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Yves Schumacher

Mein Buch

Das Buch f端r Herausgeber und Autoren in spe


Vorwort

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Ein eigenes Buch schreiben – warum nicht?

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CoLibri: Geburtshelfer und Büchermacher

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Das Buch als vielseitiges PR-Instrument

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Ghostwriting: Absolut salonfähig

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Vom sorgsamen Umgang mit Bildern

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Hilfe zur Selbsthilfe

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Wer liest überlebt Kurzgeschichte von Peter Zeindler

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Ode an das megabitefreie Buch Kurzgeschichte von Stephan Bosch

67

Das Milliardenerbe Kurzgeschichte von Yves Schumacher

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Aus der Schreibschule geplaudert

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Die richtige Erzählperspektive

95

Büchermachen ist Teamarbeit

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Die Büchermacher und ihre Gesichter

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Seite

Inhalt


8 Charles Seiler, Impression aus der AUNS-Versammlung in Bern, 1990


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Vorwort

Gnadenlos…

«‹Mein Buch› soll zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen», schärfte Projektleiter Rolf Bootz dem CoLibri-Team ein. «Künftigen Herausgebern von Unternehmens- oder Vereinspublikationen sind Einblicke in den Prozess des Büchermachens zu geben. Kurz und bündig. Und zwar so, dass diese die Gewissheit erhalten, ihr Buchprojekt in gute Hände zu geben. Gleichzeitig sollen Autoren zur Veröffentlichung ihres Erstlingswerks ermuntert werden.» Dazu will ihnen CoLibri den Nutzen eines Handbuchs mit Facts und Tipps aus der Praxis bieten und sie gleichzeitig mit der Arbeitsweise des Schreibcoachs vertraut machen. Die erste Manuskriptfassung von «Mein Buch» fing mit einer Definition des Mediums Buch an und einem Deleaturzeichen (= man lasse weg) am rechten Blattrand. «Quatsch mit Sauce!», frotzelte die Lektorin. «Schliesslich wissen selbst Analphabeten, was ein Buch ist». Sie setzte den Rotstift an und tilgte den ganzen Absatz von wegen «Ein bezeichnendes Merkmal eines Buches ist neben dem Vorhandensein eines physischen Druckwerkes die fehlende Aktualität….»1 Erklärungen wie «Bücher sind inhaltlich zeitlose Texte, abgebildet auf physisch tatsächlich vorhandenen Druckwerken,

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1 Schroeder, Andreas: http://www.diplom.andreasschroeder.net/index.php?t=21, zuletzt abgerufen am 3.10.2011


deren Aussagen vom Rezipienten ausschliesslich visuell wahrgenommen werden», seien nichts anderes als Verbalgeschwüre, Zeilenschindereien, stichelte die Lektorin weiter. Braucht es überhaupt ein Vorwort? Da dieses meist ohnehin überlesen wird und zukünftige Herausgeber und Autoren wie Raupen sind, beschränken wir uns auf ein ermutigendes Zitat von Heinrich Böll: «Wenn die Raupen wüssten, was einmal sein wird, wenn sie erst Schmetterlinge sind, sie würden ganz anders leben: froher, zuversichtlicher und hoffnungsvoller.» Der politischen Korrektheit willen sei den Leserinnen noch eine Entschuldigung für das nicht ganz genderkorrekte Lektorat angefügt. Ist von Autoren die Rede, sind Autorinnen selbstverständlich immer mit eingeschlossen.

Die Herausgeber

«Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.»

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Franz Kafka (1883–1924), österreichischer Dichter


12 Charles Seiler, Impression aus der Subway von New York, 1990


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14 Geri Krischker, Impression aus der Buchhandlung Librium, Baden, 2012


Motivation

Ein eigenes Buch – warum nicht? Es gibt tausend gute Gründe, ein eigenes Buch zu schreiben oder schreiben zu lassen. Dazu können persönliche oder auch gesellschaftliche Motive ausschlaggebend sein.

Beweggründe von Autoren

Eine schlüssige Erklärung, warum ein Autor ein Buch geschrieben hat, kann von einem schöpferisch tätigen Menschen wohl kaum erwartet werden. Man könnte geradeso gut einen Maler fragen, warum er ein Bild malt.

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Nutzen für Autoren und Herausgeber

Wie auch immer – ein eigenes Buch ist ein eindrücklicher Kompetenznachweis und Ausdruck von Selbstsicherheit. Damit stellt der Autor sein Wissen, seine Erfahrungen und seine Erzählfähigkeit der breiten Öffentlichkeit oder bestimmten Adressaten zur Diskussion. Diese indirekte und wirksame Selbstdarstellung schlägt sich auch auf das Image des Herausgebers nieder. Auf jeden Fall beweist das eigene Werk Kreativität und Durchhaltewillen. Damit verfügen Herausgeber und Autor über ein wirksames Instrument für die Öffentlichkeitsarbeit ihrer Organisation oder für ihre persönliche PR.


Von den zahlreichen Beweggründen für das Verfassen von Büchern seien deshalb nur vier genannt: 1. Freude an der Sprache. Schöpferisches Spiel mit Sprachbildern und Bildsprachen. Dramatik, Epik, Lyrik – die Texte blinken und fliessen einfach so dahin. Der einsam Schreibende wünscht sich sehnlich, sich mit anderen Menschen auszutauschen. 2. Im reifen Alter blickt mancher Mensch auf ein ereignisreiches Leben mit spannenden und vielleicht auch traumatischen Phasen zurück. Viele haben das Bedürfnis, diese abenteuerlichen oder schmerzhaften Lebensabschnitte schreibenderweise aufzuarbeiten. 3. Ein Experte forscht jahrelang auf seinem Fachgebiet und kommt zu wichtigen Einsichten und Resultaten. Es ist ihm ein Anliegen, seinen Erkenntnisgewinn mit einem Fachpublikum zu teilen. 4. Viele kreative Menschen haben sich Kurzgeschichten oder Romane von der Seele geschrieben. Ihre Werke fristen ein Schattendasein im Computerspeicher oder in der Schreibtischschublade. Diese Leistungen endlich einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen ist ihnen ein echtes Bedürfnis.

«Drei Dinge sollst du im Laufe deines Lebens tun: ein Kind grossziehen, einen Baum pflanzen und ein Buch schreiben.»

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Jüdisches Sprichwort


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18 Geri Krischker, Impression aus der Buchhandlung Librium, Baden, 2012


Publizistische Serviceleistungen

CoLibri: Geburtshelfer und Büchermacher «Der Prozess des Verlegens braucht heute nur noch zwei Personen: den Autor und den Leser. Jeder, der zwischen diesen steht, ist in Gefahr, hat aber auch grosse Chancen», meinte unlängst ein Amazon-Manager. Wir von CoLibri sind anderer Ansicht. Der Autor braucht in jedem Fall Geburtshelfer. Das sind Lektoren und Korrektoren. Und mindestens auch eine gute, leistungsfähige Druckerei. Von Buchgestaltern und Vertriebsspezialisten ganz zu schweigen.

CoLibri sucht die Nähe zu seinen Auftraggebern und gleichzeitig zu den Lesern. Indem wir uns auf beide Gruppen voll einlassen, verstehen wir, welche Erkenntnisse und Empfindungen der Autor vermitteln möchte und welchen Nutzen der Leser erwarten

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Angebotspalette

Auf den einfachsten Nenner gebracht: Wir sind Generalunternehmer im Büchermarkt. Unsere Dienstleistungen reichen von der publizistischen Beratung bis zur Vermarktung von guten Büchern. Dazwischen lösen wir eine ganze Reihe von Spezialaufgaben. Dazu gehören Lektorat, Korrektorat, Layout, Typografie, Druck, Ausrüstung, Vertrieb, Pressearbeit, Übersetzungen und so weiter. Alles Dienstleistungen, die der Herausgeber oder Autor einzeln oder kombiniert in Anspruch nehmen kann. Also sowohl «Vollservice» wie auch «Service à la carte».


Lesernutzen

kann. Was für uns also zählt ist der Nutzen der Publikation. Darauf wird jede Veröffentlichung von Anfang an ausgerichtet. Damit ist ein ganzer Strauss von Vorteilen gemeint, die der Leser aus einem Buch gewinnen kann. Je nachdem kann das ein Unterhaltungs-, Berufs-, Orientierungs- oder Sozialnutzen sein – oder eine Kombination davon.

«Die besten Bücher sind die, von denen jeder Leser meint, er hätte sie selbst machen können.»

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Blaise Pascal (1623–1662), französischer Mathematiker, Physiker, Literat und Philosoph


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22 Geri Krischker, Impression aus der Buchhandlung Librium, Baden, 2012


Corporate Publishing

Das Buch als vielseitiges PR-Instrument Ob Einzelunternehmen, Kapitalgesellschaften, NGOs oder Vereine – die Herausgabe einer eigenen, repräsentativen Publikation in Buchform übt im Prozess der Imagebildung und des Wissenstransfers eine entscheidende Rolle aus. Je nach Zielsetzung ergeben sich mindestens vier vorzügliche Einsatzmöglichkeiten:

1. Das Jubiläumsbuch: Der Jahrestag der Gründung, sei es das 5-, 10-, 20-, 25-, 50-, 75- oder 100jährige Bestehen der Organisation, soll demnächst gebührend gefeiert werden. Dazu gehört eine repräsentative Festschrift. Denn: Was nicht aufgezeichnet wird, gerät in Vergessenheit, so als sei das Geschehene nie geschehen. CoLibri verarbeitet nach dem Aktenstudium und Interviews die Firmen- oder Vereins chronik, beschafft gute Bilder und bringt Prinzipien der Gründungspersönlichkeiten zum Ausdruck. Und zwar dergestalt, dass das Buch auch Branchenfremden ein reines Lesevergnügen bietet.

Gründungsfeiern bieten Anlass zu einer Standortbestimmung. Eine erfolgswirksame Jubiläumsschrift vermittelt deshalb lebendige Einblicke in das Organisationsgeschehen. Sie legt dabei nicht nur die Wurzeln des Unternehmens offen, sondern zeigt auch strategische Weichenstellungen 23

Jubiläen


auf, die zukunftsbestimmend sind. Eine seltene Chance, ein Unternehmen gegenüber Stakeholders und Medien in ein neues Licht zu stellen. Präqualifikationen

2. Erfahrungen internationaler Grossunternehmen mit Submissionen gelten auch für KMUs: Ein Buch als Spiegelbild und Leistungsnachweis des Unternehmens bildet im Vorfeld von Ausschreibungen oft das Zünglein an der Waage. Heute lassen sich auch Kleinstauflagen von drei, vier Exemplaren kostengünstig produzieren. Deshalb lohnt es sich, die Eingabe einer Präqualifikation mit einem projektzentrierten Buch aufzuwerten. Je individueller eine derartige Dokumentation auf die spezifischen Bedürfnisse des Adressaten eingeht, desto grösser die Aussicht des Unternehmens, die Entscheidungsfinder positiv zu stimmen und somit zur Offertstellung eingeladen zu werden.

Interne PR

3. Das hauseigene Buch ist identitätsstiftend. Es bildet in vielen Organisationen ein Kerninstrument der internen PR, zumal es das abstrakte Unternehmensgeschehen den Mitarbeitenden auf allen Funktionsstufen greif bar macht. Journalistische Autorenbeiträge in Form von Reportagen oder Interviews eignen sich besonders gut, um die Unternehmensphilosophie und Meilensteine der Marktführung locker zum Ausdruck zu bringen und das Zusammenspiel von Umwelt und Marktleistungen zu verdeutlichen. Zudem stellt ein Buch einfach mehr dar als eine konventionelle Unternehmensbroschüre. Dass ein das Unternehmen charakterisierendes Buch für die Personalverantwortlichen besonders hilfreich ist, versteht sich von selbst.

