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Kurt Baier Robert C. Baillod Gil Balsiger Peter Bär Bruno Baumann Frank Baumann Gabrielle Baumann Marc Baumgartner Eugen Bébie Hans Beeli Hanspeter Beer

Beerli Othmar Benker André Bernet Felix Bieger Fridolin Biener Kurt Biland Alfons Binzegger Lilly Birkenmeier Otto Birkhäuser Theodor Bischof Werner Bisig Art

Bissegger Ruedi Black George Blagojevic Zavicha Blasius Jürgen Blass Domenico Blau Gisela Bloch Alexander Bohnenblust Marc Bolli Rolf Bonadei Katja Bon

Pascale Bootz Rolf Bortolini Markus Bortoluzzi Toni Bosch Walter Bosshard Beat U. Bosshardt Werner Breitler Richard Brélaz Daniel Brem Stefan Bretscher Urs B

Piero Schäfer

Sandro Bruderer Pascale Brunner Erwin Brunschweiler Hansjörg Buchholz-Kaiser Annemarie Büchi Ralph Burnet Leo Burri René Bütler Hugo Butter David Butz Theo

Calore Daniela Cantieni Benita Capra Andrea E. Caprez Pierino Carabelli Franco Cardin Pierre Carosone Renato Casparis Urs Cattani Alfred Caviezel Walter Chab

Boris Clément Thierry Collier Wendy Collioud Fredy Coninx Hans Heinrich Conrad Michael Cortesi Mario Crotti Roger Curti Beat Danuser Hanspeter de Sousa Raph

de Szepessy Ali de Szepessy Marion Debray Régis Delamuraz Jean-Pascal Demuth Walter Dennis Penny Mary Detsch Hanspeter Deville Rodolphe Dietrich Erwin

FalkensChloss

Dillier Urs Dinten-Flueler Irène Dreher Sabine Ducret Sophie Ebel Horst Eberhardt Urs Ebner Franz Eckmann Daniel Eggli Daniel Egwunwoke Eze Onu Ehrensper

Werner Eisenegger Otto Eisenring Teresa Emmenegger Urs Ernst Heinz Estermann Josef Euler Michel Everts Peter Fabrikant Remy Favre Michel M. Feldmann E

Feliciano José Ferrara Pasquale Fetscherin Alfred Fingerhuth Carl Finsterwald Hansjörg Fischer Erich Fischer Max Flückiger Heinz Fontana Franco Fontana Marco F

Aldo Frei Edgar Frei Mäni Frei Patrick Frei Ruedi Freund Jürgen Frey Carlo Frey Jürg Frey Marc Frey Max Frey Nils Friedrich Roger Frisch Max Frutiger Adrian Fue

Martin A. Fuhrer Peter Furrer Herbert Galli Greg Galli Paul Gallmann Ernst Gamper Ursula Ganz Bruno Gassner Reiner Geiger Sandra Geissbühler Domenic George G

Gerig Christian Giger Willy Gisler Markus Glanzmann Anton Glattfelder Edwin Glaus Urs Gmür Ivo Godden Tim Gorbatschow Michail Gottet Midi Götz Hansueli Graf K

Grandjean Dominic Grau Paul Gräzer Kunigunde Grob-Menges Ulla Grolimund Kurt Grubenmann Marcel Guevarra Che Gutknecht Michel Gutzwiller Felix Gysin G

Erlebnisse eines Medienwanderers

Gysin Urs Haab Heinz Haag Willy Hagius Jacqueline Haldimann Ueli Haller Albert Hanselmann Heidi Hargitay Peter Hartmann Erich Hartmann Prof. Hartmeier Pe

Hässig Lukas Hauser Tobias Häusermann Hansruedi Havas Harald Hayek Nicolas Hefermehl Beat Heiderich Otto Heimann Heinz Hellstern Martin Henneka Dietm

Hertel Peter Heusser Regula Heusser Thomas Hiller Michael Hinnen Hannes Hirzel Aloys Hitler Adolf Hoby Jean-Pierre Hochreutener Norbert Hodel Beat Hofer An

Hofer Polo Hoffmann Heinrich Hofmann Hans Höhn Hugo Holdener Fridolin Holland Nigel Höltschi Peter Horak Peter Hörner Odilo Houriet Jacques Huber Fritz Hü Gerhard Hug Bruno Hugelshofer Margot Hunziker Geni Hürlimann Peter Hürlimann René R. Hurni Beat Hurst C. John Hurter Jürg Illien Andy Ishihari T. Isler Gerhart

