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B端ndner

Wald

Jahrgang 65 | Oktober 2012

Bildungslandschaft im Wandel


Anzeige-08-2008

28.08.2008

14:14 Uhr

Seite 2

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Inhalt

Bildungslandschaft im Wandel Editorial.................................................. 4

«Das Umweltingenieurstudium ist so vielseitig wie ich selbst»................... 64

Waldberufe – Ausbildungen mit Perspektive.. 5

137 Diplomierte an der HAFL in Zollikofen... 66

Feier für erfolgreiche Berufsleute

Protokoll der

aus dem Wald............................................. 8

SELVA-Generalversammlung 2012............... 67

Ein waldpädagogisches Projekt

Ein System für den urbanen Siedlungsbau.....72

mit Mehrwert für den Forst....................... 11

Vereinsmitteilung Rezia Holz..................... 74

«Pension mit 60 – wie die Walliser!»......... 15

Comic Theo & Heinz.................................. 76

Wer ist eigentlich die Oda Wald Schweiz?.. 17

Forstfachtagung 1. September 2012............ 77

Interview mit Stefan Brülhart-Caprez......... 20

Berufswettkampf-WM in Minsk

Will Graubünden einen Lokalen

Ornaldo Lerch holt Bronzemedaille............ 79

Naturgefahrenberater?.............................. 26

Pressemitteilung

Waldfachleute von morgen....................... 29

Die Lignum stärkt ihre Schlagkraft............. 81

Berufs- und Studienabschlüsse –

Team Schweiz als beste Europäer auf Rang 4..83

Ordnung im Kürzelwirrwarr....................... 32

Vergabe der EFNS 2015 an Lenzerheide...... 86

Der Studiengang Forstwirtschaft in

Steinschlagbarriere für

Zollikofen entwickelt sich.......................... 35

Einschlagenergie bis 8000 kJ....................... 87

Bündner Studenten zur Vertiefung

Wetterradar auf der Weissfluh................... 88

«Gebirgswald/Naturgefahren».................. 39

IGL ENGLAR ... arbeiten im Wald................ 90

Dr. Magdalena Schindler

Ein grosses Werk auf kleinem Raum........... 92

wird Direktorin der HAFL........................... 41

Vorschau................................................... 95

Ausscheidung von Handlugsprioritäten im Schutzwald.......................... 42 Die Landschaft als wichtiges Element

Titelbild: Forstleute mit unterschiedlichem

der Waldausbildung an der ETH................ 47

Bildungshintergrund aus Deutschland

Marco und Damian im Duell

und der Schweiz beim waldbaulichen Meinungs-

... oder ETH Zürich vs. HAFL Zollikofen...... 50

austausch. (Bild: Sandro Krättli)

«Weniger Eigenverantwortung bei Praktika in Deutschland»..................... 58

Bild Inhaltsverzeichnis: Der Nebel über der

An der Schnittstelle

forstlichen Bildungslandschaft lichtet sich.

von Natur und Gesellschaft....................... 62

(Bild: Matthias Zubler) Bündner Wald 5 /2012 3


Editorial

Der französische Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry (1900  – 1944 ) soll gesagt haben: «Wenn du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer!» Regelmässig, wenn ich mich mit Bekannten treffe, kommt auch die berufliche Tätigkeit zur Sprache – womit man sich gerade beschäftigt und was man sich für die Zukunft vorstellt. Sehr gespannt verfolge ich solche beruflichen Entwicklungen. Eindrücklich finde ich das eine Beispiel eines Kollegen, welcher bei einem grossen Elektrotechnikunternehmen arbeitet. Ich erinnere mich, wie er mir vor etwa zwei Jahren berichtete, dass er nach Grönland ausrücken musste, um einen Eisbrecher zu flicken. Gleichzeitig erzählte er, wie interne Spannungen an seiner Motivation nagen. Heute ist er wesentlich motivierter und in einem neuen Firmenbereich tätig. Die Fernwartung aller in Europa aktiven Windräder seiner Firma muss vereinheitlicht und bezüglich Service professionalisiert werden. Hierfür darf er ein hochqualifiziertes Team zusammenstellen und führen, damit sein Konzern in Bälde der Konkurrenz voraus ist. Ein weiteres leuchtendes Beispiel einer jungen beruflichen Karriere ist für mich jenes einer Kollegin, welche in einem Industriebetrieb in Graubünden tätig ist. Als autonom funktionierende Ingenieurin begann ihre Tätigkeit für den Betrieb. Innert weniger Jahre wurde sie zur Abteilungsleiterin mit anspruchsvoller Führungsposition befördert. Berufsbegleitend absolvierte sie ein Masterstudium.

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Beide Personen haben die berufliche Schiene der Fachhochschule gewählt. Sie haben sich in ihrem angewandten Tätigkeitsgebiet weiterentwickelt, früh Führungsverantwortung übernommen und sich stetig und spezifisch weitergebildet. Sie mussten ihre Ausbildungsherkunft und ihr Geschlecht jedoch nicht rechtfertigen. Forstlich halten sich bei jeder Ausbildungsstufe hartnäckige Vorurteile. Forstwarte können nicht präzise arbeiten; Forstwartvorarbeiter können den Betriebsleiter nicht wirklich entlasten; Förster wollen keine Veränderungen; Forstingenieure FH sind zu wenig akademisch und können keine höheren Führungsaufgaben übernehmen; Umweltwissenschaftler ETH sind zu akademisch und können die Lücke des alten Forstingenieurs niemals füllen. Ich glaube nicht an solche pauschalen Vorurteile, welche für die Waldberufe gelten sollen. Ich knüpfe lieber am Zitat der Seefahrt von de Saint-Exupéry an und bin überzeugt, eine solide Ausbildung zum Matrosen und zur Matrosin ist zwar wichtig, doch entscheidend, um ein guter Seemann oder Seefrau zu werden, ist die raue See, die man bezwingen muss! Noch nie gab es im Bündner Wald so viele Interviews wie in dieser Herbstnummer – für diese Ausgabe mit Wellengang lohnt es sich, wenn Matrosen, Seeleute und Kapitäne direkt berichten.

Sandro Krättli, Redaktor Bündner Wald Sagastägstr. 96, CH-7220 Schiers sandro.kraettli@awn.gr.ch


Waldberufe – Ausbildungen mit Perspektive Die Schweiz hat vereinfacht gesagt zwei natürliche Ressourcen. Die eine ist das Holz, die andere unser gutes Ausbildungssystem. Mit beiden Ressourcen haben die Waldberufe zu tun. Beide sind modern. Wer modern baut, verwendet Holz. Wer modern denkt, baut auf eine gute Ausbildung. Das Ausbildungssystem der Waldwirtschaft hat sich in den letzten 25 Jahren stark gewandelt. Neue Waldberufe und Ausbildungen sind hinzugekommen, andere sind verschwunden. Grundlage der Waldberufe ist jedoch nach wie vor der Forstwartberuf, der 1961 geschaffen und 1966 vom Bund erstmals in einem Reglement geregelt wurde. 2007 wurde eine neue Bildungsverordnung in Kraft gesetzt, welche die Forstwart-Ausbildung in vielen Bereichen modernisiert, aber auch das Anforderungsniveau erhöhte. Die Zahl der Forstwartlernenden ist seit über 20 Jahren stabil. Jährlich schliessen in der ganzen Schweiz rund 300 Forstwarte ihre Lehre ab. Schätzungsweise die Hälfte dieser Berufsleute werden vom forstlichen Arbeitsmarkt aufgenommen. Die andere Hälfte wandert ab in andere Branchen und Berufsfelder. Beliebt sind etwa der Polizeiberuf, die Arbeit auf dem Bau oder die Arbeit bei Gemeinden. Die Forstwartlehre wird ab nächstem Jahr ergänzt durch die 2-jährige Forstpraktikerlehre, die mit einem Eidgenössischen Berufsattest (EBA) abschliesst. Diese Ausbildung legt den Schwerpunkt auf das motormanuelle Fällen von Bäumen. Sie richtet sich an schulschwächere Jugendliche mit handwerklicher Begabung. Die Absolventen können nach der Forstpraktikerlehre bei Eignung noch die Forstwartlehre anhängen. Für Forstwarte stehen nach der Lehre verschiedene Wege offen. Sie können sich als Forstmaschinenführer oder Seilkraneinsatzleiter spezialisieren. Gefragt sind auch

Forstwart-Vorarbeiter, die vor Ort ein Team leiten. Für diese drei Weiterbildungen kann man nach dem Besuch der notwendigen Module die Berufsprüfung ablegen und den eidgenössischen Fachausweis erlangen. Die Weiterbildungen wurden im Verlaufe der 90er-Jahre entwickelt und eingeführt. Seit 2008 wird schrittweise überprüft, ob die drei Berufsprofile und die Weiterbildungen noch den Bedürfnissen der Praxis entsprechen. Die Module der Seilkraneinsatzleiterausbildung wurden in der Folge bereits angepasst. Die Profile und Module der beiden andern Ausbildungen sind noch in Bearbeitungen. Die Änderungen dieser Weiterbildungen werden voraussichtlich ab 2014 umgesetzt. Seit einem Jahr bietet das ibW/BZW Maienfeld eine neue berufsbegleitende Weiterbildung an, jene zum Forstwart-Gruppenleiter. Der Waldweg hat Perspektive (Bild: Sandro Krättli)

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Sie wird mit einem schuleigenen Zertifikat abgeschlossen und eignet sich gut als Einstieg in eine Führungsfunktion. Da einige Module gleich sind wie bei der ForstwartVorarbeiter-Weiterbildung, kann man Letztere danach ohne Weiteres anhängen. Auf Stufe Höhere Fachschule haben wir eine äusserst moderne Ausbildung: jene zum dipl. Förster HF. Sie wird am iBW/Bildungszentrum Wald in Maienfeld sowie am Bildungszentrum Wald in Lyss angeboten. Grundlage der Försterausbildung ist der Rahmenlehrplan Wald, der 2009 in Kraft gesetzt wurde. Schon während der Ausbildung absolvieren Försterstudenten mehrere Praktika. Zusammen mit dem modernen Lehrplan führt dies dazu, dass die Absolventen des Försterlehrganges versierte Praktiker mit breitem Fachwissen sind, die nach ihrer Ausbildung rasch eingesetzt

werden können. Auch die Nachfrage nach Förstern hat sich erhöht, sodass die meisten Abgänger nach der Ausbildung problemlos eine Stelle finden. Auch die Hochschulstufe hat sich in den letzten 10 Jahren stark verändert. Dies ist einerseits darauf zurückzuführen, dass an den Universitäten und Fachhochschulen das Bachelor-/Mastersystem eingeführt wurde. Andererseits gibt es seit 2003 eine forstliche Ausbildung auf Fachhochschulstufe, die mit dem Bachelor in Forstwirtschaft abgeschlossen wird. Dieses 3-jährige Studium steht jungen Forstwarten mit Berufsmatura oder Maturanden mit Vorstudienpraktikum offen. Das Fachhochschulstudium ist an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL in Zollikofen (Fachhochschule Bern) angesiedelt. Die wachenden Studentenzahlen zeigen seine

Überblick über forstliche Berufsabschlüsse (Bild: Codoc) Bachelor und Master of Science ETH in Umweltnaturwissenschaften

Bachelor of Science in Forstwirtschaft, Master in Life Sciences

Eidg. Technische Hochschule ETH

Fachhochschule FH 2

dipl. Förster/-in HF

Ranger/-in mit Diplom BZW Lyss

Naturbezogene Umweltbildung Zertifikatslehrgang CAS

Höhere Fachschule HF

Bildungszentrum Wald

SILVIVA und ZHAW

1

Matura

BerufsMatura

mit Zusatzqualifikation: 1 mit Abschluss als Forstwart 2 mit Vorstudienpraktikum

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ForstwartVorarbeiter/-in mit eidg. Fachausweis

Forstmaschinenführer/-in mit eidg. Fachausweis

Forstwart/-in EFZ 3-jährige Lehre

Forstpraktiker/-in EBA 2-jährige Lehre

Seilkraneinsatzleiter/-in mit eidg. Fachausweis


Jugendliche müssen frühzeitig für Waldberufe motiviert werden. (Bild: Sandro Krättli)

Beliebtheit. Mittlerweile haben sich die Absolventen dieses Studiums in verschiedenen Funktionen – z. B. auch als Kreisförster – in der Praxis bewährt. Bleibt noch das Studium der ETH: 2007 haben die letzten Studenten ihr Diplom als «dipl. Forsting. ETH» entgegengenommen. Das Departement Forstwissenschaften der ETH wurde 2004 in das Departement Umweltnaturwissenschaften integriert. Seither kann man an der ETH Umweltnaturwissenschaften mit Schwerpunkt Wald- und Landschaftsmanagement studieren und einen entsprechenden Mastertitel erwerben. Bereits haben vier Jahrgänge mit diesem Abschluss die ETH verlassen, und die meisten Studienabgänger sind mittlerweile in anspruchsvollen Positionen tätig. Die Zahl der Beschäftigten in der Waldwirtschaft ist in den vergangenen 15 Jahren um rund einen Drittel auf 5752 (im Jahr 2008 ) gesunken. Wir sind eine kleine Branche. Dank der Unterstützung durch den Bund

konnte jedoch ein modernes Ausbildungssystem entwickelt werden. Dieses Ausbildungssystem sollten wir gut hüten und weiterentwickeln. Es ist die Grundlage für eine funktionierende Branche. Angesichts der allgemeinen Rohstoffverknappung wird die Bedeutung des Holzes als nachwachsender Rohstoff steigen. Auch in Zukunft brauchen wir somit eine gut funktionierende Waldwirtschaft mit gut ausgebildeten Fachkräften. Das heisst auch: Waldberufe haben Zukunft. Details zu den Waldberufen und Ausbildungen sind zu finden unter: www.waldberufe.ch

Rolf Dürig Codoc Hardernstrasse 20, Postfach 339, 3250 Lyss rolf.duerig@codoc.ch

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Feier für erfolgreiche Berufsleute aus dem Wald

Thomas Hubli stellt die Rangliste vor (Bild: R. Dürig)

Was früher Arbeitsbuch hiess, trägt heute in der Forstwartausbildung den Namen Lerndokumentation. Es gehört bereits zur Tradition, dass Codoc die Verfasser der besten Lerndokumentationen auszeichnet. Die Prämierungsfeier fand in diesem Jahr wieder in der Biberburg in Hirschthal AG statt. Sie war auch Anlass, um 21 erfolgreichen AbsolvenApéro vor der Biberburg (Bild: R. Dürig)

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ten der Lehrgänge Forstwart-Vorarbeiter, Forstmaschinenführer und Seilkraneinsatzleiter ihren Fachausweis zu übergeben. Die Biberburg in Hirschthal bot für die Feier, die am 15. September 2012 stattfand, einen würdigen Rahmen. Rolf Dürig, Geschäftsleiter von Codoc, konnte rund 80 Gäste begrüssen. Auf dem Programm stand


Rang

Name

Vorname

Kanton

1

Hutter

Stefan

GL

2

Carozzi

Sandro

GR

3

Grünenfelder

Roman

TG

4

Gachet

Gachet

FR

5

Ritter

Ramon

AG

6

Gossauer

Jens

ZH

7

Kümmerli

Simon

FR

8

Manzinali

Lorenzo

TI

9

Suplin

Seth

BE

10

Huonder

Adrian

GR

11

Bardill

Janosch

ZH

12

Borner

Cliff

SG

13

Brenn

Fadri

GR

14

Cottier

Sébastien

FR

15

Eichenberger

Rahel

SH

16

Hüsler

Christian

LU

17

Knecht

David

VD

18

Kobel

Adrian

OW

19

Lienhard

Benjamin

ZH

20

Marti

Patrick

BE

21

Mazza

Samuel

TI

22

Moosmann

Urs

AR

23

Motzer

Kilian

SG

24

Schorta

Claudio

GR

25

Steiner

Andreas

SO

26

Stolz

Corina

TG

27

Stutz

Lukas

OW

28

Zaugg

Andreas

BE

unter anderem das Vorstellen der eindrücklichen Biberburg durch Förster Urs Gsell. Anschliessend waren die jungen Forstwarte, die Verfasser der Lerndokumentationen, an der Reihe. Sie durften ihre verdienten Preise entgegennehmen. Nur dank der Unterstützung durch grosszügige Sponsoren konnte die Prämierung durchgeführt werden. So waren in diesem Jahr Geld- und Sachpreise

im Wert von rund Fr. 7000.− zu vergeben. Insgesamt waren 28 Lerndokumentationen aus 15 Kantonen eingetroffen und von einer Fachjury bestehend aus fünf Experten beurteilt worden. In diesem Jahr machte der Lernende Stefan Hutter aus dem Kanton Glarus das Rennen und überzeugte die Jury mit einer beeindruckenden Dokumentation. Die prämierten Forstwarte haben mittlerBündner Wald 5/2012 9


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und Spezialsorten, Grössen 80 bis 800 cm geschnitten oder in Töpfen sowie Reisig Herkunft Graubünden, übrige CH und D Preisliste verlangen

Spezialpreise für Gärtnereien, Forstunternehmer Forstämter, Gemeinden, Hotels Lieferung ganze CH

ner haben durch die Lerndokumentation die Möglichkeit, sich für wichtige Arbeitsbereiche Zeit zu nehmen. Dabei können das Fachwissen vertieft und die Arbeitsabläufe aus einer anderen Perspektive betrachtet werden. Im Anschluss an die Prämierung der Lerndokumentation konnte Patrik Rhyner, Präsident der QSK Wald, den Fachausweis an 21 erfolgreiche Absolventen der Lehrgänge Forstwart-Vorarbeiter, Forstmaschinenführer und Seilkraneinsatzleiter übergeben. Der Besuch dieser Lehrgänge erfolgt berufsbegleitend und dauert je nach Lehrgang ein bis zwei Jahre. Mit dem Bestehen der Berufsprüfung erhalten die Absolventen ein eidgenössisches Diplom. Die an der Feier anwesenden Absolventen und ihre Angehörigen waren sichtlich stolz über den erreichten Abschluss. Links: www.codoc.ch www.biberburg.ch

weile ihre Lehre beendet. Sie haben mit ihren Lerndokumentationen gezeigt, dass sie den Willen und die Fähigkeiten haben, Lern- und Arbeitsprozesse präzise zu beschreiben. Dabei spielt das Erkennen von Zusammenhängen und das Verständnis für Abläufe bei der täglichen Arbeit eine entscheidende Rolle. Lernende und Berufsbild-

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Thomas Hubli Projektleiter Prämierung Lerndokumentation Postfach 399, 3250 Lyss info@codoc.ch


Ein waldpädagogisches Projekt mit Mehrwert für den Forst In der ganzen Schweiz begleiten derzeit verschiedene Schulklassen regelmässig und über 2 – 3 Jahre hinweg den Förster ihrer Region in den Wald. Das Projekt «Försterwelt» der Stiftung SILVIVA bietet dem Forst die Gelegenheit, sich für die Jugend zu engagieren und sich in der Öffentlichkeit positiv zu positionieren. Öffentliche Wahrnehmung der Forstwirtschaft Wald und Mensch haben eine lange gemeinsame Geschichte: Der Wald war über die ganze Entwicklungszeit des Menschen eine der wichtigsten natürlichen Ressourcen für Energie, Baumaterial und Nahrung. Wald interessiert alle, bzw. alle haben ihre eigene Meinung dazu – höchst widersprüchlich aber, was dabei herauskommt. Rund 70 Prozent der Bevölkerung weiss nicht, dass in der Schweiz die Waldfläche zunimmt ( BAFU, WaMos 2, 2010 ). In Deutschland finden 31 Prozent der Menschen das Fällen von Bäumen zu wirtschaftlichen Zwecken nicht gut, und 69 Prozent sähen den Wald gerne ordentlich und aufgeräumt (Kleinhückelkotten S. et al., Kommunikation für eine nachhaltige Waldwirtschaft, 2009 ). Auch rund die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer empfindet Totholz eher als störend, wobei 61 Prozent der Eidgenossen Waldreservate befürworten. Waldpädagogik – Erlebnisse für mehr Verständnis Die Ergebnisse aus oben erwähnten Studien lassen den Schluss zu, dass der Waldbezug stark emotional geprägt ist und Erlebnisse nicht durch Wissen allein zu ersetzen sind, bzw. Emotionen nicht «wegerklärt» werden können. Paradoxerweise neigen wir aber alle dazu, auf das vermeintliche Fehlen von Wissen rund um den Wald mit reiner Wis-

Der Forstwart Ueli Lüscher bespricht mit den Schülerinnen und Schülern die Baumarten, welche sie selber bestimmt haben. (Bild: SILVIVA )

sensvermittlung zu reagieren. Dabei spielt der Bezug die Hauptrolle und ist die Grundlage für jegliches Interesse am Wald und die Anliegen seiner Vertreterinnen und Vertreter bzw. Besitzerinnen und Besitzer. Heutzutage fehlt – im Gegensatz zu früher – den meisten Kindern dieser Bezug. Viele leben in Städten, wo sie in ihrer Nähe keinen Wald finden, den sie regelmässig zum Spielen aufsuchen könnten. Vor allem aber fehlt ihnen auch der Bezug zu forstwirtschaftlichen Aktivitäten, weil sie beispielsweise nicht mehr erleben, dass der Vater im Wald Brennholz holt, damit die Familie im Winter nicht frieren muss, oder dass Bäume gefällt werden, um Holz für den Hausbau zu gewinnen. SILVIVA engagiert sich seit über 25 Jahren mit den Methoden der Waldpädagogik daBündner Wald 5 /2012 11


für, dass die Bevölkerung einen Bezug zum Wald aufbauen kann und sich für die Welt der Forstleute und der Wälder interessieren. So wie im Projekt «Försterwelt»: «Wir haben gelernt, wo man die Bäume pflanzen muss, damit sie genügend Licht bekommen, wie man sie auf einer Fläche verteilen muss, damit es am Schluss aufgeht, und wie gross unsere gepflanzten Bäume in 50 Jahren etwa sein werden», meinte Laura, Schülerin einer «Försterwelt»-Klasse im Kanton Aargau. Für sie war das Pflanzen von Bäumen eine neue Erfahrung. «Försterwelt» – ein Projekt mit Mehrwert Bereits zum wiederholten Male schauen die 14-jährigen Oberstufenschülerinnen und -schüler den Forstleuten des Forstbetriebes Region Aarau bei ihren Arbeiten über die Schultern und packen selber mit an. Schon vor zwei Jahren haben sie zusammen mit dem Förster Roger Wirz, welcher die Klasse im Projekt «Försterwelt» begleitet, eine Fläche mit Jungbäumen bepflanzt. Nun geht es ums «Austrichtern» bzw. das Befreien der gepflanzten Bäumchen von Dornen und «Es ist interessant, die Arbeit der Forstleute kennenzulernen. Man sieht die Sachen in echt, anstatt dass man aus Büchern lernt. Lernen in der Natur macht mehr Spass als lernen im Klassenzimmer.» Schülerin, 13 Jahre zum Pro­jekt «Försterwelt» (Bild: SILVIVA )

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anderen Pflanzen. Vom Förster fachgerecht instruiert und mit Handschuhen versorgt, machen sich die Schülerinnen und Schüler bald selbst tatkräftig an die Arbeit. Bei der Arbeit im Wald steht nicht die Leistung (oder gar der «Chrampf») der Kinder im Vordergrund, sondern das gemeinsame, in kleinen Schritten positive Verändern dieses Waldstückes. Sie erleben 1: 1 mit, wie beispielsweise aus einer kahlen Fläche ein gut bestückter Jungwald wird. Im Rahmen des Projekts «Försterwelt» lernen Primarschülerinnen und -schüler der Mittelstufe ( 4. –  6. Klasse) während eines ganzen Klassenzugs ( 2 – 3 Jahre, je nach Kanton) die Welt des Försters kennen, indem sie ihn in einem Teil seiner Arbeit begleiten und unterstützen. In einem Waldstück möglichst nahe beim Schulhaus führen sie im Klassenverband fachliche Arbeiten wie beispielsweise die Pflanzung von Jungbäumen, Wildschutz-Massnahmen, Schlagräumung, Dickungspflege oder die Anzeichnung eines Schlages aus und erleben den Wald und seine Funktionen im Lauf der Jahreszeiten. Dabei werden die Schülerinnen und Schüler vom Förster (und evtl. durch weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder Forstwartlehrlinge) angeleitet und unterstützt, welche ihrerseits von SILVIVA mit waldpädagogischem Know-how versorgt und beraten werden. Das Projekt «Försterwelt» vereint nicht nur die Aspekte einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), sondern bietet Forstleuten im Bereich der forstlichen Öffentlichkeitsarbeit viele Möglichkeiten und verschiedene Vorteile: – «Försterwelt» findet im Wald statt: Für Forstleute ist dies ein Heimspiel. Sie können aus dem Vollen schöpfen. – «Försterwelt» findet über einen längeren Zeitraum statt: Die Schülerinnen und


«Försterwelt» – so gehts Wollen auch Sie die Vorteile von «Försterwelt» nutzen? Mit «Försterwelt» bietet SILVIVA dem Forst ein innovatives, pfannenfertiges Projekt: SILVIVA sucht für Sie eine Schulklasse in Ihrer Region und SILVIVA übernimmt die Organisation und die Leitung für den ersten Tag im Wald zum Start von «Försterwelt». Während der Dauer des Projekts werden die Forstleute von SILVIVA begleitet und unterstützt. Jährlich findet eine halbtägige «Försterwelt»-Weiterbildungs- und Austauschveranstaltung statt, an der alle «Försterwelt»-Förster und -Lehrerinnen und -Lehrer sowie weitere Interessierte teilnehmen können.

Schüler erhalten so die Möglichkeit, einen nachhaltigen Bezug zum Wald aufzubauen, welcher die Grundlage für die Anliegen des Waldes und seiner Vertreter ist. – «Försterwelt» findet in Zusammenarbeit statt: Im Projekt «Försterwelt» arbeiten Förster bzw. Forstwarte, Lehrpersonen und Schülerinnen und Schüler zusammen. So können die Vorteile kooperativen Lernens (Lernen in der Gruppe, Lernen unter Einbezug unterschiedlicher Akteure) genutzt werden, welche kürzlich im Rahmen einer Studie (CoDes) nachgewiesen werden konnten. – « Försterwelt» findet mit dem Wald statt: Für die Arbeiten und Aktivitäten im Rahmen von «Försterwelt» wird der Wald mit einbezogen. Dies bedeutet, dass «Försterwelt» für den Forst hinsichtlich des Materials günstig und einfach umsetzbar ist. – Kinder sind hervorragende Multiplikatoren: Was die Kinder im Wald erlebt und begriffen haben, teilen sie gerne ihren erwachsenen Bezugspersonen mit. So werden die Botschaften der Waldwirtschaft mehrfach weitergetragen. Im Gegensatz zu klassischen Kommunikationsmassnahmen werden bei «Försterwelt» die Forstleute als Hauptakteure und der Wald mit einbezogen. Die Forstleute

bekommen die Gelegenheit, ihre Anliegen einem breiten Publikum zu kommunizieren. Somit kann das Verständnis für die nachhaltige forstliche Nutzung unserer Wälder und damit das Engagement der Bevölkerung für den Erhalt zukunftssicherer und multifunktionaler Wälder gefördert werden. Ein Blick über die Grenzen Im nahen Ausland wurden die Vorteile der Kommunikation mittels Waldpädagogik längst erkannt: In Österreich beispielsweise macht das Lebensministerium landesweit Waldpädagogik zwecks forstlicher Öffentlichkeitsarbeit – Waldpädagogik ist aus ihrer Sicht also nichts anderes als PR für den Wald. Waldpädagogik als forstliche ÖffentFörster Alois Wertli mit einer Schulklasse aus Solothurn beim Vermessen eines Baumes auf «ihrer» Fläche. (Bild: SILVIVA )

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lichkeitsarbeit hat sich dort längst etabliert, wird vom Forst getragen und gefördert. In Deutschland hat Waldpädagogik trotz forstlicher Verwaltungsreformen als Aufgabe einer Forstverwaltung an Bedeutung gewonnen, und in neu organisierten Forstbetrieben wurde Waldpädagogik oftmals als neues Geschäftsfeld besetzt. Es zeigt sich auch dort, dass Waldpädagogik bei unterschiedlichsten (gesetzlichen) Grundlagen und Rahmenbedingungen umgesetzt werden kann: In 11 von 16 deutschen Bundesländern ist Waldpädagogik ein Gesetzesauftrag, und insgesamt werden in ganz Deutschland zirka 1,5 Mio. Teilnehmerinnen und Teilnehmer pro Jahr an waldpädagogi-

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schen Aktivitäten gezählt. Waldpädagogische Ziele werden in Deutschland mit sehr unterschiedlichen Methoden und Konzepten erreicht. So reicht die Palette von Walderlebniszentren über klassische Waldführungen zu Waldjugendspielen (Grossveranstaltungen) und Arbeiten im Wald.

