin unseres langjährigen Kooperationspartners Social Design, einem Masterstudium der Universität für angewandte Kunst Wien, zu fragen, wie sie die Rolle von Universitäten in diesem Kontext sieht, was sie vorantreiben und auszulösen vermögen. Felderer schreibt über die Bedingtheiten universitärer Strukturen, soziale Bewegungen anzustoßen, mitzutragen und Universitäten als Freiräume aufzumachen. Die Initiative Degrowth Vienna hat das große Ziel einer solidarischen Postwachstumsstadt vor Augen. Welche Strategien es braucht, die dafür notwendige sozial-ökologische Transformationen auf Schiene zu bringen, ist Thema eines Prozesses, über den sie für diesen Schwerpunkt einen Artikel verfasst hat.

Prendiamoci la città – Nehmen wir uns die Stadt nannte sich ein Programm, das die italienische Partei Lotta Continua Anfang der 1970er Jahre entwickelt hat. Uns interessiert es nicht zuletzt deswegen, weil es – ohne direkt darauf Bezug zu nehmen – die Forderung nach einem Recht auf Stadt in die Tat umzusetzen versuchte. Marvi Maggio, die selbst in einer Studierendengruppe von Lotta Continua aktiv war, stellt das damalige Programm vor. Das Ziel ›Recht auf Stadt‹ verfolgt auch das argentinische Movimiento de Ocupantes e Inquilinos (MOI, dt. Bewegung der Besetzenden und Mietenden), wenn auch weniger konfrontativ als Lotta Continua und stärker konzentriert auf Wohnraumversorgung. Das MOI nahm an partizipativen runden Tischen mit Abgeordneten des Stadtparlaments teil und konnte gemeinsam mit anderen zivilgesellschaftlichen Akteur*innen erreichen, dass ein Gesetz für selbstverwalteten Wohnbau und ein darauf aufbauendes Wohnbauprogramm erlassen wurde. Transformation von unten gestalten lautet schließlich der Titel eines Beitrags von Martina Nies und Björn Ahaus über ein Stadtteilzentrum in Essen. Fachgeschäft für Stadtwandel nennt sich dieser Raum, der »Selbstwirksamkeit erfahrbar macht und Möglichkeiten für Kooperation und Kollaboration bietet«. Im Magazinteil führt uns ein Artikel von Stephan Lanz ein weiteres Mal nach Südamerika, diesmal nach Brasilien. Der Text ist ein Vorabdruck aus einem im November erscheinenden Buch von Stephan Lanz und berichtet über die kollektiven Anstrengungen von Initiativen in den Favelas von Rio de Janeiro, die Folgen des Unwillens des Staates, die Covid-Krise zu bewältigen, abzufedern. Ursula Probst hat mit Katarina Petter, der Leiterin von Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich, ein Interview geführt, in dem es unter anderem um die Relevanz, die Rolle, neue Konzepte und Konstellationen sowie Vermittlungsarbeit von Kunst im öffentlichen Raum geht. In Folge der Präsentation der Idee einer neuen Markthalle beim Wiener Naschmarkt durch die Stadträtin Ulli Sima ist eine heftige Debatte um die Themen Partizipation, Grünraum, Klimakrise und Stadtbild aufgeflammt, die nicht so schnell verschwinden wird, wie sich das die Wiener Stadtregierung wohl wünscht. Überraschend, wie wenig die Zeichen der Zeit von der Politik erkannt werden und wie veraltet und überheblich ihre Vorstellung von Partizipation ist. Manfred Russo steuert in seinem Beitrag Fressmeile oder zivile Raumwerdung den stadtgeschichtlichen Hintergrund zur Debatte bei. Das Kunstinsert of cities and private living rooms stammt diesmal von Huda Takriti und entspringt der Recherche ihrer Familiengeschichte, verschränkt mit Migrations- und Diasporageschichte, Identität und Repräsentation, zwischen Fiktion und Realität. Wie schon erwähnt, erscheint dieses Heft parallel zum urbanize!-Festival, auf das wir uns dieses Jahr besonders freuen, weil es anders als letztes Jahr wieder eine Festival­ zentrale geben wird. Neben dem umfangreichen Programm, nachzulesen auf www.urbanize.at, wird es also wieder die Möglichkeit geben, Gehörtes und Gesehenes nach den Veranstaltungen gemeinsam zu reflektieren und diskutieren. Wir freuen uns auf ihr/euer Kommen Christoph Laimer

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»Öffentlichkeit

wird als Raum der

konfliktreichen Diskussion zum Raum des Politischen, in den,

ohne diesen Begriff überstrapazieren zu wollen,

die Zivilgesellschaft eintritt und debattiert.« Manfred Russo auf S. 54 in diesem Heft.

ANGEBOT: ABONNEMENT + BUCH* 8 Ausgaben (2 Jahre) dérive um 56,–/75,– Euro (Österr./Europa) inkl. ein Exemplar von:

Andrej Holm, Christoph Laimer Gemeinschaftliches Wohnen und selbstorganisiertes Bauen Wien: TU Academic Press, 2021 257 Seiten, 19,50 Euro

Bestellungen an: bestellung@derive.at *Solange der Vorrat reicht

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Inhalt 01 Editorial CHRISTOPH LAIMER Schwerpunkt 04—05 STRATEGIEN des Wandels CHRISTOPH LAIMER 06—12 WIDERSTAND und Gemeinschaft Urbane soziale Bewegungen für das Recht auf Wohnraum in Buenos Aires JUDITH M. LEHNER, ALICIA GERSCOVICH 13—18 SOLIDARISCHE Postwachstumsstadt WIEN Strategien für eine sozial-ökologische Transformation DANIEL GUSENBAUER, HANNAH LUCIA MÜLLER, LISETTE VON MALTZAHN, MAX HOLLWEG, PEDRAM DERSCH 19—22 UNIVERSITÄRE FREIRÄUME, strukturelle Bedingtheiten, SOZIALE BEWEGUNGEN BRIGITTE FELDERER 23—31 Transformation von UNTEN GESTALTEN Das Fachgeschäft für Stadtwandel als Ort des SOZIAL-ÖKOLOGISCHEN WANDELS im Quartier MARTINA NIES, BJÖRN AHAUS Kunstinsert 32—36 Huda Tarkriti of cities and private living rooms

37—43 Prendiamoci la CITTÀ – Nehmen wir uns die STADT MARVI MAGGIO Magazin 44—48 Kollektive Kämpfe GEGEN die staatliche Politik des Todes Rio des Janeiros Favelas in Zeiten der Pandemie STEPHAN LANZ 49—52 Kontinuierliche Offenheit, intensiver AUSTAUSCH sowie ein Bewusstsein für die KOMPLEXITÄT von öffentlichen RÄUMEN Ein Gespräch mit Katrina Petter, Leiterin von Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich URSULA MARIA PROBST 53—54 Fressmeile oder zivile Raumwerdung Zur geplanten Halle am NASCHMARKT Manfred Russo 60 IMPRESSUM

– dérive – Radio für Stadtforschung Jeden 1. Dienstag jeden zweiten Monat von 17.30 bis 18 Uhr in Wien auf ORANGE 94.0 oder als Webstream http://o94.at/live. Sendungsarchiv: http://cba.fro.at/series/1235

