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NATUR UMWELT +

FAKTEN, PORTRÄTS, AKTIONEN UND TIPPS FÜR UMWELTBEWUSSTE

GUTER RAT Richtig beleuchten Vögel füttern

ALLTAG OHNE GIFT Gefährliche Schadstoffe verbannen

ERFOLG Hambacher Wald vorerst gerettet

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WIR SAG E N DAN KE

JANDA+ROSCHER, Die WerbeBotschafter

Foto: AdobeStock, geertweggen, Juha Saastamoinen, nataba, Thijs Schouten

DANKE! HERZLICHEN DANK FÜR IHRE UNTERSTÜTZUNG! Rund 235 000 Menschen tragen die Arbeit des BUND Naturschutz mit ihrem Mitgliedsbeitrag, ihren Spenden, mit ehrenamtlicher Arbeit und Engagement. Sie alle sind der BUND Naturschutz. Sie alle sind Teil einer großen Gemeinschaft, die ihren Teil dazu beiträgt die Welt ein bisschen besser zu machen. Vielen, vielen Dank dafür und bleiben Sie uns weiter treu!

Hier beigeheftet finden Sie unsere beliebten Geschenkeanhänger. Hinten im Heft wartet eine Weihnachtskarte darauf, verschickt zu werden. Ein Tipp, wenn Sie noch ein Geschenk suchen: ökologisch sinnvolle Präsente finden Sie im BUND Naturschutz Online-Shop: service.bund-naturschutz.de

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AKTUELLES 4/5 Aktuelle Meldungen 6/7 Hambacher Wald 8/9 Aktuelle Meldungen aus Bayern 10/11 Aktuelles aus Bayern 12 Kommentar TITELTHEMA 14/15 Alltag ohne Gift 16/17 BUND und Chemikalienpolitik 18/19 Hormonelle Schadstoffe 20 ToxFox 21 Nano in Lebensmitteln 22/23 Problem Plastikrecycling AKTIONEN 24 Kohle stoppen 25 Wir haben es satt! 27 Grünes Band INTERNATIONALES 28/29 Klima und Vielfalt retten

Die Natur+Umwelt ist das Mitgliedermagazin des BUND Naturschutz und die bayerische Ausgabe des BUNDmagazins.

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Foto: Christian Hesse

Foto: Toni Mader

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Foto: Wolfgang Willner

INHALT

Foto: fotolia.com/WavebreakmediaMicro

Natur +Umwelt 4 | 18 ›  INHALT 3

50 NATUR IM PORTRÄT 30 Pflanzenporträt 31 Gerettete Landschaft 32/33 Naturschutz 34/35 Natura 2000: Spessart 36/37 Gartenschläfer 38/39 Ausgleichsflächen URLAUB & FREIZEIT 40 Reise 41 BUND-Reisen 2019 AUS DEM VERBAND 42 Meldungen 43 Editorial des Vorstands 44/45 Meldungen 46 Umweltbildung 47 Porträt: Ernst Wirthensohn 48/49 Junge Seite 50/51 BN vor Ort aktiv 52 – 58 Regionalseiten SERVICE 59 Buchtipps und Reisen 60/61 Leserbriefe 62 Vögel füttern 63 Naturverträgliche Beleuchtung 66 Ansprechpartner / Impressum

LIEBE LESERINNEN UND LESER, Schadstoffe sind meist unsichtbar. Der BUND Naturschutz fordert deshalb, gefährliche Stoffe aus unserem Alltag zu verbannen. Mehr dazu in unserem Titelthema. Der Hambacher Wald ist ein Dauer­thema in den Nachrichten. Per Gericht konnte der BUND seine Rodung verhindern, vorläufig. Der Kampf gegen die Kohle geht weiter. So sagte B ­ randenburgs Ministerpräsident ­Dietmar Woidke: Vor 2040 sei ein Ausstieg aus der Braunkohle mit ihm nicht zu machen. Dabei ist erwiesen: Nur wenn Deutschland bis 2020 die Hälfte seiner Kohlekraftwerke stilllegt und bis 2030 komplett aussteigt, leistet es genug, um die globale Erhitzung auf 1,5 Grad zu begrenzen.Was schon das ­jetzige 1 Grad plus anrichtet, hat dieser Sommer gezeigt: dürstende Wälder, verdorrte Felder und Flüsse, die zu Rinnsalen verkommen sind. Erst an die Kohlebranche denken und dann merken, dass es für die Erde leider zu spät geworden ist? Bei allem ­Respekt vor dem Strukturwandel in den Kohlerevieren: So weit dürfen wir es nicht kommen lassen.

Luise Frank

Severin Zillich

Redaktion Natur+Umwelt

Redaktion BUNDmagazin


4 Natur +Umwelt 4 | 18 ›  AKTUELLES

AKTUELLES oog und Wangerooge sowie auf Flächen am Festland werden nun auch künftig Hunderte von Zugvögeln geschossen und mit Jagdfalken erlegt sowie Tausende beunruhigt und vertrieben. Dazu Heiner Baumgarten: »Mit der Einrichtung eines Nationalparks hat sich Niedersachsen dort zur Einstellung der Jagd verpflichtet. Stattdessen erleben wir eine kleingeistige Klientelpolitik. Die landeseigenen Flächen im Nationalpark müssen dringend der Parkverwaltung unterstellt werden!« Durchziehende Waldschnepfen zählen zu den bevorzugten Zielen der Jäger im Nationalpark Wattenmeer.

Dieter Leupold

Foto: André Kehrer

BUNDSTIFTUNG GESTÄRKT

Ralf Meyer

Die Stiftung des BUND wächst – auch personell: Seit Mitte des Jahres hat ihre Projektarbeit am Grünen Band und in der Goitzsche-Wildnis Verstärkung erfahren. Dieter Leupold ist seit 2007 für den BUND tätig und wird unter dem Dach der BUNDstiftung die Projektleitung am Grünen Band in Sachsen-Anhalt weiterführen. Er koordiniert Flächenkäufe und Förderanträge, betreut den Naturschutz auf den BUND-Flächen sowie die Öffentlichkeitsarbeit und den Kontakt zu den Landwirten

vor Ort. Interessierten Gästen bringt er mit Führungen und Veranstaltungen das Grüne Band und unsere vielfältigen Aktivitäten nahe. Ralf Meyer übernimmt in der GoitzscheWildnis bei Bitterfeld die Projektleitung. Der Vorsitzende des BUND in Sachsen-­ Anhalt folgt Falko Heidecke nach, der das Schutzgebiet engagiert und über viele Jahre aufgebaut hat. Als Gründungsmitglied des Landesverbandes ist Ralf Meyer eng mit der Goitzsche verbunden. Getreu dem Motto »Wer nicht kämpft, hat schon verloren« wird er sich mitsamt der Kolleg*innen vor Ort dafür einsetzen, dass die 1300 Hektar ein dynamischer Lebensraum für viele seltene Arten bleiben. Sie möchten mehr über die Arbeit der BUNDstiftung erfahren? Bestellen Sie den Jahresbericht 2017: nicole.anton@ bund.net, Tel. 0 30/ 2 75 86 -4 61

Foto: Elke Hellmuth

Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) hat landeseigene Flächen auf den ostfriesischen Inseln für weitere neun Jahre an Freizeitjäger verpachtet – mitten im Nationalpark und Weltnaturerbe Wattenmeer. »Es ist ungeheuerlich, dass die Ministerin die Jagdverträge verlängert hat, statt nach 32 Jahren endlich die internationalen Kriterien für Nationalparks einzuhalten«, kommentierte Heiner Baumgarten, Landesvorsitzender des BUND. Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer liegt inmitten einer weltweit wichtigen Drehscheibe des Vogelzugs. Auf den Inseln Norderney, Baltrum, Lange-

Foto: Eric Fresia

Foto: Martin Grimm/birdimagency.com

DIE ZAHL: 9 JAHRE

Umweltschonend mobil – mit dem Rennsteig-Ticket.

MOBIL AM RENNSTEIG Bei Vorlage der Gästekarte kostenfrei die Region erkunden, einfach Bus und Bahn nutzen und so den Urlaub genießen – das bieten Unternehmen im Thüringer Wald mit dem Rennsteig-Ticket. Das umweltfreundliche Mobilitätskonzept wurde Ende August mit dem »Fahrtziel Natur Award« ausgezeichnet. Initiator des Wettbewerbs aller deutschen Naturschutzgebiete ist »Fahrtziel Natur«, eine Kooperation des BUND mit NABU, VCD und der Deutschen Bahn. In diesem Jahr honorierte der Hauptpreis, dass sich sechs Anbieter und elf Kommunen über vier Landkreise und zehn Jahre hinweg vorbildlich vernetzten. So gelang es den öffentlichen Verkehr im Naturpark und Bio­ sphärenreservat Thüringer Wald zu optimieren. Rund hunderttausend Gäste haben das Schritt für Schritt erweiterte ­Ticket bereits genutzt. Als Anerkennung gab es ein Kommunikationspaket im Wert von 25 000 Euro, um für das schöne Angebot noch besser werben zu können.

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Natur +Umwelt 4 | 18 ›  AKTUELLES 5

KURZ & GUT »Only bad news is good news« heißt es, vor allem schlechte Nachrichten erregen also unsere Aufmerksamkeit. Doch positive Neuigkeiten aus unserem Verband und aus dem Umwelt- und Naturschutz tun einfach gut. Ein paar aus jüngster Zeit haben wir für Sie ausgewählt.

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KOMMUNEN Mit dem Beitritt der Stadt Eschweiler im September hat sich die 150. deutsche Kommune dem Bündnis »Kommunen für biologische Vielfalt« angeschlossen. Das Bündnis setzt sich dafür ein, Naturräume im direkten Lebensumfeld der Menschen zu schaffen und zu erhalten. Unter www.kommbio.de bietet es Praxisbeispiele, wie Kommunen die biologische Vielfalt fördern können. Der BUND fördert die Bündnisziele nachdrücklich.

Hamburgs Senat entschied im Oktober, die Fernwärmeversorgung in die öffent­ liche Hand zu übernehmen. Damit setzte er den klimapolitisch wichtigsten Teil des vom BUND initiierten Volksentscheids »Unser Hamburg – Unser Netz« endlich um. Das Strom- und Gasnetz wurden bereits erfolgreich rekommunalisiert. Dazu der Landesgeschäftsführer des BUND Hamburg, Manfred Braasch: »Jetzt kann die Stadt den Einstieg in die Wärmewende selbst organisieren. Das ist ein guter Tag für die direkte Demokratie, den Klimaschutz und den nötigen Kohleausstieg.« www.bund-hamburg.de Anzeige

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Aus für Halogenlampen: Seit 1. September darf ein Großteil der Halogenlampen in der EU nicht weiter verkauft werden. Dazu die BUND-Expertin Irmela Colaço: »Es war überfällig, diese Stromfresser vom Markt zu nehmen. Leuchtdioden (LED) sind viel klimaschonender – sie brauchen rund 80 Prozent weniger Strom und haben eine 15-mal längere Lebensdauer als Halogenlampen.« Den höheren Preis machen die niedrigen Stromkosten schon nach spätestens einem Jahr wett. www.bund.net/lampenkunde

Abschied von der Eindeichung der Zwischenoder? Nördlich vom Nationalpark Unteres Odertal verläuft die Oderaue bis Stettin auf polnischer Seite. Dieses äußerst wertvolle »Zwischenoderland« wollte Polen großflächig eindeichen. Doch für den Hochwasserschutz brächte das nichts, wie nun Gutachten der Weltbank und von Umweltverbänden ergaben. Deshalb will die Weltbank keine neuen Deiche finanzieren. »Die hier seit über 70 Jahren fast ungenutzte Oderaue dürfte damit von Eingriffen verschont bleiben«, freute sich Sascha Maier vom BUND in Brandenburg.

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Foto: Nick Jaussi (2)

6 Natur +Umwelt 4 | 18 ›  AKTUELLES

Anfang Oktober: bunter Protest in Sichtweite des Hambacher Waldes

HubertHubert WeigerWeiger – hier als als Redner Redner auf auf der der Demo; Demo – vertritt den BUND in der Kohle-Kommission. er

KOHLEAUSSTIEG

AUF DER ZIELGERADEN Der BUND hat einen Stopp der Rodungen im Hambacher Wald erreicht – und feierte Anfang Oktober mit Zehntausenden vor Ort. In der Kohle-Kommission der Bundesregierung drängt er jetzt auf einen raschen Kohleausstieg.

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iel zu trocken und zu warm – der Sommer hat uns vor Augen geführt, wie enorm schädlich die Erdüberhitzung sich auch hierzulande auszuwirken droht. Verdorrte Felder und historisch niedrige Wasserstände unserer Flüsse zählen zu den sichtbarsten Folgen der Hitzewelle. Angesichts der ständig steigenden Temperaturen rechnet der BUND schon bald mit weiteren Wetterextremen. Es ist an der Bundesregierung, das Ausmaß der Klimakrise zu begrenzen – indem sie den Ausstoß schädlicher Klimagase drastisch verringert. Nur wenn sie schnell und wirksam handelt, wird sich der ökologische und volkswirtschaftliche Schaden der Krise in verträglichen Gren-

zen halten. Zentrale Hebel sind hier die Landwirtschaft (Tierbestand reduzieren), die Energieversorgung (hundert Prozent Erneuerbare) und der Verkehr (Aus für Verbrennungsmotoren).

GERÄUMT … In diesem Herbst wollte der Energiekonzern RWE den Hambacher Wald zerstören. Denn unter ihm lagert das Futter seiner Kraftwerke, Deutschlands schlimmster Klimakiller: die Braunkohle. Vernichtet hätte RWE damit einen der landesweit artenreichsten Wälder, massiv unterstützt von der Regierung Nordrhein-Westfalens. Diese ließ die Baumhäuser im Wald mit einem riesigen Polizeiaufgebot räumen, ein

junger Journalist verunglückte tödlich. Dabei war noch unklar, ob eine Rodung überhaupt zulässig ist. Zur Begründung hieß es immer: RWE habe das Recht dazu. Obwohl allen bekannt war, dass wir als BUND juristisch dagegen vorgingen.

… DOCH NICHT GERODET Als dann die Rodung drohte, mobilisierten wir am 6. Oktober zu der Demonstration »Wald retten, Kohle stoppen«. Am Vortag kam die erlösende Nachricht: Das Oberverwaltungsgericht Münster gab einem Eilantrag des BUND NRW statt! Der Hambacher Wald darf nicht gerodet werden, bis unsere Klage gegen den Rahmenbetriebsplan rechtskräftig entschieden ist. Das wird wohl erst 2020 der Fall sein. Die Interessensabwägung des Gerichts ging also zugunsten des BUND aus. Weil dieser Wald wertvoll ist (siehe Kasten) und die Rodung unumkehrbare Fakten geschaffen hätte. Zudem konnte RWE nicht belegen, dass nur bei sofortiger Rodung der Tagebau weiterzubetreiben oder gar unsere Energieversorgung zu sichern sei.


Foto: Björn Obmann/BuJu Berlin

Foto: D. Jansen

Natur +Umwelt 4 | 18 ›  AKTUELLES 7

Tagebau Hambach, Europas »größtes Loch«

DEMO UND KOMMISSION Am 6. Oktober demonstrierten schließlich 50 000 Menschen am Hambacher Wald friedlich für einen raschen Kohleausstieg und gegen die Zerstörung des Waldes. Und sie feierten den Rodungsstopp – mit der bislang größten deutschen Anti-KohleDemo. Binnen kurzer Zeit konnte der BUND überall Menschen aktivieren, unsere Gruppen hatten mehr als 50 Busse organisiert. Gemeinsam forderten wir von der Bundesregierung, zügig auf die klimaschädliche Kohle zu verzichten. Denn das ist bitter nötig: Nirgendwo sonst auf der Welt wird so viel Braunkohle gefördert und verbrannt wie hierzulande. Unzählige Dörfer und Landschaft so groß wie 245 000 Fußballfelder haben die Bagger schon verschlungen. Ein guter Teil der dreckigen Energie wird nicht mal benötigt. Deutschland exportiert ein Zehntel seines Stroms, mehr als jedes andere EU-Land. Zur Lösung dieses Problems hat die Bundesregierung die Kohle-Kommission eingesetzt. Sie verhandelt bis Ende des Jahres über den Kohleausstieg – und kluge Konzepte, wie dieser sozial abgefedert werden und eine Perspektive für die Kohlereviere bieten kann. Eng abgestimmt mit anderen Umweltverbänden engagiert sich der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger hier für ein gutes Ergebnis. Wir brauchen endlich ein klares und ehrgeiziges Datum für den Ausstieg. Und Sofortmaßnahmen,

damit Deutschland sein Klimaziel 2020 noch erreichen kann.

WERTVOLLER LEBENSRAUM

PLANVOLL AUS DER KOHLE

Im 10. Jahrhundert wurde der Hambacher Wald erstmalig als »Bügewald« urkundlich erwähnt. Doch ist er noch viel älter. Seit der Wiederbewaldung nach der letzten Eiszeit vor rund 12 000 Jahren wachsen hier Bäume. Auch deshalb zählt der Hambacher Wald in der Niederrheinischen Bucht zu den wertvollsten Wäldern der Region. Mit jahrhundertealten Winterlinden, Eichen und Hainbuchen ist er ein bedeutender Lebens- und Rückzugsraum für seltene und bedrohte Tiere. Mittelspecht, Springfrosch und Haselmaus haben hier ihr Zuhause – genauso wie über 130 weitere Vogel- und 12 Fledermausarten, darunter die akut gefährdete Bechsteinfledermaus. Doch unter dem Wald liegen Millionen Tonnen Braunkohle, die RWE ausbeuten will. Tausende Bäume des einst größten Waldes im Rheinland hat der Konzern schon gefällt, viele Tiere und Pflanzen verloren so ihren Lebensraum. Von einst 4100 Hektar Wald sind heute noch etwa 15 Prozent übrig.

Um die riesige Klimaschutzlücke noch zu schließen, müssen in großem Umfang Kohlekraftwerke stillgelegt werden. Nur so gelingt in der Kürze der Zeit die nötige CO2-Minderung. Der BUND hat dafür einen Abschaltplan erarbeitet. Er sichert unsere Energieversorgung, schreibt die Energiewende fort und zeigt: Wir können deutlich mehr Kohlemeiler kurzfristig vom Netz nehmen, als bisher geplant. Der beschleunigte Strukturwandel in den Kohlerevieren muss sozial gerecht gestaltet werden – finanziell unterstützt und vor allem nachhaltig konzipiert. Dafür wirbt der BUND (nicht nur) in der Kohle-Kommission. Thorben Becker, Dirk Jansen und Tina Löffelsend

Die Väter des BUND-Erfolgs vor Gericht (von links): BUND-NRW-Vize Thomas Krämerkämper, Gutachter Matthias Schreiber, NRW-Geschäftsleiter Dirk Jansen und Rechtsanwalt Dirk Teßmer


8 Natur +Umwelt 4 | 18 ›  AKTUELLES ›  Meldungen Bayern

18  000 MENSCHEN RUFEN »MIA HAM’S SATT!« Unter dem Motto »Mia ham’s satt« demonstrierten eine Woche vor der Landtagswahl 18 000 Menschen auf Münchens Straßen gemeinsam für ökologische Landwirtschaft, für nachhaltige Mobilität, für Klimaschutz, lebenswerte Städte und den Erhalt einer vielfältigen Kultur- und Naturlandschaft. Der Demonstrationszug wurde von über 20 Traktoren und Motivwägen begleitet, unter anderem einer riesigen Betonwelle

(Bild), einem Megastall-Laster und einem Pestizidsarg. Auch Stephan Kreppold, Sprecher des BN-Arbeitskreises Landwirtschaft, fuhr einen Demowagen. Der BN-­ Vorsitzende Richard Mergner erklärte auf der Demo: »Die Heimat am Sonntag zu beschwören und am Montag zuzubetonieren, haben wir gründlich satt. Jetzt aufstehen gegen Agrarindustrie, Flächenfraß, Straßenbauorgien und Startbahn-­ Größenwahn!«

Bereits zum 15. Mal kamen Biberinteressierte aus Großbritannien zu Besuch nach Bayern. Bei dem von BN-Bibermanager Gerhard Schwab und Ulrich Meßlinger organisierten Treffen interessierten sich die Gäste vor allem für das bayerische Bibermanagement, da die Biberpopulation auf der britischen Insel wieder anwächst. Die Teilnehmerrunde bestand aus Grundbesitzern, die Biber auf ihren Flächen haben wollen, Vertretern von Naturschutzverbänden, Mitarbeitern von Landwirtschafts-, Naturschutz-, und Forstverwal-

Foto: Gerhard Schwab

Fotos: Jörg Farys/Die Projektoren

BRITEN AUF BIBERTOUR IN BAYERN

tungen und Biberforschern. Sie lernten Biberlebensräume und Konflikte in Bayern kennen und konnten sich direkt mit bayerischen Vertretern aus Landwirtschaft, Gemeinden, Behörden und Wasserwirtschaft informieren. Tiefen Eindruck hinterließ ein vom Biber renaturiertes Bach­ tal, in dem sich mehr Neuntöter angesiedelt haben, als in ganz England noch vorkommen.


Natur +Umwelt 4 | 18 ›  AKTUELLES ›  Meldungen Bayern 9

Foto: Haus der Bayerischen Geschichte

DRITTER NATIONALPARK: FÜR MEHR WILDE NATUR IN BAYERN Bayern soll wilder werden! 64 Prozent der bayerischen Bevölkerung wünschen sich einen dritten Nationalpark in Bayern. Für den Schutz und das Erlebnis von seltenen Tieren in wilder Natur sind Nationalparke unersetzlich. Deshalb fordern BUND Naturschutz und WWF auch die neue Staatsregierung auf, dem Wunsch der Bürger zu entsprechen und im Freistaat einen dritten Nationalpark einzurichten. Dafür haben die beiden Naturschutzverbände mehrere Videos für den Einsatz in sozialen Netzwerken produziert: Unter dem Motto »Wildes Bayern«

werben sie für die Einrichtung eines dritten Nationalparks in Bayern.

WACKERSDORF – DER FILM

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BN-EXPONATE IM MUSEUM Im Mai 2019 eröffnet in Regensburg das Haus der Bayerischen Geschichte, ein Museum, das sich vor allem der jüngeren Vergangenheit Bayerns widmen soll. Zu dieser gehört auch die Geschichte des Natur- und Umweltschutzes in Bayern. Besucher können auf mehrere Exponate gespannt sein, die der BN dem Museum zur Verfügung gestellt hat: Ein Protestschild der Kreisgruppe Landshut zeugt von zahlreichen Demonstrationen zu vielen Themen des Naturschutzes, die die Menschen früher umgetrieben haben und es teilweise heute noch tun – man denke nur an den Rhein-Main-Donau-Kanal oder die Atomkraft. Das Protestschild war auch beim Widerstand gegen die WAA in Wackersdorf dabei. Diesen dokumentieren mehrere alte Fotos, die der BN zur Ausstellung beisteuert.

Die Videos und Infos zum dritten Nationalpark finden Sie unter www.bund-naturschutz.de/ wildesbayern

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Im September startete der Film »Wa­ ckersdorf« in den Kinos: ein packendes Polit-­Drama über die Hintergründe, die in den 80er-Jahren zu dem legendären Protest gegen den Bau der Atomaren ­ Wiederaufbereitungsanlage (WAA) in der Oberpfalz führten. An Originalschauplätzen im Landkreis Schwandorf gedreht, verfolgt der Film die Geburtsstunde der zivilen Widerstandsbewegung in der BRD. Der Film plädiert für eine gewissenhafte Politik und setzt vor allem Bürgerbewegungen ein Denkmal, die sich gegen politisch aufgezwungene Entscheidungen wehren und mehr Mitspracherecht und Demokratie einfordern. »Wackersdorf« wird ausdrücklich für den Schulunterricht empfohlen. Die DVD erscheint im Februar 2019.

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10 Natur +Umwelt 4 | 18 ›  AKTUELLES

BN KLAGT GEGEN NEUE BAUGENEHMIGUNGEN

KEINE RUHE AM RIEDBERGER HORN

THOMAS FREY BN-Regionalreferent für Schwaben

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aszination Moor« heißt die Ausstellung, die im August und September im Landratsamt Oberallgäu zu sehen war. In der Ankündigung heißt es: »Moore sind faszinierende Lebensräume, deren ökologische Bedeutung heute erkannt und geschätzt wird. Das war nicht immer so und nur noch wenige Moorflächen in Bayern gelten heute als intakt oder wurden renaturiert.« Doch offensichtlich ist die Botschaft der Ausstellung im Haus nicht weit vorgedrungen.

KUNSTSCHNEEBECKEN Kurz vor der Eröffnung der Ausstellung genehmigte nämlich das Landratsamt ein Kunstschnee-Speicherbecken am Riedberger Horn – ausgerechnet in einem weitgehend intakten Quellmoor. Bis zu 3,4 Meter tiefe Torfschichten sollen für das 26 000 Kubikmeter große Becken ausge-

Foto: Blachut

Die Freude war groß, als das Aus für die ­geplante Skischaukel am Riedberger Horn verkündet wurde. Ministerpräsident ­Markus Söder versprach einen naturverträglichen Tourismus. War alles nur Farce?

