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Nr. 11, November 2012 18. Jahrgang, SFr. 6.– www.unternehmerzeitung.ch

Griechische KMU mit Unternehmergeist Griechen kaufen wieder heimische Waren und viele griechische KMU widerstehen mit Innovation der Krise: Vier Beispiele.

Energiewende Weniger Energieverbrauch bedeutet nicht Verlust der Lebensqualität. Swisscleantech sieht die Energiewende als Chance fßr die Wirtschaft.

Seite 22

Seite 32

EUROPA WIRTSCHAFT

Interview mit Roman Boutellier, Vize-Präsident der ETH Zßrich zum Thema KMU-Manager. Seite 20 NEUE MÄRKTE Wer kurzfristigen Erfolg sucht, ist falsch in Brasilien. Seite 26

GELD OTC-X: Ein JahresrĂźckblick der Nebenwerte-Handelsplattform. Seite 42 RECHT Arbeitnehmerdaten sind schĂźtzenswert, der Umgang ist geregelt. Seite 62 10 FRAGEN AN Illustration: UnternehmerZeitung

Spitzenreiter mit Schwächen Angela Nägele, Grßnderin und Geschäftsfßhrerin der ukibu GmbH. Seite 73

Gemäss vielen Weltranglisten ist die Schweiz das innovativste Land der Welt. Doch das ist kein Grund, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Die Schweiz konzentriert sich zu stark

auf technologische Innovation. Der Staat fĂśrdert zudem nur Hochschulen, nicht innovative Unternehmen selbst. Und Jungunternehmer begehen vermeidbare Fehler. Seite 10 Anzeige

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INHALT l UZ

Es braucht die innovativen Unternehmer Die Europäische Union hat den Friedensnobelpreis bekommen. Das Nobelpreiskomitee ehrt damit eine Organisation, die aus einem verfeindeten einen friedlichen Kontinent gemacht hat. Die EU hat Erzfeinde versöhnt und die Demokratie in viele Länder gebracht, die noch vor wenigen Jahrzehnten Diktaturen waren. Zum Beispiel nach Griechenland. Das Land und seine Politiker haben vieles falsch gemacht. Aber auch in Griechenland wird hart gearbeitet. Auch dort übernehmen Patrons Verantwortung für ihre Mitarbeiter. Unsere Korrespondentin hat vier dieser Unternehmen besucht. Ihr Ergebnis: Innovative Unternehmen mit langfristigen Perspektiven können helfen, das Land aus dem Schlamassel zu ziehen. Denn im Grunde gelten die gleichen Regeln überall: Wer es als Unternehmer wagt, neue Ideen in Produkte umzusetzen, hat Zukunft. In dieser Ausgabe erläutern etwa ETH-Vizepräsident Roman Boutellier und PwcExperte Günther Dobrauz, was es dazu braucht. Leicht ist es nicht. Aber ganz so schwarz, wie es Xavier Sala i Martin sieht, der Herausgeber des jährlichen Berichts des Weltwirtschaftsforums zur Wettbewerbsfähigkeit, ist es wohl nicht. Er spricht von der «Nokia-Krankheit», an welcher der alte Kontinent leidet. Die innovativen Unternehmer sind das Rückgrat der Wirtschaft. In gewisser Hinsicht können sie sogar ein Vorbild für die Politik sein: Für Unternehmer ist es normal, dass auf Dauer nicht mehr verbraucht werden kann, als vorher erarbeitet worden ist. Viele EU-Staaten lernen das jetzt auf schmerzhafte Weise. Sie sind schon ein gutes Stück vorangekommen. Wenn sie es geschafft haben werden – und es besteht kein Zweifel, dass sie es schaffen -, dann kann die EU ihre Friedensmission fortsetzen. Der Friedensnobelpreis wird von ehemaligen norwegischen Politikern vergeben, also von Politikern des anderen grossen Aussenseiters in Westeuropa. So wie Norwegen profitiert auch die Schweiz von einem friedlichen Europa. Wir können der EU neidlos gratulieren und hoffen, dass sie ihre gegenwärtige Krise rasch überwindet. Zum Wohl auch der Schweiz und ihrer Wirtschaft.

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5 NEWS 6 Impressum

WIRTSCHAFT 9 10 18 20 22

Persönlich

TITELGESCHICHTE Innovative Schweiz Rudolf Strahm: Zukunft Griechenland Interview mit Roman Boutellier über Manager EUROPA Innovation und Unternehmergeist in Griechenland 26 Brasilien: Ein Dschungel mit Potential

30 Interview mit René Estermann, CEO von myclimate 32 Energiewende als wirtschaftliche Chance 34 News

GELD 38 Vorsorge: Selber bestimmen 40 Pensionskassen-Lösungen für Führungskräfte 42 OTC-X Nebenwerte-Handelsplattform Rückschau

45 Expertentipp

K O M M U N I K AT I O N 48 Interview mit Pierre-Alain Schnegg zum Thema Business-Software 50 Informatiker-Ausbildung: Mehr Mut bitte!

MANAGEMENT 53 Mit Lernenden dem Fachkräfte-Mangel entgehen

54 Volkswirtschaftslehre: Die Konzepte der Gerechtigkeit

MARKETING 57 Marke des Monats: Apple

UNTERNEHMEN 58 Trisa – Erfolgsprodukt Bürsten 60 Solarpionier Wegmüller AG

RECHT 62 Sorgfältiger Umgang mit Arbeitnehmer-Daten

ZÜRCHER UNTERNEHMER 67 Gateway Limmattal 68 T-Link – Maschinen auf Reisen 70 VZH-News 72 B Ü C H E R

Steffen Klatt klatt@unternehmerzeitung.ch

10 FRAGEN AN 73 Angela Nägele, Geschäftsführerin von ukibu.com

DAS LETZTE 78 Von Ruedi Stricker


'ELDMACHTGLàCKLICH .R WENNMANJEMANDENAN SEINER3EITEHAT AUFDENMANSICHJEDERZEITVERLASSENKANN%INEN 0ARTNER DERZUJEDEM,EBENSABSCHNITTDIEPERSÚNLICHE6ORSORGE LÚSUNGBEREITHAT$ER+UNDENBERATER)HRER+ANTONALBANKLËDT3IE GERNEZUEINEM"ERATUNGSGESPRËCHEIN

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NEWS l UZ

IN KÜRZE «Entrepreneur Of The Year ® 2012»: Finalisten stehen fest Die Finalisten des «Entrepreneur Of The Year®»Wettbewerbs 2012 aus den Kategorien Industrie/HighTech/Life-Sciences, Dienstleistung/Handel und Emerging Entrepreneur sind bekannt, 10 von 43 Nominierten kämpfen um den Sieg. Die Gewinner werden am 26. Oktober 2012 gekürt. Der «Entrepreneur Of The Year» ist ein weltweit einzigartiger, renommierter Unternehmerpreis, welcher auf regionaler, nationaler und globaler Ebene in 140 Städten und rund 50 Ländern nach denselben Kriterien durchgeführt wird. Nachhaltige Wirtschaft: Unterstützung für KMU Der Staat Freiburg und Cleantech Freiburg wollen einen Beitrag zum Übergang zu einer ressourcenund umweltschonenderen Gesellschaft leisten. Deshalb haben sie Unterstützungsmassnahmen für Freiburger KMU aufgestellt, die sie ermutigen, in saubere Technologien und in die nachhaltige Entwicklung zu investieren. Mittels vier Instrumenten, Energie-Checkup, Lebenszyklusanalyse, Zertifikat EcoEntreprise und QuickScan, wollen sie dies realisieren. Solarpreis in der Umwelt Arena vergeben Der Schweizer Solarpreis zeichnet besonders energieeffiziente Bauten und Anlagen sowie engagierte Persönlichkeiten und Institutionen im Solarbereich aus. An der Verleihung am 19. Oktober 2012 waren neben Bundespräsidentin Eveline WidmerSchlumpf und Stararchitekt Lord Norman Foster weitere Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft, aber auch Energie- und Baufachleute sowie die Preisträger präsent. Für den Veranstalter Solar Agentur, Zürich, war schnell klar, dass die Verleihung 2012 in der Umwelt Arena Spreitenbach stattfinden sollte.

KOF KONJUNKTURBAROMETER

Binnenwirtschaft stützt Schweizer Wirtschaft SCHWEIZ: REALES BIP MIT PROGNOSE (Annualisierte Veränderung gegenüber Vorquartal, in %) 6 4 2 0 -2 -4 -6 -8 -10

2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013

Prognose 22. Juni 2012

Prognose 5. Okt. 2012

Bei anhaltendem Wachstum der verfügbaren Haushaltseinkommen und nur geringfügig steigender Arbeitslosigkeit nimmt der private Konsum mehr oder weniger stetig zu. Grafikquelle: zVg / Kof / Bilderbox.de

Die konjunkturelle Schwäche, die 2011 eingesetzt hat, erweist sich als hartnäckiger als in der letzten Prognose der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) vom Juni 2012 erwartet. In diesem Jahr wird die Schweizer Wirtschaft somit um 0,9 Prozent wachsen. Die Beschäftigung nimmt kaum zu. Der private Konsum stützt das Wachstum. Die Perspektiven für die internationale Konjunktur bleiben vorerst gedämpft. Das Wachstum in der EU wird durch die restriktiven Fiskalmassnahmen in Ertragsbilanzdefiziten gebremst. Das wiederholte Aufflammen der Bankenund Staatsschuldenkrise im Euroraum hat die Erholung aus der Rezession von 2009 unterbrochen, noch bevor das vorherige Niveau des Bruttoinlandprodukts (BIP) wieder erreicht wurde. Neben der restriktiven Fiskalpolitik beeinträchtigt die anhaltende Unsicherheit hin- sichtlich der Zukunft des Euro die Investitionsbereitschaft

der Unternehmen. Die stark expansive Geldpolitik und die dadurch bewirkten historisch niedrigen Zinssätze in den Ländern mit geringen Risikoprämien (namentlich Deutschland) entfalten deswegen nur beschränkte Wirkung. Mit der Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), Staatsanleihen von Krisenstaaten, die sich der strikten Kontrollen der Rettungsschirme unterwerfen, in unbegrenztem Ausmass zu kaufen und der bedingten Zustimmung des deutschen Verfassungsgerichts zum Rettungsschirm «Europäischer Stabilitätsmechanismus» (ESM) ist die Unsicherheit in jüngster Zeit etwas zurückgegangen. Durch die sich langsam entwickelnde Weltwirtschaft stagnieren die Exportmärkte. Zwar hielten die schweizerischen Exporte bis zuletzt dem hohen Wechselkurs relativ gut stand – allerdings für den Preis deutlich gesunkener Margen. Die Exportwirtschaft dürfte weiterhin unter Druck bleiben und sich erst im Laufe von 2013 erholen: 2013 werden die

Gesamtexporte um 2,7 Prozent steigen, 2014 um 4,9 Prozent. Insgesamt rechnen das KOF für das BIP im kommenden Jahr mit einem Wachstum von 1.3 Prozent.

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Professor geehrt Der Gottlieb Duttweiler Preis 2013 geht an den Wirtschaftsprofessor Ernst Fehr. Der an der Universität Zürich lehrende Vorarlberger wird geehrt für seine bahnbrechende Forschung zur Rolle von Fairness in Märkten, Organisationen und bei individuellen Entscheidungen. Die Verleihung findet am 9. April 2013 statt, die Laudatio hält der Verhaltensökonom Dan Ariely. Ernst Fehr untersucht seit rund zwei Jahrzehnten akribisch und an der vordersten Forschungsfront das Sozialverhalten und die wirtschaftlichen Präferenzen der Menschen. Dabei hat er das alte Erklärungsschema des Menschen als «Homo Oeconomicus» revidiert. Gestützt auf eine Vielzahl von Experimenten, konnte Fehr über die Kulturgrenzen hinweg die «Fairnesspräferenz» der Menschen dokumentieren: Wie oft wir nicht vom Egoismus, sondern vom Wunsch nach Gerechtigkeit getrieben sind.

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UZ l NEWS

VSE ZUR ENERGIESTRATEGIE

Der Strommix 2050 In seiner kürzlich veröffentlichten Studie «Wege in die neue Stromzukunft» schätzt der VSE die gesamten Investitionen für den Umbau auf 118 bis 150 Milliarden Franken. Der VSE erachtet Massnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz, wie den Ausbau des Gebäudeprogramms sowie der erneuerbaren Energien

einhergehend mit strafferen Bewilligungsverfahren, als notwendig zur Umsetzung der neuen Energiepolitik. Sie müssen dabei wirtschaftlichen Grundsätzen folgen. Entscheidende Voraussetzung ist eine breite Akzeptanz. Der VSE unterstützt den vom Bund beschlossenen Umbau des Schweizer Energiesystems. In seiner Studie, die er im Juni 2012 den Medien präsentiert

hat, skizziert er drei konsistente Szenarien, wie der Schweizer Strommix im Jahr 2050 aussehen könnte. Erneuerbare Energien und Energieeffizienz sind in allen drei Szenarien wichtige Pfeiler der künftigen Stromversorgung. Voraussetzung für den geplanten Umbau sind allerdings angemessene politische Rahmenbedingungen, insbeson-

dere die Straffung der Bewilligungsverfahren für neue Anlagen. Begrüsst wird zudem die Verbesserung des KEV-Fördermodells in Richtung mehr Effizienz und Effektivität. Ziel muss sein, pro Förderfranken möglichst viele Kilowattstunden zu erhalten. Die Totalinvestitionen schätzt der VSE auf 118 bis 150 Milliarden Schweizer Franken. Bis 2035 ist dabei der Investitionsbedarf in allen Szenarien ähnlich gross und beträgt ungefähr 70 Milliarden Schweizer Franken, wovon über 50

Prozent für den Netzerhalt, über 20 Prozent für den Zubau an Produktion und der Rest für den Zubau am Netz und den Erhalt der Produktion entfallen. Zwischen 2035 und 2050 bestehen bezüglich Investitionen grosse Unterschiede zwischen den Szenarien wegen des unterschiedlichen Zubaus an erneuerbarer Produktion und den Netzen. Die zusätzlichen Investitionen bewegen sich zwischen 50 Milliarden Franken in Szenario 1 und über 80 Milliarden Franken in Szenario 3. Bilder: zVg / axpo

Erneuerbare Energien und Energieeffizienz sind in allen Szenarien die Pfeiler der künftigen Stromversorgung. Im Bild das Solarkraftwerk Caischavedra (GR) und das Kleinwasserkraftwerk Kollbrunn (ZH).

IMPRESSUM UnternehmerZeitung: 6. Jahrgang (18. Jahrgang KMU-Manager), Die UnternehmerZeitung erscheint im Verlag SWISS BUSINESSPRESS SA, Köschenrütistrasse 109, CH-8052 Zürich; Telefon 044 306 47 00, Fax 044 306 47 11, www.unternehmerzeitung.ch, info@unternehmerzeitung.ch Herausgeber: Remo Kuhn, kuhn@swissnews.ch Verlagsleitung: Urs Huebscher, huebscher@unternehmerzeitung.ch Redaktion: Steffen Klatt, klatt@unternehmerzeitung.ch; Peter Blattner, blattner@unternehmerzeitung.ch; Fabia Bernet, bernet@unternehmerzeitung.ch, Salome Kern, kern@swissnews.ch Layout und Produktion: Manuel Jorquera und Bruno Strupler, print@unternehmerzeitung.ch Mitarbeit an dieser Ausgabe: Alain Bollschweiler, Tjerk Brühwiller, André Caradonna, Werner Catrina, Walter Dettling, Flavio De Nando, Peter Eisenhut, Urs Gassmann, Fredy Gilgen, Stefanie Hynek, Alfred Kuhn, Georg Kreis, Sabrina Plattner, Sonja Spaccarotella, Anke Stefan, Claudia Schoch, Thomas Stenz, Rudolf Strahm, Ruedi Stricker, Simon Tellenbach, Marcel Tschanz, Stefan Vogler, Marc Wegmüller, Nena Weibel Anzeigen: Maureen Malhis, malhis@unternehmerzeitung.ch, ¬Telefon 044 306 47 00 Druckunterlagen: www.swissbusinesspress.ch/kundendaten Abonnements: UnternehmerZeitung, Postfach, 8052 Zürich, abo@unternehmerzeitung.ch, Einzelverkaufspreis: Fr. 6.–, Jahres-Abonnement Fr. 54.– Inland. WEMF-beglaubigte Auflage 2012: 44 818 Exemplare Druck: AZ-Print AG, Aarau Nachdruck: Nur mit schriftlicher Genehmigung der Redaktion und genauer Quellenangabe © UnternehmerZeitung gestattet. Für unverlangt eingesandtes Text- und Bildmaterial wird keine Haftung übernommen Die UZ ist Medienpartner von: SVC SwissVentureClub/SVC Unternehmerpreis, sivg Schweiz. Institut für Verwaltungsräte, SVSM Schweiz. Vereinigung für Standort-Management, SwissCleantech.ch, UnternehmerForum Schweiz, Schweizer KMU-Tag, KMUSwissEvent, OSEC BusinessNetwork, EnAW Energie-Agentur der Wirtschaft, BFE Bundesamt für Energie, ICT Berufsbildung Schweiz, Suisse EMEX, CC Award, Award Corp. Communications, Fachhochschulen Nordwestschweiz FHNW Im Verlag SWISS BUSINESSPRESS SA erscheinen ausserdem: SWISS NEWS, The international Magazine of Switzerland, ATTIKA, das Zürcher Magazin, PAULI-CUISINE, das Gastronomie-Fachmagazin, sowie als Supplement zur UnternehmerZeitung: VR-Praxis und BUSINESSCLASS


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NEWS l UZ FACHKRÄFTEMANGEL

RAUMPLANUNGS-REVISION

Mehr Frauen in der Informatik

Das Referendum steht

Die Schweizer ICT-Branche steht vor einem grossen Fachkräftemangel. Bis ins Jahr 2020 werden in der Schweiz über 70’000 Fachkräfte benötigt. Da sich besonders Frauen selten für diese Berufe entscheiden, will Swisscom Schülerinnen für ICT-Berufe begeistern und startet heute mit der ICT-Woche für Mädchen. Schülerinnen erhalten spannende Einblicke in die ICT-Welt und bauen Roboter, erstellen eine Homepage und können sich mit Fachexperten austauschen. Die ICT-Branche in der Schweiz wächst laufend und braucht deshalb immer mehr ICT-Fachkräfte wie Informatiker, Mediamatiker und Telematiker. Der Rekrutierungsbedarf

75 000 Unterschriften hat der Schweizerische Gewerbeverband sgv, der grösste Wirtschaftsdachverband der Schweiz, gegen die missratene Revision des Raumplanungsgesetzes (RPG) gesammelt. Damit hat der sgv bewiesen, dass er einen Volksentscheid erzwingen kann, wenn eines seiner Kerngeschäfte tangiert ist. Der sgv hatte das Referendum Ende Juni ergriffen – pünktlich zu Beginn der Sommerpause. Mit der tatkräftigen Unterstützung seiner Mitgliedverbände und Teilen des bürgerlichen Lagers, aber ohne jene von weiteren Dachverbänden der Wirtschaft

Informatik, Mediamatik und Telematik. Nur gerade 16 Prozent sind Mädchen. «Wir brauchen mehr Frauen in der Informatik», sagt Nadine Gilg, Leiterin Berufsbildung bei Swisscom. Deshalb veranstaltete Swisscom im Oktober in Bild: Bilderbox.de Bern und Zürich in den kommenden Jahren eine ICT-Woche. Zehn wird gemäss ICT-BerufsMädchen im Alter von 13 bildung Schweiz bis 2020 und 14 Jahren erhielten auf über 70 000 geschätzt. während einer Woche Dabei wird ein Mangel von spannende Einblicke in 25 000 Fachkräften erwardiese Berufe. Sie bauten tet. Swisscom bildet Roboter, erstellten eine schweizweit am meisten Homepage, lernten Bilder Jugendliche zu den beam PC zu bearbeiten und gehrten ICT-Fachkräften konnten sich mit Fachexaus, aktuell sind es 387 perten von Swisscom ausLernende in den Berufen tauschen.

hat der sgv seither 75 000 Unterschriften gesammelt. «Die Unterschriftensammlung hat bewiesen, dass die Zukunft der Raumplanung die Bevölkerung sehr stark bewegt», sagt sgvDirektor Hans-Ulrich Bigler. «Vor allem die geplante Verschiebung von raumplanerischen Kompetenzen von den Gemeinden und Kantonen hin zum Bund stösst auf breite Ablehnung.» Dank dem grossen Engagement der KMUWirtschaft und ihrer Vertreter kann das Volk nun über die missratene Revision des RPG und ihre inakzeptable Konsequenzen abstimmen.

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UZ l WIRTSCHAFT

Köpfe und Karrieren Kommunikationsleiterin Rita Baldegger übernahm die Leitung der Abteilung Kommunikation bei der Schweizer Aussenwirtschaftsförderin Osec. Sie war zuletzt Leiterin Kommunikation und Mitglied der Geschäftsleitung der Division Infrastruktur der SBB, davor während acht Jahren Leiterin Kommunikation im Staatssekretariat für Wirtschaft SECO. Die gebürtige Ostschweizerin studierte Sinologie, Geschichte und Völkerrecht und schloss mit dem Lizentiat ab.

Mitteilungen für diese Rubrik: Text und Foto (300 dpi; > 1MB): blattner@unternehmerzeitung.ch

CRM-Managerin Sascha Sieber zeichnet neu für das Relationship Management von Western Union Business Solutions verantwortlich. Die Finanzexpertin bringt einen breiten Erfahrungsschatz im Bereich Verkauf, Beratung und Kundenbetreuung mit. So u.a. als Account Manager für Grossbanken bei der Thomson Reuters AG, wo sie für die Beratung und den Verkauf strategischer Produkte sowie die Überwachung weltweiter Projekte und deren Implementierung zuständig war. Zuvor war sie bei der SWB Ensklida Bank Frankfurt, der Bank am Bellevue und der Banca Unione di Credito sowie an der Schweizer Börse tätig.

General Manager Die Avaloq Gruppe, Referenz für integrierte und umfassende Bankensoftwarelösungen, ernennt Ulrich Voss zum General Manager Central & Eastern Europe (CEE). Er ist ein international erfahrener Manager aus dem Finanztechnologiebereich. Voss verfügt über einen Master of Public Administration der Harvard University, John F. Kennedy School of Government, sowie ein Diplom als Wirtschaftsingenieur der Technischen Hochschule Darmstadt. Seine profunden Erfahrungen in der Implementierung von IT Kernbankensystemen werden die Wachstumspläne von Avaloq vorantreiben.

Erweiterung der Geschäftsleitung Markus Schweizer ist Managing Partner Advisory Services für Deutschland, die Schweiz und Österreich bei Ernst & Young. Er stiess 2002 als Partner zum weltweit führenden Unternehmen in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Transaktionen und Beratung. Seit 2008 war er in der Länderorganisation Mitglied des Führungsteams. Zuvor baute er in der Schweiz den Bereich Accounts, Industries & Business Development auf. Er hat sich in den Bereichen Corporate Governance, Risk Management und Audit funktionale Expertise erarbeitet.

Head of Systems Integration and HTTS Der IT-Dienstleister Atos konnte Massimo Sonego für den Geschäftsbereich Systems Integration and HTTS (Hi-Tech Transactional Services) gewinnen. Er nimmt auch Einsitz in die Geschäftsleitung. Sonego stösst von Cognizant zu Atos, wo er während der letzten sechs Jahre für den erfolgreichen Aufbau des Banken- und Versicherungsbereichs in Deutschland, Österreich und der Schweiz verantwortlich war. Mit weltweit rund 74 000 Mitarbeitern in 48 Ländern zählt Atos zu den führenden europäischen Anbietern integrierter ITServices.

Managing Partner Schilling partners ag beruft mit Henrik Mook einen Managing Partner, der das renommierte Executive Search-Unternehmen zukünftig führen sowie die Leitung der Practice Groups Consumer/Retail und Industry übernehmen wird. Er blickt auf eine langjährige nationale und internationale Führungserfahrung im Executive Search zurück und verfügt über ausgewiesene Expertise in der Entwicklung von Märkten und Organisationen. Zuvor war er über sieben Jahre im Executive Search tätig. Gestartet ist Henrik Mook als Leiter Human Resources eines Konzerns mit 8 000 Mitarbeitenden.

Verstärkung der Geschäftsleitung Marcel Stalder verstärkt als Leiter der Bereiche Versicherungen sowie Financial Services Advisory Schweiz die Geschäftsleitung von Ernst & Young. Innerhalb der Marktregion Europa, Mittlerer Osten, Indien und Afrika ist er Mitglied des Führungsteams in den Sektoren Versicherungen und Financial Services Risk. Er ist seit 1996 für Ernst & Young tätig und hat umfangreiche Erfahrungen im Finanzsektor der Schweiz und der USA gesammelt. Er war Projektleiter von nationalen und internationalen, börsenkotierten Unternehmen und ist seit 2005 Partner von Ernst & Young Schweiz

Chief Financial Officer Der IT-Dienstleister Atos hat die Stelle des CFO mit Xavier Suchel neu besetzt. Er kommt vom Pariser Hauptquartier, wo er seit 2008 in verschiedenen Positionen im Bereich Controlling und Finanzwesen zuständig war. Er war als Senior Global Business Unit Controller tätig und in dieser Funktion auch mit der Zusammenführung der Teams von Atos und Siemens IT Solutions and Services beschäftigt. Zuvor war er Bilanzprüfer bei Grossfirmen der Telekom- und Medienbranche bei Ernst & Young in Paris. In der Schweiz entwickeln rund 600 Mitarbeitende innovative Dienstleistungen aus einer Hand.


WIRTSCHAFT l UZ PERSÖNLICH

Worte und Taten VON GEORG KREIS

GEORG KREIS

Der Autor ist Historiker an der Universität Basel und Leiter des Europainstituts. georg.kreis@unibas.ch

Nicht zu Unrecht ist mehrfach bemerkt worden, dass «unsere» Intellektuellen (Man denkt vor allem an die Schriftsteller der schönen Literatur) sich aus der EU-Debatte wie aus der CH-Debatte abgemeldet hätten. Umso bemerkenswerter ist die Wortmeldung des an der Universität Zürich lehrenden Professors für politische Philosophie, Francis Cheneval, kürzlich in der NZZ vom 25. September 2012. Sie enthält vieles, was derart treffend ist, dass es hier rekapituliert sei und die lieben Eidgenossen es sich in ihr Stammbuch eintragen sollten: Die EU ist kein sozialistisches Projekt, sondern ein liberales Konstrukt, ihre Bürokratie ist

verhältnismässig und eine Signatur der modernen Welt; sie garantiere den freien Markt und fairen Wettbewerb. Schlussfolgerung oder Ausgangspunkt der intellektuellen Intervention: Auch die schweizerischen Liberalen sollten, wenn sie sich als gestaltende Kraft der Zukunft verstehen, das europäische Integrationsprojekt unterstützen. In der gleichen mehr oder weniger liberalen Gazette konnte ein anderer Gastautor, Franz von Däniken, ehemaliger Staatssekretär im EDA und ebenfalls ein Intellektueller, dazu aufrufen, in den Eidg. Räten neu Europakommissionen einzurichten, damit sie die nötigen Gegenge-

wichte zur Regierung bilden und ihr eignes Defizit an «soliden Kenntnissen» und an «Überblick» beheben und – ganz wichtig – sich rechtszeitig auf Entwicklungen einstellen können. Dreiviertel der schweizerischen Aussenpolitik sei Europapolitik, und es sei falsch mit Hinweis auf die zu pflegenden Globalbezüge die Beziehungen zu Europa zu vernachlässigen. Denn: Die regionalen Staatengruppen seien wichtige Akteure, die EU sei eine solche, und die schweizerische Nichtmitgliedschaft erweise sich als Handicap, das die Schweiz global beeinträchtige (NZZ vom 27. Juni 2012). Die Hinweise sind also da – man müsste sie jetzt «nur noch» ernst nehmen. Weitere Stimmen könnten aufgeführt werden. Der zur Verfügung stehende Platz ist aber bereits weitgehend

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aufgebraucht. Es reicht gerade noch für einen Hinweis sozusagen in eigener Sache: Zusammen mit Dieter Freiburghaus, auch einem Intellektuellen, habe ich im Hinblick auf unser 20-Jahr-Gedenken zum «6. Dezember» für den NZZLibero-Verlag ein Büchlein mit dem Titel «EWR – verpasste Chance oder noch immer bestehende Chance?» vorbereitet, das in diesen Tagen erscheinen wird. Darin wird der bisherige Bilateralismus einer kritischen Sichtung unterzogen und, mit Autoren aus den entsprechenden Ländern Norwegen, Island, Liechtenstein, gefragt, wie diese mit dem EWR bisher ausgekommen sind. Persönliches Fazit: Der EWR ist das Minimum, was die Schweiz an europäischer Integration zustande bringen sollte, auch wenn es nicht das Optimum ist.

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l Nr. 11 l 2012

UZ l TITELGESCHICHTE

I N N O VAT I O N S P O T E N T I A L N O C H N I C H T A U S G E S C H Ö P F T

Innovative Schweiz Gemäss vielen Weltranglisten ist die Schweiz das innovativste Land der Welt. Doch das ist kein Grund, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Die Schweiz konzentriert sich zu stark auf technologische Innovation. Der Staat fördert zudem nur Hochschulen, nicht innovative Unternehmen selbst. Und Jungunternehmer begehen zudem vermeidbare Fehler.

TEXT NENA WEIBEL

Das Zeugnis ist astrein. Die European Innovation Scorecard und der Global Innovation Index sind nur zwei von vielen Statistiken, die der Schweiz gute Noten in Sachen Innovation ausstellen. Insbesondere dank des Bildungssystems und der guten Infrastruktur bleibt die Schweiz weiterhin Spitzenreiter. Hinzu kommen Messgrössen wie die meisten Anmeldungen von Patenten pro Kopf, qualitativ hochstehende Forschungsinstitute, gute Vernetzung ins Ausland und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen staatlicher und wirtschaftlicher Innovationstätigkeit – all diese Faktoren sprechen für ideale Rahmenbedingungen. Patente konzentrieren sich auf wenige Branchen Dennoch ist nicht alles Gold. So könnte die hohe Zahl von Patenten in die Irre führen. «Leider wird Innovation zu oft an der Anzahl der eingereichten Patente eines Landes gemessen», sagt Jean-Pierre Vuilleumier von der W.A. De Vigier Stiftung, welche junge Leute mit innovativen Geschäftsideen bei der Unternehmensgründung finanziell unterstützt. China habe wohl schon heute absolut mehr Patentanmeldungen als die Schweiz. Zudem fallen knapp 20 Prozent der Patentanmeldungen aus der Schweiz auf die Pharmaindustrie, ein weiterer grosser Teil auf die Maschinenindustrie und die Elektrotechnik. Dass vor allem technologische Innovation im Vordergrund zu stehen scheint, bestätigt auch das im Oktober erschienene Ranking der innovativsten Schweizer Unternehmen 2012, erstellt von der Universität St.Gallen in Zusammenarbeit mit der htp St.Gallen. «Besonders stark sind einerseits die Pharma- und Life Science Unternehmen, andererseits aber auch viele exportorientierte High Tech KMUs im Maschinenbau», sagt Oliver Gassmann vom Institut für Technologiemanagement der Universität St Gallen. Nicht jedes Patent wird benutzt Hinzu kommt, dass die fakultative Recherche, die das Eidgenössische Amt für Geistiges Eigentum (IPI) zur Nationalen Patentanmeldung anbietet, aufgrund seiner Schnelligkeit und Qualität sehr beliebt sei. Denn das Schweizer Patentamt führe jährlich 250 bis 300 solcher Recherchen durch, so Alban Fischer vom IPI. «Wir bieten auch kostendeckende kommerzielle Recherche an, die kostet dann aber auch dementsprechend viel.» Das Schweizer Patent würden oft auch Erfinder beantragen, die am Anfang noch nicht wissen, ob ihre Erfindung sinnvoll ist und vermarktet werden kann, so Fischer. «Viele melden zunächst ein nationales Schweizer Patent an und haben dann ein Jahr Zeit, um es in weiteren Ländern oder europäisch anzumelden.» Es gibt auch ausländische Unternehmen, die von dieser Möglichkeit profitieren. Oder wie Jochen Ganz von der Gruppe für mehr Wettbewerb in Forschung und Innovation (GWFI) es formuliert: «Wer eine gute Idee hat und eine möglichst

günstige Recherche möchte, meldet in der Schweiz ein Patent an. Das heisst gar nicht, dass eine Erfindung gemacht wurde, sondern einfach, dass das momentan der billigste Weg ist, um zu einer Recherche zu kommen.» Staat fördert nur indirekt Einen weiteren Knackpunkt sehen viele in der nicht vorhandenen Direktförderung in der Schweiz. Die Kommission für Technik und Innovation (KTI) vergibt jährlich 100 Millionen Franken Forschungsgelder an Hochschulen und deren Industriepartner, die ein Gesuch beim KTI einreichen. Die KTI zahlt hierbei lediglich den Hochschulanteil, sie vergibt also keine Fördergelder an gewinnorientierte F&E-Anbieter. Vuilleumier von der W.A. De Vigier Stiftung bedauert, dass die Schweiz nicht von den ausländischen staatlichen Förderkonzepten lernen wolle. «Alle vergleichbaren europäischen Länder finanzieren innovativen Unternehmen auch direkt.» «Nur schon um gleich lange Spiesse im Kampf um die zukünftigen Märkte zu haben, sollte auch die Schweiz dies tun. Dabei kann sie von den vielen Fehlern, aber auch gut funktionierenden Initiativen vom Ausland lernen», so Vuilleumier. Jochen Ganz von der GWFI kritisiert den Umstand, dass auf diese Weise die Hochschulen, die bereits subventioniert sind, Fördergelder erhalten. «Damit schafft er eine Wettbewerbsverzerrung gegenüber privaten Anbietern von Innovationsdienstleistungen», sagt Ganz. Engpass beim Transfer Walter Steinlin, Präsident der KTI, verteidigt das Schweizer System. Es sei Sache der Wirtschaft zu entscheiden, welche Unternehmen innovativ seien. «Wir finden es erstens unfair und zweitens langfristig ungesund, wenn der Staat entscheidet, welche Unternehmen förderungswürdig sind und welche nicht. Und wir wollen eigentlich nur denen Geld geben, die sich selbst engagieren und bei deren Projekten staatlich gefördertes Wissen gebraucht wird», sagt Steinlin. Es werde sehr viel innoviert, ohne dass der Staat etwas zahle. Der Staat helfe da aus, wo es Engpässe gebe, so Steinlin weiter. Ein solcher Engpass sei der Wissenstransfer. «Ich bin der Meinung, dass das Wissen an den Hochschulen, das man ja mit Staatsgeldern aufgebaut hat, noch nicht genügend in die Wirtschaft fliesst.» Unternehmen sollen Hochschulen zahlen Jochen Ganz teilt die positive Sicht auf die Schweizer Hochschulen nur bedingt. Gemäss dem Global Innovation Index besetzt die Schweiz zwar den zweiten Rang in der Subkategorie «Qualität der wissenschaftlichen Forschungsanstalten». «Dieses positive Image der Hochschulen wird unkritisch und oft zu Unrecht auf ihre Forschungstätigkeit übertragen, ohne dass eine Qualitätssicherung stattfindet», findet Ganz. Sein Vorschlag wäre, innovative Unternehmen steuertechnisch möglichst wenig zu belasten. Dafür sollten die Industriepartner in KTI-Projekten einen substanziellen


TITELGESCHICHTE l UZ

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Dieses positive Image der Hochschulen wird unkritisch und oft

zu Unrecht auf ihre Forschungstätigkeit übertragen, ohne dass eine Qualitätssicherung stattfindet »

20 Prozent der Patentanmeldungen aus der Schweiz fallen auf die Pharmaindustrie, ein weiterer grosser Teil auf die Maschinenindustrie und die Elektrotechnik.

Foto: zVg /Bilderbox.de

Beitrag an die Aufwendungen der Hochschulen zahlen. «Denn wenn ein Industriepartner ein reelles Interesse an einem Projekt hat, ist er auch gewillt dazu. Insbesondere etablierte Unternehmen sind in der Lage, diese Investition zu tätigen», sagt Ganz. Mangel an Führungsqualität Doch auch die Innovatoren selbst begehen Fehler. Innovation ist ein Prozess, bei dem keine Stufe ausgelassen werden sollte. «Viele machen den ersten grossen Fehler, indem sie zu früh zu einem Financier gehen, zu einer Bank am einfachsten, ohne vorher erste Kundenbedürfnisse und -interessen recherchiert zu haben und ein fähiges ManagementTeam aufzeigen zu können», erklärt Thomas von Waldkirch, Stiftungspräsident des Technoparks Zürich. Der Technopark beherbergt bereits 250 Unternehmen. Oft mangelt es auch an Führungskompetenz. Diese Erfahrung macht Emerald Technology Ventures in Zürich. Der auf Cleantech spezialisierte Fonds erhält jährlich bis zu tausend Businesspläne, die Hälfte aus Nordamerika und etwa zehn Prozent aus der Schweiz. Bei den Schweizern habe es oft sehr interessante Ideen, es mangele aber häufig an Managementerfahrung, um das Produkt erfolgreich auf den Markt bringen zu können, sagt Hans Dellenbach, Finanzchef von Emerald Technology Ventures. «Von 50 Investitionen in den letzten zwölf Jahren ist kein Schweizer Unternehmen dabei, weil das Gesamtpaket für eine Investition leider nie komplett war. Und das brauchen wir in unserer Branche, auch wenn wir noch so gerne mehr Schweizer Unternehmen unterstützen, gar bevorzugen würden», so Dellenbach. Schweizer gäben zudem ungern die Kontrolle über ihr «Baby» ab.

Mehr auf nicht-technologische Innovationen setzen Cédric Höllmüller prophezeit der Schweiz insbesondere in den High-Tech-Bereichen wie Life Sciences, Nanotechnologien, ICT, Umwelt und Energie weiterhin eine der vorderen Positionen. Auch die «weichen Wissenschaften» wie die Geistes- und Sozialwissenschaften sowie Innovation in den Dienstleistungen, neue Business- und Gesellschaftsmodellen sollten verstärkt verfolgt werden, sagt der VizeDirektor von Euresearch, dem Schweizer Portal zur EU-Forschungsförderung. «Ich sehe hier Entwicklungen in anderen Europäischen Ländern, an denen die Schweiz zu wenig teilnimmt und die zukünftige Innovationen und Geschäfte beeinflussen könnten», sagt Höllmüller. Stetes Rennen um die Spitze Verlässt man sich auf den Global Innovation Index, hat die Schweiz bisher vieles richtig gemacht. Innovation bedeutet aber stetige Veränderung. Denn der Wettbewerb ist global. Höllmüller konstatiert, dass die Schweiz sich in diesem globalen Wettbewerb gegenüber aufstrebenden Ländern und Regionen nicht mit dem Faktor Preis messen könne. «Wir müssen bessere und andere Produkte und Dienstleistungen erbringen, für die wir unsere Kosten verrechnen können. Da gute Produkte immer einmal kopiert werden, geht es nicht anders, als immer am Puls des Neuen mitzuwirken, als immer einen Schritt voraus zu sein.» Um also weiterhin an der Spitze zu bleiben, brauche es Innovation. Sie sei der einzige Rohstoff der Schweiz, so Thomas von Waldkirch vom Technopark. «Das Innovationspotential der Schweiz ist sehr gut, und wenn wir dies ausschöpfen können, um diese Sonderstellung im europäischen Rahmen auch zu halten, bin ich überzeugt davon, dass die Schweiz weiterhin in der oberen Liga spielt.»


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Unternehmen, auch Banken, müssen eine Kultur schaffen, in

der die Mitarbeiter selbst Ideen entwickeln »

I N N O VAT I O N

Europa leidet an der Nokia-Krankheit Hohe Ausgaben für Forschung und Entwicklung machen Europa nicht wettbewerbsfähiger. Europa ist nicht innovativ. Schlimmer noch, der alte Kontinent verschwendet sein Talent, sagt der in New York lehrende spanische Ökonom Xavier Sala i Martin, Autor des Global Competitiveness Reports. Europa stecke viel Geld in Forschung und Entwicklung. Innovationen entstehen aber anderswo.