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CHRISTOPH LAIMER

STRATEGIEN

des Wandels »Wenn es auch keine tiefgreifende Veränderung einer gesellschaftlichen Logik geben kann ohne eine Umwandlung der Klassenherrschaft und konsequenterweise auch der politischen Machtzu­ sammenhänge, so können doch während des allgemeinen Umwandlungsprozesses (der jedoch nicht mit der Machtergreifung endet) Phasen oder bestimmte Einzelkämpfe auftreten, die im Stande sind, die allgemeine Logik der städtischen Organisation zu verändern, allerdings in einer Weise, die immer unbeständig und unvollkommen bleibt.« Castells 1975, S. 37 Schwerpunkt

Die Jahrestage urbaner Aufstände, Revolten und Besetzungsbewegungen sind dieses Jahr zahlreich. 150 Jahre sind seit der Pariser Commune vergangen, vor 10 Jahren fand der Arabische Frühling statt, die Occupy-Bewegung ereignete sich, das Movimiento 15-M besetzte zahlreiche Plätze in Spanien und in Athen wurde der Syntagma-Platz besetzt. Vor 40 Jahren, also 1981, war die Besetzungsbewegung in europäischen Städten, darunter auch in Wien, besonders stark. Die Wiener Stadtregierung zeigte in dieser Zeit eine ungewohnte Bereitschaft, Häuser für soziale und kulturelle Zentren zur Verfügung zu stellen. Grund dafür war weniger die Einsicht in die Notwendigkeit solcher Räume, als – angesichts der starken Burggartenbewegung – vielmehr die Angst mit Verhältnissen wie im damaligen Zürich (Züri brennt) konfrontiert zu werden. Daraus hervorgegangen sind das WUK, eines der größten soziokulturellen Zentren Europas, das bereits nach zwei Jahren wieder geräumte Kultur- und Kommunikationszentrum Gassergasse und wenig später die heute noch existierende Rosa Lila Villa. Rückblickend wird gerne die Frage gestellt, ob Bewegungen und Proteste erfolgreich waren, ob sie folgenlos verpufft sind oder ob sie langfristig gar die herrschenden Verhältnisse gestärkt haben. Dem Kapitalismus wird immer wieder bestätigt, dass er es hervorragend schafft, kritische Positionen zu vereinnahmen und aus Krisen gestärkt hervorzugehen. Die Stadtforscherin und Politikwissenschaftlerin Margit Mayer weist darauf hin, dass beispielsweise die in den 1960er Jahren

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Baustellenbesetzung Hausfeldstraße; Protestaktion gegen ein Straßenbauprojekt (Stadtstraße) in Wien, 6.9.2021; Foto — System Change not Climate Change (CC BY-SA 2.0)

verbreitete Forderung nach der Freiheit individueller Lebens­ entwürfe im Fordismus zwar einen kritischen, gegenkulturellen Gehalt hatte, sich heute jedoch nahtlos in die neoliberale Ideologie einordnen lässt und in Werbespots in Szene gesetzt wird. Wobei dies natürlich nur gilt, wenn sich der Ausdruck der persönlichen Individualität mittels Konsum darstellt. Occupy Wall Street wird beispielsweise gerne unterstellt, folgenlos geblieben zu sein, weil es keine politische Führung gab, keine konkreten Forderungen gestellt wurden oder es nicht gelungen ist bzw. gar kein Ziel war, sich mit lokalen Kämpfen zu verknüpfen. Vergessen wird dabei, dass Occupy zwar als Aktion unter diesem Namen verschwunden sein mag und keine überschriftsreifen Ziele erreicht hat, die Teilnahme jedoch vermutlich die allermeisten Aktivist*innen ganz individuell geprägt und verändert hat. Manche haben sich sicher enttäuscht zurückgezogen, aber es ist nicht unwahrscheinlich, dass viele von ihnen in Folge politischen Gruppen beigetreten sind, selbst Initiativen gestartet oder sich für Bewegungen engagiert haben. Occupy fand nicht nur im Zuccotti Park, sondern an rund 1.000 Orten in den USA statt. 2016 haben ehemalige Occupy-Wall-Street-Aktivist*innen die Kandidatur von Bernie Sanders unterstützt, heute gibt es speziell unter

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jungen Leuten in den USA ein hohes Interesse für linke Politik. Bewegungen wie die Democratic Socialists of America (DSA), in der Alexandria Ocasio-Cortez Mitglied ist, konnten ihre Mitgliederzahlen in den letzten Jahren vervielfachen, sozialistische Zeitschriften wie Jacobin haben zigtausend Leser*innen. Die akademischen Debatten um die richtigen Strategien für einen Wandel bewegen sich seit etlichen Jahren im Feld zwischen den Schlagworten Autonomie und Hegemonie oder wie es Chantal Mouffe 2005 in einem ihrer Buchtitel formuliert hat: Exodus und Stellungskrieg. In Österreich ist in den letzten Jahren der hegemoniepolitische Ansatz eindeutig präsenter, was auch mit einer Hegemonie der entsprechenden Theorieproduktion zu tun zu haben dürfte. »Stünde bei Ersteren das ›Abfallen vom Staat‹, das Desinteresse bzw. die Ablehnung klassischer Institutionen und die Etablierung autonomer Zonen im Fokus, so setzten Letztere auf die parteiförmig-parlamentarische Machtübernahme in staatlichen Schlüsselinstitutionen und den gezielten Kampf um Hegemonie« (Sörensen 2019, S. 32). Bei dérive haben wir uns nie auf eine der beiden Seiten geschlagen. Konkrete Alternativen im Hier und Jetzt in Form präfigurativer Projekte – vor etlichen Jahren haben wir einen Schwerpunkt mit dem Titel Citopia Now veröffentlicht – haben uns jedoch immer speziell interessiert, weil wir die unmittelbare Erfahrung mit demokratischen Prozessen für besonders wichtig und nachhaltig halten. Trotzdem sehen wir die Beteiligung an Wahlen, wie beispielsweise durch die munizipalistische Bewegung, und den Versuch, Institutionen zu erobern und zu verändern zu suchen, für ebenso probat. Dass ein Scheitern dabei immer möglich ist, liegt auf der Hand. Eine solche Offenheit heißt aber nicht, dass jede Strategie zu jeder Zeit, an jedem Ort und unter jedweden Umständen angebracht ist. Der Untersuchung der Bedingungen für die taktischen Möglichkeiten gesellschaftspolitischer Veränderungen sollte deswegen besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden, ohne die langfristigen inhaltlichen Grundsätze davon abhängig zu machen. Ein Beispiel dafür, wie sich die politischen Bedingungen für soziale urbane Bewegungen in Buenos Aires in Zusammenhang mit dem Zugang zu Wohnraum im Laufe der Jahrzehnte gestaltet haben, stellen Judith M. Lehner und Alicia Gerscovich in ihrem Beitrag Widerstand und Gemeinschaft. Urbane soziale Bewegungen für das Recht auf Wohnraum in Buenos Aires vor. Sie zeigen, wie es die aktive Teilnahme an der Kommunalpolitik ermöglichte, die Voraussetzungen für selbstverwaltete Wohn­ raumproduktion entscheidend zu verbessern und sowohl ein Gesetz als auch ein Wohnbauprogramm dafür zu erreichen. Der Beitrag von Marvi Maggio über das Programm Nehmen wir uns die Stadt der Bewegung und späteren Partei Lotta Continua zeichnet nach, wie eine Analyse der Möglichkeiten gesellschaftlicher Veränderungen dazu geführt hat, den Raum der politischen Aktivitäten von der Fabrik auf den Stadtraum auszudehnen. Das Programm existierte nicht lange, markiert allerdings – zwei Jahre nachdem Henri Lefebvres Recht auf Stadt erschienen ist – sehr gut den Zeitraum, als der Kampf um den städtischen Raum (wieder) ins Zentrum gesellschaftspolitischer Auseinandersetzungen rückte. Bildung ist ein Thema, das politische Bewegungen stets begleitete, das Selbstverständnis von Universitäten und ihre

