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Sidonie Engels (Hg.) Inklusion und Kunstunterricht


Kunst und Bildung Herausgegeben von Carl-Peter BuschkĂźhle, Joachim Kettel und Mario UrlaĂ&#x; Band 13


Sidonie Engels (Hg.)

Inklusion und Kunstunterricht Perspektiven und Ansätze kßnstlerischer Bildung Mitarbeit: Susanne Bauernschmitt und Susanne Catrein

ATHENA


Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über <http://dnb.d-nb.de> abrufbar.

1. Auflage 2017 Copyright © 2017 by ATHENA-Verlag, Mellinghofer Straße 126, 46047 Oberhausen www.athena-verlag.de Alle Rechte vorbehalten Umschlaggestaltung: Sidonie Engels Druck und Bindung: Brasse & Nolte RuhrstadtMedien, Castrop-Rauxel Gedruckt auf alterungsbeständigem Papier (säurefrei) Printed in Germany ISBN 978-3-89896-660-3


Inhalt Sidonie Engels Einleitung 7 Sidonie Engels Inklusion und Kunstdidaktik heute

11

Susanne Bauernschmitt und Teresa Sansour Das Potenzial künstlerischer Bildung für inklusiven Unterricht

29

Sabine Essig-Dehner, Susanne Bauernschmitt, Anja Geißler, Sarah Daumann und Magdalena Feser Unterwegs – im inklusiven Kunstunterricht

39

Kathrin Nicklas Fantasiehäuser – Bericht über ein künstlerisches Projekt in einer Inklusionsklasse

53

Susanne Catrein »Ein Spiel aller für alle« – Performative Wirklichkeits- und Möglichkeitsräume

63

Simon Christophery Von Kopf bis Fuß bewegt. Ein performatives Projekt in einer inklusiven Grundschulklasse

81

Christina Griebel Passung sehen, unangepasst leben: Collage als Denkfigur künstlerischer Bildung

93

Lena Marie Staab Von Topmodels und anderen Heteronormativismen. Eine essayistische Auseinandersetzung mit Geschlecht und dessen Inszenierung am Beispiel einer Performance

109

Anne Brandenburg Dewey, künstlerische Bildung und Inklusion

123

Autorenverzeichnis 135


Sidonie Engels

Einleitung Seit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland im Jahr 2009 wird dem Thema ›Inklusion‹ viel Beachtung geschenkt. Zahlreiche Bücher und Aufsätze sind seither im Bereich Pädagogik erschienen, und auch die Kunstdidaktik hat – mit etwas Verzögerung – begonnen, sich dem Thema zuzuwenden und den Diskurs zu eröffnen.1 Mit dem vorliegenden Band soll ein Beitrag zu diesem Diskurs geleistet werden. Der Band beleuchtet einige ganz unterschiedliche Aspekte von ›Inklusion und Kunstunterricht‹ aus ganz verschiedenen Perspektiven. Es wird deutlich, dass das Thema sehr facettenreich ist und dazu herausfordert, Gewissheiten zu überprüfen und Dinge neu zu denken. In diesem Sinne geht Sidonie Engels im einführenden Beitrag »Inklusion und Kunstdidaktik heute« der Frage nach, inwiefern sich gegenwärtige kunstpädagogische Positionen mit den unterschiedlichen inklusionsbezogenen Fragestellungen vereinbaren lassen. Sie differenziert zwischen einem engeren und einem weiteren Inklusionsbegriff und leitet daraus unterschiedliche methodische wie thematische kunstdidaktische Herangehensweisen ab. Einen Schwerpunkt des Bandes bilden Perspektiven der künstlerischen Bildung. Er ergibt sich aus dem Standort Heidelberg, aus dessen Umkreis die Beiträgerinnen und Beiträger stammen. Hier steht im Studium der angehenden Kunstlehrerinnen und Kunstlehrer die künstlerische Bildung im Vordergrund. In Heidelberg kann auch das sonderpädagogische Lehramt studiert werden, und so ergibt sich in vielerlei Hinsicht ein spannungsvolles sowie konstruktives gemeinsames Nachdenken und erprobendes Handeln. Davon zeugen die Beiträge von Susanne Bauernschmitt und Teresa Sansour sowie von Sabine Essig-Dehner, Susanne Bauernschmitt, Anja Geißler, Sarah Daumann und Magdalena Feser. Susanne Bauernschmitt und Teresa Sansour erläutern in ihrem Beitrag allgemeine Theorien für inklusiven Unterricht und setzen diese in eine Beziehung zur künstlerischen Bildung. Insbesondere interessieren sich die beiden Autorinnen für Fragen nach der Vermittlung zwischen Gegenstand und Subjekt, für unterschiedliche Zugangsweisen und Möglichkeiten der Kooperation sowie für die Lehrerrolle. Sie zeigen viele Gemeinsamkeiten auf und belegen damit, dass künstlerische Bildung und inklusiver Unterricht sehr gut miteinander vereinbar sind. Das von Sabine Essig-Dehner, Susanne Bauernschmitt, Anja Geißler, Sarah Daumann und Magdalena Feser durchgeführte und im Band beschriebene Unterrichtspro1

An umfangreicheren Publikationen sind hier zu nennen Blohm/Brenne/Hornäk 2017 und Loffredo 2016 mit dem aktuellen Forschungsstand zum Thema.