Mirjam Richter Stiftung SILVIVA Telefon: 044 291 21 91 mirjam.richter@silviva.ch www.silviva.ch/foersterwelt


«Pension mit 60 – wie die Walliser !» Ernst Gasser ist einer der ersten Absolventen des Lehrganges Forstwart-Vorarbeiter. Die «Bündner Wald»-Redaktion hat sich über seine Tätigkeiten und Erfahrungen mit ihm unterhalten. Ernst, du bist Vorarbeiter im Forstbetrieb Scuol. Was sind genau deine Aufgaben als Vorarbeiter? Ich bin für den Lernenden im praktischen Bereich zuständig, während der Abwesenheit des Försters für das Laufen des Betriebs und zudem für die Arbeitssicherheit an den verschiedenen Arbeitsplätzen verantwortlich. Ich koordiniere diverse Arbeiten, beispielsweise mit dem Zivilschutz. Du hast den Lehrgang zum ForstwartVorarbeiter vor mehr als zehn Ernst Gasser, Vorarbeiter im Forstbereich Scuol (Bild: Zvg)

Jahren besucht. Heute im Rückblick, was hat dir diese Ausbildung gebracht? Wovon hast du am meisten profitiert? Ich habe unter vier ganz verschiedenen Förstern gearbeitet. So habe ich gemerkt, dass nicht jeder gerne gleich viel Verantwortung übergibt. Es gab solche, bei denen lohnte es sich, die Vorarbeiterschule zu machen. Es zahlte sich auch aus – bei den andern war es für die Katz … In welchen Bereichen kannst du den Revierförster direkt entlasten? Bei organisatorischen Arbeiten, Arbeitssicherheit bei allen Arbeiten und der gesamten Forstgruppe, Einteilen der Arbeiter. Bist du auch für die Ausbildung von Lernenden verantwortlich? Gefällt dir diese Arbeit? Was ist bei der Betreuung von Lernenden das Anspruchsvollste? In Scuol bin ich für den Lernenden im praktischen Bereich verantwortlich. Mir gefällt diese Arbeit sehr gut. Ich muss mich aber immer wieder in Geduld üben und daran denken, dass auch ich mal jung gewesen bin und Flausen im Kopf hatte! Es ist sehr wichtig, dass man den Lernenden vom ersten Tag an sauber und genau arbeiten lehrt und dass die Arbeitssicherheit an erster Stelle steht. Was waren Erlebnisse, wo du als Vorarbeiter richtig gefordert warst? Beim Organisieren von Entfernungen stehender Bäume mit dem Heli; oder beim Einbauen von Holzkästen bei Strassen von A bis Z; beim Holzlistenerstellen. Besonders speziell war während der krankheitsbedingten Absenz des Försters, den Betrieb eine längere Zeit ohne grosse Hilfe zu führen. Bündner Wald 5 /2012 15


Beim Thema «Arbeitssicherheit» ist unsere Branche speziell gefordert, gerade im Holzschlag kommt hier der Führungsperson eine zentrale Rolle zu. Wie waren deine Erfahrungen als Vorarbeiter bei der Waldarbeit zum Thema Arbeitssicherheit? Kamst du schon in brenzlige Situationen? Ja, und zwar diesen Frühling. Wir mussten im steilen Gelände Schneedruckschäden im Wald aufrüsten. Wir hatten sogenannte Geigenbögen von 50 bis 70 cm Durchmesser zu fällen. Während des Fällens kam einer ca. 10 m oberhalb mit dem ganzen Stock runter und flog zwischen mir und meinem Mitarbeiter vorbei. Da mussten wir sagen, dass da jemand anderes über uns gewacht hatte, da wir beide noch am Leben waren! Die Arbeitsverfahren sind anspruchsvoller und spezialisierter geworden. Immer mehr Forstunternehmer kommen zum Einsatz bei der Holzernte. Wie stehst du dieser Entwicklung gegenüber? Denkst du, den «klassischen» Forstwart als Allrounder wird es bald nicht mehr geben bzw. nicht mehr bei der eigentlichen Holzernte? Es wird sicher immer weniger Forstbetriebe geben, die aus Kostengründen die Holzernte und andere Arbeiten selber erledigen. Schade nur schon wegen den Lernenden! Viele Betriebe dürften gar keine Forstwarte

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mehr ausbilden. Bei der Ausbildung müssen wir uns langsam, aber sicher in eine andere Richtung bewegen. Die Zeiten sind vorbei, als man noch vier bis fünf Monate in der Holzerei tätig war. Wie denkst du, könnte künftig die Rolle des Vorabeiters in einem Betrieb aussehen? Alles, was im Wald abläuft, sollte der Vorarbeiter anhand eines Monatsplans mit dem Förster selber organisieren. Was möchte Ernst Gasser der Bündner Forstbranche noch mitteilen? Dass das Forstpersonal, das mit den Händen arbeitet, genauso wie das Baupersonal mit 60 pensioniert werden sollte – so wie es die Walliser machen. Wir arbeiten mindestens so hart wie die Leute der Baubranche! Auch bei Schnee – wo die Bauarbeiter auf der warmen Ofenbank sitzen! Der kantonale Forstpersonalverband Graubünden Wald sollte in dieser Sache etwas unternehmen.

Sandro Krättli, Redaktor Bündner Wald Sagastägstr. 96, CH-7220 Schiers sandro.kraettli@awn.gr.ch


Wer ist eigentlich die OdA Wald Schweiz? Was man früher Verbände oder Sozialpartner nannte, heisst heute «Organisationen der Arbeitswelt» (kurz OdA). In der Waldwirtschaft haben sich Verbände und Bildungsanbieter zur OdA Wald Schweiz zusammengeschlossen und prägen die forstliche Berufsbildung massgebend mit. Von Rolf Dürig, dipl Forstingenieur ETH / Geschäftsführer OdA Wald Schweiz

– E r erarbeitet Erlasse für die Berufsbildung der entsprechenden Berufe. – Er verwaltet den Berufsbildungsfonds der Waldwirtschaft. – Er vertritt die Interessen seiner Mitglieder gegenüber Bund, Kantonen und anderen Berufsorganisationen. – Er kann weitere Aufgaben im Rahmen der Berufsbildung übernehmen. Die Geschäftsstelle des Vereins wurde an Im Jahr 2004 hat der Bund ein neues Be- Codoc übertragen. rufsbildungsgesetz in Kraft gesetzt. Darin Die OdA Wald Schweiz ist eine gesamtwird neu der Begriff Organisationen der schweizerische Organisation und beschäfArbeitswelt verwendet. Gemeint sind da- tigt sich als solche mit strategischen und mit «Sozialpartner, Berufsverbände, andere grundsätzlichen Fragen der Berufsbildung. zuständige Organisationen und andere An- Wichtige Projekte und Arbeiten der OdA bieter der Berufsbildung». Inzwischen hat Wald Schweiz waren und sind: sich das Kürzel OdA eingebürgert. In vie- –  Entwicklung und Verabschiedung des len Branchen haben sich die Verbände und Rahmenlehrplans für die FörsterausbilOrganisationen zu einer «Branchen-OdA» dung ( 2008 – 2009 ) – Gründung des Berufsbildungsfonds Wald zusammengeschlossen. (2009) In unserer Branche wurde am 7. April 2005 die «OdA Wald» gebildet. Sie nahm als ers- –  Entwicklung der Bildungsverordnung te Aufgabe die Reform der Forstwartausbilund des Bildungsplanes Forstpraktiker dung in Angriff. Dies führte dazu, dass 2007 ( 2010 – 2012) eine neue Bildungsverordnung Forstwart/​ – Überprüfung und Revision der Berufspro-in und ein Bildungsplan in Kraft traten. Am file Forstwart-Vorarbeiter, Forstmaschi15. November 2007 wurde der Verein OdA nenführer und Seilkraneinsatzleiter (läuft Wald gegründet, später wurde der Name in noch) «OdA Wald Schweiz» abgeändert. – Revision der Prüfungsordnungen für die Der Verein hat sich mittlerweile als wichtieben erwähnten Berufsabschlüsse (2012– 2013 ) ger Akteur der Berufsbildung etabliert. Er nimmt die Aufgaben wahr, welche das Be- – Diskussion der Fragestellung «Lehrbeginn mit Alter 15» (läuft noch) rufsbildungsgesetz vorsieht. In den Statuten – Diskussion der Fort- und Weiterbildung werden diese wie folgt beschrieben: von Berufsbildnern (läuft noch) – Der Verein OdA Wald fasst die in der Berufsbildung aktiven Berufsorganisationen – Wahl und Überwachung der unterstellten Kommissionen: QSK Wald, Aufsichtskomund Institutionen zusammen. mission üK, Kommission Berufsentwick– E r legt die Bildungsziele und -inhalte für lung und Qualität Forstwart/-in (ständige die verschiedenen Berufe – Forstpraktiker, Aufgabe) Forstwart, Forstwart-Vorarbeiter, Forstmaschinenführer, Seilkraneinsatzleiter so- Mittlerweile wurden auch einige kantonale oder regionale OdA gebildet, welche vor alwie Förster HF – fest. Bündner Wald 5 /2012 17


Mitglieder der OdA Wald Schweiz – Waldwirtschaft Schweiz WVS

– Forstunternehmer Schweiz FUS

– Verband Schweizer Forstpersonal VSF

– Bildungszentrum Wald Lyss

– ibW / Bildungszentrum Wald Maienfeld

– Bundesamt für Umwelt BAFU

Der Vorstand besteht aus folgenden Personen: Stimmberechtigte Vorstandsmitglieder : – Hanspeter Egloff, Präsident, WVS

– Markus Steiner, Vizepräsident, VSF

– Pius Wiss, FUS

– Alan Kocher, BZW Lyss

– Stefan Brülhart, ibW/BZW Maienfeld

– Otto Raemy, BAFU

Vorstandsmitglieder ohne Stimmrecht : – Ueli Meier, Kantonsforstingenieur Kt. BL-BS, Präsident der KoK – Fausto Riva, Ausbildungsleiter Kt. Tessin – Andreas Greminger, Präsident OdA Wald St.Gallen-Appenzell AR – Geri Kaufmann, Geschäftsführer OdA Wald BL-BS-SO – Christine Giesch, Geschäftsführerin Forêt Valais – Rolf Dürig, Geschäftsführer OdA Wald Schweiz

lem in der Umsetzung der Forstwartausbildung tätig sind. Im Kanton Graubünden ist es die «OdA Wald GR», hinter der das Amt für Wald Graubünden, Graubünden Wald, Selva, der Bündner Forstunternehmerverband sowie das Bildungszentrum Wald Maienfeld stehen. Die grösste regionale OdA ist die OdA Zentralschweiz+, welche regionale Verbände von sieben Kantonen umfasst. Um die regionalen OdA besser zu integrieren, hat die OdA Wald Schweiz kürzlich drei Vertreter der regionalen OdA mit beratendem Status in den Vorstand aufgenommen. Im Weiteren findet zweimal jährlich eine Tagung statt, an der die regionalen OdA sowie die kantonalen Ausbildungsleiter zum Informationsaustausch eingeladen werden. Die OdA Wald Schweiz wird heute von vielen Forstleuten in der Praxis noch wenig wahrgenommen. Man darf jedoch ihre Rolle und Bedeutung nicht unterschätzen. Sie 18

ist verantwortlich und richtungsweisend für viele Bestimmungen, welche die forstliche Berufsbildung und somit die Zukunft unserer Branche betreffen. Es lohnt sich also, sich regelmässig über die Tätigkeit der OdA Wald Schweiz zu informieren. Der Berufsbildungsfonds BBF Wald Der BBF Wald startete im Jahr 2009. Da er vom Bundesrat für allgemeinverbindlich erklärt worden ist, müssen alle Forstbetriebe, Forstunternehmen und Selbstständige, welche in der Waldwirtschaft tätig sind, die festgelegten Beiträge bezahlen. Derzeit sind rund 1400 Betriebe und Selbstständigerwerbende erfasst. Die Beiträge aller Betriebe ergeben pro Jahr rund 1 Million Franken. Diese Gelder werden zu 75 Prozent für die berufliche Grundbildung eingesetzt. Der BBF Wald bezahlt an jeden üK-Tag (überbetrieblicher Kurs) CHF 70.– pro Teilnehmer. Durch diese Beiträge werden die Kurse für


die Lehrbetriebe günstiger. Im Weiteren werden die berufsorientierte Weiterbildung und Projekte der OdA Wald gefördert und unterstützt. Der BBF Wald ist der OdA Wald unterstellt. Für operative Fragen ist eine fünfköpfige Fondskommission zuständig, die von Markus Steiner (VSF) präsidiert wird. Die Geschäftsstelle wird von Codoc betreut, Inkasso und die Buchhaltung werden durch BDO-Visura ausgeführt.

Weitere Informationen: www.bbf-wald.ch

Rolf Dürig Codoc Hardernstrasse 20, Postfach 339, 3250 Lyss rolf.duerig@codoc.ch

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Bündner Wald 5/2012 19


Interview mit Stefan Brülhart-Caprez

Stefan Brülhart-Caprez hat sich zum Ziel gesetzt, die forstlichen Lehrgänge am BZWM in enger Absprache mit Kantonen und Forstpraxis weiterzuentwickeln. (Bilder : Stefan Brülhart-Caprez )

Mit der Integration des Bildungszentrums Wald Maienfeld (früher Interkantonale Försterschule) in die ibW Höhere Fachschule Südostschweiz entstand die neue Schule Wald, Holz und Bau. Dort sind sämtliche Weiterbildungen in den Bereichen Wald, Schreinerei, Holzbau, Bau und Innenarchitektur zusammengefasst. Seit gut einem Jahr führt der 40-jährige Freiburger Stefan Brülhart-Caprez die wichtige Ausbildungsstätte für Waldkaderleute. Der Forstingenieur spricht mit dem «Bündner Wald» über seinen beruflichen Werdegang, seine enge Beziehung zum Bündnerland, seine Doppelfunktion an der neuen Försterschule sowie über deren Positionierung in der Bildungslandschaft «Wald».  eschreiben Sie den «Bündner B Wald»-Lesern bitte gleich vorneweg Ihren forstlichen Werdegang sowie Ihren konkreten Einstieg in die Bildungslandschaft «Wald»? Im Jahr 1998 habe ich das «klassische» Forstingenieurstudium an der ETH Zürich erfolgreich abgeschlossen. Für das Wählbarkeitspraktikum konnte ich acht Monate 20

an der Forstfakultät der «University of Stellenbosch» in Südafrika arbeiten und lernte so schon früh eine ganz andere Forst- und Holzwirtschaft kennen. In Südafrika konzentriert sich die grösste Papierindustrie der südlichen Hemisphäre mit insgesamt vierzehn Papierfabriken. Den Schweizer Forstdienst lernte ich während und nach dem Studium mit weiteren Praktika in den Kantonen Bern und Freiburg eingehend kennen. Weitere Einblicke in die vielfältigen Berufsmöglichkeiten eines Forstingenieurs erhielt ich durch ein Berufspraktikum in einem privaten Ingenieurbüro. Meine erste «richtige» Festanstellung als ausgebildeter Forstingenieur fand sich dann Anfang 1999 in einer grossen Freiburger Sägerei. Als Management-Verantwortlicher und in meiner Funktion als Direktionsassistent war ich am Aufbau und der Weiterentwicklung der integrierten Managementsysteme im eigentlichen Holzindustriebetrieb wie auch im angelagerten Tiefbauunternehmen massgeblich beteiligt – es arbeiteten dort insgesamt 130 Personen. Die Arbeitsschwerpunkte in den Bereichen Management und Organisation sowie der längerfristigen strategischen Weiterentwicklung manifestierten sich schlussendlich auch in einem Innovationsmanagement-Masterstudium (Management of Technology), das ich im Jahr 2002 berufsbegleitend an der ETH in Lausanne und der University of Texas (USA) absolviert habe. Seit 2005 habe ich mein Pensum in der Privatwirtschaft zugunsten einer ständig wachsenden Teilzeitstelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Studiengang Forstwirtschaft an der HAFL (früher SHL) in Zollikofen laufend reduziert. Die Lehre sowie die angewandte und entsprechend praxisnahe Forschung im Bereich Wald und Holz haben mich seither nicht mehr losgelassen.


Die Stellenausschreibung der ibW für einen neuen Schulleiter «Wald, Holz und Bau» war aufgrund meiner bisherigen Tätigkeiten wie massgeschneidert für mich. Seit gut einem Jahr ist unter anderem das Bildungszentrum Wald im Bovel oberhalb von Maienfeld Ihr neuer Arbeitsplatz. Dabei haben Sie eine Doppelfunktion als Schulleiter «Wald, Holz und Bau» wie auch als Fachvorsteher der Abteilung Wald übernom­ men. Was muss man sich darunter vorstellen? Die ibW Höhere Fachschule Südostschweiz besteht aus vier Teilschulen, eine davon ist die Schule «Wald, Holz und Bau». Diese Schule wiederum besteht aus den fünf Fachabteilungen Wald, Schreinerei, Holzbau, Bau und Innenarchitektur. Ich habe sowohl die Leitung der Schule wie auch der Fachabteilung Wald inne, bin also gewissermassen mir selbst unterstellt. Gleichzeitig bin ich Mitglied der Geschäftsleitung der ibW. Mit dieser Organisationsform ist sichergestellt, dass die Fachabteilung Wald direkt in der Geschäftsleitung vertreten ist. So arbeite ich eigentlich nicht nur in einer Doppelfunktion, sondern sogar auf drei Ebenen. Mein Hauptarbeitsplatz ist am Bildungszentrum Wald in Maienfeld, aber ich arbeite auch regelmässig mit der Geschäftsleitung am ibW-Hauptsitz in Chur. Als zeitintensivster Part mit ca. 40 – 45 Prozent gestaltet sich meine Arbeit als Fachvorsteher am Bildungszentrum Wald in Maienfeld. Die Leitung der Schule «Wald, Holz und Bau» mit rund 300 Studierenden beschäftigt mich momentan mit ca. 30 – 35 Prozent und die Funktion als Mitglied der ibW-Geschäftsleitung entsprechend mit 25 Prozent.

 as sind Ihre Eindrücke nach dem W ersten Jahr an der ibW bzw. am BZWM ? Ich habe in meinem Leben noch nie in so kurzer Zeit so viele neue Menschen kennengelernt wie in den letzten 12 Monaten. Ich versuche, den Austausch mit den kantonalen Forstdiensten, der übrigen Forstwirtschaft und anderen Bildungsinstitutionen zu pflegen. Besonders vom Erfahrungsaustausch mit Arbeitgebern unserer Schulabgänger kann ich stark profitieren und allfällige Anpassungen der forstlichen Ausbildungen direkt einfliessen lassen. Neben der Försterausbildung, die im ersten Teil berufsbegleitend (drei Monate reine Ausbildungszeit) und danach mit einem Kompaktlehrgang mit Vollzeitbesuch (während 21 Monaten) erfolgt, werden in Der Wahlbündner verbringt seine Freizeit liebend gern bei Aktivitäten in der freien Natur, vor allem zusammen mit seiner Familie.

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«Der Försterberuf verlangt sowohl ökonomische, ökologische als auch soziale Kompeten­ zen», so Stefan Brülhart-Caprez.

Der Freiburger nimmt es mit der Integration in seiner neuen Wahlheimat ernst: So spricht er fliessend romanisch und erfreut sich mit der Familie am Bündner Brauchtum (wie hier am Chalandamarz).

der Abteilung Wald auch weitere modulare Lehrgänge angeboten. Es sind dies der Forstwart-Vorarbeiter, der Seilkran-Einsatzleiter und der Forstwart-Gruppenleiter. Diese Lehrgänge finden am Bildungszentrum Wald und Holz in Maienfeld statt. Das Bildungszentrum Wald hat sich in den letzten Jahren stark verändert und weiterentwickelt. Die Tiefe der Försterausbildung hat sich von einem auf zwei Jahre verdoppelt. Nach über drei Jahrzehnten unabhängiger Existenz wurde das Bildungszentrum 2008 in die ibW integriert, was einerseits mit der Abgabe gewisser Kompetenzen verbunden war, andererseits aber auch mit der Erschliessung neuer Chancen und Potenziale. 22

So können – beispielsweise in der Sprach-, Mathematik- oder Holzverarbeitungsausbildung – nichforstliche Fachdozenten der ibW unterstützend in der Försterausbildung eingesetzt werden. Die ibW bietet als einzige Bildungsinstitution der Schweiz Lehrgänge über die gesamte Holzkette an, vom Wald über die höhere Schreinerausbildung, Innenarchitektur, Hoch- und Tiefbau bis zum Baupolier. Dies ist eine grosse Chance und eröffnet die Nutzung von wichtigen Synergien. Der «Geist» der Holzkette ist ständig präsent und wird im Schulalltag gelebt, wobei die Ausrichtung der einzelnen Fachrichtungen klar getrennt bleibt. Das Anforderungsprofil, welches heute an einen «modernen» Förster gestellt wird, ist vielfältig und heraus­ fordernd. Kann die angebotene Ausbildung diesen Ansprüchen gerecht werden und wo steht sie in der heutigen Bildungslandschaft ? Der Försterberuf verlangt sowohl ökonomische, ökologische als auch soziale Kompetenzen. Immer wichtiger werden dabei auch die Informatikkenntnisse. Der Umgang mit elektronischen Hilfsmitteln und


Informatikwerkzeugen gehört heute genauso zum Försterhandwerk wie Kenntnisse in Waldbau, Holzernteverfahren und Betriebsleitung. Bei dieser Entwicklung muss das Bildungszentrum Wald weiterhin vorne dabeibleiben. Ein zunehmend bedeutenderes Werkzeug für den Förster ist auch die Kommunikation. Es ist wichtig, dass der Förster als Kaderperson kompetent und überzeugend auftreten kann, sei dies an einer Gemeindeversammlung, bei Verhandlungen mit Holzabnehmern, aber auch als Ansprechpartner der Waldbesitzer. Die Ansprüche der Gesellschaft an den Wald steigen stetig, da braucht es fundierte Antworten und oft auch den richtigen Tonfall. Für mich ist es wichtig, das vernetzte Denken bei den künftigen Forstkaderpersonen intensiv und praxisorientiert zu schulen. Im Zentrum steht für uns die inhaltliche Weiterentwicklung aller forstlichen Ausbildungen der Abteilung Wald. In enger Zusammenarbeit mit Kantonen und Forstpraxis sollen die Inhalte ständig überdacht und angepasst werden. Wir sind daran, die Inhalte der Lernbereiche gegenseitig zu optimieren. Doppelspurigkeiten und Ausbildungslücken sollen erkannt und eliminiert werden. Vor gut drei Jahren wurden die fachübergreifenden Lernbereiche eingeführt. Dieses Intensivtraining in vernetztem Denken auf hohem Niveau soll in Zukunft weiter gepflegt und ausgebaut werden. Was sind die Besonderheiten des Bildungszentrums Wald – abgesehen von der traumhaften Lage in Maienfeld? Das BZWM ist schweizweit ein wichtiges Kompetenzzentrum für Wald. In der Schweiz gibt es zwei Bildungsstätten für den Försterlehrgang HF, nämlich in Lyss und Maienfeld. In Maienfeld ist die Fachstelle

für Gebirgswaldpflege angesiedelt. Sie ist national einzigartig und wird von Waldfachleuten aus allen Landesteilen (und auch aus dem Ausland) genutzt. Ebenso auf dem Spezialgebiet der Seilkrantechnik und dessen Einbindung in die Lehrtätigkeit ist das BZWM absolut führend und bildet Kursteilnehmer aus der Schweiz, Österreich, Italien und Süddeutschland aus. Dieses Kompetenzzentrum soll noch weiter ergänzt werden. Der Antrag für eine weitere nationale Fachstelle, nämlich jene für forstliche Bautechnik, ist derzeit in Bearbeitung. Diese soll bei Fragen zu forstlichen Erschliessungen und Schutzbauten gegen Lawinen, Erdrutsche und Wildwasser mit Expertenwissen die Praxis unterstützen. Dabei versucht das BZWM den Bedürfnissen mehrerer Kantone nachzukommen. Seit Jahren besteht im Berufsalltag trotz vereinfachter Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten die Tendenz, dass praktisches Wissen verloren geht. So können infolge von Pensionierungen, fehlender Dokumentation von praktischen Erfahrungen und einer allgemein feststellbaren Akademisierung gravierende Wissenslücken entstehen. Durch die eigenständigen Fachstellen kann dieses Wissen unabhängig sichergestellt, aber gleichzeitig klar in die Bildung integriert und praxisnah an das zukünftige Forstkader weitergegeben werden. Die verschiedenen Stufen der forstlichen Ausbildung sollen sich so einordnen, dass sie sich gegenseitig ergänzen können und einander nicht das Wasser abgraben müssen. Gemäss unserem neuen Waldgesetz und im Zug der zunehmenden Gemeindefusionen wird es immer mehr grosse Forstreviere bzw. Forstbetriebe geben. Wo sehen Sie die Position des Bündner Wald 5/2012 23


Voranzeige: Tag der offenen Türe Am 17. / 18. November 2012 öffnet das Bildungszentrum Wald, Bau und Holz in Maienfeld die Türen zu seinem «neuen» Technologiezentrum und stellt der Öffentlichkeit das Ausund Weiterbildungsangebot im Forstbereich sowie anderen Abteilungen der ibW vor. Wir laden auch Sie gerne dazu ein!

