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Bündner

Wald

Jahrgang 62 | 2009 | 4

Forstwart – Profi im Wald


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Inhalt

Titel Editorial.................................................. 4 Etwas Berufsstolz bitte!............................. 5 Forstwart – ein neuer Beruf?. ................... 7 Die Geschichte der Motorsäge – dem Baby des Forstwartes...................... 11 Neuerungen bei der Forstwart-Ausbildung.16

Gebrauchsanweisung für einen Forstwart Typ GRFL 2009........................ 21 Ist die Forstwart-Ausbildung noch zeitgemäss?.................................... 23 Davoser Stiften berichten – Buchen fällen in Zürich. .......................... 25 Pflege und Reparatur der persönlichen Schutzausrüstung............... 28 «In Schnittschutzhosen steigen die Chancen bei den Frauen»................. 32 Forswart bleiben oder einen anderen Beruf erlernen?. .............. 39 Sicherheit bei der Sommerholzerei.......... 42 Sicherheitskultur in den Bündner Forstbetrieben. ......................... 44

Resgia – Report 04/09............................. 48 Achtung Unfall! …und was lernst du daraus?.................. 50 «Den Forstwart wird es auch in Zukunft brauchen»............................. 57 Aus anderem Holz geschnitzt. ................ 60 Forstwartberuf und Forstunternehmung......................... 65 Laufbahn in umgekehrter Richtung – Ingenieur lernt Forstwart. ....................... 67 Ein Forstwart wird zum alpinen Lebensretter........................ 72 Aus dem Arbeitsbuch von Cla Duri Blanke.76

Comic Theo & Heinz................................ 79 Lehrabschlussfeier der Forstwarte........... 81 Vereinsmitteilungen. ............................... 83 Medienmitteilungen................................ 85 Leserbrief................................................. 92 Veranstaltungshinweis. ........................... 93 Vorschau 5/09. ....................................... 95 Titelbild: Daumen hoch für einen Traumberuf – Forstunternehmer beim Aufrüsten von frisch befallenem Käferholz (Bild: Roman Wieser) Bild Inhaltsverzeichnis: Spezialholzerei macht das Besteigen von Bäumen nötig (Bild: Annette Gross) Bündner Wald 4/2009 3


Editorial

Die Axt gilt als eines der urtümlichsten Werkzeuge des Menschen. Die Holzpro‑ duktion ist zwar nicht das älteste Gewerbe der Menschheitsgeschichte – sicherlich aber das Holzfällen eines der ältesten Handwer‑ ke. Der Mensch begann also schon sehr früh Holz zu schlagen und damit das Land‑ schaftsbild zu ändern, pflegen und prägen.   Noch heute übt dieses so ursprüngliche Handwerk viel Faszination aus. Mauro Co‑ rona schildert in seiner Kurzgeschichte «Die Buche», wie der erfahrene Holzfäller San‑ to beim Fällen eines mystischen Baumes, am Rande eines Abgrundes, auf tragische Weise stirbt. Nicht nur des tragischen To‑ des wegen soll Santo heute eine Legende sein. So beschreibt Corona, wie der Besagte auch im Ausland Spuren hinterliess: «Man erzählt, dass an seinem ersten Tag in Öster‑ reich die Kollegen seine Geschicklichkeit mit der Axt in Zweifel gezogen hatten. Santo sagte dazu kein Wort, sondern schärfte nur sein Werkzeug. Er rollte sich das Hosenbein hoch bis zum Knie, hob die Axt und holte plötzlich zu einem gewaltigen, treffsicheren Schlag gegen sein Bein aus. Als die zu Stein erstarrten Holzfäller erschrocken wieder die Augen öffneten und glaubten, ihn ohne Fuss zu sehen, erkannten sie voller Ver‑ wunderung, dass Santos mörderische Rasur ihn nur einige Haare an der Wade gekostet hatte.»   Entschuldigen Sie mein kurzes Abschweifen zu einer eigentlich wohl wenig rühmlichen Tat. Sie bestätigt mir aber auf eine gewisse Weise, wie viel Faszination und Glorifizie‑ rung eben doch in diesem Handwerk steckt.

Solche oder ähnlich heroisierende Geschich‑ ten hören wir heutzutage wohl nur noch von der Jagd, der Fahrprüfung oder langen und gut begossenen Nächten.   Heute – und dies ist auch der Schwerpunkt dieser Nummer – haben wir Profis im Wald. Topausgebildete Forstwarte. Sie sind Spezi‑ alisten für alle Arbeiten, die im Wald anfal‑ len. Jährlich beginnen 20 – 30 junge Leute eine Forstwartausbildung. Eine Ausbildung, welche sich stetig den Anforderungen der Zeit angepasst hat – die Arbeitssicherheit ist dabei zu einem Schwerpunkt geworden. Der Forstwart hat auch heute noch seinen festen Platz im Wald. Naturereignisse wer‑ den zunehmen und somit schnelle und pro‑ fessionelle Einsätze vor Ort weiterhin not‑ wendig bleiben. Unzählige Schutzbauten sind errichtet worden und müssen unter‑ halten werden. Die Anforderungen an die Waldpflege bleiben hoch und haben auch direkte Auswirkungen auf die Umsetzung im Wald. Durch die Mechanisierung wird der Forstwart von heute wohl vermehrt zum Spezialisten in Forst- und Bauunternehmun‑ gen oder zu einem vielseitigen Allrounder in Gemeindeforstbetrieben. Diese Tatsachen erfordern stetige Anpassungen und Weiter‑ entwicklungen – sowohl in der Ausbildung wie auch beim Personal im Wald.

Sandro Krättli, Redaktor Bündner Wald Sagastägstr. 96, CH-7220 Schiers sandro.kraettli@afw.gr.ch

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Etwas Berufsstolz  bitte! Leider sind wir Bündner nicht besonders gut im Stolz sein. Als Schweizer versuchen wir es zwar immer wieder. Zum letzten Mal bei der Heim-WM unserer Eishockey-Spieler. Das funktionierte aber nur, bis trotz des 4 :3-Sieges in der Verlängerung gegen die USA bereits in der Zwischenrunde Schluss war. So, wie es typischerweise die meisten eigentlich vorausgesehen, aber der Stimmung zuliebe nicht vorausgesagt hatten. Eigentlich ist das Problem nicht einmal so sehr, dass wir nicht stolz wären. Uns fehlen nur die grosse Klappe und das Selbstbewusstsein, um unseren Stolz zu zeigen und in die Welt hinauszuschreien. Meistens ist das kein grosser Verlust. Aber manchmal täte es auch uns Bündnern gut. Weil eine Lehrabschlussfeier nicht der richtige Zeitpunkt ist, um sich in Bescheidenheit zu üben, habe ich mir vor drei Jahren – bei der Vorbereitung meiner Ansprache an die erfolgreichen Absolventen der Forstwartausbildung, überlegt, wie ich dem Stolz dieser frischgebackenen Forstwarte etwas nachhelfen könnte. Dabei kam mir ein sonderbarer Gedanke, welcher mich zuerst selber etwas befremdete. Ich erinnerte mich an etwas, auf das ich insgeheim wirklich stolz bin. Etwas, das ich aber bis anhin lieber für mich behielt oder nur in Kreisen bekannt gab, wo ich auf Verständnis hoffen durfte. Ich war dann so frei und erlaubte mir, mich bei dieser Gelegenheit zu outen. Weil sich dieses Bekenntnis so gut eignete, um zu zeigen, was ich mit Berufsstolz meine, wiederhole ich es an dieser Stelle und bitte um Nachsicht, falls ich dabei etwas ins Prahlen komme. Jene, die mich nicht wirklich gut, aber doch ein bisschen kennen, können sich gut vorstellen, dass ich eigentlich kein Militärfan

bin. Sie würden wahrscheinlich niemals vermuten, dass ich ziemlich stolz auf alles bin, was mit meinem Militärdienst zu tun hat. Es fing damit an, dass ich an der Aushebung 1981 genügend Punkte erreichte, um trotz Sehschwäche und verheiltem Herzfehler als Gebirgsgrenadier ausgehoben zu werden. Ich bin wirklich stolz darauf, eine Grenadier-Rekrutenschule durchgestanden und einige WKs in einer GebirgsgrenadierKompagnie absolviert zu haben. Es muss ja niemand wissen, dass mich der Schulkommandant schon am zweiten RS -Tag in die Küche verbannen wollte, weil ich der einzige Brillenträger war, dass ich mich bei den vielen Leistungsmärschen und Läufen oft mit den Letzten keuchend und am Rand ANZEIGE

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der Erschöpfung in die Kaserne schleppte oder dass ich mich trotzdem freute, als ich nach dem fünften WK wegen allergischer Hautausschläge ausgemustert wurde. Ich war trotz allem Mitglied jener sagenumwobenen Elite-Truppe, welche – zumindest damals – für ihre Schlagkraft und Einsatzbereitschaft, aber auch für ihre Kameradschaft bekannt war. Effektiv war ich bis zu diesem Zeitpunkt nirgendwo sonst so vielen aufgestellten und lebhaften Typen mit einem solchen gesunden Ehrgeiz  begegnet, welche spezielle Herausforderungen suchen und gerne mit anpacken, wenn es darum geht, Besonderes zu leisten. Ähnliche Begegnungen hatte ich erst wieder, als es mich auf meinem Berufsweg zum Amt für Wald verschlug, wo ich mich seit nun 18 Jahren mit der Ausbildung der Forstwarte beschäftige. Im Wald, in Lehrlingskursen, bei Instruktionstagungen mit Forstwarten und Förstern traf ich immer wieder solche bodenständigen Kerle an, welche mit Begeisterung ihrem strengen Handwerk nachgehen und welche unter schwersten Bedingungen und in heiklen Situationen erst richtig aufblühen und zur Hochform auflaufen. Für mich ist deshalb klar, dass die Forstwarte die Grenadiere unter den Handwerkern sind. Jene schlagkräftigen und leistungsfähigen Waldspezialisten, welche immer schnell und gerne zur Stelle sind, wenn es handfeste Pro-

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bleme gibt, welche nicht am Computer, sondern nur mit guten Ideen und solider Handarbeit innert nützlicher Frist gelöst werden können. Zum Beispiel bei Unweltkathastrophen, wie wir sie in den vergan­ genen Jahren vermehrt erlebten. Es ist also sicher für Jeden, der zu dieser besonderen Zunft gehört, ein Grund um stolz zu sein. Ein Fähigkeitszeugnis als Forstwart oder auch als Forstwartin bestätigt dem Inhaber oder der Inhaberin, das Rüstzeug erhalten zu haben, um den hohen Ansprüchen dieses spannenden Berufes gerecht zu werden. Forstwarte brauchen sich nicht im Wald zu verstecken. Ich bin sicher, dass der Forstwartberuf zum Inbegriff für Einsatzfreude, Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit werden könnte, wenn mehr Menschen realisieren würden, welche wichtige Arbeit diese Waldprofis in unseren Wäldern und in den Gemeinden leisten. Ich wünsche jedenfalls allen Forstwarten viel Anerkennung und Zufriedenheit, aber auch Selbstvertrauen in ihrem Beruf. Grund um Stolz zu sein haben sie sowieso.

Beat Philipp, Präsident Amt für Wald Graubünden Löestrasse 14, 7000 Chur beat.philipp@afw.gr.ch


Forstwart – ein neuer Beruf? Das war einmal: Ab Anfang der 60 er Jahre wurden im Kanton Graubünden die ersten Forstwart-Lehrlinge ausgebildet. Die Arbeiten im Wald wurden – ähnlich wie in der Landwirtschaft – von der Bevölkerung eigentlich nicht besonders wahrgenommen, sondern eher als selbstverständlich erachtet. Das mag auch ein Grund dafür sein, dass es recht lange dauerte, bis die Forstwirtschaft das Image verlor, dass jeder der sonst nirgends untergebracht werden konnte, sicher im Wald beschäftigt werden könne. Mit dem Einsetzen der Mechanisierung wurde den Verantwortlichen glücklicherweise rasch klar, dass es neben starken Oberarmen noch etwas mehr braucht um künftig den Wald zu bewirtschaften. Für den «oberen» Forstdienst – wie er damals so schön hiess, also Kreisförster oder technische Forstverwalter, wie auch für den «unteren» Forstdienst (Revierförster) war die Ausbildung aufgrund der Gesetzgebung klar geregelt. Aufgrund der Erkenntnis, dass auch das arbeitende Fussvolk künftig besser ausgebildet werden müsse, wurden auch Grundlagen geschaffen, die Ausbildung der Waldarbeiter auf eine einheitliche und reglementierte Basis zu stellen. «Forstwart» hiess der neue Beruf. Ich wundere mich eigentlich, wieso ein so gut ausgebildeter Spezialist heute noch so einen banalen Namen trägt?! Der Tankwart heisst ja längst schon Servicemann und gäbe es den Turmwart noch, würde er sicher Turm Manager, Turm Ranger oder ähnlich blöd (englisch) heissen. Zu Beginn der neuen Ausbildung war – aus verständlichen Gründen – noch nicht alles optimal. Die zukünftigen Forstwarte mussten die Berufskunde mit den Schreinern absolvieren. Dass es nicht gerade motivierend war, die Drehzahl einer Hobelmaschine auswendig zu lernen, oder zu wissen, wie eine neue Fensterscheibe eingesetzt und gekittet

Kehrhaken (Bild: Amt für Wald Graubünden)

wird, versteht sich von selbst. Mit der Eröffnung der neuen Gewerbeschule in Chur ( 1969 ), wurde auch für die Forstwarte diese Lücke geschlossen. Sie hatten nun eine eigene Klasse und wurden auch wirklich in Berufskunde unterrichtet. Es fehlten zum Teil noch geeignete Lehrmittel und Lehrpersonen, der Stoff war vielleicht etwas «zu Baukurs 1972 in Tamins (Bild: Hansruedi Ryffel)

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Holzerkurs B in Flums 1969 (Bild: Hansruedi Ryffel)

hoch» resp. zu theoretisch, aber zumindest sachbezogen. Teil der Ausbildung waren immer auch die Fachkurse. In den Baukursen konnten seit Beginn immer praxisbezogene, lehrreiche Projekte verwirklicht werden. In den ersten Jahren gehörten sogar noch Sprengarbeiten zum Programm. Dass heute fast in allen Gebieten des Kantons Objekte stehen, welche mit angehenden Forstwarten ausgeführt wurden, ist besonders erfreulich und hat wesentlich zum heute guten Berufsbild beigetragen. Die Ausbildung im Waldbau widerspiegelte die damalige Zeit. Offenbar war Pflanzen, Pflanzen und nochmals Pflanzen das Mass aller Dinge. In Wald-Weide-Ausscheidungen und diversen anderen Projekten wurden bis fast über die Waldgrenze hinaus unzählige Pflanzen «versenkt». Keine Lücke durfte 8

offen bleiben. Während der Bestandesbegründung und der Jungwuchspflege die nötigte Beachtung geschenkt wurde, waren die Eingriffe in der Dickung und dem Stangenholz, wenn überhaupt, sehr zaghaft. Vielleicht etwas boshaft ausgedrückt: sie bestanden aus Christbaumentnahme und etwas negativer Auslese. Die bescheidenen Kenntnisse in der Jungwaldpflege bekamen vor allem jene zu spüren, welche später die Försterschule absolvierten, wo die Bündner von den «Unterländern» eher belächelt wurden. Heute ist dieser Rückstand natürlich längst aufgeholt! Für die Holzerei-Ausbildung war die Schweizerische Forstzentralstelle ( FZ ) (heute WVS ) zuständig. Bis zum Jahr 1968 wurde im AKurs noch die Handholzerei instruiert und erst im B-Kurs mit der Motorsäge gearbeitet.


Trennschnitt (Bild: Amt für Wald Graubünden)

Entrindung (Bild: Amt für Wald Graubünden)

Kettenunterhalt (Bild: Amt für Wald Graubünden)

Handholzerei (Bild: Amt für Wald Graubünden)

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Heute müssen Betriebe, welche ausbilden klar definierte Voraussetzungen erfüllen. Am Anfang bestanden diesbezüglich aber auch noch ziemlich grosse Unterschiede. Insbesondere die Instruktion der Lernenden war oft nicht gerade optimal. Gegenüber Neuerungen, welche in den Kursen erlernt wurden, waren viele eher skeptisch, nach dem Motto «Das hat man doch schon immer so gemacht.» In meinem Lehrbetrieb gehörten die Mitarbeiter eher zur älteren Garde. Diese waren froh nicht mit der Motorsäge arbeiten zu müssen. Es hatte ja nicht jeder eine eigene Säge und so durfte ich von Beginn weg fällen und die Trennschnitte ausführen. Geastet wurde ja zum grossen Teil noch von Hand. Einigen meiner Mitschüler ist es eher gegenteilig ergangen. Ihre Hauptaufgabe bestand im Asten und Entrinden. Meine erste Motorsäge der Marke Mc Culoch war ein richtiges Ungetüm, mit einer Vibration wie ein Abbauhammer – vom Lärm und Gewicht ganz zu schweigen. Die Schutzausrüstung bestand aus einem nackten Helm; in den Holzerkursen wurden noch Knieschoner getragen, Handschuhe waren eher etwas für Schwächlinge. Dass Lehrlinge zum Teil auch etwa zweckentfremdet eingesetzt. wurden zeigt dieses Beispiel: Ein Mitlehrling hat in seinem Arbeitsbuch peinlich genau samt Skizze und Masse über die Aushebung eines Grabes für eine Erdbestattung berichtet. Gab es damals schon Probleme mit Drogen? Nein, nein, wo denken Sie hin – abgesehen vielleicht von der einen, welche mit A anfängt und l endet, sind mir keine bekannt. Fest steht jedenfalls, dass die Geselligkeit in den Kursen nicht zu kurz kam und die

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Lernenden in den angeschriebenen Häusern für guten Umsatz sorgten und darum gern gesehene Gäste waren. Auch ein Arbeitsbuch musste geführt werden, wobei sich die einen, übrigens wie auch heute noch, sehr schwer taten. Das so ein Arbeitsbuch neben dem pädagogischen auch einen grossen materiellen Wert hat, wurde uns erst klar, als ein Mitschüler beim Abgabetermin dem Lehrer erklärte, oder es zumindest versuchte, sein Arbeitsbuch sei ihm vor wenigen Tagen aus einer Waldhütte gestohlen worden! In den meisten Berufen sind ja die Fachverbände für die Umsetzung der Ausbildung zuständig. Dass sich aber das kantonale Forstinspektorat – excüsi – Amt für Wald seit Beginn voll und ganz für die Ausbildung der Forstwarte engagiert hat, ist ein absoluter Glücksfall. Den Verantwortlichen war bewusst, dass die Ausbildung praxisbezogen gestaltet werden muss. Mit der Bereitstellung der notwendigen Infrastruktur, der Verpflichtung von fachlich und praktisch versierten Instruktoren, Lehrkräften und weiteren Rahmenbedingungen wie z.B. Ausbildungskommission usw. darf sicher festgestellt werden, dass die Ausbildung der Forstwarte in Graubünden sehr positiv verlaufen ist.

Hansruedi Ryffel, Revierförster Forstamt Tamins Aligstrasse 1, CH-7015 Tamins ryffel@tamins.ch


Die Geschichte der Motorsäge – dem Baby des Forstwartes Zu diesem Thema sind ganze Bücher geschrieben worden. Ich versuche hier auf einigen Seiten einen Abriss der Geschichte der Motorsäge wiederzugeben. Schon damals, um ca. 1915 (erste dampfgetriebene Sägen sind schon 1889 bekannt geworden), haben sich Konstrukteure Gedanken darüber gemacht, die schwere Waldarbeit durch Maschinenkraft zu erleichtern. Einige dieser anfänglich konstruierten Maschinen sollen hier vorgestellt werden. Die Entwicklung der Motorsäge fängt mit der Herstellung von Verbrennungsmotoren an. Zuerst mit Stationärmotoren und einige Zeit später folgten erste Versuche mit Motorradmotoren.   Im Jahr 1917 wurde die Holzfällmaschine «Sector» vom schwedischen Ingenieur A. v. Westfelt entwickelt und auf den Markt gebracht. Begeistert wurde sie vom Militär und der Forstwirtschaft aufgenommen und geprüft. Es gab sie mit 5 PS Leistung als luftgekühlten Zweizylinder-Zweitakt-Boxermotor mit Magnetzündung von der Firma Archimedes, in der Beschreibung auch als Balancemotor bezeichnet. Das Sägeblatt ist eine aus einzelnen Gliedern zusammengesetzte Kettensäge, die in einem Sägerahmen Holzfällmaschine aus dem Jahre 1924 (Bild: Sector)

läuft, die über eine Welle angetrieben wird. Den Sägerahmen gibt es in vier verschiedenen Grössen und er kann zum Fällen und Ablängen verwendet werden. Das Ablängen von Grubenholz geht mit eingeübter Mannschaft 6- bis 8-mal so schnell wie mit der Handsäge. Die Säge wurde nicht nur in Schweden gebaut, sondern auch in Lübeck. Im Forstkatalog von David Dominikus wurde sie noch 1926 angeboten. Hier in Deutschland ist mir ein Modell bekannt, in Schweden sind noch einige Maschinen in privaten Sammlungen und Museen vorhanden. Die aus Amerika kommende Ottawa Log Saw. Gebaut in der Warner Manufacturing & CO /Ottawa – Kansas USA soll die meist gebaute Fuchsschwanzsäge sein. Gebaut wurde sie ca. von 1918 bis in die 50 er Jahre. Die Säge hat etwa 4 PS (später auch einige PS mehr) und schafft 350 Sägeschnitte pro Minute. Der erste Sägetyp (wie auf dem Bild) von 1918–1927 hat noch eine Abreisszündung. Das Benzin wird durch ein «Schnüffelventil» eingesogen und der Kolben wird mit einer Verlustschmierung geschmiert.   Ein wichtiger weiterer Fortschritt war die Entwicklung des Schneideelementes (bisher das Sägeblatt) zur Sägekette. Insbesondere hat der deutsche Erfinder und Techniker Broda bereits im Jahre 1925 eine einfache Dreilaschen-Sägekette konstruiert, die er auf seiner «Rapid-Motorsäge» verwendete. Das bemerkenswerte an der Konstruktion der «Rapid» ist die vorteilhafte Lösung der Kettenführung und Kettenkonstruktion. Motor und Sägeschiene, um die die Sägekette läuft, sind unmittelbar durch ein Kegelrad verbunden. Der Motor bleibt beim Arbeiten auf dem Boden stehen, die Bündner Wald 4/2009 11


Sägeschiene muss daher vom Fäll- zum Ablängschnitt umgestellt werden. Der 4-TaktMotor ist äusserst stabil und stark, mit 8–10 PS, normal und 16 PS Höchstleistung, bei 550 ccm und einem Gewicht von 72 kg, wirklich kein Leichtgewicht. Bei unebenem Gelände muss der Motor mittels der durch Zahnstangen verstellbaren Füsse in die richtige Lage gebracht werden. Das schränkt die Handhabung erheblich ein. Für geringe Stammstärken ist eine so starke, aber auch ziemlich schwere Maschine nicht erforderlich. Sie hat daher im starken Holz und auf Holzplätzen von Sägewerken Verwendung gefunden. Erst 1927 entwickelte Emil Lerp in Hamburg in Zusammenarbeit mit Herrn Broda die erste Dolmar Motorsäge Typ A. Der 2-TaktMotor der Dolmar Typ A, hat ca. 2300 U/min mit einer Dauerleistung von 6 PS. Die Spitzenleistung beträgt sogar 8 PS. Die Ähnlichkeit zur «Rapid»-Säge ist gut zu sehen. Emil Lerp vertrieb, genauso wie Andreas Stihl, auch Rinco-Motorsägen. Zu den Pionieren des Motorsägenbaus gehört vor allem Ernst Ring, der auf der Basis eines Motorradmotors schon 1925 seine erste Kettensäge entwickelte. Der Motor kam von der Firma Bekamo, die ebenfalls, wie die neu gegründete Firma E. Ring & CO, in Berlin Auszug aus einem Dolmar-Prospekt aus dem Jahre 1927 (Bild: Dolmar)

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Die amerikanische Ottawa Log Saw (Bild: Peter Schlicht)

ihren Sitz hatte. Der geniale Konstrukteur Hugo Ruppe, der die Bekamo Werke in Berlin 1922 gründete, baute schon 1919 einen leistungsstarken 2-Takt-Motor, den er dem dänischen Unternehmer Jörge Skafte Rasmussen anbot. Der fertigte den Motor zunächst als Spielzeug unter der Bezeichnung «Des Knaben Wunsch» ( DKW ). Hugo Ruppe wollte aber mehr und gründete in Berlin seine Berliner Kleinmotoren Werke und begann mit dem Bau seiner Motorräder. Er entwickelte einen leistungsstarken Motor mit Ladepumpe, der mehr als 4000 Umdrehungen erreichte, während vergleichbare Serientypen sich noch mit der Hälfte begnügten. Dieses Potenzial erkannte Ernst Ring und baute 1925 mit diesem Motor seine erste Motorkettensäge Rinco. Leider gab es in den ersten Jahren viele Probleme. Der Ladepumpenmotor wurde zu heiss, weil der Fahrtwind wie bei einem Motorrad fehlte, usw. Ernst Ring baute weitere Modelle und war damit einer der erfolgreichsten Motorsägenhersteller. Er lieferte seine Sägen in die skandinavischen Länder und nach Nordamerika. In der ersten Motorsäge wurde die Version mit 129 ccm und 3,5 PS eingebaut. Später wurden etwas stärkere Motoren in die Sägen eingebaut mit 175 ccm von 5–6 PS. Der


Rinco-Motorsäge Modell 1927 (Bild: Peter Schlicht)