Edgar Jacques Ursula Jaussi Jean-Philippe Jenny Thomas Johannes Paul II Johanson Tor Joliat Pierre Joos Verena Jost Beat Kaa Vera Kachelmann Jörg Kadezky Ka

Fritz Kämmerling Christian Kappeler Klaus Kauter Christian Kehl Daniel Keigel Eva Kellenberger Yvonne Keller Kurt Keller Walter L. Kessler Remo Kettiger Peter Kin

Klaus Kistler Bruno Klages Claudio Klapper Sabine Klee-Rohner Helga Klingler Karl Klinner Gerd Klöti Hans Jörg Knuchel Christoph Kobi Fritz Kohnke Manfred Ko

Arnold König Ralf Korolnyk Jacques Kostner Kevin Krügel Marius Krüll Mike Kuhn Rainer Kühn Richard Kujau Konrad Külling Ruedi Kündig Markus Kundu Shri Sam

rendra Küng Anton Kyburz Jules Lacher Roland Laforet Marie Lamunière Pierre Landolt Guy Lätsch Marcel Leber Carlotte Lebert Stefan Lehmann Andy Lehne Eckeh

Lerch Peter Lesch Peter Leso Katalin Lesser Robert R Leutenegger Filippo Leutenegger Peter Leuthard Doris Leuthard Urs Liebi Erich Lienert Patrick Lindross Bj

Lippuner Hans Lombardi Filippo Luchsinger Fred Luchsinger Fridolin Luck Monika Lüdi Urs Lüdi Werner Lunde Lars Lüönd Karl Lüthi Bänz Lüthi Lu Luvualu Sergio L

Sandy Mäder Markus Marley Bob Marquard Jürg Marsden David Marti Hanspeter Marti Peter Marti Romaine Marti Walter Martin Claude Marty Hugo Masafret T

Matter Daniel Mätzler Guido Maurer Chantal Maurer Jürg Mayer Roger Meier Christine Meier Christoph Meier Ernst Meier Peter Meier Ursula Meili Alfred Mel

Margret Mengis Philipp Merico Daniele Merki Kurt-Emil Mettler Eric Metzger Beat Meyer Frank A. Meyrat Pierre Moers Walter Mohr Jean Mühlemann Christoph Mü

Andreas Müller Andreas 2 Müller Christian Müller Georges Müller Raffael Münger lic. jur. Murphy Terry Nagata Masaichi Nardo Asmi Neuenschwander Martin Neum

Peter Nicklaus Gerry Nicole Jean Claude Niederer Rolf Nobel Peter Oberholzer Alex Ochsenknecht Uwe Oetterli Bruno Ogilvy David Osterwalder Urs Pesenti Patr Philips Claude Philips Peter Pilmann Josef Pochon Constant-Ed. Pointet Pierre-Etienne Postman Neil Prange Oliver Preisig Dölf Prokesch Andreas Ptiluc Pucci

Pusterla Carlo Ramme Jörg Rapp Stan Rappold Max Rehmann Heinz Reidhaar Felix Reinhard Edgar Rey Werner K. Richard Claude Richard Keith L. Rieder René Riem

Robert Rindlisbacher Jörg Ringier Christoph Ringier Michael Rizzi Silvio Robbiani Dario Robert Jean Roduner Reiner Rogivue Philippe Rogner Felix Rohner Peter R

Ruedi Rohrer Fredy Rosenast Hans U. Rothenbühler Peter Ruf MarkusRussi Bernhard Rüttimann Bruno Sartorius Peter Saxer Marc Schaerer Dieter Schäfer Ru

Schäfer-Calore Daniela Schalk Willi Schaller Jean-Marie Schärer Kurt P. Schawinski Roger Schiavo Elso Schib Willi Schindler Anna Schlatter Beat Schmezer U

Schmid-Sutter Carlo Schmid John Schmid Walter Schmutz René Schneeberger Peter Schneider Christian Schneider Karl F. Schnyder Urs Schraner Milo Schregenber

Gebi Schumacher Yves Schürmann Leo Schwaninger Hildegard Schweizer Hans Ulrich Schwenninger Marc Scotti Ivan Seiler Herbert Senning Ake Sidler Peter Sie