Försters HF in der Zukunft und dessen Abgrenzung zu HAFL-Absolventen (Zollikofen) und ETH? Die gesamte Bildungslandschaft «Wald» hat in den letzten Jahren grosse Veränderungen erfahren. Die praxisorientierte Försterausbildung, wie wir sie hier in Maienfeld anbieten, hat sich ebenfalls stark gewandelt und ist tiefer und länger geworden. Entgegen dem allgemeinen Trend der Akademisierung war, ist und bleibt dem Bildungszentrum Wald in Maienfeld ein wichtiger Vorteil: die ausgesprochene Stärke der Praxisnähe. Die Nachfrage nach gut und praxisnah ausgebildetem Forstpersonal mit ausgewiesenen Führungs- und Fachkompetenzen bleibt nach wie vor bestehen, was sich auch auf dem Arbeitsmarkt mit der jeweils schnellen Anstellung der frischgebackenen Förster zeigt. Eine Akademisierung auf dieser Stufe wäre auch bei uns denkbar und möglich, aber meines Erachtens ein grosser strategischer Fehler. Damit wäre weder den Studierenden noch der zu bedienenden Forstbranche gedient. Die Frage, welche Tätigkeit mit welcher Ausbildung abgedeckt werden kann, kann heute nicht abschliessend beurteilt werden und löst verständlicherweise auch eine gewisse Unsicherheit aus. Unter den drei Abschlüssen FörsterIn HF, ForstingenieurIn FH und SpezialistIn Wald- und Landschaftsmanagement ETH hat der Förster HF den höchsten Bekanntheitsgrad, man weiss seit Längerem, was diese Abgänger können. 24

Die anderen beiden Abschlüsse sind jünger und weiter entfernt von der Berufspraxis; ihre Positionierung in der Forstbranche ist noch im Gange. Für die Höheren Fachschulen kristallisiert sich daraus klar die Kernaufgabe des ständigen Dialogs mit der Forstpraxis heraus. Dabei muss sich auch das BZWM am neusten Stand orientieren, zukünftige Entwicklungen nach Möglichkeit vorwegnehmen und die Studierenden optimal auf die «neue Försterrolle» vorbereiten. Mit der Konzentration auf unsere Stärke – die praxisnahe und lösungsorientierte Forstausbildung – sowie der Schaffung von entsprechenden Fachstellen zur Sicherstellung forstlicher Kompetenzen, immer mit dem raschen Wandel von Technik und Gesellschaft in den Augen, sind wir sicher nicht auf dem «Holzweg». «Senslerdeutsch-Romanisch im Chefbüro der Försterschule» – so titelte vor gut einem Jahr ein Bericht über Sie in der Bündner Tagespresse. Sie sind also nicht nur der Arbeit und des Waldes wegen nach Graubünden gekommen? Natürlich auch – aber nicht nur: Meine Frau stammt aus Ftan im Engadin, und mir war immer bewusst, dass sie gerne wieder zurückkehren würde ins Bündnerland. Dies war noch ein Grund mehr, sich damals auf die Stellenausschreibung der ibW zu melden. Dank meiner Frau bin ich nun schon seit 16


Jahren stark mit dem Bündnerland verbunden. Gleich in den ersten Monaten habe ich Romanisch gelernt und spreche mit ihr Vallader, mit unseren zwei Kindern hingegen «Seislertütsch» (Freiburger Mundart). Für mich ist eine zunehmende, tiefe Verankerung im Kanton Graubünden sehr erstrebenswert, privat wie beruflich. In der Zwischenzeit haben wir uns in Chur niedergelassen und unser Sohn besucht den zweisprachigen Kindergarten Deutsch/Ro-

manisch. Für mich bedeutet es ein absolutes Privileg, hier zu wohnen, wo andere Ferien machen.

Nina Hemmi SELVA Bahnhofplatz 1, 7302 Landquart nina.hemmi@selva-gr.ch

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Will Graubünden einen Lokalen Naturgefahrenberater? Fast wöchentlich ereignen sich im Kanton Graubünden kleinere oder grössere Naturereignisse. Dank Schutzbauten, Gefahrenkartierung und der Ausscheidung von Gefahrenzonen sowie gut organisierter Lawinendienste führen diese erfreulicherweise immer seltener zu grossen Sachschäden oder gar Todesfällen. Grosse Unwetter wie 2005 im Prättigau und Unterengadin, 2002 in der Surselva und in Mittelbünden, 1987 in Poschiavo oder auch der Lawinenwinter 1999 sprengen oftmals die Möglichkeiten von technischen, raumplanerischen und organisatorischen Schutzmassnahmen. Vor Ort ist dann Fachwissen zu den Gefahrenprozessen, gute Kenntnisse der lokalen Gegebenheiten und eine reibungslose Vernetzung mit den Entscheidungsträgern erforderlich: ein Lokaler Naturgefahrenberater. In vielen Gemeinden existieren bereits heute entsprechende Strukturen: Lawinendienste

funktionieren im Sommer als «Sommergefahrendienste», ­Gemeinde- und Kantonsangestellte verfolgen die Wetterentwicklung und alarmieren bei drohenden Gefahren, Revierförster erfassen Naturereignisse und sind bei der Gefahrenkartierung eingebunden. Ebenso oft fehlt dieses wichtige Glied in der Kette. Eine Umfrage bei allen Bündner Gemeinden gibt Aufschluss darüber, wo das Bedürfnis nach einem Lokalen Naturgefahrenberater besteht, wer dafür infrage kommt, und in welchen Bereichen diese Personen ausgebildet werden sollen. Die Onlineumfrage wurde zwischen dem 9. Mai und 9. Juli 2012 durchgeführt. In einem Schreiben des Regierungsrats wurden 176 Gemeinden des Kantons ermuntert, an der Umfrage teilzunehmen – 141 Gemeinden sind der Aufforderung gefolgt. Die 21 Fragen konnten auf Deutsch, Italienisch oder Romanisch beantwortet werden.

Abb. 1: Der Kanton prüft die Ausbildung von lokalen Naturgefahrenberatern in allen Gemeinden. Könnte eine Person aus Ihrer Gemeinde, welche die Führungsverantwortlichen im Ernstfall fachlich beraten kann, für Sie hilfreich sein? (Total 141 Antworten) (Bild: AWN)

19%

2% 18%

ja, sehr ja eher ja eher nein

18%

gar nicht

43% 26

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Revierförster

81%

Bauamt/Werkmeister

21%

Feuerwehroffizier

16% 11%

Private Sachverständige

6%

weiss nicht

1%

0%

Zivilschutzoffizier 20%

40%

60%

80%

100%

Abb. 2: Wen könnten Sie sich aus Ihrer Gemeinde für diese Funktion vorstellen? (Mehrfachnennungen möglich) (Bild: AWN)

UMFRAGE LOKALER NATURGEFAHRENBERATER Ist ein Lokaler Naturgefahrenberater welche einem Lokalen NaturgefahrenberaGrobauswertung erwünscht? ter ablehnend gegenüber stehen ( 21 ProZentrales Thema der Umfrage war, ob in zent), werden in der Regel nicht oder nur den Gemeinden das Bedürfnis nach einem marginal von Naturgefahren bedroht, oder Naturgefahrenberater besteht. sie verfügen bereits über einen gut funktiorenberater: Lokalen wieviele? Auf die Frage «Könnte eine Person aus nierenden Dienst. Gemeinden (59 %)Gemeinde, kann sichwelche vorstellen, dass ein LNBDie fürüberwiegende mehrere Mehrheit der GemeinIhrer die Führungsverg sein könnte.antwortlichen Gleichzeitig im möchte nicht beraten unerheblicher Teilimder den sieht Revierförster die optimale BeErnstfallein fachlich LNB, welcher nur der Gemeinde zur Verfügung steht.des Naturgefahrenberaters (siehe setzung kann, fürjeweiligen Sie hilfreich sein?» antworteten 61 Prozent der Gemeinden mit «Ja sehr» Abbildung 2 ). Der Revierförster verfügt oder «Ja» (siehe Abbildung 1 ). Gemeinden, über sehr gute lokale Kenntnisse, ist mit

r nur für Ihre Gemeinde zuständig sein oder kann ernur mehreren Gemeinden Abb. 3: Soll ein Lokaler Naturgefahrenberater für Ihre Gemeinde zuständig sein, oder kann er mehreen) ren Gemeinden zur Verfügung stehen? (Bild: Herzog Ingenieure AG)

Nur eigene Gemeinde Mehrere Gemeinden Spielt keine Rolle Keine Antwort

UNG DER ANTWORTEN PRO

GEMEINDE (WEISSE GEMEINDEN = KEINE ANTWORT ZU

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den Führungskräften in der Gemeinde in der Regel gut vernetzt und mit den relevanten Gefahrenprozessen vertraut. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen aber auch, dass die Ausbildung weiteren Berufsgruppen offen stehen soll. Eine Voraussetzung ist dabei, dass die jeweilige Person im Ereignisfall nicht mit anderweitigen Funktionen betraut ist. In diesem Zusammenhang interessiert die Frage, ob ein Lokaler Naturgefahrenberater nur für eine Gemeinde zuständig sein soll oder in mehreren Gemeinden beraten kann. Hier zeigte sich tendenziell, dass grössere Gemeinden einen «eigenen» Berater wünschen, kleine Gemeinden aus personellen Gründen froh um eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit sind (siehe Abbildung 3 ). Wie sollen die Ausbildungsinhalte aussehen? Bei der Frage «Zu welchen Gefahrenprozessen wäre für Sie eine fachliche Beratung wünschenswert?» wurden von mehr als zwei Dritteln der Gemeinden Rutschungen/Hangmuren angekreuzt, gefolgt von Hochwasser/ Murgängen, Sturzprozessen und Lawinen. Lawinen spielen damit im Vergleich zu den übrigen Prozessen eine eher untergeordnete Rolle. Dies dürfte darauf zurückzuführen sein, dass nur höher gelegene Gemeinden regelmässig durch Lawinenereignisse betroffen sind und diese Gemeinden in der Regel über einen Lawinendienst verfügen. Darüber hinaus hat die Umfrage gezeigt, dass verschiedene Gefahrengrundlagen nur wenig bekannt sind: Gefahrenzonenpläne, über welche grundsätzlich jede Gemeinde verfügt, werden nur von knapp 30 Prozent genutzt. Gefahrenkarten, die seit rund zwei Jahren per Internet frei verfügbar sind, wer-

den von weniger als 20 Prozent der Gemeinden im Ereignisfall als Hilfsmittel genutzt. Fazit Die Umfrage hat klar aufgezeigt, dass in den Bündner Gemeinden das Bedürfnis für einen Lokalen Naturgefahrenberater besteht. In erster Linie sind dafür Revierförster vorgesehen, welche bereits ein grosses Vorwissen zu den verschiedenen Naturgefahrenprozessen mitbringen, über hervorragende lokale Ortskenntnisse verfügen und in den Gemeinden meist sehr gut vernetzt sind. Bis Ende 2012 wird ein auf die Bündner Gemeinden angepasstes Ausbildungskonzept erstellt. Hierzu werden die vom Bund bereitgestellten Unterlagen insbesondere in den Bereichen Murgang, Rutschungen und Steinschlag/Felssturz ergänzt. Da der Lokale Naturgefahrenberater als Spezialist in den jeweiligen Gemeindeführungsstab eingebettet ist, wird ein wichtiger Teil der Ausbildung auch vom Amt für Militär und Zivilschutz Graubünden bestritten. Der künftige Naturgefahrenberater soll wissen, wie und womit Stäbe und Einsatzkräfte arbeiten und was sie zur Lagebeurteilung und Entscheidungsfindung brauchen. Die Ausbildungskurse für Lokale Naturgefahrenberater werden 2013 und 2014 durchgeführt. Danach sind jährliche Wiederholungskurse mit integriertem Erfahrungsaustausch geplant.

Andreas Huwiler Amt für Wald und Naturgefahren Loëstrasse 14, 7000 Chur andreas.huwiler@awn.gr.ch

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Waldfachleute von morgen Der Fachverein Wald (FVW) Der Fachverein Wald (FVW) des Schweizerischen Ingenieur- und Architekten­vereins SIA vertritt auf gesamtschweizerischer Ebene die beruflichen Interessen der Waldfach­leute mit Hochschulbildung. Er setzt sich für die Erhaltung und Förderung der Fachkompetenzen sowie für die Qualität der Berufsausübung ein. Der FVW ist innerhalb des SIA in der interdiszipli­nären Berufsgruppe Boden/Wasser/Luft einge­bunden.

Aktuelle Projekte des FVW: Aufbau Website mit Mitgliederverzeichnis/Büroverzeichnis, Jobbörse, Lohnerhebung. www.sia-wald.ch | www.sia-foret.ch

Wir beginnen unseren Beitrag mit einem Aufruf: Alle heute im und für den Wald tätigen Berufsleute sollen in irgendeiner Form ihren Teil dazu beitragen, dass auch in Zukunft gute und genügend Waldfachleute zur Verfügung stehen und deren Kompetenzen und Erfahrungen genutzt werden. Wir werden sie nötig haben! Mit «Waldfachleute» sind die Berufsleute in allen Bereichen gemeint, von den handwerklich in der Ausführung der Waldarbeit tätigen Forstwarten bis zu den konzeptionell-strategisch tätigen Generalisten und Spezialisten. Der zukünftige Wald braucht auf allen Stufen gute und genügend Fachkräfte, es gibt somit auch nicht wichtige und weniger wichtige forstliche Ausbildungsgänge.

Der vorliegende Beitrag stellt die Sicht des Fachvereins Wald ( FVW ) des SIA dar. Der FVW will einen Teil der Verantwortung für die Zukunft im Wald übernehmen. Er vertritt die Waldfachleute mit Hochschulbildung, fördert deren berufliche Kompetenzen und setzt sich dafür ein, dass diese in entsprechenden Stellen und Mandaten auch genutzt werden. Damit die Ausbildungen den Bedürfnissen entsprechen, sucht er den Austausch zwischen Praxis und Lehre. Im Jahre 2008 organisierte der FVW eine von gut 100 Teilnehmern besuchte Tagung mit dem Thema «Wer sind die Waldfachleute von morgen?» (siehe dazu auch «Bündner Wald» Nr. 6/2008, Wald + Holz

Höhere forstliche Ausbildungen – den Wald vor lauter Bäumen noch sehen (Bild: Sandro Krättli)

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1/2009 ). Ergebnisse dieser Tagung finden im vorliegenden Beitrag Niederschlag.

Anforderungen an die Waldfachleute von morgen Die grosse Bedeutung der Wälder und die Ansprüche an sie werden in Zukunft weiter steigen. Es werden ganz neue und gesellschaftlich sehr wichtige Anforderungen auf die Waldfachleute zukommen. Stichworte dazu: Risiken des Klimawandels, Siedlungsdruck in den Agglomerationsräumen einerseits und gleichzeitig Zunahme der alpinen Brache, Entfremdung der Menschen von den natürlichen Prozessen; angesichts der weltweiten Ressourcenverknappungen gleichzeitig aber auch Zunahme der Nachfrage nach natürlichen Ressourcen und damit auch nach Wald. Es kommen also raumplanerische, ökologische, Forstliche Exkursion zur Standortskunde (Bild: Sandro Krättli)

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ökonomische, soziale wie auch technische Herausforderungen auf die Waldfachleute zu. Die Pro­blemfelder sind heute zwar grundsätzlich bekannt, in ihren Folgen und Ausmassen aber bei Weitem nicht absehbar. Was heisst das nun für die Ausbildung der Waldfachleute? – Neue Probleme sind nur begrenzt mit alten Rezepten lösbar. Gefragt sind nebst solidem Basiswissen Methoden- und Sozialkompetenz und die Fähigkeit, neue Lösungswege zu entwickeln. Wir brauchen, wie in anderen Branchen, auf allen Ebenen «die Besten». – Die Lösung komplexer Fragestellungen erfordert interdisziplinäre Zusammenarbeit und damit Bereitschaft und Fähigkeit zu Teamarbeit über die eigenen fachlichen Grenzen hinaus. – Ausbildungen sind nicht mehr in erster Linie ausgerichtet auf bestimmte Stellenprofile und bilden nicht mehr die Organisationsstruktur der Forstdienste ab! Wir brauchen keine Angst vor der heutigen Vielfalt der forstlichen und «waldnahen» Bildungsgänge mit den im Gegensatz zu früher sehr individuellen Ausbildungsprofilen der Absolventen zu haben! Wir brauchen diese Vielfalt, sie deckt die verschiedenen Bedürfnisse der Praxis ab. Die Erfahrungen aus den letzten vier Jahren zeigen, dass die Absolventen der neuen Ausbildungen sehr gefragt waren. Arbeitgeber müssen bei der Personalauswahl allerdings sehr genau wissen, welche Kompetenzen sie benötigen. Den Forstmann oder die Forstfrau «ab Stange» gibt es nicht mehr. Auch in Zukunft werden Waldfachleute in verschiedenen Funktionen und Organisationen benötigt: in den öffentlichen Verwaltungen (wo die Sicherstellung der öffentli-


chen Interessen im Vordergrund steht), bei Waldeigentümern und Waldbewirtschaftern inkl. privaten Forstunternehmungen, bei Interessenverbänden, beratenden Dienstleistern etc. Einsatzmöglichkeiten bestehen im engeren forstlichen Bereich, in der nachgelagerten Holzkette, in der Forschung und Entwicklungszusammenarbeit, in «waldnahen» und fachverwandten Bereichen. Das unterschiedliche und spezialisierte Know-how zur Lösung der zunehmend komplexeren Fragestellungen ist je länger desto weniger innerhalb kleiner Organisationseinheiten vereint. Dies bedeutet, dass Zusammenarbeit in grösserem Rahmen gesucht werden muss. Gerade für die interdisziplinäre Zusammenarbeit und Lösungsprozesse im Team werden auch zukünftig die forstlichen Generalisten gefragt sein. Aber wer ist denn nun «Waldfachperson», welche Kompetenzen sind – angesichts der breiten Palette an Bildung und beruflichen Einsatzgebieten – allen Waldfachpersonen gemeinsam? Aus unserer Sicht ist das gemeinsame und verbindende, sozusagen das minimal erforderliche Basiswissen jeder Waldfachperson ein Grundverständnis für das Ökosystem Wald und seine biologische Produktion und Wirkung. Kombiniert mit spezialisiertem Fachwissen (z.  B. handwerklicher, technischer, planerischer, ökonomischer, ökologischer oder kommunikativer Natur) und einer verantwortungsvollen Beziehung zum Wald ergeben sich daraus die verschiedenen erforderlichen Berufskompetenzen. Diese reichen vom Waldbau, den Holzernteverfahren, der Holzvermarktung und der Betriebsführung über das Naturgefahrenmanagement und das forstliche Ingenieurwesen bis zum Waldnaturschutz und zur Waldpädagogik. Daraus ergibt sich, dass auch Berufsleute, in deren Ausbildungsbezeichnung das Wort

«Wald» oder «Forst» fehlt, in spezialisierten Teilbereichen Waldfachleute sein können. Es darf keine Abschottung zwischen unserer Branche (Waldberufe im engeren Sinn) und anderen Berufen geben. Auf der anderen Seite müssen wir auch die Kompetenzen der als Generalisten ausgebildeten Waldfachleute (Waldberufe im engeren Sinn) in den umweltverwandten Branchen klar hervorheben. Haben wir nun Waldfachleute für die Ewigkeit? Wie bis anhin können wir auch in nächster Zeit Änderungen und Anpassungen in der Ausbildung der Waldfachleute erwarten. Der FVW fordert diese Anpassungen sogar aktiv! Einerseits, um nach der Neugestaltung der Ausbildungsgänge diese weiter zu optimieren und andererseits, um die Entwicklungen in Praxis und Forschung auch entsprechend in den Ausbildungsgängen zu verankern. Gegenwärtig werden die erkannten Bildungslücken im Ingenieurwesen und in der forstlichen Planung gemeinsam mit den Hochschulen ( HAFL und ETH Zürich) genauer betrachtet, um auch die Anliegen der Praxis bereits in der Ausbildung zu berücksichtigen.

Martin Blum IMPULS AG Seestrasse 2, 3600 Thun martin.blum@sia-wald.ch

Ruedi Iseli Hasspacher&Iseli GmbH Hauptgasse 25, 4600 Olten ri@hasspacher-iseli.ch

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Berufs- und Studienabschlüsse – Ordnung im Kürzelwirrwarr

Das forstliche Bildungsspektrum geht mittlerweile weit – schwierig den Überblick zu behalten (Bild: Sandro Krättli)

Vieles ist neu in der beruflichen und akademischen Aus- und Weiterbildung – oder wird zumindest anders bezeichnet. Auslöser ist nicht zuletzt die sogenannte Bologna-Reform, die europaweit den Bachelor- und Masterabschlüssen zum Durchbruch verhalf. Hier sei der Versuch unternommen, die wichtigsten Abkürzungen, welche in den Bildungsabschlüssen verwendet werden, zu erklären. Berufliche Grundbildung Berufsattest. EBA: Eidgenössisches Zweijährige berufliche Grundbildung. Diese gibt es in der Waldwirtschaft ab 2013 unter der Bezeichnung: «Forstpraktiker EBA». EFZ: Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis. Verliehen nach erfolgreich absolvierter drei- oder vierjähriger beruflicher Grundbildung, der Berufslehre. Beispiel: «Forstwart EFZ». BMS: Berufsmittelschule. Die Berufsmatura erlaubt den prüfungsfreien Zugang zu einer Fachhochschule. Sie kann während oder nach der Lehre absolviert werden. Höhere Berufsbildung (Tertiär B) BP:  Berufsprüfung mit eidgenössischem Fachausweis, erste Spe32

zialisierung und fachliche Vertiefung nach abgeschlossener Berufslehre und mit Erfahrung im Beruf. Beispiel: «Forstmaschinenführer». HFP: Höhere Fachprüfung oder Meisterprüfung mit eidgenössischem Diplom. Beispiel: «Gärtnermeister». Bildungsgänge mit Praxisbezug HF:  an einer Höheren Fachschule. Die Absolventen erwerben vertieftes Fachwissen und werden auf die Übernahme einer leitenden Funktion vorbereitet. Beispiel: «Dipl. Förster HF». NDS HF:  Nachdiplomstudiengang an einer Höheren Fachschule. Hochschulbildung (Tertiär A) Neben den Universitäten können auch die Fachhochschulen Bachelor- und Mastertitel vergeben. Der Ausdruck Bachelor kommt aus dem Englischen (übersetzt: Junggeselle) und steht für den ersten berufsqualifizierenden Abschluss an einer Hochschule. Darauf aufbauend kann der Abschluss als Master (übersetzt: Magister, Meister) erworben werden. Man spricht vom konsekutiven (auf dem Grundstudium aufbauenden) Masterabschluss.


Die eher geisteswissenschaftlich ausgerichteten Studiengänge führen zu Bachelor und Master of Arts, die naturwissenschaftlich orientierten Disziplinen zu Bachelor und Master of Science. Universitäten und Fachhochschulen müssen ihre Abkürzungen im Titel mitnennen, also z. B. BFH (Berner Fachhochschule), UZH (Universität Zürch) oder ETH (Eidgenössische Technische Hochschule). Die Fachbezeichnung kann deutsch oder englisch sein. BSc:  Bachelor of Science. Beispiel für den Fachhochschulabschluss in Zollikofen: «Bachelor of Science BFH in Forstwirtschaft». BA: Bachelor of Arts. MSc: Master of Science. Beispiel für den waldbezogenen Masterabschluss an der ETH : «Master of Science ETH in Umweltnaturwissenschaften, Major in Wald- und Landschaftsmanagement». MA: Master of Arts. Der Titel einer Sängerin zum Beispiel lautet Master of Arts ZHDK (Zürcher Hochschule der Künste) in Specialised Music Performance. MSE: Master of Science in Engineering. Von den Schweizer Fachhochschulen gemeinsam entwickeltes Bildungsangebot. Major/ Minor:  Mit Major bzw. Minor werden Haupt- bzw. Nebenfächer oder Spezialisierungen bezeichnet. PhD/ Dr. phil.:  Doktorat im Anschluss an den Masterabschluss (Universitäten, ETH). Es gibt im Hochschulbereich einige weitere Bezeichnungen wie etwa BLaw bzw. MLaw für Bachelor bzw. Master of Law (Rechtswissenschaften) oder BMed bzw. MMed

für Bachelor bzw. Master of Medicine, neuer Abschluss im Medizinstudium. Weiterbildung Die Weiterbildungstitel werden ebenfalls ergänzt mit der Bezeichnung der Universität, ETH oder Fachhochschule, weil es beträchtliche Unterschiede bei Zulassung und Inhalten gibt. Auch für die Weiterbildungsmaster braucht es einen Hochschulabschluss oder einen gleichwertigen Bildungsstand. Im Vergleich zu den Mastern des Grundstudiums dauern sie aber weniger lang und berechtigen nicht zur Zulassung zum Doktorat. CAS:  Certificate of Advanced Studies (Weiterbildungszertifikat). Beispiel: CAS Naturbezogene ­ Umweltbildung von SILVIVA und der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. DAS:  Diploma of Advanced Studies (Weiterbildungsdiplom). MAS:  Master of Advanced Studies (Weiterbildungsmaster, entspricht weitgehend dem bisherigen Nachdiplomstudium NDS). (E)MBA:  (Executive) Master of Business Administration (Weiterbildung, die Management-Fähigkeiten vermittelt). Allgemeine Abkürzungen Credit Point ( ECTS-Punkt, Kreditpunkt): Einheit zur zeitlichen Messung des Arbeits­ pensums der Studierenden an Hochschulen und Universitäten. Ein Credit Point entspricht 25 bis 30 Arbeitsstunden. Ein akademisches Vollzeit-Studienjahr entspricht 60 Credits. ECTS: European Credit Transfer and Accumulation System (regelt das Akkumulieren und den Transfer von ECTS-Punkten). Bündner Wald 5/2012 33


Zulassung sur dossier : Erfüllt ein Kandidat die Zulassungsbestimmungen nicht, so kann die Studienleitung aufgrund weiterer Kriterien (Berufserfahrung, andere Abschlüsse wie Höhere Fachschule, eidg. Diplom) «sur dossier» über die Zulassung entscheiden.

hochschulen, Höhere Fachschulen sowie www.berufsberatung.ch und www.berufsbildungplus.ch

Thomas Heeb

Quellen: Bundesamt für Berufsbildung und Technologie, Universitäten, Fach-

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Der Studiengang Forstwirtschaft in Zollikofen entwickelt sich Der Studiengang Forstwirtschaft an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL (ehemals Schweizerische Hochschule für Landwirtschaft SHL) hat sich nach den ersten Jahren der Etablierung in der Branche weiterentwickelt (vgl. Artikel im «Bündner Wald» 1/2008 ) und steht nun breiter abgestützt und noch praxisnäher in der forstlichen Bildungslandschaft. Damit die vielfältigen Bedürfnisse der Praxis noch besser abdeckt werden können, sind im Rahmen des Bachelor-Studiums neu die drei Vertiefungen Wald und Gesellschaft, Wald- und Holzwirtschaft sowie Gebirgswald und Naturgefahren geschaffen worden. Die Vertiefungen überlappen sich gegenseitig (Abb. 1). Sie sind somit eng miteinander verzahnt. Die Studierenden entscheiden sich während des ersten Studienjahrs für eine dieser Vertiefungen und können im Rahmen des Wahlteils des Studiums einzelne Module der anderen Vertiefungen belegen. Dies kann

bis zu einer vollständigen Belegung der spezifischen Module einer zweiten Vertiefung führen (zum Beispiel die Kombination Gebirgswald und Naturgefahren sowie Waldund Holzwirtschaft). Die ersten Absolventinnen und Absolventen dieser Vertiefungen werden im Herbst 2013 abschliessen. Im Zuge dieser Erweiterung des Studiums konnten auch zwei neue Professoren-Stellen geschaffen werden. Diese wurden mit der Nominierung von PD Dr. Arne Pommerening (Professor für Waldbau und Waldwachstumskunde) und Dr. Martin Ziesak (Professor für forstliches Ingenieurwesen, im Speziellen Verfahrenstechnik, Arbeitswissenschaften und forstlicher Wegebau) besetzt. Für den Gebirgsraum ist in erster Linie die Vertiefung Gebirgswald und Naturgefahren relevant. In Kombination mit der Vertiefung Wald- und Holzwirtschaft bekommen diese Absolventinnen und Absolventen das Rüstzeug, um sich später als Regional- resp.

