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DER FÖRDERVEREIN

THEATERTAGE AM SEE Friedrichshafen e.V.


inhalTSüberSichT Inhaltsverzeichnis

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der verein

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das internationale Theaterfestival seit 34 Jahren Jugend- und Schultheatertage justSEE & JUST-BW Szenisch kommunizieren Von jung bis alt, von nah bis fern Das jährlich wechselnde Motto Die Theaterpreise Das Kursprogramm und die KursleiterInnen Die Bodensee-Schule als besonderer Festivalort

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besondere projekte Die Schulprojekte City of Gold - Stadt der Freundlichkeiten Wir…hier Kooperation Schule-Verein Das Zeitzeugenprojekt 2014 A European Theatre Adventure

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die anderen Sparten des vereins Die ZirkusAkademie Die theaterpädagogische Ausbildung Das TOB (Theater Oberschwaben-Bodensee) UTOBIA - das Improtheater Referenzen Das Netzwerk

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auszeichnungen: 1989 Vorbildliche kommunale Bürgeraktion des Landes Baden-Württemberg 2008 Innovationspreis des Fonds Soziokultur für das European Theatre Adventure 2009 Silberne Ehrennadel des Landesverbandes Amateurtheater Baden-Württemberg für das gesamte Leitungsteam 2010 Bundesverdienstkreuz für Jürgen Mack u. a. für die Leitung der Theatertage am See 2012 amarena Preis TOB für „Hommage an Loriot“ 2017 lamathea Preis für die Bodensee-Schule St. Martin als Ort beispielhafter Förderung des Amateurtheaters 2018 Kulturpreis des Bodenseekreises

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der verein Der Förderverein Theatertage am See Friedrichshafen e.v. entstand 1993, um als Träger das 1984 von Claudius Beck gegründete und bis 1993 von der Stadt Friedrichshafen ausgetragene internationale Festival „Theatertage am See“ weiterzuführen. Bereits 1980 wurde an der Bodensee-Schule eine Jugendtheatergruppe gegründet, die über die Schulzeit hinaus interessierten jungen SpielerInnen des Schultheaters die Möglichkeit zur Pflege ihrer Theaterleidenschaft bot. Diese Gruppe nahm an den ersten „Häfler Theatertagen“ teil, wie das Festival in seiner Anfangszeit noch hieß. Die Folgeveranstaltung fand dann ein gutes Jahr später an der Bodensee-Schule statt. Im dritten Jahr stieg der Landkreis als Mitveranstalter mit ein und seither nennt sich das Festival „Theatertage am See“. Mit diesem Namen setzte eine rasante Entwicklung ein. Kurse kamen dazu, Gruppen aus dem Ausland bewarben sich, Theaterverbände stiegen mit ein. Binnen weniger Jahre wurde das Festival über Europas Grenzen hinaus ein begehrter Treffpunkt der Amateurtheaterszene. Das jährlich stattfindende Theaterfestival genießt weltweit hohes Ansehen und ist eine der größten, alljährlich stattfindenden Veranstaltungen der Theaterpädagogik in Europa. Der Trägerverein bietet inzwischen ein breites Spektrum theaterpädagogischer Aktivitä-

ten, das eine theaterpädagogische Ausbildung in enger Kooperation mit dem Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Meckenbeuren, mehrere Theaterensembles und eine ZirkusAkademie für Kinder und Jugendliche umfasst. Der Verein versteht sich in einer Brückenfunktion zwischen schulischen und außerschulischen Bildungsprozessen und zwischen verschiedensten Gruppierungen und sozialen Schichten, organisiert und fördert kontinuierlich theaterpädagogische Projekte in vielfältigen Bereichen kultureller Bildung. Im Zentrum der Aktivitäten steht eine kulturpolitische Konzeption, die eine aktive Beteiligung der Menschen an kulturellen Prozessen voranbringen möchte. Es geht um die Förderung des kreativen Potentials über Generationen und Nationalitäten hinweg.

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d a S i n T e r n aT i o n a l e T h e aT e r Ta G e F e S T i va l

Das internationale Theaterfestival Theatertage am See findet seit 34 Jahren in zwei Sparten statt und steht auf vier Säulen. Die Jugend- und Schultheatertage justSEE und zweimal JUST-BW. Die Internationalen Amateurtheatertage mit teilnehmenden Gruppen aus der ganzen Welt. die Fortbildungsangebote Parallel zum Theaterprogramm finden seit nunmehr 30 Jahren jährlich 20-25 Theaterfortbildungen zu allen Sparten des Theatermachens mit namhaften TheaterreferentInnen aus dem In- und Ausland statt.

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Die Netzwerkpflege Das Festival und die anderen Aktivitäten des Vereins sind eingebettet in ein Netzwerk der namhaften mit Amateurtheater und Theaterpädagogik befassten Verbände und Institutionen in Baden-Württemberg, Deutschland, dem deutschsprachigen Ausland und Europa. In der Jury zur Verleihung des Theaterpreises der Theatertage am See sind diese Verbände aktiv vor Ort vertreten.


die weiteren besonderheiten des Festivals Seit 1984, also von Anfang an, ging es immer auch um die Beteiligung von Menschen mit diversen Handicaps und aus unterschiedlichen inter- und soziokulturellen Lebensbereichen. Entwicklung von offenen, kritischen und wertschätzenden Feedbackformaten: Rückspiele und Spielleiterpatenschaften. Jährlich wechselndes Motto, das neben Theaterschwerpunkten immer auch schon politische Akzente und zentrale Fragen kultureller Bildung aufgreift Alles findet unter einem Dach statt: Theateraufführungen, Kurse, Begegnungen, Netzwerktreffen, Verpflegung, Feiern, Feedbackformate an der Bodensee-Schule. Ein Festival ganz kurzer Wege und unmittelbarer Begegnung. 2017 fanden Menschen aus 48 Nationen den Weg zu den Theatertagen am See

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d i e J u G e n d - u n d S c h u lT h e aT e r Ta G e a M S e e Das Festival überwindet immer schon die weithin praktizierte Trennung zwischen Schultheater und außerschulischem Theater mit jungen Menschen. Beide Sparten schöpfen aus demselben Adressatenkreis und stehen vor vergleichbaren Herausforderungen. Das Festival soll die Vielfalt, die Qualität und die Entwicklung des außerschulischen Jugendtheaters, des Schultheaters und der theaterpädagogischen Arbeit in den Schulen und Theatern des Landes spiegeln. Projekte, deren Fokus auf Integrations- und Inklusionsaspekten liegt, sind von Anfang an selbstverständlicher Part der Konzeption. Seit 15 Jahren trennen die Veranstalter das Festival in zwei Sparten: Theater mit jugendlichen DarstellerInnen und Theater mit erwachsenen DarstellerInnen. Jugendliche kommunizieren untereinander offener und zwangloser. Sind Erwachsene in der Runde, verstummen sie oft. Entschieden wurde auch, in der Sparte justSEE keine Theaterpreise mehr zu vergeben. Die daraus resultierende Konkurrenz ist einer gelingenden Kommunikation abträglich. Die Teilnahme ist der Preis, zu gewinnen gibt es Erfahrungen, Lernzuwachs, Kontakte, Begegnung und neue Freunde. 6


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WaS TheaTer iST Slamtext von Eva Sauter (gekürzt)

Jugendspielclub Zimmertheater Tübingen Entstanden im Rahmen des Poetry Workshops bei JUST 1 Meine Herren meine Damen Ich wollte nur mal fragen, was Theater denn ist. Es ist doch eigentlich nur das Leben nachahmen. Und das in einem Rahmen, der Bühne. Wäre nur mal so gefragt Selber leben nicht besser als Leben nachspielen? Theater ist nicht nur nachspielen. Es ist auch dieses Spielen, das wir als Kinder gemacht haben. Du bist der Dieb, ich der Polizist, du die Prinzessin, ich der Ritter du der Monarch, ich Revolutionär und los geht’s. Wir spielen. Wir spielen was, was, das wir schon immer sein wollten und los geht’s. Aber wenn man auf der Bühne steht Und das erlebt Was man sich gerade ausgedacht hat Und der Scheinwerfer angeht Wie man dann da so steht,

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ist man wieder man selbst und das Ausgedachte ausgedacht, ausgelacht schlussgemacht unangebracht. Ich will wirklich Ritter sein. Aber so tun als ob ist alles was ich kann. Ich will Massen begeistern und nicht damit wie ich tu sondern was ich tu. Wirklich. Theater ist nicht echt. Ich fühl mich schlecht, wenn ich auf die Welt warte aber nur auf der Bühne durchstarte. Ich will Prinzessinnen retten Und nicht nur spielen. Ich kann mehr geben. Ich werde die Welt retten Mich vor der Lüge verstecken. Ich will die ganz hohen Tiefs Die ganz tiefen Hochs Das alles bis oben Hin mit Emotionen Und ungelogen.


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SzeniSch koMMunizieren BLITZLICHT Bei den beiden Begrüßungsveranstaltungen stellt sich jede teilnehmende Gruppe mit einem kurzen „Blitzlicht“ vor. Dieser Beitrag kann eine Szene, eine Collage oder ein Standbild sein, das auf die Produktion neugierig macht. Es muss keine direkte Szene aus der Inszenierung sein. Die Blitzlichter haben sich als Impulsgeber einer offeneren Kommunikation unter den Gruppen erwiesen. Man kann Personen schon zuordnen, wird neugierig, hat Anknüpfungspunkte für erste Kontakte. RÜCKSPIELE Die eingeladenen Theatergruppen sehen sich ihre Produktionen gegenseitig an und jeweils eine Gruppe spiegelt der aufführenden Gruppe ihre Eindrücke und Wertschätzungen mit den Mitteln des Theaters. Wir nennen das RÜCKSPIEL. Erst danach kommt es zu einer Diskussion mit den anderen Theaterspielern. Dieses seit 2015 erfolgreich erprobte, kreative Format der Reflektion auf die gezeigten Produktionen findet großen Zuspruch unter allen Beteiligten. Bei justSEE findet die Erarbeitung des Rückspiels mit Hilfe eines Moderatorenteams statt und ist nicht öffentlich.

Spielleiterforum justSEE: Auch die Spielleiter treffen sich untereinander, um sich über die gesehene Aufführung intensiv und offen auszutauschen. Hier sind auch die Auswahljuroren des Programms miteinbezogen. Abwechselnd moderiert einer das Forum. Jeder der Juroren übernimmt eine Patenschaft für eine Gruppe. Er war beim Rückspiel dabei, hat sich mit der Spielleitung bereits ausgetauscht und übernimmt im Forum die Rolle des Spielleiters/der Spielleiterin der Gruppe, stellt sich den Fragen der anderen Spielleiter und „verteidigt“ die Inszenierung. Die eigentliche Spielleitung hört erst mal nur zu. Nach 15 oder 20 Minuten ergänzen sie, konkretisieren und beantworten Fragen, die von den Paten nicht beantwortet werden konnten. Die oft erlebten „Ping-Pong-Spiele“ einer unbefriedigenden Rechtfertigungskommunikation konnten damit durchbrochen werden, die Spielleiter äußern fast unisono, dass es für sie sehr bereichernd und entlastend ist, wenn jemand anders ihre Aufführung verteidigt, erklärt und begründet. Es fällt ihnen dann sehr viel leichter, sich auch mit kritischen Anmerkungen zur Inszenierung auseinanderzusetzen.

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Th eat er ken nt ke ine Gr e nze n

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Theatertage am See: generationenübergreifend Die Theatertage am See verstanden sich immer auch als ein generationenüberspannendes Projekt. Das zeigt sich in den Kursen und auch bei den Aufführungen. 2017 kam die jüngste Darstellerin mit dem Transit Theater aus Darmstadt mit gerade mal 7 Jahren nach Friedrichshafen und die älteste Spielerin, Anneliese Goth, steht immer noch, inzwischen 93 jährig, auf der Bühne mit dem Generationentheater Zeitsprung aus Tübingen. Der Minister für Soziales und Integration, Manfred Lucha, begrüßte und ehrte sie persönlich. Es war ihr sechster und letzter Auftritt bei den Theatertagen am See, ein gutes halbes Jahr später verstarb sie. Die Theatertage am See stehen auch für besondere Theaterformate. Die polnische Gruppe PRÒG kam 2007 zum ersten Mal als Jugendtheatergruppe. 2009 überraschte sie erneut mit einem völlig anderen Format, auch als KursleiterInnen war die Leitung der Gruppe bei den Theatertagen und wirkte bei den Abschlussprojekten der Theaterpädagogischen Ausbildung mit. 2013 zeigte PRÒG grandioses Tanztheater an dem auch unserer langjährige Referentin und Choreographin Pia André beteiligt war, mit inzwischen erwachsen gewordenen DarstellerInnen und auf der Schwelle zum Absprung ins professionelle Theater. Mit einer ganz besonderen Form des Erzähltheaters beeindruckte das Consol Theater aus Gelsenkirchen. Die Senioren nahmen uns mit auf die Reise eines Kindes aus Hunger und Armut ins Land der Hoffnung. 13


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Theatertage am See: grenzenlos Viele Gruppen aus entfernteren Regionen unserer Erde kommen nach Friedrichshafen, um uns mit einfachsten technischen Mitteln, aber beeindruckendem Spiel von ihrem Leben in ihrer Heimat zu erzählen. Von der alltäglichen Gewalt wie die Sarwanam Theatre Group aus Nepal, die beim großen Erdbeben ihr Theater verloren und seither auf der Straße spielen. Oder die Pearl Theatre Group aus dem Iran, die uns ihr Stück über den Umgang mit Frauen zeigten, das sie zu Hause nur in privaten Wohnungen „undercover“ spielen konnten. Und ganz anders die Zhejieng Beijng Opera, die als offizielle Kulturbotschafter ihres Landes zu uns kamen und auf der Bühne mit einer atemberaubenden, prächtig ausgestatteten Peking Oper beeindruckten. Als Veranstalter bekommt man natürlich auch mit, was hinter der Bühne abgeht und in der Nachbesprechung zeigte sich, wer in dieser Gruppe das Sagen hatte. Und dennoch sind wir sicher, dass die SpielerInnen, die unsere offenen Begegnungsformen und Gesprächskultur erlebten, mit ganz neuen Erfahrungen nach Hause gefahren sind. Wir haben 2017 die TeilnehmerInnen und Zuschauer gebeten, ihre Herkunftsländer in einer ausgehängten Liste festzuhalten. 47 Ländereinträge kamen zusammen. Die Welt zu Gast bei den Theatertagen am See und alle feiern gemeinsam ein großes Bühnenfest. Und auch die Volkshochschulgruppe aus der Region, die mit Mitteln des Theaters Deutsch lernt, spiegelt die große Welt im Kleinen und ganz nah.

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daS JÄhrlich WechSelnde MoTTo Jedes Festivaljahr der Theatertage am See präsentiert sich mit einem eigenen Motto. Für das Aufführungsprogramm und die Kurse fungiert das Motto als Leitthema und inhaltliche Klammer. Es geht um theaterspezifische Themen und um aktuelle gesellschaftspolitische Fragestellungen. Wir mischen uns ein in den politischen Diskurs und verstehen Theater immer auch als eine politische Veranstaltung. So war es selbstverständlich, dass die Theatertage am See 2016 die Stellungnahme des BDAT Aufrufs zu einer Bühne der Menschlichkeit gegen die Spektakel des Scheußlichen nicht nur mittrugen, sondern als Orientierungstext aufgriffen für unser Motto 2017.