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Sidonie Engels

jekt an einer inklusiven Grundschule zum Thema ›Unterwegs‹ bekräftigt dies und veranschaulicht die Bedeutung individualisierter Zugänge und des sich im Dialog entwickelnden Prozesses. Auch das von Kathrin Nicklas vorgestellte künstlerische Projekt in einer ›ganz normalen‹ siebten Klasse dient als Beispiel dafür, dass viele Aspekte, die für eine inklusive Pädagogik wichtig sind, im Kunstunterricht zum Tragen kommen können. Zwei Beiträge im Band greifen ästhetisch-performative Ansätze auf und stellen einen Bezug zu Fragen des Lernens und Handelns in heterogenen Gruppen her. Susanne Catrein analysiert ein Projekt eines Oberstufenkurses, das sich zwischen Kunst- und Theaterpädagogik bewegt. Sie stellt heraus, dass im Spiel ›normative Gegebenheiten‹ aufgehoben werden können, und sieht vor allem hierin das Bildungspotenzial im Hinblick auf Inklusion. Simon Christophery berichtet von seinem Performanceprojekt mit Drittklässlern in einem inklusiven Setting. Im Vordergrund stand bei diesem Projekt die Auseinandersetzung mit der jeweils eigenen kulturellen Identität, ohne dabei Klischeebildungen zu begünstigen. Die Beiträge von Christina Griebel und Lena Marie Staab beschäftigen sich allgemeiner mit ›Verschiedenartigkeit‹ und problematisieren Verengungen unseres Blicks. So veranschaulicht Christina Griebel, dass so vieles in unserem Leben aus unterschiedlichsten Versatzstücken zusammengefügt ist und dem Prinzip der Collage folgt. Sie führt vor, wie ein Denken in Bildern uns für andere und anderes öffnen kann. Lena Marie Staab nimmt die Performance eines Schülers zum Anlass, auf die Problematik von Heteronormativismen hinzuweisen. Den Umgang mit Differenzen stellt sie als wichtiges Moment für eine gelingende Gestaltung inklusiver Settings heraus. Anne Brandenburg schließlich verdeutlicht, inwiefern ›Inklusion‹ im Prinzip eine alte pädagogische Idee ist, die nichts an Aktualität verloren hat. Mit Blick auf John Deweys Demokratietheorie wird die Überfälligkeit ihrer Verwirklichung ganz offenkundig. Dass die Bildungspotenziale eines künstlerischen Projekts mit den Bildungsvorstellungen Deweys in vielerlei Hinsicht zusammengehen, spricht dafür, es als sehr geeignet für kunstpädagogisches Handeln in inklusiven Settings anzusehen. Der Band versammelt vielfältige Überlegungen und Ansätze – sowohl aus der Innen- als auch aus der Außenperspektive und vor allem auch aus der Schnittstelle Schule/Hochschule heraus. Von hier aus ist Kunstdidaktik zu innovieren.2 In einem bislang auf Selektion und Segregation ausgerichteten Schulsystem kann sicherlich nicht umgehend alles anders gemacht werden. Für didaktische Überlegungen erscheint es hilfreich, nicht gleich an Schülerinnen und Schüler mit ganz speziellen Förderbedarfen zu denken, um die sich bisher in besonderen und spezialisierten Einrichtungen gekümmert wurde, sondern sich zunächst einmal grundlegend von der Vorstellung zu verabschieden, dass in einer Schulklasse eine weitgehend homogene (oder zu homogenisierende) Gruppe vorzufinden ist. Kunstunterricht wird und 2

Vgl. Busse 2014, 30 f.


Einleitung

wurde meist nie so gedacht. Der Band soll dies zeigen und einen Anstoß liefern, das Thema ›Inklusion‹ in der Kunstdidaktik weiter anzugehen.

Literatur Blohm, Manfred/Brenne, Andreas/Hornäk, Sara (Hgg.) (2017): Inklusionsaspekte in den künstlerischen Fächern und der ästhetischen Bildung (in Vorbereitung). Busse, Klaus-Peter (2014): Kunst unterrichten. Die Vermittlung von Kunstgeschichte und künstlerischem Arbeiten. Oberhausen. Loffredo, Anna Maria (Hg.) (2016): Kunstunterricht und Inklusion. Eine bildungstheoretische und fachdidaktische Untersuchung gegenwärtiger Anforderungen an ausgewählten Unterrichtsbeispielen für die Primar- und Sekundarstufen. Oberhausen.

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Leseprobe | Inklusion und Kunstunterricht  

Inklusion und Kunstunterricht | Sidonie Engels

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