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dezember 2011 VK 3 Euro

fast steuerfrei

Das Magazin für die Freunde der Kanzlei sauer + windhorst

Choreografiertes Licht

JanLeonardo Wöllert verschmilzt Licht und Bewegung zu faszinierenden Fotos

Liquiditäts-planung So bleiben Sie flüssig

Wenn das Amt nicht mehr kann

Die Besteuerung hängt auch von der Personalkapazität des Finanzamts ab


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Editorial

Liebe Freunde der Kanzlei sauer + windhorst,

es ist mal wieder so weit und – wie jedes Jahr – kam es einmal mehr plötzlich und völlig unerwartet: Das Weihnachtsfest steht vor der Tür. Wo ist bloß 2011 geblieben? Wo die 365 Tage? Und vor allem, was haben wir in dieser Zeit getan, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen? Einmal davon abgesehen, dass wir die Glühbirne abgeschafft haben. Sie merken, auch bei uns ist die Melancholie angekommen. Aber das macht nichts, denn genau in diese Jahreszeit gehört sie. Zeit sich zu besinnen, hinterfragen und seine Handlungen einmal zu reflektieren. Traditionell sagen wir an dieser Stelle danke. Danke für ein Jahr guter Zusammenarbeit. Danke für das Vertrauen, dass sie uns jedes Jahr aufs Neue schenken. Das allein hat dieses Jahr für uns zu einem guten werden lassen.

StB Manfred Sauer

StB Marco Windhorst

Im Jahr 2011 haben wir uns entschieden, von unseren kleinen Weihnachtspräsenten einmal abzusehen. Auf Seite 22 lesen sie auch warum. Wir wollen lieber mit dem zur Verfügung stehenden Betrag etwas in dieser Welt verbessern. Selbstverständlich haben wir auch wieder allerhand Fachliches, Nützliches und Interessantes für sie zusammen getragen. Erfahren Sie, was es mit den so genannten „Grünen Wochen im Finanzamt“ auf sich hat und wie Sie eine Liquiditätsplanung angehen. Staunen Sie über die Kreativität in unserer Stadt: Wir berichten über einen Schiffsbauer, einen Fotografen und Modemacherinnen. In diesem Sinne wünschen wir ihnen eine tolle Weihnachtszeit, einen ruhigen Übergang ins Jahr 2012 und lassen sie uns gemeinsam versuchen, es im neuen Jahr etwas ruhiger angehen zu lassen. Mehr Zeit für Gespräche haben, mehr Zeit für die Lieben, mehr Zeit für einen selbst. So dass wir auch Ende 2012 behaupten können, es war ein gutes Jahr … Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen

Manfred Sauer

Marco Windhorst 3


Inhalt

Seite 8 – 9

Liquiditätsplanung: So bleiben Sie flüssig Zahlungsströme überblicken und Krisen vermeiden

Impressum Herausgeber: sauer+windhorst Industriestraße 37 28199 Bremen Telefon (0421) 59 58 6 - 0 Telefax (0421) 59 58 6 - 22 E-Mail: info@sauwind.de Web: www.sauwind.de 4

Autoren: Claas Beckmann (CB) Stefanie Kregeler (SK)

Bildnachweise: S. 1; 12f: JanLeonardo Wöllert S. 7 (r) fotoraum-bremen.de S. 7 (l) sightseekermedien.de alle weiteren Fotos: Claas Beckmann

Hinweis Diese Magazin wurde mit Sorgfalt erstellt, kann aber keine persönliche Beratung durch Steuerberater oder andere Berufsträger ersetzen. Für etwaige Fehlinformationen übernehmen wir keine Haftung.


Seite 6

Seite 12 – 13

Darauf können Sie sich einstellen. Außerdem: Studiengebühren

JanLeonardo Wöllert macht faszinierenden Langzeitbelichtungen

alljährliche Änderungen

Choreografiertes Licht

Seite 7

Seite 20 – 21

Qualitätsmanagement: Kanzlei ohne Beanstandungen

Norddeutsche Modemacherinnen

Frische Plakette für sauer + windhorst

Modisch by nature

Seite 8 – 11

Seite 22 – 23

Zahlungsströme überblicken und Krisen vermeiden

Bremer Verein baut Kiga, Schule und Lebenswege für Kinder in Kenia

Liquiditäts-planung: flüssig bleiben

Ein Kindergarten am indischen ozean

Seite 18 – 19

Seite 14 – 17

Personalnot im Finanzamt

Carsten Standfuß baut sich ein U-Boot

Grüne Wochen

Auf Grundsuche

Klimaneutral: Dieses Magazin wird klimaneutral gedruckt. Die entstandenen CO2-Emissionen wurden durch Zertifikatshandel ausgeglichen.

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Studiengebühren und Kindergeld BFH: Semestergebühren sind ausbildungsbedingte Mehraufwendungen (III R 38/08) Mit Urteil vom 22. September 2011 hat der Bundesfinanzhof (BFH) entschieden, dass Semestergebühren keine Mischkosten darstellen, sondern als abziehbarer ausbildungsbedingter Mehrbedarf zu qualifizieren sind, auch wenn der Studierende dadurch privat nutzbare Vorteile erlangt, wie zum Beispiel ein Semesterticket. In dem vom BFH entschiedenen Fall begehrte der Kläger für seinen an der Universität studierenden Sohn Kindergeld. Die beklagte Familienkasse lehnte dies ab, weil die vom Sohn erzielten Einkünfte den maßgeblichen Jahresgrenzbetrag überschritten hätten. Dabei ließ die Familienkasse die pflichtgemäßen Semestergebühren nicht zum Abzug zu. Die hiergegen beim Finanzgericht (FG) erhobene Klage hatte Erfolg. Dieser Ansicht folgte jetzt auch der BFH. Er lehnte die Auffassung der Verwaltung ab, wonach die Semestergebühren als Mischkosten zu beurteilen seien und darin enthaltene Einzelpositionen nur dann abgezogen werden könnten, wenn die erhebende Institution diese getrennt ausweise. Die Semestergebühren stellten – so der BFH – insgesamt ausbildungsbedingte Mehraufwendungen

dar, weil der Studierende diese Gebühren zwingend entrichten müsse. Es liege auch keine schädliche private Mitveranlassung vor, als der Studierende dadurch zum Beispiel ein Semesterticket erlange. Maßgeblich hierfür sei, dass der Studierende nicht frei über den Erwerb solcher mit der Semestergebühr entgoltener Leistungen entscheiden könne. Schließlich stehe dem Abzug der Kosten für ein in der Semestergebühr enthaltenes Semesterticket auch nicht entgegen, dass die Kosten des Studierenden für die Fahrten zwischen seiner Wohnung und der Universität bereits mit den Sätzen der Entfernungspauschale berücksichtigt würden.