INTERVIEW STEFFEN KLATT

Ist Europa immer noch fähig zur Innovation? Xavier Sala i Martin: Nein. Die Wissenschaften und die Universitäten in Europa werden vom Staat gesteuert. Der Staat finanziert die Forschung. Wenn aber der Staat kontrolliert, was gute und was schlechte Ideen sind, dann sterben die Ideen. Die Freiheit der Ideen, die die Forschung braucht, ist in Europa nicht mehr vorhanden. Die industrielle Revolution und die Aufklärung in Europa sind in Cafés entstanden. Ideen haben mit dem Austausch von Menschen zu tun. Die Leute reden miteinander und tauschen ihre Ideen aus. Stirbt die Innovationsfähigkeit Europas ab? Ja. Wer schöpferisch sein will, muss auch falsche Ideen haben und falsche Entscheidungen treffen können. Innovation

ZUR PERSON: Xavier Sala i Martín, Jahrgang 1962, ist Wirtschafsprofessor an der Columbia University in New York. Er war Berater des IWF und der Weltbank und ist Wirtschaftsberater des Center for Global Competitiveness beim WEF sowie Autor des Global Competitiveness Reports. Der Spanier erhielt 2004 den König Juan Carlos I-Preis, der alle zwei Jahre an den besten Ökonomen Spaniens und Lateinamerikas vergeben wird.

indem Sie es noch mal ein wenig billiger anbieten. Sondern Sie müssen etwas Neues machen. Deshalb ist Innovation so wichtig. Der Westen braucht Innovation, um zu überleben, nicht um zu wachsen. Stellen Sie sich vor, Sie haben ein erfolgreiches Restaurant. Nun öffnet jemand genau gegenüber ein genau gleiches Restaurant an und verlangt nur den halben Preis. Dann hat es keinen Sinn mehr, wenn Sie den Preis ihrerseits senken. Sondern Sie müssen etwas Neues machen, beim Menü, bei der Dekoration, bei der Musik – was auch immer bei den Gästen ankommt. Dazu brauchen Sie aber nicht Forschung und Entwicklung.

braucht Experimente. Wenn eine Regierung diejenigen mit dem Entzug der Finanzierung bestraft, die falsche Ideen gehabt haben, dann wird es keine Ideen mehr geben. Wenn der Staat die Ideen vorschreibt, die politisch korrekt sind, dann wird die Innovation ebenfalls abgewürgt. Heute gilt Nachhaltigkeit als politisch korrekt. Welche Folgen hat die mangelnde Innovationsfähigkeit für die Wettbewerbsfähigkeit Europas? Europa ist in ernsten Schwierigkeiten. Milliarden Menschen in den Entwicklungs- und Schwellenländern produzieren heute das, was wir früher hergestellt haben, aber viel billiger und viel besser. Sind diese Schwellenländer auch bei der Innovation besser? Wenn jemand etwas viel billiger und viel besser macht als Sie, dann können Sie nicht mit ihm in Konkurrenz treten,

Was braucht es? Es braucht Ideen. Der Restaurantbesitzer weiss selber, was er tun muss. Die europäischen Regierungen dagegen reagieren auf solche Probleme immer, indem sie viel Geld für die Forschung ausgeben. Das ist ein Fehler. Keine Forschung kann dem Restaurantbesitzer helfen. Das können nur Ideen.

Fotos: zVg

Diese Ideen müssen entwickelt werden . . . Neue Geschäftsideen werden zu 72 Pro-


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TITELGESCHICHTE l UZ

zent von Mitarbeitern entwickelt. 20 Prozent kommen von Leuten ausserhalb der Unternehmen. Mark Zuckerberg ist ein solches Beispiel: Als er die Idee für Facebook hatte, war er Student. Das war auch beim Cirque de Soleil und bei Zara der Fall. Die drei Starbucks-Gründer waren Englischlehrer, Dichter und Autoren. Nur 8 Prozent von Geschäftsideen stammen aus Forschung und Entwicklung. Es gibt Branchen, die stark von Forschung und Entwicklung abhängen, etwa die Pharmaindustrie. Aber indem ein Grossteil der Mittel für Forschung und Entwicklung aufgewandt wird, werden 92 Prozent der Quellen von Ideen vernachlässigt. Müssen Europas Innovatoren wieder ins Café gehen wie in der industriellen Revolution? Ja, sie müssen wieder ins Café. Unternehmen, auch Banken, müssen eine Kultur schaffen, in der die Mitarbeiter selbst Ideen entwickeln. Das ist nicht leicht. Denn heute sind die Mitarbeiter spezialisierten Abteilungen zugeordnet. Die

kreativen Leute stecken meist ebenfalls in einer eigenen Abteilung. Wer kann diese Unternehmenskultur ändern? Das muss der Unternehmenschef tun. In den meisten heutigen Unternehmen dürfen nur die kreativen Mitarbeiter Jeans tragen, alle anderen tragen Anzüge. Jeder sollte Jeans tragen, jeder sollte kreativ sein. Der Chef muss damit anfangen. Der Chef muss auch die Möglichkeit schaffen, dass die Leute miteinander reden. Zuerst müssen die Leute die Probleme erkennen. Dann können sie eine Lösung suchen. Die Lösung muss dann auch noch umgesetzt werden . . . Das ist so. Nokia soll bereits lange vor Apple das iPhone entwickelt haben. Aber die Mitarbeiter, die das entwickelt hatten, konnten sich um Unternehmen nicht durchsetzen. Nokia hatte also die Technologie, stellte aber das Smartphone nicht her. Es braucht eine Kultur der Innovation im Unternehmen. Dafür müssen die

Leute sich untereinander austauschen. Niemand ist klüger als alle zusammen. Google hat eine solche Kultur der Innovation. Google hat sogar zu viele Ideen. Diese Ideen müssen dann gefiltert werden. Von tausend Ideen sind 999 falsch

.

Ist das nicht ineffizient? Der einzige Weg, effizient zu sein, ist die Innovation. Widerspricht das nicht der Logik der Börse? Wer keine Innovation macht, stirbt. Wissen Sie, welches Unternehmen vor fünf Jahren so viel in Forschung und Entwicklung gesteckt hat wie kein anderes? Nokia. Nokia hat 2004 bis 2007 zehn Mal mehr als Apple in Forschung und Entwicklung gesteckt. Nokias Aktie war in den 90er Jahren zwei Dollar wert. Zwischendurch war Nokia 56 Dollar wert. Jetzt sind es wieder zwei Dollar. Nokia hatte schon die SMSTechnologie nicht verstanden. Später verstand Nokia die Smartphones nicht. Europa hat die Nokia-Krankheit

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Ganz grundsätzlich müssen wir

die duale Ausbildung sehr hoch halten »

I N N O VAT I O N U N D U N T E R N E H M E R G E I S T

Zurück in die Zukunft «Liechtenstein ist auf Innovation und Unternehmergeist angewiesen», sagt Liechtensteins Regierungschef Klaus Tschütscher. Der Werkplatz ist dabei der Innovationstreiber. Der Finanzplatz steht im Dienste der Realwirtschaft und besetzt Nischen, die von grösseren Finanzplätze nicht beansprucht werden.

ZUR PERSON: Klaus Tschütscher, geboren 1967, ist seit 2009 Regierungschef des Fürstentums Liechtenstein und gleichzeitig Finanzminister. Zwischen 2005 und 2009 war er Regierungschef-Stellvertreter und Wirtschaftsminister. Zuvor war er Leiter des Rechtsdienstes der Liechtensteinischen Steuerverwaltung. Tschütscher hat an der Universität St. Gallen Rechtswissenschaften studiert. Im Frühjahr 2013 zieht er sich aus der Politik zurück.

sowohl mit der privaten als auch mit der öffentlichen Universität. INTERVIEW: STEFFEN KLATT

Wird Liechtenstein als ein Wirtschaftsstandort wahrgenommen, der über den Finanzplatz hinausreicht? Klaus Tschütscher: Meine Gesprächspartner staunen aber immer wieder, dass Liechtenstein das höchst industrialisierte Land in Europa ist. Unsere Unternehmen tätigen aus Liechtenstein heraus Direktinvestitionen in Deutschland, die zum Beispiel höher sind als aus manchen EULändern wie Polen. Das wird mit grossem Respekt entgegengenommen. Wir müssen unsere Kommunikation in dieser Hinsicht vorantreiben und immer wieder zeigen, dass Liechtenstein deutlich mehr ist als ein reiner traditioneller Finanzplatz. Liechtenstein ist ein Hochlohnland. Wie kann die Zukunft des Werkplatzes gesichert werden? Die Innovationskraft macht Liechtenstein zum starken und begehrten Wirtschaftsstandort in der Bodenseeregion. Der Werkplatz Liechtenstein hat Zukunft, wenn er sich der Innovation und dem Unternehmergeist verschreibt. Die Innovation muss von den Unternehmen ausgehen.

Kann der Staat helfen? Der Staat muss die besten Rahmenbedingungen für den Unternehmergeist schaffen. Das heisst gute steuerliche Rahmenbedingungen, wenig Bürokratie, leichter und schneller Zugang zu den politischen Entscheidungsträgern. Als Regierungschef habe ich die Kontakte mit den Unternehmern gesucht, die schon im Land sind. Das ist Standortpolitik im wahrsten Sinne. Aber ich habe auch Kontakte gepflegt mit Unternehmern, die ins Land kommen wollen. Aktuell gibt es einige Interessenten im Zusammenhang mit der AIFM-Richtlinie (EU-Richtlinie zur Verwaltung alternativer Investmentfonds, stk), die nach Liechtenstein kommen wollen. Da ist der direkte Kontakt insbesondere mit dem Finanzminister ein wichtiges Element. Wir sollten uns immer an diese klare Rollenverteilung halten, auch in schwierigen Situationen und Krisen.

Welche Rolle wird RhySearch spielen, das gemeinsame Projekt mit dem Kanton St. Gallen? Wir haben das Projekt ganz bewusst lanciert. Wir geben die entsprechende Unterstützung und schauen, wie es anläuft. Wir hoffen, dass es ein Erfolg wird.

Welche Rolle spielt die Universität? Ganz grundsätzlich müssen wir die duale Ausbildung sehr hoch halten. Ihr müssen wir Sorge tragen, um das humane Potential Liechtensteins zu pflegen. Dazu gehört auch die universitäre Vernetzung,

Braucht es mehr Zusammenarbeit zwischen dem Werk – und dem Finanzplatz? Der Finanz- und der Werkplatz sind zwei wichtige Säulen der Liechtensteiner Wirtschaft. Sie sollten nicht unabhängig von-

Wie kann sichergestellt werden, dass die Ergebnisse von Forschung und Entwicklung auch in den Unternehmen ankommen? Die Nähe der Forschung zur Wirtschaft ist wichtig. Wir haben exzellente Ausbildungsstätten in der näheren Umgebung, mit dem NTB Buchs, aber auch dank bester Kontakte mit der ETH Zürich. Liechtensteiner Unternehmen lassen ihre Forschung durch diese Hochschulen vorantreiben. Die Wirtschaft muss sich auch für die Hochschulen engagieren und mehr Mittel zur Verfügung stellen. Da liesse sich noch einiges mehr tun.

Fotos: zVg


TITELGESCHICHTE l UZ

einander existieren. Insbesondere sollte der Finanzplatz im Dienste der Realwirtschaft entstehen. In Liechtenstein hat sich der Finanzplatz nicht völlig von der Realwirtschaft entkoppelt. Die Realwirtschaft muss der Innovationsträger sein, die Finanzwirtschaft muss im Dienst der Realwirtschaft stehen und mit ihr Schritt halten können. Kann der Fondsplatz Liechtenstein wettmachen, was in anderen Teilen des Finanzplatzes verloren geht? Wir setzen stark auf den Fondsplatz und haben vor zwei Jahren eine Fondsstrategie verabschiedet, an deren Umsetzung wir jetzt arbeiten. Wir haben einen ersten Mosaikstein mit dem neuen Fondsgesetz setzen können, das im August 2011 in Kraft getreten ist. Jetzt soll die AIFMRichtlinie umgesetzt werden können, mit sehr strengen Regeln der Zulassung, und dann wollen wir im nächsten Jahr von der Öffnung des europäischen Marktes in diesem Bereich profitieren. Liechtenstein soll in diesem Bereich der Finanzwirt-

schaft – wie in anderen auch – Nischen besetzen, die grössere Finanzplätze nicht beanspruchen. Gehört zu diesen Nischen auch die Carlo Foundation, die erste RatingAgentur für nachhaltige Geldanlagen? Ja. Die Carlo Foundation ist ein Leuchtturm für die aktuelle Politik, die auf der Grundlage unserer Agenda 2020 auf Nachhaltigkeit setzt. Mit der etablierten LIFE Klimastiftung haben wir eine wichtige Einrichtung geschaffen, in der sich der Staat an vorderster Front, aber in Partnerschaft mit privaten Organisationen engagiert. Die Carlo Foundation soll in diesem Spannungsfeld zwischen Realwirtschaft, Finanzwirtschaft und Nachhaltigkeit tätig sein. Wir wollen, dass Finanzprodukte künftig werthaltig sein sollen und auch entsprechend bewertet werden können. Ich bin froh, dass wir dafür kompetente und renommierte Partner in Deutschland gefunden haben, insbesondere mit der Deutschen Umweltstiftung.

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Innovation braucht Platz. Hat es im dichtbesiedelten Liechtenstein noch Platz? Liechtenstein war immer ein Zuwanderungsland. Wir haben immer von der Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte gelebt. Wir sind froh, dass viele ausländische Arbeitskräfte ihre Schaffenskraft unserem Land zur Verfügung stellen – sei es mit Wohnsitz in Liechtenstein, sei es als einer der 19 000 Zupendler. Die liechtensteinische Politik wird in den nächsten Jahren entscheiden müssen, ob die zusätzlich benötigten Arbeitskräfte allein durch Zupendler abgedeckt werden können. Ich bin der Auffassung, dass wir eine Lockerung der Zuwanderung anstreben müssen, dies aber nicht losgelöst von anderen Fragen gesellschaftspolitischer Natur wie der doppelten Staatsbürgerschaft, der erleichterten Einbürgerung und der erleichterten Partizipation von Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern, die schon sehr lange bei uns wohnen.

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Die Schweiz neigt

zum Konsens. Extreme werden kulturell nicht unterstützt, auch nicht extreme Ideen »

S I C H E R H E I T S D E N K E N B R E M S T I N N O VAT I O N S L U S T

In der Schweiz fehlt es an Reibung Die Schweiz ist noch nicht innovativ genug, sagt Günther Dobrauz. Es fehlt an Reibung, aus der neue Ideen entstehen. Es gibt nicht genug Unternehmergeist und Risikobereitschaft. Und es fehlt an der Bereitschaft und den Mitteln, Produkte rasch auf dem Weltmarkt anzubieten.

INTERVIEW: STEFFEN KLATT

Die Schweiz ist stolz auf ihre Innovationskraft. Zu recht? Günther Dobrauz: Ja und nein. Im Verhältnis zur Grösse des Landes gibt es beachtliche Erfolge. Wenn man sich aber anschaut, wo die tollen neuen Produkte herkommen, dann ist die Schweiz sicher nicht Weltmeister, und sicher nicht bei der Kommerzialisierung solcher Produkte. Viele Ideen schaffen nicht den Sprung auf den Weltmarkt, obwohl sie es verdienen würden. Wenn es um wirklich radikale Innovationen geht, braucht es eine kritische Masse an Talent. Und es braucht Reibung, einen interdisziplinären Diskurs. Fehlt diese Reibung? Die Schweiz neigt zum Konsens. Extreme werden kulturell nicht unterstützt, auch

nicht extreme Ideen. Schauen Sie nach Wien: Dort wurden um 1900 die Grundlagen für viele Disziplinen geschaffen, vom Walzer über die Psychoanalyse und die Volkswirtschaft hin zur Schiffsschraube – nicht weil die Wiener so klug sind, sondern weil Wien damals ein Schmelztiegel war. Im Kaffeehaus sass der Philosoph neben dem Techniker. Das fehlt hier. Immerhin sind in der Schweiz ein paar Produkte geschaffen worden, welche den Weltmarkt erobert haben, wie die Swatch… Das war ein Zufallsprodukt. Ihr Erfinder Elmar Mock hatte den Auftrag, etwas preislich Wettbewerbsfähiges zu entwickeln, um den Japanern entgegentreten zu können. Die Schweizer Uhrenindustrie war damals fast tot. All die Patrons mit ihren Uhrenmarken, die sich selbst genug waren, haben komplett die Quarzuhr verschlafen. Interessant, was externe Leute wie Nicolas Hayek damals geschafft haben. Die Schweizer Uhrenindustrie ist wieder stark, weil sie einen radikalen Wandel durchgemacht hat. Technisch ist die Quarzuhr noch immer präziser. Aber die Industrie definiert sich nicht mehr über technische Exzellenz, sondern über den Lifestyle. Das hat auch bei Nespresso funktioniert . . . Auch Nespresso verkauft sich über den Lifestyle. Es ist eine Kunst zu erkennen, wann die breite Masse auf welche Produkte anspringt. Aber das sind keine

ZUR PERSON: Günther Dobrauz leitet bei PricewaterhouseCoopers in Zürich den Bereich Asset Management Regulatory Services. Er ist Spezialist für Fondsrecht und Investmentstrategien. Dobrauz hat selber Unternehmen gegründet und geführt und bezeichnet dies als seine Lebensleidenschaft. Der österreichisch-Schweizer Doppelbürger hat an der Johannes Kepler-Universität Linz Jus studiert und promoviert, an der Strathclyde University ein MBA Studium und an der Harvard Business School das Venture Capital & Private Equity Program absolviert. Er ist Autor mehrerer Bücher.

essentiellen Produkte, die wirkliche Probleme lösen.

Fotos: zVg / Fabian von Unwerth (u.)

Wozu brauchen wir Innovation? Wenn man sich in Europa das Verhältnis der Schulden zum Bruttoinlandprodukt anschaut, sind wir heute in einer Situation wie Anfang des 19. Jahrhunderts.


TITELGESCHICHTE l UZ

Wenn wir wieder auf tragbare Verhältnisse kommen wollen, müssen wir entweder 20 Jahre radikal sparen oder durch Innovation wachsen. Das einzige Land, dass das je geschafft hat, war England mit seiner industriellen Revolution und seinem Weltreich. Europa dagegen hat sich die Schulden aufgeladen, um das grösste Schneeballsystem der Weltgeschichte aufzubauen, den Wohlfahrtsstaat. Wie kann Europa durch Innovationen aus seinen Schulden herauswachsen? Wir haben immer noch intellektuelle Kapazität, die vielleicht falsch eingesetzt wird – für die Entwicklung strukturierter Finanzprodukte statt energieeffizienter Fahrzeuge. Sollen die Bankangestellten Windräder zusammenschrauben? In Europa und auch in der Schweiz fehlt es immer noch an Unternehmergeist und die soziale Wertschätzung für Unternehmer. Man darf nicht vergessen, dass die

Schweiz vor nicht langer Zeit noch ein Armenhaus war, wo man für den kalten Winter vorsorgen musste. Das ist etwas anderes, als wenn in einer Hafenstadt sitzt, wo man gewohnt ist, Risiken einzugehen. Ändert sich die Mentalität in der Schweiz? Hier gibt es ja alle wichtigen Bestandteile: Gute Hochschulen, kluge Leute und viel Geld. Da muss man realistisch sein: Das braucht Zeit. Immerhin gibt es nun Unternehmer und Unternehmerfamilien, die ihren Erfolg wieder in neue Projekte investieren. Das ist besser, als wenn der Staat Innovationen fördert. Was haben Sie gegen staatliche Innovationsförderung? Geld kommt meist mit Bindungen. Der Staat hat bei der Innovationsförderung Ziele wie die Standortförderung und die Schaffung von Arbeitsplätzen im Sinn. Aber bei der Technologie gibt es nur zwei

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Arten: diejenige, die funktioniert, und die andere, die nicht funktioniert. Wenn sie funktioniert, dann auch global. Nicht in jedem Fall kann man aus der Schweiz heraus einen globalen Akteur schaffen. Warum wird in der Schweiz nicht an eine globale Anwendung von Innovationen gedacht? Ich nenne das den Talblick und führe das auf die Mentalität zurück. Das lockert sich jetzt. Die jüngeren Generationen wachsen globaler auf. Es ist aber auch eine Frage der kritischen Masse. Wer in den USA oder Indien Innovationen auf den Markt bringt, hat einen viel grösseren Heimmarkt. Es braucht aber jeweils auch andere Leute: Diejenigen, die das Produkt im Labor entwickeln, sind nicht unbedingt diejenigen, die es auch an den Markt bringen können. Dann muss der Start-up eben von anderen übernommen werden, etwa von Venture Capitalists. Und das muss nicht zwingend in der Schweiz sein.

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UZ l WIRTSCHAFT

ZUKUNFT GRIECHENLAND

Flucht in die nächste Sackgasse? VON RUDOLF STRAHM

DER AUTOR

Rudolf Strahm ist Chemiker und Ökonom. Er war von 1991-2004 Nationalrat und von 2004-2008 Eidgenössischer Preisüberwacher.

Die stattliche Summe von weiteren 31 Milliarden Euro an neuen öffentlichen Krediten, finanziert aus verschiedenen Währungstöpfen, stehen in diesem Monat für Griechenland bereit. In der journalistischen Sprache ist ständig von «Hilfe» an Griechenland die Rede. Doch bei genauerem Hinsehen handelt es sich um eine Refinanzierung der Gläubigerbanken. Die sogenannte Hilfe wird gebunden eingesetzt für die Rückzahlung fälliger Schuldtitel durch den griechischen Staat respektive für die Ablösung von bisherigen Krediten durch bis zu 30-jährige Langfristdarlehen der drei öffentlichen Geldgeber, nämlich der Europäischen Zentralbank EZB, des Europäischen Stabilisierungsmechanismus ESM/ESF und des Internationalen Währungsfonds IWF. Faktisch war die Griechenland-Hilfe immer auch eine Rettungsaktion für die Geschäftsbanken des Nordens. Der Preis Griechenlands dafür ist hoch: Die von der Troika auferlegten massiven Sparzwänge führten bisher zu einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von mehr als einem Fünftel. Sie erzwangen den Abbau von täglich tausend Arbeitsplätzen und daraus resultieren derzeit 25 Prozent Arbeitslosenquote in der Gesamtwirtschaft und 54 Prozent bei den Jugendlichen – ein soziales Drama. Mit Ausnahme eines sehr begrenzten Segments des privaten Sektors gibt es kaum Hoffnung auf ein Wirtschaftswachstum in den nächsten Jahren. Die Troika hat mit ihrer Sparpolitik geschichtsträchtig vorgeführt, dass mit Sparpolitik die Wirtschaft nicht angekurbelt und kaum konkurrenzfähig gemacht werden kann, wenn sie nicht mit aussenwirtschaftlichen Massnahmen – sprich: Abwertung – verbunden wird. Mit einigem Optimismus lässt sich die griechische Schuldenfalle mittels neuer Sanierungsschnitte, Fristverlängerungen, Kreditrefinanzierungen und mehr Steuereinnahmen durchaus überbrücken. Der pragmatischer gewordene IWF fordert nun auch eine Erstreckung der Sparziele – in Abweichung von der deutschen Austeritätsdogmatik. Doch trotz der Hoffnungsrhetorik der Troika und der griechischen Regierung gibt es eine makroökonomische Realität: Es ist die strukturell defizitäre Handels- und Leistungsbilanz und die Schwäche der Realwirtschaft Griechenlands. Und für diese hat noch niemand eine Lösung aufgezeigt. Blenden wir zurück: Griechenland hat eine Volkswirtschaft, die strukturell und langfristig ein Leistungsbilanzdefizit einfährt: Das Land importiert viel mehr Güter als es exportiert. Die Dienstleistungsbilanz ist zwar dank den Tourismuseinnahmen stets positiv, aber die negative Handelsbilanz überwiegt alles. Im letzten Jahr betrug das Leistungsbilanzdefizit 17 Milliarden Euro. In den acht Jahren von 2004 bis 2011 erzielte Griechenland ein kumuliertes Leistungsbilanzdefizit von 189 Milliarden Euro. Dieses wurde mit Krediten des Auslandes und Kapitalzuflüssen durch Liegenschaftsverkäufe finanziert. Das Land lebt auf Pump. Desindustrialisierung durch die Eurowährung Seit über dreissig Jahren reise ich nach Griechenland. Noch in den 1980er Jahren gab es auf jeder grösseren Insel und auf dem Festland Textilbetriebe, Schuhherstellung, Lederverarbeitung, Möbelfabrikation und natürlich landwirtschaftliche Produktion mit Eigenerzeugung in den Gärten

und Äckern. Diese «domestic industries» wurden nach dem EU-Beitritt durch Importe immer mehr bedrängt und seit der Einführung des Euro vor elf Jahren geradezu liquidiert. Denn durch seine plötzlich hohe Kaufkraft mit der Eurowährung wurde Griechenland - wie ganz Europa - mit Massenkonsumgütern aus Ostasien überschwemmt. Der kaufkraftstarke Euro hat die innergriechische Realwirtschaft kaputt gemacht. Während die Wirtschaft im nördlichen Teil Europas, in Deutschland, Oesterreich, Holland, Skandinavien, in der Schweiz, dank guter Berufsbildung auf höherpreisige Spezialitätenproduktion ausweichen konnte, wurde die griechische Wirtschaft von der Desindustrialisierung buchstäblich überrollt, von guten Ausnahmen – einige sind in dieser Nummer beschrieben – abgesehen. Die Warenimporte von 55 Milliarden Euro 2011 – bei nur gerade 13 Milliarden Warenexport – zeugen von der strukturellen Konkurrenzunfähigkeit. Hauptgrund für diese schlechte Performance ist das marode griechische Bildungssystem. Griechenland kennt keine Berufslehre, keine Berufstradition mit Ausnahme der Seefahrt und Fischerei, keine industrielle oder handwerkliche Qualifikation, nur ein schwaches Unternehmertum. Pfusch ist Standard. Deshalb stösst die Forderung der Troika nach «Arbeitsmarktreform zu mehr Konkurrenzfähigkeit» ins Leere. Das Bildungswesen ist auf Akademisierung und auf die Interessen der Staatsklasse ausgerichtet. 768’000 Personen waren 2010 beim Staat beschäftigt. Zusätzlich gab es staatlichen Schutz für 70 Berufsgattungen, von den Elektrikern bis zu Rechtsanwälten und Taxifahrern. Die Foto: Bilderbox.de gesellschaftliche Elite Griechenlands ist über weite Strecken unfähig und verhält sich korrupt gegenüber dem Staat und Privaten. Ein Beispiel: Nach der griechischen Liegenschaftssteuererklärung müsste jeder Swimming Pool separat deklariert werden. Im Villenviertel im nördlichen Teil Athens deklarierten gerade 324 Haushalte einen Swimming Pool, doch eine Erhebung per Satellit zählte deren 16’974! Solches widerspiegelt die Verhältnisse im Steuersystem und im Staat. Währungsabwertung wäre hilfreich Aus makroökonomischer Sicht müsste Griechenland heute eine Währungsabwertung vollziehen können: Damit würde es auf einen Schlag zwei Vorteile realisieren: erstens würden Exporte und Tourismus verbilligt – Griechenland könnte besser gegenüber den aufstrebenden Konkurrenten Türkei, Aegypten, Tunesien bestehen. Und zweitens würden Importe verteuert, was einem Preisschutz der Inlandproduktion gleichkommt. Doch Griechenland ist eingebunden in die Europäische Währungsunion. Die gegenwärtige Rosskur soll als eine «innere Abwertung» wirken, sie bewirkt aber Deflation durch Senkung von Löhnen, Staatsausgaben und internen Preisen. Solange das Land im Korsett der Eurowährung bleibt, stehen nur zwei Alternativen offen: entweder zahlen die reichen Nachbarn der Eurozone ohne Unterlass auch in Zukunft - oder die Griechen laufen dem Lande davon und suchen anderswo Arbeit. Die jetzige Rosskur ist ein Wettlauf in eine neue Sackgasse.


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S C H W E I Z E R K M U - TA G 2 6 . O K T O B E R 2 0 1 2

Manager müssen auch Moderatoren Eine wichtige Stärke der KMU liegt in ihrer Marktnähe, sagt ETH-Vizepräsident Roman Boutellier. So können sie Produkte und Dienstleistungen entwickeln, die beim Kunden ankommen. Die Manager müssen dafür intensive Debatten im eigenen Unternehmen und mit den Kunden führen können.

INTERVIEW: STEFFEN KLATT

Sie sind Akademiker und Manager. Was haben Sie lieber? Roman Boutellier: Beides hat mir immer wieder gefallen. Als Unternehmer trifft man öfters auf Probleme, die ganz ähnlich wie Forschungsthemen sind. Auf der anderen Seite ist man in der Forschung heute auch als Manager tätig. Welche Tugenden muss man in leitenden Positionen mitbringen? Ganz wichtig ist, dass man zuhören kann. Man muss den Spezialisten zuhören können, mit denen man zusammenarbeitet. Man darf nicht mit einer vorgefassten Meinung ins Gespräch gehen und diese dann auch noch durchsetzen wollen. Ihre Gesprächspartner werden nicht alle das Gleiche sagen . . . Deshalb ist es wichtig, dass man mit vielen Leuten spricht. Die ganz schwierigen Entscheide wachsen über Wochen oder gar Monate heran, ob in der Forschung oder im Unternehmen. Man erhält immer wieder neue Elemente, und irgendwann wird es dann klar. Ergibt sich die richtige Entscheidung von selbst? Ein Stückweit, ja. Es gibt natürlich Entscheide, die man sofort treffen muss, etwa in Krisensituationen. Aber Entscheide über Akquisitionen, Investitionen oder Desinvestitionen – oder in der Forschung, ob man in ein bestimmtes Projekt gehen will –, solche Entscheide brauchen Zeit. Und hinterher kann man dann den Eindruck haben, der Entscheid sei von allein gekommen. Wie stark entscheidet der Bauch? Das ist vor allem bei Entscheiden wichtig, die Personen betreffen. Wenn es darum geht, ob jemand für eine bestimmte Stelle geeignet ist, dann spielt der Bauch eine wichtige Rolle. Bei anderen Themen wie Finanzen und Steuern sollte man besser rechnen. Auch bei Themen wie der Unternehmensführung sollte man mit dem Kopf entscheiden.

muliert. Der Kunde will nicht unbedingt Waschmaschinen kaufen, aber er braucht saubere Wäsche. Oder wenn Sie an Leica denken, wo ich in der Geschäftsleitung war: Der Kunde will nicht unbedingt Theodoliten (Winkelmessinstrument in der Vermessungstechnik, stk) kaufen, aber er braucht Koordinaten. Ob er das über GPS erhält oder über Theodoliten, ist ihm gleichgültig. Als Unternehmer muss man das grundsätzliche Kundenbedürfnis im Kopf haben und nicht das eigene Produkt. Man darf nicht in Waschmaschinen denken, sondern an saubere Wäsche. Aber das ist nicht immer leicht. Ein Unternehmen hat in Fabriken und in Know-how investiert. Das kann es nicht so schnell ändern. Wenn dann ein Durchbruch mit einer neuen Technologie kommt, dann ist man in seinen Investitionen gefangen. Einer der Gründer von Intel hat gesagt: Nur die Paranoiden überleben. Man muss den Mut haben, sich selber immer wieder zu hinterfragen. Ist das auch ein Kampf gegen Ihre Ingenieure und Spezialisten, die ihre Fachgebiete verteidigen wollen? Wenn die Ingenieure den Druck direkt spüren, dann reagieren sie auch. Schlimm ist es, wenn sie gegenüber dem Markt abgeschottet sind und den Druck nicht mehr spüren. Wenn eine Entwicklungsabteilung weit weg vom Markt agiert, dann hat das schlimme Folgen. Es ist gerade der Vorteil der KMU, dass sie sehr nahe am Markt sind. Sie merken rasch, wenn sie Fehler machen.

Behindert zu vieles Nachdenken? Doch, das ist so. Wenn eine Turnerin denkt, dann fällt sie herunter. Das ist auch im Geschäft so. In gewissen Situationen werden Entscheide schlechter, wenn man ständig nachdenkt. Irgendwann muss man entscheiden und vorangehen.

Kann sich ein normales KMU genügend Forschung und Entwicklung leisten? Sie müssen es sich leisten, wenn sie längerfristig überleben wollen. Wir stellen immer wieder fest, dass in den KMU in kleinen Schritten über Jahre hinweg Grosses geleistet wird. Es ist aber auch nicht jedes Geschäft für ein KMU geeignet. Ein KMU wird wahrscheinlich nie ein Flugzeug bauen. Aber es kann in bestimmten Märkten sehr rasch reagieren. Ein KMU muss sich also so positionieren, dass es mit einer vernünftigen Grösse an Forschung und Entwicklung auskommt.

Wie können Sie wissen, welche Produkte in fünf Jahren gebraucht werden? Das hängt davon ab, wie man das Kundenbedürfnis for-

Wo kommen die guten Ideen her? Für gute Ideen braucht es immer wieder intensive Diskussionen zwischen den Leuten im Unternehmen. Auf der

Sie sind von Haus aus Mathematiker. Hilft Ihnen das? Die Mathematik ist eine Denkschule. Sie zwingt einen dazu, die Dinge bis ins letzte Detail zu bedenken. Am Ende ist die Mathematik digital: Entweder man hat einen Beweis oder nicht.

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Die Mathe-

matik ist eine Denkschule. Sie zwingt einen dazu, die Dinge bis ins letzte Detail zu bedenken » Foto: zVg


WIRTSCHAFT l UZ anderen Seite braucht es ganz intensive Diskussionen mit den Kunden.

sein

Sind Unternehmensführer dann in erster Linie Moderatoren einer intensiven Debatte? Häufig. Als Manager kann man helfen, das Problem zu formulieren. Man muss als Manager auch die Rahmenbedingungen bestimmen. Man muss etwa sagen, dass man Produkte für eine bestimmte Grösse des Marktes haben will oder im Gegenteil Nischenprodukte. Der Manager gibt vor, wie eine akzeptable Lösung aussehen kann und wo das Unternehmen tätig sein will. Hat damit der alte Patron ausgedient? Viele alte Patrons, die ich kenne, haben den Markt während Jahrzehnten miterlebt und entscheiden oft aus dem Bauch heraus richtig. Schwierig wird es, wenn der Generationenwechsel ansteht. An dieser Hürde können Unternehmen durchaus scheitern. Erfolg führt auch dazu, dass man unkritisch wird gegenüber der eigenen Leistung und überkritisch gegenüber der Leistung seines eigenen Nachfolgers. Die Innovationsförderung in der Schweiz ist stark auf die Hochschulen ausgerichtet. Die KTI-Gelder fliessen stets an die Hochschulen. Ist das sinnvoll? Bei der KTI-Förderung wird der Aufwand jeweils zur Hälfte von der KTI und den Unternehmen getragen. Das heisst, die Hochschulen erhalten das KTI-Geld immer nur, wenn sie Unternehmen dafür gewinnen können. Das hat sich bewährt. Warum werden KTI-Gelder nicht auch an die KMU gezahlt? Ob ein Forscher im ETH-Labor steht oder im Labor eines KMU, macht doch sachlich keinen Unterschied. Ein KMU macht ein KTI-Projekt nur, wenn es dieses ohnehin machen will. Das sind dann auch die Projekte, die längerfristig etwas bewirken. Damit werden die Hochschulen auch davon abgehalten, Projekte zu machen, die niemand braucht. ZUR PERSON Roman Boutellier, Jahrgang 1950, ist Vizepräsident der ETH Zürich für Personal und Ressourcen. Von 1999 bis 2008 war er Vorsitzender der Konzernleitung und Delegierter des Verwaltungsrates der SIG Holding. Zuvor war er Professor für Innovation und Logistik an der Universität St. Gallen und Mitglied der Geschäftsleitung der Leica AG. Boutellier hat an der ETH Mathematik studiert und promoviert. Er ist Referent am KMU-Tag in St. Gallen am 26. Oktober 2012. www.kmu-tag.ch

Sowohl die ETH als auch die Fachhochschulen arbeiten marktnah. Braucht es dann diese Trennung noch? Das ist eine gute Frage. Das Thema wird uns sicher noch länger beschäftigen. Die Bauingenieure der ETH und der Fachhochschulen zum Beispiel haben eine Arbeitsteilung gefunden, bei denen die ETH-Ingenieure eher die komplexen Berechnungen machen und die Fachhochschulingenieure eher die Realisierungen. Wir sind jedenfalls der Meinung, dass es beides braucht, die ETH und die Fachhochschulen. Wenn Sie einen Fachhochschulingenieur einstellen, dann können Sie ihn morgen einsetzen. Wenn Sie einen ETH-Ingenieur einstellen, dann muss dieser oft noch lernen, was das Unternehmen tatsächlich braucht. Forschung und Entwicklung ist das eine, Markterfolg das andere. Ist die Schweiz beim ersten stark, nicht aber beim zweiten? Das ist ein Mythos, der auf die Quarzuhren zurückgeht. Sie wurden in der Schweiz erfunden, aber in Japan vermarktet. Ich bin überzeugt, dass er nicht mehr zutrifft. Alle Stu-

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dien der OECD oder der Konjunkturforschungsstelle der ETH zeigen, dass die Schweiz sehr gut darin ist, wissenschaftliche Ergebnisse in Geld zu verwandeln. Eine der grossen Herausforderungen für KMU ist das Marktumfeld, das sie kaum oder gar nicht beeinflussen können, Stichwort Frankenstärke. Wie soll ein KMU damit umgehen? Man muss akzeptieren, dass man die Zukunft nicht voraussagen kann. Man muss den Mut haben, gewisse Reserven anzulegen. Dann hat man auch am Ende der Krise wieder die Kraft, den Aufschwung zu nutzen. Wenn der Finanzmarkt verlangt, immer Spitzenergebnisse vorzulegen und immer schlanker zu werden, dann sind Sie irgendwann krankheitsanfällig. Wenn Sie aber etwas Fett haben, können Sie auch ein Jahr lang durchstehen, ohne die Leute gleich auf die Strasse zu stellen. Wie viel soziale Verantwortung muss ein Unternehmen haben? Heute wird das sehr ernst genommen. Wenn Sie gute Leute entlassen, kommen sie nicht wieder. Die Unternehmen haben gemerkt, dass es sich auswirkt, wenn sie eine hohe soziale Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern wahrnehmen. Das wird heute viel ernster genommen als vor 20 oder 30 Jahren. Heute gibt es auch noch viele Unternehmen, die sich in der Lehrlingsausbildung engagieren oder die behinderte Mitarbeiter beschäftigen. Es gibt auch Rahmenbedingungen, die man als KMU mit beeinflussen kann, Stichwort Europa. Ist das Verhältnis der Schweiz zur EU optimal geregelt? Ich verstehe nicht die Angst vieler Schweizer vor Europa. Ich schaue immer nach Bayern oder Baden-Württemberg oder auch Vorarlberg. Dort ist die Arbeitslosigkeit ähnlich niedrig wie in der Schweiz. Wenn man im gleichen Währungsraum arbeitet, dann zählt nur noch die Produktivität. Viele Schweizer unterschätzen immer wieder die eigene Stärke. Wahrscheinlich könnte die Schweiz ihre eigene Stärke in einem solchen Verbund sogar besser zum Tragen bringen als heute. Ist das ein Aufruf zum EU-Beitritt? Ein Beitritt ist politisch derzeit sicher undenkbar. Ich bin überzeugt, dass Europa langfristig noch enger zusammenrücken wird. Auch wenn viele Leute heute davon ausgehen, dass Europa wieder zerfällt, glaube ich nicht an diesen Zerfall. Die Schweiz wird über kurz oder lang enger an Europa heranrücken, auch wenn das länger dauern wird, als man meint. Rechnen Sie damit, dass vorerst die Spannungen zwischen der Schweiz und der EU wieder zunehmen? Ich erwarte stärkere Spannungen. Die Schweiz ist klein. Das grosse Europa wird bestimmte Dinge irgendwann nicht mehr akzeptieren. Was halten Sie vom EWR? Das wäre eine sehr gute Lösung gewesen. Dann hätten wir die wirtschaftliche Integration und wären politisch doch stärker selbständig. Kann die Schweiz den EWR-Beitritt nachholen? Es gibt Leute, die denken, es wäre noch möglich. Das wäre sicher eine Variante, die politisch sehr viel einfacher durchzusetzen wäre und wirtschaftlich sehr viel bringen würde. Eine persönliche Frage: Sind Sie enttäuscht, dass Sie nicht Staatssekretär für Bildung geworden sind? Ich hätte das sicher gern gemacht. Aber es gibt auch andere Leute, die das sehr gut machen können.


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VIER UNTERNEHMEN ZEIGEN KRISENRESISTENZ

Innovation und Unternehmergeist im leidenden Griechenland Export rettet Geschäft Neotex ist eine Ausnahme in Griechenland. Als eines der wenigen Industrieunternehmen hat der Hersteller von Spezialfarben seine Mitarbeiterzahl gehalten, ohne Löhne zu senken. Bereits vor einem Jahrzehnt, mitten im Aufschwung, war mit dem Export begonnen worden. Das zahlt sich in der Krise aus. Coca Cola und andere internationale Holdings verlassen Griechenland. Aber es gibt auch andere Beispiele. TEXTE ANKE STEFAN, ELEFSINA

Das kleine Griechenland scheint die ganze Eurozone in den Abgrund zu reissen. Auch die Schweizer Wirtschaft ist über den starken Franken und die sinkenden Margen davon betroffen. Die wirtschaftliche Lage des Mittelmeerlandes scheint aussichtslos: Die Wirtschaft ist in der Krise um einen Fünftel geschrumpft. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 25 Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit bei über 50 Prozent. Der Schuldenstand rast trotz Schuldenschnitts wieder auf 160 Prozent des Bruttoinlandprodukts zu. Wenn die EU, die Europäische Zentralbank und der Internationale Währungsfonds ihre Hilfszahlungen einstellten, wäre das Land innerhalb weniger Tage bankrott. Doch die Lage ist nicht so aussichtslos, wie sie auf den ersten Blick scheint. Namentlich die Industrieproduktion zieht wieder an – im September um 5 Prozent. Viele Griechen greifen wieder nach heimischen Waren. Und gerade kleine und mittlere Unternehmen widerstehen mit Unternehmergeist und Innovation der Krise. Ein Nudelhersteller, ein Produzent von Spezialfarben, ein Anbieter von intelligenten Strassenschildern und ein Velohändler zeigen, dass es noch Hoffnung im Land gibt. Solche Unternehmer können Griechenland retten – und mit dem kleinen Land auch ganz Europa, die Schweiz eingeschlossen.