Abbildung 1: Vertiefungen Studiengang Forstwirtschaft (Bild: HAFL)

Bündner Wald 5 /2012 35


Abbildung 2: Studierende anlässlich der Exkursion auf dem Schafberg ( Pontresina) unter der Leitung von Gian-Cla Feuerstein (AWN) (Bild: J. J. Thormann)

Kreisförster, Betriebsleiter oder in einem Ingenieurbüro im Gebirgsraum zu bewähren. Der Aufbau des Studiums allgemein In den ersten zwei Jahren stehen wie bis anhin Grundlagen wie Sprachen, naturwissenschaftliche und allgemeine Fächer, sowie die forstlichen Grundlagen im Vordergrund. Darin enthalten ist ein neues Modul Grundlagen Gebirgswald und Naturgefahren, das für alle Studierenden obligatorisch ist. Im Rahmen einer Blockwoche werden die Studierenden in die Grundlagen der Gebirgswaldökologie, dem Gebirgswaldbau sowie dem integralen Naturgefahrenmanagement inkl. der Schutzwaldpflege (Nachhaltigkeit und Erfolgskontrolle im Schutzwald NaiS) eingeführt. Das findet im Kanton Graubünden 36

in den Regionen Prättigau und Engadin statt (Abb. 2 ). Die eigentliche Vertiefung beginnt mit jeweils einem Modul im zweiten Studienjahr. Im dritten Studienjahr finden dann nur noch Module der Vertiefungen statt. Der Aufbau der Vertiefung Gebirgswald und Naturgefahren Grundlagen forstliches Ingenieurwesen (3. Semester, 4 Credits): In diesem Modul werden die Grundlagen in der Statik, Bodenmechanik, Hydrologie, Hydrodynamik und Hydraulik vermittelt. Dazu kommen Einführungen zur Projektierung, Programmierung in «R» und zum technischen Zeichnen von Plänen (OpenSource CAD). Durchgeführt wird das Modul von Massimiliano Schwarz.


Naturgefahren- und Risikomanagement (4. Semester, 6 Credits): Die wichtigsten Naturgefahrenprozesse (Lawine, Steinschlag, Rutschung und Wildbach) und die Waldwirkungen und deren Grenzen bilden in diesem Modul einen wichtigen Bestandteil. Dazu kommt das Risikomanagement mit den wichtigsten «Werkzeugen». Die Studierenden müssen eine Risikoanalyse an einem Beispiel selber durchrechnen, eine Steinschlagmodellierung mit Rockyfor3D durchführen und Gerinneprozesse in einem Bachabschnitt (Abfluss und Geschiebe) abschätzen. Das Modul wird unter Mitwirkung von verschiedenen Spezialisten durchgeführt, namentlich von M. Bründl, SLF, L. Dorren, BAFU, Massimiliano Schwarz und Jean-Jacques Thormann. Ingenieurwesen II Lawinen-, Steinschlag-, Hang- und Wildbachverbau (5. Semester, 4 Credits): Die Dimensionierung und Projektierung der forstlichen Schutzbauten bilden den Hauptbestandteil. Auch in diesem Modul wirken verschiedene Spezialisten, insbesondere von der WSL mit (insb. S. Margreth, J. Schweizer, F. Graf, A. Volkswein). Die Studierenden machen eine Übung zur Böschungsstabilisierung, erlernen die Dimensionierung einer Bachsperre an einem konkreten Beispiel und erstellen ein kleines Lawinenverbauungsprojekt im Sinne einer Vorstudie. Erschliessungs- und Nutzungsplanung im Gebirge (5. Semester, 6 Credits): Im Rahmen einer Blockwoche erlernen die Studierenden die Planung der Seilkranerschliessung und deren Umsetzung. Diese Woche wird in Zusammenarbeit mit dem Ausbildungszentrum in der Laubau der Bayrischen Staatsforsten in Deutschland durchgeführt.

Danach werden die Grundlagen der generellen Erschliessung, der Vermessung, dem Wegebau und dessen Unterhalt gelehrt. Durchgeführt wird das Modul von Martin Ziesak. Schutzwaldmanagement ( 5. und 6. Semester, 6 Credits): Die Umsetzung von «NaiS» (Nachhaltigkeit und Erfolgskontrolle im Schutzwald) bildet den Schwerpunkt dieses Moduls. Anhand von Beispielen in der ganzen Schweiz üben die Studierenden die Herleitung des Handlungsbedarfs (inkl. der selbstständigen Ansprache des Standortes). An der Prüfung müssen sie das selbstständig durchführen. Dazu kommen aktuelle Themen, welche die Schutzwaldpflege beeinflussen wie Windwurf und Borkenkäfer, Wald-Wild und die Hochlagenaufforstung. Darin integriert ist wiederum eine Blockwoche, in welcher die Studierenden eine Schutzwaldplanung unter Einbezug von NaiS, der Verfahrenstechnik, bis zum Anzeichnen eines Holzschlages durchführen müssen. Dies wird zurzeit im Gschändwald im Kanton Schwyz in enger Zusammenarbeit mit der Oberallmeindkorporation Schwyz (Felix Lüscher) durchgeführt. Überbetriebliche Waldentwicklungs­ planung im Berggebiet ( 6. Semester, 6 Credits): In diesem Modul geht es um die Umsetzung der überbetrieblichen, forstlichen Planung (WEP) anhand eines Beispiels im Berggebiet mit engem Bezug zur Raumplanung. Die Studierenden erarbeiten im Rahmen einer Fallstudie die Grundlagen für einen WEP unter Einbezug der öffentlichen und gesellschaftlichen Interessen wie Wald-Wild, Tourismus, Naturschutz, Schutz vor Naturgefahren usw. Verantwortlich dafür ist Christian Rosset. Bündner Wald 5/2012 37


Gesamtsynthese Forstwirtschaft (6. Semester, 4 Credits): Im Synthesemodul am Schluss des Studiums kommen die Studierenden aller drei Vertiefungen wieder zusammen. Im Rahmen einer Projektstudie zu zukunftsorientierten Problemen der drei Vertiefungen erarbeiten die Studierenden Lösungsansätze, die sie anlässlich eines Kolloquiums mit Fachpersonen präsentieren. Die Einzelheiten der Modulinhalte können unter http://www.shl.bfh.ch/index. php?id=940 eingesehen werden. Das Studium wird wie bis anhin mit der Bachelor-Thesis abgeschlossen. Die guten Arbeiten werden jeweils veröffentlicht. Eine aktuelle Übersicht kann beim Autor ange-

fordert werden. Zukünftig werden die Abstracts dazu auch auf der Homepage der HAFL ersichtlich sein. Auch der aktuelle Studienplan mit den Vertiefungen wird sich laufend weiterentwickeln. Rückmeldungen von Abgängerinnen und Abgängern und der Praxis sind sehr willkommen. Damit kann die Ausbildung möglichst praxisnah gestaltet werden.

Jean-Jacques Thormann HAFL Länggasse 85, 3052 Zollikofen jean-jacques.thormann@bfh.ch

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Bündner Studenten zur Vertiefung Gebirgswald & Naturgefahren Untertitel Grundschrift

Livio Conrad aus Müstair hat seine Forstwartlehre

Der St. Moritzer Severin Schüpbach hat seine

im Revier forestal Terzal d‘immez absolviert und

Forstwartlehre in St. Moritz und Niederurnen (GL)

ebenfalls die naturwissenschaftliche Berufsmaturi-

absolviert und anschliessend die naturwissen-

tätsschule in Landquart besucht. (Bild: HAFL)

Wieso hast du dich für die Vertiefung «Gebirgswald und Naturgefahren» entschieden? Severin S.: Da ich meine Berufslehre im Engadin und während des Winters im Kanton Glarus absolviert habe, war meine Arbeitsstätte fast ausschliesslich in den Bergen angesiedelt. Dazu kommt, dass ich im Gebirge aufgewachsen bin und einen grossen Teil meiner Freizeit dort verbracht habe. Ich fühle mich in den Gebirgswäldern einfach zu Hause. Zudem interessieren mich Naturgefahren sehr. Die Wahl meiner ersten Vertiefung ist mir folglich leicht gefallen. Zusammen mit der zweiten Vertiefung «Wald- und Holzwirtschaft» habe ich eine gute Basis fürs spätere Berufsleben. Livio C.: Ich habe meine ganze Kindheit mitten in den Bergen Graubündens verbracht. Dort habe ich die Wälder und Berge mit all ihren Schönheiten und Gefahren bereits früh schätzen und achten gelernt. Darum habe ich mich später auch für eine Lehre als Forstwart entschieden. Während dieser drei Jahre verbrachte ich etliche Stunden im Gebirgswald, wobei viele unserer Arbeiten dem Schutz gegen Naturgefahren gedient haben. Die Freude an dieser span-

schaftliche Berufsmaturität in Landquart gemacht. (Bild: HAFL)

nenden und wichtigen Tätigkeit weckte in mir Neugier und Interesse, mich näher mit dem Thema zu befassen. Deshalb wählte ich für mein Studium auch diese Vertiefung.  u hast bereits die erste Hälfte D der Kurse der Vertiefung besucht. Was ziehst du für eine Zwischenbilanz? Severin S.: Ich blicke auf ein lehrreiches und vielseitiges Jahr zurück. Die erlernten Fähigkeiten im Bereich Gebirgswald, Naturgefahren, Risikomanagement und Ingenieurwesen sind für mein späteres Berufsleben bestimmt von grossem Nutzen. Livio C.: Eine durchwegs positive, denn es war ein äusserst interessantes und spannendes Jahr. Die Vertiefung «Gebirgswald und Naturgefahren» hat mich sehr angesprochen, und ich habe viel gelernt. Wie empfindest du die Balance zwischen theoretischen Inputs und praktischen Übungen/Exkursionen? Severin S.: Die Balance ist ideal. Was ich in der Theorie gelernt habe, konnte ich bei den darauffolgenden Exkursionen und Übungen gleich anwenden. Das erleichtert Bündner Wald 5 /2012 39


nicht nur das Lernen, sondern zeigt auch auf, in welchen Bereichen das neue Wissen angewendet werden kann. Auf mich hat das eine motivierende Wirkung, die ich nicht missen möchte. Livio C.: Ich habe eine Forstwartlehre gemacht, bin also ein Praktiker. Der Bezug zur Praxis ist mir deshalb auch während des Studiums sehr wichtig. Bisher hat die Vertiefung dazu reichlich Gelegenheit geboten. Die Mischung zwischen Theorie und Praxis stimmt also.  as war bisher dein persönliches W Highlight? Severin S.: Dies ist eine gute Frage, da mich in dieser Vertiefung fast alles interessiert. Ein Highlight liegt bei mir dann vor, wenn ich etwas neu Erlerntes in das grosse Puzzle einfügen kann und die Interaktionen der verschiedenen natürlichen Prozesse, Akteure, Massnahmen und Instrumente klar ersichtlich werden. Natürlich war die Einführungswoche im Engadin ein Highlight. Aber auch die Exkursion auf den Jaunpass war äusserst lehrreich. Dort erstellten wir verschiedene Schneeprofile, um die Einwirkung des Waldes auf die Schneedeckenbildung aufzuzeigen. Weiter gefiel mir die Exkursion nach Grindelwald, wo wir gerinnebildende Prozesse untersucht haben und auf die dadurch beeinflussten Gefahrenprozesse Hochwasser und Murgang eingegangen sind.

40

Livio C.: Mein persönliches Highlight war die Winter-Exkursion. Wir gingen auf den Jaunpass und widmeten uns dort den Wechselwirkungen zwischen Wald und Schnee. Da in diesem Winter viel Schnee lag, war die Exkursion besonders spannend.  uf welche Vorlesung des dritten A und letzten Studienjahres freust du dich am meisten, und wieso? Severin S.: Am meisten freue ich mich auf das Schutzwaldmanagement. In dieser Vorlesung fliessen viele der bisher erlernten Kenntnisse ein und werden in Bezug auf den Schutzwald spezifisch vertieft und ergänzt, sei es im Bereich Standortskunde, Waldbau, Ökonomie, Naturgefahren oder Verfahrenstechnik. Livio C.: Auf die Vorlesung Schutzwaldmanagement freu ich mich besonders. Die Bewirtschaftung von Schutzwäldern hat mich bereits während der Lehre sehr interessiert. Ich bin gespannt, was auf mich zukommt, und freue mich auf lehrreiche Exkursionen.

Clotilde Gollut HAFL Länggasse 85, 3052 Zollikofen clotilde.gollut@bfh.ch


Dr. Magdalena Schindler wird Direktorin der HAFL

Dr. Magdalena Schindler (Bild: HAFL)

Der Schulrat der Berner Fachhochschule hat Dr. Magdalena Schindler Stokar zur neuen Direktorin der Hochschule für Agrar-, Forstund Lebensmittelwissenschaften HAFL gewählt. Frau Schindler ist heute stellvertretende Direktorin und Leiterin Lehre der HAFL. Dr. Magdalena Schindler Stokar, geboren 1958, studierte an der ETH Zürich Lebensmitteltechnologie und promovierte 1986 mit einer Arbeit über Verfahren zur Reinigung und energetischen Nutzung von Käsereiabwassern und Molke. Darüber hinaus hat sie am Institute for Management Development IMD in Lausanne einen Master of Business Administration erworben.

Frau Schindler arbeitet seit 1987 an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL (ehemals SHL ). Sie wurde als Dozentin für Milchwirtschaft angestellt und leitete bis 2000 den Studiengang Milchwirtschaft. 1995 wurde sie zur Vizedirektorin ernannt und übernahm die Leitung der Diplomstudien. Seit 2010 ist sie stellvertretende Direktorin und Leiterin Lehre der HAFL sowie Präsidentin der Kommission Lehre der Berner Fachhochschule. Als Leitungsmitglied der HAFL hat sie deren Entwicklung über viele Jahre mitgeprägt. Frau Schindler ist eine erfahrene Führungsperson, bringt ausgezeichnete Fach- und Managementkompetenzen mit und verfügt über fundierte Erfahrungen in der Lehre und der angewandten Forschung und Entwicklung. Durch die vielen Jahre als Führungsperson an der HAFL und durch ihre Tätigkeit im Ressort Lehre der KFH (Rektorenkonferenz der Fachhochschulen der Schweiz), wo sie sich mit den bildungspolitischen Rahmenbedingungen der Hochschulen auseinander gesetzt hat, kennt sie das tertiäre Bildungswesen sehr gut. Frau Schindler ist sowohl im Hochschulumfeld als auch in der Lebensmittelbranche sehr gut vernetzt. Frau Schindler übernimmt ihre neue Funktion am 1. Mai 2013. Auf diesen Zeitpunkt geht Herr Dr. Alfred Buess, langjähriger Direktor der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL, in den Ruhestand.

Berner Fachhochschule

Bündner Wald 5 /2012 41


Ausscheidung von Handlungsprioritäten im Schutzwald Einleitung Mit einer sinnvollen Planung werden waldbauliche Eingriffe koordiniert, welche die Strukturen der Schutzwälder gestalten und stärken. Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation in der Forstwirtschaft ist der effiziente Einsatz der finanziellen Mittel zentral. Daher ist das Bestreben gross, ein Planungskonzept zu entwickeln, welches auch mit geringem finanziellem Einsatz eine qualitativ gute und umfassende Planung ermöglicht. Aus dieser Perspektive wurde eine Bachelorarbeit an der HAFL erarbeitet. Der Fokus dieser Arbeit lag bei der Frage, auf welche Art sich die Handlungsprioritäten im Schutzwald mit den vorhandenen Daten und geringem finanziellem Aufwand systematisch und objektiv eruieren lassen. Aufgrund des Planungskonzeptes sollte es möglich werden, mit Hilfe der vorhandenen Informationen über den Waldzustand und den Anforderungen von NaiS (Nachhaltigkeit und Erfolgskontrolle im Schutzwald), die Handlungsprioritäten für das Forstrevier Ruinaulta im Kanton Graubünden auf einer Karte darzustellen.

Die Grundüberlegungen zur Priorisierung basierten auf den Erkenntnissen von WIS.2, einem Waldmanagement-Instrument für die Wälder des Mittellandes, welches im Rahmen einer Doktorarbeit an der ETH in Zürich entwickelt wurde. In einem weiteren Schritt möchte man nun das WIS.2 an die Verhältnisse der Gebirgswälder anpassen. Die Bachelorarbeit brachte interessante Erkenntnisse, welche durchaus Potenzial für die zukünftige forstwirtschaftliche Schutzwaldplanung haben könnten. Ein Hauptresultat der Arbeit war ein Modell zur Herleitung der Handlungspriorität im Schutzwald mithilfe der verfügbaren digitalen Daten. Möglichkeiten und Grenzen der digitalen Daten Damit ein nutzbares Modell für die Herleitung der Handlungspriorität erarbeitet werden kann, sind detaillierte digitale Grundlagendaten von grosser Bedeutung. Die Datengrundlagen für dieses Modell stammen aus der Bestandeskarte, welche vom Förster erfasst wurde. Das Ziel wäre hierbei eine Verbesserung der luftgestützten Erhebungs- und Auswertungsmethoden, um

Abb. 1: Schematische Darstellung des Grundkonzeptes. (Bild: Sebastian Lanker)

IST Zustand

SOLL Zustand

Output

Gefahren prozesse

Waldstandorte

Bestandes kartierung

NaiS Waldbaulicher Handlungsbedarf Waldbaukonzepte

Handlungspriorität Waldbauliche Dringlichkeit

42

Schutzwaldtyp


sehr wichtig weniger wichtig

grosser Beitrag des Waldes zur Gefahrenreduktion langsamwüchsiger Standort mit schwacher Entwicklungsdynamik Stabilitätsmerkmale wenig beeinflussbar Verjüngung genügend wenig wirksame Massnahmen

2

geringer Beitrag des Waldes zur Gefahrenreduktion langsamwüchsiger Standort mit schwacher Entwicklungsdynamik Stabilitätsmerkmale wenig beeinflussbar Verjüngung genügend wenig wirksame Massnahmen

4

nicht dringend

grosser Beitrag des Waldes zur Gefahrenreduktion schnellwüchsiger Standort mit starker Entwicklungsdynamik Stabilitätsmerkmale beeinflussbar Verjüngung ungenügend wirksame Massnahmen

1

geringer Beitrag des Waldes zur Gefahrenreduktion schnellwüchsiger Standort mit starker Entwicklungsdynamik Stabilitätsmerkmale beeinflussbar Verjüngung ungenügend wirksame Massnahmen

3

sehr dringend

Abb. 2: Nach dem Eisenhowerprinzip gegliederte Beurteilungskriterien. (Bild: Schwitter 2006, Darstellung verändert)

den Aufwand des Försters vorgängig so tief wie möglich zu halten. Viele externe Einflüsse wie Stürme, Trockenperioden, Gefahrenprozesse usw. beeinflussen den Wald und können auf die Zeitdauer kaum vorhergesagt werden. Daher sollte der Detaillierungsgrad der Planung nicht zu hoch sein, damit Anpassungen bei allfälligen Naturereignissen mit geringem Aufwand durchgeführt werden können. Grundkonzept Die vorhandenen digitalen Daten stellen den IST-Zustand der Schutzwälder dar (siehe Abb. 1). Der Leitfaden NaiS stellt den SOLL-Zustand dar. Bei einer Priorisierung geht es grundsätzlich um einen Vergleich von IST und SOLL. Je grösser die Abweichungen vom IST- zum SOLL-Zustand sind, desto höher ist die Handlungspriorität. Die Gefahrenprozesse Lawine, Steinschlag, Rutschungen und Hochwasser sowie die einzelnen Waldstandorte beeinflussen die Anforderungsprofile von NaiS (siehe Abb.1). Durch die Definition von drei

Waldbaukonzepten für gleichförmige, überführungs- und plenterartige Waldbestände kann der optimale Eingriffszeitpunkt aufgrund von NaiS und vom Waldzustandes festgelegt werden. Die Handlungspriorität wurde im erarbeiteten Modell durch den waldbaulichen Handlungsbedarf, also der Abweichung von IST zu SOLL, und des Schutzwaldtypen bestimmt. Die Auswertung erfolgte mit Hilfe von ArcGIS der Firma esri®. Mit dem Einbezug der Waldbaukonzepte würde sich die waldbauliche Dringlichkeit ergeben. Da die Dringlichkeit ein zeitlich bestimmter Parameter ist, würden dynamische Handlungsprioritäten entstehen. Die Methode zur Darstellung der Handlungsprioritäten basiert zudem auf dem Eisenhowerprinzip, welches die Einflüsse des Waldbaues (Dringlichkeit) und die der Schutzwälder (Wichtigkeit) berücksichtigt. Im Kanton Graubünden wurden die Schutzwälder in drei verschiedene Schutzwaldtypen A, B und C unterteilt. Der Schutzwaldtyp A schützt Dörfer und andere wichtige Bündner Wald 5/2012 43


NaiS Anforderungen Gewichtung - bedingt x 0.5 - wichtig x 1 - sehr wichtig x 1.5

SOLL

Kartierungsdaten IST

Vergleich

Vorrat/Schlussgrad Handlungsbedarf

Waldbauliche Zusatzkriterien

Stabilitätstrend Entwicklungsdynamik

× Wichtigkeit

=

Handlungspriorität

Schutzwaldtyp (A,B,C) - A➝ � x3 - B➝ � x2 - C➝ � x1 Abb. 3: Einflüsse auf die Priorisierung der Waldbestände. (Bild: Sebastian Lanker)

Einrichtungen (grosses Risiko) und ist daher von grosser Bedeutung. Der Schutzwaldtyp C wird dann ausgeschieden, wenn nur kleine Risiken betroffen sind. In der Abb. 2 ist zu erkennen, dass Wälder mit einer hohen Wichtigkeit und einer hohen Dringlichkeit erste Priorität bei der Behandlung aufweisen. Ist der Beitrag des Waldes zur Gefahrenreduktion gering und die Entwicklungsdynamik aufgrund des Standortes schwach, so ist die Handlungspriorität klein. Die Priorität ergibt sich erstens aus der Wichtigkeit, zweitens aus der Dringlichkeit. Herleitungsmethode der Handlungspriorität Zur Herleitung der Handlungspriorität wurde nur ein Teil des Grundkonzeptes verwendet. Insbesondere wurden die Waldbaukonzepte aufgrund der Komplexität noch nicht implementiert. Die wichtigsten zwei Faktoren sind daher der Handlungsbedarf und die Wichtigkeit (siehe Abb. 3 ). Der Handlungsbedarf basiert auf dem Vergleich von IST/ SOLL bezüglich der messbaren Anforde44

rungskriterien von NaiS sowie der waldbaulichen Zusatzkriterien. Grundsätzlich wurden bei einem Vergleich «erfüllte» Kriterien mit einer 0 bewertet, «nicht erfüllte» Kriterien mit einer –1. Je nach Gewichtung wurde der Wert mit dem Faktor 0,5, 1 oder 1,5 multipliziert. Als «bedingt wichtig» wurde der Baumartenmischungsgrad angesehen, da dieser nur bei einer Walderneuerung massgeblich beeinflussbar ist. Struktur und Textur wurden als «wichtig» betrachtet. Die Stabilität und der Deckungsgrad der Verjüngung in Abhängigkeit der Entwicklungsstufe wurden als «sehr wichtig» eingestuft. Die waldbaulichen Zusatzkriterien dienten zur Verfeinerung des Handlungsbedarfes. Dieser Bedarf wurde umso grösser bewertet, wenn der Vorrat mehr als 400 m3/ha betrug, der Stabilitätstrend negativ oder die Entwicklungsdynamik gross war. Durch eine Multiplikation des Handlungsbedarfes mit den Faktoren des Schutzwaldtypen wurde die Handlungspriorität berechnet. Die höchste Priorisierung wurde dem Waldbestand zugeteilt, welcher die höchste negative Punktezahl aufwies. Sämtliche Gewich-


tungen der Faktoren können vom Benutzer justiert werden, wodurch das Modell an die Gegebenheiten angepasst werden kann. Anwendung im Forstrevier Ruinaulta Die erarbeitete Karte zeigt eine Momentaufnahme der Handlungsprioritäten und bietet dem Betrachter eine gute Übersicht. Zur Überprüfung des Modelles in der Realität wurde ein Vergleich mit der Beurteilung des Försters bezüglich der Holzerntedringlichkeit gemacht, die im Rahmen der Bestandeskartierung durchgeführt wurde. Trotz des Unterschiedes beim Resultat (siehe Abb. 4 ) lag das Modell nicht falsch bei der Beurteilung des markierten Waldbestandes. Das Foto belegt z. B. den mangelhaften Zustand eines Bestandes aufgrund der Lückengrösse sowie der Verjüngung. Der Förster hat einen Mangel festgestellt, jedoch die Dringlichkeit einer Holzernte aufgrund des Zustandes als «nicht defi-

niert» beurteilt. Das erarbeitete Modell hat aufgrund der fehlenden Verjüngung in Verbindung mit der Entwicklungsstufe und des wichtigen Schutzwaldes eine Handlungspriorität festgestellt. So konnte erstens erwiesen werden, dass das erarbeitete Modell die Mängel in der Schutzwirkung der Wälder im Allgemeinen richtig erkennt. Zweitens wurde ersichtlich, dass das Modell unabhängig von den nötigen Massnahmen die Handlungsprioritäten systematisch und objektiv darstellen kann. Da der Förster auch in der Zukunft den Waldzustand am besten beurteilen kann, könnte der Einsatz eines solchen Modelles zur Feinjustierung und zur Überprüfung der eigenen Bestandesbeurteilung dienen. Ausblick und Ideen Mit dieser Bachelorarbeit konnte ein wichtiger Schritt zur Anpassung des WIS.2 an die Verhältnisse des Gebirgswaldes gemacht

Abb. 4: Vergleich der Handlungsprioritäten: links aufgrund des Modelles, rechts aufgrund der Beurteilung des Försters im Wald. (Karten: Sebastian Lanker, Bild: Andi Weber)

Abb. 4: Vergleich der Handlungsprioritäten: links aufgrund des Modelles, rechts aufgrund der Beurteilung des Försters im Wald.

Bündner Wald 5/2012 45


werden. Durch diese Arbeit konnte ein mögliches Vorgehen bei der Planung wie auch bei der Berechnung der Handlungspriorität aufgezeigt werden. Weiter wurde erkannt, dass Planungskonzepte für Gebirgswälder künftig ein wichtiges Planungsinstrument darstellen, um zielgerichtet zu arbeiten. In einem nächsten Schritt sollte das Augenmerk auf der verbesserten Erfassung der «Inputdaten» durch die Fernerkundung liegen. Weiter müsste das erarbeitete Modell in der Realität überprüft und allfällige Justierungen vorgenommen werden. Zudem müsste die Benutzerfreundlichkeit des Modells erhöht werden. Für die zukünftige Weiterentwicklung von gebirgswaldtauglichen Planungskonzepten ist es zudem wichtig, dass alle gewonnenen Erkenntnisse – ob richtig oder falsch – niedergeschrieben werden. So kann darüber diskutiert und Verbesserungsvorschläge können eingebracht werden.