In diesem Quellmoor am Riedberger Horn ist ein 26 000 Kubikmeter großes Kunstschnee-Speicherbecken geplant.

baggert werden. Ein etwa 8 Meter hoher Damm soll entstehen, finanziert größtenteils aus Steuergeldern. Angeblich sollen um die 1,5 Millionen Euro öffentliche Geld­ mittel in das Speicherbecken im Hoch­­lagenmoor gesteckt werden. Doch damit nicht genug: Ebenso genehmigt wurde eine neue 8er-Sesselbahn, die deutlich über die bisher vom Skibetrieb genutzten Flächen hinaus in wertvolle Biotopräume hineinführt. Damit diese an das bestehende Pistennetz angeschlossen werden kann, sind mehrere neue Pisten notwendig, die ebenso in Biotopflächen und geologisch labilen Zonen planiert werden sollen. Speicherbecken, Sesselbahn und neue Pisten: Der Grasgehrenkessel würde viel von seinen heutigen landschaftlichen Qualitäten, die er jenseits des bestehenden Skigebiets noch besitzt, verlieren. Anstatt Klimaschutz durch Moorschutz zu betreiben, soll künftig Kunstschnee mit Wasser aus einem ausgebaggerten Moor erzeugt werden. Der Biotopverbund, einer der letzten Lebensräume auch für das vom Aussterben bedrohte Birkhuhn, würde weitgehend zerstört. Und das alles in einem Gebiet, dessen Biotopqualität vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) als von höchster, landesweiter Bedeutung beschrieben wird. Daher empfiehlt das LfU auch das »Unterlassen weiterer touristischer Erschließungsmaßnahmen, keine Ausweitung des Skibetriebs«. Markus Söder hat bei seinem Versprechen, den Skigebietszusammenschluss am Riedberger Horn ruhen zu lassen, auch deutlich gemacht: Balderschwang und Obermaiselstein sollen Modelldörfer für einen naturverträglichen Ski- und Bergtourismus werden. Dazu gehört eine umweltfreundliche Modernisierung der bestehenden Skigebiete. Eine solche Modernisierung auf den bisher genutzten Flächen würde der BUND Naturschutz mittragen. Doch die aktuellen Genehmigungen gehen weit darüber hinaus. Daher hat der BUND Naturschutz auch Klage gegen Speicherbecken, Bergbahn und Pistenbauten eingelegt.


Natur +Umwelt 4 | 18 ›  AKTUELLES 11

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Kommentar

Foto: Christof Stache

ZÄSUR IN DER BAYERISCHEN POLITIK

Das Aktionsbündnis überreicht die Unterschriften der CETA-Petition an den FW-Vorsitzenden Hubert Aiwanger.

LANDTAGSWAHL IN BAYERN

KEIN »WEITER SO«! Nach der Landtagswahl braucht Bayern einen sozial-ökologischen Aufbruch.

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m 14. Oktober wurde ein neuer Bayerischer Landtag gewählt. Das Wahlergebnis hat klar gezeigt, dass den Menschen in Bayern natur- und umweltpolitische Themen mehr denn je am Herzen liegen. Zwar ist das umweltpolitische Profil der beiden nun regierenden Koalitionsparteien schwach, doch schon am Wahlabend haben die Spitzenpolitiker aufgrund des durch das Wahlergebnis entstandenen Drucks erklärt, dass die neue Koalition Schwerpunkte im Natur- und Umweltschutz setzen wird. Immerhin 35 der 205 neuen Abgeordneten sind BN-Mitglieder, quer durch die Parteien. Einer von ihnen ist Christian Hierneis, Mitglied des BN-­ Landesvorstands, der in München ein Direkt­mandat für die Grünen holte. Bis jetzt wird jedoch mit den vor der Wahl neu eingeführten Lockerungen beim Anbindegebot und dem damit unge-

Mit der Landtagswahl hat sich die ­politische Landschaft in Bayern massiv verändert. Die großen Volksparteien haben viel Zustimmung eingebüßt. So manche Wähler, die ihnen kein ­Vertrauen mehr schenken, haben ihre Stimme leider der AfD gegeben. Sie ist zum ersten Mal im Landtag vertreten. Das ist eine Zäsur für die Politik im Freistaat. Damit ist eine Partei an der gesetzgebenden Arbeit beteiligt, deren Mitglieder immer wieder durch demokratiefeindliche, rechtsradikale und rassistische Äußerungen auf­fallen – eine Partei, die gefordert hat, ­Klimaschutzmaßnahmen »wegen erwiesener Unwirksamkeit« zu beenden! Der BUND Naturschutz ist zu Recht stolz auf seine demokratische Tradi­tion. Mit der AfD werden wir auf

bremsten Flächenfraß weiter wertvoller Boden vernichtet und Landschaft zerstört.

UMWELTTHEMEN IN DEN ­WAHLKAMPF GETRAGEN Der BUND Naturschutz wird sich massiv dafür einsetzen, den Druck auf die neue Regierung im Hinblick auf eine ökologische Kurskorrektur aufrechtzuerhalten. In den nächsten Jahren muss sich die neue Koalition vorrangig um die Umsetzung der Pariser Klimaschutzziele kümmern sowie eine echte Agrarwende- und Verkehrswende einleiten. Dank vieler Aktiver ist es gelungen, Themen des Natur- und Umweltschutzes erfolgreich in den Wahlkampf zu tragen, ob durch die Teilnahme an der »Mia ham’s satt!«-Demo in München oder dem Besuch einer Podiumsdiskussion. Martin Geilhufe

­ einen Fall zusammenarbeiten. Wir k werden ihr kein Forum bieten, sondern ihre antidemokratische und umweltzerstörerische Parteilinie entlarven. Klar ist aber auch: Es wird eine der vordringlichsten Aufgaben der Parteien im Landtag sein, den AfD-Protestwählern wieder Zugehörigkeit und ­Perspektiven zu geben. Soziale und ökologische Probleme können aber nur miteinander gelöst werden. Dafür wird sich der BN einsetzen. Richard Mergner Landesvorsitzender


12 Natur +Umwelt 4 | 18 ›  KOMMENTAR

KOMMENTAR

SYMBOL DES WIDERSTANDS Der Hambacher Wald ist zum Sinnbild einer neuen Bewegung für den Klimaschutz geworden.

HUBERT WEIGER Der Vorsitzende des BUND ist Mitglied der Kohle-Kommission der Bundesregierung.

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iele große Erfolge, die die Umweltbewegung in den letzten Jahrzehnten errungen hat, benötigten einen Ort, an dem sich der inhaltliche Konflikt zuspitzte. Einen Ort, an dem ein konkreter Streitpunkt für eine zentrale Grundsatzentscheidung stand. Vor allem im langen Kampf gegen die Atomkraft wurden Orte wie Wyhl, wie Wackersdorf oder Gorleben zu wichtigen Symbolen. Im badischen Wyhl fand so etwas wie die Geburtsstunde der deutschen Anti-Atom-Bewegung statt. Der Widerstand örtlicher Weinbauern verband sich hier mit dem Protest Freiburger Studenten. Gemeinsam wurde der Bauplatz des geplanten Atomkraftwerks besetzt und das Werk so verhindert. Der erfolgreiche Bürgerprotest gegen die geplante Wiederaufarbeitungs­anlage für Atommüll in Wackerdorf lässt sich ja derzeit im Kino nacherleben. Und in Gorleben spitzte sich in den letzten Jahren die Auseinandersetzung um die Atomkraft zu. Hier ging es eben nicht nur darum, das geplante Endlager und Castor-Transporte nach Gorleben zu verhindern. Hier entstand die Bewegung, die letztendlich den Beschluss zum Atomausstieg Deutschlands herbeidemonstriert hat.

GORLEBEN FÜR DEN KLIMASCHUTZ Solche Orte haben der Klimaschutzbewegung bisher gefehlt. Der Hambacher Wald ist nun zu ihrem zentralen Symbol geworden. Hier spitzte sich der Konflikt zwischen dem Profitinteresse von RWE (massiv unterstützt von der Politik und den Behörden) und dem breiten Protest der Zivilgesellschaft zu. Was Gorleben für die Anti-Atom-Bewegung war, kann der Hambacher Wald für die Anti-Kohle-Bewegung werden.

RWE hat mit seinen Provokationen und der völlig unnötigen Räumung der Baumhäuser die Mitte der Gesellschaft gegen sich aufgebracht. Am Hambacher Wald begehrt die Zivilgesellschaft auf: um einen alten, wertvollen Wald zu bewahren – und um schnell aus der Kohle auszusteigen. RWE soll wissen: Am Ende wird sich der Bürgerprotest durchsetzen.

DEN SCHWUNG NUTZEN Anfang Oktober feierten 50 000 Menschen am Hambacher Wald den vorläufigen Rodungsstopp, erwirkt vom BUND mithilfe des EU-Naturschutzrechts. Gleichzeitig war dies die größte Demo für den Klimaschutz, die es bisher in Deutschland gegeben hat. Den Schwung wollen wir nutzen, um schnell einen endgültigen Kohleausstieg durchzusetzen. Uns geht es darum, den vielfältigen Wald zu retten, das Abbaggern weiterer Dörfer zu verhindern, schnell die klimaschädlichsten Kohlekraftwerke vom Netz zu nehmen – und den Betroffenen mit neuen Arbeitsplätzen eine dauerhafte Perspektive zu bieten. Daran arbeiten wir auch in der Kohle-Kommission der Bundesregierung. Doch einen schnellen Kohleausstieg, der es erlaubt, das nationale Klimaziel noch zu erreichen, wird es ohne starken gesellschaftlichen Druck nicht geben. Denn die Bundesregierung ist in der Energie- und Klimaschutzpolitik weiterhin untätig. Gestärkt durch den Erfolg für den Hambacher Wald werden wir jetzt nicht lockerlassen. Unser nächster Schritt sind nun die KlimaschutzDemonstrationen am 1. Dezember in Berlin und Köln. Seien Sie dabei und unterstützen Sie die neue Bewegung für den Schutz unseres Klimas! Gemeinsam können wir das 1,5-Grad-Ziel noch erreichen, das für unser Überleben so bedeutsam ist.


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14 Natur +Umwelt 4 | 18 ›  TITELTHEMA ›  Alltag ohne Gift

ALLTAG OHNE GIFT Wussten Sie, dass in Deutschland pro Jahr über 5 Millionen Tonnen ­Plastikmüll anfallen? Auf den nächsten Seiten erfahren Sie, w ­ arum das weit mehr als »nur« ein Müllproblem ist. Und warum d ­ ie Folgen für Natur, Umwelt und Gesundheit globale Ausmaße ­annehmen.

Die Chemikalienpolitik spielt seit Langem eine wichtige Rolle für den BUND. Mitarbeiter*innen der Fachabteilung »Stoffe und Technologien« berichten in diesem Titelthema darüber, was sie derzeit beschäftigt: hormonelle Schadstoffe in Spielzeug, Nanopartikel im Essen, gefährliche Substanzen in recyceltem Plastik – und natürlich unsere ToxFox-App. Diese hilft Ihnen, schädliche Inhaltsstoffe in Alltagsdingen aufzuspüren.


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Foto: fotolia.com/WavebreakmediaMicro

TONNEN


16 BUNDmagazin 4 | 18 ›  TITELTHEMA

E N H O G A T L AL

Foto: 97/iStock

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Schwangere tragen ein besonderes Risiko, da Föten sehr empfindlich auf viele Schadstoffe reagieren.

CHEMIKALIENPOLITIK

NACHHALTIG VORSORGEN Ein Leben ohne Gift – das hat sich der BUND schon lange auf die ­Fahnen geschrieben. Trotz mancher Erfolge in den letzten Jahrzehnten kommen wir im Alltag weiter mit zu vielen Schadstoffen in Kontakt.­ Der BUND plädiert dafür, hier deutlich b ­ esser vorzusorgen. PATRICIA CAMERON leitet die Abteilung »Stoffe und Technologien« des BUND.

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ir sind umgeben von Chemikalien, die die Umwelt und die menschliche Gesundheit gefährden: angefangen von einfachen Dingen des Haushalts und Lebensmittelverpackungen über Möbel, Spielzeug, Kleidung oder Werkzeug aller Art bis zu Baumaterialien. Schadstoffe sind in diesen Gegenständen nicht fest gebunden. Sie werden abgerieben, ausgewaschen oder gasen aus und gelangen damit in die Umwelt. Wir Menschen oder auch Tiere atmen sie ein, nehmen sie mit dem Essen oder über die Haut auf und können dadurch erkranken. Das Problem ist allumfassend und global. Selbst die Inuit oder Tiere wie die Eisbären leiden unter problematischen Substanzen, die sie über den Wasserweg, globale Luftströmungen oder die Nahrungskette erreichen – bis in die entlegensten Gebiete unserer Erde. Nicht nur steigende Temperaturen bedrohen die globale Artenvielfalt. Eine ernste Gefahr sind auch Schadstoffe, die weltweit die Fähigkeit zur Fortpflanzung bei Mensch und Tier mindern und zum Beispiel die Gehirnentwicklung stören. Dem messen Politik und Öffentlichkeit bisher zu wenig Bedeutung bei.


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HAND IN HAND

DREI FRAGEN AN …

Foto: VisLab/wupperinst.org

Anders der BUND, der hier auf viele Jahre politische Erfahrung zurückblicken kann. Schon 1980 verabschiedeten wir ein erstes chemiepolitisches Grundsatzprogramm. Anfang der 1990er Jahre unterzogen wir unsere Ziele einem Praxistest: In einer Kooperation mit Hertie/Karstadt analysierten wir gemeinsam das Sortiment und gestalteten es in Teilen um. Es folgten Projekte mit der Elektronikindustrie. So erstellten wir eine Umweltliste von Computern ohne bromierte Flammschutzmittel und entwickelten eine »Öko-Tastatur«. Außerdem beteiligten wir uns an politischen Debatten über PVC, Elektronik- und Altautoschrott und die Textilproduktion, -nutzung und -entsorgung. Dabei wirken der ehrenamtliche Arbeitskreis »Umweltchemikalien/Toxikologie« und das Chemieteam des Bundesverbandes seit vielen Jahren Hand in Hand. (siehe das nebenstehende Interview)

Uwe Schneidewind, Sprecher des BUND-­Arbeitskreises Umweltchemikalien/Toxikologie und Präsident des Wuppertal Instituts

WELTWEITES VORBILD Einer der größten Erfolge unserer Arbeit war sicherlich die europäische Chemikalienverordnung REACH. Seit 2007 verpflichtet sie die Industrie dazu, nachträglich alle etwa hunderttausend bis dato vermarkteten Chemikalien zu registrieren, zu bewerten und gegebenenfalls zuzulassen. Wohlgemerkt: Zuvor konnte jede Chemikalie so lange hergestellt und verkauft werden, bis jemand ihre Schädlichkeit beweisen konnte – was in der Praxis kaum einmal möglich war. Hier hatte der Staat seine Fürsorgepflicht über Jahrzehnte grob verletzt. Gemeinsam mit über hundert verbündeten Organisationen gelang es dem BUND mit einer langfristigen Kampagne, ein weltweit einzigartiges Gesetzeswerk zu erreichen, das Umwelt und Gesundheit vor der Vielzahl gefährlicher Chemikalien schützt. Und das trotz einer nie dagewesenen Lobbykampagne von Industrie und Arbeitgeberverbänden. REACH dient heute als globale Blaupause für ähnliche Regularien.

VOM EINZELSTOFF ZUR MOBILEN KAMPAGNE Auch mit Blick auf einzelne Chemikalien kann der BUND Erfolge verbuchen. Dazu zählt das Verbot der hormonschädlichen Substanz Bisphenol A in Babyflaschen und Schnullern. Oder die Aufnahme der vier häufigsten Phthalat-Weichmacher in die REACH-­ Liste besonders gefährlicher Stoffe (was ihre Vermarktung stark einschränkt) – auch sie gelten als hormonschädlich für den Menschen. Unser größter Erfolg ist sicher die 2013 erschienene ToxFoxApp. Über 1,4 Millionen Nutzer*innen fahnden damit inzwischen nach Schadstoffen in Alltagsprodukten. Die Hälfte davon verzichtet auf den Kauf der belasteten Produkte. Auch ermöglicht die App Beschwerden direkt beim Hersteller. Als bisher einziger Umweltverband hat der BUND damit den Weg einer mobilen Kampagnenführung beschritten – und die Möglichkeit, Aktive in einer Menge einzubeziehen, wie uns das vorher niemals möglich gewesen war.

Seit wann gibt es Ihren ­Arbeitskreis? Seit 1980 – Mitglieder wie Henning Friege und Frank Claus prägten mit Büchern wie »Chemie für wen?« früh die politische Debatte. Der Arbeitskreis begleitete auch die Wende von der Chemiepolitik zur integrierten Stoffpolitik. Im Zuge dessen kam ich 1993 als Wirtschaftswissenschaftler zu unserem Arbeitskreis. Wie arbeiten Sie als Ehrenamtliche mit der Bundesgeschäftsstelle zusammen? In schöner Arbeitsteilung: Wir geben der hauptamtlichen Kampagnenarbeit die fachliche Rückendeckung, mit einem Netzwerk von Expert*innen. Ansonsten konzentrieren wir uns auf die chemiepolitische Grundsatzarbeit. So wollen wir in Kürze – mein Stellvertreter Markus Große-Ophoff hat das in die Hand genommen – eine BUND-Position zur »nachhaltigen Chemie« verabschieden.

Wo brauchen wir überhaupt Chemie? Was ist damit gemeint? Letztlich treibt uns das seit 20 Jahren um: Wir wollen weg von der ökotoxikologischen Betrachtung des Einzelfalls, hin zur Frage: Wie gewährleiste ich, dass ein Stoff nicht im Nachhinein zum Problem wird? Hier ist der im AK sehr aktive Klaus Kümmerer beteiligt – er hat in Lüneburg den einzigen deutschen Lehrstuhl für nachhaltige Chemie inne. Entscheidend ist: Schon das Design muss den ganzen Lebenszyklus eines Stoffes im Blick haben: Wird er biologisch wieder abgebaut? Oder lässt er sich gut recyceln? Wichtig auch die Frage: Wo brauchen wir überhaupt Chemie? Pestizide oder Nanoprodukte etwa – welchen Mehrwert haben die? Im BUND versuchen wir dies ganzheitlich zu betrachten.


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NE ALLTAG OH

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HORMONELLE SCHADSTOFFE

Obwohl hormonelle Schadstoffe weltweit als besonders riskant gelten, kann sich die EU bislang nicht dazu durchringen, sie wirksam einzuschränken. MANUEL FERNANDEZ ist BUND-Experte für Chemikalienpolitik.

Foto: Kwanchai Chai-udom/Shutterstock

WAL, AMEISE, MENSCH

Übergewicht schon im Kindesalter – ein möglicher Grund sind hormonelle Schadstoffe.

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n Industrieländern nehmen hormonell bedingte Erkrankungen seit 30 Jahren zu: seien es Hoden-, Brust- oder Schilddrüsenkrebs, fehlgebildete Geschlechtsorgane, Unfruchtbarkeit, verfrühte Pubertät, Lern- und Verhaltensstörungen bei Kindern oder chronisches Übergewicht, Immunschwäche und Diabetes. Hormonelle Schadstoffe treffen auch diverse Tiere: von Meeresschnecken über Greifvögel bis zu Eisbären und Walen. Als Ursache gilt die Belastung der Umwelt mit Chemikalien, die das Hormonsystem beeinträchtigen. Diese »endokrinen Disruptoren« dienen als Zusatzstoffe in unzähligen Kunststoffprodukten: als Weichmacher in Teppichen, Kunstleder, Duschvorhängen oder Spielzeug aus PVC, in der Innenbeschichtung von Konservendosen, in Kassenbons oder als Flammschutzmittel in Polstermöbeln und Computergehäusen. Wir nehmen sie über die Nahrung, die Haut und die Atemluft auf. Endokrine Schadstoffe bedrohen Föten, Kleinkinder und Pubertierende sowie Tiere in ihrer Entwicklung. Indem sie körpereigene Hormone in ihrer Funktion als Botenstoffe nachahmen, überlisten sie das Hormonsystem. Bisphenol A etwa ahmt das weibliche Östrogen so gut nach, dass es an dessen Rezeptoren in Organen und Gewebe andockt – der Grundstein für spätere Erkrankungen.

WENIG VORSORGLICH Dabei hat sich gezeigt: Hormonelle Schadstoffe wirken schon in Konzentrationen von Milliardsteln (entspricht einem Wassertropfen auf 50 Millionen Liter Wasser). Sichere Grenzwerte kann es für sie nicht geben. Dazu kommt: Verschiedene Hormongifte können sich in ihrer Wirkung verstärken. Deshalb fordern die Umweltverbände, endokrine Schadstoffe streng nach dem Vorsorgeprinzip zu regulieren und statt Einzelstoffen Gruppen verwandter Chemikalien zu erfassen. Über das Wie wird in der EU seit Jahren gestritten. 2013 zog die EU-Kommission Kriterien für eine vorsorgende Regulierung zurück, nachdem die Pestizid- und Chemieindustrie massiv protestiert hatte. Sie fürchtete mögliche Verbote mit negativen Folgen für das damals beratene Handelsabkommen TTIP. 2017 legte die Kommission dann deutlich schwächere Kriterien vor, die wiederum die Umweltverbände ablehnten.

ALLGEGENWÄRTIG Über tausend Stoffe wurden bislang als endokrine Disruptoren erkannt – eine »globale Bedrohung« laut Weltgesundheitsorganisation. Neben neuen Substanzen sind darunter auch längst verbotene Industriegifte wie das PCB, das früher in Transformatoren und Dichtungen Ver-


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wendung fand und seiner Langlebigkeit wegen weiter eine ernste Gefahr darstellt. So drohen die Bestände von Schwertwalen in den Gewässern vor Brasilien, Gibraltar und den Kanarischen Inseln in den kommenden Jahrzehnten zu erlöschen. Hier werden kaum noch Jungwale beobachtet. Der Grund: Bis zu 1300 Milligramm PCB pro Kilo wurde im Fettgewebe der Orcas gemessen – schon 50 Milligramm reichen aus, um der Fortpflanzung und dem Immunsystem der Tiere zu schaden. Selbst in Ameisen des Amazonas wurden unlängst Weichmacher nachgewiesen. Ein weiterer Beleg für die Allgegenwart hormoneller Schadstoffe. Und die Notwendigkeit, sie streng zu limitieren.

12 TIPPS

Wie Sie hormonelle Schadstoffe vermeiden 1

Trinken Sie Leitungswasser statt Wasser aus Plastikflaschen.

2

Meiden Sie möglichst in Plastik verpackte Frischware sowie Konserven, die nicht als Bisphenolfrei gekennzeichnet sind.

7

 chten Sie beim Möbel- und TextilienA kauf auf den Blauen Engel und ­andere Qualitätssiegel für Schadstofffreiheit (wie IVN- oder GOTS-­Siegel).

8

Bevorzugen Sie Naturkosmetika und Hygieneprodukte ohne Parfum.

3

 ewahren Sie Lebensmittel in B Behältnissen aus Glas oder rostfreiem Stahl auf.

9

 utzen Sie natürliche ReinigungsN mittel wie Essig, Zitrone und Natron oder zertifizierte Naturprodukte.

4

Verzichten Sie auf mikrowellenfestes Plastikgeschirr.

10

Bevorzugen Sie Farben auf Mineralbasis mit dem EU-Ecolabel.

5

Bevorzugen Sie Textilien aus natürlichen Rohstoffen wie Ökobaumwolle und meiden Sie Kleidung mit Kunststoff-Applikationen.

11

Meiden Sie Spielzeug aus weichem Kunststoff und Billigspielzeug aus dunklem Plastik.

12

 üften Sie Ihre Räume zweimal pro L Tag und wischen Sie regelmäßig (feucht) Staub.

6

Kaufen Sie Möbel aus massivem Holz oder Metall statt Pressspan.

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20 Natur +Umwelt 4 | 18 ›  TITELTHEMA ›  Alltag ohne Gift

TOXFOX

WER FRAGT, GEWINNT! Die App »ToxFox« hilft Schadstoffe in Alltagsdingen aufzuspüren – bald in vielen EULändern. Nutzen Sie unsere App auch beim Weihnachtseinkauf. ULRIKE KALLEE ist Chemiereferentin des BUND.

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m Sommer rief unser ToxFox zu einem »Bürstencheck« auf. Also dazu, die eigene Zahnbürste ins Visier zu nehmen und bei den Herstellern nachzufragen – um möglichen Schadstoffen in dieser Produktgruppe tatsächlich »auf den Zahn zu fühlen«. Besonders fleißige Scanner waren die Leser*innen des BUNDmagazins: Danke an alle, die sich hier beteiligt haben! Durch das tatkräftige Mitwirken vieler Aktiver weiß der ToxFox mittlerweile Auskunft über fast zehntausend Alltagsprodukte zu geben.