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IPO

4. Die letzte Phase eines IPOs («Initial Public Offering»), auf gut Deutsch «Börsengang», erfordert immer grössere Kommunikationsanstrengungen. Um die Platzierungs-


chancen zu erhöhen, Einfluss auf die Höhe des Platzierungspreises und letztlich auf den Mittelzufluss zu nehmen, drängt sich neben der Veröffentlichung von Unternehmenszahlen eine für Investoren überzeugende Darstellung der Profilierungsmerkmale auf. Dazu gehören sowohl vollbrachte Marktleistungen wie auch unternehmerische Zukunftsperspektiven. Eine das Unternehmen charakterisierende Publikation, die auch die Corporate Governance und das Nachhaltigkeitsmanagement mit konkreten Beispielen widerspiegelt, macht auf jeden Fall Eindruck auf die internen und externen Stakeholders. Und selbstverständlich auch auf Finanzjournalisten und potenzielle Investoren.

«Ein starker Gedanke teilt auch dem, der anderer Meinung ist, von seiner Kraft etwas mit.»

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Marcel Proust (1871–1922), französischer Schriftsteller und Kritiker


26 Geri Krischker, Impression aus der Buchhandlung Librium, Baden, 2012


Schreibservice

Ghostwriting: Absolut salonfähig Diskretion

Ghostwriting ist eine diskrete Sache. Niemand brüstet sich, einen eigenen Ghostwriter zu beschäftigen; und Referenzen sind logischerweise auch nicht zu haben. Denn über den eigenen Ghostwriter sprechen Europäer so ungern wie Amerikaner über ihr Schweizer Bankkonto. Früher nannte man den Ghostwriter in abschätziger Weise «Neger». Dann sprach man vom Auftragsschreiber, was schon besser klingt. Heute gibt es Legionen von Politikern und Unternehmern, die ihre Reden und Manuskripte von einem gewandten Ghostwriter texten lassen. Mit Plagiaten hat das nichts zu tun. (Karl-Theodor zu Guttenberg war kein Ghostwriter, sondern ein Plagiator.)

Es gibt Menschen, die zwar brillante Erzähler, aber unbegnadete Schreiber sind. Oder einfach keine Zeit haben, ihre Ge27

Ethik

CoLibri hält sich an strenge ethische Richtlinien. So verzichten wir auf akademisches Ghostwriting, mit dessen Hilfe auftraggebende Hochschulabsolventen ein Diplom erschleichen möchten. Diese Schummelei kann für ihn nämlich strafrechtliche Folgen haben. «Jede Hilfe, die über das Abtippen und formales Korrekturlesen hinausgeht, ist schon problematisch», warnt HellmutJohannes Lange, Leiter des Rechtsamtes der FU Berlin.


Autorennetzwerk

Einfühlungsvermögen

schichte aufs Papier zu bringen. CoLibri kennt auch erfolgreiche Autoren, die zwar regelmässig in die Tasten hauen, selbst aber keine druckreife Zeile zustande bringen. Ihnen nehmen wir die mühsame Schreibtischarbeit ab. Dazu steht CoLibri eine Vielzahl von Schriftstellern und Fachautoren zur Verfügung. Wortgewaltige und diskrete Profis, die im Namen und im Geist der Auftraggeber schreiben. Der gute Ghostwriter versetzt sich in den Auftraggeber. Er versenkt sich in dessen Gedanken- und Gefühlswelt und verfasst ein Buch, das aus der Feder seines Klienten stammen könnte. Und daran arbeitet der Ghostwriter so lange, bis sich der Auftraggeber in jeder Zeile wieder erkennt. Zu einem guten Resultat führen verschiedene Wege. Für ein Sachbuch können uns ein Stoss Notizen, Protokolle, Jahresberichte oder wissenschaftliche Aufzeichnungen anheim gestellt werden. Wir verknüpfen diese Elemente, spinnen den roten Faden und handeln das Thema von A bis Z sauber ab. Einzelne Auftraggeber erzählen uns eine spannende Geschichte, bisweilen auch ihre eigene Lebensgeschichte und überlassen uns die Schreibarbeit. In diesem Fall hören wir ihm zu und zeichnen alles auf Tonband auf. Alsdann dauert es ein Weilchen. Was er dann als Erstes zu sehen bekommt, ist ein Grobentwurf seiner Geschichte. Und diese präsentiert sich so, als hätte sie der Auftraggeber selbst geschrieben.

Fremdsprachen

Immer häufiger sind Ghostwriter gefragt, die die gewünschte Arbeit in einer Fremdsprache verfassen. CoLibri hat damit kein Problem. Konzept und Rohentwurf werden zwar auf Deutsch geschrieben, das Endprodukt wird indessen, je nach Wunsch, von einem Autor englischer, französischer oder italienischer Muttersprache adaptiert.

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Arbeitsprozess


«Wahrscheinlich sind alle Schriftsteller irgendwie verrückt, aber wenn sie was taugen, dann sind sie, glaube ich, auch ganz schrecklich ehrlich.»

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Raymond Chandler (1888–1959), US-amerikanischer Kriminalromanautor


30 Geri Krischker, Impression aus der Buchhandlung Librium, Baden, 2012


Buchgestaltung

Vom sorgsamen Umgang mit Bildern Die Mönche des Mittelalters wussten sehr genau, warum sie Bücher wie liturgische Schriften, biblische Codices oder Texte der Kirchenväter mit teilweise zauberhaften Buchmalereien ergänzten. Es ging ihnen um die möglichst ergreifende und somit wirksame Vermittlung der religiösen Inhalte. Ein Grossteil ihrer Bildsprache, das graphische Referenzsystem des Mittelalters, ist mittlerweile verschüttet. An seiner Stelle bietet sich heute ein unendlich breites Register an neuen Bildsymbolen in Form von Piktogrammen, Allegorien, Metaphern und Emblemen an. Das sind alles Sinnbilder im wahren Sinne des Wortes. Allerdings beherrschen heute die meisten Schriftsteller und Texter zwar die Wirksprache, die wenigsten aber die Bildsprache. Egal, ob Sachbücher oder Belletristik: Der Herausgeber oder Autor sollte sich zumindest überlegen, wie sein Buch mit passenden Illustrationen aufgewertet werden könnte. Richtig eingesetzte Buchbebilderungen – seien es Fotografien, Illustrationen oder Grafiken – schaffen immer Mehrwert. Emotionalen Mehrwert, edukativen Mehrwert, kognitiven Mehrwert…

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Wenn im Büchermarkt die Maxime «Nur das Wort zählt» tatsächlich zählen würde, dann gäbe es wohl keine Bildbände und keine Kinderbücher.


Illustrationen oder Fotografien

Eine Antwort auf die Frage, in welchen Fällen ein Buch mit guten Illustrationen oder Fotografien zu beleben ist, gehört zur Beratungsleistung von CoLibri. Denn die Gestaltung eines Buches ist so wichtig wie die appetitliche Anrichtung einer Götterspeise. Die Marktforschung hat dem Buchhandel schon längst bewiesen: Die Machart eines Buchs, vor allem die Gestaltung des Umschlags und die Titelpräsentation, entscheidet darüber, ob der mögliche Käufer das Buch überhaupt in die Hand nimmt. Ein gut illustriertes Buch ist in jedem Fall ein Gemeinschaftswerk von Verfasser und Grafiker. CoLibri entwickelt deshalb mit jedem Autor zusammen ein Gestaltungskonzept, das textliche und bildnerische Inhalte in sinnstiftende Beziehung bringt. Für viele Publikationen, namentlich Fachbücher oder Festschriften, hat nur der Autor Zugriff auf einen passenden Bilderbestand. Aber auch in diesen Fällen ist es Sache des Gestalters, sich auf eine einheitliche Bildsprache zu disziplinieren. Zu seinem Handwerk gehören unter anderem die Bildbeschneidung, Farb- und Geometriekorrekturen, Retuschen und Unscharfmaskierungen.

Bildbeachtung

Verschiedene Untersuchungen über die Beachtung und Wahrnehmung von journalistischen Informationen belegen, dass etwa 80 Prozent der Aufmerksamkeit des Lesers auf das Bild gerichtet werden und nur bescheidene 20 Prozent auf den Text. Die Redewendung «Ein Bild sagt mehr als tausend Worte» ist also mehr als eine Binsenwahrheit. Fakt ist, dass jedes Bild aus verschiedenen Elementen besteht und jedes dieser Elemente spezifische nonverbale Aussagen vermittelt und Emotionen weckt. Dabei lässt sich die Lesart der Buchillustration durch grafische Eingriffe wie Farben, Punkte, Pfeile etc. steuern.

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Bildsprache


Sach- und Fachbuchautoren tun sich manchmal schwer damit, ihre Textbeiträge mit starken Bildern zu verdeutlichen. Dabei können Visualisierungen helfen, den Kern eines Arguments klar und deutlich herauszuarbeiten. Das meinte schon der österreichische Gesellschaftswissenschaftler Otto Neurath (1882–1945), der als Schrittmacher der Bildstatistik und der Piktogramme gilt.2

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Der Blickverlauf

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Prinzip des mutmasslichen Blickverlaufs auf einer Doppelseite

2 Hartmann, Frank / Bauer, Erwin K.: Bildersprache. Otto Neurath, Visualisierungen, 2. erweiterte und durchgesehene Auflage, Wien 2006.

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Zugegeben: Lesegewohnheiten sind so vielfältig wie die Leserschaft. Dennoch weist die Medienwissenschaft nach, dass plakative Layoutelemente dem Leser zuerst ins Auge springen. Doppelseiten werden dabei als Einheit wahrgenommen. Zuerst fällt der Blick auf das dominanteste Bild, alsdann wandert er auf den Titel. Danach fällt das Auge nicht etwa auf den Fliesstext, sondern auf die Bildlegenden. Deshalb kann der Autor den Bildlegenden nicht genügend Aufmerksamkeit schenken. Bilder ohne Legenden sind verpasste Chancen. Es sei denn, die Funktion der Bilder würde sich – wie in diesem Werk – bewusst darauf beschränken, sachliche Informationen zu emotionalisieren, um die Leselust zu steigern.


34 Charles Seiler, Impression von The Claridge Casino Hotel in Atlantic City NJ, 1990


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Bilder, die weder einen inhaltlichen noch emotionalen Bezug zum Text haben, sind nutzloser Ballast. Der Psychologe SteffenPeter Ballerstaedt, Professor an der Fachhochschule Gelsenkirchen, unterscheidet drei verschiedene Gattungen von inhaltlichen Text-Bild Beziehungen:

Komplementäre Bezüge

1. Komplementäre Bezüge: Der Text hat inhaltliche Lücken, die mit Bildern gefüllt werden. Damit gehen Autor und Gestalter in der Regel nie fehl. Sie schlagen Brücken zwischen Text und Bild und fördern das Verständnis des Lesers und Betrachters.

Kongruente Bezüge

2. Kongruente Bezüge: Der Text beschreibt, was auf dem Bild zu sehen ist. Zum Beispiel die Fotografie einer grossen Bibliothek mit zahlreichen Pergamentbänden in den Regalen. Dazu die Legende: «Geräumige Bibliothek mit einer umfassenden Sammlung von antiken Schriften.» Unsinn! In der Kommunikationsbranche sind entsprechende Bildunterschriften oder – verweise verpönt. Ein komplementärer Bezug ergäbe sich, um bei diesem Beispiel zu bleiben, etwa durch folgende Bildlegende: «Die Stadtbibliothek Zürich besitzt 1562 Inkunabeln, die von 2003 bis 2007 neu katalogisiert wurden.»

Elaborative Bezüge

3. Elaborative Bezüge: Der Text geht über die Bildinhalte hinaus. Als «Elaboration» versteht die Psychologie den Einbezug von neuen Wissensstrukturen in bestehende Strukturen. Mit anderen Worten: Elaborierte Bezüge sorgen dafür, dass der Lesende Bezüge zu ihm bekannten Fakten oder Zusammenhängen herstellt und damit neue Wissensstrukturen mit bestehenden Gedächtnisstrukturen verknüpft. Zahlreiche Experimente beweisen, dass elaborierte Informationen besser verstanden und im Gedächnis behalten werden. Aber Achtung: Sinnvoll und wirksam ist diese Bezugsart nur dann, wenn beim Leser entsprechendes Vorwissen gegeben ist.