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35. TTas 2019 mu t 34. TTas 2018 Th eater von wem? Thea ter für wen? 33. TTaS 2017 gr enzen los 32. TTaS 2016 Br üche 31. TTaS 2015 St and.Punkt 30. TTaS 2014 Th eater lebt! 29. TTaS 2013 sc hau spielen 28. TTaS 2012 He imat 27. TTaS 2011 mu nd ART 26. TTaS 2010 My thos Theater 25. TTaS 2009 Sp annung?! 24. TTaS 2008 … Verlierer, die wahren Größen der Bühne 23. TTas 2007 Th eater bewegt 22. TTaS 2006 Th eater und Musik 21. TTaS 2005 Vo lkstheater für wen? 20. TTaS 2004 Ze it 19. TTaS 2003 He lden 18. TTaS 2002 Th eater Räume 17. TTaS 2001 th eater: mann - frau 16. TTaS 2000 Th eater der Welt 15. TTaS 1999 Th eater der Zukunft mi t Stücken von gestern 14. TTaS 1998 Un ? ser alltägliches Thea ter – Bertolt Brecht 13. TTaS 1997 Th eater- ein hautnahes, multimediales Ereigni 12. TTaS 1996 Wo s bitte ist denn hier da s Komische? 11. TTaS 1995 En dlich herrscht Frieden im Land! 10. TTaS 1994 He imat !? 9. TTaS 1993 Vom Umgang mit Fremdem und Fre 8. TTaS mden 1992 Eines Sommer Nachts Traum 7. TTaS 1991 Versuch es!! 6. TTaS 1990 Lebenskunst 1. - 5, TTaS 1984 bis 1989 noch kein Motto


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d i e T h e aT e r p r e i S e Seit den 10. Theatertagen 1994 werden Preise vergeben, in den ersten Jahren unter dem Namen Seefunk Theaterpreis, seit 2006 unter dem Namen Theaterpreise der Theatertage am See. Eine international mit TheaterexpertInnen besetzte Fachjury vergibt jeweils die Preise, die in der Abschlussveranstaltung des Festivals vergeben werden. Vertreten sind neben den Theatertagen am See, der Landesverband Amateurtheater 18

Baden-Württemberg (LABW), der Bund Deutscher Amateurtheater (BDAT), die Bundesarbeitsgemeinschaft Spiel und Theater (BAG), der Bundesverband Theaterpädagogik (BuT), der Österreichische Bundesverband für außerberufliches Theater (ÖBV), der Zentralverband Schweizer Volkstheater (ZSV) und der Verband Südtiroler Volksbühnen (STV). Seit 2015 ersetzen partizipative Feedbackverfahren und Workshops die Theaterpreise der Sparte Schul- und Jugendtheater.


preisträger 2017

Bis 2014 d Amateur- un g n Trennu in aterpreisen Schulthe

Kunstwerkstatt Akzent, Bruneck (Südtirol) Voll im Leben...neu verspielt Universitätstheatergruppe ART in Polozk (Belarus) Vorwärts Kätzchen!

preisträger 2016 Die Wölfinnen, Zürich (CH) LAUT! Wolf. Puppe. Meerjungfrau. Layertruppe Mannheim Die Frauen von Troja

preisträger 2015 Spielgemeinschaft Vintl-Weitental, Südtirol Wege mit Dir

Preisträger 2014 Sparte Amateurtheater Theatergruppe Spielbrett, Dresden Elektra

Sparte Schul- u. Jugendtheater Theater am Evangelischen Ratsgymnasium, Erfurt Siegfried

Wellenbrecher Lüneburg (Inklusives Theater) Wo der Pfeffer wächst

Layertruppe, Mannheim Eine Odyssee,

Seniorengruppe Bartholomei’s Brixen (Südtirol) Liebe macht Mut zu dem was Liebe tut

preisträger 2013 Spina Theater ,Solingen 99 Prozent

Die SCHOTTE e.V. Erfurt Romeo und Julia

Preisträger 2012 Theatergruppe „Die Fremden“ aus Wien Happy im Biss

Augenblick Theater, Mannheim Wo bleibt Tell? Theater Mutabor, Herxheim Der gestiefelte Kater

Preisträger 2011 Besigheimer Studiobühne e.V. mit Die barmherzigen Leut von Martinsried

Spina Theater, Solingen Book of Faces

Próg aus Wadowice, Polen mit Sex War

Theater AG der Odenwaldschule, Heppenheim Mann, Klaus

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Preisträger 2010 Sparte Amateurtheater

Sparte Schul- u. Jugendtheater

Generationentheater Zeitsprung (Tübingen) Das Herz eines Boxers Freie Theatergruppe Zürich FTZ Nach Hause(r)

Augenblick Theater (Mannheim) Kopfkarussell

Preisträger 2009 Die Fremden (Wien) Das Tonnenkind

Theatrical and Happening group PRÓG (Wadowice, Polen) SHE Theater der Migranten (Berlin) Oppelner Straße Theaterwerkstatt des Albeck-Gymnasiums (Sulz/Neckar) Annäherungen an Gregor S. und Franz K. Tempus fugit Jugendtheater (Lörrach) Jugend ohne Gott

Preisträger 2008 Theater Abtenau und Holzhausen (Land Salzburg) Mein Ungeheuer

SpinaTheater, Solingen Money, money, money

Seniorentheatergruppe Bartholomei‘s Brixen (Südtiorl) Mein Leben und Punkt

Preisträger 2007 Dokumentartheater, Berlin Und der Name des Sterns heißt Tschernobyl

Jugendtheater „SpinaTheater“ aus Solingen „Schule Nr. 1“

z-phynx Theaters aus Uetendorf in der Schweiz „Beziehungskisten“ von Fritz Zaugg

Preisträger 2006 Tempus Fugit, Lörrach-Rheinfelden Der kleine schwarze Fisch Theater Apron, Halle Der Faust in der Tasche, eine Goethe-Revue

Augenblick Theater des Jugendkulturzentrums FORUM, Mannheim Tag am Strand mit Sturm Theater AG Unterstufe des Gymnasiums, Wilhelmsdorf School Rocks

Preisträger 2005

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Theater Holzhausen & Theater Abtenau, St. Georgen bei Salzburg, Österreich Der Weibsteufel

Theater AG des Adolf-Schmitthener-Gymnasiums, Neckarbischofsheim Der eingebildete Kranke

Dokumentartheater „Ost-Arbeiter“, Berlin Tänzerin hinter Stacheldraht

Theater AG des Körperbehinderten Zentrum, Oberschwaben Ravensburg Lisas Reise


Preisträger 2004 Sparte Amateurtheater Aktionstheater Donzdorf Rote Schuhe Die Karawane, Düsseldorf „von Mund zu Ohr“ Generationentheater Zeitsprung, Tübingen Vive la comédie – auf den Spuren von Molière

Sparte Schul- u. Jugendtheater Theaterstudio Helijas (Litauen) Weiß Theatergruppe des Wildermuth, Gymnasium Tübingen Die kahle Sängerin „Gil da Bil”

Preisträger 2003 Cámara Negra Teatro, Sevilla Otelo

THEATRIUM Leipzig Till Oilenspiegel Theater-AG des 1. Gymnasiums Sarajevo „HASANAGINICA“ Gebhard-hauptmann-Schule, konstanz Leicht entflammbar!

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daS kurSproGraMM Seit den dritten Theatertagen am See finden im Rahmen des Festivals auch Theaterkurse statt. Von Anfang an war das eine bunte Mischung aus Theaterund Zirkustechniken. Im Lauf der Jahre wuchs das Programm zu einem Angebot mit Teilnehmern weit über Deutschlands Grenzen hinaus, das sich bei 20 ca. Kursen jährlich eingependelt hat. Friedrichshafen wurde zum alljährlichen Stelldichein namhafter TheaterreferentInnen aus der ganzen Welt. Im jährlichen Durchschnitt nehmen 250 TeilnehmerInnen das Angebot

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wahr. Viele darunter arbeiten als LehrerInnen oder in anderen pädagogischen Bereichen. Die Altersspanne reicht von 6 bis 85 Jahren. Das besondere auch hier: alle Kurse finden zeitgleich und weitgehend in der BodenseeSchule statt. Am Sonntagnachmittag endet das Festival immer mit einem Finale, bei dem ausgewählte Kurse ihre Arbeit präsentieren. Insgesamt haben 250 KursleiterInnen – viele davon mehrfach - in 838 Theaterkursen mehr als 12.000 TeilnehmerInnen zu allen Bereichen des Theatermachens angeleitet.


die kursleiterinnen der Theatertage am See Aus Deutschland, Argentinien, Brasilien, Bulgarien, England, Frankreich, Israel, Italien, Iran, Japan, Mexiko, Nepal, Niederlande, Österreich, Polen, Russland, Schweiz, Sierra Leone, Spanien, Tunesien, Ungarn, USA

Chaled Abu Ali, Gudrun Adami, Klaus Adami, Leila Adjemi, Gabi Altenbach, Fé André, Pia André, Michael André-Korbl, Jorge Aquista, Tobias Ballnus, Albert Bauer, L. Baumann, Manuel Baus, Lisa Baus, Alexander Beer, Iris Berghold, Margot Bertolt, Christe Billa, Lambert Blum, Ursula Brotz, Eckart Bücken, Jenny Bücken, Esther Bücken-Bachmann, Tobias Bücklein, Daniela Burkhardt, Stefano Calfisch, Adenilson Cardosa de Oliveira, Il Cerriglio, Vladimir Chikishev, Laura Conte, Eberhardt Daerr, Christoph Daigl, Stefanie Dammbacher , Ann Dargies, Elke Delarue, Ute Dittmar, Detlef Ditz-Burk, Romi Domkowsky, Rob Doornboos, Thomas Ecke, Christiane Eisel, Avner Eisenberg, Herbert Elischer, Ardhi Engl, Nicole Erichsen, Agnieszka Erlenbusch, Ulli Ernitz, Sabine Essich, Helmut Faißt, Gerhard Fehn, Steffi Ferdinand, Katja Fillmann, Svenja Leonie Fischer, Cornelia Fleck, Günter Fortmeier, Herbert-Heinz Friedrich, Josef Fröhlich, Wolfgang Frommlet, Bernhard Gedrat, Paul Geiger, Walter Gerriets, Yaron Goldstein, Hedwig Golpon, Maria Gorius, Peter Graef, Pim Griens, Ute Gudian, Max Gwinn, Domi Hahn, Daniel Hahn, Stefan Hallmayer, Ayhan Hardaldali, Hans-Peter Harfold, Maja Hasenbeck-Bücken, Olli Hauenstein, Peter Hauser, Inge Hefel-Lester, Wolfgang Hegewald, E. Hennseler-Ette, Betty Hensel, Jutta Heppekausen, Markus Herlyn, Arno Hermer, Carina Herold-Ecke, Pia Herrn, Markus Herschbach, Anna Hertz, Lorenz Hippe, E. Hoebbel, Christel Hoffman, Andreas Hoffmann, Holly Holleber, Johannes Holzmayer, Hardy Hoosman, Ingrid Irrlicht, Werner Jauch, Marianne Jensen, Michel Joly, Lorenz Kabas, Walter Kainz, Lars Kajuiter, Hristo Ivanov Kanchev, Guido Kasper, Helga Kautz, G. Keim, Cornelia Kieck-Thiele, Harald Kimmig, Corinna Klack, Werner Klaus, Sarah Kleiner, Julian Knab, Liv Knoche, Walter Koch, Judith Koeninger, Sabine Kolbe, Judith König-Serati, Dietrich Körner, Helga Kröplin, Aneta Kruk, Maria Krumm, Sigrun Kubin, Stefan Kuntz, Gustav Kutzer, Rosemarie Lamprecht, Gerhard Lang, Eva Layer, Steffi Lechner, Martina Leeker, Rusty Lester, Gudrun Libnau, Stephan Lipsius, Helmut Liske, Italo Locchi, Markus Löhr, Samuel Maitland, Ashesh Malla, Francisco Mamani, Monika Marschall, Christian Mattis, Stefan Mensing, Günter Menz, Doris Merz, Wolfgang Mettenberger, Hannes Michl, Rainer Michels, Monique Moelter, Carla Müller, Lothar Müller, Jenny Münch, Uta Münstermann-Wilhelm, Dietrich E. Neuhaus, Dieter Neuhaus, Bartosz Nowakowski, Caterine Oberschelp, Benedikt Ocker, Alexander Ourth, Jaroslaw Paczkowski, Evelin Paetz, Thomas Pelzer, Veronika Pernthaner, Jokus-Michael Peters, Pinok & Matho, Maike Plath, Joachim Prasser, Dieter Preindl, Birgit Quirchmayr, Werner Rausch, Birgit Reibel, Ulrike u. Friedrich Reinhardt, Bea Remark, Wibke Richter, Oliver Riedel, Fabienne Rohrer, Gaby Roscher-Thomee, Marcelo Royo, Maria Ruffing, Lars Ruppel, Dietmar Sachser, Citlali Huezo Sánchez, Laszlo Sary, Mitsuru Sasaki, Nadine Saxinger, Duo Scacciapensieri, Lutz Schäfer, Ingo Scheller, Eberhard Schillinger, Stefan Schlenker, Jana Schmück, Christine Schoch, Anselm Schreiber, Marina Schubarth, Volker Schubert, Heiko Schuler, Christian Schulz, Doris Schweitzer, Monique Schnyder, Helga Seewann, Ottokar Seifert, Fabio Serati, Lior Shneior, Ralf Siebenand, Raija Siikavirta, Eduard Smetana, Irmgard Sollinger, Nadia Souppkub, Andrea Sprenger, Armin Staffler, Gerald Stöckle, Felix Strasser, Ilona Szurkowska, Maria Thaler-Neuwirth, Cornelia Thiele, Holger und Verit Till, Andor Timar, Mina Tinaburri, Jörg Treiber, Konstantin Tsakalidis, Benjamin Unger, Sonja Utz, Angelique Verdel, Jürgen von Bülow, Hansjörg Voormann, Zwantje de Vries, Kristin Wardertzky, Maria und Peter Warkentin, Lutz Weber, Thomas Wecera, Klaus Wegele, Rita Weiß, Suse Weiße,Andreas Weisser, Andreas Weitkamp, Gerhard Wiedl, Jochen Wietershofer, Friderike Wilkens von Hein, Maria Winter-Wolters, Mischa Wirth, Simone Wirth, Sven Wisser, Jochen Wietershofer, Olek Witt, Coralie Wolf, Petra Wolko, Michael Woodwood, Olle Wroclaw, Thilmann Ziemke, Michael Zier, Bruno Zühlke, Lemes Zula, Jaroslow Zuzanski

urse: 838 mme der K

Gesamtsu

nen: 250

n KursleiterI

2.000 mehr als 1 erInnen m h Kursteilne

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die bodenSee-Schule ST. MarTin alS kooperaTionSparTner und auSTraGunGSorT der TheaTerTaGe aM See ie Bodensee-Schule St. Martin ist seit 1986, also seit den 2. Theatertagen in ununterbrochener jährlicher Folge, Austragungsort der Theatertage am See und Geschäftsstelle des Fördervereins Theatertage am See e. V..

