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DAS ZÜRCHER UNTERNEHMER-MAGAZIN

CORINE MAUCH

ZÜRICH MUSS DEN GÜRTEL ENGER SCHNALLEN STARTZENTRUM MANAGEMENT LUNCHCHECK «OHNE HERZBLUT BELASTUNG AM CHARME DES BONS GEHT NICHTS» ARBEITSPLATZ


Online-Werbung, die allen auffällt. (UUHLFKHQ6LHPHKUPLW2QOLQH:HUEXQJDXI1==FKOX]HUQHU]HLWXQJFKXQGWDJEODWWFK :HUEHQ6LHLQHLQHPTXDOLWDWLYIKUHQGHQ8PIHOGGDVDOOHU%OLFNHGHU'HXWVFKVFKZHL]DXIVLFK]LHKW 3URILWLHUHQ6LHYRQDWWUDNWLYHQ$QJHERWHQXQGHLQHPPRWLYLHUWHQ6DOHV7HDPGDV,KQHQPLW5DW XQG7DW]XU6HLWHVWHKW6LHHUUHLFKHQXQVXQWHUnetz.nzz.ch.


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INHALT I ZH KMU

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4 AGENDA

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WIRTSCHAFT 6 Corine Mauch: Zürich muss den Gürtel enger schnallen

10 Startzentrum: «Ohne Herzblut geht nichts»

UNTERNEHMEN 12 Swiss Leadership Forum – Stephan Isenschmid 14 Lunch-Checks: Der Charme des Bons

MANAGEMENT 16 Belastung am Arbeitsplatz

RECHT 19 Arbeitszeugnis – zwischen wohlwollend und ehrlich

NETZWERKE 22 Mittwoch-Höfli-Gesellschaft: Geselligkeit – seit 1839 Titelbild: zVg / SP Zürich

AKTUELL 24 Familienunternehmen siegt

BUSINESS LUNCH 25 Wild und währschaft

KULTUR 26 Theatersport: Theater ohne Drehbuch

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29 VZH NEWS 30 ZÜRICH IM BILD

IMPRESSUM ZÜRCHER KMU – Das Zürcher Unternehmer-Magazin erscheint zusammen mit der UnternehmerZeitung im Verlag SWISS BUSINESSPRESS SA, Zürcherstrasse 39, 8952 Schlieren, Zürich, Telefon 044 306 47 00, Fax 044 306 47 11, www.unternehmer zeitung.ch, info @ unter nehmerzeitung.ch HERAUS GEBER: Remo Kuhn, kuhn @ unternehmerzeitung.ch

CHEFREDAKTOR: Peter Blattner, blattner @ unternehmerzeitung.ch

REDAKTION:

Salome Kern, kern @ unternehmer zeitung.ch; Jonas Hugentobler, hugentobler @ swissnews.ch; Lukas Studer, studer @ swissnews.ch MARKETING: Nursah Canli, canli @ unternehmer zeitung.ch Philippe Welti

MITARBEIT AN DIESER AUSGABE: Leena Kriegers-Tejura, Peter Meier, Jean-Pierre Reinle, Martin von Moos,

LAYOUT & PRODUKTION: Bruno Strupler, print @ unternehmerzeitung.ch

DRUCK: NZZ Print, Schlieren, Zürich

schriftlicher Genehmigung des Verlags und detaillierter Quellenangabe © UnternehmerZeitung / SWISS BUSINESSPRESS SA MATERIAL: Für unverlangt eingesandtes Text- und Bildmaterial wird keine Haftung übernommen.

NACHDRUCK: Mit TEXT- UND BILD-

Im Verlag SWISS BUSINESSPRESS erscheinen aus-

serdem: SWISS NEWS – The National English Journal, SWISS-CUISINE – Das Fachmagazin der Gehobenen Gastronomie, BUSINESS CLASS – Das LifestyleMagazin der UnternehmerZeitung, VR-Praxis – Das Schweizer Magazin für Verwaltungsräte


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ZH KMU I AGENDA

ZÜRICH UNTERSTÜTZT PROJEKTE IM BERGGEBIET Der Regierungsrat hat 4,2 Millionen Franken aus dem Lotteriefonds für die Inlandhilfe des Jahres 2013 freigegeben.

Damit können insgesamt 18 Projekte in den vom Kanton Zürich jeweils berücksichtigten Kantonen Uri, Graubünden und Tessin sowie im Oberwallis finanziell gefördert werden. Den höchstmöglichen Beitrag in der Kompetenz des Regierungsrates (500 000 Franken) erhält die Stiftung Bergwaldprojekt: Sie organisiert damit Arbeitswochen mit Freiwilligen, auch aus dem Kanton Zürich, zum Erhalt der Schutzfunktion von Wäldern in Berggebieten der Kantone Uri und

Im Kanton Uri wird durch den Lotteriefonds der Aufbau einer Alpkäserei auf dem Urnerboden unterstützt. Graubünden. 400 000 Franken gehen an die Stiftung Umwelteinsatz Schweiz, die ähnliche Arbeitseinsätze in gefährdeten Landschaften orga-

nisiert, darunter auch mit Schulklassen aus dem Kanton Zürich. Ferner werden Projekte der Schweizer Patenschaft für Berg-

25 ETH-SPIN-OFFS UNTER DEN TOP 100!

Die Ratingagenturen Standard & Poor’s und Moody’s haben das AAA- bzw. AaaRating der Zürcher Kantonalbank bestätigt.

Hightech vorne mit dabei Das Schweizer HightechStart-up Dacuda hat sich in kurzer Zeit als Zulieferer der globalen IT-Industrie etabliert. Seit einem Jahr vertreibt der koreanische Elektronikriese LG Computermäuse mit einem ScanModell, das ETH Absolven-

Sie honorieren damit die starke Verankerung im Wirtschaftsraum Zürich, aber auch die solide Ertragskraft und die starke Eigenkapitalbasis. Unter Einbezug der Staatsgarantie des Kantons Zürich verleiht S&P der ZKB die Höchstnote AAA. Sie be-

Marc Gitzinger und Marcel Tigges von BioVersys.

ten entwickelt haben (Platz 7). Auf Platz 8 ist Getyourguide AG mit der Internetplattform für Ausflüge, Führungen an jedem Urlaubsort. Nach nur drei Jahren können die Gründer des ETH-Spin-offs bereits mehr als 15 000 Angebote auf GetYourGuide verzeichnen.

gründet diese Einschätzung mit der «extrem hohen» Wahrscheinlichkeit der Unterstützung des Kantons Zürich als Eigner der Bank in Krisensituationen. Der Ratingausblick für die Zürcher Kantonalbank ist laut S&P unverändert «negativ». Ausschlaggeben dafür ist insbesondere die Verschärfung der Ungleichgewichte auf dem Schweizer Hypothekar- und Immobilienmarkt. Das Stand-alo-

TOP-WIRTSCHAFTSFORUM Fotos: zVg / Hansueli Krapf (o.) Adrian Michael (u.), Wikimedia

Das «Swiss Leadership Forum», das grösste Wirtschaftsforum im Grossraum Zürich, will zum wichtigsten Wirtschaftsanlass dieser Region werden.

Erfolgreicher Newcomer Platz 22 belegt Glycemicon mit einem Wirkstoff gegen Diabetes. Der Wirkstoff von Glycemicon soll den Fettzellen die Reaktionsfähigkeit zurückgeben und damit auch fettleibigen Personen zu einer funktionierenden Blutzuckerregulierung verhelfen. Die vollständige Liste der Top 100 Spin-offs der Schweiz ist abrufbar unter www.startup.ch/top100.

verbauungen und Hochwassersicherheitsmassnahmen aber auch den Aufbau einer gemeinsamen Alpkäserei auf dem Urnerboden.

TRIPLE-A-RATING DER ZKB

Ein grosser Erfolg für die ETH-Spin-offs, 25 gehören zu den 100 erfolgreichsten Start-ups der Schweiz, vier davon schaffen es gar in die Top 10. Dies das dritte Ranking des Instituts für Jungunternehmer.

Ganz vorne sind die beiden Biochemiker Marc Gitzinger und Marcel Tigges mit ihrer BioVersys AG auf Platz 2 zu finden. Sie befassen sich mit molekularen Schaltern, die darüber entscheiden, ob ein angegriffener Krankheitserreger gegen ein Antibiotikum mobil macht oder nicht. Auf Platz 5 findet sich InSphero, die stecknadelkleine Tumor- und Lebergewebe produziert, womit Wissenschaftler testen, ob eine Substanz die Leber angreift. Das 22-köpfige Jungunternehmen wurde 2010 mit Startkapital von venture kick gegründet.

gemeinden, der Schweizer Berghilfe und der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz unterstützt. Sie betreffen die Schutzwaldpflege, Steinschlag-

Das «Swiss Leadership Forum» findet 2014 auch wieder im Zürcher Kongresshaus statt.

«Sparen und wachsen» lautet die Devise der hochkarätigen Referenten am 7. November 2014 im Zürcher Kongresshaus. Mit rund 1 000 Teilnehmern aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung ist das «Swiss Leadership Forum» schon heute das grösste Wirtschaftsforum in der Greater Zurich Area. Es wurde im Jahre 2004 gegründet und fokussiert auf alle Aspekte der Unternehmensführung mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und der Schweizer Wirtschaft zu fördern. Erfahrungsaustausch und die Pflege persönlicher Beziehungen

ne Rating bewertet Moody’s unverändert mit a2. Moody’s begründet diese Einschätzung mit der starken Wettbewerbsposition der ZKB im Wirtschaftsraum Zürich, der breit abgestützten Ertragsstruktur sowie der Staatsgarantie. Die Zürcher Kantonalbank ist die einzige Schweizer Bank, die von den drei Ratingagenturen S&P, Moody’s und Fitch mit der Bestnote ausgezeichnet wird. www.zkb.ch

stehen dabei im Vordergrund. Geschäftsführer des Anlasses ist Stephan Isenschmid. Die diesjährigen Referenten: Anton Affentranger, CEO Implenia AG, Hans-Ulrich Bigler, Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes, Jean-Claude Biver, CEO Hublot SA, Dr. Serge Gaillard, Direktor der Eidg. Finanzverwaltung, Daniel Hösli, Kommandant der Patrouille Suisse, Barbara Kux, Mitglied des Vorstands der Siemens AG, München, Jeannine Pilloud, Leiterin SBB Personenverkehr, und Bruno Sauter, Chef des Amts für Wirtschaft und Arbeit, Kanton Zürich. www.swissleader.ch


Massmode muss nicht teuer sein! www.bw-mode.ch


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ZH KMU I WIRTSCHAFT

Auch die Stadt Zürich muss Seit über vier Jahren sitzt Corine Mauch an der Spitze des Zürcher Stadtrates. Sie sagt, wie die Stadt den Mangel an Wohnraum bremsen und den Verkehr flüssiger gestalten will.

INTERVIEW SALOME KERN

Wo ist Ihr Lieblingsplatz in Zürich? Da gibt es eine ganze Reihe! Der alte botanische Garten an der Sihlporte gehört dazu. Aber auch der urbane Oerliker Park. Die Vielfalt der Stadt und ihrer Quartiere ist enorm. Das ist eine von Zürichs grossen Qualitäten. Was war Ihr grösster Aufsteller als Stadtpräsidentin bisher? Ganz allgemein? Dass Zürich auch unter schwierigeren Rahmenbedingungen gut unterwegs ist und die Menschen gerne in Zürich leben. Als Vorsteherin des Präsidialdepartements, zu dem auch die Kulturförderung gehört, freut es mich, dass wir mit einem neuen Kulturleitbild und zusätzlichen Mitteln vor allem für die Freien Szenen weitere Akzente bei der Kulturförderung setzen konnten. Die Zustimmung der Zürcher zur Erweiterung des Kunsthauses war ein zusätzlicher kultureller Meilenstein. Und als Stadtpräsidentin stelle ich mit Zufriedenheit fest, dass der Stadtrat als Team gut funktioniert und wir in einer wachsenden Stadt zusammen mit der Bevölkerung gute Lösungen finden und umsetzen. Was hat Sie enttäuscht? Natürlich klappt nicht immer alles und es gibt Enttäuschungen. Wir hätten zum Beispiel das neue Fussballstadion gerne gebaut. Aber das gehört in der Politik dazu. Was machen Sie anders, wenn Sie wiedergewählt werden? Die Herausforderungen für die Stadt Zürich verändern sich über die Zeit. Dafür müssen wie immer wieder angepasste Lösungen finden. Ich werde mich weiterhin mit viel Herzblut, Freude und Engagement für Zürich einsetzen. Sie haben in Ihrem Departement im oberen Führungskader einen Frauenanteil von 50 Prozent. Was hat das verändert? An erster Stelle steht, dass wir als Geschäftsleitung gut und effizient zusammenarbeiten. Die paritätische Zusammensetzung trägt dazu bei, dass unterschiedliche Kompetenzen, Erfahrungen und Perspektiven im Gremium versammelt sind und damit eine breitere Gesamtschau möglich wird. Das ist wichtig und es ist auch eine klare Aussage gegen innen und gegen aussen: Wir nehmen die Gleichstellung ernst. Was steht in der Verkehrspolitik zurzeit zuoberst? Dass der Verkehr in der Stadt Zürich als Gesamtsystem funktioniert. Es kommt niemand schneller von A nach B, wenn wir die einzelnen Verkehrsträger gegeneinander aus-

Fotos: Dominique Meienberg / zVg


WIRTSCHAFT I ZH KMU

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den Gürtel enger schnallen

ZUR PERSON Corine Mauch (53) ist seit 2009 Stadtpräsidentin von Zürich. Vorher war sie während zehn Jahren Gemeinderätin der Stadt Zürich. Die SP-Politikerin hat an der ETH Zürich Agrarökonomie und an der Universität Zürich Chinawissenschaften studiert.