Christian Rosset HAFL Länggasse 85, 3052 Zollikofen christian.rosset@bfh.ch

Sebastian Lanker Forstingenieur BsC FH Militärstrasse 28a, 3014 Bern sebastian.lanker@gmail.com

Weitere Autoren: Riet Gordon, AWN Andi Weber, Forstamt Ruinaulta Jean-Jacques Thormann, HAFL

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Die Landschaft als wichtiges Element der Waldausbildung an der ETH Seit etwa acht Jahren wird die MasterVertiefung «Wald- und Landschaftsmanagement» an der ETH angeboten. Dabei wurden die Schwerpunkte für die Ausbildung der Waldfachleute etwas verändert und neuen Herausforderungen angepasst. Viele Ökobüros, kantonale Ämter und auch der Bund betrachten Wald und Landschaft zunehmend als räumliche und thematische Einheit mit sehr ähnlichen Schutz-, Nutzungs- und Planungseigenschaften. Sie benötigen deshalb Fachpersonen, die beide Aspekte professionell bearbeiten können. Das ist gut so und widerspiegelt die moderne Auffassung von Landschaftsentwicklung, in welcher Prozesse auf allen räumlichen Skalen eines Gebietes angesprochen werden: sowohl auf der Ebene des Bestandes und der Landschaftskammer als auch regional, national und international. Dem Thema Landschaft wird in der Master-Ausbildung an der ETH deshalb bedeutend mehr Gewicht gegeben als in der früheren Forstingenieur-Ausbildung. Die ETH-Studierenden erarbeiten sich theoretische und praktische Grundlagen der Landschaftsanalyse und des Landschaftsmanagements und sind damit in der Lage, landschaftliche Aspekte in der Umweltplanung einzubeziehen. Somit können sie sowohl praxisnahe Problemlösungen finden als auch Forschungsarbeiten im Bereich Landschaft durchführen. Lehrmöglichkeiten zum Thema Landschaft Das Zentrum Landschaft an der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL mit den Professoren Felix Kienast und Rolf Holderegger, den Privatdozenten Dr. Janine Bolliger und Dr. Matthias Bürgi sowie den Lehrbeauftragten Dr.  Anna Hersperger, Dr. Niklaus Zimmermann und Dr. Urs Gimmi ist eine wichtige Stütze dieser Ausbildung und be-

Landschaftsthemen spielen in der Ausbildung Wald- und Landschaftsmanagement eine wichtige Rolle (Bild: F. Kienast, Zürich)

streitet einen grossen Teil des ETH-Lehrangebotes zum Thema Landschaft: Bereits ab der Bachelorstufe können die Studierenden vertieft in das Thema Landschaftsökologie eintauchen, sowohl auf theoretischer wie auch auf praktischer Ebene. Dies beinhaltet zum Beispiel die quantiBündner Wald 5 /2012 47


Ausgewählte ETH-Lehrangebote im Bereich Landschaft V: Vorlesung, E: Exkursion, S: Semesterarbeit, U: Übung, P: Projekt Bachelorstufe

Dozierende

V«  Landschaftsökologie» und 4 Tage Landschaftsökologie im P «Wald und Landschaft»

F. Kienast, WSL

E «Wald und Landschaft»

F. Kienast und R. Holderegger, WSL

S «Wald und Landschaft»

F. Kienast (Mitwirkung), WSL

 Institutionelle Regelungen der V« Landnutzung»

W. Zimmermann, ETHZ

V + U «GIS-Fallstudie»

M. Niederhuber, ETHZ

Masterstufe

Dozierende

V«  Landschaftsökologie für Fortgeschrittene»

F. Kienast, J. Bolliger, N. Zimmermann, WSL

V«  Landschaftsgeschichte und Historische Ökologie»

M. Bürgi, U. Gimmi WSL

V «Wald- und Landschaftsplanung»

A. Hersperger, WSL

V «Landschaftsgenetik»

R. Holderegger, J. Bolliger, F. Gugerli, WSL

 GIS-basierte 3-D-Landschaften für die V« Partizipative Planung»

U. Wissen Hayek, ETHZ (PLUS)

V+U «  Optimisierungsmethoden für die Landnutzung»

H. R. Heinimann, ETHZ

V+U «  Räumliche Analyse und Modellierung»

M. Niederhuber, ETHZ

P «Interdisziplinäres Projekt»

H. R. Heinimann, ETHZ

V «Ökosystemmanagement»

J. Ghazoul, ETHZ

tative Analyse von Landschafsmustern, aber auch Fragen der Landschaftswahrnehmung, Landschaftsgenetik und des Renaturierens von Landschaften. Zudem werden praktische Dinge für eine Karriere im Landschaftsmanagement gelehrt, wie das Arbeiten mit Instrumenten des Bundes und der Kantone zum Landschaftsschutz oder der Einsatz von Landschaftsentwicklungskonzepten in der partizipativen Landschaftsgestaltung. In Praktika und auf Exkursionen erwerben die Studierenden zudem Erfahrungen im Um48

gang mit GIS und Instrumenten der Landschaftsplanung. Diese Grundlagen werden durch Vorlesungen zu den Themen Landschaftsgenetik, Landschaftsgeschichte und Landschaftsplanung vertieft: Die Gegenwart wird durch die Vergangenheit geprägt – unsere Kulturlandschaft zu verstehen, wird mit einer landschaftshistorischen Vorlesung möglich, welche Einblicke in die Genese unserer Landschaft gibt. Für manchen Studierenden ist dies ein Schlüsselerlebnis zum Ver-


ständnis der Landschaft. Zum Thema Landschaftsgenetik lernen die Studierenden auf fachlich hohem Niveau, wie Landschaftseigenschaften die genetischen Muster innerhalb und zwischen Populationen beeinflussen. Abgerundet wird die Ausbildung mit dem Thema Landschaftsplanung. Die Studierenden lernen dank der soliden Kenntnis von Planungstheorien geeignete Planungsmethoden und -instrumente auszuwählen, situationsgerecht anzupassen und weiterzuentwickeln. Das WSL-Lehrangebot wird ergänzt mit Angeboten aus der Professur von Hans Rudolf Heinimann (technische Aspekte der Landnutzung) und der Professur von Jaboury Ghazoul (Ökosystemmanagement). Einige Studierende profitieren im Bereich Landschaftsplanung auch von verwandten Vorlesungen, die von Prof. Adrienne Grêt-Regamey und Dr. Ulrike Wissen Hayek ( ETHZ, PLUS ) angeboten werden. Vielfältige Masterarbeiten An der WSL können die Studierenden auch ihre Masterarbeit und später allenfalls Dissertationen zu vielfältigen, die Landschaft betreffenden Themen durchführen. Momentan können zu folgenden Themen Masterarbeiten durchgeführt werden: – Geschichte der Wälder von Sion bis Visp – Historische Baumartenzusammensetzung Schweiz – Retrospektive Analyse wichtiger Landschaftselemente mit historischen terrestrischen Aufnahmen

– Nutzungsgeschichte Unesco-Biosphäre Entlebuch (UBE) – Geschichte der Grünräume der Stadt Bern – Verdichtetes Bauen – Förderung von Trivialgrün? – Erholungsnutzung von Gewässern – Landschaftszerschneidung und Zersiedelung – Landschaftsgenetische Themen und Fragmentierung – Kartierung von Ökosystemleistungen – Landschaftsplanung – Landschaft und Energie: Nutzungskonflikte – Landschaftsmonitoring: Indikatorenentwicklung www.wald-und-landschaft.ethz.ch

Felix Kienast Eidg. Forschungsanstalt WSL Zürcherstrasse 111, 8903 Birmensdorf felix.kienast@wsl.ch

Marc Weiss Professur für Waldökologie, ETHZ Universitätsstrasse 16, 8092 Zürich marc.weiss@env.ethz.ch

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Marco und Damian im Duell … oder ETH Zürich vs. HAFL Zollikofen

Marco Vanoni am Arbeitsplatz in Ilanz (Bild: Bernard Riedi)

Viel steht bereits geschrieben in diesem «Bündner Wald» über die aktuellen Ausbildungswege in Zollikofen und Zürich. In der Praxis sind die Absolventen und Absolventinnen oft mit Vorurteilen und falschen Erwartungen konfrontiert. Den alten Ausbildungsweg des Forstingenieurwesens an der ETH gibt es so nicht mehr. Manche trauern ihm nach. Sind es nur nostalgische Gefühle oder ist was dran, dass die «Neuen» nicht mehr das Gleiche können? Das forstliche Rad hat sich weitergedreht und so liegt es auf der Hand, dass neue Ausbildungswege sich dem angepasst haben – nur zum Vorteil der Branche und ausgerichtet auf die Probleme, die sich heute stellen? Die «Bündner Wald»-Redaktion traf sich mit zwei engagierten Bündner Absolventen, welche zurzeit ihr Wählbarkeitspraktikum beim Amt für Wald und Naturgefahren absolvieren – mit Marco Vanoni (Absolvent an der ETH ) und Damian Cadotsch (Absolvent an der HAFL ) suchen wir nach Antworten zu solchen und weiteren Fragen. Marco und Damian, ihr seid zurzeit beide Praktikanten beim AWN in Ilanz bzw. in Tiefencastel. Was waren eure ersten Eindrücke beim kanto­­nalen Forstdienst Graubündens? 50

Damian (Praktikant Tiefencastel, HAFL-Absolvent): Sehr positiv, interessant und abwechslungsreich. Ich war überrascht, wie viel da abgeht – nur schon die Telefonate, die die ganze Zeit reinkommen. Es ist selbstverständlich, dass man mit den Regionalforstinge­ nieuren (RFIs) überall mal mitgehen kann. Die Praktikantenbetreuung ist sehr vorbildlich. Vieles basiert auf Eigenverantwortung und Eigeninitiative, was sehr wertvoll ist. Marco (Praktikant Ilanz, ETH-Absolvent): Dem kann ich mich anschliessen. Mich beeindrucken zudem die klaren Zuständigkeiten. Ich weiss immer, zu welchem Thema ich wen fragen muss. Die RFIs haben ihre Gemeinden und Spezialgebiete. Bereits zu Beginn des Praktikums erhielt ich eine Liste, welche RFIs wann, wo und zu welchem Themenbereich unterwegs sind. Auf diese Weise wurde ich sehr schnell auch ins Alltagsgeschäft der RFIs eingebunden. Womit beschäftigt ihr euch während des Praktikums? Marco: Praktisch in allen Fachgebieten habe ich etwas zu tun. Es gibt kleine Arbeiten, die nur einzelne Tage beanspruchen, bis zu grösseren. Ich bin nun speziell bei Naturgefahren aktiv. Gerade erstelle ich eine retrospektive Naturgefahrenkarte. Ein Strassenprojekt – mit Querprofilen und


Berechnungen von Massenbewegungen – ist ebenfalls gerade ein Thema. Dieses Projekt kann ich zusammen mit der Praktikantin aus Disentis ausführen. Sie kommt aus Deutschland und hat hier bezüglich ihres Studiums mehr Erfahrungen, von denen ich auch konkret profitieren kann. Der Schutzbautenkataster, also Aufnahmen im Gelände, sind auch Tätigkeiten, denen ich nachgehe. Zudem ist Zeit vorgesehen, um bei Interesse auch selbst Themen zu wählen, die ich umsetzen kann, was ich sehr schätze. Damian: Im technischen Bereich habe ich soeben mit einem Vorprojekt zum Thema «Steinschlagschutznetze» begonnen. Dann habe ich weiter eine Rutschung angeschaut, wo es nun zu prüfen gilt, was für Folgemassnahmen getätigt werden sollen. Im Bereich Waldökologie bin ich gerade dabei, Altholzinseln für verschiedene Gemeinden einzurichten. Bei Wald-Wild-Fragen stelle ich momentan gutachtliche Beurteilungen aus. Marco: Etwas habe ich vergessen, ich erhielt die Möglichkeit, zusammen mit einem Revierförster einen Schlag anzuzeichnen. Hier interessiert es mich besonders, wie der Wald im Sommer aussieht, wenn der Eingriff ausgeführt ist.

Entsprechen diese Arbeiten eurem bevorzugten, künftigen Tätigkeits­­­feld – oder handelt es sich um Themen, die ihr auch bewusst neben euren direkten Interessen gewählt habt bzw. die euch auch zugeteilt worden sind? Marco: Grundsätzlich gab es gar nicht die Möglichkeit zu wählen. Ich hatte vorgängig eine Vorbesprechung mit meinem Praktikumsbetreuer Urban Maissen. Da kam zur Sprache, was ich kann, wo ich vielleicht mehr Hilfe brauche usw. Dies ermöglichte schon früh zu klären, wo ich dann im Bedarfsfall Hilfe und Rat holen könnte. Ich habe keine besonderen Vorlieben angemeldet. Damian: Ich habe vor dem Praktikum mit der Anmeldung Präferenzen angegeben – soweit ich mich erinnern kann Waldökologie und technisches Verbauungswesen. Mir war es aber wichtig, dass ich während des Praktikums überall ein wenig reinsehe. Marco: Ich kann jetzt einige Arbeiten ausführen, die mir liegen und die ich auch gerne mache – beispielsweise Arbeiten mit GIS. Damian: Bei mir kamen auch spontane Arbeiten hinzu, wie beispielsweise das ParcEla-Fest, wo ich eingebunden worden war. Marco: Ich merkte auch schnell, dass ich sehr professionell betreut werde. Aus diesem Grund verliess ich mich auch zu einem guten Teil auf meine Betreuungspersonen.

Damian Cadotsch am Arbeitsplatz in Tiefencastel (Bild: Lukas Kobler)

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Die wissen schon, welche Arbeiten für ein Praktikum sinnvoll sind. Damian: Was ich sehr schätze, ist die selbstständige Arbeitseinteilung. Marco: Ja, ich ebenso. Hierbei musste ich aber auch lernen, wie wichtig es ist, an einem Thema dranzubleiben. Anfangs hatte ich vielleicht den Fehler gemacht, alles anMarco, ausgebildet an der ETH (Bilder: Sandro Krättli)

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zuschauen, mich einzulesen und dann wieder wegzulegen – plötzlich hatte ich einige Arbeiten auf dem Tisch, die anstanden. Erst nach einer gewissen Zeit habe ich mir selber Prioritäten gesetzt, um effizient zu arbeiten.  ie hoch schätzt ihr den Nutzen W eures Vorwissens ein – sprich Studieninhalte –, welches ihr zur Lösung der Problemstellungen anzapfen könnt? Damian: Ich würde sagen, man hat sicher mal einen guten Rucksack. In jedem Teilgebiet merkt man, du weisst grundsätzlich mal was darüber und hast sicherlich etwas dazugelernt. Wenn du dann aber in die praktische Arbeit einsteigst, musst du dich schon in die einzelnen Themenbereiche einlesen. Ich habe aber auch mit nichts anderem gerechnet. Bei null musste ich nirgendwo anfangen. Im technischen Bereich hatte ich jedoch das Gefühl, ich müsste etwas mehr nachfragen. Was wir im Studium sicher viel behandelt hatten, waren die betriebswirtschaftlichen Inhalte. Diese muss ich nun während meines Praktikums nicht direkt anzapfen, weil ich schlichtweg keine solchen Themen bearbeite. Marco: Bei mir sieht es ähnlich aus. Bei vielen Themen hat man das Gefühl, man könne gleich einsteigen und bei anderen dämmert es höchstens ein bisschen. Man denkt: «Irgendwo habe ich dies doch schon mal gehört.» Was man ja oft zu hören bekommt, ist, wir Umweltwissenschaftler von der ETH seien keine Waldbauern mehr. Dies mag möglicherweise im Vergleich zum Forst­ ingenieur-Studium in gewissen Bereichen stimmen. Es ist aber schon so, dass auch wir viel draussen waren und praktische Beispiele angingen. Gerade hier habe ich aber das Gefühl, es sei eine ganz individuelle Angelegenheit. Einige haben das Flair, im Wald die richtigen Entscheide zu fällen, andere vielleicht weniger. Weiter kommt noch der


modulare Aufbau des Studiums hinzu. Es kommt stark darauf an, welche Fächer man besucht und welche individuellen Schwerpunkte man gesetzt hat. Damian: Ich denke, heute wie früher gilt der Grundsatz «learning by doing». Es ist auch früher kein Meister vom Himmel gefallen. Somit ist für mich die Erfahrung immer noch das Wichtigste. Die fehlt jedem und jeder – egal, woher er oder sie kommt. Marco: Ja, aus der Theorie hat man viel gehört. Um jedoch etwas konkret umsetzen zu können, muss man sich schon nochmals reinknien. Es kann der Fall eintreten, wo man denkt: «Oh, hätte ich doch während des Studiums besser aufgepasst …» Damian: (lacht) … Ja, das geht mir nicht anders!  urch euer Praktikum konntet ihr beD stimmt einen Einblick erhalten in den Alltag eines Regionalforst­ingenieurs. Was sind hier eure Feststellungen? Entsprechen die Tätigkeiten dem, was ihr vom Bauch her erwartet habt? Marco: Ich hab mir nicht mal so konkrete Vorstellungen gemacht. Was mich aber doch überrascht hat, war, wie oft die Regionalforst­ ingenieure unterwegs sind. Ich dachte, dies sei eher ein Bürojob. Vielleicht habe ich aber auch die ideale Jahreszeit erwischt – und sie sitzen im Winter häufiger im Büro. Aber ich bin natürlich nun sehr glücklich darüber, zumal es früher oft hiess: Du wirst dann im Berufsleben nur noch im Büro sitzen. Damian: Ich habe mir dies eigentlich schon in etwa so vorgestellt. Was ich nicht in diesem Ausmass erwartet habe, ist die ämterübergreifende Arbeit, sei es mit dem ANU, dem TBA oder dem AJF, wo es auch viele Begehungen gibt – meistens geht es dabei um finanzielle Angelegenheiten (lacht). Sie haben sehr oft Kontakte mit den Revierförstern –

Damian, ausgebildet an der HAFL (Bilder: Sandro Krättli)

das entspricht schon meinen Vorstellungen. Marco: Sicherlich wird das in den einzelnen Kantonen unterschiedlich gehandhabt. Graubünden hat vergleichsweise einen grossen kantonalen Forstdienst und ist nicht direkt mit anderen Kantonen vergleichbar. Anders gesagt: In anderen Kantonen würden die Tätigkeiten wieder anders aussehen. Bündner Wald 5/2012 53


Stellt euch vor, ihr könnt in einem halben Jahr eine Stelle als Oberförster in einem Kanton der Schweiz antreten. Wovor hättet ihr heute am meisten Respekt? Damian: Für mich ist dies sicherlich die Verantwortung, die man auf einmal hat. Marco: Ich habe mir das Gleiche gedacht. Am meisten Respekt hätte ich davor, nicht als «Fachidiot» wahrgenommen zu werden. Dann wäre es vielleicht schwierig, direkt Verantwortung zu übernehmen. Vor allem bei heiklen Entscheidungen wäre ich wohl stark auf meine erfahreneren Kollegen angewiesen. Sei es bei den Revierförstern oder den RFI-Kollegen. Die Erfahrung zählt halt viel, und die hätten wir nun einmal für den Start noch nicht. Was wäre dann aus eurer Sicht der optimale Einstieg in eine solche Aufgabe? Damian: Mal ins kalte Wasser geschmissen zu werden, kann sicher nicht schaden. Hilfreich wäre es aber sicher, wenn der Vorgänger noch eine gewisse Einarbeitungszeit anbieten könnte. Es gibt ja nicht nur das fachliche, sondern auch das örtliche und situative Wissen, welches weitergegeben werden sollte. So oder so, zu Beginn wird man wahrscheinlich «schwimmen». Marco: Ich denke, es ist auch wichtig, dass man mit einem gewissen Respekt startet. Wobei ich die Verantwortung eines RFIs schon besonders hoch einstufe. Damian: Die heutige Organisation des Bündner Forstdienstes ist sicherlich eine Erleichterung für Neulinge. Müsste man irgendwo alleine in einem Büro anfangen, wäre dies sicherlich anspruchsvoller, als wenn man direkt in einem regionalen Team beginnen kann, wo sehr viele Erfahrungen vereint sind. 54

Teilweise beklagt sich die Praxis, dass der klassische Allrounder (alter ETH-Forst-­ingenieur) fehle bezie­hungsweise die neuen, diversen Abgängerinnen und Abgänger nur einen unvollständigen Rucksack für künftige Aufgaben mitnehmen – wie schätzt ihr dies ein? Marco: Es mag ja stimmen, dass wir waldbaulich weniger mitbringen als die früheren Forstingenieure der ETH. Als «Master of Science ETH in Umweltnaturwissenschaften mit Vertiefung Wald- und Landschaftsmanagement» kann es sein, dass der Inhaber des Titels weniger im Forstbereich gelernt hat. Das Gegenteil ist aber genauso möglich. Der Absolvent oder die Absolventin, welche einen speziellen Fokus auf forstliche Inhalte gelegt hat, wird wohl ähnlich viel mitgenommen haben wie der ehemalige ETH-Forstingenieur. Der einzelne Student muss heute seine Module gezielt und bewusst auswählen. Dies ist aus meiner Sicht ein sehr positiver Aspekt, da man dadurch die Vorlesungen sehr bewusst wählt und nicht nur ein vorgegebenes Grundangebot «konsumiert». Aus meiner Sicht ist ein grosser Vorteil zu früher – ich sag es mal salopp – der ungezwungene Umgang mit EDV-Hilfsmitteln. Dies wäre heute bestimmt auch bei der alten Forstingenieur-Ausbildung so. Es ist vielleicht einfach ein Vorteil dieser Zeit. Sicherlich haben wir ein breiter gestreutes Wissen. Nehmen wir das Beispiel Wasser: Hier hat der Wald eine grosse Bedeutung, und es ist sicherlich von Vorteil, dass ein breites Grundwissen vorhanden ist. Das Ökosystem als Ganzes wird bestimmt besser angeschaut. Das systemische Denken an sich wird während der Ausbildung grossgeschrieben.


Damian: Auch bei meinem Studium wird hierauf ein besonderes Augenmerk gelegt. Sonst ist es für mich schwierig. Ich weiss ja nicht, was die früher an der ETH genau gelernt haben – oder eben nicht. Sicherlich hat unsere Generation mit beispielsweise dem Klimawandel neue Herausforderungen, welche im Studium auch berücksichtigt werden. Zentral waren bei uns auch die Waldökologie und die Biodiversität. Aber auch hier kann ich nicht beurteilen, ob dies im Vergleich zu anderen Ausbildungen mehr gewichtet wurde. Gebirgswaldbau wurde sicherlich sehr ausführlich geschult. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir bei diesem Gebiet den Rucksack nicht gut füllen konnten. Marco: Wenn ich gerade das Stichwort «Gebirgswald» aufgreifen darf: Schutzwaldmanagement war beispielsweise bei uns frei wählbar. Hat man es besucht, ist man sicherlich gut gerüstet – hat man es nicht besucht, fehlt einem bis auf die einfachen Grundlagen das fachspezifische Wissen schlichtweg. Okay, was wäre dann eure Botschaft an all die Personalverantwortlichen da draussen – euer Merksatz? Marco: Wenn einer oder eine mit dem neuen ETH-Abschluss kommt, ist es möglich, dass er oder sie je nach Fachgebiet besser oder schlechter ausgebildet ist als der alte ETH-Forstingenieur. Dies, weil der Titel alleine noch nicht viel über die konkrete Ausbildung sagt. Kurz, wohl heute wie früher ist die Person wichtig. Damian: Ich schätze es eigentlich ähnlich ein. Bei uns kann man sicher sagen, dass das Studium zwar nur drei Jahre dauert, dafür sind die Themen fokussiert und auf die aktuellen Bedürfnisse der forstlichen Praxis abgestimmt. Aber auch bei den HAFLAbsolventinnen und -Absolventen ist es

wichtig zu schauen, welche Vertiefungen gewählt wurden. Dies kann konkret gesagt schon zeigen – bezogen auf diesen Kanton –, welche Spezialgebiete infrage kommen. I hr habt nun den Fokus auf euer persönliches Studium gelegt. Wir drehen den Spiess mal um. Wie würdet ihr den anderen Studiengang bezüglich Praxistauglichkeit beurteilen? Wo liegen die Stärken und Schwächen der Ausbildung an der ETH beziehungsweise an der HAFL ? Damian (über ETH ): Ihr habt eine längere Ausbildungszeit. Ich kann sicherlich nicht in drei Jahren lernen, was andere in fünf. Wobei davon bestimmt ein grosses Stück die Grundlagenfächer von Mathe bis Chemie fressen. Wir haben wohl in Ingenieurwesen ein gewisses Defizit. Im Bereich Forschung schätze ich euch auch besser ein – also Wissenschaft betreiben. Durch die forstliche Vorbildung, speziell als Forstwart, konnte im Studium die Ausbildung besser auf die Praxis fokussiert werden. Marco (über HAFL ): Wie du es abschliessend sagtest, denke ich auch, der Praxisbezug ist euer Vorteil. Überspitzt gesagt, sieht man euch sicherlich nicht als Studenten, die nun mal eben in der Praxis angekommen sind. Es ist vielleicht ein Problem, dass es bei uns Leute geben könnte, die nicht wissen, was arbeiten heisst und dies erst mit 25 Jahren zu lernen beginnen. Es kann aber auch gerade ein Nachteil sein, dass euch möglicherweise ein wenig der wissenschaftliche Teil fehlt. Damian: Bleiben wir bei diesem Punkt. Aus meiner Sicht kann ein weiterer Vorteil bei einem Sprung ins kalte Wasser sein, direkt einen Draht zu den Förstern und Vorarbeitern zu haben. Für uns ist das Ansehen dieser Leute wohl höher. Bündner Wald 5/2012 55


Marco: Mag stimmen, aber ich sehe hier eben schon auch wieder die Gefahr, dass man dann zu nah stehen kann und die nötige Weitsicht für Probleme fehlt. E ine konkrete Situation. In der Ge­meinde XY steht ein Beweidungs­ problem im Wald an. Was glaubt ihr, würde der zuständige Gemeinde­ präsident merken, aus welcher Schul­stube ihr kommt? Damian: Nein. Marco: Wohl nicht. Weshalb? Marco: Vielleicht merkt er es, wenn ich beginne von Studien zu erzählen, welche verschiedene Lösungsansätze aufzeigen. Ich würde versuchen, meine Argumentation auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aufzubauen. Dies könnte dem aufmerksamen Zuhörer vielleicht meine Herkunft verraten. Damian: Ich würde wohl wirklich zuerst ein Beispiel aus der Praxis nennen, welches ich kenne, und als Lösungsansatz oder zumindest Anknüpfungspunkt beiziehen. Waldweideausscheidungen sind mir als Forstwart noch präsent. Marco: Es ist möglich, dass man es so erkennen könnte. Ich möchte aber betonen, Pause nach dem Wortgefecht (Bild: Sandro Krättli)

auch bei mir könnte eine Argumentation auf einem praktischen Beispiel basieren. Was ist aus eurer Sicht gar nicht lernbar und was zwar schon – aber erst in der Praxis? Marco: Der persönliche Umgang ist bestimmt nicht lernbar. Die Balance zwischen kollegialem Führen und klarem Entscheiden als Chef ist sicherlich eine Frage der Erfahrung oder der allgemeinen Persönlichkeitszüge. Damian: Ja, gerade in Verhandlungen ist es oft nicht geschickt, wenn man mit dem Kopf durch die Wand will – auch wenn man fachlich absolut im Recht ist. Marco: Wie man es allgemein auch sagt, sind Sozialkompetenzen nicht schulisch lernbar. Dies wird in unserem Fall nicht anders sein. Damian: Man wird aber wiederum mit der Erfahrung dazulernen – man hat bestimmt nie ausgelernt! Marco: Sicher ist auch wichtig, sich mit den örtlichen Begebenheiten auseinanderzusetzen. Als Regionalforstingenieur werden die regionalen Ansprüche und Umgänge unterschiedlich sein. Auch Arbeitsorte und Team sind immer unterschiedlich. Somit ist auch eine gewisse Flexibilität, Offenheit und Anpassungsfähigkeit nötig. Ich möchte noch ergänzen, dass es während des Studiums schon gute Möglichkeiten gab, sich auch Führungskompetenzen anzueignen – beispielsweise bei Gruppenarbeiten, wo man klare Rollen einnahm. Durfte man die Führungsrolle wahrnehmen, war man dafür verantwortlich, das Team zu einem Ziel zu führen. Damian: Ja, auch wir hatten regelmässig Gruppenarbeiten, welche solche Kompetenzen förderten. Wie sehen eure Zukunftswünsche oder auch konkreten Pläne aus?