BESSER INFORMIERT Die Zahnbürsten-Aktion war auch ein Testlauf für unsere europaweiten Ambitionen. Mithilfe des EU-geförderten Projekts »AskREACH« werden demnächst in fünfzehn Ländern Menschen nach Schadstoffen in Alltagsdingen fragen können. Ab April gehen von Stockholm bis Madrid Giftfrage-Apps nach Vorbild des ToxFox an den Start. Das Interesse daran ist groß. Umfragen zufolge sind viele Europäer*in-

nen besorgt und fühlen sich unzureichend über Schadstoffe informiert. Genau da wollen wir mit diesen Apps ansetzen. Betrieben werden sollen sie vor allem von Umwelt- und Verbraucherverbänden. Alle zusammen erreichen wir wohl an die fünf Millionen Menschen direkt. Mit geballter Marktmacht wollen wir Firmen in ganz Europa dazu bewegen, transparenter zu werden und Schadstoffe aus ihren Produkten zu verbannen. Dass das Engagement und hartnäckige Nachfragen der Verbraucher*innen wirken und die Hersteller umzudenken beginnen, zeigt deren Reaktion: Vielen ist heute bewusst, dass ihre Zielgruppe schadstofffrei einkaufen will. Probleme bereiten wie so oft die globalen und weitverzweigten Lieferketten. Nicht selten wird ein Produkt in fünf verschiedenen Ländern produziert. Wer behält da den Überblick? Die Lösung kann da nur heißen: weniger Lieferanten nutzen und dafür enger mit ihnen zusammenarbeiten.

WEIHNACHTEN: WENIGER IST MEHR Dass in puncto Schadstoffe etwas passieren muss, ist unstrittig. Gerade erst warnten Wissenschaftler*innen wieder, dass jede Schwangere im Durchschnitt 56 verschiedene Chemikalien im Blut hat. Schadstoffhaltige Produkte tragen deutlich zu dieser Belastung bei. Es lohnt sich also beim Einkauf aufzupassen und alle Sinne zu benutzen. Besonders jetzt, da sich mit der Weihnachtszeit auch die übliche Geschenkeflut ankündigt. 266 Euro haben die Deutschen im vergangenen Jahr für Weihnachtsgeschenke ausgegeben, ein Drittel davon für Spielzeug. Besonders spendabel sind in der Regel die Großeltern. Dabei sollte gerade bei Kindern gelten: »Weniger ist mehr«.

Denn jedes Geschenk ist ja auch die Aufforderung: Mach etwas mit mir! Die Überfülle an Anregungen erschwert es den Kindern, sich einmal länger mit nur einer Sache zu beschäftigen. Deshalb, liebe Großeltern: Schenkt euren Enkelkindern lieber Zeit! Backen Sie einen Nachmittag zusammen, lesen Sie vor oder bauen Sie gemeinsam ein Vogelhaus – all das stärkt Ihre Beziehung zu den Enkeln und entlastet gleichzeitig deren Eltern. Und soll es doch ein Puppenhaus sein – vergessen Sie nicht, vor dem Kauf per ToxFox die Giftfrage zu stellen. Wie sagte schon Albert Einstein: »Wichtig ist, dass man nicht aufhört zu fragen.«

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WWW.BUND.NET/TOXFOX Zu den Folgen und Risiken mobiler ­Kommunikationstechnologien: www.bund.net/emf

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Foto: Samuel Wordley/Shutterstock


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NANOPARTIKEL ROLF BUSCHMANN ist BUND-Referent für technischen Umweltschutz.

Immer mehr Lebensmittel enthalten künstliche Nanopartikel – ohne die nötige Kennzeichnung. Der BUND fordert die gefährliche Praxis zu beenden.

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ano kommt von griechisch »Zwerg«. Nanopartikel sind kleinste Teilchen in Milliardstel Meter Größe. Besonders an ihnen ist: Sie haben andere Eigenschaften als größere Teilchen gleicher Substanz. Das macht sie für zahlreiche Anwendungen attraktiv.

ZWERGE IM ESSEN? Zum Beispiel Siliziumdioxid: Als Zusatzstoff E551 wird es häufig pulverförmigen Lebensmitteln beigegeben (wie Suppen, Gewürzen, Instant-Kaffee), damit diese nicht verklumpen. Seine Wirkung verbessert sich durch Einsatz von Partikeln im Nanobereich. E551 ist seit über 40 Jahren zugelassen. Es galt als ungefährlich, da man davon ausging, dass sich die Einzelpartikel zu größeren Einheiten verbinden. Der BUND und eine französische Umweltorganisation untersuchten kürzlich diverse Lebensmittel. Es zeigte sich: Siliziumdioxid tritt heute in Lebensmitteln überwiegend als Nanopartikel auf. Auch Titandioxid (E171) ist ein beliebter Zusatz in Lebensmitteln. Es ist besonders weiß und dient als Farbstoff oder Untergrund für andere Farben. Speziell Süßigkeiten werden so aufgepeppt. Bis zu 16 Prozent lagen in unserem Test als Nanopartikel vor – obwohl diese transparent sind und für die Farbgebung überflüssig.

Süßigkeiten werden oft mit Nanopartikeln optisch aufgepeppt.

UNNÖTIGES RISIKO Der BUND fordert Lebensmittel mit Nanopartikeln durch den Zusatz »nano« zu kennzeichnen, wie es vorgeschrieben ist. Doch dafür müssten die Behörden diese Vorschrift überprüfen können. Tatsächlich sind sie aber technisch noch gar nicht in der Lage, synthetische Nanopartikel in Lebensmitteln nachzuweisen. Hier muss dringend Abhilfe geschaffen werden. Studien legen nämlich nahe, dass Silizium- und Titandioxid in Nanoformat zu Entzündungen im Magen-Darm-Trakt führen oder diese begünstigen können. Damit gerade hierfür anfällige Menschen diese Stoffe meiden können, müssen die Lebensmittel gekennzeichnet sein. Die »Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit« ermittelte 2014 etwa 630 Anwendungen von Nanopartikeln in Lebensmitteln. Ein knappes Drittel betraf Inhalts- oder Zusatzstoffe, die nirgends gekennzeichnet sind. Ernährungsphysiologisch ist es selbst­ redend nicht nötig, Lebensmittel mit synthetischen Nanopartikeln zu versetzen. Dieser Praxis sollte die Bundesregierung rasch einen Riegel vorschieben. Als Vorbild kann ihr Frankreichs Regierung dienen. Sie hat angekündigt, Titandioxid bis zum Jahresende zu verbieten. Zahlreiche Hersteller auf dem französischen Markt haben den Zusatzstoff deshalb aus ihren Produkten verbannt.

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MEHR ZUM THEMA in einem Faltblatt und der Studie »Aus dem Labor auf den Teller – Die Nutzung der Nanotechnologie im Lebensmittelsektor« (80 Seiten) – als PDF unter www.bund.net/nano; gedruckt: bundladen@bund.net, Tel. 0 30/2 75 86-4 80


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LUISE KÖRNER ist BUND-Expertin für Kampagnenkommunikation.

FLAMMSCHUTZMITTEL IN PLASTIK

SPIELZEUG ODER SONDERMÜLL? Plastikprodukte aus Recyclingmaterial dürfen weit mehr gefährliche Schadstoffe enthalten als andere Plastikware. Auch Spielzeug ist teilweise hochbelastet, wie jüngst ein Test des BUND ergab.

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nsere Umwelt ist voller Plastik. Etliche Strände gleichen heute Mülldeponien. Handelt die Menschheit nicht bald, schwimmt bis zum Jahr 2050 mehr Plastik als Fische in den Ozeanen. Selbst in den abgeschiedensten Regionen findet sich heute Plastik – ob im Hochgebirge, in der Arktis oder im Amazonas. Alleine in Deutschland fielen im letzten Jahr über fünf Millionen Tonnen Verpackungsmüll aus Plastik an. Plastikprodukte sind so allgegenwärtig, dass wir sie kaum noch als solche wahrnehmen: von der Haarbürste über Spielzeug und Sportschuh bis zum Teppichboden.

ALARMIERENDE ERGEBNISSE Die zunehmende Plastifizierung des Planeten ist nicht nur ein Müllproblem. Viele Plastikprodukte enthalten Giftstoffe, die uns Menschen schaden können. Kürzlich ließ der BUND Kinderspielzeug und Produkte zur Körperpflege auf bestimmte Flammschutzmittel testen (polybromierte Diphenylether). Diese Stoffe wirken auf

unser Hormonsystem, können die Gehirnentwicklung stören und langfristig die Nerven schädigen. Auch Hyperaktivität wird damit in Verbindung gebracht. Somit stellen diese Flammschutzmittel besonders in Produkten für Kinder ein Gesundheitsrisiko dar. Summiert dürfen sie in Produkten aus nicht-recyceltem Kunststoff höchstens mit 10 ppm (Millionstel Gewichtsprozent) enthalten sein. Ab Konzentrationen von 50 ppm gilt ein Produkt grundsätzlich als Abfall, der speziell behandelt werden muss. Doch bei Recyc­lingware sind bis zu 1000 ppm erlaubt. Unsere Testergebnisse alarmieren: Bei fast allen Produkten lagen die Werte weit über dem Grenzwert für normale Neuware. So wiesen ein Zauberwürfel-Schlüsselanhänger 511 ppm und eine Spielzeugpistole 262 ppm auf.

GIFTIGES RECYCLING Grundsätzlich ist die Verwendung der untersuchten Flammschutzmittel weltweit verboten, zum Schutz der Umwelt und Ge-

sundheit. Doch ausrangierte Elektronikartikel wie Fernseher, Computer oder Telefone können noch viel davon enthalten. Die EU erlaubt diese Artikel zu Plastikprodukten des täglichen Lebens zu recyceln – selbst wenn sie den Grenzwert für normale Neuware bis zu hundertfach überschreiten. So gelangen die Schadstoffe – vor allem in Fernost – wieder in neue Plastikprodukte. Der BUND drängt darauf, das Recycling von Plastik gesetzlich strenger zu regeln. Bis dahin empfehlen wir Billigprodukte aus Plastik möglichst zu meiden. Und soll es doch eines sein: Achten Sie darauf, zumindest kein dunkles Plastik zu kaufen. Denn schwarz, braun oder gräulich gefärbtes Plastik enthält besonders häufig Brom-Flammschutzmittel. Im Zweifel können Sie vorsichtig mit dem Fingernagel übers Produkt streifen: Fühlt es sich an wie die Oberfläche eines Laptops oder alten Fernsehgerätes? Dann ist Vorsicht geboten. Klarheit bringt die ToxFox-App des BUND. Damit können Sie


Natur +Umwelt 4 | 18 ›  TITELTHEMA ›  Alltag ohne Gift 23

VOM BUND GETESTET Diese Recyclingprodukte gefährden Ihre Gesundheit. Der Grenzwert für Brom-Flammschutzmittel in nichtrecycelter Plastikware liegt bei 10 ppm.

Foto: franckreporter/iStock

262 ppm

SPIELZEUGPISTOLE

511 106 ppm

ppm

SCHLÜSSELANHÄNGER

HAARBÜRSTE

Vorsicht geboten ist speziell bei billiger Plastikware aus Fernost.

direkt beim Hersteller die Giftfrage stellen. Und der ist verpflichtet, Sie zu informieren, sollte sein Produkt Schadstoffe wie diese Flammschutzmittel enthalten.

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ALLE TESTERGEBNISSE: www.bund.net/gefaehrliches-recycling

Schmetterlinge: © Brockhaus Konversations-Lexikon

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Das Verschwinden der Schmetterlinge Nur noch selten sehen wir Bläulinge, Schachbrettfalter oder Schwalbenschwanz. Andere Arten sind bereits weithin verschwunden. Pestizide, Überdüngung und Monokulturen machen ihnen den Garaus. Der Biologe Josef H. Reichholf zeigt in seinem flammenden Plädoyer für den Schutz der Schmetterlinge Auswege aus der ökologischen Katastrophe.

288 Seiten mit zahlreichen farbigen Abbildungen und Register. Gebunden Auch als E-Book erhältlich www.hanser-literaturverlage.de


24 Natur +Umwelt 4 | 18 ›  AKTIONEN ›  Kohle stoppen

KOHLE STOPPEN – KLIMASCHUTZ JETZT SA.1.12. I Anfang Oktober­ versammelten sich Zehntausende am Hambacher Wald. Das verschafft uns den Rückenwind, um noch entschlossener für den Kohleausstieg zu kämpfen. Demonstrieren Sie mit uns in Köln und Berlin!

m Dezember geht es gleich doppelt um das Klima: beim Weltklimagipfel in Polen und in der Kohle-Kommission der Bundesregierung. Während die Welt in Katowice über die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens verhandelt, wird sich in Berlin entscheiden, ob Deutschland sein Versprechen hält und rasch aus der Kohle aussteigt. Die Zeit drängt. Der Hitzesommer 2018 hat uns erneut gezeigt: Mit der Klimakrise steigt die Zahl extremer Wetterereignisse. Und damit die Häufigkeit von Hitzewellen und Waldbränden, von langen Dürren, Überschwemmungen oder Missernten. Lassen Sie uns noch rechtzeitig die Erderhitzung stoppen, um eine ungebremste Klimakatastrophe zu verhindern! Für uns und alle, die nach uns kommen. Die Bundesregierung versagt hier. Das Klimaziel 2020? Aufgegeben. Der Ausbau der erneuerbaren Energien? Ausgebremst. Der Kohleausstieg? Aufgeschoben. Die Bundesregierung – früher mal Vorreiterin der internationalen Klimapolitik – droht endgültig zur Bremserin zu werden. Das wollen und das werden wir ändern. Kommen Sie am 1. Dezember nach Köln – in die Nähe des größten Braunkohle­ reviers Europas. Oder nach Berlin, an den Sitz der Bundesregierung.

WAS WIR FORDERN •• Die Umsetzung des Pariser Klimavertrags: Verschärfung der Klimaziele und faire Hilfe für arme und besonders betroffene Länder im Kampf gegen die Erderhitzung. •• Eine Halbierung der deutschen Energieproduktion aus Kohlekraft so bald, dass die Bundesregierung ihr Klimaziel für 2020 noch erreicht. •• Einen gesetzlichen Fahrplan zum K ­ ohleausstieg, mit dem wir den Pariser Klimavertrag und die nationalen Klimaziele einhalten. •• Den sofortigen Stopp aller Pläne für neue Kohlekraftwerke, Tagebaue und Tagebauerweiterungen. •• Die gezielte Unterstützung der Beschäftigten und des sozialökologischen Strukturwandels in unseren Kohleregionen.

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WWW.BUND.NET/KOHLEDEMOS


Natur +Umwelt 4 | 18 ›  AKTIONEN ›  Wir haben es satt 25

WIR HABEN ES SATT SA.19.1. B Gehen Sie mit uns auf die Straße: Parallel zur Grünen Woche machen wir uns stark für eine bäuerlich-ökologische Landwirtschaft – für gute Lebensmittel, für eine artgerechte Tierhaltung und einen fairen Welthandel.

äuerinnen und Bauern leisten jeden Tag harte Arbeit. Doch die Politik lässt die Höfe im Stich. Über hunderttausend Betriebe mussten in den letzten zehn Jahren aufgeben. Gleichzeitig reißen sich große Investoren immer mehr Land unter den Nagel. Die fatalen Folgen: Monokulturen, Megaställe und Kostendruck. Und Billigexporte, die im globalen Süden bäuerliche Existenzen zerstören. Die Dürre 2018 hat gezeigt: Die Klimakrise hat nun auch unsere Äcker erreicht. Agrarministerin Julia Klöckner und die Bundesregierung müssen reagieren. Wer Lebensmittel umwelt- und tiergerecht herstellt oder im Laden regional und saisonal einkauft, verdient mehr Unterstützung! Julia Klöckner darf den Umbau zu einer bäuerlichen und ökologischen Landwirtschaft nicht weiter verschleppen. 2019 entscheidet die EU in Brüssel, welche Art

der Landwirtschaft sie künftig mit 60 Milliarden Euro pro Jahr fördert. Die Ministerin muss der Agrarindustrie den Geldhahn zudrehen und endlich Politik für Mensch, Tier und Umwelt machen. Dafür braucht es unseren Protest auf der Straße. Seien Sie dabei, wenn wir wieder zu Tausenden in Berlin demonstrieren. Während sich bei der weltgrößten Agrarmesse »Grüne Woche« und beim Gipfel der Agrarminister alles um die Zukunft unseres Essens und der Landwirtschaft dreht, sagen wir gemeinsam: Wir haben die Agrarindustrie satt!

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WWW.BUND.NET/ WIR-HABEN-ES-SATT

WIR HELFEN IHNEN … bei der Organisation von Bussen und Demomaterial: Leo Doden, Bundesgeschäftsstelle, bundaktion@bund.net, Tel. 0 30/2 75 86-5 45. Gruppen und ­Aktive erhalten das Agrarpaket des BUND: www.bund-intern.net

IONAL, LLE – REG A R Ü F N E S ERECHT! GUTES ES & KLIMAG L A N O IS A S

2019

t s i n e s s E itisch! Demo pol 19.1.

Workshop der BUNDjugend vom 18. bis 20. Januar Die BUNDjugend bietet Menschen unter 27 Jahren die Chance, sich auszutauschen und zu vernetzen, mit spannenden Workshops, buntem Demoblock und super Stimmung – einschließlich Kost und Logis in einer Schule. www.bundjugend.de/whes2019


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kompostierbare Verpackungsfolie ersetzt Alufolie

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Foto: K. Kowol

GRÜNES BAND

KRIMI Ein Flächenkauf der anderen Art sicherte dem BUND wert­volle Wiesen im T ­ hüringer Schiefer­gebirge. KARIN KOWOL Projektleiterin des ­ Grünen Bands in Thüringen

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ielerorts ist es heute sehr schwierig geworden, Flächen zu erwerben. Auf fruchtbaren Böden konkurriert der BUND mit Finanzierungsgesellschaften, die uns preislich leicht überbieten. Auf weniger ertragreichen Böden der Mittelgebirge ist der Erwerbsdruck nicht so hoch. Zum Verkauf stehende Wiesen gehören oft alten Leuten, deren Kinder weggezogen sind. Viele Wiesen wachsen einfach zu – doch hängen die Menschen daran, zumal Grundeigentum als sicherste Anlage gilt.

Foto: Stefan Beyer

Natur +Umwelt 4 | 18 ›  AKTIONEN 27

Das geschützte Tettautal im Thüringer Schiefergebirge

In vielen kleinen Schritten konnte der BUND Thüringen nun einige Flurstücke im Schiefergebirge erwerben. Im Tettautal und seinen Nebentälchen konnte er sie wieder nachhaltig nutzen, zugunsten von Arnika, Trollblume und Ameisenbläuling. Das Tettautal bildete früher teilweise die innerdeutsche Grenze. Mit dem Kauf der Flächen am Grünen Band wollen wir einen Verbund von Berg- und Feuchtwiesen schaffen – im Rahmen unseres Projekts »Lückenschluss Grünes Band« (Bundesprogramm Biologische Vielfalt).

JÄGER ÜBERBOTEN Kürzlich ergab sich eine für uns neue Möglichkeit, diese Flächen zu erweitern. Knapp sieben Hektar bei Heinersdorf und Judenbach wurden versteigert, nachdem ihre letzte Besitzerin verstorben war. Davon lagen zwei Flächen direkt unterhalb

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Baumweißling auf Fuchsknabenkraut

bereits erworbener Flächen des BUND im Naturschutzgebiet Tettautal, 700 Meter entfernt vom Grünen Band. Die übrigen Flächen verteilten sich auf die Gemarkung und sollen im Rahmen einer Flurneuordnung in die Bachtälchen oder das Grüne Band getauscht werden. Die Versteigerung verlief dramatisch: Unser ärgster Konkurrent, ein Sportfunktionär aus München, stieg hoch ein und überbot uns jeweils in großen Schritten. Er ist dabei, sich in der Gemarkung als Großgrundbesitzer einzukaufen, um dort jagen zu können. Als wir ihn dann doch um 500 Euro überbieten konnten, war uns der Beifall des ganzen Saals sicher. Der Naturschutz erschien dann doch als die bessere Option …

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WWW.BUND.NET/GRUENES-BAND

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Ab einer Spende von 5 Euro im Monat schützen Sie als Pate die einmalige Lebenslinie an der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Bei Fragen zur Patenschaft wenden Sie sich an Ihre Ansprechpartnerin beim BUND:

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www.bund.net/patenschaften Foto: © Ute Machel


Fotos: Konstantin Aksenov/Shutterstock.com

28 Natur +Umwelt 4 | 18 › INTERNATIONALES

KLIMASCHUTZ

Tiflis ist eine Reise wert – trotz vieler alter Dieselstinker (meist) deutscher Herkunft, die hier Umwelt und Klima belasten.

ÜBER DIE GRENZEN HINWEG

Unsere Projektpartner in der Ukraine und in Kolumbien: Ecoaction (links) und Censat/Agua Viva (rechts)

Mit Partnern aus Georgien, Kolumbien und der Ukraine hat der BUND ein Projekt für den Klimaschutz gestartet. Es soll dabei helfen, deren nationale Klimaziele zu erreichen.

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ber Grenzen hinweg aktiv war der BUND schon immer. Sich gemeinsam mit anderen »Friends of the Earth« für eine bessere Zukunft einzusetzen, gehört zum BUND wie die Pflege von Streuobstwiesen. Neu ist die langfristige Partnerschaft im Klimaschutz, die wir im Sommer mit Umweltorganisationen aus drei Ländern begründet haben. Unser Ziel: den Pariser Klimavertrag zu erfüllen. Und das muss nicht auf internationalem Parkett, sondern in jedem Land einzeln passieren, mit konkreten Gesetzen, planvoll und strategisch.

SCHWACHE LOBBY

BESSER VERNETZT

Georgien, Kolumbien und die Ukraine sind darauf ganz unterschiedlich vorbereitet, wie auch unsere Umweltpartner. So arbeitet »Ecoaction« in der Ukraine schon länger in engem Kontakt mit den Ministerien daran, das Klimaabkommen umzusetzen. Dagegen beginnt »Greens Movement« in Georgien gerade erst mit der Regierung über den Schutz des Klimas zu sprechen. Und in Kolumbien sind unsere Partner seit Jahren gegen den Kohlebergbau aktiv, nicht so sehr aber für den Klimaschutz in anderen Bereichen. Wir als BUND wollen in den nächsten drei Jahren erfahren, wie die Zivilgesellschaft bestmöglich dazu beitragen kann, starke Klimaschutzgesetze auszuarbeiten. Eines ist klar: Genau wie in Deutschland wehren sich auch in Kolumbien, Georgien und der Ukraine einflussreiche gesellschaftliche Gruppen gegen »zu viel Klimaschutz«, nicht zuletzt die Konzerne der fossilen Energien. Dagegen ist die Lobby für Natur und Klima in diesen Ländern bisher deutlich schwächer als bei uns. Das soll sich jetzt ändern.

Und zwar so: Wir helfen Klima-Initiativen dabei, sich zu verbünden und Visionen für ein klimaschonendes Land zu entwickeln: Wie lassen sich in den Bereichen Verkehr, Energie, Industrie und Landwirtschaft in wenigen Jahren viele Emissionen sparen? Über die Entwicklung einer nationalen Klimaschutzstrategie findet sich bestenfalls ein Bündnis gleichgesinnter Organisationen, das ihre Regierung zu mehr Klimaschutz drängt. Wir werden den Austausch von Initiativen in den drei Ländern fördern, auch deren Kontakte in andere Länder. Denn überall sind Umweltverbände gerade dabei, ihre nationalen Klimaschutzpläne zu beeinflussen. Wir wollen uns mit einigen vernetzen und voneinander lernen, um eine katastrophale Erderhitzung zu verhindern, dank guter Klimapolitik. Die aber wird es nur geben, wenn eine starke Zivilgesellschaft und Klimabewegung sie fordern. Daran arbeiten wir.  Ann-Kathrin Schneider

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WWW.BUND.NET/IKI-PROJEKT


Foto: Ondrej Zaruba/Shutterstock.com

Natur +Umwelt 4 | 18 ›  INTERNATIONALES 29

Gefährdet: Pantherchamäleon aus Madagaskar

VIELFALT RETTEN

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In diesen Tagen findet in Sharm El Sheikh/Ägypten die UN-Konferenz zur ­biologischen Vielfalt statt.

FALSCHE ANREIZE

ehr als 190 Staaten werden beraten, wie sie Tiere und Pflanzen und ihre Lebensräume weltweit besser schützen können. Allerdings zeichnet sich ab: Das Schwinden der Vielfalt bis 2020 zu stoppen – wie 2010 als Ziel formuliert –, wird kaum noch möglich sein. Dazu fehlt der politische Wille.