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ZH KMU I WIRTSCHAFT

«Um den KMU den Geschäftsverkehr mit der Stadtverwaltung zu erleichtern, haben wir eine zentrale Informationsund Koordinationsstelle eingerichtet» den mehr Menschen hier wohnen wollen, als dass wir Wohnungen bauen können. Der Wohnraum wird somit auch künftig knapp bleiben. Was tun Sie für die Förderung der Stadt? Wir unternehmen viel, damit Zürich im internationalen Vergleich auch weiterhin gut abschneidet. Ein wichtiger Faktor ist unsere ausgezeichnete Lebensqualität, die wir pflegen, sichern und weiter ausbauen müssen. Dazu gehört eine moderne und leistungsfähige Infrastruktur genauso wie ein vielfältiges und qualitativ hochstehendes Kulturangebot. Diese Qualitäten zeigen wir im Ausland, zum Beispiel an der nächsten Weltausstellung 2015 in Milano, wo wir einen gemeinsamen Auftritt mit Basel und Genf haben werden. Welche Vorteile bietet Zürich den KMU? Gute Rahmenbedingungen. KMU und Gewerbe finden in der Stadt zum Beispiel zahlungskräftige Kundschaft, die wegen der hohen Lebens- und Aufenthaltsqualität gerne hier ist und gerne hierher kommt. Um den KMU den Geschäftsverkehr mit der Stadtverwaltung zu erleichtern, haben wir eine zentrale Informations- und Koordinationsstelle eingerichtet. Seit 2011 gibt es zudem das KMU-Forum mit zwölf Vertreterinnen und Vertretern des Gewerbes, die der Verwaltung beratend zur Seite stehen. Und seit letztem Jahr gibt es eine Regulierungsfolgenabschätzung, mit der wir im Voraus prüfen, welche Auswirkungen eine neue Richtlinie auf die KMU haben wird. spielen. Grundsätzlich soll immer jene Verkehrsart Vortritt haben, die in der jeweiligen Situation am effizientesten ist, denn der Platz in der Stadt ist begrenzt. Für den Pendelverkehr ist deshalb der öffentliche Verkehr prädestiniert. Das Gewerbe ist für Service und Lieferungen auf den Autotransport angewiesen und für kurze Strecken in der Stadt ist das Velo das schnellste Transportmittel. Mit diesem Konzept sind wie bislang sehr gut gefahren. Aber Verkehr bleibt ein emotionales und immer wieder viel diskutiertes Thema. Ein weiteres Dauerthema ist der Mangel an Wohnraum. Haben Sie Verbesserungsvorschläge? Sogar 21 Verbesserungsvorschläge. So viele Massnahmen umfasst das Programm Wohnen des Stadtrats. Dem Stadtrat ist wichtig, dass es in allen Quartieren Wohnraum für alle Bevölkerungsschichten und Altersgruppen gibt. Wohnen in der Stadt Zürich darf nicht einfach eine Frage des Portemonnaies sein. Aber wir dürfen uns auch nichts vormachen: Solange Zürich eine so attraktive Stadt ist, wer-

Winterthur schnürt das grösste Sparpaket ihrer Geschichte. Muss sich Zürich vor einem ähnlichen Szenario fürchten? Unser finanzieller Spielraum wird enger, auch weil infolge der Finanzkrise happige Steuerausfälle zu verkraften waren und insbesondere auch, weil wir 80 Prozent unserer Ausgaben nicht selbst beeinflussen können, da sie uns gesetzlich vorgeschrieben sind. Der Stadtrat hat eine Leistungsprüfung lanciert. Unser Ziel ist es, zu verhindern, dass der Stadt das Eigenkapital ausgeht. Ab 2017 soll unsere Rechnung wieder ausgeglichen sein. Was wünschen Sie Zürich und den Bewohnern für die nächsten Jahre? Dass es uns gelingt, die angesprochenen Herausforderungen gemeinsam und auf sozialverträgliche Weise zu lösen. Und ganz allgemein, dass die Leute und die Unternehmen in Zürich weiterhin zufrieden sind mit ihrer Stadt und dass es ihnen gut geht.


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Gert Christen (l.) und Regierungsrat Ernst Stocker (r.) mit dem Sieger des «Startup-Battles» Daniel Lawniczak.

Fotos: zVg

«Ohne Herzblut geht nichts» Wer ein eigenes Unternehmen auf die Beine stellen will, ist mit dem Startzentrum gut beraten. Nicht nur stehen gut eingerichtete und zahlbare Arbeitsplätze zur Verfügung sondern auch aktives Coaching. In der wichtigen Startphase wird der Jungunternehmer nicht seinem Schicksal überlassen, sondern aktiv gefördert und gestützt bis hin zur Finanzierung. INTERVIEW UND TEXT PETER BLATTNER

Herr Christen, wie fanden Sie zum Startzentrum Zürich? Gert Christen *: Ich habe nach der kaufmännischen Lehre den Bachelor zum Betriebswirt an der damaligen HWV gemacht und in den USA den MBA. In den USA und Brasilien war ich mehrere Jahre für Nokia tätig und befasste mich mit den damals neuartigen Apps. Zurück in der Schweiz war ich im Start-up der Stiftung Bluelion involviert und wurde dann vom Startzentrum über deren Präsidenten Stefan Vogler angefragt. Das sind im Dezember nun drei Jahre her. Die Startupfair war in ihrer erstmaligen Durchführung ein grosser Erfolg, ist die nächste Durchführung schon gesetzt und planen Sie Neuerungen im Programm? Wir sind sehr zufrieden und setzen dies im 2014 fort, ent-

weder im Juni oder im September. Wir planen eventuelle Spezialauftritte von Start-up Gründern beispielsweise am Vortag. Auf alle Fälle ist ein Rahmenprogramm vorgesehen, über das wir rechtzeitig informieren. Welches sind die gröbsten Fallstricke für Jungunternehmer? Ein ungutes Gefühl beschleicht mich bei Leuten mit «komischen» Ideen, Dinge, die gar nicht ihrem Background, ihrer Ausbildung entsprechen, wenn ein ehemaliger Banker Spielzeug via Internet vertreiben will.

Er kennt weder die Gepflogenheiten noch den Markt, ihm fehlt ein entsprechendes Kontaktnetzwerk. Es braucht einen langen Atem, finanziell und emotional, es gibt mehr Stress als für Angestellte. Zehn bis zwölf Stunden-Tage sind normal und dies während den ganzen Anfangsjahren. Man muss den Markt verstehen und die Welt nicht durch eine rosarote Brille sehen. Versuchen Sie gezielt, mehr Unternehmer anzusiedeln? Wir arbeiten mit den Clubs der ETH und der Universität zusammen und


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STARTUPFAIR Am 17. September 2013 fand die erste nationale Messe für Jungunternehmer mit mehr als 1 500 Besuchern in der Zürcher Maag Halle statt. Netzwerke und Supporter kamen aus der ganzen Deutschschweiz, Investoren, Dienstleister und Vertreter von Hochschulen gaben sich ein Stelldichein. Die 82 Stände wurden intensiv besucht und elf Referenten sprachen vor interessiertem Publikum. Die Finalteilnehmer des «StartupBattles» liefen wie Gladiatoren auf die Bühne und suchten den Einzug ins Finale mit ihren Kurzpräsentationen. Die Finalisten und der Gewinner wurden von einer kompetenten Fachjury live vor Publikum unter die Lupe genommen. Begeistert vom Anlass zeigte sich Regierungsrat Ernst Stocker, der auch den Siegerpreis überreichte. Gesiegt hat die Firma CatchMyPain von Daniel Lawniczak

mit seinem Online-Tagebuch für Schmerzpatienten. Er erhält das Vollprogramm des Startzentrums, einen Arbeitsplatz mit Infrastruktur, einen persönlichen Coach und freie Büromiete während eines Jahres. Er konnte sein Produkt durch ein KTI-Projekt zur Reife bringen, er durchlief auch das Start-up Coaching. Lutz Nolte, Förderbereichspräsident Start-up und Unternehmertum der KTI ist überzeugt, dass sich die Startupfair als wichtiges Element der Schweizer Innovationsszene etablieren wird. Zum Aussteller des Tages wurde die Zürcher Firma Glowbase GmbH um CEO Thomas Ackermann erkoren. Das Unternehmen hat sich auf Rekrutierungssoftware für Universitäten und Hochschulen spezialisiert. Der Preis besteht aus einer kompletten Büroeinrichtung von Ikea im Wert von 1 300 Franken.

STARTZENTRUM ZÜRICH Die Genossenschaft Startzentrum wurde auf Initiative von Stadt und Kanton Zürich 1999 gegründet, um eine Anlaufstelle für Selbständigerwerbende zu bilden. Zur Trägerschaft aus der Privatwirtschaft zählen Baugarten Stiftung, Credit Suisse, Effort für Zürich, Hans Eggenberger Stiftung, Lista AG, Microsoft Schweiz GmbH, Migros-Kulturprozent, OBT AG, Oerlikon-Contraves AG, Philips AG, Rahn AG, Schaeppi Grundstücke, Swiss Life, Swiss RE und die Zürcher Kantonalbank. Das Präsidium hat der Markenexperte Stefan Vogler. Beratung für Jungunternehmer Das Startzentrum ist seit Oktober 2012 an der Luegislandstrasse ansässig (vormals Amag Überlandstrasse) und bietet mit einer Bürofläche von 1200 m2 die passende Raumgrösse für jeden Jungunternehmer. Das kann ein einzelner Arbeitsplatz sein, aber auch Büroräume von 12 bis 40 m2. Die Nutzung ist flexibel, d.h. es können jederzeit Räume dazugemietet oder andere Räumlichkeiten belegt werden. Die Kündigungsfrist beträgt drei Monate. Dazu gibt es ein Sekretariat mit Telefondienst, einen Empfangsbereich mit Infothek, eine Cafeteria und Sitzungszimmer in verschiedener Grösse für vier bis 16 Personen mit Internetanschluss.

Das Startzentrum ist seit Oktober 2012 an der Luegislandstrasse ansässig (vormals Amag Überlandstrasse).