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Text-Bild-Bezüge


Leseverhalten

Je näher Text und Bild im Layout zusammengerückt sind, desto besser ist das integrative Text-Bild-Verständnis. Der Grund: Der Blick kann ohne Kopf bewegung von einem Informationselement zum andern springen. Die Auswertung eines Bildes kann übrigens durch sprachliche oder visuelle Hinweise wesentlich erleichtert werden. Sprachliche Hinweise bieten nicht nur eigentliche Bildlegenden, sondern auch Bildverweise, Bildtitel oder Bildbeschriftungen.

Nota bene Rechtliches

Urheberrecht und Copyright sind im digitalen Zeitalter ein ausgesprochen brisantes Thema geworden. Erfahrene Verleger und Gestalter kennen die rechtlich verzwickten Fragen zu den Bild- und Fotorechten und ersparen dem Autor somit unliebsame Forderungen der Urheber oder ihrer Rechtsnachfolger, die gerichtliche Nachspiele haben können. CoLibri ist mit zahlreichen Fotografen, Bildarchiven und Illustratoren verbunden und trifft mit ihnen von vornherein klare Nutzungsvereinbarungen.

Wichtiges, das der Auftraggeber vergessen kann Für das Buchlayout gibt es eine unumstössliche Regel: Es richtet sich nach der Zielgruppe und dem Buchinhalt. Deshalb gehen die Buchmacher von CoLibri bei der Gestaltungsarbeit nicht von ihren eigenen Vorlieben aus, sondern vom Lesenden und seinem Leseverhalten. Und sie sorgen dafür, dass eine neue Welt in seinem oder ihrem Kopf entsteht. Die stringente Anwendung von Gestaltungsregeln (oder deren absichtlicher Bruch) ist somit die konsequente Fortsetzung des Schreibprozesses, mit denen die vom Autor bestimmte Erlebniswelt angesteuert wird. Denn Form und Farben, Material und Struktur, Typografie und Bilder, ja selbst der Leerraum lenken letztendlich das Sympathie- und Leseverhalten des geneigten Lesers. Buchgestaltung ist mehr

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Gestaltungsregeln


als gelerntes Handwerk – sie ist Ausdruck der Sensibilität des Gestalters. Um die Berechnung der Schriftgröße sowie die Festlegung von Ligaturen, Freiräumen, Laufweiten, Wort- und Zeilenabständen etc. braucht sich der Aufraggeber deshalb nicht weiter zu kümmern. Musterseiten

In einem ersten Schritt lädt CoLibri den Autor ein, seine Vorstellungen anhand von bereits bestehenden Büchern zum Ausdruck zu bringen. Damit können die Layouter erste Musterseiten entwerfen, die sowohl den Wünschen des Auftraggebers wie auch den Marktanforderungen genügen. Diese Layoutvorschläge zeigen dem Kunden alle abstrakten Elemente mit definierten Eigenschaften auf und dienen ihm somit als Entscheidungsgrundlage. Das reicht vollkommen aus, um dem Auftraggeber ein sicheres Gefühl für das fertige Buch zu vermitteln.

Gesichtspflege durch Format und Einband Für die Wahl des Buchformates gibt es grundsätzlich keine technischen Einschränkungen. Hingegen gibt es Konventionen und wirtschaftliche Überlegungen. Die traditionellen Buchformate richten sich nach dem Nutzen, die der Buchdrucker aus einem Bogen Papier ziehen kann. Im sogenannten Werksatz (bei Büchern spricht der Fachmann von Werksatz und bei Geschäftsdrucksachen von Akzidenzsatz) werden in der Regel auf einem Falzbogen 16 Druckseiten angeordnet.

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Kleinstauflagen

Bei der Produktion von Kleinstauflagen sind der Einbandform und – art keine technischen, wohl aber wirtschaftliche Grenzen gesetzt. Inhalt und Charakter des Buchs lassen sich heute mit einem Maschineneinband vorzüglich verdeutlichen. Auch hierfür hat der Auftraggeber – sofern er das Buch im Eigenverlag herausgibt – die Qual der Wahl. Zwischen einem schlichten Pappeinband und einem wattierten Lederdeckel ist alles möglich. Selbst der Buchrücken – ob gerade oder rund – trägt dazu bei, dem Werk ein eigenes, unverwechselbares Gesicht zu geben.


«Wenn ich die Geschichte in Worten erzählen könnte, bräuchte ich keine Kamera herumzuschleppen.»

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Lewis Wickens Hine (1874–1940), US-amerikanischer Fotograf und Zeichenlehrer


40 Charles Seiler, Impression von der Bourbon Street, New Orleans, 1990


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42 Geri Krischker, Impression aus der Buchhandlung Librium, Baden, 2012


Schreibcoaching

Hilfe zur Selbsthilfe

Was heisst schon Coaching? Der aus dem Leistungssport übernommene Begriff ist zum Allerweltswort geworden. Man spricht unter anderem von Businesscoaching, Familiencoaching oder Gestaltcoaching. Allen unterschiedlichen Begriffsdefinitionen zum Trotz – Coaching bedeutet in allen Fällen eine partnerschaftliche Zusammenarbeit, die dem Klienten auf die Sprünge helfen soll. Deshalb gibt es für die Begleitung von Erstautoren bei CoLibri keine treffendere Bezeichnung als «Schreibcoaching». In jedem Fall ist damit eine persönliche Entwicklungsarbeit gemeint. Dabei lernt der Autor, konzeptionelle Herausforderungen oder Probleme im Laufe des Schreibprozesses und in der Verlagssuche aus eigener Kraft zu bewältigen. Dazu erhält er ein professionelles Feedback und fachliche Orientierungshilfen. Endziel dieser Kooperation ist aber nicht etwa das gedruckte Buch, sondern der begeisterte Leser.

Talent oder Handwerk?

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Schreiben ist Schwerarbeit. Das weiss jeder, der selbst mal ein Buch geschrieben hat. Talent alleine reicht aber nicht aus – Begabung und Kreativität sind unabdingbare Voraussetzungen. Technik hingegen kann erlernt werden. Denn sie folgt klaren Regeln, Methoden und Gesetzmässigkeiten. Das CoLibri-Team


unterstützt deshalb den Erstautor in doppelter Weise. Es fördert sein Talent und vermittelt ihm handwerkliches Know-how. Mit anderen Worten: CoLibri begleitet ihn von der ersten Idee bis zur Verkaufsförderung des gedruckten Buchs.

Auch Wissenschaft kann unterhaltsam sein Ein Buch ist ein Buch. Deshalb schliesst CoLibri keine Literaturgattung aus. Sach- und Fachbücher werden mit der selben Sorgfalt betreut wie belletristische Werke. Themenbreite

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Dramaturgie

Apropos Sachbücher: Es gibt kein langweiliges Thema und schon gar keine Materie, die den Leser langweilen müsste. Dennoch gibt es im deutschsprachigen Büchermarkt Tausende von Publikationen, die den Leser wie verstaubte Gesetzbücher auf Fachchinesisch belabern. Wer immer noch der irrigen Ansicht ist, dass Wissenschaft und Unterhaltung unüberwindbare Gegensätze bilden, sehe sich im angelsächsischen Buchmarkt (Abteilung «Nonfiction») um… Dort sind wahre Meister im Vermitteln von komplexen Fakten und Zusammenhängen zu finden. Ihr Erfolgsrezept: eine klare, allgemeinverständliche Sprache – oft mit einer guten Prise Humor gewürzt. (Damit will aber nicht gesagt sein, dass Fachausdrücke, für die es keine allgemein anerkannte deutsche Übersetzung gibt, zwanghaft einzudeutschen sind.) CoLibri nimmt, wenn nötig, die Aufgabe eines Pfefferstreuers wahr. Dann nämlich, wenn der Autor ein interessantes Thema aufrollt, den Erzählfluss aber immer wieder mit Belanglosigkeiten zum Erlahmen bringt. Oder eine gute Geschichte erzählt, deren Spannung stellenweise absackt. In diesen Fällen nimmt CoLibri dramaturgische Interventionen vor. Oder salopp gesagt: Dröge Passagen werden aufgepeppt. Selbstverständlich in partnerschaftlicher Absprache mit dem Autor.


Der feine Unterschied zwischen Sach- und Fachbüchern

Quellenangaben

Fachbücher und Sachbücher mit einem wissenschaftlichen Anspruch zeichnen sich meistens durch einen umfangreichen Anhang mit Quellen- und Literaturangaben aus. «Wissenschaftlicher Apparat» nennt sich das Verzeichnis von Werken, die der Autor für seine Arbeit herbeigezogen hat. Das gilt auch für die Anmerkungen. Im Buchwesen spricht man deshalb auch von einem Anmerkungsapparat, wenn alle Endnoten zusammengefasst sind, und zwar unabhängig von deren Inhalt. Werden Internetadressen als Quellen aufgeführt, ist neben der vollständigen www-Adresse unbedingt auch das Datum des letzten Abrufs zu vermerken.

Anmerkungen

Wer ein Sach- oder Fachbuch verfasst, tut gut daran, die Anmerkungen, namentlich alle verwendeten Quellen, im Zug des Schreibprozesses laufend und lückenlos aufzuführen. Neben Autor, Titel, Erscheinungsort und -jahr ist jeweils die betreffende Seitenzahl anzugeben. Der entsprechende Verlag muss im deutschen Sprachraum indessen nicht unbedingt vermerkt werden. Ob es sinnvoll ist, alle Quellen zu veröffentlichen, kann noch beim letzten Feinschliff erörtert werden.

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Sach- und Fachbücher bilden zwei verschiedene Kategorien. Aber beide gehören zur sogenannten Gebrauchsliteratur. Während sich Sachbücher mit einem bestimmten Thema an ein Laienpublikum wenden, sind Fachbücher von Spezialisten für Spezialisten geschrieben. Diese Abgrenzung ist aber nicht immer eindeutig. So kann sich ein Buch, das psychologische Themen behandelt und sich an die Ärzteschaft wendet, sowohl als Sach- wie auch als Fachbuch betrachtet werden. Beispielsweise deshalb, weil der Autor neben medizinischen Kernthemen auch auf die psychologische Ebene der Arzt-PatientInteraktion eingeht.


Wer weiss schon, was Literatur ist? Eine globale, allgemein anerkannte Definition des Begriffs «Literatur» gibt es nicht. Einig sind sich die meisten Literaturwissenschafter und – theoretiker über wenige Kriterien: Literatur ist kulturrelevant. Sie zeichnet sich durch eine eigenständige Sprache aus, die ästhetischen Ansprüchen genügt. Zweitens ist Literatur fiktional. Mit anderen Worten: Die Inhalte sind vom Autor ganz oder zumindest teilweise frei erfunden. CoLibri sträubt sich dagegen, einen Trennungsstrich zwischen «hoher Literatur» und «Trivialliteratur» zu ziehen. Diese seit dem 19. Jahrhundert von der deutschen Literaturwissenschaft geprägten, wertenden Begriffe werden dem heutigen Literaturschaffen nicht gerecht. In Amerika ist diese Unterscheidung übrigens völlig unbekannt. Ist eine Geschichte packend, spannend oder berührend, dann ist sie eben gut. Ob sie nun einem kleinen Leserkreis vorbehalten ist oder Massen erreicht, ist dabei kein Qualitätskriterium. Auch die Frage, was überhaupt Literatur ist, lässt sich nicht schlüssig beantworten. Die sogenannte literarische Qualität entsteht unter anderem dadurch, dass sie nicht nur Bilder im Kopf des Lesers erzeugt, sondern Welten erschafft und Erlebnisse auslöst. Aber dies wäre nur einer von vielen möglichen Beurteilungskriterien. Letztlich ist alles eine Frage des guten Geschmacks. So gesehen kann ein Harry-Potter-Buch genauso anregend sein wie ein Werk von Goethe oder das Tagebuch des verstorbenen Grossvaters.