Position im gesellschaftlichen Gefüge sind dementsprechend wichtig. Brigitte Felderer, Leiterin eines universitären Masterstudiums, unternimmt in diesem Sinn für diesen Schwerpunkt »eine Selbstbefragung zu den Bedingtheiten universitärer Strukturen, soziale Bewegungen anzustoßen, mitzutragen und Universitäten als Freiräume aufzumachen«. Die Kritik am unhinterfragten Wachstum hat parallel zur Klimakrise in den letzten Jahren wieder stark zugenommen. Auch in Wien gibt es eine entsprechende Initiative, Degrowth Vienna, die sich jüngst besonders intensiv mit Strategien für eine sozial-ökologische Transformation auseinandergesetzt hat. Das große Ziel einer solchen Transformation ist für Degrowth Vienna Wien als solidarische Postwachstumsstadt. »Wie kann eine Stadtpolitik aussehen, die die Rahmenbedingungen für ein gutes Leben für alle bei gleichzeitiger Einhaltung planetarer Grenzen gestaltet?«, fragen (sich) Daniel Gusenbauer, Hannah Lucia Müller, Lisette von Maltzahn, Max Hollweg und Pedram Dersch, die Autor*innen des Beitrags für den Schwerpunkt. Demokratische Räume – dem Thema haben wir letztes Jahr ein Schwerpunktheft gewidmet – sind nicht nur eine wichtige Voraussetzung, um Strategien eines gesellschaftlichen Wandels entwickeln zu können, sondern auch selbst Teil eines solchen Wandels, indem sie zur Demokratisierung der urbanen Gesellschaft beitragen. Björn Ahaus und Martina Nies stellen in ihrem Artikel Transformation von unten mit dem Fachgeschäft für Stadtwandel in Essen ein Stadtteilzentrum vor, das »mit seinem Angebot und seinen Aktivitäten lebendige Nachbarschaft, sozialökologischen Wandel und interkulturelle Gemeinschaft« verbindet. Wenn also, um auf das Eingangszitat von Manuel Castells zurückzukommen, durch Einzelkämpfe eine Änderung der »allgemeine[n] Logik der städtischen Organisation« erreicht werden kann, dann ist das eine große Errungenschaft, die uns dem ›guten Leben für alle‹ einen großen Schritt näherbringen kann, auch wenn Castells zumindest damals (noch) meinte, so einen Erfolg durch ein ›nur‹ relativieren zu müssen. Die Sache mit der Umwandlung der Klassenherrschaft überlegen wir uns ein anderes Mal.

Literatur Sörensen, Paul (2019). Widerstand findet Stadt: Präfigurative Praxis als transnationale Politik ›rebellischer Städte‹. In: ZPTh – Zeitschrift für Politische Theorie, 10(1), S. 29–48. https://doi.org/10.3224/zpth.v10i1.03 [24.09.2021]. Castells, Manuel (1975): Kampf in den Städten. Gesellschaftliche Widersprüche und politische Macht. Westberlin: VSA

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JUDITH M. LEHNER / ALICIA GERSCOVICH

WIDERSTAND und Gemeinschaft

»Lange Veränderungen können nur in langen Zeitabschnitten verstanden werden«, schreibt der uruguayische Autor und Aktivist Raúl Zibechi (2011, S. 80) in seinem Buch Territorien des Widerstandes und verweist darauf, dass die Rekonstruktion des Weges urbaner sozialer Bewegungen in Lateinamerika während der letzten 50 bis 100 Jahre die Agenda sichtbar werden lässt, die »unter und hinter den sichtbaren Aktionen, den großen Kämpfen und massiven Mobilisierungen liegt« (ebd.). Der vorliegende Artikel beleuchtet, wie sehr lokalspezifische und nationale Ereignisse etwa die soziale und wirtschaftliche Krise in Argentinien im Jahr 2001 sowohl mit lateinamerikanischen Widerstandsbewegungen als auch globalen, neoliberalen Tendenzen verknüpft sind. Der Blick auf lange Zeitabschnitte dieser movimientos sociales del habitat verdeutlicht, wie sich der Kampf für angemessenen Wohnraum um Inhalte der Kultur, Arbeit, Gesundheit und Bildung in den Nachbarschaften und darüber hinaus erweiterte. Kristin Ross (2021) rekonstruiert in ihrem Buch Luxus für alle die erstaunliche Aktualität rund um Themen der Pariser Kommune 1871 und auch in der hier vorgestellten urbanen sozialen Bewegung werden die Versuche deutlich, die traditionelle Frauenrolle und die hierarchische Trennung von Kopf- und Handarbeit zu überwinden, Selbstverwaltung zu praktizieren, sich international zu vernetzen sowie schöne, großzügige Wohnräume für alle zu ermöglichen. Urbane soziale Bewegungen in Lateinamerika Das Programm der Pariser Kommune von 1871 verwandelte Paris in ein Gemeinwesen, indem eine selbstverwaltete Organisation des Alltagslebens nach den Grundsätzen der Kooperation in Angriff genommen wurde. Die indirekten Spuren der Kommune lassen sich bis heute in Lateinamerika finden. So verbreiteten Exilant*innen der Kommune deren politische Programme in Europa und Amerika und gründeten 1872 in Buenos Aires die erste französische Sektion der Internationale (Tarcus 2021). Alicia Moreau, Tochter eines Kommunarden, ließ sich in Buenos Aires nieder und wurde eine der führenden Persönlichkeiten des argentinischen Sozialismus (ebd.). Nach dem Ersten Weltkrieg kam es zu einer engeren Verbindung zwischen sozialen Bewegungen und den neuen Nationalstaaten. Die soziale Basis bildeten nun die städtischen Arbeiter*innen der Industrialisierung der 1920er Jahre. Mit den ersten informellen Siedlungen in lateinamerikanischen Städten formierten sich um die Mitte des 20. Jahrhunderts soziale Bewegungen, die sich – auch als Bruch mit den traditionellen radikalen Arbeiter*innenbewegungen – durch kollektive Selbstorganisation in Stadtvierteln auszeichneten und vom Staat Infrastruktur und Landbesitz einforderten. In den 1980er Jahren wurden sowohl Forderungen als auch Widerstandsbewegungen heterogener, was auf die neue zielgerichtete Sozialpolitik der Regierungen zur Kontrolle und Eindämmung von Armut zurückzuführen war. Die 1990er Jahre waren in Lateinamerika geprägt von den Auswirkungen der Globalisierung und des Neoliberalismus. Dies äußerte sich in Bezug