Auch Parkplätze in der Tiefgarage sind erhältlich, die komplette Infrastruktur in einem Gebäude. Eine erste Beratung für Jungunternehmer aus dem Kanton Zürich ist kostenlos und erfolgt telefonisch oder persönlich. Beim Start eines neuen Unternehmens ist die Geschäftsidee von entscheidender Bedeutung und muss auf Herz und Nieren geprüft werden. Ist die Idee überzeugend, gilt es, ein Geschäftsmodell zu erarbeiten und einen Businessplan zu erstellen, dies ist nicht zuletzt für eine Fremdfinanzierung unabdingbar. Zur Gründung gehört die Wahl eines Firmennamens und die Einholung entsprechender Bewilligungen im Notariat und im Handelsregister. Die Rechtsform der neuen Unternehmung ist zu bestimmen und die nötigen Versicherungen müssen abgeschlossen werden. Dann beginnt die Suche nach Kapital. startfinance.ch ist die Finanzierungsplattform für wachstumsorientierte Jungunternehmen und bringt Know-how, Transparenz und niedrige Transaktionskosten für Jungunternehmen und Investoren. Die Kontaktaufnahme erfolgt durch den Investor direkt, dieser kann alle Projekte nach Profilübereinstimmung durchsuchen. Das Coaching erfolgt regelmässig bzw. nach Bedarf und umfasst im Wesentlichen folgende Belange: – Unternehmensführung – Strategie und Businessplanung – Marketing/PR – Low Cost Marketing, Marketingplanung und PR-Aktivitäten – Finanzierungen – Kredit, allgemeine Bankgeschäfte – Personalwesen – Rekrutierung und allgemeine HR-Fragen – Recht – Verträge, Markenrecht, Rechtsfragen allgemeiner Natur – Treuhand/Buchhaltung – Finanzbuchhaltung, Steuern, Controlling – Venture Capital – Business Angels – Aus- und Weiterbildung Zur Zeit sind über 30 Neuunternehmen im Startzentrum angesiedelt, sie sind in ICT, Internet, Software, Handel und Beratungsdienstleistungen tätig.

machen Workshops. Jeden zweiten Donnerstag führen wir im Hiltl einen Xing Starterpoint durch. Es kommen jeweils zwischen 30 und 70 Interessierte und pflegen intensives Networking. Arbeiten Sie mit ähnlichen Institutionen im und ausserhalb dem Kanton Zürich zusammen? Es gibt den Verband Swissparks, dem alle diese Institutionen angeschlossen sind und mit denen wir uns austauschen. Dann natürlich mit dem Kanton Zürich und seinem Gründerportal gruenden.ch (gesamtschweizerisch), mit den Hochschulen, den kantonalen Anlaufstellen, der Wirtschafts- und der Standortförderung. Wie viele neue Unternehmen sind momentan bei Ihnen angesiedelt und wie viele könnten Sie innerhalb der zur Verfügung stehenden Fläche von 1200 m2 noch berücksichtigen? Das Startzentrum ist zu drei Viertel belegt, das sind 32 Start-ups, 40 können wir aufnehmen. Dies entspricht bis zu 120 Arbeitsplätzen. Wie viele telefonische und persönliche Beratungen führen Sie jährlich in etwa durch? Da führen wir genau Buch, ich habe Ihnen die Zahlen für 2012. Das waren 234 persönliche Beratungen hier in unserem Zentrum. 250 Beratungen erfolgten am Telefon oder durch E-Mail. Bei persönlichen Gesprächen haben wir im Schnitt ein Zeitfenster von zwei Stunden. Bei Bedarf machen wir mit dem Team einen Eignungstest des Kandidaten. Ganz wichtig ist es das innere Feuer des Jungunternehmers zu spüren, die absolute Überzeugung: Ich kann das – dann tu es! Wie viele Arbeitsplätze wurden seit der Gründung des Startzentrums geschaffen? Es sind 400 Arbeitsplätze. Wie lange kann ein Jungunternehmer beim Startzentrum zur Miete bleiben? Drei Jahre und das hat seinen Grund. Wir sagen, dass der Jungunternehmer rasch ein Feedback, also einen baldigen Marktauftritt mit seinem Produkt, seiner Dienstleistung haben muss. Er kann und darf nicht zu viel investieren. Auch kleine Aufträge sind willkommen, sie müssen aber kommen, denn Einkünfte sind unabdingbar. Eine zu lange Durststrecke vorzufinanzieren, macht keinen Sinn. Dann lieber Übung abbrechen. Der Marktauftritt sollte nach drei, spätestens nach 12 Monaten erfolgen, damit sich der Jungunternehmer in den beiden folgenden Jahren auf ein kontinuierliches Wachstum konzentrieren kann. Im ersten Jahr herrscht auch bei der Miete Schonfrist, es ist günstig und wird dann jedes Jahr ein wenig angehoben. Die Miete wächst mit dem Geschäftserfolg. Nach drei Jahren ist er flügge und in der Lage andernorts zu marktüblichen Konditionen Büroräume anzumieten. Wenn Sie einem Jungunternehmer, einer Jungunternehmerin einen Rat geben sollten, wie lautet der? Mache das, wofür Du eine Passion verspürst. Es braucht das Feu sacré, ohne Herzblut geht nichts.

* Gert Christen ist CEO des Startzentrum Zürich


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«Es gibt keine Selbstläufer mehr Als Schwimmer kämpfte er an der Spitze. Später ging er seinen Mitarbeitern auch in seinen Unternehmen voran. Nach über 25 Jahren in der IT-Branche wechselte der 52-jährige Stephan Isenschmid die Branche und wurde Kongressveranstalter für KMU-Führungskräfte.

TEXT: PHILIPPE WELTI

Das Swiss Leadership Forum will der umsichtige Luzerner zu einem Anlass ausbauen, welcher dem Grossraum Zürich Ehre antut. Er hat die Unterstützung des Kantons Zürich und des Schweizerischen Gewerbeverbands gewonnen. Dessen Direktor, Hans-Ulrich Bigler, schätzt das Swiss Leadership Forum (siehe Vorschau auf Seite 4) als Veranstaltung mit Zukunft, die dem Gewerbe wie den KMU zahlreiche Anstösse vermitteln kann. Mit seinen 185 Zentimetern ist Stephan Isenschmid unübersehbar. Noch heute hat er die athletische Figur eines Sportlers. Sein Händedruck ist fest, sein Blick hellwach. Als Jugendlicher war der Luzerner zwei Mal im Finale der Schweizermeisterschaften über 200 Meter Brust. Zum Titel eines Schweizermeisters reichte es zwar nicht. Aber der Spitzensport war ihm eine gute Schule, wie er heute sagt. «Man lernt fokussiert und unbeirrbar auf ein Ziel hinzuarbeiten», sagt Isenschmid. Sicheres Bauchgefühl «Hätte ich nicht auf mein Bauchgefühl gehört, wäre ich nie Unternehmer geworden», sagt Stephan Isenschmid. Nachdem der Betriebsökonom und Marketingspezialist als Verkaufsleiter und später Marketingleiter einer börsennotierten Informatikfirma während einigen Jahren seine Sporen abverdient hatte, beschloss er, sich selbstständig zu machen. Doch die Bank war nicht bereit, ihm einen Kredit zu geben. «Der Bankenvertreter sagte mir damals, er hätte keine Ahnung von der Informatik-Branche und könne nicht abschätzen, ob er mir ein Darlehen geben könne», erinnert sich Isenschmid heute. Immerhin sei der Mann ehrlich gewesen. Isenschmid liess sich nicht beirren und gründete mit einem Freund seine erste Firma, die Cope AG mit Sitz in Rotkreuz. Da war er dreissig Jahre alt. Bald mussten die beiden Jungunternehmer feststellen, dass sie mit dem Handel mit gebrauchten Computern, die sie aus dem Ausland importierten, nicht auf einen grünen Zweig kamen. Im Zeitalter der ersten, grösseren Festplatten in Desktop-Computern, in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts, Laptop und Notebook waren noch unvorstellbare Zukunftshirngespinste, war die Nachfrage nicht besonders gross. Bald stellten die beiden Jungunternehmer fest, dass sie sich auf ein anderes Business-Modell konzentrieren sollten. Die beiden Luzerner gaben jedoch nicht auf und stellten ihr Geschäftsmodell auf den Import von Komponenten für IBM-Computer um. Mit dem Bau von IBMkompatiblen Speicher-Subsystemen ging es plötzlich steil bergauf. Acht Jahre später leitete Stephan Isenschmid als CEO das jetzt international ausgerichtete Unternehmen mit fast 150 Mitarbeitern.

«Zum Erfolg gehört auch der Misserfolg» «Zum Erfolg gehört auch der Misserfolg. Nur dieser bringt einen weiter, was heute vielenorts unterschätzt wird», sagt Isenschmid, der in der Schweiz die in den USA praktizierte Fehlerkultur vermisst: «Dort geniesst jeder, der etwas auf die Beine stellt, einen Goodwill. Tritt der Misserfolg ein, steht man wieder auf. Das imponiert mir.» Als Jungunternehmer an die Nasdaq Acht Jahre nach der Unternehmensgründung war die Cope Guppe an der Nasdaq gelistet, zwei Jahre später am Neuen Markt in Deutschland. Das Unternehmen investierte in neue Firmen in den USA und Europa. «Die Börse war ein spannendes Unterfangen, sie war Chance und Gefahr gleichermassen. Noch einmal machen würde ich es aber auf keinen Fall», sagt Isenschmid. Neben seiner Tätigkeit als CEO schnupperte Stephan Isenschmid an der Politik. Während sechs Jahren sammelte er im Gemeinderat von Inwil, Luzern, Erfahrungen auf politischer Ebene als Finanzvorstand. Im Jahr 2000 zog er sich aus der Geschäftsleitung der Cope Gruppe zurück und trat in deren Verwaltungsrat ein. Fortan stand die strategische Ausrichtung des Unternehmens im Vordergrund seiner Tätigkeit. Doch nach zwei Jahren reizte ihn wieder das Tagesgeschäft. Isenschmid stieg als CEO bei einer Firma für Dokumentenmanagement ein, die er mit seinem neuen Geschäftskollegen weiterentwickelte und 2009 verkaufte. Er blieb Geschäftsführer des Unternehmens, bis er Ende 2012 im Sinne einer Neuorientierung eine Auszeit nahm. «Ich wollte in meinem Leben noch einmal etwas ganz Neues wagen. Irgendwann fragte ich mich, was will ich noch in meinem Leben?», so der Unternehmer.

Fotos: zVg

Aufbruch zu neuen Ufern Die Antwort kam bald in Form der Möglichkeit, die beiden Grossanlässe Swiss Leadership Forum und Swiss CRM-Fo-


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in der Wirtschaft»

DER WEG ZUM ERFOLG rum zu übernehmen. Erstere eine Netzwerkplattform für KMU-Führungskräfte, letztere eine Community Veranstaltung für CRM und neues und innovatives Marketing. Isenschmid kaufte die beiden Veranstaltungen – etablierte Marken, die eine gewisse Bekanntheit, in Isenschmids Augen aber ein enormes, noch nicht ausgeschöpftes Ausbaupotential hatten – genau das Richtige für einen Mann mit der strategischen Vision und dem Temperament von Stephan Isenschmid. «Ich habe in meiner Tätigkeit immer wieder festgestellt, dass wahre Leadership dauernd und überall gefragt ist. Die Mitarbeiter eines Unternehmens wollen sehen, wie ihre Vorgesetzten Verantwortung übernehmen und diese auch zum Wohl des Unternehmens ausüben. Das hat mich fasziniert. Leadership ist nicht primär eine Sache des Wissens oder des Talents, sondern vielmehr Ausdruck persönlicher Wertvorstellungen im unternehmerischen Alltag.» Was Stephan Isenschmid im Zusammenhang mit dem Swiss Leadership Forum wunderte: Ausgerechnet im grössten Wirtschaftsraum des Landes, in Zürich, fehlt ein profiliertes Wirtschaftsforum. Während das WEF in Davos den globalen Interessen der Schweiz dient und das Swiss Economic Forum in Interlaken den Interessen des Berner Mittellandes, will er das Swiss Leadership Forum in Zürich zum führenden Wirtschaftsanlass im Grossraum Zürich entwickeln. Der Wille zur konsequenten Unternehmensführung wird in der Schweiz unterschätzt. Unternehmer und Spitzenmanager in einer Zeit des Aufschwungs zu sein, wie die Schweiz dies im letzten Jahrhundert erlebte, ist etwas ganz anderes als in Jahren der Stagnation, wie sie heute vielerorts eingetreten ist, ein Unternehmen zu führen. Isenschmid sagt dazu: «Unternehmer sollten lernen, offen darüber mit anderen zu sprechen, wenn die Lage unübersichtlich oder schwierig wird. Es gibt immer einen Kollegen oder einen Fachmann, der solches nicht zum ersten Mal erlebt und Impulse oder möglich Lösungen bereit hat.» Konsequente Unternehmensführung bedeutet persönliche Interessen denen des Unternehmens unterzuordnen. «Wer dies nicht kann, muss sich fragen, ob er die Herausforderung annehmen will. Solide Unternehmensführung», sagt Isenschmid, «ist keine Selbstverständlichkeit. Visio-

Gemäss Stephan Isenschmid sind es, ähnlich wie beim Schwimmsport, folgende Elemente, die den Unternehmer zum Erfolg führen: 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10.

Gut vorbereitet sein Schnell und kräftig starten, aber einen Fehlstart auf jeden Fall verhindern Einen weitsichtigen Blick entwickeln und sich schlank bewegen Durchsetzungswillen zeigen, daran glauben, nie vorzeitig aufgeben Entscheide pragmatisch treffen, nicht falschen Spuren folgen Mut zur Lücke haben, denn man kann nicht alles perfekt machen Mut zum Gewinn haben, denn auf starke Jahre können schwache folgen Gute Mitarbeiter suchen und diesen echte Verantwortungen übertragen Freude am Erfolg haben Misserfolge wegstecken und unbeirrt neu anfangen

nen und Mut, verbunden mit echtem Unternehmertum, sind gefragt. Und der Faktor Geschwindigkeit wird immer wichtiger.» Die Ambitionen Isenschmids sind hoch: «Mit über 800 Teilnehmern sind wir schon heute das grösste Wirtschaftsforum in der Greater Zurich Area. Diese starke Position will ich ausbauen.» Das diesjährige Dachthema «Sparen und Wachsen», so ist er überzeugt, liegt voll im Trend. Das Thema Kostensenkung bei gleichzeitigem Wachstum steht heute ganz oben auf der Agenda vieler Führungskräfte. Wieder Kleinunternehmer Der Kreis schliesst sich. «Heute bin ich wieder Kleinunternehmer und beschäftige drei Personen», sagt Isenschmid, der sich immer weiterentwickeln will. Unterstützt auf seinem Weg zu immer neuen Ufern wird er von seiner Frau, mit der er seit 28 Jahren verheiratet ist, und seinen beiden erwachsenen Kindern. Ihn beschäftigt, wie die Rahmenbedingungen für KMU, welche der Staat bereitstellt, verbessert werden können. Hier wünschte er sich mehr wirtschaftsfreundliches Denken in der Politik. Isenschmid weiss, dass es heute keine Selbstläufer mehr gibt in der Wirtschaft – und schon gar nicht im Event-Management. Es brauche Durchsetzungskraft, Ausdauer und Disziplin. Und natürlich ein Businessmodell, welches nachhaltig ist. Mit seinen Events sieht er sich auf einem guten Weg. Wenn man mit ihm spricht, nimmt man ihm dies sofort ab. Der Mann kann überzeugen; ein Leader eben.