Michael Sigg Helmi Silvio Kippe Singh Vijay Kumar Sirsch Reiner Smirnow Igor Speich Suzanne Sperisen Rolf O. Spiller Willy Spillmann Martin Spinner Wilfr

Spross Werner Spühler Josy Stäheli Polo Stalder Robert Stamm Hugo Staub Kurt Stauber Katja Stäubli Jürg Steinacher Jürg L. Steinemann Rico Steiner Andy Stei

Jörg Steiner Sigfrit Steiner Urs Steinmann Cary Steinmann Matthias Steuer Robert Stierli Paul Stocker Roland Storjohann Johnny Strittmatter Hermann Strohm Da

Studer Guido Studer Peter Stump Bruno Stutz Andy Sulzer Francis Sutcliff Peter Suter Martin Suter Peter Sutter Conny Sutter Roland Szolansky Franz Taruella Vi

Tessier Elisabeth Theimer Adrienne Theobald Adolf Thierling Detlef Tognola Victor J. Tognoni Guido Tomasini Eros Ton-That Yves Trachsel Jacques Tragos Bill T

Lucien Tschanz Beatrice Uhlig Andreas Ungerer Martin Ungerer Tomi Venzago Alberto Vieli Klaus Villiger Heinrich Violi Enrico Vögeli Heinz Vogt Jules von Arx Rom

von Babo Michael von Podolsky Andreas von Senger Franz Ludwig Vontobel Hans Vorlet Christoph Waldvogel Michael Walesa Lech Walther Göpf Weber Felix We

Reinhold Weber Robi Weder Walter Weingartner Ernest Weingartner Pascale Weiss Martin Weisser Fredy Westermann Felix Westwood Vivian Widmer Bruno Widm

Sigi WieLand Hannes Wiener Max Wiesendanger Ueli Wildbolz Jost Winistoerfer John Winkelmann Marcel Wirz Adolf Wirz Jost Wright Brian Wüthrich Beat W

Ruedi Wyss J. Pepe Zahn Victor Zanoni Urs Zeltner Thomas Ziegler Jean Ziegler Urs Zielke Gerd Zimmermann Kurt W. Zimmermann Peter Ziswiler Urs Zogg Hei

Zürcher Hansjörg Zürrer Mario Aebi Jean Etienne Alarcon Juan Altheer Conrad Amman Markus Ammann Brigitte Antonilli Roberto Arnold Ruedi Asman Richard Att

hofer Elise Bächtold Rudolf Baer Kurt Baier Robert C. Baillod Gil Balsiger Peter Bär Bruno Baumann Frank Baumann Gabrielle Baumann Marc Baumgartner Eugen Bé

Hans Beeli Hanspeter Beer Urs Beerli Othmar Benker André Bernet Felix Bieger Fridolin Biener Kurt Biland Alfons Binzegger Lilly Birkenmeier Otto Birkhäuser Theo

Bischof Werner Bisig Arthur Bissegger Ruedi Black George Blagojevic Zavicha Blasius Jürgen Blass Domenico Blau Gisela Bloch Alexander Bohnenblust Marc Bolli R

Bonadei Katja Bonalli Pascale Bootz Rolf Bortolini Markus Bortoluzzi Toni Bosch Walter Bosshard Beat U. Bosshardt Werner Breitler Richard Brélaz Daniel Brem Ste


4

Falkenschloss, Erlebnisse eines Medienwanderers

Vorwort

Dies ist keine Biografie. Es ist vielmehr eine Retrospektive mit autobiografischen Zügen. Beleuchtet wird eine Zeitspanne von rund 40 Jahren, und im Fokus steht eine Branche, der ich in dieser Zeit angehörte. Angehören durfte, denn im Nachhinein stelle ich immer wieder fest: Es war ein Privileg, damals dabei zu sein. Medien und Werbung, die zwei teilweise sehr widersprüchlichen, aber auf Gedeih und Verderb miteinander verwobenen Bereiche der Kommunikation gehören zweifellos zu den Arbeitsbereichen mit den spannendsten Aufgaben, den schillerndsten Persönlichkeiten und den erinnerungswürdigsten Ereignissen. Hunderte von Protagonisten dieser Szene kommen im Buch vor. Sie sind die Hauptfiguren einer glänzenden Epoche, die, besonders in den 80erJahren, keine Grenzen zu haben schien. Viele, die im Buch vorkommen, sind nicht mehr. Haben uns – teilweise viel zu früh – verlassen. Die Geschichten über sie aber bleiben bestehen, können auch heute noch ein Schmunzeln oder Nachdenklichkeit auslösen. Für all jene, die die goldene Zeit des auslaufenden 20. Jahrhunderts in dieser Branche miterlebt haben, mag «Falkenschloss» die eine oder andere Erinnerung wachrufen. Und der jungen Generation, für welche das alles graue Vergangenheit ist, kann das Buch einen Einblick in eine einmalige Zeit gewähren. Die 99 Episoden handeln manchmal von unterhaltsamen, manchmal auch ärgerlichen Begegnungen mit Menschen,