Die grosse Stilfrage

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Dem Thema «Der gute deutsche Schreibstil» zuliebe wurden alleine in den letzten Jahren ganze Wälder abgeforstet und Abertonnen von Druckerschwärze auf Papier gebracht. Den zahlreichen Ratgebern kann jeder, auch der Schreibprofi, etwas abgewinnen.


Stilkunde

CoLibri verzichtet deshalb darauf, hier mit einen weiteren Aufguss der Stilkunde aufzuwarten und beschränkt sich auf einen einzigen Tipp: Die Lektüre der brillanten Ratgeber des Journalisten, Schriftstellers und Sprachkritikers Wolf Schneider. Zum Beispiel Deutsch für junge Profis. Wie man gut und lebendig schreibt.3 Die Stilberatung von CoLibri ist individuell und erfolgt im Laufe des Schreibprozesses am konkreten Beispiel.

Das Kreuz mit der neuen Rechtschreibung Sprachpuristen und Traditionalisten sind sich einig: Die deutsche Rechtschreibreform von 1996 hat ein gewaltiges Chaos angerichtet. Und die 2006 erfolgte Einführung der dritten Fassung der reformierten Rechtschreibregeln konnte der allgemeinen Verunsicherung und schleichenden Sprachverluderung auch nicht Einhalt gebieten. Auch der für die Bundesverwaltung bindende Leitfaden zur deutschen Rechtschreibung und die Empfehlungen der Schweizer Orthographischen Konferenz für Presse und Literatur helfen im Einzelfall nicht immer weiter. Aber davon soll sich kein Autor kopfscheu machen lassen! Viele Verlage haben ohnehin eine Hausorthographie festgelegt, und ihre Korrektoren oder Korrektorinnen setzen diese kompromisslos durch. Lässt der Duden alternative Schreibweisen zu, ist die Wahl selbstverständlich dem Gusto des Autors überlassen. Dazu gibt es nur drei Empfehlungen: 1. Die Schreibweise ist dem Kontext des Textes anzupassen. Befremdend wäre es zum Beispiel, in einem Werk über historische Tierillustrationen von «Gämsen» und «Delfinen» zu

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Erschienen bei Rowohlt, Berlin 2010

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Schreibweisen


48 Charles Seiler, Impression von einer Illegalen Party in Liverpool, 1990


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lesen. Genauso würden Leser eines Kataloges über zeitgenössische Kunst die Nase rümpfen, wenn darin «Photographe» oder «Graphiker» stehen würde. 2. Die einmal gewählte Schreibweise ist durchzuziehen. Texte, die zwischen konventioneller und reformierter Orthografie hin und her springen, irritieren den Leser. 3. Wer richtig zitiert, verzichtet darauf, vorreformatorische Sätze der neuen Schreibweise anzupassen. Unverzeihlich wäre, Fehler in der Quelle nicht zu übernehmen. Wenn nötig, können diese durch ein [sic!] oder [!] deutlich gemacht oder in den Anmerkungen richtig gestellt werden.

Von Lektoren, Korrektoren und anderen Hebammen Viele potenzielle Erstautoren, die sich in punkto Orthografie, Grammatik und Syntax sattelfest wähnen, sehen Lektoren und Korrektoren zuweilen als verhinderte Schriftsteller und Hürdensteller. Die Erfahrung wird diese Skeptiker jedoch eines Besseren belehren, und sie werden sich bald der Meinung vieler Erfolgsautoren anschliessen, für die Lektoren und Korrektoren faire und unverzichtbare Teamplayer sind. Lektoren und Korrektoren haben zwei grundverschiedene Aufgaben, selbst wenn sie diese in Personalunion erfüllen. Lektoren und Lektorinnen prüfen Texte auf Herz und Nieren, Korrektoren und Korrektorinnen hingegen auf Punkt und Komma. Die Ersteren klopfen die Struktur des Manuskripts ab und achten darauf, ob der Adressatenbezug auf der ganzen Linie gegeben ist. Sie legen den Finger auf Sprachwunden und Ungereimtheiten, kreiden Unverständliches an und pflücken Stilblüten heraus.

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Bei Sach- und Fachbüchern empfiehlt sich in vielen Fällen, einen Fachlektor mit der Durchsicht und Korrektur zu beauftragen.


Fachlektoren

Korrektoren

Lizenzausgaben

Denn: Eine falsche Jahreszahl, eine Namensverwechslung oder das Zitat einer in Fachkreisen plötzlich umstrittenen Referenzperson reicht, um die fachliche Kompetenz des Autors bei den Ziellesern zu untergraben. Die zweite Berufsgruppe, eben die Korrektoren, kommt nach dem Lektorat zum Zuge und kümmert sich um Rechtschreibung, Grammatik und Satzzeichen. Die Lektorats- und Korrekturphase ist bei CoLibri nicht etwa ein Schlagabtausch zwischen Besserwissern, sondern ein konstruktiver Kommunikationsprozess. Das letzte Wort hat dabei immer der Autor. Mancher Herausgeber oder Autor spricht schon vor der Erstveröffentlichung seines Buchs von einer Publikation in einer Fremdsprache. Zu bedenken ist, dass die Entscheidung, ob eine Übersetzung in Auftrag gegeben werden soll, in der Regel beim Verlag liegt. Von einem Alleingang ist nur schon aus juristischen Gründen dringend abzuraten, zumal die Rechte jeweils nicht beim Verfasser, sondern beim Originalverlag liegen. Dieser tritt die Rechte dem Drittverlag im Rahmen einer Übersetzungslizenz ab. Ganz anders präsentiert sich die Situation für Herausgeber. Ein konkretes Bespiel: Ein Schweizer Verband möchte seine Mitglieder mit einem Jubiläumsbuch überraschen, das in der jeweiligen Landessprache der Empfänger verfasst ist. In diesem Fall ist es durchaus sinnvoll, die zwei oder drei Sprachauflagen parallel zu produzieren. Die Wahl des richtigen Übersetzers ist Erfahrungssache. Erfolgswirksam sind nicht nur der kreative und stilsichere Ausdruck des Übersetzers in der Zielsprache (seiner Muttersprache), sondern auch seine Affinität zum Thema des Buchs und seine Fähigkeit zu recherchieren.

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Sprachversionen


«Ein Buch will seine Zeit, wie ein Kind. Alle schnell in wenigen Wochen geschriebenen Bücher erregen bei mir ein gewisses Vorurteil gegen den Verfasser.»

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Heinrich Heine (1797–1856), deutscher Dichter, Schriftsteller und Journalist


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54 Charles Seiler, Impression von Porte de Clignancourt. MarchĂŠ aux puces de Saint-Ouen, Paris, 1990


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Kurzgeschichte

Wer liest, 端berlebt

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von Peter Zeindler


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Peter Zeindler, geboren 1934, lebt als Schriftsteller in Zürich. Er studierte Germanistik und Kunstgeschichte an der Universität Zürich. Er ist Verfasser von 16 Romanen, Erzählungen, Fernsehdrehbüchern, unter anderem auch für die Reihe «Tatort», Theaterstücken, Opernlibretti, zahlreichen Hörspielen und Chansontexten. Für vier seiner Romane ist Zeindler mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet worden. 1996 erhielt er den «Ehrenglauser» für sein Gesamtwerk.


Wer liest, überlebt von Peter Zeindler

«Was liest du da?» «Bitte?» Ihr Blick kommt von weit her zurück. Er ist leer, und kein Hauch von Wiedererkennen liegt darin. Er schüttelt den Kopf, einmal, zweimal, immer wieder. «Ich habe dich etwas gefragt, Rebekka.» «Ich weiss!» Ihr Blick hat sich schon wieder gesenkt. Ihre Stimme ist ohne Kraft, verklingt, bevor sie überhaupt hörbar wird. Er starrt wütend auf ihren Scheitel, auf den kleinen braunen Punkt, der mitten in der porösen Kopfhaut sitzt wie eine dicke Spinne. Seit Jahren starrt er beim Frühstück auf diesen Scheitel und den braunen Punkt. Seit zehn Jahren. Damals hatte zum ersten Mal ein Buch auf dem Frühstückstablett gelegen, neben Speck und Spiegelei, neben Kaffee und Tee, neben Brötchen, Käse und Parmaschinken. Ein Buch auf seiner Zeitung.

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«Was soll das?», fragte er. «Bitte? Ich lese. Wie du!» «Ich lese die Zeitung.»


Sie zuckte mit den Schultern und griff nach dem Buch, schlug es auf, lehnte sich zurück und begann zu lesen. Ein Ausdruck von Behaglichkeit lag auf ihrem Gesicht, oder glaubte er dort ablesen zu können. Eine ganze Weile lang betrachtete er sie fasziniert. Diese Zufriedenheit in den Mundwinkeln. Oder war es ganz einfach nur ein Ausdruck von Triumph? Er räusperte sich. Eine kleine senkrechte Falte erschien über ihrer Nasenwurzel. Ihre Finger glitten die Kante der Buchseite entlang, und als sie unten an der Seite angekommen waren, legten sich Zeige- und Mittelfinger quer über das Blatt, und der Daumen klappte aus, raspelte mit trockenem Geräusch am unteren Rand und löste dann eine einzige Seite aus dem Verbund, während sich der Mittelfinger bereits in die Lücke geschoben hatte und mithalf, die Seite zu wenden. So detailliert hatte er diesen Prozess noch nie verfolgt. Und er beneidete sie in diesem Augenblick um die Fähigkeit, gleichsam abwesend den Akt des Seitenkehrens so in den Leseablauf einzubauen, dass er sie nicht hemmte, sondern gewissermassen integriert war. In diesem Moment wurde ihm bewusst, wie brutal, wie ungeschlacht, unsynchronisiert alles bei ihm vor sich ging, wenn er die Seite seiner Zeitung wendete: mit ohrenbetäubendem Geräusch, ein unaufhörlicher Prozess, bis das scheinbar unendlich grosse Blatt zuerst einknickte und dann mit dem Donnern eines Steinschlages umkippte, sich gegen die andern Seiten wehrte, die an ihm klebten, und sich dann ratschend löste, endlich wie ein müdes Segel auf den Tisch sank, aber nicht makellos dalag, sondern zerknittert, von Falten durchzogen die Buchstabenreihen verzerrte. Zeitunglesen war Arbeit und nicht Vergnügen, das hatte er an diesem Morgen feststellen müssen, als sie zum ersten Mal am Frühstückstisch ein Buch zu lesen begonnen hatte.

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Der Dampf, der aus seiner Kaffeekanne stieg, wurde dünner, so schien ihm, seine Dichte nahm im Verhältnis zu den Wolken, die aus dem Schnabel ihrer gedrungenen Teekanne stiegen, schneller ab. Das Spiegelei schien zu gefrieren, das Gelb war von einer gelierten Schicht überzogen, und das an den Rändern eingebrannte Weiss sah aus wie dünnes Papier.


«Willst du nichts essen?» Sie ließ einen Knacklaut hören, den Ansatz zu einem Stöhnen, oder war es ganz einfach ein knapper Ausdruck von Missfallen? Ihre rechte Hand tastete über den Tisch, ihre Finger legten sich um den Henkel der Teekanne, packten zu, so dass die Knöchel weiss aufleuchteten, und ohne den Blick zu heben, schenkte sie sich ein, traf den Mittelpunkt der Tasse ganz genau und setzte auch präzise ab, als die Flüssigkeit den Rand erreicht hatte. Der Zucker fiel in die Tasse, ohne zu spritzen, und dann trank sie, den kleinen Finger kokett abgespreizt, in kleinen Schlucken, während ihre Augen dazu emsig von links nach rechts wanderten. Er schluckte trocken. Seine Zeitung senkte sich müde auf den Tisch, und die rechte obere Ecke färbte sich dottergelb. Seine Frau schien es nicht zur Kenntnis zu nehmen. Sie liess nur das trockene Rascheln hören, als sie flink eine weitere Seite wendete. «Ein Roman?» Er starrte auf die Schlagzeile seiner Zeitung: Honecker fordert die Anerkennung der DDR-Staatsbürgerschaft! Neue Eiszeit in Deutschland? Das war am 13. Oktober 1980 gewesen.