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ZH KMU I UNTERNEHMEN

Charme des Bons Die Lunch-Checks sind beliebt wie nie zuvor. Für achtzig Millionen Franken wurden im vergangenen Jahr Essengutscheine eingelöst. Nun will sich die Genossenschaft vom verstaubten Image lösen.

TEXT LUKAS STUDER

«Nehmen Sie Lunch-Checks?» Diese Frage hört ein Schweizer Kellner täglich. Für seine Gäste sind Lunch-Checks bei der Wahl des Restaurants zum Kriterium geworden. Über 40 000 Arbeitnehmer erhalten von ihrer Firma Verpflegungsbeiträge in Form der Essensgutscheine. Lunch-Check ist eine Genossenschaft, die Restaurants sind die Genossenschafter. Um aufgenommen zu werden, genügen eine Anmeldung und die Mitgliedschaft in einem gastgewerblichen Verband. Auf die eingereichten Checks zahlt der Wirt eine Kommission von 1,5 Prozent, die deutlich unter der Kommission für Kreditkarten liegt. Der einzige Aufwand für den Gastwirt: die Checks sammeln und an die Geschäftsstelle schicken. Zahlt im schlimmsten Fall kein einziger Gast mit Lunch-Checks, entsteht auch kein Aufwand. Das Zahlen mit Checks zu vereinfachen, war von Anfang an das Ziel. 1961 schlossen sich 14 Gastwirte der Stadt Zürich zusammen und gründeten die Genossenschaft. Bislang hatten die Betriebe mit jedem Arbeitgeber separate Abmachungen getroffen, nun erwarben sie Lunch-Checks und rechneten mit der Genossenschaft ab. Die Gründerväter wollten die Leute im Restaurant halten und verhindern, dass diese zu Hause assen oder ihr Essen mitbrachten. Lebenswerk gerettet Zehn Jahre später erreichte Lunch-Check eine kritische Grösse und stellte einen vollamtlichen Geschäftsführer ein. Ernst Schneider begann 1972 und Lunch-Check wurde zu seinem Lebenswerk. Es war Schneiders Verdienst, die Zürcher Stadtverwaltung als grössten Bezüger ab Juli 2011 zurückzugewinnen. Ende 2010 war der Budgetposten Personalverpflegung durch den Stadtzürcher Gemeinderat gestrichen worden. Für die politische Rettung war auch das Lobbying der Gastwirte im Stadtparlament entscheidend. Schneider war überzeugt, die Zürcher Gastronomie hätte ohne Lunch-Checks Einbussen in Millionenhöhe zu beklagen gehabt. Auch gegen eine feindliche Übernahme wehrte sich Schneider: Der Vorstand lehnte 1996 ein Kaufangebot von Ticket Restaurant ab. Der kommerzielle Anbieter von Essensgutscheinen ist in der Westschweiz gut vertreten, sein Mutterkonzern in Frankreich beheimatet. Rekordjahr folgt Rekordjahr Als Ernst Schneider begann, erzielte die Genossenschaft einen Umsatz von 4 Millionen Franken – als er vierzig Jahre später aufhörte, waren es rund 76. Das erste Jahr der PostSchneider-Ära war umsatzmässig ein Rekordjahr: 2012 bezogen die Unternehmen Lunch-Checks im Wert von fast 90 Millionen Franken. «Wir können jetzt schon sagen, dass 2013 wieder ein Rekordumsatz erwirtschaftet werden wird», sagt Thomas Recher, neuer Geschäftsführer der Genossenschaft. Was für den 53-jährigen Betriebsökonom mit Wur-

zeln im Baselland bedeutet, dass das Modell gut ankomme. Die guten Zahlen verdankt Lunch-Check einerseits den zwei grössten Kunden, der städtischen und der kantonalen Verwaltung. Die Verkäufe an den Kanton stiegen im 2012 laut Geschäftsbericht um 6,8 Prozent auf 36,1 Millionen. Andererseits wurden zusätzliche Unternehmen dazugewonnen – vom ZweiMann-Betrieb bis zum internationalen

Erfolgsmodell mit Retrogroove: Lunch-Check will sich vom verstaubten Image lösen und hat das Kult-Logo zum Leben erweckt.

THOMAS RECHER, DIREKTOR

«Gestalten statt verwalten» Sind Essensmärkli noch zeitgemäss? Essensmärkli, das klingt schon konservativ. Das Konzept der Verpflegungsbeiträge aber ist zeitgemäss. Kürzlich sagte mir die Personalchefin eines Grosskonzerns, die Tendenz gehe wieder in Richtung Lunch und Mittagspause. An der Nachfrage merken wir: Mitarbeiter hören auf, vor dem PC ein Sandwich zu verputzen. Sie wollen eine Unterbrechung und heraus aus dem Büro, um etwas zu essen. Wir sind sogar zeitgemässer als vor ein paar Jahren. Dennoch müssen wir uns Gedanken machen, ob es eine Alternative zu den Märkli gibt. Weshalb haben Sie den Direktionsposten übernommen? Ich wollte in einem KMU arbeiten, wo meine Verantwortung das Ganze abdeckt. Ich möchte mitgestalten. Mein Posten ist kein Verwalterjob, sondern ein Gestalterjob. Der Vorstand will Lunch-Check weiterentwickeln und nicht stehen bleiben. Zudem ist die Gastronomie eine interessante Branche. Das Entwicklungspotenzial der Organisation hat mich überzeugt. Welche Neuerungen stehen an? Lunch Check hatte ein konservatives Image. Die 1961 ge-


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Rechtsberatung für KMU.

Konzern. Besonders die Kantone Genf und Aargau zeigten erfreuliches Wachstum. Die Hochburgen des Lunch-Checks sind traditionell Zürich, Basel und Genf. Aus neuen Industrieregionen wie in Ebikon bei Luzern oder in Rotkreuz bei Zug kommt neues Wachstum. Auch bei den Verwaltungen sieht Thomas Recher Potenzial: «Wir sind mit vielen Kantonen in Kontakt. Die Schweiz hat 26 Kantone und noch mehr Städte.» Wenn eine Verwaltung rote Zahlen schreibe, seien Zusatzleistungen für das Personal nicht der erste Gedanke. «Als Lohnbestandteil ohne AHV bieten die LunchChecks aber eine Sparmöglichkeit.»

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Chipkarte statt Checks? Die technische Entwicklung betrifft auch Lunch-Check. Schon 1997 beauftragte der Vorstand die Firma Siemens Nixdorf, die Umstellung auf ein Chipkarten-System zu überprüfen. Die Studie errechnete nötige Investitionen von zehn Millionen Franken. Geschäftsführer Recher betont, Lunch-Check verschliesse sich nicht der technischen Entwicklung. «Wenn wir eine Neuerung einführen, muss alles vom ersten Tag an funktionieren – für jedes Restaurant, jedes Unternehmen und jeden Mitarbeiter. Wir arbeiten daran.» Es wird sich weisen, ob das neue System dem Charme der Essensbons gerecht wird.

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und öffentliche Institutionen hinzugewinnen. Ein Traktandum sind elektronische Zahlungsmittel: Welche Alternativen haben wir? Dazu gaben wir eine Machbarkeitsstudie in Auftrag. Auch wollen wir unsere Dienstleistungen an die Kunden erweitern. Auf dem neuen App sieht der Benutzer, welche Betriebe Lunch-Checks annehmen. Welche Herausforderungen stellen sich der Genossenschaft in Zukunft? Die technische Weiterentwicklung und die aktuelle Tendenz zur Gesundheit und zur Mittagspause. Auch Entwicklungen zum Essverhalten beobachten wir. Die Gastronomiebranche wandelt sich: Nicht allen geht es gut. Wo früher vier Dorfbeizer waren, wirtet heute noch einer. Dort sind die Vorteile von Lunch-Checks kleiner. Die Herausforderungen nehmen wir an. Unsere Position ist gut, wir wachsen. Darauf dürfen wir uns nicht ausruhen. Wir suchen den engen Dialog mit den Kunden.

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gründete Genossenschaft und ihre Essensgutscheine wurden belächelt. Das Image auffrischen ist ein Ziel. Wir wollen aktiver in Erscheinung treten und zeigen, welche Vorteile das Modell hat. Also haben wir das Logo zum Leben erweckt und unser Erscheinungsbild inklusive neuer Homepage erneuert. Das andere Ziel ist wachsen. Wir wollen unsere Kundenbasis erweitern, auch kantonale

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Belastung am Arbeitsplatz Der Mitarbeiter von heute ist psychisch mehr und mehr belastet. Das führt zu Stress, Mobbing oder gar Burnout. Wer als Führungskraft früh interveniert, kann schlimme Folgen verhindern.

TEXT PETER MEIER *

Foto: Bilderbox.de

Stress am Arbeitsplatz ist weitverbreitet und wird – darin sind sich die Experten einig – in den nächsten Jahren noch zunehmen. Der Betroffene erlebt Stress als einen Verlust an Wohlbefinden und Lebensqualität, mittel- bis langfristig ist auch seine körperliche und psychische Gesundheit beeinträchtigt. Die vielfältigen Stressfolgen zeigen sich im Verhalten und Erleben: Nervosität, Gereiztheit, Angst, Einschlafschwierigkeiten oder kritisches Gesundheitsverhalten (zum Beispiel Alkohol- und Nikotinmissbrauch). Sind Menschen über Wochen, Monate und zum Teil Jahre mit Arbeits anforderungen konfrontiert, die sie über- oder unterfordern, entsteht ein chronischer Stresszustand. Längerfristige körperliche Folgen sind unter anderem erhöhter Blutdruck, anhaltende erhöhte Muskelspannung mit Schmerzen im Rücken-, Schulter- und Nackenbereich oder Organschädigungen (Herzinfarkt, Magengeschwür, Schlaganfall). Daneben sind auch ernstzunehmende Konsequenzen für das Unter-

nehmen und seine Wirtschaftlichkeitsziele zu erwarten. Erwiesenermassen bringen die genannten Beanspruchungsfolgen ein Absinken der Arbeitsleistung mit sich. Ein Teil der Fehlbeanspruchungen kann zwar von den Beschäftigten kurzzeitig kompensiert werden und die Leistung scheint auf den ersten Blick stabil zu bleiben. Längerfristig sind jedoch Leistungseinbussen zu erwarten. Diese manifestieren sich auch in erhöhten Fehlzeiten, bedingt durch vermehrte Erkrankungen und Rückzugsvorgänge. Stressformen In jüngster Zeit sind zwei spezifische Erscheinungsformen von Stress besonders diskutiert worden: Mobbing und Burnout. Wie oben gezeigt, sind Konflikte mit Kollegen und Vorgesetzten ein zentraler Belastungsfaktor am Arbeitsplatz. Mobbing ist eine extreme Form sozialer Belastungen, wobei die zwischenmenschlichen Konflikte zu zum Teil verheerenden gesundheitlichen Folgen für das Mobbing-Opfer führen. Mobbing lässt sich wie folgt

definieren: «Mobbing beinhaltet, dass jemand am Arbeitsplatz von Kollegen, Vorgesetzten oder Untergebenen schikaniert, belästigt, drangsaliert, beleidigt, ausgegrenzt oder beispielsweise mit kränkenden Arbeitsaufgaben bedacht wird und der Mobbingbetroffene unterlegen ist. Mobbing tritt häufig und wiederholt auf (zum Beispiel mindestens einmal pro Woche) und erstreckt sich über einen längeren Zeitraum (mindestens ein halbes Jahr). Es handelt sich nicht um Mobbing, wenn zwei etwa gleich starke Parteien in Konflikt geraten.» Einer deutschen Studie zufolge sind Mobbingopfer im Sozial- und Gesundheitsbereich, im Erziehungsbereich, in der öffentlichen Verwaltung und im Kreditgewerbe deutlich überrepräsentiert; vergleichsweise wenige Mobbingopfer gibt es dagegen in den Bereichen Verkehr, Handel und im Baugewerbe. Mit Burnout («Ausbrennen») wird ein arbeitsbezogenes Syndrom bezeichnet, das insbesondere in Helferberufen, aber auch generell im Bereich