5

die mein Leben begleitet oder geprägt haben. Es geht keineswegs um eine Abrechnung, aber jene, die mir allzu sehr auf die Füsse getreten sind, werden nicht mit Lob bedeckt. Vielleicht sind es gerade diese wenigen Phasen, die das Salz in der Suppe ausmachen, denn ich gehöre zu den Glücklichen, die im Leben fast nur gute Erfahrungen mit Menschen gemacht haben. Insofern ist «Falkenschloss» auch ein wenig ein Dankeschön an all jene, die mir freundschaftlich begegnet sind. Die Rubrik «Im Storchen getroffen», die heute kein Mensch mehr kennt, war in jener Zeit Kult. Ihr ist ein besonderes Kapitel gewidmet, und die Gesprächspartner, die zu einem aktuellen Thema in die Bar eingeladen worden waren, kommen noch einmal zu Wort. Mit Statements aus jener Zeit. Bemerkenswert dabei ist die Tatsache, dass die Aussagen von damals kaum an Aktualität eingebüsst haben. Sollte man sich darüber Gedanken machen? Vielleicht wird auch bloss die Bedeutung einer im Moment aktuell scheinenden Aussage etwas relativiert. Ich wünsche allen, die eine Vorliebe haben für Geschichte und Geschichten, viel Spass beim Hüpfen durch eine einmalige und denkwürdige Zeit. Piero Schäfer


6

Falkenschloss, Erlebnisse eines Medienwanderers

Die Episoden Das Vorspiel

10

Intermezzo als Privatdetektiv

12

Jura als Verlegenheitsstudium

13

Das Drama um Wendy

14

Zwei Horrortage am Flughafen Colombo

15

Die Leidenszeit des Lizentiats

18

Dann wenigstens einen Titel

19

Unerwarteter Schulbesuch

20

Definitiver Einstieg in die Medienwelt

21

Tisch 11 mit eigenem Telefonanschluss

23

Ein Vulkan im Falkenschloss

24

Die Wundertüte Marion

25

Markus, der Unerbittliche

26

Ballonprobleme mit Sigi Widmer

27

Theaterkritik löst einen Konflikt aus

29

Ein Regierungsratskandidat wird unterschlagen

30

Fast ein blaues Auge wegen dem roten Erdbeermund

32

Der falsche Aussenminister

34

Sprachlos wegen Marie

34

Ein Rüffel vom grossen Chef

35

Peinlichkeit im Bienenstock

36

Schlafend und doch hellwach

37

Künstlermaskenball mit nachhaltigen Folgen

38

Schawinskis Unverfrorenheit

39

Beginn der Jugendunruhen: Wehret den Anfängen

40


7

Adieu Falkenstrasse

42

Die bemerkenswerte Prognose des indischen Handlesers

43

Der Trick mit den Spesen

44

Mit Alberto Venzago beim Ripper von Leeds

45

Der dreifache Geburtstag

46

Der Flop am Kiosk

47

Die Invasion fand nicht statt

48

Russisches Roulette auf den Strassen

50

Unterwegs mit falschen Dolmetscherinnen

51

Pirouetten auf Eis

54

Nach dem Biafrakrieg bei Seiner Majestät König Egwunwoke

55

Blindflug am Freitag, dem 13.

56

Im Einsatz für das IKRK

59

Marihuana so weit das Auge reicht

59

Skandalöse Hilfspaketverteilung

61

Die merkwürdigen Tischsitten des José F.