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Eine Antwort auf seine Frage hatte er damals nicht bekommen. Und mit jedem Tag hatte ihr gemeinsames Frühstück an Qualität verloren. Gleichzeitig aber hatten sich in ihm die ersten Partikel eines Hassgefühls festgesetzt, das im Verlauf der Zeit zunahm, und am X. Parteitag der SED, der am 11. April 1981 in Ostberlin begann, hatten sie zum ersten Mal aufgehört, miteinander zu reden. Zwar hielten sie am gemeinsamen Frühstück fest, nicht um einen Teil verlorener Gemütlichkeit und ehelicher Einigkeit wiederherzustellen, sondern um sich noch demonstrativer voneinander abzusetzen. Sie hatte mittlerweile die wichtigsten Romane der Weltliteratur längst gelesen und war zur Lyrik übergewechselt.


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Das war der Augenblick gewesen, wo er sich nach neuen Zeitungen umzusehen begann. Er hatte bemerkt, dass sie sich längst an die Geräusche seines Leibblattes gewöhnt, ja, sie sogar in ihre Lektüre integriert hatte, und so überraschte er sie an dem Tag, als sie mit der Lektüre von Goethes West-Östlichem Diwan begann, mit der grossformatigen Süddeutschen Zeitung, die sein Lokalblatt, das bescheidenere Dimensionen aufwies, ablöste. Jetzt vermochte er damit beinahe den ganzen Frühstückstisch abzudecken, von dem mittlerweile Eier, Speck und Käse verschwunden waren. Nur sein Kaffee, ihr Tee und ein paar gemeinsame Knäckebrote waren übrig geblieben. Sie hatte diesen Wechsel zur qualitativ höherstehenden und grossformatigeren Zeitung irritiert zur Kenntnis genommen, wie er befriedigt registrierte, um sich dann aber doch bald an die neuen Zeitungsgeräusche zu gewöhnen. Und als Erich Honecker, so die Süddeutsche Zeitung, in einem Interview im Neuen Deutschland das Jahr 1984 zum erfolgreichsten in der Geschichte der DDR erklärte, merkte er, dass er dasselbe von sich nicht sagen konnte. Seine Frau — «die auf der andern Seite des Tisches», wie er sie nannte — strahlte Zufriedenheit aus, hatte ihre Haltung gewechselt, wirkte kultiviert, so mindestens kam es ihm vor, und war ihm an literarischer Bildung überlegen, denn den Kulturteil der Süddeutschen überschlug er jedes Mal hastig, damit sie nicht glaube, dass er ganz plötzlich klein beigebe, und mindestens, was seine morgendliche Lektüre betraf, auf ihre Richtung einschwenkte. So gingen die Jahre vorbei. Sein Hass nahm parallel zu ihrer Bildungsbesessenheit zu. Sie hatte ihn längst weit zurückgelassen, hatte die Lyrik des Abendlandes beim Frühstück stumm verinnerlicht, und während er in einem letzten verzweifelten Anlauf versuchte, ihre souveräne Distanz schrumpfen zu lassen, indem er, obwohl er kaum ein Wort Italienisch verstand, die Gazetta dello Sport kaufte, ihr diesen rosafarbenen Wust von mickrigen Blättern vor die Nase hielt, sie aus ihrer Abgeschiedenheit herauszuknistern versuchte und auf neue farbliche Reize mit Signalwirkung hoffte, ähnlich der Provokation beim Kampfstier, war sie nicht bereit, diese offene Herausforderung anzunehmen. Im Gegenteil, sie setzte sich noch mehr ab, indem sie am andern Tag ein philosophisches Werk auf den Frühstückstisch legte. Karl Jaspers’ Schriften zur Psychopathologie. An diesem Morgen verschüttete er zum ersten Mal seinen Kaffee, so sehr zitterten ihm die Hände. Und als sie dann das Buch auf Seite 29 zuklappte und er die Resultate der


italienischen Liga auswendig konnte, war sein Entschluss gefasst. Er ging in die Stadt und kaufte sich eine Pistole, von seiner Sportlektüre beeinflusst, eine italienische Beretta Modell 81 mit einem Kaliber von 7,65 mm und einem 12-Schuss-Kastenmagazin. Das musste genügen. Und am Tag, als die Bild, zu der er mittlerweile gewechselt hatte, mit Balkenlettern die WENDE signalisierte, als die beiden getrennten Teile Deutschlands zu verschmelzen begannen, setzte er sich zum ersten Mal mit der schussbereiten Pistole auf den Knien an den Frühstückstisch. Hier musste er es tun, hier am Frühstückstisch! Das war der Ort, wo sich ihr stummer Zweikampf seit Jahren abspielte. Und hier musste er ihm ein Ende bereiten. Doch an diesem Tag war er, was die Lektüre betraf, nicht bei der Sache. Ausser den Schlagzeilen blieb nichts in seinem Gedächtnis haften, weil er sich mit einem Mal bewusst wurde, dass es sogar einem abgebrühten Mörder schwerfallen würde, jemanden im Schlaf zu ermorden. Schlafen oder Lesen — beide Tätigkeiten hatten für ihn eine gemeinsame Qualität, dieses Entrückte, die Auseinandersetzung mit Bildern, die in einen hineinflossen und die zu stören keiner wagen durfte. Er musste warten, bis sie eines Tages ihr letztes Buch weglegen und zu ihm aufschauen würde. Dann erst würde er schiessen – mitten in ihre Stirn.

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Am 3. Dezember 1990, einen Tag, nachdem sich die Deutschen endgültig vereinigt hatten, hatte er sich endgültig entschlossen. Wenn sie ihr Buch zu Ende gelesen haben würde… Aber ausgerechnet an diesem Montag erschien sie mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen am Frühstückstisch. Hatte sie sich vom Geist der grossen Einheit anstecken lassen? Beinahe ängstlich stellte er sich diese Frage. Nach zehn Jahren des Hasses hätte er eine Umkehr nicht ertragen können. Er war nicht imstande, noch einmal von vorn und besser zu beginnen. Seine Hand tastete das Metall des Pistolenlaufes ab, spürte die metallene Kühle, und die Kälte kehrte in sein Herz zurück. Wenn er nur den Titel des Buches hätte lesen können!


«Was liest du da?» «Bitte?» Ihr Blick kommt von weit her zurück. Er ist leer, und kein Hauch von Wiedererkennen liegt darin. «Ich habe dich etwas gefragt, Rebekka.» «Ich weiss.» Ihr Blick senkt sich. Ihre Stimme ist ohne Kraft, verklingt, bevor sie überhaupt hörbar geworden ist. Er starrt wütend auf ihren Scheitel, auf den kleinen braunen Punkt, der mitten in der porösen Kopfhaut sitzt wie eine Spinne. Jetzt hebt sie ganz wenig das Buch: Albert Camus’ Der Mythos von Sisyphos. Wie durch einen Nebel frisst sich die Erinnerung an weit zurückliegende Lektüre in sein Bewusstsein zurück. War dieser Sisyphos nicht ein griechischer Held gewesen, ein Vorbild an Schlauheit und List? Er sieht vorsichtig auf und späht über den Rand seiner Zeitung zu ihr hinüber. Er spürt das Gewicht der Pistole auf seinen zusammengepressten Beinen. Langsam, ohne den Blick zu senken, greift er nach ihr und legt sie behutsam vor sich auf den Tisch. Dann faltet er geräuschvoll die Zeitung zusammen und schiebt sie neben die Waffe, deren Lauf vorläufig noch auf ihren Bauch zeigt.

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Täuscht er sich, oder flattern ihre Wimpern? Ihr Finger, der die Buchseite oben berührt, um sie zu wenden, zögert. Es ist, als ob ihr ganzes Wesen für den Bruchteil einer Sekunde erstarre, als ob das Leben sie verlasse. Der Zeigefinger sticht in die Luft, ihr Mund ist leicht geöffnet, die Augen geschlossen. Aber dann löst sich diese mikroskopische Irritation auch schon wieder auf. Der Zeigefinger krümmt sich, und zum ersten Mal, seit er ihrem Lernprozess beiwohnt, blättert sie zurück.


Er bewegt sich nicht. Nur sein Gehirn sucht fieberhaft nach Informationen, als er sie atemlos beobachtet, gebannt darauf wartet, dass sie unten an der Seite ankommt.

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Sie zögert wieder. Er hat es gewusst. Und während der Zeigefinger den oberen Seitenrand abtastet, sich plötzlich streckt, erstarrt, ihr Blick, unten an der Seite angekommen, leer wird, und sie dann langsam den Kopf ein ganz wenig nach links dreht, sich ihre Augen wieder oben an der Seite festsaugen und dann behutsam die Zeilen entlangzuwandern beginnen, fällt ihm ein, wonach er so krampfhaft gesucht hat: Sisyphos war der Mann, der, in den Hades, in die Unterwelt verbannt, einen schweren Felsblock einen Berg hinaufwälzen musste. Aber jedes Mal, wenn er die Bergspitze beinahe erreicht hatte, entglitt ihm der Brocken wieder und rollte in die Tiefe zurück, von wo aus Sisyphos einen neuen fruchtlosen Anlauf startete. Nur noch einmal wartet er ab, ob sie diesmal die Seite wenden und endlich ein erlösendes Ende ihrer Lektüre und ihres Lebens finden wird. Doch er wusste schon, bevor ihr Blick unten an der Seite angekommen war, bevor sich der Zeigefinger versteifte, dass sich nichts mehr verändern würde, dass sie ihn für immer in derselben Bereitschaft, sie umzubringen, einfrieren würde. Und während ihr Blick zurückkehrt an den Anfang der Seite, schiebt sich seine Hand ganz sachte auf die Pistole zu, umklammern seine Finger den glatten Holzgriff, krümmt sich der Zeigefinger um den Abzug, und als sie zum vierten Mal unten an derselben Seite angekommen ist, schiebt er sich den Lauf in den geöffneten Mund, spürt noch kurz den spitzen Schmerz, den das Korn der Waffe an seinem Gaumen verursacht, und drückt dann ab. Dass sie kurz ihre Lektüre mitten auf der Seite unterbricht und ihren Blick hebt, nimmt er nicht mehr wahr.


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Kurzgeschichte

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von Stephan Bosch


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Stephan Bosch, Jahrgang 1947, studierte Geschichte und Germanistik. Er arbeitete als Nachrichtenchef und Sportreporter für verschiedene Zeitungen und Magazine. Fünf Jahre war er als Korrespondent in New York tätig. Bosch lebt heute als freier Autor in Irland und Zürich. 2007 erschien seine Biographie Max Daetwyler – Der Friedensapostel, 2009 Die Akte Sandimmun® – Ein Pharma-Skandal (beide im Verlag rüffer & rub, Zürich).


Ode an das megabitefreie Buch von Stephan Bosch

Was für eine wunderbare Erfindung: Das elektronische Buch! Amazon Kindle zum Beispiel bietet Platz für 1400 Bücher, ist nicht viel grösser und nicht viel schwerer als eine Tafel Schokolade. Hunderttausende Titel lassen sich über das Internet herunterladen, und die Oberfläche des E-Books ist so beschaffen, dass man auch am Strand in der prallen Sonne lesen kann. Toll! Und doch: Ich schätze mich glücklich, dass das elektronische Buch noch nicht existierte, als ich – so vor 50 Jahren – zum ernsthaften und passionierten Leser wurde. Wie viele Geschichten und Erlebnisse hätten nie stattgefunden in meinem Leben ohne das klassische Buch: diese dicken Wälzer, die Gedichtbände im Westentaschenformat, die Gesamtwerke in Frakturschrift aus dem Antiquariat, die zerfledderten Bände, die Entdeckung der Welt zwischen Buchrücken. Das Licht des Lesens! Das Buch aus Papier!