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Urbane soziale Bewegungen, Buenos Aires, Lateinamerika, Selbstverwaltung, Wohnungsbau, Kooperativismus

Urbane soziale Bewegungen für das Recht auf Wohnraum in Buenos Aires


DANIEL GUSENBAUER, HANNAH LUCIA MÜLLER, LISETTE VON MALTZAHN, MAX HOLLWEG, PEDRAM DERSCH

SOLIDARISCHE Postwachstumsstadt Degrowth, Stadtentwicklung, Strategien, sozial-ökologische Transformation, Postwachstum

WIEN

Strategien für eine sozial-ökologische Transformation

Klimastreik-Demo am 19. März 2021 in Wien. Foto – Ivan Radic

Das vermeintlich alternativlose Wachstumsparadigma zählt weiterhin zu den wesentlichen gesellschaftlichen Leitlinien für Fortschritt – obwohl tiefgehend erforscht ist, dass Wirtschaftswachstum, absolut betrachtet, nicht vom steigenden Ressourcen- und Energieverbrauch zu entkoppeln ist. Ausbeuterische globale Machtverhältnisse verstärken sich zusätzlich durch die kapitalistische Expansionsdynamik. Ebenso schreiben sich diese Prinzipen in zunehmend viele Lebensbereiche ein und bremsen dringend notwendige sozial-ökologische Transformationen. Degrowth bringt die Kritik dieser Zustände in den akademischen und gesellschaftlichen Diskurs und schlägt Wege zur sozial-ökologischen Transformation vor. Im Rahmen des Projekts Solida­ rische Postwachstumsstadt Wien stellen wir den Bezug zur Stadt, ihren Entscheidungsträger*innen und Bewohner*innen her. Wie kann eine Stadtpolitik aussehen, die die Rahmenbedingungen für ein gutes Leben für alle bei gleichzeitiger Einhaltung planetarer Grenzen gestaltet? Im folgenden Beitrag zeichnen wir die Konturen einer solidarischen Postwachstumsstadt und diskutieren strategische Konzepte für die sozial-ökologische Transformation Wiens. Daniel Gusenbauer, Hannah Lucia Müller, Lisette von Maltzahn, Max Hollweg, Pedram Dersch — SOLIDARISCHE Postwachstumsstadt WIEN

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BRIGITTE FELDERER

UNIVERSITÄRE FREIRÄUME,

strukturelle Bedingtheiten, SOZIALE BEWEGUNGEN Bildung, Universität, soziale Bewegungen, Freiräume, Methodologie, Zertifikat

Der folgende Text unternimmt eine Selbstbefragung zu den Bedingtheiten universitärer Strukturen, soziale Bewegungen anzustoßen, mitzutragen und Universitäten als Freiräume aufzumachen. Er beschreibt die Widersprüche zwischen universitären Strukturen und dem, was sie vorantreiben und auszulösen vermögen oder vielleicht auch verlangsamen und gar verunmöglichen: soziale Bewegungen. Als Beispiel dafür dient Social Design – Arts as Urban Innovation, ein Masterstudium an der Universität für angewandte Kunst Wien, dessen Leiterin die Autorin ist.

Die Geschichte sozialer Bewegungen und die Bedeutung, die universitäre Systeme und die dazugehörigen Räume dafür einnahmen und nach wie vor einbringen (sollten), ließe sich exemplarisch verfolgen und wäre freilich immer im Einzelnen zu vertiefen, so sehr unterscheiden sich Beweggründe, Ziele, Orte und Konsequenzen, unmittelbare Folgen wie längerfristige Veränderungen. Soziale Bewegungen mögen im Kontext universitärer Zusammenhänge entstanden sein, wie etwa den Protesten, die schließlich zur Gründung der Freien Universität 1948 in Berlin beitrugen, oder im Zuge gesellschaftlicher Dynamisierungen, die mit Universitätsgründungen verbunden waren, wie jene der Universität Paris VIII, 1969 unter dem Namen Centre universitaire expérimental de Vincennes eingerichtet. Es geht hier jedoch nicht darum, ein historisches Panorama zu entfalten. Der Widerschein auch länger zurückreichender Modelle trägt dennoch zur Vergegenwärtigung des Themas bei. Am Beispiel des 2012 eingerichteten Masterstudiums Social Design stellt sich die Frage, ob ein Curriculum Schritte zu einer gesellschaftlichen Dynamisierung setzen kann oder ob ein Studienplan nicht bereits die Folge struktureller Reformen darstellt und Gefahr läuft, einer notwendigerweise andauernden Dynamik sogar ein Ende zu setzen. Es muss in einer solchen Selbstbefragung wohl auch um die Spätfolgen gehen, die ein Programm auslösen kann und zu bewirken vermag, weit über jedes Zertifikat am Ende eines Studiums hinaus. Nicht vergessen werden darf die Frage, inwieweit ein einzelnes Studienmodell auf die gesamte Universität zurückwirken kann. Fragen richten sich an Methoden und Inhalte, an handelnde Personen und solche, die beobachten, begleiten und bereit sind, kritische Widerstände einzubringen beziehungsweise offen dafür sind, sich solchen auch auszusetzen. Wirkt ein Programm nach innen oder wird es auch oder vor allem für Zusammenhänge außerhalb der Universität sichtbar und gar wirksam? Und wenn ja, wie?

Brigitte Felderer — UNIVERSITÄRE FREIRÄUME,strukturelle Bedingtheiten, SOZIALE BEWEGUNGEN

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MARTINA NIES UND BJÖRN AHAUS

Transformation von UNTEN Stadtteilzentrum, Raum, soziale Innovation, Demokratie, Stadtwandel, Transformation, Engagement