Brennstoffverbrauch beim Sägen soll zum Teil einer Motorraddauergeschwindigkeit von 160 Stundenkilometern entsprochen haben, schreibt E. G. Strehlke in seinem Prüfbericht 1927 in der Zeitung Forstarchiv zur Rinco-Motorsäge Modell 1927.   Parallel zur Rinco-Säge baute Ernst Ring auch die ERCO-Säge, die ca. 1927 auf den Markt kam. Der 2-Takt-Boxermotor hat eine Leistung von 2 x 4 PS und 200 ccm. Da die Auspuffrohre auch als Achse für die Scheibenräder ausgebildet sind, lässt sich die Maschine mit ihrem Gesamtgewicht von ca. 43 kg leichter transportieren. Anfang der dreissiger Jahre gab es die ERCO auch mit einer Kreissäge, anstelle der Kettensäge, um das Ablängen von Grubenhölzern zu erleichtern.   In Stuttgart nahm 1926 Andreas Stihl seinen zweiten Anlauf um sich als Ingenieur selbständig zu machen. Er entwarf und konstruierte Niederdruckdampfkessel, handelte mit Holzbearbeitungsmaschinen und übernahm die Bezirksvertretung der Firma E. Ring. Genauso wie sein späterer Konkurrent Emil Lerp versuchte sich Andreas Stihl im Motorsägenbau. Seine erste Elektrosäge, die noch im gleichen Jahr vorgestellt wurde, hatte viele Ähnlichkeiten mit anderen Elektro-

Sägen seiner Zeit. Erst 1929 stellte Andreas Stihl seine erste Motorkettensäge mit Verbrennungsmotor vor. Er konnte in den letzten Jahren bei Rinco und anderen Firmen und Sägewerken viele Erfahrungen machen und sie in die neue Säge umsetzen. Neben den schon genannten Herstellern von Motorsägen aus den 20 er Jahren möchte ich die Namen Record, Leitz und AKCO und die Silva-Motorsäge der Firma Bitak und Rainer aus Wien nicht unerwähnt lassen. In den 30 er Jahren kamen noch die Firmen Festo und NSU mit innovativen Motorsägen hinzu. All diese Firmen trugen erheblich zur Motorisierung in der Forstwirtschaft bei. Durch Ausbruch des Krieges endete zunächst die Zeit des freien Wettbewerbs in Deutschland. Die Umstellung der Motorsägenwerke auf Kriegswirtschaft hatte sich verhältnismässig schnell vollzogen. Die Firmen Stihl, Rinco, Dolmar und NSU waren mittendrin im Rüstungsgeschäft. Ob Andreas Stihl seinen Einfluss als Obersturmbannführer der SS genutzt hatte, sodass seine Säge als Einheitskriegssäge von allen anderen Firmen gebaut werden musste, sei dahingestellt. Jedenfalls kam 1943 die meist gebaute Zweimannsäge von der Firma Stihl auf den Markt Die « KS43 » ( KS-Kraftsäge, 1943 ). Die Säge hatte 7,5, später dann 8 PS, Dolmar-CL mit 8 PS bei 3600 U/min (Bild: Peter Schlicht)

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Festo KKS mit 3 PS Leistung (Bild: Peter Schlicht)

bei 250 ccm. Das Gewicht lag bei ca. 38 kg. Das war schon ein grosser Erfolg im Motorsägenbau. Obwohl die Firma Dolmar ab 1943 auch Stihl-Sägen fertigen musste, hatte sie schon 1939 eine Säge auf den Markt gebracht, die ebenfalls sehr grosse Erfolge bis in die 70er Jahre hatte. Die «Dolmar-CL » hatte ebenfalls 8 PS bei 3600 U /min und 250 ccm und

war neben der KS43 eine der meistgebauten Zweimannsägen überhaupt. Da in Europa während des Krieges an eine Weiterentwicklung der Motorsäge nicht zu denken war, hatte diese in Amerika stattgefunden. Erste Einmannsägen kamen dort auf den Markt und überzeugten mit hoher Leistung und kleinem Gewicht. Die Firma Stihl brachte aber trotzdem 1950 ihre erste Einmannsäge heraus, die Stihl BL mit 5,5 PS und 125 ccm. Kurze Zeit später kam die BLK dazu, mit einem schwenkbaren Getriebe, wie die grossen Zweimannsägen. Gegen Ende des Krieges brachte die Firma Festo die erste Einmannsäge auf den Markt «Die Festo KKS » mit 3 PS Leistung und 98 ccm.   Aber auch die Firma Dolmar hatte den Anschluss nicht verschlafen und kam mit der «Dolmar CP »-Säge und einige Zeit später mit der «CF» auf den Markt. Die «CF» hat-

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te schon einen schwimmerlosen Membranvergaser und liess sich dadurch zum Fällen und Einschneiden komplex schwenken.  Von da an ging es mit der Entwicklung sehr schnell. In Amerika hatte man eine völlig neue Motorsägengeneration entwickelt und die gelangte immer öfter auf den deutschen Markt. 1958 gab es eine grosse Überraschung in der deutschen Motorsägenszene. Die Firma Solo und die Firma AS (Anton Schefenacker) kamen mit sehr guten Einmannmotorsägen mit schwimmerlosen Vergasern und Direktantrieb auf den Markt. Sie hatten von amerikanischen Firmen gelernt und hatten mit ihren Sägen «Solo Rex» und « AS 5» sehr grosse Erfolge. Stihl zog schnellstmöglich nach und gab Contra mit seiner neuen Säge «Stihl Contra». Mit einer sehr aggressiven Verkaufspolitik brachte die «Contra» die erwünschte Wende bei der Firma Stihl. Sie wurde zur meistgekauften Säge ihrer Zeit. Die 60 er Jahre läuteten nun endgültig das Ende der Zweimannsägen ein und die Firmen brachten immer wieder verschiedene Modelle und skurrilste Entwicklungen auf den Markt. An dieser Stelle die Entwicklung der Einmannsägen zu beschreiben, würde zu viele Seiten in Anspruch nehmen. So weit kann man es aber doch benennen: die Sägen wurden leichter, leistungsstärker und handlicher. Das Sicherheitssystem wurde weiter ausgebaut: Antivibrationsgriff, Kettenbremse, Sicherheitskette etc. Diese Entwicklung hält eigentlich bis heute an.

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Neuerungen bei der  Forstwart-Ausbildung Mit der Modernisierung verschiedenster Arbeiten in der Forstwirtschaft, insbesondere in der Holzernte, hat sich das Berufsbild des Forstwartes verändert. In den Forstbetrieben wird verstärkt mit gut ausgerüsteten Forstunternehmern zusammengearbeitet. Der Forstwart hat, sofern er richtig ausgebildet ist, auch in diesen modernen Arbeitsverfahren durchaus seine Aufgaben. 

überbetriebliche Kurse) sind klar umschrieben worden. – Die zentrale Rolle und Verantwortung der Lehrbetriebe ist gestärkt worden. Der Lehrbetrieb übernimmt in der Aus‑ bildung die Hauptrolle. – Zusammen mit der Verordnung ist ein Bildungsplan geschaffen worden, welcher klare und verbindliche Vorgaben für die drei Lernorte (Lernziele) definiert.

Mit dem neuen Berufsbildungsgesetz ( BBG ) ist die Forstwartausbildung in der ganzen Schweiz vereinheitlicht worden. Gleichzeitig hat man das Berufsbild an die veränderten und neuen Aufgaben angepasst. Zuständig für die Forstberufe ist neu das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie ( BBT ). Für den Forstwartberuf ist wie für viele andere Berufe eine neue Verordnung für die Grundbildung erstellt worden. Die wichtigsten Punkte der Verordnung sind: – Die Ziele und Anforderungen der beruflichen Grundbildung sind in Form von Handlungskompetenzen beschrieben worden (Methoden-, Selbst- und Sozialkompetenzen). – Die Anforderungen der drei Lernorte (Lehrbetrieb, Berufsfachschule und

A) Die drei Lernorte 1. Der Lehrbetrieb Mit dem Bildungsplan wurde ein Instrument geschaffen, welches die Leistungsziele als verbindliche Vorgabe (Vertiefung/ Festigung der Lernziele) definiert. Der Bildungsplan wurde für die ganze Schweiz vereinheitlicht und stärkt die Rolle der Lehrbetriebe ganz wesentlich. Der Lehrbetrieb vertieft und festigt ganz gezielt die Lernziele der Lernorte «Berufsfachschule» und «überbetriebliche Kurse». Diese Koordination zwischen den drei Lernorten hat bisher weitgehend gefehlt. Im Bildungsplan sind auch moderne Holzernteverfahren und Logistik, etliche ökologische Massnahmen und weitere Tätigkeiten eines modernen Lehrbetriebes enthalten. Die Lerndokumentation (Arbeitsbuch) ist für die ganze

Diese üK werden gemäss Vorgaben der Bildunsverordnungen angeboten

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Kurs

Vorgabe Bildungsverordnung

Kanton Graubünden

Kurs A

Holzernte: 10 Tage im 1. Lj.

Holzernte: 10 Tage

Kurs B

Holzernte: 10 Tage im 2. Lj.

Holzernte: 10 Tage

Kurs C

Holzernte: 10 Tage im 3. Lj.

Rücken Bodenzug: 4 Tage Seilkraneinsatz: 10 Tage

Kurs D

Waldbau: 5–10 Tage im 1.oder 2. Lj.

Waldbau: 5 Tage Ökologie: 2 Tage

Kurs E

Bauwesen: 10 Tage im 2. Lj.

Bauwesen: 10 Tage

Kurs F

Nothilfe: 2 Tage im 1. Lj.

Nothilfe: 2 Tage


Schweiz vereinheitlicht worden und gehört neu zum Aufgabenbereich des Lehrbetriebes. Eine wesentliche Änderung ist die Einführung des Bildungsberichtes. Die Lernenden werden im Betrieb zweimal pro Jahr beurteilt und erhalten für ihre Leistungen neu eine Note. Diese Note und die Note der Lerndokumentation werden im Bildungsbericht festgehalten. Die Noten des Bildungsberichtes fliessen als Teil der Erfahrungsnote in das Qualifikationsverfahren (Lehrabschlussprüfung) ein. Mit einer guten Leistung im Betrieb über die ganze Lehrzeit kann der Lernende einen guten Beitrag an die Schlussnote leisten. Eine weitere Anpassung betrifft die Anforderung an den Berufsbildner im Lehrbetrieb. Im Forst

war es bisher üblich, dass der Revierförster die Rolle des Lehrmeisters und der Forstwart oder Forstwart-Vorarbeiter die Rolle des praktischen Ausbildners hatten. Neu gibt es diese Trennung der Ausbildungsaufgaben nicht mehr. Der Berufbildner im Betrieb muss die praktischen Arbeiten selber ausführen. Somit hat eine Verschiebung der Ausbildungsaufgaben vom Förster auf den Forstwart oder Forstwart-Vorarbeiter stattgefunden. 2. Die überbetrieblichen Kurse (üK) Die überbetrieblichen Kurse wurden in der ganzen Schweiz vereinheitlicht. Die schweizerische Vereinheitlichung der überbetrieblichen Kurse hat für den Kanton Graubünden keine grossen Anpassungen

Bildungsplan Teil B – Lektionstafel Forstwartin/Forstwart Tätigkeitsfeld/Leitziel

Fächer

1.1 Holzernte

Holzernte und Holzmessen

1. Lehrjahr 2. Lehrjahr 3. Lehrjahr

Holzkunde

1.2 Verjüngung und

Waldbauliche Grundlagen

70

Pflege von Wald und

Standortskunde

20

20

anderen Ökosystemen

Waldbau

20

90

30

20

Total 50

30

30

20

90

70

Ökologie

20

30

50

1.3 Forstschutz

Forstschutz

20

20

40

Wald, Jagd und Wildtiere

20

20

1.4 Bauwesen

Bauwesen

20

20

40

1.5 Einsatz und Unterhalt

Mensch und Arbeit

30

30

20

80

30

von Arbeitsmitteln 1.6 Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit 1.7 Betriebsorganisation

Aufgaben und Bedeutung des Waldes

Forstrecht und forstliche Planung

Betriebsorganisation und Arbeitsrecht

30

30 30

30

30

Total Berufskunde

200

200

200

600 360

Allgemeinbildung

120

120

120

Turnen und Sport

40

40

40

120

Total Allgemeinbildung

160

160

160

480

Total Lektionen

360

360

360

1080 Bündner Wald 4/2009 17


Qualifikationsbereiche praktische Arbeiten

Total: 16 Stunden

Die praktischen Arbeiten werden als vorgegebene praktische Arbeit (VPA) durchgeführt. Die zuständigen Prüfungsorgane entscheiden über den Ort der Durchführung. Qualifikationsbereich Holzernte

Dauer: 8 Stunden

Position

Text/Beschrieb

1

Holzernte: Einrichtung und Ausführung eines Holzschlages gemäss Arbeitsauftrag (während der Schlagsaison im letzten Semester

Qualifikationsbereich Waldbau und andere Forstarbeiten

Dauer: 8 Stunden

Position

Text/Beschrieb

Gewichtung

1

Verjüngung und Pflege von Wald und anderen Ökosystemen: Massnahmen gemäss Arbeits‑ auftrag ausführen (während der Vegetations‑ perioden und im letzten Semester)

4-fach

2

Forstschutz: Massnahmen gemäss Arbeitsauftrag ausführen

1-fach

3

Einsatz und Unterhalt von Arbeitsauftrag ausführen

2-fach

Qualifikationsbereich Berufskenntnisse

Position

Text/Beschrieb

1

Verjüngung und Pflege des Waldes und anderer Ökosysteme

2

Forstliche Bauwesen

3

Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit

4

Betriebsorganisation

Total: 3 Stunden

Erfahrungsnoten

18

Position

Text/Beschrieb

1

Erfahrungsnote berufskundlicher Unterricht (Mittel aus den Noten der Semesterzeugnisse und des Herbariums)

2

Erfahrung überbetriebliche Kurse (Mittel aus den bewerteten Leistungen: Holzernte, Pflege, Bauwesen)

3

Erfahrungsnote in betrieblicher Praxis (Bildungsbericht mit Einbezug der Lerndokumentation)


nötig gemacht, sind doch bereits vor der neuen Bildungsverordnung alle Kurse ange­ boten worden. Beim Waldpflegekurs ist neu ein Ökologieteil integriert worden, welcher den vielfältigen Arbeiten der Forstbetriebe im Bereich Naturschutz gerecht wird. Eine wesentliche Änderung für die Ler­ nenden ist die Benotung der Kurse A bis E. Diese Noten bilden einen Bestandteil des Bildungsberichtes, welcher als Erfahrungs­ note in das Qualifikationsverfahren (Lehr­ abschlussprüfung) einfliesst. Auch bei den überbetrieblichen Kursen kann der Lernen­ de mit einer guten Leistung einen guten Beitrag an die Schlussnote leisten. Mit die­ sen Noten werden Lernende, die von An­ fang an gute Leistungen zeigen, belohnt.

Die Berufsfachschule (BFS) Die wesentlichen Änderungen der Lektio­ nentafel der Berufsfachsschule sind folgen­ de: – Neben dem Holzmessen und der Holz­ kunde werden neu auch Grundlagen der Holzernte und der Holzernteverfahren sowie der Logistik vermittelt. – Bei den waldbaulichen Grundlagen wird die Standortskunde ausführlicher vermittelt und die Ökologie ist neu dazugekommen. – Die Betriebsorganisation und die forst­ liche Planung werden, angepasst an die forstliche Praxis, ausführlicher vermittelt. Zudem werden neu betriebliche Auf­ gaben, PR und Marketing behandelt.

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Bündner Wald 4/2009 19


– Das Herbarium ist neu Bestandteil der BFS. Beim Qualifikationsverfahren zählt das Herbarium 1/7 an die Note des berufskundlichen Unterrichts und hat dadurch einen hohen Stellenwert. B) Das Qualifikationsverfahren (Lehrabschlussprüfung) Grundsätze und Absichten des neuen Qua‑ lifikationsverfahrens sind insbesondere – Leistungen des Lernenden während der ganzen Ausbildungszeit einbeziehen – Leistungen des Lernenden in den drei Lernorten berücksichtigen – Lehrbetrieb als zentraler Lernort trägt auch bei der Schlussqualifikation Verantwortung mit der Bewertung des Bildungsberichts – Die praktischen Arbeiten sollen zeitge‑ mäss, praxisgerecht, aussagekräftig und fair geprüft werden. Anstelle von bisher vier werden neu fünf Qualifikationsbereiche geprüft : Holzernte,

20

Waldbau und andere Forstarbeiten, Berufs‑ kenntnisse, Erfahrungsnote (neu!) und All‑ gemeinbildung. Die Erfahrungsnote ist als neuer Qualifika‑ tionsbereich dazu gekommen. Diese Note wird an allen drei Lernorten über die ge‑ samte Lehrzeit erarbeitet. Lernende, die von Anfang an gute Leistungen erbringen, werden mit diesem neuen Qualifikationsbe‑ reich belohnt. Die Position 3 der Erfahrungs‑ note berücksichtigt die Leistungen des Ler‑ nenden im Lehrbetrieb. Bisher wurden die Leistungen im Lehrbetrieb in keiner Art und Weise berücksichtigt, obwohl der grösste Teil der Ausbildung dort absolviert wird.

Ralf Fluor Berufsbildner und Lehrperson Berufsschule  CH-7522 La Punt Chamues-ch

forstamt.lapunt@bluewin.ch


Gebrauchsanweisung für einen Forstwart Typ GRFL 2009 Gebrauchsanweisung Wir beglückwünschen Sie zur Wahl und zum Erwerb Ihres Forstwarts GRFL™. Dieser Forstwart GRFL™ wurde im Kanton Graubünden oder im Fürstentum Liechtenstein produziert und ist gemäss den europäischen Normen zugelassen. Vorliegende Gebrauchsanweisung ist aufmerksam durchzulesen, damit Sie Ihren Forstwart GRFL™ optimal einsetzen können! Energieversorgung: Der Forstwart GRFL™ ist ein professioneller und äusserst vielseitiger Handwerker. Er ist für speziell harte körperliche Arbeit geschaffen und muss deshalb entsprechend mit Energie versorgt werden. Es ist wichtig, ihn reichlich und vielseitig zu verpflegen. Zusätzlich sollte ihm Energie in Form von menschlicher Wärme und Zuneigung zugeführt werden. Achten Sie stets darauf, die Batterien nachzuladen, bevor sie ganz leer sind! Ausrüstung und Zubehör Aufgrund seiner vielseitigen Einsatzmöglichkeiten und seines Arbeitsplatzes in der freien Natur ist der Forstwart GRFL™ mit viel Zubehör und Werkzeug ausgestattet. Besonders wichtig ist dabei die Kleidung, mit der er sich gegen jegliche Art von Klimaeinflüssen und viele Gefahren schützen muss. Er ist modisch nicht sehr anspruchsvoll und kleidet sich meist eher unauffällig in der Farbe seiner Umgebung. Da aber dennoch ein gewisser Hang zum Auffallen vorhanden ist, schätzt er es, wenn ein Teil seiner Kleider in leuchtenden Farben gehalten wird. Fast nie möchte der Forstwart GRFL™ auf eine Kopfbedeckung verzichten. Diese sollte während der Arbeit besonders robust und wasserdicht – am besten aus einem harten Kunststoff – sein. Zu Hause und in der Freizeit genügt meist eine Baseballmütze oder etwas Ähnliches.

Grundsätzliches zum Einsatz Da es sich beim Forstwart GRFL™ um einen geselligen Typ handelt, sollte er nicht zu lange alleine gelassen werden. Schicken Sie ihn deshalb nie allein in den Wald. Nebst Gesellschaft, die ihm Sicherheit gibt, schätzt er auch sonst jede Art von Abwechslung sehr. Er wird Ihnen also bestimmt dankbar sein, wenn Sie ihm die Möglichkeit geben, von seinen vielseitigen Fähigkeiten Gebrauch machen zu können. In der Freizeit sorgt der Forstwart GRFL™ normalerweise selber für seine Erholung. Um seinem unbändigen Bewegungsdrang gerecht zu werden, eignen sich handelsübliche Sportgeräte (je nach Saison Bike, Snowboard, Ski, Jagdgewehr, Fischereiausrüstung etc.). Unterhaltung sucht er oft auch in speziell dafür eingerichteten Nacht- und Musiklokalen. Wer noch keinen Forstwart GRFL™ hat und gerne einen möchte, wird bestimmt an diesen Orten einen finden. Einsatzmöglichkeiten Die Einsatzmöglichkeiten des Forstwartes sind äusserst vielfältig. Sie reichen von der Forstwart GRFL™ im Einsatz (Bild: Werner Putzi)

Bündner Wald 4/2009 21


Schwerarbeit bei der Holzhauerei bis zum liebevollen Umschulen von kleinen zarten Pflänzchen. Zudem ist er bestens für Strassenunterhalt und für jegliche Bauarbeiten im Wald und sogar über der Waldgrenze geeignet. Seine bevorzugten Baustoffe sind Naturmaterialien, besonders natürlich Steine und Holz. Die optimale Leistung erreicht er, wenn er seine Fähigkeiten selbständig einsetzen kann und ihm auch Verantwortung übertragen wird. Vermeidung und Behebung von Störungen Obwohl der Forstwart GRFL™ äusserst geländegängig, flexibel und belastbar ist, können hin und wieder Störungen auftreten. Besondere Vorsicht ist bei Arbeiten in geschlossenen Räumen geboten. Vor allem Büro- und Schulräume mit viel Papier können bei ihm schwere Allergien hervorrufen. Ebenfalls sollten Berührungen mit Schreibzeug auf ein Minimum beschränkt werden. Diese können Ihren Forstwart GRFL™ in eine schwere Identitätskrise stürzen. Aus demselben Grund sollten Sie ihn auch unter keinen Umständen als «Theoretiker» oder gar als «Bürogummi» bezeichnen. Trotz aller Vorsichtsmassnahmen hat auch der Forstwart GRFL™ manchmal die Nase

voll. Dafür gibt es verschiedene Ursachen. Zum Beispiel kann es sein, dass er sich die Nase selber mit Schnupftabak gefüllt hat. In diesem Fall muss nicht von einer eigentlichen Störung gesprochen werden. Problematischer wird es, wenn er die Nase voll hat, weil seine Leistungen nicht wahrgenommen und geschätzt werden. Achten Sie also unbedingt darauf, dass ihm die notwendige Anerkennung zukommt, auch wenn er oft im Verborgenen arbeitet! Forstwart-GRFL™-Halter sollten auch ihren Mitmenschen klarmachen, dass es sich beim Forstwart GRFL™ um einen ausserordentlichen Nützling handelt. Nur dank ihm kann die Erhaltung und Pflege des Waldes – eines wichtigen Teils unseres Lebensraumes – gewährleistet werden. Wenn Sie sich dessen bewusst sind und die obengenannten Punkte beachten, werden Sie im Normalfall zusammen mit Ihrem Forstwart GRFL™ viel Freude haben.

Beat Philipp Amt für Wald Graubünden Löestrasse 14, CH-7000 Chur beat.philipp@afw.gr.ch

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FSC-Nr. SGS-COC-004974

Vermarktung und Vermittlung von Holz- und Waldprodukten aus Graubünden. Für die Meldung der Liefermengen 2009 nehmen Sie bitte mit unserem Geschäftsstellenleiter Lüzzi Andri Kontakt auf: Tel. +41 81 300 22 33, Fax +41 81 300 22 34 Adresse: Reziaholz GmbH · Bahnhofplatz 1 · CH 7302 Landquart info@reziaholz.ch · www.reziaholz.ch 22


Ist die Forstwart-Ausbildung  noch zeitgemäss? Hand aufs Herz, werte Lehrmeister, seid ihr noch glücklich mit eurer Rolle als Ausbildner? Ich bin es immer weniger! Wie in allen Branchen werden auch die Ansprüche an den Forstwart immer höher. Die Arbeitenpalette wird immer breiter. Laufend kommen neue Maschinen zum Einsatz, neue Arbeitsverfahren werden angewandt, auf sensible Waldbesucher muss Rücksicht genommen werden, und alles sollte immer effizienter und kostengünstiger erledigt werden. In diesem Umfeld wird es für die Lehrmeister, die Ausbildner und die Lehrlinge immer schwieriger, die nötige Zeit und Ruhe für eine fundierte Ausbildung zu finden. Nehmen wir zum Beispiel die Holzernte. In einer geschlossenen Arbeitskette ist ein «frischer» Lehrling lange das «fünfte Rad am

Wagen». Einerseits ist er noch nicht im Stande, eine Teilarbeit selbständig auszuführen, andererseits kann man in einer geschlossenen Arbeitskette oft nicht einen ausgelernten Forstwart zur Seite stellen, der sich gebührend um ihn kümmert. Zudem gibt in einem solchen geschlossenen Verfahren aus Kostengründen die Maschine das Tempo vor und nicht der Lehrling – was bei diesem zu Stress und Unfällen führen kann. Und doch gehört, neben dem Erlernen des Grundhandwerks, auch der Erwerb weiterführender Kenntnisse dazu, da viele Forstwarte gleich nach der abgeschlossenen Lehre Spezialfunktionen wahrnehmen dürfen (oder müssen) wie Gruppen- oder Rottenführer, Maschinist, oder sie werden bei  Forstunternehmern in anspruchsvollen hochmechanisierten Produktionsverfahren eingesetzt.