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Ich war zwölf Jahre alt, ich las in der Nacht Honoré de Balzacs Tolldreiste Geschichten mit der Taschenlampe unter der Bettdecke. Das Buch hatte ich mir vom obersten Regal der elterlichen Buchsammlung geangelt. Meine Mutter erwischte mich dabei, fand diese Lektüre ungeeignet für einen Buben – wegen der derben, erotischen Passagen. Doch sie liess mich weiterlesen. Besser aber, der Vater erfährt es nicht! Wie unheimlich komisch empfand ich zum Beispiel die Geschichte des Königs, der beim nächtlichen Fressgelage seinem Hofstaat Abführmittel ins Essen mischt! Wie da die Hofmarschälle und Seneschallen, die Burgfräuleins und Herzoginnen sich an der königlichen Tafel bald wanden und krümmten in ihrer Not und es nicht wagten, auch nur das leiseste Fürzchen fahren zu lassen – aus Angst vor einem Malheur.


Wie praktisch waren am Gymnasium die winzigen, rosafarbenen Büchlein, die in der Handfläche Platz fanden: Da konnte man die Übersetzungen des De Bello Gallico von Julius Caesar während der Lateinprüfungen fein abspicken! Mit einem Kindle ginge das nicht. Mein erster Schatz, schwarze Haare, blaue Augen, kaufte mir bei einem gemeinsamen Besuch des Antiquariats beim Zürcher Hirschenplatz für fünf Franken ein stockfleckiges Buch, 1842 in Winterthur erschienen, das noch heute in meiner Bibliothek steht: Freundlicher Wegweiser durch den deutschen Dichterwald für Gebildete ausser dem Gelehrtenstand. Wir gingen, ich das Buch unter dem Arm, ans Utoquai und lasen auf einer Bank am Zürichsee Friedrich Gottlieb Klopstocks Ode an den Zürichsee: «Schön ist, Mutter Natur, deiner Erfindung Pracht/ Auf die Fluren verstreut, schöner ein froh Gesicht, das den grossen Gedanken/ Deiner Schöpfung noch einmal denkt.» Als ein Freund und ich auf unseren Vespas auf die Insel Elba fuhren, hatte ich Georg Trakls düster-schöne Lyrik in einem kleinen Leinenband oben links in der US-Army-Jacke, die ich bei «Imhof» an der Bäckerstrasse gekauft hatte. Seither leuchten mir in jedem Herbst Trakls Verse auf: «Gewaltig endet so das Jahr/ Mit goldnem Wein und Frucht der Gärten./ Rund schweigen Wälder wunderbar/ Und sind des Einsamen Gefährten.» Als ich, Ende der sechziger Jahre, mit meinen Genossen auf der Strasse demonstrierte, gegen den Schah von Persien und den Vietnamkrieg und den Muff unter den Talaren, noch immer in der grünen US-Army-Jacke, in deren Taschen perfekt ein Buch hineinpasst, war Trakl durch einen kleinen Band des russischen Revolutionärs und Anarchisten Michail Bakunin ersetzt – Lektüre, die einem Rebellen und Atheisten geziemt: «Solange ihr einen Herrn im Himmel habt, werdet ihr auf Erden ewig Sklaven sein.» Oder so ähnlich.

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Zu Beginn der siebziger Jahre bolzte ich mit meiner 600-Kubik-BMW durch Italien, Jugoslawien und Griechenland, ohne Helm, in Lederkluft, den Schlafsack hintendrauf gebunden. In der Satteltasche Marxens Das Kapital. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich auf dieser Reise in diesem Buch auch nur eine einzige Zeile gelesen hätte. Das ist bis heute so geblieben. Einerlei – et-


was hat sich nicht geändert: Ich mache nie eine Reise ohne Bücher im Gepäck. Es ist schon wahr, dass auf Reisen ein Kindle praktischer wäre. Doch das elektronische Buch ersetzt mir nicht das taktile Vergnügen, ein Buch in die Hand zu nehmen. Was passiert, wenn ich durch eine Fehlmanipulation, für die ich Spezialist bin, am Computer plötzlich alles lösche? Und, sagen wir mal, in Peking sitze? Ein grauenhafter Gedanke! Dann die Sache mit meinem Lieblingsbuch: Miguel de Cervantes’ Don Quijote, dieses «Meer der Erzählung», wie es Thomas Mann genannt hat. Ich habe jahrelang die Antiquariate nach dem Don Quijote abgeklappert und das Buch fast allen meinen Freunden geschenkt. Allerdings musste ich feststellen, dass nur wenige das Buch auch lasen. Das macht mich noch heute fassungslos. Wenn ich die Beschenkten auf den geliebten Don Quijote ansprach, bekam ich meistens den blöden Satz zu hören, das Buch sei zu dick! Zu dick! Wie kann ein Buch zu dick sein? Wie könnte es die grossen Russen geben ohne dicke Bücher? Es ist doch so: Ein wirklich gutes Buch kann gar nicht zu dick sein, das ist vollkommen unmöglich! Die russischen Dichter! Als ich an der Universität Zürich Geschichte und Germanistik studierte, lernte ich einen Kommilitonen kennen, der sehr dick war, einen blonden Bart trug und die stärksten Zigaretten der Welt Kette rauchte: «Boyard», die auch der Philosoph Jean-Paul Sartre schätzte. Wir beide steigerten uns gegenseitig in einen wahren Leserausch. Wir tauschten alles von Tolstoi, Dostojewski, Gogol, Tschechow aus. Ich kann beschwören, dass ich nach drei, vier Monaten die gesammelten Werke der grossen Russen intus hatte. Wir lasen wie die Halbverrückten! Die Seminararbeit über The American Frontier ging naturgemäss den Bach runter. Wie war das mit den zwei Büchern, die ich selbst geschrieben habe? Die Biographie über den Friedensapostel Max Daetwyler und die Recherche über einen Pharma-Skandal, der einem Schweizer Forscher vermutlich den Nobelpreis gekostet hat?

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Es ist ein unglaublich schönes Gefühl, wenn man vom Verlag (rüffer & rub) die ersten Exemplare bekommt, das Buch in die Hand nehmen und durchblättern


kann, quasi frisch ab Presse. Hätten diese Bücher nur in elektronischer Form erscheinen können, würde ich sie vermutlich nicht geschrieben haben. Das Elektronische ist der Feind des sinnlich Wahrnehmbaren. In der Buchhandlung Orell Füssli an der Füsslistrasse in Zürich stand meine Daetwyler-Biographie zwischen Barack Obama und Nelson Mandela! Heute befindet sich der grösste Teil meiner Bibliothek in meinem Haus im Südwesten Irlands. Besonders umfangreich ist sie nicht: so um die tausend Bände. Es wären weit mehr, wenn ich im Laufe vieler Jahre von der Unart abgesehen hätte, Bücher auszuleihen. Heute leihe ich prinzipiell keine Bücher aus, ganz einfach darum, weil sie nie zurückkommen. Nie! Die Bücher, die mir geblieben sind, befreie ich so alle drei Jahre von Staub und Spinnweben, von denen es in Irland unglaublich viele gibt. Eine Heidenarbeit! Ich muss auf die Leiter steigen, mit den Büchern, die ich fassen kann, die Leiter runtersteigen, mit dem Staubtuch hantieren, die Werke durchblätternd nach dem Bücherwurm durchsuchen ( ja, den gibt es tatsächlich), und bei diesem Durchblättern verabschiedet sich jeweils jedes Zeitgefühl, weil man dasitzt und zu lesen beginnt und nicht mehr aufhört zu lesen. Wenn man eine Bibliothek hat, heisst das ja nicht, dass man jedes einzelne Buch von A bis Z durchgelesen hat. Das ist ja das Wesen der Bibliothek: Das Glück zu wissen, dass, solange man lebt, einem der Lesestoff nicht ausgehen wird. Der 2009 verstorbene Zürcher Schriftsteller Hugo Loetscher, Besitzer einer sehr grossen Büchersammlung, hat mir mal, äusserst amüsiert, von einem Besucher erzählt, der ihn fragte: «Haben Sie alle diese Bücher wirklich gelesen? Und was machen Sie, wenn es brennt?»

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Übrigens: Morgen bestelle ich bei Amazon einen Kindle. Der günstigste kostet 99 Euro. Plus 15 Euro für das Netzteil.


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Kurzgeschichte

Das Milliardenerbe

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von Yves Schumacher


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Yves Schumacher, geb. 1946, ist Inhaber einer Kommunikationsagentur in Zürich. Als freischaffender Publizist veröffentlichte er mehrere Sachbücher kulturhistorischer Art. www.ysc.ch


Das Milliardenerbe von Yves Schumacher

Onkel Konstantin ist tot. Zum letzten Mal unterhielt ich mich mit ihm hier im Blauen Zimmer. Blau ist die Bibliothek in seinem baufälligen Wohnsitz am Fuss des Mont Soleil deshalb, weil er an der Fensterfront kobaltblaues Lichtschutzglas eingebaut hatte, um die Bücher vor der Zerstörung durch die aus Osten einfallenden Sonnenstrahlen zu schützen. Konstantin von Wolkenstein, mein Grossonkel, hatte sein Anwesen – ursprünglich eine Streichholz-Manufaktur und Tuchwalkerei – nach seiner Flucht aus der Bukowina (heute ein Teil der Ukraine) gegen ein paar kostbare Wiegendrucke eingetauscht. Offenbar eine Notveräusserung. Vor dem behelfsmässigen Umbau der Fabrik wurden darin Rubinstein-Lager für die Uhrenindustrie bearbeitet. Im Blauen Zimmer befand sich die Grandissage, in der die Innenbohrung der Rubine ausgeschliffen wurde. Was von dieser Werkstatt noch übrig bleibt, ist einzig die elektrische Arbeitsplatzbeleuchtung mit Kohlefadenlampen und der speckige, aus Stirnholz gepflasterte Fussboden. In Konstantins Bibliothek verbrachte ich manchen blauen Vormittag. In diesem Raum gibt es nichts ausser Bücher, einem grossen Eichentisch, zwei Wiener Bugholzstühlen und einer durchgelegenen, mit purpurrotem Samtstoff bezogenen Récamière, die mit einer gestärkten Spitzendecke belegt ist. Auf dem Tisch stehen ein Lesepult, eine Karaffe mit abgestandenem Zitronenwasser, zwei Gläser und eine Sanduhr. An den drei Wänden reiht sich ein BiedermeierBücherschrank an den anderen. Und jeder Schrank ist aus einer anderen Holzart gefertigt. Der schönste davon besteht aus Ringelahorn und hat zwei blinde Glasfenster.

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Onkel Konstantin und ich hatten im Blauen Zimmer oft unendliche Diskussionen über Bücher geführt. Als ich einmal unbesonnenerweise eine zynische Bemer-


kung über die seiner Bibliomanie geopferte Zeit fallenliess, versteinerten sich die Züge seines knochigen Gesichts, und sein Mund zeigte sich im bläulichen Dunstlicht wie eine scharfe Bügelfalte. Dann bemerkte er leise und stammelnd: «Bibliotheken sind Zeitremisen. Depots, in denen die Zeit in Form von Jahrhunderten kumuliert ist. Ein gutes Buch ist wie ein Stundenglas. Zeit kann nicht vernichtet werden. So wie der Sand vom oberen Glaskolben der Sanduhr ohne den geringsten Verlust in den unteren rieselt, wird die von einem Autor investierte Zeit von jedem Leser im Laufe der Lektüre zurückgeholt.» «Aber es gibt doch auch schlechte Bücher und somit auch schlechte Zeiten», konterte ich. «Ja und nein. Schlechte Bücher werden vom Leser zugeklappt. Wenn nicht, dann verpasst er eben gute Zeit. Vergiss aber nicht – Bücher sind effektive Zeitmultiplikatoren. Überlege dir einmal, wie viele Tausende und Abertausende von vergnüglichen und erbaulichen Lesejahren nur ein einziges Monument der Weltliteratur der Menschheit bescherte und bescheren wird», belehrte mich Konstantin in einem leicht gereizten Tonfall.