62

Lotterie um einen Mercedes

63

Ein schwieriger Textchef namens Kohnke

65

Zyniker vom Dienst

66

Hochzeitsreise auf Spesen

67

Papstattentat: SI war dabei

70

Wenig Fortune bei Mosse

70

Ein Fastabsturz mit der Concorde

71

Ein Penis am falschen Ort

73

Journalismus à la chinoise

74


8

Falkenschloss, Erlebnisse eines Medienwanderers

Graupel im Juni

74

Schicksalhafte Begegnung an der Storchengasse

75

Im Storchen getroffen: Eine Rubrik wird Kult

78

Ein fieser Konkurrent

98

Für ein Interview schnell nach Chicago

99

Zu Besuch bei Pierre Cardin

101

Hermann Strittmatters Direktheit

102

Ein Buch als Akquisitionshit

103

Ein Interview sorgt für rote Köpfe

105

David Ogilvy im Grandhotel Dolder

107

Der Albtraum jedes Journalisten

108

Die drapierten Turnschuhe

110

NZZ-Marktforschung als Alibiübung

111

Ein Abgang mit Getöse, aber auch Sympathiebekundungen

112

Abschiedsparty im California

113

Fehlstart in die Selbstständigkeit

114

Media Merger als Spiel

115

Die Geschichte eines Attentatsopfers

117

Eine Zeitschrift sorgt für Stimmung: up

118

Hitlers Tagebücher an der Forchstrasse

120

Beat Curtis spontane Zusage

123

Anwälte sorgen für Skepsis

125

Ein KGB-Agent in meinem Büro

127

Epilog in Barcelona

131

Das Ende naht

132


9

Der reichste Mann der Welt als Kunde

133

Blagojevic darf japanisches Geld drucken

135

Das Versprechen der Schuldenübernahme

140

Japanische Botschaft dementiert

141

Stadtpräsident Estermann verzichtet

142

Das launige Fernsehexperiment Eden TV

143

Ein Condom bewahrt uns vor dem Ruin

146

Schawinski auf der Überholspur

149

Silberstreif am Horizont: Golf & Country

151

Opus Dei als Turnierorganisator

153

Grande Bouffe und Maruzella auf Chinesisch

155

Der Rausschmiss kündigt sich an

158

Rendezvous zur Schäferstunde

160

Jost Wirz hilft aus dem Engpass

164

Prozess wegen einer neuen Zeitschrift

165

Schweizer Golfszene aufgemischt

167

Der zweite Rausschmiss

169

Aussicht auf Seesicht

170

Politische Arbeit mit Misstönen

173

Ideologische Grabenkämpfe

175

Das Wort entzogen

176

Kampf für die Lauterkeit in der Werbung

177

Klage gegen die Lauterkeitskommission

179

Campari Soda zum Finale

180


Prof. Ake Senning

Peter Everts

Falkenschloss, Erlebnisse eines Medienwanderers

1968

10

Grandcafé Odeon, damals Treffpunkt vieler Studenten. Auch der gescheiterten.

Das Vorspiel

Ohne Peter Everts wäre vielleicht alles ganz anders

gekommen. Der spätere Migros-CEO war Ende der 60er-Jahre Student und daneben als freier Journalist tätig. Meistens für den Züri Leu. Und er war häufig im Café Odeon anzutreffen. Der grossgewachsene Jungjournalist strotzte vor Selbstbewusstsein, war fantastisch vernetzt und wusste, wo es Jobs gab. Auch in der Medienszene. Nach einem missratenen Medizinstudium sass ich gelangweilt und in eher welker Stimmung im Grand Café am Bellevue, suchte Ablenkung und neue Perspektiven und packte die Gelegenheit beim Schopf, als mir Everts mitteilte, dass man bei der Photopress einen Redaktor suche. Zwar hatte ich keinerlei journalistische Erfahrung, aber die Schreiberei hatte mir eigentlich immer Spass gemacht. Und dies obschon mein miesepetriger Deutschlehrer Rittmeier meinen Stil stets verabscheut und mit lausigen Schulnoten meine Motivation untergraben hatte.