Die jüngsten Berichte des Weltbiodiversitätsrates zeigen deutlich, wie schlecht es um die Wälder oder Meere steht. Und es sind längst nicht mehr nur große Exoten wie Nashorn, Tiger oder Gorilla, die heute Sorge bereiten. So bedroht die intensive Landwirtschaft selbst kleinste Arten – etwa die Vielfalt der Insekten.

Der BUND fordert mit seinen Partnern von »Friends of the Earth«, bis 2020 weit mehr zu tun, um natürliche Lebensräume zu bewahren und wiederherzustellen. Zum Beispiel: falsche finanzielle Anreize in Landwirtschaft, Fischerei und Verkehr endlich zu beenden. Der Schutz der biologischen Vielfalt muss überall mitgedacht werden, auch in der Wirtschafts-, Finanzund Infrastrukturpolitik. Konkret fordern wir in Ägypten einen neuen weltweiten Aktionsplan zum Schutz von Bestäubern zu verabschieden, ergänzt noch um einen Passus gegen Pestizide.

WICHTIG: EHRGEIZIGE ZIELE Zudem stellt sich die Frage: Welche Ziele zum Schutz der Vielfalt sollte die Staatengemeinschaft ab 2020 anpeilen? Sicher ist: Die ehrgeizigen Ziele, um den Verlust von Arten und Lebensräumen zu stoppen, dürfen nicht aufgegeben werden. Bereits jetzt gibt es Stimmen, die Latte tiefer zu hängen, um später eher Erfolge melden zu können. Der BUND fordert hingegen, auf den bisherigen Zielen aufzubauen und ihre Umsetzung strikt voranzutreiben. Das Bundesumweltministerium scheint ambitioniert – doch neben vielen Vertragsstaaten arbeitet auch das deutsche Agrarministerium daran, die Ziele nach 2020 aufzuweichen. Nicola Uhde

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30 Natur +Umwelt 4 | 18 ›  NATUR IM PORTRÄT ›  Pflanzenporträt

PFLANZENPORTRÄT

Im Winterhalbjahr fällt sie im kahlen Geäst mancher Laubbäume besonders auf: die immer­grüne, kugelig wachsende und bis zu einen Meter Durchmesser er­reichende Mistel (Viscum album). DR. GERTRUD SCHERF Die Autorin hat mehrere Pflanzenbücher verfasst. Foto: privat

D

ie strauchartige Pflanze wächst auf Bäumen. Ihre Äste sind vielfach gabelig verzweigt. An den Enden sitzen paarweise ledrige Laubblätter. Von Februar bis Mai erscheinen gelbgrüne Blüten, ab Oktober die erbsengroßen, weißlichen Beeren, die während des Winters reifen. Die Mistel ist zweihäusig, männliche und weibliche Blüten wachsen auf verschiedenen Pflanzen. Der Halbschmarotzer besitzt Blattgrün und stellt seine Kohlenhydrate durch Fotosynthese selbst her, entzieht aber dem Wirtsbaum Wasser und Nährsalze mit Hilfe von Senkern, die er in die Leitungsbahnen des Baums treibt. Stark von Misteln befallene Bäume können so geschwächt werden. Vögel, unter anderem Drosseln wie Misteldrossel oder Amsel, besorgen die Verbreitung der Mistel: Der Samen mit anhängendem klebrigen Fruchtfleisch bleibt am Schnabel hängen und wird an einem Ast abgestreift oder ­gelangt mit Vogelausscheidungen dorthin. In Deutschland erscheint die Mistel in drei, jeweils regional gefährdeten Unterarten: Tannenmistel, Kiefernmistel, Laubholzmistel. Letztere wächst auf Apfelbäumen, Pappeln, Weiden, Linden, Birken und manchen anderen Laubbäumen, sehr selten auf Eichen, nicht beispielsweise auf Rotbuchen. Plinius d. Ä. (23 – 79 n. Chr.) beschreibt die feierliche Einholung der seltenen Eichenmistel bei den keltischen Galliern. Sie galt als besonders heilig und heilkräftig. Mit goldener Sichel schnitt der Druide in ritueller Handlung die Mistel in

der Zeit um einen Winterneumond. Vermutlich handelte es sich um Viscum album und nicht um die ebenfalls Eichenmistel genannte sehr seltene Riemenblume (Loranthus europaeus). Im Volksglauben galt die Mistel als bösen Zauber abwehrende Glückspflanze. Mit ihr als Wünschelrute wollte man Schätze finden, Schlösser sprengen und Diebe bannen. Glückverheißendes Weihnachtsgrün ist sie nicht nur in England, sondern seit Längerem auch hierzulande. Misteldekor war im europäischen Kunsthandwerk des Jugendstils beliebt. Volksmedizinisch wird Mistelkraut-Tee unter anderem gegen Herz-Kreislaufbeschwerden, Schwindel oder erhöhten Blutdruck eingesetzt. In der modernen Phytotherapie verwendet man Mistelkraut-Zubereitungen bei Arthrose; der ­Einsatz von Injektionspräparaten bei der Krebsbehandlung ist umstritten. Achtung! Die Mistel ist giftig (alle Unterarten). Keine Selbstbehandlung! Der BUND Naturschutz weist auf die große Bedeutung der Mistel als winterliche Vogelnahrung hin, aber auch auf ihre verstärkte Ausbreitung in manchen Regionen, die unter anderem durch klimatische Faktoren begünstigt wird. In alten, wenig gepflegten Streuobstbeständen sind Apfelbäume oft sehr stark von Misteln besetzt. In diesen ökologisch wertvollen Lebensräumen können fachgerechtes Entfernen der Halbschmarotzer, sonstige behutsame Pflegemaßnahmen und Nachpflanzungen nützlich sein.

BUCHEMPFEHLUNG Dr. Gertrud Scherf Wildpflanzen neu entdecken. Mit Illustrationen von Claus Caspari blv-Verlag, 18 Euro

Zeichnung: Claus Caspari; aus »Wildpflanzen neu entdecken«, BLV Buchverlag

MISTEL


GERETTETE LANDSCHAFT In den 1930er Jahren sollte der Mindelsee (unweit des Bodensees) ­ganz oder teilweise abgelassen werden, um Ackerland zu gewinnen. Engagierte Naturschützer und Botaniker konnten dies verhindern. 1938 wurden See und Umgebung gesichert, als zweites Naturschutzgebiet Baden-Württembergs. Seit 1972 betreut der BUND das Gebiet, Foto: Heidi Witzmann

koordiniert nun seit Jahrzehnten die Pflege und untersucht die reiche Tier- und Pflanzenwelt. Dank ­diesem Einsatz konnte sich ein Mosaik seltener Lebensräume erhalten, mit Raritäten wie der Sommerdrehwurz – einer von 20 Orchideenarten – oder der global gefährdeten Moorente, die jetzt im Herbst auf dem See rastet.


Foto: Wolfgang Willner

32 Natur +Umwelt 4 | 18 ›  NATUR IM PORTRÄT ›  Naturschutz

SCHUTZ FÜR BEDROHTE ARTEN

EIN PIONIER BRAUCHT PFLEGE Die Gelbbauchunke kommt vor allem im Berg- und Hügelland vor. In Bayern war sie früher verbreitet, ihre Zahl nimmt jedoch stark ab. In einem neuen Projekt engagiert sich der BN gemeinsam mit drei Landkreisen dafür, diesen Trend zu stoppen.

W

er die Gelbbauchunke (Bombina variegata) entdecken möchte, muss genau hinschauen. Erstens gehört sie mit drei bis fünf Zentimetern Länge und einem Gewicht von zwölf Gramm zu den eher kleinen Froschlurchen. Zweitens ist sie perfekt getarnt: oberseits lehmgrau bis olivgrün und mit zahlreichen Warzen versehen, lässt sie sich gerne mit gestreckten Beinen im Wasser treiben, sodass fast nur noch die Augen aus dem Wasser ragen. Fühlt sich die Unke trotz ihrer »Camouflage« einmal bedroht, greift Plan B: In der »Kahnstellung« beugt sie sich so stark nach hinten, dass ihre gelb-schwarz gemusterte Unterseite sichtbar wird. Das eindeutige Signal: Stopp, ich bin giftig! Mit ihrem toxi­ schen Hautsekret ist sie für Fressfeinde wenig schmackhaft, und sie wehrt damit Bakterien ab. Offenbar erfolgreich, denn Gelbbauchunken werden mit bis zu 19 Jahren sehr alt. Ursprünglich bevölkerte die Gelbbauchunke vor allem Flussund Bachauen. Die temporären Auegewässer, die bei Hochwas-

ser immer wieder neu entstehen und im Hochsommer trockenfallen, waren ideale Laichgewässer. Weil dieser natürliche Lebensraum inzwischen so selten geworden ist, ist die Art auf vom Menschen geschaffene Biotope (Sekundärbiotope) ausgewichen. Das sind beispielsweise Kleingewässer in Kies- und Sand­ abbaugebieten, Industriebrachen oder Truppenübungsplätzen. Auch Pfützen oder Wildschwein­suhlen werden gerne angenommen. Die Unke ist eine Pionierart und kann neu entstandene Gewässer sehr rasch besiedeln. Wachsen diese zu, werden zu stark beschattet oder von Fischen oder anderen Fressfeinden besiedelt, verschwinden die Unken allerdings schnell.

BESTAND NIMMT DRAMATISCH AB Früher hüpfte die Gelbbauchunke in Bayern noch fast überall herum, aber ihr Bestand nimmt dramatisch ab, sodass sie heute als stark gefährdet gilt. In Oberbayern setzen sich BN-Aktive schon seit vielen Jahren mit Herzblut für das Tier ein: Manfred Drobny


Natur +Umwelt 4 | 18 ›  NATUR IM PORTRÄT ›  Naturschutz 33

(siehe Interview) koordiniert die ehrenamtlichen Hilfsaktionen der verschiedenen Kreisgruppen. Sie sind sehr wichtig für das Überleben der Art und sicher auch mitverantwortlich dafür, dass es an vielen Orten überhaupt noch Gelbbauchunken gibt. Was bisher fehlte, war ein übergeordnetes Schutzkonzept, das die einzelnen Maßnahmen verbindet. Das bietet nun das 2016 gestartete Projekt »Allen Unken­rufen zum Trotz«. Sein Zauberwort lautet: Vernetzung. Vor­ kommen der Gelbbauchunke in den sechs oberbayerischen Landkreisen Neuburg-Schrobenhausen, Pfaffenhofen an der Ilm, Freising, Erding, Mühldorf am Inn und Altötting sollen so verbunden werden, dass sie sich wieder austauschen und so eine überlebensfähige Population bilden können. Dieser Genaustausch ist im Kampf gegen das Aussterben einer Art sehr wichtig. Und natürlich spielen auch die Menschen eine große Rolle im Projekt: Ziel ist es, Landnutzer, -besitzer und Amphibienexperten unter­einander dafür zu gewinnen, dass sie Laichgewäser anlegen und geeignete Lebensräume wie dynamische Auen schaffen. Für die Vorkommen soll ein Betreuernetzwerk aufgebaut werden. Das Projekt soll zeigen, dass Unkenschutz gar nicht so kompliziert ist und jeder etwas dafür tun kann. Und das gilt wortwörtlich, denn jeder, der sich dafür interessiert, kann sich zum Unkenpaten ausbilden lassen und so helfen, Vorkommen in der eigenen Region fachkundig zu schützen. Heidi Tiefenthaler

DAS GELBBAUCHUNKEN-PROJEKT Träger des Projekts »Allen Unkenrufen zum Trotz« sind die drei Landkreise Freising, Neuburg-Schrobenhausen und Altötting sowie der BUND Naturschutz mit seinen Kreisgruppen Neuburg-Schrobenhausen, Pfaffenhofen, Freising, Erding, Mühldorf und Altötting. Das Projekt wird im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare ­Sicherheit und durch den Bayerischen Naturschutzfonds gefÖrdert.

www.gelbbauchunke-bayern.de

IM INTERVIEW

SEHEN, DASS ES VORANGEHT Manfred Drobny ist Geschäftsführer des BN Erding und Freising und außerdem Herpetologe. Er weiß bestens über Amphibien und Reptilien Bescheid. Wir haben ihn befragt. Natur+Umwelt: Herr Drobny, was macht die Gelbbauch­ unke so spannend? Manfred Drobny: Pionier­ arten wie die Gelbbauch­ unke müssen hochdynamisch agieren, wanderfähig und in der Lage sein, sich schnell auf neue Gegebenheiten einzustellen. Oft sind sie auch sehr attraktiv und rufen laut und schön, damit sie sich in Lebensräumen, die nicht lange bestehen, ­immer wieder finden. Welche Hilfe braucht die Gelbbauchunke? Einerseits kann man ihr schnell und einfach helfen, weil sie nur kleine Gewässer braucht. Andererseits muss man eben auch ständig ­hinterher sein, weil gerade diese schnell verschwinden. Es ist Teil der ökologischen Strategie der Gelbbauch­ unke, kleine Gewässer zu besiedeln, die andere Tiere – auch Fressfeinde – nicht nutzen können, weil sie ­ sich zu langsam entwickeln.

Wie sieht die Arbeit der BN-­ Unkenschützer praktisch aus? Erstens geht es ums Überwachen: schauen, wo leben Gelbbauchunken, wo laichen sie ab und wie geht es den Laich­ gewässern. Zweitens um die Erhaltung des Lebensraums: mähen, ausbaggern, neue Gewässer anlegen. Und drittens: die Öffentlichkeitsarbeit. Flächenbesitzer über Vorkommen informieren und für den Unkenschutz gewinnen, mit Exkur­ sionen Begeisterung für die Art wecken, in der Hoffnung, dass Menschen dann mit ­einem anderen Blick auf die Landschaft und vermeintliche Unordnung – wie größere Pfützen am Wegesrand – schauen. Was bedeutet das große ­Gelbbauchunkenprojekt für die Ehrenamtlichen? Es ist eine Wertschätzung für ihre bisherige Arbeit. Sie sehen, dass etwas vorangeht, dass ihr Engagement nicht vergebens ist, und hoffen, bald die Früchte ihres jahrelangen Kümmerns zu ernten.


Fotos: M. Kunkel (3)

34 Natur +Umwelt 4 | 18 ›  NATUR IM PORTRÄT ›  Natura 2000: Spessart

Waldperle Heisterblock. Früher waren zwei Drittel Deutschlands mit a ­ ltem Buchenwald bedeckt – heute dürfen noch zwei Promille älter als 160 Jahre werden.

FATALE FORSTWIRTSCHAFT

TRAUERSTÜCK IM SPESSART Nördlich des Mains liegt im bayerisch-­ hessischen Grenz­gebiet der Spessart. Weite Teile des Mittelgebirges schützt die EU als Fauna-Flora-­Habitat- und Vogelschutzgebiet – darin die größten zusammenhängenden Laubmischwälder Deutschlands. Diesen Naturschatz gilt es gut zu hüten. Doch Bayerns Forstwirtschaft verfolgt andere Ziele.

H

erbst im Spessart, wir laufen durch den »Heisterblock«. Auf etwa 300 Hektar erhebt sich einer der wertvollsten Laubwälder Deutschlands. Mächtige Buchen und Eichen ragen hier empor, meist viele hundert Jahre alt. Einige umgestürzte Stämme dienen Pilzen und Insekten als Nahrung. An einer Buche prangt der schneeweiße Igel-Stachelbart, ab­ gebrochene Eichenäste überzieht der Mosaikschichtpilz, eine absolute Rarität. Nirgendwo sonst in Bayern leben mehr Hirschkäfer, Eremiten und andere »Urwaldkäfer«. Neben Vögeln wie dem Halsbandschnäpper nisten im Heisterblock die einzigen baumbrütenden Mauersegler des Freistaats. Eine Perle von Wald also, immens wichtig für die biologische Vielfalt. Welch Glück muss es sein, einen solchen Wald in seiner Obhut zu haben – seine weitere Entwicklung und Entfaltung zu begleiten und ihn und die umliegenden Wälder des Hochspessarts für die Nachwelt zu erhalten!


Natur +Umwelt 4 | 18 ›  NATUR IM PORTRÄT ›  Natura 2000: Spessart 35

HAFENLOHRTAL: NEUERLICHE FEHLPLANUNG

Pilzraritäten: Igel-Stachelbart und Mosaikschichtpilz im Heisterblock

MAXIMALER GEWINN Die Verantwortung dafür tragen die Bayerischen Staatsforsten. Besser: sollten sie tragen. Ein Blick auf den – von Baumstümpfen übersäten – Waldboden verrät: Selbst in diesem Wunder von Wald fielen schon unzählige große Eichen der Säge zum Opfer. Der Wald wirkt deutlich aufgelichtet. Von einst 5000 Hektar Alt­eichen im Spessart ist kaum ein Zehntel übrig. Heute gilt der Heisterblock als »Klasse 1-Wald«, sprich: Die Staatsforsten verzichten freiwillig darauf, hier Holz zu schlagen. Wirklich als Naturschutzgebiet gesichert ist bisher nur ein Viertel seiner Fläche. Ringsum schließen sich Wälder der Klasse 2 an, 140 bis 180 Jahre alt. Hier setzen die Staatsforsten auf maximalen Gewinn: Auf Tausenden Hektar wird der potenziell so wertvolle Laubwald intensiv genutzt. Der massive Holzeinschlag hinterlässt ein lückenhaftes Waldbild, plantagenartig werden Eichensetzlinge gehegt, in Eichenbeständen gar das Totholz abgeräumt. Nur zehn »Biotopbäume« pro Hektar bleiben unangetastet. Diese Praxis verstößt gegen das Naturschutzrecht, das Verschlechterungen in den EU-Schutzgebieten verbietet. Ihr Ziel lautet: Zuwachs für den Heisterblock, also weitere Wälder der Klasse 1, soll es im Spessart nie mehr geben.

NATIONALPARK VERHINDERT Gemeinsam mit dem Waldbesitzer- und Bauernverband taten die Staatsforsten denn auch alles, um einen Nationalpark im Spessart zu verhindern. »Regelrecht aufgehetzt hat man die Leute in den um-

liegenden Gemeinden«, berichtet Michael Kunkel vom örtlichen BUND Naturschutz. Halbtags als Gemeindearbeiter beschäftigt, kennt er den Spessart wie kaum ein anderer. Er war es, der vor Jahren entdeckte, dass die Förster mitten in dem FFHGebiet Hochspessart Lichtungen in den Laubwald hauten und Douglasien pflanzten – Nadelbäume aus Nordamerika! Im Rahmen ­einer Kampagne gelang es BUND und Greenpeace, die haarsträubende Praxis vom Europäischen Gerichtshof stoppen zu lassen. Douglasien dürfen die Förster im FFH-Gebiet nun nicht mehr pflanzen (rundherum schon). Die vor dem Urteil gepflanzten aber hegen sie weiter. Dieser und anderer Erfahrungen wegen spricht Michael Kunkel den Staatsforsten schlicht den Willen ab, das Schutzgut »Spessartwälder« zu bewahren. Ein Nationalpark im Spessart hätte die wertvollsten Waldbereiche dem profitorientierten Zugriff entzogen. Jahrelang kämpfte der BUND in der Bürgerbewegung »Freunde des Spessarts« dafür, fast zwei Drittel der Menschen in der Region an seiner Seite. Doch die fehlinformierten sieben Anliegergemeinden entschieden jeweils knapp gegen einen Nationalpark. Inzwischen hat die CSU unter Markus Söder das Ziel eines dritten Nationalparks in Bayern verworfen. Lieber will sie die Spessartnatur auf ihre Weise fördern, mit einem millionenschweren Bauprojekt (siehe Kasten). Und bestätigt einmal mehr, dass das Naturerbe der Laubwälder im Spessart bei ihr in ganz schlechten Händen ist. sz

Umgeben von Spessartwäldern liegt unweit von Aschaffenburg das idyllische Hafenlohrtal. Über 30 Jahre ging der BUND Naturschutz hier gemeinsam mit einer Aktionsgemeinschaft gegen den Plan vor, das Tal auf 15 Kilometer Länge mit einem Speichersee zu fluten. Erfolgreich, seit 2008 ist die Gefahr gebannt. Teile des Tals stehen heute unter Naturschutz, der Lebensraum von 1600 Tier- und Pflanzenarten scheint gerettet. Doch sind die Freunde des Hafenlohrtals weiter gefordert. Zuletzt präsentierte die bayerische Regierung die Idee eines »Eichenzentrums«, inklusive Tagungshotel. Satte 26,5 Millionen Euro will sie dafür bewilligen. Mit der Ruhe wäre es in dem abgeschiedenen Tal dann vorbei. Nicht nur der BUND hält das Ganze für eine Fehlplanung: zu groß, zu teuer, zu wenig Effekt für den Naturschutz, zu sehr auf die Eiche als »Brotbaum« der Forstwirtschaft gemünzt … Im gesamten Spessart regt sich Unmut. Damals wie heute an der Spitze des Widerstands: Sebastian Schönauer. Der Pädagoge ist seit 40 Jahren Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft, zudem stellvertretender BN-Vorsitzender und Sprecher des BUND-Arbeitskreises Wasser.

Michael Kunkel und Sebastian Schönauer (re.) am Standort des geplanten B ­ esucherzentrums im Hafenlohrtal

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MEHR ZUM THEMA www.ag-hafenlohrtal.de


Schlafmaus in Not Auf diesem Foto wirkt er recht munter. Dabei gehört der Gartenschläfer zur ­Familie der Schlafmäuse oder Bilche. ­ Zur Zeit liegt der kleine Verwandte des Siebenschläfers im Winterschlaf, wie über die Hälfte des Jahres. Besonderes Merkmal ist seine schwarze Gesichtszeichnung, die an die Maske von Zorro erinnert. Der Gartenschläfer ist in Deutschland sehr selten geworden. Warum, ist völlig unbekannt. Der BUND will den Ursachen auf die Spur kommen und seinen Bestand wieder stabilisieren. Dafür haben wir mit dem Senckenberg-Forschungsinstitut und der Universität Gießen ein Projekt gestartet. Mehr dazu: www.bund.net/gartenschlaefer


Foto: Jiri Bohdal


38 Natur +Umwelt 4 | 18 ›  NATUR IM PORTRÄT ›  Ausgleichsflächen

WO SIND SIE GEBLIEBEN? Wenn für neue Straßen, Siedlungsund Gewerbebau in die Natur eingegriffen wird, muss ein Ausgleich geschaffen werden. Theoretisch. Doch mit der Umsetzung in die Praxis hapert es gewaltig.

D

ie Zahlen lassen Naturschützern die Haare zu Berge stehen: Bis zu 50 Prozent der Ausgleichsflächen von Gemeinden, so hat eine Landtagsanfrage der Grünen gezeigt, sind nicht wirksam oder wurden gar nicht erst umgesetzt. Der BUND Naturschutz hat deshalb ein bayernweites Projekt gestartet, um das riesige Ausmaß des Problems zu dokumentieren. Ziel des Projekts ist es, den bayerischen Gemeinden auf den Zahn zu fühlen. Gemeinsam mit seinen Kreis- und Ortsgruppen will der BN die Anlage und das Funk-

tionieren der Ausgleichsflächen für die Ausweisung von Wohn- und Gewerbegebieten überprüfen. »Man kann davon ausgehen, dass so manche Gemeinde das vorsätzlich getan hat, schließlich kostet das ja auch Geld und man braucht die Fläche dazu. Hier versagt aber vor allem die Staatsregierung, die es den Gemeinden überlässt, sich selbst zu kontrollieren. Das muss ein Ende haben«, fordert BN-­ Vorsitzender Richard Mergner. Grundsätzlich fordert der BUND Naturschutz die Verringerung der Eingriffe, also weniger neue Gewerbegebiete, neue Wohnsiedlungen und neue Straßen. Der Neubau auf der grünen Wiese muss auch in Bayern endlich gestoppt werden.

MELDEPFLICHT EINFÜHREN »Mittlerweile summieren sich die fehlenden Naturflächen nach unseren Berechnungen auf mindestens 6500 Hektar in Bayern, das entspricht einem halben Nationalpark«, so Tom Konopka, Regionalreferent im BN. Erste Erhebungen erbrachten sehr unerfreuliche Ergebnisse: Im Raum Regensburg hat der BN festgestellt, dass 30 Prozent der Ausgleichsflächen nicht umgesetzt wurden, also fast jede dritte Fläche. »In einer Gemeinde bei München waren es sogar zehn von zwölf Flächen«, erläutert Tom Konopka.