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Herr von Wolkenstein hatte seinen Bücherbestand in einem spanischen Dominikanerkloster nach einem einzigartigen Ordnungssystem in Leder binden lassen. Alle Werke in den ersten drei Schränken sind ethnographische Arbeiten, zumal Onkel Konstantin an der Universität Cernowitz Völkerkunde studiert und sich auf die Erforschung der Sitten und Gebräuche der Huzulen und anderer Minderheiten in den Karpaten spezialisiert hatte. Diese wissenschaftlichen Werke liess er in erdbraunes Leder binden. Deren feuerrote Titelschilder zwischen den ersten und zweiten erhabenen Bünden sind in Garamond-Typen geprägt. Zwei weitere Kästen enthalten theologische Werke – preussischblaue Halblederbände mit himmelblauen Schildern. In grünes Oasenziegenleder sind hingegen alle naturwissenschaftlichen Werke gebunden. Jene Bände, die Onkel Konstantin im «Giftkasten» genannten Bücherschrank aus Ringelahorn verwahrt hatte, sind in safran- und rosafarbenes Chagrinleder eingefasst. Diese waren bis zum Tode Konstantins für mich und meinen Bruder Anatol tabu. Im Giftkasten hatte unser Onkel offenbar vornehmlich kirchlich verbotene Bücher verstaut, die seinerzeit im vatikanischen Index Librorum Prohibitorum figurierten. Jedenfalls habe ich darunter vor allem erotische Literatur sowie


die Theorien über den Mehrwert von Karl Marx erspäht. Das Geheimnisvollste aller Bücher stand in diesem Giftschrank, von einem gewichtigen Futteral geschützt, zwischen Lady Chatterley von David H. Lawrence und einer niederländischen Ausgabe der Bücher von Marquis de Sade. Merkwürdigerweise blieb der leicht angegraute Pergamentrücken bis heute unbeschriftet. Onkel Konstantin hatte mich gewarnt. Dies sei ein Buch von unermesslichem Wert. Jenen Unglückseligen jedoch, der es aufzuschlagen wage, erwarte ein abgrundtiefes Unglück.

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Im Zuge der Liquidation von Onkel Konstantins Fahrhabe hatte meine Familie einen Berner Antiquar eingeladen, der sich für den Ankauf der Bibliothek interessierte. Bevor dieser Geschäftsmann eintraf, wollte ich das mysteriöse Buch mit dem Pergamentrücken verschwinden lassen. Ich zog es deshalb behutsam aus dem Futteral, und der spiegelglatte Goldschnitt auf den offenen drei Buchseiten funkelte mir entgegen. Neben der Sanduhr liegt nun ein wahres Meisterwerk der Buchbindekunst. Auf dem noch blütenweissen Vorderdeckel des Einbandes prangt das in virtuoser Kalligraphie geprägte Monogramm KvW. (Konstantin nannte derartige Besitzerzeichen «Supralibros».) Die Beschläge und Schliessen präsentieren sich indessen als feinste Goldschmiedearbeit. Zu meiner Verwunderung waren die beiden Schliessen mit schwarzem Lack versiegelt. Mit vor Erregung zitternder Hand brach ich die Siegel und klappte den Deckel auf. Welch schlichte Eleganz mir da entgegenkam! Ein Schmuckvorsatz aus tiefschwarzem Wildleder und Deckelkanten, die mit einer goldenen Doppellinie verziert waren. Ich blätterte fiebrig weiter und traute meinen Augen nicht. Banaleres hätte ich auf dem Schmutztitel und dem Titelblatt kaum lesen können: «Erwin Grossmann. Technisches Bauhandbuch. Band I. Wegweiser durch Technik und Industrie des Hoch- und Tief bauwesens sowie verwandter Gebiete in Reihenfolge der Bauausführungen. Hannover 1901.» Enttäuscht schlug ich drei weitere Seiten auf. Unglaublich… Der Satzspiegel aller folgenden Blätter ist ausgestanzt und die einzelnen weissen Seitenränder sind bis zum Rückendeckel mit Kleister verbunden, so dass der Buchblock eine Kassette bildet. Ausgeschlagen ist dieses Behältnis mit blutroter Taftseide. Vollends verblüffend ist der Inhalt: ein grosser bräunlich blauer Geldschein. Mindestens 100 gm 2. Es ist eine Reichsbanknote im Wert von tausend Billionen Mark! Am 15. Februar 1924 vom Reichsbankdirektorium unterzeichnet, aufgewertet mit


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dem Porträt irgendeines berühmten Mannes. Vermutlich ein deutscher Künstler. Darunter liegt noch ein zerknüllter Notgeldschein. Eine Million Mark, herausgegeben am 10. August 1923 vom Reedereiunternehmen Hugo Stinnes Linien. Geerbt habe ich von Onkel Konstantin also insgesamt 1‘000‘001‘000‘000 Mark Inflationsgeld und die prächtige Buchkassette. Mehr nicht.


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82 Geri Krischker, Impression aus der Buchhandlung Librium, Baden, 2012


Praxiserfahrungen

Aus der Schreibschule geplaudert Zwischen dem Rohentwurf und der Verlagssuche liegen zahlreiche Hürden. Dabei gibt es Fallstricke, die sich von vornherein umgehen lassen. Ein paar Beispiele:

Erzählperspektive

Der Autor wechselt unverhofft die Erzählsituation und bringt seine persönliche Sicht ein. Die den Handlungsablauf unterbrechenden Einschätzungen und Urteile des Autors dürften die wenigsten Leser eines Romans interessieren. Der Ausweg: Profis legen ihre Meinung gerne einem ihrer Hauptakteure in den Mund. Einzelne Passagen sind stilistische Fremdkörper, weil sie mit Jargon oder der altertümlichen Sprache ihrer Quellen verseucht sind.

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Kopfarbeit

Ein toller Einstieg. Ein flaues Mittelstück und ein Schluss, der keiner ist… Erfahrene Autoren beginnen mit der Aufzeichnung ihrer Geschichte erst dann, wenn sie den ganzen Plot im Kopf haben. Dabei machen sie die Höhepunkte fest. Aus einer Geschichte, die sich nicht in wenigen Minuten von A bis Z erzählen lässt, wird meistens nichts.


Wer Passagen (nicht Zitate) aus Quellenmaterial in sein Sachoder Fachbuch unmittelbar und ungefiltert einbaut, riskiert eine stilistische Bruchlandung. Eine erholsame Zwischenlandung gelingt dann, wenn der Autor jeweils einen Filter zwischen der Lektüre der Quelle und dem Schreiben einbaut. Gute Einflüsse

Quellenverzeichnis

Verlagssuche

«Sie haben über amtlichen Verlautbarungen gegähnt, mit juristischer Begriffsklauberei gekämpft, Sie wateten in werbesprachlichen Wortsümpfen und hetzten durch die schnelle Schreibe Ihrer Kollegen. Die Sprache dieser Quellen kleckert aus Ihrer Feder oder kullert in Ihre Tasten, wenn Sie gleich nach der Recherche zu schreiben beginnen. Baden Sie dagegen kurz mit Canetti, schreiben Sie wieder mit Sinn und Sinnen»4, empfiehlt Daniel Perrin, der als Schreibcoach in Presse-, Rundfunk und Öffentlichkeitsarbeit wirkt und die Forschungsstelle für Berufliches Schreiben am Institut für Sprachwissenschaft der Universität Bern leitet. Ob der Autor nun ein Buch von Elias Canetti, Max Frisch oder eines anderen Wortgewaltigen aus seiner Bibliothek herauspickt – der Meister wird ihn nach wenigen Seiten auf den Boden eines guten Schreibstils zurückwerfen. Garantiert. Das Verfassen des Quellenverzeichnisses für ein Sach- oder Fachbuch soll nicht bis zum Schluss aufgeschoben werden. Spätere Rekonstruktionen sind mühsam und ärgerlich. Morgen weiss der Autor kaum noch, welche Information er gestern wo gefunden hat. Deshalb ist für jedes Zitat, ob direkt oder indirekt, möglichst sofort eine Fussnote anzubringen. Manuskripte unaufgefordert zahlreichen Verlagen zustellen – kaum zu glauben, wie viele Erstautoren mit Kanonen auf Spatzen schiessen. Dabei wäre es nur eine Frage des gesunden Menschenverstandes, sich vorerst in der Verlagslandschaft genau umzuschauen und nur auf jene Verlage zuzugehen, zu deren Programm das Manuskript passen könnte. Dabei ist es sinnlos, Zielverlage gleich mit einem dicken Manuskript zu bombar-

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Perrin, Daniel: Schreiben ohne Reibungsverlust, Schreibcoaching für Profis, Zürich 2000


dieren. Ein Exposé mit Inhaltsangabe sowie eine Zusammenfassung mit einer Leseprobe (zwei, drei Dutzend Seiten aus irgendeinem Kapitel) genügen. Gut macht sich auch, wenn eine Kurzbiografie des Autors beigelegt wird.

Das Manuskript mit Normseiten Das Manuskript hat lediglich funktionale und keine ästhetischen Anforderungen zu erfüllen. Gefragt sind heute Normseiten. Eine Normseite umfasst etwa 30 Zeilen zu 60 Zeichen auf einem DIN-A4-Bogen. Das ergibt ca. 1800 Zeichen pro Seite. Leerschläge werden dabei mitgezählt. Die für ein Manuskript bevorzugte Schrift ist Courier. Sie ist der Schreibmaschinenschrift nachempfunden und hat eine einheitliche Kegelgrösse, die die Berechnung der Seitenzahlen einfach macht. Zugegeben: Schön ist die Normseite beileibe nicht, aber sie ist effektiv. So wie sich im Lauf der Jahre die DIN-Norm durchsetzen konnte, hat sich auch die Normseite etabliert. Sie liefert optimale Bedingungen für das Lektorat und die Satzerstellung.

Greenhörner stellen ihre Geschichte ins Internet und hoffen, von einem grossen Verlag entdeckt zu werden. Es gibt Internetseiten wie www.neobooks.com, die zur kostenlosen Veröffentlichung von Manuskripten einladen. Deren Beurteilung wird den Usern (pardon, Besuchern) überlassen. Am besten kommen dabei jene Autoren weg, die am meisten Freunde zur Bewertung ihrer Arbeit bewegen konnten. Ob sie aber auch von einem guten Verlag entdeckt werden, bleibt mehr als fraglich. Sicher ist nur, dass sie mit der elektronischen Veröffentlichung ihrer Geschichte unnötig Pulver verschiessen. Zahlreiche Verleger rümpfen logischerweise die Nase, wenn sie erfahren, dass die ihnen unterbreitete Geschichte bereits in einem Massenmedium publiziert wurde.

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Vorveröffentlichung


86 Roland Kniel, Buch 1, 2012


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Manche Erstautoren richten sich nur an renommierte Grossverlage. Der Traum vom eigenen, potenziellen Bestseller lässt den Erstautor hoch pokern. Grosse Publikumsverlage, die arrivierte Autoren unter Vertrag haben, gehen indessen eigene Wege und kooperieren in der Regel mit Literaturagenten. Dennoch werden sie tagtäglich mit einem Schwall von unaufgefordert zugestellten Schreibergüssen überflutet. Die Chance, dass sich der überlastete Lektor ausrechnet das Manuskript eines unbekannten Autors aus den Papierbergen herauspickt und sich damit auseinandersetzt, ist gering. Und die Einsender warten oft monatelang vergebens auf einen Bescheid … Kleinverlage

Selbstzahlerverlage

Unter den rund 450 Schweizer Verlagshäusern gibt es eine Vielzahl von hervorragenden Kleinverlagen, die durchaus bereit sind, Angebote von Newcomern seriös zu prüfen. Voraussetzung ist aber, dass Genre und Thema des Werks zum Verlagsprogramm passen. Im Internet locken einige Selbstzahlerverlage unerfahrene Autoren mit grossartigen Versprechungen an. Man vergewissere sich, keinem sogenannten Druckkostenzuschussverlag auf den Leim zu kriechen. Einzelne Winkelverlage verstehen sich bestens darauf, Autoren Geld aus der Tasche zu ziehen. Da diese Häuser schon vor dem Druck des Buchs auf ihre Rechnung kommen, führen sie, sobald die Sprache auf den Vertrieb kommt, einen Eiertanz auf.