GESTALTEN

Das Fachgeschäft für Stadtwandel als Ort des SOZIAL-ÖKOLOGISCHEN WANDELS im Quartier Megatrends finden stets ihre Entsprechung im Lokalen. So wird etwa die Energiewende – neben der Rahmensetzung durch den Gesetzgeber – von Menschen vor Ort gestaltet. Ebenso werden soziale und kulturelle Disparitäten zunächst vor Ort sichtbar und vor Ort werden sie zu einer Herausforderung für die Wege des Umgangs, die gefunden werden müssen. Dabei ist die Suche nach Lösungen keineswegs allein hoheitliche Aufgabe von Politik und Verwaltung. Städte verändern sich auf zwei Wegen: ›top-down‹ durch veränderte Politikansätze und entsprechende Planungen und ›bottom-up‹ durch Verhaltensänderungen von Menschen sowie durch zivilgesellschaftliche Initiativen und Projekte. Auf den Wunsch nach direkter Mitbestimmung reagieren Politik und Verwaltung seit einiger Zeit in Form neuer Beteiligungs- und Partizi­ pationsformate (Bürgerworkshops, Onlineforen usw.), in denen Bürger*innen jenseits rechtlich fixierter Verfahren ihre Meinungen, Einschätzungen und Wünsche äußern können. Abseits dieser von oben initiierten Foren ist vielerorts zu beobachten, dass die Zivilgesellschaft spontan neue Initiativen bildet und die Gestaltung ihres Lebensraums zunehmend selbst in die Hand nimmt. Auffällige Beispiele sind die im Jahr 2015 deutschlandweit unzähligen entstandenen Initiativen zur Flüchtlingshilfe (vgl. Gesemann et al. 2019), die Bildung von Ortsgruppen von großen Bewegungen, wie Fridays for Future, oder auch Transition Town sowie Initiativen zur Initiierung von Bürgerbegehren für mehr Radverkehr (»Radentscheid«) oder eine soziale Wohnbaupolitik. Diese Gruppen bilden sich spontan, sind offen für Engagement in unterschiedlicher Intensität und Dauer, setzen auf breite Kollaboration, kooperieren häufig mit alteingesessenen Vereinen und Verbänden und schaffen so Netzwerke. Der vorliegende Bericht stellt das Fach­ geschäft für Stadtwandel in Essen-Holsterhausen als einen dieser neuen Orte des Engagements vor. Mit seinem Angebot und seinen Aktivitäten werden drei zentrale Themen miteinander verbunden: Lebendige Nachbarschaft, sozialökologischer Wandel und interkulturelle Gemeinschaft.

Martina Nies und Björn Ahaus — Transformation von UNTEN GESTALTEN

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Kunstinsert Huda Takriti of cities and private living rooms Der Preis der Kunsthalle Wien 2020 ging an Abiona Esther Ojo und Huda Takriti. dérive nimmt das zum Anlass, Huda Takriti einzuladen, ihr Projekt of cities and private living rooms vorzustellen. Dafür hat die Künstlerin Ausstellungsfotos der Installation in der Kunsthalle Wien mit Fotos aus ihrem Archiv, das die Grundlage für das Projekt bildet, verknüpft. So zieht uns Huda Takriti hinein in eine spekulative Narration, in der sie über konsequente Recherche ihre Familiengeschichte mit Migrations- und Diasporageschichte, Identität und Repräsentation, zwischen Fiktion und Realität, verschränkt. Seit nunmehr mehr als zwei Jahren ist Huda Takriti auf der Spurensuche nach der Geschichte ihrer Urgroßmutter Fatima, die ursprünglich Viktoria hieß und ein Kind russischer oder polnischer Eltern war, die Ende des 19. oder Anfang des 20. Jahrhunderts auf der Flucht vor Verfolgung in das osmanische Syrien eingewandert sind. Hinter dem harmlos anmutenden Titel of cities and private living rooms wird schnell offensichtlich, dass der geheimnisvolle Namenswechsel der Großmutter ein komplexes Geflecht an Spekulationen für die aus Syrien stammende Künstlerin eröffnet. Dieses Familiengeheimnis wurde über Generationen hinweg gehütet und in Variationen weitererzählt, sodass es sich letztendlich so veränderte, dass die Künstlerin damit auch die Frage von Wahrheit aufwirft, die sich in (der) Geschichte immer weiter zu verlieren scheint. „Brauchen wir die Wahrheit?“ ist eine Frage, die im Video auftaucht und die die Künstlerin und die BetrachterIn gleichermaßen konfrontiert. Huda Takriti hat in Damaskus Malerei studiert, bevor sie an der Universität für angewandte Kunst Wien in der Klasse von TransArts ihr Kunststudium abgeschlossen hat. Sie stammt – wie schon ihre Groß- und Urgroßeltern – aus einer Familie mit intellektuellem Hintergrund und gemischtem kulturellem Erbe (ihre Mutter kommt aus dem Libanon, der Vater aus Syrien). Dies war – und ist auch heute noch – nicht immer ganz ungefährlich. So war der Wechsel des Vornamens der Urgroßmutter und das Schweigen in der Familie über die Herkunft von Viktoria schließlich politischen Ereignissen geschuldet. In der Installation in der Kunsthalle zeigte die Künstlerin parallel analoge und digitale Bilder über eine Dia- und Videoprojektion. Fiktion und konsequente Recherche zeichnen ein Bild der komplexen Migrations- und Diasporageschichte, die letztlich die Frage nach Identität und Wahrheit immer wieder neu stellt. In der Installation entfaltet sich das häusliche Geheimnis zu einem visuellen Essay, den Huda Takriti hier im Insert auf vier Seiten kondensiert zeigt. Auf der ersten Seite sieht man die Gesamtinstallation, auf der Doppelseite zwei Videostills, die den fiktiv-narrativen Charakter der Arbeit zusammenfassen: Eine Frauenskulptur, die aus der Zeit der Urgroßmutter aus Polen stammen könnten, und ein Archivbild einer vermeintlich orientalischen Festung. Die letzte Seite verweist mit dem Kodak-Karussell auf das private Familienarchiv.

 Huda Takriti lebt und arbeitet in Wien. Ihre Arbeiten sind demnächst zu sehen in: meet me by the fire mit Rehema Chachage bei studiowalls (Eröffnung am 06.10.21, Ausstellung von 07.10.2021–10.10.2021) und bei Exhibit Studio: Gender and Space (Eröffnung am 30.11.21, Ausstellung von 01.12.2021–06.01.2022) im akbild Exhibit Studio / Akademie der bildenden Künste Wien.
https://hudatakriti.com/ Barbara Holub / Paul Rajakovics


MARVI MAGGIO

Prendiamoci la CITTÀ – Nehmen Arbeiterbewegung, soziale Bewegungen, Klassenkampf, Italien, Autonomia, Kommunismus, Hausbesetzungen, Sozialpolitik, Selbstverwaltung

wir uns die STADT Lotta Continua war im Italien der späten 1960er und 1970er Jahre Teil der Autonomia, einer linksradikalen sozialen Bewegung, die der traditionellen Arbeiterbewegung in Form der kommunistischen bzw. sozialistischen Partei und Gewerk­schaften kritisch bis ablehnend gegenüberstand. Für unseren Schwerpunkt über Strategien des Wandels ist Lotta Continua interessant, weil sie mit ihrem Programm Prendiamoci la città (Nehmen wir uns die Stadt) ihre Aktivitäten wie Streiks, Aneignungen und Besetzungen über die Fabriken hinaus dezidiert auf den urbanen Raum bezogen haben, um damit »das Gleichgewicht der Kräfte« auch außerhalb der Fabriken »direkt und unmittelbar zu verändern« (Maggio). Heute verbreitete Slogans wie »Die Stadt ist unsere Fabrik« (Schäfer 2010) haben ihren Ursprung in den politischen Thesen und Konzepten dieser Bewegungen. Marvi Maggio stellt Lotta Con­ tinua und Prendiamoci la città vor und wirft einen Blick zurück auf eine Zeit als die aufkommenden neuen sozialen Bewegungen sich von der Arbeiterbewegung emanzipierten.