Wir sehen uns als Schule in der Verantwortung, die anvertrauten Kinder und Jugendlichen zu bestmöglichen Abschlüssen zu begleiten und darüber hinaus auch in der Pflicht, jungen Menschen Zugänge zur Gesellschaft und zur Kultur zu ermöglichen. So werden vielfältige Kooperationen mit kultur- und sporttreibenden Einrichtungen gelebt. Weiterhin verfügt unsere gebundene Ganztagsschule mit Grund-, Werkrealschule und Sozialwissenschaftlichem Gymnasium über beste räumliche, personale aber auch ideelle Voraussetzungen, um solche Kooperationen unter einem Dach organisieren zu können. Von der Schulküche über die Sportstätten bis hin zu den Theaterräumen stellt die Schule sich hier in den Dienst der Gesellschaft und bewirkt damit auch eine Aktivierung der jungen Menschen für 24

Die Theatertage laufen neben dem normalen Schulbetrieb mit 1100 Schülern im Haus

Dieses Engagement und die Bereitschaft als Schule die Türen für Gäste aus dem Theaterbereich zu öffnen, haben mehrere Gründe: Ehrenämter und die Betätigung über die Schulzeit hinaus. Hinsichtlich der Theatertage sind wir gerne ein einzigartiger Ort der Begegnung, des Verweilens, des Staunens und des Austausches für Gäste aus aller Welt. Dies ist ganz in unserem Sinne, junge Menschen ganzheitlich zu bilden. Unseren Schülerinnen und Schülern soll mehr ermöglicht werden als Lesen, Rechnen, Schreiben. Der Mensch als soziales Wesen benötigt die ernsthafte Einbindung in Gesellschaft und Kultur. Mit den Theatertagen am See haben wir hier die einmalige Chance, die Welt und das Theater in den Schulalltag zu bringen. Spuren werden über das ganze Schuljahr in unterschiedlichsten angeboten und Möglichkeiten der Schule deutlich. Freizeitgruppen mit Theatergruppen, Bands, Chören und Zirkusgruppen über alle Jahrgänge hinweg sind eine Selbstverständlichkeit. Ausgangspunkt sind oft Erfahrungen, die während der Theatertage grundgelegt wurden.


Nach Schulschluss finden regelmäßig unterschiedliche Theatergruppen der Region und auch die Zirkus Akademie Friedrichshafen Heimat in den Räumlichkeiten der Schule. Diese Gruppen nutzen auch die Einrichtungen für ihre Präsentationen. Unsere Schule ist auch nach Schulschluss nicht verwaist, sie ist keine Insel, sondern ein fester, nicht mehr wegzudenkender Bestandteil des öffentlichen Lebens in Friedrichshafen. Kultur findet für unsere Schule nicht nur draußen im Leben statt. Wir machen unseren Namenszusatz St. Martin auch hier zum Programm und teilen, was wir haben und bekommen dafür Kultur und Welt ins Haus, eine win-win-Situation für beide Seiten. Unsere Schule bewährt sich als „Community School“ weit über ihr eigenes Klientel und auch weit über die Grenzen der Stadt Friedrichshafen hinaus. Wenn bei den Theatertagen am See inzwischen alljährlich Menschen aus mehr als 30 Herkunftsländern zusammenfinden, dann kann man auch sagen, die Welt ist zu Gast bei uns und die Bodensee-Schule St. Martin macht es möglich. www.bodensee-schule-st-martin.de 25


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Gesamtbilanz aller Sparten des Fördervereins Theatertage am See 2017 116 Aufführungen 16.685 Zuschauer 529 Mitwirkende 44 Workshops mit 732 TeilnehmerInnen 40 kleine und 18 große Projekte mit 1880 teilnehmenden SchülerInnen 4 theaterpädagogische Ausbildungskurse mit 84 TeilnehmerInnen 182 ganzjährig aktive Kinder und Jugendliche in der ZirkusAkademie

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di e S c h ul p r o J ek T e i M r a h Me n de r The aTe r TaGe aM S e e Theater ist ein wirkmächtiges Bildungsmittel, das sich in den Bildungsplänen nahezu aller Schularten in allen Bundesländern findet. Die Wirklichkeit hinkt oft hinter dem Anspruch her, es fehlt an ausgebildeten Lehrkräften und am „Wie“. Wir bieten den Schulen in der Region und auch außerschulischen Bildungseinrichtungen die Möglichkeit, ihrem Unterricht oder ihrer Theaterarbeit mit Unterstützung professioneller Referenten neue Impulse zu geben. Jedem Kind oder jedem Heranwachsenden soll die Möglichkeit geboten werden, wenigstens einmal mit Theater in Berührung gekommen zu sein. Darüber hinaus wollen wir auch zeigen, wie Theatermethoden helfen können, indem sie: . den Unterricht bereichern . schulische Konfliktfelder bearbeiten helfen . Persönlichkeit und vielfältige Kompetenzen fördern . Impulse für ein Schulcurriculum beisteuern . Bausteine zur Entwicklung einer Schulkultur bieten . ästhetisches Lernen fördern . und einfach sehr viel Spaß machen!

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Unsere Referenten sind Profis: Schauspieler, Regisseure, Theaterpädagogen, Theaterlehrer, Tänzer, Buchautoren, … Angesprochen werden die Klassen 1-13: Grundschüler, Werkrealschüler, Gymnasiasten, Berufsschüler, … unsere Schulprojektangebote: Clownerie, Stockkampf, Schauspiel, Märchen spielen, Improtheater, Tanztheater, Zirkus, Performance-Theater, Schwarzlichttheater, Inszenierungsberatung, Musical, Präsenztraining, Rhythmustheater, Trommelworkshops, Theater im Fremdsprachenunterricht, …


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ciTY oF Gold Die Stadt der Freundlichkeiten Mit „City of Gold – die Stadt der Freundlichkeiten“ führte der Förderverein Theatertage am See 2007 ein Theaterprojekt mit drei Hauptschulen in Friedrichshafen durch. Wir verbinden mit dem „Gold“ im Titel nicht Materielles, wie gelegentlich missverstanden, sondern Seltenes, Nichtalltägliches, Strahlendes, Wertvolles. Ziel waren kleine Theateraktionen im öffentlichen Raum, Irritationen im alltäglichen Treiben der Stadt. Kleine Veränderungen, kurze, aus dem Rahmen fallende Begegnungen. In jedem Fall sind es Irritationen der Freundlichkeit, des Humors, positive Überraschungen, die ihre Spuren hinterließen. Es gab den verkleideten Liftboy an der Rolltreppe im Kaufhaus, der sich Passanten als Rolltreppenbegleiter anbot. Eine „Schlossführung“ zu den schönsten Türen der Innenstadt, Flamencotänzer in der Buchhandlung, Leseaktionen an der Schiffsanlegestelle, lebendige Schaufensterpuppen,

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die mit Passanten Kontakt aufnahmen, hier ein kleines Augenzwinkern, dort eine große Geste hinter der Scheibe. Wer der Einladung folgte, konnte in seiner Stadt über einen roten Teppich schreiten oder sich an einem imaginären Volleyballspiel auf dem zentralen Platz der City beteiligen und am T-Point gab es Tee. Es ging darum, den Schülerinnen und Schülern ein Forum für ganz neue Erfahrungen zu bieten. Sich auf fremdes Terrain wagen, den öffentlichen Raum erobern, darauf offen agieren, wahrgenommen werden, sich selbst und seine Ängste überschreiten, sich in anderen Rollen zu erleben. Für die Schüler und Schülerinnen wurde die Teilnahme zu einer bewegenden Erfahrung. Die beteiligten TheaterpädagogInnen setzten nach den Erfahrungen des Pilotdurchlaufes in Friedrichshafen das Projekt in anderen Städten Deutschlands fort.


„Die Theatertage am See waren und sind aus meiner Sicht - in Anlehnung an ein in ihrem Rahmen stattgefundenes Projekt - eine „City of Gold“. Goldes wert sind die Begegnungen, die Aufführungen, die Fortbildungen, der Austausch, das ganze Drumherum und das persönlich sowie auf internationaler Ebene im künstlerischen, sozialen und pädagogischen Sinn. Ein großes Kompliment an alle „Goldgräberinnen und Goldgräber“, die das Jahr für Jahr ermöglichen - ihr seid ein Schatz!“ Armin Staffler, Politologe und Theaterpädagoge, Ranggen/Tirol/Österreich ehem. Vize-Präsident des ÖBV - Österreichischer Bundesverband für außerberufliches Theater, Obmann von spectACT - Verein für politisches und soziales Theater seit 2006 in wechselnden Funktionen als Workshopleiter bzw. Jurymitglied der internat. Amateurtheatertage mit den TTaS verbunden.

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d i e „ W i r . . . whij i...ehier “ni ... ci tie r p r o J e k T e d e r T h e aT e r Ta G e a M S e e FriedrichShaFen

aħna

„wir...hier“ ist ein im Jahr 2014 vom Förderverein Theatertage am See ins Leben gerufenes Format interkultureller Projekte, die in Friedrichshafen und Umgebung mit Schulen und außerschulischen Gruppierungen/Klassen stattfinden. Ziel dieser ästhetischen Projekte ist es, Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderungen, unterschiedlichster sozialer, nationaler und ethnischer Herkunft und verschiedener Altersgruppen zusammen zu bringen und zu fördern. Inhaltlich geht es in allen Projekten darum, ein Verständnis dessen zu entwickeln, was die Beteiligten sich unter „wir...hier“ vorstellen, erhoffen, erleben und auch erträumen. Nichts trägt mehr zum gegenseitigen Verständnis, zu Toleranz und friedlichem Miteinander bei als der Dialog im Rahmen des gemeinsamen Tuns, Spielens, Lernens. Hierzu mit den Mitteln des Theaters, der Kunst, der Musik, des Films, des Tanzes, der Poesie und der Zirkuskünste einen Beitrag zu leisten, ist das Anliegen der Theatertage am See.

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„Wir...hier“

Die Projekte werden von Profis geleitet und orientieren sich an einem gemeinsamen Thema: Fremdsein, Heimat, Freundschaft, … und werden am Ende der Projektwoche im Rahmen des Schlussfinales der Jugend- und Schultheatertage präsentiert. 25 Klassen und außerschulische Gruppen mit mehr als 600 jungen Menschen haben bislang an diesen Projekten teilgenommen.

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ci tie

ni ... Weißt du, ich dachte, wir sind auf der Erde alle gleich. von Süd bis Nord und von Ost bis West. Aber das stimmt nicht. Ich habe die Welt nicht verstanden. ich bin seit einem Jahr in Europa, in Deutschland. Hier ist es anders. Es ist nicht wie in meinem Heimatland. Ich bin seit einem Jahr hier. Trotzdem kann ich viele Dinge nicht verstehen. Ich verstehe die Verkehrsregeln nicht. Warum haben so viele Häuser das gleiche Dach? Das Wetter wechselt jeden Tag. Es ist schwierig zu verstehen, für Fremde wie mich. Die Frauen tragen hier kein Kopftuch, und am Sonntag ist Ruhetag. Hier gibt es aber sowieso kaum Hektik. Aber alle leben wir unter dem gleichen Himmel. Ahmedsher, 16 Jahre, Syrien, 2017 im Rahmen eines Projektes mit Olek Witt mit einer internationalen Vorbereitungsklasse 34


Mit großzügiger Unterstützung: Arbeitskreis interkulturelle Kompetenzen am Seminar

Vielfalt gefällt

der Stadt Friedrichshafen

des Fördervereins Theatertage am See Friedrichshafen e.V.

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kooperationsprojekte Schule verein des Fördervereins Theatertage am See Seit 18 Jahren führt der Verein Theatertage am See mit einer ganzen Reihe von Schulen aus der Region Bodensee-Oberschwaben alljährlich Kooperationsprojekte durch und unterstützt die Schulen bei der Realsierung von ästhetischen Projekten mit Musik, Theater und Zirkus. 2000 Lisa Reise Grundschule Salem-Beuren 2001 Goethe war cool – Eigenproduktion Ludwig-Dürr-Schule FN 2002 Krabat Ludwig-Dürr-Schule FN 2003 Hilfe, die Herdmanns kommen! Ludwig-Dürr-Schule FN Pinkus Quak – Musical Grundschule Ravensburg-Weissenau 2004 Mammon und Fantasie Ludwig-Dürr-Schule FN Vorstadtkrokodile Bodensee-Schule St. Martin FN 2005 Die Zeitmaschine – Musical Grundschule Ravensburg-Weissenau 2006 Die Werkstatt der Schmetterlinge Grundschule Salem-Beuren Guck hinter die Kulisse Eigenproduktion Ludwig-Dürr-Schule FN 2007 Der Bär auf dem Försterball Ludwig-Dürr-Schule FN

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2008 Die Werkstatt der Schmetterlinge Bodensee-Schule St. Martin FN Lippels Traum Ludwig-Dürr-Schule FN 2009 In 80 Tagen um die Welt Ludwig-Dürr-Schule FN Clown-Schule-Schule der Clowns Bodensee-Schule St. Martin FN Günni Glühwurm-Musical Grundschule Ravensburg-Weissenau 2010 Die wahre Geschichte von allen Farben Bodensee-Schule St. Martin FN 2011 Träumen vom Fliegen (im Dorniermuseum) Ludwig-Dürr-Schule FN Bilder einer Ausstellung – Eigenproduktion Bodensee-Schule St. Martin FN Der Zauberzoo – Musical Grundschule Ravensburg-Weissenau 2012 Völlig losgelöst von der Erde!!! Bodensee-Schule St. Martin FN Lampenfieber – ein Musical Ludwig-Dürr-Schule FN Die Königin der Farben Grundschulen in Friedrichshafen, Kluftern, Pestalozzischule, Albert-Merglen-Schule und Förderschule Tannenhag Schule 2013 Wir sind alle Astronauten und fliegen auf den Mond! Bodensee-Schule St. Martin FN Alles Familie Ludwig-Dürr-Schule FN

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2014 Geheimnisvoller Zauberwald Bodensee-Schule St. Martin FN Die Kinderoper Brundibàr im Rahmen der Zeitzeugenprojekte der TTaS Bodensee-Schule St. Martin FN und Kinder- und Jugendchor St. Canisius FN Zirkus lebt Inklusion KBZO Weingarten, Förderschule Bodnegg Zirkusprojekte mit den Grundschulen GS Reichenhofen und Riedhausen 2015 Theater -Artistik - Gesangs - Träume Bodensee-Schule St. Martin FN Kiki Grusel Musical Grundschule Ravensburg Weissenau Zirkus lebt Inklusion KBZO Weingarten; GS Obereisenbach & Förderschule Tettnang 2016 Das Dschungelbuch Bodensee-Schule St. Martin FN Zirkus lebt Inklusion GS Obereisenbach & Förderschule Tettnang, GS Hiltensweiler/Laimnau 2017 Der Zauberer von Oz Ludwig-Dürr-Schule FN Zirkusprojektwoche Grundschule Ravensburg Schmalegg Zirkus lebt Inklusion: Rollstuhl-Zirkus Haslachmühle Horgenzell 2018 Unterwasserzirkus – Blubb! Blubb! Bodensee-Schule St. Martin FN alle Zirkusprojekte wurden durchgeführt von der ZirkusAkademie Seit 2009 jährlich Projekte der ZirkusAkademie mit: der BodenseeSchule St. Martin in Friedrichshafen und dem Zirkus Ludowico mit der Ludwig-Dürr-Schule in Friedrichshafen