Uni-Bibliothek. Semestergebühren dürfen beim Kindergeld eigenen Einkünften gegengerechnet werden.

Neuregelungen zum 1. Januar

Glimmende Mitbringsel

Kleinere Vereinfachungen und Entlastungen

Der Binnenmarkt gilt für alle – auch für Nichtraucher

Der Arbeitnehmerpauschalbetrag wird von 920 auf 1.000 Euro erhöht. Das heißt, Angestellte können ohne weiteren Nachweis für das Jahr 2011 nun 1.000 Euro als Werbungskosten ansetzen. Für die Steuererklärung für das Jahr 2012 können Steuerpflichtige folgende Vereinfachungen nutzen:

Nichtraucher dürfen in einem anderen EU-Mitgliedsstaat erworbene Zigaretten in Deutschland an Angehörige verschenken und brauchen die Zigaretten nicht zusätzlich zu versteuern. Das musste der Bundesfinanzhof (BFH) nun klarstellen (VII R 59/10).

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Erstmals können alle Eltern ihre Kinderbetreuungskosten geltend machen. Dabei ist es dann egal, ob das Kind aus privaten oder beruflichen Gründen betreut werden musste. Bei der Einkommensteuererklärung fällt eine von drei Seiten der „Anlage Kind“ weg. Ebenfalls ab 2012 bekommen Eltern auch dann Kindergeld, wenn das Kind während seiner ersten Berufsausbildung oder seines Erststudiums hinzuverdient. Die Einkommensüberprüfung bei Kindern zwischen 18 und 25 Jahren entfällt. Das soll Kindergeldanträge und Einkommensteuererklärungen vereinfachen. Wer mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fährt, muss die Kosten für öffentliche Verkehrsmittel nicht mehr für jeden Tag einzeln belegen. Ein solcher Nachweis ist nur noch erforderlich, wenn die Kosten höher sind als die Entfernungspauschale für das gesamte Jahr.

Eine Familie war auf der Rückreise von Polen in eine mobile Zollkontrolle geraten. Jeder der vier Passagiere hatte in Polen eine Stange Zigaretten gekauft. Nach dem Grenzübertritt schenkten drei Passagiere dem vierten Passagier (und einzigen Raucher) ihre Stangen. Die Zöllner argumentierten, diese Zigaretten seien nicht für den Eigenverbrauch gekauft worden, müssten folglich versteuert werden und konfiszierten einen Großteil davon. Doch dieser Argumentation schloss sich der BFH nicht an. Er urteilte, dass auch derjenige seinen Eigenbedarf deckt, der aus eigenem Entschluss Geschenke für nahe Angehörige kauft. Im Ausland gekaufte (und bereits dort besteuerte), verbrauchsteuerpflichtige Waren wie Spirituosen, Schaumwein oder eben Zigaretten müssten deshalb nicht noch mal in Deutschland versteuert werden. Das Steuerprivileg steht demnach nicht nur Rauchern zu, auch großzügige Angehörige kommen in den Genuss der steuerlichen Vorteile des Binnenmarkts.


Rezertifizierung mit Bravour bestanden Unsere Arbeit folgt festgelegten Qualitätskriterien Das prozessorientierte Arbeiten ist aus unserer Kanzlei nicht mehr wegzudenken. Prozessorientierung bedeutet, dass alle Arbeitsprozesse genau festgelegten Qualitätsstandards folgen. Wie gut sich das Qualitätsmanagement-System (QM) in unserer Kanzlei eingespielt hat, zeigte sich jetzt auch bei unserer Rezertifizierung: Wir haben sie ohne Beanstandungen absolviert.

So profitieren alle Mandanten von einer Verbesserung, die sich aus dem Feedback eines einzelnen Mandats ergeben haben. In unserer Kanzlei liegt die tägliche Betreuung des QM in den bewährten Händen von Sigrid Reisel, unserer QM-Beauftragten. Nachdem wir im vergangenen Jahr erstmals die offiziellen Zertifikate nach ISO 9001:2008 und das Qualitätssiegel des Deutschen Steuerberater Verbands erhalten haben, stand jetzt turnusgemäß die Überprüfung unseres QM an. Beide Zertifikate erhielten wir ohne Beanstandung oder Auflagen.

Seit gut drei Jahren arbeiten wir prozessorientiert. Für jeden Auftrag sind die erforderlichen Arbeitsschritte definiert und in unserem digitalen Handbuch hinterlegt. Bei der Bearbeitung eines Auftrags sorgen Checklisten dafür, dass kein Punkt übersehen wird. Ohne eine komplett abgehakte Checkliste kann kein Auftrag abgeschlossen werden. DS

Unser Handbuch wird laufend gepflegt und erweitert. Darin fließt zum Beispiel auch das Feedback unserer Mandanten ein.

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sauer + windhorst in HDTV

Neu an Bord

Unser Firmenvideo Teil II – Sneak Peak

Stefanie Kregeler verstärkt seit Oktober unser Team

Im November entstand die Fortsetzung unseres Firmenvideos. Es wird bald auf unserer Internetseite zu sehen sein und auch als Kinowerbung laufen.

Mein Name ist Stefanie Kregeler, ich bin 24 Jahre alt und lebe im wunderschönen Bremen.

Für den Dreh hat sich das ganze Team passend zu unseren Kanzleifarben in Rot, Grau und Weiß gekleidet. Einen halben Tag wurde gedreht: Besprechungen, Angestellte bei der Arbeit und Außenaufnahmen standen auf dem Programm. Herzlichen Dank auch noch mal unseren Mandanten Hartmut Platz. Der Bauunternehmer ist auch in dem Video zu sehen, stellvertretend für unsere weiteren Mandanten.

Eine Szene des kommenden Videos: Hartmut Platz, Andrea Hensel und Marco Windhorst bei einer Besprechung.

Nach der regulären zehnjährigen Schulausbildung habe ich mein Abitur gemacht und nach einem freiwilligen Praktikum meine Ausbildung zur Steuerfachangestellten begonnen. Nach drei anspruchsvollen Jahren habe ich diese erfolgreich abgeschlossen und wurde noch für drei weitere Monate in meinem Ausbildungsbetrieb angestellt. Seit Oktober bin ich nun in der Kanzlei sauer + windhorst anzutreffen. Sehr viel Neues kam hier auf mich zu, aber ich habe mich hier sehr gut einleben können und freue mich jeden Tag auf neue Herausforderungen. Nach der Arbeit treffe ich mich sehr gerne mit meinen Freunden, mache Sport und male gerne Acrylbilder. Ich wünsche IhStefanie Kregeler, nen allen ein schönes WeihSteuerfachangestellte nachtsfest und einen guten Rutsch in das neue Jahr. SK 7


Wir müssen reden …

… und zwar über Liquiditätsplanung: Damit Sie flüssig bleiben.

