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Nr. 3, März 2012 18. Jahrgang, SFr. 6.– www.unternehmerzeitung.ch

EWR-Report

WAVE India

Die Norweger stĂśrt die automatische Ăœbernahme von EU-Recht ohne Mitbestimmung. Aber nur 29 Prozent befĂźrworten einen EWR-Ausstieg. Seite 26

Schweizer Cleantech punktet in Indien: Swissnex hat zusammen mit dem Indian Institute of Technology eine Ralley fĂźr Elektroautos in Mumbai organisiert. Seite 34

EUROPA WIRTSCHAFT UND POLITIK NEU ab dieser Ausgabe: Die UZ-Konjunktur-Umfrage alle drei Monate Seite 18 Asien und die vĂśllig andere Verhandlungskultur Seite 30 GELD Die Gewinner an der OTCBĂśrse Seite 38 UNTERNEHMEN

Kai Glatt, THE ROKKER COMPANY: Innovative Motorradschutzkleidung Seite 50 10 FRAGEN AN

Zßrich, Sihl Manegg Areal: Städte mßssen Arbeitsplatz, Wohn- und Naherholungsort in sich vereinen. Visualisierung : Losinger Marazzi AG / Fotos: zVg

Die Stadt der Zukunft Daniel Frutig, CEO und Vorsitzender der Konzernleitung AFG Seite 75 ZĂœRCHER UNTERNEHMER This Priis 2012 Seite 68

Leben in der Stadt liegt voll im Trend. Drei Viertel der Schweizer BevÜlkerung leben in Städten und Agglomerationen. Besonders attraktiv sind dabei Knotenpunkte wie Basel, Zßrich, Genf und Lausanne.

Damit die Stadt weiterhin BevÜlkerungsmagnet bleibt, mßssen Infrastrukturbetreiber, Planer, Politiker und Bewohner ständig an der Zukunftsfähigkeit ihrer Stadt arbeiten. Seite 10 Anzeige

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EDITORIAL l UZ

Die dunklen Wolken verziehen sich

l Nr. 3 l 2012 l 3

4 NEWS 6 Impressum

WIRTSCHAFT UND POLITIK

Die Eurokrise ist nicht ausgestanden. Aber sie hat ihren Schrecken verloren. Nur noch unverbesserliche Pessimisten glauben, dass der Euro scheitern wird. Im schlimmsten Fall tritt Griechenland aus der Eurozone aus, und auch das ist inzwischen weniger wahrscheinlich geworden. Im Gegenteil: Kerneuropa hat in den vergangenen zwei Jahren eine Wende vollzogen. Sie führt weg von schuldenfinanzierten Wohlfahrtsstaaten, deren Politiker sich am Ende von den Finanzmärkten auf der Nase herumtanzen liessen, hin zu einer nachhaltigeren Finanzierung starker Staaten, die imstande sein werden, den Märkten wieder Regeln vorzuschreiben. Hält Europa Kurs, ist das eine historische Leistung. Damit ist auch die Gefahr einer zweiten Rezession gebannt. Die Schweizer Wir tschaft steht zwar vor schwierigen Zeiten: Der Franken ist noch immer stark, der wichtige europäische Markt wird Zeit zur Anpassung brauchen, Asien und die Schwellenländer wachsen langsamer. Aber die Schweizer Wirtschaft hat die Zeit der Unsicherheit wohl hinter sich. Und sie ist für die Zukunft gut ausgestellt. Voraussetzung ist, dass sie ihre Chancen nutzt. Denn nur, weil es der Schweiz im Vergleic h zu anderen Ländern gut geht, heisst es nicht, dass sie keine Probleme hätte. Eine der grössten Herausforderungen bilden heute die Städte. Sie müssen angesichts des Bevölkerungswachstums, der Energiewende und der knappen Mittel zukunftsfähig gemacht werden. Dafür braucht es manchmal neue Lösungen. Das gilt auch für das Verhältnis zur EU. Norwegen, der andere grosse EU-Aussenseiter in Westeuropa, ha t gerade seine 20 Jahre im Europäischen Wirtschaftsraum wissenschaftlich unter die Lupe nehmen lassen. Der nun veröffentlichte Bericht deutet vorsichtig an, dass der EWR modernisiert, also neu verhandelt werden sollte. Wäre das nicht eine Gelegenheit für die Schweiz, aus der Sackgasse «Bilateraler Weg» herauszukommen? Schliesslich haben beide Staaten den ursprünglichen EWR gemeinsam ausgehandelt. Es ist Zeit, die selbst gewählte Abschottung hinter sich zu lassen.

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Persönlich Wie sieht die Stadt der Zukunft aus? Rudolf Strahm über externe Berater UZ-Konjunktur-Umfrage I. 2012 Prof. Dr. Thomas Straubhaar über die Erfolgsgeschichte des Euros 26 Vor- und Nachteile des EWR in Norwegen 28 Exportserie Teil II: Japan 30 Richtig Verhandeln in China

34 Wave India: Elektroautorennen in Mumbai 36 Cleantech News

GELD 38 OTC-Börse: Profite in unruhigen Zeiten 40 Gute Gründe für Absolute-Return-Fonds

K O M M U N I K AT I O N 44 Cloud Computing für KMU

MARKETING 46 Marke des Monats: Notenstein

UNTERNEHMEN 50 THE ROKKER COMPANY 52 Piercing und Profite bei Travel Worldwide 54 Serie Schweizer Pioniere: Badrutt, St. Moritz

MANAGEMENT 56 Interview mit Walter Kunz vom Schweizer Reisebüroverband

WEITERBILDUNG 58 Unterstützung im Lern- und Arbeitsalltag

RECHT 60 Konflikte beilegen mit dem Schiedsgerichtsverfahren

MOBIL 62 News aus dem Genfer Automobilsalon 64 150 Jahre Opel

ZÜRCHER UNTERNEHMER 68 This Priis 2012 70 Betriebliches Gesundheitsmanagement im AWA Kanton Zürich

10 FRAGEN AN 75 Daniel Frutig, CEO und Vorsitzender der Konzernleitung AFG

DAS LETZTE

Remo Kuhn, Herausgeber

78 Von Ruedi Stricker


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l Nr. 3 l 2012

UZ l NEWS

ENERGIE-CLUSTER.CH

IN KÜRZE

Energiewende Am 15. Mai 2012, von 9.30 – 17.00 Uhr, findet die Jahrestagung von energiecluster.ch auf dem Gelände der BERNEXPO statt. Die diesjährigen Diskussionsrunden sollen Antworten zum Thema «Mit Innovationen und ökologischer Steuerreform zur Energiewende» liefern. Zentrale Fragen sollen sein: Die Energiewende ist beschlossene Sache – was ist zu erwarten? Wie sehen die konkreten Energieperspektiven aus? Welche Hindernisse und Hemmnisse bestehen? Welche Forschungsstrategien drängen sich auf? Welche Rolle spielen öffentliche und private Forschungsstellen? Welche Beschäftigungseffekte können erwartet werden? Zu dem soll die Rolle von Anreizen, Geboten, Verboten, flankierende Massnahmen, wie Aus- und Weiterbildung, Information, Kommunikation und der Technologietransfer ermittelt werden. Anmeldung unter: andrea.herrmann@energie -cluster.ch

Bei der neuen Fachmesse OnE erhält der Kunde umfassende Informationen über Lösungen und Anbieter rund um das Internet und Online-Marketing. Foto: Bilderbox.de ZÜRICH

Neue Internet-Fachmesse OnE heisst die neue Messe, welche zum ersten Mal am 9./10. Mai 2012 in der Messe Zürich stattfinden wird. Im Mittelpunkt stehen Lösungen und Anbieter rund um Internet, ECommerce, Social Media und Online Marketing. Zu den Initianten gehören das Internet-Briefing von Reto Hartinger, die OnlineAgentur Blogwerk sowie das Beratungsunternehmen Carpathia Consulting. Als Orientierungshilfe für Internet, E-Commerce, Social Media und OnlineMarketing – kurz OnE –

will die geplante Messe Transparenz in den vielfältigen Online-Markt bringen. Referate, Interviews, Beratung und ein integrierter Konferenzteil werden den Besuchern Fachwissen rund ums Online-Business vermitteln. Ein innovatives Ausstellungskonzept sorgt für eine übersichtliche Präsentation sämtlicher Komponenten entlang der Internet-Wertschöpfungskette. Die OnE richtet sich mit klarem Fokus an Unternehmen und Entscheider,

30 JAHRE FUPS

Einsatz für ein grüneres Büro Immer mehr Arbeitsplätze in der industrialisierten Welt sind im Büro angesiedelt. Umso wichtiger ist es, den Alltag in diesem Bereich nachhaltig zu gestalten. Bereits vor 30 Jahren wurde deshalb der Förderverein für umweltverträgliche Papiere und Büroökologie Schweiz (FUPS) gegründet. Anlass zur Vereinsbildung war damals die Rettung einer der letzten Produktionsstätten des «Original Umweltschutzpapiers». Heute stehen energieeffiziente Bürogeräte wie PC, Fotokopierer und Drucker sowie ein ökologischer Papierverbrauch im Vordergrund der Vereinstätigkeit. Im

Fokus ist der ganze Herstellungszyklus von der Zellstoffproduktion über die Papierproduktion und den Druckvorgang bis zur

Sammlung und zum Deinking von Altpapier. Denn der kommerzielle Holzund Papierverbrauch ist weltweit der wichtigste

Von Beginn an setzt sich FUPS für einen ökologischen Papierverbauch ein und nun auch für «grüne» Büros. Foto: Bilderbox.de

die nach einer Web- oder CRM-Lösung suchen oder sich über die Einsatzmöglichkeiten von Social Media und Weboptimierung informieren wollen. Mit ihrem Angebot will die OnE Antworten geben auf die Fragen vieler Anwender, wie sich ein Online-Angebot effektiver präsentieren lässt, wie Webprojekte optimal geplant werden, wie sich Social Media gewinnbringend nutzen lässt oder einfach: Welche Anbieter und welche Tools es auf dem Schweizer Markt gibt.

Grund für den Holzschlag. Mit einem sparsameren Papierverbrauch und dem höheren Einsatz von Recyclingpapier bei Druck-, Verpackungs- und Hygienepapieren könnte die Bedrohung der globalen Wälder vermindert werden. Recyclingpapier hat heute übrigens eine Qualität, die Papier aus Neufasern punkto Helligkeit und Maschinentauglichkeit ebenbürtig ist. Der Fachverein wird von rund 600 Mitgliedern getragen: Neben Firmen, Gemeinden und Kantonen sind das engagierte Fachpersonen, aber auch Privatleute, die sich von den Informationen des FUPS zu einem umwelt- und gesundheitsbewussteren Verhalten im Büroalltag inspirieren lassen.

Neue Kooperation für exportierende KMU Der Aussenwirtschaftsförderer Osec und die Vereinigung der kantonalen und regionalen Industrie- und Handelskammern (SIHK) haben auf Anfang 2012 eine neue Rahmenvereinbarung über eine engere Zusammenarbeit abgeschlossen. Die Vereinbarung regelt insbesondere die Kooperation bezüglich der komplementären Unterstützung von Schweizer KMU, die ausländische Märkte besser erschliessen und bearbeiten wollen. Innovation dank Berufsbildung Das Innovation Union Scoreboard (IUS) 2011 der EUKommission hat ein weiteres Mal ergeben, dass die Schweiz das innovativste Land Europas ist. Das Glanzresultat geht dabei auf die Leistung der KMU zurück, die flächendeckend überdurchschnittlich viele Patente anmelden und neue Produkte entwickeln. Dieser Pioniergeist ist ein Ergebnis der hohen Qualität der Berufsbildung, die fachlich hochqualifizierte und neugierige Mitarbeiter hervorbringt. Mehr Ferien = weniger Jobs Ein überparteiliches Komitee hat den Abstimmungskampf gegen die Ferieninitiative lanciert. Eine breite Allianz aus SVP, FDP, CVP, BDP, glp sowie Bundesrat, Parlament und Wirtschaftsverbänden wie dem Schweizerischen Arbeitgeberverband kämpft für ein Nein zur Volksinitiative «6 Wochen Ferien für alle». Die Initiative schadet den KMU, schwächt die Wettbewerbsfähigkeit und gefährdet Arbeitsplätze. Zudem bringt sie auch Nachteile für die Arbeitnehmenden. Speziell KMU (99,7 Prozent aller Schweizer Betriebe) werden durch die Ferieninitiative stark belastet. Denn je kleiner der Betrieb, desto stärker fallen Absenzen ins Gewicht. Klein- und Kleinstfirmen könnten einen Personalausfall oft nicht mit einer bezahlten Stellvertretung kompensieren.


NEWS l UZ

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ZKB NACHHALTIGKEITSPREIS 2012

Hier ist Nachhaltigkeit Programm Die Zürcher Kantonalbank hat zum dritten Mal den ZKB Nachhaltigkeitspreis für KMU mit einer Preissumme von insgesamt 150 000 Franken vergeben.

Zur Beurteilung der Nachhaltigkeitsleistung der teilnehmenden Firmen berücksichtigte die Jury wirtschaftliche, ökologische und gesellschaftliche Aspekte gleichwertig. Ausserdem wurde dem Potenzial für die künftige Nachhaltigkeitsleistung Rechnung getragen. Die Bank möchte mit dieser Auszeichnung ein Zeichen setzen: Die Zürcher Kantonalbank ist überzeugt, dass nachhaltig wirtschaftende Unternehmen aller Branchen auf

Dauer leistungsfähiger sind und sich im Wettbewerb besser behaupten können als Firmen, die auf kurzfristige Gewinnmaximierung setzen. Gewinner des ersten Platzes ist die Hunziker Partner AG, Winterthur. Das Gebäudetechnikunternehmen zeigt vorbildlich, wie sich ein mittleres Unternehmen mit knapp 60 Mitarbeitenden erfolgreich der Nachhaltigkeit verschreibt. Dabei werden z.B. in allen bewirtschafteten Bereichen der Haustechnik umweltverträgliche Mittel und Methoden eingesetzt. Preiswürdig sind zudem das selber entwickelte und massgeschneiderte Qualitätsmanagementsystem sowie das bemerkenswerte Enga-

gement der Hunziker AG für Aus- und Weiterbildung der Mitarbeitenden. Der zweite Platz ging an die Alternative Bank Schweiz AG, die eine soziale und ökologische Retailbank ist. Seit ihrer Gründung 1990 hat sie konsequent Transparenz, Nachhaltigkeit und Ethik als oberste Maximen ihrer Geschäftspolitik umgesetzt. Die ABS finanziert und investiert ausschliesslich in ökologische und soziale Projekte und Unternehmen. Als Dritten wurde das Familienunternehmen O. Kleiner AG ausgezeichnet, welches flexible Verpackungen für Food- und Non-Food-Produkte herstellt. Die Druckverfahren von Digital- über Flexo-

Christian Hunziker (2.v.r.) von der Hunziker Partner AG ist Gewinner des ZKB Nachhaltigkeitspreis 2012. Foto: ZKB

bis Tiefdruck sind technologisch auf dem neusten Stand. Das national und international tätige Verpackungsunternehmen legt grössten Wert auf Ökologie und Klimaneutralität. Damit und dank seiner hohen Innovationskraft nimmt es in der Branche eine Vorreiterrolle ein. Den Sonderpreis erhielt das Kleinstunternehmen energiebüro AG. Der Gesamtdienstleister begleitet alle Phasen des Solarkraftwerkbaus von

der Beratung über das Engineering bis zur Realisation und erbringt sämtliche Planungs- und Engineering-Leistungen mit eigenen Fachleuten. Es handelt sich um die einzige Schweizer Ingenieurfirma, die sich ausschliesslich auf Solarkraftwerke spezialisiert hat. In der Schweiz ist sie führender Know-how-Träger auf dem Gebiet der PhotovoltaikSolarkraftwerke auf Dächern, Fassaden und Freiflächen.

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l Nr. 3 l 2012

UZ l LESERBRIEFE

UZ JANUAR 2012, OFFENER BRIEF AN GEROLD BÜHRER

«Lieber Herr Rudolf Strahm» economiesuisse setzt sich ohne Wenn und Aber für den Wettbewerb ein und lehnt Absprachen und Abschottungen ab. Wir tun dies nicht nur wie unterstellt in Sonntagspredigten, sondern tagtäglich und konsequent. Bei aller Wertschätzung ist jedoch Ihre wettbewerbspolitische Vorstellung als ehemaliger Preisüberwacher nicht der alleinige Massstab und steht teils im Widerspruch zu vielen Ökonomen, die schematische Verbote zurückweisen und eine volkswirtschaftliche Beurteilung aus einer Gesamtsicht verlangen.

Für eine kleine Volkswirtschaft ist der Importwettbewerb wichtig. Gerade wegen den Erschwernissen durch den überhöhten Frankenkurs hat economiesuisse mit meiner eigenen Beteiligung am Runden Tisch und einer konstruktiven Haltung zur Kartellgesetzrevision den Tatbeweis erbracht, dass wir für den Wettbewerb einstehen. Im Gegensatz zu Ihrer Unterstellung haben wir mehrfach öffentlich bekannt gemacht, dass wir für einen Systemwechsel im Kartellrecht offen sind. Doch nicht jede vertikale

Preisfestsetzung muss volkswirtschaftlich schädlich sein. Kann ein Unternehmen einen volkswirtschaftlichen Nutzen geltend machen, soll – analog zur EU – eine solche Geschäftspolitik möglich bleiben. Nationalrätin BirrerHeimo verlangt mit ihrer Motion, dass Hersteller bei der Preisfestsetzung von Importprodukten stark eingeschränkt werden. Sie nimmt damit ein wichtiges Anliegen auf, geht aber mit ihren Forderungen weit über den Tatbestand der Marktbeherrschung hinaus. Abschottungen

und das Verhindern von Parallelimporten können und sollen schon heute bekämpft werden. Mit der kommenden Revision des Kartellgesetzes wird dies zu Recht einfacher und wirksamer. Dazu steht auch economiesuisse. Aber wenn ein Hersteller nicht marktbeherrschend ist, gehört es zur Wirtschaftsfreiheit, dass er auch eine Preisdifferenzierung vornehmen kann. Hier schiessen Sie mit Ihrer Forderung über das Ziel und auch über die in der EU geltenden Regeln hinaus. In einer solchen Situation, in der keine Marktbeherrschung vorliegt, können Käufer und Händler nämlich auswei-

chen, wie es auch der Bundesrat in seiner Antwort festhält. Dies belebt den Wettbewerb, wenn auch eher längerfristig dafür tiefgreifender. Ein grenzüberschreitender Eingriff von Schweizer Behörden in die Preispolitik irgendwo auf der Welt, ohne dass ein Unternehmen marktbeherrschend ist, steht quer zur gängigen modernen Wettbewerbspolitik. Eine solche Politik ist geradezu planwirtschaftlich.

Mit freundlichem Gruss Gerold Bührer Präsident economiesuisse

«Vorhang auf für Europa»

«JA zum Buch!»

Für unser kleines und rohstoffarmes Land ist der Aussenhandel lebenswichtig. Die enge Verflechtung mit der EU ist nicht zu umgehen und bringt auch Produktivitätsgewinne durch Skaleneffekte und Konkurrenz. Es ist aber heikel, bei der Stromversorgung zu stark auf Importe zu setzen, weil der Strom in einigen Jahren europaweit knapp und damit teuer wird. Weil die Wirtschaft (und damit die Politik) an der starken Einwanderung festhalten will, muss die Infra-

Sehr geehrte Redaktion

Foto: Alpiq

struktur stark ausgebaut werden. Kraftwerke und Stromnetze haben eine lange Planungs- und Bauzeit, daher müssen sie rechtzeitig geplant werden. Der

von den Politikern geplante Atomausstieg steht auch aus diesem Grund völlig quer in der Landschaft. Markus Alder, Dietikon

künftig noch mehr Bücher im Ausland erwerben werden. GlücklicherIm redaktionellen Teil weise wird die Vorlage unter News werben Sie für dank dem die Buchpreis. Foto: Bilderbox.de zustande bindung, was gekommenen mich sehr verReferendum wundert. Von dem Volk zur einer UnternehAbstimmung mer-Zeitung vorgelegt. erwarte ich eine liberale, marktwirtschaftliche Freundliche Haltung. Diese Grüsse rückwärtsgeErwin wandte Überregulierung wird einBrupbacher, zig dazu führen, Telos Treuhand dass Schweizer GmbH

IMPRESSUM UnternehmerZeitung: 6. Jahrgang (18. Jahrgang KMU-Manager), Die UnternehmerZeitung erscheint im Verlag SWISS BUSINESSPRESS SA, Köschenrütistrasse 109, CH-8052 Zürich; Telefon 044 306 47 00, Fax 044 306 47 11, www.unternehmerzeitung.ch, info@unternehmerzeitung.ch Herausgeber: Remo Kuhn, kuhn@swissnews.ch Verlagsleitung: Urs Huebscher, huebscher@unternehmerzeitung.ch Redaktion: Peter Blattner, blattner@unternehmerzeitung.ch; Birthe Grautmann, grautmann@unternehmerzeitung.ch; Willy-Andreas Heckmann, heckmann@unternehmerzeitung.ch Layout und Produktion: Manuel Jorquera und Bruno Strupler, print@unternehmerzeitung.ch Mitarbeit an dieser Ausgabe: Christoph Bleile, Karin Bürgi, André Caradonna, Raphael Corneo, Stella Gatziu Grivas, Fredy Gilgen, Claudio Giovanoli, Ulrich Glauber, Thomas Hug, Yvonne v. Hunnius, Hansjörg Huwiler, Petra Jauch, Steffen Klatt, Georg Kreis, Ruedi Käch, Barbara Moser, Christoph Negri, Rudolf Strahm, Ruedi Stricker, Reto Tarreghetta, Evelyn Teitler-Feinberg, Stefan Vogler, Robert Wildi, Jörg Zeuner Anzeigen: Maureen Malhis, malhis@unternehmerzeitung.ch, Telefon 044 306 47 00 Druckunterlagen: www.swissbusinesspress.ch/kundendaten Abonnements: UnternehmerZeitung, Postfach, 8052 Zürich, abo@unternehmerzeitung.ch, Einzelverkaufspreis: Fr. 6.–, Jahres-Abonnement Fr. 54.– Inland. WEMF-beglaubigte Auflage 2011: 52 514 Exemplare, Druck: AZ-Print AG, Aarau Nachdruck: Nur mit schriftlicher Genehmigung der Redaktion und genauer Quellenangabe © UnternehmerZeitung gestattet. Für unverlangt eingesandtes Text- und Bildmaterial wird keine Haftung übernommen Im Verlag SWISS BUSINESSPRESS SA erscheinen ausserdem: SWISS NEWS, The international Magazine of Switzerland, ATTIKA, das Zürcher Magazin, PAULI-CUISINE, das Gastronomie-Fachmagazin, sowie als Supplement zur UnternehmerZeitung: VR-Praxis und BUSINESSCLASS


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l Nr. 3 l 2012

UZ l WIRTSCHAFT UND POLITIK

Köpfe und Karrieren Neuer Sitzleiter Seit dem 1. Februar zeichnet Dr. Thomas Nösberger, Partner Wirtschaftsprüfung, für den Sitz Bern bei Ernst & Young verantwortlich. Er verfügt über internationale Erfahrung bei Ernst & Young Kanada. Er lehrt Wirtschaftsprüfung an der Universität Fribourg und besitzt eine Zulassung als US Certified Public Accountant. Ernst & Young ist ein weltweit führendes Unternehmen in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuern, Transaktionen und Beratung. In der Schweiz sind rund 2 000 Mitarbeitende an zehn Standorten beschäftigt.

Mitteilungen für diese Rubrik: Text und Foto (300 dpi) an: blattner@unternehmerzeitung.ch

Verwaltungsrat Die Partner der Strategieberatungsfirma A.T. Kearney haben Daniel Mahler, Managing Director von A.T. Kearney Schweiz, in den Verwaltungsrat der Holdinggesellschaft gewählt. Er ist der erste Schweizer, der in dieses Gremium einzieht. Die Wahl erfolgte für eine Amtsperiode von drei Jahren. Die Holdinggesellschaft A.T. Kearney Ltd., London, ist die Muttergesellschaft aller operativen Einheiten weltweit und verantwortlich für die Oberaufsicht über die Strategieberatungsfirma. Die Wahl in den VR erfolgte durch die Gesamtheit der weltweit 230 Partner.

Managing Director Eric Fulcheri, Mitglied des Arval Group Executive Committees, wird Managing Directorir der Arval (Schweiz) AG. Arval ist eine Tochtergesellschaft des französischen Finanzdienstleisters BNP Paribas und eine führende europäische Spezialistin für Full-Service-Leasing und Flotten-Management. Fulcheri ist seit 2005 für Arval in Rueil-Malmaison (F) tätig und war bisher als Corporate Operations and Insurance Director zuständig für die Festlegung von internationalen Richtlinien über die Ausgestaltung der Dienstleistungen, den Applikationen und deren organisatorischen Belange.

Partner Irina Bechmann ist Partner bei mas management & advisory services ltd. Sie ist spezialisiert auf die Entwicklung und Umsetzung von Strategien für organisches Wachstum. Ihr Fachgebiet umfasst die Optimierung von Geschäftsmodellen, Markenpositionierung, Messung der Kunden-Performance, Entwicklung und Einführung von Vertriebssteuerungssystemen sowie Prozessoptimierungen. Dr. Irina Bechmann hat an der Universität St. Gallen am Institut für Betriebswirtschaft promoviert und hält ein Diplom der Wirtschaftsakadmie G.v. Plekhanov.

Head of Channel Sales Christian Wälchli ist neuer Head of Channel Sales bei Sage Schweiz AG im Geschäftsbereich Small Business. Er wird die bestehenden und etablierten Vertriebskanäle mit über 600 Vertriebspartnern weiter ausbauen und sein Augenmerk auf die Gewinnung von Vertriebs- und Lösungspartnern für Sage 100 in der deutschen, französischen und italienischen Schweiz richten. Er verfügt über mehr als zwanzig Jahre Berufserfahrung in leitenden Verkaufsfunktionen der Schweizer Verlags- und Softwarebranche.

Schweizer Country Manager Der Softwarehändler und Software-Asset-Management-Spezialist Insight Technology Solutions AG hat Martin Hagger zum Country Manager Schweiz berufen. Er verantwortete seit 2008 als Senior Partner Account Manager bei Microsoft in der Schweiz das Geschäft mit den grossen Resellern. Zuvor betreute er das OEM Business in der Schweiz. Mit Beginn diesen Jahres übernahm er die Funktion des Schweizer Country Managers von Insight Technology Solutions AG. Hagger verfügt über Führungserfahrung sowie klare Kunden- und Vertriebsorientierung.

Leiter Märkte DACH und Tschechische Republik Am 1. Februar hat der bisherige Managing Director Schweiz, Österrreich und Tschechische Republik auch die Geschäftsführung der Avis Autovermietung für Deutschland übernommen. Die Marken Avis und Budget verfügen über eine hervorragende Position als weltweit führende Autovermietung. Mit der Zusammenfassung der regionalen Verantwortlichkeit wird Know-how gebündelt, die Angebotspalette optimiert und Avis noch leistungsfähiger aufgestellt. Martin Gruber wird direkt an Larry De Shon, Präsident Avis Budget EMEAS berichten.

Neuer Sitzleiter 2 In St. Gallen übernimmt per 1. April Heinrich Christen den Sitz von Ernst & Young. Er verfügt über Diplome der Universität Zürich (lic. phil. I) und der Universität St. Gallen (Executive Master of Business Administration). Er stiess 1997 zum Unternehmen und verfügt als Partner über umfassende Projekterfahrung, besonders im Bereich Medizinaltechnik. In den letzten Jahren machte er das globale Ernst & Young-Programm Entepreneur of The Year ® zu einem stark beachteten Markenzeichen des Unternehmens


WIRTSCHAFT UND POLITIK l UZ PERSÖNLICH

Die EU – ein Friedensprojekt? VON GEORG KREIS

GEORG KREIS

Der Autor ist Historiker an der Universität Basel und Leiter des Europainstituts. georg.kreis@unibas.ch

Es gibt die gängige Meinung, dass wir dank der EU nun seit Jahrzehnten Frieden in Europa hätten. Das ist eine fragwürdige Meinung. Man könnte die Kausalität sogar umdrehen und sagen, dass wir die EU haben, weil wir Frieden haben. Die EG/EU war zusammen mit der NATO gewiss ein Gebilde der Freiheitssicherung im westeuropäischen Raum gegen den Osten. Die Bedeutung der EU als Friedens- und Freiheitsgarantin mag für frühere Zeiten überschätzt werden, in der heutigen Zeit wird sie eher unterschätzt. Die EU muss dafür sorgen, dass unfriedliche und unfreiheitliche Verhältnisse, zum Beispiel in Ungarn und

Griechenland, nicht überhand nehmen. Was die Verhältnisse in Ungarn betrifft, musste man sich schon seit längerem fragen, wie lange die EU dem Erstarken des ungarischen Rechtsradikalismus und seinen konkreten Auswüchsen zuschaut, ohne in Erinnerung zu rufen, dass die Demokratie zu den Grundvoraussetzungen einer EU-Mitgliedschaft gehört. Bei «weichen» Frage wie dem Mediengesetz übte sich die EU in Zurückhalten, bei «harten» Fragen wie die Unabhängigkeit der Nationalbank trat sie dann aber entschiedener auf. Die demokratiefeindliche Grundströmung in Ungarn kann die EU nicht

ändern, aber sie kann sie eindämmen. Es fragt sich zudem, wie sehr die aktuelle Regierungsmehrheit überbordet wäre, wenn es die EU im Hintergrund nicht gäbe. Die EU wird wohl auch künftig - in Ungarn und in analogen Verhältnissen – eine wichtige Rolle bei der Stabilisierung des gesellschaftlichen Friedens spielen müssen. In Griechenland zeigt sich dramatisch ein anderer Aspekt der Friedensfrage und offenbart eine bereits zur MarshallplanZeit vorliegende Problematik: Bei breiter Verelendung kann es keinen Frieden geben und die Menschen werden für extreme Ideologien ansprechbar. Wohl muss

l Nr. 3 l 2012 l 9 der Finanzhaushalt eines Landes stimmen, es müssen aber auch – jenseits von Schulden und Schuldfragen - die Alltagsverhältnisse stimmen. Und in beiden Fällen, im Falle Ungarns wie Griechenlands, stellt sich eine Frage, die sich immer und überall – also auch in der Schweiz – stellt. Wann soll gegen ungute Entwicklungen energisch Gegensteuer gegeben werden. Warum hat «man» es in Griechenland so weit kommen lassen? Warum hat «man» in Ungarn so lange zugeschaut? Wie unakzeptabel müssen die Dinge sein, bis sie wirklich nicht mehr akzeptiert werden? Es gibt bekanntlich die Aufforderung, den Anfängen zu wehren.Das setzt Wachsamkeit und Eingriffsmöglichkeiten voraus. Die EU verfügt – theoretisch - über beides.

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l Nr. 3 l 2012

UZ l WIRTSCHAFT UND POLITIK

S TA D T E N T W I C K L U N G

Zukunft wird in der Städte wirken wie Magneten – auf Menschen und auf Geld. Doch das ist kein Selbstläufer. Im internationalen Wettbewerb gilt es für Infrastrukturbetreiber, Planer, Politiker und Bewohner, die Zukunftsfähigkeit aufzupolieren. Schweizer Städte haben dabei grosses Potenzial, sie müssen es nur erkennen.

TEXT YVONNE VON HUNNIUS

«

Egal, wo

eine Stadt entstand oder entsteht, sie ist als Keimzelle

Die Wiege einer grünen Zukunft steht fern des Landlebens – mitten in den pulsierenden Zentren der Städte. Das ist kein Widerspruch, sondern liegt in der Natur der Stadt begründet, sagt Prof. Dr. Gerhard Schmitt. Er arbeitet als Direktor des Singapore-ETH Centre for Global Environmental Sustainability (SEC) in der Millionenstadt Singapur. Am dortigen Future Cities Laboratory forschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler daran, wie die Stadt der Zukunft aussehen könnte. Und das hat viel mit ihren Ursprüngen zu tun. «Egal, wo eine Stadt entstand oder entsteht, sie ist als Keimzelle für Nachhaltigkeit zu verstehen.» Dort war einer Gemeinschaft möglich, Infrastrukturen miteinander zu teilen und dabei Ressourcen zu sparen. Nur hat die Individualisierung der Gesellschaft diesen Aspekt verwaschen, was zuweilen verschwenderische Blüten treibt. Nachhaltigkeitsprinzipien und Cleantech sollen nun Lösungen bieten, um dieses Ungleichgewicht zu beseitigen.

für Nachhaltigkeit zu verstehen» Prof. Dr. Gerhard Schmitt

Globalisierung heizt Städten ein Man muss nur nach Basel oder Genf schauen, um zu erkennen: Eine als Gemeinwesen gegründete Stadt liegt an wohl gewählten geografischen Orten. «Häufig an Gewässern oder an einem anderen Verkehrskreuz, wo auch die Energie- und Nahrungsversorgung gut zu bewältigen sind. Zusätzlich

müssen die Governance, die Finanz- und die Informationsflüsse reibungslos funktionieren», sagt Schmitt. Verkehr, Energie, Wasser, Nahrung, Geld – diese fünf Grundkomponenten eines florierenden und attraktiven Zusammenlebens lassen auch an Feinstaub, CO2-Ausstoss, Umweltverschmutzung, endliche fossile Energien und Finanzkrise denken. Hier kommt alles zusammen, denn die Stadt bildet menschliches Leben unter einer Dunstglocke ab. Noch locken Städte Industrie und Wissensökonomie in ihre Räume. Und die Globalisierung heizt die Entwicklung der Verstädterung an. Im Jahr 2008 lebte erstmals mehr als jeder zweite Mensch in Städten, während es 1950 gerade 30 Prozent waren. 2030 dürften rund fünf Milliarden der insgesamt neun Milliarden Menschen ihr Glück in Städten suchen. Schweizer Metropolräume werden wichtiger Die alten und neuen Schweizer machen es nicht anders: Schon 2000 lebten gemäss der letzten eidgenössischen Volkszählung knapp drei Viertel der Schweizer in städtischen Gebieten. Bis 2030 wird die Bevölkerung gemäss einer Ausarbeitung der ETH Zürich wachsen. Und insbesondere in den Agglomerationen um Städte werden sich weiterhin Unternehmen und Arbeitnehmende ansiedeln. Ländliche Randregionen und einige kleinere Städte könnten schrumpfen. Zu den Gewinnern zählen dabei urbane, gut vernetzte


WIRTSCHAFT UND POLITIK l UZ

Stadt gemacht

l Nr. 3 l 2012 l 11

Auf dem Sihl Manegg Areal in Zürich Süd wird das GREENCITYProjekt realisiert: Ein Quartier mit Wohnungen, Arbeitsplätzen und einer Schule. Visualisierungen : Losinger Marazzi AG / zVg

CLEANTEC CITY BERNEXPO-Messegelände, 13. bis 15. März 2012, Bern Die Cleantec City ist die erste Schweizer Plattform für nachhaltige Entwicklung von Gemeinde, Stadt und Unternehmen. Die Fachmesse geht erstmals auf die Frage ein, wie eine Gemeinde, Stadt oder ein Privatunternehmen aussieht, wenn sie auf nachhaltige Technologien und Verfahren setzt, und ist so Branchen- und Begegnungsplattform für Cleantechnologie in der Schweiz. Führende Anbieter und Institutionen zeigen, wie mit aktuellem Know-how und fortschrittlichen Systemen eine nachhaltige Entwicklung in den Bereichen Versorgung, Entsorgung/ Recycling, Raumplanung/Bauten und Mobilität bereits heute möglich ist. Am 13. März 2012 haben die Besucher die Möglichkeit, ein Symposium zum Thema «Cleantech – Modewort oder reale Chance für Wirtschaft und Gesellschaft?» zu besuchen, während am 14. und 15. März Fachtagungen zu den Themen «Stadt und Gemeinde» und «Unternehmen» stattfinden. (UZ) Weitere Informationen unter www.cleanteccity.ch

Knotenpunkte. Die Metropolräume um Zürich-Basel oder Genf-Lausanne zeigen, wie es funktioniert. Zukunftsfähigkeit muss geplant werden Doch die Kehrseite der Medaille ist auch den Schweizern in Form von so mancher Grossstadt vor Augen, mit der trotz Grössenunterschied international konkurriert wird. Die Entwicklung könnte mehr Menschen auf gleichem Raum, höhere Gebäude, verstopfte Strassen und auch einen horrenden Ressourcenverbrauch bedeuten. Dabei kann die Lust

auf Stadt vergehen. «Stadt der Zukunft ist nicht mit zukunftsfähig gleichzusetzen», sagt deshalb Prof. Dr. Holger Wallbaum, Spezialist für nachhaltiges Bauen an der ETH Zürich. Es liege an Politik und Planung, die Weichen so zu stellen, dass die urbane Zukunft auch lebenswert sei. Dafür müssen jedoch verschiedene Bedürfnisse miteinander in ein Gleichgewicht gebracht werden, ist sein Fazit. Und man dürfe die Rechnung nicht ohne den Menschen machen. «Wir können beispielsweise Gebäude noch so gut dämmen, wenn die Menschen sie ‹fehlerhaft› nutzen wollen, dann steht ihnen das frei», sagt er. Dichter bebaute Räume und mehr Individualverkehr sind für Wallbaum nur in einem bestimmten Mass wünschenswert. Wie eng es werden darf, müsse dabei jedoch von Fall zu Fall entschieden werden. In Manhatten hat man sich früh für «sehr dicht» entschieden. Für Schweizer Städte ein Ding der Unmöglichkeit, auch wenn hier Hochhäuser kein Tabu sind.