Das 6000 Quadratmeter grosse Firmengelände liegt etwa 20 Kilometer westlich von Athen, nahe des Endes der Autobahn, die sich vom Flughafen über die Hauptstadt bis hier nach Elefsina erstreckt. Es riecht nach Farbe – Neotex ist ein Farbenhersteller. Vom Importeur zum Hersteller Doch die Produkte von Neotex dienen nicht dazu, den eigenen vier Wänden einen bunten Anstrich zu geben. «Unsere Spezialität sind Spezialanstriche zum Beispiel für Industrieböden, Schwimmbecken und zur Versiegelung von Dachterrassen», erläutert Irini Koutsoukou. Die junge Marketingchefin arbeitet seit fünf Jahren in dem 1959 gegründeten Familienunternehmen.

Damals gehörte Neotex zu den ersten in der Branche, die sich auf Spezialfarben und Dämmstoffe spezialisierten. Anfangs wurde vor allem importiert und weiterverkauft. In den 70ern begann die Firma, sich auf die Herstellung eigener Produkte zu spezialisieren, die vom werkseigenen Forschungsteam entwickelt werden. Export mitten im Bauboom Die Hinwendung zum Export war eine «strategische Entscheidung, die wir Schritt für Schritt bereits seit 2003 verfolgen, zu einer Zeit, als wir Schwierigkeiten hatten, auch nur der inländischen Nachfrage gerecht zu werden», wie Neotex-Direktor Alexandros Katraouzos es ausdrückt. Damals gehörte das Unternehmen zu den Zulieferern für eine ganze Reihe wichtiger olympischer Bauten, darunter die Metro und der Flughafen der Hauptstadt, das Olympische Dorf oder das OAKA-Stadium in dem die Spiele im August 2004 eröffnet wurden. Das Wagnis, bereits in den fetten Jahren der griechischen Bauindustrie vor den Olympischen Spielen auf den Aufbau eines Export-


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marktes gesetzt zu haben, hat sich für Neotex ausgezahlt. Produkte der Firma stecken im Russischen Theater von Moskau, dem Stadion Quemal Stafa in Tirana (Albanien) und der Nationalbank Georgiens in Tiflis. Die im Haus entwickelte Flüssigdichtmasse Neoroof versiegelt Flachdächer vom russischen Novosibirsk über den Arabischen Golf bis nach Französisch-Guayana im Süden Amerikas. Mitarbeiter gehalten Angesichts des in der Krise dramatisch geschrumpften inländischen Bausektors ist Neotex damit heute gut aufgestellt. Im Gegensatz zu vielen anderen griechischen Unternehmen sind hier weder Arbeitsplätze abgebaut, noch Lohnsenkungen vereinbart worden. Mit knapp unter 50 Mitarbeitern könnte Neotex sogar bald die Grenze vom kleinen zum mittleren Unternehmen überschreiten. Nur ein möglicher Austritt Griechenlands aus dem Euro könnte dem Unternehmen trotz der Exportorientierung zum Verhängnis werden denn die Produktionskosten von Neotex hängen in hohem Masse von den Preisen der zu importierenden Grundstoffe ab. Die Rückkehr zur Drachme würde aber auch den Lieferanten aus der EU schaden, denn dann müsste man günstigere Rohstoffe von ausserhalb der Eurozone bevorzugen, wie der technische Leiter von Neotex, Konstantinos Varelas, erklärt.

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Velohändler als Krisengewinnler

Fotos: zVg / Bilderbox.de

Fanis Gatsoulis zählt zu den Krisengewinnlern: In der Krise steigen viele Griechen vom Motorrad auf das Fahrrad um. Das kommt der Firma Gatsoulis zugute, einem der beiden Marktführer auf dem Fahrradmarkt. Allerdings kaufen viele Griechen nun billigere Räder – und zahlen später.

Der chaotische Grossstadtverkehr von Athen ist sicher kein Paradies für Fahrradfahrer. Trotzdem steigen gerade in der Krise immer mehr Hauptstädter auf dieses preisgünstige und gesunde Fortbewegungsmittel um. Das kommt jenen zugute, die seit langem auf das Rad gesetzt haben.

LINKS ZUM THEMA Neotex: www.neotex.gr Gatsoulis: www.gatsoulis.gr Monitor Electronics: www.monitor-electronics.gr

Melissa: www.melissa.gr

Gezielt in die Nische Das Fahrradhandelsunternehmen Gatsoulis ist nicht erst seit der Krise eine der beiden Marktführer im Land. «Als Unternehmer musst du immer nach vorne schauen», begründet Marketingleiter Fanis Gatsoulis die bereits 1991 von seinem Vater Stefanos Gatsoulis getroffene Entscheidung, das Hauptgeschäft mit Motorrädern einzustellen und stattdessen auf den Aufbau des schwach entwickelten griechischen Fahrradmarktes zu setzen. «Dort war Raum für Wachstum, das gute Fahrrad gab es noch nicht in Griechenland.» Der junge Marketingleiter spricht von importierten Rädern.

Denn Griechenland hat nie ein eigenes Fahrrad gebaut. Anfangs bezog Gatsoulis von anderen importierte Räder auf dem inländischen Markt. Nach und nach aber mauserte sich das Unternehmen zum exklusiven Importeur international bekannter Fahrradmarken. Das Unternehmen wurde 1955 von Fanis Grossvater gegründet. Heute hat es 45 Angestellte und acht eigene Fahrradläden in Athen. Daneben beliefert es landesweit etwa 500 Geschäfte, die nicht alle unbedingt nur Fahrräder verkaufen, 150 davon exklusiv. Krise steigert Nachfrage . . . Die Krise hat dem Fahrradhandel neue Impulse gegeben. Vor allem die gestiegenen Benzinpreise lassen immer mehr Menschen nach Alternativen suchen. «Es ist gut, dass viele Menschen, die sich nie für Fahrräder interessiert haben, dieses jetzt als preiswertes, gesundes und umweltfreundliches tägliches Fortbewegungsmittel entdecken», freut sich Fanis Gatsoulis. Und natürlich auch darüber, dass dies die Nachfrage nicht nur nach Rädern, sondern auch nach damit verbundenen Produkten wie Kleidung, Zubehör und Service steigert. All dies kann Gatsoulis leisten. . . . und senkt Zahlungsmoral Doch die Krise hat auch für den Fahrradmarkt ihre Schattenseiten. «Viele

Geschäfte sind in grosse Schwierigkeiten geraten, was sich negativ auf ihre Zahlungsmoral auswirkt», drückt der Marketingleiter höflich die Schwierigkeiten in der Grosshandelssparte von Gatsoulis aus. Zum anderen ist der durchschnittliche Betrag gesunken, den ein Kunde beim Neuerwerb eines Rades ausgibt. «Der lag 2009 noch zwischen 500 und 600 Euro, heute sind es nur noch 250 bis 300 Euro», rechnet der Enkel des Firmengründers vor. «Und wir rechnen damit, dass er weiter sinkt.» Personal gehalten Gatsoulis hat weder Mitarbeiter entlassen noch Löhne gesenkt. «Das entspricht nicht der Firmenmentalität», sagt Fanis Gatsoulis. «Aber wir sind strenger geworden, beispielsweise was die Zahlungsmodalitäten unserer Kunden betrifft. Und wir haben verschiedene Aktivitäten gedrosselt, die nicht zu unseren unmittelbaren Prioritäten der Entwicklung des Fahrradmarktes gehören. Wir geben zum Beispiel weniger für Sponsoring oder Veranstaltungen aus.» Bei der diesjährigen Fahrradmesse im September war die Firma natürlich vertreten. Die findet seit drei Jahren als «Athens Bike Festival» auf einem malerischen ehemaligen Fabrikgelände mitten in Athen statt. Mit wachsendem Erfolg, auch für Gatsoulis.


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Nudelhersteller mit Verantwortungsgefühl Melissa ist der letzte griechische Nudelhersteller in Familienbesitz – und steht zu seiner Verantwortung für die eigenen Mitarbeiter. Die griechischen Konsumenten essen auch in der Krise Nudeln. Aber die steigenden Kosten belasten das Unternehmen mit seinen 240 Mitarbeitern.

Als der Grossvater des jetzigen gleichnamigen Firmenpatrons Alexandros Kikizas 1947 die «Industrie für ausgewählte Teigwaren Gebrüder Kikizas» gründete, war diese noch eine von etwa 120 griechischen Nudelfabriken, die insgesamt etwa 35000 Tonnen Teigwaren produzierten. Heute ist das 1954 in «Melissa», zu deutsch «Biene» umbenannte Familienunternehmen mit 70 Millionen Euro Jahresumsatz eines der grössten auf dem griechischen Lebensmittelmarkt. Seine 240 Beschäftigten produzieren jährlich mehr als 50000 Tonnen Teigwaren und darüber hinaus Tomatenprodukte, Fertigsossen und Süsswaren.

Kontinuierliche Modernisierung «Es gibt kein ‘Geheimnis’ für den Aufstieg von Melissa», meint Giorgos Efstathopoulos. «Wenn eine Firma richtig geführt, wird, wenn von Anfang an und nicht erst in der Krise die Kosten kontrolliert, und Pläne aufgestellt und eingehalten werden, dann wird sie sich auch entwickeln», fügt der Handelsdirektor der Firma hinzu. Zum Erfolg von Melissa hat die kontinuierliche Modernisierung von Produktionsmethoden und Produkten beigetragen. Bereits 1959 wurde bei Melissa mit damals hochmodernen automatischen Produktionslinien gearbeitet, 1980 eine ganze Fabrik auf neustem technologischen Stand im zentralgriechischen Larissa eingeweiht. 1972 wurden die ersten 32 Tonnen Nudeln in die USA exportiert, heute kann man Produkte von Melissa in 35 Ländern überall auf der Welt erwerben. Barilla-Offerte abgelehnt In den 80ern arbeitete die Firma mit dem italienischen Nudelriesen Barilla zusammen, dessen Produkte in Griechenland über Melissa vertrieben wurden. «Barilla hat uns damals ein Übernahmeangebot gemacht,

dass vom Eigentümer allerdings ausgeschlagen wurde», erläutert Efstathopoulos. Worauf die Italiener sich dem kleineren Konkurrenten Misko zuwandten, der heute zur Barilla-Firmengruppe gehört. Auch Melissa hat im Laufe seiner 65-jährigen Geschichte eine Reihe griechischer Lebensmittelfirmen aufgekauft. Den Anfang machte 1977 die in Thessalien gelegene Nudelfabrik Deveta. In diesem Jahrtausend kamen die Teigwarenhersteller Stella, Blacha und Abez, sowie der Süsswarenfabrikant Kazino hinzu. Eine ihrer einstmals bekanntesten Marken, die Tomatenprodukte «Pummaro» dagegen, hat Melissa abgegeben. «Mit 65 Prozent Marktanteil war Pummaro in Griechenland die Gattungsbezeichnung für Tomatenmark geworden», schmunzelt Efstathopoulos. Die Erfolgsmarke wurde 1999 vom Verbrauchsgütergiganten Unilever aufgekauft. Melissa hat in Folge eine neue Tomatenproduktreihe unter dem Markennamen Primo Gusto aufgebaut.

Steigende Kosten belasten Die Krise im schönen Mittelmeerland hat auch Melissa nicht unberührt gelassen. Zwar hat die Nachfrage nach Grundnahrungsmitteln wie Nudeln nicht nachgelassen. «Aber drastisch gestiegene Preise bei Weizen, Erdgas oder Strom haben unsere Produktions-

kosten steigen lassen», sagt der Handelsdirektor. Dennoch denke die Firma keinesfalls darüber nach, die seit 2008 unverändert gebliebenen Preise anzuheben. Auch Lohnsenkungen oder Entlassungen schliesst Efstathopoulos kategorisch aus und verweist stolz darauf, dass Melissa 2011 vom internationalen Institut


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Kreditklemme würgt das Geschäft ab Monitor Electronics hat Glück: Sein Unternehmen exportiert nach Deutschland. Doch Geld sieht das Unternehmen erst, wenn die Ware geliefert ist – während die Lieferanten sofort bezahlt werden müssen. Und auf dem Heimmarkt würgt die Kreditklemme das Geschäft ab.

In hoher Geschwindigkeit gleiten die Pipetten über die Platine. Genau nach Plan werden Dutzende von LEDs in Oberflächenmontage direkt auf die Leiterplatte gesetzt, die anschliessend einen Spezialofen zur Verlötung durchläuft. Neu auch in Deutschland Die Bestückungsmaschinen bei Monitor Electronics in Athen haben gut zu tun. Die vor 30 Jahren von drei befreundeten jungen Elektroingenieuren gegründete Firma stellt heute vor allem jede Art von Verkehrsanzeigen her, wie sie auf Strassen gebräuchlich sind. Vom einfachen Wechselverkehrszeichen über Haltestellenanzeigen bis zum komplexen Schilderbrücken mit Text und Bild für Autobahnen. «Verwendet werden ausschliesslich LEDs», meint Babis Varasoglou. «Monitor Electronics ist als Subunternehmer grosser Konsortien an fast allen wichtigen Strassenbauprojekten Griechenlands beteiligt», erläutert der stellvertretende Direktor des Unternehmens. In den letzten Jahren hat man zusätzlich Geschäftsverbindungen mit Deutschland aufgebaut. In Athen entwickelte und gebaute Schilder informieren Fahrgäste in Bochum, Neuss, Düsseldorf und Stuttgart über Ankunft und Abfahrt von Zügen, Bussen und Strassenbahnen. Derzeit werden erste Kontakte auch in die USA geknüpft.

«Great place to work» unter die zehn besten Arbeitgeber des Landes gewählt wurde. Was vielleicht auch mit der Mentalität eines nach 65 Geschäftsjahren immer noch rein griechischen Familienunternehmens zu tun hat. Dem letzten auf dem ganzen griechischen Nudelmarkt. Fotos: zVg / Bilderbox.de

Ohne Export am Ende Ohne die Auslandsaufträge stände Monitor

Electronics wohl kurz vor dem Ruin. Denn weil die auf die eigene Refinanzierung wartenden griechischen Banken so gut wie keine Kredite mehr vergeben, haben fast alle grossen Konsortien die Strassenbauprojekte gestoppt. «Die Verträge wurden nicht gekündigt. Aber alles wartet darauf, dass die beteiligten Banken über die Weiterfinanzierung entscheiden», erläutert Varasoglou. Für Monitor Electronics stehen dabei Aufträge in Millionenhöhe auf dem Spiel, die teilweise bereits ausgeführt, aber noch nicht bezahlt worden sind. Bargeld als Flaschenhals Mangelnde Liquidität ist das grösste Problem der Firma. «Als Griechen haben wir trotz der anerkannten Qualität unserer Produkte ein Vertrauensproblem», seufzt der CO von Monitor Electronics. «Die Deutschen bestellen zwar bei uns, aber sie geben uns keinen Vorschuss. Gezahlt wird erst nach Lieferung. Und von den Lieferanten liefert kei-

ner mehr ohne Sofortzahlung.» Vor der Krise wäre das kein grosses Problem gewesen. Da verfügte die Firma noch über Reserven und die griechischen Banken vergaben Kredite, mit denen man Material- und Produktionskosten vorstrecken konnte. Heute versucht man stattdessen Kosten zu sparen, wo es nur geht. Fast die Hälfte des Personals wurde im Zuge der Krise abgebaut, die Zahl der Mitarbeiter ist auf etwa zwanzig zusammengeschmolzen. Drachme wäre Segen und Fluch Vor diesem Hintergrund sieht Varasoglou die Möglichkeit einer Rückkehr zur nationalen Währung mit gemischten Gefühlen. «Die Drachme könnte Segen und Fluch zugleich sein», meint er. «Segen, wenn mit ihrer Einführung die Lebenshaltungskosten allgemein gesenkt, und damit auch unsere Wettbewerbsfähigkeit gesteigert würden. Fluch, weil wir als High-Tech Unternehmen auf teure Importe angewiesen sind.»


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BRASILIEN

Ein Dschungel mit Potenzial Brasiliens Wachstum ist in den letzten zwei Jahren ins Stocken geraten. Das Potenzial der grössten Volkswirtschaft Lateinamerikas ist jedoch ungebrochen. Die Chancen für Unternehmen aus der Schweiz ebenfalls.

TEXT TJERK BRÜHWILLER, SÃO PAULO

Noch vor einigen Jahren am Rande der Zahlungsunfähigkeit, hat Brasilien sich in kurzer Zeit zu einer Wirtschaftsmacht entwickelt. 50 Milliarden Dollar haben ausländische Konzerne in den letzten zwölf Monaten investiert. «Die Geschäftsmöglichkeiten hier sind fast so vielfältig wie die Biodiversität im tropischen Regenwald», sagt Martin Matter, Leiter des Swiss Business Hub Brazil der Osec in São Paulo. Brasilien habe eine komplette Wirtschaft, von einer dynamischen Landwirtschaft über die Bergbau- und Konsumgüterindustrie bis zum Flugzeugbau und modernen Finanzdienstleistungen. «Es gibt fast nichts, das sich in Brasilien nicht verkaufen liesse», sagt Matter. Qualitätsbewusstsein steigt Seit Jahren sind die grossen Schweizer Unternehmen präsent. Für Nestlé, Syngenta, Novartis und Co. hat sich das Land zu einem Glücksfall entwickelt. Brasilien sei ein grosser Markt mit einem relativ unabhängigen Konjunkturzyklus und einer stark wachsenden, konsumfreudigen Mittelschicht, erklärt Matter. Dieser Trend dürfte sich in den nächsten 20 Jahren fortsetzen. Tatsächlich verzeichnet Brasilien weiterhin ein moderates Bevölkerungswachstum, wobei das Durchschnittsalter unter 30 Jahren liegt und die realen Löhne steigen. Allerdings wird der Konsum durch die wachsende Verschuldung der Privathaushalte gebremst. Doch Brasilien bleibt für Schweizer interessant – auch für kleinere Nischenplayer. «Das Qualitätsbewusstsein in Brasilien nimmt allmählich zu und die Industrie realisiert, dass sie ihre Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit durch Innovation und modernste Technologie verbessern muss», sagt Matter. «Zahlreiche Schweizer Firmen haben für diese Nachfrage das passende Angebot.»

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NEUE MÄRKTE

Die UnternehmerZeitung stellt interessante Exportmärkte in einer Serie vor.

H A N D E L S PA R T N E R SCHWEIZ Der Aufstieg Brasilien schlägt sich auch in der Handelsbilanz der Schweiz nieder. Die Ausfuhren nach Brasilien haben sich in den letzten zehn Jahren etwa verdoppelt und betrugen 2011 rund 2,2 Milliarden Franken. Traditionell verbucht die Schweiz einen Handelsbilanzüberschuss. Gefragt sind vor allem Produkte der Pharmaindustrie, Maschinen und Apparate, Chemikalien, aber auch Präzisionsinstrumente, Uhren und Bijouterie. Das Wirtschaftswachstum in Brasilien ist in den vergangenen zwei Jahren deutlich abgeflacht. In diesem Jahr dürfte es unter 2 Prozent liegen – im Vergleich zu anderen Schwellenländern äusserst wenig. Noch 2010 glänzte Brasilien mit 7 Prozent Wachstum. Für 2013 zeichnet sich eine Besserung ab.

Zweigstelle statt Vertriebspartner Eine davon ist die Kistler Instrumente AG, einer der führenden Hersteller im Bereich der Sensorik und Messtechnik. Das Unternehmen, das vor allem die Automobil- und Autozulieferindustrie beliefert, ist seit Ende 2010 mit einer Zweigstelle in São Paulo vertreten. Zuvor arbeitete Kistler mit einem lokalen Vertriebspartner zusammen. «Die Differenzierung ist eine Chance für Schweizer Unternehmen in Brasilien», sagt Verkaufsleiter und Geschäftsleitungsmitglied Conrad Sonderegger. «Wir können uns nicht mit einem tieferen Preis durchsetzen, sondern mit einer höheren Qualität.» Es gebe gute Märkte für Qualitätsprodukte, Brasilien sei einer davon. Sonderegger rechnet mit einem Verkaufswachstum in Brasilien. Kein schnelles Geschäft Doch die Bedingungen sind nicht ideal. Davon weiss auch

Foto: David Engelhard/Tetra Images / Corbis


WIRTSCHAFT l UZ Sonderegger zu berichten. «Es gibt viele Unwegsamkeiten, ständig ändern sich die Regeln.» Auch Matter weist darauf hin, dass es sich lohnt, sich erst einen guten Überblick zu verschaffen, «bevor man in den Dschungel hineingeht». Hilfreich sind lokale Partner, die möglichst schon über ein Netzwerk verfügen. Kistler hatte Glück und fand einen guten brasilianischen Geschäftsführer für die Niederlassung in São Paulo. Das sei Gold wert, sagt Sonderegger, denn die Brasilianer seien sehr personenorientiert. Wer den schnellen und kurzfristigen Erfolg sucht, ist in Brasilien nicht am richtigen Ort. Der Aufbau des Brasiliengeschäfts brauche etwas mehr Zeit und Aufmerksamkeit, als viele derzeit zur Verfügung haben, stellt Matter fest. «Brasilien ist nicht das Land für den «quick fix», aber mittel- und langfristig kann man diesen Markt nicht brach liegen lassen.» Exorbitante Einfuhrzölle Selbst der beste Partner hat keinen Einfluss auf die Rahmenbedingungen. Zu diesen gehören ein relativ hohes Lohnniveau, eine hohe Steuerlast und teilweise exorbitante Einfuhrzölle. Die Regierung verfolgt eine protektionistische

Linie. «Unsere Produkte sind in Brasilien 50 bis 60 Prozent teurer als in anderen Ländern», rechnet Sonderegger vor. Da die Konkurrenz aus Europa und den USA mit dem gleichen Problem kämpfe, halte sich der Schaden in Grenzen. Die Rahmenbedingungen sind immer wieder Gegenstand bilateraler Gespräche zwischen Brasilia und Bern. Die Schweiz drängt seit Jahren auf ein Freihandelsabkommen sowie Abkommen zum Investitionsschutz und zur Doppelbesteuerung. Mangelhafte Infrastruktur Der Protektionismus schwächt auch die eigene Industrie. Brasiliens Wettbewerbsfähigkeit ist im internationalen Vergleich gering. Als Grund gilt auch die mangelhafte Infrastruktur. Diese Schwäche könnte sich gerade für Schweizer Unternehmen zur Chance entwickeln: Brasilia will künftig die Privatwirtschaft stärker in den Ausbau der Infrastruktur einbinden. Für Strassen, Bahnlinien, Flugund Seehäfen sollen Konzessionen vergeben werden. Schweizer Know-how könnte hier gefragt sein. Kürzlich war eine Delegation von brasilianischen Eisenbahndirektoren auf Studienreise in der Schweiz.

KAMPF UM TALENTE BREMST WACHSTUM IN BRASILIEN

«Sprache ist ein Erfolgsfaktor» Brasilien ist ein anspruchsvoller Markt, bietet aber Opportunitäten für hochstehende Produkte. Wer ihn erschliessen will, muss dort produzieren – und bereit sein, die Sprache zu lernen und sich auf seine Partner einzulassen, sagt ContrinexChefin Annette Heimlicher.

INTERVIEW: STEFFEN KLATT

Warum ist Contrinex nach Brasilien gegangen? Annette Heimlicher: Brasilien hat ganz hohe Importzölle. Damit sollen die nationale Wirtschaft geschützt und die Importe begrenzt werden. Damit kann man preislich nicht mehr mit brasilianischen Produkten konkurrieren, auch wenn diese technologisch nicht so gut sind. Wenn man den brasilianischen Markt bedienen will, ist man fast gezwungen, dort zu produzieren. Daher haben unsere Kunden in Europa und in Asien auch Werke in Brasilien. Sie sind also Ihren Kunden gefolgt? Das kann man so sagen. Damit haben wir vor Ort bereits eine Referenz und können damit unsere in Brasilien gefertigten Produkte anbieten, die preislich kompetitiv sind. War es leicht, auf dem brasilianischen Markt Fuss zu

fassen? Nein. Es ist nie leicht. Niemand hat auf uns gewartet. Der brasilianische Markt ist sehr stark entwickelt. Die Industrie ist auf einem hohen Niveau; viele westliche Unternehmen sind schon lange dort. Auf der einen Seite findet damit ein Verdrängungskampf statt, auf der anderen Seite bieten sich aber auch Opportunitäten für hochstehende Produkte. Wie lange haben Sie gebraucht, Fuss zu fassen? Zum Break-even waren es ungefähr drei Jahre. Das entsprach unserem Plan. Jetzt spüren wir aber, dass es schwierig ist, stark zu wachsen. Das hängt auch damit zusammen, dass es schwierig ist, Fachkräfte zu finden. Es gibt einen Kampf um Talente. Es bleibt aber unser Ziel, zu den Top-Players in Brasilien zu zählen. Gibt es Tricks, schnell ans Ziel zu kommen? Es ist wichtig, dass unser Headquarter die Wünsche unseres Vertriebs in Brasilien möglichst rasch erfüllt. Brasilien hat bei uns Priorität. Wie oft sind Sie selber in Brasilien? Am Anfang war ich vier Mal pro Jahr dort, jetzt sind es noch drei Mal. Ich schicke zunehmend auch andere Leute: Produktionsleiter, Vertriebsleiter,

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andere Manager. Am Anfang habe ich das ganze Projekt verantwortet. War es als Frau für Sie leichter, Fuss zu fassen? Das glaube ich nicht. Brasilien ist sehr von Männern dominiert. Es war am Anfang etwas komisch, als eine junge Frau kam. Aber es war weder ein Vorteil noch ein Nachteil. Wenn man ein kleines Unternehmen ist, ist es manchmal gut, anders zu sein und damit aufzufallen. Haben Sie portugiesisch gelernt? Ja. Das war auch nicht so schwierig, da ich fliessend französisch spreche. Das ist auch ein grosser Erfolgsfaktor. So kann man ein Vertrauensverhältnis aufbauen. Die Leute können ein wenig englisch. Aber wenn man die Sprache nicht spricht, gibt es eine Barriere. Die lokale Sprache gehört ins Gepäck. Spielt Korruption eine Rolle? Nein, gar nicht. Wir sind dafür auch viel zu klein. Wir machen keinen Anlagebau. Wir verkaufen Komponenten, die im Budget unserer Kunden nur ganz wenig ausmachen. Wie funktioniert der Umgang mit den Behörden, etwa den Zollbehörden? Das war am Anfang ganz schwierig. Wir haben am An-

fang nicht gedacht, dass wir es schaffen. Es war sehr schwierig, die Ersteinrichtung für die Produktion nach Brasilien zu bringen. Wir verstanden auch nicht, warum es diese Probleme gab. Im ersten Jahr kamen unsere Lieferungen in den sogenannten roten Kanal. Da wurden unsere Sendungen völlig auseinandergenommen. Das ist gerade für uns hart, da wir ganz kleine Komponenten schicken. Es brauchte einen Tag, sie wieder auseinander zu sortieren. Aber genau nach einem Jahr kamen wir in den sogenannten grünen Kanal. Da wurde fast nichts mehr geöffnet, sondern nur noch gewogen. Seither haben wir absolut keine Probleme mehr. Gibt es für Sie ein starkes Erlebnis in Brasilien? Wir hatten einen lokalen Partner in der Produktion. Als es am Anfang Schwierigkeiten gab, musste ich runterfliegen und mit ihm reden, auf Portugiesisch natürlich. Das ist kein Einzelfall. Wenn es zu Konflikten kommt, muss man portugiesisch sprechen. Sind die Konflikte grösser als anderswo? Nein. Es sind immer die gleichen, vor allem unterschiedliche Erwartungen. In Europa kann man Probleme eher rational lösen, oft auch auf englisch und am Telefon. In Brasilien muss man vor Ort sein und sich für die Leute Zeit nehmen. War es eine richtige Ent-

ZUR PERSON Annette Heimlicher ist CEO von Contrinex. Das Unternehmen mit Sitz in Givisiez stellt induktive und photoelektrische Sensoren her. Gegründet 1972, beschäftigt es heute über 500 Mitarbeiter weltweit mit Produktionsstätten in Frankreich, Deutschland, Ungarn, China, Indien und Brasilien. Annette Heimlicher hat die Aufgabe als CEO Anfang September von ihrem Vater Peter Heimlicher übernommen, dem Gründer und Verwaltungsratspräsidenten. Zuvor war sie verantwortlich für die weitere Entwicklung des Unternehmens. Vor ihrem Einstieg bei Contrinex hat sie für das Weltwirtschaftsforum in Genf gearbeitet.

scheidung, nach Brasilien zu gehen? Auf jeden Fall. In den ersten drei Jahren macht man am besten die Augen zu und geht vorwärts. Irgendwann kommt der Erfolg. Aber das ist eigentlich überall so.


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PUBLIREPORTAGE

S E R V E R L E I CH T E RT D E N H A N D E L M I T D E M AU S L A N D

Versicherung ermöglicht Exporte Die Versicherungen und Garantien der Schweizerischen Exportrisikoversicherung SERV erleichtern Schweizer Exporteuren die Annahme risikobehafteter Aufträge. Dies zeigt zum Beispiel die Lieferung von Etikettenwebmaschinen der Jakob Müller AG nach Peru.

Bei Exportgeschäften besteht stets ein gewisses Risiko, dass der Käufer erbrachte Leistungen des Lieferanten nicht bezahlt. Die Versicherungen der SERV schützen Schweizer Exporteure vor Zahlungsausfall aufgrund wirtschaftlicher oder politischer Risiken. Diese Sicherheit erlaubt es Exporteuren unter anderem, ihren Käufern konkurrenzfähige Zahlungsbedingungen anzubieten. In vielen Regionen der Welt sind Unternehmen nicht in der Lage, sich in ihrem Land selbst die nötigen finanziellen Mittel für neue Investitionen zu verschaffen. Deshalb sind sie auf direkte Kredite des Schweizer Lieferanten angewiesen. Dies bestätigt auch Bruno Bolliger, Chief Financial Officer der Jakob Müller Holding AG. Die Schmaltextil-Maschinenfirma aus Frick greift regelmässig auf Versicherungen der SERV zurück. Ihre hocheffizienten Maschinen finden weltweit Anwendung bei der Produktion von Schmalbandtextilien, Etiketten und weiteren Nebenprodukten zum Beispiel für die Bekleidungsindustrie. Minimiertes Risiko bei langen Zahlungsfristen Einer grossen Etikettenweberei in Peru ermöglichte die Jakob Müller AG den Kauf von zehn Etikettenwebmaschinen der neuesten Generation. Für den peruanischen Kunden sind die neuen Maschinen eine bedeutende Ergänzungsinvestition, die es ihr dank der höheren Effizienz und geringerem Stromverbrauch erlaubt, zu günstigeren Kosten zu produzieren und damit ihre Stellung auf dem konkurrenzintensiven Markt zu festigen.

Der Käufer konnte die Summe von 2 Millionen Franken aber nicht ohne weiteres aufbringen. Um das Geschäft abschliessen zu können, musste ihm die Jakob Müller AG bei den Zahlungsbedingungen deshalb entgegenkommen. Die Geschäftspartner vereinbarten gestaffelte Zahlungen, die sich über 30 Monate nach Lieferung erstrecken. Zwar schätzt die Jakob Müller AG die Finanzlage dieses langjährigen Kunden als gesund ein. Doch auch in grundsätzlich stabilen Ländern wie Peru kann man die politische und wirtschaftliche Entwicklung auf längere Sicht nur schwer abschätzen. Bei einem Betrag in dieser Höhe wäre das Risiko eines Zahlungsausfalls für die Lieferantin nicht tragbar gewesen. Die Absicherung dieses Geschäfts mit einer Lieferantenkreditversicherung der SERV half der Jakob Müller AG, ihr Risiko zu minimieren, sodass einem Abschluss dieses Geschäfts nichts mehr im Wege stand. Unterstützung für Exportunternehmen Ohne die Angebote der SERV müssten Schweizer Exporteure bei vielen Aufträgen zu grosse Risiken eingehen. Risiken, die private Kreditversicherer nur selten zu tragbaren Bedingungen absichern. «Die Möglichkeit, das private Käuferrisiko bei der SERV zu versichern, erlaubt es uns, Risiken in der Debitorenbewirtschaftung zu minimieren», erklärt CFO Bruno Bolliger. «Im Extremfall kämen manche Geschäfte ohne die SERV nicht zustande.» Die Jakob Müller AG nimmt auch für Geschäfte

Nach Peru exportierte Etikettenwebmaschine der Jakob Müller AG

Foto: zVg

S CH W E I Z E R I S CH E E X P O RT R I S I KOV E R S I CH E R U N G S E R V Die SERV versichert Exportgeschäfte von Schweizer Unternehmen gegen wirtschaftliche und politische Risiken. Als öffentlichrechtliche Anstalt des Bundes ist die SERV dabei subsidiär tätig, bietet ihre Versicherungen also in Ergänzung zu den Angeboten privater Kreditversicherer an. Mit ihren Versicherungen trägt sie zur internationalen Konkurrenzfähigkeit der Schweizer Exportwirtschaft sowie zur Erhaltung und Schaffung

in anderen Regionen der Welt regelmässig die Angebote der SERV in Anspruch. Sie profitiert damit wie viele Schweizer Exporteure vom Know-how und der Beratung der SERV bei der Strukturierung von Exportgeschäften, deren Finanzierung und Absicherung.

von Arbeitsplätzen in der Schweiz bei. Die SERV deckt neben dem Export von Konsumund Investitionsgütern auch Exporte von Dienstleistungen wie Bau-, Wartungsund Ingenieurarbeiten oder Lizenz- und Know-howVerträge. Für den Abschluss einer SERV-Versicherung ist keine Mindestgrösse gefordert, weder in Bezug auf das Unternehmen noch auf das Auftragsvolumen. Voraussetzung ist hingegen, dass der Antrag stellende Expor-

Nicht nur die Käufer im Ausland, auch die Exportunternehmen sind auf genügende Liquidität angewiesen, um neue Märkte zu erschliessen und zu expandieren. Die SERV trägt auch dazu mit ihren Versicherungen und Garantien bei und bietet verschiedene Lösun-

teur seinen Sitz in der Schweiz hat und das Exportgeschäft einen bestimmten schweizerischen Wertschöpfungsanteil enthält.

Schweizerische Exportrisikoversicherung Zeltweg 63, 8032 Zürich T +41 58 551 55 55 info@serv-ch.com www.serv-ch.com

gen, die Schweizer Exporteuren neue Geschäfte ermöglichen. Bruno Bolliger fasst es wie folgt zusammen: «Die Möglichkeiten der SERV erweitern den Spielraum bei unseren Exportgeschäften und helfen somit, unsere Arbeitsplätze in der Schweiz zu sichern.»


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Myclimate hat drei Aktivitätsfelder: Klimabildung, Carbon Management Services und die CO 2-Kompensation.

Foto: Bilderbox / zVg

R E N É E S T E R M A N N , C E O V O N M Y C L I M AT E

Noch grössere Efforts Seit zehn Jahren setzt sich myclimate für den Klimaschutz ein. Auf dem Schreibtisch von CEO René Estermann stapeln sich massenhaft Ideen für Projekte. Er sagt, wir sind erst ganz am Anfang.

INTERVIEW SALOME KERN

Herr Estermann, wie hoch ist Ihr eigener CO2-Ausstoss? Der private ist tief, als Velo-, Bahnfahrer und Mobilitybenutzer und zu Hause mit Solarkollektoren und HolzpelletsHeizung, er liegt wohl bei zwei bis drei Tonnen/Jahr. Geschäftlich sind’s drei bis zehn Tonnen pro Jahr je nach Anzahl Projektbesuchen. «I do my best» und kompensiere natürlich den Rest! Wie lassen sich für Sie die geschäftlichen Flüge mit dem Klimabewusstsein der Firma vereinbaren? Mit dem was ich fliege, kann ich einen riesigen Hebel realisieren. Unsere gesamte Myclimate-Stiftung mit 40 Leuten hier in Zürich hat etwa einen Fussabdruck von knapp 100 Tonnen CO2-Ausstoss pro Jahr (inkl. Flüge, Büroheizung, Mitarbeitermobilität, Drucksachen), mit dem können wir aber eine halbe Million Tonnen reduzieren, also 5’000 mal mehr Reduktionen. Wenn das jedes Geschäft machen würde... Ende 2012 läuft das Kyoto-Protokoll ab, was bedeutet das für myclimate? Im gleichen Jahr werden wir Zehnjährig. Die Kyoto-Phase war die erste weltweite Verpflichtung für eine gemeinsame Klimaschutzaktivität. Es haben nicht alle Staaten mitgemacht, aber immerhin. Es war ein Learning-Prozess für die internationale Gemeinschaft und hat diese auch aktiviert. Noch nicht das, was nötig wäre, aber es war ein Schritt in die richtige Richtung. Diesem müssen jetzt mehr und

grössere Schritte folgen. Die Schwierigkeiten zum Abschluss eines erneuten grösseren globalen Klimavertrages zeigen auf, dass «bottom-up»-Anstrengungen von uns allen umso wichtiger sind. Was heisst das für Sie? Myclimate ist nicht so stark involviert in die regulierten Märkte. Wir arbeiten vor allem mit den Pionieren, die mehr als vom Staat vorgegeben machen möchten, quasi an der Vorfront, so sind wir dem Verpflichtungsmarkt und der Politik immer zehn Schritte voraus. So hinkt die Politik den Klimaschutzpionieren aus Wirtschaft und Gesellschaft stets hinterher. Es ist gut zu sehen, dass jetzt nach der ersten Kyoto-Phase, weltweit viele regionale Aktivitäten passieren. Leider nicht in einem globalen Commitment und leider zu wenig ambitioniert. Deshalb braucht es weiterhin Pionierarbeit, wie von myclimate, die vorausgeht. Der Klimawandel ist ein aktuelles Thema. In den letzten Jahren ist das mediale Interesse aber gesunken. Hinterlässt das Spuren? Eigentlich nicht gross, wir wachsen weiterhin und unsere Bildungs- und Beratungservices und Kompensationsvolumen nehmen von Jahr zu Jahr zu. Wenn ich mit der Zeit vergleiche, als ich im 2006 bei myclimate begann, dann ist es heute keine Frage mehr, ob Klimaschutz betrieben werden soll. Es gibt nur noch Wenige, die daran zweifeln. Unsere Gründer haben fünf Jahre nur versucht, die Leute über den Klimawandel zu informieren und für Klimaschutz zu überzeugen. Heute ist das Thema etabliert und die Erkenntnis,


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Haben Sie genug Projekte, um die vielen Tonnen Emissionen zu kompensieren? Es ist kein Mangel an Projekten, sondern an Geld. Wir kompensieren nur ein Prozent der Emissionen der Schweiz. In den Schwellen- und Entwicklungsländern ist der Hunger nach Energie riesig. Weltweit haben rund zwei bis drei Milliarden Leute keinen Zugang zu Energie. Als Lichtquelle dienen dort Petrollampen (fossile Energie), gekocht wird auf offenem Feuer mit viel Holz (Abholzung) Eine Familie in Äthiopien braucht jährlich 30 bis 50 Liter Kerosin für die Lämpchen in ihrem Haus, das ergibt 100 bis 200 Kilogramm CO2. Wenn diese durch Solarlicht ausgetauscht werden, ist das eine erneuerbare Energiequelle, es entstehen keine giftigen Dämpfe mehr, die CO2-Emission wird gesenkt und diese Familien sparen Geld.

ZUR PERSON: René Estermann ist seit 2006 CEO von myclimate. Er studierte Agrarwirtschaft an der ETH Zürich, mit Abschluss Dipl. Ing. Agr. ETH. Vor seiner Zeit bei myclimate arbeitete er 16 Jahre mit eigenem Beratungs- und Ingenieurbüro composto+ und war massgeblich am Aufbau der Grüngutverwertung in der Schweiz beteiligt.

dass weltweit die Treibhausgas-Emissionen massiv reduziert werden müssen vorhanden. Die Frage ist nur noch wer, wann, wie rasch, was machen soll. Auch wenn bei Ihnen der CO2-Ausstoss kompensiert wird, stösst der Kunde nicht weniger aus. Ist das nicht eine Alibiübung? Myclimate macht viel mehr als CO2-Kompensation. Wir haben drei Aktivitätsfelder: Klimabildung, Carbon Management Services und die CO2-Kompensation. Gemäss unserem Motto «Do the best and offset the rest», also gleichzeitig vermeiden, reduzieren und kompensieren. Das Reduzieren im eigenen Entscheid- und Handlungsbereich fördern wir mit Klimabildungsprojekten, so sensibilisieren wir Schüler, Lehrlinge, die breite Bevölkerung und Firmen. Mit Carbon Management Services zeigen wir Firmen auf, wo sie wie viel CO2-Emissionen verursachen und wo ihre grossen Optimierungspotentiale liegen. Auch zeichnen wir klimafreundliche Produkte aus, beispielsweise könnte man die Migros als Weltmeister mit ausgezeichneten, klimafreundlichen Produkten bezeichnen. Es gibt weltweit keinen anderen Grossverteiler, der von so viele Produkten den CO2-Fussabdruck berechnet hat und die klimafreundlichsten mit dem climatop-Label auszeichnet. Eine gute Entscheidhilfe für Konsumenten und ein lohnenswerter Anreiz für Hersteller hin zur «Low-Carbon-Economy». Nur wenn ich die Emissionsquelle kenne, kann ich sie auch managen. Die Kompensationsmöglichkeit kann trotzdem dazu verleiten, schnell in den Flieger nach Amerika einzusteigen. Unsere Marktanalysen und andere Studien zeigen ein anderes Bild: Wer kompensiert, verhält sich bereits umweltbewusst . Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, wer gasförmige Abfälle in der Atmosphäre deponiert, bezahlt dafür, das Verursacherprinzip und zwar nicht nur für die Emissionen beim Fliegen auch für jene vom Strassenverkehr, Heizen oder Strom und Güter produzieren. Wir haben in der Schweiz rund 50 Millionen Tonnen Emissionen, rund 20 Millionen kommen aus Gebäudeheizungen und 15 bis 20 Millionen aus dem Strassenverkehr. Rund fünf Millionen Tonnen verursacht das Fliegen. Von all dem kompensieren wir erst eine halbe Million Tonnen.