Können Sie mit Sicherheit sagen, ob in der 7. Kalenderwoche genügend Bank- und Kassenbestände da sind, um alle ihre Verpflichtungen bedienen zu können? Mit einer Liquiditätsplanung können Sie das. Der kaufmännische Berater KarlHeinz Müller und Steuerberater Marco Windhorst erklären, was eine Liquiditätsplanung ist, wie sie das Ansehen bei der Hausbank verbessern kann und warum sich mit einer solchen Planung im Rücken bestimmte Entscheidungen besser treffen lassen.

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Herr Müller, Liquiditätsplanung – was bedeutet das?

sind, als die Summe aus Bank- und Barbeständen, plus Kontokorrentkredit.

Müller: Vereinfacht gesagt bedeutet Liquiditätsplanung, so zu planen, dass ich immer noch einen Euro in der Tasche habe, nachdem ich alle Kosten bezahlt habe. Ziel der ganzen Übung ist es einfach, jederzeit die Zahlungsfähigkeit meines Betriebs sicherzustellen. Windhorst: Es geht vor allem um den richtigen Zeitpunkt, zu dem die Liquidität benötigt wird. Was nutzen mir 100.000 Euro Überschüsse am Jahresende, wenn ich zur Jahresmitte meine Verbindlichkeiten nur mit teuren Überziehungskrediten bedienen kann? Müller: Zahlungsfähigkeit geht vor Rentabilität. Ein Großteil aller Insolvenzen von jungen Unternehmen geht auf Zahlungsschwierigkeiten zurück.

Windhorst: Wenn Sie erkennen, dass Sie in der 41. Kalenderwoche Ihr Konto überziehen müssen, die Umsätze in der 44. Kalenderwoche das aber wieder ausgleichen, haben Sie beim Bankgespräch gute Karten. Kaum ein Bankberater wird sich gegen eine Ausweitung der Kreditlinie sperren, wenn Sie mit einer Liquiditätsplanung zeigen, dass Sie Ihre Zahlen im Griff haben. Gehört eine Liquiditätsplanung bei den meisten Unternehmen zum Standard? Müller: Bei zu wenigen. Gerade kleinere Firmen gehen hier nach Gefühl und Wellenschlag vor. Und obwohl viele damit oft richtig liegen, gibt es Situationen, die man besser schriftlich durchplant, zum Beispiel in Wachstumsphasen, in der Krise oder bei der Existenzgründung.

Und wie stelle ich diese Planung an? Müller: Sie bringen alle Einzahlungen und Auszahlungen zeitlich auf die Reihe, also auf die Dauer von drei oder sechs Monaten, und schauen, ob die Auszahlungen zu einem Zeitpunkt höher

Windhorst: Im privaten Bereich kann solch ein Abschätzen funktionieren. Die meisten können kostenmäßig überblicken, ob sie sich nach Miete, Autokredit und anderen Ausgaben noch den Urlaub in der Südsee leisten können – oder nur eine Woche

Controllingreport Musterholz GmbH Liquidität März 2010 Bezeichnung Finanzmittel am Beginn der Periode

kumuliert Mrz 2010

kumuliert Mrz 2009

Abweichung

-3.207,34

31.509,94

-34.717,28

1.262.199,91 772.468,01 295.889,87 2.191,72 174.879,87

1.337.226,25 871.652,81 315.586,48 16.387,26 125.353,96

-75.026,34 -99.184,80 -19.696,61 -14.195,54 49.525,91

21.153,88

41.020,26

-19.866,38

+ Einzahlungen aus Kreditaufnahme - Auszahlungen aus Kredittilgung

242.042,77 53.788,81

0,00 48.349,52

242.042,77 5.439,29

-50.000

Cashflow Finanzierung

188.253,96

-48.349,52

236.603,48

-100.000

Einzahlungen aus Verk. v. Sachanlagen - Auszahlungen für Invest. Sachanlagen + Einzahlungen kfr. Finanzdisposition - Auszahlungen kfr. Finanzdisposition

2.100,84 431.785,71 200.000,00 1.050,00

4.300,00 891,57 0,00 0,00

-2.199,16 430.894,14 200.000,00 1.050,00

-150.000 Jan 09

-230.734,87

3.408,43

-234.143,30

Einzahlungen von Kunden - Auszahlungen an Lieferanten - Auszahlungen an Beschäftigte + sonstige Einzahlungen - sonstige Auszahlungen Cashflow lfd. Geschäftstätigkeit

Cashflow aus Investition Zahlungswirksame Veränderungen

-21.327,03

-3.920,83

-17.406,20

Finanzmittel am Ende der Periode

-24.534,37

27.589,11

-52.123,48

350.000

Monatliche Liquiditätsentwicklung

300.000 250.000 200.000 150.000 100.000 50.000 0

Jul 09

Jan 10

Jul 10

Finanzmittel + Forderungen aus L.u.L. - Verbindlichkeiten aus L.u.L. Finanzmittel Finanzmittel + Forderungen aus L.u.L.

140.000

Monatl. Entwicklung Cashflow / Betriebsergebnis

120.000

Finanzmittel + Forderungen aus L.u.L. Finanzmittel + Forderungen aus L.u.L. - Verbindlichkeiten aus L.u.L.

100.000

230.843,92

267.867,09

-37.023,17

80.000 60.000

77.221,26

119.569,49

-42.348,23

40.000

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»


Karl-Heinz Müller ist kaufmännischer Berater.

»

Gemeinsam entwerfen Müller und Windhorst eine Liquiditätsplanung für eine Pflegebetrieb.

Nordsee. Im betrieblichen Bereich ist dieser Überblick ohne Computer-Unterstützung kaum herzustellen. Es sind einfach zu viele Zahlungstermine: Löhne und Sonderzahlungen, Lieferanten und natürlich die diversen Steuertermine wie Umsatzsteuer-Vorauszahlungen, Gewerbesteuer und so weiter und so fort.

ten? Gibt es einen Rhythmus: monatlich, quartalsweise? Gibt es vermeidbare, überflüssige Kosten? Und ein wichtiges Merkmal für die Liquiditätsplanung sind natürlich die Zinsaufwendungen. Denn die entstehen ja durch meinen Bedarf an verfügbarem Geld.

Herr Müller, wenn Sie eine Firma kaufmännisch beraten, wie nutzen Sie solche Daten und wie gehen Sie dabei vor?