Beispiel Waldpflegekurs – Lernende unter sich (Bild: Amt für Wald Graubünden)

Bündner Wald 4/2009 23


Dazu kommen – ob nun doch noch angepasst oder so belassen – die 10 neuen SUVAPunkte dazu, welche eine normale Arbeit mit paralleler Ausbildung fast nicht mehr zulassen. Ich bedaure, dass man in der kürzlich abgeschlossenen Ausbildungsreform sich vor allem auf eine neue Nomenklatur und das Entwerfen vieler Kontrollpapiere konzentr­ iert hat, anstatt sich mit den in den letzten Jahren stark veränderten Anforderungen an den Forstwartberuf auseinanderzusetzen und die nötigen tiefgreifenden organisatorischen Anpassungen in der Ausbildung vorzunehmen. Glücklicherweise schreibt die neue Bildungsverordnung ja nur minimale Anforderungen vor und lässt weiterführende Wege zu. Einige Betriebe im Raum Ilanz versuchen nun einen neuen, gemeinsamen Weg zu beschreiten. Den Lehrlingen soll die Möglichkeit geboten werden, in speziellen Lehrlings-Holzschlägen unter Aufsicht eines Ausbildners gemeinsam das in den Holzerkursen Erlernte in aller Ruhe zu festigen und zu komplettieren. So erhofft man sich fundiertere Grundkenntnisse und durch die

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gemeinsame Ausführung geringere Betreuungskosten. Mit den Spezialmaschinen der Forstmaschinengemeinschaft lassen sich, ebenfalls in speziellen Lehrschlägen, auch Arbeitsverfahren und -abläufe lehren und lernen, sodass die Lernenden danach in den Forstgruppen schneller und effizienter in die «scharfen» Arbeitsketten eingegliedert werden können. Ich hoffe, euch im Frühjahr 2010 von unseren gemachten Erfahrungen berichten zu können. Ich möchte euch aber auch auffordern, eigene «Lehr-Projekte» zu starten und darüber zu berichten. Es geht um unsere künftigen Mitarbeiter, es geht um gute Fachkräfte und nicht zuletzt es ganz um praktikable Wege zur Unfallverhütung!

Andreas Weber Betriebsleiter Forstamt Ruinaulta CH-7104 Versam


Davoser Stiften berichten – Buchen fällen in Zürich Wir, die Lehrlinge Vincenzo Galati, Patrick Hochholdinger, Christian Florinett und ­Andrea Valär des Forstbetriebes Davos, in­ klusive Schnupperlehrling Dario Engler und Lehrlingsausbildner Matthias Scheiwiller, verbrachten vier Arbeitswochen ab dem 5. Januar  2009 im Staatswald Buchenegg ( ZH ), im Revier von Walter Streuli. In dieser Zeit haben wir drei Holzschläge ausgeführt. Ziel dieses Arbeitsaufenthaltes war es, das Fällen und Aufrüsten von Laubholz zu ler­ nen. Erster Holzschlag Unser erster Holzschlag war ein Seilbahn­ schlag. Mehrheitlich bildeten Buchen, Ahorn, Eschen und Tannen den Bestand. Der Holzschlag war fast 100 Meter breit, deshalb war es wichtig, die Bäume in Rich­ tung der Seillinie zu fällen. Somit war der

Habegger (Seilzug) ein wichtiges Hilfsmit­ tel. Wir mussten Qualitätstrennschnitte aus­ führen, sodass möglichst viel Holz eine gute Qualität erreichte. Aber auch das Gewicht der einzelnen Stämme musste beachtet werden, da der Woodliner 3000 eine Nutz­ last von 2,5 t hatte. Die Tannen und Fich­ ten wurden im Bestand fertig gerüstet. Das Laubholz hingegen wurde samt Ästen an die Waldstrasse geseilt. Diese Äste und das andere Brennholz wurden zu Hackschnit­ zeln verarbeitet. Für diese 350 Kubikmeter benötigten wir fünf Arbeitstage. Nach den Fällarbeiten begann der Unternehmer Urs Fuhrer mit dem Aufstellen der Seilbahn. Er war sehr zufrieden mit unserer Arbeit. Zweiter Holzschlag Der zweite Holzschlag sah ganz anders aus. Es handelte sich um einen Sicherheitsholz­

Gruppenfoto (Bild: Andrea Valär)

Bündner Wald 4/2009 25


schlag entlang einer Waldstrasse. Auf einer Länge von 250 Metern wurden insgesamt 200 Kubikmeter Buchen, Eschen und Ahorn gefällt. Da die Bäume alle in die gewünschte Fällrichtung hingen, konnten wir sie mit dem Stechschnitt fällen. Jetzt beherrschen wir diese Spezialmethode. Auch hier mussten wir nur das Nutzholz heraussägen, denn der Rest wurde ebenfalls gehackt. Uns wurde ein Rückefahrzeug mit Maschinist zur Verfügung gestellt. Da diese Waldstrasse ein sehr begehrter Joggingweg ist, mussten wir sie vollständig sperren. Trotz Sperrung wurde die Signalisation oft missachtet. Deshalb mussten immer zwei Arbeiter bei Fällarbeiten den Weg sperren. Es war sehr lehrreich und hat uns allen Spass gemacht. Dritter Holzschlag Der letzte Holzschlag war ein FichtenLangholzschlag. Dort war das Einhalten der Fällrichtung sehr wichtig für das Herausrücken der Stämme. Hier konnten wir das Stehend-Anschroten üben. Auch das präzise Heraussägen der Fallkerbe sowie das Ausführen des Fällschnittes spielten in diesem Holzschlag eine grosse Rolle. Parallel zu den Fällarbeiten wurde das Langholz mittels Rücketraktor und unserer Hilfe heNebelmeer vom Hochwachtturm (Albis) (Bild: Andrea Valär)

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Fällen einer Buche mit Stechschnitt (Bild: Andrea Valär)

rausgezogen. In diesen vier Wochen konnten wir unsere Baumartenkenntnisse gut vertiefen. Ausflug mit dem Taubenwart Ein interessanter Ausflug war der Besuch beim Taubenwart This Schenkel. Er erläuBuche fällt zu Boden (Bild: Andrea Valär)


terte uns die Problematik der Tauben in der Stadt Zürich. Er zeigte uns den Abschuss von Tauben und den Einsatz der mobilen Taubenfalle. Wohnheim Gewohnt haben wir in einem Pfadiheim in Thalwil. Von dort aus sind wir mit dem Zug in die Gewerbeschule nach Chur gefahren. Montags gingen wir jeweils für die ganze Woche einkaufen. Am Abend kochten wir das Essen eigenhändig. Auch der Abwasch machte sich nicht von selbst. Die Abendbeschäftigungen waren: Schach spielen, Jassen, TV schauen und PC gamen. Jeweils am Freitag wurde nur bis 12 Uhr gearbeitet und

nachher das Pfadiheim gereinigt. Und ab ging’s nach Davos! Schlusswort Die ersten zwei Wochen konnte man gut arbeiten, weil der Boden gefroren war – doch herrschte die ganze Zeit Nebel. Die restlichen Wochen waren durchzogen und eine kalte Bise zog durch unsern Helm. Andrea Valär Forstbetrieb Davos Landwasserstrasse 15 CH-7276 Davos-Frauenkirch

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Bündner Wald 4/2009 27


Pflege und Reparatur der persönlichen Schutzausrüstung Ende der neunziger Jahre wurde durch Beat Philipp, Ausbildungsleiter des Kantons Graubünden, der Elternabend für angehende «Forstwartlehrlinge» ins Leben gerufen. Als gelernte Damenschneiderin und Frau eines Försters wurde ich angefragt, ob ich bereit wäre, den Eltern Tipps und Tricks zum Thema Schutzbekleidung an diesem Abend weiterzugeben. Dass diese Idee einem Bedürfnis entspricht, hat die Teilnehmerzahl und das rege Interesse am jährlich stattfindenden Anlass bestätigt. Nicht nur die Mütter, nein auch die Väter spitzten ihre Ohren und stellten Fragen!   Einleitung Waldarbeit ist anstrengend und gefährlich – sie wird in der freien Natur bei jedem Wetter und oft auch in schwierigem Gelände ausgeführt. Das vielfältige Gefahrenpotenzial, besonders beim Einsatz von Motorsägen, Schleppern oder Seilkrananlagen, erfordert nicht nur aufmerksames und sicherheitsbewusstes Verhalten sowie professionelle Arbeitstechnik, sondern auch erstklassige und gut gepflegte persönliche Schutzausrüstung. – Arbeitskleider und Schuhe müssen robust und bequem sein (Passform) – Kleider nach Körperbau kaufen und nicht nach dem «Kopf» (Farbe, Design) – Richtige Pflege verlängert die Lebensdauer (Waschen, Trocknen) – Warnfarben und Reflektierstreifen bei Hosen und Jacken (orange, gelb, rot) erhöhen die Sicherheit   Schuhwerk Robuste Schuhe schützen vor Verletzungen, stützen die Füsse und halten sie trocken und warm. Es stehen Schuhe aus Glatt- und Rauleder zur Auswahl. Bei besonders nas28

Wachs-Schuhpflegemittel (Bild: Walter Jungen)

sen Bedingungen eignen sich auch Forststiefel oder Schalenschuhe. Bitte beachten Sie, dass alle Schuhe den Sicherheitsvorschriften entsprechen (robust, gleitsichere Sohle, Forststiefel mit Schnittschutz und Stahlkappe).   Wie pflegen und behandeln Sie Lederschuhe richtig? – Schuhe täglich wechseln, damit diese gründlich trocknen können – Innensohle herausnehmen – Zeitungen in die Schuhe stopfen, nach zwei Stunden wechseln – Schuhe nie auf einer Wärmequelle trocknen, das Leder wird sonst spröde – Nähte und Laschen besonders pflegen, Schuhbändel entfernen – Glattleder mit spezieller LederImprägnierung behandeln (auf noch feuchtes Leder auftragen) – Wachscreme mit Fön erwärmen und einpolieren – Rauleder mit gutem Lederfett behandeln   Schnittschutzhosen Die Schnittschutzhose schützt als Not­ bremse vor gefährlichen Schnittverletzungen mit der Motorsäge im Beinbereich (siehe Abbildung). Beim Kauf müssen Sie darauf achten, dass das Modell geprüft ist.


Waschanleitung (Bild: Walter Jungen)

Zudem ist es wichtig, dass Sie sich im Fachhandel beraten lassen.   Waschanleitung (Waschsymbole beachten) – Waschmaschine, max. 60 Grad – Nicht trommeltrocknen (zu warm und zerschlägt die feinen Fasern der Einlage) – Nicht bügeln! (Schmelzgefahr) – Nach dem Waschen in Form ziehen – Keinen Weichspüler verwenden – Bei starker Verschmutzung vor dem Waschen mit harzlösendem Mittel einstreichen   Wie repariere ich Schnittschutzhosen und worauf muss dringend geachtet werden? Die eingenähte Schnittschutzeinlage besteht aus einer Vielzahl locker miteinander verbundenen Textilfasern. Durchtrennt man mit der Motorsägekette den Schnittschutz, werden ganze Faserbündel herausgezogen, die sich um das Antriebsritzel und den Umlenkstern wickeln und die Motorsägekette in Sekundenbruchteilen stoppen. Dieser «Fadenzug» wird durch die Verschmutzung im Saumbereich sowie durch Benzin und Kettenöl beeinträchtigt. Es wird deshalb bei Profieinsatz eine Tragedauer von 1 Jahr empfohlen und gewisse Hersteller sprechen von 25 Mal waschen.

Folgende Regeln sind zu beachten : – Bei der Beschädigung des Oberstoffes darf nicht durch den Schnittschutz genäht werden (Der «Fadenzug» wird blockiert) – Nur Oberstoff flicken! Auf der Innenseite des Hosenbeins ein Stück öffnen, so ist das Flicken des Oberstoffes am einfachsten, aber wieder gut zunähen. Nachschauen, ob die Einlage beschädigt ist – falls dies der Fall ist, darf die Hose nicht mehr für Motorsägearbeiten getragen werden! – Es darf kein aufbügelbarer Flickstoff verwendet werden! – Beim Kürzen der Hosenbeine darf der Schnittschutz nicht durchgenäht oder abgeschnitten werden Passende Schutzausrüstung ist wichtig für das Wohlbefinden und die Arbeitssicherheit (Bild: Amt für Wald Graubünden)

Bündner Wald 4/2009 29


– Es gibt Fabrikate, welche in Kurzgrössen aber auch in Überlängen erhältlich sind – fragen Sie Ihren Motorsägehändler – Flickstoff nur beim Fachhändler beziehen   Noch ein Tipp: Falls bei Hosentaschen ein Reissverschluss defekt ist, ersetzen Sie die­ sen mit einem Klettverschluss, denn Reiss­ verschlüsse sind sehr schwierig zum Ein­ nähen. Hosenträger mit Knöpfen sind den Schnallen vorzuziehen (halten schlecht auf glattem Mischgewebe). Falls sie hinten nicht gekreuzt sind, kann man sie zusam­ mennähen – dadurch rutschen sie nicht ständig über die Achseln herunter.   Arbeitsjacke, Regenjacke, Faserpelz = Pflicht zur Farbe (Warnfarben!) Je nach Fabrikat sind heute verschiedene Modelle im Handel erhältlich. Achten Sie darauf, dass sie bequem zum Tragen sind. Falls Arbeitsjacken zu weit sind, kann im Rücken ein Elast eingenäht werden. Dar­ auf achten, dass Reissverschlüsse verdeckt sind – diese gehen weniger  kaputt, denn die Stofflasche schützt sie vor Harzablage­ rungen. Bei Regenjacken auf eine verdeckte Be­ lüftung achten. Faserpelzjacken sollten im Bund lang und lose geschnitten sein.  Tipps: Druckknöpfe sind in Stoff- und Bas­ telgeschäften erhältlich und können auf einfache Weise wieder genietet werden. Viele Metallreissverschlüsse können in Fach­ geschäften geflickt werden, ohne dass man sie heraustrennen muss. Achtung: In vielen Fällen kann nur der Schlitten ersetzt werden. Reissverschlüsse an Faserpelzjacken vorsich­ tig herausschneiden und nicht ganz her­ austrennen, so bleibt das Schrägband dran, sowie ein Stück des Reissverschluss-Stoffes. Dadurch ist es einfacher den Neuen wieder einzunähen, weil die Kante nicht dehnbar ist. 30

Dehnbare Abschlüsse an Ärmeln können auch in Fachgeschäften gekauft und ersetzt werden.   Funktionswäsche Arbeitspausen im Freien in verschwitzten Kleidern können zur Auskühlung und Erkäl­ tungskrankheiten führen. Funktionelle Be­ kleidung hilft mit, die Körpertemperatur zu regulieren. Sie verringert zudem die Gefahr von Gelenk- und Muskelverletzungen, re­ guliert das Körperklima und führt Schweiss und Wasserdampf vom Körper weg, ohne sich dabei vollzusaugen. Die Haut bleibt tro­ cken und vor Auskühlung besser geschützt. Von Seiten des Gesundheitsschutzes wird deshalb der Einsatz von funktioneller Be­ kleidung propagiert: Baumwollprodukte werden durch moderne Textilien (Synthe­ tikfasern), Produkte aus hochwertiger Wol­ le (Merino) und weiteren natürlichen Ma­ terialien wie Kokosfasern, Hanffasern etc. abgelöst.   Wie pflege ich richtig? – Vor dem ersten Tragen waschen – Regelmässig waschen, vorzugsweise nach jedem starken Durchschwitzen – Temperatur beachten – Keinen Weichspüler verwenden – da die Funktion des Schweisstransports unter­ Reissverschluss abschneiden (Bild: Walter Jungen)


bunden wird (dies gilt auch bei Regenbekleidungen und Frotteewäsche) – Funktionswäsche sollte direkt auf dem Körper und enganliegend sein – Es gibt Sommer- und WinterfunktionsWäsche! – Immer Reserve (auch Socken) zum Wechseln dabei haben (Mittagspause, Heimfahrt)   Tipps: Beim Flicken immer Zick-Zack-Stich einstellen, da diese Stoffe sehr stark dehnbar sind. Wichtig: nie Bügeln!   Forsthelm Der Forsthelm schützt vor Schädelverlet­ zungen z.B. durch herunterfallende Äste und ist zugleich Träger des Gesichtsschutznetzes und des Gehörschutzes. Da durch das ultraviolette Licht die Schutzwirkung allmählich abnimmt, ist seine Lebensdauer auf drei bis vier Jahre beschränkt und zwar nicht ab Herstellungsdatum, sondern ab Kaufdatum. Deshalb Kaufdatum mit wasserfestem Filzschreiber im Helm notieren.   Wie pflege ich richtig? – Bei Nichtgebrauch kühl und schattig lagern – Verschmutzung (Harz) mit heissem Boilerwasser und Haushaltsabwaschmittel entfernen

– Keine Kleber anbringen – Regelmässig auf Risse und Farbveränderung prüfen – Helmschale rechtzeitig ersetzen   Schluss-Bemerkungen Dieser Artikel wird wohl in erster Linie von «Männeraugen» gelesen und etliche Inhalte daraus gehören auch in ihren persönlichen Aufgabenbereich, aber viele Tipps und Anregungen sind doch eher für «Frauenhände» gedacht – darum sollte diese Ausgabe des «Bündner Wald» an sie weitergegeben werden!   Die allermeisten meiner Tipps und Ratschläge können wahlweise umgesetzt werden, denn sie tragen zu mehr Wohlbefinden des Körpers und längerer Lebensdauer der  persönlichen Schutzausrüstung bei – bei den Schnittschutzhosen allerdings geht es darum schwere Unfälle zu verhindern, d.h., die Hinweise betreffend Pflege und Reparatur sind kompromisslos zu befolgen!

Sivia Jungen Kupfergasse 2 CH-3653 Oberhofen

silvia@kreastick.ch

Bündner Wald 4/2009 31


«In Schnittschutzhosen steigen die Chancen bei den Frauen» Zweckverband Falknis bildet in jedem Lehrjahr Forstwartlehrlinge aus. Zurzeit geniessen gar vier Lehrlinge die Ausbildung in der unteren Herrschaft. Der Bündner Wald erhielt die Möglichkeit zu einem Exklusiv-Interview mit drei künftigen Filmstars… Interview mit den Forstwartlehrlingen: Björn Riedl BR ( 1. Lehrjahr) Mathias Naef MN ( 2. Lehrjahr) Andrej Mathis AM ( 3. Lehrjahr) Wann war für dich klar, dass du Forstwart werden willst? BR : Dies war für mich schon in der 4. Primarklasse klar. Davor schwankte ich noch zwischen Zimmermann und Forstwart. Die frühe Entscheidung war gut – so konnte ich Der ZV Falknis bildet in allen Lehrjahren Forstwartlehrlinge aus (Bild: Sandro Krättli)

die Schule danach geniessen … lacht. AM : Ich entschied mich auch bereits in der

Primarschule dazu – wahrscheinlich etwa in der 6. Klasse. Ihr wart also sehr schnell entschlossen, den «Waldweg» zu nehmen. War es schwierig, eine Lehrstelle zu finden – wie viele Bewerbungen musstet ihr schreiben? BR: Bei mir war es sehr einfach. Ich hatte Glück und musste nur eine Bewerbung ­schreiben. MN : Auch ich hatte nicht grosse Mühe. Ich schrieb wohl 2–3 Bewerbungen. AM : Auch ich schrieb nur deren 2. Was war die grösste Umstellung, als ihr nach der obligatorischen Schulzeit eure Lehre begannt? BR : Ich war vor allem abends todmüde, weil es anfangs sehr anstrengend war. Ich ging nach Hause, ass den Kühlschrank leer und legte mich ins Bett. AM : Für mich war es vor allem mal, weg von zu Hause zu sein. Geändert hat dann aber auch der Tagesablauf. Beide sind zwar geregelt. Der Wechsel aber vom Stundenplan mit vielen Pausen zu einem 8–9-stündigen Arbeitstag war schon krass. Jetzt merkt man, wie schön man es dort eigentlich hatte – aber zurück will ich auf keinen Fall. MN: Die Schulzeit war easy. Man hatte am Mittwoch frei und mehr Ferien. Was sind für euch die Grundvoraussetzungen, damit man eine Forst‑ wartausbildung überhaupt in Angriff nehmen kann? BR : Man muss den Willen und die Bereitschaft mitbringen, strenge Arbeiten auszuführen. Es ist sicher gut, wenn man auch zu

32


Steckbrief Andrej Mathis Lehrjahr:

3. Lehrjahr

Geburtsdatum:

10. April 1989

Wohnort:

Mittellunden

Motorsäge:

Stihl 046 und 026

Lieblings Arbeit:

Holzen, Seilen

Hobbys:

Jagd, Natur, Eishockey

Traumauto:

laufa muass äs!

Traumfrau:

frisch und fründlich

Lieblingszeitschrift: Bündner Jäger Mein Vorbild:

Jede/r von der/m man lernen kann

Wenn ich Lehrmeister wäre, würde ich für meine Auszubildenden… alles tun, damit sie eine erfolgreiche und gute Lehre abschliessen können – Spass muss auch sein! Forstwart ist der geilste Beruf weil… man in der freien Natur arbeitet und man die Natur schätzen lernt. Wäre ich Millionär würde ich… nochmals alles genauso weitermachen, wie bisher. Geld alleine macht nicht glücklich! Den Bündner Wald lese ich… heute zum ersten Mal so richtig bewusst – aber ich arbeite ja im Bündner Wald!

Hause schon solche Arbeiten verrichtet hat, wenn man sich für eine Forstwartlehre ent‑ scheidet. MN : Dann muss man sicher noch sehr ­naturverbunden sein – dies ist nichts für Stubenhocker! Björn Riedl und Andrej Mathis – lernen vom Oberstift (Bild: Sandro Krättli)

AM: Die Unterstifte haben es schon gut umschrieben …lacht. Was findet ihr die interessanteste Arbeit, welche ihr hier verrichten dürft? Alle: Dies ist für uns alle klar das Holzen mit allen verschiedenen Arbeitsschritten. Dies beginnt beim Fällen der Bäume bis zur Bringung mit den verschiedenen Ma‑ schinen wie Rückefahrzeug oder Seilkran‑ anlagen. Müsst ihr auch Arbeiten verrichten, welche nicht typisch für einen Forstwart sind? AM : Dies kann schon mal vorkom‑ men, ist aber eher die Ausnahme. Dass wir mal einspringen beim Zügeln oder beim Bauamt aushelfen, kommt schon Bündner Wald 4/2009 33


vor. Meist ist es aber nur für eine kurze Zeit und dann auch eine willkommene Abwechslung. Neben den Lieblingsarbeiten gibt es sicher auch Dinge, die ihr nicht so gerne macht? BR : Lacht … die gibt es schon: von Hand mähen und pflanzen ist nicht gerade meins. Da läuft mir einfach zu wenig! AM : Ja, das kann ich nur bestätigen. Mähen wir mit dem Freischneider, sieht die Sache schon anders aus. Gab es während eurer Lehre schon so einen richtigen «sch…» Tag den ihr lieber streichen würdet? BR : Es war ein Montag in meinem ersten Holzschlag. Ich wollte einen Baum fällen. Es dauerte Stunden, bis er am Boden lag mit allen Querelen. Danach ging irgendwie auch alles Weitere nicht mehr so richtig. Die ganze Woche war zum Vergessen.

AM : Ja, solche Tage gibt es einfach. Dies wird

jedoch von Lehrjahr zu Lehrjahr immer besser. Du kannst dir an manchen Tagen noch so viel Mühe geben, es geht deswegen trotzdem alles schief. Es ist aber auch schön zu merken, dass diese Tage weniger werden und man alles immer besser in den Griff bekommt. Stellt euch vor, ihr seid gerade im Ausgang. Eine tolle, junge Frau spricht euch an und möchte wissen, was ihr beruflich so macht? MN : Ich bin Forstwart. Dies ist sehr hart. Ich bin immer draussen, und es ist sehr gefährlich! AM : Lacht … Ja genau, und dann würde ich noch all meine Fotos auf dem Natel von unseren krassen Maschinen zeigen. Zudem würde ich meine Narbe an der Schulter erwähnen. Wenn Sie will, darf sie diese natürlich auch bestaunen. Dazu würde ich ihr schildern, wie das Ganze geschehen ist. Schliesslich schleuderte mir ja

Steckbrief Mathias Naef Lehrjahr:

2. Lehrjahr

Geburtsdatum:

20. August 1991

Wohnort:

Paspels

Motorsäge:

Stihl

Lieblings Arbeit:

Holzen

Hobbys:

Fischen, Strahlen, Pilzeln

Traumauto:

Peugeot 205

Traumfrau:

liebe, schöne, schlaue Frau

Lieblingszeitschrift: Blick Forstwart ist der geilste Beruf weil… er sehr vielseitig ist. Wäre ich Millionär würde ich… nach Kanada auswandern! Den Bündner Wald lese ich… nur selten – wenn er einen guten Bericht drin hat.

34


mit Freischneiden ein Armierungseisen in die Schulter – auch wenn ich nach einem kurzen Arztbesuch wieder weiterarbeiten konnte – beeindrucken würde dies sicher! Wie kann man denn besser Frauen aufreissen – verschwitzt mit Schnittschutzhosen oder «geschniegelt» in Ausgangskleidern? MN : Ganz klar in Schnittschutzhose, direkt nach der Arbeit … AM : … ja man riecht ja auch viel besser – heimelig nach Holz! Was sind die Stärken eurer Mitstifte? Beurteilt euch mal gegenseitig. AM : Bei Björn ist sicherlich sehr positiv, dass er bereits im ersten Lehrjahr die Arbeit sieht, die ansteht – dies ist nicht selbstverständlich. BR : Danke fürs Kompliment! Dies kommt vielleicht daher, weil ich schon früh mit meinem Onkel und Grossvater beim Holzen dabei war. BR : Mathias arbeitet sehr schnell. Von uns Lehrlingen ist er sicher der speditivste. MN : Andrej ist unser Platzhirsch – Oberstift halt! – Wenn wir gemeinsam unterwegs sind, übernimmt er die Führung und macht dies auch gut. Der wird bestimmt ein guter Militärpolizist … lacht. Björn Riedl bei der modernen Brennholzaufbereitung (Bild: Sandro Krättli)

Parkdienst an der grossen Säge – Mathis Naef beim schärfen (Bild: Sandro Krättli)

Was darf in deinem Rucksack nie fehlen? MN: Wie aus der Pistole geschossen … eine Banane und Schoggi. BR : Etwas zu trinken. AM : Joghurt. Ist es eurer Ansicht nach gerechtfertigt, dass ein Forstwart-Lehrling einen solch hohen Lohn hat? BR : Ich finde schon. Im Vergleich leisten wir relativ schnell schon viel und sind auch gewissen Gefahren ausgesetzt. Dies ist bei einer Bürolehre sicher anders. AM : Das finde ich auch. Zudem muss der Wald bewirtschaftet sein. Würden wir dies nicht tun, könnten wir hier nicht mehr leben. Maurer-Lehrlinge haben auch hohe Löhne. Ich finde jedoch nicht, dass deren Arbeit wichtiger ist. Ich finde, es hat schon Bündner Wald 4/2009 35


Steckbrief Björn Riedl Lehrjahr:

1. Lehrjahr

Geburtsdatum:

16. September 1991

Wohnort:

Jenins

Motorsäge:

Stihl

Lieblings Arbeit:

Holzen

Hobbys:

Nationalturnen, TV, Jagd, Freunde/in usw.