Im Jahr 2008 Grünes Leuchtturmprojekt in Zürich Wie stark diese Debatten in der Schweiz zuhause sind, zeigt sich in Zürich. Zum einen hat die Stadt beschlossen, bis 2050 das Prinzip der 2000-Watt-Gesellschaft umzusetzen, bei dem jeder Bewohnende durchschnittlich nur ebensoviele Watt Strom pro Tag verbrauchen darf. Zum anderen nehme man das Projekt GREENCITY Zürich. Auf dem Sihl Manegg Areal in Zürich Süd entwickelt und realisiert die Totalunternehmung Losinger Marazzi AG mit Partnern ein nachhaltiges Quartier: Es werden rund 680 Millionen Franken in die Hand genommen, um ein Quartier mit Wohnungen, Arbeitsplätzen und einer Schule zu schaffen, das zum ersten Mal auf Quartiersebene die Prinzipien der 2000-WattGesellschaft umsetzt und langfristig begleitet wird. Jürgen Friedrichs, Gesamtprojektleiter von Losinger Marazzi: «Hierfür wird in einem Pilotprojekt eine neue Zertifizierung für ganze Areale angewandt, die von der Stadt Zürich,

lebte erstmals mehr als jeder zweite Mensch in Städten, während es 1950 gerade 30 Prozent waren


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dem Bundesamt für Energie und dem Label Energiestadt entwickelt wurde.» Die Gebäude sollen strengen MinergieKriterien entsprechen und es sollen ausschliesslich erneuerbare Energien zum Einsatz kommen. Es gibt weniger Parkplätze, aber dafür Carsharing und eine S-Bahnstation. Doch die grösste Hürde war laut Friedrichs die Verdichtung: «Es wurde lange gemeinsam mit der Stadt nach einer Lösung gesucht, wie eine relativ hohe Dichte erreicht werden kann und dennoch hohe Lebensqualität möglich ist.» Man hat sie gefunden und im kommenden Jahr soll der Spatenstich erfolgen. Sprachrohr für nachhaltige Lösungen Es existieren Antworten auf Fragen der nachhaltigen Stadtentwicklung – sie müssen nur den Weg zur Umsetzung finden. Als Plattform soll in der Hauptstadt Bern in diesem Jahr zum ersten Mal Mitte März die Veranstaltung Cleantec City dienen. Denn der Bund hat mit seinem Masterplan Cleantech nicht nur die Richtung angegeben, sondern auch aufgezeigt, dass der Wissenstransfer nicht recht funktioniert. Eine Erfahrung, die auch Martin Michel, Business Development Manager der Messe Bern, gemacht hat: «Wir haben festgestellt, dass es in der Schweiz einen grossen Informationsbedarf von Seiten der Entscheidungsträger in der Administration und bei Infrastrukturbetreibern gibt.» Für viele Projekte suche man händeringend Lösungen, die andernorts schon existierten. «Wir haben im Vorhinein viele Einzelgespräche mit verschiedenen Akteuren geführt. Und es interessiert konkret, was jetzt machbar und morgen denkbar ist.» 60 Unternehmen präsentieren in der Ausstellung die Gegenwart, Forschende in einem «Quartier der Zukunft» die nahe Zukunft, auf einer Konferenz ist Raum für Debatten. Energiewende erreicht Städte Schule machen könnte auf Cleantec City auch die Stadt Bern selbst, wo ganzheitliches Denken in der Stadtentwicklung längst angekommen zu sein scheint und der Atomausstieg schon lange vorbereitet wird. Das Energieversorgungsunternehmen Energie Wasser Bern (ewb) hat Strom, Wärme, Wasser, Telekommunikation, Elektromobilität und Kehrichtverwertung im Blick. CEO Daniel Schafer sagt: «Gerade in Städten ist die Tendenz zu beobachten, bei der Netzinfrastruktur Querverbindungen im Sinne der Effizienz zu schaffen.» Auch in der Produktion werden Synergien genutzt: Als man im Jahr 2000 Ersatz für eine Kehrrichtverwertungsan-

lage suchte, entstand die Idee für die Energiezentrale Forsthaus. Hier wird Kehrichtverwertung mit einem Holzheizkraftwerk und Gas- und Dampf-Kombikraftwerk kombiniert – im März ist Aufrichtefeier. «Die Energiezentrale Forsthaus ist heute unser halber Atomausstieg, die andere Hälfte wird durch die restlichen Aktivitäten im Bereich erneuerbarer Energie abgedeckt», sagt Schafer. Die Energiezentrale ist Teil des Gesamtprojekts Forsthaus West, über das die Stimmbürgerschaft in einer Volksabstimmung Anfang 2008 abstimmte – 88 Prozent begrüssten Zonenplan und Überbauungsordnung. Dezentral produzierten und speisten noch wenige ins Netz ein. Doch Energie Wasser Bern wolle das durch gute Absatzbedingungen im Rahmen einer Solarstrategie noch in diesem Jahr fördern, sagt Schafer. Gemeinwesen macht Schweizer Städte stark Die Beispiele spiegeln die Schweiz wider und die privilegierte Lage, in der sich ihre Städte befinden. «In der Schweiz ist vieles bezüglich der Stadtentwicklung anders», sagt Tim Rieniets, Dozent und Koordinator des Urban Research Studio des Lehrstuhls für Architektur und Städtebau an der ETH Zürich. Ein gesellschaftlicher Konsens über die Eigenschaften einer guten Stadt hat hier lange Tradition. Und umgekehrt sei das Bild einer Stadt immer auch ein Indikator für die Situation der Gesellschaft. «In die Schweiz passen deshalb homogene, gepflegte Städte als Orte und Ausdruck friedlichen Zusammenlebens», so Rieniets. So wird ein höfliches, konsensorientiertes Miteinander gepflegt und auch mit Infrastruktur in der Regel besser und respektvoller umgegangen – ein besonderes Potential für Nachhaltigkeit. Da blitzt es auf, das Charakteristikum Schweizer Städte, um das sie weltweit so beneidet werden. SEC-Direktor Schmitt kommt im fernen Singapur ins Schwärmen: «Es ist fantastisch zu sehen, wie das Gefühl des Gemeinwesens hier funktioniert.» Hierin liegt das Geheimnis ihrer Zukunftsfähigkeit. «Es ist das Zusammenleben der Bewohner. Sie entscheiden sich, gemeinsam ein politisches Leben zu organisieren. Man kann lange danach suchen, was das Potential von Schweizer Städten tatsächlich ausmacht und wird immer wieder auf den Aspekt des Gemeinwesens stossen. Das macht sie sehr resilient und zukunftsfähig.» Leider ist dies jedoch kaum ein geeignetes Exportprodukt, denn die Forschung habe laut Schmitt gezeigt, dass Nachhaltigkeit von Stadt zu Stadt etwas anderes bedeute. Doch für die Schweiz gilt, sich diesen Trumpf im Ärmel zu bewahren.

Die Energiezentrale Forsthaus in Bern kombiniert Kehrichtverwertung mit einem Holzheizkraftwerk und Gas- und DampfKombikraftwerk – im März ist Aufrichtefeier. Fotos: ewb, Brigitte Mathys

2030 dürften rund fünf Milliarden der insgesamt neun Milliarden Menschen ihr Glück in Städten suchen


www.post.ch/klima

Ich will auf einem gesunden Planeten gross werden. Lukas, 10-jährig

Über 2500 Elektroroller sind uns nicht genug für eine saubere Umwelt. Die Post ist auch für die künftigen Generationen da. Mit über 2500 Elektrorollern betreiben wir die umweltfreundlichste Rollerflotte Europas. Doch das genügt uns nicht. Deshalb werden wir bis 2016 komplett auf Elektroroller umrüsten und bauen grosse Solaranlagen auf den Dächern unserer Gebäude. Schon heute beziehen wir unseren Strom zu 100% aus erneuerbarer Energie. Für die anspruchsvollsten Kunden der Welt.


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S TA D T E N T W I C K L U N G

Diskrete Urbanität Städte werden wieder attraktiv. Doch das neue Wachstum muss nachhaltig gestaltet werden, sagt SIA-Generalsekretär Hans-Georg Bächtold. Dabei geht es nicht nur um die Senkung des Energieverbrauchs, sondern auch um die Erhöhung der Lebensqualität. Verdichtung und Freiraum schliessen einander nicht aus.

INTERVIEW STEFFEN KLATT

Sie sind ursprünglich Forstingenieur gewesen. Welche Ähnlichkeiten gibt es zwischen dem Lebensraum Wald und dem Lebensraum Stadt? Hans-Georg Bächtold: Es ist richtig, ich habe Forstwirtschaft studiert. Mich interessierten damals die Nachhaltigkeit und die Umwelt. Als ich 1980 zu studieren begann, gab es diese Fachrichtung noch nicht. Ich musste mich zwischen Biologie, Agronomie oder Forstwirtschaft entscheiden. Mich fasziniert der Spagat zwischen dem Naturwissen und dem Ingenieurwesen. Fünf Jahre später habe ich dann Raumplanung – also den Umgang mit dem Lebensraum der Menschen - studiert und bin an der ETH geblieben und habe vor allem in der Ausbildung gearbeitet. Städte sind Eingriffe in die Natur, aber es braucht sie zwingend für unser Leben. Sie müssen daher nachhaltig gestaltet werden. Das ist eine der ganz grossen Herausforderungen der Berufsgruppen, die im SIA verbunden sind. Das sind die Architekten, die Bauingenieure, die Haustechniker und die Umwelt- und Lebensraumfachleute Welche Herausforderungen stellen sich heute in den Städten? Das sind drei Fragen. Die erste ist die nach der markanten Verbesserung der urbanen Wohn- und Lebensqualität. Die zweite Frage: Wie können wir das Energie- und das Mobilitätsproblem lösen. Die dritte: Wie können wir ein dichteres Wohnen erreichen? Wir wollen die Leute zurück in

die Stadt holen. Dafür muss die Stadt attraktiver gemacht werden. Wenn man Energie sagt, fällt ins Gewicht, dass ein grosser Teil der Gebäude überaltert ist. Die Herausforderung stellen die vor 1985 erstellten Gebäude dar, rund 80 Prozent aller Gebäude in der Schweiz. In Zahlen ausgedrückt sind es etwa 1.5 Millionen Gebäude. Ein grosser Anteil davon steht auch in städtischen Gebieten. Das ist eine Chance. Bei der energetischen Sanierung hat der SIA schon viel getan. Wie zufrieden sind Sie mit dem Stand? SIA hat sehr viel Lob für den Energieeffizienzpfad erhalten. Erstmals ist klar dargestellt worden, dass auf dem Weg einer zukünftigen Energieentwicklung nicht nur die Heizenergie relevant ist, sondern die gesamte Betriebsenergie, graue Energie und induzierte Mobilität als systemrelevant zu betrachten sind. Natürlich haben wir auch viel Kritik eingesteckt und viele Diskussionen haben stattgefunden und werden noch stattfinden. Immerhin waren wir Auslöser und Katalysator und das ist eine gute und dem SIA angemessene Rolle. Wie sieht es mit der Umsetzung aus? Die Umsetzung ist jetzt im Gang. Energieeffizienz bei Neubauten ist relativ einfach. Die Herausforderung liegt bei den Umbauten. Der Effizienzpfad zeigt auf, wie man die Energieeffizienz über Jahre hinweg verbessern kann. Aber im Moment liegt die Erneuerungsrate bei Gebäuden bei 1,5 Prozent pro Jahr, und nur 0,7 Prozent werden energetisch verbessert. Das ist viel zu wenig.


WIRTSCHAFT UND POLITIK l UZ Wie kann die Rate angehoben werden? Das ist einerseits eine Frage der Ausbildung, und die werden wir angehen. Zudem: Der SIA arbeitet in den technischen Fragen mit sorgfältig ausgewählten Kommissionen, die die entsprechenden Berufsinstrumente – die Regeln des Bauens - erarbeiten. Aber es ist sicher auch eine Frage des politischen Willens. Es braucht politische Vorgaben, um die Städte zu erneuern. Dabei führt die Betrachtung des einzelnen Gebäudes nicht zum Erfolg. Das geht, wo es grössere Eigentümer hat, etwa Wohnbaugenossenschaften wie in der Stadt Zürich. Wir müssen ganze Quartiere erneuern. Nur so kann man gleichzeitig mit der Energieeffizienz auch die Freiraumqualität und die Siedlungsqualität verbessern. und auch die Mobilitätsfragen angehen. Fahrzeuge sind ja auch Stehzeuge, die viel Platz beanspruchen. Für Quartiererneuerungen gibt es bereits sehr gute Beispiele. Zu entwickeln sind noch Anreizsysteme. Heisst es umgekehrt, dass die Erneuerung rasch an Grenzen stösst, wenn es viele Eigentümer gibt? Das gilt es zu beachten. Es kommen im Moment etwa hunderttausend Menschen pro Jahr in die Schweiz. Gleichzeitig gibt es immer mehr Eigentümer, gerade auch Stockwerkeigentümer. Das macht die Sanierung städtischer Gebiete ausserordentlich schwierig: Es gilt mehr Menschen, mehr Nachbarn und mehr Grundeigentümer in den Prozess einzubeziehen und mitwirken zu lassen.

Auch für Paare mit Kindern werden die Städte zunehmend attraktiver – wie hier in Lausanne. Foto: swiss image/Stephan Engler

«

Städte sind

Eingriffe in die Natur, aber es braucht sie zwingend für unser Leben»

In welchem Verhältnis steht der Energieeffizienzpfad zu Minergie? Die Bedeutung von Labels für Gebäude nimmt zu. Hier hält sich der SIA raus. Minergie ist ein Label für das Bauen, bei dem die Normen des SIA zur Anwendung gelangen. Zunehmend von Bedeutung für den Energieverbrauch ist aber nicht nur das Erstellen, sondern das anschliessende Nutzen und Bewirtschaften des Gebäudes. Da die Gebäudesubstanz langsam aber stetig ressourceneffizienter wird, gewinnen die Lage der Gebäude und die dadurch induzierte Mobilität an Bedeutung. Dank dem Energieeffizienzpfad des SIA, in dem die 2000-Watt-Gesellschaft auf die Anforderungen für Gebäude heruntergebrochen wird, kann nun auch die durch ein Gebäude verursachte Mobilität in die Nachhaltigkeitsbetrachtung einbezogen werden.

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nur noch 40 bis 50 Quadratmeter brauchen und nicht 80, wie das Bundesamt für Statistik für 2050 voraussagt, dann liessen sich unsere Konzepte umsetzen. Lässt sich mit der «diskreten Urbanität» vermeiden, dass die Enge der Stadt zu einem Problem wird? Es findet ein Umdenken statt. Die Menschen finden die Stadt wieder attraktiv, sie kommen zurück, auch mit Kindern. Jetzt muss man entsprechende Wohnungen erstellen und für hohe Lebensqualität sorgen. Stimmt diese zunehmende Attraktivität auch für die Schweiz ausserhalb der grossen Agglomerationen Zürich und Genf-Lausanne? Das stimmt zum Beispiel auch für Basel. Als ich 1998 als Kantonsplaner von Basel-Landschaft angefangen habe, beklagte sich die Stadt Basel über den Wegzug der Menschen. Jetzt wächst Basel wieder. Dafür wurden auch attraktive Wohnungen und gute Rahmenbedingungen geschaffen. Das ist in Solothurn, Aarau oder Olten nicht anders.

Wie lange wird der Aufschwung der Bauwirtschaft noch anhalten? Er wird anhalten, weil der Bedarf und die Nachfrage bestehen. Aber es fehlt an kompetenten Fachleuten, zum Beispiel 15.000 Ingenieure und auch Bauleiter. Wir haben aufgrund unseres Ausbildungssystems viele gute Entwurfsarchitekten. Die Fachhochschulen sind heute Universitäten und konzentrieren sich nicht mehr aufs Bauen, sondern auch aufs Entwerfen. Diese Entwicklung müssen wir gut im Auge behalten und Lösungen erarZUR PERSON beiten.

Hans-Georg Bächtold, geboren 1953 in Schaffhausen, ist seit 2009 Generalsekretär des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA). Zuvor war er seit 1998 Kantonsplaner und Leiter des Amtes für Raumplanung des Kantons Basel-Landschaft. Er hat an der ETH Zürich Forstwirtschaft und Raumplanung studiert und anschliessend an der ETH gearbeitet. Später leitete er das Ingenieurbüro Oekogeo in Schaffhausen. Der SIA feiert in diesem Jahr sein 175jähriges Bestehen.

Mit dem Energieeffizienzpfad haben die Architekten jedenfalls das geeignete Instrument für die Energiesanierung in der Hand? Ja. Und dann kommt eben die Frage nach den Eigentümern und Investoren ins Spiel. Die müssen sich erstens fragen, was sie investieren sollen und welchen Nutzen sie davon haben. Die zweite Frage lautet, wie attraktiv ein saniertes Quartier danach ist. Früher galt ein Haus mit Privatgarten als attraktiv. Aber wollen das die Menschen noch? Ginge es nicht auch mit einem Fünf- oder Sechsgeschosser, in dem nicht mehr jeder Bewohner eine private Wiese vor dem Haus hat, aber dafür einen interessanten Balkon? Dafür gibt es hervorragende Beispiele. Braucht es also nach den Mietskasernen des 19. Jahrhunderts, der Gartenstadt des frühen und den Einfamilienhäusern des späten 20. Jahrhunderts wieder einen neuen Typ von Haus? Es braucht eine «diskrete Urbanität». Man wohnt dicht und höher, aber nahe dem Freiraum. Und wenn die Leute dann

Kann die Schweiz ihre Baukunst auch exportieren? Das gibt es schon. Bekannte Architekturbüros wie Herzog&de Meuron, Roger Diener oder Valerio Olgiati haben keine Mühe, im Ausland zu bauen. Der SIA betreibt seit über einem Jahr im Auftrag des Bundes die Geschäftsstelle der Exportplattform ingenious-switzerland. Sie hat die Aufgabe, Architektur, Engineering und Design zu exportieren. Ziel ist es, dass unsere Fachleute auch im Ausland bauen können. Die Schweiz hat im Unterschied zu den umliegenden Ländern kein Architekturgesetz und keine Architektenkammer. Das erschwert das Bauen im Ausland. Die Exportplattform bietet Hilfe. Schweizer Büros sind stark etwa bei Tunnelbauten, bei Spitalbauten oder bei Herausforderungen im Bereich Cleantech und nachhaltigem Bauen. Muss der SIA mit jedem einzelnen Land ein Abkommen abschliessen, um den Markt zu öffnen? Das ist eine Möglichkeit. Mit der Bayrischen Architektenkammer haben wir das gemacht, auch mit der American Society of Civil Engineers, jetzt mit der Mongolei. Mit Italien, Singapur und Staaten in Südamerika bahnt sich etwas an. Wenn also Schweizer Büros ins Ausland gehen wollen, können sie sich bei Ihnen melden? Genau. Auch wenn die Büros in der Schweiz zurzeit gut ausgelastet sind, ist es dennoch für die kleine Schweiz mit Blick in die Zukunft sinnvoll, die Fühler ins Ausland auszustrecken.


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STADTENTWICKLUNG

Urbane Räume sind Motoren der Zukunft An der Zukunft wird in den Metropolen geschmiedet. Denn Menschen müssen in der heutigen Wissensökonomie aufeinander treffen, um innovativ sein zu können. Dabei zählten jedoch eher gut vernetzte urbane Knoten denn ausufernde Megastädte, sagt Alain Thierstein.

INTERVIEW YVONNE VON HUNNIUS

Was bedeutet Infrastruktur für die Zukunft von Städten? Alain Thierstein: Infrastruktur ist eine Voraussetzung, ohne diese geht gar nichts – es ist eine notwendige, doch keine hinreichende Bedingung. Das verdeutlicht auch die Tatsache, dass mit technischer Infrastruktur ausgestattete und wunderbar renovierte Innenstädte in Portugal und Ostdeutschland strahlen und die Menschen dennoch abwandern. Heute geht es um die Wissensökonomie. Diese braucht technische Voraussetzungen, doch sie muss gut qualifizierte Mitarbeitende unter entsprechenden Bedingungen halten können. Welche Bedingungen müssen Infrastrukturprojekte somit erfüllen? Was zählt, ist Erreichbarkeit: Zum einen geht es um physische Erreichbarkeit, also wie rasch komme ich von meinem an einen anderen Standort, wo ich andere Menschen und Aktivitäten erreichen kann – und zweitens geht es um die nicht-physische Dimension der Vernetzung beispielsweise von Unternehmen untereinander. Doch Unternehmen tendieren dazu, dorthin zu gehen, wo auch physische Vielfalt

vorhanden ist – wo Arbeitsmärkte vielfältiger sind, Wissensinfrastruktur stimulierend wirkt, Wohnumfeld stimmt, Attraktivität im Naherholungsgebiet vorhanden ist. Spielt das Physische in der stark virtualisierten Welt nicht eine immer kleinere Rolle? Hier ersetzt das eine nicht das andere. Neuerungen kommen nur durch FaceTo-Face-Kontakte zustande. Man kann virtuell bestimmte Dinge austauschen, doch der Mensch braucht bei entscheidenden Situationen direkten Kontakt. So wird Wissen generiert. Alle Studien zeigen: Je mehr Telekommunikationsmöglichkeiten wir haben, desto mehr wird gereist. Denn auch die Arbeitsprozesse werden immer mehr in Einzelteile zerstückelt. Die Reintegration in die Wertschöpfung ist komplexer und braucht an den Schnittstellen direkte Interaktion. In der Konsequenz verstärken sich hochzentrale Standorte und ziehen in der Tendenz noch mehr Aktivitäten an. Städte werden also immer grösser… Nein. Grossstädte müssen nicht als eigene Standorte grösser werden, sondern

werden schlagkräftiger, sichtbarer, kräftiger durch polyzentrische Struktur. Es bildet sich auf hohem Niveau eine erweiterte Arbeitsteilung im Raum von urbanen Knoten wie Zürich und Basel, das das Rückgrat der Metropolregion Nordschweiz ist. Und dafür muss die Siedlung nicht zusammenwachsen, denn hohe Erreichbarkeit ist durch Infrastruktur gegeben.

HochgeschwindigkeitsSchiene und international angebunden durch einen Drehscheiben-Flughafen. An diesen sogenannten multi-modalen Knoten konzentrieren sich immer mehr hochwertige Unternehmensfunktionen und interessante Arbeitsplätze. Unternehmen optimieren durch diese Standortstrategie nicht nur ihre Wertschöpfung, sondern auch ihre CO2-Bilanz.

Zeichnet sich generell nicht ein Trend der neuen Landliebe ab? Es ist umgekehrt. Es geht um Urbanität. Sie entsteht dort, wo Menschen gern und immer wieder hingehen. Bewegung meint dabei die Wahrscheinlichkeit, dass man auf unterschiedliche Menschen stösst, dass man von anderen lernt oder deren Fehler vermeidet. In dezentralen schlechter besiedelten Gebieten ist diese Wahrscheinlichkeit geringer. Deshalb zieht es all diejenigen, die perspektivisch etwas unternehmen wollen, in urbane Räume. Heute bilden sich polyzentrische Strukturen heraus. Das sind urbane Netze von sich gegenseitig ergänzenden urbanen Knoten, regional verbunden durch effiziente S-Bahnen, kontinental durch die

Was muss ein urbaner Raum abgesehen von Aspekten der Erreichbarkeit noch bieten, um zukunftsfähig zu sein? Es geht darum, hochqualifizierte Arbeitnehmende in die Region zu bringen und dort zu halten – das ist das knappste Gut in Europa. Es ist ein extremer Wettbewerb, der mit einem ganzen Portfolio von Faktoren stattfindet, die man bereitstellen muss. Gute Wohnlagen, Dual-Career-Möglichkeiten für Partner gehören dazu. Wenn der Mann traditionellerweise einen guten Job angeboten bekommt, dann hat seine Frau dort keine Möglichkeit, auch wegen fehlender Tagesstrukturen für Kinder. Spiegelt sich eine konservative Grundhaltung in den Entscheiden der Kommunen wider, dann fehlt dieser Standortfaktor.

Gut vernetzte Knotenpunkte bilden die Grundlage für wirtschaftliche und gesellschaftliche Dynamik, so z.B. das aufstrebende Quartier Zürich West. Foto: Baudepartment Stadt Zürich

ZUR PERSON Prof. Dr. Alain Thierstein ist Professor für Raumentwicklung an der Technischen Universität München und wirkt als Partner bei Ernst Basler + Partner AG in Zürich. Seine Schwerpunkte liegen in Regional- und Stadtentwicklung, insbesondere wissensbasierter Unternehmenstätigkeiten, Raumentwicklungspolitik sowie Evaluation von Politikmassnahmen. Er hat Wirtschaftswissenschaften an der Universität St. Gallen studiert und fungierte dort als Leiter des Kompetenzbereiches Regionalwirtschaft am Institut für Öffentliche Dienstleistungen und Tourismus. Vor seiner Tätigkeit in München arbeitete er als Assistenzprofessor für Raumordnung am Institut für Orts-, Regional- und Landesplanung der ETH Zürich.


WIRTSCHAFT UND POLITIK l UZ B U N D E S A M T F Ü R M I G R AT I O N

Ach, diese Berater! VON RUDOLF STRAHM

DER AUTOR

Rudolf Strahm ist Chemiker und Ökonom. Er war von 1991-2004 Nationalrat und von 2004-2008 Eidgenössischer Preisüberwacher.

Mit der fundamentalen und teuren Reorganisation des 700Personen-Betriebs war eine Produktivitätsverbesserung von 20 Prozent in Aussicht gestellt worden. Nach der Reorganisation resultierte effektiv eine 15- bis 20prozentige Produktivitätsverschlechterung. Der Organisationsberater kassierte für seine Fehlleistung rund eine Million Franken Beratungshonorare und in den folgenden Jahren noch mehrere Hunderttausender dazu. Und bei den Schäden und Folgekosten seiner Reorganisation, die in hunderte von Millionen Franken gehen, trägt er keine Mithaftung. Da passieren unglaubliche Dinge mit der Reorganisation und Umstrukturierung von Betrieben und Verwaltungen. Kaum jemand leuchtet in das Nachtschattengewerbe von Organisationsberatern, Personalconsultants, Projekt- und Change-Managern und in deren nichthaftende Inkompetenz. Das Beispiel, das ich eingangs beschreibe, betrifft das Bundesamt für Migration BFM, das 700-Personen-Monsteramt des Bundes. Zu dessen gescheiterter Reorganisation liegt ein transparenter, fünfzigseitiger Evaluationsbericht des Schweizer Managementprofessors Hans A. Wüthrich von der Bundeswehr-Universität München vor. Und die Etappen der Destruktion sind mit einem Dutzend Medienmitteilungen seit 2009 rückverfolgbar. Alle Dokumente sind im Internet des BFM einsehbar und transparent. Beim Bund werden solche Fehlleistungen dank Verwaltungskontrolle und kritischer Presse jeweils transparent. In der Privatwirtschaft gibt es mindestens eben so viele Organisationsflops; nur bleiben sie meist als Insiderwissen im Verwaltungsrat versteckt und unterliegen der gegenseitigen Schonkultur der Verantwortlichen. Wegen Misstrauen Reorganisation Die Verwaltungsreorganisation beim BFM basierte auf einem fundamentalen Misstrauensproblem und wurde ab 2009 von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf unter Beizug der Beratungsfirma Rexult AG Bern durchgezogen, einer in elektronischer Dokumentation spezialisierten Firma, die vorher noch nie einen so grossen, komplexen Betrieb reorganisiert hatte. Das BFM kannte innert zehn Jahren vier verschiedene Departements-Chefs, jede(r) mit einer andern Ausländerdoktrin. Während der Jahre 2004-2007 unter Bundesrat Christoph Blocher wurden das Bundesamt und die kantonalen Migrationsämter heruntergefahren und auf eine Kapazität von 10’000 Asylgesuchen zurückgestutzt. Dank der politischen Liaison Berlusconi-Gaddafi war der Flüchtlingsstrom aus Nordafrika in den Jahren 2005-2008 vorübergehend versiegt. Heute hat das BFM wieder, wie früher, zweieinhalb Mal mehr Asylgesuche zu bearbeiten. Die damalige Demontage unter Blocher ist eine organisatorische Hypothek von heute. Zunächst wurde 2009 der BFM-Direktor Eduard Gnesa ohne Vorwarnung entlassen. Darauf wurde eine Dreierseilschaft mit der Firma Rexult, mit dem in Asylfragen unbelasteten Stabsmitarbeiter Jörg Gasser und mit der Finanzchefin Eveline Gugger Bruckdorfer gebildet. Alle drei hatten keine Erfahrung mit Asylprozessen, Asylrecht oder asylrechtlichen Rückschaffungsabläufen. Mit pseudowissenschaftlichem Lehrbuchwissen und Consulting-Geschwurbel wurde ein Totalumbau des BFM eingeleitet: Mit einem «Polyvalenz-Ansatz» wurde die «A-bis-Z-Philosophie» für eine «prozessorientierte Organisation» vorgeschlagen und durchgedrückt: jeder Mitarbeiter soll die Bearbeitungskette von A bis Z, von der Gesuchsprüfung, Befragung, Entschei-

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dung bis zum Vollzug selber betreuen und beherrschen. Die erfahrenen Länderteams wurden aufgelöst, die Rückführungsabteilung gänzlich aufgehoben, die vollzugsentscheidende Rückführungshilfe pulverisiert und auf zwei Direktionsbereiche und vier Abteilungen aufgeteilt und damit ihrer Wirkung beraubt. 400 von 700 Mitarbeitern des BFM mussten ihre Stelle und meist auch ihren Aufgabenbereich wechseln. 70 Kaderstellen mussten neu besetzt werden. 50 davon wurden neu ausgeschrieben; die bisherigen Kader mussten sich neu bewerben, wobei sich darauf 200 Bewerber um die 50 Plätze balgten. Praktisch die ganze Direktion mit einer Ausnahme wurde ausgewechselt, dem Amt gingen Führungskapazitäten, Prozesserfahrung und die Verbindung zu den vollziehenden Kantonen vollends verloren. Das Ergebnis? Das Resultat waren eine jahrelange Verunsicherung der Mitarbeiter, ein gigantischer Zügelaufwand, auseinander gerissene und neu zusammengesetzte Abteilungen und vor allem auch der Verlust aller Rückschaffungskapazitäten. Im Asylbereich ist der Vollzug, also Verwahrung, Rückkehr und Rückschaffung, absolut erfolgsentscheidend. Jeder Aufenthaltstag in einem betreuten Asylzentrum kostet 150-200 Franken pro Person, jeder Gefängnistag über 400 Franken. Gesamtkosten dieses Produktivitätseinbruchs und der Verzögerungen: viele hundert Millionen Franken. Pikant ist auch, dass die für die Reorganisation mitverantwortliche Eveline Gugger Bruckdorfer darauf selber eine Hauptrolle in der BFM-Direktion als Chefin Asyl und Rückkehr übernahm und danach die Beratungsfirma Rexult mit neuen Folgeaufträgen bedachte. Die Hauptknacknuss im Asylbereich, nämlich die langen Verfahren, wurde von den verantwortlichen Reorganisations-Pseudoprofis nicht einmal angegangen. Die eigentliche Reform der Asylabläufe wird erst jetzt durch die neue Direktion an die Hand genommen, wobei auch Departements-Chefin, Bundesrat und Parlament einbezogen werden müssen. Fazit Lehrreich an dieser gescheiterten Übung ist, dass die früheren Direktionsmitglieder allesamt vor den Folgen dieser Reorganisation gewarnt hatten und darauf eines nach dem andern in Ungnade fiel. Gewiss sind bei bisherigen Kadern oft auch versteckte Beharrungstendenzen und Besitzstandsinteressen im Spiel. Doch die Missachtung von erfahrenen Kadern zahlt sich nicht aus. In komplexen Systemen sind extern ausgedachte Reorganisationskonzepte über die Köpfe der Kader hinweg meist schädlich und kostspielig. Organisationsberater sind die falschen Engel! Was haben wir in den letzten Jahren nicht alles an stets wechselnden Management-Doktrinen erleben müssen! Immer mit professoralem Imponiergehabe und geschraubter Blenderrhetorik vorgetragen und nach ein paar Jahren wieder stillschweigend versenkt. Da ist Misstrauen höchste Pflicht. Externe Experten in Steuerfragen, für Marketingkonzepte, für EDV und weiterer Technologietransfer von aussen sind durchaus nutzbringend, ja unabdingbar für eine Firma. Aber im Organisationsbereich bringt das Peer-Prinzip mehr und bessere Resultate: Mit erfahrenen, externen Profis aus der gleichen Branche als Peers («Späher»), die schonungslos die Schwachstellen benennen, kombiniert mit einem entsprechenden starken Coaching, das die Reorganisation als Lernprozess vorantreibt, lässt sich mehr erreichen, als mit einer Beratungsfirma, die vor allem sich selber legitimieren und Folgeaufträge fischen will. Dabei braucht es vielleicht in zweiter Linie auch akademisches Lehrbuchwissen und Verkäufertalent; doch in erster Linie braucht es erlebte Erfahrung in Organisationen und gesunden Menschenverstand!


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UZ-KONJUNKTURUMFRAGE l./2012

Trends und Facts Ab dieser Ausgabe publiziert die UnternehmerZeitung vierteljährlich eine Konjunktur-Umfrage bei bekannten Instituten und Ökonomen. Das seco, Staatssekretariat für Wirtschaft, konnte leider als einziges der angefragten Institute auf Grund von Arbeitsüberlastung an der Umfrage nicht teilnehmen.

Der Druck auf die Schweizer Wirtschaft ist in allen Branchen zu spüren. Auch unsere Konjunkturexperten erwarten eine Stagnation wenn nicht sogar eine Verschlechterung der Konjunktur in den nächsten Monaten. In einem sind sie sich aber einig, der Franken wird zum Euro stabil bleiben.

1. Wie schätzen Sie die Wachstumschancen für die Schweizer Wirtschaft in den nächsten sechs Monaten ein?

2. Welche Risiken sehen Sie für die Schweizer Wirtschaft?

Dr. Yngve Abrahamsen, Leiter Prognosen

Die schweizerische Wirtschaft wird in den nächsten Monaten bestenfalls noch schwach zulegen. Die Frankenstärke und die verhaltene wirtschaftliche Entwicklung im Ausland gehen nicht spurlos an uns vorüber.

Die Risiken betreffen in erster Reihe die Entwicklungen auf den Exportmärkten für schweizerische Produkte. Sowohl in der EU als auch in Asien hat die Gefahr einer Abkühlung zugenommen. Beim Wechselkurs hat die SNB dem Risiko einer weiteren Höherbewertung des Frankens am 6. September 2011 ein Ende gesetzt. Eine weitere Abschwächung des Frankens wäre für die exportorientierten Unternehmen natürlich sehr wünschenswert.

Dr. Daniel Kalt, UBS Chefökonom Schweiz

Das wird sicherlich eine harzige erste Jahreshälfte. Die Frankenstärke und die weltweite Wachstumsverlangsamung lasten auf der Exportwirtschaft. Immerhin läuft die Binnenwirtschaft immer noch solide. Unter dem Strich dürfte eine schwarze Null resultieren.

Kurzfristig beunruhigt noch immer die Situation in Europa. Bei einer weiteren Eskalation der Schuldenkrise könnte die SNB gezwungen sein, mit vielen Mitteln die Frankenuntergrenze zu verteidigen. Längerfristig macht mir vor allem der Immobilienmarkt Sorgen, der in einzelnen Regionen Anzeichen einer Blase zeigt.

Bruno Chiomento, CEO

Die Geschäftserwartungen der Schweizer Wirtschaft bleiben insgesamt durchmischt. Das zeigen auch Ergebnisse einer aktuellen Ernst & Young Umfrage unter 700 KMU (siehe Ernst & Young KMU-Barometer 2012). 28 Prozent der befragten Unternehmen erwarten in den kommenden sechs Monaten zwar eine Verbesserung der eigenen Geschäftslage, 13 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung. Dennoch: Unbeeindruckt von den weltweiten Konjunktursorgen und der Schuldenkrise sind die Schweizer KMU nicht: So erwarten 37 Prozent eine Verschlechterung der Wirtschaftslage in der Schweiz, nur 18 Prozent setzen auf einen Aufschwung. Und sogar mehr als jeder zweite Befragte prognostiziert eine Abschwächung der Weltkonjunktur.

Die grössten Risiken liegen für die Schweizer Wirtschaft in der europäischen Schuldenkrise. Das sehen im Übrigen auch die mittelgrossen Unternehmen so: Zwei von fünf Schweizer KMU zeigen sich besorgt über die Schuldenkrise in Europa. In diesem Zusammenhang wird eine Rezession in Europa befürchtet, welche sich dann auch in der Schweiz niederschlägt. Zudem bereitet der Fachkräftemangel in der Schweiz Sorgen.

Dr. Felix Brill, Chefökonom

Derzeit deutet vieles darauf hin, dass der Schweizer Wirtschaft eine Rezession droht. Die Exportwirtschaft leidet bereits seit Monaten unter dem starken Franken und zusätzlich hat sich nun auch die Konjunktur in vielen Absatzmärkten abgekühlt. Es ist zu erwarten, dass sich das konjunkturelle Umfeld auch hierzulande deutlich eintrüben wird.

Vorderhand eine Eskalation der europäischen Schuldenkrise. Sollte es zu einem Staatsbankrott eines der Euroländer kommen, könnte dies zu einer ähnlichen Schockstarre führen wie nach der Pleite der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers.

Marc Bros de Puechredon, Marketing & Kommunikation

Das 1. Quartal wird sehr harzig. Gegen Sommer kann man mit moderatem Aufschwung rechnen.

Das grösste Risiko ist nach wie vor: die Unsicherheit Europas in Bezug auf den Schuldenabbau und die Währungsrisiken.


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Die Baubranche könnte ein Bereich sein, der von der schlechten Konjunktur weitgehend verschont bleibt.

3. Für welche Branchen erwarten Sie einen Aufwärtstrend, für welche einen Abwärtstrend?

4. Wie wird sich der Franken in den nächsten sechs Monaten zu den wichtigen anderen Währungen entwickeln?

Die Aussichten für das Gesundheitswesen sind günstig, dies trifft auch für die Pharmaindustrie und die Kommunikation zu. Im Nachgang zu der Nuklearkatastrophe in Japan und der bereits vorgenommenen Abschaltung von Kernkraftwerken wird die Elektrizitätswirtschaft zu den Gewinnern zählen. Die Stromhändler und auch die übrigen Rohwarenhändler können ein gutes Jahr erwarten. Negativ sind die Aussichten für die Tourismusbranche und im kleineren Umfang die übrigen Exportbranchen. Die Bauwirtschaft muss sich nach einigen guten Jahren auf eine Abnahme ihrer Aktivität einstellen. Die Finanzindustrie wird voraussichtlich im zweiten Halbjahr eine Erholung sehen.

Die Wechselkurse werden zurzeit nicht von ökonomischen Determinanten bestimmt und sind dementsprechend schwer vorauszusagen. Der Franken wird sich zwar wieder abschwächen, aber wann dies einsetzt, wissen wir nicht.

Am meisten unter Druck sind die klassischen Exportsektoren der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie, teilweise auch der Tourismus. Überraschend gut halten sich die Uhren- und die Pharmabranchen. Weiterhin positiv verläuft der Geschäftsgang in den meisten Binnenbranchen, insbesondere im Bauund Immobiliengewerbe, das weiterhin von tiefen Zinsen und der anhaltend hohen Immigration profitiert.

Wir gehen in unserem Basisszenario davon aus, dass es der Nationalbank gelingt, die Untergrenze von 1.20 zum Euro zu halten, womit sich der EURCHF-Wechselkurs im Bereich von 1.20 bis 1.25 bewegen dürfte. Zum USD erwarten wir den CHF vorerst noch etwas schwächer, zumindest solange die Turbulenzen in der europäischen Schuldenkrise anhalten. Längerfristig dürfte der USD zum CHF jedoch trendmässig weiter abwerten.

Die Konjunkturerwartungen haben sich mittlerweile in allen Branchen stark bemerkbar gemacht. Entsprechend überwiegen – und das zeigt uns auch unsere Umfrage – in allen Branchen (Handel, Dienstleistung, Industrie sowie Bau/Energie) die Konjunkturpessimisten. Besonders stark ausgeprägt ist der Konjunkturpessimismus derzeit aber im Sektor Bau/Energie.

Die Einführung der Frankenuntergrenze auf 1,20 hat den Unternehmen Planungssicherheit gegeben. Eine weitere Stärkung halten wir aber für realistisch – gestützt durch Interventionen der Schweizerischen Nationalbank (SNB).

Die Schweizer Uhrenindustrie dürfte weiterhin von der steigenden Nachfrage nach Luxusgütern insbesondere aus den Schwellenländern profitieren. Ebenfalls positiv sind die Aussichten für die Bauwirtschaft, da die Zinsen tief bleiben und die Zuwanderung anhalten dürfte. Ein schwieriges Jahr steht vielen exportorientierten Branchen, allen voran der Investitionsgüterindustrie bevor. Zudem sieht sich die Finanzindustrie mit grossen Herausforderungen konfrontiert.

Vertreter der Nationalbank haben zuletzt mehrfach betont, dass sie die Untergrenze von 1.20 Franken für einen Euro mit aller Vehemenz verteidigen werden. An dieser Politik dürfte sich auf absehbare Zeit nichts ändern. Vor dem Hintergrund der sich anbahnenden Rezession und der zunehmenden Deflationssorgen könnte sich die Nationalbank sogar dazu entschliessen, die Untergrenze anzuheben.

Besonders stark entwickelt sich nach wie vor die Schweizer Bauwirtschaft, nicht so gut die Finanzbranche.

Leicht abschwächend.

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Foto: Baudepartment Stadt Zürich


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UZ l WIRTSCHAFT UND POLITIK

Für den Einzelhandel und den Tourismus wird es wohl ein schwieriges Jahr werden.

Foto: swiss image

5. Wie wird sich der Binnenmarkt im gleichen Zeitraum entwickeln?

6. Wie wird sich der Arbeitsmarkt in den nächsten sechs Monaten entwickeln?

Dr. Yngve Abrahamsen, Leiter Prognosen

Die binnenorientierten Sektoren werden sich der schlechteren Situation der Exportwirtschaft nicht entziehen können. Die wichtigste Stütze während – und auch seit – der Finanzkrise, die Bauwirtschaft, wird ihre Rolle als Konjunkturträgerin wohl verlieren. Aufgrund der steigenden Arbeitslosigkeit werden die konsumnahen Wirtschaftsbereiche keine Impulse geben.

Die Arbeitslosenzahlen werden noch einige Zeit zunehmen. Die Zahlen von Januar dürften witterungsbedingt positiver als erwartet ausgefallen sein. Wir erwarten darum eine Korrektur in den Februarwerten. Da der Arbeitsmarkt verzögert auf die Produktionsentwicklung reagiert, ist aus heutiger Sicht eine Verbesserung in diesem Jahr nicht zu erwarten.

Dr. Daniel Kalt, UBS Chefökonom Schweiz

Die Schweizer Binnenwirtschaft läuft noch immer auf hohen Touren. Neben den extrem tiefen Zinsen wird die Wirtschaft auch durch die hohe Immigration angetrieben. Wenn jedes Jahr netto Leute im Umfang der Stadt St. Gallen in die Schweiz einwandern, bedeutet dies eine nicht zu unterschätzende Mehrnachfrage bei Immobilien, aber auch bei Konsumgütern und Dienstleistungen aller Art. Wir schätzen, dass rund ein Prozent des Schweizer Wirtschaftswachstums allein auf die Immigration zurückzuführen ist. Weil die Immigration ungebrochen anhält, wird sie die Binnenwirtschaft weiterhin stützen.