an, der in erster Linie darin bestand, Bildlegenden zu texten. Photopress war eine Bild-Newsagentur, die den Zeitungen täglich Schwarz-Weiss-Papierfotos per Post zustellte, abgepackt in Kuverts. Vom Personal und auch von der Redaktion. Daneben stellte man auch Plastikklischees her für die kleinen Verlage, die selbst über keine Klischiergerätschaften verfügten. Geschäftsführer der Bild-Nachrichtenagentur am Sumatrasteig 3 war Carlo Frey. Den sah man allerdings praktisch nie. Der zum Clan des Jean Frey Verlages gehörende und mit Verleger Max Frey verwandte Direktor war meist irgendwo auf den Weltmeeren unterwegs oder auf der Suche nach einer neuen Yacht. Ihn interessierten jedenfalls die per Telex hereinkommenden Boot-Angebote aus aller Welt entschieden mehr als die News, die wir zu bearbeiten hatten. Reiner Gassner hielt sich chefmässig relativ diskret aus dem Tagesgeschäft zurück. Nur wenn etwas Besonderes geschah, wie etwa das Attentat auf die El-Al-Maschine in Kloten am 18. Februar

Also wagte ich den Schritt in die Medienwelt und

1969 oder die erste Herztransplantation des Lan-

meldete mich bei Photopress am Sumatrasteig in

des am Unispital durch Prof. Ake Senning, wirbelte

Zürich. Der Chefredaktor von Photopress Reiner

er wie ein Tsunami durch die Büros, machte alle

Gassner empfing mich, und wir waren uns schnell

konfus und brachte den redaktionellen Ablauf total

einig. Für 1100 Franken im Monat trat ich den Job

durcheinander. Da aber Attentate und Herzopera-


Regula Heusser

11

In diesem Haus am schnupp erte ich e Sumatrasteig rstmals a der Med n der We ien. lt

Sensationen waren selten: Zu ihnen gehörte das Attentat auf die El Al Maschine am 18. Februar 1969.

tionen seltene Ereignisse sind, blieb die Redaktion

gendwo im Hintergrund bei Fussballländerspielen

weitgehend unbehelligt.

oder Pressekonferenzen: Walter L. Keller. Er war Chefreporter, durchaus tüchtig, aber ein unberechenbares und cholerisches Raubein. Als wir auf

Wie sich jemand dermassen überschätzen kann ist mir schleierhaft.

der Redaktion einmal einen Termin verschlampt hatten, raste er wie weiland Rumpelstilzchen, fluchte und beleidigte alle An- und Abwesenden in einem baseldeutschen Rundumschlag und einer Form, die mir unvergesslich ist. Vor allem weil ich eines der wenigen Male in meinem Leben heiligen

Regelmässig mussten wir uns dafür Gassners Prah-

Zorn aufsteigen fühlte und ihn fast tätlich auslebte.

lerei über seine Gesangskünste anhören. Fast täg-

Es hätte nicht viel gefehlt, und wir wären mit Stüh-

lich ging er zum Gesangsunterricht in der Nähe des

len aufeinander losgegangen.

Jelmolis und träumte von einer Karriere als grosser Tenor. Und wenn am Samstagabend im Fernsehen

Ein andermal stauchte Keller seinen Kollegen Josef

irgendein Star seines Faches auftrat, mussten wir

Pilmann zusammen, der nach einer Reportage über

uns am Montag prompt anhören, wie schlecht der

Motocross klumpenweise Erde an seinen Schuhen

eigentlich sei und wie er, Gassner, das doch genau-

in die properen Redaktionsräume gestiefelt hat-

so gut oder noch besser könne.

te. Pilmann, kurz vorher aus der Tschechoslowakei geflüchtet, konterte – den fremdenfeindlichen

Einmal nahm mich Gassner mit zu einer Gesangs-

Ton sehr wohl spürend – völlig cool: «Das ist gute

probe. Eine ziemlich gelangweilte Gesangslehrerin

Schweizer Erde.»

und eine erheblich abwesend wirkende Pianistin versuchten, dem Schüler Gesang beizubringen. Es

Highlight des Tages bei Photopress war jeweils der

klang wenig überzeugend. Wie sich jemand der-

Besuch von Regula Heusser. Sie war jung, gescheit

massen überschätzen kann ist mir schleierhaft. Am

und attraktiv, und sie hatte die Aufgabe, Bildlegen-

Fernsehen habe ich Gassner jedenfalls nie gesehen.