Traumauto:

Seat Leon Sport

Traumfrau:

Meine Freundin

Lieblingszeitschrift: Schlussgang, (Bündner Wald) Lieblings Band:

ACDC

Mein Vorbild:

Es gibt viele

Lebensmotto:

lebe jeden Tag, wie du ihn antriffst

Wenn ich Lehrmeister wäre, würde ich für meine Auszubildenden… tun, was richtig wäre. Forstwart ist der geilste Beruf weil… er so vielseitig ist. Wäre ich Millionär würde ich… einfach weiter leben. Den Bündner Wald lese ich… wenn er mit der Post zu Hause ankommt.

genug Häuser – den Wald muss man aber ständig pflegen und bewirtschaften.   Was war das krasseste Erlebnis, welches du bisher während deiner Lehre erlebtest? BR : Dies war sicherlich beim Rücken, als ich zu Tode erschrak. Das Holz wurde oberhalb von mir weggezogen und löste sich unglücklich. Es steuerte genau zu mir und blieb einen halben Meter vor mir stehen. MN : Zu Hause habe ich mal Sturmholz gerüstet. Als ich am nächsten Tag mit der Arbeit weiterfahren wollte, lagen Stöcke – die wir tags zuvor abstockten – gelöst, einige Meter weiter unten. Da hatte ich schon ein mulmiges Gefühl, als ich daran dachte, was geschehen wäre, wenn ich noch dort gestanden hätte! 36

AM : Mein Erlebnis war auch beim Rücken. Als wir eine Buche mit der Winde umziehen wollten und sich dabei der Ankerbaum der Umlenkrolle entwurzelte. Der umstürzende Baum verfehlte den Fäller nur um wenige Zentimeter.

Hattet ihr selbst schon Unfälle? BR : Nur einen Bagatellunfall. Beim Ästeräumen traf mich ein Ast unglücklich im Auge. Der Arzt erteilte mir einen halben Tag Arbeitsverbot. MN : Glücklicherweise bin ich bisher von Unfällen verschont geblieben. AM: Das ist eben die Geschichte mit dem Armierungseisen. War eine kleine Sache, welche mit zwei, drei Stichen genäht wurde – ich konnte gleich weiterarbeiten.


Gefällt es euch in der Berufsschule? BR : Es gibt viele interessante Inhalte. Es gibt aber auch viele Wiederholungen … MN : … ja zum Beispiel die SUVA-Broschüren … lacht. AM: Es war schön, gut ist es vorbei … lacht, mit einem hämischen Blick zu seinen «Unter»-Stiften. Ihr habt hier beim Zweckverband Falknis ein besonderes Projekt vor – erzählt davon. BR : Ja, wir drehen einen Film über den Forstwartberuf. AM: Vom Aufstehen bis wieder zum Einschlafen soll der Tag eines Forstwartes begleitet werden. Lorenz, unser Gruppenlei-

«Schlitzohren» unter sich… (Bild: Sandro Krättli)

ter, wird dabei auf Schritt und Tritt verfolgt. Beim Zähneputzen, Znüni und natürlich bei verschiedenen forstlichen Tätigkeiten. Wir anderen werden grössere oder kleinere ­Nebenrollen besetzen.

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sicher eine Option. Ich wurde als Militärpolizist ausgehoben – mal sehen, wie mir dies gefällt, evtl. mache ich auch im Militär weiter.

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Möchtet ihr ein Leben lang Forstwart sein? BR : Darüber habe ich mir auch schon viele Gedanken gemacht, bin aber noch zu keinem Schluss gekommen. Ich warte mal die Rekrutenschule ab. MN : Auch ich mache erst einmal das Militär. Danach würde ich gerne auf Reisen gehen. Ein Fernziel wäre es, nach Kanada auszuwandern! AM : Man flucht vielleicht viel über die Polizei, aber für mich wäre die Polizeischule

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Habt ihr schon an einer Holzereimeisterschaft mitgemacht? Alle: Nein.   Keine Lust? AM : Für mich ist das nichts. Ich habe Mühe damit, dass Aussenstehende glauben, man könne dort den besten Holzer oder Forstwart erküren. Ich finde, es gehört schon mehr dazu, als ein paar Latten zu halbieren und einen Baum auf einem Ballon zu fällen – aber dies muss natürlich jeder selber wissen. Gäbe es einen absoluten Traumberuf für euch? BR: In jungen Jahren Forstwart! Andere: Genau!   Möchtet ihr noch etwas Wichtiges loswerden? AM : Ja – wir haben einen vorbildlichen Lehrbetrieb … lacht … Da hat der Chef Freude, wenn er es liest.

Sandro Krättli, Redaktor Bündner Wald Sagastägstr. 96, CH-7220 Schiers sandro.kraettli@afw.gr.ch


Forstwart bleiben oder  einen anderen Beruf erlernen? Die Karriere im Wald beginnt heute in den meisten Fällen mit der Forstwartausbildung. Wer sich beruflich weiterentwickeln will, dem stehen verschiedene Weiterbildungen offen. Sie führen zum Beispiel zu einer Spezialisierung und damit zu einer neuen beruflichen Tätigkeit im Wald. Nachfolgend werden drei eidgenössisch anerkannte Berufsabschlüsse vorgestellt: der Forstmaschinenführer, der Seilkran-Einsatzleiter und der Forstwart-Vorarbeiter. Alle drei Berufe können selbstverständlich auch von Frauen ausgeübt werden.   Der Beruf als Forstwart ist keineswegs eine berufliche Sackgasse. Wer bereit ist, sich weiterzubilden, kann innerhalb und ausserhalb unserer Branche zu einem neuen, ebenfalls attraktiven Beruf kommen. Als Erstes bietet sich an, ein berufliches Ziel im Wald anzusteuern. Drei Weiterbildungen führen zu einem eidgenössisch anerkannten Berufsabschluss: Es sind dies die Berufe als Forstmaschinenführer, Seilkran-Einsatzleiter und Forstwart-Vorarbeiter. Alle drei Weiterbildungen sind aus Modulen aufgebaut, die berufsbegleitend besucht werden können. Die Weiterbildungen werden mit einer Berufsprüfung abgeschlossen, die im letzten Modul – im sogenannten Integrations­modul – stattfindet. Die Berufsprüfungen der drei Berufe sind in einer Prüfungsordnung geregelt. Diese kann zusammen mit der dazugehörenden Wegleitung unter www.codoc.ch heruntergeladen werden.   Forstmaschinenführer werden Forstmaschinenführer sind auf das Führen von Forstmaschinen spezialisiert. Sie arbeiten mit Forstschlepper, Tragschlepper («Forwarder») oder Vollernter («Harvester») und warten diese Maschinen. Der

Beruf setzt Interesse an diesen Maschinen und technisches Verständnis voraus. Der Beruf ist aber auch ziemlich einsam, Forstmaschinenführer arbeiten überwiegend alleine und selbständig. Während Forstschlepper in vielen Forstbetrieben eingesetzt werden, sind es oft Forstunternehmer, die mit Tragschleppern und Vollerntern arbeiten. Um diese sehr teuren Maschinen auszulasten, arbeiten die Forstunternehmen oft auch im Ausland. Die Forstmaschinenführerausbildung besteht aus fünf Modulen. Wahlweise absolviert man eine der drei Fachrichtungen Forstschlepper, Tragschlepper oder Vollernter. Wer die Berufsprüfung machen will, muss mindestens 600 Maschinenstunden nachweisen. Die Forstmaschinenführerwei­ terbildung wird in der Deutschschweiz von Waldwirtschaft Schweiz WVS angeboten. Neben dieser Weiterbildung gibt es auch den informellen Weg über die Praxis. Dazu muss man eine Stelle bei einem Forstunternehmen mit den entsprechenden Forstmaschinen finden. Die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten eignet man sich nach und nach durch die Tätigkeit in diesem Betrieb an. Ein dritter Weg ist derzeit in Vorbereitung: man steigt mit einem Praktikum in den Beruf als Forstmaschinenführer ein. Forwarder im Einsatz (Bild: CODOC )

Bündner Wald 4/2009 39


Teambesprechung im Wald (Bild: CODOC )

Forstwart-Vorarbeiter werden Forstwart-Vorarbeiter haben die Aufgabe, draussen im Wald ein Team zu führen. Sie sind vor Ort für Planung, Organisation und Durchführung von Arbeiten wie Holz­ernte, Waldpflege und Bauprojekte zuständig. Sie vertreten häufig den Betriebsleiter und bilden oft auch Lehrlinge aus. Im Gegensatz zum Forstmaschinenführer ist diese Tätigkeit keineswegs einsam: der ForstwartVorarbeiter muss gut kommunizieren, Mitarbeiter anleiten und motivieren können. Er ist Chef, Vorbild und Kollege gleichzeitig. Forstwart-Vorarbeiter werden meistens von grösseren Forstbetrieben angestellt. Die Forstwart-Vorarbeiter-Weiterbildung besteht aus 7 Grundlagen- und 9 Spezialisierungsmodulen. Wer die 7 Grundlagenmodule absolviert hat, kann auch die Försterausbildung ins Auge fassen. Er muss dazu noch eine Eignungsprüfung bestehen. Die Forstwart-Vorarbeiter-Weiterbildung wird – wie die Försterausbildung – von den beiden Bildungszentren Wald in Lyss und Maienfeld angeboten (Infos: www.bzwmaienfeld.ch).   Seilkran-Einsatzleiter werden Während im befahrbaren Gelände für das Holzrücken Forstmaschinen eingesetzt werden, sind es im steilen Gelände Seilkrananlagen. Seilkran-Einsatzleiter sind für 40

die Planung, die Montage und den Einsatz dieser Anlagen zuständig. Sie koordinieren die anfallenden Arbeiten, treffen die nötigen Sicherheitsvorkehrungen und leiten das Team. In diesem Sinne braucht es für diese Tätigkeit sowohl technisches Verständnis wie auch die Freude an Kommunikation und Führung. Seilkran-Einsatzleiter sind Spezialisten, die häufig von privaten Forstunternehmen angestellt werden oder sich auch selbständig machen. Die Seilkran-Einsatzleiter-Weiterbildung be‑ steht aus 6 Modulen. Die Weiterbildung wird mit einem Praktikum von 8 bis 12 Wochen Dauer abgeschlossen. Am Ende dieses Praktikums findet auch die Berufsprüfung statt. Die Seilkran-Einsatzleiter-Weiterbildung wird vom Bildungszentrum Wald Maienfeld angeboten (www.bzwmaienfeld.ch). Seilkran-Einsatzleiter: Eine verantwortungsvolle Tätigkeit (Bild: CODOC )


Grundlegende Informationen über die drei obigen Weiterbildungen können unter www.codoc.ch abgerufen werden. Wer sich für einen der Berufe interessiert, sollte sich jedoch auch bei den Anbietern der Weiter­ bildungen und bei Kollegen, die diesen Beruf bereits ausüben, über Voraussetzun­ gen, Tätigkeit, Stellenangebot, Verdienst­ möglichkeiten usw. informieren.

Rolf Dürig, Geschäftsleiter CODOC CODOC Postfach 339, CH-3250 Lyss rolf.duerig@codoc.ch

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Bündner Wald 4/2009 41


Sicherheit bei  der Sommerholzerei Das Thema «Sommerholzerei» wurde in Artikeln und Leserbriefen in den Ausgaben 8/08 und 10/08 von « WALD und HOLZ » kontrovers diskutiert. Das Augenmerk bei Holzerntearbeiten in der warmen Jahreszeit sollte sich neben Ökologie, Wirtschaftlichkeit und Holzqualität besonders auf die Sicherheit und den Gesundheitsschutz richten. Zusätzliche Massnahmen in diesem Bereich sind zwingend.    Unfallschwerpunkt Nummer eins ist nach wie vor das Fällen von Bäumen. Das entsprechende Unfallrisiko ist für die Mitarbeitenden in belaubten Laub- und Mischholzbeständen im Sommer stark erhöht, da die Beurteilung der zu fällenden Bäume sowie deren Umgebung sich schwierig gestaltet. Mit den Nachbarbäumen verhängte Kronen und Äste sowie dürre oder abgebrochene Kronenteile sind sehr schwer zu erkennen und stellen besondere Gefährdungen dar. Auch zurückfliegende Äste – ausgelöst durch den Fall des Baumes – werden sehr spät oder gar nicht gesehen. Der Motorsägeführer muss in der Sommerholzerei daher erst recht die Überwachung des Fäll- und Gefahrenbereiches sicherstellen. Die persönDie gegenseitige Sichtbarkeit kann mit der falschen Farbe der persönlichen Schutzausrüstung verunmöglicht werden. (Bild: SUVA )

Die gegenseitige Sichtbarkeit kann mit der richtigen Farbe der persönlichen Schutzausrüstung unterstützt werden. (Bild: SUVA )

liche Schutzausrüstung mit Helm, Gehör-, Gesichts- und Augenschutz, signalfarbenem Oberteil, Handschuhen, Schnittschutzhosen und Arbeitsschuhen mit rutschfester Sohle ist auch im Sommer zu tragen. Bei hohen Temperaturen und schweisstreibender Arbeit kann dies zu eingeschränkter Wahrnehmung bis hin zu Hitzestau führen. Es ist deshalb von grosser Wichtigkeit, dass die Flüssigkeitszufuhr ausreichend ist und genügend durststillende Getränke am Arbeitsort vorhanden sind. Sichtbarkeit der Arbeitskollegen Das Spiel von Licht und Schatten sowie die vielfältigen Farbnuancen der Blätter unserer Waldpflanzen im Tages- und Jahreszeitenverlauf von Frühsommer, Sommer und

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Herbst sind faszinierend. Doch gerade die gegenseitige Sichtbarkeit der Mitarbeiten‑ den bei Holzerntearbeiten ist in diesen Jah‑ reszeiten durch das belaubte Unterholz stark eingeschränkt bis gar nicht mehr gegeben. Das kann bei allen Beteiligten zu Unsicher‑ heit führen und eine hohe mentale Belas‑ tung darstellen. Es ist daher wichtig, auch an wärmeren Tagen signalfarbene Oberteile zu tragen.    Schutz von Drittpersonen Im Gegensatz zur kälteren und unwirtli‑ cheren Jahreszeit sind bei wärmeren Tem‑ peraturen vermehrt Drittpersonen im Wald unterwegs – auf Strassen und Wegen, aber auch im Unterholz. Sie sind aufgrund der Vegetation nicht leicht zu erkennen. Auch darauf ist – beispielsweise mit grossräumi‑ ger und konsequenter Signalisation – zu achten. Die Verantwortung für den Schutz von unbeteiligten Personen liegt beim Forstbetrieb, bei den Vorgesetzten und den ausführenden Mitarbeitern. Daraus resul‑ tiert ein entsprechender Mehraufwand für alle Mitarbeitenden.

Sommerholzerei – ja oder nein? Die Sommerholzerei bringt nebst den be‑ kannten noch zusätzliche Risiken. Die Sicher‑ heit und die Gesundheit der Mitarbeiten‑ den und der Drittpersonen muss im Betrieb thematisiert werden. Bei einem Entscheid für die Sommerholzerei sind zwingend zu‑ sätzliche Sicherheitsmassnahmen zu treffen. Die entsprechende Gefahrenermittlung und Massnahmenplanung sind spätestens in der Arbeitsvorbereitung anzupacken und zu do‑ kumentieren. Othmar Wettmann SUVA

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Sicherheitskultur in den Bündner Forstbetrieben Entwicklung seit der Einführung der Branchenlösung Forst Arbeitssicherheit und Sicherheitskultur sind Schlagworte, welche in vergangener Zeit in der Forstbranche immer wieder für angeregte Diskussionen gesorgt haben. Auch gegenwärtig ist die Debatte über die Arbeitssicherheit in den Schweizer Forstbetrieben in vollem Gange. Die zehn neuen Verhaltensregeln für sichere Holzerntearbeiten der SUVA haben die Debatte zu einem Dauerthema gemacht. Im Rahmen einer Semesterarbeit wurde an der Schweizerischen Hochschule für Landwirtschaft ( SHL ) die Entwicklung der Sicherheitskultur in den Bündner Forstbetrieben, seit der Einführung der Branchenlösung Forst im Jahre 1998, untersucht. Ein Ziel dieser Arbeit war es, fundierte Angaben über die Etablierung der Branchenlösung Forst in den Bündner Forstbetrieben zu liefern. Ein weiteres Ziel bestand darin, herauszufinden, wie die Branchenlösung Forst von den Bündner Betriebsleitern und auch von den Sicherheitsfachmännern der SUVA rückblickend beurteilt wird.   Vorgehen Um die nötigen Informationen über die Thematik der Branchenlösung Forst im Kanton Graubünden zu erhalten, wurden zehn Forstbetriebe aus der Region Nordbünden befragt. Die Auswahl der Forstbetriebe erfolgte anhand der Kriterien «Grösse und Organisation des Forstbetriebs» sowie der «Anzahl Dienstjahre des Betriebsleiters». So konnten als Interviewpartner Betriebsleiter befragt werden, welche teilweise schon vor der Einführung der Branchenlösung Forst in ihren Forstrevieren tätig waren. Mit Hilfe der so erhaltenen Informationen konnten die Veränderungen in den betrieblichen Sicherheitsstrukturen sowie der betrieblichen 44

Sicherheitskultur veranschaulicht werden. Nebst diesen zehn Betriebsleitern wurden zudem Personen vom Amt für Wald und von der SUVA befragt.   Sicherheitskultur in den Bündner Forstbetrieben gestern und heute Unter dem Begriff «Sicherheitskultur» kann die Pflege des betrieblichen Sicherheitsbewusstseins verstanden werden. Vor der Einführung der Branchenlösung Forst im Jahre 1998 wurde diese Pflege des Sicherheitsbewusstseins in den Bündner Forstbetrieben nur rudimentär wahrgenommen. Der Grund dafür war nicht Desinteresse, sondern das Fehlen des nötigen Wissens für eine optimale Pflege des Sicherheitsbewusstseins. Dies soll jedoch nicht bedeuten, dass die Betriebsleiter damals nicht mit bestem Wissen und Gewissen versuchten, ihren Mitarbeitenden einen möglichst sicheren Arbeitsplatz zu gestalten. Mit dem vorhandenen Wissen aus ihrer bisherigen Ausbildung, in Kombination mit den damals schon vorhandenen Checklisten der SUVA, wurde versucht die Waldarbeit möglichst sicher zu gestalten. Es erstaunt daher nicht, dass nur in wenigen Forstbetrieben ein eigentliches Sicherheitskonzept vorhanden war. Auch Pflichtenhefte, Stellenbeschriebe oder Wochen- und Jahrespläne waren in den Forstbetrieben nur selten anzutreffen. Die Verteilung der Verantwortlichkeiten und Kompetenzen innerhalb des Forstbetriebs wurde ausschliesslich mündlich geregelt. Jedoch ist die Entschädigung von Arbeits- und Schutzbekleidung in den meisten Betrieben bereits Mitte der 90 er Jahre geregelt worden. Sicherheitskontrollen oder Audits, wie sie heute in der Forstwirtschaft vorgenommen werden, wurden bis Mitte der 90er Jahre kaum praktiziert. Anfang der 90 er Jahre verunfallten in der Schweiz mehr als 400 von 1000 Vollbe-


Durch verschiedene Massnahmen wie z.B. die Einführung des Bonus-Malus-Systems in der Berufsunfallversicherung oder der Weiterbildung der Betriebsleiter wurde von der SUVA versucht, die Arbeitssicherheit und der Gesundheitsschutz in der Forstwirtschaft zu verbessern. Durch diese Kampagne fand Anfang der 90 er Jahre eine Sensibilisierung in punkto Arbeitssicherheit statt und die Sicherheitskultur in den Bündner Forstbetrieben begann sich zu verändern. Diese Veränderung zeigt sich auch in Abb. 2, wo die absoluten Unfallzahlen von 1992 bis 1998 in den Bündner Forstbetrieben dargestellt sind. Es ist in der Abbildung zu erkennen, dass von 1992 bis 1998 die Anzahl Unfälle von 375 auf 215 gesunken ist.   Natürlich kann jetzt die Frage gestellt werden, warum 1998 die Branchenlösung Forst überhaupt eingeführt wurde, wenn sich doch die Unfallzahlen auch ohne Branchenlösung so erfreulich entwickelt haben? Die Antwort auf diese Frage liegt in der Einführung der EKAS-Richtlinie 6508 und der darauf basierenden ASA-Richtlinie (die Richtlinie über den Beizug von Arbeitsärzten und anderen Spezialisten der Arbeitssicherheit), welche neben diversen anderen Massnahmen ab dem 1. Januar 2000 auch eine betriebsspezifische Risikoanalyse vorschrieb. Um diese gesetzlichen Verpflichtungen erfüllen zu können, gab es für die Forstbetriebe und Forstunternehmungen verschiedene Möglichkeiten. Die einfachste und billigste Art diese neuen Anforderungen zu erfüllen, war der Anschluss an die Branchenlösung

Suva-Kampagne «Wald-Sicherheit ist machbar!»

450 400 350 300 250

1975

1980

1985

1990

1995

2000

Abb. 1: Berufsunfälle pro 1000 Vollbeschäftigte von 1975 bis 2003 in der Schweiz (Bild: Wettmann 2005)

Forst, welche daraufhin in vielen Betrieben im Jahr 1998 und in den folgenden Jahren eingeführt wurde. Die heutige Sicherheitskultur in den Bündner Forstbetrieben unterscheidet sich in einigen wesentlichen Punkten von der früheren. Die Betriebsleiter haben unterdessen verstanden, dass Sicherheit am Arbeitsplatz eine Führungsaufgabe ist und dass das Image der Forstwirtschaft gewissermassen daran gemessen wird. Die Arbeitssicherheit ist in der Forstwirtschaft inzwischen zu einem wichtigen Teil in der Arbeitsplanung geworden, welche bei sämtlichen Tätigkeiten BeAbb. 2: Anzahl Berufsunfälle im Kanton

Graubünden von 1992 bis 1998 (Bild:im SUVA 2008) Graubünden Anzahl Berufsunfälle Kanton

400

von 1992 bis 1998 373

350 303

300

Anzahl Unfälle

schäftigten in öffentlichen Forstbetrieben und privaten Forstunternehmungen pro Jahr ( Abb. 1 ). Dieser untragbare Zustand veranlasste die SUVA die Kampagne «WaldSicherheit ist machbar!» zu lancieren.

265

250

245

244

245

1995

1996

1997

200

215

150 100 50 0

1992

1993

1994

Jahr

1998

Bündner Wald 4/2009 45


rücksichtigung findet. In gewissen Betrieben wurde dieses Thema sogar in den Betriebsplan mit aufgenommen. Durch die heute gemeinsam festgelegten Sicherheitsziele und das betriebliche Sicherheitsleitbild wird eine Marschrichtung vorgegeben, in welcher gearbeitet werden soll. Die schriftlich fixierte Sicherheitsorganisation vermag durch ihre Organigramme, Stellenbeschreibungen, Inventarlisten und Verantwortlichkeiten Missverständnisse in der Kommunikation und Mängel an den Gerätschaften sowie den Maschinen zu vermeiden. Die Arbeitsplanung erfolgt heute über einen grösseren Zeitrahmen als früher. Durch die Wochen- und Jahrespläne können die Angestellten schon früh von den geplanten Arbeiten Kenntnis nehmen und sich darauf einstellen. Auch im Bereich der Sicherheitskontrollen durch den Betriebsleiter oder durch den zuständigen Sicherheitsbeauftragten ( SIBE ) der Gemeinde fand ein Wandel statt. Die heute periodisch durchgeführten Audits machen den Betriebsleiter auf «Sicherheitslücken» während der betrieblichen Leistungserstellung aufmerksam, und er kann diese innerhalb seines Teams besprechen und beheben. Anders sieht die Situation bei den Mitarbeitergesprächen aus. Diese werden in den

Bündner Forstbetrieben eher weniger durchgeführt. Der Grund dafür ist vielerorts der sehr kleine Personalbestand in den Forstbetrieben. Durch die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten in einem kleinen Team können Anregungen immer situationsbezogen und von beiden Seiten eingebracht werden, so die Meinung einiger Betriebsleiter. Zusammenfassend gesagt hat sich die Sicherheitskultur in den Bündner Forstbetrieben positiv entwickelt, auch wenn nicht alle vorgesehenen Massnahmen der Branchenlösung Forst wunschgemäss umgesetzt werden. Abb. 3 zeigt die Anzahl der absoluten Unfälle in Bündner Forstbetrieben von 1992 bis 2007. Es ist erkennbar, dass die Unfallhäufigkeit vor allem in den Jahren 1992 bis 1998 stark zurückgegangen ist. Auffallend ist jedoch, dass die Abnahme der Unfallhäufigkeit seit dem Jahr 2000 stagnierend ist oder sogar wieder leicht zugenommen hat. Warum diese Stagnation stattgefunden hat, konnte in dieser Semesterarbeit nicht eindeutig beantwortet werden. Es ist aber davon auszugehen, dass einerseits die Aufräumarbeiten der Hitze- und Dürreschäden vom Hitzesommer 2003 und andererseits die damit verbundene Mehrbeschäftigung im Wald einen starken Einfluss gehabt haben.