Interessanterweise vermochte der Schweizer Arbeitsmarkt den Zustrom von Ausländern gut zu absorbieren. Zwar dürfte die Arbeitslosenrate aufgrund der Konjunkturverlangsamung leicht ansteigen. Auch die Kurzarbeit dürfte weiter zunehmen. Allerdings ist die Arbeitslosenquote in der Schweiz mit rund 3,5 Prozent im internationalen Vergleich immer noch tief und in einzelnen Branchen melden Firmen noch immer einen Mangel an qualifizierten Fachkräften.

Bruno Chiomento, CEO

Alle Prognosen für 2012 sind mit grosser Unsicherheit behaftet. Die europäische Schuldenkrise hängt wie ein Damoklesschwert über der Wirtschaft. Das hemmt die Investitionsbereitschaft und wird sich dämpfend auf das Wachstum auswirken – selbst wenn sich die Lage nicht weiter verschlechtert. Das zeigt auch unsere Umfrage: Ein überwiegender Teil der Unternehmen erwartet eine Verschlechterung der Wirtschaftslage in der Schweiz.

Vorerst stehen bei den Schweizer KMU die Zeichen noch gut. Es planen mehr Unternehmen mit einem Ausbau der Belegschaft als mit einem Abbau. Unter dem Strich ist damit trotz der eingetrübten Aussichten mit einem weiteren leichten Anstieg der Beschäftigtenzahl in den Schweizer KMU zu rechnen.

Dr. Felix Brill, Chefökonom

Tendenziell besser als die Exportwirtschaft, aber die Abkühlung wird auch auf die Binnenwirtschaft durchschlagen. Der Druck auf die Importeure dürfte noch zunehmen, die Wechselkursvorteile weiterzugeben. Insbesondere im Detailhandel könnte sich der Preiskampf daher verschärfen. Gleichzeitig könnten ausländische Anbieter, etwa in der Bauwirtschaft, vor dem Hintergrund des Wechselkursumfeldes in den Schweizer Markt drängen.

Das schwierige konjunkturelle Umfeld wird nicht spurlos am Arbeitsmarkt vorbeigehen. Viele Unternehmen leiden unter schwindenden Margen und schlechteren Absatzaussichten, womit das Thema Kosteneinsparungen verstärkt in den Blick rücken wird. Die sinkende Anzahl gemeldeter offener Stellen ist ein deutlicher Vorbote, dass die Arbeitslosenquote in den nächsten Monaten steigen wird.

Marc Bros de Puechredon, Marketing & Kommunikation

Europa wird sich ähnlich wie die Schweiz entwickeln.

BAK rechnet mit einer leichten Erhöhung der Arbeitslosigkeit.


WIRTSCHAFT UND POLITIK l UZ UZ-KONJUNKTURUMFRAGE

Stagnation Kaum eine Industriebranche ist so sehr von der Frankenstärke betroffen wie die Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie. Die Unternehmen rechnen für die kommenden Monate mit einer Stagnation, sagt Jean-Philippe Kohl.

INTERVIEW STEFFEN KLATT

Bemühen Sie sich um eine Verlängerung? Ja. Der Bund kann in dieser schwierigen Situation die Rahmenbedingungen verbessern. Eine der möglichen Massnahmen ist die Aufstockung des KTI-Budgets. Die KTI sollte zudem so aufgestellt sein, dass sie schlank und effizient handeln kann. Da sehen wir noch Optimierungsbedarf. Wie sehen die MEM-Unternehmen die Geschäftslage der kommenden Monate? Wir sehen aus unserem Datenmaterial, dass wir stagnieren. Das gilt für den Umsatz. Dieser ist im vergangenen Jahr lediglich um 2,1 Prozent gewachsen. Das gilt insbesondere aber auch beim Auf-

haben wir auch gefragt, wie die Frankenstärke die Marge beeinflusst. Danach haben 53 Prozent der rund 280 antwortenden Unternehmen gesagt, dass sie auf Stufe EBIT einen Rückgang der Marge von sechs Prozentpunkten oder mehr verzeichnen. Damit schwindet die Marge schnell einmal auf Null. Wirtschaftet ein Teil der MEM-Unternehmen noch mit Verlusten? Nach unserer Schätzung ist ein Drittel der exportorientierten MEM-Unternehmen im roten Bereich. Viele Unternehmen haben unterdessen natürlich Massnahmen ergriffen, um den Margenverlust zumindest etwas aufzufangen. Wie sieht es mit der Beschäftigung aus? Wir gehen davon aus, dass die Beschäftigung unter der Frankenstärke leiden wird. In den offiziellen Zahlen ist das noch nicht sichtbar, aber das sind Zahlen aus dem dritten Quartal 2011. Wir

Die MEM-Industrien haben besonders stark unter der Frankenstärke gelitten. Wie ist der Stand jetzt, ein knappes halbes Jahr nach der Einführung des Mindestkurses durch die Nationalbank? Jean-Philippe Kohl: Wir haben diesen Schritt der Nationalbank sehr begrüsst und unterstützen sie, diesen Kurs zu halten. Damit ist in unsere Unternehmen Planungssicherheit zurückgekehrt. Unsere Umfragen und Gespräche zeigen aber, dass ein Kurs von 1,20 für viele Unternehmen nicht ausreicht. Verschiedene Unternehmen werden nicht darum herumkommen, drastische Massnahmen zu ergreifen, damit der Standort Schweiz auch in Zukunft überleben kann. Wie bewerten Sie die Massnahmen des Bundesrates? Wir haben begrüsst, dass der Bund die Mittel für die Innovationsförderagentur KTI aufgestockt hat, wenn auch nur einmalig. Das Resultat ist insofern ernüchternd, dass nicht alle eingereichten Gesuche behandelt werden konnten. Von 1064 gestellten Gesuchen konnten 220 bewilligt werden. 560 Gesuche wurden nicht mal behandelt, weil das Geld schon ausgegeben war. Das hat Frustrationen ausgelöst. Damit ging ein wertvolles Innovationspotential verloren.

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ZUR PERSON Jean-Philippe Kohl ist seit 2008 Vizedirektor von Swissmem und Bereichsleiter Wirtschaftspolitik. Zuvor war er stellvertretender Generalsekretär der Finanzdirektion des Kantons Bern. Kohl hat Volkswirtschaft in Zürich studiert und in Basel promoviert.

erwarten, dass 10 000 Stellen am Standort Schweiz gefährdet sein könnten. Jean-Philippe Kohl, äusserte sich zu den Auswirkungen der Frankenstärke für die Schweizer Metallindustrie im November 2011 in Bern. Foto: Keystone

tragseingang. Dieser lag 2011 ein halbes Prozent unter dem Vorjahr. Der Auftragseingang ist ein grober Indikator für den zukünftigen Umsatz. Wir erwarten zwar nicht einen Einbruch, aber doch eine stagnierende Entwicklung. Zwei Einflussfaktoren sind massgebend: Das ist einerseits die nachlassende Konjunktur in unserem Hauptabsatzraum Europa. Hier gehen unsere Absätze zurück. Und das ist andererseits die Frankenstärke. Wir gehen davon aus, dass sie anhalten wird. Solange die Schuldenkrise im Euroraum noch nicht als bewältigt beurteilt wird, wird sich daran auch nicht viel ändern. Können Asien und die Schwellenländer auffangen, was in Europa wegbricht? Nein, auffangen können sie es nicht. Unsere Umsätze in Asien haben im vergangenen Jahr zugelegt. Wir haben hier eine Zunahme von 6,0 Prozent. Aber der Anteil Asiens ist verhältnismässig kleiner, auch wenn er sehr stark wächst. Zwei Drittel unserer Exporte gehen in den EU/Efta-Raum. Wie sieht es mit der Marge aus? In unserer Umfrage vom November 2011

Wird die Frankenstärke langfristige Auswirkungen haben? Davon gehen wir aus. Deshalb unterscheiden wir auch zwischen kurz-, mittel- und langfristigen Massnahmen gegen die Frankenstärke. Zu den kurzfristigen gehört beispielsweise, vermehrt im Euroraum einzukaufen. Je länger die Frankenstärke anhält – wir sind jetzt schon im dritten Jahr –, werden wohl auch einzelne Wertschöpfungsschritte verlagert. Wohin wird verlagert? Ein Teil geht in die EU, etwa nach Polen, ein anderer nach Asien. Die Frankenstärke ist nicht der einzige Grund für die Verlagerung, aber sie hat diesen Prozess sicherlich beschleunigt. Oft werden solche Wertschöpfungsschritte verlagert, die ohnehin an der Schwelle zur Verlagerung standen. Resultiert daraus langfristig eine Stärkung des Standortes Schweiz? Das hoffen wir. Wir gehen davon aus, dass sich die Unternehmen mit diesen Massnahmen stärken, um auch unter den neuen Währungsverhältnissen langfristig auf dem Weltmarkt bestehen zu können. In manchen Fällen bedarf es hierzu aber harter Massnahmen, die Arbeitsplätze kosten.


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UZ l EUROPA

NORWEGEN PUBLIZIERT EWR-BERICHT

Mehr Integration, weniger Mitsprache Norwegens Demokratie steht durch die automatische Übernahme von EU-Recht unter Dauerbeschuss aus Brüssel. Zu diesem Schluss kommt eine offizielle Untersuchungskommission. Trotzdem sei der EWR gut für Norwegen und seine Wirtschaft.

TEXT UND INTERVIEW THOMAS HUG

Norwegens seriöseste Zeitung ist im Februar mit einem dramatischen Titel auf der Frontseite erschienen. «Demokratisches Fiasko», hiess es in dicken Buchstaben in der Osloer «Aftenposten». Die Zeitung bezog sich auf den ersten umfassenden Untersuchungsbericht nach 18 Jahren Mitgliedschaft im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR), mit dem Norwegen – aber auch Island und Liechtenstein – an den EU-Binnenmarkt angebunden sind. Der Bericht wurde von der norwegischen Regierung 2010 bestellt und wurde nun dem norwegischen Aussenminister Jonas Gahr Störe übergeben. Automatische Übernahme von EU-Recht Selbstbestimmung und Demokratie war für viele Norwegerinnen und Norweger das wichtigste Argument, warum sie 1994 bei der Volksabstimmung einen EU-Beitritt ablehnten. Sie zogen es vor, nur über den EWR Zugang zum EU-Markt zu erhalten. Das würde Norwegens demokratisches Selbstbestimmungsrecht nicht tangieren, so die Hoffnung. Doch diese Hoffnung hat getrogen. Danach fügt das EWR-Abkommen Norwegen ein bedeutendes Demokratie-Defizit bei, das sich seit der Einführung des Abkommens 1994 ständig verstärkt habe. Das grundlegende Problem sei, dass sich Norwegen durch das EWR-Abkommen und die Schengenzusammenarbeit verpflichtet habe, alle neuen Gesetze und Regeln der EU zu übernehmen. Gleichzeitig sei der Einfluss Norwegens auf diese Regeln gering. Auf diese Weise seien seit 1994 über 8000 EU-Vorschriften eingeführt worden, an deren Beschlussfassung norwegische Politiker nicht teilnehmen konnten. Vetorecht nicht benutzt Um diesem demokratischen Defizit Gegensteuer zu geben, hat die norwegische Regierung mit grossem Aufwand probiert, bei gewissen EU-Regeln Ausnahmen zu erzwingen. So wollte sie norwegischen Bankenkunden eine höhere Einlage-Garantie gewähren und Alkoholwerbung im Fernsehen verhindern. Doch bisher habe das Land nur gerade in 55 Fällen eine Ausnahme erhalten. In den meisten Fällen habe es sich nicht einmal um eigentliche Ausnahmen gehandelt, sondern um «technische Anpassungen». Die einzige wirkliche Möglichkeit, EU-Regeln zu beeinflussen, sei das Veto-Recht, schreibt die Kommission. Norwegen hat dieses Recht bisher freilich noch nie angewendet. Einzig bei der neuen EU-Postrichtlinie hat die norwegische rotgrüne Regierung 2011 dies als mögliche Option genannt. Denn eine Liberalisierung der Postdienstleistungen im dünn besiedelten Norwegen könnte die Versorgung abgelegener Orte gefährden, so die Furcht in Oslo. Munition für EU-Gegner und Befürworter Mit den Stichworten «Demokratiedefizit» und «mangeln-

«Die EU wird immer mehr zum Kraftzentrum und es gibt im Grunde genommen . . .

EU-POLITIK

Die Rolle des EWR in Norwegen Norwegen ist durch den EWR besser in den EUBinnenmarkt integriert als die Schweiz. Aber das Demokratiedefizit nimmt im EWR zu, sagt Ulf Sverdrup. Der Europawissenschaftler ist Sekretär der norwegischen EWRUntersuchungskommission, die Mitte Januar ihren Bericht vorgelegt hat.

Die EWR-Kommission hat ihren Bericht vorgelegt. Was ist die wichtigste Schlussfolgerung? Ulf Sverdrup: Norwegen ist stark in Europa integriert. Das ist eigentlich die wichtigste Schlussfolgerung der Untersuchung. Durch den EWR hat Norwegen viele Gesetze und Regeln übernommen, pflegt viele Kontakte und Netzwerke und hat darüber hinaus viele

zusätzliche Abkommen mit der EU. Und es geht nur in eine Richtung, hin zu einer ständig stärkeren Integration in Europa. So hatten wir 1990 erst zehn Abkommen mit der EU. Heute sind es 75.

Wie wirkt sich diese enge Integration auf Norwegen aus? Die zweite wichtige Konklusion des Untersuchungsberichtes ist, dass diese Integrierung in Europa gut ist für Norwegen und seine Wirtschaft. So profitiert Norwegen von der Zuwanderung von Arbeitskräften. Norwegen erhält durch das EWR-Abkommen stabile Rahmenbedingen. Wie würde hier ein Vergleich mit der Schweiz ausfallen? Norwegen und die Schweiz verfolgen ein ähnliches

Integrierungsmodell. Beide sind eng in Europa integriert. Durch den EWR hat Norwegen eine dynamische Anbindung an die EU. Bei uns findet eine Überwachung und Kontrolle der Regeln durch ein Gericht statt. Gerade dieses dynamische Element und die Kontrolle sind sehr wichtig für die Vo rhersagbarkeit, Stabilität und damit für einen reibungslosen Zugang zum Markt. Diese Elemente, die die Schweiz nicht hat, wirken sich für Norwegen positiv aus. Norwegen hat Nein zur EU-Mitgliedschaft gesagt, wird aber durch die ständige Einführung von zahlreichen EU-Richtlinien immer mehr zu einem Mitglied. Ist das nicht ein Paradoxon? Norwegen hat Nein zu einer EU-Mitgliedschaft gesagt,


EUROPA l UZ der Einfluss» bestätigt die EWR-Untersuchungskommission nun, was EU-Gegner und EU-Befürworter in Norwegen schon lange behauptet hatten. Doch beide Seiten ziehen daraus unterschiedliche Schlüsse. Die mangelnden Einflussmöglichkeiten sind für die EU-Anhänger der Grund, warum Norwegen die volle Mitgliedschaft anstreben sollte. Als Mitglied könnte das Land mitentscheiden. Für die Gegner ist das Demokratie-Defizit im EWR ein Argument dafür, das Abkommen zu künden. Sie verweisen immer wieder auf eine «Schweizer Lösung» mit bilateralen Verträgen. Allerdings hat Brüssel der Schweiz deutlich gemacht, dass der sogenannte bilaterale Weg aus EU-Sicht in der bisherigen Form zu Ende ist. Für Aussenminister Störe bestätigt der Bericht jedenfalls die Richtigkeit des bisherigen norwegischen Weges. «Das EWR-Abkommen hat Norwegen bedeutende Vorteile

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gegeben und ich kann nicht sehen, dass das Abkommen für Norwegen auf wichtigen gesellschaftlichen Gebieten Nachteile gehabt hätte», sagte er bei der Übergabe des Berichts. Volk zufrieden mit dem EWR Viele Norweger sehen das ähnlich. «Aftenposten» veröffentlichte auch eine Umfrage. Danach wollen nur gerade zwölf Prozent der Norweger und Norwegerinnen einen EU-Beitritt. 38 Prozent sind zufrieden mit dem EWR. Allerdings wollen 29 Prozent der Befragten den EWR kündigen und durch ein Freihandelsabkommen ersetzen. Die Umfrage wurde noch vor der Veröffentlichung des Berichts durchgeführt. Dieser dürfte nun eine Debatte über den EWR auslösen, die bisher von den Politikern aller Lager vermieden worden ist. Foto: Keystone /Martin Ruetschi

. . . keine Alternative», meint Prof. Ulf Sverdrup.

nicht aber zur europäischen Integration. Natürlich kann man sagen, dass man sich 1994 nicht gedacht hatte, dass die Zusammenarbeit mit der EU durch den EWR so eng werden würde. Aber wir zeigen im Untersuchungsbericht auch auf, wie diese Integrierung als Kompromiss vollzogen wurde und dazu ein breiter politischer Konsensus herrscht. Das EWR-Abkommen ist also gut in Norwegen verankert? Ja, alle politischen Parteien, die seither in der Regierung waren, haben Norwegen mit dieser Grundlage gesteuert. Die EU ist heute «The One Show in Town», sie ist das Zentrum des europäischen Integrationsprozesses. Weder die Schweiz noch Norwegen haben einen Wunsch, ausserhalb dieses Prozesses zu stehen. Wir sind zwar formell nicht Mitglied, aber wir sind ein Teil der Veränderung des europäischen Kontinents. Die EU

wird immer mehr zum Kraftzentrum und es gibt im Grunde genommen keine Alternative. Die formelle Verbindungsform mit der EU ist dabei vielleicht nicht das Wichtigste. Eigentlich ist die Frage nach der Integration in Europa wichtiger als die formelle Mitgliedschaft. Fehlt ohne EU-Mitgliedschaft nicht der politische Einfluss auf die Regeln, die eingeführt werden? Das ist richtig und hier halten wir in unserem Bericht fest, wie wenig Einfluss Norwegen auf die Regeln und Rechtsakte hat, die schlussendlich hier eingeführt werden. Norwegen hat durch den EWR ein wenig mehr formelle Rechte, Einfluss zu nehmen als die Schweiz. Dennoch ist der politische Einfluss sehr gering. Deshalb ist das Abkommen, das norwegische Interessen und Werte sichern soll, wegen des mangelnden poli-

tischen Einfluss problematisch für die norwegische Demokratie. Während das Demokratiedefizit in der EU kleiner geworden ist, hat gleichzeitig das Demokratiedefizit in den Abkommen Norwegens mit der EU zugenommen. Die EU versucht die Schweiz gerade in die Richtung des EWR zu drängen . . . Wir diskutieren in unserem Bericht auch andere Länder, darunter auch die Schweiz. Träte die Schweiz dem EWR bei, würde dies die Funktion des Abkommens beeinflussen. Das gleiche gälte, wenn EFTA-Institutionen zur Kontrolle von schweizerischen Angelegenheiten angewendet würden. Die Schweiz wird in der norwegischen EU-Debatte immer wieder als Beispiel genannt. Sollten die Schweiz und die EU sich auf ein Rahmenabkommen einigen, das weniger verpflichtend und dynamisch als der EWR wäre,

würde das direkt die norwegische Debatte beeinflussen. Wie realistisch ist es, den EWR zu künden, wie es norwegische EU-Gegner fordern? Es wäre sehr schwierig, Norwegen wieder aus der europäischen Integration herauszulösen. Es ist zwar nicht unmöglich, aber bisher hat man das noch nie gemacht. Kann Ihr Bericht Einfluss auf die Schweizer Debatte nehmen? Das müssen die Schweizer eigentlich selber beantworten. Aber Norwegen und die Schweiz haben viele Gemeinsamkeiten. Zwei reiche westliche Länder, die ausserhalb der EU stehen. Auf die gleiche Art, wie die Schweizer Debatte Einfluss in Norwegen hat, sollte man eigentlich annehmen können, dass die norwegische Debatte und Reflexionen für die Schweiz Bedeutung haben könnten.

ZUR PERSON Prof. Ulf Sverdrup ist Europaforscher am ARENAZentrum für Europastudien an der Universität Oslo. Derzeit ist er auch Sekretär einer von der norwegischen Regierung eingesetzten Kommission, welche die Wirkung des EWR auf Norwegen untersucht. Die Kommission hat am 18. Januar ihren Bericht vorlegt.


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UZ l EUROPA

EURO

Alles andere als desolat Der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Thomas Straubhaar, sieht im Euro trotz allem eine Erfolgsgeschichte. Der Ökonom fordert eine Banklizenz für den Rettungsfonds ESFS, damit die Problemstaaten künftig nur noch unter Sparauflagen refinanziert werden. Der Berner lobt den Kurs der Nationalbank gegen die Frankenstärke.

INTERVIEW ULRICH GLAUBER

Der Euro macht ein Jahrzehnt nach seiner Einführung als Bargeld einen ziemlich desolaten Eindruck. Sind Sie immer noch ein Fan des Euro? Thomas Straubhaar: Der Zustand des Euro ist alles andere als desolat. Die Gemeinschaftswährung ist eine Erfolgsgeschichte in jeder Beziehung. Die Inflationsrate als eines der beiden entscheidenden Kriterien dafür betrug in der Eurozone seit 1999 im Durchschnitt eineinhalb Prozent. Das ist weniger als bei der D-Mark in irgendeinem vergleichbar langen Zeitraum. Der Außenwert gemessen am Kurs gegenüber dem US-Dollar hat sich zwar während der letzten Wochen abgeschwächt, ist aber immer noch besser als beim Start des Euro. Anfang 1999 stand er bei knapp 1,18 US-Dollar, heute bei rund 1,27 US-Dollar. Also sind Sie ein Euro-Fan. Darum geht es für einen Wissenschaftler nicht. Wir Volkswirtschaftler waren schon bei der Euro-Einführung skeptisch bei der ökonomischen Bewertung. Denn bei einer Währungsunion mit 17 verschiedenen Größen einen Durchschnitt zu bilden, ist immer problematisch. Der Euro hatte aber keine ökonomisch, sondern politisch handelnde Eltern. Es ist gut dokumentiert, dass die deutsche Wiedervereinigung ohne die Aufgabe der D-Mark als unumkehrbaren Schritt weg von einem national orientierten Deutschland nicht zu haben war. Wenn das gerade in Deutschland in Vergessenheit geraten ist, bleibt es dennoch in anderen Ländern wie Frankreich, Italien oder Österreich präsent. Aber wenn der Euro eine Erfolgsgeschichte ist, warum dann die öffentlichen Debatten und die Unruhe an den Finanzmärkten? Ich versetze mich mal in die Sichtweise eines Amerikaners. In den USA versteht man bis in die höchsten politischen Kreise das Problem der Eurozonen-Europäer nicht. Die Amerikaner fragen: Wieso habt ihr nicht schlagartig der Spekulation alle Grundlage entzogen, indem ihr die EZB ermuntert, in einem viel stärkeren Maß einzugreifen, als ursprünglich geplant? Jetzt ist es ja faktisch durch die Hintertür doch geschehen. Und aus hiesiger Sicht? Zumindest in Deutschland glaubt man, man könne mit nationaler Politik das europäische Problem lösen. Man sieht sich in der Rolle des europäischen Zahlmeisters und verkennt neben den genannten historischen Gründen für die Euro-Einführung, dass Deutschland den Aufschwung des Euro nicht nur mitgetragen, sondern von der Öffnung der europäischen Absatzmärkte auch unglaublich profitiert hat. Aber zur Finanzierung einer Beilegung der Überschuldungskrise in Europa wollte man eben nicht beitragen.

Aber viele Deutsche sind im letzten Jahrzehnt auch ärmer geworden. Da ist es doch kein Wunder, wenn sie das auf den Euro projizieren. Genau! Der Euro wird durch die Verdrängung historischer Tatsachen und der ökonomischen Vorteile zum Sündenbock vieler Probleme gemacht. Globalisierung und Strukturwandel sind aber die Ursachen, die erzwungen haben, dass Deutschland sich stark reformiert und zum Beispiel enorme Fortschritte bei der Flexibilisierung der Arbeitsmärkte gemacht hat. Das ist makroökonomisch sehr erfolgreich gelaufen. Mikroökonomisch gibt es Gewinner und Verlierer. Letzteres gilt für diejenigen, die durch den Strukturwandel aus dem Arbeitsleben verdrängt worden sind, oder die zu mehr Leistung gezwungenen Beschäftigten, die andererseits durch die Lohnzurückhaltung der Gewerkschaften - wenn überhaupt - einen nur bescheidenen Anstieg ihrer Einkommen verzeichnen konnten. Außerdem ist wegen der Bevölkerungsentwicklung für Rentnerinnen und Rentner die Lebenshaltung in Relation zu ihren Einkünften teurer geworden. Das alles hat mit dem Euro rein gar nichts zu tun. Um zur Geldpolitik zurückkommen: Inzwischen powert die EZB mit billigen Krediten. Ist das nicht in Ihrem Sinne? Nein! Im Gegenteil. Es ist zwar richtig, dass die EZB die Refinanzierung der Euro-Länder sicherstellt. Aber das geschieht jetzt eben durch die Hintertür, indem den Geschäftsbanken für drei Jahre praktisch unendlich viel Geld zu einem Prozent Zinsen zur Verfügung gestellt wird. Die privaten Institute kaufen damit Staatsanleihen von Euroländern, hinterlegen diese Bonds wieder als Sicherheit bei der EZB und streichen vier bis fünf Prozent Zinsen ein. Das ist skandalös, weil es ein risikoloses Geschenk an die Finanzwelt darstellt. Und die Alternative? Es wäre klüger gewesen, den Rettungsschirm mit einer Banklizenz auszustatten. Dann wären wenigstens die Zinsgewinne beim EFSF geblieben und damit dem Steuerzahler zugute gekommen, der ja letztlich das ganze Risiko trägt. Und das hätte einen zweiten Vorteil gehabt, den man sträflich vernachlässigt hat. Der Rettungsschirm EFSF hätte das Geld nur bereitgestellt, wenn sich die Schuldnerländer verpflichtet hätten, die Staatshaushalte zu sanieren, Reformprogramme anzuschieben, ihre Steuern konsequent einzutreiben und Staatsausgaben zurückzufahren. Diese Art des «Forderns und Förderns» fällt jetzt flach, weil die Staaten das Geld von den Geschäftsbanken ohne entsprechende Auflagen bekommen. Bleibt das Problem, dass sich die Volkswirtschaften in der Eurozone von ihrer Leistungsfähigkeit her zu stark

ZUR PERSON

Prof. Dr. Thomas Straubhaar (54), geboren in Unterseen bei Interlaken, wurde nach Stationen als Assistent an der Universität Bern und Lehrbeauftragter in Konstanz und Basel 1992 als Professor für Volkswirtschaftslehre an die Universität der Bundeswehr Hamburg berufen. Seit 1999 ist er Professor für Internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Universität Hamburg und leitet das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI).


EUROPA l UZ

unterscheiden. Wäre denn nicht eine «Süd-» und eine «Nord-Eurozone» viel angemessener? Das würde das Problem nicht im Entferntesten lösen. Es ist völlig unstrittig, dass die Eurozone, wie sie heute konzipiert ist, ökonomischen Regeln widerspricht. Eine Aufteilung in Nord und Süd ist aber schon deshalb eine utopische Lösung, weil sie aus einem Rührei von 17 Eiern nicht wieder ganze Eier aussondern können. Zudem würde die Südzone sich selbst überlassen und noch viel länger, als es ohnehin der Fall ist, unterstützt werden müssen. Es ist sinnvoller, das innerhalb einer Eurozone zu machen als außerhalb. So wie Sie argumentieren, bleibt nur die Ausrichtung auf eine zentralistischere Politik, sprich: Fiskalunion. Wie sollte man da weiterkommen? Ein fantastisches Beispiel liefert die Schweiz. Auch ein sehr heterogenes Land, wie diese Willensnation mit verschiedenen Sprachen, Kulturen und Religionen kann Gegensätze überwinden, weil das gemeinsame Ganze wertvoller ist als ein Einzelweg jedes Kantons. Europa wird nicht vom Himmel fallen. Das braucht einen langen Atem. Aber die Schweiz zeigt, dass eine Finanzunion nicht zu einem zentralistischen Fiskalsystem à la française führen muss. Es genügt, die Grundlagen einer Fiskalverwaltung zu zentralisieren. Die Ausgestaltung dieses Systems bis hin zu den Steuersätzen können sehr stark dezentral belassen werden. Aber viele Schweizer scheinen ganz froh zu sein, dass sie der Eurozone nicht angehören? Das ist überhaupt kein Widerspruch. Man kann den Euro

in Europa unterstützen, ohne sich deswegen gleich der Gemeinschaftswährung anzuschliessen. Um das in einer Metapher auszudrücken: In der Eurozone wurde vor zwölf Jahren ein Kind gezeugt und man ist - vielleicht sogar ungewollt - schwanger worden. Aber jetzt ist der Zwölfjährige da und man muss ihm eine möglichst erfolgreiche Teenager-Zeit ermöglichen. Die Schweiz hat noch die Option, ob sie sich an der Erziehung beteiligen will oder aussen vor bleibt. Wenn man sieht, was die Schweizer Nationalbank im Moment alles unternehmen muss, um den Frankenkurs zum Euro auch nur annähernd auszubalancieren, hat man nicht den Eindruck, dass zwischen den Optionen noch so ganz selbständig gewählt werden kann. Ja, es ist die Frage, ob sich die Schweiz den Alleingang noch leisten kann. Ich halte das noch für möglich, aber es wird immer teurer. Die Schweiz musste bereits die Illusion aufgeben, geldpolitisch unabhängig zu sein. Faktisch hat sie ihre nationale Geldpolitik aufgegeben, ihre Währung an den Euro gebunden und sich dem Diktat der EZB in Frankfurt unterworfen. Das war eine kluge Entscheidung, aber es ist nicht ohne Risiko. Die Geldmenge in der Schweiz ist durch die Devisenkäufe zur Stützung des Euro-Kurses dramatisch erweitert worden. Viele Schweizer stöhnen jetzt schon, dass das zu Vermögensblasen in der Schweiz führt. Dazu kommen steigende Immobilienpreise, die bei einem Volk von Mietern wie in der Schweiz auch in Form steigender Mieten schmerzlich spürbar werden. Zudem können dadurch auch irgendeines fernen Tages inflationäre Tendenzen entstehen.

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Tendenz zum Tunnelblick: In der Krise wird oft vergessen, dass der Euro auch ökonomische Vorteile hat. Foto: Keystone / Rainer Drexel


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UZ l EUROPA

E U R O PA F O R U M L U Z E R N

«Migration ist nur Teil des Problems» Beim diesjährigen 22. Internationalen Europa Forum Luzern wird zum Thema «Streitpunkt Zuwanderung» diskutiert. Als CEO des global tätigen Unternehmens Mathys AG Bettlach gehört für Arne-C. Faisst «Zuwanderung» zur Tagesordnung. Der Referent am Europa Forum Luzern sprach mit uns über den Arbeitsmarkt und die Vor- und Nachteile der Migration.

INTERVIEW BIRTHE GRAUTMANN

Herr Faisst, Sie sind CEO eines global tätigen Pharmaunternehmens. Was für einen Stellenwert hat für Sie die Personenfreizügigkeit? Die Personenfreizügigkeit ist für unser Unternehmen und unseren Erfolg sehr wichtig. Wir suchen des öfteren spezialisierte Fachkräfte auch im Ausland, weil wir hier in der Schweiz leider keine finden können. Aufgrund der kulturellen Nähe, dem hohen Ausbildungsstand und sehr gut abgestimmten politischen Systemen bieten sich Länder aus der EU und insbesondere aus unseren Nachbarländern dafür besonders an. Die Personenfreizügigkeit als Schlüsseldossier innerhalb der bilateralen Verträge hat natürlich neben der betriebswirtschaftlichen auch eine politische Dimension. In der Schweiz werden verstärkt die kritischen Folgen der steigenden Einwanderung diskutiert. Diese Diskussion muss offen geführt werden, ist aber meiner Ansicht nach nicht das einzige wichtige Thema. Ein bedeutendes politisches Thema erscheint mir, die Erhaltung der Produktivität des Landes.

Aber im Ernst, es wäre wohl anmassend zu behaupten ein Patentrezept zu kennen. Ich denke aber, dass wir ein besseres System für berufstätige Eltern entwickeln müssen. Häufig ist es für Mütter finanziell nicht attraktiv einer Erwerbstätigkeit nachzugehen; die Organisation ist aufwendig, die Krippenplätze teuer. Ich sehe da ein grosses Potential, das wir fördern und unterstützen sollten. Dazu braucht es ein Zusammenspiel von Politik, Gesellschaft und der Wirtschaft. Zudem wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als das Pensionsalter zu erhöhen. Würden Sie sich wünschen, dass die Zuwanderung für spezialisierte Arbeitskräfte aus Überseeländern vereinfacht wird? Sobald die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz gefährdet ist, kann es Sinn machen, die Einwanderung entsprechend zu regulieren, sprich zu vereinfachen. Im Vordergrund soll aber im Sinne der Personenfreizügigkeit die Zuwanderung aus dem EU-Raum stehen. Für die Schweiz fände ich es langfristig jedoch am besten, wenn die nötigen spezialisierten Fachkräfte vor Ort ausgebildet werden.

Woran liegt es, dass der Schweizer Sind Sie der Meinung, dass Ihr Markt für Ihr Unternehmen zu Wirtschaftszweig ohne ausländische wenige Fachkräfte abgibt? Arbeitskräfte funktionieren würde? In unserer Branche sind spezialisierte Ich bin überzeugt und unser Alltag zeigt Fachkräfte sehr gesucht und die Konkures, dass es ohne ausländische Fachkräfte renz ist gross, das heisst, es sind in der nicht funktionieren würde. Schweiz doch einige MedizintechnikFirmen vertreten. Ein anderer Grund, Sehen Sie neben den vielen Vorteilen warum wir immer wieder Schwierigkei- CEO Arne-C. Faisst, auch Nachteile in der Zuwanderung? ten haben Fachkräfte zu finden, ist wohl Mathys AG Bettlach. Wenn ja, welche? auch unsere geografische Lage am JuraIch denke, dass die Integrationsarbeit Südfuss. Wir haben festgestellt, dass Schweizer oft weniger verstärkt werden muss, um das Verständnis zwischen den mobil sind als Arbeitskräfte aus dem EU Raum. unterschiedlichen Kulturen zu fördern. Hier sehe ich auch die Wirtschaft in der Pflicht, ihren Beitrag zur Integration Statistisch betrachtet könnte in der Schweiz in zu leisten. Eine offene und starke Unternehmenskultur wenigen Jahren trotz Zuwanderung ein Arbeitskraftmuss entwickelt, sowie interkulturelle Kompetenzen aktiv mangel herrschen. Dennoch haben manche gefördert werden. Schweizer das Gefühl, dass ihnen Ausländer den Arbeitsplatz wegnehmen. Woher kommt das Ihrer Wie handhabt Ihre Firma das Thema «Arbeitsmarkt Meinung nach? und Zuwanderung»? Häufig sucht man die «Schuld» woanders und da kommt Wir stehen voll und ganz hinter der Personenfreizügigkeit. dann das «Fremde» als Schuldiger sicher gelegen. Jedoch Wir pflegen unsere Unternehmenskultur und haben mit finde ich, dass das sehr individuelle Gefühle sind und desFachkräften aus dem Ausland positive Erfahrungen wegen würde ich das so nicht verallgemeinern. gemacht. Deshalb gehen wir mit diesem Thema unverkrampft um. Bald wird es genauso wie in Deutschland auch in der Wie gross ist der Umsatzanteil, den Ihr Unternehmen in Schweiz weniger Erwerbstätige als Pensionierte und Auszubildende geben. Was wäre Ihr Patentrezept um der Schweiz erzielt? dem entgegen zu wirken? Wir generieren in der Schweiz rund 19 Prozent des gesamWenn ich das wüsste, würde ich in die Politik einsteigen. ten Umsatzes.


EUROPA l UZ

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P R O G R A M M 2 2 . E U R O PA F O R U M L U Z E R N , 2 3 . / 2 4 . A P R I L

Foto: Swiss-Image

Streitpunkt Zuwanderung Zahlreiche Menschen strömen nach Europa auf der Suche nach Arbeit und Wohlstand. Versprechen sich die einen davon die Sicherung des Wirtschaftswachstums, sehen andere darin vor allem eine Belastung von Staat und Bürger. Welche gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen hat die Zuwanderung? Wohin steuert Europa und wohin die Schweiz?

Die Zuwanderung ist für die Schweiz direkt mit dem wirtschaftlichen Aufschwung im letzten Jahrhundert verknüpft. Er war Grundlage für den heutigen Wohlstand. Der Schweizer Arbeitsmarkt braucht auch künftig ausländische Arbeitskräfte, insbesondere auch aus dem europäischen Umland. Die demografischen Rahmenbedingungen erfordern dies, weil die Nachfrage nach Arbeitskräften nicht selbs t gedeckt werden kann. Das Mass der Zuwande-

rung ist heute jedoch zu einem Streitpunkt geworden. Die Migrationsströme nach Europa und in die Schweiz haben zugenommen. Sei es aufgrund der Arbeitsmarktsituation oder wegen humanitärer Katastrophen, Krisensituationen oder jüngst der Revolutionen in Nordafrika. Wie sinnvoll steuern? Praktisch alle Industrienationen und insbesondere Europa stehen vor der schwierigen

Frage: Wie kann die Steuerung der Zuwanderung mit sinnvollen und konsensfähigen Instrumenten erreicht werden? Politik und Wirtschaft sind gleichermassen gefordert. Diesem Spannungsfeld ist das nächste Europa Forum Luzern vom 23./24. April 2012 unter dem Titel «Streitpunkt Zuwanderung» gewidmet. Hochrangige Persönlichkeiten, Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik diskutieren über

wirtschaftliche Notwendigkeiten und politische Grenzen. Infos und Anmeldung www.europa-forum-luzern.ch Symposium Dienstag, 24. April 2012 (9 bis 18.00 Uhr) im KKL Luzern, Eintritt CHF 350.–, Öffentliche Veranstaltung Montag, 23. April, 2012 von 17.45 Uhr bis 20.00 Uhr im KKL Luzern (Eintritt frei – Anmeldung obligatorisch) Anzeige

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E X P O R T M A R K T J A PA N

Trotz Hürden vielversprechend Vieles spricht für Japan als Markt: Hohe Kaufkraft, Qualitätsbewusstsein, das Freihandelsabkommen. Doch gerade der Einstieg ist nicht leicht. Hat es ein Unternehmen aber in Japan geschafft, dann hat es auch auf anderen asiatischen Märkten gute Karten. Gerade im Bereich Cleantech kann die Schweiz punkten.

Wer in Japan Erfolg hat, hat auch gute Karten in China und erfüllt höchste Qualitätsansprüche.