Wie kann die Steuerberatungskanzlei bei der Liquiditätsplanung helfen?

Müller: Ich schaue mir zunächst die Vorjahres-Daten an, um ein Gefühl für den Betrieb und seine Branche zu bekommen: Wann kommen die Umsätze rein? Ist das Geschäft saisonabhängig? Wie hoch ist der Umsatz? Wie hoch könnte der Umsatz maximal sein? Bei einem Hotel oder Altersheim lässt sich das zum Beispiel aufgrund der Zimmer errechnen. In anderen Branchen ist die Anzahl und Auslastung der Mitarbeiter ein Indiz. Für mich ist immer die Leitfrage: Wie kann ich mehr erwirtschaften? Aber auch der Blick in die andere Richtung darf nicht fehlen.

Windhorst: Indem wir sie für unsere Mandaten übernehmen. Für unsere FiBu-Mandanten erstellen wir auf Wunsch aus der laufenden Buchhaltung eine 90-Tage-Vorschau [ein Ausschnitt davon ist auf S. 9 zu sehen]. So ergibt sich ein ziemlich genaues Bild, denn in der Buchhaltung sind ja schon viele Daten erfasst sind: seien es die AfA-Daten oder die Zahlungsziele der Lieferanten, alle Lohnzahlungen und so weiter. Bei umfangreicheren Investitionen erstellen wir eine anlassbezogene Liquiditätsplanung, die gute wie schlechte Szenarien berücksichtigt und sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren erstreckt.

Also der Blick auf die Kostenseite? Müller: Richtig. Auch hier schaue ich: Wann entstehen die Kos-

Sie haben bereits das Bankgespräch erwähnt. Gibt es weitere Be-

» Hier fehlt eine Liquiditätsplanung: Die Klassiker Tilgung aus dem Nichts Frau X baut für ihre Firma eine Halle im Wert von 100.000 Euro. Die Abschreibungsdauer beträgt 50 Jahre, d.h. jedes Jahr können 2.000 Euro als Abschreibung angesetzt werden. Die Halle wird kreditfinanziert. Mit der Bank wurde eine Tilgung von fünf Prozent vereinbart, d.h. jedes Jahr müssen 5.000 Euro Tilgung aufgebracht werden. Ergebnis: Die Differenz zwischen Abschreibung und Tilgung, also 3.000 Euro, mindert die Liquidität zusätzlich. Abhilfe: Eine Liquiditätsplanung beachtet auch Tilgungszahlungen, die in anderen betriebswirtschaftlichen Auswertungen nicht auftauchen, und stellt so eine bessere Übersicht her.

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drum prüfe, wer sich länger bindet Meister M hat einen florierenden Maschinenbau. Um Kosten zu senken, hat er mit einem guten Lieferanten die Abnahme von Rohmaterial auf sechs Monate im Voraus fest vereinbart. Die Wirtschaftskrise vertreibt Meister M nun die Kunden, jetzt sitzt er auf einem vollen Lager und den Kosten für das Rohmaterial, das er mangels Aufträgen nicht braucht. Abhilfe: Mit einer Liquiditätsplanung lassen sich Szenarien vorausberechnen. Meister M hätte so die Fußangel hoher Rohmaterial-Ankäufe vorab erkennen und den Vertrag mit seinem Lieferanten entsprechend gestalten können.


» Produkte zur Liquiditätsplanung rührungspunkte zwischen Bank und Liquiditätsplanung?

Sie brauchen Übersicht? Wir können Ihnen helfen, zum Beispiel mit diesen Beratungs-Produkten:

Windhorst: Natürlich, denn Banken stellen Liquidität bereit, wenn sie ihrem Kunden vertrauen. Deshalb ist eine laufende Liquiditätsplanung ein gutes Kommunikationstool für die Bankbeziehung. Sie geben dem Banker damit laufend einen fundierten Ausblick auf die nahe Zukunft und bauen so Vertrauen auf.

90-Tage-Übersicht – ab 250 Euro Für Bestands-Mandanten erstellen wir auf Basis der laufenden Finanzbuchhaltung eine Liquiditäts-Vorschau auf die kommenden 90 Tage. Ein sinnvolles Planungs-Tool für das laufende Geschäft und eine gute Argumentationsbasis für Bankgespräche.

Müller: Bei größeren, kreditfinanzierten Investitionen wird die Bank eine Planung verlangen, wie sich die Investition für Sie auszahlen soll. Das wäre dann die anlassbezogene Liquiditätsplanung.

Anlassbezogene Liquiditätsplanung – ab 1.500 Euro Wir rechnen Ihnen die Auswirkungen großer Investitionen auf Ihre Liquidität für einen mehrjährigen Zeitraum durch und berücksichtigen dabei mehrere Szenarien (best/worst case). Übrigens: Viele Banken verzichten bei Krediten auf eine Bearbeitungsgebühr, wenn ihnen eine belastbare Liquiditätsplanung vorgelegt wird.

Windhorst: Und wir dürfen nicht das Rating vergessen. Manche Banken stufen Kunden um eine Note herab, wenn zum Beispiel ohne seine Ansage das Konto an zehn Tagen im Jahr überzogen wird. Diese Kunden bezahlen ihre mangelnde Planung und mangelnde Kommunikation mit höheren Zinsen. Der Punkt ist, dass Sie mit einer Liquiditätsplanung wissen, wann Sie ein Engpass treffen wird und Sie Zeit zur Vorbereitung haben. Die Management-Maßnahmen können Sie dann passend auswählen. Ohne Liquiditätsplanung bleibt Ihnen keine Zeit zum Reagieren.

an (fast) alles gedacht Der Angestellte Y ist ein Fachmann auf seinem Gebiet. Nun startet er in die Selbstständigkeit. Die Dinge laufen gut. Nach einem halben Jahr hat er schon 50.000 Euro Umsatz erwirtschaftet. Das Jahr endet mit einem Umsatz von 100.000 Euro, genau wie das zweite Jahr. Seinen Gewinn steckt er in den Konsum und in die Altersvorsorge. Im Frühjahr des dritten Jahres gibt er wunschgemäß dem Finanzamt seinen Jahresabschluss des ersten Jahres. Ergebnis: Es werden Steuern für das erste Jahr fällig und zusätzlich nachträgliche Vorauszahlungen für das zweite und das laufende Jahr – insgesamt 75.000 Euro, also mehr als sein bisheriger Umsatz in diesem Jahr. Abhilfe: Die Steuern zu vergessen ist leider der Klassiker bei Existenzgründern – gerade wenn die Konsumgewohnheiten beibehalten werden. Eine Liquiditätsplanung hilft, das Geld für die Steuern zu sichern und den privaten Konsum zu planen.