den für die Westschweizer Zeitungen zu überset-

Einen der Photopress-Fotografen sehe ich dagegen

zen. Wenn sie gegen Abend auftauchte, verzauber-

heute noch gelegentlich. Meist im Fernsehen. Ir-

te die aparte Slawistin und Sowjetunion Kennerin


Robert Riemer

Falkenschloss, Erlebnisse eines Medienwanderers

Milo Schraner

12

die Räume des grauen Gebäudes und motivierte

jenen Tagen hätte ich nicht gedacht, dass ich der-

die anwesenden Redaktoren zu Galanterie und

einst die Laudatio zu Milos 65. Geburtstag im Erli-

Esprit. Oder was sie dafür hielten. Sie war bele-

bacherhof halten würde.

sen und wesentlich besser informiert als wir alle, und vor allem hatte sie Sympathien für die deutsche APO, was den meisten von uns, die wir bisher von aufmüpfiger Politik keinen Schimmer hatten, eine neue Welt eröffnete. Vielleicht wurde damals auch Redaktor Robert Riemer ideologisch aufgeschreckt, jedenfalls machte er später als Zürcher Regierungsratskandidat der Marxistischen Liga von sich reden. Wir begegnen Robert später wieder. Regula arbeitete anschliessend viele Jahre bei

Intermezzo als Privatdetektiv

Ein Mittagessen mit einem ehemaligen Kommilito-

der NZZ im Inlandressort. Erstaunlich eigentlich

nen der medizinischen Fakultät, Edgar Frei, lenkte

bei ihrer politischen Vorliebe. Sie ist auch heute

mein Leben in eine andere Bahn: Wir hatten schon

noch schlank und elegant, nur ihre nach wie vor

im Studium stets Sympathie füreinander empfun-

hochgesteckt getragenen Haare sind etwas silbrig

den, und ich war sogar einmal für das Büro sei-

geworden. Und ihre Garderobe ist irgendwie in

nes Vaters tätig. Dieser betrieb eine kleine Privat-

den 68ern stehen geblieben.

detektei in Adliswil. Eines Tages rief mich Edgar an und fragte, ob ich nicht jemanden beschatten

Damals lernte ich eine der schillerndsten Figuren

könne. Der fahre ein schnelles Auto, und er kön-

der Werbebranche kennen: Milo Schraner. Der

ne da mit seinem alten Göppel nicht mithalten. Ich

Mann war ein leibhaftiger und fülliger Wirbelwind.

fuhr damals einen Porsche. Nicht den neuen 911er

Wenn er in die Redaktion fegte, spürte man das

freilich, sondern ein altes Modell 356 C vom Oc-

physisch, dergestalt war sein Selbstbewusstsein.

casionsmarkt, das ich an der Überlandstrasse für

Mit einer qualmenden Huifcar-Zigarre im Mund

siebentausend Franken erstanden hatte, der mit

hämmerte er wie ein Specht PR-Texte, welche das

den sinnlichen Formen. «Billy» hatte ich ihn liebe-

Budget von Photopress ein wenig aufbesserten, in

voll genannt, und Billy war etwas spritziger als die

die Tasten unserer ächzenden Adler-Apparate. In

durchschnittlichen Familien-Karossen.


13

Weil er etwas schneller als die Familienautos war, wurde «Billy» als Vehikel für eine Beschattung eingesetzt.

mit Unschuldsmiene an ihm vorbei. Als ich weiter

Zur Tarnung hielt ich eine Zeitung vor das Gesicht, beobachtete die Szenerie durch ein Loch darin und fühlte mich ein wenig wie James Bond. Auftragsgemäss sollte ich einen Mann im Auge behalten, der von seiner Gattin verdächtigt wurde, ehelich-kollaterale Aktivitäten zu entfalten. Und so hatte ich mich mit Billy auf einem Parkplatz hinter einer Absteige in Küssnacht, SZ, platziert. Sicht zum Hintereingang, wo der Freizeit-Casanova mutmasslich das Haus verlassen würde. Zur Tarnung hielt ich eine Zeitung vor das Gesicht, beobachtete die Szenerie durch ein Loch darin und fühlte mich

vorne endlich anhalten konnte, hatte mein Opfer bereits gewendet und war verschwunden. Das war mein erstes und zugleich letztes Abenteuer als Privatdetektiv. Mit Edgar Frei verband mich aber noch lange eine kollegiale Freundschaft.

Jura als Verlegenheitsstudium

ein wenig wie James Bond. Allerdings nicht lange.