Aber wie können Sie Ihren Spendern garantieren, dass ein Projekt in Bali funktioniert? Als gemeinnützige Stiftung mit dem Ziel des Klimaschutzes und nachhaltiger Entwicklung garantieren wir für effektiven Mitteleinsatz. Sämtliche Gewinne kommen diesem Zweck zugute. Unsere Klimaschutzprojekte realisieren wir nach den strengsten internationalen Standards dem Gold Standard oder dem Clean Development Mechanism (CDM) und vor dem Start validiert und jährlich wird eine Verifizierung der Projekte durchgeführt, um zu kontrollieren, ob diese tatsächlich laufen. Das gibt uns und den Spendern die Sicherheit, dass die Gelder nur dorthin fliessen, wo tatsächlich nachhaltige Emissionsreduktionen im Projekt realisiert wurden. Das benötigt eine hohe Kontrolle. Ja, unsere Projektpartner vor Ort dokumentieren ihre Arbeit und Leistung sorgfältig. Die externen Prüfer machen anlässlich der regelmässigen Projektverifizierungen Stichprobenkontrollen zum Beispiel in Familien die effiziente Kocher oder Solarlampen einsetzen. Im Vergleich zu sonstigen Entwicklungsprojekten erfolgt bei unseren zertifizierten Klimaschutzprojekten der Mitteleinsatz streng leistungsorientiert. Zehn Jahre Erfahrung sind noch nicht lang, im Klimaschutz-Bereich hingegen schon. Das A und O ist eine gute Beziehung zu leistungsfähigen, glaubwürdigen Partnern vor Ort. Dieses Jahr feiert myclimate den 10-jährigen Geburtstag. Was waren die Höhepunkte seit der Gründung? Einerseits unsere Klimaschutz-Projekte, damit können wir für die Beteiligten grosse Verbesserungen im Alltag bewirken. Ein weiterer Höhepunkt sind die positiven Kundenfeedbacks, deren wachsende Engagements und Treue. Die überraschenden Klimaschutz-Aktivitäten, die initiert durch unsere Klimabildungsprojekte durch Lehrlinge oder Schüler realisiert werden, sind stets tolle Aufsteller. Wir haben mittlerweile in elf Ländern Repräsentanten. Die Idee und das Netzwerk von myclimate wird so von Montreal bis Tokio verbreitet. Ausserdem ist es toll zu sehen, wie gross die Freude und der Einsatz bei den jungen Mitarbeitern ist, bei uns mitzuarbeiten. Das ist wahnsinnig beflügelnd. Und wie sieht die Zukunft von myclimate aus? Wir wissen, dass wir noch ganz am Anfang sind. Die Emissionsreduktionen werden erst in einem kleinen Rahmen sichtbar. Aber wir sehen das Potential. Man kann eine nachhaltige Entwicklung realisieren und es geht allen langfristig besser mit «Low Carbon Technologies». Dass die Efforts aber noch viel grösser sein müssen, zeigte das letzte Jahr. 2011 war wieder ein Rekordjahr der Treibhausemissionen. Anstelle von Rückgang, gab es weltweit eine massive Zunahme. Das zeigt die Herausforderung. Wir sind erst ein Flämmchen, das ein Feuer werden soll.


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Am Walensee soll die grösste Schweizer Photovoltaikanlage entstehen. Foto: zVg

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NACHHALTIGE ENERGIEVERSORGUNG SOLL WIRTSCHAFTSMOTOR WERDEN

Wirtschaftliche Chance Die Energiewende ist nicht nur machbar, sondern auch eine Chance für die Wirtschaft, sagt der Wirtschaftsverband swisscleantech. Wo sie stattfindet, bildet sie bereits heute einen Motor der Wirtschaft. Die Lebensqualität kann auch mit weniger Energieverbrauch gesichert werden.

TEXT SALOME KERN, BERN

Der Stromverbrauch nimmt im Kanton Basel-Stadt nur halb so stark zu, wie in der restlichen Schweiz. Der Grund: Der Stadtkanton setzt seit den Auseinandersetzungen um das geplante Kernkraftwerk Kaiseraugst in den 80er Jahren auf die Förderung der erneuerbaren Energien. «Unser Fördermodell stützt sich auf vier Pfeiler: scharfe Anforderungen an Gebäudeisolation und an die Gebäudetechnik, Förder- und Lenkungsabgaben für Strom und eine Solarstrombörse», erklärt Marcel Schweizer, Präsident des Gewerbeverbands Basel-Stadt. «Die in der Schweiz einzigartigen Förderabgaben für Strom werden direkt für erneuerbare Energien eingesetzt.» Marcel Schweizer sieht die Energiewende als Wirtschaftsmotor. «So werden weitere Arbeitsplätze und Tätigkeitsbereiche für KMUs geschaffen.»

EKZ wird zum Pionier Auch anderswo wird diese Botschaft gehört. «Der Weg ist lang und steil. Aber wir müssen und wollen ihn gehen», sagt Jürg Kessler von den Elektrizitätswerken des Kanton Zürichs (EKZ). Die EKZ investieren 400 Millionen Franken in diverse Projekte. So könnte am Nordufer des Walensees eine Photovoltaikanlage Strom produzieren. «Die geplante Photovoltaikanlage am Walensee ist die grösste in der Schweiz», sagt Kessler. «Die Hauptproduktion findet im Frühling und Herbst statt, dann wenn bei anderen der Ertrag gering ist.» Die EKZ ist zudem Schweizer Pionier bei der innovativen Speicherung von Energie. Der grösste Batteriespeicher der Schweiz wurde von den EKZ in Zusammenarbeit mit der ABB gebaut. Heute steht er in Dietikon und speist Energie ins Netz ein oder bezieht sie von dort. «Unter anderem mit dieser Innovation setzen wir die Energiewende schon heute um.» Mit dem Ausbau der Stromnetze soll aus-


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serdem die Energie effizienter verteilt werden. Denn anders als früher produzieren heute auch Private, beispielsweise mit Photovoltaikanlagen auf dem Dach, Strom. Auf dem Netz, das einst als Einbahnstrasse gebaut worden ist, kommt es nun zu Gegenverkehr. Eine grosse Herausforderung für die Netzbetreiber. Energiewende ist finanzierbar Aus der Sicht des Wirtschaftsverbandes swisscleantech ist die Energiewende eine grosse Chance für die gesamte Wirtschaft. Zwar würden die Mehrkosten der Energiewende bis 2050 insgesamt 80 Milliarden Franken kosten. Aber das sei nicht viel im Verhältnis zum derzeitigen jährlichen Bruttoinlandprodukt von 580 Milliarden Franken. Gleichzeitig kommt ein grosser Teil der Mehrkosten der Schweizer Wirtschaft zugute – anders als die Ausgaben für fossile Energieträger, die importiert werden müssen. «Die Schweiz verfügt über eine ausreichende Finanzkraft, das erforderliche Know-how und das nötige Praxiswissen in den KMU», sagt swisscleantech-Präsident Nick Beglinger. «Wer soll die Energiewende umsetzen, wenn nicht die Schweiz?» Und: «Wenn wir es richtig machen, sind die volkswirtschaftlichen Auswirkungen netto positiv.» Energieeffiziente Produkte und Produkte zur Gewinnung von erneuerbaren Energien stellten einen boomenden internationalen Wachstumsmarkt dar. Ausserdem ergäben sich wirtschaftliche Vorteile aus einer höheren Wertschöpfung im Inland.

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Weniger Energie, gleiche Lebensqualität Der Verband zeigt mit seiner Energiestrategie auf, wie die nachhaltige Energieversorgung umgesetzt werden kann. Christian Zeyer, Hauptautor des Cleantech Energiemodells, sieht grosse Chancen in der Gebäudesanierung, Wärmeverbundsystemen, neuer Mobilität, Erneuerbare Energien und intelligenten Netzen. «Es geht nicht um Altruismus, sondern darum, effektiv zu reduzieren ohne Einschränkung der Lebensqualität. Gerade mit der Dämmung eines Hauses.» Ein Hauptziel der Energiestrategie ist die Erhöhung des Eigenversorgungsgrades der gesamten Energie auf mindestens 70 Prozent bis 2050. Dabei sollen hundert Prozent der Stromversorgung aus erneuerbaren Energien bestehen. Anstatt fossile Energieträger aus Ländern mit hohem geopolitischem Risiko zu beziehen, soll in Zukunft Grünstrom aus europäischen Ländern importiert werden. Die fossilen Energien können dank dem Einsatz von Elektromobilität und Wärmepumpen ersetzt werden. Der Strombedarf wird bis 2050 weiter ansteigen. Dank erneuerbaren Energien werden laut Cleantech Energiestrategie die Ziele zur Senkung des CO2-Ausstosses trotzdem erreicht. Das Energiemodell berücksichtigt dabei nur Quellen, die bereits heute einsatzfähig sind. Ausnahme bildet die Tiefen-Geothermie, deren Verfügbarkeit erst 2030 erwartet wird. Zur Umsetzung der Energieziele braucht es aber laut swisscleantech ab 2021 zusätzlich die ökologische Steuerreform.

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CLEANTECH NACHRICHTEN Mehr Zug für die Schweiz Eine Gruppe von Westschweizer Verkehrsspezialisten schlägt einen massiven Ausbau der Bahninfrastruktur in der Schweiz vor. In ihrem Buch «Bahn-Plan 2050», jetzt auch auf deutsch im Rüegger Verlag in Zürich erschienen, fordern die Spezialisten den Anschluss der Schweiz an das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz. In einem ersten Schritt bis 2020 sollte der Taktfahrplan in der ganzen Schweiz realisiert werden. Dazu gehört insbesondere auch die Verkürzung der Reisezeit zwischen Lausanne und Bern und zwischen Zürich und St. Gallen. In einem zweiten Schritt sollten bis 2035 in den beiden wirtschaftlichen Zentren der Schweiz, zwischen Genf und Renens bei Lausanne und zwischen Zürich und Olten Hochgeschwindigkeitsstrecken gebaut werden. Diese und die bestehenden Hochgeschwindigkeitsstrecken sollten

schliesslich bis 2050 zu einem Hochgeschwindigkeitsnetz mit einer West-Ost-Linie von Genf bis St. Gallen und einer Nord-Südlinie von Basel bis Chiasso verbunden werden. Diese beiden Strecken sollten an die europäischen Strecken angeschlossen werden, also die TGV-Linien in Frankreich und die ICE-Linien in Deutschland. Die Gruppe um Daniel Mange, emeritierter Professor der ETH Lausanne, strebt für die Finanzierung eine Partnerschaft zwischen öffentlicher Hand und privaten Investoren an. Ihr Vorbild dafür ist Alfred Escher, der einst im 19. Jahrhundert für die Finanzierung des Bahnbaus die Schweizerische Kreditanstalt gründete. Bundesrat eröffnet Vernehmlassung Bern - Der Bundesrat schickt sein Massnahmenpaket für den schrittweisen Umbau der schweizerischen Energieversorgung in die Vernehmlassung. Diese dauert bis zum 31. Januar an. Im Rahmen dieser Massnahmen will der

Eine Studie unter Leitung der Empa hat ergeben, dass nur wenige Biotreibstoffe in der Gesamtbilanz umweltfreundlicher als Benzin sind. Foto: zVg

Neuer Taktfahrplan bis 2020: Dazu gehört insbesondere auch die Verkürzung der Reisezeit zwischen Lausanne und Bern und zwischen Zürich und St. Gallen. Foto: Bilderbox.de

Bundesrat den Energieverbrauch pro Person und Jahr ausgehend von den Zahlen aus dem Jahr 2000 bis 2035 um 35 Prozent senken. Dazu soll zum einen die Energieeffizienz gesteigert werden, vor allem im Gebäudebereich. Der Stromverbrauch soll ab 2020 stabilisiert, die Wasserkraft leicht ausgebaut werden. Der Ausbau der erneuerbaren Energien soll gefördert werden. Der bisherige Deckel für die Förderung soll wegfallen. Der Ausbau der Photovoltaik soll allerdings mit Kontingenten begrenzt werden. Klimastiftung unterstützt neuartige Kälteanlage Ellikon an der Thur - Die Klimastiftung Schweiz fördert die neue umweltfreundliche Ammoniak-Kühlanlage des Tomatenproduzenten Purnatur AG mit über 150 000 Franken. Die Anlage spart rund 660 Tonnen CO2 pro Jahr.

Allianz für Kraft-Wärmekopplung Zürich - Die Schweizer Stadtwerke, die Erdgas-Versorger und die Kommunalverbände haben sich zu einer Allianz für den raschen Ausbau der KraftWärme-Kopplung (WKK) zusammen gefunden. Die Wärmekraftkopplung (WKK) ist nach Einschätzung der Bündnispartner von grosser Bedeutung. Mit der gleichzeitigen Produktion von Strom und Wärme in lokalen Anlagen lässt sich die Energieeffizienz markant steigern und die Umwelt schonen. Die wenigsten Biotreibstoffe sind «grün» Dübendorf/St.Gallen/Thun Eine Studie unter Leitung der Empa hat ergeben, dass nur wenige Biotreibstoffe in der Gesamtbilanz umweltfreundlicher als Benzin sind. Etliche Biotreibstoffe aus Agrarerzeugnissen helfen zwar, den Ausstoss an Treibhausgasen zu verrin-

gern, führen aber zu anderen Umweltschäden wie übersäuerten Böden und überdüngten Gewässern. Die Studie war im Auftrag des Bundesamts für Energie und in Zusammenarbeit mit der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon und dem Paul Scherrer Institut erarbeitet worden. Silizium ist spannend Villigen - Forschern ist es gelungen, die Spannung in einer Siliziumschicht zu erhöhen. Eine erhöhte mechanische Spannung ist Voraussetzung für die Verwendung des Materials für schnellere und leistungsfähigere Mikroprozessoren. Die Silizium-Nanodrähte sollen nun als schnelle Transistoren innerhalb von Mikroprozessoren verwendet werden. Dazu suchen die Forscher jetzt Kooperationspartner. Anzeige

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ENERGIE

ENERGIEEFFIZIENZ IN DER INDUSTRIE

Grosses Sparpotenzial Ob Maschinen, die ständig einsatzbereit sind, oder Abwärme, die ungenutzt verpufft: Die Industrie könnte einen Viertel ihrer Energiekosten sparen. Mit drei neuen Planungshilfen weisen Swissmem und das Programm EnergieSchweiz des Bundesamts für Energie den Weg zu massgeschneiderter Effizienz.

Minuten schaltet der Antrieb ab, nach weiteren zehn Minuten die Druckluft, so dass am Ende nur noch die Spindelkühlung in nennenswertem Umfang Energie braucht. Dank dieser Programmierung, über deren Einsatz man flexibel entscheiden kann, konnte rund ein Drittel des Gesamtenergieverbrauchs eliminiert werden – «und das ohne jede Investition», freut sich Güntert. Das Gleiche gelte fürs Hydraulikaggregat: «Seit wir eine Automatik verwenden, welche die Pumpe jeweils nur dann kurz einschaltet, wenn der Druckspeicher nachgeladen werden muss, ist der Energieverbrauch der Pumpe gegen Null gesunken.»

«BON» – was wie das französische «gut» klingt, ist in Wirklichkeit alles andere als erwünscht: Das Kürzel steht für «Betrieb ohne Nutzen», also Industrieanlagen, die auch ausserhalb der produktiven Zeit hohe Energiekosten verursachen. Wird das Zusammenspiel der Anlagekomponenten hingegen energetisch optimiert, profitieren nicht nur Umwelt und Ressourcen. Die Unternehmen können auch den hohen Energiepreisen Paroli bieten. Leerlauf frisst Energie Als einer der ersten Werkzeugmaschinenbauer hat sich die Starrag Group in Rorschacherberg/SG dem Problem angenommen. Das global tätige Unternehmen stellt unter anderem 5-Achs-Maschinen zum Fräsen komplexer Metallbauteile her. Diese so genannten Freiformflächen werden insbesondere für Schaufeln in Gas- und Dampfturbinen sowie in Düsentriebwerken benötigt. «Mit einem Team der ETH Zürich und dem ETH-Spin-off Inspire AG konnten wir die Energieverbräuche der einzelnen Maschinenkomponenten in verschiedenen Betriebszuständen erheben», erklärt Bernhard Güntert, Leiter Test Field bei der Starrag. Es zeigte sich: Energetisch besonders ungünstig ist jener Zustand, in den die Maschinen fallen, nachdem ein Werkstück fertig bearbeitet ist. «Während des Fräsvorgangs entfällt etwa je ein Drittel des Energieverbrauchs auf Antrieb, Kühlung und Druckluft. Doch anschliessend bleiben die Maschinen voll einsatzbereit; nur der Verbrauch der Antriebsenergie geht leicht zurück», erklärt Güntert. Ein Drittel eingespart Dieses Problem hat die Starrag nun durch eine so genannte Feierabend-Schaltung beseitigt. Wenn ein Werkteil fertig ist und kein neuer Prozess beginnt, fährt die Maschine stufenweise in eine Art Dämmerzustand herunter: Nach fünf

B E R AT U N G U N D VERNETZUNG EnergieSchweiz ist die nationale Plattform, die alle Aktivitäten im Bereich erneuerbare Energien und Energieeffizienz koordiniert. Dies erfolgt in enger Zusammenarbeit mit Bund, Kantonen, Gemeinden und zahlreichen Partnern aus Wirtschaft, Umweltverbänden und Konsumentenorganisationen sowie privatwirtschaftlichen Agenturen. EnergieSchweiz wird operativ vom Bundesamt für Energie geleitet.

www.energieschweiz.ch

Monitoring zeigt Potenzial Für die energetische Optimierung von Industrieanlagen braucht es ein kluges Design von Prozessen und Komponenten, wie Rainer Züst vom Ingenieurbüro Züst Engineering in Seegräben/ZH erklärt. Im Auftrag des Industrieverbands Swissmem und mit Unterstützung des Programms EnergieSchweiz des Bundesamts für Energie führte er in zahlreichen Firmen der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie Verbrauchsanalysen durch: «Nicht nur beim BON, sondern auch bei der Abwärme der Produktionsprozesse liegt vieles im Argen.» Wichtig sei zudem ein Monitoring des Energieverbrauchs, um Sparmöglichkeiten zu identifizieren und Verbesserungen dauerhaft zu sichern. Planungshilfen zeigen, wies geht Aus dieser Analyse gingen drei Planungshilfen hervor. «Die neuen Tools greifen typische energetische Probleme komplexer Produktionsanlagen auf und beschreiben ein strukturiertes Vorgehen, mit dem eine Firma zu einer massgeschneiderten Lösung gelangen kann», erklärt Andreas Scheidegger, Leiter Energieeffizienz in Unternehmen beim Bundesamt fur Energie.

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Zeitwirtschaft für eine dauerhaft menschliche Arbeitswelt


ENERGIE

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Die Starrag Group in Rorschacherberg/SG hat ihre Maschinen energetisch optimiert – und spart Energie im zweistelligen Bereich.

Foto: zvg.

WAS LOHNT SICH AM MEISTEN? Grundregel: Alles automatisch ausschalten, was nicht gebraucht wird. Wenn weniger Energie zugeführt wird, entsteht weniger störende Wärme. Dementsprechend muss weniger gekühlt werden. Maschinen: Intelligente Hochund Niederfahrrouten programmieren, damit die Maschinen zwischen den einzelnen Fertigungsprozessen nicht in

Betriebsbereitschaft verharren, sondern in einen Sparmodus herunterfahren. Unterstützende Komponenten: Druckluft, Kühlung und Hydraulik bedarfsgerecht programmieren: «so viel wie nötig» statt «so viel wie möglich». Peripheriegeräte: Nebelabsauger oder Späneförderer nicht am Morgen einschalten

und am Abend wieder ausschalten, sondern an die Programmierung der Anlage anschliessen und prozessgerecht steuern. Wärmerückgewinnung: Braucht ein Produktionsprozess Wärme, soll diese Energie möglichst aus wärmeabstrahlenden Produktionsschritten derselben Maschine gewonnen werden.

«Betrieb ohne Nutzen» Abwärme und Klimatisie– Energieeffiziente Maschinen rung: Überschüssige Maschiund Geräte: Abwärmenutzung nenabwärme für Heizung und bei Produktionsmaschinen» Warmwasser nutzen oder sonst – Energieeffiziente Maschinen direkt nach draussen statt in und Geräte: «Monitoring» den klimatisierten Produktionsraum abführen. Bestelladresse: Swissmem, Doris Graf, Kirchenweg 4, Folgende Planungshilfen kön8032 Zürich, T 044 384 4808, nen bestellt oder im Internet d.graf@swissmem.ch heruntergeladen werden: Download: – Energieeffiziente Maschinen www.swissmem.ch und Geräte: Vermeiden von

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VORSORGE

Selber bestimmen Individuelle Lösungen für Pensionskassengelder – Private Banking für die Bel-Etage.

TEXT FREDY GILGEN

Niemand kann es bestreiten: Das Vorsorgegeld ist für die meisten Schweizerinnen und Schweizer der mit Abstand grösste Vermögensbestandteil. Was mit diesem Geld geschieht, scheint allerdings weitgehend ihrer Kontrolle entzogen, befindet es sich doch in kollektiv verwalteten Töpfen wie der AHV oder der betrieblichen Pensionskasse. Wer aber genauer hinsieht, findet nach einigem Suchen heraus, dass die Einflussmöglichkeiten auf diese Mittel doch deutlich grösser sind, als den meisten Vorsorgenehmerinnen und -nehmern bekannt ist. Dies in erster Linie im überobligatorischen Bereich der zweiten und in der dritten Säule. Mehrere Finanzdienstleistungsunternehmen wie Liberty Vorsorge, Pensexpert oder das Vermögenszentrum VZ bieten hier schon seit einigen Jahren eine ganze Palette von Individuallösungen an. Die Kernidee dieser innovativen Unternehmen: Die Versicherten sollen die Bewirtschaftung ihrer Gelder soweit als möglich in die eigene Hand nehmen und mehr Eigenverantwortung übernehmen. Und diese Kernidee ist auf drei Ebenen auch bereits umgesetzt: – Im Bereich der zweiten Säule mit Sammelstiftungen wie der Liberty Flex oder Pens Flex. Sie offerieren im überobligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge (der so genannten Bel-Etage) für die einzelnen Versicherten eine persönliche Strategiewahl. Möglich sind hier zum Beispiel auch Direktanlagen in Aktien, ETF, Fonds oder in

Hypotheken für selbst bewohnte Eigenheime. Versicherte können sich bei einzelnen dieser Sammelstiftungen ab dem Alter 58 bis zum Alter 70 ganz oder teilweise pensionieren lassen. – Ebenfalls im Bereich der zweiten Säule mit verschiedenen Freizügigkeitsstiftungen. Von solchen Stiftung können insbesondere Personen profitieren, die eine selbstständige Erwerbstätigkeit aufnehmen oder definitiv ins Ausland ziehen. Auch diese Versicherten haben bei den entsprechenden Stiftungen eine freie Bankenwahl, profitieren von tiefen institutionellen Tarifen bei den angebotenen Investmentlösungen und von einer freien Auswahl bei den Anlageinstrumenten (innerhalb der neuen Anlagebestimmungen nach BVV2). – Im Bereich der gebunden Vorsorge 3a offerieren mehrere Vorsorgestiftungen neben der traditionellen Kontolösung verschiedenste Varianten mit Wertschriften. Die Pens3a Vorsorgestiftung ist das schweizweit einzige Geldinstitut, das auch Hypothekardarlehen für die Finanzierung eines selbst bewohnten Eigenheims anbietet. Ein Vorsorgenehmer kann hier bis zur Hälfte seines 3a-Vorsorgeguthabens als Hypothekardarlehen direkt in sein Eigenheim investieren (Eigenhypothek). Der mit Pens3a vereinbarte marktkonforme Hypothekarzins wird bei dieser Lösung dem persönlichen Vorsorgekonto als Zinsertrag gutgeschrieben. So bleiben die Schuldzinsen als Ertrag beim Vorsorgenehmer und können trotzdem nach wie vor vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden. Beim VZ und bei Liberty können 3a-Sparer ihre Guthaben in ETF und andere Indexfonds investieren. Sie können ihre Anlagestrategie innerhalb der gesetzlichen Vor gaben individuell festlegen und profitieren von deutlich tieferen Gebühren als bei der Konkurrenz. Solidarität nur bei den Risikoleistungen nötig Der Erfolg der oben genannten Vorsorgestiftungen zeigt,

Trotz Solidaridät der Beitragszahler: Auf die erste Säule, die AHV, drückt das Demografieproblem, immer weniger Junge müssen immer mehr Alte finanzieren.

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GELD l UZ dass eine weitergehende Liberalisierung der zweiten und dritten Säule einem Bedürfnis entspricht. Doch vor allem die politische Linke befürchtet bei einer grösseren Individualität in der beruflichen Vorsorge eine Entsolidarisierung. Zu Unrecht: Solidarität ist nämlich nur bei den Risikoleistungen Invalidität oder Tod sinnvoll. Beim Investieren dagegen sind einheitliche Anlagestrategien für die einzelnen Versicherten geradezu kontraproduktiv. Denn die Pensionskassen könnten beim kollektiven Anlagestrategieentscheid die individuellen Bedürfnisse der Versicherten wie Alter, Eigenheim Vorbezug usw. nicht oder nur schlecht berücksichtigen. Das hat vor sechs Jahren auch der Gesetzgeber erkannt und bei der ersten BVG-Revision per 1. Januar 2006 die Möglichkeit einer individuellen Strategiewahl für überobligatorische Pensionskassenguthaben vorgesehen. Die persönliche Strategiewahl ist gegenwärtig ab einer Lohnsumme von 125’280 Franken (Sicherheitsfondslohn) bis zu 835’200 Franken gesetzlich erlaubt. Mehrwerte dank individueller Bewirtschaftung Zu beachten: Bei einer individuellen Strategiewahl darf es weder eine Zins- noch eine Kapitalgarantie geben. Die mit der gewählten Anlagestrategie erzielte Performance wird dem einzelnen Versicherten in guten wie schlechten Anlagejahren 1:1 gutgeschrieben. Der Versicherte kann so von einer Anlagestrategie profitieren, die exakt seiner persönlichen Risikofähigkeit und Risikoneigung entspricht. Langfristig wird der Vorsorgenehmer mit diesem Modell eine deutlich höhere Wertentwicklung erreichen. Eine Mehrrendite von 1 bis 2 Prozent pro Jahr ist nach Ansicht von Finanzexperten durchaus realistisch. Dies nicht zuletzt deshalb, weil keine allgemeinen Wertschwankungsreserven gebildet werden müssen. Durch den Durchschnittspreiseffekt als Folge der regelmässigen Einzahlungen der Sparbeiträge erhöht sich die Performance zusätzlich. Deutlich verbessert sich zudem die Transparenz durch einen jährlichen persönlichen Depotauszug. Freie Pensionskassenwahl bleibt ein Thema Der Bundesrat bleibt allerdings auch im neusten Bericht zur Zukunft der Zweiten Säule bei seiner früheren Ansicht, die freie Pensionskassenwahl sei bis auf weiteres kein

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wünschbares Modell für die Weiterentwicklung der zweiten Säule. Doch die Arbeitswelt von Morgen wird sich noch stärker verändern als bis anhin. Immer mehr Versicherte werden für mehrere Arbeitgeber tätig sein oder ihre hauptberufliche Selbständigkeit mit einem unselbständigen Arbeitsverhältnis kombinieren. Eine optimale Abstimmung der Vorsorge auf die beruflichen und persönlichen Gegebenheiten des Einzelnen kann aber nur dann erfolgen, wenn der Gesetzgeber dem einzelnen Versicherten nebst dem Anlagestrategieentscheid auch die Wahlfreiheit beim Vorsorgeplan ermöglicht. Konsequenz: Die freie Wahl der Pensionskasse wird eher früher als später wieder auf die Traktandenliste kommen müssen. Nach mehr Freiheit und potenziellen Mehrrenditen für ihre Vorsorgegelder werden vor allem jene künftigen Pensionäre suchen, die für die Zukunft der staatlichen Altersvorsorge schwarzsehen. Man muss nicht so pessimistisch sein wie der Zürcher Finanzmarktwissenschafter Martin Janssen, der seit Jahren vor einem Kollaps des helvetischen Vorsorgesystems warnt, doch sowohl für AHV wie für die 2. Säule zeichnen sich eine Reihe von schwerwiegenden Problemen ab: – Auf die erste Säule, die AHV, drückt das Demografieproblem. Daran ändern auch die jüngst publizierten, leicht verbesserten Mittelfristperspektiven für dieses Sozialwerk nichts. Denn das Grundproblem bleibt bestehen: Immer weniger Junge müssen immer mehr Alte finanzieren. Im Jahre 2035 werden beispielsweise auf einen Rentner nur noch zwei Arbeitnehmer kommen. Heute beträgt dieses Verhältnis noch 1 zu 3,7. – Der zweiten Säule macht vor allem das Langlebigkeitsproblem zu schaffen. Weil die Lebenserwartung konstant steigt, müsste der Umwandlungssatz weit rascher gesenkt werden, als es die Politik erlaubt. – Gleich alle drei Säulen kämpfen mit einem Renditeproblem: Das seit Jahren tiefe Zinsniveau, stagnierende Aktienmärkte und immer häufigere Finanzkrisen machen es den Anlegern schwierig, auf eine auch nur einigermassen vernünftige Rendite zu kommen. Immer wieder spricht man von einem eigentlichen Anlagenotstand. Fazit: Alle heute schon vorhandenen Möglichkeiten, selber über sein Vorsorgegeld zu bestimmen, sollten ausgeschöpft werden. Je schneller dies geschieht, desto besser.

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UZ l GELD

MODERNE PENSIONSKASSEN-LÖSUNGEN FÜR FÜHRUNGSKRÄFTE

Kadervorsorge spart Steuern Mit zeitgemässen Vorsorgeplänen für die Geschäftsleitung und andere Kadermitarbeitende sparen die Versicherten und das Unternehmen viel Geld.

TEXT SIMON TELLENBACH

Viele Unternehmen nutzen die gesetzlichen Möglichkeiten in ihren Pensionskassen-Vorsorgeplänen für das Kader nicht aus. Mit einer optimierten Kadervorsorge sparen die Mitglieder der Geschäftsleitung und die übrigen leitenden Angestellten deutlich mehr Steuern. Sie können mehr Geld in die Pensionskasse einzahlen und Bezüge steuerlich geschickt staffeln. Eine moderne Kadervorsorge individualisiert und diversifiziert auch die Anlagerisiken, spart Risikoprämien und verhindert die heute bei vielen Pensionskassen übliche Umverteilung des Vermögens von überobligatorischen zu obligatorischen Guthaben. Einkaufspotenzial steigt deutlich Die meisten Kadervorsorgepläne sehen jährliche Sparprämien vor, die deutlich tiefer sind als die 25 Prozent, die unabhängig vom Alter des Versicherten in der Regel gesetzlich zulässig sind. Werden die Sparbeiträge erhöht, steigt auch das Potenzial für freiwillige Einkäufe oft um mehrere Hunderttausend Franken, wie das folgende Beispiel zeigt: Ein 55-jähriger Geschäftsleiter verdient 280’000 Franken im Jahr. Der aktuelle Vorsorgeplan versichert nur die Lohnteile bis 150‘000 Franken. Der Sparanteil beträgt 15 Prozent des versicherten Lohns. Werden der versicherte Jahreslohn auf 280’000 Franken und die Sparprämie auf das gesetzliche Maximum von 25 Prozent erhöht, steigen die Sparbeiträge um 47 500 Franken pro Jahr (siehe Grafik). Die zusätzlichen Sparprämien senken das steuerbare Einkommen, und mit dem Ausbau der Vorsorgeleistungen erhöht sich auch das Einkaufspotenzial. Der Geschäftsführer in unserem Beispiel kann fast 1,9 Mio. Franken mehr als bisher freiwillig in die Pensionskasse einzahlen und diesen Betrag vom steuerbaren Einkommen abziehen. Mehrkosten für den Arbeitgeber lassen sich vermeiden Eine Erhöhung der Sparquote bedeutet bei gleichbleibendem Lohn auch höhere Kosten für den Arbeitgeber. Um Mehrkosten zu vermeiden, kann er mit dem Einverständnis der Arbeitnehmer die Bruttolöhne um die höheren Sparbeiträge senken und gleichzeitig seine Beiträge an die Pensionskasse erhöhen. Dies hat positive Effekte für beide Seiten. Weil der Arbeitnehmer die höheren Sparbeiträge vom steuerbaren Einkommen abziehen kann, erhöht sich sein Einkommen unter dem Strich trotz Reduktion des Bruttolohns. Die Kosten des Arbeitgebers sind tiefer, weil durch die tieferen Bruttolöhne die Beiträge an die 1. Säule geringer ausfallen. Eine solche Totalkostenbetrachtung – auch Total Compensation Package genannt – macht den Weg frei für eine klassische Win-win-Situation. Auch wählbare Sparprämien sind möglich Möchten nicht alle Kadermitarbeitenden ihre Sparbeiträge erhöhen, kann der Arbeitgeber den Kreis der Mitarbeitenden einschränken, für die ein bestimmter Vorsorgeplan gelten soll. Als Kriterien kommen beispielsweise Lohn, Hierarchiestufe, Funktion, Alter und Anzahl Dienstjahre der Mitarbeitenden in Frage. Eine Alternative zu einer solchen

Eingrenzung der versicherten Personen sind sogenannte Wahlpläne, bei denen die Versicherten selbst entscheiden können, ob sie zum Beispiel 17, 20 oder 25 Prozent des versicherten Lohnes in die Pensionskasse einzahlen möchten. Der Anteil des Arbeitgebers an der Sparprämie muss unabhängig von der Variante, die der Versicherte wählt, gleich hoch sein und mindestens 50 Prozent der Maximalvariante betragen. Frühpensionierung finanziell erleichtern Ein moderner Vorsorgeplan bietet Kadermitarbeitenden die Möglichkeit, ihre Altersleistungen schrittweise zu beziehen oder weiterhin den vollen Lohn zu versichern, den sie vor der Reduktion ihres Arbeitspensums hatten. Er ermöglicht zudem nicht nur Einkäufe bis zur Höhe der reglementarischen Leistungen, sondern auch für die Frühpensionierung. So können Versicherte, die sich bereits für die vollen Leistungen bei einer ordentlichen Pensionierung eingekauft haben, zusätzliche Einkäufe tätigen. Diese Massnahmen bringen den Versicherten einen grossen Vorteil, ohne dass sie den Arbeitgeber etwas kosten. Die Steuerersparnisse, die sie damit erzielen, verringern ihre Kosten einer vorzeitigen Pensionierung. Individuelle Anlagestrategie Da Kadermitarbeitende oft ein stattliches Vermögen in der Pensionskasse haben, möchten sie in der Regel auch mitentscheiden, wie ihr Geld angelegt wird. Vorsorgepläne lassen sich so ausgestalten, dass die einbezahlten Sparbeiträge der Lohnteile über 125’280 Franken im Rahmen der gesetzlichen Anlagevorschriften individuell angelegt werden können. Auf diesem Teil ihrer Vorsorge können Versicherte dann die Anlagestrategie auf ihre persönliche Risikobereitschaft und ihren Anlagehorizont abstimmen und müssen nicht die Anlagestrategie der Pensionskasse mittragen. Aufteilung in mehrere Gefässe bietet Vorteile Sinnvollerweise wird die Pensionskassenlösung in mehrere Gefässe unterteilt, zum Beispiel in eine Basis- und eine Zusatzvorsorge. Damit erhöht sich der Spielraum für gestaffelte Bezüge des PK-Guthabens, die sich steuermindernd auswirken. Bezieht man Guthaben aus der Basisvorsorge und der Zusatzvorsorge in getrennten Steuerjahren, fällt die Steuerprogression relativ moderat aus. Wird hingegen das gesamte Guthaben in der zweiten Säule auf einmal bezogen, steigt die Progression im Jahr des Bezugs sprunghaft an. Die Zusatzvorsorge deckt beispielsweise die Lohnteile über 125‘280 Franken ab, weil ab dieser Grenze individuelle Anlagestrategien mit einem Aktienanteil von bis zu 50 Prozent möglich sind. Die Lohnteile bis zu diesem Betrag werden in der Basisvorsorge versichert, in der das Vorsorgevermögen kollektiv und in der Regel eher sicherheitsorientiert angelegt wird. Kadervorsorge bei separater Sammelstiftung führen Eine Zusatzvorsorge mit individueller Anlagestrategie muss laut Gesetz bei einer separaten Sammelstiftung geführt werden. Bei einer auf die Zusatzvorsorge spezialisierten Sam-

Sparprämien senken das steuerbare Einkommen, und mit dem Ausbau der Vorsorgeleistungen erhöht sich auch das Einkaufspotenzial. Grafik: zVg /Foto: Bilderbox.de


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OPTIMIERUNG DER KADERVORSORGE Beispiel: Geschäftsleiter, 55 Jahre alt, AHV-Lohn, 280 000 Franken

Aktuelle Kadervorsorge AHV-Lohn

Voll ausgeschöpfte Kadervorsorge AHV-Lohn

280’000 Fr. 150’000 Fr. Sparbeitrag: 15%

Sparbeitrag: 25%

22’500 Fr.

Sparbeitrag pro Jahr

70’000 Fr.

880‘000 Fr.

Max. Altersguthaben

2’750’000 Fr.

Zusätzliches Einkaufspotenzial: 1‘870‘000 Fr. Versicherter Lohn

melstiftung sind in der Regel die Risikoprämien für Tod und Invalidität deutlich tiefer. Bei der VZ Sammelstiftung zum Beispiel sind überwiegend Geschäftsinhaber und Kaderleute versichert. Sie beanspruchen nachweislich seltener Invaliditäts- und Todesfall-Leistungen als die übrigen Mitarbeitenden. Von den tieferen Risikoprämien profitieren sowohl der Arbeitgeber als auch die Versicherten. Die Aufteilung in eine Basis- und eine separate Zusatzvorsorge bietet zudem einen Ausweg aus der Umverteilungsfalle. Die Idee der 2. Säule ist eigentlich, dass jeder Versicherte ein Guthaben aufbaut, das später für seine Leistungen zur Verfügung steht. Tatsächlich verteilen Pen-

sionskassen seit Jahren Geld um, weil sie zu hohe Zinsen und Renten zahlen müssen. Das trifft vor allem gut verdienende Angestellte, deren überobligatorisches Guthaben das obligatorische in der Regel deutlich übersteigt, also vor allem Führungskräfte. Einen Teil des Ertrags auf überobligatorischen Guthaben zweigen die Pensionskassen nämlich ab, um ihre Zins- und Renten-Garantien auf dem obligatorischen Kapital zu finanzieren. Wird die Zusatzvorsorge bei einer Sammelstiftung geführt, die ausschliesslich Lösungen für den überobligatorischen Bereich anbietet, ist eine Umverteilung des Ertrags ausgeschlossen.

DER AUTOR Simon Tellenbach ist Experte für Kadervorsorgelösungen beim VZ VermögensZentrum. simon.tellenbach@vzch.com, Telefon 044 207 27 27


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O T C - X : N E B E N W E R T E - H A N D E L S P L AT T F O R M

Starke Performance DIVIDENDENSTRATEGIE

Hohe Rendite VERGLEICH OTC-X Liquidity Index mit dem SPI-Index und dem BIRW-Index 120%

100%

80%

60%

40%

OTC-X Liquidity SPI BIR W 20%

0%

– OTC-Liquidity Index: Index der liquidesten Titel der OTC-X – BIRW: Index für regionale Werte der BX Berne eXchange – SPI: Index der kotierten Aktien der Schweiz

Von Juli bis November 2011 stellte unser Autor Fredy Gilgen in der UZ insgesamt 12 Aktien vor, die wir nach einem Jahr nochmals in den Fokus stellen wollen. Welche Aktien haben reüssiert, welche haben gefloppt?