Kauf-Leasing-Vergleich – ab 79 Euro Neues Fahrzeug, neue Maschine benötigt? Mit einem KaufLeasing-Vergleich sehen Sie, welche Finanzierungsform günstiger ist. Faustregel: Bei Investitionen ab 50.000 Euro ist die Ersparnis größer als die Kosten des Vergleichs.

Gern gesehene Bank-Kunden Die Unternehmer A und O sind gefragte Handwerker. Die Qualität ihrer Arbeit sorgt für volle Auftragsbücher. Vor allem in der warmen Jahreszeit reiht sich Auftrag an Auftrag. Aus Zeitmangel schreiben sie erst im Winter ihre Rechnungen. Ergebnis: Vor dem Geldregen im Winter steht die große Geld-Dürre. A und O zahlen Material, Löhne und alle weiteren Kosten in der warmen Jahreszeit mit ihrem Kontokorrentkredit. Diesen bekommen sie von der Bank aufgrund der guten Auftragslage ohne Probleme – und zu horrenden Kosten. A und O zahlen jährlich eine fünfstellige Summe an Zinsen. Abhilfe: Eine Liquiditätsplanung zeigt auf, wann Kosten anfallen und wann das Geld reinkommt, mit dem diese Kosten beglichen werden. Die Liquiditätsplanung zeigt A und O, dass sie sogar Geld sparen, wenn sie eine Buchhaltungskraft einstellen, die gleich im Anschluss an den Auftrag die Rechnungen schreibt.

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Choreografiertes Licht

JanLeonardo Wöllert verschmilzt Licht und Bewegung zu faszinierenden Fotos

Das erste Foto entstand in der Nacht. JanLeonardo Wöllert hatte eine Lampe während einer Langzeitbelichtung durch die Szenerie getragen und so eine Lichtspur auf dem Foto hinterlassen. Ein Zufall. Und ein Faszinosum, das den Bremer Fotografen bis heute umtreibt. Dunkelheit, Bewegung und Licht – immer feiner weiß Wöllert diese Stellschrauben seiner Fotos zu justieren, 12

wie oben zu sehen. Die Dauerlichtquellen wählt Wöllert heute nach Lichtqualität und Farbe aus. Zum Einsatz kommen Lampen, LED und auch Feuerwerk. Das zufällige Tragen ist heute einer Choreografie gewichen, die aus den Lichtspuren dreidimensionale Lichtskulpturen entstehen lässt. Und auch die Orte werden heute sorgfältiger mit in die Bildplanung mit einbezogen. In der


Nacht des Geistesblitzes war er auf einem seiner nächtlichen Fotostreifzüge versehentlich in einem Speichergebäude im Hafen eingeschlossen worden. Kaum ein Jahr später, Ende 2008, bekam er mit seinem Kollegen Jörg Miedza für diese Art Fotos den „Deutschen Preis für Wissenschaftsfotografie“. Mehr Fotos und mehr Hintergrundinfos finden sich in dem Buch der beiden

Fotografen: „Faszination Lichtmalerei“ (dpunkt-Verlag, 208 Seiten). Persönliche Anleitung gibt Wöllert in dem „Workshop Lichtkunstfotografie“ vom 23. bis zum 25. März in Seeheim (Details und Anmeldung auf www.sigma-foto.de unter „Workshops“). www.lightart-photography.de 13


Auf Grundsuche

Carsten StandfuĂ&#x; baut sich ein U-Boot

Carsten StandfuĂ&#x; auf dem Tiefenruder seiner Euronaut. Seit zehn Jahren baut der Ingenieur an seinem U-Boot.

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Wenn jemand sein Haus verpfändet, um ein Projekt zu finanzieren, das ihn in einer Stahlröhre auf den Meeresboden verfrachten soll, dann hat das etwas mit Freiheit zu tun. Jedenfalls im Falle von Carsten Standfuß. Der Schiffsbau-Ingenieur aus Bardenfleth nahe Lemwerder baut sich ein U-Boot. Und er tut es nicht zum ersten Mal. Auf einem Werftgelände nahe Lemwerder liegt ein U-Boot. 16 Meter lang. Strahlend blau mit leuchtend gelben Ruder am Heck. „Euronaut“ steht in gelben Buchstaben am Turm. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet Carsten Standfuß an diesem Traum. Die Euronaut ist fast fertig. Sie könnte schon zu Wasser gelassen werden, fahren und tauchen. Aber das Sonar macht Probleme: Sobald der Elektro-Antrieb läuft, gibt das Sonar den Geist auf. Und ein entweder-oder-Betrieb kommt nicht in Frage, schließlich will Standfuß nach Wracks tauchen. Und zum Auffinden der Wracks ist der Blick mittels Sonar auf den Meeresgrund unerlässlich. Fünf Jahre Bauzeit hatte er geplant, zehn sind es geworden. „Es dauert halt länger, so ein großes Fahrzeug zu bauen“, sagt er.

der Euronaut. Hier hat er die Sektionen des Boots zusammengefügt, die er vorher in seinem Garten gebaut hatte. Im Bug ist ein Tauchtank und die Ausstiegskammer für die Taucher. Durch ein Luk ist sie mit der Zentrale verbunden, dem Fahrstand von U-Booten. Der Salon bietet Platz zum Sitzen und Schlafen für die Crew. Die Galley (Küche) und Dusche samt WC bilden den Abschluss der Rumpfsektion. Das Heck beherbergt den Maschinenraum mit Diesel- und Elektromotor. „Wenn ich ein Flugzeug bauen würde, hätte ich fast jeden Tag Inspektoren hier“, sagt Carsten Standfuß. Ein privat betriebenes Boot und auch ein U-Boot können ohne solche Kontrollen gebaut und mit einem Sportbootführerschein gefahren werden. Pilot zu werden war Carsten Standfuß’ erster Berufswunsch. Seit seinem 14. Lebensjahr steuerte er Segelflieger. Weil der damalige Wunscharbeitgeber Lufthansa nur Realschüler als Pilotenanwärter akzeptierte, wechselte er von der Haupt- auf die Realschule. Die Lufthansa verschärfte die Anforderungen und stellte nur noch Abiturienten ein. Carsten Standfuß packte auch das Abitur.