Graubünden Abb. 3: Anzahl AnzahlBerufsunfälle Berufsunfälleim imKanton Kanton Graubünden von 1992 bis 2007 (Bild: SUVA 2008) von 1992 bis 2007 400 350

Anzahl Unfälle

300 250 200 150 100 50 0

46

1992

1993

1994

1995

1996

1997

1998

1999

Jahr

2000

2001

2002

2003

2004

2005

2006

2007


Die Branchenlösung Forst aus der Sicht der Betriebsleiter Grundsätzlich finden die befragten Betriebsleiter die Branchenlösung Forst ein gutes und nützliches Hilfsmittel. Es wird betont, dass die Branchenlösung Forst vor allem im organisatorischen Bereich einige betriebliche Verbesserungen gebracht hat (bspw. längerfristige Planung, Unterhaltsblätter der Maschinen etc.). Viele Betriebsleiter sind zudem der Ansicht, dass sich die im Jahr 2005 erschienene überarbeitete Version der Branchenlösung Forst erheblich verbessert hat. Insbesondere wird das neue 10-Punkte-System (Gliederung des Inhaltsverzeichnisses) positiv erwähnt. Der mit der Branchenlösung Forst angestrebte Sicherheitsstandard wird als ausreichend empfunden. Daher sind viele Betriebsleiter der Ansicht, dass die gegenwärtig praktizierte Lösung bezüglich Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz zu 100% den vorhandenen Bedürfnissen entspricht. Ein Ausbau oder eine Erweiterung der aktuellen Branchenlösung wird mehrheitlich als «nicht nötig» beurteilt. Die Branchenlösung Forst aus der Sicht der SUVA Aus Sicht der SUVA wird das über‑ arbeitete branchenspezifische Sicherheitssystem (Handbuch) der Branchenlösung Forst als aktuell und auf einem guten Stand beurteilt. Es wurde aber festgestellt, dass die Branchenlösung Nr. 2 im Moment noch nicht alle Anforderungen der revidierten EKAS-Richtlinie Nr. 6508 (Ausgabe Januar 2007 ) erfüllt. Laut der SUVA haben die Anstrengungen zur Veränderung der Sicherheitskultur in den Betrieben gleichzeitig auch positive Entwicklungen im Freizeitverhalten der

Mitarbeitenden ausgelöst. Die Häufigkeit von Nichtbetriebsunfällen hat markant abgenommen. Des Weiteren ist die SUVA der Ansicht, dass sich die Branchenlösung Forst in der Forstwirtschaft mittlerweile etabliert hat. In der Schweiz waren im Jahr 2007 1109 Betriebe der Branchenlösung Forst Nr. 2 angeschlossen. Dies sind gemessen an der Anzahl Vollbeschäftigter mindestens 81%. Zur Weiterentwicklung der Branchenlösung Nr. 2 wurden von den verantwortlichen Gremien diverse Massnahmenvorschläge ausgearbeitet, welche in der Periode 2007 bis 2009 umgesetzt werden sollen (Wettmann 2007 ). Schlussbemerkungen Die Branchenlösung Forst ist vor 11 Jahren eingeführt worden. Sie hat sich in der Zwischenzeit in der Bündner Forstwirtschaft etabliert und ist zu einem festen und wichtigen Bestandteil in der Betriebsführung geworden. Die Bewährungsprobe hat sie kurz nach ihrer Einführung mit dem Orkan Lothar 1999 erlebt und sehr gut gemeistert. Bei überbetrieblicher Zusammenarbeit aller Art ist es ein enormer Vorteil, wenn alle Akteure denselben Sicherheitsstandard anstreben und auch durchsetzen. Abschliessend haben wir alle den Wunsch, selbst von schweren Unfällen verschont zu bleiben. Wir sollten daher unser Möglichstes tun, damit dieser Wunsch in Erfüllung geht.

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Bündner Wald 4/2009 47


Resgia – Report 04/09 Publireportage Ende der Kurzarbeit Die Mayr-Melnhof Holz-Gruppe hat auf Grund der derzeit saisonal verstärkten Nachfrage die Einschnittmenge im Sägewerk Domat/Ems erhöht! Für die von der Kurzarbeit betroffenen Mitarbeiter bedeutet dies, dass Sie wieder vollständig in der Produktion tätig sein können. Die kurzfristig notwendig gewordene Anpassung der Einschnittkapazität wird stufenweise wieder an die zu Jahresbeginn vorgenommene Mengenplanung herangeführt. Mayr-Melnhof Swiss Timber hofft, dass die Nachfrage auf den Holzmärkten mittelfristig anhält, so dass das geplante Produktionsvolumen auch über einen längeren Zeitraum eingehalten werden kann.

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Rundholzmarkt Tendenziell ist auf Grund der saisonal vermehrten Bautätigkeit sowie der gestarteten Konjunkturprogrammen eine vermehrte Nachfrage für Schnittholz festzustellen. Mit dem Abschluss der saisonalen Holzschläge, dem geringen Anteil an Sturmholz sowie einem kleinen Anteil an Käferholz herrscht derzeit Ruhe auf dem Rundholzmarkt. Die Lieferanten und Waldbesitzer sind aufge-


fordert, die Planung der Holzschläge voran­ zutreiben, um die Nachfrage nach Frisch­ holz zu erfüllen. Betreffend der Preissituation lassen sich noch keine langfristigen Prognosen abge­ ben, da sich die globale Wirtschaftssituation noch nicht merklich verbessert hat. Forstmesse Luzern In wenigen Wochen eröffnet die 20. Forst­ messe in Luzern ihre Tore auf der Luzerner Allmend. Die Schweizer Leitmesse, die vom 20. bis 23. August 2009 stattfindet, ist für die Wald- und Forstwirtschaft ein bedeu­ tender fachlicher und gesellschaftlicher Branchentreffpunkt. An der Leistungsschau, welche Tradition und Innovation verbindet, wird dieses Jahr die Mayr-Melnhof Swiss Timber AG das erste Mal präsent sein. Ganz nach dem Motto: wir suchen den Kontakt, wird unser Einkaufsteam auf der Messe präsent sein um Ihre Fragen und Anliegen kompetent zu beantworten.

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Bündner Wald 4/2009 49


Achtung Unfall! …und was lernst du daraus? Seit November 2008 haben sich bei Forstarbeiten sechs tödliche Unfälle ereignet. Eine tragische Tatsache, welche die ganze Branche aufgewühlt hat. Die SUVA postulierte daraufhin 10 Verhaltensregeln, welche an alle Forstbetriebe adressiert wurden und für einigen Gesprächsstoff sorgten.

Mit den folgenden Zeilen werden fünf Unfälle umschrieben, welche von der SUVA anonymisiert aufgearbeitet wurden, um Lehren und Erkenntnisse für die Arbeitssicherheit daraus zu ziehen und vor allem auf bestehende Sicherheitssvorschriften hinzuweisen.

Einig sind sich alle beim Grundsatz, dass der Arbeitssicherheit und dem Gesundheitsschutz höchste Priorität geschenkt werden muss. Jeder, der schon einen Unfall oder «Fast-Unfall» erleben musste, hatte neben einem Schock wohl auch ein tiefgreifendes Erlebnis, welches in Erinnerung bleibt. Diese natürliche Reaktion hat zur Folge, dass das Ereignis in unserem Gedächtnis gespeichert wird und wir bewusst oder unbewusst unsere Lehren daraus ziehen.

Fall 1: Schwere Beinverletzung durch Freischneidegerät Ein erfahrener Mitarbeiter erlitt schwere Schnittwunden und einen doppelten Beinbruch, als er Sträucher unsachgemäss mit einem Freischneidegerät zurückschnitt. P. und M., zwei erfahrene Betriebsangehörige, hatten den Auftrag, am Ufer eines Moorweihers Sträucher zurückzuschneiden. Sie verwendeten dazu Freischneidegeräte mit Grasmessern. P. arbeitete seit-

Nachgestellte Unfallsituation: Beim unsachgemässen Reinigen wurde die Motorsägenkette von der Drahtbürste erfasst. (Bild: SUVA )

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lich versetzt hinter M. mit zirka 30 Meter Sicherheitsabstand. Als P. am linken Bein plötzlich einen Schlag verspürte, schenkte er dem zuerst keine Beachtung. Erst als er das Bein belasten wollte und hinfiel, bemerkte er die schwere Verletzung an seinem Unterschenkel. Der Maschinenlärm war so gross, dass sich P. bei seinem Arbeitskollegen nicht bemerkbar machen konnte. Mit dem Handy gelang es ihm schliesslich, seinen Vorgesetzten zu benachrichtigen. Die Unfallabklärung ergab, dass die Mitarbeiter mit dem Grasmesser nicht Gras oder dünne Sträucher, sondern Stockausschläge geschnitten hatten. Um die Leistung des Freischneidegeräts zu erhöhen, hatten sie grössere Grasmesser eingesetzt. In der Folge brach die Antriebswelle, was auf die starken Schläge und die schnellere Ermüdung des Materials zurückzuführen war (grössere Umfanggeschwindigkeit und höheres Gewicht der Messer). Die Messer waren vom Hersteller des Freischneidegeräts nicht zugelassen, zudem fehlte die Typenbezeichnung und in der Gebrauchsanleitung der Hinweis, für welche Geräte die Messer zulässig sind. Der Schaltbügel muss, wenn er sich auf der vordersten Position in Einzugsrichtung befindet, in jedem Fall die Einzugswalzen anhalten oder zurückdrehen. (Bild: SUVA )

Von der Trichterkante bis zu den Einzugswalzen beträgt der gesetzlich vorgeschriebene Mindest­ abstand 150 cm. (Bild: SUVA )

So verhindern Sie ähnliche Unfälle: Arbeitgeber – Beschaffungsverfahren von Maschinen und Ersatzteilen in der Betriebsorganisation regeln, inklusive der Einführung neuer Maschinen. Betriebsleiter – Konformitätserklärung und Betriebs‑ anleitung vom Verkäufer verlangen und diese auf ihre Richtigkeit und Vollständigkeit prüfen. – Werkzeuge gemäss den Empfehlungen des Herstellers einsetzen. – Mitarbeitende nach den Vorgaben der Betriebsanleitung instruieren und Instruktionen dokumentieren. Arbeitnehmende – Mit der Arbeit erst nach ausreichender Instruktion beginnen. – Weisungen der Vorgesetzten befolgen. – Anweisungen in der Betriebsanleitung der Maschine befolgen. Fall 2: Von Holzhackmaschine erfasst Beim Zuführen von Ästen und Sträuchern in eine Holzhackmaschine verfing sich der Handschuh eines Mitarbeiters an einem Ast. In der Folge wurde sein Arm in die laufenden Hackmesser gezogen. Bündner Wald 4/2009 51


Im Auftrag der Gemeinde betrieb der Verunfallte zusammen mit einem Gemeindeangestellten den Häckseldienst für Gartenund Baumabfälle. Die beiden hatten schon mehrmals zusammen gearbeitet, waren ein eingespieltes Team und mit der Arbeit vertraut. Der Gemeindeangestellte brachte das Häckselgut zur Maschine und der Verunfallte führte es in den Trichter ein. Dabei verfing sich völlig unerwartet der rechte offene Handschuh an einem Astende. Der Verunfallte konnte sich nicht mehr losreissen und innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde war es passiert: Sein Arm wurde in die laufenden Hackmesser gezogen. Bevor die Maschine abgestellt oder der Rückwärtsgang geschaltet werden konnte, wurde sein Arm bis zum Ellbogen abgetrennt. Die Unfallabklärung ergab Folgendes: Das Hineinbeugen in den Einfülltrichter, um verholzte Pflanzenreste an die Einzugswalzen zu bringen, ist ein häufiger Bedienungsfehler. Dabei besteht die Gefahr, von den Einzugswalzen erfasst zu werden. Dies kann vermieden werden, indem Pflanzenreste auf lange Äste gelegt oder mit einem langen Stock zu den Einzugswalzen geführt werden. Zur korrekten persönlichen Schutzausrüstung gehören geschlossene Handschuhe mit Abschlussbund. So verhindern Sie ähnliche Unfälle: Arbeitgeber Maschinen, bei denen der Abstand zwischen Trichterkante und Einzugswalze weniger als 150 cm gross ist, sind veraltet. Diese müssen aus Sicherheitsgründen nachgerüstet   oder ersetzt werden. Der Abstand muss mindestens 150 cm betragen. Betriebsleiter Mitarbeitende regelmässig über den sicheren Umgang mit Holzhackmaschinen instruieren. Wichtige Instruktionsthemen sind: 52

– Einrichten des Arbeitsplatzes. – Richtiges Zuführen von Ästen und Pflanzenresten. – Hilfsmittel beim Zuführen. – Verhalten in Notfällen. – Tragen der persönlichen Schutzausrüstungen (dazu gehören Helm, Gesichtsschutz, Schutzbrille, Gehörschutz, anliegende und bequeme Warnkleidung, geschlossene Handschuhe mit Abschlussbund, festes Schuhwerk mit griffigen Sohlen). Arbeitnehmende – Weisungen der Vorgesetzten befolgen. – Anweisungen in der Betriebsanleitung befolgen.    Fall 3: Von Motorsägen-Kette schwer getroffen Ein Mitarbeiter eines Betriebs erlitt beim unsachgemässen Reinigen einer Motorsägenkette an einer Ständerschleifmaschine schwere Verletzungen. Die Kette wurde von einer Drahtbürste erfasst und gegen den Mitarbeiter geschleudert. Ein Mitarbeiter wollte die Kette einer Motorsäge mit Hilfe einer Drahtbürste reinigen. Die Drahtbürste war an der Ständerschleifmaschine auf der gleichen Welle neben der Schleifscheibe montiert. Der Mitarbeiter hielt die Kette mit beiden Händen an die rotierende Drahtbürste. Plötzlich blieb die Kette an der Drahtbürste hängen, wurde von dieser erfasst und dem Mann aus den Händen gerissen. Die Kette drehte sich weiter, wobei ein Ende wie eine Peitsche durch die Luft schlug. Bei der ersten Umdrehung wurden dem Mitarbeiter Zeige-, Mittel- und Ringfinger der rechten Hand abgeschlagen. Die sich weiterdrehende Kette schlug auf den wie angewurzelt stehen gebliebenen Verunfallten ein. Sie traf Hals, rechte Schulter und Bauch.


Als die Kette sich schliesslich in den Kleidern zu verfangen drohte, gelang es dem Verun‑ fallten, die nicht am Boden festgeschraub‑ te Ständerschleifmaschine so weit von der Wand wegzuzerren, dass der Stecker aus der Steckdose gerissen wurde. Dies rette‑ te dem Verunfallten vermutlich das Leben. Er kann heute wieder arbeiten – mit den zwei verbliebenen Fingern an der rechten Hand. Die Unfallabklärung ergab Folgendes: Ob‑ wohl der Mitarbeiter die Gefahren kannte, unterschätzte er diese und reinigte die Kette an der Drahtbürste. Zudem war die Draht‑ bürste, die zum Zubehör der Ständerschleif‑ maschine gehört, ständig montiert, obwohl sie nur selten eingesetzt wurde. So verhindern Sie ähnliche Unfälle: Arbeitgeber – Dafür sorgen, dass eine Konformitäts‑ erklärung des Herstellers oder Lieferanten vorliegt und die Maschine somit die grundlegenden Sicherheitsund Gesundheitsschutzanforderungen erfüllt.   Betriebsleiter – Regelmässig den Einsatz und den Zustand der Maschine überprüfen. Als Hilfsmittel zur Gefahrenermittlung und Massnahmenplanung eignet sich die Checkliste «Tisch- und Ständerschleifma‑ schinen» (Suva-Bestell-Nr. 67037.d). – Zusammen mit den Mitarbeitenden Regeln über den Einsatz des Zubehörs festlegen (Verhaltensregeln). – Mitarbeitende im sicheren Umgang mit Tisch- und Ständerschleifmaschinen instruieren. Arbeitnehmende – Weisungen der Vorgesetzten befolgen. – Mängel unverzüglich den Vorgesetzten melden.

Korrekt am Metallbügel eingehängter Karabinerhaken (Bild: SUVA )

Die häufigsten Mängel Bei Betriebskontrollen stellen die Sicher‑ heitsexperten der Suva immer wieder fest, dass Tisch- und Ständerschleifmaschinen Mängel aufweisen. Am häufigsten sind die folgenden Mängel: – fehlende Abdeckungen – fehlende Schutzbrille vor Ort – Abstand der Auflagen zur Schleifscheibe zu gross – Zubehörteile wie Drahtbürste oder Schwabbelscheibe sind ständig montiert, obwohl sie selten zum Einsatz kommen.   Fall 4: Klettergurt gerissen – sieben Meter in die Tiefe gestürzt Ein Forstwart sicherte sich beim Besteigen einer Lärche ungenügend und stürzte sieben Meter in die Tiefe. Zum Glück fiel er auf die abgesägten Äste, die den Sturz etwas dämpften. Zwei Mitarbeiter eines Forstbetriebs hatten den Auftrag, auf einem Privatgrundstück zwei Lärchen zu fällen. Weil ganz in der Nähe eine Telefonleitung war, mussten die Bäume stehend entastet und Stück für Stück abgetragen werden. Für diese Arbeiten lieh sich der Förster vom Nachbarrevier einen Masthaltegurt aus (Gurt zum Besteigen von Masten und Bäumen). Bündner Wald 4/2009 53


Der Forstwart kletterte mit Steigeisen und dem ausgeliehenen Gurt gesichert auf die erste Lärche. Er trug die dafür notwendige persönliche Schutzausrüstung. Mit der Motorsäge begann er von unten her alle Äste abzusägen und kappte schliesslich den Wipfel. Beim obersten Stammstück sägte der Forstwart die Fallkerbe und den Fällschnitt. Mit beiden Händen wollte er nun das Stammstück zum Überkippen bringen. Plötzlich rissen die Nähte der Nylonschlaufe am Masthaltegurt, und der Forstwart stürzte sieben Meter in die Tiefe. Glücklicherweise fiel er beim Stammfuss auf die abgesägten Äste, die den Sturz etwas dämpften. Dennoch erlitt der Verunfallte starke Prellungen am ganzen Körper. Die Unfallabklärung ergab, dass der Verunfallte den Karabinerhaken des Sicherungsseils nicht am dafür vorgesehenen Metallbügel eingehängt hatte, sondern am Metallring, der an einer Nylonschlaufe am Gurt angenäht war. Diese Nylonschlaufe ist jedoch nur für das Befestigen von Handwerkzeugen bestimmt. Unter dem Gewicht des Forstwarts und wegen anderer einwirkender Kräfte rissen die Nähte der Nylonschlaufe. Der Metallring samt Karabinerhaken des Sicherungsseils glitt aus der Schlaufe, und der nun ungesicherte Forstwart stürzte ab.   So verhindern Sie ähnliche Unfälle: Arbeitgeber – Nur sicherheitskonforme Steigausrüstungen und Absturzsicherungen zur Verfügung stellen. – Darauf achten, dass die Mitarbeitenden für das Besteigen von Bäumen genügend aus- und weitergebildet sind. Betriebsleiter – Bedienungsanleitung von Masthaltegurten mit Sicherungsseilen beachten. Dies 54

ist besonders wichtig bei gemieteten Ausrüstungen und erstmaligem Einsatz. – Mitarbeitende bezüglich korrekter Steigtechnik und Handhabung von Masthaltegurten instruieren. – Die Steigausrüstungen jährlich von einem Sachverständigen überprüfen lassen. Arbeitnehmende – Mit der Arbeit erst nach einer ausreichenden Instruktion beginnen. – Die Steigausrüstung vor jedem Einsatz auf Vollständigkeit und Unversehrtheit prüfen. – Volle Konzentration beim Besteigen und Arbeiten auf Bäumen! Fall 5: Lehrling erlitt Verbrennungen beim Umfüllen von Benzin Ein Lehrling erlitt schwere Verbrennungen, weil sich beim Umfüllen von Benzin plötzlich die Benzindämpfe entzündeten. Der Werkhof brannte vollständig aus. Der Lehrling hatte den Auftrag, im Werkhofgebäude Benzin von einem 200-Liter-Fass in ein 60-Liter-Fass umzufüllen. Aus ungeklärten Gründen überlief das 60-Liter-Fass, und eine Benzinlache von ca. 60 auf 80 Zentimeter breitete sich aus. Der Lehrling rief einen Mitarbeiter um Hilfe, der vor dem Werkhof Rückhalten von ausgelaufenen Flüssigkeiten durch Wannen oder ausreichend hohe Schwellen (Bild: SUVA )


Explosionsgefährdete Zonen im Lagerraum (Bild: SUVA )

beschäftigt war. Gemeinsam wollten sie das ausgelaufene Benzin mit Sägemehl und Tüchern aufnehmen. Plötzlich entzündeten sich die entstandenen Benzindämpfe. Die Kleider des Lehrlings brannten sofort lichterloh. Er erlitt schwere Verbrennungen zweiten und dritten Grades an rund sechzig Prozent der Körperoberfläche. Der Mitarbeiter erlitt Verbrennungen an der Hand. Der Werkhof brannte vollständig aus. Die Unfallabklärung ergab Folgendes: Benzin wurde in diesem Betrieb seit Jahren gleich umgefüllt. Der Lehrling kannte den Umfüllvorgang. Der Werkhof war so eingerichtet, dass der Lagerraum für Lösemittel an den Aufenthaltsraum grenzte und die Türe offen stand. Zündquelle war ein eingefeuerter Holzofen, der in etwa 4 Meter Entfernung in der Ecke des Werkhofs stand. So verhindern Sie ähnliche Unfälle: Arbeitgeber – Dafür sorgen, dass die Lager- und Umfüllräume den Bestimmungen der EKASRichtlinie «Brennbare Flüssigkeiten» entsprechen (Bestell-Nr. 1825.d). – Anforderungen an die Räumlichkeiten des Werkhofs definieren und umsetzen – in Zusammenarbeit mit der Feuerpolizei,

dem Gewässerschutz und gegebenenfalls der Suva. – Lagerung und Umgang mit Benzin den neuen Situationen anpassen (z.B. müssen durch vermehrten Einsatz von Sonderkraftstoff grössere Mengen angeschafft werden). Betriebsleiter – Laufend die Lagerung und den Umgang mit Benzin überprüfen. – Arbeitgeber über Mängel bezüglich der Räumlichkeiten, die zur Treibstofflagerung genutzt werden, informieren und Verbesserungsvorschläge machen. – Regelmässig Kontrollen zu diesem Thema durchführen und die Ergebnisse dokumentieren (gemäss Checkliste «Lagern von leichtbrennbaren Flüssigkeiten»). – Betriebsspezifische Arbeitsanweisungen für den Umgang mit den verwendeten brennbaren Flüssigkeiten erstellen und diese im Werkhof am Anschlagbrett aufhängen. – Mitarbeitende im Umgang mit brennbaren Flüssigkeiten und im Verhalten bei Notfällen instruieren. Arbeitnehmende – Weisungen der Vorgesetzten befolgen. – Mängel unverzüglich den Vorgesetzten melden. Fazit Die Sicherheitsexperten der Suva stellen bei Betriebskontrollen und aufgrund von Rückmeldungen bei Zertifizierungs-Audits immer wieder fest, dass der Lagerung und dem Umgang mit Benzin nicht die notwendige Beachtung geschenkt wird. Das geschilderte Unfallbeispiel zeigt die Gefährlichkeit von Benzindämpfen. Damit die Präventionsbemühungen erfolgreich sind, muss dem Thema Treibstofflagerung die nötige Beachtung eingeräumt werden. Denn Unfälle mit Bündner Wald 4/2009 55


schweren Brandverletzungen gehören zu den schwerwiegendsten. Die Verunfallten tragen in der Regel lebenslange Schäden davon. Sicherheitsregeln beim Umgang mit Treibstoff Lagerung: – Es sind geeignete Rückhaltemassnahmen zu treffen, damit auslaufende Flüssigkeiten nicht in benachbarte Räume, in die Kanalisation und dergleichen gelangen können. – In explosionsgefährdeten Bereichen (Zonen) müssen alle wirksamen Zündquellen vermieden werden. – Die Räume müssen ausreichend natürlich oder künstlich entlüftet sein. – Lagerräume müssen gegen unbefugten Zugriff geschützt sein. – Es müssen Fluchtwege direkt ins Freie sichergestellt sein.