TEXT UND INTERVIEW RAPHAEL CORNEO

Japan hat ein schweres Jahr hinter sich. Im März jährt sich die Erdbebenkatastrophe, die das Land schwer getroffen hat. Doch die drittgrösste Wirtschaft der Welt hat sich von der Tragödie schnell erholt. «Die industrielle Produktion erreichte bereits im Mai 2011 90 Prozent der Leistung, die vor dem Beben vom 11. März erbracht wurde», sagt Marcel Germann, Verantwortlicher für die Region Asien und Pazifik bei der Osec. Die Lieferketten seien heute mehrheitlich wieder hergestellt. Für das Jahr 2012 wird ein Wachstum des Bruttoinlandprodukts von 2,3 Prozent erwartet. Trotzdem sind für den Wiederaufbau nach der Dreifach-Katastrophe grosse Investitionen notwendig. Die Regierung geht von 110 Mrd. Franken aus. Davon können auch ausländische Unternehmen profitieren. «Bei einer Studie der europäischen Handelskammer gaben 58 Prozent der befragten Unternehmen an, sie hätten wegen der Katastrophe mehr Umsatz erzielt», sagt Germann. Lediglich 23 Prozent sagten, sie hätten weniger Umsatz erwirtschaftet. Freihandelsabkommen hilft Auch viele Schweizer Unternehmen sind hier aktiv. Attraktiv ist Japan auch deshalb, weil die Schweiz 2009 als erstes europäisches Land mit Japan ein Freihandelsabkommen abgeschlossen hat. «Damit gibt es mit Japan praktisch keine Handelshemmnisse mehr», sagt Paul Peyrot, Managing Director der Handelskammer Schweiz –Japan. Am stärksten vertreten

sind die chemische und die pharmazeutische Industrie. Mehr als die Hälfte der Ausfuhren nach Japan kommt aus diesen beiden Sektoren. Für grosse Unternehmen wie Novartis oder Roche ist Japan schon lange ein wichtiger Markt. Doch auch die Maschinenindustrie - mit Unternehmen wie Reishauer aus Wallisellen oder Müller-Martini aus Zofingen - hat in Japan ihre Niederlassungen. «Zudem ist auch die Schweizer Luxusindustrie stark. Vor allem Schweizer Uhren sind in Japan sehr gefragt», so Peyrot. Dabei profitiert die Schweiz von der hohen Kaufkraft der Japaner. Da Japan - wie die Schweiz - mit dem Yen eine sehr starke Währung hat, macht dies das Land für den Export noch interessanter. Vom Einstieg profitieren Doch das sind nicht die einzigen Stärken des asiatischen Landes. «Die Japaner sind nicht sehr preissensibel und schätzen eine hohe Qualität», sagt Peyrot. Durch dieses hohe Qualitätsbewusstsein kann Japan als Testmarkt für Schweizer Firmen fungieren, da die Produkte meist akribisch analysiert und detaillierten Tests unterzogen werden. «Die Erfahrung zeigt, dass daraus beispielsweise technische Verbesserungen erreicht werden können, von denen auch Kunden in anderen Märkten profitieren», sagt Germann. Trotzdem ist der Einstieg nicht ganz einfach. Denn die Japaner erwarten eine gewisse Geduld von ihren Geschäftspartnern. Es braucht einen grossen Durchhaltewillen. «Nach dem notwendigen Aufbau der persönlichen Kundenbeziehungen kann dafür aber auch von mehr Loyalität ausgegangen wer-

«Es spricht Einiges für Japan» Japan ist kein einfacher Einstiegsmarkt für Schweizer Unternehmen. Eine gute Vorbereitung ist Pflicht. Bei der Geschäftsmentalität gibt es aber auch viele Gemeinsamkeiten, sagt Claude Siegenthaler. Sie kennen Japan sehr gut. Wo sind die grössten Mentalitätsunterschiede zur Schweiz? Japan wirkt auf uns immer sehr exotisch. Ich habe aber eher die Erfahrung gemacht, dass die Schweizer und die Japaner sehr viele Gemeinsamkeiten haben, die einem helfen


WIRTSCHAFT UND POLITIK l UZ den», sagt Germann. Es werde zwar viel verlangt, aber auch durch eine höhere Treue zum Lieferanten belohnt. Cleantech als Chance Eine grosse Chance für Schweizer Unternehmen könnte im Cleantech-Bereich liegen. Nach dem Erdbeben 2011 wurde die Energiewende beschlossen. Ministerpräsident Naoto Kan hatte seinen Rücktritt im August an die Bedingung geknüpft, dass ein Gesetz zur Förderung erneuerbarer Energien verabschiedet werde. «Das Thema Energieeffizienz hat damit an Wichtigkeit gewonnen», sagt Peyrot. Ein Beispiel für ein Schweizer Vorzeigeprodukt aus dem Bereich Cleantech sind die Urinale von der Firma Urimat mit Sitz in Feld-

bach ZH, die ohne Strom, Wasser und Chemie auskommen. Seit 2009 sind diese Urinale in Japan auf dem Markt und wurden auch direkt nach dem Erdbeben im Katastrophengebiet eingesetzt. Mit Erfolg: Das wasserlose System hat in Japan den wichtigsten Umweltpreis, den Environmental and Equipment Design Award, gewonnen. Am grössten ist der Nachholbedarf in Japan jedoch im Bereich Bauen. «Die Bausubstanz ist in einem haarsträubenden Zustand. Hier existiert für Schweizer Unternehmen sicherlich ein grosses Potenzial», sagt Claude Siegenthaler, Professor für Umweltrechnungswesen an der privaten Hosei Universität in Tokio. Gerade auf diesem Gebiet gebe es viele Schweizer Unternehmen, die sehr stark sind. Rahmenbedingungen verbessert Zum Beispiel Swiss Building Components. Das Unternehmen hat eine Gebäudehülle entwickelt, die auf die Bedürfnisse von Japan zugeschnitten ist. «Die Gebäudehülle ist atmungsaktiv und besonders gut isoliert», erklärt CEO René Paul. Die Atmungsaktivität sei wichtig, weil etwa 80 bis 90 Prozente aller Gebäude in Japan von Schimmel befallen sind. Die ersten Gebäude wurden schon gebaut. Paul ist überzeugt, dass sich die Bauweise durchsetzen wird. «Wir Schweizer haben im Bereich Bauen gegenüber den Japanern einen riesigen Wissensvorsprung», sagt er. Siegenthaler warnt aber: «Es gibt in Japan momentan zwei Stossrichtungen: Die einen wollen den Wiederaufbau möglichst schnell vorantreiben, die anderen wollen eine gute Bausubstanz». Die Rahmenbedingungen für Cleantechunternehmen haben sich in Japan zwar verbessert. «Es hat sich aber nicht ein kurzfristiges Fenster aufgetan», sagt Siegenthaler.

Foto: Keystone

können, wenn man in dem Land aktiv werden möchte. Welche Gemeinsamkeiten gibt es? Japaner sind - wie wir Schweizer auch – eher zurückhaltend. Eine gute, längerfristige Geschäftsbeziehung ist ihnen sehr wichtig. Dabei sind sie kompromissbereit und auf eine gute Atmosphäre bedacht. Die Geschäftsbeziehung zählt in Japan mehr als der Vertrag. Ähnlich wie in der Schweiz gibt es auch in Japan eine Handschlagmentalität, die wiederum zu einer hohen Flexibilität führt. Es geht immer darum, dass es für beide Vertragspartner stimmt. Ausserdem haben die Japaner genau wie die Schweizer einen sehr hohen Qualitätsanspruch. Wo kann es zu Schwierigkeiten kommen? Die Japaner kommen von einer

Insel und gerade wenn sie keine Erfahrungen mit dem Ausland haben, sind sie sehr vorsichtig und zögerlich. Aus diesem Grund muss man auch immer mit Empathie und Interesse für ihre Kultur auf sie zugehen. Wo lauern Fettnäpfchen? Wenn man in Japan aktiv werden will, muss man geduldig sein und einen langen Atem haben. Oft kommt man mit Japanern nicht schnell zu einer Einigung. Dafür braucht es viele Verhandlungen, in denen über kleine Details diskutiert wird. Das ist für den Japaner sehr wichtig, um zu sehen, ob er auch ernst genommen wird. Eine weitere Eigenheit ist, dass die entscheidenden Verhandlungen in der Regel nicht am Sitzungstisch stattfinden. Das kann auf dem Gang, im Lift oder am

Hilfe beim Einstieg Der Schritt nach Japan muss wohl überlegt sein. «Bei den Rückmeldungen von Unternehmen gibt es das gesamte Spektrum von sehr guten Erfahrungen mit langjährigem Erfolg bis ‹schon im Ansatz gescheitert›», sagt Germann. Vor einem Einstieg sei es wichtig, den Markt zu verstehen. Dabei kann die Osec die Unternehmen mit ihrem Swiss Business Hub in Tokio unterstützen.

Abend bei einem Bier geschehen. Ein häufiger Fehler ist, dass die Unternehmen keine realistischen Erwartungen haben. Man muss sich im Voraus im Klaren sein, was es heisst, mit Japan in eine Geschäftsbeziehung zu treten und wissen, mit wem man es zu tun hat. Ist die Sprache wichtig? Wenn man vor Ort ein Team zu führen hat, ist die Sprache absolut essentiell. Auch wenn man mit japanischen KMU zu tun hat, werden sprachliche Hürden zu überwinden sein. Dafür sollte man den Einbezug von Übersetzern oder Beratern vor Ort ins Auge fassen. Bei grösseren Konzernen oder Trading Houses ist die Sprache hingegen kein Problem. Dort hat man es in der Regel mit Ansprechpartnern zu tun, die sich den Umgang mit Westlern

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NEUE MÄRKTE

Die UnternehmerZeitung stellt interessante Exportmärkte in einer Serie vor.

NACH REKORDJAHR LEICHTER RÜCKGANG Japan ist für die Schweiz der zweitwichtigste Handelspartner in Asien. Nachdem beim bilateralen Warenhandel im Jahr 2008 ein Rekordwert ereicht wurde, kam es in den Jahren 2009 und 2010 zu einem Rückgang. Obwohl der Wert auch 2010 um rund drei Prozent abnahm, liegt er mit 10,42 Mrd. Franken immer über dem des Jahres 2007. Unter den 239 aufgeführten Ländern und Territorien belegt Japan bei den Exporten den siebten Rang, bei den Importen den zwölften Rang. Mit mehr als 34 Prozent machen pharmazeutische Erzeugnisse den grössten Teil der Schweizer Exporte nach Japan aus. Importiert werden vor allem Fahrund Flugzeuge aus Japan.

gewohnt und speziell dafür ausgebildet sind. Man muss sich nicht unbedingt «japanisch» verhalten in Japan. Es ist aber wichtig seinem Gegenüber einen gewissen Respekt zu zollen. Dazu gehört, dass man nebst Offenheit für Kultur, Geschichte und Essen auch ein paar Redewendungen auf Japanisch ins Repertoire aufnimmt. Was raten Sie einem Unternehmen, das in Japan aktiv werden will? Man sollte sich sehr gut überlegen, welche strategische Rolle Japan für das Unternehmen spielen kann. Denn der Einstieg in den Markt ist sehr aufwendig. Zudem muss man sich überlegen, ob man die Ressourcen und die Ausdauer für einen Einstieg hat. Für Japan spricht aber der grosse Binnenmarkt und der vereinfachte Zugang zum Rest Asiens.

ZUR PERSON Claude Siegenthaler, geboren 1969 in Teufen AR, ist Professor an der privaten Hosei Universität in Tokio sowie Direktor des Hosei European Research Center in Zürich. Der Volkswirtschaftler unterrichtet auch an der ETH Zürich und der Universität St.Gallen.


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W E LT M A C H T C H I N A

Eine andere Verhandlungskultur In den letzten Jahren haben zahlreiche westliche Unternehmen trotz kultureller Barrieren in China erfolgreich Fuss gefasst. Mit chinesischen Partnern zu verhandeln ist aber auch heute noch eine Herausforderung der besonderen Art. Allein das Bewusstsein, dass sich unsere Verhaltensweisen und die der Chinesen in vielem unterscheiden, ist noch lange kein Garant dafür, die andere Seite zu begreifen. Wie aber lässt sich eine Geschäftsbeziehung mit chinesischen Partnern aufbauen? Was läuft in China anders?

TEXT RUEDI KÄCH

Wer mit Chinesen verhandeln will, braucht in erster Linie ein Grundverständnis für die entwicklungsgeschichtliche Dimension und die Besonderheiten der Sprache dieses Landes. Chinas Zivilisation hat sich über lange Zeit in einer fast völligen Isolation gegenüber der restlichen Welt bewegt, und das hat diese Gesellschaft und ihre Normen wesentlich geprägt. In der westlichen Welt gibt es keine nur annähernd vergleichbaren oder analogen Umstände. Ungewohnt sind für uns aber auch die Feinheiten und Subtilitäten der chinesischen Sprache - etwa ihre Mehrdeutigkeit, die oft nicht nur das eine oder das andere meint, sondern beides. Chinesisches Kommunizieren Dieser duale Ansatz, wie er im Sinnbild für kosmische Energie (genannt Yin und Yang) zur Darstellung kommt, ist für die chinesische Denkweise typisch und führt zu ganz anderen Kommunikationsmustern. So haben beispielsweise scheinbar unwichtige Hinweise und unverbindliche Antworten während einer Verhandlung einen klaren Zweck: Sie können Ablehnung oder Zurückhaltung auf subtile Weise signalisieren, oder sie lassen die Möglichkeit offen, ein Verhandlungsergebnis weiteren Hierarchiestufen vorzulegen – und das kann in der chinesischen Geschäftskultur durchaus zwingend sein. Daraus erklärt sich der «indi-

rekte» chinesische Kommunikationsstil, der unserer linearen Art zu verhandeln, völlig zuwiderläuft. Chinesen sind darauf bedacht, das Thema einzukreisen – und den Kreis gegebenenfalls wieder zu öffnen oder zu erweitern. Nach unserem Verständnis trägt das wenig dazu bei, eine Verhandlung zielorientiert voranzutreiben. Zugleich entsteht für uns ein beträchtliches Risiko, falsche Schlüsse zu ziehen. Aus diesem Grund ist es oft hilfreich und vorteilhaft, gute Übersetzer aufzubieten. Englisch als Businesssprache ist bei internationalen Unternehmen und in grösseren Städten zwar verbreitet, aber gerade darin liegt die Gefahr, dass wir Feinheiten im sprachlichen Ausdruck übersehen und die chinesischen Partner unser auf sie oft fordernd wirkendes Gesprächsverhalten als bedrängend oder gar aggressiv betrachten. Persönliche und soziale Kontakte bilden für Chinesen eine wichtige Voraussetzung, mehr über sein Gegenüber zu erfahren. Deshalb sind persönliche Treffen und ein Gedankenaustausch vor der eigentlichen Verhandlung derart wichtig. Beim Verhandeln Diese Phase des gegenseitigen Beschnupperns und Kennenlernens entscheidet weitgehend darüber, was in einer späteren Verhandlung überhaupt möglich sein wird. Formalitäten bleiben jedoch stets bedeutend und die hierarchischen Verhältnisse gewahrt. So wäre es etwa ein klarer Tabubruch,


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Guanxi ist in diesem Zusammenhang und im Hinblick auf Geschäftsbeziehungen mit Chinesen ein überaus schillernder und oft zitierter Begriff. Die Chinesen verstehen darunter persönliche Beziehungen, Vernetzungen und Kontakte, welche in einem turbulenten und unsicheren gesellschaftlichen Umfeld Halt und Unterstützung bieten können. Die Vermutung, dass in einer Guanxi-Kultur auch Korruption und Nepotismus gut gedeihen können, ist nicht von der Hand zu weisen. Guanxi hat aber vor allem mit der Geschichte Chinas zu tun. Die Ära der kommunistischen Diktatur mit ihrem gigantischen bürokratischen Apparat verhinderte jeden Wettbewerbsgedanken, der als typischer Auswuchs des verhassten Kapitalismus stigmatisiert wurde. Wer dennoch persönlich etwas erreichen wollte – und selbst wenn es nur um ein Eisenbahnticket oder eine kleine Dienstleistung ging, musste alle möglichen Beziehungen nutzen und diese auch entsprechend pflegen. In der heutigen viel offeneren chinesischen Gesellschaft kommt Guanxi nicht mehr dieselbe Bedeutung zu. Es ist aber auch heute ein wichtiger Bestandteil der chinesischen Mentalität, weil eben gewisse Informationen, Güter oder Dienstleistungen (noch) nicht überall in einem freien, wettbewerbsorientierten Marktangebot erhältlich sind. Chinesische Verhandlungspartner sind vielleicht auch deswegen stets empfänglich für kleine Geschenke, die bei uns sofort Bedenken wegen Bestechung oder Manipulationsversuchen auslösen würden. Wir sehen darin oft auch eine problematische Vermischung der geschäftlichen und privaten Ebene. In China gilt das Austauschen von Geschenken hingegen als selbstverständlich und ist für den Aufbau einer guten Beziehung zwingend.

wenn von westlicher Seite ein junger Manager (selbst wenn er hochqualifiziert ist) mit chinesischen Vertretern aus dem Senior Management am gleichen Tisch verhandeln sollte. Andererseits wird die chinesische Seite stets darauf bedacht sein, ihren Gästen mit wichtigen und erfahrenen Persönlichkeiten aus der (lokalen) Politik oder Wirtschaft die nötige Ehre zu erweisen. Gemeinsame Erlebnisse in ungezwungenem Rahmen (z.B. ein Konzertbesuch, ein Unterhaltungsanlass etc.) sind die ideale Basis, um sich näher zu kommen und Vertrauen aufzubauen. Essen und ausgiebiges Trinken (auch in privater Umgebung) mit Gesprächsthemen, die mit dem eigentlichen Geschäft gar nichts zu tun haben, gehören selbstredend dazu. Wer hier mitmacht, erscheint als offen und zugänglich und verdient es, freundschaftlich behandelt zu werden. Hier offenbart sich das bei Chinesen stark ausgeprägte Bedürfnis nach Stabilität durch persönliche Vernetzung. Auf die Beziehung kommt es an Aus unserer Sicht entstehen nachhaltige Geschäftsbeziehungen vor allem in der Folge bewiesener gegenseitiger Verlässlichkeit und Einhaltung vereinbarter Abmachungen, während Chinesen die Intensivierung einer Partnerschaft von der Qualität der persönlichen Beziehung abhängig machen.

Shanghai, Skyline von Pudong, hier lebt die jüngere und auslandserfahrene BusinessGeneration. Foto: Bilderbox.de

Bitte keine Kritik Damit sind wir bei einem weiteren wichtigen Merkmal chinesischen Verhaltens. Offene Kritik gilt als unhöflich und ist unbedingt zu vermeiden, weil sie aus chinesischer Sicht direkt auf das Ansehen einer Person abzielt. «Mianzi» oder Wahrung des Gesichts ist ein anderer Ausdruck dafür. Das Gesicht kann wie Geld gewonnen oder verloren gehen, ja selbst gestohlen werden. Nie darf man deshalb chinesische Partner brüskieren oder provozieren, weil selbst eine kurze Preisgabe der Selbstbeherrschung verheerende Auswirkungen auf eine entstehende oder bestehende Geschäftsbeziehung haben würde. Auch wenn die Ansichten unterschiedlich sind und ein Verhandlungsergebnis eher aussichtslos scheint, ist der chinesischen Seite stets daran gelegen, dass beide Seiten das Gesicht wahren können und es keine offensichtlichen Gewinner und Verlierer gibt. Jeglicher Erfolg mit chinesischen Verhandlungspartnern ist letztlich vom Potenzial der gegenseitigen Beziehung abhängig. Vom Zeitpunkt an, wo diese als tragfähig erachtet wird, kann die für die Chinesen so wichtige und im Taoismus begründete Balance entstehen. Die fordernde Art zu verhandeln, weicht zusehends einer integrativen, mit der man ein gemeinsames Ziel erreichen und jetzt auch den Weg zu diesem zusammen gestalten will. Eine gute und einvernehmliche Beziehung kann es ermöglichen, dass man nicht nur ein Verhandlungsziel anvisiert, sondern zusammen Wege und Brücken baut, um dieses zu erreichen. Preispolitik Preisverhandlungen mit chinesischen Partnern bilden immer wieder eine besondere Hürde. Wir orientieren uns meist an einer klaren Verhandlungsstrategie, bei der die sachbezogenen wesentlichen Kern- oder Knackpunkte bald zur Sprache kommen. Das erachten wir als professionell und effizient. Auch hier gehen die chinesischen Partner ganz andere Wege. So setzen Sie den Preis in der Regel erst einmal ausserhalb eines realistischen Ergebnisses an –je


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UZ l WIRTSCHAFT UND POLITIK Ausgiebige Geschäftsessen, bei denen auch private Gespräche geführt werden, gehören für Chinesen zu einer guten Geschäftsbeziehung. Foto: Bilderbox.de

nach Rolle (Verkäufer oder Käufer) zu hoch oder zu tief –weil ein längerer Prozess des gegenseitigen Abtastens und Findens als wesentlicher Bestandteil der Verhandlung angesehen wird. Chinas lange Geschichte politischer und wirtschaftlicher Unsicherheit hat seine Bewohner gelehrt, mit Geld vorsichtig, diskret und vor allem sparsam umzugehen. Das verbreitete Feilschen über den Preis kommt der Absicht gleich, möglichst viel des Ersparten zu bewahren. Letztlich ist der endgültige Preis jedoch immer ein Ergebnis, das aus der Verhandlung heraus entsteht und nie eine im Voraus feststehende Grösse. Wir versuchen einer aus unserer Sicht völlig überrissenen Preisvorstellung etwa dadurch zu begegnen, dass wir postwendend eine Reduktion fordern, die genau gleich ausserhalb einer möglichen Vereinbarung liegt. Hier liegt die Gefahr eines grundsätzlichen Missverständnisses: Für Chinesen enthalten Preisdiskussionen selbstredend die Bereitschaft zu gegenseitigen Konzessionen. Die aus unserer Sicht aussichtslosen Eröffnungsangebote markieren eben gerade nicht eine verbindliche oder feste Position, sondern bloss den Auftakt, unter welchem sich die gegenseitigen Vorstellungen in einem kreisenden Verhandlungsstil langsam annähern und eingrenzen können, um sich letztendlich in einem von beiden Seiten akzeptierten Bereich zu treffen. Dabei ist es auch nicht aussergewöhnlich, eine Verhandlung zu unterbrechen oder einen neuen Verhandlungstermin festzulegen, damit beide Seiten die Möglichkeit haben, ein verändertes Angebot einzubringen. Vertragsschluss Schriftliche Verträge sind aus unserer Erfahrung das probateste Mittel, Risiken zu vermeiden und Klarheit und Verbindlichkeit für beide Seiten zu schaffen. Chinesen dagegen ziehen eine mündlich erarbeitete Vereinbarung einem formalen schriftlichen Vertragsakt durchwegs vor. Für sie

bildet unsere Vorliebe für Details und Präzisierungen oft ein echtes Hindernis. Schriftliche Verträge beengen und definieren vorzeitig, was aus chinesischer Sicht in kleinen Schritten der Verbesserung und Annäherung zu erreichen ist, und ein Vertrauensverhältnis erst ermöglicht. Hier spielt das ganz andere Zeitempfinden hinein, von dem die chinesische Kultur geprägt ist. Zeit ist nicht ein eindimensionales und fortschreitendes Phänomen, sondern ein zirkuläres und mehrdimensionales. Das zeigt sich auch bei der Agenda einer anstehenden Verhandlung. Auf ausgewiesene Traktanden und eine dafür vorgesehene zeitliche Bearbeitung legen Chinesen viel weniger Wert als wir, und es ist aus ihrer Sicht kein Problem, jene vor Ort und bei Bedarf stets anzupassen. Ein Punkt sei hier noch erwähnt: Die chinesische Gesellschaft befindet sich in einem permanenten und tiefgreifenden Veränderungsprozess, der auch innerhalb Chinas zu beträchtlichen Unterschieden führt, was Lebensumstände und Wertvorstellungen anbelangt. Die jüngere und auslanderfahrene Business-Generation in den Ballungszentren der Ostküste ist heute – im Gegensatz zu weiten Bevölkerungsteilen im Landesinnern - auffallend stark vom westlichen urbanen Lebensstil geprägt und lebt diesen manchmal geradezu exzessiv! Vor Klischees, wie Chinesen sich verhalten und wie sie in Verhandlungen agieren, sei daher gewarnt, und wir tun gut daran, die Analyse des jeweiligen Umfelds so umfassend wie möglich in unsere Vorbereitung einzubeziehen und der Gegenseite möglichst unvoreingenommen zu begegnen. Geschäftsbeziehungen in einem interkulturellen Umfeld sind stets mit einer grundsätzlichen Frage verbunden: Warum sollen nur wir uns anpassen? Welchen Beitrag leistet die Gegenseite? Die Antwort ergibt sich, indem man die Frage anders stellt: Wie sehr ist uns daran gelegen, unser Verhandlungsziel zu erreichen - und wie gelingt uns das am besten?

DER AUTOR Prof. Dr. Ruedi Käch ist Professor für Wirtschaftskommunikation an der Hochschule für Wirtschaft FHNW. Sein Hauptgebiet liegt in der Gesprächs- und Verhandlungsführung. Dabei hat er sich auch intensiv mit interkulturellen Aspekten auseinandergesetzt. Im folgenden Jahr nimmt er eine Einladung als Gastdozent an der Beijing Foreign Studies University zum Thema Verhandlungsführung wahr.


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UZ l W AV E I N D I A

Mit Cleantech in Indien begeistern Die Schweiz hat in Indien mit Cleantech gepunktet. Die wichtigste indische Technische Universität hat ein Elektroautorennen ins Land geholt, organisiert vom Luzerner Louis Palmer und unterstützt von Swissnex. Zu den Teams gehörten Interlaken Tourismus und das Cleantechunternehmen Green Destinations.

TEXT STEFFEN KLATT

Louis Palmer hat als erster Mensch die Welt in einem Elektroauto umrundet. Und er versucht weiter, mit Elektroautos für erneuerbare Energien zu werben. «Ich will eine Welle starten, um den Leuten bewusst zu machen, dass kein Weg an erneuerbaren Energien vorbeiführt.» Dafür organisiert er jährlich zwei Rennen. Der Titel dieser Rennserie: World Advanced Vehicles Expedition – abgekürzt WAVE, eben Welle. Das erste Rennen der WAVE 2011 führte im September von Paris nach Prag. Das zweite Rennen führte vom indischen Mumbai über Hyderabad und Bangalore zurück nach Mumbai.

Swissnex unterstützt Rennen Angefragt hatte die wichtigste Technische Universität des Landes, das Indian Institute of Technology. Mit dem Rennen von College zu College sollten die Studenten auf diese saubere Form von Mobilität aufmerksam gemacht werden. Für Palmer ist das ein wichtiges Anliegen. «Denn was ist, wenn eine Milliarde Inder Autos haben wollen wie wir?» Palmer suchte Sponsoren. Bei Swissnex, dem Schweizer Wissenschafts- und Technologienetzwerk im Ausland, stiess er auf offene Türen. «Für uns war das eine Gelegenheit, die Schweiz in einem guten Licht zu zeigen», sagt Silvia Hostettler, Leiterin von Swissnex Bangalore. Immerhin sei Palmer 2011 vom UN-Umweltprogramms Unep zu einem


l UZ der «Champions for the Earth» ernannt worden. Und so waren nur Schweizer Teams am Rennen beteiligt. Palmer selbst fuhr mit Paul Schweizer in einem indischen Elektroauto, dem Mahindra Reva. Der Elektroautopionier Schweizer hatte den Reva selbst entwickelt. Ein Team fuhr mit einem Twingo vor, ein anderes mit einem Twike, dem ursprünglich in der Schweiz entwickelten dreirädrigen Stromfahrzeug. Mit Nachhaltigkeit um Touristen werben Interlaken Tourismus unterstützte beim ersten Stromautorennen durch Indien ein Team. Das Interlakner Team startete mit einem Auto der Marke Think, das im Sommer vom Verein Alpmobil rund um den Gotthard eingesetzt wird.

«WAVE India hat für uns von der Thematik her gut gepasst», sagt Patrizia Pulfer, Sprecherin von Interlaken Tourismus. Der Tourismusort setze seit 2011 auf nachhaltigen Tourismus und sanfte Mobilität. Während der Sommersaison 2011 seien erstmals Elektroautos von Alpmobil vermietet worden. Auch Segways und Stromvelos von Flyer seien eingesetzt worden. Seit Februar seien ausserdem die drei ersten Hybridbusse von PostAuto in Interlaken im Einsatz. Interlaken gehöre seit mehreren Jahren zu den «Alpine Pearls». Die Vereinigung von 27 Tourismusorten in den Alpen setzt auf umweltfreundliche und bewusste Erholung. Ausserdem war der Austragungsort des Rennens interessant für Interlaken Tourismus. Der indische Markt habe für Interlaken eine grosse Bedeutung und werde deshalb aktiv bearbeitet. «Für uns haben das Thema und der Ort gestimmt», sagt Pulfer. Büro in Indien geplant Auch Green Destinations hat ein Team mit Blick auf den indischen Markt gesponsert. Die Firma des Schweizers Till Stoll hat derzeit ausser ihrem Sitz in Dubai ein Büro in Johannesburg. In diesem Jahr soll ein Büro in Indien hinzukommen. «Für uns war es wichtig zu beweisen, dass man ohne technisches Vorwissen mit den heutigen Stromautos ein solches Rennen bestreiten kann», sagt Stoll. «Wenn wir als Anfänger fast 3000 Kilometer in Indien durchstehen, dann gibt es kein Argument mehr gegen Elektromobilität im täglichen Gebrauch.» Mobilitätsfragen beschäftigen Green Destinations, da die Firma in Indien mit Erfolg nachhaltige Stadtplanungskonzepte anbietet. Ihn habe auch die Offenheit der indischen Öffentlichkeit für Stromautos beeindruckt. «Die Inder haben das Konzept verstanden und stellten immer gleich einen Bezug zur Luftverschmutzung in ihren Städten her.»

Der Schweizer Solarautopionier Louis Palmer hat das Rennen in Indien organisiert. Fotos: zVg

Musik aus Sonnenstrom Auch Silvia Hostettler ist mit dem Medienecho in Indien zufrieden. Damit habe die Schweiz ihren Ruf als ein Land der technologischen Exzellenz unterstreichen können. Die erneuerbaren Energien seien zudem in Indien ein grosses Thema. Eher zufällig geht es im Programm von Swissnex so weiter: Der Lausanner Designer Cedric Carles und die französischen Musiker Eric Boros und Marylise Frechville bauen in Bangalore eine mobile Anlage, die Strom aus Sonne für Konzerte gewinnt – und setzen sie bis Ende März auf Konzerten im Land ein. Auch WAVE fährt weiter. Im April geht es mit Stromvelos durch Deutschland, im September mit Stromautos von Norditalien nach Nordeuropa.

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CLEANTECH NEWS

Pro Velo Schweiz veranstaltet im Juni zum achten Mal die nationale MitmachAktion bike to work. Foto: biketowork Satellit auf Jagd nach Weltraumschrott Lausanne - Der zunehmende Weltraumschrott aus Ăœberresten von Raketen und nicht mehr genutzten Satelliten wird fĂźr die Raumfahrt zu einer immer grĂśsseren Gefahr. Nun wollen Forschende des Swiss Space Center der EPFL Lausanne einem Reinigungssatelliten entwickeln, der die Abfälle im Weltraum entsorgen soll. Ein erster Prototyp mit dem Namen CleanSpace One soll in drei bis fĂźnf Jahren ins All geschickt werden. Damit der Satellit den Schrott einfangen kann, wollen die Wissenschaftler einen Fangmechanismus entwickeln, der sich am Tierâ€? oder Pflanzenreich orientiert. Wenn das Objekt an den RĂźckholsatelliten gekoppelt ist, macht sich der CleanSpace One auf den Weg in Richtung Erdatmosphäre, wo beide verglĂźhen.

Erste Solarteure im Toggenburg Wattwil - Im August des vergangenen Jahres ist der Ausbildungslehrgang fĂźr Solarteure im Energietal Toggenburg gestartet. Nun konnte die Energieakademie Toggenburg, dem Berufs- und Weiterbildungszentrum Toggenburg, Weiterbildung WilWattwil-Uzwil bereits die ersten ausgebildeten Solarteure verabschieden. Mit dem Velo zur Arbeit Bern - Der Schweizer Dachverband fĂźr die Interessen der Velofahrenden in der Schweiz, Pro Velo Schweiz, veranstaltet im Juni zum achten Mal die nationale Mitmach-Aktion bike to work zur FĂśrderung des Velofahrens auf dem Arbeitsweg. Mitarbeitende eines Unternehmens melden sich in Teams fĂźr den Aktionsmonat an und fahren den ganzen Arbeitsweg oder Teil-

strecken davon mit dem Velo. Die Aktion von Pro Velo Schweiz wird unterstßtzt von Veloplus, SuvaLiv und der Schweizerischen Post. Anmeldefrist ist der 15. März. Clever fahren mit CarTribe Vernier - Automobilbesitzer kÜnnen neu ßber die Plattform www.cartribe.ch ihr eigenes Fahrzeug mit anderen teilen. Der Schweizer Automobilclub TCS unterstßtzt das von der MobilidÊe GmbH entwickelte Projekt. Besitzer von Fahrzeugen registrieren ihr Auto auf der Plattform und laden die von ihm ausgewählten Personen dazu ein, den Wagen mit zu nutzen. Smartphones als Lebensretter Zßrich - Das Startup-Unternehmen Uepaa mit Sitz in Zßrich hat eine Technologie entwickelt, mit der Alpinisten ßberwacht und gefunden

werden kĂśnnen. Die Technologie funktioniert auch in Gebieten ohne Mobilfunk-Abdeckung. Zu den Investoren gehĂśren die ZĂźrcher Kantonalbank und Privatinvestoren der Plattform investiere.ch, welche von der Verve Capital Partners AG betrieben wird. Die Uepaa AG wurde am 31. Januar 2012 in ZĂźrich gegrĂźndet worden und sucht nach mobilen Entwicklern. (ya)

Damit will der Energiekonzern seine Position im Bereich der Elektromobilität stärken. Das Unternehmen soll von der Ladestation ßber die Installation bis zum Unterhalt alles anbieten. Alpiq E-Mobility hat mit Vertriebspartnern von EFahrzeugen wie Protoscar, Mitsubishi und m-way bereits Vereinbarungen ßber den Verkauf und die Installation von Ladestationen unterzeichnet.

SolarMax auch in Griechenland und Bulgarien Athen/Sofia - Die Schweizer Firma Sputnik Engineering AG, Schweizer Hersteller von Solarwechselrichtern, Sputnik Engineering AG, erÜffnet in Athen und Sofia neue Standorte. Damit will das Unternehmen mehr Nähe und Flexibilität bei der Kundenbetreuung schaffen.

OTI Greentech erhält Zulassung London - Die OTI Greentech AG in Zßrich hat von der International Maritime Organisation (IMO) der Vereinten Nationen die Zulassung fßr Produkte zur Schiffs- und Tankerreinigung erhalten. Damit kÜnnen diese Produkte nun in den 170 Mitgliedsstaaten der IMO vertrieben werden. OTI Greentech entwickelt Verfahren und Produkte, die eine effiziente Reinigung und Separation von Öl sowie die Beseitigung von Ölverschmutzung ermÜglichen.

Alpiq grĂźndet die Alpiq EMobility AG ZĂźrich - Alpiq grĂźndet ein neues Tochterunternehmen, die Alpiq E-Mobility AG.

Alpiq liefert kĂźnftig m-way die Ladestationen fĂźr ihre E-Fahrzeuge. Foto: m-way Anzeige

                  

                 

    

   


Energieeffizienz? Richtig schalten ist smarter als abschalten.   !.' " "

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OTC-BÖRSE

Profite trotz unruhiger Zeiten

Wie bereits in den letzten beiden Ausgaben der UnternehmerZeitung gehören die Bergbahnen zu den Gewinnern. Unser Autor Fredy Gilgen porträtiert neben der Pilatus Bahnen AG noch zwei weitere Sieger an der OTC-X-Börse. Die Pilatus Bahnen weisen nach «Swiss Equity» den besten Cashflow-Wert auf. Foto: Pilatus Bahnen

PILATUS BAHNEN AG

Grosse Investitionen, grosse Erwartungen Leistungsfähige Unternehmen können sich auch unter schwierigen Bedingungen gut behaupten. Das gilt gerade auch bei den helvetischen Bergbahnen. Und eine gute Bergbahn zeichnet sich in erster Linie durch einen möglichst hohen und vor allem konstanten Zufluss an Cash aus. Wichtig ist nach Ansicht von Branchenkennern aber auch, dass die Abschreibungen bzw. die Investitionen, die daraus erfolgen, auf lange Frist nicht den ganzen Cashflow aufzehren. Nach einer Studie von «Swiss Equity» weisen die Pilatusbahnen unter allen Schweizer Bergbahnen in dieser Hinsicht den besten Wert auf. Im Fünfjahresdurchschnitt hätten die Innerschweizer mit ihrem Cashflow die gesamte Infrastruktur innerhalb von nur zehn Jahren total erneuern können. Investitionen in die Infrastruktur haben die beiden letzten Geschäftsjahre des Innerschweizer Bergbahnunternehmens massgeblich geprägt. Sowohl das Jahr 2010 wie auch das vergangene Geschäftsjahr müssen deshalb als Übergangsjahre angesehen werden. Seit Juli 2011 erstrahlt die Unternehmensgruppe nun aber in neuem Glanz. Die in den vergangenen anderthalb Jahren umgesetzten und vollständig aus eigenen Mitteln finanzierten Investitionsprojekte in der Höhe von rund 30 Mio. CHF haben auch die MilestoneJury überzeugt. Beim letztjährigen Wettbewerb hat diese Jury die Pilatus-Bahnen AG zum Gewinner in der Hauptkategorie «herausragende Projekte» erkoren. Das vor allem in Bezug auf die Gastronomie und Hotellerie erneuerte Angebot wird den Ertrag pro Ersteintritt zwei-

fellos positiv beeinflussen. Positiv wirkt sich ebenfalls aus, dass die Innerschweizer schon früh die Chancen im asiatischen Markt gesehen und entsprechende Marketingmassnahmen ergriffen haben. Ein Vorteil ist sodann, dass die Bahn stark auf das Sommergeschäft gesetzt hat und nicht nur vom Winter abhängig ist. Die Frankenstärke dagegen dürfte das Geschäftsergebnis 2011 noch merklich belasten. Die mittelfristig günstigen Perspektiven kommen in den Aktien-Kennzahlen noch nicht zum Ausdruck. Mit einem Kurs/Cashflow-Verhältnis von rund sechs ist die Pilatusbahn-Aktie fair bewertet. Sie notiert aktuell auch noch rund zehn Prozent unter ihrem Höchstwert von Anfang 2010. Wenig berauschend ist ebenfalls die Höhe der Dividendenrendite, die 1,3 Prozent beträgt. Für neue Kurshöchstwerte müsste nun der Cashflow gegenüber den besten Jahren 2007 bis 2009 weiter verbessert werden. Gelingt dies, was durchaus realistisch ist, dürfte die in den Jahren 2010 und 2011 mehrheitlich enttäuschende Kursentwicklung den Aktionärinnen und Aktionären des Unternehmens wieder mehr Freude bereiten.

PILATUS BAHNEN I N Z A H L E N Umsatz Mio Fr. Gewinn Mio Fr. Dividendenrendite in % KCF Buchwert je Aktie in Fr. Kurs in Fr. 14.02.12 Ouelle: OTC-X / *Schätzung UZ

2010 20.8 0.5 1.3 43 282

2011* 21.0 0.5 1.3 43 300 1425


GELD l UZ ALPHA RHEINTAL BANK

Solides Wachstum Die in Heerbrugg domizilierte Alpha Rheintal Bank ist eine breit aufgestellte Ostschweizer Regionalbank. Mit einer Bilanzsumme von knapp 1,5 Mrd. Franken gehört sie zu den grösseren Regionalbanken unseres Landes. Und wie ein Grossteil der anderen Regional- und Kantonalbanken hat sie sich auch im schwierigen Geschäftsjahr 2011 gut geschlagen. Ein nachhaltiges Wachstum. Dieses Ziel hat die in Heerbrugg domizilierte Alpha Rheintal Bank auch im 2011 erreicht. In Zahlen: Der Reingewinn konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr mit 6,6 Mio. Franken auf dem Niveau des Vorjahres gehalten werden. Bei der Bilanzsumme gab es dagegen erneut ein beachtliches Wachstum um sieben Prozent auf 1,55 Mrd. Franken. Als sehr erfreulich bezeichnet die Bank den Zuwachs der Ausleihungen und der Kundengeldern. Auffallend stark weiteten sich insbesondere die Hypothekarausleihungen aus, die um fast neun Prozent stiegen. Offensichtlich hat die Alpha Rheintal Bank von den nach wie vor günstigen Rahmenbedingungen im Immobiliengeschäft profitiert. Anders als in den Regionen Genf und Zürich ist in der Ostschweiz nämlich noch fast nichts von einer Überhitzung des Liegenschaftsmarktes festzustellen. Die kontinuierlich guten Leistungen schlagen sich auch im Aktienkurs nieder. Der Titel des Ostschweizer Instituts legte in den vergangenen zwölf Monaten um 5,3 Prozent zu. Und im Dreijahresvergleich kletterte sie um fast 20 Prozent zu, während die beiden Grossbankenvaloren UBS und CS stagnierten oder sogar 20 Prozent ihres Wertes einbüssten.