„Mich interessieren die weißen Flecken auf den Karten“, sagt Standfuß. „Vor hundert Jahren hätte ich sicher den Amazonas erforscht.“ Heute bleibt der Meeresboden mit den zahllosen Wracks als unbekanntes Terrain. Ihn reizen die Wracks aus der Übergangszeit von Holz- zu Stahlschiffen, von Segel- zu Motorschiffen. „Hinfahren, aussteigen, ansehen“, das ist in Kürze sein Vorhaben. Ein U-Boot erspart dem Taucher das langwierige Abund Auftauchen und verschafft mehr Tauchzeit am Wrack. Ein U-Boot macht Seegebiete zugänglich, in denen zu viel Verkehr für ein herkömmliches Boot herrscht, von dem aus ein Taucher starten könnte. Carsten Standfuß denkt da ganz praktisch. „Sgt. Peppers“ nannte der Beatles-Fan sein erstes U-Boot. Das selbst gebaute Ein-Mann-Vehikel kann 150 Meter tief tauchen. Gebaut hat er es 1988 und er hat es bis 1999 betrieben. Fahrbereit ist es noch immer. Der Ursache eines Schiffsuntergangs auf die Schliche zu kommen, das treibt den 46-Jährigen. Mit nüchternem Ingenieursverstand Beweise finden, Gerüchten und Spekulationen ein Ende bereiten. Den Wracks Namen zuordnen und Identität zurückgeben, wo das Bundesamt für Seeschiffahrt und Hydrographie nur vermutete Wrackpositionen nummeriert und kartografiert – wegen möglicher Gefahren für die Schifffahrt. Noch liegt das Boot also an Land. Eine Holzleiter führt auf das Tiefenruder am Heck. Von dort noch drei Stufen auf das Deck. Ein paar Schritte sind es bis zum Turm. Dort zieht Standfuß die schwere Luke hoch. Ein kreisrundes Loch, kaum größer als ein Gullideckel. Senkrecht hinab geht es in das stockdunkle Boot. Standfuß schaltet das Licht an. Das Innere des Bootes glänzt wie das Innere eines Geschirrspülers. Blankes Metall überall.

Von der Zentrale aus wird das U-Boot gesteuert. Die bunten Bildschirme gehören zum Sonar.

Auf dem Werftgelände werkelt er seit Jahren mit Freunden an 15


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Nach dem Vorstellungsgespräch war Schluss. Er entschied sich für ein Studium zum Schiffsbauingenieur. Mit der Segelfliegerei hört er auf und entdeckte seine Leidenschaft für das Sporttauchen. Fliegen hat etwas mit Freiheit zu tun, die Anmeldung einer Flugroute nur mit Bürokratie. Einmal landete er auf der Wiese vor seinem Elternhaus. „Dafür habe ich mir einen Verweis eingefangen, aber ich hatte damals schon innerlich mit dem Segelfliegen abgeschlossen“, sagt er. Solche Regeln gibt es unter Wasser nicht. Auf den Meeresboden, dort will er hin. 250 Meter beträgt die Nenntauchtiefe des U-Boots. In Fragen der Sicherheit plant und baut der Ingenieur mit Netz und doppelten Boden. Gefahr droht dem Boot erst bei über 500 Meter, dort zerstört der Wasserdruck das Boot. Testweise wird er sich alleine in dem U-Boot auf 320 Meter absinken lassen. In dieser Tiefe die Sicherheit prüfen und wieder auftauchen. Das ist sein Plan. In tieferen Gewässern wird er das Boot nur an der Wasseroberfläche fahren. So sieht es das Sicherheitskonzept vor, ebenso wie geröntgte Schweißnähte, die drei schweren Ballast Notabwurfplatten und die sechs Rettungsaufstiegswesten aus abverkauften Marinebeständen. Zielstrebig und mit langem Atem geht er sein Projekt an. „Ich habe den Golf I und den Golf II geplant und erst den Golf III gebaut“, zieht er den Vergleich bei der Planung. Sein Haus hat er gekauft, um das Projekt zu finanzieren. „Für ein U-Boot gibt keine Bank einen Kredit.“ Mit dem Haus als Sicherheit wurde die Bank

Bastelbogen: Hier ist die Bug-Sektion mit der Druckkammer für die Taucher zu sehen.

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freigiebiger. So beziffert Carsten Standfuß auch den Preis seines U-Boots: „Zwei Häuser.“ Sachspenden nimmt er an, aber finanzielle Sponsoren kommen nicht in Frage. Er will die Kontrolle behalten und frei sein. www.euronaut.org

Die Euronaut in Zahlen technische Daten

ziffern

Länge über alles

16,01 m

Breite über alles

2,5 m

Höhe über Deck

2,86 m

Höhe über Turm

4,17 m

Druckkörperdurchmesser

2,5 m

Verdrängung aufgetaucht

57,3 t

Verdrängung getaucht

67,6 t

Nenntauchtiefe

250 m

Testtauchtiefe

320 m

Zerstörungstiefe

500 m

Geschwindigkeit

8 Knoten

Reichweite

500 Seemeilen

Besatzung

3 bis 5 Pers.

Blick vom Maschinenraum Richtung Fahrstand.


September 2003: Das Heck war lange vom Rumpf getrennt, um große Bauteile in den Rumpf tragen zu lönnen

Carsten Standfuß ist von Beruf Schiffsbau-Ingenieur und passionierter Wrack-Taucher.

November 2010: Was jetzt noch an Bord muss, muss durch das Turmluk passen. Der Anstrich hat begonnen.

September 2011: Das U-Boot könnte bereits zu Wasser gelassen werden. Aber auch die letzten Arbeiten sollen an Land ausgeführt werden.

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Wenn das Amt nicht mehr kann

Die Besteuerung hängt auch von der Personalkapazität der Finanzämter ab

Leerer Flur: Los! jetzt schnell abgeben.

Bei Personalmangel winken Finanzämter Steuererklärungen ohne tiefere Prüfung durch. Über diese „grünen Wochen“ informiert die Presse oft im Nachhinein. Über die Hintergründe gibt Thomas Eigenthaler Auskunft, Vorsitzender der Deutschen Steuer-Gewerkschaft. In ihr sind etwa 70.000 der 110.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Steuerverwaltung organisiert. Wer hofft, vorab über die „grünen Wochen“ informiert zu werden, darf ebenso gut darauf hoffen, dass die Hölle zufriert.

Aber die Daten müssen doch so oder so in das Computersystem eingegeben werden und werden doch auch automatisch einem Test unterzogen. Wird dann überhaupt nicht mehr geprüft?

Was sind die so genannten grünen Wochen?

Tritt dieses Phänomen flächendeckend auf oder gibt es regionale Schwerpunkte?