Der BN fordert von der neuen Bayerischen Staatsregierung, eine Pflicht für Gemeinden und andere Eingriffsbehörden einzuführen, nach denen diese die Festsetzungen zum Ausgleich oder Ersatz an das Landesamt für Umwelt melden müssen. Und eine Pflicht, nach der sie regelmäßig über die Umsetzung und die Wirksamkeit der Maßnahmen berichten müssen. Die zuständigen Behörden sollen personell verstärkt werden, um dies leisten zu können. Die bayerischen Gemeinden fordert der BN auf, ihre Hausaufgaben zu machen und die festgesetzten Ausgleichsmaßnahmen umzusetzen. Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen sind bei allen Eingriffen in den Naturhaushalt nach dem Naturschutzgesetz verpflichtend. Ob beim Autobahnbau, wenn zum Beispiel Wald gerodet wird, bei Ortsumfahrungen, wenn Krötentümpel zugeschüttet werden, in der Flurbereinigung, wenn Hecken wegfallen – immer muss Ausgleich oder Ersatz geschaffen werden. Das sind dann neuangelegte Tümpel, die Umwandlung von Äckern in Wiesen, die Pflanzung von Hecken oder Obstwiesen. Viele Ausgleichsflächen lassen sich anschließend weiter landwirtschaftlich nutzen, wenn auch oft nicht so intensiv wie vorher. Ziel ist es, Lebensräume für gefährdete Arten herzustellen, den Bo-

Foto: Claudia Lehner-Sepp

ÖKOLOGISCHE AUSGLEICHSFLÄCHEN


Links: Fehlende Ausgleichshecke in Petersaurach, ­Landkreis Ansbach: An den Häusern entlang fehlt die sieben Meter breite Hecke.

denschutz und die Grundwasserneubildung zu gewährleisten und ein ansprechendes Landschaftsbild zu erhalten.

KEINE STATISTIK Die gesetzliche Pflicht, bei Eingriffen in Natur und Landschaft für einen Ausgleich zu sorgen gibt es bereits seit 1976 im Bundesnaturschutzgesetz. Der BUND Natursdchutz hatte damals für diese Regelung gekämpft, um den Naturhaushalt dauerhaft zu sichern. Insbesondere bei der Ausweisung von Wohngebieten, die die Hälfte des Flächenverbrauchs in Bayern ausmachen, und bei Gewerbegebieten (25 Prozent) wird der Ausgleich oft

vergessen. Hintergrund ist, dass sich die Gemeinden selbst kontrollieren sollen. 2014 musste die Staatsregierung zugeben: »Es liegt keine Statistik über die angefallenen Kompensationsverpflichtungen aus … Eingriffen vor.« Seitdem hat sich nichts geändert. Für die Planung ist die Gemeinde zuständig, für die Genehmigung des Bebauungsplanes ist die Gemeinde zuständig, für die Umsetzung der Ausgleichsmaßnahmen ist die Gemeinde zuständig und auch für die Kontrolle. Die Untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt darf nur bei der Planung einmal mitreden. Fazit: Eine Gemeinde, die keine Lust auf Ausgleichsmaßnahmen hat, wird diese nicht umsetzen, solange sie nicht gezwungen wird.

Wo die Pflicht zum Ausgleich ernst genommen wird, entstehen brauchbare Ersatz­ lebensräume, so wie hier Sandmagerrasen und Blühflächen in Bamberg.

6500 Hektar

Ausgleichsflächen fehlen nach BN-Schätzungen in Bayern.

50 %

DER AUSGLEICHSMASSNAHMEN

Foto: Jürgen Gerdes

Foto: Jürgen Gerdes

sind nicht wirksam oder wurden gar nicht erst umgesetzt.

Foto: Tom Konopka

Ausgleichsmaßnahme an der ICE-Trasse Nürnberg–Ebensfeld südlich Forchheim: Hier müsste ein Flachgewässer mit etwa 100 Quadratmeter ­Fläche als Laichgewässer für gefährdete Arten wie die Kreuzkröte bestehen, stattdessen sind es etwa fünf Quadratmeter, noch dazu von Algen zugewachsen und ­damit unbrauchbar.

50 %

des Flächenverbrauchs gehen auf Wohngebiete zurück.


Foto: Locanda Mistral

40 Natur +Umwelt 4 | 18 ›  URLAUB & FREIZEIT ›  Reise

Die Alpen im Winter entdecken – abseits ausgetretener touristischer Pfade

UMWELTFREUNDLICH REISEN

STILLE ALMEN, FELSIGE GIPFEL Im Valle Maira im Piemont können sport­liche Winterliebhaber auf Schneeschuhen eine Welt erkunden, in der Wildnis auf uraltes Kulturland trifft.

R

schsch... rschsch... rschsch... Ein Rascheln entsteht, als wir auf unseren Schneeschuhen und mit gleitenden Schritten die Hochfläche von Colombata queren. Abertausende Eiskristalle glitzern auf der Schneefläche – als trügen die Mulden und Hügel Winterpelz. »Hier bildet sich ein Kaltluftsee, in dem solche Kristalle über Nacht wachsen«, erklärt Renato Botte, unser Bergführer. Heute Morgen sind wir einem ehemaligen Maultierweg gefolgt, der uns über diese verzauberte Hochalm weiter zur Kirche San Mauricio leitet. An Almhütten und an einem Steinbruch vorbei steigen wir ab ins Örtchen Accelgio, das sich mit seinen Steinhäusern zwischen die Maira und rundum aufsteigende Berghänge kauert. Im Café Parigi kehren wir zu einem heißen caffé ein. Dann geht es am gurgelnden Fluss zu unserer Unterkunft zurück. Immer wieder hatten sich uns auf der Tour herrliche Ausblicke ins Mairatal geboten. Wie still es ist, wie leer. »In den 50er Jahren entvölkerten sich die Ortschaften, weil die großen Industrien die Menschen in die Ebene hinunter zogen«, erklärt uns Renato Botte. »Auf 180 Quadratkilometer leben heute nur 40 Personen, verstreut auf neun Weiler.« Und doch gibt es eine funktionierende Struktur zwischen diesen Orten. Vor 30 Jahren begann hier der sanfte Tourismus

Fuß zu fassen. Skigebiete mit Liftanlagen und Pistentrubel gibt es hingegen nicht. Eine Besonderheit sind die »Locandas«, familiengeführte Agritourismus-Unterkünfte, in denen okzitanische Küche zubereitet wird. Wir lernen Crespelle kennen, Teigtaschen, gefüllt mit Käse, Wildschwein und Kastanien. Und Raviolas, eine Art Schupfnudeln. Wir bekommen Kaninchen und Brasato, über der Glut gegartes Fleisch, und cremiges Risotto. Die alpine Architektur gibt uns Einblick in eine verschwundene, bäuerliche Lebenswelt. »Die Menschen wohnten in der Sippe, unter einer großen Dachfläche«, weiß Renato. »Bis zu zehn Einzelfamilien gruppierten sich mit ihren Wohnungen um die Kornkammer im Zentrum.« Die Hangterrassen dienten einst dem Anbau von Buchweizen oder Urkorn, heute der Viehwirtschaft. Unser höchstes Ziel in dieser Woche: der Monte Esteletta, 2318 Meter über dem Meeresspiegel. Dafür müssen wir immerhin 900 Höhenmeter überwinden. Dafür braucht man nicht nur gute Ausrüstung, sondern auch Kondition! Renato spurt kraftsparend in Serpentinen vor, es geht durch Lärchenwälder, dann über eine Geländestufe auf freie Schneehänge. In unseren Ohren nur das Pochen des eigenen Herzschlages. Endlich erreichen wir den breiten Gipfelgrat mit Blicken ins Valle Unerzio und zum Bric Cassin. Da drüben im Westen liegt Frankreich, im Norden steigt der alles überragende Monviso mit stolzen 3848 Metern in die Höhe. Und im Süden können wir das Meer erahnen … So einen Anblick erlebt man nur in den Cottischen Alpen. Lucia Vogel

REISEDATEN 20. – 27. 1. 2019 Infos zu Reisepreis und Anmeldung BUND-Reisen, ReiseCenter am Stresemannplatz Stresemannplatz 10, 90489 Nürnberg Tel. 09 11/ 5 88 88-20 / Fax -22 www.bund-reisen.de


Foto: Knulps Reisen

Foto: Visitnorway.com

Natur +Umwelt 4 | 18 ›   URLAUB & FREIZEIT ›  Reise 41

Atemberaubend: Spaniens ältester Nationalpark, die Picos de Europa.

BUND-REISEN

DER NATUR GANZ NAH Vor uns liegen die dunkelsten Wochen des Jahres – und damit die beste Zeit, über künftige Urlaubsziele zu sinnieren. Der neue Katalog von BUNDReisen bietet vielfältige Anregungen.

N

atur erleben und verstehen – das ist die Philosophie der BUND-Reisen. Entdecken Sie Europas schönste Landschaften. In kleinen Gruppen mit Gleichgesinnten, und natürlich ganz dicht an der Natur. Mit Bus, Bahn oder auch mal der Fähre steuern wir bezaubernde Ziele an, in nah und fern. Das dauert manchmal etwas länger. Doch der Weg ist ja das Ziel: Schon die Anfahrt bietet viel Schönes zu sehen – und dazu ein gutes Gewissen der Umwelt gegenüber.

IN GUTER BEGLEITUNG Begleitet werden Sie von unseren qualifizierten Reiseführer*innen. Einheimische Naturbegeisterte oder engagierte Fachleute bringen Ihnen die Landschaften und ihre Besonderheiten näher. Sie verraten, wo sich auf leisen Sohlen bestimmte Tiere erspähen lassen, geben Tipps zur Küche der Region und öffnen Ihr Herz für Land und Leute. Bestes Beispiel hierfür ist unsere Reise­ leiterin Natalia Odobescu, die im Februar unsere Winterreise an den Baikalsee begleiten wird. Seit 25 Jahren betreut die gebürtige Moldawierin diese Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn und kennt den See wie ihre Westentasche. Kommen Sie doch mit auf dieses Abenteuer!

Unberührt: der norwegische Nationalpark Jotunheimen.

SCHOTTLAND ODER RHÖN? Doch der Winter begeistert nicht nur in Russland. Deshalb haben wir auch 2019 wieder viele Reisen zur kalten Jahreszeit im Portfolio. Ganz neu ist eine Winterreise zu den schneebedeckten Berggipfeln des Valle Maira im Piemont. Ein weiteres Highlight ist das wilde Herz Schottlands. Erfahren Sie die Schönheiten des Cairn­ gorms-Nationalparks und der Insel Mull. Im September winkt eine Reise an die faszinierende Nordküste Sardiniens. Hier erkunden wir romantische Badebuchten und die duftende Macchia sowie – auf der Hin- und Rückreise – Florenz und Pisa. Doch warum in die Ferne schweifen? Rund ums Jahr warten heimatliche Naturjuwele darauf entdeckt zu werden, etwa bei unserer neuen Reise in die Rhön und zum renaturierten Wildbach Sinn. Auch bei Reisen in die »Fahrtziel Natur«-Regionen (siehe www.fahrtziel-­natur.de) können Sie Deutschlands Naturschätze erleben. Neu dabei sind das Bio­sphä­ren­reservat Südost-Rügen und der hessische Nationalpark Kellerwald-Edersee.

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MEHR ZUM THEMA Wir freuen uns, mit Ihnen in die Natur einzutauchen! Unser Angebot finden Sie unter www.bund-reisen.de, Tel. 09 11/ 5 88 88-20, info@bund-reisen.de


42 Natur +Umwelt 4 | 18 ›  AUS DEM VERBAND ›  Meldungen

AUS DEM VERBAND

Foto: Peter Roggenthin

MARTIN GEILHUFE IST NEUER BN-LANDESBEAUFTRAGTER Durch die Wahl des bisherigen Landesbeauftragten Richard Mergner zum Vorsitzenden war der Posten des Landesbeauftragten frei geworden. Der neue Verantwortliche für die fachliche Arbeit des BUND Naturschutz ist Martin Geilhufe. Der BN bekommt damit einen bestens in den Verband integrierten Landesbeauftragten, denn Martin Geilhufe hat sich bereits ehrenamtlich in der Jugendorganisation des BN (JBN) engagiert und war auch als Vertreter der JBN in den Landesvorstand entsandt. Von 2008 bis 2015 war er Beisitzer im Vorstand, dann wechselte er als Referent für politische Kommunika­ tion des BN ins Hauptamt. Der gebürtige Dresdner, Jahrgang 1984, absolvierte ein Freiwilliges Ökologisches Jahr auf der Hallig Hooge und studierte anschließend Geographie, Germanistik und Philosophie an der Ludwig-Maximi­

NEUE REGIONALREFERENTIN Annemarie Räder ist die neue Regionalreferentin des BUND Naturschutz für München und das nördliche Oberbayern. Sie folgt damit auf Dr. Christine Margraf, die sich als neue stellvertretende Landesbeauftragte auf die fachliche Arbeit konzentrieren wird. Das Engagement für die Umwelt wurde Annemarie Räder quasi in die Wiege gelegt, denn ihre Eltern leiteten die BN-Ortsgruppe Obergünzburg im Allgäu. Sie war in Kinder- und Jugendgruppen des BN, von 2006 bis 2009 im Landesvorstand

der JBN. Nach dem Studium der Umweltwissenschaften in Freiburg kehrte sie als hauptamtliche Mitarbeiterin in den Verband zurück und hatte in der Landesgeschäftsstelle München bereits verschiedene Aufgaben inne. Mit der Übernahme des Regionalreferates ist Annemarie Räder nun ein fester Bestandteil des Teams in München geworden. Derzeit lebt sie in Kaufbeuren. In ihrer Freizeit geht die neue Regionalreferentin gerne in den Allgäuer Alpen wandern.

lians-Universität München. Auch auf Bundesebene ist er für den Umweltschutz ­aktiv: So war er von 2011 bis 2015 Präsidiumsmitglied im Deutschen Naturschutz­ ring und ist seit 2017 Sprecher für inter­ nationale Umweltpolitik des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland, der Bundesverband des BN. »Mit Martin Geilhufe bekommt der BUND Naturschutz einen hochkompetenten neuen Landesbeauftragten«, so der BN-Vorsitzende Richard Mergner. »Der gesamte Landesvorstand gratuliert zur Ernennung und freut sich auf eine gute Zusammenarbeit.« Unterstützt wird der neue Landesbeauftragte künftig durch zwei Stellvertreter: Dr. Kai Frobel in der Landesfachgeschäfts­ stelle Nürnberg und Dr. Christine Margraf in der Landesgeschäftsstelle München.


Natur +Umwelt 4 | 18 ›  AUS DEM VERBAND ›  Meldungen und Editorial 43

EHRUNG FÜR RUTH TIPPE Mit der Bayerischen Staatsmedaille für Verdienste um die Umwelt wurde Dr. Ruth Tippe geehrt. Sie ist stellvertretende Sprecherin des BN-Arbeitskreises Gentechnik und Sprecherin der Initiative »Kein Patent auf Leben!«. Der bayerische Umweltminister Dr. Marcel Huber lobte in seiner Laudatio ihr Engagement gegen Patente auf Pflanzen, Tiere oder Gensequenzen. »Sie stoßen öffentliche Debatten über die Chancen und Risiken der Gentechnik an und initiieren Diskussionen über die Konsequenzen. Dieser wichtige Beitrag zur Bewusstseinsbildung in unserer Gesellschaft verdient höchsten Respekt«, so Umweltminister Huber.

ANONYME SPENDE Da staunte der BN-Mitarbeiter Herbert Marischler aus der Landesgeschäftsstelle in Regensburg nicht schlecht: Eines Morgens fand er im Briefkasten 5000 Euro in bar! Begleitet wurde die Spende von einem freundlichen, anonymen Schreiben. Der BUND Naturschutz möchte auf diesem Weg dem Spender oder der Spenderin versichern, dass der Betrag angekommen ist und sich ganz herzlich für die großzügige Unterstützung bedanken!

dank Ihrer Hilfe ist es in den vergangenen Wochen und Monaten gelungen, die Themen des Natur- und ­Umweltschutzes in die Öffentlichkeit zu bringen. Klima- und Flächenschutz sind für viele Wählerinnen und Wähler wahlentscheidend gewesen. Am Wahltag hat sich gezeigt, dass Bayern einen sozial-ökologischen Aufbruch möchte. Eine Koalition aus CSU und Freien Wählern wird in den kommenden fünf Jahren Bayern regieren. Es ist damit zu rechnen, dass diese schwarz-orange Koalition mehr für die dezentrale Energiewende tun wird. Eine dritte Start- und Landebahn am Münchner Flughafen ist zumindest für diese Legislaturperiode vom Tisch. Doch für die Durchsetzung eines dritten Nationalparks werden wir wohl einen langen Atem brauchen. Der Wahlkampf hat gezeigt, dass es sehr viele Menschen in Bayern gibt, denen die Umwelt am Herzen liegt und die sich eine Neuausrichtung der Politik wünschen. Es weht ein neuer ökologischer Wind durch Bayern, unsere gemeinsame Arbeit für die Bewahrung der Lebensgrundlagen zeigt Wirkung. Fast 20 000 Menschen sind am 6. Oktober nach München gekommen. Sie demonstrierten für Klimaschutz und nachhaltige Mobilität, für eine ökologische, tiergerechte Landwirtschaft und den Erhalt unserer wunderschönen bayerischen Kulturund Naturlandschaften. Über 80 Organisationen waren beteiligt, 25 Landwirte waren mit ihren Traktoren gekommen. Viele BN-Aktive nah-

men an dieser bunten, fantasievollen Demo Teil oder engagierten sich auf andere Weise, um Umweltthemen in den Wahlkampf zu tragen, zum Beispiel durch Podiumsdiskussionen mit Landtagskandidaten aus der Region. Dafür unseren ganz herzlichen Dank! Jetzt heißt es, dran zu bleiben und deutlich zu machen, dass wir weiterhin auf eine bessere Umweltpolitik für Bayern hinarbeiten. Dafür wird der BN noch mehr als bisher auf die Abgeordneten in den Wahlkreisen zugehen und ihr Abstimmungsverhalten transparent machen. Während der Koali­ tionsverhandlungen hat der BUND Naturschutz viele Hintergrundgesprä-

Foto: Roggenthin

Foto: Umweltministerium

LIEBE MITGLIEDER,

che geführt, Pressekonferenzen abgehalten und Aktionen durchgeführt, zum Beispiel die Übergabe der Unterschriften für die CETA-Petition an den FW-Vorsitzenden Hubert Aiwanger (siehe Seite 11). Der BN-Vorstand wird sich in der neuen Legislaturperiode weiterhin konsequent für eine ökologisch ausgerichtete Politik in allen Lebensbereichen einsetzen.

Richard Mergner

Doris Tropper

Sebastian Schönauer

Landesvorsitzender

stv. Vorsitzende

stv. Vorsitzender


44 Natur +Umwelt 4 | 18 ›  AUS DEM VERBAND ›  Meldungen

BEGEISTERUNG FÜR NATUR GEWECKT Die Landesgartenschau 2018 in Würzburg war ein voller Erfolg für den BUND Naturschutz. Dieses zufriedene Fazit zieht die Kreisgruppe Würzburg. Mit den Schwerpunkten »Heimische Schmetterlinge«, »Alte Gemüsesorten« und »Heilpflanzen« lag die Kreisgruppe goldrichtig, wie das rege Besucherinteresse zeigte. Aber auch die anderen Themen wie Wildkatze, Biber, Feldhamster, Wildbienen oder Orchideen fanden große Resonanz. Davon überzeugte sich auch der BN-Landesvorstand bei einem Besuch (siehe Bild). Das umfangreiche Veranstaltungsprogramm mit mehr als 700

Einzelveranstaltungen war mit etwa 9000 Gästen gut besucht. Aber auch die Tipps des Kooperationspartners, der Forschergruppe Klostermedizin, wurden dankbar angenommen. Das Highlight des BN-Beitrages war natürlich die Schmetterlingsvoliere mit heimischen Schmetterlingen, die hervorragend ankam. Die Kreisgruppe Würzburg des BUND Naturschutz möchte sich insbesondere bei den vielen ehrenamtlichen Helfern bedanken, die mit Freude und Engagement ihre Freizeit im Dienste des Naturschutzes einsetzten.

Im Rahmen des diesjährigen Reichswaldfestes in Nürnberg wurde Robert Seuberth mit der Reichswaldmedaille des BN geehrt. Grund dafür ist sein jahrelanger, engagierter Einsatz gegen das Biozid Diflubenzuron. Wie BN-Vorsitzender Richard Mergner in seiner Laudatio schilderte, hat Seuberth einen langen und beschwerlichen Weg hinter sich: Bis 2010 war er Heuschreckenzüchter, doch dann wurde seine Futterwiese von Diflubenzuron kontaminiert, was Hunderttausende seiner Heu­ schrecken verenden ließ und ihn schließlich zur Aufgabe seiner Zucht zwang.

Foto: Toni Mader

Foto: BN

REICHSWALDMEDAILLE FÜR ROBERT SEUBERTH

BN EHRT EVA BULLING-SCHRÖTER öko-­sozialen Gewissen der Stadt. Mit beispielhaftem Engagement habe sie die ­Belange des BN stets uneigennützig unterstützt und das starke Wachstum Ingol-

Foto: KG Ingolstadt

Ihre Mitgliedschaft beim BUND Naturschutz besteht schon genauso viele Jahre, wie es die Kreisgruppe in Ingolstadt gibt: seit 1976. Deshalb wurde Eva Bulling-Schröter, Bundestagsabgeordnete der Linken, im Rahmen der Jahreshauptversammlung in Ingolstadt eine besondere Ehrung für langjährige Mitgliedschaft zuteil. Landesvorsitzender Richard Mergner (links im Bild) und KG-Vorsitzender Michael Würflein (rechts) gratulierten. Richard Mergner lobte Eva Bulling-­ Schröter in seiner Laudatio als eines der

stadts mit den negativen Begleiterscheinungen wie Flächenverbrauch und Luft­­ ver­­ schmutzung kritisch begleitet. Ihre jahrelange Tätigkeit als Schlosserin und ehrenamtliche Betriebsrätin habe ihren Blick geschärft für das immer wieder vorgebrachte Scheinargument Arbeitsplätze kontra Umweltschutz. »Eva Bulling-Schröter hat trotz ihres Bundestagsmandats die Bodenhaftung nie ver­loren und war immer ansprechbar für die Anliegen des BN und hat sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch persönlich mit eingebracht«, so Richard Mergner.


Natur +Umwelt 4 | 18 ›  AUS DEM VERBAND ›  Meldungen 45

GLEICH DREI MAL RUNDER GEBURTSTAG Drei »Urgesteine« des BUND Naturschutz konnten kürzlich einen runden Geburtstag feiern. PETER STRECK

GÜNTER KRELL

Zum 70. Geburtstag von Günter Krell gratulierte BN-Landesvorsitzender Richard Mergner. Der langjährige Vorsitzende der Kreisgruppe Neuburg-Schrobenhausen habe durch seine ruhige, vermittelnde Art und seine kontinuierliche Überzeugungsarbeit viel erreicht, so Mergner. Günter Krell engagiert sich im BN in zahlreichen Ehrenämtern: Kreisgruppenvorsitzender ist er bereits seit 1984; er war Mitglied des Landesvorstandes sowie zehn Jahre lang Sprecher des Arbeitskreises Umweltbildung. Seit 2016 ist Günter Krell Sprecher des Arbeitskreises Wasser. Zudem ist er Mitglied im BN-Beirat. In den Bereichen Umweltbildung und ökologischer Hoch­ wasserschutz hat er eine Menge voran­gebracht. Sein Herzensanliegen ist der Artenschutz. Ob Amphibien, Biber oder Weißstorch: In »seiner« Kreisgruppe konnte Günter Krell hier viel erreichen. Ein großer Wunsch blieb bisher unerfüllt: ein Nationalpark in den Donauauen.

Bei einem Festakt anlässlich des 80. Geburtstages von Peter Streck gratulierten Vorsitzender Richard Mergner und Ehrenvorsitzender Hubert Weiger. Seit sage und schreibe 40 Jahren ist Peter Streck im Vorstand der Kreisgruppe Regensburg aktiv, davon war er 24 Jahre Vorsitzender. Der rührige Peter Streck kann von sich ­sagen, dass letztlich er es war, der 1997 die Landesgeschäftsstelle von München nach Regensburg geholt hat, denn dank seines guten Netzwerks wurde er auf das Haus aufmerksam, das der Verband noch heute gemietet hat. Neben zahlreichen anderen Projekten, zum Beispiel seiner Mitgliedschaft in den Umweltbeiräten der Stadt Regensburg und der Regierung der Oberpfalz, hat er mit der Bewahrung des Donaustaufer Altwassers einen besonders schönen Erfolg für den Naturschutz erzielen können.

HANS KORNPROBST

Hans Kornprobst ist nicht nur im BN, sondern auch in der bayerischen Forst­szene ein Urgestein. Hubert Weiger gratulierte dem langjährigen Sprecher des BN-­ Arbeitskreises Wald zum 80. Geburtstag. Der Forstdirektor im Ruhestand war im bayerischen Forstministerium an der Entwicklung eines modernen Waldgesetzes für Bayern beteiligt. Später leitete er das Gebirgsforst­amt Schliersee. Dort schaffte er den Kahlschlag ab und stellte den Jagdbetrieb komplett um. Als besonderen Verdienst Kornprobsts würdigte Hubert Weiger, dass er das Bürgerwaldforum mit auf den Weg brachte. Im BN war er einer der Beauftragten des Volksbegehrens »Aus Liebe zum Wald«. Besonders am Herzen liegt Hans Kornprobst der Bergwald, für dessen Schutz und Erhalt er viel erreichen konnte. Der BUND Naturschutz gratuliert allen drei Jubilaren ganz herzlich!