Revolutionshypothese und das Programm Prendiamoci la città Das Programm Prendiamoci la città (Nehmen wir uns die Stadt) lanciert Lotta Continua im November 1970. Damit verlagert sich der Fokus der Aufmerksamkeit von der Fabrik, wo es nach Einschätzung der Organisation nicht mehr länger möglich ist, die Bewegung voranzubringen, auf das Terrain der gesamten Gesellschaft.

Die Redaktion (1970) der 1969 gegründeten Zeitschrift Lotta Continua, die ab 1972 als Tageszeitung erschien und als solche bis 1982 existierte. Seit 2012 erscheint Lotta Continua wieder.

Lotta Continua entsteht während der großen Explosion der Kämpfe von Arbeiter*innen im Mai und Juni 1969 bei Fiat Mirafiori, einem Automobilwerk in Turin, wo die Wendung »lotta continua« (Der Kampf geht weiter) auf Versammlungen der Arbeiter*innen und Student*innen zunächst im Kopf von Flugblättern auftaucht. Am 1. November 1969 erscheint die erste Ausgabe der Zeitung Lotta Continua und umreißt das Projekt einer landesweiten Organisation; ab dem 18. April 1972 wird das Blatt zur Tageszeitung. Als eine Organisation und Partei der Neuen Linken existiert Lotta Continua von 1969 bis 1976: eine marxistische, bewegungsorientierte, antikapitalistische, revolutionäre und kommunistische Strömung innerhalb einer der wichtigsten Erfahrungen der revolutionären Opposition im Europa des 20. Jahrhunderts. Lotta Continua erklärt unumwunden, dass die Sowjetunion und die Länder, die sich selbst als kommunistisch bezeichnen, es nicht sind, steht dabei jedoch dem Maoismus positiv gegenüber. Das politische Pro-

Marvi Maggio — Prendiamoci la CITTÀ – Nehmen wir uns die STADT

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STEPHAN LANZ

Kollektive Kämpfe

GEGEN die staatliche Politik des Todes

Die Initiative Julho Negro (Schwarzer Juli) setzt sich für die Stärkung des Kampfes gegen Militarisierung, Rassismus und Apartheid in Brasilien ein; Illustration — Anna Paula Rodrigues

Im März 2020 erreichten mich erste Nachrichten über die Ankunft der Covid-19-Pandemie in Rio de Janeiro. Ihr erster, von der Landesregierung offiziell bestätigter Todesfall traf symbolischerweise eine Schwarze Hausangestellte in Leblon, einer der reichsten Zonen der Stadt. Ihre Arbeitgeberin war positiv getestet von einer Venedig-Reise zurückgekehrt und hatte ihre empregada angesteckt, weil sie ihr die Infektion verschwieg. Kurze Zeit später brachte der Rapper MV Bill als politisch einflussreichster Protagonist der musikalischen Subkulturen der Favela zwei Songs mit

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den selbst erklärenden Titeln Quarantena und Isolamento heraus: »Die Ordnung des Planeten, soziale Isolation / Es ist wichtig für das Überleben / Setze das Gefühl der Dringlichkeit in die Praxis um / um der ärmsten Bevölkerung zu helfen / Zu Hause im Opfer, in der Hoffnung, dass es noch etwas zu essen gibt / am nächsten Tag / An einem Ort, in den zehn reinpassen, leben manchmal mehr als 20 / Sie müssen raus zur Arbeit / auch wenn Sie die Empfehlung kennen / zuhause zu bleiben und die Zirkulation zu reduzieren / Das kann nicht jeder […] / also nicht polarisieren,

dérive No 85 — STRATEGIEN DES WANDELS

sondern wertschätzen / Für Menschen, die ohne Rücksicht auf ihre Krise arbeiten / ist es notwendig, einen Plan aufzustellen, um sie zu retten / und nicht einen Plan auszudenken, um sie zu töten / Ich weiß, wie wichtig es ist, das Land am Laufen zu halten / um die Wirtschaft nicht völlig kaputt zu machen / Aber das lässt sich machen, ohne einen Haufen Leichen in der Peripherie zu hinterlassen / Man braucht Balance, Verantwortlichkeit / um mit Ruhe die richtige Vision durchzuziehen / Für die, die zu Hause geblieben sind, mein Dank / Für die, die raus müssen, führt das Hygieneverfahren

Rio de Janeiro, Covid, Favelas, Polizeigewalt, Selbsthilfe, Aktivismus, soziale Ungleichheit, Segregation

Magazin

Rio des Janeiros Favelas in Zeiten der Pandemie


URSULA MARIA PROBST IM GESPRÄCH MIT KATRINA PETTER

Kontinuierliche

Offenheit, intensiver AUSTAUSCH sowie ein Bewusstsein für die KOMPLEXITÄT von öffentlichen RÄUMEN Kunst im öffentlichen Raum, Covid, Vermittlung, Treffpunkte, Beteiligung, Erinnerungskultur, Autonomie, Standortfaktor

1 Niederösterreich ist das rund um Wien gelegene, flächenmäßig größte Bundes­ land Österreichs, das sehr rural geprägt ist. Claudia Märzendorfer: für die Vögel/ for the birds; Landesklinikum Hollabrunn — Ein Projekt von Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich, 2019; Foto — Jeanette Pacher

Die Realisierung zeitgemäßer Kunst im öffentlichen Raum gestaltet sich als komplexer Vorgang: Bedürfnisse der Gesellschaft wollen erfüllt, Infrastrukturen des Zusammenlebens verbessert und vielseitige künstlerische Prozesse, die teils mit Gewohnheiten brechen, zugelassen werden. Als Schnittstelle zwischen Künstler*innen, Gemeindevertreter*innen, Architekt*innen, Gutachter*innengremium und weiteren in Kunstvermittlung und Prozesse involvierten Personen verwirklichte Kunst im öffentlichen Raum Nieder­ österreich (KOERNOE) in den bisherigen 30 Jahren seines Bestehens mehr als 600 permanente und temporäre Projekte. Europaweit findet sich kaum eine andere Region1 mit einer derart dichten Konzentration von künstlerischen, barrierefreien Projekten, die direkt an Gemeinden und kommunale Einrichtungen angedockt sind. Frei zugänglich für alle sieht sich Kunst im öffentlichen Raum mit verschiedenen Interessen und Öffentlichkeiten konfrontiert. Ursula Maria Probst hat für dérive mit Katrina Petter, Leiterin von KOERNOE, ein Gespräch unter anderem über Relevanz, Rolle, neue Konzepte und Konstellationen sowie Vermittlungsarbeit von Kunst im öffentlichen Raum geführt. Ursula Maria Probst und Katrina Petter — Kontinuierliche Offenheit, intensiver AUSTAUSCH

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MANFRED RUSSO

FRESSMEILE oder zivile

RAUMWERDUNG

Zur geplanten Halle am Naschmarkt Naschmarkt, Wien, Stadtraum, Markt, Stadtgeschichte, Zivilgesellschaft, Stadtplanung, öffentlicher Raum, Monarchie, Repräsentation, Otto Wagner

Blick stadtauswärts auf den hintersten Teil des Naschmarkts, den anschließenden Parkplatz und die Wienzeile. Foto — Christopher Mavrič