Der Begriff beschreibt das Phänomen, dass bei Personalmangel im Finanzamt Steuererklärungen weniger intensiv geprüft und schneller durchgewunken werden. Die Ampeln werden sozusagen auf Grün gestellt. Das ist aber keine freiwillige Maßnahme des Finanzamts, sondern aus der Not geboren. Denn ein Finanzamtsleiter hat bei akuter Personalnot nur zwei Möglichkeiten: Entweder er behält die Prüfungsintensität bei und schiebt eine Bugwelle unbearbeiteter Steuererklärungen vor sich her oder er senkt die Prüfungsintensität und sorgt so dafür, dass die Bürger schneller zu ihren Steuerbescheiden und so auch zu ihren Steuerrückzahlungen kommen. 18

Natürlich werden die Daten erfasst, sonst kann es ja auch keinen Steuerbescheid geben. Und viele der eingereichten Steuererklärungen sind ja auch korrekt. Den vollautomatischen Test, die vollautomatische Veranlagung gibt es so nicht. Was passiert ist, dass bei der Eingabe das so genannte Risikomanagementsystem auf unplausible Daten hinweist. Es ist dann die Aufgabe der Mitarbeiter, diesen Hinweisen nachzugehen. Und was soll ein Finanzamtsleiter tun, wenn ihm dazu die Kapazitäten fehlen?

Generell sind die Finanzämter im Süden personell schlechter ausgestattet als etwa die der Stadtstaaten. Aber auch in Bremen zum Beispiel wird der Personalbedarf nur zu 80 Prozent erreicht. Die grünen Wochen sind aber keine Bremer Spezialität, sondern treten bundesweit auf. Es hängt von der Personalsituation vor Ort ab, von der Urlaubssituation, Krankheitsstand oder unvorhersehbaren Ereignissen. Betreffen die grünen Wochen nur den Bereich der Einkommenssteuererklärungen?


Von Personalengpässen ist das gesamte Finanzamt betroffen: der Bereich der Einkommensteuererklärungen genauso wie der Innendienst oder die Betriebsprüfung. Nur wirken sich die Engpässe in den einzelnen Bereichen unterschiedlich aus. Zunächst wird die Finanzamtsleitung versuchen, durch das Umverteilen von Personal die Engpässe zu lindern. Wenn das nicht reicht, passiert folgendes: Im Bereich der Einkommensteuererklärungen muss jeder Fall bearbeitet werden und im Notfall auch mal durch eine oberflächlichere Bearbeitung – die grünen Wochen. Bei der Betriebsprüfung wird die Prüfungsintensität des einzelnen Falls nicht verändert. Ein Personalengpass wirkt sich hier so aus, dass sich die Prüfungsintervalle verlängern. In jedem Fall entgehen dem Staat dadurch Einnahmen. Um wie viel Geld geht es dabei? Durchschnittlich sorgt ein Betriebsprüfer für rund eine Million Euro zusätzliche Steuereinnahmen. Auch bei den Einkommensteuererklärungen gilt: Jeder Mitarbeiter treibt ein Mehrfaches seiner Kosten ein. Und bei zwei Billionen Euro Staatsschulden können wir jeden Euro gebrauchen.

Eher nicht. Wir sehen es derzeit bei Elstam – also dem elektronischen Nachfolger der papiernen Lohnsteuerkarte: Die Leute kommen massenhaft zum Finanzamt, weil die erfassten Daten, die von den Meldeämtern stammen, fehlerhaft sind. Der Aufwand, diese gespeicherten Daten zu verifizieren ist wahrscheinlich größer als bei dem klassischen Verfahren. Aber das sind doch vorübergehende Kinderkrankheiten? In den Folgejahren wird der Korrekturaufwand sicherlich sinken. Aber bedenken Sie: Die Daten, etwa Konfessionszugehörigkeit oder Familienstand, werden sich auch zukünftig ändern. Und nach Elstam kommt das nächste Projekt. Gleichzeitig rückt die dringend benötigte Steuervereinfachung weiter an den Horizont zurück. Warum werden die grünen Wochen nicht im Sinne eines ServiceHinweises vorab bekannt gegeben? Daran dürfte ein Finanzamt nicht das geringste Interesse haben. Der präventive Gedanke der Steuerveranlagung würde dadurch völlig untergraben.

Warum werden dann nicht mehr Mitarbeiter eingestellt? Das fragen wir uns seit vielen Jahren. Aus unserer Sicht denkt der Staat hier zu kurz. Der Personalbedarf wird jahrweise festgelegt. Der Mehrertrag stellt sich aber erst mit Verzögerung ein, denn die Mitarbeiter müssen ausgebildet werden und erst ihre Praxiserfahrung aufbauen. Das System des Länderfinanzausgleichs verschärft dieses Problem – zumindest wenn man den Äußerungen glauben darf, die meist nur hinter vorgehaltener Hand getätigt werden. Aus Sicht der Geberländer stellt es sich demnach so dar: Wir tragen die Kosten des Personals und dessen Altersversorgung, müssen aber den Großteil der Mehreinnahmen in den Länderfinanzausgeich geben. Und aus Sicht der Nehmerländer: Wir können uns den Personalausbau angesichts unserer unterfinanzierten Haushalte nicht leisten und warten lieber auf den Länderfinanzausgleich. Das Grundproblem ist überall dasselbe: Es gibt nicht genug Personal, um den gesetzlichen Auftrag zu erfüllen. Und das sorgt für eine Wettbewerbsverzerrung durch eine ungleichmäßige Prüfungsintensität zwischen Flensburg und Passau. Wird sich durch den technischen Fortschritt das Problem der grünen Wochen mildern, zum Beispiel durch die vorausgefüllte Steuererklärung?

Thomas Eigenthaler, Bundesvorsitzender der Deutschen Steuer-Gewerkschaft.

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Modisch by nature

Wie viel Kleidung hat man am Leib, wenn man nur hier hergestellte kauft? Osteuropa und Ostasien – aus diesen Regionen stammt ein Großteil unserer Kleidung. Aber ist es noch möglich, sich von Kopf bis Fuß mit in Bremen hergestellter Kleidung auszustatten? Ja. Oder fast ja. Denn erstens ist ein Abstecher nach Hamburg nötig. Und zweitens: Dieses Experiment bringt sehr festlich gekleidete Frauen und eher spärlich bekleidete Männer hervor.

Nicola Hübotter betreibt Am Wall eine Werkstatt für Schnittgestaltung. Sie hilft zum Beispiel selbstschneidernden Kunden, Schnitte an deren Maße anzupassen oder einen Schnitt nach einem vorhandenen Kleidungsstück zu entwerfen. Außerdem schneidert sie individuelle Hosen. In ihrem Atelier nimmt sie aber auch Maß an Kunden ihrer Kollegin Christiane Kückelmann, um dann Oberhemden, Blusen und Pullover danach anfertigen zu lassen.