TEXT ALFRED KUHN

«Langfristig haben Nebenwerte, ob nun börsenkotiert oder nicht, regelmässig besser abgeschnitten als die bekannten Standardwerte», so die Behauptung in der Juni-Ausgabe 2011 der UZ. Stimmt das wirklich? Wir zeigen Ihnen die Jahresperformance der OTC-X im Vergleich zu derjenigen des SPI. Ausserdem haben wir die Jahres- und die Dreijahresperformance der Einzeltitel berechnet, die von Juli bis November 2011 in der UZ vorgestellt wurden.Die OTC-X

Bei der als Dividendenstrategie bekannten Form der Wertschriftenanlage wird gezielt in Aktien von Unternehmen investiert, die eine hohe Dividendenrendite aufweisen. Natürlich lohnt sich diese Strategie nur bei einem langfristigen Anlagehorizont, den es aber bei einem Engagement an der Handelsplattform sowieso einzuhalten gilt. Die drei dividendenstärksten Wertpapiere, die von der UZ vor Jahresfrist vorgestellt wurden, waren die Zürcher Oberland Medien, das Parkresort Rheinfelden und die Immobiliengesellschaft Espace Real Estate (siehe Tabelle). Ein Investor, der vor einem Jahr diese drei OTC-X-Nebenwerte zu gleichen Teilen gekauft hat, erzielte eine Jahresrendite von durchschnittlich + 10,8 Prozent plus

Handelsplattform zeichnet sich durch eine stabile Wertentwicklung aus. Sicher ist, wer in Nebenwerte investiert hatte, konnte besser schlafen, denn die Kursschwankungen der ausserbörslichen Wertpapiere sind insgesamt geringer als diejenigen der börsenkotierten Aktien Diese Weisheit hatte auch im vergangenen Jahr seine Gültigkeit. Im Chart ist der Verlauf des OTC-Liquidity Index, des BIRW und des SPI im Zeitraum von einem Jahr dargestellt. Der OTC-Liquidity Index widerspiegelt die liquidesten Titel der OTC-X-Plattform, der BIRW ist der Index für regionale Werte der BX Berne eXchange.Die Gegenüberstellung zeigt die bekannte, tiefe Volatilität der NebenwerteIndices sowie die relativ niedrige Korrelation zwischen den OTC-X-Werten und den börsenkotierten Aktien des SPI. Bei Einzeltiteln der OTC-X Handelsplattform ist aber trotzdem Vorsicht angebracht, sie können sich noch unterschiedlicher entwickeln als an der SIX. Ein Paradebeispiel dafür ist der Industrietitel Menzi Muck AG, der im vergangenen Jahr so starke Kursschwankungen bei relativ geringem Handelsvolumen aufwies, dass die Jahresperformance nicht sinnvoll berechnet werden kann.


GELD l UZ

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BANKEN

KURSENTWICKLUNG UND DIVIDENDENRENDITE 1 Jahr sowie die Kursentwicklung in den letzten 3 Jahren Aktie/Unternehmen

Kurs (+-) 1 Jahr (Prozent)

Dividendenrendite 2011 (Prozent)

Gesamt performance 1 Jahr (Prozent

Kurs (+-) 3 Jahre (Prozent)

AZ Medien Zürcher Oberland Medien Espace Real Estate Regiobank Solothurn Acrevis Griesser Holding Menzi Muck AG Plaston Holding AG Wasserwerke Zug AG Kongress+Kursaal Bern AG Parkresort Rheinfelden DKSH** Durchschnitt

+ 39.7 + 23.7 + 3.0 + 7.2 + 7.5 – 16.0 n.d. * – 4.6 – 7.2 – 1.0 – 7.0 n.a. 4.2

1.6 5.0 3.4 2.4 2.6 1.2 1.5 2.6 2.2 2.0 4.2 n.a. 2.6

+ 41.3 + 28.7 + 6.4 + 9.6 + 10.1 – 14.8 n.d.* – 2.0 – 5.5 + 1.0 – 2.8 n.a. 6.8

+ 99 +94 + 19.5 + 16 n.a. 0.0 + 46 + 16 – 11 0.0 0.0 n.a. 27.6

* starke Kursschwankungen in der einjährigen Beobachtungsperiode ** nicht mehr an der OTX-C kotiert

ca. 4 Prozent Dividendenrendite. Dass zwei dieser drei Top-Aktien aus den Bereichen Medien und Immobilien stammen, ist nicht verwunderlich, denn auch die entsprechenden Indizes der OTC-X Medien und OTC-X Immobilien haben überdurchschnittlich zugelegt. Noch besser schneiden diese drei dividendenstar-

ken Aktien ab, wenn man den Dreijahresvergleich anstellt (siehe Tabelle). Die Kursgewinne von 94 Prozent (Zürcher Oberland Medien), 19,5 Prozent (Espace Real Estate) und 0 Prozent (Parkresort Rheinfelden) ergeben eine fast unglaubliche Durchschnittsrendite von 36,5 Prozent in drei Jahren, also über 10 Prozent pro

Jahr (plus Dividende). Notabene: Diese Performance konnte in den schwierigen Börsenjahren 2009-2012 verwirklicht werden. Man fragt sich unweigerlich, wieso viele Verwalter von Pensionskassengeldern immer wieder behaupten, im jetzigen Umfeld sei mit Aktien kaum Geld zu verdienen.

EXPORT Rückblende: Bevor der damalige Präsident der Nationalbank am 6. September 2011 den Franken/ Euro-Wechselkurs auf 1.20 Franken/Euro fixierte, war der Franken kurz in Richtung Parität abgerutscht. Für exportorientierte Industrieunternehmen war selbst dieser Wechselkurs noch unvorteilhaft. In der Folge rutschte der Aktienkurs der meisten Industrieunternehmen nach und nach ab. Auch den meisten an der OTC-X gehandelten Wertpapieren ging es nicht Grafik: Berner Kantonalbank, zVg / Foto: Bilderbox.de

anders. Verlierer ist die in der UZ 11/2011 vorgestellte Aktie der Griesser Holding mit einem Kursverlust von 16 Prozent in einem Jahr. Auch die anderen zwei vorgestellten Industrieaktien konnten nicht brillieren: Menzi Muck AG zeigte starke Kursschwankungen und Plaston Holding AG verlor 7,2 Prozent. Betrachtet man den Verlauf des Aktienkurses über drei Jahre, dann stehen aber auch die OTC-X-Industrieaktien nicht schlecht da.

Die meisten der an der OTC-X kotierten Regionalbanken gerieten während der Finanzkrise und der nachfolgenden Schuldenkrise verhältnismässig wenig unter Druck. Der Grund liegt in der defensiven Strategie dieser Banken. In den letzten 12 Monaten konnten die an der OTC-X gehandelten Bankentitel sogar eine Gesamtperformance von + 2,0 Prozent aufweisen. In der UZ 10/2011 wurde die Regiobank Solothurn vorgestellt, deren Aktienwert stieg

im einjährigen Beobachtungszeitraum um stattliche 7,2 Prozent. Addiert man die Dividendenrendite von 2,4 Prozent dazu, resultiert ein Gewinn von 9,6 Prozent in einem Jahr. In der Dreijahresperiode konnte der Aktienkurs 16 Prozent zulegen. Ähnlich erfolgreich waren die Wertpapiere der Acrevis, ehemals Swissregiobank (UZ 9/2011) mit einem Kursplus von 7,5 Prozent in einem Jahr plus 2,6 Prozent Dividendenrendite.

MEDIEN Sowohl im einjährigen als auch im dreijährigen Beobachtungszeitraum haben die OTCMedienaktien am stärksten zugelegt. In der UZ 10 von Oktober 2011 wurden die Aktien der AZ Medien richtigerweise als Turnaround-Kandidat dargestellt. Seither hat diese Aktie sage und schreibe 39,7 Prozent an Wert zugelegt. Inklusive Dividende resultierte für den Investor, der vor einem Jahr zugegriffen hat, ein Jahresgewinn von 41,3 Prozent. Ähnlich erfolgreich war ein Käufer, der vor einem

Jahr Aktien der Zürcher Oberland Medien gekauft hat (UZ 11, 2011): + 23,7 Prozent Wertsteigerung sowie 5 Prozent Dividendenrendite. Die UZ stellte schon vor einem Jahr klar: «Das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange». Auch in den nächsten Jahren dürfte eine ähnlich hohe Dividendenausschüttung an die Aktionäre erfolgen. Die Erfolgsgeschichte dieser Aktie, deren Kurs sich in den letzten 3 Jahren fast verdoppelt hat, könnte also durchaus weitergehen.

IMMOBILIEN Aus Angst vor dem Untergang des Euros investieren immer mehr Anleger in Schweizer Immobilienaktien. Der Branchenindex SXI Real Estate Shares, der die 5 liquidesten und grössten kotierten Schweizer Immobilientitel abbildet, legte deshalb innerhalb eines Jahres 8,6 Prozent zu. Entsprechend legten auch die OTC-Immobilienwertpapiere im zurückliegenden Jahr gesamthaft 7,4 Pro-

zent zu . Die in der UZ 78/2011 vorgestellte Firma Espace Real Estate kann seither eine Wertsteigerung von 3,0 Prozent plus 3,4 Prozent Dividendenrendite vorweisen, im 3-Jahreszeitraum legte die Aktie gar 19,5 Prozent zu. Die UZ schrieb dazu vor einem Jahr: «Interessant ist der Titel für langfristig denkende, auf Dividende und Werterhaltung ausgerichtete Investoren.»

TOURISMUS Unterdurchschnittlich schneiden im einjährigen und auch langjährigen Vergleich die Wertpapiere des Bereichs Tourismus und Freizeit ab. Dies ist nicht verwunderlich, denn die betreffenden Unternehmen sind stark abhängig von ausländischen Kunden beziehungsweise Touristen, für welche die Schweiz auf-

grund des starken Frankens zu teuer geworden ist. Entsprechend erlitten auch die in der UZ 7/8 2011 vorgestellten Wertpapiere der Parkresort Rheinfelden (ehemals Kurzentrum Rheinfelden) und der Kongressund Kursaal Bern AG (UZ 11 2011) moderate Kursverluste.


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GELD l UZ GEMEINSAM PASSENDE LÖSUNGEN ERARBEITEN

Fertigbau oder Traumhaus? VON MARCEL TSCHANZ

MARCEL TSCHANZ

Der Autor ist CEO der VP Bank (Schweiz) AG. marcel.tschanz@vpbank.com.

Den tiefen Zinsen sei Dank: Der Erwerb von Wohneigentum ist gegenüber der Miete so attraktiv wie schon lange nicht mehr. Entsprechend hoch ist die Nachfrage nach Wohneigentum. Die Baubranche boomt und die Architekten haben alle Hände voll zu tun. Doch Haus ist nicht gleich Haus. Jeder, der ein Haus bauen will, hat ganz eigene Vorstellungen davon, wie der fertige Bau später aussehen soll. Während den einen ein Fertighaus völlig zufrieden stellt, hat der andere durchgängig individuelle Wünsche und Bedürfnisse, die der Architekt bei der Planung zu berücksichtigen hat. Obwohl der Architekt vielleicht ebenfalls eigene Vorstellungen hat, was die optimale

Bauweise eines Hauses betrifft, sollte er imstande sein, die Kernbedürfnisse des Kunden zu erfassen und daraufhin gemeinsame Lösungen zu erarbeiten. Für den Kunden hingegen sollte der Architekt nicht nur eine Fach- sondern auch eine Vertrauensperson sein, die zuhören kann und offen ist für intelligente Lösungen jenseits der standardisierten Bauweise. Wenn ein Kunde beispielsweise aus ästhetischen Gründen ein Giebeldach klar bevorzugt, macht es keinen Sinn, dass ein Architekt auf ein Flachdach besteht, nur weil er diese Variante schöner findet. Macht ein Flachdach aber aus baustatischen oder energietechnischen Grün-

den mehr Sinn, ist es sehr wohl angebracht, dass der Architekt den Kunden darauf aufmerksam macht und gemeinsam mit ihm eine passende Lösung erarbeitet. Ebenso verhält es sich in der Finanzbranche. Allen voran die Grossbanken sehen die Zukunft in industrialisierten, standardisierten Lösungen, die für eine Vielzahl von Kunden passen mögen. Gleichzeitig verlangt ein gewisser Kundenkreis auch weiterhin nach massgeschneiderte Lösungen, so wie nicht jeder ein Fertighaus wünscht. Gefragt sind (Finanz-)Architekten, die es verstehen, den individuellen Wünschen und Bedürfnissen des Kunden gerecht

zu werden. Das Prinzip der offenen Architektur erlaubt der VP Bank genau jene Bausteine fürs Portfolio auszuwählen, die exakt auf die Kundenbedürfnisse zugeschnitten sind. Mit kompetenten Partnern an der Seite können wir somit für jeden Kunden die beste Lösung im Markt bauen – massgeschneidert. Die Bedürfnisse des Kunden stehen dabei zweifellos an erster Stelle. Wie der kompetente Architekt weisen aber auch wir mit unserem Fachwissen auf mögliche Risiken hin und erarbeiten passende Anlagelösungen. Nur so kann das nötige Vertrauen entstehen, damit keine Luftschlösser, sondern Traumhäuser gebaut werden.

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Pensionskassenlösung à la carte Es gibt sie. Pensionskassenmodelle, die auf volle Transparenz setzen – wo der Versicherungsnehmer genau weiss, wie sich die Rendite zusammensetzt und in welche Anlagen investiert wird.

Jyske Bank (Schweiz) AG bietet zusammen mit der Liberty Vorsorgestiftung eine vollkommen transparente Lösung an. Das versicherte Unternehmen erkennt die genaue Anlagerendite, die Zusammensetzung der individuellen Anlagestrategie und erhält volle Transparenz, wenn es um die Administrations-, Vermögensverwaltungs- und Risikokosten geht. Individualität im Ausserobligatorium Im ausserobligatorischen Bereich wird kein Zinssatz vorgeschrieben und die Stiftung kann für jede versicherte Person ein eigenes Vorsorgekonto/-depot einrichten. Dadurch kann die

Robert Mayer und Salvador Müller von Jyske Bank (Schweiz) AG zeigen Ihnen die Möglichkeiten bei einem persönlichen Gespräch gerne auf.

Anlagestrategie auf die versicherte Einzelperson angepasst werden und es ergeben sich interessante Möglichkeiten für Arbeitnehmer und Selbständige mit einer Lohnsumme über 125‘280 Franken. Planungssicherheit für Unternehmen In guten Ertragsjahren kann ein Unternehmen den Gewinn in Form von Boni oder Dividenden ausschütten. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, durch Einkäufe in die Pensionskasse die Steuerbelastung zu senken. Das BVG lässt Sparbeiträge von bis zu 25 Prozent des Einkommens – bis zu einem maximal versicherbaren Lohn von 835 200 Fran-

Jyske Bank (Schweiz) AG, Wasserwerkstrasse 12, 8021 Zürich, Tel. direkt +41 44 368 7321, E-Mail: mayer@jyskebank.ch, www.jyskebank.ch/info

Das BVG lässt Sparbeiträge zu: Durch Einkäufe in die Pensionskasse kann die Steuerbelastung gesenkt werden. Foto: Bilderbox.de / zVg

ken zu. Da die Sparbeiträge bis zum 25. Altersjahr zurückgerechnet werden, entsteht bei höher versicherten Einkommen ein grosses Einkaufspotenzial in die Pen-

sionskasse. Idealerweise mit einer Anlagestrategie, die auf die Wünsche und Ziele des Einzelnen angepasst wird. Eine flexible und transpa-

rente Pensionskassenlösung bietet einen hohen Mehrwert für Unternehmen. Für den Unternehmer selbst bedeutet die Individualisierbarkeit und das Nutzen der vorhandenen gesetzlichen Rahmenbedingungen eine sehr grosse Optimierungsmöglichkeit in der privaten sowie unternehmerischen Finanzplanung.


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DIE SICHERHEIT DER ANLAGEN STEHT IM VORDERGRUND

Wir arbeiten transparent Die Lage der Pensionskassen ist nicht gerade einfach. Serge Aerne, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Pensionskasse Phoenix im Interview über Vorsorgepläne und das 3-Säulen-System.

INTERVIEW SALOME KERN

Die Zukunft der Pensionskassen sieht nach acht düsteren Jahren wieder etwas rosiger aus. Woran liegt das? Serge Aerne: Ich persönlich würde die Situation der Pensionskassen nicht unbedingt als rosig bezeichnen. Zwar hat sich die Lage auf dem Kapitalmarkt insgesamt etwas beruhigt, doch liegen noch immer genug Problemfälle an; denken Sie beispielsweise an den Bankensektor oder die Eurokrise. Ausserdem dürfen Sie nicht vergessen, dass viele Pensionskassen, die 2008 eine schwierige Situation erlebten, auch heute noch in einer Unterdeckung sind. Da gibt es noch viel zu tun und zu verbessern. Wie kann dieser Deckungsgrad weiterhin gehalten werden? Ich kann natürlich nur für Phoenix sprechen. Primär stellen wir bei den Anlagen die Sicherheit in den Vordergrund, die Rendite folgt erst an zweiter Stelle. Wenn Phoenix am Aktienmarkt partizipiert, dann mit kalkulierbarem Verlust. Die Wertuntergrenze einer Anlage ist uns täglich bekannt, und wir errechnen daraus das jährliche Verlustpotential. Auch investieren wir sehr diversifiziert. Im Immobilienbereich beteiligen wir uns zum Beispiel nicht an einzelnen Liegenschaften, sondern an ganzen Portfolios. Auf diese Weise können wir das Risiko viel besser verteilen. Oft steht die Transparenz der Pensionskassen in der Kritik. Wo sehen Sie Verbesserungspotential? Es ist in der Tat für einzelne Unternehmungen oder deren Berater fast unmöglich, vergleichbare Angebote einzuholen. Die Pensionskassen weisen die Verwaltungs- und Anlagekosten schlicht zu unterschiedlich aus. Es wäre wünschenswert, wenn die Marktteilnehmer transparenter arbeiten würden, wie es Phoenix bereits konsequent tut. Im Bereich der Anlagen beinhaltet dies nicht nur das Ausweisen von Vermögensverwaltungskosten, sondern auch Bankenkosten, Transaktionskosten oder Advisoringfees. Ebenfalls wichtig ist die saubere Trennung von Verwaltungskosten und Risikoprämie oder sonstigen versteckten Kosten.

ZUR PERSON Serge Aerne ist Vorsitzender der Geschäftsleitung der Phoenix Pensionskasse.

Wie sehen Sie die Zukunft der Pensionskassen? Unser 3-Säulen-System ist nach wie vor das bestmögliche Vorsorgesystem. Allerdings wird es sich dem sozialen und wirtschaftlichen Umfeld laufend anpassen müssen. Diskussionen um Mindestzins und Umwandlungssatz werden uns deshalb auch in Zukunft beschäftigen. Der Trend, dass sich kleinere Pensionskassen grösseren anschliessen, wird sich im Zusammenspiel mit der Strukturreform wahrscheinlich weiter verstärken. Ich glaube aber, dass künftig vor allem flexiblere und modulare Versicherungslösungen gefragt sein werden. Dabei werden die Phoenix-Schwerpunkte Transparenz, Sicherheit und kundenorientierte Struktur eine entscheidende Rolle spielen. Was für Versicherungsmodelle bieten Sie an? Als erste und einzige Sammelstiftung der Schweiz bieten wir unseren Kunden drei Anlagestrategien an und lassen ihnen die Wahl zwischen defensiver, ausgewogener oder offensiver Strategie. Trotzdem bleiben die Kunden flexibel: Wenn sich ihre Bedürfnisse ändern, können sie die Strategie entsprechend anpassen. Falls

höchstmögliche Sicherheit zentrales Anliegen ist, bietet Phoenix als einzige teilautonome Stiftung ein Vollversicherungsmodell an. Ermöglicht wird die hundertprozentige Zins- und Kapitalgarantie durch die Partnerschaft mit AXA Winterthur. Wie finden Sie den richtig abgestimmten Vorsorgeplan für Ihre Kunden? Wir finden den optimalen Vorsorgeplan, indem wir zuerst die besten Mitarbeiter für unser Unternehmen gewinnen und nur mit kompetenten Makler zusammenarbeiten. Denn jeder Offerte geht ein persönlicher Kontakt voraus, der bei Phoenix intensiver ausfällt, als man es gemeinhin gewohnt ist. Unsere Mitarbeiter und Partner «kennen» den Kunden, wissen mehr als Mitarbeiterzahl und Durchschnittsalter, verstehen die individuellen Bedürfnisse, sprechen Wünsche und Ziele an. Gemäss unserem Leitsatz «Qualität vor Quantität» stellen sämtliche Beteiligte die kompetente und bedürfnisorientierte Beratung ins Zentrum ihrer Tätigkeit. Denn nicht Anzug und Krawatte machen den Vorsorgeplan, sondern der Mensch.


KOMMUNIKATION l UZ

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GESCHÄFTSALLTAG

Datenbanken einfach führen VON ANDRÉ CARADONNA

DER AUTOR André Caradonna ist Produktspezialist von Swisscom und beantwortet Fragen zur Informations- und Kommunikationstechnologie. vernetzt@unternehmerzeitung.ch

Im Internet habe ich eine Applikation gefunden, mit der ich meine Kundendatenbank einfach führen kann. Woran erkenne ich, ob sie sicher ist und ich sie unbeschwert nutzen kann? Im Internet gibt es viele Helfer in Form von webbasierten Applikationen. Der Vorteil dieser SoftwareProgramme ist, dass sie nicht extra auf dem Computer installiert werden müssen, sondern direkt im Browser ausgeführt werden und so von überall und jederzeit zugänglich sind. Geprüfte Qualität statt zufällige Auswahl Eine Vielzahl solcher Applikationen für alle mög-

lichen Anforderungen buhlt im Internet um Aufmerksamkeit.Da geht der Überblick rasch verloren und man kann in unangenehme Fallen tappen. Zu teure, komplizierte oder unsichere Applikationen locken und können ärgerliche Folgen nach sich ziehen. Deshalb lohnt sich vor dem Kauf einer Applikation immer eine sorgfältige Prüfung. Wem dies zu kompliziert ist oder wer sich dabei unsicher fühlt, der findet auf spezialisierten OnlinePlattformen Hilfe. Auf diesen Plattformen können KMU Applikationen entdecken, die in einem mehrstufigen Selektionsprozess nach geschäftsspezifischen Bedürfnissen herausgefiltert wurden. Die Anwen-

dungen sind teilweise mit einem Label gekennzeichnet und leisten wertvolle Orientierungshilfe. Oftmals kann auf den Plattformen zusätzlich von Erfahrungsberichten, Schulungsunterlagen in Form von Video und Text oder anderen Hilfestellungen profitiert werden. Wer die Gelegenheit dazu hat, sollte sich auch mit anderen KMU oder Geschäftspartnern austauschen. Nicht selten kann man so von Erfahrungen profitieren, welche andere mit den Applikationen bereits sammeln konnten. Vor dem Kauf testen Die meisten Applikationen können während einer Testphase gratis genutzt

werden. Dies ermöglicht es, die Applikation intensiv zu prüfen und die verschiedenen Funktionalitäten in Erfahrung bringen. Denn oft zeigt sich ja erst in der Praxis, ob sich eine Applikation im Geschäftsalltag wirklich bewährt oder eben nicht. Nach der Testphase wird die Nutzung der Applikation kostenpflichtig, meistens in Form einer fixen monatlichen Nutzungsgebühr. Wer beim Einsatz von Applikationen im Geschäftsumfeld sicher gehen will, dem stehen damit verschiedene Möglichkeiten zur Überprüfung offen. Dem Online Entdecken, Arbeiten und sich Vernetzen steht dann nichts mehr im Weg.

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UZ l KOMMUNIKATION IM GESPRÄCH MIT PIERRE-ALAIN SCHNEGG

Schritt in die Zukunft Der Business-Softwarehersteller SolvAxis feiert dieses Jahr das 25-jährige Bestehen. CEO Pierre-Alain Schnegg schaut aber nicht nur in die Vergangenheit, sondern nach vorne.

INTERVIEW SALOME KERN

«

Die Benut-

zung von Business Software wird sich radikal verändern»

In der Informatik-Branche hat sich seit der Gründung 1987 als Pro-Concept SA viel verändert. Wie halten Sie mit dem Fortschritt mit? Wir haben den Vorteil, dass wir sehr nahe am KMU Markt sind. Da wir selber entwickeln und auch selber einführen haben wir eine direkte Kommunikation und Zugang zu den Kunden. Wir sind somit in der Lage die Bedürfnisse des Marktes bestens zu verstehen. Durch ständige Innovation und Weiterentwicklungen unserer Lösungen und Dienstleistungen bieten wir immer Lösungen mit den aktuellsten Technologien. Anfangs 2013 kommt bereits der nächste wichtige Schritt. Wir werden unsere Hauptlösung ProConcept ERP als Webversion vermarkten. Die Webversion wird uns erlauben die immer grösser werdenden Bedürfnisse der Mobilität noch besser zu adressieren. Wir benutzen Technologie und setzen sie dort ein, wo Innovation für uns und unsere Kunden wichtig ist. Was kann unser Kunde in seiner Firma mit unserer Software verbessern, welche Prozesse können wir unterstützen, welche Veränderungen verlangen nach neuen technologischen Lösungen, welche funktionieren mit bewährten Modellen. Dabei bringt uns der direkte Austausch zwischen Kundenberatung und Entwicklung erhebliche Vorteile: Wir können neue Anforderungen schnell und flexibel umsetzen und nutzen dabei immer die beste Lösung, nicht nur die neueste Technologie.

Was bewog Sie, 2009 die bestehende Firma durch die SolvAxis abzulösen? Die Ausgangslage im Jahr 2007 war eigentlich ideal für einen gemeinsamen Marktauftritt unter der Marke Sage. Wir waren im Welschland fest im Markt verankert und Sage sehr stark in der Deutschschweiz. Beide Parteien erwarteten daher erhebliche Synergien auf allen Ebenen, doch leider ist dieser Erfolg aus verschiedenen Gründen ausgeblieben. Im Jahr 2009 kamen wir zur Überzeugung, dass sich SolvAxis eigenständig besser würde entwickeln können und haben die Firma wieder zurückgekauft. Doch wir sind weiterhin Partner von Sage. Den Namen SolvAxis haben wir gewählt, um die strategische Weiterentwicklung der Firma zu unterstreichen. Seit 2009 haben wir einen neuen Fokus gelegt und vertreiben nun auch neben unserer eigenen Software, Lösungen von Partner. Diese Drittlösungen erweitern den Funktionsumfang von ProConcept ERP. Dieses Modell bewährt sich nun seit bald drei Jahren mit einem stetigen zweistelligen Wachstum. Welches ist der grösste Erfolg, den die Firma während ihrem Bestehen verzeichnen durfte? Als grösster Erfolg ist wohl Tatsache, dass wir seit 25 Jahren auf dem Markt sind. 25 tönt vielleicht ein wenig jung, ist aber in der Branche der Business Software eine stolze Zahl. Die Fortdauer von SolvAxis macht mich als CEO besonders stolz. Als Erfolg sehe ich auch unsere rund 20 000 Benutzer und über 1 000 Installationen unter denen auch einige Flaggschiffe der Schweizer Wirtschaft gehören. Gestartet sind Sie mit drei Mitarbeitenden, heute sind es 140. Wie sehen Sie die Entwicklung in den kommenden Jahren? Diese Entwicklung bezeugt unsere Dynamik und unseren Willen unsere Kunden optimal zu unterstützen. Wir verzeichnen in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld ein

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KOMMUNIKATION l UZ stetiges Wachstum. Unsere Ambition ist es über ein optimales Consultant-Team zu verfügen, um den Erwartungen des Marktes gerecht zu werden. Diese Ambition hat zur Folge, dass unsere Teams in den nächsten Jahren regelmässig wachsen werden. Was zeichnet Ihre Business-Software für KMU «ProConcept ERP» aus? Eine der wichtigsten Vorteile der Lösung ProConcept ERP ist, das es eine völlig integrierte Lösung ist. Alle Module sind in einer und der gleichen Applikation vorhanden. Ein weiterer Aspekt ist das sich Best practices aus 25 Jahren Erfahrung in unserer Lösung wiederfinden. Diese Stabilität und Fortdauer werden von Kunden sehr geschätzt. Rund 20 000 Users benutzen mit grosser Zufriedenheit unsere Lösungen. ProConcept ERP hat einige Eigenschaften, die sie von anderen Lösungen auf dem Markt unterscheidet. Die Module projektbezogene Fertigung und die Produktionsmodule sind besonders hervorzuheben. Welchen Stellenwert hat Ihre Präsenz in Frankreich und Shanghai? Wir haben seit jeher den Fokus auf den Schweizer Markt sowie dessen Grenzregionen gesetzt. Unsere Strategie ist es Schweizer KMU in ihrer Entwicklung optimal zu begleiten. So ist unsere Präsenz im asiatischen Raum entstanden. Viele Schweizer KMU haben den Schritt nach China gewagt und wollten einen Partner, der sie unterstützen kann. Frankreich hat aus geographischer Sicht auch ein grosses Potential. Wie feiern Sie das Jubiläum? Ein Jubiläum hat immer zwei schöne Seiten: Man zieht Bilanz, blickt zurück auf eine bewegte und spannende Zeit, erinnert sich an viele schöne Momente mit Kollegen und Kunden und ist natürlich stolz auf das Erreichte. Doch genauso ist ein Jubiläum auch ein Anlass, um nach vorne zu schauen, denn schliesslich soll es uns auch in 25 Jahren noch geben. Um diesen wichtigen Meilenstein zu feiern haben wir verschieden Aktivitäten mit unseren Kunden und Partnern auf die Beine gestellt. Wir haben bereits im September zwei VIP-Events für unsere Kunden durchgeführt. Wir werden im Oktober einen Mitarbeiter-Anlass durchführen. Der Höhepunkt der Feierlichkeiten wird im SolvAxis UserDay 2012 im Stade de Suisse in Bern sein. An diesem Anlass werden gegen 500 Personen erwartet. Wir werden ein hoch attraktives Programm anbieten mit bekannten Gastreferenten wie Elmar Mock und als Abschluss einen beeindruckenden IPad-Perfomer als Gast haben. Welche erweiterten Leistungen planen Sie für die Zukunft? Mit der Weblösung für ProConcept ERP, die wir in diesem Jahr lancieren werden, machen wir einen sehr grossen Schritt in die Zukunft. Ebenso mit der bereits erhältlichen Linie Amanda, deren Funktionalität wir weiter ausbauen werden. Darüber hinaus glauben wir an unser kundennahes Consulting-Modell und werden unser Team in den nächsten drei bis fünf Jahren weiter ausbauen. Die Benutzung von Business Software wird sich radikal verändern. Die Generation, welche jetzt in den Arbeitsmarkt drängt, ist aufgewachsen mit PC und Laptop, mit sozialen Netzwerken und mobiler Kommunikation, mit allgegenwärtiger Information. Dies wird einen erheblichen Einfluss haben auf Bedienung und Struktur von Businesslösungen der Zukunft. Schon heute unterstützt Business Software immer mehr Prozesse, in Zukunft wird es völlig normal sein, auch externe Abläufe und Informationen immer weiter zu integrieren. Darüber hinaus werden Tablets and Smartphones die Art, wie wir auf Informationen zugreifen, komplett verändern.

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ZUR PERSON Pierre-Alain Schnegg ist 1987 Mitbegründer des Unternehmens Pro-Concept. Nachdem er in der Firma verschiedene Funktionen ausübte, wird er 2001 zum CEO ernannt. 2004 zeichnet ihn Ernst & Young für seine beinahe 20 Jahre Einsatz mit dem Titel Unternehmer des Jahres aus. Von 2007 bis 2009 ist er Managing Director der Abteilung Upper-Mid Market bei Sage Schweiz. Pierre-Alain Schnegg ist Wirtschaftsinformatiker mit MBA der Université de Genève

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l Nr. 11 l 2012

UZ l KOMMUNIKATION

I N F O R M AT I K E R - A U S B I L D U N G

Mehr Mut bitte! Seit Mitte der 90er-Jahre werden wir auf einen eklatanten Mangel an Informatik-Fachkräften in der Schweiz hingewiesen. Das trifft auch heute – im Jahr 2012 – immer noch zu. Trotz der enormen Verbreitung von Informatik in Beruf und Alltag scheint es so, dass der Beruf Informatiker immer noch wenig attraktiv für junge Nachwuchskräfte ist.

TEXT WALTER DETTLING

Nach einem vorübergehenden Zuwachs um die Jahrtausendwende hat die Zahl der Informatik-Studierenden an Hochschulen in den letzten zehn Jahren eher wieder abgenommen. Um diesen scheinbaren Widerspruch zu verstehen, lohnt es sich, einen kurzen Blick auf die Entwicklung der Informatikausbildung in der Schweiz zu werfen. Anfang der 80er-Jahre startete die ETH in Zürich ihren ersten Informatikstudiengang mit etwa 100 Studienanfängern. Heute gibt es in der Schweiz knapp 25 universitäre Informatikstudiengänge auf der Stufe Bachelor und Master. Damals wie heute ist das Informatikstudium naturwissenschaftlich geprägt und vermittelt die wissenschaftlichen Grundlagen der Informatik. Damit sind die Studiengänge interessant für junge Menschen, die einerseits ein Flair für Naturwissenschaften und andererseits ein Interesse daran haben, wie Computer und Programme aufgebaut werden und wie sie funktionieren. Mit der Verbreitung des Personal Computers hat die Informatik ab den 80er-Jahren begonnen, sich von einer rein technischen Wissenschaft zu einem breiten Themenfeld von anwendungsorientierten Disziplinen zu entwickeln. Viele dieser Themen lassen sich je nach ihrem fachlichen Schwerpunkt unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen zuordnen. So beschäftigt sich beispielsweise die Computerlinguistik mit der algorithmischen Verarbeitung von natürlicher Sprache. Je nach Schwerpunkt ist die Computerlinguistik ein Gebiet der Künstlichen Intelligenz und damit der Computerwissenschaften oder sie lässt sich eher

den Sprachwissenschaften zuordnen, wenn der Schwerpunkt bei der Linguistik liegt. Heute ist der Einsatz von Informatik in den meisten Wissenschaften nicht mehr wegzudenken. Die Informatik wurde damit auch zu einer universellen Wissenschaftsmethodik. Es ist deshalb auch nicht erstaunlich, dass in zahlreichen Studiengängen ausserhalb der Naturwissenschaften Methoden der Informatik ebenfalls Gegenstand des Curriculums sind oder sogar eigenständige Studienrichtungen darstellen. So gibt es etwa Studiengänge in Wirtschaftsinformatik, Medizininformatik oder Medieninformatik. Auch diese Studiengänge stellen zumindest bezüglich analytischem und formalem Denken hohe Ansprüche sind aber inhaltlich eher auf Anwendungen der Informatik ausgerichtet als auf die reinen Informatikstudiengänge.

Die Attraktivität des Berufsfeldes Informatik muss gesteigert werden, die Ausbildung sollte auch den Mut zum Entwurf zu haben und nicht jahrelange Curricula-Entwicklungen fördern, die letztlich von der Realität überholt werden. Foto: Bilderbox.de

40 Prozent Frauen dank iCompetence Bisher war nur von den Universitäten die Rede. Auch die heutigen Fachhochschulen haben in den späten 80er-Jahren (damals als Technische Hochschulen oder Höhere Wirtschaftsschulen) begonnen, Informatik in das Ausbildungsprogramm aufzunehmen. Heute ist die Zahl der Fachhochschul-Studiengänge etwa gleich gross wie jene an den Universitäten. Jedoch sind diese ausnahmslos anwendungsorientiert, bei den technischen Hochschulen sind es eher technische Anwendungen, die im Fokus stehen, bei den Wirtschaftshochschulen ist dies typischerweise die Wirtschaftsinformatik. Die Informatik ist allerdings in der Zwischenzeit nicht stehen geblieben. Die 90er-Jahre und der Anfang des 21.

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KOMMUNIKATION l UZ berufe in der Informatik wurden Anfang der 90er-Jahre im Rahmen einer Bildungsoffensive des Bundes gestartet und in der Zwischenzeit mehrfach weiterentwickelt und überarbeitet. 2010 wurden im Auftrag des Verbandes ICT-Berufsbildung Schweiz mit zwei Studien über die Informatik-Fachkräfte die quantitativen und qualitativen Bedürfnisse der Unternehmen abgefragt. In qualitativer Hinsicht folgert der Bericht, dass die Unternehmen in den Bereichen ICT-Systemtechnik und –Betrieb, Softwareentwicklung und in ICTFührung und -Organisation Informatiker benötigen. Ein Blick auf das Angebot an Lehrberufen zeigt, dass 2012 neben einer generalistischen Ausrichtung, Applikationsentwicklung, Support und Systemtechnik angeboten werden. Diese Inhalte sind noch sehr technisch orientiert, Berufe mit einer klaren Anwendungsorientierung wie beispielsweise Kommunikation, Interaktion oder Organisation werden nicht angeboten.

Jahrhunderts waren geprägt von der Kommerzialisierung des Internet. In dieser Entwicklungsphase war der quantitative Entwicklungsschub auf der anwendungsorientierten Seite wesentlich grösser als bei der eigentlichen Technologie. In der Ausbildung an den Hochschulen wurde dieser Trend logischerweise vor allem an den Wirtschaftsfakultäten und Wirtschaftsfachhochschulen aufgenommen. Unter dem Begriff Wirtschaftsinformatik finden sich zahllose Curricula, die sich mit den verschiedenen Konzepten und Methoden der elektronisch unterstützten Geschäftsabwicklung beschäftigen. Bei den technischen Fachhochschulen wurde ebenfalls erkannt, dass das Interesse der Studierenden über die Technik hinausgeht. Dies lässt sich anhand des Studienganges Informatik an der FHNW in Brugg gut illustrieren. In den Jahren 2001-2009 haben sich jeweils gut 40 Studierende für diesen technischen Studiengang angemeldet. 2010 wurde eine neue Vertiefungsrichtung iCompetence angeboten. Innerhalb von drei Jahren stiegen die Anmeldezahlen auf knapp 140 Studierende pro Jahr, knapp 40 Prozent davon Frauen! Folgende Merkmale zeichnen diesen Studiengang aus: Vermittlung von Informatikgrundlagen in Verbindung mit Design und Management. Praxisbezug und Positionierung der Informatik als internationales und interdisziplinäres Berufsfeld sowie der Einbezug der Studierenden als Know-how-Träger, die sich gegenseitig fordern und fördern. Mit der grossen Verbreitung der Informatik in den Unternehmen, insbesondere auch in den KMU wurde auch die Berufsbildung in der Schweiz aktiv. Die ersten beiden Lehr-

Nicht nur ein technischer Einstieg Diese kurze und unvollständige Betrachtung der Informatikausbildung zeigt auf, dass die Schweiz aktiv auf die sehr dynamische Entwicklung der Informatik reagiert hat. Es werden auch viele Bemühungen unternommen, den zukünftigen Lehrlingen und Studierenden die vorhandenen Angebote schmackhaft zu machen. Allerdings wird dabei immer noch an dem technischen Einstieg in die Informatik festgehalten. Dies ist ein induktiver Ansatz, der davon ausgeht, dass man ein Werkzeug nur richtig anwenden kann, wenn man seinen Aufbau kennt und versteht. Diese Annahme ist nicht nur falsch, sondern verhindert, dass junge Menschen, die emotional sehr offen für eine Ausbildung im Informatikumfeld wären, eine Ausbildung machen können, die ihren Interessen entspricht. Es wäre zu prüfen, ob die Attraktivität des Berufsfeldes Informatik nicht gesteigert werden könnte, wenn zu den bestehenden Studiengängen und Lehrberufen zusätzlich anwendungsnahe Themen aus den Bereichen Design, Kommunikation, Pädagogik, Literatur oder Organisation angeboten würden. Diese Ausbildungen sollten als Berufsbilder aufgefasst werden, die am Entstehen sind und die sich in den kommenden Jahrzehnten weiter entwickeln werden. Damit soll dafür plädiert werden, in der Ausbildung auch den Mut zum Entwurf zu haben und nicht jahrelange Curricula-Entwicklungen vorzunehmen, die von der Realität überholt werden. Der Arbeitsmarkt würde zweifellos solche Berufsleute absorbieren, denn die Praxis braucht dringend mehr Fachleute, die Informatik professionell anwenden können und wissen, dass sie noch nicht ausgelernt haben.

DER AUTOR Prof. Dr. Walter Dettling ist Dozent am Institut für Wirtschaftsinformatik der Hochschule für Wirtschaft FHNW und Leiter von OpaccCampus bei der Firma Opacc in Kriens. Er ist seit 1989 in der Informatikausbildung und -weiterbildung tätig, unter anderem bei Ciba-Geigy, bei der Universität Basel und am Boston College (USA). Er leitet den Zertifikatslehrgang CAS InformationsTechnologie Update, ein Studiengang der gemeinsam von den Hochschulen für Wirtschaft und Technik der FHNW angeboten wird und der den Teilnehmenden einen Überblick über die aktuellen Trends in der IT bietet und sie in ihrer individuellen Berufskompetenzentwicklung fördert. www.fhnw.ch/iwi/cas-itu

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UZ l WEITERBILDUNG

DUALES BILDUNGSSYSTEM

Stärke der Schweizer Wirtschaft Das duale Bildungssystem der Schweiz ist weltweit einzigartig. Was HF-Absolventinnen und Absolventen von diesem System halten und ob sie selber den dualen Bildungsweg nochmals einschlagen würden, untersucht eine Umfrage des ODEC. Von 3700 Befragten füllten 669 den Fragebogen aus.

sehen das Bildungssystem als Erfolgsstory. Anders reagieren die Teilnehmenden der Fachbereiche «Technik» und «Wirtschaft»: Bei der Frage, ob sie mit 16 Jahren noch einmal denselben Bildungsweg wählen würden, gehen die Meinungen auseinander: In den Bereichen «Gastgewerbe, Tourismus und Hauswirtschaft» sowie «Wirtschaft» würden knapp 70 Prozent sicher oder ziemlich sicher noch einmal den Weg über die berufliche Bildung einschlagen. Interessant ist, dass gleichzeitig im Bereich «Gastgewerbe, Tourismus und Hauswirtschaft» der Anteil an klaren Nein-Stimmen mit 21 Prozent am höchsten ist. Absolventinnen und Absolventen aus dem Fachbereich «Technik» würden mit 79 Prozent wieder diesen Weg wählen.