So kam es, dass ebendieser Edgar mir bei dem be-

Kaum war der Hobbylover durch die Türe getreten,

reits erwähnten Mittagessen in der Rämi-Brasserie

schoss das Adrenalin durch meine Venen, das Herz

ins Gewissen redete: «Du hast doch die Matura ge-

pochte wild, und die Coolness wich Aufgeregtheit.

macht, warum gehst du nicht nochmals an die Uni?»,

Hoch motiviert startete ich den Motor, folgte dem

fragte er, und ich wusste eigentlich auch kein wirk-

Mann und hielt clever Abstand, um nicht gleich

lich triftiges Argument, das dagegen gesprochen

entdeckt zu werden. Doch der Verfolgte war arg-

hätte. Vor allem auch, weil ich das Bildlegendentip-

wöhnisch und verfügte offensichtlich über erhebli-

pen langsam satthatte. Und so schrieb ich mich an

che Routine. Kaum waren wir auf eine lange, gera-

der juristischen Fakultät ein. Ohne grossen Enthu-

de Strasse eingebogen, hielt er rechts an und liess

siasmus und mit der ziemlich naiven Vorstellung, Ju-

mich vorbeifahren. Ich schluckte leer und kurvte

risprudenz habe etwas mit Gerechtigkeit zu tun.


14

Falkenschloss, Erlebnisse eines Medienwanderers

Da ahnte Wendy Collier noch nichts von ihrem traurigen Schicksal.

nn. ihren Ba g alle in zo i th ü L l Lu Topmode

Es dauerte zwei oder drei Semester, bis ich merkte, dass dem nicht so ist. Da war es allerdings bereits zu spät: Der Point of no return war erreicht, und ich wollte nicht noch ein zweites Studium in den Lebenssand setzen. So robbte ich denn durch die Semester, verdiente daneben etwas Geld als

Lu war ein ausgesprochen unterhaltsames Wesen, stand überall im Mittelpunkt und warf mit flotten Sprüchen nur so um sich.

Reisebegleiter und Model. Beides tat ich weniger aus Begeisterung für die Tätigkeit als vielmehr aus Freude an den Begleitumständen. Ich reise für

Eine Episode sei dennoch erwähnt. Wenn auch eine

mein Leben gern, und die Kolleginnen, mit denen

traurige: Mit den beiden englischen Model Wendy

ich für Fotos posierte, waren jung und attraktiv.

Collier und Penny Mary Dennis posierte ich einmal

Und viele ziemlich einsam.

für Coca-Cola-Plakate. Auf dem Dach des Gemeindehauses in Wipkingen fand das Shooting statt, und wir verbrachten von da an viel Zeit zusammen. Das anregende Verhältnis fand aber ein ebenso tra-

Das Drama um Wendy

gisches wie abruptes Ende: Wendy Collier gehörte

Da gäbe es natürlich die eine oder andere romanti-

Monate mit dem Topmodel Lu Lüthi zusammen, die

sche Episode zu erzählen, aber mir sind inzwischen

vorher jahrelang eine klatschspaltenfüllende Affä-

die meisten Namen entfallen, und überhaupt geht

re mit dem Starfotografen Jost Wildbolz hatte und

zu den 346 Passagieren, die im März 1974 beim Absturz einer DC-10 der Turkish Airlines bei Paris ums Leben kamen. Eine weniger tragische Episode soll die vielseitige Singlephase jener Jahre abrunden. Ich war ein paar

es hier um Medien und nicht um Mädchen. Ob-

vor mir mit Urs Casparis zusammen war. Casparis

schon einige meiner Freunde, vor allem jene vom

war soeben ausgezogen und hatte ein paar persön-

Donnerstagstisch, Kurt Staub, Hans Bébie, Reini

liche Sachen in der Wohnung hinterlassen: In ei-

Roduner und Edgar Iten, das spannender fänden.

nem Schrank stand sogar noch sein Sturmgewehr.


15

Lu war ein ausgesprochen unterhaltsames Wesen, stand überall im Mittelpunkt und warf mit flotten Sprüchen nur so um sich. Zumindest in der Öffentlichkeit. Sie hatte den ...

Leseprobe gefällig? Bitte bestellen Sie Ihr persönliches Exemplar für CHF 30.00 unter www.falkenschloss-camparisoda.ch


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Falkenschloss, Erlebnisse eines Medienwanderers

Piero Schäfer «Falkenschloss»