Umgang mit Benzin – Beim Umfüllen von Benzin entweichen Dämpfe, die schon bei Raumtemperatur explosionsfähige Gemische erzeugen. Im Bereich des Umfüllvorgangs sind sämtliche möglichen Zündquellen zu vermeiden. – Es muss eine ausreichende Entlüftung gewährleistet sein, da die Benzindämpfe dem Boden entlangkriechen und sich über einige Meter ausbreiten können. Quelle SUVA und zusätzliche Infos auf www.suva.ch/unfallbeispiele

Sandro Krättli, Redaktor Bündner Wald Sagastägstr. 96, CH-7220 Schiers sandro.kraettli@afw.gr.ch

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«Den Forstwart wird es auch in Zukunft brauchen» Gion Fadri Bergamin, Forstwart und Maschinist beim Forstrevierverband Oberheinzenberg, über seine langjährige Tätigkeit im Wald, die Lehrlingsausbildung, den Kampf gegen das Unfallgeschehen – und weshalb er jeden Tag gerne zur Arbeit geht. Wo steht Bergamin heute? Bergamin: Gesund, zufrieden und motiviert im Wald (er lacht). Nach der Forstwartausbildung habe ich noch die Lastwagenprüfung, den Ausbildner für Lehrlinge abgeschlossen sowie verschiedene kleine Schulungen, Messen im In- und Ausland und Tagungen im Zusammenhang mit dem Beruf besucht. Und wie siehst du die berufliche Zukunft? Ist Bergamin vorbereitet? Gion Fadri Bergamin, Maschinist und langjähriger Lehrlingsausbilder (Bild: Daniel Bürgi)

Bergamin: Solange es die Gesundheit erlaubt, werde ich als Forstwart tätig bleiben. Mir gefällt mein Beruf und ich bin überzeugt, dass es auch in Zukunft, trotz der zunehmenden Mechanisierung im Wald, den Forstwart für die Schutzwaldpflege braucht. Selbstverständlich werde ich weitere Kurse des Aus- und Weiterbildungsprogramms des Bündner Forstpersonals besuchen, um mich so auf dem Laufenden zu halten. Die Försterausbildung ist für mich kein Thema – ich packe lieber die Arbeit im Wald an als jene im Büro. Wie hast du am Heinzenberg angefangen? Wo stehst du jetzt und was werden für dich die regionalen Veränderungen bedeuten? Bergamin: Mit vielen gemischten Gefühlen. Ich kannte die Forstgruppe Oberheinzenberg nicht und auch niemanden vom Dorf. Jeder Wechsel bringt viele Veränderungen mit sich. Ich war mir nicht sicher, ob der Wechsel vom Gemeindearbeiter in die Forstgruppe Oberheinzenberg mit zwei Lehrlingen richtig sein würde. Heute kenne ich die Abläufe und die Forderungen sowie Ansprüche des Arbeitgebers. Ich bereue den Wechsel trotz der vielen Unbekannten nicht. Für mich stimmt heute das Umfeld. Über Gemeindefusionen in der Region wird diskutiert. Es wird auch Veränderungen geben. Die Arbeit im Wald und für die Gemeinden bleibt. Somit sehe ich positiv in die Zukunft. Was treibt dich persönlich an? Bergamin: Die Natur ist mein Vorbild und somit ist sie der grösste Motivator für mein Schaffen im Wald. Dazu kommen die Vielfältigkeit der Arbeit und das kleine Team, in dem ich mich wohl fühle. Dann versuche ich jeden Tag die vorgegebenen Ziele zu erreichen, was dann beim GelinBündner Wald 4/2009 57


aber, es liegt an der harten Arbeit, die bei nicht immer optimaler Witterung auszuführen ist. Dazu kommen gesundheitliche Probleme und dass sich die beruflichen Vorstellungen nicht erfüllt haben. Am Lohn kann es nicht liegen, der ist in Ordnung.

Feierabend im Sturmholzeinsatz in Steinhausen ZG – Erwin Bruder und Gion F. Bergamin im Januar 2000 (Bild: Sandro Krättli)

gen auch eine hohe Befriedigung bei mir auslöst.   Warum bildest du Lehrlinge aus? Hat es genügend Talente? Bergamin: Sicher braucht es junges Forstpersonal. Es hat auch genügend Talente. Ich arbeite gerne mit jungen Leuten zusammen, was ja bekanntlich auch jung hält. Im Weiteren gebe ich gerne mein Wissen, die gemachten Erfahrungen und Tipps weiter.   Unterstützt dich der Arbeitgeber bei der Lehrlingsausbildung? Bergamin: Ja, ich kann mir die Zeit für die Lehrlingsausbildung selber gestalten. Manchmal hat man mehr Zeit oder eben weniger. Es hängt stark von der anfallenden Arbeit ab. Neu habe ich für die Lehrlingsausbildung Fr. 10 000.– pro Jahr zur Verfügung. Solche Freiheiten schätze ich sehr. Natürlich bin ich mir der Verantwortung und Verpflichtung gegenüber dem Arbeitgeber bewusst.   Warum bleibt der gelernte Forstwart nur für kurze Zeit im Wald tätig? Bergamin: Das musst du jene fragen, die nicht mehr im Wald tätig sind. Ich denke 58

Warst du auch schon an einem Berufsunfall beteiligt? Bergamin: Ja, ich stand leider auch schon im Unfall. Zum Glück habe ich in meiner 16-jährigen Berufstätigkeit noch keinen schweren Unfall erlebt. Mit Ausgleichssport halte ich mich fit, denke voraus und halte mich an die Arbeitssicherheitsvorschriften. Das ist meine aktive Prävention um möglichst keinen Unfall zu verursachen.   Warum sind die Unfallzahlen im Wald so hoch? Was muss sich ändern? Bergamin: Die Unfallhäufigkeit im Forst ist augenfällig hoch. Das Schrecklichste für mich ist, wenn die grundlegenden Sicherheitsvorschriften, wie zum Beispiel der Fällund Gefahrenbereich, missachtet werden. Der Forstwart muss massiv umdenken, denn Unfälle passieren nicht, sondern sie werden grossmehrheitlich vom Arbeitenden verursacht. Im Weiteren muss der Ausbildner sei-

Gion Fadri Gion Fadri Bergamin, 33, gelernter Forstwart war bei verschiedenen Gemeinden im Kanton Graubünden tätig und hat sich zunehmend als Maschinist und Ausbildner spezialisiert. Im Jahr 2007 trat er von der Gemeinde Seewis in die Forstgruppe Heinzenberg über und übernahm dort seine heutige Funktion.


ne Vorbildfunktion zu 100% – ohne Wenn und Aber – vorleben. Was bringt dir die Mitgliedschaft beim Verein Graubünden Wald? Bergamin: Angefangen hat mein Interesse mit der Verbandszeitschrift, dem «Bündner Wald». So bin ich immer über die Forstbranche in Graubünden informiert. Gerne besuche ich auch die immer top organisierten Veranstaltungen wie den Holzhauereiwettkampf und den Skipostenlauf. Dort treffe ich unterhaltsame Berufskollegen, mit denen man über den Wald politisieren und

alltägliche Erfahrungen austauschen kann. Schade ist, dass noch lange nicht alle Forstwarte Graubündens im Verein Graubünden Wald Mitglied sind. Gion Fadri, danke für das Gespräch.

Daniel Bürgi Forst Heinzenberg Pro Tgae, CH-7426 Flerden forst.heinzenberg@bluewin.ch

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Aus anderem  Holz geschnitzt Aus der Rubrik von Wald & Holz  «Persönlich getroffen»: Gianluigi Frigerio, Forstwartvorarbeiter in Celerina Die zähe und kraftvolle Arve (Pinus cembra) ist sein Lieblingsbaum. Im Sommer sitzt Luigi unter 1400-jährigen Exemplaren, seinen Hund Cembra an seiner Seite, spürt Dankbarkeit und freut sich, dass er im Oberengadin sein Handwerk ausüben darf. Ski fährt er nicht, er schreibt keine E-Mails und noch nie sass er in einem Düsenjet.   Wohlklingender könnte kaum eine Anschrift lauten: Gianluigi Frigerio, Via San Gian, Celerina. Wir treffen uns auf dem Holzplatz der Gemeinde. Er befindet sich einige Hundert Meter ausserhalb des Dorfes, am Beginn der weiten Ebene Champagnatscha, unterhalb der einsam auf einem Hügel stehenden Kirche San Gian. Weiss der diesige Himmel, weiss die Landschaft. Auf den gelagerten Arven- und Lärchenstämmen liegt meterdick Schnee, wie Puderzucker weht ihn der Wind über den gefrorenen Boden, immer wieder steigt einem der würzige, leicht süssliche Duft des Holzes in die Nase. Und auf dem Rücksitz eines roten Jeeps sitzt ein Hund und bellt. Unter dem Vordach des Geräteschuppens zwei Männer, sie diskutieren. Der ältere hat silbergraues, dichtes Haar, einen geschwun-

Gianluigi Frigerio Forstwartvorarbeiter in Celerina; 1977

Forstwart-Lehre in Rapperswil;

seit 1982

Kursleiter und Instruktor beim WVS;

1983–2000 beim Stadtforstamt Zürich, davon elf Jahre im Sihlwald.

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Luigi und Cembra (Bild: Christoph Schwyzer)

genen Schnauz, trägt eine dunkelgrüne Kapuzenjacke und um den Hals ein rotes Tüchlein. Mit seinen zusammengekniffenen Augen wirft er mir einen verschmitzten Blick zu, kommt mir entgegen und reicht mir die Hand: «Ich bin der Luigi. Und das, das ist Dario, mein Forstwart-Lehrling.» Erst einmal einen Kaffee Im Winter, wenn wegen der Schneemassen nicht geholzt werden kann, arbeiten Luigi und Dario unter anderem auf dem Holzplatz. Zurzeit fräsen sie aus einem voluminösen Stück Arve eine Liege, die für den Wellness-Bereich eines Hotels bestimmt ist. Auch Brunnen, Tierfiguren und Blumentröge gehören zum Angebot. «He, es ist neun Uhr», sagt Luigi, verräumt im Schuppen das Werkzeug und schwingt seinen Tornister über die Schultern. «Jetzt gibt es erst einmal einen Kaffee, kommt!» Wir steigen ein in den roten Jeep, auf dem Rücksitz Dario, neben ihm Cembra, Luigis Hund. Beim Kaffe, im Aufenthaltsraum des Werkhofs, erzählt Luigi, dass Cembra (abgeleitet von der botanischen Bezeichnung für Arve, Pinus cembra), ein Bergamasker-Mischling, den ganzen Tag an seiner Seite ist. Sogar beim Holzen im Wald. «Vor dem Fällschnitt allerdings muss ich ihn anbinden. Fällt der Baum, bellt er wie ein Wahnsinniger. Und


kaum lasse ich ihn wieder von der Leine, jagt er schnurstracks zum gefällten Baum, reisst mit seinen Zähnen an den Ästen.» Zwischen Schneewänden fahren wir nach der Znüni-Pause durch einen Arven- und Lärchenwald. Das Strässchen steigt sanft, aber stetig an und nach einigen Minuten Fahrt parkieren wir beim Laj da Staz, einem im Winter unter der Schneedecke schlafenden See. Auf unserem Rundgang eilt uns Cembra freudetaumelnd voraus, Luigi aber bleibt noch und noch stehen, schaut mit strahlenden Augen zwischen den Bäumen hindurch in die Ferne, zeichnet mit der rechten Hand einen Halbkreis in die Luft und sagt: «Ist es nicht ein Luxus, hier, umgeben von dieser Bergkulisse, gewissermassen in einem Königsschloss, arbeiten zu dürfen? Der Wald, die Natur, sie sind ein Geschenk und meine Aufgabe als Forstwart ist es,

dieses Geschenk sinnvoll zu nutzen und zu pflegen.» Für Luigi ist klar: Im Oberengadin will er bleiben, bis zur Pensionierung – und darüber hinaus. In die Fremde, nach Rapperswil Der Weg nach Celerina war allerdings kein direkter. 1977 kam er als 16-Jähriger vom Tessin in die Deutschschweiz. Da sein Vater Bauer war und auch ein kleines Stück Wald besass, half er von Kindesbeinen an beim Holzen. «Keine Sekunde musste ich nachdenken, als es um die Berufswahl ging. Ich wollte nur eines, in den Wald.» Da es damals im Tessin noch keine Forstwartlehre gab, packte Luigi seinen Koffer, ging in die Fremde, nach Rapperswil, ohne ein einziges Wort Deutsch zu sprechen; arbeitete nach der Lehre unter anderem 17 Jahre beim Stadtforstamt Zürich. Anspruchsvoller als

Luigi Figerio fühlt sich in Celerina zuhause (Bild: Christoph Schwyzer)

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Aus anderem  Holz geschnitzt Aus der Rubrik von Wald & Holz  «Persönlich getroffen»: Gianluigi Frigerio, Forstwartvorarbeiter in Celerina Die zähe und kraftvolle Arve (Pinus cembra) ist sein Lieblingsbaum. Im Sommer sitzt Luigi unter 1400-jährigen Exemplaren, seinen Hund Cembra an seiner Seite, spürt Dankbarkeit und freut sich, dass er im Oberengadin sein Handwerk ausüben darf. Ski fährt er nicht, er schreibt keine E-Mails und noch nie sass er in einem Düsenjet.   Wohlklingender könnte kaum eine Anschrift lauten: Gianluigi Frigerio, Via San Gian, Celerina. Wir treffen uns auf dem Holzplatz der Gemeinde. Er befindet sich einige Hundert Meter ausserhalb des Dorfes, am Beginn der weiten Ebene Champagnatscha, unterhalb der einsam auf einem Hügel stehenden Kirche San Gian. Weiss der diesige Himmel, weiss die Landschaft. Auf den gelagerten Arven- und Lärchenstämmen liegt meterdick Schnee, wie Puderzucker weht ihn der Wind über den gefrorenen Boden, immer wieder steigt einem der würzige, leicht süssliche Duft des Holzes in die Nase. Und auf dem Rücksitz eines roten Jeeps sitzt ein Hund und bellt. Unter dem Vordach des Geräteschuppens zwei Männer, sie diskutieren. Der ältere hat silbergraues, dichtes Haar, einen geschwun-

Gianluigi Frigerio Forstwartvorarbeiter in Celerina; 1977

Forstwart-Lehre in Rapperswil;

seit 1982

Kursleiter und Instruktor beim WVS;

1983–2000 beim Stadtforstamt Zürich, davon elf Jahre im Sihlwald.

Luigi und Cembra (Bild: Christoph Schwyzer)

genen Schnauz, trägt eine dunkelgrüne Kapuzenjacke und um den Hals ein rotes Tüchlein. Mit seinen zusammengekniffenen Augen wirft er mir einen verschmitzten Blick zu, kommt mir entgegen und reicht mir die Hand: «Ich bin der Luigi. Und das, das ist Dario, mein Forstwart-Lehrling.» Erst einmal einen Kaffee Im Winter, wenn wegen der Schneemassen nicht geholzt werden kann, arbeiten Luigi und Dario unter anderem auf dem Holzplatz. Zurzeit fräsen sie aus einem voluminösen Stück Arve eine Liege, die für den Wellness-Bereich eines Hotels bestimmt ist. Auch Brunnen, Tierfiguren und Blumentröge gehören zum Angebot. «He, es ist neun Uhr», sagt Luigi, verräumt im Schuppen das Werkzeug und schwingt seinen Tornister über die Schultern. «Jetzt gibt es erst einmal einen Kaffee, kommt!» Wir steigen ein in den roten Jeep, auf dem Rücksitz Dario, neben ihm Cembra, Luigis Hund. Beim Kaffe, im Aufenthaltsraum des Werkhofs, erzählt Luigi, dass Cembra (abgeleitet von der botanischen Bezeichnung für Arve, Pinus cembra), ein Bergamasker-Mischling, den ganzen Tag an seiner Seite ist. Sogar beim Holzen im Wald. «Vor dem Fällschnitt allerdings muss ich ihn anbinden. Fällt der Baum, bellt er wie ein Wahnsinniger. Und

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kaum lasse ich ihn wieder von der Leine, jagt er schnurstracks zum gefällten Baum, reisst mit seinen Zähnen an den Ästen.» Zwischen Schneewänden fahren wir nach der Znüni-Pause durch einen Arven- und Lärchenwald. Das Strässchen steigt sanft, aber stetig an und nach einigen Minuten Fahrt parkieren wir beim Laj da Staz, einem im Winter unter der Schneedecke schlafenden See. Auf unserem Rundgang eilt uns Cembra freudetaumelnd voraus, Luigi aber bleibt noch und noch stehen, schaut mit strahlenden Augen zwischen den Bäumen hindurch in die Ferne, zeichnet mit der rechten Hand einen Halbkreis in die Luft und sagt: «Ist es nicht ein Luxus, hier, umgeben von dieser Bergkulisse, gewissermassen in einem Königsschloss, arbeiten zu dürfen? Der Wald, die Natur, sie sind ein Geschenk und meine Aufgabe als Forstwart ist es,

dieses Geschenk sinnvoll zu nutzen und zu pflegen.» Für Luigi ist klar: Im Oberengadin will er bleiben, bis zur Pensionierung – und darüber hinaus. In die Fremde, nach Rapperswil Der Weg nach Celerina war allerdings kein direkter. 1977 kam er als 16-Jähriger vom Tessin in die Deutschschweiz. Da sein Vater Bauer war und auch ein kleines Stück Wald besass, half er von Kindesbeinen an beim Holzen. «Keine Sekunde musste ich nachdenken, als es um die Berufswahl ging. Ich wollte nur eines, in den Wald.» Da es damals im Tessin noch keine Forstwartlehre gab, packte Luigi seinen Koffer, ging in die Fremde, nach Rapperswil, ohne ein einziges Wort Deutsch zu sprechen; arbeitete nach der Lehre unter anderem 17 Jahre beim Stadtforstamt Zürich. Anspruchsvoller als

Luigi Figerio fühlt sich in Celerina zuhause (Bild: Christoph Schwyzer)

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die Verständigung war zu Beginn das Essen. «Am ersten Tag gab es Reis nature, daneben lag auf dem Teller irgendetwas Komisches, Wurstartiges. Mit verdrehten Augen schnitt ich mir einen Bissen von diesem Ding ab, steckte ihn mir vorsichtig in den Mund: Es war, wie erwartet, keine Wurst, sondern eine gebratene Bananenhälfte!» Luigi lacht herzhaft, seine silbergrauen Haare glänzen im Sonnenlicht, die roten Backen strahlen Frische aus, am linken Ohrläppchen baumelt ein gezackter, silberner Ohrring, eine Arve. Er geht langsam, bedächtig, steckt sich

eine Zigarette zwischen die vom Schnauz verdeckten Lippen, deutet mit dem Zeigefinger zur Waldgrenze unterhalb des rund 2300 Meter hohen Muottas da Schlarigna, wo es eine Stelle mit bis zu 1400-jährigen Arven gibt. «Ein wunderbares Gefühl, unter diesen Bäumen zu sitzen. Alles ist still, ich schaue in die Weite und vergesse mich selbst, bin dankbar, im Oberengadin arbeiten zu dürfen.» Die Ruhe und Beständigkeit der Landschaft scheinen sich auf Luigi übertragen zu haben, das Schnelle und Hektische nicht seine Sache zu sein: Obwohl er

Kurz gefragt Ihr Lieblingsbaum? «Die Arve! Sie ist zäh und kraftvoll, eine wahre Überlebenskünstlerin. Das Holz strahlt eine warme Atmosphäre aus, ist geschmeidig und eignet sich sehr gut für meine Tierfigur-Schnitzereien.» Ihr schönstes Erlebnis im Wald? «Ich freue mich jeden Tag aufs Neue in den Wald zu gehen. Besonders schön ist es, wenn die Lehrlinge nach der praktischen Prüfung mit glänzenden Augen neben mir stehen und man richtiggehend spürt, wie stolz sie auf ihren Beruf sind.» Ihr schlimmstes Erlebnis im Wald? «Im Jahr 2005 nahm ich als WVS-Instruktor an einem Holzer-Kurs teil. Auf einmal hatte ich heftige Schmerzen in meinem Rücken und musste notfallmässig ins Spital. Ich hatte grosse Angst, nie mehr im Wald arbeiten können. Es war ein Bandscheiben-Vorfall, der sich glücklicherweise, obwohl die Ärzte mich unters Messer legen wollten, auch ohne Operation kurieren liess.» Drei Wünsche an die Waldfee? 1. « Gesund und mit Vollgas möchte ich noch bis zu meiner Pensionierung im Wald arbeiten können.» 2. «Die Lehrlinge liegen mir am Herzen, und ich hoffe, dass ich noch viele ausbilden darf.» 3. «Wenn ich nach meiner Pensionierung ein kleines Heimätli kaufen und vielleicht ein Maultier, einige Walliser Schwarzhals-Ziegen und ein paar schottische Hochlandrinder haben könnte, dann wäre das wunderschön!»

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Den Waldberuf als Leidenschaft (Bild: Christoph Schwyzer)

es hier im Oberengadin beinahe das ganze Jahr über tun könnte, fährt Luigi weder Ski noch Snowboard. Niemals würde er, um Ferien zu machen, in ein Flugzeug steigen. Und bis heute hat er noch keine einzige E-Mail geschrieben. «Noch gibt es Briefmarken und Briefkästen!» Bitte kein Gekafel! Nostalgiker werde er von manchen genannt, sagt Luigi. Das rührt vielleicht auch daher, dass er in seiner Freizeit Handholzerkurse erteilt und von seinem Lehrling Dario nicht nur verlangt, eine Motorsäge warten, sondern ebenso eine Axt stielen zu können. «Das handwerkliche Geschick geht sonst verloren. Maschinen machen die Holzerei einfacher, dennoch dürfen wir nie vergessen, wie und mit welchen Werkzeugen unsere Vorfahren gearbeitet haben.

Jede Erfindung baut auf einer früheren auf; sie fällt nicht einfach vom Himmel.» Auch als Kursleiter und Instruktor beim Waldwirtschaftsverband Schweiz ( WVS ), bei dem er nun schon seit 23 Jahren tätig ist, versucht er den Lehrlingen stets beizubringen, wie wichtig Handfertigkeit und Geschick sind. «Ich kann es nicht haben, wenn einer einfach rumkafelt. Auf ein sauberes, exaktes Arbeiten lege ich grossen Wert.» Es ist kurz vor 12 Uhr. Unser Rundgang um den kleinen See Laj da Staz ist beendet. Mit dem Jeep fahren wir zum Holzplatz zurück. Wenn Spaziergänger entgegenkommen, verlangsamt Luigi das Tempo, nickt ihnen freundlich zu. Mit den unzähligen Touristen im Oberengadin hat er keine Mühe, im Gegenteil. «Sie sind sehr interessiert an unserer Arbeit, wollen wissen, was wir tun. Bündner Wald 4/2009 63

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Sie schätzen es, wenn in ihrem Hotelzimmer ein Tisch oder ein Stuhl aus wohlriechendem Engadiner Arvenholz steht.» In Zürich, während seiner Zeit beim Stadtforstamt, sei das nicht immer so gewesen. «Beim Arbeiten im Wald mit der Motorsäge schauten mich die Spaziergänger manchmal entsetzt an, als ob ich ein Mörder wäre.»

 Christoph Schwyzer Wald & Holz Rosenweg 14, 4500 Solothurn schwyzer@wvs.ch

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Den Waldberuf als Leidenschaft (Bild: Christoph Schwyzer)

es hier im Oberengadin beinahe das ganze Jahr über tun könnte, fährt Luigi weder Ski noch Snowboard. Niemals würde er, um Ferien zu machen, in ein Flugzeug steigen. Und bis heute hat er noch keine einzige E-Mail geschrieben. «Noch gibt es Briefmarken und Briefkästen!» Bitte kein Gekafel! Nostalgiker werde er von manchen genannt, sagt Luigi. Das rührt vielleicht auch daher, dass er in seiner Freizeit Handholzerkurse erteilt und von seinem Lehrling Dario nicht nur verlangt, eine Motorsäge warten, sondern ebenso eine Axt stielen zu können. «Das handwerkliche Geschick geht sonst verloren. Maschinen machen die Holzerei einfacher, dennoch dürfen wir nie vergessen, wie und mit welchen Werkzeugen unsere Vorfahren gearbeitet haben.