Seit Monaten wird nun über die Umgestaltung eines Abschnitts des Naschmarkt-Areals diskutiert, weil Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) die Errichtung einer offenen Markthalle vorgeschlagen hat, und mit diesem Plan auf heftige Abwehr der Anrainer*innenschaft stößt. Der Ort hat aber eine über die scheinbare Profanität der aktuellen Nutzung weit hinausgehende, überraschende Vergangenheit als Illusionsraum und ein erhebliches Potenzial. Die prägende Illusion des Ortes besteht darin, dass er vor über hundert

Jahren den Anfang eines spektakulären Boulevards zum Schloss Schönbrunn bilden sollte, um eine Repräsentation der Mo­narchie zu ermöglichen, während er heute die Chance zur Begründung einer neuen Form von Öffentlichkeit bietet, die außerhalb der etablierten Macht des Staates steht und von zivilgesellschaftlichen Akteur*innen gestaltet wird. Damit wird der Antagonismus zwischen der Verräumlichung der Macht, wie die Gestaltungswünsche der regierenden Partei Wiens nach einer Markthalle zeigen, die nur eine Fortset-

zung der Vergnügungs- und Ess-Zeile darstellt, und einer öffentlichen Raumwerdung durch eine neue, lebendige Debatte jener damit nicht einverstandenen Bürger*innen bekräftigt. An den Wiener Naschmarkt schließt stadtauswärts ein Gelände an, das ursprünglich der Errichtung eines Gemüsegroßmarktes diente, der sich aber an diesem Ort mangels Anbindung an das Eisenbahnnetz nicht wirklich etablieren konnte, aber dennoch bis in die 1970er Jahre bis zur Absiedlung nach Inzersdorf Bestand hatte. Danach verblieb dort eine freie Fläche, die als Parkplatz genutzt wird und am Samstag den bekannten Flohmarkt beherbergt. Es ist beachtlich, wie lange sich dieser Ort einer Verbauung entzogen hat und welche Gestaltungsversuche er unbehelligt überlebte. Das letzte Beispiel dafür war 1959 der Vorschlag der Stadtplanung unter Roland Rainer, die A1 (Westautobahn) mittels Wiental-Expressstraße hier in die Stadt zu führen. Diese Idee einer Straße anderer Art hatte auch schon Otto Wagner über 50 Jahre zuvor, er plante im Zuge der Errichtung der Stadtbahn eine Einwölbung der Wien und die Errichtung eines Prachtboulevards vom Karlsplatz, der damals Kaiserin-Elisabeth-Platz hieß, zum Schloss Schönbrunn hin. Während Rainers Vorschlag den kinetischen Fantasien seiner Zeit entsprach, beruhte der imaginäre Boulevard Wagners auf einer alten anthropologisch-politischen Idee

Manfred Russo — Zur geplanten Halle am NASCHMARKT: Fressmeile oder zivile Raumwerdung

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BACKISSUES

dérive Nr. 1 (01/2000) Schwerpunkte: Gürtelsanierung: Sicherheitsdiskurs, Konzept – und Umsetzungskritik, Transparenzbegriff; Institutionalisierter Rassismus am Beispiel der »Operation Spring« dérive Nr. 2 (02/2000) Schwerpunkte: Wohnsituation von MigrantInnen und Kritik des Integrationsbegriffes; Reclaim the Streets/ Politik und Straße dérive Nr. 3 (01/2001) Schwerpunkt: Spektaktelgesellschaft dérive Nr. 4 (02/2001) Schwerpunkte: Gentrification, Stadtökologie dérive Nr. 5 (03/2001) Sampler: Salzburger Speckgürtel, Museumsquartier, räumen und gendern, Kulturwissenschaften und Stadtforschung, Virtual Landscapes, Petrzalka, Juden/Jüdinnen in Bratislava dérive Nr. 6 (04/2001) Schwerpunkt: Argument Kultur dérive Nr. 7 (01/2002) Sampler: Ökonomie der Aufmerksamkeit, Plattenbauten, Feministische Stadtplanung, Manchester, Augarten/Hakoah dérive Nr. 8 (02/2002) Sampler: Trznica Arizona, Dresden, Ottakring, Tokio, Antwerpen, Graffiti dérive Nr. 9 (03/2002) Schwerpunkt in Kooperation mit dem Tanzquartier Wien: Wien umgehen dérive Nr. 10 (04/2002) Schwerpunkt: Produkt Wohnen dérive Nr. 11 (01/2003) Schwerpunkt: Adressierung dérive Nr. 12 (02/2003) Schwerpunkt: Angst dérive Nr. 13 (03/2003) Sampler: Nikepark, Mumbai, Radfahren, Belfast dérive Nr. 14 (04/2003) Schwerpunkt: Temporäre Nutzungen dérive Nr. 15 (01/2004) Schwerpunkt: Frauenöffentlichkeiten dérive Nr. 16 (02/2004) Sampler: Frankfurt am Arsch, Ghetto Realness, Hier entsteht, (Un)Sicherheit, Reverse Imagineering, Ein Ort des Gegen dérive Nr. 17 (03/2004) Schwerpunkt: Stadterneuerung dérive Nr. 18 (01/2005) Sampler: Elektronische Stadt, Erdgeschoßzonen, Kathmandu, Architektur in Bratislava dérive Nr. 19 (02/2005) Schwerpunkt: Wiederaufbau des Wiederaufbaus dérive Nr. 20 (03/2005) Schwerpunkt: Candidates and Hosts

Bestellungen via Bestellformular auf www.derive.at oder an bestellung(at)derive.at. Alle Inhaltsverzeichnisse und zahlreiche Texte sind auf der dérive-Website nachzulesen.

dérive Nr. 21/22 (01-02/2006) Schwerpunkt: Urbane Räume – öffentliche Kunst dérive Nr. 23 (03/2006) Schwerpunkt: Visuelle Identität dérive Nr. 24 (04/2006) Schwerpunkt: Sicherheit: Ideologie und Ware dérive Nr. 25 (05/2006) Schwerpunkt: Stadt mobil dérive Nr. 26 (01/2007) Sampler: Stadtaußenpolitik, Sofia, Frank Lloyd Wright, Banlieus, Kreative Milieus, Reflexionen der phantastischen Stadt, Spatial Practices as a Blueprint for Human Rights Violations dérive Nr. 27 (02/2007) Schwerpunkt: Stadt hören dérive Nr. 28 (03/2007) Sampler: Total Living Industry Tokyo, Neoliberale Technokratie und Stadtpolitik, Planung in der Stadtlandschaft, Entzivilisierung und Dämonisierung, Stadt-Beschreibung, Die Unversöhnten dérive Nr. 29 (04/2007) Schwerpunkt: Transformation der Produktion dérive Nr. 30 (01/2008) Schwerpunkt: Cinematic Cities – Stadt im Film dérive Nr. 31 (02/2008) Schwerpunkt: Gouvernementalität dérive Nr. 32 (03/2008) Schwerpunkt: Die Stadt als Stadion dérive Nr. 33 (04/2008) Sampler: Quito, Identität und Kultur des Neuen Kapitalismus, Pavillonprojekte, Hochschullehre, Altern, Pliensauvorstadt, Istanbul, privater Städtebau, Keller, James Ballard dérive Nr. 34 (01/2009) Schwerpunkt: Arbeit Leben dérive Nr. 35 (02/2009) Schwerpunkt: Stadt und Comic dérive Nr. 36 (03/2009) Schwerpunkt: Aufwertung dérive Nr. 37 (04/2009) Schwerpunkt: Urbanität durch Migration dérive Nr. 38 (01/2010) Schwerpunkt: Rekonstruktion und Dekonstruktion dérive Nr. 39 (02/2010) Schwerpunkt: Kunst und urbane Entwicklung dérive Nr. 40/41 (03+04/2010) Schwerpunkt: Understanding Stadtforschung dérive Nr. 42 (01/2011) Sampler dérive Nr. 43 (02/2011) Sampler dérive Nr. 44 (03/2011) Schwerpunkt: Urban Nightscapes dérive Nr. 45 (04/2011) Schwerpunkt: Urbane Vergnügungen dérive Nr. 46 (01/2012) Das Modell Wiener Wohnbau