46 Natur +Umwelt 4 | 18 ›  AUS DEM VERBAND ›  Umweltbildung

Fotos: Toni Mader

Grund zur Freude: Alle am Bau Beteiligten vor dem neuen Haus

Harmonischer Gesamteindruck: das renovierte Seminargebäude in Wartaweil

EIN HAUS FÜR DIE UMWELTBILDUNG

KLEINOD AUS HOLZ UND GLAS Der BUND Naturschutz eröffnete im Oktober das umfassend renovierte Seminar­ gebäude in Wartaweil. Das Jugend- und Bildungszentrum des BN bietet damit noch mehr Möglich­ keiten. Umwelt­aspekte spielten auch beim Bau eine wichtige Rolle.

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ei strahlendem Sonnenschein konnte der BUND Naturschutz die Wieder­ eröffnung des energetisch und ökologisch sanierten Seminarhauses am Ammersee feiern. Über 100 Gäste freuten sich mit dem Landesvorsitzenden Ri­chard Mergner über die gelungene Sanierung des ehemaligen Fraunhofer-Gebäudes. Unter Beteiligung des BUND-Naturschutz Baubeirates und fachlich begleitet von der BN-Architektin Margit Wellek und dem Juristen Peter Heller entstand nach den Plänen des Büros Herz und umgesetzt von der Firma Baufritz ein lichtdurchflutetes, zum See hin offenes Seminarhaus. Hier finden die Büros der anerkannten Umweltstation Wartaweil sowie der Kreisgruppe Starnberg ebenso Platz wie ein teilbarer Seminarraum und die Veranstaltungshalle für größere Tagungen. Ein Jahr Arbeit und viel Vorbereitung stecken in diesem Großprojekt. Im November 2017 hatte der Umbau mit dem

Umzug des Personals in Bürocontainer begonnen. Es folgten der Abriss des ma­ ro­den oberen Stockwerks und die Sanierung der Betonschale der ehemaligen Bootshalle. Ab dem Frühjahr 2018 wurde ein neues Seminar- und Verwaltungsgeschoss in Holzständerbauweise errichtet. Dieses große Bauvorhaben konnte der BN nicht zuletzt durch eine großzügige Erbschaft finanziell stemmen. Verwendet wurde für den Bau vor allem Lärchenholz, Glas und Edelstahl. Die dreifach verglasten und entspiegelten Fenster zusammen mit der Holzfaser-Dämmung und der Hackschnitzelheizung sorgen dafür, dass der Energieverbrauch des sanierten Hauses fast Passivhauswerte erreicht. Zur Einweihung gratulierte auch der bayerische Umweltminister Marcel Huber mit einer Videobotschaft und wünschte dem neuen Haus und seinem Leiter Axel Schreiner weiterhin viel Erfolg in der Bildungsarbeit. Auch Christian Schiller, dem Herrschinger Bürgermeister, war die Freude über das neue Gebäude anzumerken. Er sieht den Bau als Aufwertung des Bildungsstandortes Herrsching und setzt weiterhin auf eine gute Zusammenarbeit mit Axel Schreiner und dem Wartaweil-Team. Nach dem kirchlichen Segen durch Pastorin Smart und Pater Pius führten die Mitglieder des Baubeirates zusammen mit den Architekten durchs Haus.


Natur +Umwelt 4 | 18 ›  AUS DEM VERBAND ›  Porträt 47

Foto: BN

UNSERE EHRENAMTLICHEN

REBELL AUS DEM ALLGÄU Ist es kühn, von einer Landwirtschaft zu träumen, die gesunde Lebensmittel erzeugt, die Umwelt achtet, aber zugleich rentabel ist? Ernst Wirthensohn ist sicher: Das geht!

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ie Frage hat sich Ernst Wirthensohn in seinem Berufsleben als Agrarberater oft gestellt. An einem Altweibersommertag sitzt der heute 80-Jährige, ein hochgewachsener Mann mit weißem Haar und Schnurrbart, vor seinem Hof bei Buchenberg im Allgäu. Von hier reicht der Blick über die knorrigen Apfelbäume im Garten hinweg über welliges Grünland bis zur blaudunstigen Alpenkette. Auf dem Tisch vor Wirthensohn liegt ein reich bebildertes Buch.

DIE ANTWORT AUF ­DISCOUNT-BIO: »VONHIER« Der Titel lautet: »So schön kann Landwirtschaft sein« (siehe Buchtipp auf Seite 59). Texte und Fotos darin erzählen eine Erfolgsgeschichte und geben Antwort auf obige Frage. Ja, der Traum war kühn, aber realisierbar. »Es ging nicht um Heidiland, sondern darum, Ökolandbau rentabel zu machen mit klaren Basisverträgen und fairen Preisen«, stellt Wirthensohn klar. Sein Blick unter den buschigen Augenbrauen ist fest. Es ging darum, eine Alternative zu schaffen zu »den großen Oschis, die sich auf dem Markt breitmachen«, den Discountern, die aggressiv preisdiktierend in die Bioschiene eingestiegen sind, ihre Ware aber rund um die Welt transportieren lassen. Vor 20 Jahren hatte Wirthensohn mit Hannes Feneberg, dem Leiter eines regionalen, familiengeführten Lebensmittelhandels das »VonHier«-Konzept entwickelt. Biolebensmittel, in einem Umkreis von 100 Kilometern um Kempten produziert, werden unter einem Label vertrieben. Mehr als 600 Bio-Höfe und Verarbeitungsbetriebe produzieren inzwischen für »VonHier« rund 400 Produkte: Fleisch, Milchprodukte, Obst und Öle, Mehle und Getreideprodukte, Eier, Früchte, Säfte und Vieles mehr.

Ernst Wirthensohn (re.) stellt gemeinsam mit Hubert Weiger sein Buch über Landwirtschaft vor.

Dabei war Wirthensohn gar nicht immer so »bio« gewesen. Nach dem Studium der Agrarwissenschaft arbeitete er ab 1966 als Berater und Lehrer an der Kemptener Landwirtschaftsschule, war also Staatsdiener. Doch die Folgen der Wachstumslogik zeichneten sich auch im Allgäu ab. »Kühe standen nicht mehr auf den Weiden, sondern bei Kraftfutter im Stall, viele Höfe starben, mehr und mehr Straßen zerschnitten die Täler – das hat viele hier in Rage gebracht«, erinnert sich Wirthensohn. Er begann, für den Erhalt bäuerlicher Familienbetriebe zu kämpfen, kam in Kontakt mit dem BN, schrieb ein radikales Theaterstück, das er gemeinsam mit der BN-Kreisgruppe Oberallgäu aufführte und das die Bauwut der Kommunalpolitiker aufs Korn nahm. In »Zipfelmüllers Alptraum« wurde auf der Bühne eine Brücke gesprengt. 10 000 Zuschauer kamen, die Aufführungen zu sehen. Wirthensohn ließ sich vom Staatsdienst beurlauben, arbeitete zwei Jahre lang als Leiter eines Agrarprojektes in Tunesien, dann vier Jahre als Bildungsreferent beim BN-Landesverband. »Das war meine produktivste Zeit«, sagt er zurückblickend. Er gründete das »Kulturlandbüro«, um bayernweit als unabhängiger und bald sehr gefragter Berater zum Thema bäuerliche Landwirtschaft, Ökologie und Regionalität zu arbeiten. Auch fürs bayerische Umweltministerium. In dieser Zeit gründete er den Bioring Allgäu und entwickelte das Hindelanger Öko-Modell, bei dem die Kommune Tourismus mit Naturschutz verknüpft. Sein neuer, kühner Traum? Dass das »VonHier-Modell« in anderen Regionen in Deutschland, Europa oder der Welt kopiert wird. »Natürlich kann das funktionieren!« Da ist sich der Agrarexperte sicher und weist auf das Buch vor ihm. »Das hier ist die Anleitung.« Margarete Moulin


Fotos: Helge Bendl (3)

48 Natur +Umwelt 4 | 18 ›  AUS DEM VERBAND ›  Junge Seite

JUNGE SEITE

VOLLE PULLE Eine ziemliche Welle macht die BUND­jugend Bayern mit ihrer neuen Wasserkampagne. Ihr Ziel: Mehr kostenlose Trinkwasserspender in der Stadt, saubere Flüsse und Seen und weniger Plastikmüll im Meer.

Schablone des Münchner Kindls.

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ie leuchtenden Farben und großen verschlungenen Buchstaben sind ein echter Blickfang. Ein knallbuntes Graffiti mit dem Schriftzug »Dirty Water« empfängt die Besucher des Münchner Tollwood-Festivals. Die BUNDjugend in Bayern startet hier mit einem Workshop ihre Kampagne »WASSER:WERT«.

SPRÜHEN, MALEN, DRUCKEN Ein Bild, das zum Nachdenken und zum Handeln anregt: Im Meer schwimmen nur noch ein paar Fische mit Köpfen aus Plastikflaschen. Als seien sie Wellen, die alles verschlingen, erheben sich große Buchstaben aus dem Dunkelblau. Giftgrün erscheint der Schriftzug »Dirty Water«. »So eklig eben wie unser Müll, der überall die Meere verschmutzt«, meint StreetArt-Künstler Jannis Brodylo. Er hilft einem Dutzend Kinder, das vorgezeichnete Graffiti auszumalen und mit Details wie den Fischen zu verzieren. Die Mädchen und Jungen sprühen nicht auf Beton, sondern eine Plastikplane. Denn die kann man ein-

rollen und mitnehmen. Die BUNDjugend will das Motiv für weitere Anlässe nutzen – Kunstaktionen, Demos oder Infostände. Kleine Kinder, denen die Kraft zum Sprayen fehlt, sind anderweitig aktiv. Sie bemalen und bedrucken Taschen, Turnbeutel und Wimpel: Seepferdchen, Fische und Seesterne stehen als Muster zur Auswahl. »Wenn wir Einwegflaschen und anderen Müll nicht besser vermeiden, gibt es in ein paar Jahren wohl mehr Plastik als Tiere im Meer«, erklärt Campaignerin Penelope Kemekenidou den Kindern. Und natürlich deren Eltern, die beim Bedrucken und Bemalen helfen.

WASSER: WERTVOLL Penelope hat auch den Kontakt zu Sebastian Wandl geknüpft. Der Künstler verweist in seiner Reihe »Trash me« auf die Folgen des Plastikmülls für die Ozeane. Was in den von ihm aufgestellten Boxen als Abfall landet, soll bald Teil einer großen Installation werden. Viele Teilnehmer des Workshops drucken sich derweil einen Barcode mit dem Slogan »Was kostet Fairness?« auf den Stoff. Oder ein »Münchner Kindl« – so heißt die Mönchsfigur im Stadtwappen der Landeshauptstadt. Nur zeigt die in der Version der BUNDjugend einen Mann mit Einwegflasche in der Hand – die andere Hand streckt den Mittelfinger raus. Eine Botschaft, die wirklich jeder versteht.


DIE STRASSE ZURÜCKEROBERN Feinstaub und Lärm, Blechlawinen und zugeparkte Radwege? Oder autofreie ­Innenstädte, Fahrradschnellstraßen, ­kostenloser Nahverkehr und Parks statt Parkplätze? Im Rahmen des Projekts »Gutes Leben für alle« bietet die BUND­ jugend u. a. Workshops zum Thema Verkehrswende an. Wir wollen uns über die Zukunft der Fortbewegung austauschen und die politischen Rahmenbedingungen einer u ­ mweltschonenden und sozial gerechten Mobilität näher betrachten. Zum Abschluss werden wir kreative Aktionsideen für eine Verkehrswende entwickeln.

www.bundjugend.de/gutes-leben Der Graffiti-Workshop beim Tollwood-­ Festival ist nur der Auftakt zur neuen Kam­ pagne der BUNDjugend in Bayern. Bei »WASSER:WERT« wird sich in den kommenden Monaten alles darum drehen, die vielfältige Bedeutung der Ressource herauszustellen. Es geht um mehr Trinkwasserbrunnen in München und den Schutz der Gewässerrandstreifen in Bayern, um bundesweit mehr ökologische Landwirtschaft und die Wasserrahmenrichtlinie der EU. Globale Themen wie das Menschenrecht auf Zugang zu Trinkwasser oder die Verschmutzung der Meere mit Mikroplastik sollen ebenfalls ganz deutlich werden.

BRUNNEN FÜR MÜNCHEN »Das Thema Wasser ist schwer zu greifen. Da beißt man sich oft die Zähne aus, um einen Sachverhalt einfach und klar darzustellen«, meint Melanie Albert vom Landesvorstand der BUNDjugend. Einen Ansatzpunkt für künftige Aktionen hat sie schon identifiziert: »Dass München nur einen einzigen öffentlichen Trinkwasserbrunnen hat, ist irre!« 2019 sollen zwar elf weitere ausgewiesen werden. Doch andere Städte haben einen großen Vorsprung: So besitzt Berlin 48 Brunnen und soll im nächsten Jahr 100 neue dazubekommen – um die Flut der Plastikflaschen einzudämmen. Die BUNDjugend will nun Druck

machen, damit sich auch die Stadt München mehr bewegt. An den Unis muss sich ebenfalls was ändern, findet die 27-Jährige. »Wie kann es sein, dass die Mensa nur Flaschenwasser von Konzernen anbietet, die anderswo den Menschen das Wasser abgraben? Trinkwasserspender wären viel besser!« Bald können Gruppen bayernweit mobilmachen – ein Leitfaden für kommunale Aktionen soll dabei helfen. Und wie steht es um den Zustand der bayerischen Gewässer? Auch hier will die BUNDjugend aktiv werden. Sie plant mit Proben im ganzen Land zu dokumentieren, wo multiresistente Keime aus Abwässern oder Nitrat aus der Landwirtschaft in Bächen, Flüssen und Seen landen. Das hätte dann Potenzial für eine große Debatte: »Jeder kann sein Verhalten ändern. Doch für den Schutz der Gewässer braucht es auch politische Lösungen.« Helge Bendl

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MEHR ZUM THEMA Auf www.wasserwert.org informiert die BUNDjugend Bayern über ihre Kampagne, u. a. mit einem Blog. Frei zugängliches Trinkwasser ist auch ein Ziel der Initiative »Refill«. In vielen tausend Läden kann man seine Wasserflasche schon gratis auffüllen: www.refill-deutschland.de

AKTIONEN GEGEN PLASTIKMÜLL In Innenstädten ziehen Müllmonster als »Trash-Mob« lautstark durch Fußgängerzonen und weisen auf die Plastikflut hin. Oder: Gruppen verabreden sich im Supermarkt und starten eine »Plastic Attack«. Dafür treffen sich möglichst viele Menschen zum gemeinsamen Einkauf. Nach dem Bezahlen packen sie die Ware aus und lassen den entstan­denen Müllhaufen im Laden zurück. Wie diese beiden Aktionen gelingen und was du dafür brauchst, kannst du in unserem Blog nachlesen:

blog.bundjugend.de MEHR VON DER BUNDJUGEND:


Fotos: Christian Hesse

50 Natur +Umwelt 4 | 18 ›  AUS DEM VERBAND ›  BN vor Ort aktiv

Reiche Ernte: 2018 war ein gutes Jahr für die BN-Streuobstwiese in Atzelsberg.

EHRENAMT IM BUND NATURSCHUTZ

NATURSCHUTZ IM KARTON Seit 2008 pflegt die BN-Kreisgruppe Erlangen eine 2,5 Hektar große Streuobstwiese. Das große Finale einer arbeitsreichen Saison ist das gemeinsame Apfelernten und Entsaften Ende September. Heidi Tiefenthaler war dieses Jahr dabei.

Ursula Grasse sorgt für Nachschub an der Saftpresse.

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er geht, der auch, der nicht.« Ursula Grasse sitzt in der Hocke vor einem Apfelbaum und erklärt, welches Fallobst für den BN-Apfelsaft taugt und welches nicht. Ein Wurmloch ist ok, Äpfel mit faulen Stellen werden aussortiert. Es ist ein diesiger Freitag im späten September, etwa 14 Uhr. Bisher verlieren sich ein bis zwei Handvoll Helfer auf der Atzels­berger Streuobstwiese – was Ursula Grasse nicht weiter beunruhigt. »Das kommt schon noch. Meistens sind 50 bis 100 Leute zum Helfen da.« Und tatsächlich taucht schon wieder Verstärkung auf: Ein junger Papa mit Zimmermannshose, Schubkarre und zwei Kindern im Schlepp­ tau: »Hallo, ich hab’ gehört, hier kann man mithelfen …?« Neue Runde, neues Glück: Ursula Grasse erklärt geduldig ein weiteres Mal, wie die Äpfel sortiert werden. Braungebrannt, mit Karohemd, abgezippter Trekkinghose und grauem Kurzhaarschnitt, ist die 68-Jährige der Prototyp einer Anpackerin. Hier auf der Streu­ obstwiese hat sie die Hosen an – das sagt ihr Mann Norbert. Sie fährt den Wagen mit dem Hänger, ist die bessere Handwerkerin und ein echtes Organisationstalent. Seit 2014 kümmert sie sich um die Atzelsberger Streuobstwiese. Dort wachsen Kirschen, Birnen, Pflaumen, Walnüsse und vor allem Äpfel – massenhaft Äpfel. Grün, gelb und rot hängen sie


Natur +Umwelt 4 | 18 ›  AUS DEM VERBAND ›  BN vor Ort aktiv 51

Nacht um zehn bis 15 Grad gefallen. Die Grasses sind schon seit sieben Uhr am Start. Vorletztes Jahr hat die mobile Apfelpresse für fast zwei Stunden gestreikt – und das bei einer Rekordernte von 5000 Kilogramm. Eine Aufregung, die den beiden spürbar noch in den Knochen steckt.

APFELDUFT STEIGT AUF

Hauruck! Bei so viel Obst zählt jede Hilfe.

dicht an dicht an den Zweigen. Die ältesten Bäume hier sind mindestens 80 bis 100 Jahre alt, eine stattliche Anzahl davon bereits abgestorben, sodass Insekten, Fledermäuse und Vögel Nist- und Rückzugsplätze finden. Aber auch junges Obst kommt nach: Etwa 100 Bäume hat die Kreisgruppe Erlangen schon nachgepflanzt. Bis zum Nachmittag finden sich immer mehr freiwillige Helfer ein, bunt gemischt: Die Generation 60plus ist kräftig vertreten, aber auch junge Familien, Jugendliche, Frauen und Männer mittleren Alters. Ich hocke unter meinem vierten Baum und sortiere Schulter an Schulter mit Verena (46) Fallobst aus. Unweigerlich kommt man da ins Gespräch. Verena hat im Sportverein erfahren, dass es die BN-Ernteaktion gibt und sich gedacht, so etwas funktioniert ja nur, wenn mehr Leute mithelfen. Also ist sie heute dabei und genießt es ganz offensichtlich: draußen sein, etwas Sinnvolles tun, nette Menschen kennenlernen. Und nicht zu vergessen: regionales Bioobst oder Saft mit nach Hause bringen.

DIE SCHÜTTLER KOMMEN Einen riskanteren Job als ich haben sich Martina (20) und Andreas (21) rausgesucht. Mit kurzen Sporthosen und Turnschuhen tauchen die Geschwister auf der

Wiese auf. Kurze Zeit später sitzen sie in den Baumkronen. Für die Aktiven in Atzelsberg ein vertrauter Anblick. Schon seit vielen Jahren fungieren die beiden als bewährte »Schüttler«. Martina stellt sich breitbeinig hin, greift sich den Wipfel und rüttelt, was das Zeug hält. Äpfel prasseln auf die ausgelegten Planen, und die Fall­ obstsammler gehen in Deckung. Ein älterer Herr schaut respektvoll nach oben: »Da griegt ma ja Angst vor der Frau …«, meint er.

ÄPFELBAD STATT BÄLLEBAD Inzwischen ist es kurz vor drei und es ist schwüler geworden. Windböen treiben Wolkenfahnen über den Himmel und immer wieder wandern die Blicke nach oben. Dass es heute noch regnen wird, ist allen klar. Die Frage ist nur, ob bis dahin alles Obst geschüttelt und aufgesammelt werden kann. Morgen für acht Uhr früh ist die mobile Saftpresse bestellt, dann sollte alles fertig sein. Es wird weniger geplaudert, die Abläufe haben sich eingespielt. Zwischen vier und fünf Uhr fallen schließlich die ersten Regentropfen. Zum Glück ist die Ernte schon zu einem stattlichen Berg angewachsen, in den sich einige Kinder genussvoll eingraben – Äpfelbad statt Bällebad. 9 Uhr am nächsten Morgen: Es ist trocken, aber die Temperaturen sind über

Die mobile Apfelpresse ist eine Art imposante Hexenküche mit Rohren, Förderbändern, großen Edelstahlbehältern und Schläuchen – komplett untergebracht auf einem großen Lkw-Anhänger. Mit ohrenbetäubendem Lärm fängt die Presse an zu laufen. Es rumpelt, das Förderband schaufelt Äpfel nach oben, es knirscht und mahlt im Inneren der Maschine. Bei den Edelstahlbehältern fängt es an zu dampfen, warmer Apfelduft erfüllt die Luft. Um 9.31 Uhr gurgelt der erste Apfelsaft in einen Fünf-Liter-Schlauch. Fast 80 Grad heiß, nehmen ihn die Helfer mit Handschuhen bewehrt entgegen und bringen ihn im Laufschritt zum Abkühlen auf eine ausgebreitete Plastikplane. Jetzt muss es schnell gehen – Liter um Liter spuckt die Maschine im Sekundentakt aus. Am Ernteberg kommt Hektik auf. Erwachsene und Kinder knien in den Äpfeln, schaufeln Nachschub in Körbe und Wannen, um die Maschine zu füttern. An der improvisierten Verkaufsstelle treffen Norbert Grasse und sein Team die letzten Vorbereitungen: Kartons falten, Kasse bestücken, Preisschilder aushängen. Wupp, ein Beutel wandert in den Faltkarton – der erste BN-Apfelsaft, Ernte 2018, ist fertig zum Verkauf. Für Ursula Grasse nur der erste schöne Moment eines langen Arbeitstages. Als ich mich um 10 Uhr verabschiede, winkt sie mir kurz mit beiden Armen zu und ist schon wieder hinter der Presse verschwunden. Um 17 Uhr abends werden es 2700 Liter Saft sein, die die Ehrenamtlichen Handgriff für Handgriff selbst erzeugt haben – sozusagen Naturschutz im Karton. Das Produkt einer bewahrten Kulturlandschaft, das Menschen zusammen- und ihren Lebensgrundlagen wieder ein Stückchen näherbringt.


52 Natur +Umwelt 4 | 18 ›  AUS DEM VERBAND ›  Unterfranken

NATURNOTIZEN AUS UNTERFRANKEN

Foto: Hans Schneider

BIODIVERSITÄTSPREIS: Das Gym-

Hotel auf Stelzen? BN-Aktive zeigen, wie hoch der Bau im Überschwemmungsgebiet des Mains »aufgebockt« werden sollte.

KREISGRUPPE KITZINGEN

LANDSCHAFTSSCHUTZ STATT EIGENNUTZ

nasium des Steigerwald-Landschulheims Wiesentheid hat im Juli den Sonderpreis des Bayerischen Biodiversitätspreises erhalten. Die Auszeichnung wird vom Bayerischen Naturschutzfonds vergeben. In Kooperation mit dem örtlichen BN hatten Schüler über etliche Jahre hinweg den ­benachbarten Werdsee samt angrenzendem Auwald als Amphibienbiotop gestaltet und vor der drohenden Verfüllung gerettet. Er kann jetzt auch als Schulbiotop und als »grüner Lernort« genutzt werden. ERÖFFNUNG: Mitte Juli feierte die BN-­ Kreisgruppe Rhön-Grabfeld in Bad Neustadt die Eröffnung ihrer ersten eigenen Geschäftsstelle. Der BN hat ­damit eine Informationszentrale in der Innenstadt, die am Montag- und Mittwochvormittag besetzt ist und den Bürgern offen steht.