MANAGEMENT I ZH KMU

W I C H T I G E B E S TA N D T E I L E EINER ZUFRIEDENSTELLENDEN ARBEITSBEZIEHUNG – Die Vereinbarung konkreter, realistischer Arbeitsziele (unter Beteiligung der Mitarbeiter): Ziele geben den Mitarbeitern Sicherheit bei der Aufgabenerfüllung, ermöglichen Erfolgserlebnisse und setzen Energie und Kreativität frei. – Die fachliche und emotionale Unterstützung bei der Aufgabenerledigung: Mitarbeiter, die in schwierigen Arbeitssituationen nicht allein gelassen werden und Fehler zugeben können, bewerten erfahrungsgemäss die Anforderungen als weniger «stressend». – Eine persönliche und ausreichende Rückmeldung über die Arbeitsergebnisse: Führungskräfte sollten positives Verhalten anerkennen, das heisst, erbrachte Leistungen bemerken und würdigen und dabei nicht nur besondere Anstrengungen und Arbeitsergebnisse hervorheben, sondern auch Dauerleistungen berücksichtigen. Ein solches Feedback liefert den Mitarbeitern wichtige Informationen, schafft Verhaltenssicherheit, eröffnet Lernchancen und fördert die Motivation. – Regelmässige Kommunikation und Information der Mitarbeiter: Eine transparente Informationspolitik, eine Atmosphäre gegenseitiger Offenheit und das Bemühen auf Belange der Mitarbeiter (Kritik, Verbesserungsideen) einzugehen, fördert die Arbeitszufriedenheit und wirkt stressreduzierend.

der (Human-)Dienstleistungen anzutreffen ist. Dabei handelt es sich vorzugsweise um Tätigkeiten, die ein langzeitiges Engagieren für andere Menschen in emotional belastenden Situationen erfordern. Burnout-Symptome sind emotionale Erschöpfung, Müdigkeit, Gereiztheit und Unausgeglichenheit, aber auch eine misstrauische und negative, zynische Grundstimmung gegenüber Kollegen, Klienten und der eigenen Arbeit. Längerfristige Folgen von Burnout sind Arbeitsunzufriedenheit, Depressivitätssymptome und psychovegetative Störungen, reduzierte Arbeitsleistung, erhöhte Fehlzeiten und Arbeitsplatzwechsel. Burnout wird mit personenspezifischen Merkmalen erklärt. Zu hohe Erwartungen und unrealistische Zielsetzungen gemessen an den eigenen Fähigkeiten und die schwierige Realität des beruflichen Alltags führen zu einem Missverhältnis, das einen Zustand physischer und psychischer und emotionaler Erschöpfung zur Folge hat.

Interventionsmöglichkeiten Der zentrale Ansatzpunkt für eine Belastungsreduzierung und die Gesundheitsförderung der Mitarbeiter liegt in der Optimierung von Arbeitsbedingungen, Arbeitsplatzgestaltung, Arbeitsorganisation und Führungsverhalten; darüber hinaus ist auch die Förderung der Kompetenzen der Mitarbeiter eine sinnvolle Strategie zur Stressvermeidung beziehungsweise reduzierung. Im Sinne neuer Forschungsansätze, etwa der Salutogenese, wird nicht mehr nur erforscht, was belastet und krank macht; ebenso wird der Frage nachgegangen: Was macht (erhält) uns gesund? Neben belastenden, potentiell krankmachenden Arbeitsbedingungen stehen entlastende, gesundheitsschützende Bedingungen im Mittelpunkt der Betrachtung: Bedingungen, die bei der Bewältigung von Arbeitsanforderungen unterstützen und die Wirkung negativer, potentiell stressauslösender Einflüsse reduzieren. Grundsätzlich ist eine ergonomisch optimal gestaltete Arbeit Vorausset-

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zung für die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten. Weiter gibt es bestimmte Grundsätze und Zielsetzungen zur gesundheitsförderlichen Arbeitsgestaltung. Das gilt etwa für den Handlungsspielraum bei der Arbeit: Der Mitarbeiter sollte für seine Aufgabe über Entscheidungsmöglichkeiten verfügen. Vollständige Arbeitstätigkeiten gelten als potentiell gesundheits- und persönlichkeitsfördernd. Eine vollständige Tätigkeit beinhaltet neben dem Ausführen auch: – Vorbereitungsfunktionen (wie das Aufstellen von Zielen oder das Entwickeln von Vorgehensweisen), – Organisationsfunktionen (das Abstimmen der Aufgaben mit anderen Menschen) und – Kontrollfunktionen, durch die der Arbeitende Rückmeldungen über das Erreichen seiner Ziele erhält. Die Mitarbeiter sind Experten für ihren Arbeitsbereich. Niemand ist mit den Arbeitsabläufen und den psychischen Belastungen so vertraut wie der Mitarbeiter selbst. Die Nutzung seines Erfahrungswissens um Arbeitsaufgabe, Arbeitsablauf und Arbeitsbedingungen ist daher für eine belastungsoptimierte Arbeitsgestaltung wichtig, sowohl um Verbesserungsvorschläge zu entwickeln als auch um Schwachstellen aufzudecken. Der Nutzen der Mitarbeiterbeteiligung liegt indes nicht allein in der Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Sie macht betriebliche Prozesse und Abläufe transparent und führt so zu einem günstigen Betriebsklima und zu hoher Akzeptanz der Mitarbeiter. Die Beteiligung an der Problem- und Lösungsfindung leistet einen Beitrag zu partizipativen Unternehmensstrukturen. Da soziale Unterstützung durch Vorgesetzte und Kollegen einen wesentlichen Puffer gegen Stress bildet, sind der Aufbau und die Pflege konstruktiver Arbeitsbeziehungen durch einen mitarbeiter- und partizipationsorientierten Führungsstil erfolgsversprechend. Um Über- beziehungsweise Unterforderung vorzubeugen, sollen die Mitarbeiter gemäss ihren Leistungsvoraussetzungen und Qualifikationen eingesetzt werden. Der direkte Vorgesetzte ist aufgrund seines ständigen Kontakts mit den Mitarbeitern in der Lage, angemessene Arbeitsanforderungen zu stellen. Besteht die Gefahr der Überforderung, muss der Vorgesetzte die erforderlichen Qualifizierungsschritte einleiten. Betriebliche und ausserbetriebliche Weiterbildungsmassnahmen fördern die Fähigkeiten der Mitarbeiter zur Stressprävention und zum Stressmanagement. Seminare zur Erweiterung fachlicher Kompetenzen (zum Beispiel EDV) und sozialer Fähigkeiten wie «Zeitmanagement», «Gesprächsführung», «Umgang mit Konflikten» oder «Entspannungstechniken» helfen, die individuellen Ressourcen zu erweitern. Die Handlungsfelder der Prävention bei psychosozialen Problemen am Arbeitsplatz umfassen zusammengefasst folgende Massnahmenbereiche: – Menschengerechte Arbeitsgestaltung, – Mitarbeiterpartizipation, – fachliche und soziale Unterstützung der Mitarbeiter und – Weiterentwicklung der individuellen Möglichkeiten, mit psychosozialen Problemen (Stress, Mobbing, Burnout) umzugehen.

* Dr. Peter Meier, Amt für Wirtschaft und Arbeit, Arbeitsbedingungen, 8090 Zürich.


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Arbeitszeugnis – zwischen wohlwollend und ehrlich TEXT LEENA KRIEGERS-TEJURA *

Beim Verfassen des Arbeitszeugnisses für einen austretenden Arbeitnehmer aus der Privatwirtschaft gibt es aus rechtlicher Hinsicht verschiedene Aspekte zu beachten. Einige davon werden nachfolgend zusammengefasst. Anspruch auf Arbeitszeugnis Der Arbeitnehmer kann von Gesetzes wegen jederzeit vom Arbeitgeber ein Arbeitszeugnis verlangen, welches sich über die Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses sowie über seine Leistungen und sein Verhalten ausspricht (Art. 330a Obligationenrecht). Das bedeutet, dass der Arbeitnehmer während des Arbeitsverhältnisses ein Arbeitszeugnis verlangen kann (Zwischenzeugnis), aber auch kurz vor, bei und nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Nach überwiegender Auffassung muss der Arbeitnehmer für das Zwischenzeugnis ein berechtigtes Interesse glaubhaft machen. Daran sind aber keine allzu hohen Anforderungen zu stellen (zum Beispiel Wechsel eines Vorgesetzten, Transfer im Betrieb, Weiterbildung, Stellenwechselabsichten). Zwischenzeugnisse sind in der Gegenwart zu formulieren. Inhalt des Arbeitszeugnisses Das Vollzeugnis soll qualifiziert Auskunft über die Tätigkeit, die Leistungen und das Verhalten des Arbeitnehmers am Arbeitsplatz geben. Es muss mindestens folgende Punkte enthalten: – Personalien des Arbeitnehmers – die Bezeichnung des ausstellenden Arbeitgebers und dessen rechtsgültige Unterschrift samt Ausstellungsdatum, – Beginn (gemeint ist der tatsächliche Arbeitsbeginn und nicht das Datum des Vertragsschlusses) und das rechtliche Ende des Arbeitsverhältnisses, – eine Auflistung der tatsächlich ausgeübten Funktionen/Tätigkeiten des Arbeitnehmers und deren Zeitdauer, – eine aussagekräftige Bewertung der Leistung (Arbeitsqualität und -quantität) des Arbeitnehmers, – konkrete Aussagen zum Verhalten des Arbeitnehmers. Der Beendigungsgrund ist dann notwendiger Bestandteil des Arbeitszeugnisses, wenn es zur Würdigung des Gesamtbildes (etwa bei einer Kündigung wegen Veruntreuung) beiträgt. Ansonsten darf darauf verzichtet werden, es sei denn, der Arbeitnehmer möchte dies explizit erwähnt haben. Die Arbeitsbestätigung hingegen gibt bloss Auskunft über die Dauer des Arbeitsverhältnisses und die ausgeübte Funktion. Grundsätze bei der Erstellung von Arbeitszeugnissen Das Arbeitszeugnis muss wahrheitsgetreu, vollständig und klar sein. Das Arbeitszeugnis ist wohlwollend zu formulieren und soll das berufliche Fortkommen der Angestellten fördern. Das Wohlwollen hat seine Grenzen in der Wahrheitspflicht. Wohlwollen heisst nicht, dass negative Tatsachen im Arbeitszeugnis keine Erwähnung finden dür-

§ Fotoquelle: Bilderbox.de

fen, soweit sie für die Gesamtbeurteilung notwendig sind. Aufgrund des Klarheitsgebots sind zweideutige Formulierungen (auch als Codierung bekannt) unzulässig.

absehbar. Unter diesen Umständen war der Arbeitgeber gemäss Bundesgericht gehalten, die Krankheit in einem qualifizierten Arbeitszeugnis zu erwähnen.

Krankheiten im Arbeitszeugnis? Das Bundesgericht (BGE 136 III 510) hat zu dieser Frage wie folgt argumentiert: Eine Krankheit ist nur dann zu erwähnen, wenn sie: – «einen erheblichen Einfluss auf Leistung oder Verhalten des Arbeitnehmers hat» oder – «die Eignung zur Erfüllung der bisherigen Aufgabe infrage stellt und damit einen sachlichen Grund für die Auflösung des Arbeitsverhältnisses bildet». Ferner sind laut Bundesgericht längere Arbeitsunterbrüche in einem qualifizierten Arbeitszeugnis dann zu erwähnen, wenn sie im Verhältnis zur gesamten Vertragsdauer erheblich ins Gewicht fallen und daher ohne Erwähnung ein falscher Eindruck mit Bezug auf die erworbenen Berufserfahrungen entsteht. Massgebend ist immer der Einzelfall. Im erwähnten Bundesgerichtsentscheid war der Arbeitnehmer über ein Jahr lang arbeitsunfähig, bei Vertragsende noch immer arbeitsunfähig und eine Genesung war nicht

Fazit Bei der Ausstellung des Arbeitszeugnisses muss der Arbeitgeber auf zahlreiche Grundsätze achten. Die grösste Herausforderung für den Arbeitgeber dürfte es sein, das Arbeitszeugnis einerseits wohlwollend zu formulieren, dabei aber das Wahrheitsgebot nicht ausser Acht zu lassen. Stellt der Arbeitgeber aufgrund der Wahrheitspflicht ein negatives Arbeitszeugnis aus, kommt es nicht selten vor, dass ein Arbeitnehmer ein solches Arbeitszeugnis anficht und vor Gericht eine Berichtigung/ Abänderung des Arbeitszeugnisses verlangt. Dieses Spannungsfeld gilt es letztlich wohl auszuhalten, wollen wir nicht den bereits jetzt in vielen Rekrutierungsprozessen gehörten Satz «Arbeitszeugnisse sind eh nichts wert» zur Regel machen. * Lena Kriegers-Tejura ist Rechtsanwältin, LL.M., Partnerin bei Zulauf Bürgi Partner, Zürich (www.zblaw.ch), Dozentin für Wirtschaftsund Arbeitsrecht und Fachvorstand Arbeitsrecht für eidg. Berufs- und höhere Fachprüfungen in Human Resources.