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Marco: Beim Amt für Wald und Naturgefahren habe ich wirklich das Gefühl, dass hier Leute am Werk sind, die lösungsorientiert arbeiten und Kompromisse im Sinne der Sache suchen. Dies wären die Verhältnisse, die auch mir behagen würden. Meine Zukunft hat sich aber schon ein wenig konkretisiert. Ich werde ab Dezember an der ETH als Doktorand arbeiten. Schon die Masterarbeit hat mir sehr viel Spass gemacht. Nun erhalte ich die Möglichkeit, im selben Themenfeld weiterzuarbeiten, was mich sehr motiviert. Ich freue mich darauf, im Bereich Jahrringforschung für drei bis vier Jahre tätig zu werden. Konkret werde ich mich mit Mortalitätsprozessen einiger ausgewählter heimischer Baumarten beschäftigen; hier gibt es noch viele offene Fragen in der Wissenschaft. Damian: Mein Wunsch wäre, eine Stelle im schönen Kanton Graubünden zu finden. Grundsätzlich bin ich aber offen und auch bereit zu nehmen, was kommt. Was ich mir auch gut vorstellen kann, ist bei einem Ingenieurbüro zu arbeiten. Ich stelle mich darauf ein, in den ersten Jahren vor allem Erfahrungen zu sammeln.  abt ihr noch eine Mitteilung, die euch H wichtig ist? Damian: Ich habe höchstens eine Frage an dich: Wie schätzt du unsere Chancen auf dem Markt ein? Sandro: Ah, du drehst den Spiess um! Ich sehe vor allem den kantonalen Forstdienst

und weiss, dass in den nächsten Jahren doch einige Pensionierungen anstehen. Auch wenn vielleicht versucht wird, diese Stellen mit ehemaligen Absolventen der ETH zu besetzen, wird dies immer weniger aufgehen. Viel wichtiger finde ich aber, und dies hat mir das Gespräch mit euch auch bestätigt, junge Leute zu haben, welche die Motivation und den Willen haben, Verantwortung wahrzunehmen. Für mich ist nicht die schulische Herkunft entscheidend, sondern die Person, welche dahintersteckt. Die Vielseitigkeit an künftigen Forstleuten erachte ich aber als äusserst wertvoll und als grosse Chance für die Branche. Es stehen Probleme an wie beispielsweise «Klimawandel und wie bereiten wir den Wald darauf vor», welche besser von einem Team von diversifizierten Spezialisten angegangen werden als von einer Gruppe gleich Ausgebildeter. Was ich damit sagen will, alle haben ihre Daseinsberechtigung und momentan sieht es auch so aus, als ob es für alle Arbeit gibt. Mit der Bereitschaft auch weiterschauen zu gehen als im präferierten fachlichen und örtlichen Gebiet, sollten fähige Leute aus meiner Sicht auch Arbeit finden.

Sandro Krättli, Redaktor Bündner Wald Sagastägstr. 96, 7220 Schiers sandro.kraettli@awn.gr.ch

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«Weniger Eigenverantwortung bei Praktika in Deutschland» Lange war der Bündner Forstdienst ein Reduit für Schweizer und Bündner Forstleute. In den letzten Jahren hat sich aber diesbezüglich viel geändert. Neben Aargauern bis Zürchern stiessen auch immer mehr deutsche Forstleute in den Kanton Graubünden. Jährlich absolvieren einige deutsche Hochschulabsolventen ein Praktikum beim Amt für Wald und Naturgefahren (AWN). Ein paar sind auch geblieben, leisten wertvolle Arbeit und bereichern das AWN. Die «Bündner Wald»- Redaktion hat bei deutschen Kolleginnen und Kollegen nach Antworten zu dieser Entwicklung gesucht. Befragt wurden: – Kathrin Selhuber, Praktikantin, Valchava Sommer 2012 – Nadine Trierweiler, Technische Sachbearbeiterin und ehemalige Praktikantin AWN – Ines Aust, Technische Sachbearbeiterin AWN – Martin Frank, Technischer Sachbearbeiter und ehemaliger Praktikant AWN Beim Amt für Wald und Naturgefahren ist festzustellen, dass verhältnismässig viele Anfragen aus Deutschland für forstliche Praktika eingehen und schliesslich auch absolviert werden. Was denkt ihr, wieso ist dies so bzw.

konkreter, was macht den Bündner Forstdienst so attraktiv? Ines: Zu der Zeit, als ich an der FH Rottenburg studierte, war es «in», ins Ausland zu gehen. Bei wachsender Globalisierung – eben auch in den Köpfen der Studierenden – wird dies vermutlich immer bzw. noch vermehrter so sein. Hatte man sein (damals zweites, frei wählbares) Praktikum im Heimatland oder gar im eigenen Bundesland absolviert, war man eher ein Aussenseiter. Zudem hegt und pflegt die FH Rottenburg immer mehr Kooperationen mit Hochschulen im Ausland (Niederlande, Brasilien, Japan), sodass ein «Studenten-Austausch» immer einfacher möglich ist. Die deutschsprachigen Teile der Schweiz haben den Vorteil, dass die sprachliche Barriere nicht vorhanden ist. Ich habe auch den Eindruck, dass der Bergwald eine enorme Faszination unter deutschen Forstleuten weckt – die Landschaften Graubündens begeistern. Von der FH Rottenburg waren nun schon einige Praktikanten hier, sodass das AWN und die Berichte der Praktikanten in den Praktikumsunterlagen an der FH zu finden sind. Martin: Ich denke, es liegt daran, dass zum einen ein Grossteil von Praktikanten gerne ein Auslandspraktikum absolvieren möchte und die Schweiz geografisch doch recht

Ines Aust, technische Sachbearbeiterin Region 1 (Bild: Michel MaÏ koff)

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«nah» ist. Zum anderen ist natürlich der finanzielle Aspekt auch nicht zu verachten. Ich denke jedoch, dass dies zweitrangig ist, da das Sammeln von Erfahrungen und das Kennenlernen einer anderen/neuen Forstorganisation wichtiger sind. So war es jedenfalls bei mir. Kathrin: «Aufgabenbereich»: Ein Praktikum in Graubünden ist sehr vielseitig. Man ist in vielen Bereichen tätig und darf Projekte völlig selbstständig bearbeiten. Auch wenn man «nur» Praktikantin ist, werden einem doch viele kleinere, aber sehr interessante Aufgaben übergeben. «Ausland»: Obwohl die Schweiz Ausland ist, gibt es viele Gemeinsamkeiten, vor allem die Sprache. Das erleichtert den Einstieg. «Bezahlung» – last but not least: Das Praktikantengehalt ist sehr hoch, sodass es möglich ist, von diesem Geld sein Praktikum bezahlen zu können. Zudem dürfen noch Spesen abgerechnet werden (vor allem Kilometergeld ist in Deutschland nicht selbstverständlich). Nadine: Die Hochschule Rottenburg hat weltweit recht gute Kontakte zu möglichen Praktikumsstellen, was ich für mich nutzen wollte, um auch ausserhalb der Landesgrenzen Erfahrungen sammeln zu können. Auch das AWN war in den Praktikumsunterlagen von vorherigen Studenten zu finden. Für ein Praktikum in der Schweiz habe ich mich aus folgenden Gründen entschieden: Der Alpenraum und der Gebirgswald faszinieren mich, die sprachlichen Barrieren sind relativ gering. Ich erhalte Einblicke in ein anders organisiertes Forstsystem und bin doch relativ nah dran am im Studium vermittelten Wissen (anders als wenn ich z. B. im Amazonasgebiet unterwegs gewesen wäre). Attraktiv sind natürlich auch die vielen Möglichkeiten der Aktivitäten in den Alpen während der Freizeit.

Martin Frank, technischer Sachbearbeiter Region 4 (Bild: Martin Frank)

Ihr habt selbst ein solches Praktikum besucht und /oder arbeitet teils sogar nun fix beim Amt für Wald und Naturgefahren. Wie wurdet ihr hier aufgenommen und was für spezielle Erfahrungen habt ihr (vielleicht in der Anfangsphase auch nichtforstlich) in Graubünden gemacht? Ines: Ich arbeite in Schiers in der Waldregion 1 des AWN im Bereich Naturschutz. Meine Aufnahme im Team war durchwegs positiv – unser Team funktioniert super. Auch bei den externen Forstleuten hatte ich aus meiner Sicht einen angenehmen Start. Da der Aufbau und die Struktur der kantonalen Forstverwaltung in Graubünden komplett anders sind als in manchen Bundesländern, bin auch ich in das eine oder andere Fettnäpfchen getreten oder habe Dinge erst nicht verstanden oder nachvollziehen können. Das Team hat mir immer die nötige Rückendeckung gegeben. Die sprachliche «Herausforderung» im Prättigau war die ersten Wochen für mich mühsam (vor allem am Telefon). Ich habe alle immer darum gebeten, «ganz normal» zu reden – so kommt man doch schnell in die Sprache rein und ist auch sicher, dass es keine «Übersetzungsfehler» gibt. Bündner Wald 5/2012 59


Eine grosse Umstellung war die Tatsache, dass der Kanton Graubünden quasi kaum eigenen Wald – bzw. Wirtschaftswald besitzt und sehr viele hoheitliche Aufgaben anstatt betriebliche erfüllt. Dies ist in vielen Bundesländern in Deutschland anders – daher auch unter anderem die ganz andere Organisation. Martin: Im 2006 bekam ich die Möglichkeit, das zweite Praxissemester meines Studiums beim damaligen «Amt für Wald» in Tiefencastel zu absolvieren. 2008 konnte ich ein Nachdiplom-Berufspraktikum, ebenfalls in Tiefencastel, absolvieren. Seitdem lebe ich in Graubünden und arbeite beim Bündner Forstdienst. Aufgenommen wurde ich hier sehr gut. Ich habe mich auf Anhieb sehr wohl gefühlt. Anfangs war vieles neu, beruflich wie privat, jedoch würde ich sagen, dass ich mich recht schnell einleben konnte. Da ich aus einer Region in Süddeutschland komme, in der auch Dialekt gesprochen wird, hatte ich nur wenig Mühe mit dem Dialekt in Graubünden. Beruflich wie privat habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht – speziell mit der Hilfsbereitschaft sowie der Freundlichkeit der Menschen. Kathrin: Meine Aufnahme durch meinen Chef war sehr positiv. Auch die «Einführung» beim Rest des Teams Südbünden war sehr offen. Eine sehr angenehme Erfahrung war das «Du» mit allen Teammitgliedern. Auch die Tatsache, dass ich nicht Romanisch spreche, war in der Region kein Problem. Meinen Aufenthalt im Val Müstair würde ich ebenfalls als eine sehr positive Erfahrung beschreiben. Die Münstertaler sind sehr offen und hilfsbereit. Nadine: Ich bin in den Waldregionen 1 in Schiers, 4 in Tiefencastel und 5 in Zuoz im Praktikum gewesen, bevor ich meine heutige Stelle als Technische Sachbearbeiterin in Zuoz angetreten habe. Zuständig bin ich 60

Nadine Trierweiler, technische Sachbearbeiterin Region 5 (Bild: Nadine Trierweiler)

jetzt vor allem für das Schutzbautenkataster. Egal in welchem Team ich war, ich habe mich immer gut aufgenommen gefühlt. Auch bei den Förstern hatte ich aus meiner Sicht wenige Probleme und wenn, beruhten diese meist auf anfänglicher Skepsis. Doch nach und nach legte sich das. Was anfangs verwirrend war, ist der ganz anders als in Deutschland organisierte Forstdienst – aber mit der Zeit war auch diese Hürde genommen. Was ich als Praktikantin vor allen Dingen positiv fand, ist, dass ich eigenverantwortlich Projekte bearbeiten durfte und mich selbst organisieren musste. Der Lerneffekt ist super – im fachlichen Bereich und auch als Vorbereitung auf die Zeit nach dem Studium für die Arbeitswelt. Zudem konnte ich immer auf die Unterstützung im Team zählen, wenn ich dann doch mal «überfordert» war. Dieses eigenverantwortliche Arbeiten war eine ganz neue Erfahrung, da ich in den Praktika aus Deutschland gewohnt war, eine «untergeordnete Rolle» zu spielen und dass man einem Praktikanten kaum Eigenverantwortung zumuten wollte. Diese Ausgabe erscheint ja als Schwerpunktnummer zum Thema «Bildungslandschaft im Wandel».


In der Schweiz sind zwei Bildungswege auf Hochschulniveau möglich. In Deutschland ist es ähnlich. Wenn ihr den Quervergleich zieht, wo denkt ihr liegen die Unterschiede (Schwerpunkte) der deutschen zu den schweizerischen Hochschulausbildungen? Ines: Erst mal gibt es in Deutschland die Stufe der Ausbildung der Förster, also eine Försterschule nicht. Ein Revierleiter ist ein FH-Absolvent und damit ein Forstingenieur. Es ist keine Voraussetzung, eine Lehre als Forstwirt zu absolvieren, um an einer FH zu studieren. Zu meiner Zeit (noch Diplomstudiengang) mussten alle diejenigen, welche keine FoWi-Lehre hatten, das 3. Semester (Winterhalbjahr) in einem staatlichen FB verbringen und dort mit der Waldarbeiterrotte mitarbeiten – so hat man zumindest einen kleinen Einblick in die Arbeit eines FoWi. Ich erachte es als absolut sinnvoll, vor dem Studium die Lehre zu machen. Ob es ein Muss sein soll, ist fraglich – aber man hat sicherlich einen Vorteil, auch psychologisch gesehen, gegenüber reinen Theoretikern – wobei ein FH-Studium in Deutschland mit mind. einem Praktikumssemester und einem hohen Anteil an praktischen Unterrichten (beispielsweise wurde das Fach «Waldbau» im Hauptstudium immer draussen vor Ort im Wald unterrichtet) sehr praxisnah ist. Martin: Ich habe an der HS für Forstwirtschaft in Rottenburg/Neckar studiert und 2008 mein 4-jähriges Studium als Dipl.-Ing. Forstwirtschaft (FH), Vertiefungsrichtung Betriebswirtschaftslehre, abgeschlossen. Soweit ich weiss, wurde an der FH Rottenburg ab 2009 nur noch der 3-jährige Bachelor-Studiengang mit Option auf den 2-jährigen Master im Anschluss angeboten. Leider kenne ich den neuen Bachelor-Studiengang an der FH Rottenburg sowie das Studium an der HAFL nicht gut genug, um Quervergleiche ziehen zu können.

Kathrin: Ich kenne mich mit dem Schweizer System leider nicht so aus und kann deshalb nur kurz beschreiben, was es in Bayern für Möglichkeiten gibt: – Fachhochschule (jetzt Hochschule) Weihenstephan (Bachelor Forstingenieur) – Technische Universität München (Bachelor Forstwissenschaften bzw. auch noch Master) Danach ist kein direkter Einstieg in das «Amt» möglich. Man geht ein Jahr an eine Forstschule und erhält dann nach Noten die Möglichkeit, zum Amt zu gehen – oder auch Revierförster zu werden. Was möchtet ihr der Leserschaft des «Bündner Waldes» als Schlusswort noch mitteilen? Nadine: Ich finde, dass das AWN eine empfehlenswerte Stelle ist, um ein Praktikum zu machen, und man viel lernen kann. Diese Art des Umgangs mit den Praktikanten (ihnen Eigenverantwortung und Eigenorganisation zuzutrauen) sollte beibehalten werden. Ines: Das BAFU hat eine Studie veröffentlicht, die versucht, die unterschiedlichen forstlichen Bildungswege in 23 Ländern darzustellen und Trends und Veränderungen in der forstlichen Welt zu erkennen. Dabei wird die Bedeutung der trans- und internationalen Zusammenarbeit betont. In meinen Augen ist es daher ein wichtiger Schritt, den beispielsweise die HS Rottenburg geht, die Zusammenarbeit international zu stärken.

Sandro Krättli, Redaktor Bündner Wald Sagastägstr. 96, CH-7220 Schiers sandro.kraettli@awn.gr.ch

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An der Schnittstelle von Natur und Gesellschaft sorgsamen Umgangs mit den natürlichen Lebensgrundlagen. Das Studium kombiniert naturwissenschaftliche Fächer mit ingenieur-, sozial-, und wirtschaftswissenschaftlichen Disziplinen. Studierende können je nach Neigung und Interesse zwischen fünf Vertiefungsrichtungen wählen.

(Bild: zV ZHAW, Wädenswil)

An der Schnittstelle von Natur und Gesellschaft gewinnen unkonventionelle, praktikable Lösungen für den angemessenen Umgang mit natürlichen Ressourcen an Bedeutung. Umweltingenieurinnen und -ingenieure lösen Aufgaben im Spannungsfeld zwischen wirtschaftlich-gesellschaftlichen Ansprüchen und den Erfordernissen eines

Aufbau des Studiums Das Studium ist anwendungsorientiert und dauert in Vollzeit sechs Semester, d. h. drei Jahre. Ein Teilzeitstudium ist möglich. Der modulare Aufbau begünstigt Auslandsemester oder die Belegung von Modulen an anderen schweizerischen Hochschulen. Das 1. Semester ist für alle Studierenden identisch. Im 2. Semester besuchen sie die ersten Grundlagenmodule von zwei gewählten Vertiefungen sowie verschiedene Wahlpflichtmodule. Mit der Einschreibung ins 3. Semester entscheiden sie sich für eine der fünf Vertiefungen Biologische Landwirtschaft und Hortikultur, Landschaft – Bildung – Tourismus, Nachwachsende Rohstoffe und Erneuerbare Energien, Naturmanagement, Urbaner Gartenbau. Absolventinnen und Absolventen verfügen über Fachwissen und Strategien, um Fragestellungen der Praxis eigenständig zu lösen. Sie sind kompetent im Methodenwissen, im Umgang mit neuen Informationstechnologien und verfügen

ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften Die ZHAW ist eine der grössten Mehrsparten-Fachhochschulen in der Schweiz. Das Departement Life Sciences und Facility Management befindet sich in Wädenswil am linken Zürichseeufer. Hier wird in den Bereichen Umwelt, Ernährung, Gesundheit und Gesellschaft gelehrt und geforscht. Das Aus- und Weiterbildungsprogramm umfasst fünf Bachelor-Studiengänge, zwei Master-Studiengänge und ein breites Kursprogramm. Zurzeit sind rund 1400 Studierende in Wädenswil immatrikuliert, davon fast 600 im Bachelorstudiengang

Umweltingenieurwesen. www.lsfm.zhaw.ch

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über die entsprechende soziale Kompetenz, um in der Arbeitswelt verantwortungsvolle Aufgaben zu übernehmen. Berufliche Perspektiven Das Bachelor-Studium führt zur Berufsbefähigung und eröffnet vielfältige Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Absolventinnen und Absolventen arbeiten in privaten Unternehmen, in öffentlichen Verwaltungen und Non-Profit-Organisationen oder machen sich selbstständig. Die Tätigkeitsgebiete variieren je nach gewählter Vertiefung und reichen von Umwelt- und Forschungsinstitutionen über landwirtschaftliche Produktion, Naturschutzgebiete und Parks bis zu Energieversorgungsunternehmen, Städten und Forstbetrieben. Nach Abschluss des Bachelor steht leistungsstarken Absolventen der forschungsbasierte konsekutive Masterstudiengang offen. Als Vertiefung wird «Natural Resource Sciences» angeboten, deren Themenfelder sich an laufenden Forschungsprojekten orientieren. Biodiversität, Wildtiermanagement, Naturpärke und Schutzgebiete sind nur drei von derzeit 14 aktuellen Möglichkeiten.

(Bild: zV ZHAW, Wädenswil)

Mehr Information zum Bachelor- und Master-Studium, zu Forschungsprojekten und Veranstaltungen: www.lsfm.zhaw.ch. Text zV gestellt von ZHAW, Wädenswil

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«Das Umweltingenieurstudium ist so vielseitig wie ich selbst» Untertitel Grundschrift

Barbara Krummenacher (Bild: zV ZHAW, Wädenswil)

Das sagt Barbara Krummenacher, die ihr Studium 2008 abschloss. Nachfolgend ein Gespräch über ihr Studium und ihre heutige Tätigkeit als Ingenieurin. Wo arbeiten Sie heute? Barbara Krummenacher: Ich arbeite an der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL in der Einheit Lawinen, Murgänge und Steinschlag. Unsere Forschungseinheit untersucht Naturgefahren, die stark von der Gravitation beeinflusst werden und sowohl Gebirgsregionen in der Schweiz als auch in der ganzen Welt bedrohen. Wir untersuchen die Entstehungs-, Bewegungs- und Ablagerungsprozesse dieser drei geophysikalischen Phänomene, um technisch und wirtschaftlich solide Abwehrstrategien zu entwickeln. Was bietet das Unternehmen an? Als Forschungsanstalt der ETH wird von der WSL Spitzenforschung und gesellschaftlicher Nutzen verlangt. Die Stärke unserer Einheit liegt insbesondere im Bereich des Steinschlagschutzes. Die WSL betreibt hierfür eine Testanlage im Steinbruch Lochezen am Walensee, wo die Zertifizierung für flexible Steinschlagschutzsysteme durchgeführt werden kann. Die hierbei gewonne64

nen Daten werden verwendet, um die bei uns vorhandenen Simulationsprogramme zu validieren. Des Weiteren können wir das Wissen über die Steinschlagnetze auch auf den Schutz vor Murgängen übertragen. Welche sind Ihre Tätigkeitsgebiete und Verantwortlichkeiten? Ich begleite Steinschlagversuche von der Planung, Durchführung, Auswertung bis zum Prüfbericht. Beim Versuch bin ich verantwortlich für die Verformungsmessung, Kraftmesstechnik und das Highspeed-Videosystem, woraus im Anschluss die Geschwindigkeit, Energie und der Bremsweg berechnet werden können. Des Weiteren bin ich Qualitätsmanagerin der Europäischen Prüfstelle für Steinschlagschutzsysteme. Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf? Mir gefällt die Feldarbeit besonders gut. Wenn ich in den Netzen und am Fels kletternd die Messtechnik installiere, fühle ich mich wie in einem Zirkus mit Panorama. Zudem motivieren mich der Praxisbezug und die Vielseitigkeit der Naturgefahren. Warum haben Sie sich für das Umweltingenieurstudium entschieden? Um ein breiteres Wissen zu erlangen und somit ein grösseres Bild zu sehen. Als Biologielaborantin habe ich vorwiegend mit Bakterien und Proteinen gearbeitet, die man nicht von Auge sehen kann. Nach dem Studium arbeitete ich in Gebieten, wo das Forschungsobjekt sichtbarer ist. Welche Eigenschaften brauchen die Studierenden Ihrer Meinung nach? Offenheit, Kreativität, Neugier, Toleranz, Idealismus und Bodenständigkeit. Durchhaltevermögen und Lernbereitschaft sind


meiner Ansicht nach Voraussetzung für jedes Studium. Welches Wissen und welche Kompetenzen aus dem Studium verwenden Sie heute in Ihrem Berufsalltag? Es ist ein Mix aus Fach- und Methodenkompetenzen. Viele wichtige Kompetenzen, wie beispielsweise das strukturierte Berichteschreiben oder auch EDV-Kompetenzen, wurden während des Studiums beiläufig

und oft auch selbstständig erarbeitet. Die Sozialkompetenz wurde natürlich durch die zahlreichen Gruppenarbeiten gefördert. Dieses Interview wurde an der ZHAW in Wädenswil geführt und dem Bündner Wald zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen: ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Wädenswil www.lsfm.zhaw.ch

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137 Diplomierte an der HAFL in Zollikofen Am 28. September 2012 war für 137 Bachelor- und Master-Studierende der HAFL, Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften, der Berner Fachhochschule der feierliche Schlusspunkt ihres Studiums. Für die 137 diesjährigen Absolventinnen und Absolventen war der 28. September ein Freudentag. 87 Bachelor-Abschlüsse in Agronomie, 18 in Forstwirtschaft, 22 in Lebensmitteltechnologie und zehn MasterDiplome konnten gefeiert werden. Im Vorjahr waren es insgesamt noch 106 Diplomierte gewesen. Mit ihrem abgeschlossenen Studium sind die Absolventen und Absolventinnen für anspruchsvolle berufliche Aufgaben in Wirtschaft, Verwaltung und Verbänden gerüstet. Dank des grossen Interesses der Land-, Forst- und Lebensmittelwirtschaft an gut

qualifizierten Arbeitskräften haben die Diplomierten zudem beste Berufsaussichten. Eine besondere Auszeichnung erhielten fünf Studierende, die ihr Studium mit der jeweiligen Bestleistung in ihrem Studiengang abgeschlossen haben: – Gesamtbestleistung Bachelorstudium: Christina Ines Reif – Bestleistung BSc Agronomie: Markus Schaffner – Bestleistung BSc Forstwirtschaft: Rolf Fankhauser – Bestleistung BSc Food Science & Management: Nicole Schollenberger – Bestleistung MSc Master of Science in Life Sciences: Claude-Alain Gebhard

Die Absolventen des Studiengangs Forstwirtschaft (Bild: HAFL)

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HAFL


Protokoll der SELVA-Generalversammlung 2012 Die SELVA hat ihre Jahresversammlung am 2. Mai 2012 im Plantahof in Landquart abgehalten. An der GV waren 59 Stimmberechtigte mit total 172 Mitgliederstimmen vertreten. Auch viele Gäste haben an der GV teilgenommen. 1) Begrüssung durch den Präsidenten SELVA-Präsident Andrea Florin begrüsst die

anwesenden Mitglieder und Gäste. Einen speziellen Gruss richtet er an Regierungsrat Mario Cavigelli, Gemeindepräsident Ernst Nigg, Rolf Manser, Abteilungsleiter Wald beim BAFU und an die anwesenden Vertreter der verschiedenen Partnerorganisationen. Im Jahre 2007 hat sich die SELVA anlässlich eines Workshops Gedanken gemacht, wo ihre Stärken und Schwächen liegen und wo die Haupthandlungsfelder sind. Neben den Stärken und Schwächen wurden auch die Erwartungen der Waldeigentümer einbezogen. Daraus haben sich folgende Schwerpunkts-Themen ergeben: Holzvermarktung, Information, Politik, Holzenergie, Aus- und Weiterbildung sowie Forstbetriebe. Heute kann rückblickend gesagt werden, dass einige Fortschritte in diesen Themenbereichen gemacht werden konnten: Es sind drei Holzvermarktungsorganisationen entstanden, welche heute grosse Anteile des Bündner Rundholzes vermarkten. Die SELVA hat ihren Internetauftritt modernisiert und die Homepage von Grund auf neu gestaltet. Bezüglich Politik ist der Wiedereintritt der SELVA in den reorganisierten Nationalen Verband Waldwirtschaft Schweiz und der geschlossene Auftritt der Bündner Waldund Holzbranche gegenüber der Sägerei in Domat/Ems zu erwähnen. Die SELVA-Kurse sind nach wie vor gut besucht. Für die Referenten der SELVA-GV 2012 (Bilder: SELVA ) Bündner Wald 5 /2012 67