TEXT URS GASSMANN *

Vor allem junge Personen unter 35 Jahren und ältere ab 50 bezeichnen das Schweizer Bildungssystem als Erfolgsstory: Total 91 Prozent dieser Altersgruppen antworten in der Umfrage mit «ja» oder «eher ja». Personen im Alter zwischen 35 und 50 Jahren sind etwas kritischer: 14 Prozent antworten mit «nein» oder «eher nein». Umfrageteilnehmer über 50 Jahre sowie zwischen 31 und 35 Jahren sind auch geschlossen der Meinung, dass die duale Bildung als Grundlage die Stärke der Schweizer Wirtschaft ausmacht. Von den übrigen Befragten sind 98 Prozent dieser Ansicht. Interessant: Je höher die berufliche Position der befragten Person ist, desto eher bewertet diese die duale Bildung als Grundlage als Stärke der Schweizer Wirtschaft: Bei Mitgliedern der Geschäftsleitung oder der Direktion haben sich 100 Prozent entsprechend geäussert – 67 Prozent sogar mit einem klaren «Ja». Deutlich anders sehen das Assistentinnen und Assistenten: Über 58 Prozent würden einen anderen Weg einschlagen. Weniger Überzeugung in der Welschschweiz Umfrageteilnehmende aus der Romandie sehen die Berufslehre als Grundlage weniger als Stärke der Schweizer Wirtschaft als ihre Deutschschweizer Kolleginnen und Kollegen. Im Kanton Genf sehen nur 17 Prozent und im Kanton Waadt nur 31 Prozent die Berufslehre als eine Stärke. Im Kanton Glarus geben dagegen 100 Prozent der Teilnehmenden ein «Ja» für das duale Bildungssystem ab. Teilnehmende aus dem Kanton Basel Stadt scheinen mit ihrer beruflichen Ausbildung nicht wirklich glücklich zu sein: 48 Prozent würden nicht mehr diesen Weg wählen; im Kanton Waadt sind es 36 Prozent und im Kanton Genf 31 Prozent. Deutliche Unterschiede bei den Fachbereichen und Branchen Die Zufriedenheit mit dem dualen Bildungssystem der Schweiz ist je nach Fachbereich unterschiedlich. 94 Prozent der Befragten des Fachbereichs «Gastgewerbe, Tourismus und Hauswirtschaft»

Unternehmensspezifische Unterschiede ausschlaggebend Vor allem Personen aus kleineren Betrieben würden wieder den beruflichen Weg über die Berufsbildung wählen. 85 Prozent der Personen in Firmen unter 10 Angestellten beantworteten die Frage positiv. Bei den Personen, die in Firmen mit über 500 Mitarbeitenden arbeiten, waren es nur rund 70 Prozent. Interessant ist die Einschätzung in Bezug auf die Personalverantwortlichen des eigenen Arbeitgebers: Wenn die Personalverantwortlichen die Qualifikationen der HFAbsolventinnen und -Absolventen kennen, würden die Befragten sicher oder eher wieder den Berufsbildungsweg wählen – nämlich zu 80 Prozent. Wenn die Personalverantwortlichen die Qualifikationen nicht kennen, würden nur 57 Prozent die duale Laufbahn sicher und 66 Prozent eher nochmals wählen. Rund zwei Drittel aller Jugendlichen absolvieren eine Lehre in einem von 230 Berufen. Foto: Bilderbox.de

DAS DUALE BILDUNGSSYSTEM DER SCHWEIZ Die duale Bildung nimmt in der Schweiz einen wichtigen Stellenwert ein: Rund zwei Drittel aller Jugendlichen absolvieren eine Lehre. Nach der Lehre absolvieren viele eine höhere Berufsbildung, eignen sich spezifische Berufsqualifikationen an und bereiten sich auf Führungs- und Fachfunktionen vor. Dafür stehen rund 410 Berufs- und höhere Fachprüfungen sowie 52 Bildungsgänge an höheren Fachschulen zur Wahl.

Vertiefungspotenzial vorhanden Die Umfrage zeigt eine grosse Zufriedenheit der Befragten mit dem schweizerischen Bildungssystem und der dualen Bildung. Eine grosse Mehrheit würde wieder den Weg über die Berufsbildung wählen, was sicherlich ein gutes Zeugnis für die Anbieter der Aus- und Weiterbildungen ist. Erfreulich ist auch, dass vor allem die jungen Menschen eine positive Haltung gegenüber der Berufsbildung haben. * Urs Gassmann ist Geschäftsführer der ODEC


MANAGEMENT l UZ M I T L E R N E N D E N D E M FA C H K R Ä F T E M A N G E L E N T G E H E N

Signale setzen Der Begriff Fachkräftemangel ist in aller Munde. Unternehmen buhlen um die besten Mitarbeitenden, versuchen die vielversprechendsten Talente zu verpflichten und Top-Leute nicht plötzlich an die Mitbewerber zu verlieren.

777 Lernende in 75 Jahren: Bereits früh erkannte die Firmenführung die Wichtigkeit von qualifizierten und motivierten Mitarbeitenden. Fotos: zVg

TEXT ALAIN BOLLSCHWEILER

HANS K. SCHIBLI AG Vielfach vergessen die Unternehmen die simpelste aller Strategien: Die eigenen Mitarbeitenden zu binden und sie für höhere Aufgaben zu berufen. Nicht so die Zürcher Elektrotechnik-Firma Hans K. Schibli AG. Der Geschäftsführer Jan Schibli erklärt: «Seit jeher standen in der Firmenphilosophie der Schibli AG die Menschen im Mittelpunkt. Sie sind das wichtigste Gut des Unternehmens.» Bereits in frühen Jahren erkannte die damalige Firmenführung die eminente Wichtigkeit von qualifizierten und motivierten Mitarbeitenden, die ihr Wissen jahrelang in die Firma einbrachten und einen wesentlichen Beitrag zur positiven Unternehmensentwicklung leisteten. Das traditionelle Elektrotechnik-Unternehmen bindet auch heute viele ihrer qualifizierten Mitarbeitenden längerfristig. Das Engagement beginnt schon früh, sehr früh sogar. Die Verantwortlichen setzen bereits bei den Lernenden an und bieten ihnen hervorragende Entwicklungschancen. Und der Erfolg gibt ihnen Recht. Jan Schibli erläutert: «Die Schibli AG ist ständig gewachsen. Heute zählen wir über 400 Mitarbeitende, davon sind knapp 80 Lernende.» Über 75 Jahre hinweg führte die Schibli AG stolze 777 Lernende ins Berufsleben ein. Viele von ihnen sind auch heute noch im Unternehmen tätig und nehmen wichtige Führungspositionen in der Firma ein. Profis bilden Profis aus Jörg Scherhag, Berufsbildner der Hans H. Schibli AG, ist nun schon seit 5 Jahren für

Die Schibli-Gruppe, gegründet 1937, vereint Unternehmen aus den Bereichen Elektrotechnik, Gebäudetechnik, Kommunikation, Informatik und Automatik unter einem Dach. Aus der Einzelfirma, die in ihren Anfängen vier Elektromonteure und einen Lehrling beschäftigte, ist im Laufe der Jahre eine Gesamtanbieterin mit über 400 Mitarbeitenden entstanden. Das traditionsreiche Zürcher Unternehmen befindet sich zu 100 Prozent in Familienbesitz und wird heute in dritter Generation durch Jan Schibli (Foto) geführt. Hans K. Schibli AG, Klosbachstrasse 67, CH-8032 Zürich, Telefon +41 44 252 52 52, www.schibli.com

die Lernenden im Betrieb verantwortlich. Die Schibli AG offeriert ihren Lernenden verschiedene Weiterbildungsmöglichkeiten, Workshops und Teambildungsanlässe. Dazu zählt auch ein einwöchiges Lehrlingslager. Jörg Scherhag präzisiert: «Die jungen Erwachsenen leisten unter einfachen Bedingungen einen gemeinnützigen Arbeitseinsatz in einer Bergregion. Dabei fördern wir bewusst das WirGefühl und die Sozialkompetenz. Das Resultat ist jedes Jahr beeindruckend: Die Lernenden wachsen über sich hinaus, leisten tolle Arbeit für einen guten Zweck und entfachen eine grosse kollegiale Begeisterung untereinander.»

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Das 5-Punkte-Erfolgssystem In der 75-jährigen Firmengeschichte setzte die Schibli AG immer sehr stark auf die eigenen Lernenden. Jörg Scherhag ist überzeugt, dass sich die Ausbildung von Lernenden für das Unternehmen in vielerlei Hinsicht lohnt. Viele gute Gründe sprechen dafür. Die Top Five sind aus seiner Sicht: –Positives Signal: Die Ausbildung von jungen Erwachsenen signalisiert Vertrauen in die Zukunft der Branche und des eigenen Unternehmens. Wer Lernende ausbildet, sorgt für qualifizierten Nachwuchs. – Produktive Arbeit: Motivierte Nachwuchskräfte verrichten bereits in der Lehre produktive und sehr wertvolle Arbeit. Lernende leisten weit mehr, als der Lehrbetrieb aufwenden muss. – Atmosphäre: Die junge Generation bringt aktuelles Wissen und frischen Wind aus der Berufsschule in den Betrieb. Ihre Spontaneität, Kreativität und ihr Wissensdrang bereichert das Betriebsklima und trägt zu einer ausgewogenen Altersstruktur im Unternehmen bei. – Wissensdurst: Lernende sind wissbegierig. Sie motivieren Arbeitskolleginnen- und kollegen mit ihren Fragen und unkonventionellen Ideen stets von Neuen und regen sie zur Weiterbildung an. – Puls der Zeit: Die jungen Berufsleute kennen die neusten Trends und erwerben exakt die Kompetenzen, die für das Unternehmen von Bedeutung sind. So kann der Betrieb auf veränderte Bedürfnisse schnellstmöglich reagieren. Nicht zu vergessen sind zwei weitere relevante Aspekte: Wenn der Betrieb die Lernenden nach der Ausbildung weiterbeschäftigt, können Kosten für Personalbeschaffung und Einarbeitung gespart werden. Zudem wirkt sich die Ausbildung von Lernenden positiv auf das Image des Unternehmens aus. Dies bestätigt auch der Geschäftsführer Jan Schibli: «Zufriedene Mitarbeitende sind die beste Werbung für den Betrieb.» Gewinn für das Unternehmen Lernende leisten einen entscheidenden Beitrag für den künftigen Erfolg eines Unternehmens. Auch wenn insbesondere in der ersten Hälfte der Ausbildungszeit der Lehrbetrieb in die Lernenden investiert. Während dieser Zeit müssen sie intensiv betreut werden und sind zudem häufiger in der Berufsfachschule. Jörg Scherhag relativiert: «In der zweiten Hälfte der Ausbildungszeit erledigen die Lernenden viele Arbeiten schon selbständig. Sie erzielen bereits während ihrer Ausbildung einen echten Mehrwert für unser Unternehmen und sind ein wichtiger Bestandteil des Teams.» Gleichzeitig tut die Firma Schibli etwas gegen den Fachkräftemangel in der Branche. Bildet man die zukünftigen Profis selber aus, ist die Chance gross, dass, wie bei der Firma Schibli, viele Profis im eigenen Betrieb bleiben.


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l Nr. 11 l 2012

UZ l MANAGEMENT

MARKTWIRTSCHAFT

Die Konzepte der Gerechtigkeit In 10. Auflage ist die Aktuelle Volkswirtschaftslehre im Rüegger Verlag erschienen. Wir veröffentlichen einen Auszug aus einem Interview, das Buchautor Peter Eisenhut mit Gerhard Schwarz führte.

INTERVIEW PETER EISENHUT

Finanzkrise, «Abzocker»-Debatte, Boni-Exzesse usw. Haben Sie Verständnis für die Kritik an der Marktwirtschaft? Gerhard Schwarz: Ich habe Verständnis für die Angst und die Empörung, die sich da Luft verschaffen. Schliesslich durchleben wir eine selten schwere Krise, und bei den Beträgen, die im Finanzsektor fliessen, für Bankmanager ebenso wie für Hedge-Fonds- oder Private-EquityInvestoren, hat die Masslosigkeit zum Teil groteske Ausmasse angenommen. Gleichzeitig halte ich die Emotionalität, mit der die Kritik vorgetragen wird, für wenig zielführend, oft über das Ziel hinausschiessend und letztlich gefährlich. Kein Verständnis habe ich dagegen für jene – Politiker, Intellektuelle, Publizisten –, die diese Emotionen bewirtschaften und oft wider besseres Wissen das Kind mit dem Bade ausschütten. Es gibt hier viele Trittbrettfahrer, denen die Marktwirtschaft mit ihrer Betonung der Freiheit, der Verantwortung, des Wettbewerbs, der dezentralen Entscheide immer suspekt war und die nun ihre Chance wittern, endlich für ihre interventionistischen und paternalistischen Vorstellungen Sukkurs zu finden.

ZUR PERSON Peter Eisenhut, Autor Aktuelle Volkswirtschaftslehre

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MANAGEMENT l UZ

l Nr. 11 l 2012 l 55

AKTUELLE VOLKWIRTSCHAFTSLEHRE Das Standardwerk für Wirtschaftsgymnasien und Berufsmittelschulen, für Weiterbildungslehrgänge an Hochschulen und für eidgenössische Fachprüfungen in 10. Auflage 2012/2013. Die zehnte Auflage der Aktuellen Volkswirtschaftslehre erscheint in einer wirtschaftlich turbulenten, dynamischen und unsicheren Zeit. Dieses Umfeld hat sich auch beim Verfassen der Jubiläumsausgabe bemerkbar gemacht. Denn in vielen Bereichen der Volkswirtschaftslehre haben sich neue Erkenntnisse ergeben, wurden bisherige Theorien in Frage gestellt oder es haben sich zumindest die wirtschaftspolitischen Akzente verschoben. Die zehnte Auflage verfolgt nach wie vor primär die Absicht, volkswirtschaftliche Kenntnisse in einer verständlichen Art und Weise darzustellen, möglichst realitätsnah zu sein, um damit Kritikenen zu begegnen.

Rügger Verlag, 288 Seiten, CHF 45.–, ISBN 978-3-7253-0999-3

Zurzeit wird es den Kritikern der Marktwirtschaft relativ leicht gemacht, mit ihren Anliegen auf offene Ohren zu stossen. Mit welchen Argumenten nehmen Sie den Kritikern den Wind aus den Segeln? Entscheidend ist zunächst eine möglichst nüchterne Ursachenanalyse. Diese muss die staatliche Politik des viel zu billigen Geldes, die massive Förderung von Wohneigentum für Leute, die sich dieses gar nicht leisten konnten, schlechte (weniger als mangelnde) staatliche Regulierungen sowie ein Versagen der staatlichen Aufsicht (inkl. ungenügender Durchsetzung bestehender Regeln) mit einbeziehen. Sie wird ferner berücksichtigen, dass in Deutschland praktisch nur Staatsbanken in die Krise geraten sind, Staatseigentum und staatliche Vertretung in den Ver waltungsräten also keine Garantie gegen Fehlentscheide in den Banken darstellen. Und sie wird vor allem nicht ausblenden, dass die Staatsschuldenkrise, in der wir jetzt stecken, weit in die Zeit vor dem Ausbruch der Finanzkrise zurückreicht, und einzig und allein der Politik zu «verdanken» ist.Sodann ist daran zu erinnern, dass die Marktwirtschaft keine paradiesische Ordnung ohne Schwächen und Fehlentwicklungen ist. Die Frage ist lediglich, welches Versagen grössere und verheerendere Folgen anrichtet, das Marktversagen oder das Staatsversagen. Viele Kritiker der Marktwirtschaft meinen, Entscheide, die zentral (also staatlich) gefällt werden, in Form direkter Interventionen oder in Form von Gesetzen, seien moralischer, klüger, besser und richtiger als dezentrale Entscheide in Unternehmen jeglicher Grösse, in privaten Haushalten und in kleinen Gebietskörperschaften. Dafür gibt es keinerlei empirische (also geschichtliche) oder theoretische Evidenz. Der Marktwirtschaft haftet immer wieder der Ruf der Ungerechtigkeit an. Kann der Markt denn überhaupt «gerecht» sein?

Zunächst muss man klären, welche Gerechtigkeit man meint. Die Chancengerechtigkeit am Beginn des Lebens? Die Regelgerechtigkeit, dass für alle gleiche Spielregeln gelten? Die Tauschgerechtigkeit, dass sich Leistung und Gegenleistung halbwegs entsprechen? Oder die sogenannte Verteilungsgerechtigkeit, die viele mit einer Angleichung der Einkommen und Vermögen gleich- setzen? Man erkennt rasch, dass diese verschiedenen Konzepte von Gerechtigkeit einander zum Teil widersprechen. Erst recht erkennt man, dass es sogar innerhalb eines bestimmten Konzeptes von Gerechtigkeit keine einheitlichen Vorstellungen von Gerechtigkeit gibt, ja geben kann. Welche ungleichen Startchancen sollen ausgeglichen werden und welche nicht? Wie werden Leistung und Gegenleistung bewertet? Welche Gleichheit oder Ungleichheit der Einkommen und Vermögen wird als gerecht empfunden? Noch wichtiger als die Klärung der Begriffe ist aber die Einsicht, dass in einer dynamischen, offenen und freien Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung Unterschiede und Vielfalt geradezu wesensnotwendig sind. Nur in totalitären und statischen Ordnungen kann man Verteilungen halbwegs konstant halten. Deshalb führt der Versuch, Unterschiede der Einkommen und Vermögen, die immer auf einer Mischung aus Tüchtigkeit und Glück beruhen, zu korrigieren, notwendigerweise zu einem Verlust an Wohlstand und Innovation. Gewonnen wird damit im besten Fall etwas mehr Verteilungsgleichheit, was vielleicht eine Mehrheit mit mehr Gerechtigkeit gleichsetzt,was aber anderen Gerechtigkeitsvorstellungen widerspricht. Auch mit Blick auf die Gerechtigkeit ist die Marktwirtschaft daher unvollkommen, sie ist «die schlechteste aller Wirtschaftsordnungen – mit Ausnahme aller anderen, die wir kennen». ¨ Freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom Rüegger Verlag (Erstabdruck avenir 03/2012).

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PUBLIREPORTAGE

P R ÄV E N T I O N I M B Ü RO I N T E R A K T I V V E R M I T T E L N

Die Ekas-Box Die EKAS-Box, das neue Online-Präventionsinstrument der Eidgenössischen Koordinationskommission für Arbeitssicherheit EKAS, zeigt auf unterhaltsame Weise, wie mit wenig Aufwand die Sicherheit und Gesundheit im Büro verbessert werden kann.

Landessprachen und in Englisch, wie Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz im Bürobetrieb konkret verbessert werden können.

lädt die EKAS-Box (www.ekas-box.ch), das neue Präventionsinstrument der EKAS, den Besucher oder die Besucherin auf einen unterhaltsamen und virtuellen Rundgang durch verschiedene Bürosituationen ein. In vier Kapitel werden die wichtigsten Tipps und Informationen zu den Themen «Ergonomisches Arbeiten», «Unfallverhütung», «Büroeinrichtung» und «Büroplanung» behandelt. Dabei vermitteln die beiden Figuren Sophie und Alex in drei

Zielgruppengerechte und attraktive Prävention Bei der Entwicklung der EKAS-Box standen die Bedürfnisse, Ziele und Eigenschaften des Nutzers im Mittelpunkt. Dazu wurde ein Prototyp mit Zielpersonen getestet und entsprechend den Rückmeldungen und Wünschen überarbeitet. So entstand ein OnlinePräventionsinstrument, das ansprechend und einfach zu bedienen ist. Weitere Hilfsmittel wie eine Liste mit Tipps, eine Publikationsliste, Broschüren oder die meist gestellten

TEXT IMELDA STADLER

Wer sich um die Gesundheit am Arbeitsplatz kümmert, wird dafür belohnt: mit weniger Absenzen und leistungsfähigeren Mitarbeitenden. Das Risiko, in einem Bürobetrieb zu verunfallen, wird stark unterschätzt. In Realität erfolgen mehr als die Hälfte aller anerkannten Berufsunfälle in Dienstleistungsunternehmen. Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz können jedoch mit wenig Aufwand deutlich verbessert werden. Dazu

Optimale Raumplanung: Sitzungs- und Geräteräume mit Fluchtwegen und Sicht ins Freie. Foto: zVg

AT T R A K T I V E P R E I S E Z U G E W I N N E N Auf der Website www.praevention-im-buero.ch finden sich die Links zu den wichtigsten Informationsmaterialien der EKAS. Wer das Quiz zur EKAS-Box löst, kann an der Verlosung attraktiver Preise teilnehmen. Öffnen Sie die EKAS-Box unter: www.ekas-box.ch

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MARKETING l UZ MARKE DES MONATS: APPLE

Die neue Weltreligion? VON STEFAN VOGLER

DER AUTOR Stefan Vogler berichtet ßber die aktuelle Markenfßhrung einer grossen oder kleinen, globalen, nationalen oder lokalen, altbewährten, aufgefrischten oder neuen Marke. www.markenexperte.ch

Marke des Monats im November:

www.apple.ch

Von welchem Stern Steve Jobs auch immer auf unsere Erde herunterblickt – er wird seine helle Freude haben: Um satte 129 Prozent ist der Markenwert seines Lebenswerks gewachsen. Und das im Jahr eins nach seinem Ableben. Längst ist fast jedem Kind im hintersten Winkel der Welt klar, dass der speziellste Apfel nicht am Baum wächst, sondern ein lifestyliges Designwunder zum Kommunizieren ist. Was Jobs mit Apple erschaffen hat, grenzt an ein Wirtschaftswunder, das weiter lebt. Sein Brand ßberlebt ihn, denn noch immer campieren Fans vor seinen Shops, um die neusten Produkte am Lancierungstag zu er-

gattern. Stellen Sie sich vor, Ihre Kunden wßrden dasselbe tun, um ein neues Produkt Ihrer Marke zu kaufen! Während Jahren dominierten klassische Konsumgßter, vorzugsweise Genussmittel wie CocaCola oder McDonalds die Hitparade der wertvollsten Brands (vergl. Kasten). Nun ist die digitale Revolution endgßltig in der Markenwelt angekommen: Sechs Marken in den Top 10 stammen aus der Informations- und Kommunikations-Technologie. Was macht es denn aus, dass Apple quer durch alle Länder und Kulturen so beliebt und begehrt ist wie Coca-Cola? Wie bei jeder starken Marke

entsteht auch die Präferenz fßr Apple durch eine hohe Bekanntheit und klare Profilierung als Ausdruck einer einzigartigen und damit differenzierenden Positionierung. Apple-Produkte ßberzeugen auf der rationalen Ebene, indem sie Information und Kommunikation auf einfachste, zuweilen sogar spielerische Weise ermÜglichen. Die Menschen brauchen (fast) keine IT-Kenntnisse, um Apple’s zu nutzen. Sie kÜnnen sich auf die Inhalte konzentrieren. Auch emotional bietet Apple Faszination: Sehr gute Technologie kommt in wunderbar abgespeckten Design daher und präsentiert die Stores ßberzeugend in fast puristischer Gestaltung und Ausstattung. Alles dient einem Ziel: Die Produkte sind die Helden, die stets

NEWS AUS DER M A R K E N W E LT Top 10 Global Brands, 2012 gemäss Interbrand: 1. Coca-Cola 77,8 Bill. USD (+8% vs. 2011) 2. Apple 76,5 (+129% !) 3. IBM 75,5 (+8%) 4. Google 69 (+26%) 5. Microsoft 57,8 (-2%) 6. General Electric 43,6 (+2%) 7. McDonalds 40 (+13%) 8. Intel 39,3 (+12%) 9. Samsung 32,8 (+40%) 10. Toyota 30 (+9%). Nur noch drei Swiss Brands (2011: 5) haben es unter die weltweiten Top 100 geschafft: 35. NescafÊ 11 (-8%) 57. NestlÊ 6,9 (+5%) 95. Credit Suisse 3,8 (-5%).

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Z A H N B Ü R S T E N A U S D E M L U Z E R N E R S U R E N TA L F Ü R D E N W E LT M A R K T

Erfolgsprodukt Bürsten Vor 125 Jahren ist in der Luzerner Landgemeinde Triengen eine kleine Bürstenmanufaktur gegründet worden, aus welcher die international erfolgreiche Trisa AG entstand.

TEXT WERNER CATRINA

Triengen, eine Gemeinde im Luzerner Surental, scheint nicht prädestiniert für eine Firma, die 80 Prozent ihrer Produkte exportiert. Renovierte Fabrikgebäude aus der Gründerzeit und moderne Fabrikgebäude in der Gewerbezone tragen den Schriftzug «Trisa». Tausend Beschäftigte zählt das Familienunternehmen, das in der vierten Generation von Adrian und Philipp Pfenniger geführt wird. Einen Umsatz von 230 Millionen Franken; 150 Millionen erwirtschaftet das Stammhaus, dessen wichtigster Ertragspfeiler seit jeher Zahnbürsten sind. Eine Million davon werden hier täglich gefertigt, von A bis Z «Made in Switzerland».

Steigende Exporte Dreht man die durchsichtige Pet-Packung für eine Trisa Vita Clean Zahnbürste um, wird der Gebrauch in einem Dutzend Sprachen erklärt, Beweis für die heutige Internationalität des Unternehmens. Exportierte Trisa 1964 erst 10 Prozent der Produktion, sind es gegenwärtig 81 Prozent; Hauptexportmärkte sind Westeuropa sowie Nord- und Südamerika, doch auch im Mittleren Osten und in Asien werden Zähne mit Trisa Bürsten geputzt. Dieser Erfolg in einem hartumkämpften Markt mit vielen Billigprodukten basiert auch auf der wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit den Universitäten Zürich, Bern, Basel, Genf und auch Lausanne, die bereits in den Fünfzigerjahren begann, sowie auf dem Input von Zahnärzten und Dentalhygienikerinnen. In der Entwicklungsabteilung des Unternehmens entwickeln Dutzende von Spezialisten noch ergonomischere Zahnbürsten, elektrisch betriebene Zahnreiniger, oder kleine Bürsten, um die Zwischenräume zwischen den Zähnen zu polieren.

Es begann mit dem «Bürsten Ferdi» Begonnen hat alles mit dem «Bürsten-Ferdi», dem Einheimischen Ferdinand Kost. Mit drei andern Männern aus Triengen machte er sich anno 1836 auf nach Norden ins badische Wiesental, um dort das in Triengen beheimatete Handwerk der Leinenweberei bekannt zu machen. Im Abschied von der Akkordarbeit und frühe MitarbeiterGegenzug lernten die vier Mannen jenseits des Bodensees beteiligung das Bürstenhandwerk, und dieses passte ausgezeichnet zum Trisa hat sich einen Namen als fortschrittliche Firma Luzerner Surental, wo die Schweinezucht seit jeher heigemacht. Was Direktor Xaver Pfenniger misch ist und neben Fleisch auch Borszu Beginn des 20. Jahrhunderts noch ten liefert. als Minderheitsaktionär der «Bürsti» 1885 begann die erste gewerbliche auf den Weg brachte, und von Ernst Bürstenfabrikation in Triengen, doch Pfenniger-Häfliger in der 2. Generation das Unternehmen fallierte. Bereits weiter entwickelt wurde, führte Sohn zwei Jahre später wagten es fünf TrienErnst Pfenniger-Unternährer in der ger Bürger erneut und setzten Ferdi3. Generation ab 1961 fort. Das fortnand Kost als Werkmeister ein. Die Maschrittliche Unternehmen verabschienufaktur hiess damals noch Bürstenfadete sich unter seiner Leitung in den brik AG Triengen; dennoch markiert Sechzigerjahren vom Akkordlohn und 1987 die Gründung der Trisa. Bereits Die vierte Generation der führte 1964 die Mitarbeiterbeteiligung zur Jahrhundertwende beschäftigte Unternehmerfamilie: ein, ein visionärer Schritt, der es der Betrieb dreissig Mitarbeitende, die Philipp und Adrian Pfenninger. den Mitarbeitenden 1972 auch ermögHaar- und Haushaltbürsten herstelllicht, als Aktionäre vom Unternehmenserfolg zu profitieten. 1903 produzierte man die ersten Zahnbürsten mit Holz ren. Ein Drittel des Aktienkapitals ging in die Hände der oder Elfenbeingriffen im Handeinzugsverfahren, wenig Mitarbeitenden über, der Verwaltungsrat ist seither später kam eine hydraulische Produktionsmaschine zum paritätisch mit Vertretern der Familie und der Mitarbeiter Einsatz. besetzt. Dieser Schritt rief in Unternehmerkreisen teils heftige Opposition hervor, der Trisa-Firmenchef wurde Xaver Pfenniger führt in die Zukunft anfangs als «Sozialist» oder gar «Kommunist» gebrandTreibende Kraft war Xaver Pfenniger, der zu Beginn des markt. Längst haben manche erfolgreiche Firmen dieses 20. Jahrhunderts das Handwerk weiter entwickelte und Modell übernommen. zunehmend mechanisierte. Schon 1908 bot Trisa 196 verEine Krise in den Siebziger Jahren meisterte die damals schiedene Bürsten für Landwirtschaft, Haushalt und Körin ihrer Existenz gefährdete Firma und ging aus einer perpflege an. Trotz den Weltkriegen mit massiven EinbrüKonzentrationswelle in der Schweizer Bürstenindustrie chen und der halbem Belegschaft im Militär hielt Trisa – gestärkt hervor. 1989 kaufte Trisa die Marke Walter und die ab 1941 unter der Führung des Sohnes Ernst Pfenniger-HäfBürstenfabrik Ebnat Kappel. Anfang der Neunzigerjahre liger – durch und entwickelte sich in Schüben kräftig weierhielt das Trienger Unternehmen als erste Bürstenfabrik ter. Moderne Maschinen verdrängten Handarbeit. 1948 Europas die ISO Zertifizierung. Folgerichtig ist die neue, taufte man die Bürstenfabrik AG Triengen in Trisa um, ein riesige Produktionshalle am Dorfrand eine Holzkonsgängiges, international verständliches Logo, mit einem truktion im Minergiestandard, Solarpanels auf dem Dach Schriftzug den man seit den Sechzigerjahren nicht mehr inklusive. In der luftigen, lichtdurchfluteten Halle wird an veränderte.

Produktion einst (1907) und jetzt. Fotos: zVg / Werner Catrina (r.u.)


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NACHGEFRAGT

Ein Leben für Trisa Wo begannen Sie bei Trisa? Paul Steinmann: Ich habe bei Trisa die Lehre gemacht und mich dann durch alle Abteilungen hindurchgearbeitet, Mitte der Siebzigerjahre landete ich bei Verkauf, Werbung und Marketing, das war damals noch ohne Studium möglich. Ich habe mich durch Fachbücher, in der Praxis und mit Kursen weitergebildet. Wieso sind sie so lange im gleichen Unternehmen geblieben? Ich hatte das Glück, einen Grossteil meines Berufslebens mit dem Unterneh-

menspionier Ernst Pfenniger zu verbringen, dem Vater der jetzigen Patrons Adrian und Philipp Pfenniger, die das Unternehmen engagiert weiter führen. Wie würden Sie die Firmenphilosophie umschreiben? Für Trisa sind die Menschen wichtig, die Kunden genau so wie die Mitarbeitenden. Das Unternehmen hat früh die Arbeiterrechte ausgebaut. Worauf gründet der Langzeiterfolg der Firma? Der Erfolg der Trisa basiert im Wesentlichen auf der Unternehmenskultur, dem

ultramodernen Maschinen gearbeitet; doch immer noch gibt es Arbeitsgänge, die von Hand zu leisten sind. Innovativ «125 Jahre Trisa of Switzerland», steht auf der Jubiläumsbroschüre, die Geschichte und Gegenwart des Unternehmens beschreibt. Die Vielfalt des Angebots ist beeindruckend, zumal Trisa auch für andere Firmen, zum Beispiel Zahnpastahersteller, unter deren eigenem Label Bürsten im Auftrag produziert. Forschung und Entwicklung werden gross geschrieben; etwa ein Drittel des Umsatzes betreffen neue Produkte, von der stets weiter entwickelten Zahnbürste jeglicher Grösse, mit oder ohne Elektromotor, über die Zahnseide bis zum Zungenreiniger. Das Unternehmen fördert die Kreativität der Mitarbeitenden und honoriert Geistesblitze mit barem Geld. Trisa kann auf eine loyale Mitarbeiterschaft zählen, die zu einem grossen Teil schon lange im Unternehmen

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Trisa Spirit, wie es in unser Jubiläumsschrift heisst. Wichtig sind innovative Technologieführerschaft sowie eine mutige Investitionspolitik. Wie sehen Sie die Zukunft von Trisa? Ich bin jetzt ja pensioniert, dem Unternehmen aber immer noch stark verbunden. Trisa bedeutet auf den Weltmärken Swiss Quality, für die ist der deutsche, der chinesische oder der amerikanische Konsument bereit ist, etwas mehr zu bezahlen, was bei einem Exportanteil von rund 80 Prozent überlebenswichtig ist. Der starke Franken macht dem Unternehmen jedoch zu schaffen. Management und Mitarbeitende sind also auch nach dem Jubiläumsjahr gefordert.

Paul Steinmann, Jahrgang 1947, trat als Lehrling bei Trisa ein, arbeite in allen Abteilungen und stand 35 Jahre als Marketingchef im Einsatz. Vor zwei Jahren übergab er die Marketingleitung seinem Nachfolger Christian Wipfli.

arbeitet. Die intensiv arbeitenden Brüder Adrian und Philipp Pfenniger, die vierte Generation der Unternehmerfamilie, leben die Firmenwerte Glaubwürdigkeit und Fachkompetenz vor. Ein Jahrhundert nach der Gründung der «Bürsti» entstand in mehreren Schritten die Trisa AG, dann die Trisa Gruppe mit den weiteren Töchtern Trisonic AG, die jährlich eine Million elektrische Zahnbürsten produziert, weiter die Trisa Accessoires AG, die Haar-und Modeschmuck anbietet, sowie die Trisa Electronics AG, schliesslich die Bürstenfabrik Ebnat-Kappel AG, die nebst manuellen Zahnbürsten auch Bürsten für die Raumpflege herstellt. Im bulgarischen Sofia etablierte man schliesslich die Vertriebsgesellschaft Trisa Bulgaria GmbH. 2012 zelebriert Trisa mit Stolz das 125-jährige Jubiläum, und die Erinnerung an den legendären Fernsehspot aus den Siebzigerjahren von Hans Gmür mit dem eingängigen Refrain lebt auf: «Met de Trisa, met de Trisa, met de Trisa cha, cha, cha!»


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WEGMÜLLER AG ALS SOLARPIONIER

Die Sonne hilft Kisten bauen Ende September geht bei Winterthur die grösste Photovoltaikanlage der Ostschweiz und des Kantons Zürich ans Stromnetz. Die Wegmüller AG hat auf den Dächern der Produktions- und Lagerhallen 2106 Solarmodule installieren lassen. Sie produziert damit theoretisch knapp 90 Prozent des benötigten Stroms selbst.

TEXT MARC WEGMÜLLER

Nur drei Monate hat der Bau des 516 kWp starken Kraftwerks gedauert. Grund für die Eile war die kurzfristige Zusage für die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) von der Netzbetreiberin Swissgrid. Mit der KEV fördert der Bund den Bau von Photovoltaikanlagen. «2008 haben wir die KEV beantragt. Und erst nach vier Jahren, also diesen Februar kam unerwartet der positive Bescheid», erzählt Marc Wegmüller, Geschäftsführer der Wegmüller AG. Die 100-jährige Verpackungsfirma musste das ehrgeizige Projekt innerhalb weniger Monate entwickeln und bauen. Denn Swissgrid kündigte an, die Solarstromvergütung auf den 1. Oktober 2012 zu kürzen. Eine Herausforderung, die nur mit den richtigen Partnern verwirklicht werden konnte. Schnelle Partner Den geeigneten Baupartner für das Grossprojekt fand die Wegmüller AG in der noch jungen Firma Solarville AG aus Winterthur. In ihr vereint sind erfahrene Photovoltaiktechniker, die sich vor gut einem Jahr selbständig gemacht haben. Dass für den Bau wenig Zeit blieb, nahm das junge Team um die Geschäftsleiter Thomas Bachmann und Stefan Roth sportlich. Der ehrgeizige Zeitplan wurde eingehalten. «Die Vorarbeiten, vom Businessplan über Baubewilligung bis hin zur Detailplanung der Teilanlagen gingen reibungslos auf. Wir haben unser Wissen aus dem Grossanlagenbau beweisen können», freut sich Bachmann. Dachdecker der Firma Karl Erb AG aus Dinhard sanierten vorgängig eines der bebauten Dächer. Das wäre technisch zwar noch nicht nötig gewesen. Die Photovoltaikanlage aber belegt das Dach während mindestens 25 Jahren. Bei Bedarf hätte das eine nachträgliche Sanierung des 40-jährigen Daches erschwert. Engagiert mitgemacht hat auch die Gemeinde Rickenbach, indem sie in nur drei Wochen die Baubewilligung erteilte. Aufwändiger Bau Auf vier der fünf bebauten Hallendächer sind die Photovoltaikmodule auf eine parallel zum Dach installierten Unter-

T E C H N I S C H E D AT E N Photovoltaikanlage Wegmüller AG Gesamtleistung: Spezifischer Ertrag: Geschätzter Jahresertrag: Deckungsgrad Eigenbedarf Wegmüller AG: Quadratmeter Photovoltaik-Fläche: Quadratmeter Leistung pro Photovoltaikmodul: Anzahl Module: Verlegte Kabel: Theoretische Versorgung: Baubeginn: Inbetriebnahme:

8544 Attikon ZH 516 kWp 952 kWh/kWp 495’232 kWh knapp 90 Prozent 3444 245 Wp 2106 über 13 Kilometer 150 Haushalten. Mitte Juli 2012 21. September 2012

W E I T E R E I N F O R M AT I O N E N E R H A LT E N S I E G E R N E B E I : Wegmüller AG, 8544 Attikon: Marc Wegmüller, mw@wegmueller-attikon.ch, 052 320 99 02, www.wegmueller-attikon.ch, Solarville AG, 8400 Winterthur: Thomas Bachmann, thomas.bachmann@solarville.ch, 079 468 96 91; Stefan Roth, stefan.roth@solarville.ch, 076 347 93 63 www.solarville.ch


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konstruktion geschraubt. Die Sonne strahlt aufgrund der Dachausrichtung optimal auf die Module. Um auf dem einen Flachdach ebenfalls mÜglichst viel Licht einzufangen, sind die Module auf einer Ständerkonstruktion etwas geneigt montiert. Als aufwändig erwiesen sich die Verkabelungen zwischen den Photovoltaikmodulen, den Wechselrichtern und dem Traforaum, weil sich die Anlagen ßber das ganze Betriebsgelände erstrecken. Fßr die elektrische Erschliessung vom entlegensten Hallendach bis zum Traforaum war eine 140 Meter lange Tiefbohrung unter den Gebäuden hindurch nÜtig.

Fast unabhängig: Die Wegmßller AG kann dank der eigenen Photovoltaikanlage Exportverpackungen zu 90% mit eigenem, umweltfreundlichem Strom herstellen. Foto: zVg

Unabhängige Stromversorgung Die Sonne liefert zukßnftig knapp 90 Prozent des Stroms, den die Wegmßller AG fßr die Herstellung von Exportverpackungen benÜtigt. Zumindest theoretisch: Den Photovoltaikstrom speist die Wegmßller AG gänzlich ins Netz ein und kann jederzeit – auch wenn die Sonne nicht scheint – wie bis anhin Strom aus dem Netz beziehen. Mit dem Bau des Kraftwerks verwirklichen wir einen Traum, so Wegmßller. Man trage etwas zur nachhaltigen Energiegewinnung bei und fßhle sich mit eigenem Sonnenstrom unabhängiger gegenßber unsicheren Entwicklungen auf dem Strommarkt. Motivierend sei auch, dass die Hausbank die siebenstellige Investition breitwillig mitträgt. Und nicht zuletzt verspricht sich Wegmßller, dass die Photovoltaikanlage gutes Licht auf die an sich umweltfreundlichen Holz- und Kartonverpackungen wirft.

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UZ l RECHT

A R B E I T N E H M E R - D AT E N

Sorgfältiger Umgang Das Datenschutzgesetz und der Schutz der Persönlichkeit setzen Schranken beim Bearbeiten von Daten zu den Mitarbeitern. Erlaubt sind alle Informationen und Angaben, deren Kenntnis für das Arbeitsverhältnis beziehungsweise den Einsatz des Arbeitnehmers erforderlich sind.