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ZH KMU I PROMOTION

Erstklassig mal zwei Die Hotels Sedartis und Belvoir an der linken Zürichseeseite bieten ein modernes und attraktives Angebot von 100 Zimmern, 17 Seminar- und Eventräumen, diversen Restaurationen, Wellness & Gym sowie Indoor Golf und Bowling. Unsere Gäste profitieren von einem Rundum-Angebot, das dank der Vernetzung der beiden Betriebe mit einem Anruf gebucht werden kann.

HOTEL BELVOIR

Unten der See, Oben das Mehr TEXT MARTIN VON MOOS *

Fotos: zVg

Das Viersterne Superior Hotel Belvoir in Rüschlikon verfügt über 60 Zimmer, alle mit fantastischer Aussicht auf den Zürichsee und die Berge. Die Zimmer mit Balkon oder Terrasse überzeugen mit ihrem eleganten Design, warmen Materialien und Farben. Die fünfzig Superior Zimmer, drei Deluxe Zimmer, fünf Junior Suiten, die Belvoir Suite und ein Familienzimmer bieten dem Gast eine äusserst hohe Übernachtungskultur.

Neben Sauna, Dampfbad, Outdoor Whirlpool, Kneipp Weg und einer ausgedehnter Ruhezone lädt das Flosaldrom Schwebebad zum Entspannen ein. Modernste Cardio- und Fitnessgeräte fördern Muskeltraining und Kreislauf. Für Massage und Beauty steht Ihnen eine grosse Auswahl an Verwöhnangeboten zur Verfügung. Professionelle Betreuung und ausgebildetes Fachpersonal garantieren Ihnen Wohlfühlen auf höchstem Niveau.

Die Seminarräume Neben einem Konferenz- und Ballsaal mit 300 Quadratmeter Fläche bieten sechs Seminarräume ideale Voraussetzungen für Meetings und Events von 6 bis 280 Personen. Modernste Seminartechnik gepaart mit hohem Service Standard versprechen dem Hotel ein einzigartiges Ambiente und gehobene Qualität auf allen Ebenen. Der exklusive Board Room, mit atemberaubender Rundsicht, kann auch für Lounge Events gebucht werden. Im Belvoir Saal finden neben Tagungen und Hochzeiten auch regelmässig kulturelle Anlässe statt.

Restauration Mittags einen Business Lunch, abends Fine Dining oder die hohe Kunst vom Grill. Im À-la-carte-Restaurant, im Grill Restaurant, auf der grossen Sonnenterrasse mit Kinderspielplatz oder in der Belbar & Lounge sind wir leidenschaftliche Gastgeber und heissen Sie herzlich willkommen. Lassen Sie sich von uns verwöhnen und überraschen, immer inklusive grandioser Aussicht auf See und mehr.

Wellness Auf 400 Quadratmetern erwartet Sie im Hotel Belvoir ein vielfältiges Angebot an Wohlfühltherapien und Aktivitäten.

Bowling Die moderne Bowlinganlage mit drei elektronisch gesteuerten Bahnen steht nicht nur den Hotelgästen und Seminargästen, sondern auch externen Besuchern zu Verfügung. Die Anlage kann für Firmenanlässe und Gruppen exklusiv gebucht werden.


PROMOTION I ZH KMU

HOTEL SEDARTIS

Das Gute liegt so nah Direkt am Bahnhof Thalwil und nahe am Zürichsee liegt das Business-, Seminar- und Eventhotel Sedartis, in nur acht Minuten Zugfahrt vom Hauptbahnhof Zürich erreichbar. Das Restaurant Das Restaurant im Hotel Sedartis kann sich sehen lassen: Nach einem mehrwöchigen Umbau wurde es Mitte August dieses Jahres neu eröffnet. Blickfang sind zwei eigens angefertigte Kronleuchter. Den Körper bildet derselbe bronzefarbene Stoff wie die Vorhänge und verbirgt die neueste Lichttechnologie. Gegenüber dem goldfarbenen Buffetkorpus findet sich neu eine Anamorphose-Wand. Das Sujet aus Essbesteckelementen verändert sich je nach Blickwinkel. Nebst den traditionellen und beliebten Schweizer Klassikern bietet das Küchenteam diverse Gerichte aus dem «Pfännli» an. Die neue Spezialität ist das Zimmerberger Pfännli: das Beste vom Kalb, unterschiedlich zubereitet, serviert mit Quarkpizokel und Gemüse. Ganz im Sinne der Nachhaltigkeit und Authentizität wird das Fleisch von drei Bauern vom Zimmerberg bezogen. Die Zimmer Modernes Design, eine perfekt durchdachte Infrastruktur und ein zeitgemässer Viersterne-Komfort garantieren ideale Voraussetzungen für den beruflichen wie auch privaten Aufenthalt. 40 Zimmer sind in funktionellem und farblich akzentuiertem Design eingerichtet und verfügen alle über einen eigenen Balkon oder eine Terrasse.

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Die Seminarräume Für Ihre Besprechungen, Tagungen und Seminare bietet Ihnen das Seminar- und Tagungshotel Sedartis eine einzigartige Atmosphäre und gehobene Qualität auf allen Ebenen. Als kompetenter Gastgeber betreuen wir Ihren Anlass von der Idee über die Organisation bis zur minutiös geplanten Durchführung. Verschiedene modular ausbaubare Säle stehen Ihnen zur Verfügung. Allesamt mit Tageslicht, der neuesten Technik und Infrastruktur ausgerüstet. Sie bieten Platz für Kleingruppen wie für Bankette bis 120 Personen und Plenumsveranstaltungen bis 150 Personen. Die Edo Bar/Lounge Trendige Drinks, ein reichhaltiges Weinangebot und kalte sowie warme Snacks bieten zusammen mit dem professionellen und freundlichen Service ideale Voraussetzungen für ein gemütliches Beisammensein. Als regionale Besonderheit ist in der Edo Bar/Lounge das Rauchen erlaubt. Die Indoor Golf Anlage In unserer Indoor Golfanlage finden Sie zwei topmoderne Golfsimulatoren. In Zusammenarbeit mit Golfprofessionals bieten wir Golfkurse, Rahmenprogramme für Seminarteilnehmer und private Golfstunden an. So verbessern Sie Ihr Handicap auch während der Wintermonate. Die Anlage ist öffentlich für jede Golferin und jeden Golfer für das individuelle Spiel, sofern die Platzreife nachgewiesen werden kann.

* Martin von Moos ist Geschäftsführer des Hotel Sedartis und des Hotel Belvoir.

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Geselligkeit – seit 1839 1839 war ein stürmisches Jahr in Zürich, denn am 6. September erfolgte ein reaktionärer Umsturz der Kantonsregierung. Und die Berufung des deutschen Reformtheologen David Friedrich Strauss provozierte so viel Widerstand der Bevölkerung, dass sie rückgängig gemacht werden musste. Just in dieser Zeit taten sich einige Männer aus dem örtlichen Gewerbe zusammen und gründeten die Mittwoch-Höfli-Gesellschaft.

TEXT PETER BLATTNER

Networking ist heute in aller Munde, jede Veranstaltung wirbt mit diesem Schlagwort. Die Gründer der MittwochHöfli-Gesellschaft erkannten dies bereits vor bald 175 Jahren. Es war nicht jedem gegeben, bei einer der Zünfte mitzutun, ganz abgesehen davon, dass dort hohe Einstiegskriterien herrschten. Geschäftsleute, selbständig oder angestellt, gründeten einen Verein – politisch und konfessionell neutral –, um sich bei regelmässigen Treffen auszutauschen. Das ist heute noch so, am Mittwochstamm wird diskutiert, manchmal sogar heftig und auch kritisch, und dies zu den verschiedensten tagesaktuellen Geschehen, zu Ereignissen in Zürich, in der Schweiz und weltweit. Der Diskussionsstoff geht nie aus. Anders als bei Zünften oder Service Cluborganisationen bestehen keine geschäftlichen Beziehungen untereinander. Männerstamm In der ganzen Zeit seines Bestehens hat der Verein nie mehr als maximal 20 Mitglieder gehabt. Das macht das Ganze überschaubar und am runden Spezial-Stammtisch im Vereinslokal «Bierhalle Kropf« können bis zu zehn Mann gleichzeitig tafeln! Die heutigen 14 Gesellschafter sind teilweise pensioniert, andere noch aktiv. Sie vertreten verschiedenste Berufe wie Elektroingenieur, Förster, Gastroplaner, Depotleiter, Bankbeamter, Arzt, Bauunternehmer, Malermeister, Grafiker, Redaktor und sind zwischen 50 und 90 Jahre alt. Das älteste Mitglied ist seit 1978 dabei! Jeden Mittwoch trifft man sich ab 18.00 Uhr in der «Bierhalle Kropf» beim Paradeplatz zum geselligen Stelldichein mit Nachtessen. Aktivitäten Im Frühling und im Herbst wird ein Ausflug unternommen, manchmal auch mehrtägig mit Übernachtung. Ab und zu geht es auch ins benachbarte Ausland, z. B. nach Como, nach Bezau oder ins Elsass. Der Ausflug wird immer kombiniert mit einem kulturellen Highlight, sei es der Besuch eines Museums, einer Kathedrale, eines Weinguts oder anderem. Gereist wird prinzipiell per Bahn. Im Frühjahr findet die Generalversammlung statt, hier legen Präsident und, Kassier Rechenschaft ab. Anschliessend wird ein Protokoll versandt, wie es sich für einen eingetragenen Verein gehört. Im

November kommt ein typischer Zürcher Anlass zur Geltung, das legendäre Martinimahl. Seit dem 14. Jahrhundert werden an diesem Tag Gänse verspeist. Das geht auf das Erntefest zurück. Andererseits konnte man vor dem bis Weihnachten dauernden Advents fasten Speise und Trank noch einmal reichlich geniessen . . .

Geselligkeit und der Freundschaft Interessenten, die sich einen neuen Freundeskreis erschliessen möchten, sind herzlich eingeladen, an einem Stamm teilzunehmen. Es ist vorgängig ein Anruf an den Vereinspräsidenten erwünscht. Der neue Gast kann sich am Stammtisch kurz vorstellen und wird in der Regel an einigen Abenden


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6 Fragen an Hans Friemel Herr Friemel * wie kamen Sie ins Höfli? Wann sind Sie eingetreten? Hans Friemel: Als damaliger Obmann der ältesten Jodlerguppe der Schweiz – dem Jodler Sextett des TV Alte Sektion Zürich – hatte ich recht guten Kontakt zum langjährigen Wirt unseres Stammlokals, dem Zunfthaus zur Zimmerleuten. Zunftwirt war der damalige Präsident der Mittwoch-HöfliGesellschaft Edwin Siegrist. Er war es, der mich zum ersten Besuch animierte und dabei meinte, ich würde ganz gut in diese Runde passen. So kam es, dass ich 1990 in die Gesellschaft aufgenommen wurde.

Hat der Gedanke so einer Vereinsrunde heute überhaupt noch eine Zukunft? Je länger je mehr, davon bin ich überzeugt. Meist wird heute ja nur noch über digitale Kanäle kommuniziert. Wir nutzen diese Techniken auch – aber – persönliche Gespräche unter vier, zwanzig oder mehr Augen sind einfacher, angenehmer, schneller, vielfältiger und lehrreicher. Vom riesigen Potenzial an Wissen und Können aus verschiedensten Berufen kann mit geringstem Aufwand profitiert werden. Wo können Sie schon kostenlos Fragen zu Autoreparatur, Zugsverbindung, Bankfach, Gesundheit, Malerarbeit, Grafik-Design, Elektrotechnik oder Computerproblemen gleichzeitig stellen und sogar Antworten bekommen? Und das erst noch in kollegialer, gemütlicher und sehr entspannter Runde!