Jede Erfindung baut auf einer früheren auf; sie fällt nicht einfach vom Himmel.» Auch als Kursleiter und Instruktor beim Waldwirtschaftsverband Schweiz ( WVS ), bei dem er nun schon seit 23 Jahren tätig ist, versucht er den Lehrlingen stets beizubringen, wie wichtig Handfertigkeit und Geschick sind. «Ich kann es nicht haben, wenn einer einfach rumkafelt. Auf ein sauberes, exaktes Arbeiten lege ich grossen Wert.» Es ist kurz vor 12 Uhr. Unser Rundgang um den kleinen See Laj da Staz ist beendet. Mit dem Jeep fahren wir zum Holzplatz zurück. Wenn Spaziergänger entgegenkommen, verlangsamt Luigi das Tempo, nickt ihnen freundlich zu. Mit den unzähligen Touristen im Oberengadin hat er keine Mühe, im Gegenteil. «Sie sind sehr interessiert an unserer Arbeit, wollen wissen, was wir tun. Bündner Wald 4/2009 63


von Hand, mistete aus, brachte die Kühe zur Weide und holte sie am Abend wieder von der Weide, zettete, rechte und schlepperte. Als ich älter war, durfte ich mit dem Motormäher mähen und helfen, Ziegen von Hand zu melken. Im Ziegenmelken war ich jedoch wohl der Langsamste weit und breit. Die schönste Zeit war immer die Heuzeit Ende Sommer im Maiensäss in Preda. Wir übernachteten alle in Preda. Selbst für die Bauerfamilie war es beinahe wie Ferien.   Die praktische Tätigkeit im Landdienst tat mir gut und ich genoss sie sehr. Sie gefiel mir besser als die Obsternte im Unterland. Ich ging immer seltener in meine alte Heimat. Seit nunmehr vielen Jahren haben meine Tante und ihr Lebenspartner das Zepter auf unseren Obstländereien in der Hand. Ich bin nun schon seit ebenso vielen Jahren an keiner Obsternte mehr dabei gewesen. Ich fand nie mehr die Zeit dazu oder kam erst gar nicht auf die Idee. Die grosse Distanz tut das Übrige dazu. Eigentlich ist es schade, dass mir dies verloren ging. Aber so ist der Lauf der Dinge. Wer weiss, vielleicht finde ich irgendwann einmal wieder Anschluss zur Obstlandwirtschaft.   In der dritten und vierten Klasse gingen wir im Fach Biologie oft ins Freie und liefen einen Weg ab. Auf dem Hinweg erklärte der Lehrer die Namen der Blumen, und auf dem Rückweg mussten wir sagen, was es für Blumen sind. Ich war damals relativ schlecht in Botanik. Leider bin ich es heute auch noch, zumindest was das Kraut betrifft. Dies obwohl es doch wichtig und auch schön wäre, sich darin auszukennen.   Samedan Meine Mutter wollte nicht – dies ist, so glaube ich, ein offenes Geheimnis –, dass 68

ich in Bergün zum damaligen Sekundarlehrer in die Schule ging. Ich legte also die Aufnahmeprüfung der Academia Engiadina ab (damals hiess die Schule noch MTS) und bestand sie. In der Folge pendelte ich mit dem Zug sieben Jahre lang von Bergün nach Samedan. Es gab einige Hochs und Tiefs. Oft fragte ich mich, ob diese Schule das Richtige für mich sei. Doch da ich mich nicht für eine Berufslehre entscheiden konnte und mir auch der Mut dazu fehlte, die Schule abzubrechen, beendete ich das Gymnasium. Heute bereue ich es nicht, es war eine gute Zeit. Im ersten Jahr an der Academia hatten wir Biologie bei Jost Falett, einem Bergüner Urgestein. Er brachte einmal ein echtes Herz in den Unterricht mit. Leider weiss ich nicht mehr, von welchem Tier es war, ob von einem Schwein oder von einem anderen Tier. In einer anderen Stunde zeigte er uns Dias von Bäumen. Bei einem Dia fragte er die Klasse, was dies für eine Baumart sei. Niemand meldete sich. Ich hielt auf: «Das ist eine Föhre.» Es ist interessant, wie einem gewisse Erlebnisse haargenau in Erinnerung bleiben. Bis dahin interessierte ich mich nicht sonderlich für Bäume, und doch wusste ich, dass dies eine Föhre war. Es war ein schönes Dia von einem Zweig. Als er mich danach fragte, woran ich das erkannt hätte, konnte ich keine genaue Antwort geben.   Die Matura-Arbeit trug dann den Titel: Schutzwald am Beispiel Muot. Es war meine erste Vertiefung mit dem Thema Wald. Der Schutzwald Muot schützt die RhB zwischen Bergün und Preda. Einen Teil der Strecke also, die ich täglich fuhr, um in die Schule im Engadin zu gelangen.   Nach dem Abschluss der Maturität war die Ratlosigkeit darüber, was nun folgen sollte,


gross. Ich gewährte mir ein Zwischenjahr, gefüllt mit viel Militär und diversen Jobs wie Aushilfe im Volg, Snowboardlehrer, Handlanger bei Manser Bedachungen und natürlich wieder Landdienst.   Zürich Mein Bubentraum war immer Erfinder à la Daniel Düsentrieb zu werden. Dank meiner komplexen Lego-Basteleien als Kind wurde mir die Fähigkeit zu so etwas sogar von mehreren Seiten zugestanden. Da sich ein Studium nach der Matura irgendwie aufzwang, stand ich schlussendlich vor der Wahl, Maschinenbau oder Forst‑ wissenschaften zu studieren. Eine interessante Kombination, nicht? Da ich mich zunächst wirklich nicht entscheiden konnte, suchte ich die Studienberatung auf. Leider konnte mir der gute Mann nicht auf die

kleinste Art und Weise weiterhelfen. Ich entschied mich für den Maschinenbau. Zwei verschiedene Mathematik-Vorlesungen, Mechanik, Physik, Chemie, Werkstoffkunde, CAD, Informatik und in der Regel über 200 Studenten im Vorlesungssaal, das war anstrengend und nicht ganz meine Welt. Nach dem wirklich tollen sechswöchigen Praktikum bei den Polymechanikern in der EMS-Chemie während der Semesterferien besuchte ich im Frühling noch eine halbe Woche die Vorlesungen des zweiten Semesters, dann reichte es mir. Ich setzte mich darauf frech in einige Vorlesungen des Studiengangs Forstwissenschaften. In den speziellen Forst-Vorlesungen waren jeweils nur an die 20 Studenten anwesend, das war der gesamte Jahrgang. Für Hochschulverhältnisse ist das quasi eine Kleinklasse. Wunderbar, das gefiel mir. Und

Pascal Alter (2 v. r.) mit Kollegen im Baukurs in Obersaxen (Bild: Felix Voneschen)

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die Thematik war viel interessanter als im Maschinenbau. Mein Entschluss stand bald fest: Im Herbst werde ich mit dem Forst­ wissenschaftsstudium beginnen. Die Zeit bis dahin überbrückte ich mit einem Semester Philosophie an der Uni, in welcher ich das viel besagte Studentenleben genoss – und natürlich wieder mit Landdienst!   Das Forstwissenschaftsstudium war viel­ seitig, lehrreich, einiges einfacher als ­Maschinenbau, doch immer noch oft sehr theoretisch und in einigen Belangen nicht fassbar für mich. Es gab viele Exkursionen, und häufig waren wir im eigenen Wald der ETH auf dem Üetliberg unterwegs. Wir wa­ ren die einzigen Studenten, die an der ETH mit Wanderschuhen umherliefen. Die Ab­ läufe im Wald als Ganzes wurden mir aber selten ersichtlich. Ich kann mir heute noch oft schlecht vorstellen, wie ein Bestand mit und ohne Eingriff in zehn Jahren aussehen wird. Es liegt sicherlich in der Natur der Sa­ che, dass die Abläufe im Wald einfach viel langsamer vonstattengehen. Ich hoffe na­ türlich, dass sich diese Vorstellungsgabe mit einigen Jahren Erfahrung einstellen wird.   Nach dem Studium folgte für die Erlangung des Wählbarkeitszeugnisses ein Jahr forst­ liches Praktikum. Den ersten Teil belegte ich mit einem neunwöchigen wissenschaft­ lichen Praktikum in Holzphysik am Institut für Baustoffe (IfB) der ETH Zürich. Stans  Danach durfte ich 30 Wochen beim Kanto­ nalen Forstamt in Nidwalden tätig sein. Ne­ ben vielen weiteren interessanten Aufgaben legte ich für die Gemeinde Ennetbürgen die Bestandeskartierung und die Massnahmen­ planung des Schutzwaldprojektes für zehn Jahre fest. Die Bestandesaufnahme erfolgte 70

im Gelände. Gleichzeitig mit der Bestan­ desaufnahme musste ich Überlegungen zu den erforderlichen Massnahmen anstellen. In einigen Fällen war mir klar, dass etwas geschehen muss, doch ich wusste beim besten Willen nicht wie. Kann das zu schla­ gende Holz mit Bodenzug oder mit Seilkran gerückt werden? Oder ist hier bereits der Helikopter vonnöten? Mir fehlte einfach das Wissen oder die Erfahrung dazu. Der Büroalltag auf dem Amt war ein Wech­ selbad der Gefühle: mal stimmte er mich zufrieden, mal überhaupt nicht. In mir kam das Gefühl hoch, nach dem Praktikums­ jahr für einen Bürojob noch nicht bereit zu sein. Oder anders ausgedrückt: es schien mir verfrüht, in absehbarer Zeit die Arbeits­ stunden so oft in einem Büro zu verbringen, ohne jemals handwerklich tätig gewesen zu sein. Aufgrund dieses Bürokollers und der Erkenntnis des mangelnden Wissens über die Rückemöglichkeiten, fasste ich den Ent­ schluss, noch eine Forstwartlehre in Angriff zu nehmen. Das Praktikum in Stans möchte ich trotz dieser negativ scheinenden Punkte auf kei­ nen Fall missen. Es war sehr lehrreich und brachte mich einen grossen Schritt weiter.   Bergün II Den Abschluss meines Praktikumsjahres bildeten 18 Wochen Arbeit in der Bündner Holzsägerei in Alvaschein. Darauf begann ich im August 2008 die Forstwartlehre bei Andrea Florinett in Bergün. Ich hatte einen guten Start in die Lehre. Sie sagt mir sehr zu. Ich sehe die Dinge aus ei­ ner neuen Perspektive, höre die Meinungen der Praktiker und lerne endlich, wie die Ma­ schinen funktionieren, was sie können und wie die technischen Abläufe sind. Den ersten Winter hatte ich beinahe über­ standen, da erlitt ich leider Mitte März einen


Unfall und brach mir den Fuss beim Holzaufrüsten. Ich fiel 15 (!) Wochen aus. Damit bestätige ich vorerst sämtliche Klischees bezüglich Student und praktischer Arbeit. Wohin es mich in Zukunft verschlagen wird, kann ich noch nicht sagen. Ich will die Forstwartlehre beenden, und dann werde ich weiter sehen. Eine Türe wird sicher offenstehen. Ich weiss aber, was ich in nächster Zeit sicher nicht gleich wieder tun werde: Berich-

te schreiben wie der vorliegende. Ich habe ewig und länger, bis ich so ein Ding verfasst habe. Da hilft mir meine ganze Vorbildung nichts. Ob das an meinem Bürgerort liegt? Pascal Alter Forsting. ETH, Forstwartlehrling Altes Schulhaus, CH-7482 Bergün pascal.alter@hotmail.com 

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Ein Forstwart wird  zum alpinen Lebensretter Das Nachvollziehen der beruflichen Laufbahn von Andres Bardill lässt berechtigterweise einige Fragen zu:   Ist die Forstwartlehre ein geeigneter Einstieg ins Berufsleben? Weshalb ein Start als Forstwart und später alles andere? Welchen Einfluss hat die Weiterausbildung auf Entwicklungen im Berufsleben? Welche Motivationsfaktoren waren ausschlaggebend für die «Kurven»?   Mit dem Einstieg ins Progymnasium der Evangelischen Mittelschule in Schiers wurde möglicherweise der Grundstein für die Kurven im späteren Berufsleben gelegt. Als hochmotiviertem Schüler gelangen Andres Bardill die ersten zwei EMS-Jahre beinahe perfekt. Die doch eher kopflastige Haupt-

tätigkeit als Schüler mag Grund genug dafür gewesen sein, das Haupttätigkeitsfeld von der Schule in die Land- und Forstwirtschaft zu verlegen und etwas «auszubrechen». Dieser Entwicklungsschritt erfolgte selbstverständlich ohne das Einverständnis von Eltern, Lehrern und ging einher mit einem abrupten Leistungsrückgang in der Schule.   Diese Entwicklung war Grund genug, eine Lehrstelle in diesen Tätigkeitsfeldern zu suchen. Aufgrund eines fehlenden Landwirtschaftsbetriebes in der Familie kam eine Forstwartlehrstelle in Malans in Frage. Bereits im ersten Lehrjahr reifte dann wieder der Wille, schulisch etwas mehr zu leisten. Mit dem Besuch der Berufsmittelschule konnte diesem Wunsch Rechnung getragen werden. Nach dem Abschluss der Lehre und

Gebirgsspezialisten üben den Ernstfall (Bild: Andreas Bardill)

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der Berufmittelschule konnte mit dem Einstieg in die Bergführerausbildung im Kanton Wallis ein weiterer «Traumberuf» den Ehrgeiz des jungen Forstwartes fordern. Berufsbegleitend zur Tätigkeit als Forstwart, Aushilfskraft in verschiedenen Saisonbetrieben und bei der Holzfuhre in Klosters erlangte er 1987 das Bergführerpatent. Im Militärdienst war Andres Bardill ein kritischer Soldat. Nicht immer einverstanden mit seinen Vorgesetzten, motivierte ihn dieser Umstand nicht etwa zu Widerstand oder Verweigerung, sondern zum Entschluss, ein besserer und erfolgreicherer Chef zu werden – vielleicht sogar einmal ein «ganz Hoher». Nach der Rekruten- und Unteroffiziersschule stand jedoch aus beruflichen Gründen ein Unterbruch bevor.   Die Försterschule Maienfeld und die Familiengründung fanden dann innerhalb von eineinhalb Jahren erfolgreich Platz. Mit wenig Begeisterung absolvierte Andres Bardill dann im Alter von fast 26 Jahren als Spätzünder noch die Offiziersschule mit anschliessendem Abverdienen beim Train. Dies unter dem Motto: Wer A sagt, sagt auch B. Beruflich folgten intensive Jahre als Forstunternehmer und Familienvater mit Hausbau, Ausbildung von Notärzten (Bild: Andreas Bardill)

Der Retter mit Luftunterstützung (Bild: Andreas Bardill)

Sturmholz, geschäftlichem Erfolg und Liquidation der Unternehmung, Abwesenheiten als Bergführer und einem «Familiengrounding». Nicht grundlos erfolgte dann eine berufliche Neuorientierung, welche aufgrund der grossen Polyvalenz möglich war. Als Bergführer bei der Armee in Andermatt fand er eine neue Herausforderung. Begleitet von vielen Aktivitäten in der Jugendarbeit des Schweizer Alpenclub, blieben alle Kontakte immer bestehen. Mit der Aufnahmeprüfung in den Diplomlehrgang der Militärakademie an der ETH Zürich konnte sich Andres Bardill auch militärisch in die Instruktoren- und Kommandantenlaufbahn aufarbeiten und wurde als Bündner Wald 4/2009 73


Oberstleutnant Kommandant der Gebirgsspezialistenabteilung 1. Heute arbeitet Andres Bardill als Geschäftsführer der Alpinen Rettung Schweiz, einer Stiftung der Schweizerischen Rettungsflugwacht Rega und des Schweizer Alpenclubs SAC im Rega-Center in Zürich-Flughafen und wohnt in Pragg-Jenaz. Militärisch ist er im Führungsstab der Armee im Bereich «Soforthilfe der Armee» (militärische Katastrophenhilfe) tätig und wirkt in sener Freizeit als Präsident der SAC Sektion Prättigau. Erfolgsrezepte kann Andres Bardill keine abgeben. Die Lebensphilosophie, alles, was man macht, entweder richtig oder über-

haupt nicht anzupacken, scheint sich in seinem Fall bewährt zu haben. Auch im richtigen Moment die «Notbremse» zu ziehen, musste möglich sein. Dass Berufe und Tätigkeiten wie Forstwart, Bergführer, Holzfuhrmann, Offizier oder Leiter einer Jugendorganisation diese Fähigkeiten und die dazugehörenden Charaktereigenschaften besonders fördern oder Bedingung dafür sind, ist für Bardill unbestritten. Welcher Forstwartlehrling muss nicht fast täglich seinen Willen in Kombination mit körperlicher Leistung einsetzen, um seine Tagesleistung zu erfüllen. Und jeder Forstwart oder Bergführer muss auch wissen, wenn es genug

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Die Verbindung zum Bergsport ist permanent gegeben (Bild: Andreas Bardill)

ist, und aus Sicherheitsgründen eine neue Lagebeurteilung oder einen Abbruch der Aktion vornehmen, wenn dies erforderlich ist. Dies ist oft anspruchsvoller, als es in unserer Gesellschaft wahrgenommen wird. Nicht zufällig werden moderne Topführungskräfte wieder in Abenteuercamps, Teambildungsschulungen oder mit Mutproben in der freien Natur an den Ursprung des natürlichen

Führungsverhaltens für eine erfolgreiche Menschenführung trainiert. Viel Glück als Forstwart! Andres Bardill Alpine Rettung Schweiz Postfach 1414 CH-8058 Zürich-Flughafen andres.bardill@alpinerettung.ch

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Aus dem Arbeitsbuch von Cla Duri Blanke Unterhalt von Lawinenverbauungen Einleitung Im Herbst ist in unserem Forstbetrieb fast immer das Renovieren oder der Neubau von Lawinenverbauungen im Arbeitsprogramm. Manchmal sind es Stahl-, aber meistens Holzwerke. Im letzten Herbst haben wir die Verbauungen oberhalb von Ardez renoviert. Bei diesen Verbauungen mussten wir alle Holzbalken auswechseln. Die ca. 30-jährigen Lärchenkanthölzer waren zum Teil stark verfault. Die Betonsäulen werden aber noch lange intakt sein. Die Verbauungen müssen immer gut unterhalten werden, damit keine grossen Katastrophen geschehen können. Ohne diese Verbauungen wäre Ardez in schneereichen Wintern sehr grossen Gefahren aus­­gesetzt. Lawinenverbauungen Ardez (Bild: Cla Duri Blanke)

Der Unterhalt der Lawinenverbauung «Ils Pals» war eine sehr schöne Arbeit. Ich konnte sehr viel lernen, und es hat mir grosse Freude bereitet. Das Gebiet Die Lawinenverbauungen «Ils Pals» liegen direkt über dem Dorf Ardez auf einer Höhe von 1750 bis 2150 m ü. M. Das Gebiet ist sehr steil und felsig. Die Bauarbeiten begannen im Jahre 1960 und dauerten bis 1990. Es wurden Werke von VOBAG, BEDO, ZUELLIG und temporäre Werke mit einer Gesamtlänge von ca. 1660 Laufmeter gebaut. Werkzeuge/Maschinen Für die Vorbereitung: – Traktor – Motorsäge – Spray – Meter – Zappi Für das Fliegen: – Triopan – Struppen – Heli – Zappi Für das Zusammenbauen: – Motorsäge – Meter Holzbalken bereit zum Fliegen (Bild: Cla Duri Blanke)

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durch eine Mobilsäge vor Ort eingeschnitten. Wir haben wieder Lasten mit 7 Kanthölzern von 3,5 m bis 4,0 m vorbereitet. So hatten wir pro Rotation eine optimale Auslastung von 800–900 kg. Fliegen Es ist der 15. August 2008. Heute kommt der Helikopter der Firma Heli Bernina aus Samedan. Es müssen 40 m3 Lärchenkanthölzer ins Verbauungsgebiet und fast ebenso viele alte Hölzer ins Tal gebracht werden. Beim Überfliegen der Hauptstrasse wird diese jeweils von zwei Personen gesperrt. Drei Personen sind am Lagerplatz zum An- und Abhängen. Zwei Gruppen von je 2 Personen sind in den Verbauungen beim An- und Abhängen der Lasten. Diese Arbeit war in einem halben Tag beendet. Fliegen der Holzbalken (Bild: Cla Duri Blanke)

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Schrauben und Muttern Schraubenschlüssel Zappi Schlegel

Die Arbeit Abbau der alten Holzbalken Im August 2007 haben wir mit dem Abbau der alten Holzbalken begonnen. Wir haben meistens sieben Stück zusammengetan. So war die Auslastung des Helikop­ters sehr gut. Nach dieser Arbeit waren die alten Balken schon für den Flug ins Tal bereit. Vorbereitung der Holzbalken Auf dem Organisationsplatz in Ardez haben wir die neuen Balken für jedes Werk bereitgestellt. Die Lärchenkanthölzer mit den Massen 17x 24 cm wurden im Laufe des Sommers

Zusammenbauen Sobald alle Balken am richtigen Ort waren, haben wir mit dem Zusammenbauen der Werke begonnen. Man musste fast alle Balken zuschneiden, damit sie gut passen und nicht verrutschen. Kalkulation Fr. 5811.80

Fliegen 36 068 m3

Fr. 11902.45

5.5 Std. 30.5 Std. 30 Std. 69 Std. 5 Std. 140 Std.

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Holzverbauung

Fr. 5811.80 Fr. 11902.45 Fr. 5592.00 Fr. 23243.25

Holz Abbrechen und Montieren Förster Forstwart Waldarbeiter Lehrling Traktor Total Fliegen Holz Stunden Total 117,6 m

Total pro Laufmeter

Fr. 197.65 Bündner Wald 4/2009 77


Als alle Balken gesetzt waren, mussten nur noch die Befestigungslatten darauf­ geschraubt werden. Zusammengebaute Verbauung (Bild: Cla Duri Blanke)

Somit war diese Arbeit fertig – und wir konn­ ten mit gutem Gewissen in den Winter. Arbeitssicherheit Arbeiten mit MS: Schutzausrüstung Balken fliegen: Helm, Handschuhe und signal­farbene Jacke Arbeit mit Balken: Handschuhe Schlusswort Dies war eine sehr schöne und lehrreiche Arbeit. Jetzt habe ich gesehen wie schwer es ist, die ganzen Lawinenverbauungen zu unterhalten. Ohne Lawinenverbauungen wären viele Dörfer im Winter nicht be­ wohnbar und auch sehr viele Strassen und Bahnlinien vor Lawinen nicht sicher. Ich freue mich schon auf den nächsten Herbst. Da sind wieder Unterhaltsarbeiten an Lawinenverbauungen vorgesehen. Cla Duri Blanke c/o Forstamt Ardez CH-7546 Ardez

forst.ardez@freesurf.ch

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Comic Theo & Heinz

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Holen Sie sich den «Bündner Wald» ins Haus Die Zeitschrift «Bündner Wald» befasst sich mit dem weiten Fächer forstlicher Themen. Dazu gehört nicht nur der Wald oder das Holz, sondern ebenso die Landschaft, die Erschliessung und Holzernte, der Lawinenverbau, die Gefahrenzonen, das Forstrecht und vieles mehr. Der «Bündner Wald» er­scheint sechs Mal jährlich, wobei jede Nummer ein Sachgebiet besonders unter die Lupe nimmt. Er kennzeichnet sich dadurch aus, dass er – sich im Wesentlichen auf Graubünden beschränkt; – sich im Besonderen auf den Gebirgswald ausrichtet; – und praxisorientiert ist. Deshalb setzt sich sein Leserkreis vor allem aus Naturfreunden, Forstleuten, Gemeinden aber auch aus Wissenschaftlern zusammen. Trägerschaft der Zeitschrift ist der Verein Graubünden Wald, die SELVA sowie das Amt für Wald Graubünden.

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Lehrabschlussfeier der Forstwarte im Plantahof Mitte Juni absolvierten 34 angehende Forstwarte aus dem Kanton Graubünden und dem Fürstentum Liechtenstein den letzten Teil ihrer Lehrabschlussprüfung in Bonaduz. Die Prüfungen wurden vom Amt für Wald Graubünden organisiert. Die Lehrabschlussfeier fand am Freitag, 26. Juni, im landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrum Plantahof in Landquart statt. 30 erfolgreichen Absolventen konnte zu ihrem Berufsabschluss gratuliert werden.   Die frischgebackenen Forstwarte feierten dieses Jahr ihren Lehrabschluss im landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrum Plantahof. Am späten Nachmittag füllte sich die geräumige Aula mit rund 120 erwartungsfrohen Gästen. Als Festredner amtete der Gastgeber und Direktor des Plantahofs, Peter Küchler. Er sinnierte vor den glücklichen Absolventen auf unterhaltsame Weise über das wahre Glück und wünschte den frischgebackenen Forstwarten für ihre berufliche Laufbahn nicht nur eine gehörige Portion davon, sondern vor allem auch Zufriedenheit und Gesundheit.   Die mit Spannung erwartete Prämierung der drei besten Lehrabschlüsse nahm der Kantonsförster-Stellvertreter Richard Walder vor, assistiert von seinen Mitarbeitern Felix Voneschen und Beat Philipp. Die begehrte handgeschmiedete und diesmal sogar vergoldete Axt für den besten Lehrabschluss durfte mit der hervorragenden Gesamtnote von 5,5 Michael Grischott entgegennehmen. Er absolvierte seine Ausbildung beim Förster und Berufsbildner Werner Putzi im Revierforstamt Klosters. Das zweitbeste Resultat erreichte mit der Schlussnote 5,2 Matthias Dünser nach seiner Ausbildung bei der Forst- und Alpverwaltung der Stadt

Der Mann mit der goldenen Axt: Michael Grischott hat seine Forstwartlehre beim Revierforstamt Klosters mit der hervorragenden Bestnote von 5,5 abgeschlossen. (Bild: Amt für Wald Graubünden)

Chur. Den dritten Rang teilten sich mit der Note 5,1 Luca Cavigelli, Forst- und Tiefbauamt Domat/Ems, und Adriano Coretti, Administraziun forestela Segl-Maria.   Ferner haben die Prüfung mit Erfolg absolviert (in alphabetischer Reihenfolge): Blanke Cla Duri, Gestiun forestala Macun, Ardez; Candrian Jannic, Revierforstamt Curaglia; Cavegn Curdin, Revierforstamt Breil/ Brigels; Cordett Michael, Revierforstamt Zernez; Demarmels Mirco, Revierforstamt Riom; Färber Claudio, Revierforstamt Tamins; Fleischhauer Gian Battista, Revierforstamt Sedrun; Freiburghaus Ursin, Revierforstamt Safien Platz; Galati Vincenzo, Revierforstamt Davos; Grüter Florian, GeBündner Wald 4/2009 81


stiun forestala Macun, Ardez; Janett Ursin, Forstunternehmung Cla Duri Janett, Tschlin; Lötscher Mirco, Revierforstamt Präz; Mathis Andrej, Zweckverband Falknis, Maienfeld; Michael Mirco, Revierforstamt Molinis; Müller Yannik, Revierforstamt Furna; Muoth Paul, Revierforstamt Sumvitg; Schmid Martin, Revierforstamt Felsberg; Schuoler Sandro, Revierforstamt Disentis/Mustér; Sonderer Florian, Revierforstamt Thusis; Stecher Jonpitschen, Revierforstamt Scuol; Stuppan Riet, Revierforstamt Madulain-La

Punt-Chamues-ch; Waltenspühl Giacomo, Ufficio forestale Vicosoprano; Wiestner Serafin, Revierforstamt Trin; Wohlwend Mario, Revierforstamt S-chanf; Zeller Mike, Revierforstamt Flims Dorf; Zinsli Hansruedi, Revierforstamt Ruinaulta.   Sachbearbeiter: Beat Philipp (Tel. 081 257 38 66 )   Chur, 30. Juni 2009                                                                                                       Amt für Wald

Die frischgebackenen Forstwarte freuen sich mit ihren Berufskundelehrern Ralf Fluor und André Walder (links) über den gelungenen Lehrabschluss. (Bild: Amt für Wald Graubünden)

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Bilder: Sandro Krättli

Vereinsmitteilung Jahresversammlung 2009 in Trimmis

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Medienmitteilung Wald-Wild-Tag Bedeutung der Waldbewirtschaftung und der Jagd zeichnerisch dargestellt. Wie sieht ein Wald aus, in dem Bäume gefällt und Wildtiere gejagt werden? Wie verändert sich das Waldbild ohne forstliche Nutzung? Was verändert sich für Wald und Wild bei Einstellung der Jagd? Diese drei Szenarien werden neu in kolorierten Zeichnungen für den Wald im Mittelland und für den Bergwald anschaulich illustriert und kommentiert. Die Waldbilder sollen Förstern und Jägern helfen, bei ihren gemeinsam durchgeführten Wald-Wild-Tagen in den Gemeinden und Regionen das Verständnis für ihr Tun bei der Bevölkerung zu fördern. Aufruf an alle Förster und Jäger, gemeinsam einen Wald-Wild-Tag durchzuführen! Denn nicht nur die Jagd wird vielerorts in Frage gestellt, auch Sinn und Notwendigkeit der Holznutzung wird besonders in stadtnahen Wäldern von vielen hinterfragt. Damit sitzen Jäger und Förster im gleichen Boot und sollten sich diesem Informationsdefizit annehmen. Mit der Bilderserie möchten die Trägerverbände die Förster und Jäger erneut dazu ermuntern, gemeinsam einen Wald-Wild-Tag zu organisieren. Dabei können sie die Öffentlichkeit auf sympathische Art ansprechen und den Nutzen der Jagd und der Waldbewirtschaftung erklären.