dérive Nr. 47 (02/2012) Ex-Zentrische Normalität: Zwischenstädtische Lebensräume dérive Nr. 48 (03/2012) Stadt Klima Wandel dérive Nr. 49 (04/2012) Stadt selber machen dérive Nr. 50 (01/2013) Schwerpunkt Straße dérive Nr. 51 (02/2013) Schwerpunkt: Verstädterung der Arten dérive Nr. 52 (03/2013) Sampler dérive Nr. 53 (04/2013) Citopia Now dérive Nr. 54 (01/2014) Public Spaces. Resilience & Rhythm dérive Nr. 55 (02/2014) Scarcity: Austerity Urbanism dérive Nr. 56 (03/2014) Smart Cities dérive Nr. 57 (04/2014) Safe City dérive Nr. 58 (01/2015) Urbanes Labor Ruhr dérive Nr. 59 (02/2015) Sampler dérive Nr. 60 (03/2015) Schwerpunkt: Henri Levebvre und das Recht aus Stadt dérive Nr. 61 (04/2015) Perspektiven eines kooperativen Urbanismus dérive Nr. 62 (01/2016) Sampler dérive Nr. 63 (02/2016) Korridore der Mobilität dérive Nr. 64 (03/2016) Ausgrenzung, Stigmatisierung, Exotisierung dérive Nr. 65 (04/2016) Housing the many Stadt der Vielen dérive Nr. 66 (01/2017) Judentum und Urbanität dérive Nr. 67 (02/2017) Nahrungsraum Stadt dérive Nr. 68 (03/2017) Sampler dérive Nr. 69 (04/2017) Demokratie dérive Nr. 70 (01/2018) Detroit dérive Nr. 71 (02/2018) Bidonvilles & Bretteldörfer dérive Nr. 72 (03/2018) Warsaw dérive Nr. 73 (04/2018) Nachbarschaft dérive Nr. 74 (01/2019) Sampler dérive Nr. 75 (02/2019) Sampler dérive Nr. 76 (03/2019) Stadt – Land dérive Nr. 77 (04/2019) Wohnungsfrage dérive Nr. 78 (01/2020) Willkommen im Hotel dérive Nr. 79 (02/2020) Protest dérive Nr. 80 (03/2020) Pandemie dérive Nr. 81 (04/2020) Demokratische Räume dérive Nr. 82 (01/2021) Sampler dérive Nr. 83 (02/2021) Mobilität und Stadtplanung dérive Nr. 84 (03/2021) Place Internationale

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Impressum

Anzeigenleitung & Medienkooperationen: Helga Kusolitsch, anzeigen(at)derive.at Website: Artistic Bokeh, Simon Repp

dérive – Zeitschrift für Stadtforschung Medieninhaber, Verleger und Herausgeber: dérive – Verein für Stadtforschung Mayergasse 5/12, 1020 Wien Vorstand: Michael Klein, Christoph Laimer, Elke Rauth ISSN 1608-8131

Grafische Gestaltung: Atelier Anna Liska Lithografie: Branko Bily Coverfoto: Aneignung einer Brachfläche durch Skater in Wien St. Marx. Christopher Mavrič

Offenlegung nach § 25 Mediengesetz Zweck des Vereines ist die Ermöglichung und Durchführung von Forschungen und wissenschaftlichen Tätigkeiten zu den Themen Stadt und Urbanität und allen damit zusammenhängenden Fragen. Besondere Berücksichtigung finden dabei inter- und transdisziplinäre Ansätze.

Hersteller: Resch Druck, 1150 Wien

Grundlegende Richtung dérive – Zeitschrift für Stadtforschung versteht sich als interdisziplinäre Plattform zum Thema Stadtforschung.

Abonnement Standard: 28 Euro (inkl. Versandspesen Inland) Ermäßigt: 24 Euro (inkl. Versandspesen Inland) Förder- und Institutionenabo: 50 Euro Ausland jeweils plus 8 Euro Versandspesen

Redaktion Mayergasse 5/12, 1020 Wien Tel.: +43 (01) 946 35 21 E-Mail: mail(at)derive.at

Kontoverbindung Empfänger: dérive — Verein für Stadtforschung Bank: Hypo Oberösterreich IBAN AT53 54000 0000 0418749, BIC OBLAAT2L

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Wir danken für die Unterstützung: BMKOES – Kunstsektion MA 7 – Stadtteilkultur und Interkulturalität

dérive – Radio für Stadtforschung Jeden 1. Dienstag jeden zweiten Monat von 17.30 bis 18 Uhr in Wien live auf ORANGE 94.0 oder als Webstream http://o94.at/live. Sendungsarchiv: http://cba.fro.at/series/1235 Chefredaktion: Christoph Laimer

Die Veröffentlichung von Artikeln aus dérive ist nur mit Genehmigung des Herausgebers gestattet.

Redaktion/Mitarbeit: Thomas Ballhausen, Andreas Fogarasi, Elisabeth Haid, Judith Haslöwer, Barbara Holub, Michael Klein, Andre Krammer, Silvester Kreil, Karin Lederer, Erik Meinharter, Sabina Prudic-Hartl, Paul Rajakovics, Elke Rauth, Manfred Russo Autor*innen, Interviewpartner*innen und Künstler*innen dieser Ausgabe: Björn Ahaus, Pedram Dersch, Brigitte Felderer, Alicia Gerscovich, Daniel Gusenbauer, Max Hollweg, Christoph Laimer, Stephan Lanz, Judith M. Lehner, Marvi Maggio, Hannah Lucia Müller, Martina Nies, Katrina Petter, Ursula Maria Probst, Manfred Russo, Huda Takriti, Lisette von Maltzahn

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»Es sind jene ›radikalen »Bedürfnisse‹ wie Agnes »Heller sie beschreibt: »ein Leben voller »Bedeutung, eine Arbeit »voller Sinn, das Lernen, »das Bedürfnis nach »freier Zeit als radikale »Befreiung.« Marvi Maggio, S. 43

Transformation, Arbeiter*innenbewegung, Bildung, soziale Bewegungen, Selbstverwaltung, Besetzungen, Stadtteilzentrum, Kunst im öffentlichen Raum, Favelas, Covid, Naschmarkt


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