Was bewog Sie, das Amt des Präsidenten zu übernehmen, das sicher mit einem gewissen zeitlichen Aufwand (ehrenamtlich) verbunden ist? Wenn ich schon Mitglied irgendeiner Gesellschaft oder eines Vereins bin, dann mit Engagement Was wünschen Sie sich und nicht nur als Mitläuvon neuen Mitgliedern? fer. Die Kollegen trauten Die Pflege des bürgerlichen mir zu, diese Aufgabe erGemeinsinns, politische füllen zu können und und konfessionelle Neutrawählten mich an der Gelität und die Akzeptanz neralversammlung 2005 Hans Friemel: Bis zu ihrem Präsidenten. Der heute hat sich nach zürcherischer Traditionen. Aufwand hält sich dank meinem Wissen die Dass sie sich regelmässig aus dem Stress des Alltags grossartiger UnterstütFrage zu Mitglied«ausklinken» und erholen zung durch die Vorstand- schaft von Frauen wollen, gut zuhören könkollegen und lobenswert gar nie gestellt. nen, andere Meinungen unkompliziertem Verhalauch akzeptieren, sich selber aber ten der Gesellschafter absolut in dennoch mit ihrem Wissen und klarer Grenzen. Als heutiger Rentner kann Meinung in die Runde einbringen. und darf man sich Arbeit entsprechend einteilen. 2014 wird die Mittwoch-HöfliGesellschaft 175 Jahre alt. Planen Was ist der Grund, dass keine Sie spezielle Aktivitäten? Frauen Mitglieder sind? Die Gehirnzellen arbeiten zwar Es gibt keinen besonderen Grund. daran, die ganz grosse Erleuchtung Wir achten und schätzen unsere hat sich aber noch nicht eingestellt. Frauen und Partnerinnen sehr. Gefeiert wird sicher! Respekt gilt gegenseitig sowohl für Männer- als auch für Frauen-Runden. Bis heute hat sich nach meinem * Hans Friemel ist Präsident der MittwochWissen die Frage zu Mitgliedschaft Höfli-Gesellschaft Zürich, von Frauen gar nie gestellt. Telefon 043 817 10 36, hfriemel@bluewin.ch

Jahresbeitrag beträgt übrigens 300 Franken. Der Name geht zurück auf das einstige Vereinslokal und die Wirtschaft gleichen Namens, die heute noch am Limmatquai nahe bei der Wasserkirche stehen. Später wurde der Anlass dann in Zürcher Zunfthäuser und seit vielen Jahren in die «Bierhalle Kropf» verlegt.

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teilnehmen, um auch für sich selber entscheiden zu können, ob er Vereins mitglied werden möchte. In diesem Fall reicht er dem Vereinspräsidenten einen Lebenslauf ein, der quasi als «Bewerbung» an die Mitglieder versandt wird, die sich dann zur Anfrage äussern können. Das alles geht natürlich problemlos über die Bühne. Der

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ZH KMU I AKTUELL

Familienunternehmen siegt Der vierte Prix SVC Wirtschaftsraum Zürich geht an die Baumann Federn AG aus Ermenswil bei Rüti. Die Jury lobt aber auch die Zweit- und Drittplatzierten. TEXT JONAS HUGENTOBLER

Baumann Federn AG, ein Unternehmen mit einer 125-jährigen Erfolgsstory schrieb am 3. Oktober 2013 weiter Geschichte: Das international ausgerichtete Familienunternehmen wurde mit dem Prix SVC Wirtschaftsraum Zürich 2013 ausgezeichnet. Das High-Tech Unternehmen Baumann Federn AG ist heute auf drei Kontinenten stationiert und produziert an insgesamt elf Standorten Federn und Stanzteile für Textilmaschinen, Eisenbahnen, Autos und sogar für die Medizintechnik. Michael Steinmann, Präsident der 13-köpfigen Expertenjury zum frisch gekürten Sieger in seiner Laudatio: «In mehr als 125 Jahren hat Baumann bewiesen, dass man mit Innovation, einer cleveren Expansionsstrategie und einem angepassten Portfolio sein Potenzial stetig ausbauen und so erfolgreich sein kann. Dass in all den Jahren die Familie und die Tradition zentrale Werte des Unternehmens blieben, die sich in seiner regionalen Verankerung widerspiegeln, hat uns überzeugt.» Silber gewinnt die Zühlke Gruppe aus Schlieren. Produkt- und Software-Engineering, Managementberatungen und Start-up Finanzierungen sind die Kernkompetenzen des Dienstleistungsunternehmens. Der dritte Platz geht an die mageba SA, ein weltweit führender Anbieter von Bauwerkslagern, Dehnfugen sowie Produkten und Dienstleistungen des Hoch- und Infrastrukturbaus. Auch die viertplatzierten Unternehmen sind wahre KMU-Perlen der Region: Das Handelsunternehmen Brütsch/Rüegger Werkzeuge AG führt ein Sortiment von über 130‘000 Qualitätswerkzeugen aus den Bereichen Mess, Fertigungs- und Montagetechnik sowie Normteile und Arbeitsschutz. Die Prix SVC Verleihung Wirtschaftsraum Zürich bot den rund 2000 geladenen Gästen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Medien und Kultur Einblicke in das beeindrucken-

Baumann Federn AG: Das Familien unternehmen wurde mit dem Prix SVC Wirtschaftsraum Zürich 2013 ausgezeichnet. Foto: zVg

thrich-Hasenböhler, Leiter KMU und Mitglied der Geschäftsleitung Swisscom (Schweiz) AG. Impulse für den Wirtschaftstalk gab das Referat von Daniel Küng. Der CEO von Switzerland Global Enterprise, der ebenfalls am Wirtschaftstalk teilnahm, referierte zum Thema «Standort Schweiz – Quo vadis». Neben einer Standortbestimmung zur Wirtschaftslage in der Schweiz wurden Kernkompetenzen des Denk-, Werk- und Finanzplatzes Schweiz eruiert und über seine Zukunft diskutiert. Eröffnet wurde das Rahmenprogramm mit dem Referat von Regierungsrat und Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker.

de und vielfältige Unternehmertum der Region. Durch die Preisverleihung im Hallenstadion Zürich führte Urs Leuthard, Moderator und Redaktionsleiter der SRF-Tagesschau. Im Zentrum der Veranstaltung stand die Präsentation der nominierten Unternehmen. Zum Programm gehörte ausserdem ein Talk mit den Wirtschaftsgrössen Hans-Ulrich Meister, Head Private Banking & Wealth Management und CEO Region Switzerland Credit Suisse, Bruno Chiomento, CEO Ernst & Young AG sowie Roger Wü-

Verdiente Anerkennung für KMU Träger und Initiant der Prix SVC Verleihung ist der Swiss Venture Club, ein unabhängiger, non-profit-orientierter Verein zur Förderung und Unterstützung von KMU in der Schweiz. Andreas Gerber, OK-Präsident des Prix SVC Wirtschaftsraum Zürich, Regionenleiter und Mitglied der Expertenjury betont: «Wir zeichnen Unternehmen aus, die zur KMU-Elite der Schweiz gehören. Unser Blick richtet sich bewusst auf solide Unternehmen, die Arbeitsplätze kreieren und die Schweizer Wirtschaft mitgestalten.» Anzeige

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BUSINESS LUNCH I ZH KMU

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Wild und währschaft Der KMU ZH gibt in jedem Magazin Restaurant-Empfehlungen für gediegene oder originelle Lunch Meetings ab. Den Anfang bestreiten dabei ein im Herbst 2012 neu eröffnetes Lokal in Oerlikon und altehrwürdiges hinter dem Helvetia-Platz.

TEXT JEAN-PIERRE E. REINLE

DIE «JÄGERBURG»

BRASSERIE/BAR «Ö» Mit Salon du Cigare im Hotel Sternen Oerlikon

Fünf Gehminuten vom Bahnhof Oerlikon im Zentrum liegt das das 2011 integral renovierte Geschäftsetablissement. Seit Oktober 2012 besticht es mit eigenem Restaurant der gehobenen Ausrichtung. Die warmen, dunkelbraunen und beige gehaltenen Farbtöne des Interieurs verleihen der Brasserie eine wohnliche «Welcome»Atmosphäre. Im elegant eingerichteten Raum sorgen filigran abgestimmte Lichteffekte und Messingelemente für dezenten Glanz. Unter den «ö»Klassikern an Gerichten finden sich etwa eine überbackene Zwiebelsuppe, handgeschnittenes Rindshufttatar mit Pommes Allumettes oder Coq au vin. Aber auch Moules marinières und mediterrane Fischgerichte. Über Mittag wird für die lokale, regionale und internationale Gästeschaft ein fein abgestimmter Business Lunch ser-

viert. Seit dem 23. September hat die Wildsaison Einzug gehalten. Noch bis am ersten November veredelt Küchenchef Marc Laubscher die Beute aus herbstlichen Wäldern zu raffinierten Gerichten: Hirschcarpaccio, WildConsommé, Rehpfeffer und dessen Médaillons sowie Hirschentrecôte im Pilz-Kräutermantel. Dazu schmecken süsse Zwetschgenknödel. Eine intel ligent zusammengestellte Weinkarte lokal und internationaler Provenienzen überzeugt mit vernünftigen Preisen. Hotel Sternen Oerlikon, Schaffhauserstr. 335, 8050 Zürich, ein Betrieb der Wüger Gastronomie AG, Montag bis Freitag 11.30 bis 24 Uhr, Gratis-Apéro-Häppchen täglich von 17 bis 19 Uhr, durchgehend warme Speisen bis 23 Uhr, 043 300 65 65, info@sternenoerlikon.ch, www.sternenoerlikon.ch,

Das Hotel Sternen Oerlikon besticht mit dem Restaurant Brasserie/Bar «ö».

Fotos: zVg

Diese altehrwürdige Institution an der Molkenstrasse 20 wurde 1896 als Wohnhaus mit Gastwirtschaft erbaut. Die Liegenschaft befand sich 115 Jahre in Besitz der Familie Franz Wagenbach und überlebte beide Weltkriege. Die typische Beiz steht für gutbürgerlich schweizerische Wirtshauskultur, welche zwischendurch selbst Geschäftsleute schätzen. Authentisch und sympathisch werden sorgfältig ausgewählte Produkte aus der Region verwendet. Der Gastgeber Reto Wüthrich ist bereits von seiner 20 Jahre lang erfolgreichen Führungstätigkeit des Bierfalken an der Löwenstrasse 16 in Zürich her bekannt. Er begibt sich mit hervorragend kochenden «Chuchichef» Moham Santakumaran jeweils früh morgens auf den Salat-, Gemüse- und Früchtemarkt am Helvetiaplatz und sucht saisonal die frischesten Zutaten aus. Wüthrich hat sich zudem längst einen Namen als eigentlicher Zürcher Cordon bleu-Spezialist erschaffen («Mini-Maxi» probieren!). Daneben bestechen aber auch butterzarte Kalbsleberli mit karamelisierten Äpfeln, Markknochen und Quarkpizzokel sowie das mit Kräuterbutter überbackene Entrecôte mit Pommes Allumettes durch rustikale Originalität. Und den vom Fernweh nach Paris geplagten Zeitgenossen sei der lauwarm gestürzte Öpfelkuchen – französisch Tarte Tatin – im Sinne des Wortes wärmstens empfohlen. Die in der Jägerburg zubereiteten Mittagsmenus sind währschaft und zu günstigen Preisen zwischen 18.50 und 33 Franken erhältlich. Moderat schlägt auch der Obolus für die Abfüllungen der vom Hausherrn und Weinpapst Markus Segmüller (Carlton Zürich AG) relevant bestückten Weinkarte zu Buche. Restaurant Jägerburg, Molkenstrasse 20, 8004 Zürich, Montag bis Freitag 09 bis 23.30 Uhr; Samstag 17:30 bis 00:30 Uhr 043 322 04 34 gruezi@jaegerburg.ch, www.jaegerburg.ch


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ZH KMU I KULTUR

Das Publikum kürt per Abstimmung den Gewinner jeder Szene, Fouls werden vom Schiedsrichter geahndet.

Theater ohne Drehbuch Im Casinotheater Winterthur treiben Schauspieler regelmässig Theatersport. Zwei Teams improvisieren nach den Vorgaben des Publikums und des Schiedsrichters. Die neue Kunstform belebt das Genre.

TEXT LUKAS STUDER

Reto muss erraten, für welchen Beruf er sich bewirbt. «Wenn ich zu Ihnen komme, habe ich dann mit dem Leben abgeschlossen?» - «Das kann man wohl sagen», antwortet sein Teamkollege Randulf, einen Bestatter spielend. Doch Reto ist auf dem Holzweg und fragt: «Habe ich schwere Depressionen?» Da klopft Tim, der vermeintliche Gegenspieler, an die Tür und weint um seine verstorbene Tante. Reto versteht, und die Szene ist gerettet. Theatersport ist Improvisationstheater. Ohne Drehbuch oder Absprachen treten zwei Teams à zwei Schauspieler gegeneinander an. Der Schiedsrichter bestimmt die Spielform, etwa Berufe raten, Ideen liefert das Publikum, etwa den Bestatter. Eine Live-Band spielt den Soundtrack zum spontanen Treiben. Nach jeder Szene kürt das Publikum den Gewinner. Die Macht des Moments Winterthur TS, die lokale Improvisations-Gruppe, trägt jeden Monat im Casinotheater ein Heimspiel aus. Stammspieler der Gruppe ist der gelernter Schauspieler und Musiker Tim Owe Georgi. Als Theatersport 2002 in Winterthur

Premiere feierte, trat der 52-jährige Berliner für die Auswärtsmannschaft in den Ring. Zwei Jahre später entstand der Kontakt mit dem Kulturbüro kulturbau, bis 2009 organisierte Georgi die Impro-Shows in Winterthur. Als einer von wenigen in der Schweiz kann Georgi vom ImproTheater leben. Nicht auf der Bühne spielend, coacht er Schauspieler und bietet Workshops für Manager an. «Die Gedanken und Techniken des ImproTheaters nehmen die Angst und helfen bei Schwierigkeiten im Leben», sagt Georgi. Das sei nicht nur für Schauspieler interessant. «Es geht ums Akzeptieren. Wenn jemand etwas sagt, möchte man reflexartig widersprechen. Dieses angelernte «aber» versuchen wir einzureissen.»