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Judith Rosenberg aus Haifa, Israel

Zvi Cohen aus Maàbarot, Israel

daS zeiTzeuGenproJekT 2014 „eine inSel iM Tobenden Meer“ Kinder und Theater zur Zeit des Nationalsozialismus 2014 haben wir Menschen eingeladen, die das Konzentrationslager Theresienstadt erleben und erleiden mussten. Sie haben die Aufführungen der Kinderoper „Brundibár“ aus nächster Nähe miterlebt und teilweise daran mitgewirkt. Uns trägt die Überzeugung, dass die Zeugnisse, die uns diese Menschen aus ihrem Leben geben, nicht in Vergessenheit geraten dürfen. Die Theatertage am See wollen so dazu beitragen, dass ihre Geschichten weiterleben und an künftige Generationen weitergegeben werden. Parallel zu den Zeitzeugengesprächen, die nach dem Konzept „Erzählcafé“ von Gerd Koch stattfanden, zeigten wir in einer Ausstellung des „Room 28“ Projektes dokumentarische Materialien zum Leben der Mädchen aus Zimmer 28 im KZ Theresienstadt. Neben der interessierten Öffentlichkeit wurden 200 angehende LehrerInnen vom Seminar

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Meckenbeuren einbezogen. Mit den Schülerchören der Bodensee-Schule St. Martin und des Kinder- und Jugendchores St. Canisius Friedrichshafen entstand eine Inszenierung der Kinderoper Brundibàr. Die musikalische Leitung hatte Nikolai Gersak, Jürgen Mack, Selma Öngel-Chryssowergis und Andreas Glatz aus dem Theatertage Team führten Regie. Die Zeitzeugen äußerten sich begeistert und sehr berührt über die Lebendigkeit dieser Inszenierung. Auch im eigentlichen Festivalprogramm fand das Projekt seinen Niederschlag in Form von bewegenden und teilweise höchst aktuellen Inszenierungen zum Thema Umgang mit Nationalsozialismus und Rassismus. In fünf Theaterkursen wurden die Zeitzeugengespräche thematisch aufgegriffen und mit ästhetischen Mitteln Formen gesucht, Zeugnisse aus zweiter Hand weitergeben zu können.

Helga Pollak-Kinski aus Wien, Österreich


Anna Lorencova mit ihrem Bruder Hanus Hron aus BrĂźnn, Tschechien 41


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Der 13. theaterpädagogische Ausbildungskurs griff die Thematik auf und entwickelte in Anlehnung an das Theresienstädter Tagebuch von Helga Pollak-Kinski mit deren Mitwirkung und unter der Regie von Olek Witt das Abschlussprojekt „Und der Regen rinnt… eine Erinnerung an eine ferne Zeit“. Ein Jahr später beeindruckte das TOB mit „Der Weltuntergang“ des KZ-Überlebenden Jura Soyfer. 43


„European Theatre Adventure“ als besonders wirkmächtig erwies sich das european TheaTre advenTure projekt, eine internationale Theaterbegegnung mit jungen Menschen und der kulturellen Minderheit Sinti und roma aus ganz europa. nach drei erfolgreichen projekten mit jeweils 50 Teilnehmerinnen fanden Folgeprojekte in verschiedenen osteuropäischen ländern statt. Wir brachten drei we lang in Folge junge Sinti und roma aus verschiedenen europäischen ländern mit nicht-roma-Jugendlichen für 10 Tage zusammen. im zentrum der begegnung standen performative Mittel mit dem ziel ein gemeinsames abschlussprojekt zu entwickeln, dessen präsentation das publikum bei den Theatertagen jedes Mal begeisterte. die dabei gemachten erfahrungen wurden aufgegriffen, weiterentwickelt und wurden zum festen bestandteil der europäischen bildungsarbeit im kampf gegen antiziganismus und rassismus. 2008 wurde das zweite projekt „lacho drom“ (romanes: der gute Weg) mit dem innovationspreis des Fonds Soziokultur ausgezeichnet. der in der in der laudatio angesprochene aufbau eines „europäischen bildungswerkes für roma Jugendliche“ wurde Wirklichkeit. in vielen europäischen ländern gibt es inzwischen angegliederte nGos. alljährlich findet Anfang August in Krakau und ausschwitz ein großes begegnungstreffen von jungen Sinti und roma aus ganz europa statt.

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Fonds

SoziokulTur gefördert von der kulturstiftung des bundes innovationspreis 2007 an den Förderverein »Theatertage am See« Friedrichshafen für die internationale Jugendbegegnung »lacho drom« – der gute Weg oder: Wo ist heimat? Das Projekt »Lacho Drom« steht für die gelungene Verbindung und Präsentation von verschiedenen Kulturen und ihrer gegenseitigen Beeinflussung im zusammenwachsenden Europa. Auf den kulturellen Spuren der Sinti und Roma wurden dabei mit den Mitteln des Theaters, der Musik und des Tanzes neue Wege der internationalen Jugendbegegnung und -verständigung beschritten. Bei »Lacho Drom« trafen sich jugendliche Theatergruppen aus sieben Nationen, die jeweils zur Hälfte aus Sinti und Roma bestanden, zu einem faszinierenden Integrationsprojekt. Es ging darum, die Kulturen sozialer Minderheiten als wichtigen Bestandteil der europäischen Identität zu begreifen, aus der kulturellen Vielfalt einen gesellschaftlichen Mehrwert zu schöpfen und dies als »guten Weg« der Verständigung zu präsentieren. Die besondere Qualität des Projekts lag nicht zuletzt in seinem kulturhistorischen Ansatz begründet. Die musikalischen Spuren der Sinti und Roma auf ihrem jahrhundertelangen Weg von Indien bis Spanien bildeten den kulturellen Hintergrund, auf dem die europäischen Themen der Integration und Interkulturalität bearbeitet wurden. Ein Europäisches RomaJugendnetzwerk ist im Aufbau, und die Beteiligten diskutieren weiter: auf einer eigenen InternetPlattform. Die Jury lobte besonders die Spielfreude, das Engagement und die Eigeninitiative der Jugendlichen, die das Projekt zum Einstieg in einen nachhaltigen Dialog machten. Mit der Verleihung des Innovationspreises 2007 würdigt der Fonds Soziokultur die beispielhafte Arbeit des Fördervereins »Theatertage am See«, die kulturelle Vielfalt Europas mit Hilfe der Künste und am Beispiel der Kultur der Sinti und Roma als internationale Aufgabe kultureller Jugendarbeit auf die Bühne gebracht zu haben. Besondere Anerkennung verdient dabei der Ansatz, Heimat als Prozess der kulturellen Beheimatung, die sich aus verschiedenen Quellen speist, verständlich zu machen. Bonn/Berlin, 10. April 2008 Kurt Eichler Gerd Dallmann Vorsitzender

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Kuratoriumsvorsitzender


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die zirkuSakadeMie Leitbild ZirkusAkademie Zirkus soll in erster Linie Spaß machen. Die Manege bietet eine geniale Mischung aus Vergnügen, Herausforderung, spannendem Erlebnis, Grenzerfahrung und Lernen. Jeder findet seinen Platz in der bunten und kreativen Welt des Zirkus. Träume erfüllen sich... selbst in der Manege zu stehen und eine Sensation zu sein. Beklatscht, bejubelt und gefeiert zu werden. Die Begeisterungsfähigkeit des Zirkus kann spielerisch Berge und Grenzen versetzen. Jedes Genre spricht dabei andere Bereiche von Körper und Persönlichkeit an. Ob Balancieren, Jonglieren, Akrobatik, als Clown... die zirzensischen Inhalte verbinden in idealer Weise körperliche Aktivität mit kreativem Tun. Kind, Jugendlich oder Erwachsen – alle schulen in abwechslungsreichen, professionell geführten Kursen und Trainings nicht nur ihre physischen Fähigkeiten, sondern stärken darüber hinaus auch Persönlichkeit und Sozialkompetenz. Unser Anliegen ist es, auf spielerische und pädagogische Weise das Selbstbewusstsein der jungen Artisten zu erweitern. Manege frei für Träume und Phantasie! Ohne es zu merken für das Leben lernen ...

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Kein ICH ohne WIR Die Kinder lernen so ganz nebenbei, unbewusst und absolut unvermeidlich das WIR. Sie lernen in und mit der Gruppe, in und mit der Gemeinschaft - gemeinsam mit vielen anderen ICH‘s. ICH lasse mich auf den anderen ein. ICH höre ihm zu. ICH nehme Rücksicht. ICH kann mich auf den anderen verlassen und vertraue ihm. ICH bin wichtig für die Gruppe. Die Gruppe ist wichtig für MICH. WIR entwickeln und gestalten gemeinsam unsere Nummer. WIR sind ideenreiche, kreative Mit-Gestalter unserer gemeinsamen Zirkusnummer. Nur wenn bei einer Vorführung jeder Einzelne sein Potential erleben und präsentieren darf, tritt der Zauber einer ganzen Zirkusgruppe hervor und wird für alle spürbar. Die Kleinen lernen von den Großen, die Jungen von den Alten, die Neuen von den Erfahrenen. Unsere engagierten wie talentierten Jung-Teamer, die „alten Hasen“, leiten die jüngeren Kinder in den Techniken an und helfen ihnen bei der Erarbeitung ihrer Nummer. Und genau das ist es, worauf alle Beteiligten nach den Vorführungen mindestens so stolz sind wie auf das sichtbar Geleistete: Wenn Kinder von Kindern lernen, wenn Jugendliche sich um Jüngere kümmern, ihnen beibringen, was die „Alten“ nicht mehr so grazil und elegant vermögen, wenn fachliche und soziale Kompetenzen der Heranwachsenden zu Tage treten - dann werden Träume wahr! Die Jugendlichen erleben sich als Schöpfer. Sie verhelfen den Jüngeren zum Werden. Auszug aus der Jahresarbeit von Lilly Hartmann

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Das Faszinierende am Zirkus ist die Vielseitigkeit Wer schöpferisch tätig ist, erschöpft nicht. Das beweist die ZirkusAkademie seit vielen Jahren. Spiel-, Theater- und Zirkuspädagogin Andrea Sprenger leitet die ZirkusAkademie und ist seit 20 Jahren mit ihren Zirkus-Kursen an den Theatertagen beteiligt. „Das Faszinierende am Zirkus ist die Vielseitigkeit“, sagt sie. Artistik, Akrobatik, Magie, Feuershow und Clownerie – hier findet jedes Kind, jeder Jugendliche und auch jeder Erwachsene seinen Platz. Die ZirkusAkademie gibt es seit 2014 und hat sich aus dem Jugendvarieté Kraball und der Zirkusschule Papillon formiert. Das mystische Flair des offenen Gauklerlebens verbindet sich 50

hier mit Verantwortung und Disziplin „im positiven Sinne“, wie Andrea Sprenger aus ihrer langjährigen Erfahrung weiß. Die Schüler müssen sich aufeinander verlassen können, Teamfähigkeit beweisen und unterstützen sich gegenseitig. 110 Kinder und Jugendliche nehmen jährlich an den Kursen der ZirkusAkademie teil. Davon 100 aus Friedrichshafen. Bis zu 80 Auftritte im Jahr erwartet die Teilnehmer, „die sehr treu sind“. Denn aus dem Nachwuchs rekrutieren sich viele Jungtrainer. Die Jungartisten geben ihr Können und Wissen an die Jüngeren weiter.


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Durch gezielte Anleitung und Begleitung erhalten die jungen Menschen selbst eine Fortbildung, die sie an die Kinder weitergeben. „Unser Trainer-Team setzt sich aus Zirkus- und Erlebnispädagogen, Artisten, Lehrern, Erziehern und Bewegungstherapeuten zusammen“ sagt Andrea Sprenger. Die ZirkusAkademie bietet Schulungs- und Weiterbildungsangebote in den verschiedensten zirzensischen Techniken. „Man braucht keinerlei Voraussetzungen, um im Zirkus arbeiten und wirken zu können – außer dem Spaß“. Zu dem Spaß kommt der Lerneffekt. Motorik und Sensorik werden spielerisch geschult. Die Manege zu betreten bedeutet Vergnügen und Herausforderung zugleich, fördert Selbstbewusstsein und Sozialkompetenz und fordert Mut, Bewegung und Konzentration. „Manchmal ist der Weg auch steinig, aber diese Erfahrung macht Kinder stark und das Schönste ist, wenn nach einem Auftritt die Kinder mit neu entdecktem Selbstbewusstsein und Stolz die Bühne wieder verlassen und ihren Applaus genießen können“. Eine Manege ist zudem eine Plattform, auf der jeder seinen Platz finden kann über ethnische, konfessionelle und soziale Unterschiede hinweg. Inklusion wird hier er- und gelebt.

Lydia Schäfer 52


Die ZirkusAkademie in Zahlen 2017 2017:

64 Auftritte mit 8. 185 Zuschauer 20 Workshops zu Artistik, Akrobatik, Vertikaltuch, Jonglage, Feuer, … mit 434 TN 2016 und 2017: 10 inklusive Theaterprojekte in der ganzen Region Seit 2017 zwei Zirkusferienlager in Meckenbeuren mit 60 jugendlichen TeilnehmerInnen aus der ganzen Region, darunter Geflüchtete und junge Menschen mit Migrationshintergründen. 2017: Mitwirkung am Internationalen Stadtfest in Friedrichshafen mit einem breiten Mitmachangebot 2017 Weihnachtsvarieté im Zirkuszelt in Tettnang 2016 und 2017 Teilnahme an Jugendzirkustreffen und Wettbewerben in Freiburg, Karlsruhe, Nürnberg, Berlin Kontinuierliche zirkuspädagogische Arbeit in Friedrichshafen an der Bodensee-Schule 7 Kurse für die Öffentlichkeit mit 132 teilnehmenden Kindern (stetig wachsend) 24 Jugendliche & Teens in der Jugend-Zirkus-Truppe Ausbildung von 14 Jugend-Übungsleiter Ausbildung von 12 Zirkustrainern 182 ganzjährig aktive Kinder und Jugendliche 53


… vom Zirkuskind zum erfolgreichen Artisten Pascal von Ow 2011 entschied sich der damalige elfjährige Pascal in der ZirkusAkademie mitzumachen, was sich im Lauf weniger Jahre als weitreichende Lebensentscheidung erwies. Jonglage wurde zu seinem Schwerpunkt. Dann folgte Auftritt auf Auftritt. 2014 hatte er einen großen Event beim internationalen Stadtfest in Friedrichshafen. 2016 eröffnete er die Jugend- und Schultheatertage Baden-Württemberg, wurde Zirkusteamer und gehört seither zum Anleitungsteam der ZirkusAkademie. 2107/18 schrieb er seine Jahresarbeit vom Zirkuskind zum Artisten, trat im September 2017 bei der Lamathea-Preisträgergala in Karlsruhe auf und bewarb sich an der Staatlichen Artistenschule in Berlin, die vor ihm auch schon Liv Knoche und Tim Kriegler erfolgreich absolviert haben. Eine weitere Erfolgsgeschichte der ZirkusAkademie ... ein Zirkuskind wird zum Artisten.