C A S A I N V E S T R H E I N TA L A G

Nachhaltig aufwärts In den letzten zwölf Monaten war an den Aktienmärkten nicht viel Staat zu machen. Immerhin es gibt etwelche Ausnahmen: Titel von helvetischen Immobilienunternehmen haben in dieser Periode fast durchs Band zulegen können. Das gilt auch für die ausserbörslich gehandelten Titel der CasaInvest Rheintal AG (Casa Invest). Innert Jahresfrist kletterte der Kurs um über 20 Prozent, innerhalb von drei Jahren sogar um über 60 Prozent. Casa Invest ist ein noch junges Immobilienunternehmen, das in der aktuellen Form seit 2007 besteht. Entstanden ist es aus Fusion der einstigen Beteiligungsgesellschaft Medicoren AG mit der Sonnenbau Immobilien AG. Die Gesellschaft ist auschliesslich im St. Galler Rheintal tätig und strebt keine Expansion in weitere Regionen an. Der Wert des Immobilienportfolios lag per Ende Dezember 2010 bei knapp 120 Mio. Franken. Im letzten Jahr dürfte dieser Wert auf rund 130 Mio. Franken angestiegen sein. Davon waren knapp die Hälfte Gewerbeimmobilien, rund zwei Fünftel Wohnliegenschaften und der Rest Entwicklungsprojekte. In den nächsten Jahren soll das Portfolio kontinuierlich um zwischen 10 Mio. Franken und 20 Mio. Franken jähr-

l Nr. 3 l 2012 l 39

Wie im Vorjahr will die Ostschweizer Bank eine unveränderte Dividende von zehn Franken ausschütten. Weil die Ausschüttung aus Kapitaleinlagen aus einer Kapitalerhöhung erfolgt, ist die diese Dividende ist für Aktionäre mit Wohnsitz in der Schweiz, welche die Aktien im Privatvermögen halten, steuerfrei und dadurch noch attraktiver als im Vorjahr. Die aktuelle Rendite des Titels von 2,2 Prozent muss im laufenden Jahr also nicht um die Steuern bereinigt werden. Im Gegensatz zu den meisten Schweizer Regionalbanken nehmen die Anlageberatung und das Vermögensverwaltungsgeschäft bei der Alpha Rheintal Bank einen relativ wichtigen Stellenwert ein. So trägt das Zinsengeschäft nach einer Analyse von Swiss Equity nur zwei Drittel zum Bruttoerfolg bei. Das Anlagegeschäft sei bei der Bank gut verankert. Andere Regionalbanken arbeiteten noch am Aufbau dieses Geschäfts. Die guten Wachstumsperspektiven aufgrund dieser Positionierung sind im Kurs des Titels allerdings bereits teilweise vorweggenommen. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18 ist die Aktie nicht mehr billig. A L P H A R H E I N TA L B A N K IN ZAHLEN Bilanzsumme in Mio Fr. Gewinn Mio Fr. Dividendenrendite in % KGV Buchwert je Aktie in Fr. Kurs in Fr. 14.02.12

2011 1552 6.6 2.2 18.2 415

2012 * 1650 6.8 2.2 18 420 420

Ouelle: OTC-X / *Schätzung UZ

lich bis zur Zielgrösse von 250 Mio. Franken ausgebaut werden. «Investiert wird jedoch nur, wenn die Rentabilität stimmt und ein verlässlicher Cashflow generiert werden kann», erklärt der Leiter des Unternehmens, Matthias Hutter. Die Firmenstrategie sei darauf gerichtet, die Substanz zu erhalten und eine langfristige attraktive Rendite zu erzielen. Hierunter wird als Zielgrösse eine Bruttorendite von mindestens sechs Prozent verstanden. Um von der Attraktivität des Wohnimmobilienmarktes weiter profitieren zu können, forciert die CasaInvest gegenwärtig den Bau von Wohnungen auf den eigenen Arealen. So sind im letzten Jahr 28 neue Mietwohnungen gebaut worden, davon 20 in St. Margarethen und acht in Diepoldsau. Dies wird zur angestrebten Erhöhung der Wohnungsmieterträge führen. Um weitere anstehenden Projekte finanzieren zu können, hat CasaInvest im letzten Jahr zudem eine Kapitalerhöhung durchgeführt. Für das Geschäftsjahr 2011 darf das breit gestreute Aktionariat des Ostschweizer Immobilienunternehmens mit einem guten Ergebnis rechnen. Denn das Halbjahresergebnis konnte gegenüber der Vorjahresperiode nochmals leicht gesteigert werden und erreicht 1,5 Mio. Franken. Die Aktien der CasaInvest sind auch den deutlichen Kursavancen weiterhin günstig bewertet. Das aktuelle Kurs/Gewinnverhältnis liegt bei elf und die erwartete Aktienrendite bei 2.8 Prozent.

CASAINVEST IN ZAHLEN

Mietertrag in Mio. Fr Gewinn Mio Fr. Dividendenrendite in % KGV Buchwert je Aktie in Fr. Kurs in Fr. 14.02.12

Die guten Ergebnisse von CasaInvest sind auch durch die neuen Wohnungen im st.gallischen Rheintal entstanden. Foto: swiss image/ Roland Gerth

Ouelle: OTC-X / *Schätzung UZ

2010 6.5 3.3 3.5 7.7 241

2011* 7 3.5 2.8 11 260 260


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UZ l GELD

INVESTMENT

Gute Gründe für Absolute-Return-Fonds Aktienanlagen haben über einen langen Zeitraum die Nerven strapaziert und die eingegangenen Risiken nicht entschädigt. Ausgewogenere Risiko- und Ertrags-Konzepte bieten einen Ausweg – und Schutz in fallenden Märkten.

TEXT RETO TARREGHETTA

CAVOK – so nennen Piloten eine Top-Wetterlage: Clouds and visibility okay. Bestes Börsenwetter ist ein Zustand, der ganz offensichtlich der Vergangenheit angehört. Wetterfeste Börsenprodukte helfen, Anlagestrategien auch bei schlechter Sicht auf Kurs zu halten. Neben Wertsicherungskonzepten erscheint vor allem die Lösung «Absolute Return» ein Weg aus der Sackgasse, in die viele Anleger geraten sind, zu sein. Letztere versprechen, kontinuierlich gute Renditen selbst unter schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingen und Börsenlagen zu erwirtschaften. Was haben die Hoffnungsträger bei schlechten Sichtverhältnissen geleistet? Breite Palette an Instrumenten Um ihre hohen Ambitionen zu erfüllen, haben Manager von Absolute-Return-Fonds beim Einsatz der verschiedensten Anlageklassen allergrösste Wahlfreiheit. Sie investieren in Aktien und Obligationen, Immobilien und Geldmarktinstrumente und setzen Derivate ein. Das Jonglieren mit der gesamten Anlagepalette mit dem Ziel, positive Renditen zu erwirtschaften, lässt schnell die Frage aufkommen, ob es sich bei «Absolute Return» nicht um eine Variante von Hedge Fonds handeln könnte. Tatsächlich werden Absolute-Return-Fonds gern auch als «alternative Anlagestrategien im UCITS-Format» bezeichnet. Das Kürzel UCITS steht für «Undertaking for Investments in Transferable Securities» und ist der englische Begriff für Fonds, die der strengen Regulierung der EU-Investmentdirektive entsprechen. Sämtliche in der Tabelle aufgeführten Fonds unterliegen dieser Direktive. Tatsächlich ähneln Absolute-Return-Fonds in puncto Strategien vielen Hedge Fonds, ohne jedoch ihre wesentlichen Nachteile aufzuweisen. Strikte Abgrenzung gegenüber Hedge Fonds Ein entscheidender Unterschied spricht klar zugunsten von Absolute-Return-Fonds: Sie sind im Gegensatz zu Hedge Fonds klassische Investmentfonds, die der umfangreichen Fondsgesetzgebung unterstehen. Mit der Vielzahl regulatorischer Vorschriften hinsichtlich täglicher Preisermittlung, Liquidität und Transparenz und ihrer Klassifizierung als Sondervermögen erhält jeder Privatanleger den gleichen Schutz, wie bei traditionellen Aktien- oder Obligationenfonds. Auch tägliche Handelbarkeit ist eine Selbstverständlichkeit. Mission erfüllt In der Schweiz sind alle grossen Banken und Asset Manager mit Absolute-Return-Produkten am Markt präsent. Die Angebotsbeschreibung unterscheidet sich von Haus zu Haus nur geringfügig und klingt bei Absolute-Return-Strategen,

die auf Obligationen setzen, etwa so: «Der Fonds investiert in Obligationen verschiedenster Laufzeiten, Bonitäten, Ländern und Währungen, sowie derivative Finanzinstrumente. Durch geeignete Anlagestrategien wird versucht, optimal von den Chancen und Möglichkeiten an den Kapitalmärkten zu profitieren. Das Anlageziel besteht darin, unabhängig von der Marktentwicklung positive Erträge zu erreichen.» Heute lässt sich ein erfreuliches Fazit ziehen. Die überwiegende Zahl der Fonds, die unter dem Label «Absolute Return» auftreten, hat ihre Mission erfüllt (vgl. Tabelle). Auf Sicht von drei Jahren hat sich ein Kauf gelohnt – allein die Herausforderungen der Finanzkrise 2008/2009 waren für einige Fonds zu gross, um dauerhaft eine vorteilhafte Bilanz vorlegen zu können. Wichtig erscheint vor allem, dass die Fonds ihre Schutzfunktion in fallenden Märkten erfüllt haben. Dies ging zwar kurzfristig mit moderaten Verlusten einher, denn auch hier werden Investmentrisiken aktiv eingegangen. Die Rückkehr in positives Terrain gelang in aller Regel zügig – es wird hier also bei einer Minimierung und Verkürzung der Verluststrecken schnell wieder Geld verdient. Es ist kein Geheimnis, dass Verlustvermeidung als Kernelement einer auf dauerhaften Erfolg ausgerichteten Unternehmensstrategie im Wertpapiergeschäft einen gleich hohen Stellenwert wie in der gesamten Wirtschaft hat. Was bedeutet «Absolute»? Aktien- oder Rentenfonds haben in der Regel eine sogenannte «Benchmark» – einen Vergleichsmassstab. Anhand dieses Massstabs wird festgestellt, ob die Leistung eines Portfolio Managers über- oder unterdurchschnittlich ausfällt. Von überdurchschnittlichen Leistungen oder «Outperformance» wird in der Finanzbranche allerdings auch dann gesprochen, wenn ein Aktienmarkt 50 Prozent fällt und der Portfolio Manager im gleichen Zeitraum – sagen wir – mit seinem Fonds in diesem Markt nur 30 Prozent verloren hat. Es liegt auf der Hand, dass eine solche «Outperformance» für private Anleger nicht zielführend ist. Die Messlatte für Erfolg oder Misserfolg ist bei KMU wie beim privaten Anleger das Plus oder Minus auf dem Depotauszug; der Vergleichsmassstab ist die risikolose Anlage auf dem Sparkonto oder im Geldmarktfonds. Risikoloser Zins Ein absoluter Ertrag ist damit jeder positive Ertrag bzw. all jene Erträge, die über den risikolosen Zins hinausgehen. Die mathematische Grösse «Sharpe Ratio», die auf Nobelpreisträger William Sharpe zurückgeht, greift diese Rechengrösse auf und gibt Auskunft darüber, ob Überschussrenditen mit geringen oder hohen Schwankungen erreicht wurden. Positive Erträge in Verbindung mit einem mög-

«Absolute Return» bieten eine Schutzfunktion in fallenden Märkten und minimieren die Verluststrecken. Foto: Bilderbox.de


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GELD l UZ

ABSOLUTE RETURN-BOND-FONDS IM VERGLEICH Valor

Clariden Leu Core Plus Julius Baer Multibond – Absolute Return Raiffeisen Fonds (CH) Absolut Return Swisscanto Bond Absolute Return CHF B UBS (LUX) Absolute Return Plus Vontobel Absolute Return Bond

1 458 663 2 648 029 2 215 351 2 673 661 2 136 885 2 140 195

Volumen Mio. CH

TER

67 4 866 321 427 250 347

1.05 1.69 1.99 0.85 2.08 0.91

Sharpe Ratio 0.86 0.99 0.45 1.43 0.48 0.2

Performance lfd. Jahr 3 Jahre YTD p.a. 1% 1.8% 1.8% 1.5% 0.5% 1.3%

6.6% 3% 2.3% 5.8% 7.4% 1.2%

5 Jahre p.a. – 2.5% 1.9% – 1.9% 1.8% – 2.8% 0.7%

Quelle: Morningstar, Angaben per 25.01.2012

lichst hohen, ebenfalls positiven Sharpe Ratio haben starke Aussagekraft über die Güte einer Anlage und des zuständigen Portfolio Managements (vgl. Tabelle). Lösung für das heutige Dilemma Die Finanzmärkte haben eine Krisenphase mit hohen Wertschwankungen hinter sich. Verständlicherweise sind deshalb viele Anleger immer noch sehr risikoscheu. Doch gleichzeitig wird es auf Dauer untragbar, im Niedrigzinsumfeld mit risikolosen Anlagen keinerlei reale Rendite zu erwirtschaften oder inflationsbedingt sogar Geld zu verlieren. Absolute-Return-Konzepte bieten in diesem Umfeld eine Antwort. Weil ihre hohe Komplexität manchem Kapitalmarktlaien nicht zusagen mag, erscheint es sinnvoll, den Absolute-Return-Ansatz auf wenige Renditequellen zu beschränken. So kann zum Beispiel eine Konzentration auf die Bonität von Unternehmensanleihen in den Vordergrund gestellt werden. Kombiniert mit einem flexiblen Risikomanagement werden Sicherungselemente eingebaut. Damit lässt sich die Strategie sehr schnell an veränderte Marktbedingungen anpassen – so zum Beispiel im vergangenen

Jahr, als die Schuldenkrise auch den Markt für Unternehmensanleihen infizieren konnte. Hoffnungsträger für konservative Anleger Ein zuverlässiger Schutz gegen hohe Kursschwankungen ist heute für all jene Unternehmen und Anleger wichtig, die vor dem Hintergrund der niedrigen Geldmarktrenditen den Chancen und Risiken der Märkte nach wie vor positiv gegenüberstehen. Absolute-Return-Konzepte stellen hier eine zweckmässige Lösung dar, denn sie haben ihre Bewährungsproben in einem sehr schwierigen Marktumfeld bestanden. Damit eignet sich das Absolute-Return-Konzept besonders gut für konservative Anleger und Institutionen, die unabhängig von der Konjunktur- und Marktlage regelmässige Renditen generieren wollen und müssen. «Kaufen und liegenlassen» – diese Strategie ist mit einem guten Absolute-Return-Fonds auch heute noch möglich. Mit einer schnörkellosen Umsetzung bei jederzeitiger Transparenz und Liquidität wird Swisscanto diesen Ansprüchen mit seinem Absolute-Return-Fonds gerecht.

DER AUTOR

Reto Tarreghetta ist Mitglied der Geschäftsleitung der Swisscanto Gruppe.


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UZ l GELD Foto: Bilderbox.de

IMMOBILIENMARKT

Preise steigen weiter VON JÖRG ZEUNER

DR. JÖRG ZEUNER Der Autor ist Chief Strategist und Chief Economist der VP Bank Gruppe. Dort leitet er das Investment Service Center und ist Vorsitzender des Anlageausschusses. joerg.zeuner@vpbank.com

Der Wohnungsbau in der Schweiz bewegt sich weiterhin an den Kapazitätsgrenzen. Zwar sind die Baubewilligungen im Wohnungsbau letztes Jahr mit rund 45 000 Einheiten um zehn Prozent gewachsen. Diese Angebotsausweitung reicht jedoch nicht aus, um die Preisentwicklung zu bremsen. Die Faktoren, welche die starke Nachfrage treiben, bleiben nach wie vor intakt. Tiefe Zinsen, steigende Realeinkommen und die Zuwanderung von rund 70 000 Personen sind hierfür die offensichtlichsten Treiber. Begünstigt wird die Flucht in Betongold zudem aufgrund der

Schulden- und Vertrauenskrise. Regional deutliche Unterschiede Je nach Region kommt hinzu, dass Bauzonen nicht vergrössert werden, um die Zersiedelung zu stoppen. Dies offenbart sich besonders in einzelnen Feriengebieten, sowie in den Ballungszentren Zürich, Zug und Genf. Hier werden teilweise Preise bezahlt, welche fundamental kaum mehr nachzuvollziehen sind. Die Verdichtung nach innen – also das Abreissen bestehender Gebäude und die Überbauung in verdichteter Bauweise – ist oft die einzig verbleibende

Option. Die hohen Kosten hierfür sorgen immer mehr dazu, dass in ländliche Regionen ausgewichen wird. In der Deutschschweiz sind insbesondere das untere Rheintal und das Thurgau zu erwähnen, wo Immobilien noch erschwinglich sind. Die zusätzlich guten Verkehrsanbindungen erfüllen damit die Funktion des «Überlaufbeckens» der Wirtschaftszentren. Neben lokalen Überhitzungstendenzen in einzelnen HotSpots in der Schweiz steigt nun aber auch in Liechtenstein die Temperatur am Immobilienmarkt. Hier besteht durchaus die Gefahr, dass Wohnraum auf Vorrat produziert wird.

Preise steigen mit regionalen Abweichungen weiter Die Preisentwicklung von Einfamilienhäusern bewegt sich daher regional von Überhitzung bis zu flauem Marktgeschehen. Gesamtschweizerisch hat sich der Preisanstieg im vierten Quartal mit 2.8 Prozent beschleunigt; über das ganze Jahr 2011 sind die Preise 9.8 Prozent gestiegen. Dies ist die zweithöchste Steigerung seit 1997. Solange obengenannten Treiber intakt bleiben und das Angebot absorbiert werden kann, gilt diese Entwicklung als nachhaltig. Wenn auch nicht in demselben Tempo dürften die Preise daher auch 2012 weiter steigen.

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MANAGEMENT l UZ

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PERSONAL SWISS 2012

Hochleistung und Hamsterrad Von erfolgreicher Führung und exzellenter Teamarbeit über die aktuellen Rekrutierungstrends bis zur Burnout-Prävention – in diesem Spannungsfeld bewegt sich die Personal Swiss am 17. und 18. April 2012 in der Messe Zürich. In bewährter Kombination mit der Swiss Professional Learning präsentieren rund 250 Aussteller Werkzeuge und Methoden für eine erfolgreiche Personalarbeit.

TEXT PETRA JAUCH

Beim kommenden Jahresereignis für Schweizer Personalmanager im April 2012 rüsten sich Unternehmensvertreter bereits zum elften Mal für die aktuellen Herausforderungen und Trends in der Arbeitswelt. Dazu gehören vor allem die gesellschaftsprägenden Weiterentwicklungen im IT-Bereich: Social Media finden Eingang in die Rekrutierungsstrategien der Unternehmen, das mobile Internet und Apps ermöglichen einen ständigen Informationsfluss und neue Lernformen unabhängig von Zeit und Raum. Diese Aspekte werden an den beiden Messen entsprechend ausgiebig thematisiert und beleuchtet. Richtiger Umgang mit der Zeit Doch schon jetzt haben viele Menschen Probleme, sich ihre Zeit richtig einzuteilen, weiss Unternehmensberater Ivo Muri, der aktuell eine Hochkonjunktur für Zeitmanagement, Stressbekämpfung und Burnout-Prävention verzeichnet. Der Geschäftsführer der ZEIT AG verrät in seinem Vortrag an der Personal Swiss, wie ein Ausstieg aus dem Hamsterrad gelingt. Dazu unterscheidet er drei verschiedene Arten von Zeit: die Lebenszeit, die Uhrenzeit und die Zeit der Wirtschaft. Richtiger Umgang mit den Mitarbeitenden Auch der Führungskräfte-Trainer und Unternehmer Frank Breckwoldt ist davon überzeugt, dass Hochleistungen nach einer Art Ausgleich, einem Gegengewicht verlangen: dem richtigen Umgang mit den Mitarbeitenden. Eine gute Führungskraft müsse hohe Leistungsanforderungen stellen, zugleich aber den Mitarbeitenden mit Wert-

Auch 2011 wurden die Besucher bei der Personal Swiss in Vorträgen über Neuerungen im Personalmanagement informiert.

Foto: zVg

schätzung und Respekt begegnen. In seinem Keynote-Vortrag erklärt der Geschäftsführer des Friseurfilialunternehmens Ryf Coiffeur, was es mit dem Konzept Hochleistung und Menschlichkeit auf sich hat. Exzellente Teamarbeit Mit den Erfolgskriterien für eine herausragende Gemeinschaftsleistung setzt sich Dominik Neidhart auseinander. Der Spitzensegler aus dem Team Alinghi, Gewinner des XXXI. Americas Cup, hat seine eigenen Erfahrungen mit triumphalen Siegen und bitteren Niederlagen und sieht darin viele Parallelen zu Wirtschaftsunternehmen. Im Keynote-Vortrag unter dem Motto «Go hard or go home» teilt er seine Erkenntnisse mit dem Publikum der Personal Swiss.

Betriebliches Gesundheitsmanagement gefragt Mit dem steigendem Interesse an gesunden Arbeitsbedingungen wächst das Angebot der Fachmesse in Sachen Betriebliches Gesundheitsmanagement. Um die praktische Umsetzung zu erleichtern, präsentiert Gesundheitsförderung Schweiz in diesem Jahr zusätzlich einen Keynote-Vortrag zu diesem Thema: Daniel Lüscher, Leiter Human Resources der Schweizer Paraplegiker-Gruppe Nottwil, stellt die Erfolgsfaktoren eines systematischen Gesundheitsmanagement vor. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.personal-swiss.ch und www.professional-learning.ch.

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UZ l KOMMUNIKATION

I T- L Ö S U N G E N

Gleichheit in der Wolke Cloud Computing wird in der IT-Branche seit einiger Zeit als das Wunderding schlechthin angepriesen und dominiert die IT-Welt. Gerade für KMU kann es eine kostengünstige und effektive Lösung sein.

TEXT STELLA GATZIU GRIVAS UND CLAUDIO GIOVANOLI

Schlagworte wie On-demand, IaaS, PaaS, SaaS oder Pay-asyou-go sollen in der Bereitstellung von IT Services eine neue Ära einläuten. Dabei werden dem Kunden die verschiedensten IT Services bereitgestellt und nur nach dem effektiven Nutzen verrechnet. Diese Services aus der Wolke können auf verschiedene Art und Weise bezogen respektive durch den Cloud Service Provider bereitgestellt werden. So können beispielsweise Dienste für die Datenspeicherung aus einer sogenannten Private, Public oder Hybrid-Cloud aufgerufen und benutzt werden. Während bei einer Private Cloud die Services sozusagen über ein unternehmensinternes Netzwerk bezogen werden, sind die Dienste in der Public Cloud über das Internet verfügbar. Doch wer profitiert wirklich von diesem neuen Ansatz? Ist die Wolke wirklich etwas für KMU? Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen, oder für Firmen, die ein geringes IT-Budget haben, können sich solche Cloud-Dienstleistungen generell lohnen. Dies wurde gerade bei der Einführung von Cloud Computing sehr oft angepriesen. Ohne grossen Aufwand kann auf einfache Weise mehr Speicherkapazität aufgerufen werden. Bei Bedarf können Applikationen auf einfache Weise aus einer Cloud Umgebung genutzt werden. Dabei muss diese nicht noch mühsam von der eigenen IT gehegt und gepflegt werden. Aktualisierungen und Wartung werden vom Service Provider übernommen. Der Zugang zu IT-Dienstleistungen wird für Unternehmungen vereinfacht. Auch die Menge der angenommen ITDienstleistungen können innert kürzester Zeit dem Bedarf entsprechend angepasst werden. Ferner sind dadurch Preismodelle möglich, die lediglich den effektiven Gebrauch in Rechnung stellen und so jeweils flexibel auf den Kunden zugeschnitten werden können.

Noch mehr Vorteile So kommen die Senkung der Kosten (inklusive Investitionsund Unterhaltskosten), die Verringerung technologischer Risiken und die viel erwähnte Agilität hinzu. Zum Beispiel indem neue Ansprüche an IT-Leistungen aufgrund der Einführung von neuen Produkten oder Anpassungen an die Marktverhältnisse schneller berücksichtigt werden können. Mit solchen Erwartungen wird ein CIO oder CEO heute sehr oft konfrontiert. Dann stehen folgende berechtigte Fragen der IT-Entscheidungsträger im Raum und harren einer Antwort: Kann Cloud Computing wirklich ohne grössere Hürden von jedem so realisiert und genutzt werden? Wo sind die Risiken? Was wird mich der Schritt in die Cloud kosten? Verkraften meine IT-Organisation und meine IT-Landschaft dies? Wie kann ich am meisten davon profitieren und was muss ich sonst in meinen Betrieb ändern, damit ich den grössten Nutzen erziele? Am Anfang steht die Investition Obwohl sich durch neue Ansätze für viele Unternehmen zusätzliche Chancen ergeben, sind es meist nur diejenigen Firmen, die über ein grosses IT-Budget verfügen, die diese Chancen dann auch wirklich realisieren können. So sind es unter anderem Einstiegshürden und ungeklärte Fragen über den Einsatz der neuen Technologie, welche die Inititalkosten solcher Projekte in die Höhe schiessen lassen. Rund um Cloud Computing scheint dies nicht anders zu sein. Nebst den oft zitierten Vorteilen gibt es grosse Herausforderungen, die es jeweils zu bewältigen gilt. Dies sind vor allem offene Fragen und daraus resultierende Risiken, die über den gesamten Cloud-Life-Cycle zum Tragen kommen. All dies zu berücksichtigen und zu bedenken kann so einiges vom Kunden abverlangen. So muss sich ein Cloud User etwa mit folgenden Fragestellungen intensiv auseinandersetzen:


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KOMMUNIKATION l UZ

CLOUD-LIFE-CYCLE

Führe ich den Service selbst aus? Ist ein Wechsel des Service Providers möglich?

Bin ich fit für die Cloud? Lohnt sich der Einsatz von Cloud Services für mich?

Beenden des genutzten Cloud Services

Nutzung des Services

Entscheidungsfindung für oder gegen Cloud Services

Einstieg in die Cloud / Migration

Wie überwache ich die vereinbarten Service Levels? Gibt es Best Practices?

Wie bekomme ich meine Daten/ Applikationen in die Cloud? Wie schnell sind diese Verfügbar?

Der Cloud-Service Life Cycle zeigt einen einfachen Weg zum Cloud Computing auf. Foto: Bilderbox.de

– Sind Cloud Services geeignet für die jeweilige Unternehmens- IT? – Was sind die Vorteile und der Nutzen, die durch Cloud Services entstehen? – Ist die Unternehmung überhaupt bereit für die Cloud (Cloud Readiness)? – Wie sind andere Cloud User auf ihrem Weg in die Cloud vorgegangen? Gibt es bereits Best Practices, die angewendet werden können? – Wie können die Services gesteuert und überwacht werden? – Welches Cloud Modell passt am besten zu den jeweiligen Bedürfnissen? – Welche Cloud Service Provider gibt es und welche sind für die Unternehmung am geeignetsten? – Wie kann man den benutzen Service wieder auflösen? – Was sind die Konsequenzen? Doch ist die Beantwortung dieser Fragen für jede Firma so einfach möglich? Für gewöhnlich fehlt das entsprechende Know-how, um auf diese Fragen entsprechend eingehen zu können. So muss solches Spezialwissen normalerweise von aussen teuer hinzugekauft werden. Dabei gehen externe Experten die jeweiligen Fragestellungen mit entsprechenden Tools, Methoden etc. an. Leider entsteht dabei oftmals der schale Beigeschmack, dass sich die Antworten der Experten nur auf spezifische, providerabhängige Lösungen beziehen. Für viele klein- und mittelständische Firmen ist die externe Expertise aber im Normalfall ohnehin keine Lösung, da schlicht und einfach die Ressourcen (meist das Budget) nur gering oder gar nicht vorhanden sind. Daher stecken solche Unternehmen in einer Zwickmühle. Einerseits könnte man von Angeboten aus der Cloud stark profitieren, andererseits fehlt es aber an Mitteln, mit denen man den Einsatz überprüfen und einleiten könnte.

Die perfekte Lösung? Was tun in einer solchen Situation? Intern das entsprechende Wissen aufzubauen, kostet Zeit und Geld. Entsprechend ist dies keine Alternative zur externen Beratung. Den Cloud Service einfach zu beanspruchen, kann sich schnell als Schuss ins Leere erweisen. Spätestens dann, wenn man merkt, dass man nicht mehr Herr über die eigenen Daten ist, und diese nicht mehr zur Verfügung stehen. Soll das Risiko eingegangen und der entsprechende Service einfach genutzt werden? Der Kompetenzschwerpunkt Cloud Computing an der Fachhochschule Nordwestschweiz ist dabei, neuartige Ansätze zu prüfen und zu entwickeln, die auch Unternehmen mit eingeschränktem IT- Know-how und Budget in die Wolke bringen können. Die Vision ist die Bereitstellung von frei verfügbaren Services und unterstützenden Materialien, auf welche die entsprechenden Unternehmen über eine geeignete Plattform zugreifen können. Diese Services sollen den Cloud User während eines ganzen Cloud Life Cycles begleiten und bei allgemeingültigen Fragestellungen eine Entscheidungsunterstützung bieten. Dabei besteht der angesprochene Life-Cycle aus vier Phasen und deckt verschiedene Szenarien ab, die sich rund um Cloud Services ergeben. So kann beispielsweise ein potenzieller Cloud Kunde auf der Plattform in einem ersten Schritt allgemeine und unabhängige Informationen zum Thema erhalten. Möchte er fortfahren, sollen ihm verschiedene Hilfestellungen wie Cloud Readiness Checks, Business Case Frameworks usw. die Entscheidung, Cloud Services zu beanspruchen, erleichtern. Die zweite Phase des Life Cycles, die Migrationsphase, bringt Tools und Frameworks mit, durch die der effektive Einstieg in die Cloud begleitet und unterstützt wird. Weitere entsprechende Frameworks, Tools und Guidelines dienen den Kunden dann in den beiden weiteren Phasen (Nutzung und Beendung eines Cloud Services) als Unterstützung. Die beiden Autoren stehen gerne für weitere Informationen zur Verfügung.

DIE AUTOREN Stella Gatziu Grivas ist Leiterin des Kompetenzschwerpunktes Cloud Computing und Dozentin am Institut für Wirtschaftsinformatik der FHNW, Claudio Giovanoli ist Assistent im Kompetenzschwerpunkt. www.fhnw.ch/wirtschaft/iwi/kom petenzschwerpunkte/cloud -computing


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UZ l KOMMUNIKATION

G E S C H Ä F T S A L LTA G

vice schätzen die Kunden sehr und buchen deshalb manchmal bei der Auslieferung direkt einen weiteren Auftrag für die Folbenen Definition nutzt also gewoche. Anstatt sich bereits jetzt jedes Untermühselig die Bestellung nehmen ICT, sofern es zu notieren und diese Kommunikationsinstrunach der Rückkehr in die Bäckerei in die dafür vormente jedweder Art, zum gesehene Excel-BestellBeispiel einen Festnetzliste abzutippen, könnte oder Internet-Anschluss, dank einem Smartphone verwendet. Während diese und weitere Kommunikatioder einem Tablet-PC die onsinstrumente bereits Bestellung direkt vor Ort breit genutzt werden, eröffin die jederzeit verfügnen etwas ausgeklügeltere bare Excel-Liste eingetraICT-Produkte viele neue gen werden, ohne jede und vor allem sehr spanZeitverzögerung. So wird nende Lösungen für KMU. mindestens ein ArbeitsZur Visualisierung solcher schritt gespart. Und weil Lösungen zwei Beispiele die Liste jederzeit aktuell im Kontext einer Bäckerei: ist, können die Mitarbei1. Unterwegs immer auch tenden in der Bäckerei die Bestellliste dabei bei einer sehr grossen haben: Nehmen wir in Bestellung auch gleich mehr Mehl anfordern. unserem Beispiel an, eine 2. Kundendaten sicher verBäckerei liefere einmal wahren: In unserem Beipro Woche frisches Brot spiel ist die Bestell-Liste aus. Diesen Kundenser-

«ICT» einmal einfach Ich führe eine kleine Bäckerei mit drei Angestellten und las kürzlich in einem Fachmagazin etwas zu ICT, ohne es richtig zu verstehen. Was ist ICT und was nutzt es mir als KMU?

VON ANDRÉ CARADONNA

Die Informations- und Kommunikationstechnologie (abgekürzt IKT, engl. ICT) fasst die verschiedenen Technologien zusammen, welche für die Informations- und Kommunikationsverarbeitung verwendet werden. ICT wird als Sammelbegriff für die Vielfalt an Kommunikationsinstrumenten, -anwendungen und Dienstleistungen in diesem Bereich verwendet.

DER AUTOR André Caradonna ist Produktspezialist von Swisscom und beantwortet Fragen zur Informationsund Kommunikationstechnologie. vernetzt@unternehmerzeitung.ch

Nutzen von ICT? Gemäss der eben beschrie-

direkt mit einer KundenAdressdatenbank verknüpft. Wenn der PC einmal ausfallen würde, wären diese wertvollen Daten unwiderruflich verloren, sofern die Bäckerei nicht regelmässig Sicherheitskopien (meistens von Hand) macht. Anstelle dieser aufwendigen Handarbeit bietet ICT die Möglichkeit, solche Kopien automatisiert herzustellen und sie gleichzeitig an einem sicheren Ort aufzubewahren. Die beiden Beispiele zeigen auf, dass die ICT vielleicht nicht ganz einfach zu verstehen, die daraus resultierenden Lösungen für den Geschäftsalltag aber sehr wertvoll sind.

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MARKETING l UZ M A R K E D E S M O N AT S : N O T E N S T E I N

NEWS AUS DER M A R K E N W E LT

Vernichtung und Aufbau VON STEFAN VOGLER

DER AUTOR Stefan Vogler berichtet über die aktuelle Markenführung einer grossen oder kleinen, globalen, nationalen oder lokalen, altbewährten, aufgefrischten oder neuen Marke. www.markenexperte.ch. Marke des Monats im März 2012:

www.notenstein.ch

Das Tempo verdient Anerkennung. Innert Wochenfrist wurde aus der ältesten Schweizer Bankmarke eine neue generalstabsmässig aus dem Boden gestampft: Aus «Wegelin» wurde «Notenstein». Wie bekannt ist Wegelin aufgrund der Aufnahme von Ex-UBS-Kunden in den Bann der US-Justiz geraten und handstreichartig an Raiffeisen verkauft worden. Nachdem vor wenigen Monaten schon die zweitälteste Bank Clariden Leu mit einem Markenwert von ca. 220 Mio. Franken (gem. BrandFinance) durch Integration in die CS das Zeitliche segnete, folgte Ende Januar die nächste Markenwert-

vernichtung. Gemäss BV4 hatte Wegelin am Todestag einen Markenwert von rund 225 Mio. Franken. Vielleicht erinnern Sie sich noch daran, wie Novartis nach der Grossfusion die Novartis-Domain von jemandem erstehen musste, der sie blitzschnell registrierte. Oder bei der Fusion von SBG und SBV zur UBS sollte die Firma United Bank of Switzerland AG heissen. Da eine gleich lautende existierte, hat sich UBS kurzerhand für UBS AG entschieden. Die kurzfristige Suche einer neuen Marke, welche eintragungsfähig und damit schützbar ist und deren Domain(s) noch frei sind,

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gestaltet sich zuweilen schwierig. So betrachtet war der Rückgriff auf die bestehende, eingetragene Firma und Marke Notenstein clever und risikolos. Und ein Beweis, dass die Geburts-Botschaft von Notenstein «Grosse Erfahrung. Junge Bank.» Hand und Fuss hat. Böse Zungen haben das neue Markenzeichen von Notenstein sarkastisch mit «Wegelin ist auf den Hund gekommen» kommentiert. Albena Böck, Leiterin Corporate Communications von Notenstein, konterte auf persoenlich.com souverän «Schon im Logo von Wegelin & Co. waren Tiere, welche Spielraum für Interpretation offen gelas-

Markenwert - auch für KMU. Gemäss einer Studie von pwc tragen Marken mehr als zwei Drittel zum Unternehmenswert bei. Der Markenwert beschreibt den Aufpreis, den Konsumenten für ein Produkt/Service nur auf Grund der Marke zu bezahlen bereit sind. Der finanzielle Markenwert beschreibt demzufolge den monetären Mehrwert (z.B. gemessen in Cash Flows), der ausschliesslich dank der Marke erwirtschaftet wird. Markenwertberechnungen werden u.a. von www.bv4.ch, neu auch für KMU angeboten.

sen haben. Auf lange Frist haben sich diese Tiere als Sympathieträger erwiesen.» Warten wir gespannt, wie sich die neue Bankmarke durchsetzt.

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Schweizer Plattform für nachhaltige Entwicklung von Gemeinde, Stadt und Unternehmen Bern, 13.– 15.03.2012 www.cleanteccity.ch

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UZ l MANAGEMENT

RECHNUNGSLEGUNGSREFORM

Bescheiden und teils nicht durchdacht Das Parlament gab grünes Licht für die Neugestaltung des 32. Titels des Obligationenrechts, Kaufmännische Buchführung und Rechnungslegung. Welche Änderungen erwarten die Unternehmen?