Je mehr er vorher überlege, erzählt Georgi, etwa welchen Figurentyp er einbauen könnte, desto ungünstiger. «Impro-Theater lebt davon, dass ich im Moment entscheide, was ich mache.» Das Publikum merke, wenn etwas einstudiert sei. Die besten Momente entstünden, sagt Georgi, wenn etwas Unerwartetes passiere und die Schauspieler darauf reagieren würden – das Publikum honoriere das enorm. «Interessant wird es auch, wenn etwas schief läuft.» Das Publikum will beteiligt sein an der Entstehung, die Fragilität des Moments spüren. Gelb-Rot in Runde eins Ob Impro-Theater mehr Kunst oder mehr Sport sei? «Wir behaupten den Wettkampf nach aussen, uns geht es


KULTUR I ZH KMU

Fotos: zVg

nicht ums Gewinnen», erklärt der Berliner. Der Ärger über verlorene Punkte sei Teil des Spiels. Echter sportlicher Wettkampf erschwere das Spiel, komme aber – selten zwar – vor. Mit fiesen Fallen könne dem anderen bewusst eine schwierige Rolle oder Situation zugewiesen werden. Das zu bestrafen, ist die Aufgabe des Schiedsrichters. Doch er kann es auch übertreiben. Gleich nach der ersten Szene, die Improphil klar gewonnen hat, bedankt sich Verlierer Tim bei einem der wenigen Zuschauer, die für sein Team abgestimmt haben. Schiedsrichter Christian zückt die gelbe Karte. Der Fehlbare, bekannt dafür sich mit dem Schiedsrichter anzulegen, protestiert vehement, man dürfe wohl noch Danke sagen – und sieht Rot. Keine zehn Minuten vergehen, da bekommt auch Improphil Punkte abgezogen wegen einer roten Karte, worauf das Publikum die Auswechslung des Unparteiischen fordert. Mit Wirkung: Fortan hält er sich zurück und verteilt gar Pluspunkte.

sönlichen Eigenschaften und Talenten, die alle ins Spiel einfliessen können. Eine grosse Körperlichkeit oder Sprachgewandtheit, das Talent Dialekte nachzumachen oder Grimassen zu schneiden – dieses Material lässt sich auf der Bühne verwenden. Zu aller Improvisation und Authentizität gesellt sich eine grosse Portion an Fertigkeiten. Die Pocket Band, die live den Theatersport untermalt, muss einmal den von Zuschauern geforderten Sound spielen. Aus dem Stegreif trällern Gitarre, Bass und Schlagzeug einen Schlager, auch Goa, eine Form psychedelischer Elektro-Musik, schüttet das Trio locker aus dem Ärmel. Es sind dies die stärksten Momente im Theatersport. Wenn die Einfälle von den Zuschauern kommen und nicht aus dem Kopf des Künstlers. Oder die Situation eine Komik hervorbringt, die nicht geplant sein kann. Dann offenbart sich, wie die Schauspieler und Musiker im Moment des Spielens Neues erschaffen. Dabei sein, wenn Kunst entsteht - das ist wohl die Erfolgsformel des Theatersports.

Schlager aus dem Stegreif «Ein guter Impro-Schauspieler muss vor allem offen sein», sagt Georgi, «nachher kommt eine Weile nichts.» Die Offenheit sei der Schlüssel zu per-

Theatersport findet jeweils statt am ersten Dienstag des Monats im Casinotheater Winterthur. Informationen zu den Tickets unter www.casinotheater.ch/theater/tickets. Preis: 32 Franken.

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ZH KMU I KULTUR

EMIL SCHULTHESS RETROSPEKTIVE Emil Schulthess (1913 bis 1996) gehört zu den Klassikern der Schweizer Fotografie. Seine monumentalen Bildbände waren internationale Bestseller. Er bereiste die ganze Welt und machte Bücher über die USA, Afrika, die Antarktis, China und die Sowjetunion.

Die Schweizerische Stiftung für die Photographie im Fotomuseum Winterthur zeigt die Werke von Emil Schulthess noch bis zum 23. Februar 2014. Es war sein Drang, die letzten weissen Flecken auf der Landkarte zu erforschen. In seinen Büchern verwendete er nicht nur auf virtuose Art Doppelseien und Ausklapper, sondern auch extrem breite Aufnahme- und Buchformate, das kreisförmige Bildformat des Fisheye-Objektivs und schliesslich die Panoramaaufnahme, die vollständige Rundumsicht, die quasi mit einem Click den Blick auf die ganze Welt ermöglicht. www.fotostiftung.ch, www.fotomuseum.ch

ZURICH JAZZ ORCHESTRA

Werkschau

15. November 2013, 21h, Musikklub Mehrspur Steffen Schorn (comp, cond) & feat. Reto Suhner (s, comp,, arr)

Nanking-Enten, Nanking, China, 1964/65

OPERNHAUS ZÜRICH

MÜNZ-KABINETT

Rigoletto

Woyzeck

Oper von Giuseppe Verdi Die Gesellschaft am Hofe des Herzogs von Mantua feiert rauschende Feste, ist aber moralisch zerrüttet. Spass macht nur, andere zu demütigen und zu erniedrigen, weil man sich tödlich langweilt. Der Hofnarr Rigoletto gebärdet sich am schlimmsten Aber seine Tochter Gilda will er vor der verdorbenen Welt schützen. Er sperrt sie ein, aber sie findet einen Weg… In der Inszenierung von Tatjana Gürbaca singt Andrzej Dobber den Rigoletto. 12., 18., 24. Januar, 2. Februar 2014

Ballet von Christian Spuck nach dem Dramenfragment von Georg Büchner Am 17. Oktober 2013 jährte sich der Geburtstag des Dichters Georg Büchner zum 200. Mal. In nur 23 Lebensjahren schuf er Werke, die die Grenzen und Abgründe des Menschen erkunden. Das Fragment gebliebene Drama schildert das Schicksal eines einfachen Soldaten, der Marie liebt und mit ihr ein uneheliches Kind hat. Da sein Sold sehr knapp ist, rasiert er ab und zu seinen Hauptmann und stellt sich einem Arzt für medizinische Versuche zur Verfügung. Da lässt sich Marie mit einem Tambourmajor ein und das Drama nimmt seinen Lauf. 2., 8. November, 3., 13., 15., 19., 21. Dezember 2013

Am Anfang der Geschichte steht die Erschaffung einer Ordnung der Zeit und der Geschehnisse und die Suche nach dem eigenen Ursprung. Der Polyhistor Aegidius Tschudi gilt als Schöpfer der Gründungsgeschichte der Eidgenossenschaft, ist aber auch der erste Numismatiker und Archäologe in der Schweiz. Geld ist ein Tauschmittel, es bewahrt Werte und vermehrt sie. Geld macht aber auch Geschichte. Es steht für wirtschaftliche Macht und übt selbst symbolische Macht aus. Es ist Zeuge wirtschaftlicher Verbindungen und vermittelt Bilder der Herrschaft. Geld macht Geschichte bis 13. April 2014 im Münz-Kabinett Winterthur

2. November, 16.00 – 17.00 h: Münzen – zwischen Kunst und Wissenschaft mit Bendikt Zäch 12. November 18.30 – 19.00 h: Vom Objekt zur Geschichte mit Luisa Bertolaccini 16. November 17.00 – 22.00 h: Nacht der Wissenschaft www.muenzkabinett.ch

New Bottle Old Wine

20. Dezember 2013, 20.30 h, Jazzclub Moods Niels Klein (comp, cond) «Hier und jetzt» & Gil Evans ZJO up Close

24. Januar 2014 21.00 h, Musikklub Mehrspur Presents Daniel Basch nagel, Pius Baschnagel, Christoph Grab & Matthias Tschopp

Bild: Emil Schulthess / Fotostiftung Schweiz / ProLitteris.

KUNSTRAUM WALCHETURM 19. November, 0.30 h: Mit Gerry Hemingway (Schlagzeug) 11. Dezember 20.30 h: Jan Schlegel (Elektrobass) und Christian Weber (Kontrabass) 30. Januar 2014 20.30 h: Jacques Demierre (Klavier

Fotos: zVg


VZH I ZH KMU

SCHADENERSATZ EINES ARBEITNEHMERS VERBAND ZÜRCHER HANDELSFIRMEN 044 211 40 58 w w w. v z h . c h

Der VZH (Verband Zürcher Handelsfirmen) informiert seine Mitgliedsfirmen mit einem monatlich erscheinenden Mitteilungsblatt über personalrechtlicheund politische Themen. Nachfolgend finden Sie von unserer Redaktion zusammengefassten Ausschnitten aus der aktuellen Ausgabe. Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte direkt an den VZH, Telefon 044 211 40 58.

Ein Mitarbeiter einer Bank räumte ein, jahrelang Kundengelder unterschlagen und diese Mittel für seine persönlichen Bedürfnisse ausgegeben zu haben. Der Mitarbeiter hatte sich laut Strafbehörden um insgesamt CHF 1 725 315.60 bereichert. Die Bank reagierte mit

einer fristlosen Entlassung. In der Folge schlossen die Parteien eine Vereinbarung ab, gemäss der die Bank u.a. ermächtigt wurde, Aktien des Mitarbeiters zu verkaufen, damit aus dem Verkaufserlös die Schadenersatzansprüche der Kunden sowie die Kosten, die der

Der Erlös aus dem Verkauf der Aktien überstieg die Schadensumme der Kunden bei weitem.

Foto:Bilderbox.de

Bank aus der Abwicklung des Schadens entstanden, gedeckt würden. Der Erlös aus dem Verkauf der Aktien überstieg die Schadensumme der Kunden schliesslich bei weitem. Uneinig waren sich die Parteien jedoch darüber, ob die internen Kosten der Bank zur Schadensabwicklung auf den Mitarbeiter abgewälzt werden konnten. Dies wurde vom Bundesgericht bejaht: Mit der erwähnten Vereinbarung wurde Art. 321e OR, der generell die Haftung des Arbeitnehmers regelt, nicht verletzt. Es war korrekt, dass die Aufwendungen der internen Bankdienste zur Abklärung des Sachverhalts und zur Schadenregulierung auf den fehlbaren Mitarbeiter abgewälzt worden waren. Schliesslich hätte man damit auch auf Kosten des Mitarbeiters eine externe Person beauftragen kön-

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nen. Der Restbetrag stand sodann dem ehemaligen Mitarbeiter zu (BGE 4A_47/2013 vom 4. Juni 2013). Glücklich ist, wer in Fällen dieser Art den Schaden verrechnungsweise ersetzt erhält und nicht gezwungen ist, die üblichen Wege der Rückforderung zu beschreiten. Abgesehen von diesem konkreten Fall ist ein Arbeitgeber, der gegen einen Mitarbeiter Schadenersatz gelten machen will, gut beraten, Ansprüche, die ihm dem Umfang oder dem Grundsatz nach bekannt sind, vor Beendigung des Arbeitsverhältnisses geltend zu machen. Von einer vorbehaltslosen Auszahlung des letzten Lohnes ist in einem solchen Fall dringend abzuraten. Andernfalls dürfte Verzicht anzunehmen sein (BGE 4A_351/2011 vom 5. September 2011, Entscheid des Arbeitsgerichts Zürich AH120024 vom 14. September 2012).

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ZH KMU I ZÜRICH IM BILD

Nicht nur die Städter nennen Zürich auch liebevoll Limmatstadt. Zahlreiche Badis säumen den Fluss: Letten, Schanzengraben oder die Werdinsel. Im Sommer tummeln sich Familien, Studenten und Paare im, neben und auf dem Wasser. Es heisst, die Bewohner der Agglomeration treffen sich häufiger am Ufer des Zürichsees, während die Stadtzürcher am Rand des Flusses sitzen. Pro Sekunde fliessen hundert Kubikmeter Wasser die Limmat hinunter. Bei Hochwasser ist die Menge deutlich höher. Die Limmat ist Teil des Flusssystems Linth-Limmat, das Wasser verlässt den Zürichsee Richtung Aare. www.zürichfoto.ch


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Zürcher KMU 4 2013  

Das Zürcher Unternehmer-Magazin

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