Forstbetriebe wichtig war die Einführung der neuen Handelsgebräuche für Rundholz sowie die Rezertifizierung nach FSC im Jahre 2010. Der SELVA-Vorstand ist bereit, weiter an den wichtigsten Schwerpunkten zu arbeiten im Sinne und als Unterstützung der Waldbesitzer. Andrea Florin dankt der Gemeinde Landquart für das Gastrecht im Plantahof und für den Zustupf in Form einer finanziellen Unterstützung des Apéros dieser Generalversammlung. 2 ) Grussadressen Ernst Nigg, Gemeindepräsident von Landquart, begrüsst die Anwesenden im Namen der neuen Gemeinde Landquart im Plantahof. Mit der Fusion von Igis-Landquart und Mastrils hat die Gesamtfläche der Gemeinde deutlich zugenommen. Ebenfalls die Bevölkerungszahl und vor allem die Waldfläche. Mit dem Auenwald am Rhein hat die Gemeinde einen ökologisch sehr wertvollen Standort erhalten. Das Bauen mit Holz ist der Gemeinde wichtig. Erwähnenswert ist das Bahnhofsgebäude, welches 2004 aus Holz gebaut wurde und nun neben der RhB auch das Grundbuchamt sowie die Kantonalen Verbände der Wald- und Holzbranche beherbergt. Weitere Ideen für den Bau von öffentlichen Gebäuden aus Holz sind vorhanden. Versammlungsteilnehmer stimmen ab (Bild: SELVA )

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Regierungsrat Mario Cavigelli überbringt die Grüsse der Regierung. Er informiert die Anwesenden über die Totalrevision des Kantonalen Waldgesetzes, die Waldflächenpolitik des Bundes, den Sägewerkstandort Domat/Ems sowie die Kantonsfinanzen. Er dankt auch für die Mitwirkung des Verbandes sowie der Mitglieder und erwähnt die SELVA als wichtigen Partner. 3 ) Wahl der Stimmenzählenden Auf Vorschlag des Präsidenten wählt die Versammlung Urs Crotta aus Chur und Damian Cadotsch aus Savognin als Stimmenzählende. 4) Protokoll der GV vom 13. April 2011 Das Protokoll der Generalversammlung vom 13. April in Ilanz wurde in der Ausgabe Oktober 2011 der Zeitschrift «Bündner Wald» publiziert. Es wird ohne Gegenstimme genehmigt. 5) Jahresbericht 2011 und Aktuelles 2012 Der Präsident geht den Jahresbericht Seite um Seite durch. Aus der Versammlung erfolgen keine Wortmeldungen. Der Jahresbericht 2011 wird einstimmig genehmigt. Geschäftsführer Paul Barandun informiert über die laufenden Aktivitäten 2012. Die bisherigen Schwerpunkte waren die The-


men Holzvermarktung, die Waldzertifizierung nach FSC sowie das Kurs- und Projektwesen. Aktuelles Thema war das Fortführen des Sägewerkes in Domat/Ems. Daniel Buchli, HOMAKO-Präsident, Grossrat und Revierförster, hat die Versammlung über die Situation des Sägewerkstandortes Domat/Ems informiert. Die Holzmarktkommission ( HOMAKO ) ist reaktiviert worden. Sie setzt sich zusammen aus Vertretern der SELVA, der drei Holzvermarktungsorganisationen, des Bündner Forstunternehmerverbandes und des Amtes für Wald und Naturgefahren Graubünden. Die Aufgabe und das Ziel der HOMAKO ist es, Bindeglied zwischen der Pfeifergruppe und den Waldbesitzern zu sein. Die HOMAKO steht in intensivem Kontakt mit den Personen der Pfeifergruppe, die für das Projekt in Domat/Ems verantwortlich sind. Die Pfeifergruppe möchte auf dem Platz Domat/Ems im Minimum 300 000 m3 Rundholz einschneiden. Ein Vertragsentwurf, in dem die Rundholzabnahmebedingungen offengelegt werden, ist in Bearbeitung. Die Pfeifergruppe möchte einen integrierten Holzverarbeitungs­ standort aufbauen. Sie möchten nicht nur Rundholz einschneiden, sondern auch weiterverarbeiten. Die definitiven Entscheide bezüglich des zukünftigen Werkes in Domat/Ems wollen sie in den nächsten drei bis sechs Monaten fällen.

6) Jahresrechnung 2011 und Bilanz per 31. Dezember 2011 Der Präsident präsentiert die Jahresrechnung 2011 und die Bilanz per 31. Dezember 2011. Die Rechnung 2011 weist nur wenige Änderungen gegenüber dem Budget 2011 auf. Der Betriebsaufwand beträgt Fr. 479 118.–, der Nettoerlös Fr. 477 304.–. Der Verlust beträgt Fr. 1814.–. Budgetiert war ein Verlust von Fr. 3000.–. 7) Kontrollstellenbericht Die SELVA-Revisoren Arnold Denoth und Christian Theus haben die Buchführung der SELVA geprüft. Arnold Denoth erläutert den Bericht der Geschäftsprüfungskommission. Er dankt den Organen des Verbandes für die ordnungsgemässe Buchführung sowie die strukturierte Arbeit und empfiehlt der Versammlung die Annahme der Jahresrechnung 2011 und der Bilanz per 31. Dezember 2011 sowie die Entlastung der Organe. 8 ) Genehmigung Jahresrechnung und Bilanz, Entlastung der Organe Die Jahresrechnung 2011 und die Bilanz per 31. Dezember 2011 werden von der Versammlung einstimmig genehmigt. Die Organe des Verbandes werden ebenfalls einstimmig entlastet.

Versammlungsteilnehmer beim Apéro im Freien (Bild: SELVA )

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Werksklassierung, Holzpreis Graubünden sowie Zertifizierung. Mit Innovationsbeiträgen konnten 2011 folgende Projekte unterstützt werden: Skipostenlauf Bergün, Waldwochen in Filisur, Bergün und Sent, Empfang Hitsch Rohner, Alpiner Schutzwaldpreis, Holzhauereiwettkampf, Hängebrücke Curaglia, Forstmesse Luzern. Die BWF-Rechnung 2011 wurde durch die Revisoren Christian Theus und Arnold Denoth geprüft.

Apéro im Plantahof in Ladqueart (Bild: SELVA )

9 ) Budget 2012 und provisorisches Budget 2013 Das Budget 2012 (Verlust Fr. 1000.–) und das provisorische Budget 2013 (Verlust Fr. 3000.–) werden von der Versammlung einstimmig genehmigt. Die Höhe der Mitgliederbeiträge bleibt unverändert. 10) Orientierung über Bündner Waldwirtschaftsfonds BWF Mit der Einladung zur GV wurde allen Mitgliedern eine Information mit der Rechnung 2011, dem Kontrollstellenbericht und dem Budget 2012 abgegeben. Christophe Trüb informiert die Versammlung über die BWFRechnung 2011. Dabei erklärt er die Posi­ tionen Projekte und Innovationsbeiträge im Detail. Die grössten Ausgaben im Bereich der Projekte sind: Mehrwertsteuer, Sägewerk, Jahr des Waldes, Sortiervorschriften, 70

11) Varia Werner Inderbitzin, Vizepräsident von Waldwirtschaft Schweiz, dankt für die Einladung und entschuldigt den Präsidenten Max Binder, welcher leider nicht anwesend sein kann. Er überbringt die Grüsse von Waldwirtschaft Schweiz und ermutigt die Bündner Waldeigentümer, geschlossen hinter dem Sägewerk zu stehen und wie erwähnt die Walderschliessung weiter voranzutreiben. Andrea Florin dankt dem Vorstand und der Geschäftsstelle für die geleistete Arbeit und schliesst die Versammlung. Anschliessend an die Versammlung hat Markus Fischer, Präsident von Graubünden Holz, über die neue Strategie «Holz futuro 2022 » informiert. Die von Grund auf neu bearbeitete Homepage www.selva-gr.ch ist durch Nina Hemmi und Christophe Trüb vorgestellt worden. Auch modernste Anwendungen wie RSSFeed und Smartphone-Ansicht konnten erklärt werden. Rolf Manser, Leiter Abteilung Wald beim Bundesamt für Umwelt (BAFU), hat über die Waldpolitik 2020 und die Waldflächenpolitik des Bundes informiert. Ein wichtiger Schwerpunkt hat sich mit der Ausschöpfung des Holznutzungspotenzials (inklusive Erschliessung) befasst. Dabei lautet die


Zielsetzung: Unter Berücksichtigung der standörtlichen Bedingungen wird das nachhaltig nutzbare Holznutzungspotenzial des Schweizer Waldes ausgeschöpft. Weitere wichtige Schwerpunkte in der Waldpolitik 2020 sind Klimawandel, Schutzwaldleistung, Biodiversität und Waldfläche. Ein für die Waldeigentümer interessanter Schwerpunkt ist die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Dazu gehören die Stossrichtungen der optimierten Bewirtschaftung mit verbesserter Holzlogistik sowie die Waldleistungen für Erholung, Trinkwasser und CO2-Senken in Wert zu setzen. Auch die Schwerpunkte

des BAFU für Schutz vor Schadorganismen, Wald-Wild, Freizeit & Erholung sowie Bildung, Forschung & Wissen der Waldpolitik 2020 sind erläutert worden. Landquart, 21. Mai 2012

Christophe Trüb SELVA Bahnhofplatz 1, 7302 Landquart info@selva-gr.ch

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Ein System für den urbanen Siedlungsbau

Die ausführlichen und informativen Präsentationen zu den Themen zeitgemässer Brandschutz und Systembau mit Holz fanden grossen Anklang bei den interessierten Teilnehmern. (Bild: Graubünden Holz)

Hochhäuser aus Holz können schon bald Realität werden. Die Vorarlberger Firma Cree GmbH hat mit dem Life Cycle Tower in Dornbirn ein Vorzeigeobjekt nachhaltigen Bauens in Systembauweise erstellt. Dabei steht Holz im Hochbau für Effizienz, Flexibilität, reduzierten Lebenszykluskosten und einer hohen Werterhaltung von Gebäuden sowie für moderne, urbane Architektur. Die praktischen Erfahrungen, die Chancen, die sich aus dem Systembau in Holz bieten, und auch der Brandschutzaspekt der Systembauweise wurden anlässlich der von Graubünden Holz organisierten «Top Holz Veranstaltung» am 23. August 2012 im Forum Ried Landquart aus erster Hand dargestellt. Harald Professner von der Cree GmbH zeigte zusammen mit dem Architekten Hermann Kaufmann auf, wie Holz den modernen Siedlungsbau nachhaltig verändern kann. Die Natur dient dabei als Vorbild. Hinter dem System steckt ein nachhaltiges, bis ins Detail durchdachtes Holz-Hybridbausystem für mehrgeschossige Gebäude, das individuell gestaltet und in kürzester Zeit errichtet werden kann. Das mehrstöckige Gebäude besteht dabei hauptsächlich aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz und nur nachrangig aus Beton und kann mit einem drastisch reduzierten Aufwand von Ressourcen 72

bei gleichzeitig sehr hoher Energieeffizienz des Gebäudes errichtet werden. Mit acht Stockwerken ist das Leuchtturmprojekt der «LCT one» in Dornbirn/Vorarlberg von der Vision zur Realität geworden. Das Bürogebäude ist rund 27 Meter hoch und soll international Aufsehen erregen. Andrea Frangi vom Institut für Baustatik und Konstruktion der ETHZ zeigte auf, dass zukünftig der Weg für mehrgeschossige Holzhochbauten vonseiten der Brandschutzvorschriften offen stehen wird. Wie man sich denken kann, stellt der Brandschutz einen wesentlichen Aspekt der Genehmigungsfähigkeit von mehrstöckigen Gebäuden dar; erst recht wenn sie zu einem Grossteil aus Holz gebaut sind. Mit Realbrandversuchen konnten die Bauteile optimiert werden. Im Falle von Holz kann genau vorhergesagt werden, wie lange es den Flammen standhält – ein wesentlicher Vorteil gegenüber einem Stahlbetonbau, der irgendwann im Feuer versagt. Das Vorurteil ist zum Vorteil geworden, und die angepassten Brandschutzvorschriften gepaart mit dem Know-how erfahrener Fachleute setzen heute Impulse für den Holzbau. Von den Besten lernen Mehr eigenes Holz verbauen und damit die Wertschätzung von Holz als Werkstoff so-


wie den Wissenstransfer und die Innovationskraft der einheimischen Holzwirtschaft fördern. Dies sind die Ziele von Graubünden Holz mit der neuen 10-Jahres-Strategie «Holz futuro 2022 ». Eigentlich verfügt der Kanton Graubünden über Holz in rauhen Mengen. Doch in unseren Holzprodukten ist zu wenig Bündner Holz drin. Mit gezielten Veranstaltungen und einem Austausch über die eigene Region hinaus soll der Wissenstransfer gefördert werden. Den Zielen der 10-Jahres-Strategie dient die heutige Top Holz Veranstaltung: Wir wollen hoch hinaus mit Holz! Der alte Slogan «Holz isch heimalig» stimmt zwar immer noch. Aber als Hauptargument für den Holzbau hat er ausgedient. Natürlich schafft Holz Wohlgefühl. Vor allem aber ist der Holzbau wirtschaftlich und ökologisch begründet. Er ist wertschöpfend und werterhaltend, er ermöglicht moderne Architektur – und das zunehmend auch in städtischen Räumen. Und gerade im urbanen Holzbau liegen weite, noch ungenutzte Potenziale für die vermehrte Nutzung unseres Rohstoffes Holz. Die Top Holz Veranstaltung zum Thema «Hoch hinaus mit Holz» stellte die Vorarlberger Holzbaukunst ins Rampenlicht und bot die Möglichkeit, von den Besten zu lernen. Weitere Informationen: Graubünden Holz ist der Zusammenschluss aller am Bündner Holz interessierten Verbände, Unternehmungen, Institutionen und Persönlichkeiten. Gemeinsames Ziel ist die Erhöhung der Wertschöpfung in der Holzkette unter gleichzeitiger Mehrnutzung von Bündner Holz. Erreicht wird die Zielsetzung durch eine starke Wettbewerbsfähigkeit der

Mit acht Stockwerken ist das Leuchtturmprojekt der «LCT one» in Dornbirn/Vorarlberg von der Vision zur Realität geworden. (Bild: Thomas Knapp/Architekten Hermann Kaufmann)

Betriebe, eine gute Zusammenarbeit der beteiligten Akteure sowie eine wirksame Vermarktung der Ressource Holz und der daraus produzierten Produkte. Graubünden Holz ist die kompetente Anlaufstelle für Holzfragen im Kanton und richtet seine Aktivitäten konsequent auf diese Zielsetzung aus. Auskunftspersonen: – Dr. Markus Fischer, Präsident Graubünden Holz, Mob.: 079 330 33 79, E-Mail: fischer.trin @ bluewin.ch – Michael Gabathuler, Geschäftsführer Graubünden Holz, Mob.: 079 668 35 88, E-Mail: michael.gabathuler @ graubuendenholz.ch

Michael Gabathuler Geschäftsführer Graubünden Holz michael.gabathuler@ graubuendenholz.ch

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Vereinsmitteilung ReziaHolz Vor genau fünf Jahren im September 2007 wurde – gestützt auf den GV-Beschluss 2007 der Mitglieder des Bündner Waldwirtschaftverbandes SELVA – die unabhängige Holzvermarktungsorganisation Reziaholz GmbH gegründet. Mit der bevorstehenden Eröffnung des Grosssägewerkes in Domat/Ems sowie der zunehmenden Globalisierung des Holzmarktes war ein Umdenken in der Holzvermarktung vonnöten: Nicht selbst und isoliert vermarkten, sondern gemeinsam mit direktem Zugang zu sämtlichen Holzabnehmern in der Schweiz sowie zum umliegenden Ausland war das Ziel. Die gemeinsame Vermarktung des Bündner Holzes über eine professionell eingerichtete Organisation am Puls des Holzmarktes wurde im Winterhalbjahr 2007/08 im Holzzentrum in Landquart eingerichtet

und ein Stellenleiter wurde angestellt. Obwohl die Schaffung einer solchen Stelle von breiter Seite gefordert worden war, konnte zu Beginn nur auf eine kleine Gruppe Wald­eigentümer gezählt werden. Nach und nach konnten dank der Treue verschiedener Waldeigentümer der ersten Stunde erste kleine Erfolge verbucht und so bis heute weitere Gesellschafter gewonnen werden. Die gemeinsame Holzvermarktung hat sich etabliert und rückblickend eindeutig messbaren Mehrnutzen gebracht. Diese gemeinsame Holzvermarktung wird auch in Zukunft unabhängig von der Marktlage bedeutend bleiben und Reziaholz fordern. Die Gesellschaft ist heute durch über 30 Gesellschafter, welche ihrerseits über 40 Gemeinden vertreten, breit abgestützt und steht auf einem soliden organisatorischen

Interview mit Christian Pleisch (Swiss Helikopter AG) Wie sieht ein typischer Arbeitstag von Ihnen aus? Nun ist bei uns Hochsaison und wir fliegen zurzeit viel Holz aus Zwangsnutzungen aus dem Wald. Wir sind auch auf diversen Gebirgsbaustellen für den Neubau von Bergbahnen, Lawinen- und Bachverbauungen sowie für diverse Trink- und Kleinkraft-Wasserwerke tätig. Warum arbeiten Sie mit der Reziaholz GmbH zusammen? Die Zusammenarbeit mit der Reziaholz GmbH wird grundsätzlich durch unsere Kunden resp. den Förster der auftraggebenden Gemeinde bestimmt. Sind Sie mit der Zusammenarbeit zufrieden? Die Zusammenarbeit mit der Reziaholz GmbH funktioniert einwandfrei. Wo sehen Sie Verbesserungsmöglichkeiten in der Zusammenarbeit zwischen der Air Grischa, Revierforstämtern und der Reziaholz GmbH? Von unserer Seite aus gesehen funktioniert die Zusammenarbeit sehr gut. Zurzeit sehen wir keinen Verbesserungsbedarf. An dieser Stelle möchten wir uns für die bisherige sehr gute Zusammenarbeit herzlich bedanken.

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und finanziellen Fundament. Wie seit der Gründung beschlossen, vermarktet und vermittelt die Reziaholz GmbH hauptsächlich Rundholz aus Graubünden. Dies ist das Kerngeschäft. Dank des breiten Abnehmerkreises und des grossen jährlichen Vermarktungsvolumens (über 50 000 m3 ), können die Kunden zeitgerecht und gezielt bedient werden. Wichtige Partner in der Aufbereitungs- und Vermarktungskette sind die Forstunternehmer und die Transporteure (Lastwagen, Helikopter), welche nach getaner Arbeit fristgerecht zu entlöhnen sind. Mit über drei  Millionen Franken Unternehmerrechnungen pro Jahr

für die Holzaufbereitung, das Vorrücken und den Transport ist dies eine grosse Heraus­ forderung, welche jedoch dank der sauberen und raschen Geschäftsabwicklung praktisch lückenlos gelingt und durch Geschäfts­ partner der Reziaholz GmbH bestätigt wird (vgl. dazu Interview mit Christian Pleisch vom Transportunternehmen Swiss Helikopter AG). Dies bleibt auch in Zukunft in der Zusammenarbeit mit Zulieferern ein wichtiges Geschäftsprinzip der Reziaholz GmbH im Dienste der Bündner Waldeigentümer. Vorstand Reziaholz GmbH

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Vermarktung und Vermittlung von Holz- und Waldprodukten aus Graubünden. Adresse: Reziaholz GmbH · Bahnhofplatz 1 · CH 7302 Landquart Tel. +41 81 300 22 33, Fax +41 81 300 22 34 info@reziaholz.ch · www.reziaholz.ch

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Comic Theo & Heinz

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Forstfachtagung 1. September 2012

Pressvorgang an einm Drahtseil (Bild: Jakob AG)

Die Forstfachtagung bei der Jakob AG war ein voller Erfolg! Am Samstag, 1. September, lud die Jakob AG Interessierte aus der Forstbranche zu einer Fachtagung nach Trubschachen ein. Das Echo war gross, die Seilproduktion und -konfektion zu besichtigen. Schliesslich stellt das «Seilerhandwerk» einen Traditionsberuf dar, welcher nur noch selten in der Schweiz ausgeführt wird. Neben dem Einblick in die Draht- und Faserseilerei erhielten die Besucher Informationen über die Aktivitäten der Jakob AG. Beispielsweise, dass die 1904 gegründete Firma seit 2008 eine eigene Tochterfirma mit 280 Angestellten in Vietnam betreibt. Rechts oben: Verseilen von Litzen Rechts unten: Drahtseillager mit verschiedenen Seilkonstruktionen. (Bilder: Jakob AG) Bündner Wald 5 /2012 77


Oder, dass die Produkte weltweit in über 40 Ländern nachgefragt werden. An zwei Fachvorträgen wurde auf die Komplexität und die Vielfältigkeit der Seile hingewiesen. Es wurde über die Eigenschaften der Drahtseile und die Hightech-Faser Dyneema referiert, ein textiles Material, welches 1,5 Mal stärker, jedoch 10 Mal leichter als ein Stahldraht ist. Umrahmt wurde die Hausmesse von der Firma Bachmann AG aus Tägerschen und der

Firma Wyssen Seilbahnen aus Reichenbach, die ihre Produkte auch in Anwendung mit Jakob-Produkten ausstellten. Das zahlreiche Fachpublikum schätzte den familiären Rahmen und war dafür verantwortlich, dass die Tagung ein voller Erfolg war. Die Zeichen, dass es eine zweite Auflage gibt, stehen auf Grün.

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Berufswettkampf-WM in Minsk Orlando Lerch holt Bronzemedaille

Orlando Lerch, Dritter bei den U24. (Bild: Gion Willi)

Die vier Schweizer Berufswettkämpfer in der Holzhauerei waren an der Weltmeisterschaft in Minsk,  Weissrussland, erfolgreich. Im Gesamtklassement gewann der Berner Urs Amstutz bei den Profis die Bronzemedaille, Orlando Lerch aus Cazis bei den U24 ebenfalls Bronze. Arno Illien und Orlando Lerch aus Cazis gehören dem vierköpfigen Schweizer Nationalteam der Berufswettkämpfer in der Holzhauerei an, welche vom 23. bis 26. August in Belarus Minsk sich mit 28 Nationen gemessen haben. Die von Sicherheitskräften überwachte Sportarena bot einen optimalen Austragungsort für die MotorsägenAthleten, welche auf höchstem Niveau kämpften. Die Athleten aus Russland und Weissrussland dominierten die WM mit Höchstleistungen und absolvierten die fünf Disziplinen auf eindrückliche Weise: Ket-

tenwechsel, Fällen, Präzisionsschnitt, Kombischnitt und Asten. Orlando Lerch, welcher das letzte Mal bei den U24 startete, zeigte der Konkurrenz beim Fällen, was Genauigkeit heisst. Der im Wald stehende Baum verfehlte das Ziel auf 15 m Distanz um gerade 17 cm, eine Topleistung, welche ihm in der Disziplin Fällen die Silbermedaille brachte. In der Gesamtwertung bei den U24 gewann der Weissrusse Sergej Shkudrov; den zweiten Platz holte sich der Estländer Koort Helvis vor Orlando Lerch. Lerchs Fazit : Ich bin mit dem Wettkampf sehr zufrieden. Das Niveau der Wettkämpfer steigt immer mehr, welches auch mit einem enormen Trainingsaufwand kaum mehr erreicht werden kann. Zum Beispiel wurden die Russen vier Monate vor der WM beruflich freigestellt und in einem Camp trainiert. Bündner Wald 5 /2012 79


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Orlando Lerch und Arno Illien. (Bild: Gion Willi)

Illien: Es ist ärgerlich, ich habe meine Bestleistungen abgerufen, jedoch ist Glück und Pech im Wettkampf sehr nah.

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Arno Illien, der Bündner Meister in der Holzhauerei, nahm das erste Mal an einer WM teil und startete in der Kategorie Profis. Illien, welcher beim Kettenwechsel und beim Fällen auf Kurs war, vergab beim Kombischnitt mit einer zu dünnen Stammscheibe die Medaillenhoffnung.

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Weltmeisterschaft 2014 in Brienz Orlando Lerch und Arno Illien behalten die WM in Minsk in sehr guter Erinnerung. Für beide war das Teamverhalten, die Betreuung und die Atmosphäre grossartig und eine eindrückliche Erfahrung. Bereits heute schon haben die Bündner im Wettkampf die WM 2014 in Brienz im Visier. Wir sind topmotiviert und wir wollen dabei sein. Wir wollen auf das Podest! Dies das Fazit der beiden ehrgeizigen Wettkämpfer.

Maienfeld, 2. September 2012, Gion Willi


Pressemitteilung Die Lignum stärkt ihre Schlagkraft Die Anwendung von Holz am Bau boomt in der Schweiz. Um den wesentlichen Anteil, den die Lignum an dieser Entwicklung hat, zu sichern und weiter zu steigern, hat die Delegiertenversammlung der Dachorganisation am 23. August einstimmig neue Statuten angenommen. Sie sollen die Lignum in der Branche weiter verankern und stärken. Die Rolle der vier grössten Mitgliedsverbände – Waldwirtschaft Schweiz, Holzindustrie Schweiz, Holzbau Schweiz sowie Verband Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten – in der Dachorganisation wird mit der hinter der Statutenrevision stehenden Reorganisation klar gestärkt. Neu ergänzt ein erweiterter Vorstand den verkleinerten Vorstand des Gemeinschaftswerks. Er soll als Bindeglied zur strategischen Ebene der Mitgliederverbände wirken, strategisch-politische Grundsatzfragen klären und die mittelfristige Planung festlegen. Für die Partizipation an diesem Gremium sollen künftig die wichtigsten politischen Köpfe der Branche gewonnen werden. Breite Abstützung der Kommissionen für Technik und Kommunikation Ebenfalls auf strategischer Ebene sollen fortan zwei Kommissionen für Technik und Kommunikation wirken. Sie werden durch den Lignum-Vorstand eingesetzt und sollen durch Einbezug der wichtigsten Stakeholder und führender Fachleute für eine breite Abstützung der Lignum-Aktivitäten sowie für die Koordination der Branche besorgt sein. Die beiden Kommissionen werden derzeit besetzt und Ende November ihre Arbeit aufnehmen. Insgesamt sollen sie es der Lignum ermöglichen, gemäss ihrem Auftrag optimale Marktbedingungen für die nachhaltige Anwendung von Holz in der Schweiz zu schaffen.