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ufatmen in Unterfranken: Die fragwürdige, vom Volkacher Stadtrat aber einstimmig befürwortete Planung für ein Budget-Design-Hotel ist beim Bürgerentscheid im Juli mit Pauken und Trompeten durchgefallen. Bei über 57 Prozent Wahlbeteiligung konnte das Bündnis aus BUND Naturschutz, den Grünen und dem Verein Landschaftsschutz Mainschleife (Lama) fast 80 Prozent der abgegebenen Stimmen für sich verbuchen. Die Bürger Volkachs haben damit verhindert, dass die Kulturlandschaft vor den Toren ihrer Heimatstadt zur bloßen Tourismuskulisse degradiert wird. Ihnen ist es auch zu verdanken, dass der im Überschwemmungsbereich des Mains geplante Baukomplex nicht zu einem landesweiten Präzedenzfall wird. Viele Volkacher Bewohner hätten mit dem Bau nicht nur ein wichtiges Naherho-

lungsgebiet eingebüßt. Auch das Umfeld Volkachs wäre durch den über elf Meter hohen und fast 100 Meter langen Baukomplex optisch massiv entwertet worden (siehe N+U 1-2018). Damit hätte die Region auch erheblich an Attraktivität für den sanften Tourismus verloren. Der BN appelliert an den Volkacher Stadtrat, die schon seit 1984 in der bayerischen Verfassung verankerte Verpflichtung zum Boden-, Natur- und Landschaftsschutz wie auch zur Schonung und Erhaltung kennzeichnender Orts- und Landschaftsbilder endlich ernst zu nehmen. Die Sicherung einer hohen Wohn-, Freizeit und Lebensqualität in ihrer Heimatstadt auch für künftige Generationen muss Vorrang erhalten gegenüber kurzsichtigen Renditeinteressen einzelner Investoren! Helmut Schultheiß (ht)

Foto: Conni Schlosser

Erfolg für den BN: Das in der Volkacher Mainschleife von einem Privatinvestor geplante Hotel ist vom Tisch.

ANREGUNG: Im Mai hat die Kreisgruppe Main-Spessart zusammen mit der Stadt Marktheidenfeld das Projekt Lebendige Gärten gestartet. Mit Gehölzpflanzungen, der Ansaat von Blühstreifen (siehe Bild), Totholz und Trockenmauern wurden wertvolle Lebensräume geschaffen. So entstand ein blühendes Eingangstor zur Stadt – als Anregung für Gartenbesitzer und als Beitrag zum Klimaschutz und gegen das Artensterben.

IHR ANSPRECHPARTNER Unterfranken: Helmut Schultheiß Tel. 0 91 23 /9 99 57-13 helmut.schultheiss@ bund-naturschutz.de


Natur +Umwelt 4 | 18 ›  AUS DEM VERBAND ›  Oberfranken 53

NATURNOTIZEN AUS OBERFRANKEN

Foto: Julia Ertel

GESCHAFFT: Am 18. November fand

Wolfgang Degelmann vom BN Hof füllt die Aufzuchttanks mit Wasser.

KREISGRUPPE HOF

in Bamberg ein Bürgerentschied für den Erhalt des Hauptsmoorwaldes statt. Das Ergebnis lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor. Die Bürgerinitiative hatte mit dem BN Bamberg und unterstützt von rund 130 Vereinen und Gewerbetreibenden über 13 000 Unterschriften für ein Bürgerbegehren gesammelt (Übergabe: siehe Bild). Damit war die Hürde von 3700 Unterzeichnern weit übertroffen. Mit dem Entscheid soll ein etwa 100 Hektar großes Gewerbegebiet im Bamberger Osten verhindert werden, für das rund 60 Hektar der grünen Lunge Bambergs weichen müssten.

Der Verband wird Zehntausende Jungmuscheln an der bayerisch-tschechischen Grenze heran­ ziehen, um die Art vor dem Aussterben zu retten.

I

n einer Aufzuchtstation soll der Nachwuchs aus verschiedenen Bächen so lange bleiben, bis er mit sehr guten Überlebenschancen wieder »ausgewildert« werden kann. Bisher sterben viele Jungmuscheln, weil Gewässer nicht mehr naturnah sind. Seit Beginn des Jahres baut der BUND Naturschutz eine alte Mühle an der Südlichen Regnitz um. Hier sollen die Jungmuscheln bis zu einem Alter von etwa fünf Jahren und einer Größe von zwei bis drei Zentimetern heranwachsen, um den Fortbestand der überalterten Populationen in den vier bis fünf bedeutendsten Muschelbächen Deutschlands zu sichern. Die Bachsysteme im Dreiländereck Bay­ern-Sachsen-Tschechien (Landkreis Hof) gehören zu den wenigen Gebieten Mitteleuropas, in denen noch größere Restbestände der Flussperlmuschel vorkommen. Die Zahl der Tiere nimmt jedoch

auch dort stark ab. Daher besteht dringender Handlungsbedarf: Weitere Sedimenteinträge aus der Landwirtschaft und bachnahen, unbefestigten Wegen müssen vermieden und die Wasserqualität verbessert werden. Bis diese Maßnahmen greifen, müssen die Muschelbestände durch halbnatürliche Aufzucht gestützt werden, um in den nächsten zehn bis 20 Jahren eine Überalterung oder ein Aussterben zu verhindern. Der BN realisiert das Aufzuchtprojekt gemeinsam mit der Agentur für Naturschutz und Landschaftspflege in Karlsbad als grenzüberschreitendes Interreg-­ Projekt mit finanzieller Unterstützung des Bayerischen Naturschutzfonds. Wolfgang Degelmann (ht)

Foto: Bernd Zwönitzer

BN ZÜCHTET FLUSSPERLMUSCHELN

VERTAGT: Der bayerische Verwaltungsgerichtshof (VGH) hat die Entscheidung über die Klage des BN gegen die überzogenen Bauvorhaben an der B 173 und der B 303 bei Johannisthal verschoben. Ein großer Erfolg für den BN, der auf eine Vernunftlösung hofft. Im Juni 2016 hatte der BN gegen den Plan­feststellungsbeschluss zum vierspurigen Neubau der B 173 zwischen Johannisthal und Küps und den dreispurigen Neubau der B 303 geklagt. Begründet wurde dies mit schweren Eingriffen ins Überschwemmungsgebiet der Rodach und mangelhaftem Variantenvergleich. Letzteres kritisierte auch der VGH und verlangte weitere Stellungnahmen von beiden Seiten.

IHR ANSPRECHPARTNER Oberfranken: Tom Konopka Tel. 09 11/ 8 18 78-24 tom.konopka@bund-naturschutz.de


54 Natur +Umwelt 4 | 18 ›  AUS DEM VERBAND ›  Niederbayern

NATURNOTIZEN AUS NIEDERBAYERN FRIST VERLÄNGERT: Zwischen Got-

Foto: Helmut Preisinger

teszell und Viechtach darf die Waldbahn nochmals für drei Jahre im Probebetrieb fahren, bis September 2021. Die Strecke entlang des Schwarzen Regens verzeichnet zwar stetig steigende Fahrgastzahlen, doch 1000 Fahrgäste pro Kilometer Strecke – das Kriterium für einen Dauerbetrieb – sind noch nicht erreicht. Urlauber im Bayerischen Wald können zum dauerhaften Erhalt der Strecke beitragen, indem sie die Bahn kostenfrei mit der »GUTi-­Gästekarte« nutzen. Arnika und Margeriten auf den Natura-2000-Weiden in Bischofsreut

PREISWÜRDIGES ENGAGEMENT FÜR DIE NATUR Beim ersten Niederbayerischen Naturschutztag wurde die Gemeinde Haidmühle als Natura-­ 2000-Gemeinde ausgezeichnet, als erste Kommune Niederbayerns und zweite in Bayern.

D

ie Gemeinde, bereits 2015 vom BN als Modellgemeinde am Grünen Band Europas gewürdigt, erhielt die ­Anerkennung für ihren Einsatz im BayernNetzNatur-Projekt »Bischofsreuter Waldhufen«. In der artenreichen Kulturlandschaft leben derzeit 230 Tier- und Pflanzenarten, die nach der Roten Liste als gefährdet gelten. Regierungspräsident Rainer Haselbeck überreichte der Haidmühler Bürgermeisterin Margot Fenzl die Auszeichnung und würdigte das große Engagement der Gemeinde. Haidmühle ist die erste Kommune in Niederbayern und die zweite in ganz Bayern, die diese Auszeichnung erhält.

Vor über 20 Jahren hatten der BN und der LBV die Trägerschaft für das Projekt übernommen. Durch die gute Zusam­ men­arbeit zwischen der BN-Kreisgruppe Freyung-Grafenau um Karel Kleijn, der Gemeinde Haidmühle und den ansässigen Landwirten entwickelte es sich auf hervorragende Weise: 56 Prozent des Offenlandes im Gemeindegebiet gehören heute dem europäischen Schutzgebietsnetz Na­tura 2000 an, und Landwirte, die naturverträglich wirtschaften wollen, haben dadurch eine Zukunftsperspektive. Der BN gratuliert der Gemeinde Haidmühle zum neuen Titel als Natura-2000-Gemeinde! Kathy Mühlebach-Sturm (as)

Foto: BN

KREISGRUPPE FREYUNG-GRAFENAU

ACKERWILDKRAUT: Heute gilt mehr als ein Drittel der Ackerwildkraut-Arten als gefährdet, einige sind schon ausgestorben. Mit dem Projekt Ackerwildkrautwettbewerb, das vom BUND Naturschutz, der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, dem Deutschen Verband für Landschaftspflege und den Bio-Anbauverbänden gemeinsam vorangetrieben wird, soll das Thema in die Öffentlichkeit getragen werden. In diesem Jahr fand der Wettbewerb in Niederbayern statt. Sieger für ökologischen Landbau wurde der Betrieb von Simon Aunkofer aus dem Landkreis Kelheim.

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MEHR ZUM THEMA www.bund-naturschutz.de/landwirtschaft/ackerwildkraeuter.html

IHRE ANSPRECHPARTNERIN Niederbayern: Julika Selinger Tel. 0 89 /54 83 01 12 julika.selinger@bund-naturschutz.de


Natur +Umwelt 4 | 18 ›  AUS DEM VERBAND ›  Oberbayern 55

NATURNOTIZEN AUS OBERBAYERN sche Verwaltungsgerichtshof im Eilverfahren der Beschwerde des BN gegen die Inbetriebnahme der Hähnchenmastanlage in Eschelbach stattgegeben. Die BN-­ Klage gegen den Bau der riesigen Anlage mit 144 000 Mastplätzen im Landkreis Pfaffenhofen läuft seit 2017. Das Gericht folgte damit vom BN vorgebrachten Zweifeln an der landwirtschaftlichen Privilegierung des Vorhabens. Die trotz laufender Klage beinahe fertiggestellte Anlage darf vorerst nun nicht in Betrieb gehen. Der BN hofft auch auf einen Erfolg im Hauptsacheverfahren. Andreas Zahn vom BN überreicht Umweltminister Marcel Huber (re.) ein farbenfrohes Projekt-Shirt.

KREISGRUPPE MÜHLDORF

VON BÜFFELN UND UNKEN Den mit 3500 Euro dotierten zweiten Platz des Bayerischen Biodiversitätspreises gewann die Kreisgruppe Mühldorf Ende Juli 2018 mit ihrem Beweidungsprojekt.

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uf dem zehn Hektar großen Gebiet bei Jettenbach weiden seit 2011 Wasserbüffel, die als »Biobagger« die Verlandung der angelegten Tümpel verhindern und diese für gefährdete Amphibien wie die Gelbbauchunke erhalten. Zusammen mit Rindern und Ziegen halten die Büffel zudem die Flächen offen. Durch die Beweidung ist in den vergangenen 20 Jahren ein vielfältiger Lebensraum für seltene Arten entstanden. Neben dem Jettenbacher Tal betreibt die BN-Kreisgruppe mit der Kiesgrube bei Heldenstein ein weiteres Projekt, das ebenfalls Beweidung und Amphibienschutz verknüpft. Bei der Feier zum

20-jährigen Bestehen Anfang Juli war auch Bayerns Umweltminister Marcel Huber zugegen – und ließ sich von der Kreisgruppe bereitwillig zum Unkenbotschafter ernennen (siehe Bild). Die Grube steht heute unter Naturschutz und ist Teil eines FFH-Schutzgebietes; Galloway-Rinder und Ziegen halten die Landschaft offen. Mit Mitteln aus dem Projekt »Allen Unkenrufen zum Trotz«, Teil des Bundesprogramms Biologische Vielfalt, wurden 2017 auch dort Tümpel angelegt, um die Bestände der Gelbbauchunke langfristig zu erhöhen (siehe auch Beitrag auf Seite 32/33). Agnes Grasberger (as)

GRÜNE ENGEL: Gleich 14 oberbayerische BN-Aktive erhielten zwischen Januar und Juli diese Auszeichnung des Bayerischen Umweltministeriums für ihr herausragendes ehrenamtliches Engagement im Naturschutz. Stellvertretend genannt seien die Landesvorstandsmitglieder Max Walleitner (Kreisgruppe München) und Beate Rutkowski (Traunstein), sowie der Biotoppflegemanager und stellvertretende Vorsitzende der Kreisgruppe Dachau, Heinz Gibowksy, und die seit Jahrzehnten im Amphibienschutz in der Kreisgruppe Starnberg engagierte Dagmar Hoppe (siehe Bilder). Fotos: Bayerisches Umweltministerium

Foto: Robert Attenhauser

GESTOPPT: Im August hat der Bayeri-

IHRE ANSPRECHPARTNER Oberbayern: Annemarie Räder Tel. 0 89/54 82 98-89 annemarie.raeder@bund-naturschutz.de Agnes Grasberger Tel. 0 89/54 82 98-88 agnes.grasberger@bund-naturschutz.de


56 Natur +Umwelt 4 | 18 ›  AUS DEM VERBAND ›  Oberpfalz

NATURNOTIZEN AUS DER OBERPFALZ bedrohten Naturwald am Teichelberg im Landkreis Tirschenreuth besteht Hoffnung. Im August wurde bekannt, dass die Bayerischen Staatsforsten als Waldeigentümer den entsprechenden Pachtvertrag zum Jahresende gekündigt haben. Bei regelmäßigen Führungen (siehe Bild) durch das Naturwaldreservat hatte die BN-Kreisgruppe immer wieder dessen hohen Wert für den Naturschutz verdeutlicht. Der »Regensburger Umweltchor« gab vor dem Alten Rathaus ein Hustkonzert zum Besten.

Foto: Reinhard Scheuerlein

Foto: Karl Bierl

HOFFNUNG: Für den vom Basaltabbau

KREISGRUPPE REGENSBURG

HUSTKONZERT VOR DEM RATHAUS Der BN setzt sich mit kreativen Aktionen für ein umweltfreundliches Verkehrskonzept und bessere Atemluft in Regensburg ein.

S

o protestierte etwa der »Regensburger Umweltchor« mit einem lautstarken Hustkonzert vor dem Alten Rathaus gegen die gesundheitsschädlichen Folgen von zu viel Feinstaub und Stickoxiden (siehe Bild). An dieser Aktion der »Initiative für bessere Luft« beteiligten sich BN-Aktive wie der Kreisvorsitzende Raimund Schoberer, der bei dieser Gelegenheit mehr städtisches Engagement zur Luftreinhaltung forderte. Weiter unterstützte der BN dieses Jahr die Aktion »Wir nehmen Platz«, bei der ­Aktive den als Parkplatz genutzten Alten Kornmarkt mit vielerlei Aktivitäten »besetzten«. Gleichzeitig forderten sie die Stadt auf, dort dauerhaft mehr Aufenthaltsqualität zu schaffen. Und auch an der von der Aktionsplattform Verkehrswende initiierten Regensburger Radldemo für bessere Radwege beteiligte sich

die BN-Kreisgruppe. Für eine grobe Einordnung der Luftbelastung sorgte der Verband mittels Messröhrchen: So ermittelte die Kreisgruppe, dass die Stick­oxidwerte an einer vielbefahrenen Straße nahe am geltenden Grenzwert liegen. Deshalb fordert die Kreisgruppe Regensburg die Errichtung einer zusätzlichen Luft­ mess­ station an einem verkehrsreichen Standort im Stadtgebiet. Sammelbecken der verschiedenen Regensburger Initiativen ist die »Aktionsplattform Verkehrswende«. Darin setzt sich auch die BN-Kreisgruppe für eine Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs und die Förderung des Rad- und Fußverkehrs ein. Die Verbesserung der oftmals schadstoffbelasteten Stadtluft ist den Aktiven dabei ein besonderes Anliegen. Reinhard Scheuerlein

BESICHTIGUNG: »Biber sind unsere Ver­ bündeten gegen das Artensterben, weil sie an Gewässern neuen Lebensraum für viele Pflanzen- und Tierarten schaffen«, so BN-Vorsitzender Richard Mergner Anfang August beim Besuch in einem mustergültigen Biberrevier an der Haidenaab im Landkreis Neustadt a.d. Waldnaab. Zusammen mit örtlichen LBV-­ Vertretern forderte er mehr staatliche Förderung für Biberlebensräume.

LÜCKENSCHLUSS: Bei der Auftaktveranstaltung zur Machbarkeitsstudie »Grünes Band Oberpfalz-Tschechien« Anfang Mai im Landkreis Schwandorf stand die grenzüberschreitende Regionalentwicklung im Mittelpunkt. BN-Vorsitzender Richard Mergner betonte, dass es auch darum gehen müsse, entstandene Lücken im Biotopverbund zu schließen.

IHR ANSPRECHPARTNER Oberpfalz: Reinhard Scheuerlein Tel. 09 11/ 8 18 78-28 reinhard.scheuerlein@ bund-naturschutz.de


Natur +Umwelt 4 | 18 ›  AUS DEM VERBAND ›  Schwaben 57

NATURNOTIZEN AUS SCHWABEN

Foto: Isolde Miller

FALTERVIELFALT:

Der Schluchtwald in der Rohrachschlucht im Westallgäu bleibt naturbelassen.

Mehr als 330 Schmetterlingsarten dokumentierten die Naturfotografen Ulrike und Achim Buhani im Günztal, darunter gefährdete Arten wie der Blauschillernde Feuerfalter oder der Randring-Perlmuttfalter. Die schönsten Fotos sind in der Ausstellung »Schmetterlinge im Günztal« des BUND Naturschutz Ostallgäu und der Stiftung Kulturlandschaft Günztal zu sehen, die nach der ­Eröffnung im Juli noch bis 2019 an mehreren Orten gezeigt wird. Viele Aufnahmen stammen von den Pflegeflächen des BN in Obergünzburg, wo die Falter von der Pflanzenvielfalt der extensiv genutzten Wiesen profitieren.

KREISGRUPPE LINDAU

Seit September ist der BN-eigene Wald in der Rohrachschlucht als Naturwaldreservat geschützt. Die elf Hektar Fläche können sich jetzt ohne menschlichen Eingriff entwickeln.

D

er Einweihung des 165. Naturwalds in Bayern ging ein dreijähriger Einsatz voraus: Unterstützt von Forst- und Naturschutzbehörden hatte die Kreisgruppe Lindau seit 2015 an der Ausweisung gearbeitet. Die jetzt geschützten Flächen im 177 Hektar großen Naturschutzgebiet Rohr­ ach­schlucht hatte der BUND Naturschutz in den 70er Jahren angekauft. Schon heute leben über 100 wertvolle Tier-, Pilz- und Pflanzenarten in dem wenig bewirtschafteten Schluchtwald. Durch den Verzicht auf wirtschaftliche Nutzung kann er sich nun zum naturbelassenen Urwald weiterentwickeln, der mit seinem hohen Anteil an Totholz auch anspruchs-

volle, seltene und gefährdete Waldarten erhält. Die Kreisgruppe ist stolz auf das erste Naturwaldreservat in einem schwäbischen Privatwald. Doch in ganz Schwaben sind nur 0,25 Prozent der Waldfläche geschützte Naturwälder; bayernweit sind drei Prozent der Wälder so geschützt. Mit seinem Konzept für einen Naturwaldverbund appelliert der BN nun an die Forstbehörden, mehr solcher Schutzgebiete zu etablieren und sie besser zu vernetzen. Thomas Frey (as)

Foto: Simone Kern

NATURWALD IM WESTALLGÄU

BLÜHBOTSCHAFTER: Den gleichnamigen Lehrgang, den das BN-Naturerlebniszentrum Allgäu 2018 zum zweiten Mal anbot, schlossen im Juli 30 Teilnehmer ab. Sie setzen sich nun ehrenamtlich für insektenfreundliche Blühflächen ein, unter anderem an Allgäuer Schulen. Gefördert wurde das Projekt mit Mitteln der Europäischen Union.

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ANMELDUNG Für den Kurs 2019 können sich Interessenten bereits anmelden: www.nez-allgaeu.de

IHR ANSPRECHPARTNER

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MEHR ZUM THEMA www.bund-naturschutz.de/wald/­ naturwaldverbundsystem.html

Schwaben: Thomas Frey Tel. 0 89 / 54 82 98-64 thomas.frey@bund-naturschutz.de


58 Natur +Umwelt 4 | 18 ›  AUS DEM VERBAND ›  Mittelfranken

NATURNOTIZEN AUS MITTELFRANKEN

Als Dank für die Unterstützung an den BN überreicht: Metallkunstwerk von Landwirt Jürgen Kaspar aus Vincenzenbronn

KREISGRUPPE FÜRTH-LAND

AUS FÜR ORTSUMFAHRUNG Die geplante Umgehungsstraße Vincenzenbronn durch das idyllische Biberttal ist vom Tisch. Seit Anfang 2015 stand sie im Raum.

D

ie Planung wurde nun verworfen: Im Juni musste das Straßenbauamt Nürnberg erklären, dass das gehäufte Vorkommen von Zauneidechsen, die weder umgesiedelt noch vergrämt werden können, und die Häufigkeit und Vielfalt der Fledermausarten im unmittelbaren Einzugsbereich der geplanten Ortsumfahrung eine Realisierung nicht zuließen. Fast elf Millionen Euro hätte die Umgehungsstraße gekostet, zehn Hektar Land verbraucht, den Erholungsraum verlärmt und das immer wiederkehrende Hochwasser verstärkt. Gegenüber einem Ausbau der bestehenden Ortsdurchfahrt hätte sie nur drei Sekunden Zeitersparnis erbracht. Auch eine Nordvariante wird es aus umwelt- und naturschutzrechtlichen Gründen sowie erhöhten Kosten nicht geben.

Das Aus für die Umgehungsstraße ist ein riesiger Erfolg für die Bürgerinitiative »Lebensraum Bibertgrund« unter Führung von Fritz Krehn und Andreas Zill sowie der Ortsgruppe Großhabersdorf mit der Vorsitzenden Marlene Herrmann und vielen anderen aktiven Mitstreitern. Zu diesem Durchbruch hatten nicht nur Kundgebungen und Feste beigetragen, sondern auch Vortragsveranstaltungen, gelungene Broschüren, Schautafeln am Talrand, Transparente an Gartenzäunen, Exkursionen und Kunstwerke. Es waren vor allem Kartierungen und hervorragende Belegfotos des örtlichen Tierarztes Guy Spaulding, die letztendlich zur Ablehnung der Planung aus naturschutzrechtlichen Gründen führten. Tom Konopka/Guy Spaulding (ht)

Veranstaltung »E-Mobilität ganz praktisch« des BUND Naturschutz in Neustadt/Aisch. Zahlreiche Besucher wollten sich über Autos mit elektrischem Antrieb informieren und eine Probefahrt machen. Bis zu 16 E-Fahrzeuge wurden von ihren Besitzern vorgestellt. Ein lebhafter Austausch über die Erfahrungen im Fahralltag mit den verschiedenen Autos entstand. Interessierte konnten ihre Ansprüche an ihr zukünftiges Fahrzeug prüfen und die Wagen auch gleich praktisch testen. Als nächstes wird die Kreisgruppe Neustadt/Aisch-Bad Windsheim in Zusammenarbeit mit der Kreisentwicklung am Landratsamt einen E-Mobil-Gesprächskreis anbieten.

SCHWALBENAKTION: Seit 2013 befasst sich die Ortsgruppe Burgthann mit den Schwalben. In den vergangenen Jahren wurden mit Freiwilligen die besetzten Nester in allen Ortsteilen kartiert. Ein Schwalbenhaus (siehe Bild) soll Ersatz bieten für eine früher offene Lehmfläche. Ein Schreiner baute das Schwalbenhaus zusammen, die Gemeinde half bei der Finanzierung und dem Aufstellen im Herbst 2017. Mit Lockrufen wurden die Schwalben auf die Nistgelegenheit aufmerksam gemacht. Leider muss die Nisthilfe noch einmal umziehen, da der Kindergarten anbaut. Ab 2019 befindet sich das Schwalbenhaus im Schwarzachtal.