Liv Knoche Liv Knoche ist ein Zirkuskind der ersten Stunde ... Als siebenjähriges Clownkind stand sie mit einer „singenden Säge“ das erste Mal in der Manege. Ihre Leidenschaft für den Zirkus war geweckt! Es folgte das Einrad, Akrobatik, die Jonglage, Feuerkünste ... und schließlich das Trapez. Mittlerweile tourt sie mit ihrem Partner Tobias Willasch, dessen Wurzeln bei den Überlinger Faustinos zu finden sind, durch die Welt. Beide haben Artistik-Ausbildungen in Berlin und Amsterdam absolviert. Als „Companie Me & Us“ gastieren sie europaweit. 54


Tim Kriegler Trotz seines jungen Alters von 20 Jahren zeigt Tim Kriegler eine hochanspruchsvolle, ausdrucksstarke Nummer an den Strapaten - eine der schwierigsten Disziplinen der Luftakrobatik. Mit erst 14 Jahren beschloss Tim, seinem Traum zu folgen und zog von Friedrichshafen nach Berlin um dort eine 5 J채hrige Ausbildung zum staatlich gepr체ften Artisten an der staatlichen Artistenschule in Berlin zu absolvieren. Jetzt - 5 Jahre sp채ter arbeitet Tim als professioneller Luftartist in Produktionen und Shows auf der ganzen Welt und gewann zu Beginn des Jahres sogar eine Silbermedaille beim ber체hmten Zirkusfestival in Paris.

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Wenn TheaTer Schule MachT Jürgen Mack

die TheaTerpÄdaGoGiSche GrundlaGenbildunG aM SeMinar Meckenbeuren eit September 1999 bietet das Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Meckenbeuren in Kooperation mit dem Förderverein Theatertage am See Friedrichshafen e.V. eine theaterpädagogische Ausbildung in mehreren Stufen an. Die Ausbildung umfasst 500 Ausbildungsstunden in der Grundlagenstufe und nochmals genauso viele in der Vertiefungsstufe, die zur Anerkennung des sogenannten „kleinen BuT“ durch den Bundesverband Theaterpädagogik (BuT) führt. Der „große BuT“ bedeutet die komplette Ausbildung zum Theaterpädagogen. Dass eine solch umfangreiche Ausbildung fakultativ parallel zum Referendariat angeboten wird, gibt es sonst nirgendwo in der Bundesrepublik Deutschland. Die Ausbildung ist darüber hinaus offen für LehrerInnen aus allen Schularten und für Personen, die in anderen pädagogischen Feldern tätig sind. idee und enTSTehunG der auSbildunG. Im Jahre 1997 begannen wir uns Gedanken zu machen – vor dem Hintergrund wachsender Gewalt auf unseren Schulhöfen und einem spürbar unverfrorenen Auftreten bestimmter SchülerInnen besonders jungen Lehrern und Lehrerinnen gegenüber –, wie wir unsere LehreramtsanwärterInnen besser auf ihre beruflichen Herausforderungen vorbereiten könnten. Klar war, dass Auftreten und Haltungen eine wichtige Rolle spielen bei der Frage, warum sich SchülerInnen bei bestimmten LehrernInnen so und bei anderen anders verhalten. Als Theaterpädagoge wusste ich um die Bedeutung paralinguistischer Kontexte, wie z.B. Status, Präsenz, Gestus, Mimik als Ausdruck innerer Haltung für gelingende und misslingende Kommunikation. Gleichzeitig bewegte uns auch die Frage, wie Aggressionen als Teilaspekt unseres Lebens umgelenkt werden können in lustvolle, kreative, gestaltende Erfahrungen. Zusammen mit der Tänzerin und Kampfkünstlerin pia andré entstand der einführungskurs Tanz- und Theaterpädagogik – umgehen mit aggressionen im Schulalltag. In einem dreitägigen Kompaktseminar zu Beginn des Vorbereitungsdienstes boten wir 50 Anwärtern und Anwärterinnen die Möglichkeit, im Stockkampf und Neuen Tanz spielerisch lustvolle Erfahrungen mit eigenen Aggressionen zu machen und mit theaterpädagogischen Methoden sich die theatralen Prozesse des Unterrichtes bewusst zu machen. Die Rückmeldungen und die Resonanz auf diesen Workshop ermutigten uns, dieses Angebot fortzusetzen. Das Angebot wurde zum festen fakultativen Bestandteil der Ausbildung am Seminar, in den vergangenen 20 Jahren belegten mehr als 1.000 TeilnehmerInnen diesen Kurs. 56

Aus diesem Teilnehmerkreis entstand sehr schnell der Wunsch nach einer vertiefenden theaterpädagogischen Grundlagenbildung, die im Rahmen der Möglichkeit, an Seminaren Profilschwerpunkte bilden zu können, realisiert werden konnte. Von Anfang an war klar, eine solche Ausbildung geht nicht ohne zusätzliche Finanzmittel. Denn eine qualifizierte theaterpädagogische Ausbildung erfordert über ein Curriculum hinaus auch die Einbeziehung externer Fachkräfte zur Vertiefung bestimmter Themenfelder. Das Kultusministerium wollte keine zusätzlichen Mittel bereitstellen, da theaterpädagogische Ausbildungsangebote nur von nichtamtlichen Trägern angeboten werden sollten. Eine solche Ausbildung musste sich selbst finanzieren. Zum „Glücksfall“ wurde dabei, dass über den Förderverein „Theatertage am See“ und über den Bund Deutscher Amateurtheater Mittel gewonnen werden konnten aus einem Präventionstopf „Rechtsradikalismus und Gewalt“. In Deutschland brannten damals Häuser, die von Migranten bewohnt wurden. Unser Projekt hieß „Theater als Mittel zur prävention – angehende Grund- und hauptschullehrerinnen stärken, um Gewaltbereitschaft schon in der Schule begegnen zu können“.


Wir finanzierten Theaterfachleute für bestimmte Module: Doris Merz für Grundlagen des Schauspiels, Helga Kröplin für Stimme und Sprache, Pia André für Bewegungstheater und Tanz. Ein erster Kurs entstand mit 14 Teilnehmern und TeilnehmerInnen, traf sich jeden Donnerstagabend 3 Stunden und an 5 Wochenenden mit den externen Referenten. Am Ende stand eine Eigenproduktion als Abschlussprojekt mit dem doppeldeutigen Titel „Nichts passiert – ein Stück Schule“. Mit dem großen Erfolg dieses Projektes und den Einnahmen daraus konnte ein Folgekurs mit geringem Teilnehmerbeitrag finanziert werden. Im Anschluss an den 4. Kurs entstand der Wunsch nach einer Anschlussausbildung. Mit dem Bundesverband Theaterpädagogik entwickelten wir ein eigenes theaterpädagogisches Curriculum, das sich stark an den An- und Herausforderungen schulischer Theaterarbeit orientierte. Das Ministerium stimmte dem zu, verlangte aber einen externen Träger für die Ausbildung, der sich mit dem Förderverein „Thetertage am See“ Friedrichshafen e. V. auch schnell fand. Diese Kooperation erwies sich als weiterer Glücksfall, schuf sie doch Kontakte zur europäischen Theaterpädagogik und verortet die Ausbildung in einem internationalen Netzwerk. Wir stehen in engem Kontakt mit den aktuellen Fragestellungen und „Strömungen“ der Theaterpädagogik, haben Kontakte zu renommierten Referenten und integrieren diese in unsere Ausbildung. Besonders die Abschlussprojekte spie-

geln diese daraus resultierende hohe Qualitätsstufe. Zum festen Kreis von Theaterfachleuten gehören Pia André, Doris Merz, Helga Kröplin, Maike Plath, Katja Fillmann, Citlali Hueve-Sanchez, Olek Witt, Jochen Wietershofer, Ann Dargies. Das Seminar für Didaktik und Lehrerbildung stellt aus seinem Budget Stundendeputate für die kontinuierliche Ausbildung an den Donnerstagabenden. Seit 4 Jahren leiten wir diese umfangreiche Ausbildung im Team. Der Lehrer und Theaterpädagoge Jochen Stuppi ist fest mit im Boot, das Team ist eng vernetzt mit den schulischen Theatermultiplikatoren des Kultusministeriums in Stuttgart. Einige Fakten belegen eindrucksvoll den Erfolg dieses Meckenbeurer Modells: Über 400 TeilnehmerInnen wurden bislang in der Stufe I theaterpädagogisch ausgebildet. Der geographische Radius der teilnehmenden LehrerInnen reicht über die gesamte Bodenseeregion hinweg bis Ulm und Villingen-Schwenningen. Davon waren 300 AnwärterInnen des GWHRS Seminars Meckenbeuren, 7 AnwärterInnen der Außenstelle des Seminars für Sonderpädagogik Stuttgart, 17 Referendare des Seminars für Gymnasien in Weingarten mit steigender Tendenz, 51 LehrerInnen aus allen Schularten, 29 Teilnehmer aus sozialpädagogischen Bereichen, 99 Absolventen unserer Grundlagenstufe absolvierten die Ausbildungsstufe II.

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Inzwischen hat das Ausbildungsangebot auch die Landesgrenzen überschritten. Es nehmen auch TeilnehmerInnen aus Bayern, Vorarlberg und der Schweiz teil.

elementaren Beitrag zur Persönlichkeitsbildung in Lehrerberufen. Entsprechend ausgebildete LehrerInnen verfügen über Methodenkompetenzen, ihre SchülerInnen in diesen Bereichen qualifiziert zu stärken. Theater Absolventen der Ausbildungsstufen gründeten ein als Unterrichtsform entspricht in hohem Maße den Theater, das sich als Theater Oberschwaben-Boden- Erkenntnissen heutiger Lern- und Hirnforschung. see (TOB) und der Improtheatergruppe (UTOBIA) Der Körper ist genauso beteiligt wie der Geist. An weit über die Region hinaus einen Namen geschafTexten, Bildern, Szenen und Situationen gewonnene fen hat und 2011 mit dem deutschen AmateurErkenntnisse finden den Weg zu persönlichem, körtheaterpreis „amarena“ ausgezeichnet wurde. perlichem und emotionalem Ausdruck. Lernende erfahren im Spiel sehr viel über sich selbst als Person Seit es an vielen Gymnasien den oberstufenkurs und entwickeln dabei Kriterien für ihre ästhetischen literatur + Theater gibt, erleben wir eine wachsenWahrnehmungen. Dabei erfahren sie die Bedeutung de Teilnehmerzahl auch aus dieser Schulart. Diese schulischer Inhalte für ihre persönlichen Lebensfragemeinsame Aus- und Fortbildung von allen das gen. Die Lernenden werden nicht zu Konsumenten, Schulleben gestaltenden Berufsgruppen über alle sondern sind Beteiligte ihrer Lernprozesse. Schulartgrenzen hinweg ist eine weitere Besonderheit der Ausbildung in Meckenbeuren und erweist „Durch alle Fächer hindurch spielt die Bewusstmachung sich in der Praxis als wertvolle Plattform einer geder „Präsenz“ und Stärkung des Selbstbewusstseins eine große Rolle […] Vor allem im sozialen Training genseitigen Wahrnehmung und Wertschätzung, des Austausches und der Kooperation über die mit meiner eigenen Klasse kommen viele theaterpädSchulartgrenzen hinweg. agogische Methoden zum Zug, wie z. B. bei Kennenlern- und Gruppenfindungsprozessen, Steigerung der WaruM TheaTerpÄdaGoGik an eineM Empathiefähigkeit, Aufarbeitung und Prophylaxe von lehrerSeMinar? 1 Konflikten, Stärkung der Persönlichkeit usw.“ (Teilnehmende Lehrerin, Hauptschule) 2 Man kann sich fragen, warum Theaterpädagogik am Seminar angeboten wird und dies gerade in einer kulTurelle, ÄSTheTiSche und Zeit, die allgemein als äußerst stressintensiv erlebt poliTiSche bildunG wird. Unserer Erfahrung nach sind mindestens fünf Theater setzt der virtuellen Medienwelt erfahrungsGründe ausschlaggebend, die Theaterpädagogik geraorientiertes Lernen in realen sozialen Bezugsgruppen dezu als notwendiges Element für eine Optimierung entgegen. Die Medien erfordern heute Fähigkeiten der Lehrerausbildung erscheinen lassen. auf unterschiedlichsten Ebenen, Nutzerkompetenzen sind dabei nur eine Seite der Medaille. Digitalmeprofessionalisierung dien mit ihren sehr einseitigen Anforderungen an und persönlichkeitsWahrnehmung und Körperlichkeit machen sinnlichentwicklung ästhetische Tätigkeitsfelder zu einem elementaren Theaterpädagogische Bestandteil des Bildungsprozesses, aber gerade meMethoden leisten einen diengestützte Lernprozesse brauchen Gegengewichte wichtigen Beitrag zur körper- und bewegungsorientierter Lernerfahrungen. professionalisierung Theater führt auch zur persönlichen Auseinandersetfür den Lehrberuf. Sie thematisieren Präsenz, Bewusstheit in Bezug auf Sprache, Paralinguistik, Körpersprache, Selbstund Fremdwahrnehmung bis hin zur persönlichkeitsentwicklung. Unterricht ist szenisches Geschehen. Die Szenerie umfasst Inhalt und Präsentation. Es sind dies auch die beiden Seiten der Interaktionsund Kommunikationsprozesse. Beides zusammen bedingt die inszenierte Situation „Unterricht“. Der Versuch, die Prozesse dieses „wirklichen Lebens“ mit den Methoden des Theaters zu durchschauen, führt zu Kenntnissen und Erkenntnissen, in denen die unmittelbaren Mechanismen des eigenen Verhaltens bewusster werden können. Theaterpädagogik qualifziert zu besserem Unterrichten und leistet einen 58


zung mit der allumfassenden Ästhetisierung und Inszenierung des Alltags, der Trivialisierung der Inhalte und Wahrnehmungsprozesse. Das abschlussprojekt, dem wir bereits im Grundlagenkurs einen hohen Stellenwert beimessen, spielt dabei eine wichtige Rolle. Die TeilnehmerIinnen erfahren sich selbst in einer ähnlichen Rolle wie die SchülerInnen in ihren eigenen Projekten. Sie erfahren, dass Theaterpädagogik sich mitunter auch im Spannungsfeld zwischen Ästhetik und Pädagogik bewegt. Daraus resultiert eine Vielzahl von Konflikten, die im geschützten Rahmen der Gruppe ein wertvolles Lernfeld darstellen. Das beginnt bei der Stückauswahl und Rollenbesetzung, geht über ästhetische Gestaltungsfragen, den Umgang mit Regievorstellungen, Impulsen und deren Verwerfung bis hin zur ästhetischen Gesamtkonzeption. Wie viel Demokratie verträgt eine ästhetische Linie oder auf welchen Ebenen findet sinnvolle Partizipation statt? Wie greifen wir Impulse der Mitwirkenden auf, und wie kommunizieren wir, wenn wir Angebote der Spieler nicht annehmen wollen so, dass sich diese als Person immer wertgeschätzt fühlen? Wie transparent machen wir, wenn im Leitungsteam unterschiedliche Vorstellungen existieren? Welche Lernchancen bestehen für die Teilnehmer aus solchen Konfiktfeldern? Die zwei Intensivwochen beim Abschlussprojekt gehören in die Schatzkiste der bewegendsten und intensivsten Erfahrungen in meinem Leben – vielfältig – einzigartig und wunderbar! Seminarschulrätin Theater bietet Spielräume für lebens- und schulrelevante Fragestellungen. Wir erleben gerade diesen Bereich, Konflikte nicht als Bedrohung wahrzunehmen, sondern als Chance für wertvolle Lernprozesse aller Beteiligten aufzugreifen, als besonders wertvollen Aspekt der Ausbildung.