TEXT CLAUDIA SCHOCH

Daten sind ein wichtiges Gut in der Informationsgesellschaft. Auch im Arbeitsbereich spielen sie eine zunehmend bedeutendere Rolle. Bei Neueinstellungen hofft man, mit möglichst guten Abklärungen ein künftiges Misslingen zu vermeiden, das für alle Enttäuschung bedeutet und auch teuer ist. Während des Arbeitsverhältnisses dienen genauere Informationen über die Mitarbeiter einem möglichst effizienten Einsatz und guter Karriereplanung. Doch persönliche Daten geniessen Schutz. Der Umgang mit ihnen ist geregelt. Artikel 328 b des Obligationenrechts beschränkt das Recht des Arbeitgebers bei der Bearbeitung von Daten über die Arbeitnehmer und verweist im Weiteren auf das Datenschutzgesetz. Dieses ist generell auch im Arbeitsverhältnis (insbes. Art. 4 - 7) massgebend. Der Betroffene muss informiert sein Grundsätzlich gilt, Daten dürfen nur mit Wissen des Betroffenen beschafft und bearbeitet werden. Dazu muss die betroffene Person auch den Zweck der Bearbeitung erkennen können. Eine Selbstverständlichkeit sollte sein, dass nur richtige Daten bearbeitet werden. Auf dem Internet frei zugängliche Informationen sind im Prinzip frei, auch wenn manche mit ihren persönlichen Daten unverständlich freizügig umgehen. Doch das ist ihre Entscheidung. Als Grundsatz ist davon auszugehen, dass nur so viele Daten wie nötig und so wenige wie möglich erhoben werden. Welche Beschränkungen dabei zu beachten sind, zeigt der eidgenössische Datenschutzbeauftragte auf seiner Website (www.edoeb.admin.ch) auf. Das bedeutet zunächst, dass die Erstellung eigentlicher Persönlichkeitsprofile unzulässig ist. Ebenso sind besonders schützenswerte Daten tabu. Dazu zählen etwa Angaben über politische oder weltanschauliche Ansichten oder über persönliche Neigungen, Eigenschaften und die Gesundheit. Der Arbeitgeber darf diese nur erfassen, wenn sie für die Erfüllung der Arbeitsleistung direkt notwendig sind. Beschränkungen bei der Personalsuche Grenzen bei der Datenbeschaffung und -bearbeitung bestehen bereits bei der Personalsuche. So ist dafür zu sorgen. dass Bewerbungsunterlagen nur von den zuständigen Personen eingesehen werden. Es sind nur Angaben einzufor-

dern, die auch wirklich nötig sind, um die Eignung für die zu besetzende Stelle abzuklären. So sind selbst Fragen nach allfälligen Vorstrafen nicht generell erlaubt, sondern nur, wenn sie für die künftige Tätigkeit eine Rolle spielen. Bezüglich eines Buchhalters beispielsweise ist es wichtig sich zu erkundigen, ob er wegen eines Vermögensdelikts vorbestraft ist. Nachforschungen nach einer Schwangerschaft oder dem Kinderwunsch gehören im Normalfall auch zu den unzulässigen Abklärungen. Erlaubt sind sie, wenn die Arbeit die Gesundheit einer Schwangeren oder des ungeborenen Kindes gefährdet oder die Arbeit – wie beispielsweise bei einem Mannequin – schwanger gar nicht verrichtet werden kann. Auch Erkundigungen nach der Gewerkschaftszugehörigkeit oder andern Vereinen und Verbänden gehören in die Verbotszone. Nach Weltanschauung oder politischer Einstellung darf nur gefragt werden, wenn der Arbeitgeber als Betrieb entsprechende ideelle Ziele verfolgt. Notlügen bei unzulässigen Fragen erlaubt Bei falschen Auskünften des Stellenbewerbers oder auch beim Verschweigen wichtiger Fakten ist der Arbeitgeber berechtigt, den Vertrag rückwirkend wegen Täuschung (Art. 28 Abs. 1 Obligationenrecht) anzufechten und Schadenersatz einzuklagen. Allerdings auf unzulässige Fragen muss nicht nur nicht geantwortet werden, sie dürfen gar falsch beantwortet werden. Auskünfte bei der gegenwärtigen oder bei einer früheren Arbeitsstelle einzuholen, ist nur mit Zustimmung des Stellenbewerbers erlaubt. Genauso ist der angefragte Arbeitgeber nur berechtigt, Auskunft zu erteilen, wenn eine Einwilligung der betroffenen Person vorliegt. Sogenannte Einstellungstests, wie graphologische Gutachten, psychologische Leistungstests oder Abklärungen durch Assessment Centers sind von Fachleuten durchzuführen und müssen dem verfolgten Zweck dienen. Auch hier gilt: Sie dürfen nicht über das Notwendige hinausgehen. Der Bewerber hat dabei Anspruch darauf, die Auswertungen einzusehen. Selbstverständlich dürfte sein, dass Abklärungen zum Gesundheitszustand der ärztlichen Schweigepflicht unterliegen. Der Arzt darf den Arbeitgeber über die Eignung eines Stellenbewerbers oder Mitarbeiters für eine Arbeit orientieren. Details oder gar eine Diagnose sind geheim zu halten. Anzeige

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RECHT l UZ

Nachforschungen nach einer Schwangerschaft gehÜren zu den unzulässigen Abklärungen. Erlaubt ist es aber, beispielsweise bei einem Mannequin, wenn die Arbeit schwanger gar nicht ausgefßhrt werden kann. Foto: Bilderbox.de

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Trennung zwischen Personaldienst und Versicherungsverwaltung Die Antworten auf Fragebogen einer allfälligen Taggeldversicherung dßrfen fßr den Arbeitgeber nicht einsehbar sein. Auch die Betriebskrankenkasse ist personell und funktionell strikt vom Personaldienst zu trennen. Erst kßrzlich hat das Bundesverwaltungsgericht erstinstanzlich entschieden, dass der persÜnliche Pensionskassenausweis nicht offen und ungeschßtzt ßber den Arbeitgeber den Mitarbeitern zuzustellen ist. Fßr die Fßhrung der Personaldossiers gelten die Beschränkungen grundsätzlich gleich weiter. Auch hier sollen nur erforderliche Informationen gesammelt und abgelegt werden. Dabei kommen als notwendige Daten etwa Angaben zu Ferien und Arbeitsausfällen sowie Lohn- und Versicherungsdaten hinzu. Weiter gehÜren dazu Beurteilungen, Informationen zu Weiterbildung und Laufbahnplanung, zu allfälligen Disziplinarmassnahmen, allfällige Arztzeugnisse. Dem Arbeitgeber ist es dabei grundsätzlich untersagt, ßber die betroffene Person Auskßnfte an Dritte ohne Einwilligung des Betroffenen zu erteilen. Dies gilt selbst gegenßber einer andern Stelle innerhalb einer Unternehmensgruppe. Ausnahmen bilden gesetzliche Pflichten, wie die Angaben etwa an die AHV. Auskßnfte ßber das Einkommen an Vermieter oder an Kreditkartenunternehmen sind unzulässig. Der Arbeitnehmer hat das Recht auf Auskunft (Art. 8 Datenschutzgesetz) zu den ßber ihn gesammelten Informationen. PersÜnliche Notizen des Arbeitgebers, die er nur fßr sich gemacht hat und nicht weitergibt, mßssen dabei jedoch nicht offengelegt werden. Ebenso besteht kein Einsichtsrecht in Unterlagen zur Personal- und Karriereplanung und in laufende Verfahren. Finden sich falsche Angaben im Dossier, besteht ein Anspruch auf Berichtigung. Ist man sich darin aber uneinig, ist ein Vermerk anzubringen. Sind in den Dossiers unzulässige Daten enthalten, kann deren LÜschung verlangt werden. Nach Beendigung eines Arbeitsverhältnisses sind nur Daten aufzubewahren, die weiter benÜtigt werden – beispielsweise jene zur Ausstellung des Zeugnisses – oder die von Gesetzes wegen archiviert werden mßssen. Alles andere ist zu vernichten. Vorkehren fßr die Datensicherheit Schliesslich ist mit organisatorischen Massnahmen generell dafßr zu sorgen, dass die Daten von Unbefugten nicht bearbeitet werden kÜnnen. Der Zugriff zur Datenbank ist so zu sichern, dass er nur fßr berechtigte Personen mÜglich ist. Dafßr hat der Inhaber der Datenbank zu sorgen. Ebenso ist er dafßr verantwortlich, dass die Datenschutzbestimmungen beachtet werden. Das gilt auch, wenn er die Bearbeitung der Daten an Dritte beispielsweise an ein Rechenzentrum ßbergeben hat. Er bleibt verantwortlich. Selbst wenn innerhalb einer Unternehmensgruppe die Bearbeitung an eine Filiale ßbertragen wurde, bleibt derjenige, der darßber entscheidet, welche Daten zu welchem Zweck gesammelt werden, verantwortlich fßr die korrekte Bearbeitung.

DIE AUTORIN Dr. Claudia Schoch ist Rechtsanwältin in der Anwaltskanzlei Stiffler und Partner in Zßrich. Nebst Arbeitsrecht beschäftigt sie sich unter anderem mit PersÜnlichkeitsschutz und Medienrecht

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l Nr. 11 l 2012

UZ l UNTERNEHMERFORUM SCHWEIZ

RECHUNGSLEGUNGSRECHT

Viel Lärm um nichts? Der Bundesrat wird das neue Rechnungslegungsrecht voraussichtlich auf den 1. Januar 2013 in Kraft setzen. Es stellt sich deshalb die Frage welche Neuerungen wirklich im eigentlichen Tagesgeschäft der Unternehmen relevant sind.

TEXT THOMAS STENZ

Der Bundesrat hat mit seiner am 24. August veröffentlichten Anhörung zu den anerkannten Rechnungslegungsstandards klar gemacht, dass er das neue Rechnungslegungsrecht auf den 1. Januar 2013 in Kraft setzen will. Das Gesetz sieht eine zweijährige Übergangsfrist vor. Trotzdem ist es an der Zeit zu überlegen, ob nun wirklich fundamentale Änderungen anstehen oder ob es sich nur um «neuen Wein in alten Schläuchen» handelt. Zurzeit hört man beide Meinungen. Nach einer oberflächlichen ersten Betrachtung ändert tatsächlich wenig; nimmt man jedoch eine vertiefte Analyse vor, so zeigen sich diverse Widersprüche oder ungelöste Fragen und damit ein nicht zu unterschätzender Interpretationsbedarf. Das neue Recht übernimmt einige Definitionen aus den anerkannten privaten Rechnungslegungsstandards (IFRS oder Swiss GAAP FER). Mit der neuen Definition eines Aktivums ist unbestritten, dass die Gründungs- und Kapitalerhöhungskosten eines Unternehmens nicht mehr aktiviert werden können. Schon nicht mehr ganz so klar sieht die Sache beim zweiten Begriff der im alten Recht als «Gründungs- und Organisationskosten»

Im neuen Rechnungslegungsrecht lassen sich weiterhin zusätzliche Rückstellungen bilden, eine Verpflichtung zur Bildung von Rückstellungen bei Drohverlusten besteht Foto: Bilderbox.de jedoch nicht mehr.

NACHSCHLAGEWERK NEUES RECHNUNGSLEGUNGSRECHT – 1. JANUAR 2013 Herausgeber: preferred leaders club, Unternehmer Forum Schweiz Umfang: ca. 70 Seiten (A5) erscheint im November 2012. Mit praktischen Hinweisen und Beispielen – Gesetzesartikel Einführung: Auswirkungen Rechtsformneutralität, Minimalanforderungen, Steuerliche Auswirkungen, Übergangsbestimmungen, Bisherige und neue Gesetzesartikel Anwendung: Bilanz, Erfolgsrechnung, Anhang - Risikobeurteilung, Lagebericht, Konsolidierung – Tipps für die Umstellung der Rechnungslegung. Weitere Informationen und Bestellung unter www.unternehmerforum.ch

bezeichneten Kategorie aus. Die Botschaft verneint zuerst eine Aktivierungsmöglichkeit der Organisationskosten, relativiert diese Aussage aber später und lässt die Aktivierung diverser anderer Kosten unter dem Titel der «immateriellen Werte» wieder zu. Auch die drei Voraussetzungen zur Rückstellungspflicht im neuen Recht basieren auf den bekannten Definitionen von IFRS und Swiss GAAP FER. Diese verlangen nebst dem Vorliegen eines verpflichtenden Ereignisses aus der Vergangenheit auch, dass ein Geldabfluss wahrscheinlich ist und der entsprechende Abfluss zuverlässig geschätzt werden kann. Andere Risiken qualifizieren als Eventualverbindlichkeiten und sind neu nur noch im Anhang offenzulegen. Eine Rückstellungspflicht für «Drohverluste» nach altem Recht findet sich in dieser

Form im neuen Recht nicht mehr. Selbstverständlich lässt das neue Recht, im Sinne der Bildung stiller Reserven, weiterhin zu zusätzliche Rückstellungen zu bilden; eine Verpflichtung zur Bildung von Rückstellungen für die im alten Recht noch explizit erwähnten Drohverluste besteht jedoch nicht mehr. Inwieweit eine solche Bilanzierung dem nachträglich noch in das neue Recht eingefügten allgemeinen Grundsatz der «vorsichtigen Bilanzierung» entspricht, darf zumindest bezweifelt werden. Nach dem neuen Recht sind eigene Aktien direkt vom Eigenkapital in Abzug zu bringen und werden nicht mehr als Aktivum mit separater Reserve im Eigenkapital ausgewiesen. Diese ebenfalls aus den internationalen Regeln stammende Änderung macht durchaus Sinn. Leider schweigt sich das neue Recht jedoch darüber aus, wie in Zukunft Gewinne oder Verluste aus der Veräusserung dieser eigenen Aktien zu behandeln sind. Sind diese, wie unter IFRS und Swiss GAAP FER verlangt, erfolgsneutral zu behandeln oder weiterhin über die Erfolgsrechnung zu verbuchen. Nachdem am Grundsatz der Massgeblichkeit der Handelsbilanz für die Besteuerung explizit festgehalten wird, ist diese Fragestellung aus steuerlicher Sicht nicht ganz unbedeutend. Inwieweit das neue Recht wirklich steuerneutral ist, bleibt abzuwarten. Das neue Recht erlaubt zwar unverändert die Bildung stiller Reserven; ob jedoch aufgrund der beispielsweise wesentlich engeren Definition einer notwendigen Rückstellung nicht vermehrt Aufrechnungen von den Steuerbehörden vorgenommen werden wird die Zukunft zeigen. Zu beachten ist auch, dass das neue Rechnungslegungsrecht rechtsformneutral ausgestaltet ist. In diesem Sinne sind verschiedene aus dem Aktienrecht bekannte Anforderungen wie beispielsweise der Anhang, die Vorjahreswerte, eine Mindestgliederung oder die sechs Monatspflicht für den Abschluss zumindest für alle Einzel- und Personengesellschaften neu.

DER AUTOR Thomas Stenz ist dipl. Wirtschaftsprüfer, Präsident des Verwaltungsrates und Partner, Ernst & Young AG, Zürich, Mitglied der Fachkommission FER.


SVC l UZ M I C R O D I A M A N T A G – L E I D E N S C H A F T F Ü R D I E M AT E R I E

Diamantklare Strategie Die Microdiamant AG, Produzentin hochwertiger Diamant-Mikroprodukte für die Feinstbearbeitung von harten Oberflächen mit Sitz im Thurgauischen Lengwil, hat am 8. März 2012 den SVC Unternehmerpreis Ostschweiz 2012 gewonnen.

TEXT SABRINA PLATTNER

Das Unternehmen wurde 1952 gegründet und wird heute von den Brüdern Daniel und Martin Spring als Co-Presidents geführt. Die Firma entwickelt, produziert und vertreibt Produkte für den MikronDiamantmarkt und beschäftigt weltweit 80 Mitarbeitende. Microdiamant-Produkte werden in einer Vielzahl von Anwendungen vorwiegend für die Feinstbearbeitung von superharten Materialien verwendet. Die wichtigsten Industriezweige umfassen die LED-Herstellung, die Uhren- und Schmuckbranche, Medizinaltechnik, Automobil-Zulieferer, sowie die Werkzeugindustrie. Jurypräsidentin Franziska Tschudi lobte an der Preisverleihung die «diamantklare» Strategie von Microdiamant, die bereits in dritter Generation konsequent verfolg werde, sowie die ausgeprägte vertikale Integration der gesamten Wertschöpfungskette. In ihrer ersten Reaktion auf den Sieg zeigten sich Daniel und Martin Spring hoch erfreut: «Wir freuen uns sehr über diesen Preis, der vor allem eine Anerkennung für die Leistung unserer Mitarbeitenden darstellt. Diesen Erfolg werden wir mit ihnen feiern.» Einige Monate nach der Preisverleihung standen die Brüder dem Swiss Venture Club (SVC) Rede und Antwort. Martin und Daniel Spring, welche Reaktionen haben Sie auf den Gewinn des SVC Unternehmerpreis erhalten? Martin Spring: Eine ganze Menge. Darunter etwa ein Schreiben unseres Regierungsrats sowie Reaktionen von Sponsoren und von Geschäftspartnern. Auch war der Gemeindeammann von Lengwil, David Tschudi, bei uns zu Gast und hat uns, verbunden mit seinem Dank und einer Gratulation zu dieser Auszeichnung, einen «Znüni» spendiert. Das hat uns wirklich sehr gefreut. All diesen Gratulationen gemein ist, dass sie den Weg für Gespräche und das Auffrischen von Kontakten ebnen, was wir ungemein schätzen. Daniel Spring: Übergeordnet können wir sagen, dass die Auszeichnung vier positive Effekte hat: Zum einen hat die Medienpräsenz geholfen, unsere Unterneh-

Daniel und Martin Spring bei der Verleihung des SVC Unternehmerpreis

ZUM SWISS VENTURE CLUB (SVC) – W W W. S W I S S - V E N T U R E - C L U B . C H Dank der KMU ist die Schweiz ein Zentrum der weltweiten Innovation. Gefördert werden KMU auch vom Swiss Venture Club (SVC). Der SVC leistet seit seiner Gründung vor über zehn Jahren einen wesentlichen Beitrag für das Unternehmertum in der Schweiz, indem er erfahrene und kompetente Akteure zusammenbringt und herausragende KMU auszeichnet. Dutzende neuer und erfolgreicher Geschäftsideen wurden dank dem SVC in den vergangenen Jahren realisiert. Bekannt ist der Verein vor allem für den SVC Unternehmerpreis, der in sieben Wirtschaftsregionen der Schweiz an herausragende KMU verliehen wird.

mung bekannter zu machen und die Bevölkerung weiss nun genauer, was wir konkret machen. Zum anderen erleichtert der Bekanntheitsgrad der Auszeichnung die Rekrutierung von neuen Mitarbeitenden. Potenzielle Bewerber erkennen so, dass wir ein Unternehmen sind, das einigermassen gut funktioniert (lacht). Drittens fördert die öffentliche Preisverleihung, wie mein Bruder gesagt hat, den Austausch mit Kunden, Behörden und anderen Unternehmen. Und viertens hilft uns die Auszeichnung, unsere Kunden von unserer Qualität zu überzeugen. Da viele unserer Kunden nicht in der Ostschweiz ansässig sind, sondern eher in der Romandie oder im Ausland, haben wir uns entschieden, unseren Sieg auch in unserem Newsletter und auf unserer Website zu kommunizieren.

Foto: zVg

Wodurch haben Sie sich Ihrer Meinung nach von den anderen Preisträgern abgehoben?

l Nr. 11 l 2012 l 65

Martin Spring: Ich glaube, ein entscheidender Vorteil ist unsere Tradition. Wir sind ein Familienbetrieb, der in dritter Generation geführt wird und wir behaupten uns seit drei Generationen erfolgreich als weltweit tätiges Familienunternehmen. Daniel Spring: Ein Kompliment, das ich mehrmals erhalten habe, ist unsere spürbare Leidenschaft für die Materie und unser Geschäft. Ich freue mich jeweils sehr über dieses Kompliment und ich stimme zu, dass dies wirklich auch ein Grund für unseren Erfolg ist. Wir haben das Glück, sehr engagierte Mitarbeitende zu beschäftigen und konnten eine starke Unternehmenskultur aufbauen. Diese Kultur wiederum unterstützt unsere Mitunternehmer darin, Bestleistungen zu erbringen und das Unternehmen weiterzubringen.

Warum sollte man Sie und Ihre Firma kennen? Martin Spring: Wir betreiben ein «B2B» Geschäftsmodell. So ist es verständlich, dass wir primär unseren Abnehmern und weniger den Endkunden bekannt sind. Aber zahlreiche Menschen kommen mit unseren Produkten in Kontakt. Zahlreiche Kosmetikprodukte etwa enthalten unsere Diamanten. Wer sich heute Morgen die Haare gewaschen hat, hat eventuell ein Shampoo mit unseren Naturdiamanten verwendet. Auch sind zum Beispiel Dentalbohrer bei Zahnärzten mit unseren Diamanten bestückt. So schmerzt die Behandlung weniger lange. Ein drittes Beispiel sind die Hersteller von Kugelschreiber, welche unsere Diamanten verwenden, um das Kügelchen an der Spitze zu profilieren, damit es die Tinte besser transportiert. Microdiamant hat ihren Sitz im Thurgauischen Lengwil. Was ist für Sie ausschlaggebend für den Standort Schweiz? Martin Spring: Die Ausbildung unserer Mitarbeitenden – etwa im Vergleich zu Amerika – ist besser und die Loyalität zum Unternehmen stärker. Dies auch dank unserem dualen Bildungssystem. So ist es in den USA zum Beispiel ein Leichtes, Hochschulabsolventen zu finden. Aber gut ausgebildete Fachmitarbeitende sind rar. Ein reines «On-the-job Training» ohne fundierte Ausbildung vermittelt nicht den nötigen Hintergrund, um innovativ zu sein. Unsere Fachkräfte haben aber genau diese Fähigkeiten. Daniel Spring: Ein weiterer positiver Aspekt ist unsere Arbeitskultur und -einstellung. Ich war vor einigen Monaten in Frankreich und da hat mich ein Geschäftspartner auf die «6 Wochen FerienInitiative» angesprochen. Er war der Überzeugung, dass diese in Frankreich mit 100 Prozent der Stimmen angenommen worden wäre. Oft geht vergessen, wie stark das Schweizer Wertesystem ist: Wir Schweizer sind fleissig, vernünftig, engagiert und leistungsbereit.


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ZÜRCHER UNTERNEHMER

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G AT E W AY L I M M AT TA L

Ein Bahnhof für Container Im Limmattal entsteht der erste Schweizer Gateway. Dank dem neuen Umsteigebahnhof können die Container kostengünstiger verladen werden und ausserdem die Umwelt geschont werden.

Das Gateway ist ein «Umsteigebahnhof» für Container. . Foto: SBB Cargo

ZUR PERSON Reto Schärli (42) ist seit 2011 Mediensprecher der Schweizerischen Bundes-bahn SBB.

TEXT UND INTERVIEW SALOME KERN

Im Limmattal soll das Herzstück des Binnengüterverkehrs entstehen. Mit der Genehmigung durch den Verwaltungsrat der SBB steht weiteren Planungsarbeiten für den Gateway Limmattal nichts mehr im Weg. Aktuell durchgeführte Studien rechnen mit einer Verdoppelung des kombinierten Verkehrs bis 2030. Im kombinierten Verkehr werden die Güter von mindestens zwei Transportmitteln befördert. Um die wachsenden Gütermengen zu bewältigen, plant die SBB einen Gateway in Basel Nord und einen im Limmattal. Der Hauptgrund für die Standortwahl ist der Rangierbahnhof Limmattal mit bereits 65 bestehenden Richtungsgleise. 80 Prozent des Gateways liegen auf dem Areal des Rangierbahnhofs. Dank dem Gateway soll der Wirtschaftsraum gestärkt werden und einen effizienten Transport ins Ausland ermöglichen. Welche Vorteile hat Gateway gegenüber konventionellen Ab- und Umladeoperationen? Das Gateway ist ein «Umsteigebahnhof» für Container. Krane laden die per Bahn ankommenden Container auf Anschlusszüge oder zu einem kleinen Teil auf Lastwagen um. Das geht schneller und ist kostengünstiger als das Rangieren ganzer Wagen. Die für die Region bestimmten Güter können auf der Schiene praktisch vor die Haustüre geliefert werden, in vielen Fällen sogar bis auf die Gleisanlage des Empfängers. Dadurch können die Lastwagenfahrten auf ein Minimum beschränkt werden. Ohne Gateway würden die Container bereits früher auf Last-

wagen verladen und das Zürcher Strassennetz zusätzlich belasten. Wie sehen die Massnahmen zur Lärmreduktion aus? Das Projekt untersteht der Pflicht, einen Umweltverträglichkeitsbericht (Die Projektkosten betragen rund 40 Millionen Franken) zu erstellen. Diese Studie soll zeigen, wo Handlungsbedarf besteht. Bezüglich Lärm gibt die Lärmschutzverordnung klare Vorgaben. Falls aus der Lärmuntersuchung Massnahmen zu planen sind, werden diese selbstverständlich im Projekt berücksichtigt. Bis Ende 2012 werden zudem am bestehenden Ablaufberg zwölf Bremsbalken durch lärmarme «Silent-Segmente» ersetzt, was den Rangierlärm spürbar reduzieren wird. Mit einer zweiten Messung im Frühling 2013 wird die Wirksamkeit der Massnahme getestet und beurteilt. Kann die Umwelt vom Gateway profitieren? Schon heute entlastet SBB Cargo die Strasse von täglich 17’000 Lkw-Fahrten. In den nächsten Jahren werden zweifellos mehr Container in die Schweiz kommen. Das Gateway Limmattal hilft dazu, dass möglichst viele Container möglichst lange auf der Schiene transportiert werden. Damit leisten wir einen Beitrag für das Verlagerungsziel. Wie wird das Projekt finanziert? Die Finanzierung von Planung und Realisierung des Terminalbereiches erfolgt aus Fördermitteln des Bundes und Eigenmitteln des Betreibers. Zusätzlich sind durch die Nähe zum Rangierbahnhof Limmattal diverse Anpassungen an den

Gleisanlagen des RBL erforderlich. Diese Kosten werden über die Leistungsvereinbarung zwischen Bund und SBB finanziert werden. Eine erste Finanzierungstranche für das Auflageverfahren des Gateway Limmattal wurde im Rahmen der Leistungsvereinbarung 2013/16 bewilligt. Wo wird dieses System in der Schweiz bereits eingesetzt oder handelt es sich um eine Premiere? Ein Gateway gibt es in der Schweiz noch nicht. Zur Bewältigung der Containermenge, die in den kommenden Jahren in die Schweiz gelangen wird, plant SBB Cargo zwei Gateways: Basel Nord und jenes im Limmattal. Das Gateway Basel Nord nimmt die immer zahlreicher via Wasserweg in die Schweiz transportierten Container auf und befördert sie weiter. Die Attraktivität der Containertransporte auf dem Rhein kann so erhöht werden. Das Gateway Limmattal sichert den Anschluss an die Nordseehäfen und ist für die Feinverteilung der Container in der Schweiz konzipiert. Die Güterzüge bringen die Containertragwagen in ein Anschlussgleis eines Kunden oder in ein regionales Terminal. Wie wirkt es sich personalmässig aus? Der Rangierbahnhof Limmattal bietet heute schon rund 400 Menschen einen Arbeitsplatz. Das Auftragsvolumen aus dem Gateway festigt den Standort und sichert damit Arbeitsplätze. Mit der Realisierung des Gateways werden über 30 neue Arbeitsplätze geschaffen. Es handelt sich dabei primär um qualifizierte Arbeitsplätze im kaufmännischen und technischen Bereich.


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l Nr. 11 l 2012

ZÜRCHER UNTERNEHMER

T- L I N K V E R S C H I C K T W A R E W E LT W E I T

Maschinen auf Reisen Der Spezial- und Messelogistiker T-LINK hat einen neuen Standort bezogen – eigene Holzbriquette und bald auch eine Photovoltaikanlage auf dem Dach inklusive. Vom Neubau in Bassersdorf aus werden empfindliche Maschinen und Anlagen präzise an ihren Bestimmungsort irgendwo in der Welt gebracht.

TEXT STEFFEN KLATT, BASSERSDORF

So teuer kann eine Anlage sein: Wenn Oerlikon Solar – seit Anfang Oktober Teil von Tokyo Electron – eine seiner modernsten Dünnfilmfabriken verschickt, dann gehen eine Viertelmilliarde Euro auf Reisen, umgerechnet 300 Millionen Franken. Da darf nichts schiefgehen. Die Teile dürfen nirgendwo herabfallen, nicht durcheinander kommen und dürfen nicht nass werden. Und sie müssen auf den Tag genau beim Abnehmer ankommen. Sonst setzt es happige Vertragsstrafen. Alles aus einer Hand T-LINK trägt dazu bei, dass die wertvolle Anlage heil und pünktlich an ihrem Bestimmungsort ankommt. Der Speziallogistiker unterhält deshalb eine eigene Abteilung am Oerlikon Solar-Standort in Trübbach im St.Galler Rheintal. Dort werden die Anlagen massgenau verpackt und für die Reise fertiggemacht. «Für uns hat die Zusammenarbeit mit T-LINK einen klaren Mehrwert», sagt Hansueli Litscher, bei Oerlikon Solar für die Logistik verant-

wortlich. «Wir erhalten eine Schlüsseldienstleistung aus einer Hand. Das verringert die Schnittstellen, spart Zeit und damit Kosten und spart zudem Flächen an unserem Standort in Trübbach.» Die Zusammenarbeit mit T-LINK sei sogar noch ausbaubar. Tage retten für den Kunden Bei T-LINK hört man das gern. Oerlikon Solar ist einer ihrer grössten Kunden, wenn auch bei weitem nicht ihr einziger. Ein Blick in die neue Halle in Bassersdorf zeigt den Alltag des Speziallogistikers: Da liegen Roboterarme aufgereiht für die Verpackung. Jeder wird in eine massgeschneiderte Holzkiste gepackt, bevor sie mit der dazugehörigen Maschine in den Container gefahren werden. Wenn es schneller gehen muss, werden die Masse der Maschinen und Maschinenteile bereits beim Kunden genommen. Dann stehen die Kisten schon bereit, wenn die Teile in Bassersdorf eintreffen – «Tage retten» heisst das im Jargon der Exportlogistiker. Dazu gehört auch, dass diejenigen Exportgüter von bekannten Versendern, die den

Know-how für die Organisation der Logistik von inter nationalen Messen Fotos:zVg

Luftweg nehmen, am nahen Flughafen gar nicht mehr durch den Sicherheitscheck müssen. Die entsprechende Verpackung bei T-LINK genügt. Allerdings muss der Logistiker dafür strenge Sicherheitsvorschriften auf dem eigenen Gelände einhalten. Dazu gehören auch jährliche Weiterbildungen für die Mitarbeiter. Sonst ginge der Status als «zugelassener Versender» und demnächst auch als «regulierter Beauftragter» verloren. Selber bauen in Flughafennähe Das flughafennahe Bassersdorf ist ein Glücksfall. Aber geplant war er nicht. Die bisherige Halle in Niederhasli war gekündigt worden. So machte man sich bei TLINK auf die Suche nach einer freien Halle. Doch vergeblich, nichts entsprach ihren Anforderungen. So fiel der Entscheid, selbst zu bauen. Es ist inzwischen die grösste freitragende Halle in Bassersdorf; die Brandschutzvorschriften sind entsprechend streng. Doch wenn schon selber bauen, dann mit Anspruch. So werden die Späne, die bei der Herstellung der Verpackungen anfallen, in einer eigenen Anlage zu Holzbriquettes gepresst, die zusammen mit den Abfällen vom Zuschneiden für die Beheizung der Hallen sowie des Bürogebäudes ver wendet werden. Es fallen wesentlich mehr an, als die Firma zur eigenen Wärmeherstellung braucht. «Falls es hier Interessenten für Holzbriquettes gibt, können Sie sich gern bei mir melden», sagt Ziegler bei der Einweihungsfeier im September. Die Wärme selbst wird von der Decke abgestrahlt – eine Fussbodenheizung wäre angesichts der schweren Fahrzeuge in der Halle ineffizient gewesen. Und eine eigene Photovoltaikanlage mit einer Kapazität von 210 Kilowatt wird folgen. Schweizer Stände an den Messen der Welt Der Neubau erlaubte es, auch die Speditions- und Messelogistik aus Dübendorf zu holen. Das 1990 gegründete Unternehmen begann 2001 mit der Vermarktung erster Messen. Als die Osec vor gut einem halben Jahrzehnt gedrängt wurde, die Organisation Schweizer Stände im Ausland auch Privaten zu überlassen, war T-LINK zur Stelle. Inzwischen organisiert das Unternehmen nach der Osec die meisten Swiss Pavilions im Ausland, plus minus 8 Stück pro Jahr. Die grösste Beteiligung ist inzwischen der World Future Energy Summit, der seit 2008 jeweils im Januar in Abu Dhabi stattfindet. Die Messe für erneuerbare Energien wird im nächsten Januar noch um eine Messe zum Thema Wasser ergänzt. Zu den grossen Messen mit Swiss Pavilions aus der Hand von T-LINK gehört die Pollutec, die abwechselnd in Paris und Lyon stattfindet. T-LINK vertritt zudem auch ausländische Messeorganisatoren in der Schweiz, etwa die Deutsche Messe Hannover.


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ZÜRCHER UNTERNEHMER DESIGNPREIS 2012

Zeitgenössisches Schweizer-Design Die Ausstellung der Schweizerischen Eidgenossenschaft präsentiert vom 26. Oktober 2012 bis zum 27. Januar 2013 die Arbeiten der Preisträgerinnen und Preisträger im Museum Bellerive in Zürich.

Foto: zVg

KRANKENVERSICHERUNG 2013

Die Teuersten und die Günstigsten Alle Jahr wieder der Rummel um die Prämienerhöhungen, die bis zu 36,5 Prozent ausmachen können. In Zürich werden einige Erwachsene, die sich für das «Hausarzt»-Modell entschieden haben, eine Erhöhung ihrer Krankenkassenprämie von 23 Prozent schlucken müssen. Bei jun-

gen Erwachsenen kann die Erhöhung gar 32 Prozent ausmachen, bei Kindern 24 Prozent. Sparen liesse sich u.a., wenn die Versicherten zwar ihre Franchise und ihr Versicherungsmodell beibehielten, aber einen günstigeren Versicherer wählten. Ein Zürcher kann beispielsweise bis zu 57 Prozent seiner Krankenkasse einsparen.

Der wichtigste nationale Wettbewerb zur Förderung des Schweizer Designs, den das Bundesamt für Kultur seit 1918 jährlich organisiert, will Plattformen schaffen. Diese sollen die berufliche Karriere der Ausgezeichneten fördern und ihr Schaffen einer grösseren Öffentlichkeit bekannt machen. 288 Dos-

siers wurden eingereicht, 20 Positionen aus den Bereichen Grafikdesign, Modedesign, Fotografie, Produkte und Objekte sowie Vermittlung prämiert. Als Preis kann gewählt werden unter 25 000 Franken, einem sechsmonatigen Aufenthalt in einem renommierten Büro oder freien Atelieraufenthalten in New York. Das Präsidium der Jury hat Patrick Reymond, Designer, Architekt, Atelier Oï, La Neuveville, inne. Museum Bellerive Höschgasse 3, 8008 Zürich 043 446 44 69, Di-So, 10-17 h Mo geschlossen www.museum-bellerive.ch

Verräterische Handysignale Foto: Bilderbox.ch

Die Stadt Zürich und die SBB spielen «Detektiv» am Zürcher Hauptbahnhof. Indem sie Handysignale der Passanten verfolgen wollen sie in Erfahrung bringen, wo sich die Pendlerströme stauen. 26 Messboxen empfangen die Bluetooth- und WLAN-Signale von Handys und dokumentieren so, den von den Passa-

gieren zurückgelegten Weg. Die erhobenen Daten sollen dem Verständnis

der vielschichtigen Verkehrsbeziehungen dienen, zeigen wo Auf- und Abgänge überbelastet und bauliche Massnahmen notwendig sind. Erste Ergebnisse werden im ersten Halbjahr 2013 erwartet. Gemäss der Stadt ist die Ortung frei verfügbarer Signale aus personen- und datenschutzrechtlicher Hinsicht unbedenklich.

LIMMATTALBAHN

Strassenkapazitätsausbau

Prämienerhöhungen, Sparpotenzial, die teuersten und die günstigsten Versicherer erfährt man unter: www.bonus.ch Foto: Bilderbox.ch

Der Bau der Limmattalbahn bedingt auch eine neue Führung des motorisierten Individualverkehrs (MIV). Es gilt, die Zentren von Schlieren und Dietikon zu entlasten. Der Regierungsrat plant die nötigen Massnahmen. Mit drei Anfragen wollten mehrere Kantonsräte vom Regierungsrat wissen, wie er im Limmattal den motorisierten Individualverkehr abwickeln will. Nebst der Entlastung der genannten Zentren steht der notwendige Kapazi-

tätsausbau auf dem kantonalen Strassennetz für den zu erwartenden Mehrverkehr zur Debatte. Der Regierungsrat bekräftigt seine Absicht, die notwendigen flankierenden Massnahmen zur Limmattalbahn zeitlich auf deren Erstellung abzustimmen. Die Projekte sind unterschiedlich weit fortgeschritten und zum grossen Teil im Bauprogramm 2013-2015 enthalten. Zur Entlastung des Limmattals hat der Ausbau des Nordrings höchste Priori-

tät. Die Verantwortung für den Bau der Nationalstrassen liegt beim Bund. Die Mittel für den Ausbau wurden zwar von den eidgenössischen Räten freigegeben, das Projekt wird aber durch verschiedene Einsprachen blockiert. Unter anderem verlangt die Gemeinde Weiningen eine Portalverlängerung auf ihrem Gebiet, die Gemeinde, der Kanton und der Bund suchen eine einvernehmliche und aussergerichtliche Lösung.


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l Nr. 11 l 2012

ZÜRCHER UNTERNEHMER

MOBILFUNKSTANDORTE VERBAND ZÜRCHER HANDELSFIRMEN 0 4 4 2 1 1 4 0 5 8 , w w w. v z h . c h

Schutz vor Strahlung Die Baudirektion hat zwei Varianten eines Gegenvorschlags zur Behördeninitiative «Emmissionsarme Mobilfunkzonen» des stadtzürcherischen Gemeinderates ausgearbeitet.

Mobilfunk-gsm-Sendeantenne Foto: zVg

Durch Ermächtigung des Regierungsrates werden die beiden Varianten in die Vernehmlassung geschickt. Beide Vorschläge haben zum Ziel, dass die Gemeinden als Bewilligungsbehörden frühzeitig über die Planung neuer Mobilfunkstandorte ins Bild gesetzt werden, um allenfalls alternative und weniger kritische Standorte melden zu können. Der erste Vorschlag würde das kantonale Planungs- und Baugesetz (PBG) so ergänzen, dass die Gemeinden in ihren Bauund Zonenverordnungen eine Standortabklärung für Mobilfunkantennen vorsehen könnten. Dies zum Beispiel als Interessensabwägung beim Ortsbildschutz. Das Bundesrecht verbietet einen über die Grenzwerte hinaus gehenden Schutz vor Strahlung. Das PBG würde festlegen, dass die

Mobilfunkbetreiber den Gemeinden die geplanten Standorte vor Einreichen des Baugesuchs anzeigen müssten. Ein Wermutstropfen wäre der erhebliche administrative Mehraufwand für Gemeinden und Mobilfunkbetreiber. Als Vorschlag zwei dient ein «Dialogmodell», es soll auf freiwilliger Basis den Informationsaustausch über die langund kurzfristige Planung der Mobilfunkbetreiber sicherstellen. Es soll die Möglichkeit geprüft werden, dass allenfalls Standorte durch andere Anbieter mitbenutzt werden können. Solche Vereinbarungen existieren heute bereits in der Stadt Schlieren. Der administrative Aufwand ist geringer als bei der PBG-Änderung, setzt aber die Kooperation beider Seiten voraus.

VZHNews Tagung zum Arbeitsrecht Am 15. November 2012, 18 Uhr findet die Tagung im Hotel Widder an der Augustinergasse 24 statt. Referent ist Dr. Gerhard Koller, Ersatzrichter und leitender Gerichtsschreiber am Arbeitsgericht Zürich. Er wird über Fragen zu Schwangerschaft und Mutterschaft und aktuelle Fälle am Arbeitsgericht informieren. Der für VZH-Mitglieder unentgeltliche Anlass dauert bis 20 Uhr. Anmeldungen bis zum 2. November. Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz Nach dem Gleichstellungsgesetz, dem OR und dem Arbeitsgesetz sind Arbeitgeber verpflichtet, angemessene Massnahmen zum Schutz der sexuellen Integrität und Intimsphäre der Mitarbeitenden zu treffen. Die entsprechende Prävention liegt in der Verantwortung der Unternehmensleitung. Kann der Arbeitgeber nicht nachweisen, dass er rechtzeitig entsprechende

Massnahmen getroffen hat, so kann ihn dies vor Gericht teuer zu stehen zu kommen, ganz abgesehen vom ernsthaften Imageschaden. IV-Modell «Arbeitsversuch» Mit dem neuen IV-Modell haben Arbeitgeber die Möglichkeit, sich ohne Kosten und Risiken von der Leistungsfähigkeit eines Mitarbeitenden zu überzeugen. In Modul 1 stellen Arbeitgeber ausgewählten Kandidaten gegen eine angemessene Entschädigung für die Dauer von mindestens vier Wochen einen Test-Arbeitsplatz zur Verfügung. Organisation, Begleitung und Kosten übernimmt die IV, das Testergebnis dient als Basis für den individuellen Eingliederungsplan. In Modul 2 dauert die Testphase acht Wochen oder länger. Das Training soll den von der IV als arbeitsfähig beurteilten Kandidaten als Basis für spätere Stellenbewerbungen dienen. Auch hier werden die gesamten Kosten von der IV getragen

Foto: bilderbox.de

175 JAHRE STAATSARCHIV KANTON ZÜRICH

Erschliessen und konservieren 1837 wurden die vielerorts angelegten Behördenarchive zu einer Institution zusammengeführt. Das Archiv beging dieses Jubiläum mit einem Tag der offenen Tür. Eine ganze Reihe von Institutionen und Publikationen, die aus einem demokratischen Rechtsstaat nicht wegzudenken sind, hängen direkt mit

der liberalen Verfassung zusammen, die sich Zürich 1831 gab. So publizieren seither Regierung, Parlament und Obergericht Rechenschaftsberichte. Die Gründung der Universität erfolgte bereits ein Jahr zuvor. Im Jubiläumsjahr wurde die allgemeine Schulpflicht eingeführt, seit 1834 erscheint das Amtsblatt. In diesem Geist wurde auch das Archivwesen reorgani-

siert. Mit dem Übergang vom obrigkeitlichen Geheimarchiv zum öffentlichen Archiv ist das Staatsarchiv Zürich ein typisches Kind der Regenerationszeit. Staatsarchiv des Kantons Zürich Winterthurerstrasse 170, 8057 Zürich www.staatsarchiv.zh.ch Telefon 044 635 69 11 Di-Fr 7.45 bis 17.15 Uhr, Sa 7.45 bis 11.45 Uhr

Massnahmen zum Schutz der sexuellen Integrität: Die Prävention liegt in der Verantwortung der Unternehmensleitung. Foto: Bilderbox.de

Bau-Ombudsstelle Der Gewerbeverband und der Hauseigentümerverband Zürich haben am 27. September 2012 ihre Volksinitiative <Ombudsstelle gegen Willkür in Bausachen> dem Stadtrat übergeben. Es kamen 4‘386 Unterschriften zusammen. HEV

und GVZ wollen mit der neuen Ombudsstelle erreichen, dass das Baubewilligungsverfahren in der Stadt Zürich bürger- und gewerbefreundlicher wird. www.gewerbezuerich.ch, www.hev-zuerich.ch


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UZ l BÜCHER

R AT G E B E R F Ü R S B Ü R O

Vom Team bis zur Führung

Team: Toll, ein anderer macht’s! Prof. Dr. Dietrich von der Oelsnitz und Dr. Michael W. Busch Orell Füssli Verlag 224 Seiten, gebunden CHF 29.90 IBAN 3-280-05462-1

Team: Toll, ein anderer macht’s! Wenn innerhalb eines Teams die Aufgaben ungerecht verteilt sind, kommt schlechte Atmosphäre auf. Aber Teamarbeit wird in modernen Unternehmen immer wichtiger. Die Autoren Dietrich von der Oelsnitz und Michael W. Busch haben sechs verschiedene Team-Typen vom Zuspätkommer und Zufrühgeher über den operativen Hektiker bis zum böswilligen Blutsauger mittels Psychogrammen klassifiziert. Es soll den Teammitgliedern helfen, sich nicht ausnutzen zu lassen. Sie zeigen dabei auf wie ein Team funktionieren kann und wann nicht. Das Buch gibt dem Personaler konkrete Tipps zur Grösse, der Zusammenstellung der Mitarbeiter, der Aufgabenverteilung, der Teamkultur und Kommunikation bis hin zur Erfolgskontrolle und Führung.