TEXT EVELYN TEITLER-FEINBERG

Das Parlament hat am 23. Dezember die Rechnungslegungsreform beschlossen. Die Frist für ein Referendum wird am 13. April 2012 abgelaufen sein. Der Bundesrat hat über den Zeitpunkt des Inkrafttretens noch nicht entschieden. Inwiefern werden Unternehmen rechnungslegungsmässig aber tatsächlich in die Pflicht genommen? Die geänderten Vorschriften zur Rechnungslegung betreffen rechtsform-unabhängig alle buchführungspflichtigen Unternehmen. Die rechtsform-spezifischen Bestimmungen, z.B. des Aktienrechts, werden verschwinden und der 32. Titel des Obligationenrechts enthält alle Normen, welche die Rechnungslegung betreffen. Die Neuerungen Weitgehend befreit von der Pflicht der Rechnungslegung im Sinne der neuen Bestimmungen, sind Einzelunternehmen und Personengesellschaften, deren Umsatz im letzten Geschäftsjahr keine 500 000 Franken erreicht hat. Für diese Unternehmen genügt eine Buchführung über Einnahmen und Ausgaben sowie über die Vermögenslage (Milchbuch-Rechnung). Die gleiche Erleichterung gilt für Stiftungen und Vereine, die nicht verpflichtet sind, sich ins Handelsregister eintragen zu lassen, sowie auch für Stiftun-

TA G U N G N E U E S R E C H N U N G S L E G U N G S R E C H T 20. April 2012, im Lake Side Zürich: Ausgewiesene Fachspezialisten zeigen Ihnen alle Änderungen des neuen Rechnungslegungsrecht auf. Die Tagung richtet sich an leitende Angestellte aus Buchführung und Rechnungslegung. Weitere Informationen und Anmeldung unter www.unternehmerforum.ch

gen, die keine Revisionsstelle bezeichnen müssen. Falls die Fortführungsvermutung für die nächsten 12 Monate seit Bilanzstichtag nicht zutrifft, ist das im Anhang zu vermerken und die wirtschaftlichen Auswirkungen darzulegen. Die geforderte zeitliche und sachliche Abgrenzung wirkt ironisch, wenn umgekehrt stille Reserven auf Aktiven und Rückstellungen im bisherigen Rahmen, also unbeschränkt, zulässig sind. Überdies scheint sich hier ein legislatives Versehen eingeschlichen zu haben: Einerseits wird die Milchbuch-Rechnung nach OR E957 bis 500 000 Franken Umsatz gestattet, aber Abgrenzungen sind gemäss OR E958b bereits bei einem Umsatz ab 100 000 Franken gefordert. Neu ist die vernünftige Gliederung, die für Bilanz und Erfolgsrechnung gefordert wird. Diese Rechnungen dürfen in Konto- oder in Staffelform (Art. E958d, Abs. 1) dargestellt werden. Neu ist es für alle Rechtsformen zwingend, die Vorjahreszahlen zu nennen. Die Erfolgsrechnung darf entweder als Produktionserfolgsrechnung oder als Absatzerfolgsrechnung präsentiert werden. Im Falle einer Absatzerfolgsrechnung sind die nicht erscheinenden Aufwendungen wie Abschreibungen und Personalaufwand im Anhang offen zu legen. Neben der Landeswährung dürfen neu auch wesentliche andere Währungen verwendet werden, aber die Werte in Landeswährung sind in diesem Fall zusätzlich offen zu legen, einschliesslich der verwendeten Umrechnungskursen. Für den Text gilt entweder eine Landessprache oder Englisch. Für alle buchführungspflichtigen Unternehmen wird jetzt neu ein Anhang gefordert, der beispielsweise die Auflösung der stillen Reserven offen zu legen hat, falls diese deren Bildung übertreffen. Ebenso sind Eventualverpflichtungen und Beteiligungsrechte oder Optionen für alle Leitungs- und Verwaltungsorgane sowie für alle übrigen Mitarbeitenden wertmässig (wie immer der Wert auch bestimmt sein mag) offen zu legen. Zu erläutern sind neu ausserordentliche, periodenfremde oder einmalige Positionen der Erfolgsrechnung. Hier fehlt es aber an Konsequenz: Einzelunternehmen und Personengesellschaften


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Es sind Leitplanken nötig, wie die von Swiss GAAP FER, damit künftige Konzernrechnungen «true & fair» sind. Foto: Bilderbox.de

dürfen auf einen Anhang verzichten, sofern sie die Schwellenwerte der ordentlichen Revision unterschreiten. Für die Bewertung gelten grundsätzlich historische Kosten, d.h. Anschaffungswerte bzw. Herstellkosten mit planund ausserplanmässigen Abschreibungen. Durchbrochen wird dieses Prinzip – mit noch nicht absehbaren Konsequenzen – durch Aktiven mit beobachtbaren Marktpreisen (oder Kurswerten). Diese dürfen als Option auch aktuell bewertet werden. So können also zum Beispiel auch OTC-Titel zu einem beobachtbaren Marktpreis bewertet werden. Aber der Gesetzgeber spricht nicht von Wertschriften, sondern von Aktiven! Die beiden Bundesrätinnen Simonetta Sommaruga und Eveline Widmer-Schlumpf versuchten ohne Erfolg, diesen Minderheitsantrag zu Fall zu bringen. Das Parlament dachte nur an die OTC-Titel. Aber sowohl Rendite-Immobilien als auch Vorräte können beobachtbare Marktpreise in einem aktiven Markt aufweisen. Wer von aktuellen Werten Gebrauch macht, darf erfolgswirksam Schwankungsreserven bilden, welche maximal so hoch angesetzt werden dürfen, dass die Nettobewertung nicht tiefer ausfällt wie bei einer Bewertung zu historischen Kosten. Die Höhe der Schwankungsreserven ist in der Bilanz oder im Anhang offen zu legen. Diese Möglichkeit untergräbt die mit den beobachtbaren Marktpreisen heraufbeschworene «true & fair View». Sie durchbricht auch das Prinzip der Stetigkeit bezüglich der Bewertung. Also auch hier besteht die Möglichkeit, in Verlustjahren stille Reserven aufzulösen und so den Verlust zu verkleinern. Dass das im neuen Gesetz ebenfalls genannte Vorsichtsprinzip einen Riegel zum creative Accounting schiebt, darf kaum erwartet werden. Viel eher aber das Massgeblichkeitsprinzip der Handelsbilanz. Wer A sagt, muss auch B sagen: Die höheren Marktwerte sind dann auch für die Veranlagung der Steuern massgeblich. Grössere Unternehmen Die Gruppe der grösseren Unternehmen, also jene, die der ordentlichen Revision unterliegen, ist seit 1.1.2012 bedeutend geringer, da die Schwellenwerte für die ordentliche

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Revision kräftig erhöht worden sind. Folgende Gesellschaften müssen nach OR 727, Absatz 1, ihre Jahresrechnung und gegebenenfalls ihre Konzernrechnung durch eine Revisionsstelle ordentlich prüfen lassen: Gesellschaften, die zur Erstellung einer Konzernrechnung verpflichtet sind und Gesellschaften, die zwei der nachstehenden Grössen in zwei aufeinander folgenden Geschäftsjahren überschreiten: a) Bilanzsumme von 20 Millionen Franken, b) Umsatzerlös von 40 Millionen Franken oder c) 250 Vollzeitstellen im Jahresdurchschnitt. Diese grösseren Gesellschaften unterliegen einem erweiterten Anhang, zu ihrer Jahresrechnung gehört eine Geldflussrechnung und sie sind verpflichtet, einen Lagebericht zu verfassen, der sich auch zu den Zukunftsaussichten des Unternehmens äussert. Ob eine rechnungslegungspflichtige juristische Person Unternehmen konsolidieren muss, hängt von der Kontrolle ab. Diese wird auch de facto und nicht nur über Beteiligungen verstanden. Die Konsolidierungspflicht gemäss anerkanntem Standard ist gültig. Gefährlich und letztlich nicht geklärt ist das Recht, dass Stiftungen, Vereine und Genossenschaften die «Pflicht zur Erstellung einer Konzernrechnung an ein kontrolliertes Unternehmen delegieren» können, sofern das «betreffende kontrollierte Unternehmen . . . sämtliche weiteren Unternehmen unter einheitlicher Leitung zusammenfasst …» (OR Art. E963). Das konsolidierende Unternehmen muss demgemäss also eine Subholding sein. Es besteht das Risiko, dass eine unliebsame Tochter in die nicht-konsolidierungspflichtige, oberste Holding integriert wird und so an der Konzernrechnung vorbei geschifft werden kann. Werden nun auf konsolidierter Basis die oben genannten neuen Schwellenwerte für die ordentliche Revision unterschritten, dann gilt eine Befreiung von der Erstellung einer Konzernrechnung. Durch die Heraufsetzung der Schwellenwerte wird das für zahlreiche zusätzliche Konzerne gelten. Für die Konzerne, welche diese (hohen) Schwellenwerte überschreiten, genügen weiterhin die «Grundsätze ordnungsmässiger Rechnungslegung». Was immer das heissen mag. Ohne Leitplanken, wie sie die Swiss GAAP FER gewährleisten, muss eine solche Konzernrechnung nicht einmal «true & fair» sein. Konsolidierungspflicht nach anerkanntem Rechnungslegungsstandard ist nur bei Publikumsgesellschaften, grossen Genossenschaften und Stiftungen mit ordentlicher Revision ein Erfordernis oder wenn eine qualifizierte Minderheit dies verlangt. Der Bundesrat wird die anerkannten Standards bezeichnen. Der Abschluss nach anerkanntem Standard ist dem obersten Organ anlässlich der Genehmigung der Jahresrechnung nach OR vorzulegen. Der Abschluss nach Standard wird nicht genehmigt. Damit wird klar, dass das Gesetz in jedem Fall den handelsrechtlichen Abschluss fordert. Trotzdem verlangt OR E962a eine ordentliche Prüfung. Fazit Zu begrüssen ist, dass alle Normen, welche die Rechnungslegung betreffen, auf den 32. Titel des Obligationenrechts konzentriert sind, was die Übersichtlichkeit verbessert. Auch die grundsätzliche Neutralität der Rechtsform eines Unternehmens bezüglich der Rechnungslegung bedeutet einen grossen Schritt nach vorn. Der Output der neuen Gesetzgebung ist aber, alles in allem, trotz verbesserten Ansätzen wie den Gliederungsvorschriften, kümmerlich. Unternehmen tun gut daran, proaktiv vor allem bezüglich der «true & fair» Präsentation mehr zu tun, als das neue Recht verlangt. Nur auf diesem Level kann ein Unternehmen kraftvoll geführt werden. Der Gesetzgeber ist mit sich selbst grosszügig, wenn er trotz der stillen Reserven à la Carte davon spricht, dass sich Dritte aufgrund der gesetzeskonformen Rechnungslegung ein «zuverlässiges Urteil» bilden sollen können.

DIE AUTORIN Dr. Evelyn Teitler-Feinberg, Teitler-Consulting, Accounting + Communication. Evelyn Teitler war Leiterin der Fachgruppen von Swiss GAAP FER Rahmenkonzept, Swiss GAAP FER 1, FER 18 und FER 20 und ist Mitherausgeberin der IRZ Zeitschrift für Internationale Rechnungslegung. consulting@teitler.ch


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T H E R O K K E R C O M PA N Y A G

Born to be wild Als «THE ROKKER COMPANY» 2008 gegründet wurde, haben sich Kai Glatt und Michael Kuratli nicht träumen lassen, dass sie bereits innerhalb von drei Jahren ihre Produkte in 13 Ländern vertreiben würden. Das Unternehmen aus Widnau ist längst nicht nur unter Bikern ein Geheimtipp. INTERVIEW UND TEXT BIRTHE GRAUTMANN

Was brachte Sie auf die Geschäftsidee, Schutzbekleidung aus Jeansstoff herzustellen, obwohl es hervorragende und auch modische Lederbekleidung gibt? Kai Glatt: Mein Geschäftspartner Michael Kuratli und ich fahren seit vielen Jahren Motorrad und immer nur in normalen Jeans herum. Eines Tages wollten wir uns eine Jeans mit Schutzfunktion anschaffen, haben aber auf dem Markt nichts gefunden, was uns modisch auch nur einigermassen angesprochen hätte. So kamen wir auf die Idee, mal für uns persönlich eine schöne Jeans mit Schutzmaterial auszustatten, so dass wir auch mit dem Motorrad zur Arbeit oder in eine Bar fahren konnten und dort trotzdem adäquat angezogen sind. Nachdem wir den ersten Prototypen gefertigt hatten, wurde schnell klar, dass nicht nur wir dieses Bedürfnis hatten, sondern noch viele Motorradfahrer mehr auch wert auf Style legen. Sie sind ehemaliger Mitarbeiter des Instituts für Jungunternehmer IFJ. Inwieweit hat Sie das IFJ bei der Gründung der ROKKER COMPANY unterstützt? Ich durfte während meinen rund 4,5 Jahren beim IFJ viele erfolgreiche wie auch weniger erfolgreiche Jungunterneh-

men kennenlernen, begleiten und mit ihnen Businesspläne erarbeiten. Davon konnte ich natürlich selbst auch sehr viel profitieren und lernen. Dieses Know-how hat auf jeden Fall geholfen, die ganze Firmengründung von Anfang an systematischer anzugehen. Und das Wissen, wie man einen guten Businessplan erstellt, war bei der Kapitalsuche sehr behilflich. Wie wurde die Idee, eine Motorradjeans im Bereich Schutzkleidung zu entwickeln, in Ihrem sozialen Umfeld aufgenommen? Da ich als Betriebsökonom mit Textilien vorher nichts am Hut hatte, haben doch die meisten aus meinem Umfeld im ersten Moment doch ziemlich komisch reagiert. Grundsätzlich kam aber die Idee, stylische Motorradhosen aus Jeans zu fertigen, die auch noch schützen, sehr gut an und der Nutzen wurde auch von Nicht-Motorradfahrern relativ schnell erkannt. Jedoch so richtig geglaubt, dass dies nun «unser Baby» wird, haben es alle erst nach den ersten Erfolgen. Wie kam die Zusammenarbeit mit Schoeller-Textilien zustande? Als wir damals entschieden, für uns selbst eine schützende Jeans zu machen, haben wir im Internet nach Herstellern

START-UP TOP 100: PLATZ 84

Den Nerv der Zeit getroffen Es war purer Eigennutzen, der zwei Freunde 2007 auf die Idee brachte ein eigenes Unternehmen zu gründen. Michael Kuratli und Kai Glatt sind beide passionierte Motorradfahrer. Für sie sind die Leidenschaft am Motorradfahren und der Stil untrennbar. Deshalb war es


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haben wir seit einem Jahr eine sehr leichte und 100 Prozent wasser- und winddichte ROKKER-Jeans REVOLUTION im Angebot die nebst der Abriebfestigkeit auch sehr atmungsaktiv ist. Diese Hose eignet sich grundsätzlich für alle Outdoor-Sportler, Skifahrer etc. die gerne in einer sehr funktionellen Hose mit authentischem Jeans-Look unterwegs sind. Wie konnten Sie sich in der Bikerszene etablieren? Halfen dabei prominente Leute, wie beispielsweise die Rockband Gotthard? Ich glaube der Hauptgrund für die schnelle Verbreitung unserer Produkte liegt darin, dass wir mit unseren Produkten einfach den Nerv der Zeit getroffen haben und selbst auch Biker sind. Wir waren von Anfang an auf sehr vielen Motorradevents und Messen unterwegs und haben unsere Produkte überall vorgestellt und präsentiert, wo wir konnten. Dass wir die Band Gotthard ausstatten konnten, kam über einen Bekannten zustande. Für uns war dies toll, da alle Bandmitglieder echte Biker sind und somit unsere Produkte auch wirklich fahren, nebst dem, dass diese natürlich unseren Bekanntheitsgrad nochmals gesteigert haben und es auch einfach Spass macht mit den Jungs.

Fotos: zVg / Ernst & Young

Kai Glatt,VR-Präsident und Mitgründer von «THE ROKKER COMPANY»: Letztes Jahr wurde das junge Unter nehmen von Ernst & Young zum «Entrepreneur of the Year®» gewählt.

die Idee der beiden Jungunternehmer, funktionelle Kleidung zu entwerfen, die gut aussieht und sowohl beim Motorradfahren als auch in der Freizeit bequem tragbar ist. Denn wer selbst diese Leidenschaft teilt, weiss, dass Schutzbekleidung nicht immer bei allen Temperaturen komfortabel und nach dem Ride in der Freizeit oft unpraktisch ist. Daher gehörte zu den ersten Produkten der ROKKER COMPANY aus Widnau eine Jeans, die modisch ist und zugleich Schutz bei Stürzen bietet. Diese Jeans ist zum Verkaufsschlager des Unternehmens geworden und wird in

von Schutzmaterialien gesucht und sind dabei mehr oder weniger zufällig auf Schoeller-Textil gestossen. Dass Schoeller auch eine Rheintaler Firma ist, hat natürlich den ganzen Prozess beschleunigt. Wir haben dann einfach bei Schoeller angerufen, sind einen Tag später vorbei gegangen und haben ihnen unsere Idee vorgestellt. Die Idee haben sie von Anfang an toll gefunden und uns umgehend ein paar Mustermeter zur Verfügung gestellt. Würden Sie Ihre Produkte als Berufskleidung empfehlen? Zum Beispiel für Beschäftigte in der Forstwirtschaft? Grundsätzlich kann ich unsere Hosen allen empfehlen. (lacht) Jedoch zählt in der Forstwirtschaft mehr die Schnittfestigkeit wie die Abriebfestigkeit und unsere Hose ist doch hauptsächlich auf Abriebfestigkeit ausgerichtet. Jedoch

einer erweiterten Kollektion bereits in mehreren europäischen Ländern und den USA vertrieben. Ein Partner mit Know-how Um die Idee für modische Motorradschutzbekleidung umsetzen zu können, brauchten Kuratli und Glatt einen kompetenten Partner im Bereich High-Tech-Gewebe. Die Wahl fiel daher auf das Schweizer Unternehmen Schoeller-Textilien. Mit Hilfe des schoeller®-DynatecGewebe konnte eine Bikerjeans entwickelt werden, die abriebfest, sturzsicher, reissfest, temperaturbeständig

und wind- und wasserabweisend ist. Zudem kann sie, wie jede andere herkömmliche Jeans auch, selbst gereinigt werden. Entrepreneur of the Year® Dass das Unternehmenskonzept von THE ROKKER COMPANY innovativ und ausserordentlich ist, zeigt sich darin, dass Kai Glatt und Michael Kuratli von Ernst & Young zum «Entrepreneur of the Year®» in der Kategorie «Emerging Entrepreneur» gewählt wurden. Dieser Preis zeichnet erfolgreiche Unternehmer aus, die mit ihrem persönlichen Engagement und ihrer Risiko-

Sie haben neben Standorten in Europa auch einen in den USA. Wie werden Ihre Produkte dort aufgenommen? Durch die starke Krise im Motorradmarkt in den USA und den schwachen Dollar mussten wir unsere Aktivitäten in den USA vorläufig auf ein Minimum reduzieren, da wir dort preislich im Moment nicht mehr ganz «massentauglich» sind. Was ist Ihr bisher grösster Erfolg – neben der Auszeichnung «Entrepreneur of the Year®»? Nebst der erwähnten Auszeichnung ist mein grösster Erfolg der bis jetzt erfolgreiche Aufbau unserer ROKKER COMPANY und der Schaffung von mittlerweile acht weiteren Arbeitsplätzen, nebst meinem und den von meinem Geschäftspartner. Wie sehen Ihre weiteren Pläne aus? Wir haben im Moment grad einige Projekte in der Pipeline, von denen ich aber im Moment leider noch nicht zu viel erzählen kann. Was ich aber sagen kann, ist, dass wir soeben die ROKKR-Casual-Collection lanciert haben und diese in Zukunft auch noch ausbauen wollen.

bereitschaft einen entscheidenden Beitrag zur Schweizer Wirtschaft leisten. Expansion Seit 2008 operieren und designen die Jungunternehmer von Widnau aus, wo sie das ehemalige Areal einer Textilfirma bezogen haben. In den vergangenen drei Jahren konnten sie sich erfolgreich auf dem europäischen Markt etablieren. THE ROKKER COMPANY hat Standpunkte in Deutschland, Österreich, den BeNeLux-Staaten, Frankreich und Italien. Ebenso konnten sich Kuratli und Glatt den Traum erfüllen, ihre Motorradbekleidung im «Land

der unbegrenzten Möglichkeiten» zu vertreiben. Von Palm Beach aus rollt THE ROKKER COMPANY den amerikanischen Markt auf. Längst bietet das kleine st.gallische Unternehmen nicht nur eine beachtliche Kollektion an Motorradschutzkleidung an, sondern ist nun auch im Bereich Casual-Bekleidung vertreten. Natürlich mit dem typischen ROKKER-Design, dass die Schutzbekleidung so einzigartig macht. Nach diesem kometenhaften Aufstieg kann man auch weiterhin Grosses von diesem ausserordentlichen Startup erwarten.


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Siquijor, Philippinen: Für Simon Schnellmann ein traumhafter Ort, den er seinen Kunden immer gerne empfiehlt.

REISEN

Piercing und Profite Die Reisebranche schrumpft. Das kleine Zürcher Büro aber wächst rasant, obwohl die Konkurrenz ihm keine Chance gab. Simon Schnellmann, Gründer und CEO von Travel Worldwide, entspricht nicht dem Bild des konventionellen Unternehmers und ist damit unglaublich erfolgreich.

TEXT ROBERT WILDI

Der Sitzplatz im Hof des Firmensitzes mitten in der Zürcher Altstadt ist leer. Die Novemberkälte lädt nicht zur Mittagspause im Freien. Simon Schnellmann kann gut damit leben. «Ich mag dieses Wetter, denn es macht, dass unsere Drähte heiss glühen.» Der Inhaber von Travel Worldwide passt nicht zur noblen Adresse seines jungen Unternehmens an der Kirchgasse. Punkfrisur, dicke Halskette sowie Piercings und Tattoos am ganzen Körper sind sein Markenzeichen. «Ich bin, wie ich bin, authentisch halt», sagt er. Der Mut, anders zu sein, ist wohl das Erfolgsgeheimnis des 38-jährigen Zürchers. 2008 gründete er seine Firma, heute zählt sie 15 Mitarbeitende. Der Umsatz schoss seither auf 16 Millionen Franken empor. In der gleichen Zeit sanken die Verkäufe aller Reisebüros um elf Prozent. Weder Finanz- noch Währungskrise konnten den Unternehmer bremsen. Für 2012 budgetiert er denn auch trotz Rezessionsgefahr mit 20 Millionen. Ein Himmelfahrtskommando Gerade dieser Tage hat er wieder besonders viel zu tun. Die Schweizer buchen ihre Winterferien in warmen Weltgegenden. Die Idee für sein Unternehmen kam Schnellmann während seiner Arbeit beim Schweizer Online-Reisepionier travel.ch. Er verkaufte dort Pauschalreisen und Flugtickets ab Stange. In der Branche galt damals, dass sich Billigferien mit Flug und Hotel für den Internetverkauf eignen, aber nicht teure und komplexe Reisen. Querdenker Schnellmann wollte dies nicht so hinnehmen und

beschloss, auch die gutbetuchte Ferienkundschaft ins Netz zu holen. Seine Pläne, mit Travel Worldwide teure Fernreisen ausschliesslich über den Online-Kanal zu verkaufen, wurden in der Szene belächelt. Die Suche nach Investoren war vergeblich. «Mein Konzept war ein Himmelfahrtskommando», erinnert sich Schnellmann. Er kalkulierte mit einem Startkapital von 130 000 Franken, um in seiner kleinen Wohnung loslegen zu können. Weil er nur 80 000 gespart hatte, versuchte er sein Glück im Kasino. Innert zwei Wochen zockte er am Pokertisch die restlichen 50 000 Franken in die Tasche. «Danach liess ich mich in allen Schweizer Kasinos sperren.» Rockstars, Fussballer, Unternehmer Als Kenner der Reiseländer in Fernost kreierte Schnellmann zunächst die Webseite travelasia.ch und vermittelte der Kundschaft auf Provisionsbasis teure Asien-Reisen von Schweizer Veranstaltern. Heute sind 22 weitere Domains in Betrieb. Schnellmann fokussiert sich dabei mit Ausnahme von Skandinavien auf hochstehende Fernreisen ausserhalb von Europa. Denn sie sind lukrativer. Gebucht wird bei Travel Worldwide nicht selten direkt ab der Webseite via EMail. Trotzdem gehören auch stundenlange und detailtreue Beratungen zum Kerngeschäft. Angestellt werden nur Reiseprofis, welche die verkauften Destinationen selber bereist haben und aus erster Hand kennen. Schnellmanns Anspruch: Zu Bürozeiten muss für jede Ferndestination mindestens ein Spezialist für die Kunden da sein. Das Konzept geht auf. Bis heute haben 13 000 Kunden bei Travel Worldwide gebucht. Zur Stammkundschaft gehört


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Einen Tag

mit Freunden verbringen» Firmenmotto von Travel Worldwide

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auch Prominenz wie Krokus-Rocker Chris von Rohr oder SSC-Napoli-Fussballer Blerim Dzemaili. Selbst Wirtschaftsgrössen wie Max Manuel Vögele von Vögele Shoes und Logistiker Bruno Planzer vertrauen die Organisation ihrer Ferien Schnellmann an. Der Glamour-Faktor steigert den kommerziellen Erfolg. Der Durchschnittspreis pro Dossier beträgt bei Travel Worldwide über 8 000 Franken. Solche Summen sind selbst bei etablierten Veranstaltern wie Kuoni oder Hotelplan eher selten. Die Konkurrenz stets im Blick Der Starterfolg spornt Schnellmann an. Um seinem Reisebüro Raum für weiteres Wachstum zu geben, blockierte er inzwischen über 500 Internet-Domains mit Wortstämmen wie «travel» oder «tour». «Das mache ich auch, um die Seiten den Mitbewerbern vorzuenthalten», sagt Schnellmann schelmisch. Auch zwei potente Investoren hat er an Bord geholt. Sie können weitere Expansionsschritte finanziell bestens abstützen. Frühere Spötter zollen Schnellmann heute Respekt. Trotzdem blieb der locker auftretende Reiseunternehmer mit beiden Füssen am Boden. Chefallüren sind Schnellmann fremd. Stattdessen verkauft er nach wie vor täglich selbst Asien-Reisen und erledigt laut der internen ÄmtliListe die Bündelung des Altpapiers. «Einen Tag mit Freunden verbringen», lautet das Firmenmotto von Travel Worldwide. Schnellmann arbeitet Seite an Seite mit den Angestellten. «Ein eigenes Büro brauche ich nicht», sagt er dazu.

2008 gründete Simon Schnellmann sein Unternehmen Travel Worldwide und beweist seit dem, dass man mit viel Mut und gänzlich ohne Chefallüren zum Erfolg kommt. Fotos: zVg

Expansion geplant Dafür würde in den aktuellen Räumlichkeiten auch der Platz fehlen. Etwas Kummer bereitet Schnellmann der Gedanke, die repräsentativen Büros einen Steinwurf vom Grossmünster entfernt räumen zu müssen. Spätestens 2014 wird es wohl so weit sein. Um fünf bis zehn weitere Reiseprofis dürfte das Team bis dahin anwachsen, glaubt der tätowierte Chef. Die Suche nach grösseren Büros ist angelaufen. Schnellmann ist aber anspruchsvoll und will möglichst in der Nähe bleiben. «Für einen Umzug nach Wallisellen oder Glattbrugg könnte ich meine Leute kaum begeistern.» Das Gleiche gilt für die prominenten Kunden von Travel Worldwide. Auch wenn sie nicht gerade Ferien buchen, kommen sie hin und wieder gern auf einen persönlichen Besuch im Herzen von Zürich vorbei.


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HOTELPIONIERE

Vom Baumeister zum Hotelier St. Moritz ist einer der nobelsten Wintersportorte der Welt und steht für internationalen Luxustourismus. Dieser Erfolg ist wesentlich der Hotelier-Familie Badrutt zu verdanken, die im 19. Jahrhundert die Hotels «Engadiner Kulm» und «Badrutt’s Palace Hotel» gegründet hat.

TEXT BIRTHE GRAUTMANN

Als Johannes Badrutt senior, der Gründer der Hoteldynastie, im frühen 19. Jahrhundert in das Engadiner Samedan zog, suchte er ein Auskommen als Handwerker. Innerhalb kürzester Zeit konnte er sowohl privat als auch beruflich Fuss fassen. Mit 21 Jahren heiratete er Anna-Maria Donatsch und arbeitete sich vom einfachen Handwerker zum Baumeister empor. Er realisierte einige Bauvorhaben für einflussreiche Engadiner Familien, darunter einen Bau für die Familie von Planta, die später zu den Förderern der Badrutts gehörte. Johannes Badrutt senior verfügte über keine sonderlich stabile Gesundheit, weswegen er oft für längere Zeit seine Bautätigkeit einstellen musste. Um seiner Familie die Badrutts hatten neun Kinder - eine weitere Einnahmequelle zu verschaffen, stieg Johannes senior 1830 in das Gastgewerbe ein. Unterkunft für Reisende Anfang des 19. Jahrhunderts gehörte eine Schweizreise zum guten Ton für begüterte Europäer. Durch den Ausbau des Bündnerischen Strassennetzes geriet auch das Engadin in den Fokus. Eine Tatsache, aus der das Ehepaar Badrutt seinen Nutzen ziehen konnte: Es richtete im eigenen Wohnhaus Gästezimmer für Reisende und einen Tanzsaal ein. Mit dem Tanzsaal hatte Johannes Badrutt eine Neuheit geschaffen. So etwas gab es bisher im Engadin nicht und dieser erfreute sich nun grösster Beliebtheit. Kontakt nach St. Moritz Johannes Badrutt zeigte noch mehr Unternehmergeist: Bei der Heilquelle in St. Moritz baute er für die Aktiengesellschaft einflussreicher St. Moritzer Familien ein Kurhaus, das 1832 in Betrieb genommen wurde. Neben seinen Bautätigkeiten eröffnete er das «Werks- und Handelshaus für Bauwesen» in Samedan und handelte mit Baumaterialien. Nach wenigen Jahren ging er jedoch mit seinem Bauunternehmen in Konkurs. Wie der Vater, so der Sohn In Johannes Badrutt junior sah der Vater grosses Potenzial. Dem 17-Jährigen übertrug er die Leitung des «Werks- und Handelshauses», sieben Jahre später wurde Johannes junior offiziell Direktor des Familienbetriebs. Im gleichen Jahr heiratete er Maria Berry, die fortan seine Stütze war. Nach dem Bankrott des väterlichen Handelshauses bewies Johannes Badrutt junior ebenfalls unternehmerisches Gespür. Er sah seine Chance, in der Gastronomie und Hotellerie wieder Fuss zu fassen und das diesmal hauptberuflich. Die vielen Besucher, die von Sommer zu Sommer immer zahlreicher ins Oberengadin strömten, sollten seine Zukunft sein.

Johannes junior reiste in Städte wie Zürich und Paris, um sich von den dortigen Hotels inspirieren zu lassen. 1850 eröffnete er im ehemaligen Betrieb seines Vaters ein Kaffee- und Gasthaus, das «A la Vue du Bernina». Seine Innovation gegenüber anderen Gasthäusern war, dass er in seinem Gasthaus die Verpflegung in Portionen zu festen Preisen anbot und nicht wie üblich im «all you can eat»-Stil. Unbestrittener Hotelkönig Durch sein glückliches Händchen im Gastgewerbe gelang es Johannes Badrutt junior, das Kaffeehaus schnell zum Laufen zu bringen. Mit den Gewinnen konnte er den väterlichen Betrieb, der 1848 liquidiert und zwangsverkauft worden war, zurückgewinnen. Für die Familie bedeutete es die Wiederherstellung der Familienehre. Nach dem ersten Etappenziel wurde der junge Hotelier mutig. 1855 mietete er in St. Moritz die Pension Faller an. Johannes junior sah in St. Moritz seine Chance, da es im Vergleich zu anderen Orten noch «recht primitiv» war. Deswegen war es einfach, sich mit guten Speisen und Getränken bei den Gästen einen Namen zu machen. Schon bald kaufte Badrutt die Pension, baute sie aus und benannte sie in «Engadiner Kulm» um. Das umgebaute Hotel verfügte schliesslich über 290 Zimmer, eine grosse Halle, diverse Salons und Badezimmer mit fliessendem Wasser. Aus dem Gasthaus «A la Vue du Bernina» in Samedan wurde 1865 das bis heute bestehende Vier-Sterne-Hotel «Bernina». In St. Moritz war Johannes Badrutt junior nun wichtigster Arbeitgeber und unbestrittener Hotelkönig geworden, wie Susanna Ruf im Pioniere-Band über die Familie Badrutt schreibt. Entwicklung zum Luftkurort Durch das Engagement Badrutts entwickelte sich St. Moritz zum Luftkurort: In seinem Marketing hob er ein Argument hervor, welches das Engadiner Hochtal für Gäste das ganze Jahr über attraktiv machte. Schliesslich waren die Heilquellen, für die St. Moritz-Bad bekannt war, nur im Sommer geöffnet. Damit sein «Engadiner Kulm» ganzjährig gut besucht wurde, betonte er den Klimaunterschied zwischen dem Bad und dem Dorf St. Moritz.

(v.l.n.r.)

Der Erfinder der Wintersaison In der Geschichte des Schweizer Tourismus gilt Johannes Badrutt junior als Erfinder der Wintersaison. Nach einer Legende soll er mit Londoner Stammgästen eine Wette geschlossen haben. In dieser behauptete Badrutt, dass es im Winter in St. Moritz so warm sei, dass man an schönen Tagen ohne Jacke umher laufen könne. Als Wetteinsatz bot er an, die Reisekosten zu übernehmen. Badrutt gewann die Wette. Ob diese Begebenheit wirklich wahr ist, bleibt dahingestellt.

Rita Hayworth & Hans Badrutt.

Portrait von Johannes Badrutt junior (1852). Das Hotel Engadiner Kulm mit Blick auf St. Moritz-Bad (1874). Alfred Hitchcock und Anikò Badrutt (1975).

Badrutts Palace Hotel im Winter.

Fotos: Badrutt’s Palace Hotel / Dokumentationsbibliothek St. Moritz (2.v.l.) / Foto: Kulm Hotel/Rolf Canal (1.v.l.)


UNTERNEHMEN l UZ

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CH PIONIERE Sie stehen für Innovation und unternehmerisches Gespür – die Schweizer Pioniere. Die UnternehmerZeitung gibt in einer Reihe Einblick in die Biografie ausgewählter Schweizer Pioniere, die sich grossen Verdienst in Wirtschaft und Technik erworben haben.

VEREIN FÜR WIRTSCHAFTSHISTORISCHE STUDIEN

Fakt ist jedoch, dass immer mehr englische Gäste in St. Moritz überwinterten. Der Winter war finanziell ohnehin attraktiver, da die Gäste bei den kalten Temperaturen mehr Zeit drinnen verbrachten und dementsprechend mehr konsumierten. Mit dem Bau einer Eis- und Schlittelbahn und dem Anbieten von Bergtouren und Curlingspielen etablierte Badrutt die Wintersportsaison. Bereits 1888 kamen 164 Wintergäste nach St. Moritz. Für sie bedeutete der Mythos St. Moritz Sport, Lebensgefühl und Kameradschaft.

der Eröffnung beizuwohnen. Nach Caspar folgte Johann Eduard Leon, genannt Hans, der das «Palace»bis 1953 souverän durch die Stürme der Weltkriege steuerte und es als internationales Spitzenhotel etablierte. Die Nachkriegsjahrzehnte waren das Zeitalter des Massentourismus: eine weitere Herausforderung für das «Palace». Dieser begegneten Andrea und Hansjürg Badrutt mit der erfolgreichen Ausrichtung des Hotels auf den Jetset als Zielgruppe und hoben sich damit von anderen Luxushotels ab.

Generationenübergreifender Erfolg Auch die folgenden Badrutt-Generationen führten das Werk ihrer Vorfahren weiter. Caspar Badrutt war der Erbauer des legendären «Badrutt’s Palace Hotel». Wo im «Engadiner Kulm» Wintersport und Erholung im Vordergrund standen, wurde das «Palace» zum Inbegriff für Luxus und Glamour. Selbst die Prinzessin Mary of Teck, die zukünftige Frau von König George V. von England, liess es sich nicht nehmen,

Und heute? Seit 2003 wird das «Palace» von Hans und Martha Wiedemann geführt. Da Hansjürg Badrutt sein Hotel nicht einer internationalen Kette anvertrauen wollte, suchte er eine Persönlichkeit, die bereit war, das Hotel im Sinne der Familientradition weiterzuführen. Diese fand er in dem Schweizer Hotelier Hans Wiedemann, der zuvor Direktor in internationalen Firstclass-Hotels war.

Gegründet 1950, hat es sich der Verein für wirtschaftshistorische Studien zur Aufgabe gemacht, Leben und Werk der Schweizer Pioniere einem breiten Publikum nahezubringen. Geschäftsführer ist Dr. Bernhard Ruetz. Die mittlerweile fast 100 Bände umfassende «Pioniere-Reihe» widmet sich Persönlichkeiten wie Sprüngli, Nestlé, Duttweiler oder Sulzer. Die neuesten Bände behandeln das traditionsreiche Ausbauunternehmen Lenzlinger aus dem Zürcher Oberland sowie den Filmpionier Heinrich Fueter. Darüber hinaus bietet der Verein Vorträge für Firmen an, die mehr über ihren Gründer erfahren möchten, und Einzelseminare an Fachhochschulen. In diesen Seminaren werden aktuelle Themen in ihren globalen und historischen Kontext eingeordnet. Mehr Informationen über die PioniereReihe und weitere Aktivitäten finden sich unter www.pioniere.ch.


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UZ l TRAVEL

SCHWEIZERISCHER REISEBÜRO-VERBAND

«Reisebüros braucht es mehr denn je» 2011 war kein leichtes Jahr für die Schweizer Reisebranche. Kunden fanden im Ausland oft günstigere Angebote. Jetzt hat sich die Situation aber geändert und Schweizer zahlen für Reisen weniger als andere Europäer. Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizerischen Reisebüro-Verbandes, erklärt die Hintergründe und das Nutzen von Ferienmessen.

Herr Kunz, in den vergangenen Wochen fanden in Zürich, Bern, Luzern, Genf und Basel die grossen Ferienmessen statt. Wie sieht Ihre Bilanz aus? Walter Kunz: Sehr gut. Die Reiselust der Schweizerinnen und Schweizer scheint ohne Zweifel wieder da zu sein. Und was aus Branchensicht ganz entscheidend ist: auch die Kaufkraft zeigt sich aufs Neue. Zu sehen und zu spüren ist dies vor allem bei den Buchungseingängen in den Reisebüros, die bereits jetzt einen sehr positiven Trend aufweisen.

Wieso? Weil zu diesem Zeitpunkt die Währungen bereits abgesichert waren. Ein weiterer Faktor ist, dass in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Leistungsträger wie Hotels und Fluggesellschaften auch wesentlich flexibler sind wenn es um die Neuverhandlung von Tarifen geht. Davon profitieren jetzt in allererster Linie die Kunden, denn sämtliche Preisvorteile werden weitergereicht.

Wie wird sich die Schweizer Tourismusbranche im laufenden Jahr entwickeln? Weiterhin positiv, davon bin ich überzeugt. Ich glaube sogar an ein besonders gutes Reisejahr! Schliesslich war es für Herrn und Frau Schweizer noch nie so günstig wie jetzt, um eine Reise zu buchen. Dies gilt insbesondere für Reisen ins Ausland. Selbstverständlich wäre es jedoch verfrüht, zum gegenwärtigen Zeitpunkt voreilige Schlüsse über die Entwicklung des gesamten Jahres zu ziehen.

Gebucht werden die Ferien allerdings immer häufiger im Internet und immer seltener im Reisebüro. Braucht es Reisebüros überhaupt noch? Aber sicher. Mehr denn je, nur schon als Absicherung.

ZUR PERSON

Weniger hoch im Kurs stand im vergangenen Jahr allerdings die Reise-

Dies wird sich im neuen Jahr ändern? Ja, sogar deutlich. Je nach Reisedatum und Destination können die aktuellen Preise bis zu 20 Prozent billiger ausfallen. Diese Unterschiede sind auf den neuen Preislisten schnell ersichtlich. Viele Angebote fallen somit auch preisgünstiger aus als in unseren Nachbarländern. Wie sind die günstigeren Preise zu erklären? Die Kalkulation für die Sommersaison 2012 hat im Spätsommer stattgefunden als der Euro und Dollar noch wesentlich tiefer bewertet waren. Der Entscheid der Nationalbank, eine Untergrenze für den Euro festzulegen, kam uns dabei natürlich sehr entgegen.

INTERVIEW URS HUEBSCHER

Aber Sie können bestimmt schon etwas darüber sagen, worauf das Publikum in diesem Jahr besonders gut anspricht? Sicherlich auf die attraktiven Frühbucherrabatte. Ebenso auf die Preise für Badeferien in der kommenden Sommersaison. Es zeichnet sich zudem ab, dass das Publikum Reisen erleben möchte, die einen aufregenden Erlebnischarakter mit erholsamen Ferien kombinieren. Das heisst, die Leute wollen erst ein Land entdecken und anschliessend gleich noch eine Woche Erholung in einem schönen Badeferien- oder Wellnesshotel geniessen. Das steht besonders hoch im Kurs.

Mit welchem Kurs wurde damals kalkuliert? Der Euro bewegte sich zum Zeitpunkt der Preiskalkulation etwa bei 1,35 Franken. Während das Jahr eigentlich ganz gut und positiv begonnen hatte, änderte sich das mit dem stetigen Kurszerfall von Euro und Dollar. Die Preise waren im Vergleich zum Ausland einfach nicht mehr konkurrenzfähig.

Walter Kunz ist seit 1999 Geschäftsführer des Schweizerischen Reisebüro-Verbandes. Die Branchenorganisation der Reisebüros in der Schweiz wurde 1928 gegründet und zählt heute 835 Mitglieder, darunter Reisebüros, Reiseveranstalter und Incoming-Agenturen. Sie alle repräsentieren gemeinsam 80 Prozent des Umsatzes in der Schweiz. www.srv.ch

branche selbst. 2011 war für sie ein schwieriges Jahr. Aus welchem Grund? Wegen der Preise. Genauer gesagt war es die Tatsache, dass die Preise für 2011 bereits im Jahr davor errechnet und festgelegt wurden. Gleichzeitig mussten die Wechselkurse abgesichert werden, weil die Reisebüros das Währungsrisiko bei so kleinen Margen nicht selber tragen können.

Wie meinen Sie das? Nehmen wir das Beispiel des isländischen Vulkans, der vor zwei Jahren grosse Teile des Luftraums zum Erliegen gebracht hatte. Dies führte zu einer bisher ungesehenen Anzahl an Flug-Annullationen. Kunden, die im Reisebüro eine Pauschalreise gebucht hatten, erhielten ihr Geld vollumfänglich zurück. Während die anderen … … nicht nur auf ihren Flug verzichten, sondern oft auch zu 100 Prozent für ihre Hotelkosten selber aufkommen mussten. Ein klarer Vorteil für all jene, die ihre Reise im Reisebüro gebucht hatten. Zudem ist die Betreuung durch einen persönlichen Reiseberater, bei der Zusammenstellung einer Reise wie auch der Auseinandersetzung mit unvorhergesehenen Ereignissen, nach wie vor unbezahlbar.


TRAVEL l UZ AIRPLUS

Trotz Krisenstimmung – mehr Geschäftsreisen In der ganzen Welt setzen Firmen immer mehr auf Geschäftsreisen. Selbst die Konjunkturabschwächung kann diesen Trend nicht stoppen. In der Schweiz beträgt die Zunahme über elf Prozent.