Sprach- und leSeFÖrderunG und TeXTverSTehen Theaterpädagogische Methoden erweisen sich als sehr effektiv in Sachen Sprach- und Leseförderung. Theater ist untrennbar verbunden mit der Fähigkeit und Förderung des Lesens und Textverstehens. Einen Text in Spiel umzusetzen, erfordert tiefes Eindringen und „erlebte“ Interpretation. Umsetzung mittels Formen des darstellenden Spiels erfordert eine Vielzahl von situationsbezogenen Problemlösungsstrategien. Die Schulung der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit und der Präsentationsfähigkeit der Lernenden steht dabei ebenfalls im Zentrum einer schulorientierten Didaktik des Theaterspielens. Ohne Eigenverantwortung und selbstgesteuertes Lernen können solche Prozesse nicht gelingen. Die hohe Effektivität szenariodidaktischer Konzeptionen und des gestisch, szenisch unterstützten Vorlesens wird in der Zweitsprachendidaktik eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Vielseitig, motivierend und inspirierend; nicht nur für die Theaterarbeit (vor allem) auch für den täglichen Unterricht. Lehrerin Waldorfschule Lernende erfahren sich in Interaktionsprozessen und -strukturen einer Bezugsgruppe, lernen diese zu durchschauen und werden kompetenter im eigenen Handeln und Auftreten. Das geht einher mit einer Stärkung des Selbstwertgefühls und leistet deshalb effiziente Beiträge zu interkulturellem und sozialem Lernen, ebenso wie auch zur Sucht- und Gewaltprävention. Theaterpädagogik ist Ermutigungspädagogik und bedeutet „Lust bekommen auf sich selbst“.

„Die Ausbildung hat mir viele Ideen für Unterrichtsauflockerung und Projekte an der Schule gebracht, größere Gelassenheit im Umgang mit jugendlichen Gruppen, größere Sicherheit im Stehen vor der Klasse, praktische Umsetzung szenischer Methoden, konkrete Ideen für Lehrproben, Thema Status war super für den Unterricht und Disziplinprobleme.“ (Ref. Gymnasium)

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vorbereiTunGSdienST und TheaTer– STreSS und enTSpannunG Der Vorbereitungsdienst wird in seiner Brückenfunktion zwischen Hochschulstudium und Schulalltag als besonders stressintensive Zeit wahrgenommen. Ist es überhaupt zu leisten, neben dem Lehrauftrag an der Schule und den Seminarveranstaltungen nochmals 500 zusätzliche Ausbildungsstunden zu absolvieren, ganz abgesehen davon, dass die TeilnehmerInnen 500€ für die Grundlagenstufe bezahlen müssen? Der Ausbildungsplan ist eng abgestimmt mit dem Veranstaltungskalender des Seminars und nimmt Rücksicht auf die besonders stressintensiven Prüfungszeiträume. Das ist kein leichtes Unterfangen, zumal die Prüfungsregularien am Sonderschul- und Gymnasialseminar zum Teil andere Zeitfenster vorsehen. Und auch für LehrerInnen mit vollen Lehraufträgen und zum Teil langen Anfahrten ist die Belastung nicht gering. Fast einstimmig melden die TeilnehmerInnen zurück, dass sie die Ausbildungsabende als Ausgleich zum Alltag erleben, an denen eine Gegenwelt entsteht, die sehr entspannend und erholend wirkt. Dazu drei exemplarische Zitate aus dem Teilnehmerkreis:

„Die Theaterausbildung hat mir geholfen, vom Stress abzuschalten und den Kopf frei zu bekommen. Ohne die Theaterausbildung wäre mir das nicht gelungen.“ Lehreranwärterin Grundschule

Anmerkungen1 Vgl. Jürgen Mack/Werner Jauch: Theater als Bildungschance. In: Lehren & Lernen 28 (2002), H. 4, S. 3-4. 2 Äußerungen aus den regelmäßigen Evaluierungen der Kurse. Jürgen Mack, Bereichsleiter Deutsch/Theater am Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (GWHRS) Meckenbeuren Juergen.mack@Seminar-GWHRS-ME.kv.bwl.de 60

„Schaffst du das, die Theaterausbildung neben dem Referendariat?“ – „Wie hätte ich das Referendariat ohne die Theaterausbildung schaffen sollen?“ Referendarin Gymnasium

„Oft denke ich nach einem 9-Stunden-Tag an der Schule: Jetzt auch noch Theater! Und dann raffe ich mich gegen innere Widerstände auf, fahre ans Seminar, sitze dort keine Minute rum, sondern bewege mich den ganzen Abend und fahre völlig entspannt anschließend nach Hause.“ Lehreranwärterin Gemeinschaftsschule

Die Abschlussprojekte der theaterpädagogsichen Ausbildungskurse sind seit vielen Jahren fester Bestandteil im kulturellen Leben der Region. Jedes Jahr sind in der ersten Julihälfte 7-10 Aufführungen ausverkauft. Die besondere Qualität der Projekte liegt auch darin, dass hier im ländlichen Raum Theaterformate gezeigt werden, die in dieser Form nur in Städten mit professionellen Theatern zu sehen sind und deren besondere Wirkung aus einer Mischung aus chorischen, choreographischen, musikalischen Mitteln mit traditionellen Formen des Sprechtheaters beruht.


TheaTerpÄdaGoGiSche auSbildunG aM SeMinar Meckenbeuren die biSheriGen abSchluSSproJekTe die biSheriGen abSchluSSproJekTe Kurs 1 2002 Eigenproduktion nichts passiert – ein Stück Schule Kurs 2 2003 Eigenproduktion Schule – oder die Kunst der Komödie Kurs 3 2004 Luigi Pirandello Die Riesen vom Berge Kurs 4 2005 Michael Ende Momo Kurs 5 2006 Eigenproduktion Veronika beschließt zu sterben nach dem Roman von Paulo Coelho

Kurs 10 2011 Eigenproduktion Oliver Twist nach dem Roman von Charles Dickens Kurs 11 2012 William Shakespeare Ein Sommernachtstraum Kurs 12 2013 Peter Weiss Die Verfolgung und Ermordung des Jean Paul Marat dargestellt durch die Schauspieltruppe des Hospizes zu Charenton unter der Leitung des Herrn de Sade

Kurs 6 2007 Thornton Wilder Wir sind noch einmal davongekommen

Kurs 13 2014 Eigenproduktion Und der Regen rinnt… Nach Helga Polaks Mein Theresienstädter Tagebuch

Kurs 7 2008 Eigenproduktion malZeit (nach Arno Wesker Die Küche)

Kurs 14 2015 Garcia Lorca Bernarda Albas Haus

Kurs 8 2009 Eigenproduktion Medea und die Reise der Argonauten

Kurs 15 2016 Max Frisch Biedermann und die Brandstifter

Kurs 9 2010 Ottfried Preußler Krabat

Kurs 16 2017 Eigenproduktion nach J.W. Goethe Mensch? Faust!

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Das Abschlussprojekt des 16. theaterpädagogischen Ausbildungskurses

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daS Tob ODENSEE)

(THEATER –OBERSCHWABEN –B

TOB: Ist das Theaterensemble des Fördervereins THEATERTAGE AM SEE FRIEDRICHSHAFEN e.V. Das 2005 gegründete Ensemble ging aus den theaterpädagogischen Ausbildungskursen des Fördervereins THEATERTAGE TAGE AM SEE FRIEDRICHSHAFEN e.V. und des SEMINARS FÜR DIDAKTIK UND LEHRERBILDUNG (GHS) MECKENBEUREN hervor. Spieler und Spielerinnen spielen ohne Gage aus Leidenschaft (Amateure), im Hintergrund arbeiten Theaterprofis mit der Gruppe. Mit der ersten Produktion Nur ein Spiel begeisterte das Ensemble seine Zuschauer, wo immer die Truppe auftrat. Helga Kröplin aus Tübingen führt Regie in der von ihr auch konzipierten Inszenierung Vive la Comédie – das Leben des Herrn Molière. Mit seiner dritten Produktion „Hommage an Loriot“ - Regie führte wieder Jürgen Mack – gewann die Gruppe im Jahr 2012 den deutschen Amateurtheaterpreis amarena in der Kategorie Komödie. Der Weltuntergang von Jura Soyfer wurde von Wolfgang Mettenberger aus Heidelberg inszeniert und 2018 startet die Gruppe mit Jürgen Mack zu ihrer fünften Produktion: Luigi Pirandellos Sechs Personen suchen einen Autor. 64


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laudaTio Am Montag, den 22. August 2011 ist Loriot in Ammerland am Starnberger See verstorben. Und mit ihm … Aber Familie Hoppenstedt will nicht sterben. ach was?! Familie Hoppenstedt kann nicht sterben. Laut Wikipedia befinden sich Untote - in einem körperlich-seelischen Zustand zwischen Leben und Tod. Sie suchen in der Welt der Lebenden . nach unerfüllten Forderungen, . überbringen noch nicht empfangene Botschaften . oder üben an den Lebenden Rache für eine nicht abgeglichene Schuld.“ ach was !? Wie der fliegende Holländer auf der Suche nach Erlösung über das Meer jagt, so muss Herr Müller – Lüdenscheid sich auf ewig in einer Badewanne sitzend wegen einer Ente streiten. So will es das Theater Oberschwaben Bodensee und so wollen wir es. Dabei macht es manchmal den Eindruck als würde das Ensemble des Theaters Oberschwaben Bodensee … der Name könnte auch von Loriot sein … als würde das Ensemble die Klöbners und Lindemanns, diese Archetypen der vergeblich um Haltung bemühten Deutschen gar nicht spielen … als wäre das Ensemble die Gewerkschaft und die Aufführung die Vollversammlung der Untoten des Loriotschen Kosmos. Transformation und Aneignung nicht imitatio – darin liegt die besondere Komik dieser Inszenierung. ach was?! Transformation und Aneignung - das ist auch die unerfüllte Forderung, die Botschaft und die Rache der Hoppenstedts am Publikum, an uns … Erst wenn wir uns selbst als Loriotfiguren akzeptieren und wirklich über uns selbst lachen können, … dann endlich kann Familie Hoppenstedt … Aber Familie Hoppenstedt wird nicht sterben! Das TOB hat mit seiner „Hommage an Loriot“ dem „dünnsten Buch der Welt, dem Buch über deutschen Humor“ eine wunderbar vielfältig kalligraphierte Seite hinzugefügt. Holleradülijö, Hollera Du Dödel Du! …Herzlichen Glückwunsch!!

Stephan Schnell Bildungsreferent des BDAT 66


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den TapFeren hilFT daS Glück über das improvisationstheater utobia anche Geschehnisse im Leben sind mitnichten das Ergebnis von klarer Logik, sondern geboren aus zehrender Sehnsucht. Der 11. Theaterpädagogische Ausbildungskurs im Lehrerseminar in Meckenbeuren war in einem wahren Sommernachtsrausch im Juli 2012 opulent zu Ende gegangen, vor uns Absolventen lag eine bleierne Leere, die mit dem an manchen Wochenenden stattfindenden Aufbaulehrgang nur ein schwaches Substitut finden konnte. Wir fassten den Entschluss, ein eigenes Theaterprojekt zu starten. Da es im Orbit des Seminars ein klassisches Amateurtheater schon gab - das von uns mit Ehrfurcht bedachte TOB – sollte es ein Improvisationstheater sein. Neun Leute aus dem Grund- und Aufbaukurs sowie ein überraschend aufgetauchter externer erfahrener Interessent fanden sich zum Gründungstreffen im Januar 2013 ein. Woche für Woche trafen wir uns fortan im Lehrerseminar, parallel zum Grundkurs. Wir arbeiteten, wir wiederholten, wir experimentierten, immer neue Leute tauchten auf, während andere verschwanden - die Bühne des Lebens spiegelte sich in unserer kleinen Improtheater-Welt. So entstand Utobia, die Umwerfende Teutonisch-Oesterreichische Bühneninitiativen AG.

Die Mühen der Ebene begannen: Wohin wollten wir, welches Ziel hatte die Gruppe, wie sollte sie geführt sein, die Finanzierung? In dieser Phase zeigte sich, dass jede Gruppe einen Kern aus verlässlichen, energetischen und vorwärtsstrebenden Leuten braucht. Talent und Spaß an der Freud‘ sind gut, Konstanz und stetes Brennen für die Sache aber unerlässlich. Fortis fortuna adiuvat - den Tapferen hilft das Glück: Das

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Atrium in Friedrichshafen bot sich uns als Auftrittsheimstätte, ein Musiker wurde auf einer Geburtstagsparty gefunden und unter dem Dach der Theatertage am See fanden wir einen vereinsrechtlichen Heimathafen. Ein Jahr nach Gründung und ausgiebigen Mäanderns durch das vieldimensionale Theateruniversum starteten wir mit einer Werkschau unseren ersten öffentlichen Auftritt. Seitdem hat Utobia eine eigene Philosophie und eine spezielle Mischung zwischen traditionellem Regieund Improvisationstheater entwickelt. Alle Geschichten, die Utobia auf der Bühne spielt, entstehen aus dem Moment. Die acht Spieler und zwei Musiker erfinden die Geschichten und Melodien augenblicklich - gespielt coram publico. Gleichzeitig sind unsere Geschichten vergänglich, nicht konservierbar: Ein seltenes sinnliches Erlebnis im Zeitalter der unendlichen digitalen Reproduzierbarkeit. Neben der schnellen, witzigen Impro-Comedy interessiert sich das Ensemble insbesondere für längere, berührende und ergreifende Geschichten unter Einbeziehung von Requisiten und Kostümen, eine ungewöhnliche Spielart in der Welt des Improvisationstheaters. Utobia tritt regelmäßig in Friedrichshafen und Umgebung, aber auch in anderen Regionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz auf. Auftrittstermine, Kontaktmöglichkeiten und weitere Informationen finden Sie auf unserer Homepage www.utobia.eu Herbert Kessler ist Leiter von Utobia, er lebt in Feldkirch/A.

a u...ihrTOBI wollt es doch auch! Infos unter: www.utobia.eu

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die wichtigsten Förderer der Theatertage am See