Personal führen und Organisationen gestalten Reto Steiner und Adrian Ritz (Hrsg.) Haupt Verlag XIV + 499 Seiten, gebunden CHF 48.–

Personal führen und Organisationen gestalten Der Berner Betriebswirtschaftsprofessor Norbert Thom hat während dreissig Jahren mit seinen Werken die Grundlagenarbeit für dieses Buch geleistet. In dieser Festschrift wurden nun seine wichtigsten Publikationen zusammengefasst. Populäre Autoren aus Wissenschaft und Praxis haben die Beiträge kommentiert und ergänzt. Erfolgreiches Führen verlangt ein förderndes und umsichtiges Personalmanagement. Dabei müssen die Schwerpunkte auch auf Innovation und Wandel gelegt werden. Die gedankliche Basis – so die Herausgeber Reto Steiner und Adrian Ritz– sollte eine ausgewogene Berücksichtigung von Effektivitäts- und Effizienzüberlegungen bilden.

ISBN 978-3-258-07732-1

Unternehmensnachfolge in der Theorie und Praxis Frank Halter und Ralf Schröder Haupt Verlag 218 Seiten, gebunden CHF 44.– ISBN 978-3-258-07765-9

Mir nach! Benedikt Weibel NZZ Libro ca. 200 Seiten, gebunden CHF 40.– ISBN 978-3-03823-794-5

Unternehmensnachfolge in der Theorie und Praxis Nach einiger Zeit als Geschäftsinhaber muss man sich zwangsläufig Gedanken zur Nachfolge machen, diese ist aber sehr vielschichtig und für die Beteiligten eine wichtige Aufgabe. Das Buch über die Unternehmensnachfolge richtet sich an nicht nur an Firmenübergeber sondern auch an Firmenübernehmer und Berater. Die Praxis zeigt, dass die Nachfolge nicht einfach stringent geplant werden kann. Anhand von 12 Fallbeispielen wird das St. Galler Nachfolge Modell dargestellt. Im Buch werden konkrete Erfolgs- und Misserfolgsfaktoren im Nachfolgeprozess erläutert und verschiedene Beratungsansätze und Beratungsprozessarchitektur erklärt. Mittels drei Konzepten werden die Grundlagen für eine ganzheitliche Unternehmensnachfolge gelegt. Mir nach! Was sind eigentlich Führungsqualitäten? Gibt es ein Muster für erfolgreiche Führung? Der Autor Benedikt Weibel geht in seinem Buch diesen und ähnlichen Fragen auf den Grund. Es wird aufgezeigt wie sich die Führungen in den vergangenen 1500 Jahren verändert haben, angefangen mit den Benediktinern, Napoleon, Magellan, über Mutter Theresa bis hin zu Steve Jobs. Auch der Umgang mit Macht, Gehorsam, Disziplin, Loyalität, Verantwortung und Motivation ist nicht mehr der Selbe. Der Autor Benedikt Weibel kennt Führung nicht nur aus der Theorie, er war während 14 Jahren Chef der Schweizerischen Bundesbahn. Der Honorarprofessor der Universität Bern hat sich aus verschiedenen Perspektiven damit auseinander gesetzt.

Die unheimliche Beschleunigung des Wissens Walter Hehl Vdf Hochschulverlag 416 Seiten, gebunden CHF 44.– ISBN 978-3-7281-3455-4

Projekt Safari Mario Neumann Campus Verlag GmbH 2012 306 Seiten, gebunden CHF 59.90 ISBN 3-593-39693-9

Fotos: Bilderbox.de / zVg

Die unheimliche Beschleunigung des Wissens In der heutigen Gesellschaft geschehen Veränderungen rasant und die Systeme werden komplexer. Obwohl das Kollektiv immer erfolgreicher wird, fragt sich die Einzelperson – Wie soll ich mich orientieren angesichts der Fülle an Lehren und Irrlehren, denen ich ausgesetzt bin? Das Buch ruft in Erinnerung, wie wir in der Vergangenheit auch ohne Hightech überleben konnten. Dabei findet eine Gegenüberstellung mit den Folgen dieser Entwicklungen in der Naturwissenschaft und Technik statt. Die Systeme werden übermenschlich gross und die Computer sind bereits überlegen. Walter Hehl schildert wie wir von Kopernikus, Darwin und Freud, von künstlicher Intelligenz und Bioinformatik neu positioniert wurden oder gerade werden. Projekt Safari Abenteurer erleben Gefahren, aber am Ende ihrer geglückten Reise erhalten sie Ruhm und Ehre. Mario Neumann lädt Sie ein zur Projekt-Safari und in sieben Etappen die abenteuerliche Welt der Projekte zu durchwandern. In seinem Guide führt er durch die Projekt-Vorbereitung, zeigt wie Hürden überwunden werden und wie Sie nie das Ziel aus den Augen verlieren. Erfahrene Projektleiter erzählen von ihren Erlebnissen und geben SurvivalTipps für den Ernstfall. Der Reiseleiter hat immer das passende Werkzeug bereit. Wer aber die Projekte nicht nur überleben, sondern beherrschen will, muss verschiedene Herausforderungen bewältigen. Unklare Aufträge, begrenztes Budget oder schwierige Teammitglieder gehören dazu.


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ANGELA NĂ&#x201E;GELE

ÂŤEin Angebot fĂźr Kinder braucht die ElternÂť Foto: zVg

1. Warum sind Sie Unternehmerin geworden? Ganz zu Beginn standen eine Idee und meine Ă&#x153;berzeugung, diese Idee zu einem erfolgreichen Business machen zu kĂśnnen. Mein Wunsch nach Eigenverantwortlichkeit und die MĂśglichkeit ukibu.com selbst gestalten und formen zu kĂśnnen, haben mich immer angetrieben. 2. Wenn nichts unmĂśglich wäre, was wäre Ihr Traumjob? Ich war schon immer neugierig. In verschiedene Berufe Einblick zu erhalten, Designerin, Pilotin, Architektin - jeweils fĂźr ein Jahr? 3. Was mĂśgen Sie nicht an Ihrer Branche? Das Internet bietet fantastische MĂśglichkeiten neue Konzepte umzusetzen. Die Branche ist jedoch sehr schnell und muss sich auf andauernde Veränderungen und Trends einstellen. 4. An welches Ereignis an Ihrer Karriere erinnern Sie sich am liebsten? Daran erinnere ich mich genau. Das war der Moment als das erste Kind sein eigenes Buch verĂśffentlicht und somit mit mir und der ganzen Welt geteilt hat! 5. Was war Ihr grĂśsster Fehlentscheid? Nicht jede Kooperation in der Startphase war erfolgreich. Die Zielgruppe (Kinder) wurde nicht gut genug erkannt und wir haben im Verlauf viel gelernt. Ein Angebot fĂźr Kinder braucht die Eltern. 6. Welche PersĂśnlichkeit hätten Sie schon immer gerne einmal getroffen?

Tony Hsieh. Entrepreneur und GrĂźnder von LinkExchange, Venture Frogs und Zappos.com. Im Alter von nur 36 Jahren hat er 3 Online-Firmen erfolgreich gegrĂźndet und verkauft. Sein Motto ÂŤDelivering HappinessÂť hat mich sehr inspiriert. 7. WorĂźber kĂśnnen Sie sich ärgern? Am ehesten Ăźber mich selbst. Etwas falsch angegangen zu haben, nicht beharrlich genug gewesen zu sein . . . 8. Wie erholen Sie sich vom Stress? Ich lebe am Vierwaldstättersee und tanke Energie durch viel Bewegung. Im Sommer rund um den See - im Winter auf dem Berg. 9. Was zeichnet die Schweizer Wirtschaft aus? Ich denke, die Schweiz bietet fĂźr Unternehmen einen idealen Rahmen um sich zu entwickeln. Ein stabiles und sicheres Umfeld, klare und verbindliche Bestimmungen. 10. Was wĂźnschen Sie sich fĂźr die Schweiz? Die Schweiz ist beispielhaft in vielen Bereichen. Ich wĂźnsche der Schweiz, dass sie erkennt wie viele weibliche â&#x20AC;&#x201C; hervorragend ausgebildete â&#x20AC;&#x201C; Talente dieses Land hat. Mehr UnterstĂźtzung fĂźr Unternehmen Frauen zu beschäftigen und bessere Rahmenbedingungen, die es Frauen ermĂśglichen, Familie und Beruf zu vereinbaren. Ich wĂźnsche mir fĂźr die Schweiz, dass sie bei diesem Thema genauso erfolgreich und beispielhaft ist.

ANGELA NĂ&#x201E;GELE Unternehmen: ukibu.com â&#x20AC;&#x201C; die europaweit erste Website auf der Kinder ihre eigenen BĂźcher schreiben, drucken und verĂśffentlichen. Position: GeschäftsfĂźhrerin Werdegang/ Angela Nägele studierte Ausbildung: Betriebswirtschaftslehre und arbeitete mehrere Jahre im Event Management. Nach einem Zweitstudium (MBA) folgten Aufgaben im Marketing & Produkt Management fĂźr KonsumgĂźter. Liebste Laufen, Pilates, Skifahren, Hobbies: Wassersport Zivilstand: Lebt zusammen mit ihrem Partner (und einer 4jährigen Tochter)

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PUBLIREPORTAGE

MOBILE SALES- UND SERVICE-LÖSUNGEN

Wechselseitig koordinieren Mit Cloud, Apps und Services hat coresystems Pionierarbeit geleistet – davon profitieren heute über 75 000 Anwender.

TEXT BARBARA CZECH

Der Schweizer Softwarehersteller coresystems ag bietet mit seinen innovativen Lösungen der «coresuite mobile» Produktreihe standardisierte Apps mit Fokus auf den Bereichen Vertrieb, Service und Management. Mit «coresuite mobile » stehen alle relevanten Daten aus dem ERP-System auch auf dem Mobilgerät zur Verfügung. Die Lösungen sind on- und offline einsetzbar und synchronisieren sich via «coresuite» Cloud. «coresuite mobile» ist als Standardprodukt in zwei Varianten erhältlich: Einmal auf die speziellen Anforderungen im Vertrieb ausgerichtet und einmal mit Fokus auf den Servicebereich. «Coresuite mobile sales» bietet alle Informationen und Funktionen, die der effektiven Unterstützung von Vertriebsmitarbeitern dienen. So hilft «coresuite mobile sales» bei der effektiven Planung von Kundenbesuchen und versorgt den Mitarbeiter zudem mit allen wichtigen Informationen wie Kundenkontaktdaten und Besuchshistorie. Alle Termine werden automatisch in den Kalender eingefügt und mit Aufgaben und Routenplanung synchronisiert. Während des Kundenbesuchs können über das Mobilgerät auch tagesaktuelle Preise für unterschiedliche Kundenkreise abgefragt werden sowie Bestandspositionen und Lagerbestände geprüft werden. Wenn drin-

Andreas Berg von Wolffkran: Die Durchlaufzeiten im Service haben sich seit Einführung von «coresuite mobile service» drastisch verkürzt. Foto: zVg

gend benötigte Artikel gerade nicht im Lager verfügbar sind, kann der Vertriebsmitarbeiter zum Beispiel noch beim Kunden vor Ort Alternativlösungen mit ihm besprechen. Das schafft Vertrauen und festigt die Geschäftsbeziehungen zu Kunden und Partnern. Verbesserte Interaktion «Coresuite mobile service» ist wiederum auf die speziellen Bedürfnisse von Servicemitarbeitern ausgerichtet und verbessert die Interaktion zwischen Innen- und Außendienst. Mit «coresuite mobile service» lassen sich schnell und einfach ServiceAbrufe zuweisen. Bei Annahme des Auftrags erhält der Servicemitarbeiter alle Informationen zum Unternehmen, die Kontaktdaten seines Ansprechpartners und zum Beispiel zur defekten Maschine. Die

geleisteten Stunden sowie Materialaufwand können ebenfalls mobil erfasst und dem Innendienst zurückgemeldet werden. Die Datensynchronisation erfolgt via coresuite Cloud, wodurch sich die Durchlaufzeiten erheblich reduzieren lassen. Für kleine Unternehmen bieten diese Cloud-basierten Lösungen eine erstklassige Möglichkeit mit geringem Budget enormen Mehrwert zu generieren. «coresuite mobile» mit voller CloudFunktionalität wird nämlich bereits ab 9.90 Euro pro Monat netto angeboten. Durch Einsatz eines speziell für SAP ECC entwickelten Connectors der «proaxia consulting group ag» lässt sich die App aber auch in Grossunternehmen einsetzen. Verkürzte Durchlaufzeiten «Wolffkran», einer der führenden Hersteller und Ver-

mieter von hochwertigen Turmdrehkranen, war das erste Anwenderunternehmen, das «coresuite mobile service» im SAP ECC Umfeld eingesetzt hat. Andreas Berg ist CIO bei «Wolffkran» und bestätigte, dass sich die Durchlaufzeiten im Service seit Einführung von coresuite mobile service drastisch verkürzt haben. «Diese kostengünstige und innovative Lösung hat von Beginn an alle Verantwortlichen überzeugt und ist für uns der erste Schritt zur Mobilisierung und Beschleunigung weiterer SAP ECC-Prozesse», wie Andreas Berg zusammenfasst. Seit Anfang 2012 befindet sich «coresuite mobile service» auch bei Kardex Remstar, einem weltweit führenden Hersteller von automatisierten Lagerund Bereitstellungssystemen, im Einsatz. «Es ist

uns bereits jetzt gelungen, für mehr als 50 Prozent der Kundendiensteinsätze den Zeitraum zwischen Leistungserbringung und Rechnungsstellung von mehreren Wochen auf im Schnitt sechs Tage zu verkürzen», so das Fazit von Andreas Heinz, Head of IT bei Kardex Remstar. Geschäftsprozesse zu mobilisieren, ist nur ein Bereich, mit der sich die Effizienz im Unternehmen steigern lässt. Deshalb verfügt «coresystems» über ein weitreichendes Produktund Consultingangebot. Weitere Informationen zum Unternehmen, den Produkten und Dienstleistungen sowie ausgewählte Kundenprojekte, die mit Videoclip und kurzer Projektbeschreibung vorgestellt werden, stehen unter www.coresystems.ch bereit.


PUBLIREPORTAGE

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E X T E R N E FACH K R Ä F T E H E L F E N G E G E N Ü B E R L A ST U N G

Erfolgreich durch turbulente Zeiten Die laufend höheren Anforderungen im Berufsalltag, der rasante technologische Wandel, der Mangel an Fachpersonal oder beispielsweise die Schwierigkeiten bei der Übergabe des Unternehmens an die nächste Generation sind Herausforderungen, die Unternehmer und deren Mitarbeitende zunehmend belasten.

Prioritäten? Welche Aufgaben können delegiert werden? Welches Know-how ist im Unternehmen zu wenig verfügbar? Welche Prozesse und Aufgaben kann ein Partner ausserhalb der Firma besser und effizienter erledigen? Welche Funktionen oder Fachkräfte kann man von extern in den Betrieb einbinden?

TEXT FLAVIO DE NANDO

In vielen Unternehmen ist es an der Tagesordnung, dass verschiedene Funktionen und Führungsstrukturen an eine oder einige wenige Personen gekoppelt sind. Aufgrund der Arbeitsmenge lohnt es sich oft nicht, für die einzelnen Aufgabenbereiche neue Leute einzustellen. Und trotzdem sind einzelne «kleinere» Zusatzaufgaben zu erledigen, was wiederum in der Summe eine beträchtliche Belastung für die bereits knappen personellen Ressourcen darstellt. Dieser Flaschenhals bewirkt, dass Führungs- und Entscheidungsaufgaben und wichtige Tätigkeiten aufgeschoben, beziehungsweise verzögert werden. Anstatt Agieren ist Reagieren angesagt, denn es gilt am laufenden Band Probleme zu lösen. Zeit- und Termindruck führen oft zu Überlastung mit der Folge, dass gewisse Arbeiten in der Freizeit erledigt werden. Besonders gefährdet sind zudem diejenigen, die den Anspruch an sich stellen, zu allem ja zu sagen, alles sehr genau erledigen oder jede Pendenz bis am Abend erledigt haben wollen. So bleiben vielfach die Erholungs-

AV I A N D O P RO F E S S I O N A L S AG Aviando Professionals AG unterstützt Menschen und Unternehmen bei technischen und betriebswirtschaftlichen Überbrückungs-, Entlastungs-und Entwicklungsaufgaben im Bereich Unternehmensführung, Kaderselektion und Management auf Zeit.

Aviando Professionals AG Landstrasse 176 5430 Wettingen, www.aviando.ch

und Familienzeit sowie die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse auf der Strecke. Diese Mehrfachbelastungen führen zu Verzerrungen der eigenen verfügbaren Energie. Die Folge ist die Verzettelung in den Aufgaben. Die Gefahr, ausgebrannt zu sein, steigt. In der Folge führt dieser Zustand zu Ausfällen von Mitarbeitenden, sei es durch gesundheitliche Probleme oder Krankheiten. Es droht Know-how- und Innovationsverlust, was das Unternehmen schwächt und zusätzlich den Druck auf die verbleibenden Mitarbeitenden erhöht.

Die Negativspirale dreht sich entsprechend immer schneller. Kundenaufträge und Projekte können nicht termingerecht abgewickelt werden. Wegen dieses enormen Kräfteverschleisses bleibt oft keine Zeit, sich den längerfristigen Themen wie Strategie, Weiterentwicklung von Geschäftsideen, Akquisition, Kundenpflege zu widmen. Ambitionierte Unternehmen können dazu folgende Fragstellungen für sich klären: Wie ist das Unternehmen am Markt aufgestellt? Was sind die unternehmerischen und strategischen

Mehr Power für die Zukunft Trotz der angespannten Wirtschaftslage muss es für längerfristig ausgerichtete Unternehmen oberste Priorität haben, dass die eigenen Mitarbeitenden trotz der meist unvermeidbaren Überlastung nicht ausbrennen und im Unternehmen produktiv bleiben. Gleichzeitig muss sich das Unternehmen für die künftigen Herausforderungen wappnen. Um diesen Spagat zu meistern, benötigen Unternehmer flexible und bedarfsgerechte Verstärkung von externen Fachkräften, die anstehende

Überbrückungs-, Entlastungs- und Entwicklungsaufgaben bedarfsgerecht übernehmen können. Damit stellen sie sicher, dass das Team entlastet wird. Mit der zusätzlichen Power bietet sich für Unternehmer gleichzeitig die Möglichkeit, den Wandel als Chance zu nutzen, etwa um Innovationen voranzutreiben und die Firma für die zukünftigen Marktbedürfnissen strategisch auszurichten. Dem Unternehmen kommt dabei zunutze, dass die externe Fachkraft massgeschneiderte und branchenübergreifende BestPractice-Lösungen einbringen kann. Innerhalb sehr kurzer Zeit kann die Situation analysiert, neu eingeschätzt und die notwendigen Entscheidungen getroffen werden, um die gemeinsam geplante Veränderung umzusetzen. Mit diesem Lösungsansatz können die Prozesse beschleunigt werden und die strategisch relevanten Projekte, Innovationen oder auch Kundenprojekte zeitbegrenzt erfolgreich abgewickelt werden. So sichern sich Unternehmer ihren Vorsprung gegenüber der Konkurrenz und schaffen sich verstärkt Freiraum für Kernaufgaben, Entlastung der eigenen Mitarbeitenden, mehr Zeit für Pflege der Kundenbeziehungen, mehr Zeit für Familie oder auch mehr eigene Freizeit. Eine Investition in die Zukunft, die sich lohnt.

* Flavio De Nando (Betriebsökonom HWV und Energietechniker TS) ist Geschäftsführer der Aviando Professionals AG. flavio.denando@aviando.ch


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PUBLIREPORTAGE

D I E E N TST E H U N G VO N D I G I T E C

Vom Gamer in die Chef-Etage Wir schreiben das Jahr 2001. Drei Freunde, sie sind völlig vernarrte Gamer, bauen sich aus Freude am Basteln und dem Reiz, jede Komponente eigens auswählen zu können ihre PCs selbst zusammen. Sie gamen im Keller, manchmal über viele Stunden hinweg, ganz ohne Unterbruch.

TEXT STEFANIE HYNEK *

Knapp über 20-jährig denken sie sich nichts dabei, als sie ein paar Freunde fragen, ob sie nicht auch einen solchen PC haben könnten. Die drei Jungs hätten wohl von allen am wenigstens daran geglaubt, wenn Ihnen damals jemand gesagt hätte, dass sie in etwas mehr als zehn Jahren an der Spitze eines der führendsten Unternehmen der IT- und Unterhaltungselektronik stehen werden, welches über 360 Angestellte beschäftigt. Sie sind lediglich ihren eigenen Bedürfnissen gefolgt, waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort und brachten eine ordentliche Portion Mut mit. Ganz so einfach war das Ganze natürlich nicht. Die erfolgreichen Jungunternehmer haben viel geleistet um dahin zu kommen, wo sie jetzt sind. Im April 2001 gründeten sie die Firma digitec mit dem zugehörigen Onlineshop www.digitec.ch. Die drei Jungs störten sich an den viel zu hohen Preisen, die damals für hochwertige Computer ausgegeben werden mussten. Daran wollten sie etwas ändern. Wachstum dank Innovation Von Beginn an zielte das Unternehmen darauf ab, seiner Kundschaft eine Symbiose eines möglichst breiten Sortiments zu durchwegs tiefen Preisen und einwandfreiem Service und Support offerieren zu können. Innovationsfreudigkeit, tiefe Margen, effiziente Arbeitsabläufe und eine moderne Infrastruktur liessen die Firma schnell anwachsen. Nach diversen Räumlichkeitswechseln aufgrund

Die Digitec-Gründer sind auch heute noch in der Firma aktiv.

Platzmangels liess sich digitec im Zürcher West-Park nieder, wo sich bis heute der Hauptsitz mit den dazugehörigen Büroräumlichkeiten befindet. Der fünfte Stock bietet Platz für die vielen wachsenden Abteilungen: Von der Buchhaltung über das Produktmanagement bis hin zur Software-Entwicklung. Das eindrückliche Logistikzentrum ist in Wohlen situiert und erstreckt sich über 18`000 Quadratmeter. Es ist ebenfalls ein sehr wertvolles Gut und bringt viele Vorteile wie die Gewährleistung guter Verfügbarkeit mit sich. Dort lagert die Firma einen Grossteil des

über 40`000 Produkte umfassenden Sortiments. Zudem betreibt betreibt das Unternehmen mittlerweile acht Ladenlokale, welche in der ganzen Schweiz verteilt sind. Die Eröffnung des letzten liegt lediglich ein paar wenige Wochen zurück. Auch sie spielen eine elementare Rolle in der Firmengeschichte: Bis heute wird jede dritte Bestellung persönlich im Laden abgeholt. Aus unternehmerischer Sicht war es den drei Gründern natürlich ein grosses Anliegen, nicht bloss eine Anlaufstelle für Privatkunden, sondern auch eine für andere Unternehmer zu bieten. Die Abteilung «digitec

Foto: zVg

to business» (kurz d2b) wartet mit persönlicher Betreuung für alle Businesskunden auf und strebt bedürfnisorientierte, kompetente und individuell zugeschnittene Beratung an. Unternehmen und öffentlichen Institutionen wird der Weg für eine effiziente, reibungslose und günstige Warenbeschaffung geebnet. In diesem eigens für eine Kundengruppe geschaffenen Team finden sich direkte Ansprechpartner, die Projekte betreuen und Grossbestellungen zu Spezialkonditionen offerieren. Auch Unternehmen werden kostenlos in die ganze Schweiz und Liechtenstein beliefert.

Einkaufen – immer und überall Heute zählt die digitec AG zu den führenden Schweizer Anbietern von Produkten der IT, Unterhaltungselektronik und Telekommunikation. Das Unternehmen geht dabei erfolgreich den Mittelweg zwischen gut ausgebautem, innovativem Online-Shop und traditionellem Ladenlokal. Und trotzdem ruhen sich die digitec Gründer noch immer nicht auf ihren Lorbeeren aus. Tag für Tag betreten sie – genau wie so viele ihrer Mitarbeitenden – die Büroräumlichkeiten im WestPark. Zum Gamen bleibt zwar kaum noch Zeit, aber ihre Prioritäten haben sich mittlerweile sowieso verändert. Seit nun bald zwei Jahren kümmern sie sich zudem um ihr neues Baby – Galaxus. Eine kontinuierlich wachsende «Warenhaus-Galaxie», die mit nur einem Mausklick betreten wird und rund um die Uhr geöffnet hat. Das virtuelle Warenhaus mit immer neu hinzukommenden Sparten wie »Haushalt«, «Do it + Garten» oder «Spielwaren» soll ein neues, vereinfachtes und vor allem bequemes Einkaufen ermöglichen. Wie damals beim Zusammenbau der PCs entsprang auch diese Idee aus den Eigenbedürfnissen der digitec Schöpfer: Sie kauften nicht zuletzt wegen der Zeitersparnis sehr gerne online ein, und empfanden die Möglichkeiten als begrenzt und umständlich aufgegliedert. Daran wollten sie etwas ändern. Ob es in 10 Jahren wohl einen ähnlichen Artikel wie diesen über Galaxus geben wird? *Stefanie Hynek ist Public Relations Manager von digitec | Galaxus.


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Zum Verkauf angeboten Pflanzenschutzmittelfirma (2264) Verkauf oder Geschäftsführung auf selbstständiger Basis einer Pflanzenschutzmittelfirma. Es handelt sich um eine Aktiengesellschaft aus der Region Nordwestschweiz mit eigenen Registrierungen. Zweck: Handel von Pflanzenschutzmitteln und verwandten Produkten, sowie erbringen von technischen, wissenschaftlichen und kommerziellen Dienstleistungen auf diesem Gebiet. Es besteht eine PSM Zulassung. Modellbau (Elektro-& Segelflug) Fachgeschäft (2293) Seit der Gründung vor mehr als 8 Jahren ist das Unternehmen zu einem der führenden Fachgeschäfte für das stark wachsende Elektromodellflugsegment geworden. Der exzellente Ruf liegt in der hohen Fachkompetenz und dem hochwertigen Sortiment begründet. Das Unternehmen mit Sitz im Grossraum Aarau direkt an der A1 beschäftigt 3 Mitarbeiter (200 Stellenprozent). Im Jahr 2011 wurde ein Umsatz von rund CHF 1 200 000 erzielt. Der Verkaufspreis von CHF 400 000 – CHF 500 000.– versteht sich für 100 % der Stammanteile. Sanitär- und Solargeschäft zu verkaufen (2288) Die kleinere Firma mit einer angestammten Kundschaft ist mit einer komplett eingerichteten Werkstatt in einem Gewerbebau eingemietet. Die Firma ist per Ende 2012 oder nach Übereinkunft zu verkaufen und ideal für einen moti-

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vierten Jungunternehmer oder als möglichen weiteren Standort für eine grössere Firma geeignet. Region Wil – Hinterthurgau. Verkaufspreis CHF 200 000 Erfolgreicher Fachverlag zu verkaufen (1990) Traditioneller, gut eingeführter und rentabler Schweizer Fachverlag mit fünf verschiedenen Jahrespublikationen. Sehr hohe Qualität der angebotenen Informationen. Quasi unumgängliche Informationsquelle in den abgedeckten Branchen zum Auffinden von Lieferanten und Produkten. Jahresumsatz CHF 1–1.5 Mio. Heizung und Sanitärgeschäft (1989) Zu vermieten im Bezirk Gaster (SG), erfolgreicher Haustechnikbetrieb. (Heizung-LüftungSanitär) Für dynamischen Berufsmann der Verantwortung übernehmen möchte, ist es ein interessanter Einstieg zu Selbständigkeit. (Späterer Kauf möglich). Verkaufs- und Produktionsunternehmen (2010) Erfolgreiches, kleineres international tätiges Marketing-, Verkaufs- und Produktionsunternehmen im Bereich Chemie - Zusatzstoffe für die Mineralöl- und Schmierstoffindustrie wegen Nachfolgeregelung zu verkaufen. Besonders geeignet für jüngere Unternehmer, die durch persönlichen Einsatz und Initiative grosses vorhandenes Entwicklungspotential auszuschöpfen wissen. Jahresumsatz CHF 4-5 Mio. Verkaufspreis CHF 1-2 Mio. Nachfolgeregelung Metallbaufirma (1985) Handel und Montage von Balkone und Terrassen. Preisvorstellung CHF 250000. Verkaufsdokumentation finden Sie

Verkauf Mechanische Werkstatt im Mittelland (2291) Neuste CNC-Fertigungstechnik (Drehen, Bohren, Fräsen), verkehrsgünstige Lage, mit modernem Maschinenpark und langjähriger Stammkundschaft, unabhängige und äusserst erfolgreiche Aktiengesellschaft aus dem Mittelland sucht eine Nachfolgeregelung. Interessenten wenden sich an Herrn Reinhard Ernst 062 896 44 44, reinhard.ernst@ernst-tw.ch Kleinbus-Personentransport-Unternehmen (2287) Zu verkaufen im Raum Luzern, etabliertes, seriöses und langjähriges Kleinbus-, Personentransport-Unternehmen Spezialisiert auf Behindertentransport. Mit festen Aufträgen. Interessenten melden Sich bei Frau Bühler Marlis unter 041 260 10 43 Gourmet Handelsfirma (2284) Das Unternehmen hat sich mit der Import von Gourmet Produkte einen Namen gemacht. Das Unternehmen legt seit Gründung vor 3 Jahren grossen Wert auf die Qualität der geleisteten Arbeit. Das Unternehmen ist hervorragend positioniert und verfügt über eine schlanke, gewinnorientierte Struktur. Der neue Inhaber übernimmt eine solide Basis mit der ausgezeichneten Möglichkeit die bestehenden Geschäftstätigkeiten auszubauen und den Umsatz weiter zu steigern. Im Verkaufspreis von CHF 250 000300 000 inbegriffen ist: – eine Olivenölplantage von 1'200 m2 in Süditalien – ein Inventar mit Verkaufswert von CHF 100 000 in Form von 2 000 Flaschen Olivenöl à 0.5 l und 500 Flaschen Wein.

Detailhandelsgeschäft zu verkaufen (1980) Dieses 25 Jahre alte, erfolgreiche Fachgeschäft in einer mittelgrossen Gemeinde gilt als einzigartig. Langjähriges Personal geht auf Kundenwünsche ein und bietet eine kompetente Beratung. Die Verkaufsräumlichkeiten (220m2 Ladenfläche, 180m2 Lager) mit Büro und Kurslokal sind gemietet. Das Geschäft generiert einen Umsatz von 300 00 – 400 000 Fr. Mit einer sehr interessanten Marge. Es bestehen gute Ausbaumöglichkeiten. Verkaufspreis CHF 350 000. Schreinerei zu vermieten (2281) Eine Schreinerei aus dem Raum oberer Zürichsee ist mit oder ohne Infrastruktur zu vermieten. Die gesamte Arbeitsfläche beträgt ca 800-900 qm. Weitere Informationen erhalten Sie von Herr Andreas Weber 041 810 26 13, aw@kmunachfolgezentrum.ch Industrie- und Bauisolierungen(1119) Bekanntes, regional tätiges und wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen mit Hauptausrichtung auf industrielle Isolierungen sucht einen Nachfolger. Weiter werden spezielle Deckenverkleidungen angeboten. Weitere Informationen erhalten Sie unter companymarket.ch oder von Herrn André Kühni 062 835 75 92, andre.kuehni@akb.ch Unternehmen aus der Heizungsbranche (2279) Die Unternehmung aus der Heizungsbranche ist angesiedelt im Raum Zürich. Die Firma mit ca. 15 Mitarbeitern bietet Lösungen für die Heizungsinstallation von der Projektierung über den Einbau bis hin zu Wartungsarbeiten an. Interessenten kontaktieren Herr Andreas Weber 041 810 26 13, aw@kmu-nachfolgezentrum.ch

Zum Kauf gesucht Maschinenhandelsfirma (evtl. Import) (1245) Erfahrener Manager plant den nächsten Schritt zum Unternehmer. Seine fundierten Kenntnisse im Maschinenbau mit Schwerpunkt Verkauf, die betriebswirtschaftliche Erfahrung und die sehr guten Sprachkenntnisse (D/E/F/I) sind wichtige Komponenten für den angestrebten Erfolg. Die Unternehmung kann daher auch im Export aktiv sein. Grosshandelsfirma sucht Firma (1167) Möchten Sie mit einer Kooperation, Beteiligung oder einem Verkauf die Weiterführung ihres Unternehmens in die Zukunft sichern? Etablierte Vertriebsgesellschaft für die papierverarbeitende Industrie sucht nach ergänzenden Investitionsmöglichkeiten oder Kooperationen, nach einer Beteiligung oder kompletten Übernahme eines Unternehmens. Beteiligungen an innovativen Wachstumsfirmen (2286) Dieses Investment mit einem Zeithorizont von 3-5 Jahren ist äusserst lukrativ und bietet dem Investor die Gelegenheit, sich am Zukunftsmarkt «Wasser» zu beteiligen und vom Markenaufbau zu profitieren. Kontaktaufnahme bitte bei Herr Christoph Brunner, 071 243 34 34, christoph.brunner@obt.ch Immobilien und Energieanlagen in Deutschland (1781) Gesucht wird Kapital von Euro 300‘000- 3 Mio. Investitionsgegenstand sind Gewerbeimmobilien, Wohnungsportfolios oder Energieerzeugungsanlagen in Deutschland. Absicherung durch Abtretung des Gesellschaftsanteile und durch Vorkaufsrecht.

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Foto: Bilderbox.de

LESERBRIEFSCHREIBER

Eine Typologie Neben der Entwicklung der Verkaufszahlen sind Leserbriefe eines der zentralen Frühwarnsysteme für Redaktoren und Verlage. Eine vom Kommunikationssoziologischen Institut kürzlich im Appenzellerland durchgeführte Studie hat Interessantes gefunden. Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

VON RUEDI STRICKER

Der Bestsellerautor Unfähige Lektoren haben die Veröffentlichung seiner epochalen Werke jeweils verhindert und die Manuskripte mit blöden Bemerkungen retourniert. «Aufgrund der grossen Anzahl eingegangener Manuskripte und der strategischen Neuausrichtung des Verlags . . .». Wer nicht bereit ist, seine Texte mittels häufiger Verwendung von verkaufsfördernden Begriffen wie «ficken», «geile Schlampe» oder «Arschloch» aufzupeppen, wird vom Schicksal den Leserbriefschreibern zugeteilt. Der cholerische Pedant Der typische Vertreter dieser Gattung ist männlich, pensioniert, hat mindestens 1000 Diensttage absolviert, mäht seinen Rasen samstags zwischen 9:30 und 10:10 Uhr, ist verheiratet, hat einen Komposter im Garten und geht dienstags in den Saunaclub. Unerbittlich kämpft er gegen die Probleme des Landes: Kaugummiwegwerfen, Pornografie, verwirrte Architektur, Schwächung der Armee. Der Weltverbesserer Er glaubt an Feng Shui und die 2000-Watt-Gesellschaft. Wenn am Schulsilvester sein Briefkasten in die Luft fliegt, sucht er mittels Leserbrief das Gespräch mit den Verursachern. Er ernährt sich fleischlos und steigt ab, bevor er mit dem Velo den Fussgängerstreifen überquert. Er arbeitet aktiv und erfolglos an der Errichtung des Paradieses im Diesseits.

RUEDI STRICKER Der Autor ist Inhaber der Beratungsfirma Stricker Consulting in Speicher AR. www.stricker-consulting.ch

Der fleissige Arbeiter Er ist quasi das Paradebeispiel des «homo oeconomicus». Er schreibt Leserbriefe, weil’s rentiert. Die Kriterien für die Auswahl der Medien sind Zeilenpreis und Zahlungsziel. Er setzt sich für Ölheizungen ein («Tausende von Arbeitsplätzen . . .», «bewährte Technologie»), bekämpft des Gesetz gegen Kinderprostitution («Handels- und Gewerbefreiheit», «weniger Staat») und Tempolimiten («Unerträgliche Verlängerung von Fahrzeiten», «volkswirtschaftlicher Suizid»). Der Brandstifter Dieser Typ ist eine Kreuzung zwischen einem Konformisten und einem Psychopathen mit Talent in statistischem

Rechnen. Von ihm könnte die Meldung stammen: «Im Wintersportparadies X verzeigte die Polizei im Januar 12 Kiffer. Die Zunahme von über 1000 Prozent seit dem August lässt die Annahme zu, dass bereits in 4 Jahren die gesamte Schweizer Bevölkerung drogensüchtig sein wird. Verhindert werden kann dieses apokalyptische Szenario nur durch die sofortige Einführung der Todesstrafe . . .» Der Jünger Hervorstechendstes Merkmal ist seine Loyalität. Er kann im Brustton der Überzeugung Dinge schreiben wie «Feige Intriganten haben es wieder einmal geschafft, einen stillen Schaffer ans grelle Licht der sensationslüsternen Medien zu zerren und einer politisch motivierten Justiz in den blutigen Rachen zu werfen. Einem bewährten Praktiker wird ein Strick daraus gedreht, dass er sich bei der Verwaltung eines mehr oder weniger nachrichtenlosen Mandantenkontos in der Nummer geirrt hat. Leidtragende sind eine aufopfernde Gattin, zwei gesunde Kinder und der Glaube an Augenmass und Toleranz . . .» Der Hofnarr Er darf blöde Fragen stellen. Zum Beispiel: «Wie viel Kampfflugzeuge braucht eine Armee, wenn sie nicht weiss, ob sie gegen das Fürstentum Liechtenstein oder die NATO in den Krieg zieht?» Oder: «Wie erzielt eine Pensionskasse eine Performance von 7 Prozent mit Papieren, die zu 1,3 Prozent rentieren?» Oder: «Auf welchen Betrag müsste der Milchpreis angehoben werden, damit die Bauern die Produktion einschränken, weil sie vom Ertrag gut leben können?» Der Verkäufer Die hinterhältigste Sorte der Schreibenden schreibt aus purer Geldgier, meistens im Sold einer zwielichtigen Firma. Das liest sich dann so: «Schon nach 90 000 km war das Profil abgefahren. Was nützen mir billige Winterreifen und kostenloses Auswuchten, wenn ich sie bereits nach vier Jahren ersetzen muss? Dieser Winterhalder und seine Bande an der Moosbachstrasse gehören allesamt hinter Gitter. Vielleicht können sie ja Anrufe auf 078 648 78 78 in die Strafanstalt umleiten lassen . . .»


Online-Werbung, die allen auffällt. (UUHLFKHQ6LHPHKUPLW2QOLQH:HUEXQJDXI1==FKOX]HUQHU]HLWXQJFKXQGWDJEODWWFK :HUEHQ6LHLQHLQHPTXDOLWDWLYIKUHQGHQ8PIHOGGDVDOOHU%OLFNHGHU'HXWVFKVFKZHL]DXIVLFK]LHKW 3URILWLHUHQ6LHYRQDWWUDNWLYHQ$QJHERWHQXQGHLQHPPRWLYLHUWHQ6DOHV7HDPGDV,KQHQPLW5DW XQG7DW]XU6HLWHVWHKW6LHHUUHLFKHQXQVXQWHUnetz.nzz.ch.


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