Maja Pohlans Kunden stehen im Rampenlicht. Am Theater am Goetheplatz fertigt sie Hüte und alle Arten von Kopfbedeckungen, die für Theater- oder Opernaufführungen benötigt werden. Nebenher hat die Modistin eine eigene Linie aufgelegt und erschafft Hüte, die auch abseits der Bühne ihre Träger und Trägerinnen gut aussehen lassen. www.majapohlan.com

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www.schnittraeume.de www.privat-vergnuegen.de


Schuhmacherin Cäcilie Becker versorgt Männer wie Frauen mit individuellem Schuhwerk. Für Maßschuhe fertigt sie einen Leisten nach dem Fuß des Kunden, der arbeitsintensivste Schritt in ihrem Handwerk. Für die etwas günstigere Maßkonfektion können Kunden aus vorgefertigten Leisten den passenden wählen. Reichlich Anschauungsmaterial an Modellen und Obermaterialien bietet sie in ihrem Atelier im Fedelhören.

Vor allem Brautmode, aber auch Abendgarderobe entsteht im Fedelhören bei Sabine Gerlitz. Die Dipl. Mode-Designerin bietet eine Kollektion, fertigt aber auch individuelle Kleider – im puristischen Stil mit schnitttechnischen Finessen aus hochwertigen Stoffen.

www.massschuhe-bremen.de www.honeyundmoon.de

Carolyn Bendahan betreibt ihr Atelier in einem Souterain im Hamburger Stadtteil St. Pauli. Sie schneidert Dessous, Nachtwäsche und Bademoden auf Maß. Für Frauen, die sich diesen Luxus gönnen möchten. Und auch für Frauen, die aus gesundheitlichen Gründen individuell gefertigte Wäsche benötigen – und dabei gern den SanitätshausLook vermeiden wollen. Zu ihren Kunden gehören aber auch viele Männer – die Gutscheine kaufen. Sorry, die Herren: Für Sie bleibt es bei den praktischen Dreierpacks aus dem Kaufhaus. www.braviange.de 21


Schreibtischarbeit hier und da. In Bremen stecken Heinz Isbrecht, Heidi Linder, Maren Alfke, Heike Isbrecht und Manfred Linder (v.l.) die Köpfe zusammen, damit rund 100 Kinder in Diani (Kenia) einen guten Start ins Leben haben.

Kindergarten am indischen Ozean Bremer Verein baut Lebenswege für Kinder in Kenia

Was als privates Projekt von Heike und Heinz Isbrecht begann, ist im Laufe von fast 20 Jahren zu einer stabilen Unternehmung geworden – dank des Einsatzes des Ehepaars, ihrer Mitstreiter in Bremen und Kenia und selbstverständlich dank der vielen Spender und Spenderinnen.

2003: Die frühen Jahre des Kindergartens, damals noch eine Hütte aus Wellblech.

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Eine positive Einstellung zum Leben beginnt mit einem vollen Magen und einer glücklichen Kindheit – das ist der Leitsatz des Bremer Ehepaares. 1993 waren die Eheleute erstmals nach Kenia gereist und mit sehr widersprüchlichen Gefühlen wieder nach Hause zurückgekehrt: stark beeindruckt von Land und Leuten, aber auch bedrückt von den dortigen Problemen durch Armut, mangelnde Bildung, Krankheiten und Hoffnungslosigkeit. Bei den folgenden Reisen packten Isbrechts immer mehr Medikamente, Kinderkleidung und Spielsachen in ihr Reisegepäck. Aber um das Übel an der Wurzel zu packen, das war den beiden klar, musste man bei den Kindern ansetzen und den Teufelskreis aus mangelnder Bildung und Armut brechen. So formulierten sie ihren Leitsatz, um ihre eigene Hilflosigkeit zu überwinden und ihre Energie für die Kinder in dem kenianischen Küstenort einzusetzen. Die Idee für einen Kindergarten mit Vorschulerziehung war geboren. 2003 wurde der Verein „Kindergarten in Diani“ (KiD e.V.) gegründet und der Kindergarten in den Räumen einer kirchlichen Gemeinschaft eröffnet. Eine Köchin und eine Lehrerin wurden eingestellt und 16 Kinder aufgenommen. In den Folgejahren


konnte das Projekt ausgebaut werden: zwei Grundstücke wurden gekauft, um Gemüse für den Mittagstisch anzubauen und um ein festes Gebäude für den Kindergarten zu errichten. 2006 wurde das neue Gebäude bezogen. Inzwischen bietet der Kindergarten rund 100 Kindern Platz und sieben Erwachsenen Arbeit. Und die Bauarbeiten für ein Schulgebäude sind im vollen Gang. Der Verein sponsert pro Jahr 16 Kindern einen Kindergartenplatz, die restlichen Plätze werden an zahlende Eltern vergeben, denn langfristig soll der Kindergarten sich finanziell selbst tragen können. Das Sponsoring der Kinder geht über das Kindergartenalter hinaus bis zum Schulabschluss. Die Arbeit der sieben Vereinsmitglieder in Bremen ist vollkommen ehrenamtlich. Der Verein steuert einen Reisekostenzuschuss bei, damit circa alle

drei Monate eine Bremer Delegation nach Kenia reisen kann. Derzeit treibt der Schulbau und die Suche nach einem Ersatz für den Schulbus die Vereinsmitglieder um. Von der aktuellen Dürre in Ostafrika ist die Region um Diani nicht betroffen, zumindest nicht klimatisch. Aber die Trockenheit im Norden Kenias, in Äthiopien und Somalia lässt die Preise in der gesamten Region nach oben schnellen. Zum Beispiel sind die Kosten für Bohnen oder Benzin um rund 50 Prozent gestiegen. Im Laufe der Jahre sind etwa 500.000 Euro gespendet worden, ein Teil davon von Mandanten unserer Kanzlei, die den Verein ebenfalls unterstützt. Marco Windhorst ist Gründungsmitglied von KiD-Kenia und regelt die fiskalischen Fragen des Vereins.

» Kontakt KiD – Kindergarten in Diani e.V., Heidelberger Str. 20, 28203 Bremen. Telefon 0421 703583. Telefax 0421/72240 eMail: info@kid-kenia.de Internet: www.kid-kenia.de Bankverbindung: Sparkasse in Bremen, BLZ: 290 501 01, Konto: 107 43 50, IBAN: DE68290501010001074350, Swift / BICCode: SBREDE22 Heute ist der Kindergarten ein festes Haus mit den Bremer Stadtmusikanten als Wandschmuck.

Übrigens hat das Bundesfinanzministerium aufgrund der Dürre in Ostafrika bürokratische Hürden für Spenden abgebaut (siehe fast steuerfrei 3/2011). Wir informieren Sie gern.

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fast steuerfrei (4/2011)  

Das Magazin für die Freunde der Kanzlei sauer + windhorst