Direkt beim Bahnhof Stadelhofen in Zürich ergänzen zwei mehrgeschossige Holzbauten mit hochwertigem Wohn- und Arbeitsraum die Stadtstruktur. Sie sind ein Paradebeispiel für die Verbindung von nachhaltigem Bauen und überzeugender Architektur mitten in der City. Der Neubau an der Mühlebachstrasse 8 beherbergt seit April die Lignum-Geschäftsstelle. (Bild: Michael Meuter, Lignum) Bündner Wald 5 /2012 81


Vertreter der Einzel- und Firmenmitglieder direkt wählen Neu gilt ein direktes Wahlverfahren für die Vertreter der Einzel- und Firmenmitglieder in der Lignum-Delegiertenversammlung. Dies soll es jedem interessierten Direktmitglied ermöglichen, sich um die Mitwirkung in den Organen zu bewerben. Die Wahl erfolgt für vier Jahre; die maximale Dauer des Mandats beträgt zwölf Jahre. Per Herbst 2012 bestehen zwei Vakanzen. Die Ausschreibung für deren Neubesetzung erfolgt Ende September 2012 über den LignumNewsletter «Lignum Journal». Wahlgremium sind die im Amt stehenden Vertreter/ -innen der Lignum-Direktmitglieder. Indirektes Lob für Lignum-Arbeit aus Bundesbern Die Delegiertenversammlung vom 23. August in Zürich erledigte zügig die traktandierten Geschäfte und liess sich nach der Verabschiedung der Jahresrechnung 2011 von Lignum-Direktor Christoph über Aktualitäten aus der Geschäftsstelle informieren. Aus einer Evaluation des Aktionsplans Holz ist hervorgegangen, dass Lignum nicht nur als wichtigste Informationsquelle in der Fachwelt für Ergebnisse des Aktionsplans gilt, sondern auch die Projekte mit dem grössten und nutzbringendsten Output für die Anwendung von Holz führt. Die Organisation der Lignum wird als angemessen beurteilt, ihre Projektkostenkontrolle als korrekt und transparent. Hervorragende Ergebnisse der technischen Kommunikation Die Brandschutzpublikationen der Lignum zeigen hervorragende Absatzzahlen. Die

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neuen Lignum-Publikationen zum klimaschonenden und energieeffizienten Bauen mit Holz finden mit einer englischsprachigen Übersetzung Echo weit über die Schweiz hinaus. Ein Bauteilkatalog Schallschutz, ein Map-Tool zum Auffinden von Holzbauten in der Schweiz, ein bereits länger erarbeitetes Tool zum Lignum-Gütezeichen für Fassadenschalungen sowie die «Holzbau­ tabellen 2 » werden im September 2012 online gehen. Verbundaktivitäten in mehreren Feldern Der Fortbildungskurs der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Holzforschung SAH wird Ende Oktober zusammen mit Lignum durchgeführt; er gilt den mechanischen Verbindungen im mehrgeschossigen Holzbau. Das Marketing für das Herkunftszeichen Schweizer Holz soll in Zusammenarbeit mit der Branche künftig massiv verstärkt werden. Ende September 2012 werden die Gewinner des diesjährigen «Prix Lignum» bekanntgegeben, der in enger Zusammenarbeit mit den regionalen Arbeitsgemeinschaften für das Holz in der ganzen Schweiz durchgeführt wird. «Corporate Behaviour» mit Bezug neuer Büroräume Den Abschluss des Tages machte ein «Feierabend der offenen Tür» an der Mühlebachstrasse 8 in Zürich, wo die Lignum seit diesem Frühjahr in einem Neubau Büros bezogen hat. Das Gebäude repräsentiert als mehrgeschossiger Holzbau an bester Lage die neue Geltung des Bauens mit Holz im urbanen Kontext. Michael Meuter


Team Schweiz als beste Europäer auf Rang 4

Neuseeland holt Mannschaftsgold vor den USA; Schweizer Team als beste Europäer auf Platz 4. (Bilder: Stihl-Timbersports)

Über 100 Sportler aus 24 Nationen traten bei der STIHL-TIMBERSPORTS-Weltmeisterschaft in der Olympia-Halle im norwegischen Lillehammer beim Teamwettkampf vor knapp 3500 Zuschauern gegeneinander an. Die Mannschaft aus Neuseeland sicherte sich dabei Gold vor den Teams aus den USA und Australien. Insgesamt 24 Länder mit über 100 Sportlern waren bei der Team-Weltmeisterschaft der

STIHL® TIMBERSPORTS® SERIES vertreten –

ein neuer Teilnehmerrekord –, als es für die Mannschaften im norwegischen Lillehammer hiess: Hands on the wood. Die Neuseeländer zeigten die besten Nerven und eine hervorragende Leistung: Sie sicherten sich den ersten Platz vor den US-Amerikanern, die die Silbermedaille errangen. Rund 3500 Zuschauer erlebten am 7. September in der Olympia-Halle von Lillehammer einen bis Bündner Wald 5 /2012 83


zur letzten Sekunde spannenden Wettkampf bei der Weltmeisterschaft in der Königsklasse im Sportholzfällen. Der Neuseeländer Adam Lowe freute sich sehr über diesen Sieg: «Das fühlt sich einfach wunderbar an, hier gewonnen zu haben. Wir haben aber auch viele Stunden extrem hart trainiert, was sich heute Abend offensichtlich ausgezahlt hat.» Den dritten Rang belegte Australien. Auch Rich Hallet, Schiedsrichter

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aus den USA, zeigte sich zufrieden mit dem Wettkampf: «Das Leistungsniveau der Athleten ist in diesem Jahr wirklich extrem hoch. Die Zuschauer hier in Lillehammer haben faszinierende Action erlebt – einige Teams haben in deutlich weniger als einer Minute vier Baumstämme zu Kleinholz verarbeitet.» Bestes europäisches Team wurde die Schweiz auf Platz vier; Gastgeber Norwegen schied im Achtelfinale gegen die Australier aus.


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Vier Teamdisziplinen begeistern die Zuschauer Der Mannschaftswettbewerb der STIHL® TIMBERSPORTS® SERIES – als Staffelwettkampf ausgetragen – besteht aus je zwei Disziplinen mit der Axt (Underhand Chop, Standing Block Chop) und der Säge (Single Buck, STIHL Stock Saw). Im Zentrum der vier technisch anspruchsvollen Disziplinen steht der Athlet und sein Umgang mit dem Sportgerät sowie dem Holz. Alle Disziplinen gehen auf klassische Waldarbeitertätigkeiten zurück und verbinden die Bewahrung von Traditionen mit den Ansprüchen des Hochleistungssports. Weitere Informationen erhalten Sie bei: STIHL VERTRIEBS AG 8617 Mönchaltorf Tel.: 044 949 30 30 Fax: 044 949 30 20 www.stihl-timbersports.ch

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Vergabe der Musterseite – Titel: Buwa EFNSWoodwing 2015 an Lenzerheide für 2011

Beat Philipp, Präsident Graubünden Wald, präsentiert die Kandidatur Lenzerheide 2015 (Bild: EFNS)

Nur kurz, nachdem der FIS-Kongress im vergangenen Herbst beschlossen hat, zukünftig Etappen der Tour de Ski in der Ferienregion Lenzerheide durchzuführen, hat die Mitgliederversammlung vom

29. 2. 2012 des Vereins EFNS in Todtnau die Vergabe der EFNS 2015 nach Lenzerheide GR beschlossen. Dort wird bis Herbst 2012 eine neue Biathlonarena erstellt (vgl. http://www.biathlonarena-lenzerheide.ch). Thomas Hoepli als Vertreter der Biathlonarena Lenzerheide und Beat Philipp als Vertreter von Graubünden Wald haben die Bewerbung ihrer Organisationen überzeugend und erfolgreich präsentiert. Herzliche Gratulation und viel Erfolg bei der anspruchsvollen Organisation und Durchführung dieses Grossanlasses! Die nächsten EFNS finden vom 17. bis 23. 2. 2013 in Mrkopalj (Nordwestkroatien) statt. Weitere Informationen und die kompletten Ranglisten zum diesjährigen Anlass finden sich unter http://www.efns.eu (offizielle Website des Vereins EFNS ) und http://www.efns.ch.vu (Website des EFNSTeams Schweiz).

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Steinschlagbarriere für Einschlagenergie bis 8000 kJ Die Zulassungs-Testresultate der weltersten 8000 kJ Steinschlagbarriere wurden soeben durch alle Mitgliedstaaten der Europäischen Organisation für Technische Zulassungen bestätigt. Die offizielle ETA-Zulassungsnummer bestätigt rechtsverbindlich die Konformität dieser Barriere mit der Richtlinie ETAG 027. Anfang Juli 2012 wurde die Europäische Technische Zulassung ETA-12/0213, ausgestellt auf die GBE-8000A-Steinschlagbarriere der Firma Geobrugg AG, publiziert. Bestätigt durch alle EOTA-Mitgliedsländer, unterstreicht das offizielle Dokument als rechtsverbindlicher Nachweis die Konformität der Barriere mit der Richtlinie ETAG 027. Getestet in der Vertikaltestanlage für Steinschlag-Schutznetze in Walenstadt (Schweiz) erfüllt die Barriere die höchsten Anforderungen der Kategorie A. Bei der Hauptprüfung MEL (Maximum Energy Level) stoppte die Steinschlagbarriere GBE-8000A einen 20 Tonnen schweren Betonkörper in freiem Fall aus 43 m Höhe mit 103 km/h erfolgreich, was 100 % der Nennenergie von 8000 kJ entspricht. Eine CE-Kennzeichnungsnummer wird in den nächsten Wochen folgen. Als Folge des Klimawandels ergibt sich ein zunehmender Bedarf nach Barrieren, die höhere Einschlagenergien aufnehmen können, als es bisher möglich war. Diese übersteigen oft die Aufnahmekapazität bestehender Schutzverbauungen. Bei einem Vergleich mit einem Rückhaltedamm für Einschlagereignisse bis 8000 kJ

GBE-8000A stoppt erfolgreich 20 Tonnen Betonkörper. (Bild: Geobrugg AG)

benötigt die GBE-8000A-Steinschlagbar­ riere signifikant weniger Material. Für eine Erddammaufschüttung werden nämlich ungefähr 100 Tonnen Material pro Laufmeter benötigt. Für einen Steinschlagschutz mit einer GBE-8000A-Steinschlagbarriere müssen pro Laufmeter nur ungefähr eine Tonne Material eingesetzt werden. Weil weder Abtrag noch Aufschüttung notwendig sind, fallen zusätzlich auch die Installationskosten der Barriere im Vergleich zu einem Erddamm massiv tiefer aus.

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Wetterradar auf der Weissfluh

Auszug aus dem Wetterradar Schweiz (Bild: MeteoSchweiz)

Der Standort für das fünfte Wetterradar der Schweiz steht fest: Es ist der Gipfel der Weissfluh ob Davos. MeteoSchweiz, das Bundesamt für Meteorologie und Klima­ tologie, erweitert damit sein Wetterradar­ netz um einen zusätzlichen Gebirgsstandort. Zusammen mit dem Radar auf der Walliser Pointe de la Plaine Morte sollen die Daten von der Weissfluh in Zukunft eine bessere Erfassung der Niederschläge in den inner­ alpinen Regionen ermöglichen. Auf 2843 Metern über Meer, knapp un­ terhalb des Gipfels der Weissfluh, wird die neue Radaranlage erbaut werden. Das Areal, das zum Gebiet der Gemeinde Langwies gehört, ist bereits gut erschlos­ sen. Dies war neben der exponierten Lage mit idealer Sicht über die Südostschweiz ein entscheidendes Kriterium für die Standortwahl. 88

Mit dem Bau des Bündner Radars, der im Sommer 2013 beginnen wird, bricht die Schlussetappe des Projekts Rad4Alp an. Nach der Erneuerung der bisherigen Anla­ gen auf dem Albis, dem Monte Lema und dem La Dôle mit Radargeräten der neuesten Generation hat MeteoSchweiz diesen Som­ mer nun auch die Erweiterung des Radar­ netzes in Angriff genommen. Die Hochge­ birgsstandorte auf der Walliser Pointe de la Plaine Morte, wo die Bauarbeiten seit Ende August im Gang sind, und auf der Bündner Weissfluh werden eine hohe Sichtbarkeit über die Alpen garantieren. Diese ist zum Teil eingeschränkt, da die Berge den Signa­ len der drei bestehenden Wetterradare Al­ bis, Dôle und Lema in die Quere kommen. MeteoSchweiz schliesst damit eine wichtige Lücke im Schweizer Wetterradarnetz und erhöht den Nutzen der Radarmeteorologie


für die Sicherheit der Bevölkerung. Denn mithilfe von Radardaten lässt sich die kurz­ fristige Entwicklung von Niederschlägen, Gewittern und Hagel vorhersagen. Dies ist für die Bewältigung von Naturgefahren wie etwa Hochwasser, die insbesondere in den Bergregionen schwere Folgen nach sich ziehen können, von zentraler Bedeutung.

Auch die Flugsicherung ist massgeblich auf Wetter­radarinformationen angewiesen. Mit der Aufstockung von drei auf fünf 2/2-Ra­ daranlagen kann der Ausfall eines Geräts in Zukunft gut abgefangen und eine ununter­ brochene Abdeckung gewährleistet werden. Isabel Plana, Kommunikation MeteoSchweiz

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IGL ENGLAR ... arbeiten im Wald

Die Verwendung von einheimischem Holz hatte oberste Priorität. (Bild: Bergwaldprojekt)

Die Stiftung Bergwaldprojekt in Trin, www. bergwaldprojekt.org, hat ihre Liegenschaft Mesaglina – ein 400-jähriges Steinhaus – weiter ausgebaut. Im ehemaligen Tanzsaal von Trin wurden neue Büros eingebaut. Der sanfte Ausbau soll den Charakter des ANZEIGE

Saals belassen und trotzdem die Arbeit des Bergwaldprojektes betonen. Die Verwendung von einheimischem Holz hatte oberste Priorität. Die Arbeiten wurden von Cahenzli AG und Kundenschreiner Kim in Trin ausgeführt. Architekt Patrick Rothmund aus Trun beschreibt seine im Sommer 2012 realisierte Idee: «... mit Moos bedeckte Steine, Waldlichtung, unter einer Tanne, Lichtfäden ... Stichwörter, welche wir im Verlauf der Konzept­ arbeit gesammelt haben. Inspiriert vom Wald mit all seinen Facetten entstand der Leitgedanke einer Waldlichtung. Diese wird mit Arbeitsräumlichkeiten, Sitzungs- und Begegnungsräumen für die Mitarbeitenden des Bergwaldprojektes bespielt. Poetisch in der Formgestaltung müssen die neuen Einbauten im Saal aber auch funktionalen, IGL ENGLAR – Waldlichtung (Bild: Bergwaldprojekt)

Handholzerkurs in Trin GR 8.-13. April 2013 www.bergwaldprojekt.org 90


Im ehemaligen Tanzsaal von Trin wurden neue Büros eingebaut. (Bild: Bergwaldprojekt)

pragmatischen Ansprüchen genügen. Der nahezu rechteckige Raum wird von der Ostseite her betreten. Tageslicht strömt bis zur Raummitte durch Fensteröffnungen in der gegenüberliegenden Westfassade. Dort befinden sich auch die neuen Arbeitsplätze. Sie werden durch eine Fichtenholzwand von den anderen Räumen getrennt. Die ungleichmässig repetitive Gliederung der Bretter lässt moduliertes Licht in das Rauminnere strömen – feine Lichtfäden entstehen. Die Herstellung der Trennwände erfolgte aus einheimischem Fichtenholz. Das

Holz stammt aus dem Prättigauer Wald und wurde in Seewis bei der Firma Berger eingeschnitten. Die 2. und 3. Holzqualität genügte. ‹Holzfehler› wie Ausfalläste, Bläue oder Harzgallen dürfen gezeigt werden und unterstreichen die ehrliche Gestaltung. Die Materialisierung der Trennwände wird durch Konstruktion und Detaillösungen ergänzt. In feiner Handwerksqualität hergestellt, runden sie das Projekt ‹Waldlichtung› (romanisch: ‹englar›) ab.» www.spacial.ch

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Ein grosses Werk auf kleinem Raum Landquart, 27. September 2012 – Aus 97 eingereichten Projekten vergibt die Jury der Prix-Lignum-Preisregion Ost (Kantone AI, AR, FL, GL, GR, SG, TG ) den 1. Rang des Prix Lignum der Biblioteca Chasa Plaz in Ardez GR. Der 2. Rang geht an das Grand Resort Bad Ragaz SG, der 3. Rang an das Mehrfamilienhaus Müsli in Elm GL. Neun weitere Projekte erhalten eine Anerkennung. Zudem vergibt eine unabhängig vom Prix Lignum agierende Jury aus den 51 eingereichten Bündner Projekten den Graubünden-HolzSonderpreis «Holzhandwerk 2012 » an vier handwerklich vorbildhafte Holzwerke in Graubünden. Der Prix Lignum zeichnet den besonders hochwertigen und zukunftsweisenden Einsatz von Holz in Bauwerken, im Innenausbau, bei Möbeln und bei künstlerischen Arbeiten aus. Von der Brücke bis zum Stuhl waren für den Prix Lignum 2012 alle Arten von Objekten zugelassen – einzige Bedingung: Das Werk musste zwischen 1. 1. 2007 und 31. 3. 2012 realisiert worden sein und seinen Standort in der Schweiz haben. In Graubünden ist ergänzend zur gesamtschweizerischen Auszeichnung Prix Lignum die Ausschreibung zum Bündner Sonderpreis «Holzhandwerk 2012 » durchgeführt worden, wobei die Teilnahmebedingungen für beide Ausschreiben grundsätzlich gleich waren. Der Bündner Sonderpreis «Holzhandwerk 2012 » zeichnet als Nachfolge des Holzbaupreises Graubünden den handwerklichen vorbildhaften Umgang mit Holz aus und grenzt sich somit vom Prix Lignum ab, welcher hauptsächlich die ästhetischen Merkmale beurteilt. Den ersten Rang des Prix Lignum Preisregion Ost besetzt die Biblioteca Chasa Plaz in Ardez GR. Eigentlich wollten die Bewohner eines traditionellen Engadiner Wohnhauses in einem ihrer Zimmer Bücherregale 92

einbauen lassen. Der Architekt überzeugte sie jedoch mit einem Gegenvorschlag, der auf einen Eingriff im historisch wertvollen Haupthaus verzichtet: Sein Projekt ist eine feinfühlige Intervention im Heuschober des Hauses. Hier hängten die Verfasser des Projekts zwei miteinander verbundene Holzräume an die bestehende Tragstruktur: ein fensterloses Bücherzimmer, allseitig mit Regalen ausgestattet, und ein Lesezimmer mit Tisch und Stuhl. Der Umgang mit der alten Bausubstanz ist sensibel, das Gespür für Räume aussergewöhnlich, die Konstruktion und die handwerkliche Arbeit sind hochstehend. Das Projekt ist nicht nur ein Gewinn für den Wohnteil, der von einem Einbau verschont geblieben ist, sondern vor allem eine räumliche Bereicherung für den Heuschober. Auf kleinem Raum entstand ein grosses Werk. Den zweiten Rang des Prix Lignum Preisregion Ost vergibt die Jury an das Grand Resort Bad Ragaz SG, welches auf nationaler Ebene des Prix Lignum die BRONZE-Auszeichnung erhält. Der nationale Preis wurde heute in Zürich vergeben. Der konstruktive Holzbau erscheint folgerichtig und die Verwendung von sichtbaren Holzoberflächen überaus schlüssig. Nur mit Holz lassen sich derart dimensionierte Stützen, Deckenroste und Fassadenelemente ökonomisch vorfabrizieren und zur Baustelle transportieren. Und nur mit Holz lässt sich die BadhausAtmosphäre erzielen, die den Gast in eine freudig-genussvolle Stimmung von Bad, Urlaub und Erholung zu versetzen vermag. Den dritten Rang des Prix Lignum Preisregion Ost erhält das Mehrfamilienhaus Müsli in Elm GL. Der pragmatische Umgang mit Holz überzeugt. Die Details sind – jenseits von ästhetischem Minimalismus – einfach. Das Haus ist ein wegweisendes Beispiel für preisgünstiges Bauen mit Holz – die erzielte


Qualität in der Nutzung und im Ausdruck ist bestechend. Das Gebäude steht aber auch für ein beispielhaftes Engagement einer Firma für die Bewohner einer Randregion. Die Auszeichnung Sonderpreis «Holzhandwerk 2012 » vergibt die Jury in der Kategorie «Produzieren und Werken» an die Bäckerei Merz, Standort Rossboden Chur, und an den Forst- und Werkhof Bonaduz/ Rhäzüns sowie in der Kategorie «Wohnen und Leben» an den Neubau Dementenhaus Verbena, Zizers, und an die Sanierung und Erweiterung der Jugendherberge St. Moritz. Die Bäckerei Merz, Standort Rossboden, Chur GR, steht in der Industriezone auf einer polygonal geknickten Parzelle in der Industriezone in Chur. Die Bauten in der Umgebung sind durch typische Merkmale des kostengünstigen Industriebaus charakterisiert.

Bauform und Materialwahl heben sich bewusst von den umgebenden Gewerbebauten ab. Der Holzbau ist fachgerecht vorwiegend in Fichte ausgeführt. Das spinnenartige Gerüst umspannt dabei den Betonkern, und Brettsperrholzplatten runden das natürlich wirkende Gebäude ab. Die Wahl des Baustoffes Holz für einen solchen Betrieb ist ungewöhnlich und umso mehr wird dadurch der Pionier- und Vorbildcharakter des Gebäudes für den Gewerbebau ganz allgemein unterstrichen. Der neue Werkhof Bonaduz/Rhäzüns GR bietet Raum für die Forst- und Werkbetriebe sowie die Feuerwehr beider Gemeinden. Die Konzeption der grosszügigen Anlage beruht auf optimierten funktionalen Abläufen und reagiert städtebaulich auf die Offenheit und Weite der Landschaft. Der Bau wurde hauptsächlich mit «gemeindeeige-

2. Rang Region Ost Grand Resort Bad Ragaz Smolenicky & Partner (Bild: Grand Resort Bad Ragaz AG)

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nem» Lärchenholz erstellt. Im Umgang mit dem Holz wurde viel Sorgfalt aufgebracht: Das Holz wurde an der Luft getrocknet, fachmännisch verarbeitet und zudem genau und präzise verbaut. Im neuen Werkhof wurde viel eigenes Holz verbaut, was in vielerlei Hinsicht sehr erfreulich ist. Entstanden ist ein Vorzeigeobjekt, das im Hinblick auf den laufenden Konzentrationsprozess von Gemeinden und ihrer Infrastrukturbetriebe von wegweisender Bedeutung sein kann. Der Neubau des Dementenhauses Verbena in Zizers GR ist pavillonartig, auf einem Sockel stehend, unprätentiös in die umliegende Gartenlandschaft integriert worden. Als äusserlich grosser, quadratischer Pavillon öffnet er sich im Innern in einen intimen 94

elliptischen Hofgarten. Ein grosser, rundum laufender Gruppenraum ist so angelegt, dass er von überall her eingesehen werden kann. Mit der Materialisierung in Holz wird einerseits die Grundflexibilität erreicht und andererseits sollen Wärme und Offenheit ausgestrahlt werden. Man hat es gewagt, schwierige Formen in Holzbauweise zu gestalten und die quadratische Aussenform mit einem elliptischen Innenhof zu verbinden. Handwerklich wurde der Bau sehr gut ausgeführt und zeigt eine Meisterleistung des modernen Holzhandwerks mit grosser Vorbildwirkung auf. Die 1977 gebaute Jugendherberge St. Moritz bedurfte seit Jahren einer Sanierung und Erweiterung. Die schadhafte und optisch bedenkliche Betonfassade, das undichte Flachdach und die überalterte Heizung führten dazu, dass die Schweizerische Stiftung für Sozialtourismus als Eigentümerin eine Sanierung der Gebäudehülle und der Gebäudetechnik in Auftrag gegeben hat. Die gewählte vorgehängte Fassadenhaut in Holz (Schweizer Fiche mit Roggenmehllasur behandelt) steht im Dialog mit der Landschaft und verankert das stattliche Gebäude im baulichen und natürlichen Kontext. Im Innenausbau prägt das extra für diese Jugendherberge entwickelte Mobiliar in massiver Esche den neuen Zimmertrakt im 4. Obergeschoss. Es wurde viel Schweizer Holz verbaut und die Ausführung ist – vor allem angesichts der Grösse des Objektes – ausgesprochen bemerkenswert und frisch. Der Brandschutz wurde zeitgemäss umgesetzt. Das Projekt strahlt somit eine hohe Signalwirkung für Gebäudesanierungen von Bauten aus den Sechziger- und Siebzigerjahren aus. Graubünden Holz


Vorschau «Bündner Wald» Dezember 2012 «Wald und Wild» Hinter diesen beiden Begriffen verbirgt sich viel mehr, als man sich im ersten Moment zu glauben traut. Ich versuche hier eine lose Folge (ohne Anspruch auf Vollständigkeit!) dessen aufzuzählen, was mit Wald und Wild in Zusammenhang steht: Besitz, Schutz, Wertvorstellung, Einnahmen, Kosten, Schäden, Erlebnisse, Erholung, Freiheit, Leidenschaft, Passion, Politik, Arbeit, Lebensraum und -gestaltung, Nutzung, Artenschutz, Vielfalt, Klimawandel, Selbstregulierung, Dynamik, Gleichgewicht, Rohstoffversorgung, Nachhaltigkeit, Störungen, Toleranz, Tourismus, Ruhe … und nicht zuletzt EMOTIONEN. Und genau Letztere können viel zum Gelingen oder auch Scheitern von fruchtbaren Diskussionen beisteuern  … Mal sehen, ob unsere nächste Ausgabe die richtige Menge davon in Bewegung setzen kann.

Vorschau auf die nächsten Nummern: Februar 2013: Wald- und Naturpädagogik Redaktion: Jörg Clavadetscher April 2013: Versammlungsnummer Verein Graubünden Wald Redaktion: Sandro Krättli Leben hinter Gitter als einzige Überlebenschance für die Weisstanne in Graubünden (Bild: Sandro Krättli)

Redaktion Jörg Clavadetscher

Herausgegeben von Graubünden Wald, Amt für Wald und Naturgefahren Graubünden und der SELVA. Verleger: Südostschweiz Presse und Print AG, Südostschweiz Print, CH-7007 Chur Sekretariat: SELVA, Christophe Trüb, ­Bahnhofplatz 1, CH-7302 Landquart, Telefon + 41 (0) 81 300 22 44, buendnerwald @  selva-gr.ch Redaktoren: Jörg Clava­ detscher, Revier forestal da Val Müstair, CH-7535 Valchava, Telefon + 41 (0) 81 858 58 21, forestal-muestair @ bluewin.ch. Sandro Krättli, AWN GR, Sagastägstrasse 96, CH-7220 Schiers, Telefon + 41 (0) 81 300 24 11, sandro.kraettli @ awn.gr.ch. Die Redaktion behält sich vor, Beiträge in nicht verlangter Form ohne Rückfrage zu ändern Druckvorstufe (Satz, Lithos, Belichtung) : Südostschweiz Presse und Print AG, Südostschweiz Print, Kayleigh Leiser Druck: Südostschweiz Presse und Print AG, Süd­ostschweiz Print, Postfach 508, Kasernenstrasse 1, CH-7007 Chur, Telefon + 41 (0) 81 255 51 11, Fax + 41 (0) 81 255 52 89. Erscheint sechsmal jährlich. Auflage 1700 Exemplare Inserate: Südostschweiz Publicitas AG, Neudorfstrasse 17, CH-7430 Thusis, Telefon + 41 (0) 81 650 00 70, Fax + 41 (0) 81 650 00 74, thusis@so-publicitas.ch ­Abonnementspreise:  CHF 60.– (für Mitglieder Verein Graubünden Wald) Abonnemente/Adressänderungen: Südostschweiz Presse und Print AG, ­Südostschweiz Presse, Postfach 508, Administration, Kasernenstrasse 1, CH-7007 Chur, Telefon + 41 (0) 81 255 50 50, www.buendnerwald.ch Für Inseratetexte übernimmt die Redaktion keine Verantwortung, auch muss die Meinung der Beiträge nicht mit der Ansicht der Redaktoren übereinstimmen. Autoren, die zu obenstehenden Themen publizieren möchten, sind herzlich eingeladen, ihre Vorschläge der Redaktion einzureichen.

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