Auch auf Kurzstrecken wie nach Stuttgart oder Frankfurt werden immer mehr Flüge genutzt, da die Preise seit 2011 gesunken sind. Foto: zVg TEXT URS HUEBSCHER

DAS UNTERNEHMEN Trotz der getrübten Wirtschaftsaussichten als Folge der Krise im Euro-Raum dürfte das Geschäftsreiseaufkommen im laufenden Jahr stabil bleiben. Diesen vorsichtigen Optimismus verbreiten 1’701 Reiseverantwortliche aus 20 Ländern, inklusive der Schweiz, in der jährlichen Umfrage von AirPlus, dem Anbieter von Lösungen für das Business Travel Management. Einig ist sich die Branche, dass die Mobilität in den Unternehmen auch 2012 auf niedrigem Budget-Niveau gemanagt werden muss. Das bedeutet, dass die drastischen Kürzungen der Budgets für Geschäftsreisen im Krisenjahr 2009 noch nicht kompensiert wurden. «Die Anzahl der Geschäftsreisen hat in der Schweiz um rekordverdächtige elf Prozent angezogen. Das ist sehr viel. Nachdem die Firmen in 2009 eine grosse Krise durchlebt haben, wurden die Reiserichtlinien in 2010 verschärft. Letztes Jahr haben sich die Firmen dann wieder erholt und damit ist auch das Reisebudget wieder gestiegen», kommentiert Klaus Stapel, Managing Director von AirPlus, die Entwicklung. «2011 hat uns positiv überrascht, wir waren mit vorsichtigen Prognosen ins

AirPlus ist eine Anbieterin von Produkten für das Bezahlen und Auswerten von Geschäftsreisen. Die Firma rechnet weltweit für insgesamt rund 38 000 Firmen die Dienstreisen ab. 2011 wickelte man ein Volumen von 10,3 Mrd. Euro ab. Der Marktanteil in der Schweiz liegt bei rund 40 Prozent mit ca. 2200 Kunden, damit dürfte Airplus in der Schweiz Markführer sein.

Jahr gestartet», sagte Patrick Diemer, Chef von AirPlus Schweiz. Die Zahlen von AirPlus entsprächen in etwa den Entwicklungen in der ganzen Geschäftsreisebranche. «Bisher gibt es bei den Geschäftsreisen keine Anzeichen für einen Konjunkturrückgang», sagte Diemer. Auch die Umsätze für den vergangenen Januar deuteten auf ein positives Jahr 2012 hin. Hier liegt man bereits 16 Prozent im Plus gegenüber dem Vorjahr. Exporte werden immer wichtiger Dass Firmen ausgerechnet bei den Geschäftsreisen nicht sparen, hat zwei Gründe: Einerseits werden Exporte immer wichtiger. «Die Kundenbeziehungen werden in der Folge immer internationaler», sagt Patrick Diemer. Gleichzeitig macht er einen Trend in Richtung

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«vertiefte Kundenbeziehungen» aus. Die Unternehmen investierten vermehrt in die Beziehungen zu ihren Geschäftspartnern. Weltweit nahm nicht nur die Anzahl der geschäftlichen Flugreisen zu, auch die Preise stiegen: 2011 kostete ein Flugticket im Durchschnitt 543 Euro (654 Franken), das sind 18 Euro mehr als 2010. Anders sieht der Trend in der Schweiz aus. Hierzulande kostete ein Flug gemäss Statistik im Jahr 2011 im Durchschnitt 976 Franken. Im Vorjahr hatten die Firmen noch 1017 Franken pro Flug ausgegeben. Gemäss Diemer verdankt die Schweiz den Preisnachlass dem starken Wettbewerb unter den Fluggesellschaften. Das reine Flugvolumen in der Schweiz nahm gegenüber dem Vorjahr um fünf Prozent zu. In vergangener Zeit zählten beispielsweise Frankfurt oder Stuttgart zum Rayon «Bahnreisen», heute reist man aufgrund des Preis wieder per Flug an diese Ort. Mehr und teurere Reisen im 2012 Weltweit rechnen 40 Prozent der Unternehmen, dass die Kosten für Geschäftsreisen im laufenden Jahr steigen werden. Ein Hauptgrund dürfte sein, dass Airlines weltweit weniger Rabatte abgeben, sodass weniger Unternehmen Verträge über Firmenraten abschliessen. «In der Schweiz glauben nur 17,5 Prozent der Reiseverantwortlichen, dass solche ‹Corporate NetRates› Einsparungen bringen. Ticketbuchungen über IBE oder Internet zu Tagestarifen gewinnen weiter an Bedeutung», so Patrick Diemer weiter. Dazu kommt die Tatsache, dass die Zusatzgebühren im Bereich Flug oder Kreditkarte vermehrt in die Budgetplanungen integriert werden müssen. Immer mehr Airlines verlangen Gebühren für Sitzplatzreservierungen, Gepäck, Essen, etc. 35 Prozent erwarten, dass ihr Unternehmen 2012 mehr Geschäftsreisen tätigen wird. Deutlich optimistischer zeigen sich die Firmen in den Wachstumsmärkten: In Lateinamerika erwarten 48 Prozent der befragten Reiseverantwortlichen eine Zunahme an Geschäftsreisen, in Südafrika sind es 45 Prozent. In der Schweiz rechnen 31 Prozent mit häufigeren Geschäftsreisen. Das liegt im westeuropäischen Durchschnitt. Und die Zukunft? Mit Blick auf die Trends im Segment der Geschäftsreisen stehen gemäss Airplus die Themen Mobile Solutions, Zusatzgebühren und Benchmarking im Fokus. In der Schweiz nutzen bereits 59 Prozent der Unternehmern mobile Technologien im Travel Management. Die Schweiz darf man in diesem Segment als Pionierland bezeichnen. Sie liegt an sechster Stelle! Airplus entwickelt zur Zeit eine mobile Bezahllösung, bei der das Smartphone als Kreditkarte dient. Die Einführung der neuen DebitCard zur Umgehung der neuen Kreditkartengebühr durch die Airlines wird von Airplus als erfolgreich bewertet.


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UZ l WEITERBILDUNG

QUALITÄTSMERKMALE

Vom Lernen und Lehren Gerade KMU stellen sich oft die Frage, ob die Weiterbildungskosten für ihre Mitarbeitenden tatsächlich gerechtfertigt sind. Denn wer Zeit und Geld in Kurse und Ausbildungen investiert, möchte, dass sich diese sowohl für die Mitarbeitenden als auch das Unternehmen lohnen. Was zeichnet also eine Erfolg versprechende Weiterbildung aus?

TEXT CHRISTOPH NEGRI UND BARBARA MOSER

Das A und O einer qualitativ guten Weiterbildung ist die sorgfältige Vorbereitung darauf. Jede Weiterbildung kann immer nur in dem Mass erfolgreich sein, wie sie auch auf die Arbeitsanforderungen und Interessen der Zielgruppe zugeschnitten ist. Deshalb empfiehlt sich in jedem Fall eine sorgfältige Bedarfsanalyse. Dabei geht es beispielsweise darum, die kurz- und langfristigen strategischen Ziele des Unternehmens festzuhalten und zu ermitteln, welche Kompetenzen auf Seiten der Mitarbeitenden gefördert werden können, um diese Ziele zu erreichen. Ebenso bedeutend ist, ob die Inhalte einer bestimmten Weiterbildung auf die aktuellen Arbeitsanforderungen des Unternehmens zugeschnitten und kompatibel mit den persönlichen Karrierezielen der Mitarbeitenden sind. Die Antworten auf diese Fragen sind der erste Schritt, um sicherzustellen, dass die definierten Lerninhalte der Weiterbildung den Interessen des Unternehmens und der Mitarbeitenden gerecht werden. Bezug zum persönlichen Arbeitsumfeld Auch die Lernumgebung spielt eine wichtige Rolle. Sie sollte konsequent auf die Zielgruppe ausgerichtet sein. Lernen mit Erwachsenen setzt zudem voraus, dass man sich mit konkreten Aufgaben auseinandersetzt, die den realen Arbeitssituationen der Teilnehmenden möglichst entsprechen. Die Lerninhalte müssen ganz bewusst mit konkreten Berufs- und Lebenserfahrungen der Teilnehmenden verknüpft werden können. In dieser Hinsicht erweist es sich als gewinnbringend, wenn die Teilnehmenden selbständig reale Projekte aus dem eigenen Arbeitsumfeld bearbeiten, die durch Lernimpulse und Erfahrungsberichte von Experten aus ihrem Fachgebiet unterstützt werden. Die Teilnehmenden erhalten so die Möglichkeit, die fachlichen Inhalte zu vertiefen und selbst zu bestimmen, was und wie sie lernen wollen. Dadurch wird das ganzheitliche Lernen und der Praxistransfer gefördert sowie sichergestellt, dass alle Kompetenzbereiche, von der Fach- und Methodenkompetenz bis hin zur Sozial- und Selbstkompetenz, angesprochen und gefördert werden. Lernen ist immer auch ein sozialer Prozess. Damit liegt der Erfolg einer Weiterbildung zu einem grossen Teil auch in der Hand des jeweiligen Dozierenden. Gefragt ist, neben der reinen Fach- und Methodenkompetenz sowie relevanter Berufserfahrung, auch ausreichende Sozialkompetenz. Die Teilnehmenden müssen unterstützt, gefordert und gefördert werden. Ein angenehmes und wertschätzendes Lernklima ist somit mitentscheidend für den Lernerfolg. Praxistransfer bewusst fördern Einen hohen Stellenwert hat auch die Phase nach Abschluss einer Weiterbildung. Die Teilnehmenden sollten möglichst früh auf sogenannte Transferhindernisse am Arbeitsplatz wie Zeitknappheit oder Routinefallen vorbereitet werden.

So können sie sich bereits im Vorfeld Strategien zurechtlegen, wie sie diese Hindernisse überwinden. Dies gelingt etwa durch das Festlegen von konkreten und realistischen Zielen für den Praxistransfer während und am Ende der Weiterbildung. Ob der Praxistransfer tatsächlich gelingt, hängt jedoch nicht nur von den Teilnehmenden und den Dozierenden ab. Verschiedene Studien der Lerntransferforschung weisen auf die Bedeutung des unmittelbaren Arbeitsumfelds hin: Arbeitsgruppen müssen offen sein für neue Inputs und Herangehensweisen, die die Teilnehmenden aus ihrer Weiterbildung mitbringen. Zudem müssen Ressourcen, wie zum Beispiel Zeitfenster für die Anwendung des neu vorhandenen Know-hows, bereitgestellt werden. Die Unterstützung von Vorgesetzten trägt zudem wesentlich zum Erfolg bei. Zeigen Vorgesetze Interesse an einer Weiterbildung oder stellen sie sogar neue Aufgabenfelder für die Mitarbeitenden in Aussicht, so fördert das die Motivation. Auch Gespräche zwischen Mitarbeitenden und Vorgesetzten, in denen verbindliche Umsetzungsziele festgelegt oder Aktionspläne erarbeitet werden, sind viel versprechende Massnahmen und ein zusätzlicher Ansporn. Systematische Evaluation Für die Erfolgsmessung einer Weiterbildung, ist es wichtig, dass die genannten Qualitätsmerkmale über den gesamten Verlauf einer Weiterbildung kontrolliert werden. Dies kann beispielsweise in Form einer sorgfältig geplanten, standardisierten Befragung der Weiterbildungsteilnehmenden und auch der Vorgesetzten sowie Arbeitskollegen erfolgen. Dabei werden die methodisch-didaktische Qualität, die Teilnehmerzufriedenheit, der persönliche Lernerfolg und der Lerntransfer beurteilt sowie nicht zuletzt auch wertvolle Information zum Lernprozess selbst und zu den Rahmenbedingungen gesammelt. Mögliche Fragen in diesem Zusammenhang sind: Wie anregend ist die Lernumgebung für die Teilnehmenden? Erhalten sie im Unternehmen Gelegenheiten zur Umsetzung? Werden sie dabei von den Vorgesetzten unterstützt? Antworten darauf können Hinweise liefern, wo im Lernoder Arbeitsumfeld noch Handlungsbedarf besteht. Besonders anschaulich kann dies anhand einer Befragung von Teilnehmenden des Lehrgangs MAS Ausbildungsmanagement am IAP Institut für Angewandte Psychologie in Zürich gezeigt werden: Angehende Ausbildungsmanager/innen erleben eine hohe Unterstützung innerhalb des eigentlichen Lernumfeldes. Das Lernklima erhält somit eine gute Bewertung. Bei der Umsetzung des Gelernten fühlen sich die Teilnehmenden jedoch wenig unterstützt durch ihr Arbeitsumfeld. (s. Abb) Dies lässt vermuten, dass in einigen Organisationen und Unternehmen Lerntransfermanagement noch nicht durchgängig als Führungsaufgabe aufgefasst wird. Eine Verbesserung der momentanen Situation könnte herbeigeführt

Schon während der Weiterbildung ist es am besten, konkrete Ziele für den Praxistransfer festzulegen. Foto: Bilderbox.de


WEITERBILDUNG l UZ

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UNTERSTÜTZUNG IM ARBEITSUMFELD 5

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3

2.86 2.65 2.00

2

1.71

1 Während der Ausbildung werden mir neue Aufgaben im Unternehmen angeboten.

Das Unternehmen gibt mir Zeit, das Gelernte im Alltag umzusetzen.

Vorgesetzter führt mit Arbeitsauslastung mir Gespräche über während der Lernerfolge. Weiterbildung wurde angepasst.

Grad der Zustimmung (1 = stimmt nicht | 5 = stimmt genau | N = 37)

FIT FÜR DEN PRAXISTRANSFER? Sind Sie als Weiterbildungsteilnehmer fit für den Praxistransfer? – Was verspreche ich mir von der Weiterbildung für meine aktuelle berufliche Tätigkeit? – Welche Kenntnisse, welches Know-How und Wissen möchte ich mir durch die Weiterbildung aneignen? – Inwieweit nützt mir die Weiterbildung bei der Realisierung meiner zukünftigen Karriereziele? – Wo am Arbeitsplatz werde ich das in der Weiterbildung erworbene Wissen und Know-How umsetzen? – Was wird mir die Umsetzung des neuen Wissens /

Know-Hows am Arbeitsplatz erleichtern? – Welche Stolpersteine oder Barrieren werden die Umsetzung am Arbeitsplatz erschweren? Und wie kann man diese überwinden? Sind Sie als Organisation fit für den Praxistransfer? – Welche Kompetenzen müssen unsere Mitarbeitenden mitbringen, um die Unternehmensziele erreichen zu können? – Wie kommunizieren wir den Beteiligten einer Weiterbildung, eines Trainings (Teilnehmer, Trainer, Vorgesetzte, Management) deren Sinn und Zweck?

werden, indem Vorgesetzte stärker für das Thema Lern- und Praxistransfer sensibilisiert werden und eine explizite Lernkultur gefördert würde. Dies kann einerseits durch die Teilnehmenden selbst oder über zielgerichtete Workshops und Informationsveranstaltungen im Unternehmen erfolgen.

– Wie stellen wir ein transferförderliches Lernumfeld sicher, das realitätsnahes Lernen und einen Austausch mit Fachexperten ermöglicht? – Durch welche Massnahmen unterstützen wir eine transferförderliche Zusammenarbeit zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitenden, die sich weiterbilden? – Welche Ressourcen (Budget, Zeitfenster) stellen wir den Mitarbeitenden und Vorgesetzten für den Transfer am Arbeitsplatz zur Verfügung? – Wie überprüfen wir, ob der Praxistransfer im Anschluss an eine Weiterbildung gelingt?

Erst dadurch ist sichergestellt, dass Lernen nicht nur ausserhalb des Unternehmens passiert, sondern das vermittelte Know-how auch integriert werden kann – wovon letztlich die Teilnehmenden, wie auch die Unternehmen profitieren.

DIE AUTOREN Christoph Negri ist Arbeits- und Organisationspsychologe und leitet das Zentrum Human Resources, Development & Assessments am IAP Institut für Angewandte Psychologie der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. In dieser Funktion ist er u. a. Studiengangsleiter des MAS Ausbildungsmanagement. Barbara Moser ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Beraterin am IAP Institut für Angewandte Psychologie der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. www.iap.zhaw.ch


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UZ l RECHT

I N T E R N AT I O N A L E S C H I E D S G E R I C H T S B A R K E I T

Im Falle des Streitfalls In internationalen Geschäftsbeziehungen stellt sich im Streitfall oft das Problem, dass keine der Parteien vor den Gerichten des Herkunftsstaates der anderen Partei prozessieren will. Ein Schiedsverfahren ist dann ein Weg, die internationalen handelsrechtlichen Konflikte beizulegen.

TEXT KARIN BÜRGI

Starkes Misstrauen gegenüber einem möglicherweise unzuverlässigen oder korrupten fremden Justizwesen, lässt streitende Parteien davor scheuen, im Herkunftsland der anderen Partei, die Wogen eines internationalen Konflikts vor Gericht zu glätten. In solchen Fällen vereinbaren die Parteien oft, Streitigkeiten durch ein privates Schiedsgericht entscheiden zu lassen. Da das Schiedsverfahren in der Regel vertraulich ist und der Schiedsspruch nicht publiziert wird, wird ein Schiedsverfahren zudem auch dann gewählt, wenn besondere Geheimhaltungsinteressen bestehen (z.B. Geschäftsgeheimnisse). Als weiterer Vorteil der Schiedsgerichtsbarkeit wird immer wieder die rasche Erledigung der Streitsache angeführt. Schiedsgerichte entscheiden jedoch nicht in jedem Fall schneller als die staatlichen Gerichte in der Schweiz. Steht beispielsweise ein Handelsgericht als einzige Instanz zur Beurteilung von Handelsstreitigkeiten zur Verfügung, kann ebenfalls mit einer relativ raschen Erledigung der Streitsache gerechnet werden. Ein weiteres Kriterium für die Wahl eines Schiedsgerichts kann ferner die Kostenfrage sein. Die Frage, ob ein Schiedsverfahren kostengünstiger als ein solches vor einem staatlichen Gericht ist, hängt letztlich von den Umständen des Einzelfalles (Streitwert, Dauer und Komplexität des Verfahrens) ab. Tendenziell sind Schiedsverfahren teurer als Verfahren vor staatlichen Schweizer Gerichten. Die Kosten hängen auch davon ab, ob die Parteien ein Einer- oder ein Dreierschiedsgericht wählen. Bei einem Einzelschiedsrichter sind die Kosten naturgemäss tiefer. Ein Nachteil der Schiedsgerichte ist, dass sie keine Hoheitsgewalt ausüben können, also z.B. keine vorläufigen Massnahmen durchsetzen können. In solchen Fällen muss um die Mitwirkung eines staatlichen Gerichts ersucht werden. Freie Wahl der Schiedsrichter und Verfahren Die Schiedsrichter werden in der Regel durch die Streitparteien ausgewählt. In der Schweiz als einem der führenden Standorte für internationale Schiedsverfahren stehen den Parteien viele erfahrene Schiedsrichter und Parteivertreter mit Praxis in der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit und oft besonderer Sachkunde zur Verfügung. Von Bedeutung für den Schiedsstandort Schweiz ist auch der Umstand,

dass die staatlichen Gerichte, insbesondere in den grossen Zentren, mit der Schiedsgerichtsbarkeit vertraut sind. In der Schweiz ist das internationale Schiedsverfahrensrecht im Bundesgesetz über das Internationale Privatrecht geregelt. Dieses ist dann anwendbar, wenn das Schiedsgericht seinen Sitz in der Schweiz hat und eine Partei beim Abschluss der Schiedsvereinbarung ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt nicht in der Schweiz hatte. Die Parteien können dabei einen beliebigen Ort als Sitz des Schiedsgerichts vereinbaren. Die Festlegung des Sitzes in der Schiedsvereinbarung ist deshalb wichtig, weil sich die Parteien damit unter das Schiedsverfahrensrecht (das u.a. Fragen der Gültigkeit der Schiedsvereinbarung, des vom Schiedsgericht einzuhaltenden Verfahrens und der Anfechtungsmöglichkeiten gegen den Schiedsspruch regelt) stellen, das am Sitz des Schiedsgerichts Geltung hat. Die Schiedsvereinbarung Damit eine Streitigkeit durch ein Schiedsgericht entschieden werden kann, müssen die Parteien eine wirksame Schiedsvereinbarung getroffen haben. In der Regel ist eine Schiedsvereinbarung als Schiedsklausel für künftige Streitigkeiten im Vertrag zwischen den Streitparteien enthalten, aus dessen Abwicklung die Streitigkeit entstand. Ein Schiedsgericht kann aber auch erst nach Entstehung des Streits vereinbart werden (Schiedsvertrag). Die Voraussetzungen der Gültigkeit einer internationalen Schiedsvereinbarung sind im Schweizer Recht grosszügig geregelt, diese muss lediglich schriftlich erfolgen und durch Text (auch Fax oder E-Mail) nachgewiesen werden können. Die Vertragsparteien haben die Möglichkeit, in der Schiedsabrede das auf ihre – internationalen – Rechtsbeziehungen anwendbare materielle Recht (z.B. Schweizer Recht) frei zu bestimmen. Dies hat zur Folge, dass das Schiedsgericht Streitigkeiten zwischen den Vertragsparteien nach dem von den Parteien gewählten Recht zu beurteilen hat. Wenig Verfahrensregeln Von Gesetzes wegen sind der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit in der Schweiz kaum Verfahrensregeln vorgegeben. Die Parteien können das vom Schiedsgericht zu befolgende Verfahren (inkl. Verfahrenssprache) weitgehend frei regeln. Es wird lediglich verlangt, dass in allen Fällen

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RECHT l UZ

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die Gleichbehandlung der Parteien sowie ihr Anspruch auf rechtliches Gehör in einem kontradiktorischen Verfahren gewährleistet sein muss. Die Parteien können daher unter Beachtung dieser minimalen Vorgaben auch eine eigene, neue Verfahrensordnung entwerfen oder sich mit ein paar wesentlichen Verfahrensregeln begnügen (sog. Ad-hocSchiedsgericht). Haben die Parteien eine Verfahrensfrage nicht geregelt, bestimmt das Schiedsgericht eine Regelung. Die Parteien können in der Schiedsvereinbarung aber auch auf die Schiedsordnung einer Schiedsinstitution (wie z.B. der International Chamber of Commerce, ICC) verweisen. In den Schiedsordnungen der Schiedsinstitutionen finden sich meist einschlägige Musterschiedsklauseln, deren Anwendung sich empfiehlt. Jede Institution hat ihre eigenen Schiedsverfahrensregeln, die sich in vielen Punkten gleichen, teilweise aber auch deutliche Unterschiede aufweisen. In der Schweiz bieten die Handelskammern von Basel, Bern, Genf, Lausanne, Lugano, Neuenburg und Zürich für die internationale Schiedsgerichtsbarkeit mit den «Swiss Rules of International Arbitration» (Swiss Rules) einheitliche Regeln an.

Damit die Wogen durch ein Schiedsgerichtsverfahren geglättet werden können, braucht es eine wirksame Schiedsgerichtsvereinbarung. Fotos: Bilderbox.de

Anfechtung und Vollstreckung Der internationale Schiedsspruch kann in der Schweiz nur aus wenigen, eng definierten Gründen angefochten werden, so wegen vorschriftswidriger Ernennung oder Zusammensetzung des Schiedsgerichts, seiner fehlenden Zuständigkeit, einer Ungleichbehandlung der Parteien sowie einer Verletzung des rechtlichen Gehörs oder gewisser fundamentaler Rechtsgrundsätze (sog. Ordre public). Das Schweizerische Bundesgericht ist die einzige Beschwerdeinstanz. Damit wird sichergestellt, dass das Schiedsverfahren durch die Ergreifung von Rechtsmitteln nicht unnötig verlängert wird, ohne dass auf eine juristische Überprüfung des Entscheides verzichtet werden muss. Wenn keine der Parteien Sitz oder Wohnsitz, eine Niederlassung oder gewöhnlichen Aufenthalt in der Schweiz hat, können die Parteien auch im Voraus auf eine Anfechtung des Schiedsentscheids verzichten. Ein Schiedsgericht kann sein Urteil nicht selbst vollstrecken, sondern ist dafür auf die Mitwirkung der Behörden angewiesen. Sofern die unterlegene Partei dem Urteil nicht freiwillig nachkommt, müssen Schiedssprüche daher, bevor sie vollstreckt werden können, von einem staatlichen Gericht für vollstreckbar erklärt werden. Die Anerkennung und Vollstreckbarerklärung ausländischer Schiedssprüche ist Gegenstand des sog. New Yorker Übereinkommens. Dieses regelt auch die möglichen Gründe für eine Ablehnung der Anerkennung und Vollstreckung eines ausländischen Schiedsspruchs. Mögliche Ablehnungsgründe sind z.B. eine unwirksame Schiedsvereinbarung, fehlendes rechtliches Gehör oder eine fehlerhafte Zusammensetzung des Schiedsgerichts.

DIE AUTORIN

Karin Bürgi Locatelli, Dr. iur., Rechtsanwältin, ist Partnerin in der Anwaltskanzlei Zulauf Bürgi Partner in Zürich. Sie ist spezialisiert auf die Gebiete Wirtschafts-, Marken- und Erbrecht. karin.buergi@zblaw.ch; www.zblaw.ch

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UZ l MOBIL

AUTOMOBILSALON GENF 2012

Schnell, wild und nachhaltig Auf 102 000 Quadratmetern werden im Palexpo rund 700 Marken präsentiert. Mittlerweile gehört der Genfer Automobilsalon zu den wichtigsten Automessen weltweit. Wie keine andere Messe steht der Automobilsalon auch für eine Vielzahl von Studien, Exoten, Supersportlern und Kleinserienmodellen. Zunehmend an Bedeutung

gewinnen auf dem Autosalon Genf auch die alternativen Antriebe. Nahezu alle Hersteller zeigen in Genf ihre neuesten Elektro-, Brennstoffzellen- oder Hybridautos. Im «Pavillon Vert» des Genfer Autosalons stehen zudem diverse Elektro- und Wasserstoffautos für die Besucher zur Probefahrt bereit.

Ford: Mondeo angriffslustig, Kuga grimmig. Ford präsentiert den neuen Mondeo, der 2013 kommen wird, und die zweite Generation des Kompakt-SUV Kuga, dessen Verkaufsstart ebenfalls für nächstes Jahr angesetzt ist.

Audi: (v.l.n.r.) Die Studie Sportback, als Premiere gibt es den Audi A3, Audi RS5 Cabrio den neuen Allroad Quattro und der Audi RS4 Avant.

Opel: Zwei Modelle feiern Weltpremiere: der neue Mokka und der neue Astra OPC. Passend zum MesseMotto «Driving into the future» steigt Opel mit dem Mokka als erster deutscher Hersteller in die schnell wachsende Klasse der subkompakten Sports Utility Vehicles ein. Das kompakte Sportcoupé Astra OPC ist mit 206 kW/280 PS der stärkste je gebaute Astra und bietet den Kunden ein besonders dynamisches Fahrerlebnis sowie jede Menge Leidenschaft.


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Chevrolet: Mit dem Cruze SW bringen die Amerikaner die dritte Karosserievariante des Kompaktmodells an den Start.

Volkswagen: Neuheiten sind der E-Bugster und der Jetta Hybrid. Den Up gibt es demnächst auch als Viertürer. In Genf feiert das neue VW Golf GTI Cabrio seine Premiere.

Mercedes: Die neue A-Klasse wird gezeigt. Mercedes bietet mit dem neuen Mercedes C-Coupé (v.l.n.r.) erstmalig ein echtes Coupé in diesem Segment an und zeigt auch seine aktuelle Studie.

BMW (v.l.n.r.) hat dem X6 ein Facelift spendiert. Neben kleineren optischen Retuschen und einer M Sport Edition kommt auch der neue, 381 PS starke Tri-Turbo-Diesel im BMW X6 M50d zum Einsatz Nach Cabrio und Coupé darf die 6er-Baureihe weiter wachsen. Mit dem BMW 6er Gran Coupé stossen die Bayern erstmals ins Segment der viertürigen Coupés vor, das Wettbewerber schon lange beackern. Im BMW M6 als Coupé und als Cabrio findet der famose 4,4-Liter-V8-Biturbo-Motor neue Aufgaben Fahrdynamik erlebbar zu machen. Fotos: zVg

Zusammengestellt von Urs Huebscher


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Eines der produktivsten und modernsten Automobilwerke der Welt: Opels Produktionsstätte in Rüsselsheim.

AUTOMOBILINDUSTRIE

150 Jahre Opel Das Jahr 2012 ist für den Automobilhersteller aus dem deutschen Rüsselsheim ein Grund zum Feiern. 150 Jahre wird das Unternehmen alt, von dem sich Gründer Adam Opel 1862 sicherlich nicht hätte träumen lassen, dass es sich einmal zu einem der grössten Autohersteller Europas entwickeln würde.

TEXT CHRISTOPH BLEILE

1862 beginnt Adam Opel in der väterlichen Schlosserwerkstatt mit dem Bau von Nähmaschinen. Das Geschäft nimmt einen schnellen Aufstieg. Bald folgen Fahrräder. 1886 verlässt das erste «Velociped» die Fabrik. Die Räder aus Rüsselsheim sind populär: Mitte der 1920er Jahre ist Opel grösster Zweiradproduzent der Welt; längst stellt das Unternehmen auch Motorräder her. Einstieg in den Automobilbau Neben Daimler-Benz steigt Opel 1899 in die Automobilherstellung ein und ist damit der zweitälteste Autohersteller Deutschlands. Der «Patent Motorwagen System Lutzmann» macht den Anfang. Im Herbst 1902 präsentiert Opel mit dem Modell 10/12 PS seine erste Eigenkonstruktion. Die Autos finden reissenden Absatz. Bis 1906 haben bereits über 1000 Fahrzeuge die Werkshallen verlassen. 1914 hat Opel alle Konkurrenten überflügelt und ist der grösste Autoproduzent in Deutschland. Schon früh macht sich die Marke als Hersteller populärer und erschwinglicher Erfolgsmodelle einen Namen: «Doktorwagen» (1909) und «Puppchen» (1914) begründen den bis heute gültigen Opel-Anspruch, technisch hochklassige und zuverlässige, aber auch bezahlbare Automobile für breite Käuferschichten anzubieten. Die 1920er Jahre symbolisieren den bis heute anhaltenden Innovationsgeist der Marke, sie sind das Zeitalter der Laubfrösche und Raketen. Mit dem Kleinwagen 4/12 PS, wegen seiner grasgrünen Farbe im Volksmund bald liebevoll «Laubfrosch» genannt, nimmt Opel 1924 als erster deutscher Hersteller die Fliessbandproduktion auf. Ausserdem macht das Unternehmen mit spektakulären Versuchen zum Raketenantrieb Furore, unter anderem 1928 auf der Berliner Avus: Fritz von Opel erreicht dort mit einem Raketenauto das damals fast unvorstellbare Spitzentempo von 238 km/h.

Sicher durch stürmische Zeiten 1929 brechen für die Autoindustrie harte Zeiten an. Die Weltwirtschaftskrise macht Millionen arbeitslos, die Konjunktur der «roaring twenties» bricht wie ein Kartenhaus zusammen. Opel hat jedoch vorgesorgt und mit dem amerikanischen Konzern General Motors (GM) einen starken Partner gefunden. Der Rüsselsheimer Hersteller kann seine Marktposition festigen und baut 1935 erstmals über 100 000 Fahrzeuge im Jahr, unter anderem den «Blitz» in einem neuen LKW-Werk in Brandenburg. Zeitgleich präsentieren die Rüsselsheimer eine technische Innovation: Der Olympia ist der erste deutsche Serienwagen mit selbsttragender Ganzstahlkarosserie. Ein Jahr später legt das Unternehmen den Grundstein für eine 75-jährige Erfolgsstory in der Kompaktklasse: Vom ersten Kadett spannt sich eine fast lückenlose Ahnenreihe bis zur populären Astra-Familie der Gegenwart. Mit einer Jahresproduktion von über 120 000 Autos ist Opel 1936 der grösste Fahrzeughersteller Europas. Wiederaufbau Nach der kriegsbedingten Unterbrechung der zivilen Produktion, nimmt Opel in den Jahren des Wiederaufbaus rasch wieder Fahrt auf. Modelle wie Olympia, Olympia Rekord, Rekord P1 und Kapitän begleiten die Deutschen durch das Wirtschaftswunder; den Lebensmitteleinkauf hält derweil im Haushalt ein Kühlschrank Marke Opel «Frigidaire» frisch. Zum 100-jährigen Bestehen 1962 eröffnet das Unternehmen in Bochum ein zweites Werk. Dort läuft der neue Kadett vom Band. In den 1960er Jahren entstehen zudem zahlreiche Modelle, die den sportlichen und emotionalen Ruf der Marke festigen, darunter legendäre «Kultautos» wie Manta, Commodore und GT. Auch in der Oberklasse zeigt Opel Flagge: mit der prestigeträchtigen KAD-Reihe (Kapitän, Admiral, Diplomat), die später von Senator und Monza beerbt wird.

Das Opelwerk Rüsselsheim mit dem Adam Opel-Denkmal.

Das erste Auto, das in Rüsselsheim gefertigt wurde, der «Patent Motorwagen System Lutzmann», 1899.

Der legendäre 4/12 PS, im Volksmund auch Laubfrosch, ist 1924 das erste in Deutschland ab Fliessband gebaute Auto.

Mit dem Ampera in die Elektro-Zukunft: Die gleiche Reichweite wie konventionelle Pkws dank Range-Extender.


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Fritz von Opel erreicht mit seinem RAK2 1928 238 km/h.

Auf zu neuen Ufern: Opel Rekord (1957).

Der Erfolg beflügelt 1971 läuft der zehnmillionste Opel vom Band. Im selben Jahr erreicht Georg von Opel in einem Versuchs-GT mit Batterieantrieb einen Geschwindigkeitsrekord von 188 km/h. Das Thema Elektromobilität hat Opel somit schon auf der Agenda, lange bevor es Jahrzehnte später in aller Munde ist. Heute ist das Unternehmen auf diesem Gebiet erneut Vorreiter: Der 111 kW (150 PS) starke Ampera ist dank seiner revolutionären Range-Extender-Technologie das erste serienmässige Elektroauto ohne batteriebedingte Reichweitenbeschränkung. 1972 ist Opel Deutschlands erfolgreichster Autoproduzent. In Rüsselsheim entsteht ein neues Modellprogramm, das die Themen Sicherheit, Verbrauch und Umweltfreundlichkeit verstärkt in den Blick nimmt.

Welt ihren Betrieb auf. Danach geht es Schlag auf Schlag: 1997 stellt Opel im Kleinwagen-Bestseller Corsa als erster europäischer Hersteller einen verbrauchsgünstigen Dreizylindermotor vor. 1999 feiert der Zafira Premiere. Mit dem Siebensitzer begründen die Rüsselsheimer das Boom-Segment der Kompaktvans und setzen neue Standards bei der Innenraum-Variabilität von Familienautos. Im gleichen Jahr feiert Opel ein grandioses Produktionsjubiläum: Das 50-millionste Auto mit dem Blitz-Logo verlässt die Werkshallen.

Investition in Sicherheit 1991 debütiert im Astra das Opel Safety System mit Seitenaufprallschutz, Stützrampen in den Sitzen und Gurtstraffern. Mit dem Frontera beweist die Marke abermals ein sicheres Gespür für Trends. Das geländegängige Freizeitauto ist einer der Vorreiter der SUV-Bewegung und wird aus dem Stand Marktführer. 1992 nimmt mit dem Opel-Werk Eisenach die modernste Automobil-Produktionsstätte der

Fotos: Opel/GM

Erfolg bis heute Opel und seine britische Schwester Vauxhall verkaufen heute Autos in über 40 Ländern. In Produktionsstätten und Entwicklungszentren in sechs europäischen Staaten beschäftigt das Unternehmen rund 40 500 Mitarbeiter. 2010 verkaufte Opel/Vauxhall mehr als 1,1 Millionen PW und leichte Nutzfahrzeuge und erzielte damit einen Marktanteil von 6,2 Prozent. Mit der Einführung des elektrischen Opel Ampera begründet die Traditionsmarke ein neues Segment im europäischen Automobilmarkt und unterstreicht damit ihre Rolle als Trendsetter für fortschrittliche Mobilitätslösungen.

«

Vom Näh-

maschinenhersteller zu einem der grössten Autobauer Europas» Anzeige












 





 











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L O C AT I O N G R O U P

Rekordmieten und Schlüsselgelder In der neuesten Retail-Marktstudie* der Location Group wurden die 65 beachtenswertesten internationalen Metropolen der Modewelt untersucht. Dabei wurden 850 Retailer, 600 Einkaufsstrassen und 450 Shopping Center unter die Lupe genommen.

Teures aber lukratives Pflaster für den Einzelhandel: Die Zürcher Bahnhofstrasse.

TEXT URS HUEBSCHER

International tätige Anbieter, vor 20 Jahren in der Schweiz noch bedeutungslos, sind auf dem Vormarsch. Davon profitieren die Konsumenten. Der Schweizer Detailhandel wird sich weiter öffnen müssen. Hart umkämpft zeigt sich der Einzelhandel heute. Keine 20 Jahre ist es her, da fand man noch eine heile Welt in der Branche vor. Unter den 25 grössten Anbietern sorgte damals nur gerade der holländische Textilhändler C & A, für etwas Wettbewerb. Inzwischen hat sich das Bild verändert. Immer mehr internationale Konzerne wollen sich einen Teil des lukrativen Schweizer Marktes abschneiden. Vom Umsatzvolumen von 97,8 Mrd. Franken entfielen im letzten Jahr rund 14 Prozent auf ausländische Händler. Vor zehn Jahren waren es nur 8,6 Prozent, im Jahr 1990 noch fast gar nichts. Unabhängig von möglichen Neueintritten wird sich der Preiskampf im Handel weiter verstärken. Expansion internationaler Retailer Die Schweiz ist trotz der schwierigen Bedingungen für «Neueinsteiger» ein äusserst interessanter Markt, denn die Umsätze der Einzelhändler sind dank der nahezu ungebrochenen Nachfrage und dem Zuzug von rund 70 000 meist deutschen Arbeitnehmern stabil geblieben und in einigen Segmenten sogar steigend. Auch oder gerade Luxusanbieter haben

in der Schweiz steigende Umsätze verbuchen können, während dies international gesehen im Zuge der Wirtschaftskrise eines der Segmente mit den höchsten Umsatzeinbrüchen ist. Das Interesse der Luxusfirmen zeigt sich am besten im Vergleich der sogenannten Flagship Stores mit Deutschland. Marktführer Louis Vuitton ist siebenmal in der Schweiz und «nur» zehnmal in Deutschland vertreten. Gut halten sich beispielsweise die Luxusläden an der Zürcher Bahnhofstrasse: Die meisten Geschäfte werden nach 2010 das zweitbeste Resultat überhaupt erzielen, wie eine Umfrage bei Uhren-, Lederwaren- und Mode-Läden ergeben hat. Das liege vor allem an den Touristen, namentlich den Chinesen. Die letzte Neuvermietung mit 12 500 Franken pro Quadratmeter Verkaufsfläche im Jahr untermauert, dass das Umsatzpotential an der Bahnhofstrasse von mehr als 100 000 Franken und bis zu 225 000 Franken pro Quadratmeter immer mehr internationale Brands anlockt. Wird eine Ladenfläche frei, gibt es gut und gerne 300 Bewerber dafür. Das Umsatzpotenzial an der Bahnhofstrasse liegt gerade bei Juwelieren oft bei mehr als 100 000 Franken pro Quadratmeter und geht beispielsweise bei Apple bis zu 225 000 Franken pro Quadratmeter im Jahr. Auf der 1,4 Kilometer langen Einkaufsmeile befinden sich 140 Geschäftsflächen mit einem Filialisierungsgrad von 87 Prozent. Das bedeutet, dass nur noch

Foto: Location Group

13 Prozent aller Flächen individuell genutzt werden. Dieser Tatsache hat Zürich auch zu verdanken, dass es auf dem dritten Platz der lukrativsten Einzelhandelsstandorte weltweit liegt, direkt hinter Causeway Bay in Hong Kong (14 312 Franken) und der 5th Avenue in New York (19 882 Franken). Ungebremste internationale Expansionen In London eröffnete das Label Forever 21 im 2011 sein erstes Geschäft an der Oxford Street im ehemaligen HMV Entertainment Store auf 3 250 Quadratmetern. Für das Ladenlokal wurde eine Ablösesumme von rund 13,75 Mio. Pfund (etwa 17 Mio. Euro) bezahlt. Der jährliche Mietzins beträgt 3,25 Mio. Euro mit einer festen Vertragslaufzeit von 15 Jahren. Oder ein anderes Beispiel: Kurz bevor Escada 2008 in New York in Insolvenz ging, zahlte der Vermieter Jeff Sutton Escada bereits die beträchtliche Summe von 10 Mio. US-Dollar für die Aufgabe des Ladenlokals. Ausserdem wurde vereinbart, dass Escada am Tag des Auszugs zusätzliche 15 Mio. USDollar erhalten sollte. Nachfolger an der noblen Adresse 715 Fifth Avenue ist Dolce & Gabbana. Der Mietvertrag wurde auf 15 Jahre und über 300 Millionen US-Dollar abgeschlossen. * Die 500 Seiten umfassende Retail-Studie ist für CHF 750.– erhältlich bei www.location.ch.