Foto: Bernd Rehberg

Foto: Sabine Lindner

AUSTAUSCH: Großen Anklang fand die

IHR ANSPRECHPARTNER Mittelfranken: Tom Konopka Tel. 09 11/ 8 18 78-24 tom.konopka@bund-naturschutz.de


Natur +Umwelt 4 | 18 ›  SERVICE ›  Buchtipps und Reisen 59

So schön kann Landwirtschaft sein

VonHier – ein Allgäuer Modell für die Regionen Europas

SO SCHÖN KANN LANDWIRTSCHAFT SEIN Ernst Wirthensohn Brack Verlag, 19,90 Euro

WAA WACKERSDORF – VOR UND HINTER DEM ZAUN Eine Fotodokumentation von ­Gerhard Götz, Bildband mit über 500 Fotografien, einem einleitenden Text zur Geschichte der WAA, Landkarte, Glossar, Bild­unterschriften und historischen ­Zeitungszitaten Anne Madlene Schleicher (Hrsg.) Verlag Büro Wilhelm, 29,90 Euro

Für eine neue Landwirtschaft Es ist ein Mutmacherbuch: Der Agrarexperte Ernst Wirthensohn stellt in »So schön kann Land­ wirtschaft sein« das von ihm ent­wickelte »VonHier«-­Modell vor. Die teilnehmenden Allgäuer ­Unternehmen erzeugen regionale Produkte in Bioqualität. Aus den Anfängen vor 20 Jahren ist ein ­Erfolgsmodell für eine bessere Landwirtschaft entstanden. Der reich bebilderte Band enthält 19 Porträts der inzwischen über 600 Unternehmen im VonHier-­ Modell, von Mutterkuhhaltung über Saft aus Streuobst bis hin zur Nudelproduktion aus Urdinkel. Die Porträts sind für Landwirte und Laien gleichermaßen interessant zu l­esen. Sie bleiben ganz nah an den Menschen und zeigen, warum sich die Bäuerinnen und Bauern auf diesen Weg gemacht haben – und wie viel Er­ füllung sie in ihrer Arbeit finden. Der Buchkauf lohnt sich allein schon wegen der vielen, wunderschönen Fotos. (Siehe auch das Porträt des Autors auf Seite 47)

Neuer Bildband zur WAA Wer durch den Kinofilm »Wa­ ckersdorf« wieder an die WAAZeit erinnert wurde oder mehr ­darüber wissen möchte, weil er oder sie nicht selbst dabei war, für den ist der neue Bildband mit über 500 Fotos genau das Rich­ tige. Das Besondere an diesem Buch: Der Fotograf Gerhard Götz fotografierte als nebenberuflicher Fotojournalist zum einen außerhalb des Bauzauns die Demonstrationen, beginnend bei den friedlichen Anfängen, über das große Anti-WAAhnnsinsfestival in Burg­ lengenfeld, bis hin zu den Ausschreitungen. Zum anderen kam er dank seiner hauptberuflichen Tätigkeit als BGS-Beamter auch auf die andere Seite des Zaunes, wo er Polizeikontrollen, und den Baufortschritt bis hin zum Abriss der Zaunanlage festhalten konnte. So entstand eine umfassende Dokumentation der Ereignisse.

BN-STUDIENREISEN

Foto: Ahoj Tours

BUCHTIPPS

SCHNEESCHUHWANDERN IM BÖHMERWALD 19. – 26. Januar 2019 Mit kompetenten und engagierten Guides aus dem Böhmerwald erkunden die Wanderer auf Schnee­ schuhen die waldreiche ­Winterlandschaft des Natio-

WILDNIS DER KARPATEN 16. – 23. Februar 2019 und 23. Februar – 2. März 2019 Die Mala Fatra (Kleine Fatra) ist ein Mittelgebirge im Nordwesten der Slowakei – hier findet sich noch »echte Wildnis«. Mit Schneeschuhen wandern die Teilnehmer

NATURPARK SÜDSCHWARZWALD 2. – 8. März 2019 Diese Reise führt in den ­Naturpark Südschwarzwald. Der Südschwarzwald ist eine der schönsten und meist besuchten Erholungsregionen Deutschlands:

nalparks Šumava im Böhmerwald. Auf beschauliche Art gewinnt man hier Einblick in eine landschaftlich und kulturell faszinierende Region. »Kanada vor der Haustür« haben ehemalige Teilnehmer der Reise die Landschaft des Böhmer­ waldes einmal genannt.

durch die verschneite Wildnis der Slowakischen Karpaten auf der Suche nach frischen Spuren. Das spannende Geschehen in der Natur, das Verhalten des Wildes und der ständige Kampf ums Überleben lassen sich im Schnee wie in einem Buch ablesen.

­ erge bis fast 1500 Meter B Höhe, wilde Schluchten, ­urige Schwarzwaldhöfe, dichte Wälder – eine einzigartige Mischung aus Natur und Kultur, aus Tradition und Moderne. Auf den Höhen abseits den Zentren entfaltet der Winter seinen ganzen Zauber.

Weitere Informationen

Tel. 09 11/ 588 88 20 / www.bund-reisen.de


st!

60 Natur +Umwelt 4 | 18 ›  SERVICE ›  Leserbriefe

LESERBRIEFE

NATUR+ UMWELT

FAKTEN, PORTRÄTS, AKTIONEN UND TIPPS FÜR UMWELTBEWUSSTE

03 18

NEUE GESTALTUNG

KEIN GRUND FÜR EUPHORIE?

Zum neuen Layout der Natur+Umwelt Hallo liebe Naturschützer, habe die aktuelle neue Natur+­Umwelt-Ausgabe gerade gelesen und möchte Ihnen ein großes Kompliment aussprechen: Die klare Gliederung und die Aufmachung gefallen mir sehr gut. Eine gelungene Umstellung! Danke vielmals!

Zum Bericht »BN begründet Klage« in Natur+Umwelt 3/2018 Kurz und knapp ist sie, die Nachricht über das Aus der Skischaukel am Riedberger Horn. Ohne eine Spur von Freude und Erleichterung! Kann sich der BN an Erfolgen nicht mehr freuen? Haben Nackenschläge der Vergangenheit ihm Herz und Gemüt verschüttet und verschlossen? Dabei ist der Erfolg doch ein gewaltiger. Die mächtigen Kartelle der Befürworter, allen voran Ministerpräsident Markus Söder, haben vor dem breiten Widerstand, angeführt vom BN und vom LBV, kapituliert. Ist das denn kein Grund für Euphorie und Feierlaune? So viel ist sicher: Die Skischaukel wird auch nach der 10-jährigen Stilllegung der Pläne nicht wiederauferstehen. Also, trauen wir uns doch, sich einmal richtig zu freuen.

Lilli Planz, Planegg

SIE HABEN DIE WAHL!

WER STEHT FÜR WELCHE POLITIK? Zum Titelthema »Sie haben die Wahl« in Natur+Umwelt 3/2018 »Wo soll man am 14. Oktober das Kreuzchen machen, wenn man eine Politik unterstützen will, die sich für die Bewahrung unserer Lebensgrundlagen einsetzt? Der BN ist parteipolitisch neutral und gibt deshalb keine Wahlempfehlung.« Befragt wurden CSU, SPD, Die Grünen, Freie Wähler, dazu noch FDP, Die Linke und ÖDP, die momentan nicht im Landtag vertreten sind. So weit, so gut! Dagegen weniger gut: Die AfD wurde nicht befragt und Gründe hierfür wurden in dem Artikel auch nicht genannt. Im Münchner Merkur wurde die Begründung jetzt nachgeschoben: »Die AfD wurde vom BN nicht befragt, da man ihr kein Forum bieten möchte.« Dies widerspricht der parteipolitischen Neutralität, auf die der BN doch immer so stolz war, ist undemokratisch und noch dazu politisch dumm! Wer der AfD politisch schaden möchte, müsste sie gerade nach ihren umweltpolitischen Zielen fragen, die ja weitgehend nicht mit den Vorstellungen des BN übereinstimmen. Gert Graedler, Wasserburg (siehe auch Seite 11)

Als langjähriger Bezieher Ihres Nachrichtenblatts möchte ich mich gerne zu der neuen Aufmachung äußern. Ich stimme Ihnen voll zu, dass die Lesbarkeit und Übersichtlichkeit des Blattes deutlich verbessert wurde. Mit den Titeln der einzelnen Beiträge haben sie es allerdings etwas übertrieben. Dass diese jetzt groß sind und ins Auge stechen, ist in Ordnung. Für meinen Begriff sind sie aber schlicht zu groß. Das passt zur neuen Philosophie: Viel Platz für Fotos und aufgelockerte Gestaltung und weniger Platz für Text. Das entspricht wahrscheinlich sogar der gängigen Meinung der überwiegenden (?) Leserzahl. Ich allerdings gehöre inzwischen der sehr alten Generation an, die das Lesen gewohnt ist und über ein Thema, für das man sich interessiert, nicht nur mit ­einem Foto und knalligen Titeln, sondern gerne auch mit einem ausführlichen Text informiert werden möchte. Wie gesagt: insgesamt eine gute Auffrischung. Ich werde Ihr Blatt weiterhin gerne lesen.

Erich Jörg, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Lindau

Helmut Nachtigall, Mammendorf

Die graphische Gestaltung des neuen Heftes gefällt mir recht gut. Eine Anmerkung möchte ich machen: Negative, weiße Schrift auf farbigem Untergrund ist manchmal schlecht zu lesen. Schrift zu klein und zu zart ist besonders für ältere Leser, und die soll es beim BUND ja auch geben, problematisch. Peter Schimandl (Jahrgang 1940), Güntersleben

Diese künstlerische Interpretation des BN-­­Logos hat uns die Hobbyzeichnerin Ingrid Schenzinger aus Otterfing zukommen lassen. Herzlichen Dank!


NATURSCHUTZVERTRÄGLICHER KANUVERKEHR Zu den Naturnotizen aus Oberfranken in Natur+Umwelt 3/2018 ich möchte vorauszuschicken, dass ich langjähriges Mitglied im Bund Naturschutz, auch im LBV bin und seit 60 Jahren paddle. Mit Bild und Text vermitteln Sie den Eindruck, von Paddlern ginge eine besondere Gefahr für den Naturschutz und insbesondere für die Vogelbrut und die Unterwasservegetation aus. Sind Ihnen wissenschaftlich bewiesene Untersuchungen in dieser Richtung bekannt? Selbstverständlich sollten Kanuwanderer als aktive Naturschützer immer bemüht sein, den größtmöglichen Abstand zu schützenswerten Ufer- und Schilfzonen zu halten, und helfen, die Lebensmöglichkeiten von Tier- und Pflanzen in Gewässern und Feuchtgebieten zu bewahren und zu fördern. Eine diesbezüglich aufklärende und auffällige Beschilderung, besonders an den ­Einstiegsstellen, wäre sinnvoll. Durch allgemeine Umweltverschmutzung und zerstörenden Wasser- und Kraftwerksbau gehen hingegen viel größere Gefahren aus, da sind viele Lebewesen in ihrem Bestand gefährdet. Auf Ihrem Bild betreten zwei Kanuten vorsichtig und barfuß das Ufer, die Boote wiegen gerade mal 20 kg! Welche Gefahr geht da von denen aus? Vielmehr ist zu begrüßen, wenn Leute ihre Freizeit naturverträglich in der Region verbringen und nicht ständig weite Strecken dahindonnern oder fliegen. Jens Wunderwald, Diedorf

Stellungnahme des BN dazu: Der BN stützt sich auf Gutachten des Institutes für Vegetationskunde und Landschaftsökologie, Röttenbach, zur Submersvegetation in der Wiesent, und den staatlichen Managementplan zum Vogelschutzgebiet am Fluss, die die Aussagen vollständig belegen. Das Foto zeigt Kanufahrer, die außerhalb der genehmigten Ausstiegsstelle aussteigen. Der BUND Na-

turschutz kümmert sich intensiv um besseren Gewässerschutz mit Stellungnahmen bei Eingriffen, im Rahmen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie, Strafanzeigen bei Verstößen sowie mit eigenen Projekten.

RETTET DIE INSEKTEN Zum Titelthema von Natur+Umwelt 2/2018 So richtig und frustrierend die Fakten sind, es ist bzw. wäre es meiner Meinung nach der falsche Weg, in der Außendarstellung des Verbandes Insektenschutz zum Schwerpunktthema zu machen. Wie im Titel des Interviews mit Professor Steidle in der gleichen Ausgabe geschrieben steht – »Insekten haben keine Lobby«, würde dies in einer Gesellschaft, die sich in der breiten Mehrheit immer noch weiter von Umweltthemen entfernt und immer noch rücksichtloser die letzten Rückzugsräume der Natur (zer)stört, nichts als Kopfschütteln und Unverständnis hervorrufen. Und der gravierende Artenschwund betrifft ja leider nicht nur Insekten. Nehmt die dramatischen Zahlen einmal mehr zum Anlass, darüber aufzuklären, dass dies mittlerweile fast sämtliche Artengruppen und Lebensgemeinschaften massiv betrifft! Gerhard Knott, München

GREEN CITY FINANCE

GRÜN ANLAGEN KRAFTWERKSPARK III IHRE INVESTITION IN WIND-, WASSER-, SOLARKRAFTWERKE UND STROMSPEICHER

Foto: plainpicture/Frauke Thielking

Natur +Umwelt 4 | 18 ›  SERVICE ›  Leserbriefe 61

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SCHREIBEN SIE UNS ! Wir freuen uns auf Ihre Meinung BN-Magazin »Natur+Umwelt«, Dr.-Johann-Maier-Str. 4, 93049 Regensburg oder an nu@bund-naturschutz.de Leserbriefe können gekürzt werden. Sie geben nicht die Meinung der Redaktion wieder.

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62 Natur +Umwelt 4 | 18 › SERVICE ›  Vögel füttern

VÖGEL FÜTTERN

Immer mehr Deutsche füttern Wildvögel, und das – wie in England üblich – oft nicht mehr nur im Winter, sondern übers ganze Jahr. Doch was spricht ­eigentlich fürs Füttern?

W

er heute einen Gartenmarkt betritt, findet häufig schon im Eingangsbereich unzählige Artikel rund ums Vögelfüttern. Ob Energiecreme oder Vogelkuchen, Mehlwürmer in Fett oder Nussstangen, Vier-Jahreszeiten-Menü oder 5-KiloEimer Meisenknödel – es gibt nichts, was es nicht gibt. Offenbar macht es vielen Menschen Freude, Vögel zu füttern. Falls Sie dazugehören: Der BUND will Ihnen diese Freude nicht nehmen. Das Futterhäuschen vorm Fenster hat schon Menschen jedes Alters die Natur nahegebracht – ihren Zauber, ihre Vielfalt, ihre Schönheit. Angelockte Vögel aus der Nähe zu beobachten, kann Interesse und Begeisterung für die Natur vor der Haustür wecken. Und die Erkenntnis, dass die Vögel Schutz verdienen. Wer weiß, vielleicht erwächst daraus ein langes Engagement für Umwelt und Natur? Und die Lust, den Garten naturbewusster zu gestalten, oder gleich den Lebensstil als Ganzes?

FÜTTERN = VOGELSCHUTZ? Und damit ist schon der größte Effekt des Vogelfütterns benannt. Mittelbar kann das Füttern – indem es uns Menschen zu Einsichten verhilft – durchaus dem Vogel- und Naturschutz dienen. Doch was ist mit dem eigentlichen Zweck? Kommt das Futter nicht direkt den Vögeln zugute, die es fressen, ob im Winter oder ganzjährig? Nun – einige Gartenvögel, die in sterilem Siedlungsgrün kaum noch Nahrung finden, profitieren tatsächlich. Selten oder gefährdet aber ist kaum eine der Arten, die Ihren Garten oder Balkon aufsuchen. Noch offen ist, ob das Füttern nicht auch Verlierer produziert: etwa spät aus dem Süden heimkehrende Trauerschnäpper, deren Nisthöhlen längst von wohlgenährten Meisen besetzt sind. Und bedenken Sie: Wilde Vögel sind auf ein jahreszeitlich wechselndes Nahrungsangebot eingestellt; im Winter ist ihr Energiebedarf sowieso stark reduziert.

Illustration: Ann-Kathrin Hahn/Das Illustrat

WAS BRINGT’S?

Dem Artenschutz und der Vogelvielfalt ist also mit Futter nicht zu helfen. Weit sinnvoller investiert ist hier jeder Cent, der etwa in Produkte der ökologischen Landwirtschaft fließt. In einer Kulturlandschaft mit Weidetieren, Obstbäumen, Kleingewässern, Hecken und bunten Ackerrandstreifen leben viel mehr Vogelarten – auch solche, die heute stark gefährdet sind. Schließlich: Vogelfutter ersetzt nicht den naturnahen Garten. Heimische Beerensträucher oder Ecken mit Wildwuchs liefern Vögeln natürliche Nahrung sowie Nischen, wo sie nisten und sich verbergen können.

RICHTIG FÜTTERN Damit das Füttern mehr nützt als schadet, beachten Sie bitte Folgendes: •• Passendes Futter wählen: Bieten Sie klassisches Futter wie Sonnenblumenkerne an, keine verderblichen Essensreste, weder Brot noch Salziges. Meiden Sie Meisenknödel in Plastiknetzen, in denen sich Vögel verheddern können. Und füttern Sie maßvoll. •• Auf Hygiene achten: Bevorzugen Sie Futterspender und -silos, die den Inhalt vor Schmutz und Nässe schützen. Reinigen Sie Futterhäuschen und Vogeltränken regelmäßig, um Infektionsherde zu vermeiden. •• Risiken verringern: Platzieren Sie Ihre Futterstelle so, dass Katzen keine Deckung finden, um sich anzuschleichen. Große Fensterflächen in der Nähe sollten Sie gegen Anflug sichern, damit sie nicht zur tödlichen Falle werden. sz

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MEHR RUND UMS THEMA »Vögel vor der Haustür« finden Sie unter www.bund.net/vogelschutz


Natur +Umwelt 4 | 18 ›  SERVICE ›  Besser beleuchten 63

BESSER BELEUCHTEN

STERNENZELT STATT LICHTERSMOG Den dunkelsten Monaten des Jahres begegnen wir mit viel künstlichem Licht. Wie vermeiden wir, dass die Beleuchtung blendet und unnötig die Umwelt aufhellt?

D

er natürliche Wechsel von Tag und Nacht gibt Mensch und Natur den Takt vor. Um diesen Rhythmus möglichst wenig zu stören, sollten Sie nächtliches Licht so sparsam wie möglich einsetzen. Sie schützen damit nachtaktive (vom Igel bis zu zahllosen Insekten) wie auch tagaktive Tiere, die nachts die Dunkelheit zum Schlaf benötigen. Und Sie senken Ihre Energiekosten. Vor allem drei Grundsätze sollten Sie beherzigen, um Ihre Umwelt nachts nicht mit viel Licht zu beeinträchtigen. Von oben nach unten: Verwenden Sie Leuchten, die das Licht auf die gewünschte Fläche lenken. Vermeiden Sie Leuchten, die darüber hinaus oder nach oben abstrahlen (siehe Grafik). Fehlgelenktes Licht kann andere belästigen und gefährden.

Gute Lichtlenkung

Weniger ist mehr: Wählen Sie eine möglichst geringe Lichtleistung. Damit sorgen Sie für weniger Lichtstress und erlauben es dem Auge, sich besser an die Dunkelheit zu gewöhnen. Achten Sie vor allem auf eine bedarfsorientierte Anpassung in der Nacht – indem Sie Bewegungsmelder installieren oder die Beleuchtung ganz abschalten. Alternativ lässt sich bei guten LED-Lampen die Lichtstärke um die Hälfte mindern. Solche dimmbaren Lampen haben eine längere Lebensdauer, und Sie sparen damit Strom. Warmweiß statt grell: Nutzen Sie nur Licht mit geringem Blauanteil im Spektrum von 2000 bis max. 3000 Kelvin (Farbtemperatur). Warmes Licht blendet weniger als neutral- oder kaltweißes Licht und wird als angenehmer empfunden. Hohe Blauanteile im Licht stören den Tag-Nacht-Rhythmus von Mensch und (Wirbel-) Tier und damit den Schlaf. Auch zieht warmweißes Licht deutlich weniger Insekten an und wird in der Atmosphäre nicht so stark gestreut.

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MITMACHEN Wollen Sie Ihrer Kommune helfen, die Lichtverschmutzung zu ­verringern? Hinweise und demnächst auch rechts­verbindliche ­Mustervorlagen für Satzungen zur Ortsgestaltung erhalten Sie über: info@sternenpark-rhoen.de

Fotos: A. Mengel

Schlechte Lichtlenkung

Fotos: istock

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66 Natur +Umwelt 4 | 18 ›  SERVICE ›  Kontakt und Impressum

IHRE ANSPRECHPARTNER

TERMINE 2019

MITGLIEDERSERVICE (allgemeine Fragen zur Mitgliedschaft, Adressänderung) Tel. 09 41/2 97 20-65, mitglied@bund-naturschutz.de

SPENDENBESCHEINIGUNGEN Tel. 09 41/2 97 20-66, spenderservice@bund-naturschutz.de

Fr. 25. bis Sa. 26. 1. Naturschutzzentrum Wartaweil

Netzwerktreffen Umweltbildung EMIL, das rollende Klassenzimmer: BN-Netzwerktreffen Umweltbildung. Eingeladen sind alle, die sich im BN in der ­Bildungsarbeit betätigen. Anmeldung unter Tel. 0 81 52/96 77 08 oder wartaweil@bund-naturschutz.de

Mi. 6. 2. Ökohaus Würzburg

Amphibienschutz in Bayern Wie sich die Amphibienbestände in Bayern ­entwickelt haben und was man selber tun kann, erfahren Sie in diesem Vortrag von U ­ lrike ­Geise, Sprecherin des Landes-Arbeitskreises Artenschutz Anmeldung unter Tel. 09 31/4 39 72 oder info@bn-wuerzburg.de

Di. 12. 2. Ökohaus Würzburg

Vortrag Insekten Insekten im Abwärtstrend? Hintergründe, ­Fakten, Folgen. Außer aktuellen Informationen geht der Zoologe Dr. Dieter Mahsberg auch der Frage nach, welche Maßnahmen wir ergreifen sollten, um den Abwärtstrend zu stoppen. Anmeldung unter Tel. 09 31/4 39 72 oder info@bn-wuerzburg.de

Fr. 1. bis Sa. 2. 3. Naturschutzzentrum Wartaweil

Wildbienen-Workshop Wildbienen-Workshop für Tätige in der Bildungs­arbeit. Wie vermittelt man fachliche Grundlagen ebenso wie Handlungsmöglich­ keiten? Anke Simon zeigt dazu wissens­ basierte und spielerische Ansätze für die ­Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Anmeldung unter Tel. 0 81 52/96 77 08 oder wartaweil@bund-naturschutz.de

PRESSE- & ÖFFENTLICHKEITSARBEIT Redaktion Natur+Umwelt Luise Frank Tel. 09 41/2 97 20-22 natur+umwelt@bund-naturschutz.de

BERATUNG ZU SPENDEN, ANLASSSPENDEN UND VERMÄCHTNISSEN Claudia Ciecior-­Bordonaro Tel. 09 41/2 97 20-34 claudia.ciecior@bund-naturschutz.de

HAUS- UND STRASSENSAMMLUNG EHRENAMTLICH AKTIV WERDEN Christine Stefan-­Iberl Tel. 09 41/2 97 20-11 christine.stefan@bund-naturschutz.de

BN-BILDUNGSWERK Ulli Sacher-Ley Tel. 09 41/2 97 20-42 ulrike.sacher-ley@bund-naturschutz.de

BN-STIFTUNG Christian Hierneis Tel. 09 41/2 97 20-35 christian.hierneis@bund-naturschutz.de

IMPRESSUM Herausgeber: BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN), vertreten durch Peter Rottner, Landes­geschäfts­führer, Dr.-Johann-Maier-Str. 4, 93049 Regensburg, www.bund-naturschutz.de Leitende Redakteurin (verantw.): Luise Frank (lf), Tel. 09 41/2 97 20 -22, Fax -31, natur+umwelt@­bund-naturschutz.de Redaktion: Holger Lieber (hl), Heidi Tiefenthaler (ht), Andrea Siebert (as) Mitglieder-Service: Tel. 09 41/2 97 20-65 Gestaltung: Janda + Roscher, die WerbeBotschafter, www.janda-roscher.de (Layout: Waltraud Hofbauer) Titelbild: Hambacher Wald, Foto: T. Krämerkämper Redaktion BUND-Magazin: Severin Zillich (verantw.), Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin, Tel. 0 30/27 58 64-57, Fax -40

Druck und Versand: Fr. Ant Niedermayr GmbH & Co. KG, Regensburg Anzeigenverwaltung: Ruth Hansmann, Runze & Casper Werbeagentur GmbH, Tel. 0 30/2 80 18-145, Fax -400, hansmann@runze-casper.de. Es gelten die Mediadaten Nr. 26. Verlag: BN Service GmbH, Eckertstr. 2, Bahnhof Lauf (links), 91207 Lauf an der Pegnitz, Tel. 0 91 23/9 99 57-30, Fax -99, info@service.bund-naturschutz.de Druckauflage 3-2018: 141.000 Bezugspreis: Für Mitglieder des BN im B ­ eitrag e ­ nt­­halten, für Nichtmitglieder V ­ ersandgebühr, ISSN 0721-6807 BN-Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft München, IBAN DE27 7002 0500 0008 8440 00, BIC: BFSWDE33MUE

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