Bürgermeister Kurt Brotzer

die Stadt Friedrichshafen

Bürgermeisterin Margarita Kaufmann

Die Stadt Friedrichshafen, in den ersten acht Jahren selbst Träger des Festivals, ist von Anfang an der wichtigste Förderer der Theatertage an See. Vom früheren Bürgermeister Kurt Brotzer stammt der Impuls zur Gründung des Trägervereins, seine Nachfolger Margarita Kaufmann, Peter Hauswald und Andreas Köster und die Oberbürgermeister Josef Büchelmeier und Andreas Brand gebührt das Verdienst, den Verein immer unterstützt zu haben. Besonders erwähnenswert sind auch die Gemeinderäte der Stadt, sie legen mit der Bewilligung der kommunalen Förderung den Grundstein für den Erfolg der Veranstaltung. In den letzten acht Jahren wurden die finanziellen Zuwendungen für die Theatertage am See von allen Fraktionen des Gemeinderates einstimmig beschlossen.

der bodenseekreis Vom damaligen Kulturreferenten des Bodenseekreises, Dieter Blümel, ging 1986 der Impuls aus, die „Häfler Theatertage umzubenennen in „Theatertage am See“, der Bodenseekreis stieg mit ein in den Kreis der Veranstalter und damit begann die eigentliche Erfolgsgeschichte des Festivals. Die Landräte Siegfried Tann und Lothar Wölfle zeigten sich über all die Jahre als großartige Unterstützer und Fürsprecher bei den Oberschwäbischen Elektrizitätswerken (OEW). Am 8. März 2018 zeichnete der Landkreis den Förderverein Theatertage am See mit dem renommierten Kulturpreis des Bodenseekreises aus. Landrat Wölfle betonte neben dem künstlerischen die generationsübergreifenden, inklusiven und intergativen Schwerpunkte der Theaterarbeit. „Das beispielhafte und nachhaltige theaterpädagogische Wirken der Theatertage am See besitzt europaweite Strahlkraft und trägt maßgeblich zur kulturellen Bereicherung der Region bei.“ 70


Dr. Friederike Lutz

Landrat Lothar Wölfle

laudatio von dr. Friederike lutz, Leiterin des Schulmuseums Friedrichshafen und profunde Kennerin der Theatertage am See anlässlich der Verleihung des Kulturpreises des Bodenseekreises an die Theatertage am See am 8. März 2018 Ich bin gefragt worden, als eine, die die Theatertage seit 1996 fast kontinuierlich begleitet hat – und zwar in unterschiedlichen Rollen. Und diese Perspektive möchte ich einnehmen. 1996 habe ich als Redakteurin der Schwäbischen Zeitung die Theatertage zum ersten Mal erlebt – und war begeistert, war fasziniert von diesem unkonventionellen, diesem verspielten, diesem lebendigen Geist und auch Chaos – Verzeihung! – in der Bodenseeschule in diesen Tagen des Festivals. Bunt, umtriebig, immer auch ein bisschen aufgeregt, Grundschulkinder, Teenager, junge Erwachsene, Menschen mitten im Beruf und Senioren – sie alle bewegten sich damals in den Fluren, in der Mensa und auf den beiden Bühnen der Bodenseeschule ganz selbstverständlich durcheinander, miteinander, aufeinander zu. Neue Gesichter, bekannte Gesichter. Eine animierende Szenerie. Ich erlebte zum ersten Mal geballt, wie faszinierend Amateurtheater sein kann. Wie tief sich theaterbegeisterte Menschen aus allen möglichen Professionen und Hintergründenjenseits des Theaters ausloten, was machbar ist, wie sie mutig Grenzen überschreiten und uns damit unterhalten, anregen, auch irritieren. Und dann diese Aufgeschlossenheit, sich nach den Aufführungen den Spiegel vorhalten zu lassen. Natürlich ist das alles hoch pädagogisch, aber eben so selbstverständlich, so wertschätzend und die Kunst ernst nehmend. Das ist es vielleicht, was mich am meisten begeistert: dass hier die Kunst und die Kultur ernst genommen werden als etwas Prozesshaftes, etwas sich Entwickelndes, das nie perfekt sein wird. Hier wird die Bühnenkunst nicht auf die Unterhaltung reduziert, begriff ich schnell, sondern hier wird sie als menschengegebenes Werkzeug der Interpretation und des Umgangs mit unserem Leben, mit unserer Welt gesehen. Hier lehnt sich niemand nur genießend oder auch naserümpfend zurück. Und wenn ich heute, 20 Jahre später, durch die Bodenseeschule laufe, wenn Theatertage am See sind, dann hat sich das in meiner Wahrnehmung nicht geändert… Die forcierte Öffnung in die Schulen mit den Schultheatertagen… damit wirken die Theatertage in die Stadt, unter den Menschen, die hier lernen und lehren. Da durchdringt sich etwas, und das ist in Friedrichshafen nicht so ganz selbstverständlich.

Als Referentin des Häfler Kultur- und Sozialbürgermeisters, die ich dann später einige Jahre war, durfte ich immer wieder die Reden für die Preisverleihungen oder die Eröffnung des Festivals schreiben. Für die Theatertage floss mir der Text jedes Mal wie eine kleine Verbeugung vor Euch, Eurem Geist, Eurem Engagement aus den Fingern in die Tasten. Mir wurde immer klarer, dass Ihr in der Szene hier in der Region eine wichtige Rolle spielt, was auch die Bodenständigkeit von Kultur, was die Niederschwelligkeit meint. Nun habe ich das Schulmuseum unter meinen Fittichen, sollte es aus seinem Dornröschenschlaf wecken. Nur eine – ich gebe zu nachdrückliche – Bemerkung beim Abschluss der vergangenen Theatertage zu Dir, Jürgen – und jetzt sind wir dabei. Sind Ort für zwei Workshops – einem mit Schülern der Schreieneschschule und einem Wochenendworkshop für Erwachsene. Ganz schnell war dank Eurer Offenheit und Lust auf Neues die Bereitschaft auf Eurer Seite geweckt, und jetzt freue ich mich auf die Woche, in der die Theatertage Einzug halten in die alte Villa Riss. Ich bin gespannt, welche Geschichten die beiden Workshops unserem Haus entlocken. Ihr seid Netzwerker. Ihr verschließt Euch nicht, sondern lasst Euch ein auf immer wieder auch Neues. Ich würde mir wünschen, dass hier in der Region noch mehr Kulturschaffende und Kulturveranstaltende von diesem Festival mitbekommen. Dass viele von ihnen einmal erleben, wie inspirierend diese Atmosphäre des Festivals ist. Und wie selbstverständlich es sein kann, dass es nicht immer die Perfektion und die vermeintliche Weltklasse sind, die den Menschen berühren und etwas in ihm in Gang setzen. Wenn wir die, die sich auf die Bühne trauen, ernst nehmen, gestehen wir uns und der zweckorientierten Welt ein, dass es mehr gibt als Zahlen, Daten, Fakten. Mögen auch die die Nase rümpfen, die nach den großen Bühnen schielen, ihnen sei gesagt: Die Theatertage und all die Menschen, die an den Bodensee pilgern, um an ihnen teilzunehmen, ob einmal oder immer wieder, sind es, die den Boden dafür bereiten, dass Menschen einen Zugang zur Kultur finden. Und dafür sorgt der Förderverein der Theatertage. 71


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Jürgen Mack, Gerhard Schöll, Jutta Widmaier, Rita Weiss, Tine Reith, Britta Lutz, Selma Öngel-Chryssowergis, Harald Eilers, Claudius Jehle, Claudia Koller, Jochen Stuppi. Im Bild links oben: Claudius Beck


der landesverband amateurtheater baden-Württemberg (labW) Der langjährige Präsident Helmut Kuhn legte den Grundstein für die Entwicklung des Festivals über die Region hinaus, sein Nachfolger Rolf Wenhardt setzte den eingeschlagenen Weg fort und auch das neue Präsidium des Landesverbandes Amateurtheater Baden-Württemberg um seine Präsidentin Naemi Keuler und den künstlerischen Leiter Marcus Joos unterstützen das Festival auf großartige Weise.

laudatio von naemi keuler, Präsidentin des Landesverbandes Amateurtheater Baden-Württemberg e.V. für den „Kulturpreis des Bodenseekreises” am 8. März 2018

Es ist mir heute eine große Ehre, als Präsidentin des Landesverbands Amateurtheater Baden-Württemberg die Laudatio für den Kulturpreis des Bodenseekreises für die „Theatertage am See“ zu halten. Nicht nur, weil die Theatertage am See rein sachlich belegbar diesen Preis verdienen, sondern auch, weil ich mich persönlich zutiefst mit den Ideologien, den Werten und den Geschichten der Theatertage verbunden fühle. Bei den „Theatertagen am See“, einem der größten europäischen Amateurtheaterfestivals sowie den „Jugend- und Schultheatertagen“ finden alljährlich Menschen aus mehr als 30 Herkunftsländern zusammen, im Jahr 2018 bereits zum 34. Mal. Doch für ein nationales wie internationales Festival selber ist das nicht unbedingt ungewöhnlich. Warum jedoch stechen die Theatertage am See als herausragend in der deutschen Theaterszene hervor? Weil hinter dem Festival ein sich erst auf den zweiten oder dritten Blick ein sichtbares Konzept und Netzwerk erschließt, das absolut einzigartig in der Kulturlandschaft ist und über Jahrzehnte aus einer Basis und einem Verständnis für Zeitgeist, Neugier und Lebensraum erwachsen ist. Die Theatertage gründeten sich 1984 aus dem Wunsch engagierter Menschen. Wann immer seit 1986 Netzwerke der Theaterpädagogik in Süddeutschland zusammentrafen, waren die Theatertage am See in der Bodenseeschule St. Martin ein wichtiger Schauplatz dieser Begegnung und Vernetzung. Auch der europäische Verband CEC und der Weltdachverband AITA/IATA waren bereits hier zu Gast. In den Räumen der Bodenseeschule hat es Vereins- und Verbandsgründungen gegeben, beispielsweise die Gründungssitzung des LVTS - Landesverband Theater in Schulen. Bei den „Theatertagen am See“ haben sich vor einigen Jahren erstmals alle Baden-Württembergischen Dachverbände und wichtigen Institutionen, die sich mit Schule und Theater beschäftigen, an einen Tisch gesetzt, um ein gemeinsames Projekt zu beginnen: JUST-BW, die Jugend- und Schultheatertage Baden-Württemberg. Diese fanden ebenfalls zwei Mal in der Bodenseeschule im Vorfeld der Theatertage am See aufgrund der bereits bestehenden Infrastruktur statt, konnten hier überhaupt erst ins Leben gerufen werden. Das Vertrauen der unterschiedlichen Verbände konnte über Jahre hinweg durch die Vernetzung innerhalb der Jury der Theatertage gewonnen werden. Alle Jurymitglieder der Theatertage am See werden von den Kooperationsverbänden in die jährliche Jury entsandt. Ein wesentlicher Grund für den Erfolg, ein außergewöhn-

licher Veranstaltungsort: Dahinter steht das Bildungszentrum Bodensee-Schule St. Martin mit Freier Katholischer Grund- und Werkrealschule sowie Sozialwissenschaftlichem Gymnasium. Das Zentrum erhielt den LAMATHEA-Preis 2017 für das besondere bürgerschaftliche Engagement der Lehrer und Lehrerinnen, der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, Schüler und Schülerinnen und Kooperationspartner bei der Unterstützung der „Theatertage am See“ sowie für seine daraus hervorgehende Rolle als nachhaltiges Zentrum der Vernetzung von lokalen, regionalen, nationalen und internationalen Akteuren des Amateurtheaters, der Theaterpädagogik und als Dach der Zirkusakademie Friedrichshafen, die sich hier entwickeln konnte. Die Bodensee-Schule wird während der Theatertage am See zu einem einzigartigen, inspirierenden Ort der Begegnung, des Verweilens, des Staunens und des Austausches. Pädagogische und kreative Erfahrungen behalten die Theatertage am See aber nicht auf dem Gelände und innerhalb des eigenen Mikrokosmos: Mit Projekten wie „wir…hier“ und Kooperationsprojekten an Schulen im Bodensee-Kreis wurde bereits vor Jahren das Festival auf die ganze Region rundum Friedrichshafen ausgeweitet. Diese Projekte starten in der Regel bereits einige Tage vor dem Festival an unterschiedlichen Schulen und in Jugendzentren. Eine öffentliche Präsentation der Ergebnisse ist wiederum immer am Freitag zum Abschluss der Jugendtheatertage und kurz vor der Eröffnung der Internationalen Theatertage. Somit kann hinein- und hinausgewirkt werden, das Festival verschmilzt mit der Region, man erreicht ein absolut heterogenes Publikum, öffnet die Türen und erschafft Brücken zu einem Lebensraum „Schule und Theater“. Zusammenfassend: Die „Theatertage am See“ sind eines der großen Flaggschiffe des Amateurtheaters und der Theaterpädagogik in Baden-Württemberg und Deutschland. Dafür werden sie sowohl finanziell durch das Land BW gefördert als auch ideell durch den Landesverband Amateurtheater BW(LABW) unterstützt. Das besondere Engagement, die Vielseitigkeit und innovative Offenheit der Menschen im Bildungszentrum Bodensee-Schule St. Martin in Kooperation mit dem Förderverein „Theatertage am See“ ist beispielhaft für eine Initiative, die für herausragendes bürgerschaftliches Engagement steht. Für ihren Verdienst um das Amateurtheater in Baden-Württemberg, in den AddA Ländern, Deutschland und in der Welt verdienen die Akteure eindeutig eine ganz besondere Auszeichnung und werden den Kulturpreis des Landkreises Bodensee absolut würdig erhalten.