Tragen Sie ihre Veranstaltung auf der Homepage www.waldwildtag.ch ein. Die kommentierten Bilder stehen abholbereit auf www.waldwildtag.ch. Sie eignen sich für Ausdrucke von A4 bis A1. Falls kein Farbdrucker zur Verfügung steht, wird auch eine unkolorierte Tuschzeichnung angeboten. Träger der Wald-Wild-Tage sind der Schweizerische Forstverein, der Verband Schweizerisches Forstpersonal und JagdSchweiz. Auskünfte: Koni Homberger Via Salums 7031 Laax Telefon: 081 921 55 86, 079 644 42 03 Mail: hsm @ magnet.ch

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Medienmitteilung Kantone auf dem Holzweg? Die Kantone kümmern sich zu wenig um den Naturschutz im Wald. Dies zeigt eine neue WWF-Studie zur Waldbewirtschaftung. Nur gerade die beiden Basel und der Kanton Aargau kümmern sich vorbildlich um ihren Wald. Der Kantonsvergleich bringt es an den Tag: Aargau, Basel-Land und -Stadt gehören bei der Waldbewirtschaftung zur Spitzengruppe. In den anderen Kantonen dagegen wird zu wenig Rücksicht auf die Natur genommen. Besonders gross ist der Handlungsbedarf in den Kantonen Jura, Luzern, Uri, Genf, Glarus und Tessin. Keine Daten zur Umfrage lieferten die Kantone Nidwalden, Kantonsrating (Grafik: WWF Schweiz) Naturschutz im Wald Max AG BS

vorbildlich

BL SZ ZG TG ZH VD SH

mässiger Handlungsbedarf

OW Schnitt SG NE BE SO GR JU UR LU GE GL

grosser Handlungsbedarf

TI NW* VS* AR* AI* FR* 0

200

400

600

800

* Kantone mit keinen oder ungenügenden Angaben für die Auswertung

Wallis, die beiden Appenzell und Freiburg. Dies zeigt die Studie des WWF Schweiz, die das Büro Infras erstellte. Die globale Nachfrage nach Holz steigt, was auch den Druck auf den Schweizer Wald erhöht. Holz wird meist dort geschlagen, wo es am einfachsten geht, im Mittelland, in den Voralpen und im Jura. «Ohne Gegensteuer riskieren wir, dass die einfach zu bewirtschaftenden Wälder in den kommenden Jahren komplett ausgeräumt werden, was verheerende Folgen für die Artenvielfalt haben würde», sagt Thomas Wirth, Waldexperte beim WWF Schweiz. Damit es nicht soweit kommt, sind griffige Massnahmen nötig. Der WWF fordert die Kantone auf, bei den Waldreservaten vorwärts zu machen. Zwar haben zwei Drittel der Kantone bereits entsprechende Konzepte verabschiedet. «Doch bei der Realisierung der Waldreservate hapert es gewaltig: In fast allen Kantonen besteht Handlungsbedarf», betont Wirth. Weiter verlangt der WWF, dass die Kantone ihre Wälder mit dem FSC-Label zertifizieren lassen. Nur so sei eine nachhaltige Bewirtschaftung gewährleistet. Zusammenfassung Holz gilt grundsätzlich als ökologischer Rohstoff im Vergleich etwa zu Erdölprodukten oder Metallen. Eine intensive Nutzung der nachwachsenden Ressource Holz ist aus umweltpolitischer Sicht sinnvoll, verlangt aber nach einer Strategie zur Sicherung eines nachhaltigen Waldmanagements wie auch zur Erhaltung und Förderung der Biodiversität im Wald. Ausgangslage, Ziel Der WWF Schweiz hat INFRAS mit der Erhebung der aktuellen Situation der kantonalen

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Politiken im Bereich Naturschutz im Wald beauftragt mit dem Ziel anhand einfacher, aussagekräftiger Kriterien die Strategien und Umsetzungsaktivitäten der Kantone aus Sicht der Nachhaltigkeit zu beurteilen. Die vorliegende Studie zeigt auch, ob und wie verantwortungsbewusst die Kantone ihre Vorreiterrolle rund um die Fragen zum Naturschutz im Wald wahrnehmen. Im Jahr 2004 hat der WWF bereits eine Umfrage zu Waldreservatskonzepten in den Kantonen durchgeführt und publiziert. Methodik Die Bewertungsmethode basiert auf einer Nutzwertanalyse, die Bewertungen mit unterschiedlichen Skalen in vergleichbare Erfüllungsgrade transformiert und somit ungleiche qualitative oder quantitative Daten vergleichbar und aggregierbar macht. Die Bewertung basiert vorwiegend auf Angaben der Kantone. Als Methode für die Datenerhebung dient eine schriftliche Befragung bei den Kantonen. Für einzelne Kriterien wurden auch externe Datenquellen herangezogen. Die provisorischen Resultate wurden in Fact-Sheets für die Kantone zusammengefasst. Diese wurden zusammen mit den detaillierten Bewertungen den jeweiligen Kantonen zur Stellungnahme unterbreitet. Damit konnten Unklarheiten behoben und Ergänzungen in die definitive Bewertung integriert werden. Resultate Eine Strategie zur Sicherung eines nachhaltigen Waldmanagements sollte die drei zentralen Komponenten Waldreservate, Waldzertifizierung sowie Sicherung und Förderung der Biodiversität auch im Wald ausserhalb der Waldreservate beinhalten. Im Kantonsvergleich gibt es eine grosse Bandbreite zwischen den Kantonen. Eine

Spitzengruppe, bestehend aus den Kantonen Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, übt eine Vorreiterrolle über alle drei Teil­ bereiche Waldreservate, FSC-Zertifizierung und Biodiversität/Naturschutz im Wald aus. Bei den Kantonen Genf, Glarus, Jura, Luzern, Tessin und Uri besteht insgesamt über alle drei bewerteten Teilbereiche der grösste Handlungsbedarf. Die Kantone Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden, Freiburg, Nidwalden und Wallis haben keine Fragebogen ausgefüllt. Ihre ökologischen und sozialen Leistungen im Wald konnten deshalb nicht oder nur für einzelne Kriterien bewertet werden und es bleibt unklar, wie sie sich innerhalb des Kantonsvergleichs positionieren. Der entscheidende Schritt für eine gute Waldreservatspolitik ist das Erarbeiten und politische Verankern eines griffigen Waldreservatskonzepts. Naturwald- oder Totalreservate haben dabei einen besonderen Stellenwert. Im Schnitt sind die Kantone recht weit, was das Vorhandensein und die Inhalte der Waldreservatskonzepte betrifft. Zwei Drittel der Kantone verfügen über Waldreservatskonzepte, die vom Bund genehmigt sind. Bei der Umsetzung besteht jedoch bei fast allen Kantonen noch Handlungsbedarf. Das Ziel auf Bundesebene einen Anteil von 10 % Waldreservatsflächen zu erreichen, wird bis jetzt erst von den vier Kantonen Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Solothurn und Zürich erreicht. Bei der FSC-Zertifizierung gibt es eine grosse Spreizung zwischen den Kantonen. Gemäss Jahrbuch Wald und Holz 2008 haben einige Kantone mehr als 90 % ( AI, AR, GL, OW, SG ) oder sogar 100% ( TG ) ihrer Waldfläche zertifiziert, es gibt aber auch Kantone, die über keine FSC-zertifizierten Wälder verfügen ( UR, TI ). Die Vorbildfunktion des Kantons, das Formulieren griffiger Instrumente zur Bündner Wald 4/2009 87

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Unterstützung des Zertifizierungsprozesses und der Einbezug aller Waldbesitzer sind wichtige Voraussetzungen zur Ausdehnung zertifizierter Waldflächen. Auch bei der Entwicklung und Umsetzung von Strategien zur Vermeidung von Holzschutzmittelanwendungen im Wald besteht noch grosser Handlungsbedarf. Für den Erhalt und die Förderung der Bio­ diversität im Wald ausserhalb der Waldreservate ist das Vorhandensein von Strategien und Zielen für die Themenschwerpunkte Altholz, Totholz, gezielte Artenförderung und Waldrandpflege von zentraler Bedeutung. Die Beurteilung der Leistungen der Kantone in den Bereichen Waldrandpflege, Altholz und Totholz hat sich aufgrund der oft ungenügenden Datenlage jedoch als schwierig herausgestellt. Insbesondere die Auswertungen der neuen Erhebungen des Landesforstinventars, die ab März 2010 publiziert werden sollen, können weiteren Aufschluss über den effektiven Handlungsbedarf geben. Fazit Die Biodiversität im Wald ist enorm wichtig für ein gesundes Waldökosystem. Eine besonders wichtige Rolle spielen dabei grosse und zusammenhängende naturnahe Wälder oder Wälder mit gezielten Artenförderungsstrategien und deren Vernetzung. Begleitend zur erwarteten Intensivierung bei der Holznutzung braucht es Strategien und Massnahmen um die Biodiversität zu schützen und zu fördern. Verbindliche Ziele und Strategien werden weiter an Bedeutung gewinnen, wenn der Marschhalt im Trend der gesteigerten Holznutzung vorbei ist. Solche Strategien sind insbesondere für jene Wälder vorsorglich festzulegen, die einem höheren Nutzungsdruck standhalten müssen. Der Nutzungsdruck wird primär für

Wichtig für den Naturschutz – unberührte Flächen in Reservaten, wie bspw. im Salginatobel bei Schiers (Bild: Sandro Krättli)

gut zugängliche Wälder zunehmen. Deshalb ist das Vorhandensein von Strategien und Massnahmen zugunsten des Naturschutzes im Wald für jene Kantone von zentraler Bedeutung, die über grossflächige und gut erschlossene Wirtschaftswälder verfügen. Bei Bergkantonen mit Wäldern, die aufgrund ihrer Ausdehnung und Zugänglichkeit naturnah sind und extensiv bewirtschaftet werden, ist das Vorhandensein von ökologischen Waldstrategien etwas weniger wichtig als bei Mittellandkantonen. Für Mittellandkantone besteht be der Biodiversitätsförderung aufgrund des Zielkonflikts mit der intensiven Holznutzung grundsätzlich ein höherer Handlungsbedarf für Strategien und Massnahmen als für Bergkantone. Strategien zum Erhalt und zur Förderung der

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Biodiversität sind langfristig gesehen auch von wirtschaftlichem Interesse. Sie bedeuten insbesondere für Wälder mit potenziell hohem Nutzungsdruck ein Fangnetz für Zeiten mit einem hohen Ressourcendruck. Empfehlungen an die Kantone Mit Blick auf ein nachhaltiges, naturnahes Waldmanagement leiten wir folgende Empfehlungen ab: – Die Defizite beim Naturschutz im Wald sind vielgestaltig. Jeder Kanton sollte dort Verbesserungsmassnahmen treffen, wo er im Vergleich zu anderen Kantonen schwach abschneidet. Einige Kantone haben eher Defizite auf der Strategieebene, andere in der Umsetzung. Langfristig ist vor dem Hintergrund einer zunehmenden Intensivierung der Holznutzung beides wichtig. Das Vorhandensein von Strategien, Zielen und Massnahmen zur Förderung und Erhaltung einer naturnahen und nachhaltigen Waldbewirtschaftung wird wegen des Zielkonflikts zur intensiven Holznutzung in den kommenden Jahren insbesondere für Mittellandkantone unerlässlich sein. – Jeder Kanton sollte – entsprechend dem Ziel auf Bundesebene – in den nächsten Jahren einen Anteil von mindestens 10 % ihrer Waldflächen als Waldreservate definieren, wobei der Anteil Naturwaldreservate mindestens 5% betragen sollte. Dabei sollen grosse und zusammenhängende Waldreservate über 1000 ha einen besonderen Stellenwert

haben, weil auf grossen ungestörten Flächen die natürlichen Prozesse ablaufen können. Altholzinseln und Totholz sind als verbindende Elemente zu den Wald­ reservaten und für gesunde Waldöko­ systeme in den Wirtschaftswäldern wichtig. – Im Wald ausserhalb der Waldreservate sollte der Handlungsbedarf zur Förderung der Biodiversität – insbe­ sondere für Mittellandkantone – auf Basis der LFI-3-Daten analysiert werden. Es sind entsprechende kantonsspezifische Ziele und Massnahmen abzuleiten und zu verankern. – Jeder Kanton sollte sich zum Ziel nehmen, auf Holzschutzmittel zu ver­zichten. Dabei sollen die Kantone die Waldbesitzer und die Holzindustrie mit geeigneten Massnahmen angemes­ sen unterstützen. Die fünfjährige Übergangsfrist bis zum endgültigen Verbot der Spritzmittel durch den FSC International sollte genutzt werden um entsprechende Massnahmen vor­ zubereiten und umzusetzen, z.B. im Be­reich der Logistik. Bei einer effizienten, nachfrageorientierten Holzwirtschaft und einer gut geplanten, schnellen Weiter­ verarbeitung des Holzes bringt ein Verzicht auf Holzschutzmittel nur Vorteile. Kontakt Thomas Wirth, Waldexperte, WWF Schweiz, G +41 (0)44 297 22 85 M +41 (0)78 720 19 05

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Medienmitteilung 20. Internationale Forstmesse Luzern ANZEIGE

Biland fest. Die Aussteller präsentieren von der Mechanisierung bis zu forstlichen Softwarelösungen alles für eine effiziente und leistungsfähige Waldwirtschaft. Die seit 1971 zweijährlich stattfindende Forstmesse Luzern schafft den Bezug zur Praxis und ist für die Mehrheit der 30 000 erwarteten Besucherinnen und Besucher ein unverzichtbarer Termin in der Agenda.

Waldberufe im Trend Die Forstmesse Luzern hat sich in 40 Jahren als grösste und wichtigste Messe für die Wald- und Holzbranche über die Grenzen hinaus einen Namen gemacht. Geprägt vom enormen technischen Fortschritt, verkörpert sie auch Tradition und Nachhaltigkeit. Über 280 Aussteller aus dem In- und Ausland zeigen vom 20.– 23. August 2009 auf 30 000 m2 Fläche einen umfassenden Querschnitt durch ihre Produkte und Neuheiten.

Sonderschau mit Försterkino Gut aus- und weitergebildete Forstleute sind das Rückgrat der Branche. Zusammen mit 14 Verbänden und Bildungsinstituten lädt CODOC (Eidg. Fachstelle Koordination und Dokumentation Bildung Wald) zur Sonderschau «Treffpunkt Forst, Forêt, Foresta» ein. Das Försterkino bietet Kurzfilme, Referate und Diskussionen rund um den Schwerpunkt «Waldberufe im Trend». Das Programm wechselt im Halbstundentakt und der Zugang ist jederzeit möglich. Wer mehr zur Förster- und Forstingenieurausbildung und deren Laufbahnmöglichkeiten wissen möchte oder sich für die herausfordernde Gebirgsholzernte und deren Logistik oder die Waldbewirtschaftung vor 100 Jahren interessiert, erhält im Försterkino die Antworten. Alle forstlichen Berufsbilder werden zudem mit Kurzportraits vorgestellt Wieder viele Neuheiten an der Forstmesse (Bild: ZT Fachmessen AG)

«Der Wirtschaftslage zum Trotz beteiligen sich ebenso viele Aussteller wie in den Vorjahren. Und dies mit tendenziell eher grösseren Ständen», stellt Messeleiter Marco 90

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und die besten Arbeitsbücher sowie besondere Herbarien gezeigt. Kampagne «Risikoverhalten Forst» Die Suva lanciert unter dem Titel «Risikoverhalten Forst» eine Aufklärungskampagne der besonderen Art. Es geht um das unfallfreie Arbeiten im Holzschlag, speziell auch bei Lehrlingen. Auszubildende, die während 3 Jahren keinen Unfall hatten, werden an der Forstmesse ausgezeichnet.

20. Internationale Forstmesse Luzern Datum:

20.– 23. August 2009, 9–17 Uhr,

Allmend Luzern Eintritt:

Erwachsene CHF 15.–, Gruppen ab 10 Personen, Lehrlinge, Studenten, AHV-Bezüger CHF 10.– Kinder bis 16 Jahre in Begleitung gratis

Infos:

www.forstmesse.com

Tipp:

Reisen Sie mit dem öffentlichen Verkehr und profitieren Sie von den ermässigten

Das VBS-Schadenzentrum zu Gast Das VBS-Schadenzentrum wickelt die Beurteilung und Vergütung von Schäden ab, welche durch die Armee verursacht wurden. Zu den Schäden im Wald gehören insbesondere eingewachsene Granatsplitter und Geschosse, welche bei der Weiterverarbeitung erhebliche Schäden auslösen können. Die VBS-Experten klären auf und erläutern ihre Arbeit.

12.00 Uhr unter dem Titel «Waldzertifizierung: Königsweg oder Holzweg?» einen öffentlichen Fachkongress durch. Zu Wort kommen Fachleute aus Forschung, Waldwirtschaft, Land- und Lebensmittelwirtschaft, Detailhandel sowie Druckindustrie.

Fachkongress zur Waldzertifizierung In Forstkreisen gibt die Waldzertifizierung gemäss den Labels FSC oder PEFC zu reden. Der nationale Dachverband der Waldeigentümer, Waldwirtschaft Schweiz ( WVS ), führt am Freitag, 21. August im Armeeausbildungszentrum Luzern von 9.30 bis

Organisation und Sekretariat: ZT Fachmessen AG, Pilgerweg 9, CH-5413 Birmenstorf Tel. +41 56 204 20 20 Fax +41 56 204 20 10 info @ fachmessen.ch www.fachmessen.ch

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Leserbrief zum Interview mit Peter Zumthor Dass es gelungen ist, den weltberühmten Architekten Peter Zumthor für ein Interview im Bündner Wald zu gewinnen, ist beachtlich. Ich war sehr gespannt, was dabei herauskommen würde. Wer nun hoffte, aus dem Olymp der Stararchitektur ein flammendes Plädoyer für den Baustoff Holz zu erhalten, wurde aber enttäuscht. Die Verwendung von Holz gilt bei Zumthor eher als Gestaltungsmittel für die Realisierung seiner Kunstwerke. Offenbar sind in der grossen Architektur der subjektive künstlerische Wert und die modeabhängige Ästhetik einer Baute wichtiger, als Benutzerfreundlichkeit (z.B. Behaglichkeit) und Öko­bilanz. Wer glaubt, das höchste Ziel der Architekten müsste es sein, Räume zu schaffen, in denen sich Menschen wohl fühlen und diese Räume so zu gestalten, dass sie unseren natürlichen Lebensraum möglichst wenig belasten, liegt scheinbar falsch.

Immerhin ist es offenbar Herrn Zumthor trotzdem gelungen, in Leis oberhalb von Vals zwei gute Häuser aus Holz zu bauen. Leider aber nur mit Hilfe von kanadischem Holz, weil sich aus unseren Wäldern nicht genügend feinjähriges Holz finden lasse. Diese Behauptung dürfen die Bündner Holzproduzenten nicht auf sich sitzen lassen. Unser Gebirgsholz ist unter anderem gerade wegen seiner Feinjährigkeit bekannt und begehrt. Die Aussage von Herrn Zumthor lässt mich deshalb etwas an seiner Sorgfalt zweifeln. Zumindest was die Materialisierung seiner Bauten betrifft. Schade, dass Herr Zumthor seine weltweite Vorbildfunktion nicht besser nutzt, um sich explizit für nachhaltig umwelt- und somit menschenfreundliches Bauen einzusetzen.

Beat Philipp, Untervaz

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Veranstaltungshinweis Waldmanagement der Zukunft Veranstaltung zum Abschluss des WSLProgramms «Management zukunftsfähige Waldnutzung»: Donnerstag, 1. Oktober 2009 an der WSL in Birmensdorf ( CH ):

Die Forstwirtschaft und die Herausforderungen globaler Entwicklungen Die globalen Entwicklungen – Klimawandel, Energieproblematik, Finanz- und Wirtschaftskrise fordern auch die Forstwirtschaft und die forstliche Forschung heraus.

Der Anlass ist derart konzipiert, dass eine Vernetzung von Praxis und Forschung erfolgen kann. Namhafte Persönlichkeiten aus verschieden Disziplinen nehmen pointiert Stellung zur Ausgangslage und zu möglichen Strategien. Am Schluss des Anlasses werden im Rahmen einer abschliessenden Diskussionsrunde die Schlüsselfragen nochmals mit allen Referierenden vertieft.

Ausgehend von einem Überblick über die wichtigsten Ergebnisse des Forschungsprogramms «Management zukunftsfähige Waldnutzung» werden die erwarteten Wirkungen und Reaktionsmöglichkeiten der Branche analysiert. Anhand von Beispielen aus dem In- und Ausland wird gezeigt, wie mit diesen Herausforderungen umgegangen werden kann. Fachleute aus dem In- und Ausland ebenso wie Experten aus der Wirtschaft und der Zukunftsforschung nehmen sich diesen schwierigen Fragen an und vermitteln Grundlagen, Beispiele und

Programm vom Donnerstag, 1. Oktober 2009 – Begrüssung (N. Kräuchi) – Was hat das Programm Waldnutzung geleistet? – Überblick über die Projekte und die Ergebnisse (O. Thees) – Herausforderungen der Zukunft (G. T. Roos) – Klimawandel: Einschätzung und Strategie von Stora Enso, eines weltweit agierenden Players (P. Soikkeli) – Ressourcen- und Energiehunger: Eine Analyse für Deutschland mit Blick auf das umliegende Europa (U. Mantau) – Mittagessen – Finanz- und Wirtschaftskrise: Auswirkungen auf Forst- und Holzwirtschaft (B. Schips) – Wie reagiert die Schweizer Forstwirtschaft auf die globalen Entwicklungen? Einschätzung und Strategie eines

Anstösse für erfolgswirksame Zukunftsstrategien. Detailprogramm und Anmeldung: www.fowala.ch ; Kontakt: Andreas Bernasconi, Pan Bern, PF 7511, 3001 Bern; Tel.: 031 381 89 45; Fax: 031 381 30 09; Mail: andreas.bernasconi @ panbern.ch.

kantonalen Forstdienstes (R. Hefti) – Was kann die forstliche Forschung zur Lösung der Probleme beitragen? (S. Nilsson) – Schlussdiskussion mit den Referierenden – Schlusswort (J. Kirchner) Teilnahmegebühr CHF 230.– pro Person (inklusive Kursunter-

lagen, Mittagessen und Pausengetränke).

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Vorschau Impressum Waldmanagement Die über Jahre hinweg stetig gesunkenen Holzpreise und die gleichzeitig gestiegenen Arbeitskosten dürften wohl die Hauptgründe sein, dass die Waldwirtschaft nicht mehr in jener Blütezeit steht wie vor 30 Jahren. Die Waldbesitzer entwickelten somit neue Strategien und Strukturen, wie wir wieder erfolgreicher arbeiten könnten. Es gibt verschiedene Ansätze und Ideen, welche Forstbetrieben wieder zu neuem Schwung verhelfen. Wir fragen kleinere und ganz grosse Betriebe nach Ihrem Erfolgsrezept. Redaktion: Jörg Clavadetscher Vorschau auf die nächsten Nummern: 6/09 Schutzbautenkataster und Naturgefahren Redaktion: Sandro Krättli Wichtige Termine Wichtige Termine des AfW, SELVA, und Graubünden Wald finden Sie immer aktuell unter http://www.selva-gr.ch/ Kurse/Kursframe.htm

Herausgegeben von Graubünden Wald, Amt für Wald Graubünden und der SELVA Verleger: Südostschweiz Presse und Print AG, Südostschweiz Print, CH-7007 Chur Sekretariat: SELVA, Christophe Trüb Bahnhofplatz 1, CH-7302 Landquart, Telefon 0041 (0)81 300 22 44, buendnerwald@selva-gr.ch Redaktoren: Jörg Clavadetscher, Revier forestal da Val Müstair, CH-7535 Valchava, Telefon 0041 (0)81 858 58 21, forestal-muestair@bluewin.ch. Sandro Krättli, AfW GR, Sagastägstrasse 96, CH-7220 Schiers, Telefon 0041 (0)81 300 24 11, sandro.kraettli@afw.gr.ch Die Redaktion behält sich vor, Beiträge in nicht verlangter Form ohne Rückfrage zu ändern Druckvorstufe (Satz, Lithos, Belichtung):  Südostschweiz Presse und Print AG, Südostschweiz Print, Kevin Huber Druck: Südostschweiz Presse und Print AG, Südostschweiz Print, Postfach 85, Kasernenstrasse 1, CH-7007 Chur, Telefon 0041 (0)81 255 51 11, Fax 0041 (0)81 255 52 89 Erscheint sechsmal jährlich. Auflage 1500 Exemplare Inserate: Südostschweiz Publicitas AG, Neudorfstrasse 17, CH-7430 Thusis, Telefon 0041 (0)81 650 00 70, Fax 0041 (0)81 650 00 74, thusis@so-publicitas.ch Abonnementspreise: CHF 60.– (für Mitglieder Verein Graubünden Wald) Abonnemente/Adressänderungen: Südostschweiz Presse und Print AG, Südostschweiz Presse, Postfach 85, Administration Kasernenstrasse 1, CH-7007 Chur, Telefon 0041 (0)81 255 50 50 www.buendnerwald.ch

Für Inseratetexte übernimmt die Redaktion keine Verantwortung, auch muss die Meinung der Beiträge nicht mit der Ansicht der Redaktoren übereinstimmen. Autoren, die zu nebenstehenden Themen

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