Das unverbindliche Erstgespräch

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CoLibri ist für jedes Buchprojekt gesprächsbereit. Ein erster Gedankenaustausch ist unverbindlich und kostenlos. Indes: Je konkreter die Vorstellungen des Auftraggebers zur geplanten Publikation sind, desto greif barer sind die Resultate dieser Erstbesprechung. Deshalb ein paar Gedanken, die ein Heraus-


geber oder Autor möglichst schon vor dem ersten Gespräch mit CoLibri anstellen sollte: Welches sind meine Beweggründe, ein Buch zu schreiben oder herausgeben? Welche Qualifikationen, Erlebnisse oder Eigenschaften befähigen mich dazu? Will ich als Autor figurieren? Oder möchte ich als Herausgeber wirken und einen geeigneten Verfasser finden? Kommen allenfalls Koautoren in Frage? Was will ich mit dem Buch erreichen? Will ich die Leser und Leserinnen informieren, überzeugen, belehren, auf klären oder einfach nur unterhalten? Welche Buchart schwebt mir vor? Wo soll das Buch verbreitet werden? Nur in der Deutschschweiz oder im ganzen deutschen Sprachraum? Welchen Personenkreis will ich mit dem Buch ansprechen? Fachkollegen, Kunden, Freunde, Familienangehörige, Lernende oder die breite Öffentlichkeit? Wie will ich die Produktion des Buchs finanzieren? Ist eine Eigenfinanzierung vorgesehen, oder soll Fremdfinanzierung angestrebt werden? Welche Auflage schwebt mir vor? Möchte ich eine kleinere Stückzahl oder gleich eine grössere Startauflage ins Auge fassen? Ist das Buch zu bebildern? Sind die Nutzungsrechte für die Veröffentlichung von bestehendem Bildmaterial (Fotos und/oder Illustrationen) bereits geklärt? Wie soll das Buch vertrieben werden? Durch einen gezielten

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Grundsatzüberlegungen


Versand, durch eine persönliche Übergabe, durch Organisationen (z.B. Verbände), über das Internet, durch Werbeanzeigen oder über den Buchhandel? Habe ich bereits Kontakte zu Verlagen, die ich ausschöpfen könnte? Welche Machart (wie zum Beispiel Grösse und Format) schwebt mir vor? Welche bestehenden Bücher sind für mich in punkto Aufmachung ein Vorbild?

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Gibt es bereits Bücher, die mein publizistisches Vorhaben in irgendeiner Weise konkurrenzieren könnten? Wenn ja, welche?


«Warum ich Schriftsteller bin? Weil Schreiben noch eher gelingt als Leben, und weil für diesen Versuch, das Leben schreibend zu bestehen, der Feierabend nicht ausreicht.»

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Max Frisch (1911–1991) Schweizer Schriftsteller und Architekt


92 Roland Kniel, Buch 2, 2012


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94 Geri Krischker, Impression aus der Buchhandlung Librium, Baden, 2012


Dramaturgie

Die richtige Erzählperspektive Jede Geschichte steht und fällt mit der Dramaturgie. Dieses Zauberwort ist vom griechischen Begriff «dramaturgein» abgeleitet und heisst so viel wie «ein Drama verfassen». Das klingt zugegebenermassen dramatischer, als es gemeint ist. Dramaturgie ist die Kunst, einen Handlungsablauf in Form eines Handlungsbogens darzustellen. Hierfür stehen dem Autor die verschiedensten Instrumente zur Verfügung. Vor allem Rollen, Schauplätze und Erzählperspektiven. Daniel Perrin bringt es in seinem Werk Schreiben ohne Reibungsverlust: Schreibcoaching für Profis auf den Punkt: «Schauplätze und Rollen durchziehen.» Diese Empfehlung gilt aber nicht nur für Profis, sondern auch für jeden Erstautor, der seine Geschichte zu Papier bringt.

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Autoren folgen, bewusst oder unbewusst, einer bestimmten Vermittlungsstrategie. Ein kurzer sprachwissenschaftlicher Exkurs mag für die Konzeption von Geschichten deshalb hilfreich sein. Es geht um die Erzählsituation. Also um den Blickwinkel derjenigen Person, die die Geschichte des Autors dem Leser erzählt. Ein guter Stil verzichtet darauf, die Erzählsituation in jedem Kapitel oder gar in jedem Abschnitt zu wechseln. Wer Perspektivbrüche bewusst vornimmt, begibt sich auf literarisches Glatteis. Deshalb tut der Erstautor gut daran, sich an die einmal gewählte Erzählform zu halten.


Die Linguistik unterscheidet zwischen auktorialen, personalen und neutralen Erzählsituationen. Dazu kommt noch die IchSituation, die sowohl auktoriale wie personale Merkmale haben kann. Auktoriale Erzählsituation

Wenn der Autor nicht Teil seiner Geschichte ist, sondern als Urheber und Vermittler wirkt und die Welt «allwissend» von aussen schildert, befindet er sich in einer auktorialen Erzählsituation. Er schlüpft in seine Figur hinein, dringt bis in die tiefsten Regungen ihrer Seele vor und kennt somit ihre Gedanken- und Gefühlswelt. Bei dieser Erzählsituation können Zusammenhänge mit zukünftigen und vergangenen Ereignissen getrost verknüpft werden. Gleichzeitig lassen sich Handlungen verschiedener Figuren an verschiedenen Orten schildern und jederzeit Kommentare und Urteile abgeben.

Personale Erzählsituation

In bestimmten Fällen entscheidet sich der Autor für die personale Erzählsituation, in der nicht er selbst (in der Ich-Form) die Gedanken und Wahrnehmungen einer Figur zum Ausdruck bringt, sondern einer am Geschehen beteiligten Drittperson (also in der Er- oder Sie-Form) in den Mund legt. In diesem Fall hat er eine Erzählsituation gewählt, die als Innensicht bezeichnet wird. Eine Aussensicht wäre hingegen dann gegeben, wenn ein Zeuge des Geschehens (und nicht der Protagonist selbst) die Geschichte zum Besten gibt. Eine sogenannte Reflektorfigur schildert unmittelbar, was ein bestimmtet Akteur der Geschichte denkt oder fühlt. Damit lassen sich Befindlichkeiten und psychische Prozesse auf packende Weise vermitteln. Um Spannung in diese Erzählsituation zu bringen, werden oftmals auch kontrastierende Sichtweisen verschiedener Charaktere eingebracht.

Innen- und Aussensicht

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Neutrale Erzählsituation

In der neutralen Erzählsituation ist die Geschichte hingegen so verfasst, als würde sie von einem unfassbaren Beobachter erzählt, der wie ein Mikrophon fungiert. Dabei können logischerweise keine Bewusstseinsprozesse aufgerollt werden. Wie soll der Autor auch wissen, was seine Charaktere denken und


fühlen? Aussagen wie «sie überlegte sich…» oder «er dachte…» sind hier fehl am Platz. Geschildert kann nur werden, was die Figur sagt oder tut. Je bildhafter die Beschreibung, desto leichter wird es dem Leser fallen, sich eigene Vorstellungen von der Gedanken- und Gefühlswelt der Protagonisten zu machen. Die Ich-Erzählung ist eine weitere Spielart der Erzählsituationen. Dabei kann der Ich-Erzähler auch eine fiktive Figur sein, die mit dem Autor nichts zu tun hat. Es sei denn, es gehe um eine Autobiographie. Kurz zusammengefasst: Bei jeder Geschichte gilt es, Erzählperspektiven zu wählen. Befindet sich der Erzählende innerhalb oder ausserhalb des Geschehens? Nimmt er an der Handlung selbst teil, oder steht er ausserhalb des Geschehens?

Die fünf Erzählsituationen Auktoriale Erzählsituation

Neutrale Erzählsituation

Ich Erzählung

Personale Erzählsituation

Multiperspektive

Literaturtipps Perrin, Daniel: Schreiben ohne Reibungsverlust, Schreibcoaching für Profis, Zürich 2000 Genette, Gérard: Die Erzählung, Stuttgart 1998 Stanzel, Franz K.: Theorie des Erzählens, Göttingen 1995

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Ich-Erzählung


«Bei einem Schriftsteller muss man, wie bei einem Chirurgen, das Gefühl haben, in guten Händen zu sein, damit man sich im Vertrauen betäuben lassen kann.»

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Saul Bellow (1915–2005), US-amerikanischer Schriftsteller, Nobelpreisträger für Literatur


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100 Bruno Sonderegger, Buch 1, 2012


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Gegenseitiges Vertrauen

Büchermachen ist Teamarbeit Im Unterschied zu herkömmlichen Unternehmen ist CoLibri keine hierarchisch aufgebaute Organisation, sondern ein Team von dezentralisierten Spezialisten. CoLibri konstituierte sich als interdisziplinärer Talentverbund, der eigenständiges und selbstverantwortliches Handeln grossschreibt und nach den Prinzipien des Lean-Managements funktioniert. Dadurch konnte eine überdurchschnittliche Reaktionsgeschwindigkeit und Effektivität erzielt werden. Um Entscheidungsprioritäten und Arbeitsabläufe zu beschleunigen, orientieren sich die Büchermacher an der Wertschöpfungskette. Der Projektleiter wird aufgrund der jeweiligen Problem- und Aufgabenstellung bestimmt. Ausschlaggebend sind hierfür die Sach- und Sozialkompetenz der einzelnen Teammitglieder sowie deren thematische Affinität zum Buchprojekt. Jedem Partner steht wiederum ein eigenes Netzwerk von externen Spezialisten zur Verfügung, mit denen er jeweils eine Arbeitsgemeinschaft bildet.

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Auf ein «Backoffice» wurde von Anfang an verzichtet. Mit dem Ziel, reibungslose Abläufe zu sichern, sind die Partner mit Hilfe moderner Informations- und Kommunikationstechnologie vernetzt. Zur Überwindung von Kommunikationsbarrieren, zur Synchronisation der Arbeitsprozesse und zur Förderung einer vertrauensvollen Zusammenarbeit werden dabei Synergieeffekte optimal genutzt. Dazu gehören gegenseitige Akzeptanz, Kompromissbereitschaft und eine offene Kommunikation.


Die B端chermacher und ihre Gesichter Rolf Bootz Gesamtleitung Yves Schumacher Publizist, Kommunikationsberater Hanspeter Detsch Marketing- und Vertriebsberater Michel Bootz Buchgestalter

CoLibri die B端chermacher Albulastrasse 57 8048 Z端rich

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Telefon +41 79 402 40 44 E-Mail kontakt@co-libri.ch co-libri.ch


Fotografen Roland Kniel Fotos Seiten: 86, 92 S&K Werbefotografie, Binzstrasse 39, 8045 Z端rich roland.kniel@s-k.ch, www.rolandkniel.ch

Bruno Sonderegger Foto Seite: 100 S&K Werbefotografie, Binzstrasse 39, 8045 Z端rich bruno.sonderegger@s-k.ch, www.brunosonderegger.ch

Charles Seiler Fotos Seiten: 8, 12, 34, 40, 48, 54 Biberlinstrasse 44, 8032 Z端rich, charles.seiler@bluewin.ch

Geri Krischker Fotos Seiten: 14, 18, 22, 26, 30, 43, 82, 94

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am Wasser 158, 8049 Z端rich info@gkrischker.com, www.gkrischker.com


Notizen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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