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daS land baden-WürTTeMberG

Manfred lucha, Minister für Soziales und Integration in BadenWürttemberg, betonte in seiner Begrüßungsrede der Theatergruppen 2017 die Bedeutung kulturellen Austausches, unmittelbarer Begegnung von Menschen unterschiedlicher Herkunftsländer und vor allem die konkrete Zusammenarbeit in kulturellen Bereichen. „Die Theatertage am See stehen dafür beispielhaft als ein kultureller Leuchtturm am Ufer des Bodensees, inklusiv, generationenübergreifend, integrativ, Menschen verbindend.“

Johannes Grebe Regierungsdirektor

petra olschowski, Staatsekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst „grenzen los“ – Ein Motto, das vielfältige Assoziationen weckt. Was zunächst so offen, frei und positiv klingt, ist mittlerweile zu einem vielschichtigen Thema geworden. Der regelmäßige Blick in die Nachrichten zeigt, die Theatertage am See hätten kaum ein aktuelleres Motto wählen können. Das Programm demonstriert dabei deutlich die wunderbare Eigenschaft des Theaters, Grenzen aufzuzeigen, aber auch Grenzen zu öffnen. Räumliche Grenzen überwinden die vielen Theatergruppen aus ganz Europa sowie die internationalen Gastdozenten, die auch in diesem Jahr in Friedrichshafen erwartet werden. Das ist ein starkes Plädoyer für ein gemeinschaftliches und offenes Europa! Ich begrüße Sie alle ganz herzlich in Baden-Württemberg! Mit ihrem Motto, ihrem leidenschaftlichen Programmvorwort und ihren Programmbeiträgen setzen die Theatertage ein Zeichen für Kommunikation und Vielfalt. Denn nur im Dialog miteinander können wir auch die Grenzen in den Köpfen überwinden. Genau dafür brauchen wir die Theater: Dass sie der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten und dass sie Toleranz und Mitmenschlichkeit einfordern. Sehr gerne habe ich daher die Schirmherrschaft über die 33. Theatertage am See übernommen. 74


andreas Stoch, schrieb in seinem Grußwort 2015, damals Kultusminister in BW: Einen „Stand.punkt“ zu haben ist in unserer von größter Vielseitigkeit geprägten und mannigfaltigen Einflüssen unterworfenen Gesellschaft von Relevanz. Für die einen heißt es, eine bestimmte Auffassung, eine Denkart, eine Geisteshaltung zu haben, für die anderen klingt der Begriff des „Stand. Punktes“ nach der Einstellung, mit der man etwas beurteilt. Das Motto „Stand.Punkte“ eignet sich aber für die Theatertage am See noch in ganz besonderer Weise. Seit 32 Jahren bietet dieses Festival einmal jährlich im besten Wortsinn einen zeitweiligen „Stand.Punkt“ von Schul- und Amateurtheatergruppen aus BadenWürttemberg und weit darüber hinaus, weshalb mir die Übernahme der Schirmherrschaft eine besondere Freude ist. Dass sich diesjährig die 1. Jugend- und Schultheatertage Baden-Württemberg, JUST-BW in diesen Rahmen fügen, hat Premiere.

helmut rau MdL Minister für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg 2010 Die Friedrichshafener Theatertage am See blicken im Jahr 2010 auf 26 Jahre ihres Bestehens zurück. Seit ihrer Gründung leisten sie einen großartigen Beitrag zur Entwicklung des Schul- und Amateurtheaters in Baden-Württemberg und weit darüber hinaus. Durch das breit gefächerte Spektrum theaterpädagogischer Angebote setzt es wichtige Impulse für die qualitative Weiterentwicklung der Theaterarbeit in unserem Land. Nicht zuletzt aber ermöglicht es zahlreiche Begegnungen von Theaterschaffenden aus vielen Ländern Europas und nimmt daher in der Festivallandschaft des Schul- und Amateurtheaterbereichs einen herausragenden Platz ein. Gerne habe ich daher auch wie in den vergangenen Jahren die Schirmherrschaft für diese Theatertage übernommen. 75


d e r b u n d d e u T S c h e r a M aT e u r T h e aT e r ( b d aT )

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„Wir rufen als ,bunter‘, bürgerschaftlicher Verband mit den unterschiedlichsten Menschen darin, mit internationalen Partnern und mit einer 125-jährigen Geschichte alle Engagierte unserer Mitgliedsbühnen, Freunde und Partner auf: (…) Gebt der Menschlichkeit die Hauptrolle und der Würde jedes Menschen ihren Platz. Tretet Tag für Tag ein für einen respektvollen Umgang mit allen Erdenbürgern. Theater bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten, Menschen verschiedenster Nationen in einen offenen Dialog zu bringen, Vorurteile abzubauen und gegenseitig zu profitieren von den Schätzen verschiedener Kulturen.“ (aus dem „Aufruf zu einer Bühne der Menschlichkeit - gegen die Spektakel des Scheußlichen“, veröffentlicht vom Bund Deutscher Amateurtheater 2015)

aufgreift, sondern vor dem Hintergrund gesellschaftlicher und politischer Tendenzen immer auch Position bezieht, beispielhaft. Auch in diesem Jahr spiegelt sich im Programm unter dem Motto „Theater von wem? Für wen?“ das Thema „Grenzüberschreitung“ auf vielen Ebenen wider: Regionales Schultheater trifft auf internationale Theaterszene, trifft auf Theater von Menschen mit Beeinträchtigungen, trifft auf Theater mit Einwanderern und Geflüchteten, trifft auf… Dabei schaffen es die Macher dieses Festivals spielend, alle Beteiligten in einen Dialog auf Augenhöhe zu bringen – und dieser Austausch über Kunst, Kultur- und Lebensauffassungen ist in dieser Zeit wichtiger denn je! Die Theatertage in Friedrichshafen sind mit ihrem Programm aus Aufführungen, Fachgesprächen, Theaterpreisen und Workshops zugleich ein wesentlicher Impulsgeber für die Entwicklung des bundesdeutschen wie auch des internationalen Amateurtheaters.

Die Theatertage am See sind mit ihrem Konzept, das nicht nur künstlerische Entwicklungen

Simon Isser, Präsident des Bund Deutscher Amateurtheater e.V.


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Stellungnahme zu den Leistungen der „Theatertage am See“ getragen vom „Förderverein Theatertage am See Friedrichshafen e.V.“ Prof. Dr. Gerd Koch1; Sieglindestr. 5, 12 159 Berlin, 30. Januar 2018 Mit Worten des romantischen Denkens von vor etwa 200 Jahren kann eine solche Aktivität wie die Theatertage am See verstanden werden als der „wunderbare Prozeß der Weltergänzung“ (wie der Dichter Heinrich Heine sagte), als eine „Weltergänzung durch Poesie“2 aus der Welt selber, mittels lebendiger Menschen, mittels der Theater-Akteure und -Akteurinnen selber. Ein Zeitgenosse von Heinrich Heine, der Philosoph und Politiker Karl Marx bringt diese Idee auf die schöne Formel „Wir entwickeln der Welt aus den Principien der Welt neue Principien“3. Und beim Philosophen des „Prinzip Hoffnung“ aus dem 20. Jahrhundert, bei Ernst Bloch, klingt es so: „Was ich anstrebe, ist, aus der Gegenwart das Mögliche, das in ihr angelegt ist, herauszulesen“4. Und das nun wird hier bei den Theatertagen am See kontinuierlich gemacht: Aus der Gegenwart das Mögliche herausholen und: Es wird vorgezeigt. Ach, besser noch: Auch das Unmögliche wird herausgeholt; denn auch dadurch wird die Welt ja bereichert. Nochmal: Weltergänzung durch Theater! Theater ist ein umfangreiches, ein maßloses Unternehmen! Es kombiniert so vieles, was es auf der Welt – so noch – nicht gibt. Es erfindet immer etwas Neues und ergänzt unser Leben, macht unsere Welt vielfältig. Die „Theatertage am See“ stehen exemplarisch für solch ein Wirkungsgefüge! Natürlich! Natürlich wird hier gespielt, ‚richtig‘ Theater gemacht! Natürlich wird hier ‚performiert‘ – also: aufgeführt; es wird künstlerisch Form gegeben! Natürlich kann Aufführen auch heilsames Verstören sein: Wie der oder die oder diese Gruppe sich wieder aufgeführt hat …!

Natürlich wird hier nachgedacht über die Theater, ja es gibt kritische Blicke der Jurys! Natürlich gibt es Reflexionen, also Kommentare, wechselseitige Befragungen und Nachgespräche und Rück-Spiele zu den Stücken unter den Expertinnen und Experten – und damit sind natürlich immer alle gemeint, die ‚theatrophil‘ sind, also die, die TheaterLiebhaberinnen und Theater-Liebhaber sind! Natürlich bildet man sich weiter und fort durch Theater hier auf den Theatertagen: Durch Anschauung, durch Theorie, durch Selbsterfahrung, durch Rollenwechsel, durch Selbermachen, durch Kolleginnen und Kollegen aus dem In- und Ausland – durch Praxis und Theorie! Natürlich muss hier organisiert werden: Ein langer, nicht versiegender Atem ist dafür nötig. Natürlich muss auch der theatrophile Mensch essen und trinken und übernachten, und er braucht Technik und Licht und akustische Anlagen und Finanzen. Die Theatertage am See managen auch das präzis und freundlich! Natürlich darf auch gefeiert werden! Ich habe jede meiner Bemerkung mit dem Wort „natürlich“ begonnen. Aber so natürlich ist es allüberall (noch) nicht! Doch bei den Theatertagen am See wird theatrale Weltergänzung zu etwas ganz Natürlichem. Stellen wir uns vor: Es hätte sie nicht gegeben, diese Theatertage am See: Das wäre natürlich schrecklich! Aber, wie gesagt, hier ist es seit 1984 natürlich anders als sonstwo auf der Welt. Glücklicherweise!

1. Beisitzer im Vorstand der BAG Spiel & Theater e. V.; Gründungsherausgeber der „Zeitschrift für Theaterpädagogik / KORRESPONDENZEN“, Vorstandsmitglied der „Gesellschaft für Sinn und Form e. V.“, Mitbegründer der „Gesellschaft für Theaterpädagogik“, bis 2015 Jury-Mitglied beim „Alice-Salomon-PoetikPreis“, erster Leiter des Studiengangs „Biografisches und Kreatives Schreiben“ an der Alice-Salomon-Hochschule Berlin (bis 2010) 2. Grigorij Chawtassi: Weltergänzung durch Poesie, in: Weimarer Beiträge, H. 2, 1972, S. 145 – 161.3. 3. Karl Marx an Arnold Ruge, in: Karl Marx, Friedrich Engels: Briefwechsel bis April 1846, in: MEGA, Band 1, 3. Abteilung, Berlin 1975, S. 56.

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4. Ernst Bloch: Die Utopie ist eine philosophische Kategorie unseres Zeitalters, in: Tagträume vom aufrechten Gang, hrsg. von Arno Münster, Frankfurt am Main 1977, S. 124.


Brückenbauer von Norbert Rademacher Ehem. Präsident des BDAT von 2000 - 2015

Die „Theatertage am See“ sind mir persönlich aus vielfältigen Besuchen, Jurytätigkeiten und Festivalteilnahmen bekannt. Ich habe die Entwicklung des Vereins und des gleichnamigen Festivals in den vergangenen 30 Jahren mit großem Interesse verfolgt und bewundert. Der ehrenamtlich engagierte und fachlich kompetente Vorstand ist dabei der Garant für eine stabile, zukunftsweisende und innovative Arbeit auf den Gebieten des Amateur-, Schul- und Jugendtheaters. Mit seinen vielfältigen theaterpädagogischen Angeboten genießen die Theatertage am See eine hohe Anerkennung nicht nur in Deutschland, sondern sie wirken auch weit über die Landesgrenzen hinaus in die Strukturen der internationalen Amateurtheaterszene.

Brückenfunktion und besondere Qualität des Theaters in hervorragender Weise sichtbar.

Entscheidend für den langfristigen Erfolg und die außerordentliche Bedeutung der Theatertage am See ist dabei das grundlegende künstlerische und kulturpolitische Konzept auf der Basis eines umfassenden kulturellen Bildungsverständnisses. Dabei geht es dem Verein um die Förderung des kreativen gestalterischen Potentials über die Generationen und Nationalitäten hinweg. In den Festivals der vergangenen 30 Jahre wird diese

Die Theatertage am See sind immer ein Ort der unmittelbaren Begegnung und des Austausches künstlerischer Methoden und Inhalte. Kontroverse Debatten in einer von gegenseitiger Achtung geprägte, gastfreundliche Atmosphäre gehören zum Selbstverständnis des Vereins. Seine Bedeutung für das Amateurtheater in Deutschland ist außerordentlich und in vielfältiger Hinsicht einzigartig.

Das Festival und die im Kontext der Veranstaltung durchgeführten Theaterlehrgänge und theaterpädagogischen Maßnahmen nehmen in Deutschland und Europa eine Sonderstellung ein. Die jährlich wechselnden Schwerpunktthemen haben der deutschen Amateurtheaterszene wertvolle Impulse gegeben, wie z. B. ein Theaterprojekt mit überlebenden Zeitzeugen der KZs in Theresienstadt und Auschwitz 2013. Die Theatertage am See verstehen sich als lebendiges Netzwerk nicht nur der Theaterverbände, sondern auch der Theaterschaffenden in Deutschland.

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die Förderer und die kooperationspartner Stadt Friedrichshafen Bodensee-Schule St. Martin; freies katholisches Schulwerk Friedrichshafen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg Landesverband Amateurtheater Baden-Württemberg Gefördert durch den Bund Deutscher Amateurtheater e.V. (BDAT) mit Mitteln des Auswärtigen Amtes. Associate International Amateure Theatre Association (AITA/IATA) Bundesverband Theaterpädagogik e.V. (BuT) Bundesarbeitsgemeinschaft Spiel & Theater (BAG) Fonds Soziokultur Fonds Darstellende Künste Aktionsprogramm JUGEND der Europäischen Gemeinschaft Baden-Württemberg Stiftung in Kooperation mit dem Ministerium für Integration Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Meckenbeuren Arbeitskreis „Interkulturelle Kompetenzen” Schulamt Markdorf und Seminar Meckenbeuren Landesakademie für Schulkunst, Schul- und Amateurtheater Schloss Rotenfels Landesverband Theater in Schulen LVTS Baden-Württemberg LAG TheaterPädagogik Baden-Württemberg Theater- und Spielberatung Baden-Württemberg e.V. Freiburger SchulprojektWerkstatt Bodenseekreis Oberschwäbische Elektrizitätswerke ACT e.V. Zeppelin Wohlfahrt Friedrichshafen GmbH Jugendreferat des Dekanats Friedrichshafen Ravensbuch Friedrichshafen und Ravensburg Spielehaus & Spielbus Friedrichshafen Schulmuseum Friedrichshafen

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Gesamtkonzeption: Jürgen Mack Claudius Beck, Harald Eilers, Andreas Glatz, Britta Lutz, Jürgen Mack, Selma Öngel-Chryssowergis, Gerhard Schöll, Andrea Sprenger, Rita Weiss, Jutta Widmaier (Team Theatertage am See) Und von Kurt Eichler, Johannes Grebe, Lilly Hartmann, Simon Isser, Herbert Kessler, Naemi Z. Keuler, Gerd Koch, Friederike Lutz, Jonathan Mack, Petra Olschowski, Norbert Rademacher, Helmut Rau, Harald Ruppert, Eva Sauter, Lydia Schäfer, Stephan Schnell, Armin Staffler und Andreas Stoch Fotos: Paul Silberberg, Nils Bischoff, Ramona Hauk, Anselm Schreiber, Karl Handschuh, S. Heiss und Fotos ohne Namensangabe aus den Bewerbungsunterlagen zum Festival eingeladener Theatergruppen Grafik & Layout: Christine Winghardt FÖRDERVEREIN THEATERTAGE AM SEE . Bodensee-Schule St. Martin . Postfach 2946 . D-88023 Friedrichshafen Tel.: 07541–9216–32 oder –33 . Fax: 07541–9216–39 . info@theatertageamsee.de . www.theatertageamsee.de . www.facebook.com/theatertageamsee

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Frühling am See - und Theater pur! Alle Jahre wieder - Europas größtes Festival mit zwei Sparten, zahlreichen Projekten in der Region, dem Interkulturprojekt „wir...hier“, internationalen Workshops, einem einzigartigen Theatercafé, einer ZirkusAkademie und vielem mehr lädt an den wunderschönen Bodensee im Strahl der ersten Frühlingssonne ein. Ein Muss für jeden Theaterfan! Marcus Joos Landesverband Amateurtheater Baden-Württemberg

Theatertage am See Präsentationsbuch  

Der Förderverein Theatertage am See stellt sich vor. 84 Seiten, 34 Jahre, Festival, Zirkusakademie, Theaterausbildung und vieles mehr

Theatertage am See Präsentationsbuch  

Der Förderverein Theatertage am See stellt sich vor. 84 Seiten, 34 Jahre, Festival, Zirkusakademie, Theaterausbildung und vieles mehr

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