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ZÜRCHER UNTERNEHMER

«THIS-PRIIS»

Leben mit Handicap This Widmer wurde mit einer zerebralen Lähmung und einer Sehbehinderung geboren. Nach seinem 40. Geburtstag wollte er nicht länger in einer geschützten Werkstatt arbeiten. Seine beiden Brüder besorgten ihm eine Küchenstelle in einem Zürcher Gymnasium, wo er zwei Tage pro Woche arbeiten konnte.

Der verstorbene Vater hinterliess im Testament Geld, damit der «This-Priis» ins Leben gerufen werden konnte. Seit sieben Jahren werden insgesamt 25’000 Franken an Unternehmen verliehen, welche Menschen mit einem Handikap nachhaltig im eigenen Betrieb integrieren. Weitere Informationen über den Verein finden sich unter www.this-priis.ch Die Preisträger 2012 Die Elektro-Material AG Zürich beliefert konzessionierte Elektriker mit dem Material, das diese auf Baustellen benötigen. Beschäftigt werden 93 Personen, darunter vier mit einem Handikap. Einer von ihnen heisst Ciro, er hatte eine Malerlehre begonnen und spielte Unihockey. Da wurde er von einem Auto angefahren, lag fünf Wochen lang im künstlichen Koma. Mit eisernem Fleiss lernte er wieder essen, reden und gehen. Da seine Handschrift noch immer zittrig ist, schreibt er in der Berufsschule auf einem Laptop. Er hat sich

bereits gut ins Unternehmen integriert und wird seinen Weg machen. Seit 1983 arbeitet der geistig behinderte Andreas in der Spedition und macht einen vollwertigen Job. Die Firmenleitung hat dafür gesorgt, dass er nach dem Tod seiner Mutter in der Wohnung bleiben

konnte und erledigt für ihn auch die Zahlungen. Ilber erlitt wegen der Kriege im Balkan einen psychischen Zusammenbruch und arbeitet heute nach langen Therapien im Wareneingang der EM. Rudolf hat nur eine Lunge und kann daher keine Arbeit auf einer staubigen

Baustelle ausführen. Als ehemaliger Elektriker arbeitet er in der Spedition. Zusammen mit einer halben IV-Rente kommt er gut über die Runden. Die Kägi+Co AG ist ein veredelnder Stahlrohrhändler in Winterthur mit 60 Mitarbeitenden. Drei Personen mit einem Handikap sind im Team integriert. Michael bewegt mit dem Hallenkran Rohre aus dem Lager auf die Sägemaschine und unterstützt den Maschinisten absolut zuverlässig an den beiden Sägen. Da überrascht es nicht, dass ihm die Arbeit jeden Tag Freude macht. Der zweite handika-

Trotz Handikap ein starkes Team – Preisträgerin Elektro-Material AG.

Shopping- und Businesscenter Volketswil INSIDE Volketswil nennt sich das im Herbst 2014 einzuweihende Shopping- und Businesscenter im Einkaufsquartier von Volketswil. Auf drei Etagen und einer Fläche von 5 500 m2 findet die grosse Shoppingerlebniswelt statt.

verglasten, hellen Büroräume werden im Edelrohbau angeboten, sie sind unabhängig vom Einkaufszentrum mit Liften und Treppenhäusern erreichbar.

Aussen beeindruckt die einladende Architektur.

Im INSIDE sind 4 150 m2 Laden- und Gastrofläche, ca. 810 m2 Mallflächen und 640 m2 Terrassenflächen vorgesehen. Dazu kommen Büroflächen von

1 600 m2. Für Mieter und Kunden werden 100 Abund Einstellplätze für PWs zur Verfügung stehen. Im Erdgeschoss ist ein Detail-

Foto: zVg

handelsmix geplant, im ersten OG wird die Mode vorherrschen, darüber breitet sich die Gastronomie aus. Die rundum

Hochwertige Architektur Verantwortlich für das Center zeichnet das Zürcher Architekturbüro Holzer Kobler, es sorgt für angenehm geschwungene Formen, kombiniert mit einem aufwändig durchdachten Farb- und Materi-

WERTVOLLE LINKS – www.svazurich.ch – www.compasso.ch – www.puk-west.uzh.ch /research/ suppemployment.html – www.myhandicap.ch

pierte Mann, Tobias, ist in der Fertigung beschäftigt. Seine Haupttätigkeit ist das Entgraten der Rohre, eine Arbeit, die früher ausser Haus gegeben werden musste. Dann ist noch Stefan an der Arbeit, er sorgt für Ordnung im und um den Betrieb und dreht selbständig seine Runden.

Foto: zVg

alkonzept. Das Gebäude überzeugt im Innern durch seine Helligkeit dank einer Kombination von Tagesund Kunstlicht. Volketswil ist verkehrstechnisch gut eingebunden mit zwei Anschlüssen an die Oberland-Autobahn. Eine Bushaltestelle liegt direkt vor dem neuen Center, dessen Bau im Herbst dieses Jahres in Angriff genommen wird. Bauherrin ist die Imufin AG, Volketswil, vertreten durch die Immobilienentwicklerin Beat Odinga AG aus Uster.


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BETRIEBLICHES GESUNDHEITSMANAGEMENT

Erfolgsfaktor Mitarbeiter Gesunde, leistungsfähige und motivierte Mitarbeitende sind ein Erfolgsfaktor für alle Unternehmen. Aus diesem Grund wird beim Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich ein ganzheitliches Gesundheitsmanagement umgesetzt. Die Erfahrungen sind dabei durchwegs positiv.

TEXT HANSJÖRG HUWILER

Das Amt für Wirtschaft und Arbeit AWA des Kantons Zürich beschäftigt rund 800 Mitarbeitende verteilt über den ganzen Kanton. Zur Förderung der Gesundheit der Mitarbeitenden wurden seit längerer Zeit verschiedenste Einzelmassnahmen aus den Bereichen Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, Gesundheitsförderung sowie Case Management umgesetzt. Zur Erreichung von Synergien, beauftragte die Geschäftsleitung (GL) 2009 die Bereichsleiterin Personal & Dienste Dr. Andrea Engeler damit, ein zielorientiertes, systematisches und ganzheitliches betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) für die rund 800 Mitarbeiter zu erarbeiten. Erstellung BGM-Konzept Dr. Andrea Engeler leitete eine Projektgruppe BGM mit Vertretern der verschiedenen Bereiche, fachlich begleitet von AEH. In der ersten halbjährigen Projektphase wurden in mehreren Workshops folgende Themen bearbeitet und die Ergebnisse in einem Gesundheitsbericht festgehalten: – Situationsanalyse – Erarbeitung BGM-Modell, inkl. Leitsätzen, Managementprozess und Steuerung – Einführung und Umsetzungsplan Massnahmen für vier Jahre – Erarbeitung Kommunikationsmassnahmen Umsetzung Die Einführung eines BGM auf Basis des Modells von AEH und der daraus abgeleiteten Massnahmen wurde von der Geschäftsleitung folgendermassen gut geheissen:

E R F O L G S FA K T O R E N – BGM ist als fester Bestandteil der Unternehmenspolitik und nicht als Projekt angelegt. – Kommittent der Geschäftsleitung. – BGM Begleitgruppe mit Vertretern aller Bereiche sowie einzelner GL-Mitglieder. – Einbindung BGM in die Führungskräfteentwicklung. – Massnahmen zur Verhältnis- und Verhaltensprävention sowie zur individuellen Unterstützung der Mitarbeitenden. – Jährliche Ziele sowie Evaluation der umgesetzten Massnahmen. – Intensive Bearbeitung der Kommunikation. – Gesundheit bleibt in der Eigenverantwortung des Einzelnen als Grundhaltung.

1. Strategie: Basierend auf Leitbild und Personalpolitik wurden BGM-Leitsätze formuliert, wie zum Beispiel zum Aspekt «Wertschätzende und transparenten Führung» als wesentlicher Bestandteil des BGM: «Die Vorgesetzten sorgen für die gesundheitsrelevanten Faktoren wie Wertschätzung, Partizipation und Transparenz in ihrem Verantwortungsbereich. Sie behandeln die Mitarbeitenden in gleichem Masse mit Respekt und Anerkennung. Die Vorgesetzten sorgen für den Schutz der persönlichen Integrität ihrer Mitarbeitenden.» Nach der Wichtigkeit, Dringlichkeit und Umsetzbarkeit legt die GL nun regelmässig strategische Ziele und dazugehörige Themenschwerpunkte fest. 2. Ebene Prozesse und Strukturen: Die Begleitgruppe BGM mit Vertretern der verschiedenen Bereiche im AWA bestimmt im Rahmen der übergeordneten Strategie, und basierend auf einem Regelkreis, Ziele sowie entsprechende Massnahmen. Der Massnahmen-


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DR. ANDREA ENGELER, AWA

«Das BGM als dauerhafte Aufgabe» INTERVIEW BIRTHE GRAUTMANN

Frau Dr. Engeler, was genau veranlasste 2009 die Geschäftsleitung des Amts für Wirtschaft und Arbeit, Sie mit der Erarbeitung eines betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) zu beauftragen? Die Basis für das Gesundheitsmanagement ist mit dem im Leitbild des AWA formulierten Grundsatz zum Stellenwert der Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeitenden gelegt. Die Anfang 2009 verabschiedete Personalpolitik konkretisiert den Willen der Geschäftsleitung im AWA gesunde Arbeitsbedingungen und Arbeitsplätze anzubieten und sich in der Gesundheitsprävention zu engagieren.

Gesunde, leistungsfähige und motivierte Mitarbeitende sind ein Erfolgsfaktor für alle Unternehmen. Foto: Bilderbox.de

plan und die zur Umsetzung benötigten Finanzmittel werden jeweils im Herbst der GL unterbreitet. Zu den Aufgaben gehören weiter auch die Überprüfung der Zielerreichung und das Erstellen eines Gesundheitsberichtes zuhanden der GL. 3. Handlungsfelder: Als erste Schwerpunkte wurden folgende Aspekte gewählt: – Integration BGM in die Führungskräfteentwicklung. – Einführung eines Anwesenheitsmanagements. – Umsetzung von je einer Kampagne zum Thema Ergonomie am Arbeitsplatz (2010 / 2011) und Bewegung und Fitness (2011/ 2012). 4. Ergebnisse: Die einzelnen Aktionen werden evaluiert. So wurde im Herbst 2011 Zufriedenheit und Nutzen der Kampagne Ergonomie mittels internetbasierter Mitarbeiterbefragung überprüft. Die Resultate waren sehr positiv: über 80 Prozent der Mitarbeitenden fühlten sich durch die Kampagne persönlich angesprochen und fanden, das Thema sei umfassend und verständlich behandelt worden. Weiter konnten drei Viertel der Mitarbeitenden persönlich von der Kampagne profitieren. Ab 2012 werden regelmässige übergeordnete Evaluationen mittels Gesundheitsbefragung durchgeführt.

DER AUTOR Hansjörg Huwiler ist Leiter Corporate Health beim AEH Zentrum für Arbeitsmedizin, Ergonomie und Hygiene AG. AEH stellt Menschen in den Mittelpunkt und gestaltet die Arbeit. www.aeh.ch.

Was ist das Ziel des Projekts? Das BGM im AWA betrachten wir nicht als Projekt, sondern als eine dauerhafte Aufgabe und Verpflichtung des Managements zur nachhaltigen Umsetzung unserer Personalpolitik. Unsere Ziele sind, Belastungen am Arbeitsplatz mit geeigneten betrieblichen Massnahmen und Rahmenbedingungen möglichst zu reduzieren und damit einen aktiven Beitrag für gesundheitserhaltende Arbeitsbedingungen und Arbeitsplätze sowie für die betriebliche Gesundheitsprävention zu leisten. Wir wollen einen positiven Effekt auf die Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Zufriedenheit unserer Mitarbeitenden erzielen und eine Reduktion der Abwesenheitstage erreichen. Dabei soll das persönliche Gesundheitsverhalten positiv beeinflusst und die Eigenverantwortung gefördert werden. Wie kam die Kooperation mit der AEH zustande? Wir haben mit der AEH bereits im Rahmen des Case Managements zusammengearbeitet und da lag eine erste Kontaktaufnahme nahe. Ich habe mich aber gleichzeitig eingehend mit dem breiten Beratungsange-

bot auseinandergesetzt und die AEH überzeugte mit ihrer wissenschaftlich und fachlich breiten Abstützung sowie ihrem systematischen Ansatz. Wie wurde der Start des Projekts von den Mitarbeitenden aufgenommen? Die erste Kampagne zur Ergonomie am Arbeitsplatz wurde sehr positiv aufgenommen. Das Thema der Kampagne wurde von 97 Prozent der Teilnehmenden als wichtig beurteilt, für 82 Prozent wurde die Thematik auch umfassend behandelt. Was wurde in den zwei Jahren alles bewegt und wie geht es weiter? Können Sie da konkrete Beispiele nennen? Da gibt es einen Strauss an Massnahmen: Z.B. die Etablierung einer Begleitgruppe BGM mit Vertretern aus allen Bereichen und Einführung eines Steuerungsprozesses oder die Kampagne Ergonomie am Arbeitsplatz mit systematischer Umsetzung und Kontrolle allfälliger Anpassungen sowie Schulung von Ergonomie-Verantwortlichen an den Standorten. Zudem ist ein systematisches Anwesenheitsmanagement mit entsprechender EDV-Lösung eingeführt worden. Dahinter steckt ein umfassender Prozess mit Gesundheitsgesprächen und Betreuungsmassnahmen. Weitere Massnahmen, wie die Kampagne Bewegung & Fitness, sind für 2012 geplant. Wichtig ist auch die Integration des Themenbereichs Gesundheit in die Führungskräfteentwicklung. Wie lassen sich Firmen, Geschäftsleitung und Mitarbeitende motivieren, das BGM zu leben? Wir beschäftigen uns paradoxerweise immer dann mit unserer Gesundheit, wenn wir krank sind oder Beschwerden haben. Wir sind in unseren Erwartungen

ZUR PERSON Dr. Andrea Engeler ist Bereichsleiterin Personal & Dienste und Mitglied der Geschäftsleitung im Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA). Nach dem Studium übernahm sie verschiedene Tätigkeiten im Bereich HR, Projektmanagement und Beratung. 2001 wechselte sie in die öffentliche Verwaltung des Kantons Zürich mit verschiedenen Stationen in der Direktion Justiz und Inneres, Justizvollzug und seit 2007 im AWA.

daher realistisch. Wenn es uns gelingt, mit gesunden Arbeitsbedingungen gute Voraussetzungen für die Gesunderhaltung unserer Mitarbeitenden zu schaffen, bei möglichst vielen eine Sensibilisierung für einen gesunden Umgang mit sich selber zu erreichen und wenn wir es sogar schaffen, die eine oder andere nachhaltige Verhaltensänderung anzuregen, dann dürfen wir zufrieden sein. Soll das BGM auf gesetzlicher Basis eingeführt werden? Die nachhaltige Umsetzung eines betrieblichen Gesundheitsmanagement ist ganz eng mit der jeweiligen Unternehmenskultur verknüpft und muss in die langfristige Unternehmensstrategie eingebunden sein. Ich persönlich sehe daher keinen Nutzen in einer gesetzlichen Verpflichtung zur Einführung eines BGM im Betrieb.


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KANTON ZÜRICH

Wohneigentum teuer wie nie Der Marktbericht 2012 der KM& P Kuoni Mueller & Partner Residentials AG stellt fest, dass sich die Durchschnittswerte für Wohneigentum im ganzen Kanton im abgelaufenen Jahr um zehn Prozent verteuerten. Ein ähnlicher Anstieg für 2012 wird hingegen nicht erwartet. Inzwischen sind einige Bremsfaktoren am Werk, die sich auf die Preisentwicklung auswirken werden. So sind zu nennen: die Eurokrise, die weltweit verschlechterte Konjunkturlage, ein mögliches Nullwachstum der Schweizer Wirtschaft im Neuen Jahr. Der drohende Stellenabbau im Bankensektor wird am linken und rechten Zürichseeufer starke Auswirkungen haben und die Verschärfung der Kreditvergabe für Hypotheken – von der Schweizerischen Nationalbank angestrebt – wird eine weitere Dämpfung bewirken. Auch droht ein erschwerter Bezug von Pensionskassengeldern für den Erwerb von Wohneigentum. Die genannten Elemente sprechen nicht für höhere Preise. Der hiesige Immobilienmarkt profi-

absolute Höchstpreise. Eine interessante Alternative zu herkömmlichen Investments in Bestandesliegenschaften bietet die Projektentwicklung. Eine Vielzahl an Bauvorhaben sind momentan in der Pipeline. Allein im Grossraum Zürich stehen Projekte im Volumen von 11 Mia. Franken vor einer möglichen Realisierung. Europa-Allee – verbindet den Kreis 1 mit den Kreisen 4 und 5. Foto: zVg

tiert von den anhaltend tiefen Zinsen und von einer immer noch weitergehenden Zuwanderung gut bezahlter ausländischer Fachkräfte. Die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Schweiz lässt die Nachfrage nach Schweizer Immobilien hochhalten. Bauland für Eigentumswohnungen ist der klassische Vorläufer für die künftige Immobilienpreisentwicklung, da Investoren einen Zeithorizont von mindestens zwei Jahren veranschlagen, um die heute geplanten Wohnungen dann zu verkaufen. Seit dem Wegfall der Pauschalbesteuerung hat sich der Markt für Luxus-

objekte im Kanton Zürich stark beruhigt. Investmentmarkt Der Investmentmarkt ist nach wie vor in starker Verfassung. Die Nachfrage dauert an und die Käufer sind bereit, immer tiefer sinkende Anfangsrenditen zu akzeptieren. Das Angebot an Anlageliegenschaften stammt aus Portfoliobereinigungen grosser Immobilienbesitzer. Auf der Verkäuferseite finden sich häufig Fondsgesellschaften, Immobilenfirmen, institutionelle wie auch private Investoren wieder. Erstklassige Liegenschaften an besten Lagen erzielen derzeit

Büroflächenmarkt Die Finanz- und Schuldenkrise wird zu einem Nachfragerückgang bei Büroflächen führen. Grosse Schweizer Unternehmen haben Arbeitsplatzreduktionen bekannt gegeben. Im Sinne von Flächen- und Standortoptimierungen werden Arbeitsplätze in die Aussenbezirke verlagert. Das Flächenangebot in den Innenstadtlagen wird ansteigen und die Mietwerte unter Druck setzen. Besonders ältere Liegenschaften werden unter der Situation leiden. Projekte wie die Europa-Allee bieten alles, was junge Menschen von einem modernen Arbeitsplatz erwarten. www.kmp.ch

GEWERBEMUSEUM WINTERTHUR

KUNSTMUSEUM WINTERTHUR

Interessanter Alltag

Populärkultur

Das Jahresprogramm des Gewerbemuseums Winterthur verspricht Interessantes. Es befasst sich naturgemäss mit den unterschiedlichsten Materialien, die unseren Alltag prägen. Noch bis zum 28. Mai 2012 ist «GLASKLAR? Schillernde Vielfalt eines Materials» zu sehen. Glas war lange Zeit der einzige transparente Feststoff, die Ausstellung zeigt den ganzen Facettenreichtum dieses Materials mit seinen kulturgeschichtlichen und technischen Hintergründen. Die Entwicklung der verschiedenen Herstel-

Der letztes Jahr verstorbene englische Künstler Richard Hamilton ist im Kunstmuseum Winterthur mit einer vollständigen Sammlung seiner druckgraphischen Blätter und Multiples vertreten. Schon in den 50er Jahren suchte sich Hamilton Elemente der aufblühenden Populärkultur aus. Die Ausstellung dauert bis zum 28. Mai 2012. MyMarilyn ist natürlich eine Hommage an den amerikanischen Filmstar, der auch 50 Jahre nach seinem Ableben unvergessen ist. Der Künstler liess

lungsmethoden zwischen handwerklicher und industrieller Glasproduktion wird dargestellt wozu Workshops, Lesungen, Konzerte und Referate gehören. Vom 26. Februar bis zum 6. Mai lautet das Thema «Tausend und eine Schale», es geht um Keramik. Hundert der bedeutendsten Keramikkünstler wurden beauftragt, je eine Serie von zehn Keramikschalen zu entwerfen. . Gewerbemuseum Winterthur, Kirchplatz 14, www.gewerbemuseum.ch.

keine technische Möglichkeit ungenutzt. Er begann mit klassischen Drucktechniken und experimentierte mit Sieb- und Lichtdruck. Dank der Schenkung von Dr. Frank und Wiltraud Rentsch besitzt das Kunstmuseum Winterthur als weltweit einzige Institution eine vollständige Sammlung der Druckgraphiken und Multiples des Künstlers. Kunstmuseum Winterthur, Museumstrasse 52, Mittwoch bis Sonntag 10-17 Uhr, dienstags bis 20. Uhr. www.kmw.ch.

VERBAND ZÜRCHER HANDELSFIRMEN 044 211 40 58 w w w. v z h . c h

News Mitgliederbeiträge 2012 Firmen mit bis zu zehn Mitarbeitenden zahlen einen jährlichen Beitrag von 330 Franken. Firmen ab elf bis zu 50 Angestellten entrichten 440 Franken. Firmen, die mehr als 50 Mitarbeitende beschäftigen erhalten eine Belastung über 550 Franken. Bitte unbedingt den Einzahlungsschein verwenden und ausfüllen, welcher der (betragslosen) Rechnung beiliegt. Nur mit der richtigen Rechnungsnummer kann die Zahlung zweifelsfrei zugeordnet werden. Die Rechnung erfolgt als Selbsttaxation, Sie müssen den Betrag nach oben stehenden Richtlinien ausfüllen. Spesenersatz für Handelsreisende Diese entsprechen den Empfehlungen des vergangenen Jahres und betragen: Bei Platzbearbeitung für kleine Auslagen 18 bis 22 Franken pro Reisetag. Bei einer Hauptmahlzeit 40 bis 57 Franken, bei zwei Hauptmahlzeiten 70 bis 88 Franken pro Reisetag. Für eine auswärtige Übernachtung gilt ein Ansatz von 160 bis 190 Franken pro Reisetag inkl. zwei Hauptmahlzeiten. Ausbildung von Lernenden Ein Lehrbetriebsverbund entlastet Unternehmen bei der Ausbildung von Lernenden. Dies bedeutet, dass Lernende in mehreren Einsatzbetrieben, welche jeweils ein Lehrjahr anbieten, ausgebildet werden. Der Lehrbetriebsverbund übernimmt Rekrutierung und Selektion der Lernenden, die Ausbildungsund Personaladministration und schliesst den Lehrvertrag ab. Er koordiniert die schulische Ausbildung und vernetzt Lernende, Lehrpersonen, Eltern und Behörden.


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23. April und 4. September 2012 Zur Aus- und Weiterbildung für alle, die sich beruflich mit dem SchKG befassen und sich in Betreibungs- und Konkursfragen auskennen müssen.

14.04.2012 KMU SWISS Infotable 04-12: «Armee und Wirtschaft – Eine Partnerschaft für die Sicherheit»: Die Höhere Kaderausbildung der Armee (HKA) öffnet für die KMU Swiss ihre Türen und stellt den Gästen die aktuellen Inhalte der militärischen Führungsausbildung vor. Dabei zeigt sie auf, welchen konkreten Mehrwert ausgebildete Miliz-Offiziere an ihren Arbeitsplatz zurückbringen. Der Infotable bei der HKA soll ein offenes Dialogforum zwischen Wirtschaft und Armee sein und Möglichkeiten für Fragen und Diskussionen geben.

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10 FRAGEN AN l UZ

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DANIEL FRUTIG, CEO UND VORSITZENDER DER KONZERNLEITUNG AFG

Qualität darf keine Worthßlse sein 1. Warum sind Sie Unternehmer geworden? SchÜn, dass Sie mich als Unternehmer ansprechen, wenngleich ich vorerst nur gering mit meinem eigenen VermÜgen an der AFG beteiligt bin. Was ich als eine der Voraussetzungen eines echten Unternehmers betrachte. Nun die Antwort ist, weil ich leidenschaftlich gerne Geschäfte entwickle. 2. Wenn nichts unmÜglich wäre, was wäre Ihr Traumjob? Genau das, was ich heute bei der AFG machen darf! Vielleicht mit ein paar Arbeitsstunden weniger, um mehr Zeit mit meiner Frau und meinen TÜchtern zu haben. 3. Was mÜgen Sie nicht an Ihrer Branche? In der Baubranche am ehesten die Tatsache, dass einige Akteure versuchen, althergebrachte Modelle der Arbeitsteilung zu erhalten, auch wenn diese den Kunden schon lange nicht mehr dienlich sind. Oder, wenn gute Handwerksarbeit nicht mehr gewßrdigt wird und Qualität zu einer Worthßlse wird.

ren zum Arbeiten dazu. Ich denke jedoch, dass ich aus den grĂśssten Fehlern meine Lehren gezogen habe. 6. Welche PersĂśnlichkeit hätten Sie schon immer einmal gerne getroffen? Meinen GroĂ&#x;vater mĂźtterlicherseits, der leider vor meiner Geburt gestorben ist. Ich kenne ihn lediglich aus vielen Erzählungen und bin mir sicher, dass ich von ihm durch den persĂśnlichen Kontakt einiges Wertvolles zum Verständnis meines heutigen Lebens erfahren hätte. 7. WorĂźber kĂśnnen Sie sich ärgern? Arbeitskollegen, die nicht die Verantwortung fĂźr ihr ÂŤTunÂť oder ÂŤNicht-TunÂť Ăźbernehmen. Am schlimmsten ist es, wenn diese sich noch als Chef bezeichnen! 8. Wie erholen Sie sich vom Stress? Bei einem feinen Essen mit meiner Familie und viel Schlaf. Oder kĂźrzlich im Theater, wo ich die Welt um mich herum vergessen habe!

DANIEL FRUTIG Unternehmen: AFG Arbonia-Forster-Holding AG

4. An welches Ereignis in Ihrer Karriere erinnern Sie sich am liebsten? An meinen ersten Chef als ich ein junger Ingenieur war: Er wollte, dass ich so rasch wie mĂśglich heirate, damit ich ruhiger und gelassener werde und nicht immer Neues anpacken will! Oder in anderen Worten: Meine ersten Erfahrungen mit Vorgesetzten, die an mich geglaubt, mich gefordert und gefĂśrdert haben. 5. Was war Ihr grĂśsster Fehlentscheid? Ich kann mich an keinen schwerwiegenden Fehlentscheid erinnern. Fehler gehĂś-

9. Was zeichnet die Schweizer Wirtschaft aus? Vielfältigkeit â&#x20AC;&#x201C; Wissen als Wirtschaftbasis â&#x20AC;&#x201C; Qualität â&#x20AC;&#x201C; Verlässlichkeit â&#x20AC;&#x201C; Bescheidenheit â&#x20AC;&#x201C; Ingenieurkunst â&#x20AC;&#x201C; KMU â&#x20AC;&#x201C; ÂŤnoch richtig ausgebildete und stolzeÂť Handwerker â&#x20AC;&#x201C; duale Ausbildung â&#x20AC;&#x201C; Kulturelle und sprachliche Vielfalt â&#x20AC;&#x201C; Perfektion Netzwerke â&#x20AC;&#x201C; Kleinheit â&#x20AC;&#x201C; Gewissenhaftigkeit â&#x20AC;&#x201C; Gesunde Skepsis. 10. Was wĂźnschen Sie sich fĂźr die Schweiz? Mehr Selbstbewusstsein und weniger Neid.

Position: CEO Erster Job: Mit 14 Jahren zuerst Wochenplatz bei einem Schafhirten später Matrose auf einem Rheinschiff, zum GlĂźck nur drei Wochen lang usw. Werdegang: Ingenieur â&#x20AC;&#x201C; Management Consultant â&#x20AC;&#x201C; Manager Real Estate & Services â&#x20AC;&#x201C; Unternehmer/CEO. Schweiz â&#x20AC;&#x201C; Europa â&#x20AC;&#x201C; Global Ausbildung: Dipl. ING (Haustechnik) â&#x20AC;&#x201C; Exec. MBA HSG â&#x20AC;&#x201C; diverse Nachdiplomstudien Liebste Hobbies: Gartenarbeit â&#x20AC;&#x201C; Lesen â&#x20AC;&#x201C; Motorradfahren â&#x20AC;&#x201C; Skifahrer & Schwimmen â&#x20AC;&#x201C; Theater . . . Und immer wieder die Familie Zivilstand: Verheiratet

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l Nr. 3 l 2012

PUBLIREPORTAGE

V I D E O KO N F E R E N Z L Ö S U N G

Professionell im Abonnement Hohe Investitions- und Betriebskosten, ein möglicher Ausbau des Netzwerks und die Einbindung der internen IT halten noch immer viele KMU davon ab, Videokonferenztechnologien für sich zu nutzen.

TEXT GEORGES LEUENBERGER

Mit dem neuen Service «Symetria powered by Videxio» ist es ohne Erweiterung der bestehenden Infrastruktur mit wenigen Mausklicks möglich, standortunabhängig hochprofessionelle Videokonferenzen übers Internet abzuhalten und die Kosten mittels Abo auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. Die Mehrheit der IT-Verantwortlichen in KMU sieht erweiterte Möglichkeiten für die Kommunikation als strategisch wichtig an. Das geht aus einer aktuellen Studie der Unternehmensberatungsfirma Kaiser Associates hervor. Auf der Prioritätenliste stehen einerseits die Integration von Voice-Diensten und anderen Kommunikationssystemen, die Einbindung mobiler Mitarbeiter und eine einfache und reibungslose Zusammenarbeit. Andererseits werden auch Cloud- Computing und Videokonferenzen als zunehmend wichtige Technologien genannt. Und das alles bei möglichst niedrigen Kommunikationskosten. Diesen Einsichten hinterher hinkt jedoch die praktische Umsetzung. Insbesondere wenn es um das Thema Videokonferenzen geht, sind die Gründe vielfältig. Organisationen, die diese Technologie noch nicht oder kaum nutzen, stellen sich oft die Frage: Können Videokonfer enzen Reisen - zumindest teilweise - wirklich ersetzen? Verbes-

sern sie nachhaltig die interne Kommunikation und diejenige mit externen Organisationen? Falls ja, wie hoch sind die Investitions- und laufenden Betriebskosten? Muss das Netzwerk ausgebaut oder gar neue Geräte angeschafft werden? Wir stark wird die interne IT miteingebunden bzw. was, wenn keine interne IT und damit IT-Know-how vorhanden i st? Bereit für die Videokonferenz mit wenigen Mausklick Der norwegische Telepresence Service Provider Videxio hat jetzt einen Cloud-basierten Videokonferenz-Service auf den Markt gebracht, der nicht nur all diese Frage beantwortet und löst, sondern den Einstieg in die Welt der professionellen Videokonferenzen massiv erleichtert. Und das bei minimalstem Kostenaufwand, ohne teure Infrastruktur und ohne grosse IT-Kenntnisse. Einzig was es dazu braucht ist ein Desktop, ein Laptop, ein Handy oder einen Tablet-PC, eine Videocam und einen Internetanschluss mit mindestens 512 kbps (Up&Down). Die VidexioLösung selbst wird im Abonnement angeboten und kann als «Video-as-a-Service» direkt aus der Cloud auf das gewünschte Gerät geholt werden – unabhängig vom Betriebssystem

Die CISCO PrecisionHD-USB-Camera erleichtert Videokonferenzen.

(Windows/Mac oder iPhone/Android). Dazu wird der Service mit wenigen Mausklicks mittels Registration abonniert. Ausser dem Linkeintrag und der Eingabe des Passworts muss der User nichts machen. Die Installation und Konfiguration erfolgt automatisch, inklusive Adressbuchkonfiguration. Unabhängig vom Ort und vom gewählten Gerät ist die Lösung sofort vollständig mit professionellen Raum-Telepresence- und Videokonferenz-Systemen interoperabel und Punkt-zuPunkt- sowie Konferenzschaltungen mit Audio, Video bis Full-HD-Qualität und PC-Präse ntationen sofort durchführbar. Ad-hoc können Anwender auch Kontakt zu professionellen Videokonferenz-Systemen unterschiedlichster Marken/Hersteller wie Cisco, LifeSize, Polycom und Radvision herstellen und virtuelle Meetings durchführen. Cisco TelePresence Anlagen für Sitzungszimmer Generation lassen sich ebenso einfach in den Cloud Service integrieren wie die Software Clients.

In einem weiteren Schritt ist von Videx io zudem geplant, Gateways zu Google Talks, Microsoft Lync und Skype anzubieten, um auch mit diesen Usern in Verbindung zu treten. Die Übertragung der Videokonferenz selbst erfolgt mittels integrierter Verschlüsselungsfunktion nach neustem Sicherheitsstandard. Bezahlt wird nach effektiver Nutzung Der grösste Vorteil der Videxio-Lösung besteht darin, dass sie im Vergleich zu derzeit erhältlichen ManagedServices-Lösungen sehr einfach ist in der Installation, viel skalierbarer und dadurch auch mit den Unternehmensanforderungen wachsen kann. Ein weiterer Pluspunkt ist auch die Kostenstruktur. Im Abonnement er-

Foto: zVg

hältlich bezahlt ein User monatlich nur dann für seine Lizenz, wenn er für mehr als zehn Minuten Videokonferenzen durchgeführt hat. Nach oben ist die Nutzungsdauer offen – zum gleichen Preis. Und das ab 65 Franken im Monat. Wird der Service nicht genutzt, so fallen auch keine Kosten an. Dieses Preismodell macht sich vor allem für Unternehmen bezahlt, die standardmässig ihre Mitarbeiter mit einer Videokonferenzlösung ausrüsten möchten. Werden beispielsweise 50 Lizenzen abonniert und nur 20 davon setzen die Lösung in einem Monat für virtuelle Meetings ein, fallen nur die Kosten für diese 20 Lizenzen an. Detaillierte Preisinformationen sowie eine kostenlose 30-TageTestversion kann bei Symetria angefordert werden.

Symetria AG, Ringstrasse 26, 317 Tagelswangen Telefon: +41 52 354 59 00, www.symetria.ch


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KAPITALMARKT l UZ

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und die Wirtefamilie. Weitere Informationen erhalten Sie unter companymarket.ch, Inserat Nr. 1905.

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KMU für Elektronik (Nr. 1878) Wir sind seit Jahren als KMU in den Bereichen industrielle Steuerungstechnik und Sensorik (Entwicklung und Produktion) tätig. Als Nachfolger wird ein Unternehmen der Branche Elektronik oder Elektrotechnik gesucht, welches an einer Erweiterung/Ergänzung bzw. Diversifizierung seiner Geschäftstätigkeit interessiert ist. Region: Ostschweiz. Mehr Informationen unter companymarket.ch, Inserat Nr. 1878.

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UZ l DAS LETZTE

VON GLÄUBIGERN UND LEICHTGLÄUBIGEN

Whitney Houston & die P/E Ratio Sony Music hat am 12. Februar einen neuen Rekord aufgestellt: Ganze 30 Minuten brauchte das Unternehmen, um nach dem Tod des Superstars den Preis für das Album «Ultimate Collection» zu erhöhen.

Sohn: Papi, kanntest du Whitney Houston? Vater: Klar, ich habe damals mit Mami ihren Film «Bodyguard» gesehen. Sie hat im Kino ziemlich geheult. Ist doch der Megahammer. Eine halbe Stunde haben sie gewartet und dann die Preise erhöht. Findest du das ok? Pecunia non olet. Habt ihr sicher im Latein schon gelernt. Die könnten doch die Musik verschenken. Die Sängerin ist tot und braucht kein Geld mehr. Sie nicht, aber die Verwertungsgesellschaften. Die haben viel investiert und müssen aus dem Verkauf der Musik so viel wie möglich herausholen. Die Musik ist doch längst bezahlt. Das Urheberrecht erlischt erst fünfzig Jahre nach dem Tod des Künstlers. Deswegen kostet das Konsumieren von Kunst. Du zahlst deine Downloads ja auch, du hast ja auch was davon. Ja, da habe ich es besser als du. Wieso?

Ich finde, er könnte mit dem Geld die armen Bergbauern unterstützen, das wäre doch viel ethischer. Du bist ein Träumer. Die wenigen wohlhabenden Bauern können nicht all die anderen unterstützen. Für die Ethik in der Wirtschaft ist der Staat da. Wenn der ethische Staat den Anbau von Tabak und Wein subventioniert und gleichzeitig Geld dafür ausgibt, dass wir Jungen weniger rauchen und saufen, habe ich Ethik noch nicht ganz begriffen. Ethik ohne Pragmatik ist reine Theorie. Wieso braucht es überhaupt Subventionen? Man könnte doch einfach die Preise erhöhen, um mehr zu verdienen. Wenn die Preise zu hoch sind, werden weniger Produkte gekauft. Sicher? Bei den Büchern wollen sie jetzt hohe Preise, um den Absatz zu fördern. Liest du keine Zeitung? Doch, aber mich interessieren im Moment die Aktienkurse mehr als die Sorgen von ein paar Buchläden.

VON RUEDI STRICKER

Du zahlst demnächst der Billag Fernsehgebühren und hast nichts davon. Ja, aber ich könnte etwas davon haben, wenn ich einen Fernseher kaufen würde. Und du willst mir beibringen, ich müsse später etwas leisten, um Geld zu bekommen? Wer nichts produziert, verdient doch mehr! Zum Beispiel?

Du mit deinen Aktien. Mami sagt, du interessierst dich nur für Geld ... ...mit dem wir immerhin deine Handyrechnungen zahlen und vielleicht mal den Lebensabend. Mit Aktien bin ich Miteigentümer eines Unternehmens. Der Lehrer hat gesagt, Aktionäre seien Zocker. Die meisten verlieren sowieso Geld, so wie im Casino. Ich werde morgen deinen Lehrer anrufen. Aktienbesitz ist eine langfristige, ernsthafte Angelegenheit von grösster volkswirtschaftlicher Bedeutung.

Die Banken. Hast nicht du gesagt, deine Hausbank habe eine von 17 Prozent? Ok, aber die Banken sind ein wichtiger Arbeitgeber. Es lohnt sich, in Arbeitsplätze zu investieren. Du wirst auch einmal davon profitieren.

Der Lehrer hat gesagt, die durchschnittliche Haltezeit von börsenkotierten Aktien sei weniger als ein halbes Jahr. Du hast doch letzte Woche deine Pharmaaktien verkauft, weil sie demnächst im Wert sinken. Wieso behältst du sie nicht einfach? Warum sollte ich?

Aber Arbeitsplätze zu vernichten, ist doch viel rentabler. Wer sagt das? Die Zeitung. Die BIZAG hat letzte Woche achthundert Leute auf die Strasse gestellt, worauf der Kurs um drei Prozent gestiegen ist. Der Chef der BIZAG hat Aktien im Wert von vier Millionen. Jetzt kannst ausnahmsweise mal du mir zeigen, wie schnell du im Dreisatzrechnen bist. Das ist ein Spezialfall. Hat euer Lehrer auch schon mal den Begriff «Nachhaltigkeit» gebraucht?

RUEDI STRICKER

Ja, da geht es um Umweltschutz und Ethik. So wie in der Landwirtschaft. So, so. Und was habt ihr da gelernt?

Der Autor ist Inhaber der Beratungsfirma Stricker Consulting in Speicher AR. www.stricker-consultung.ch

Dass man den Bauern Subventionen zahlen muss, damit sie nicht verhungern. Aber nur solange sie das Land bewirtschaften. Simons Vater hat Land eingezont und als Bauland verkauft. Ich glaube, die schwimmen jetzt im Geld. Ein Landwirt ist auch ein Unternehmer mit Risiken. Dafür ist er jetzt offenbar belohnt worden.

Foto: Keystone

Je tiefer der Kurs ist, desto besser ist das Verhältnis zum Gewinn der Firma. Man nennt das P/E-Ratio. Ich sehe, du schläfst nicht immer im Unterricht. Aber eigentlich solltest du gar keine Pharmaaktien kaufen. Wieso? Wenn der Kurs steigt, müssen sie mehr verdienen. Das machen sie mit höheren Preisen. Die können das. Auf der Intensivstation studierst du keine Preislisten mehr. Und? Das erhöht die Gesundheitskosten. Wer hat sich denn so über die letzte Rechnung von der Krankenkasse aufgeregt? Dreh mir nicht das Wort im Mund um. Ich hab noch zu tun, und du gehst jetzt besser ins Bett.


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