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Kunibert Bering, Rolf Niehoff, Karina Pauls (Hgg.) Lexikon der Kunstpädagogik


ARTIFICIUM Schriften zu Kunst und Kunstvermittlung Herausgegeben von Kunibert Bering Band 60


Kunibert Bering, Rolf Niehoff, Karina Pauls (Hgg.)

Lexikon der KUNSTPÄDAGOGIK

Redaktion: Johanna Mußenbrock, Nadja Nafe, Julia Pfafferoth, Philip Wiehagen

ATHENA


Gedruckt mit Unterstützung des Ministeriums für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über <http://dnb.d-nb.de> abrufbar.

1. Auflage 2017 Copyright © 2017 by ATHENA-Verlag, Mellinghofer Straße 126, 46047 Oberhausen www.athena-verlag.de Alle Rechte vorbehalten Umschlagabbildung: Rolf Niehoff: Visueller Messvorgang, Mai 1969 Druck und Bindung: Grafisches Centrum Cuno GmbH & Co. KG, Calbe (Saale) Gedruckt auf alterungsbeständigem Papier (säurefrei) Printed in Germany ISSN 2193-2816 ISBN 978-3-89896-690-0


Vorbemerkung »Je mehr wir sehen, desto mehr müssen wir hinzu denken können. Je mehr wir dazu denken, desto mehr müssen wir zu sehen glauben.« Lessing: Laokoon III Für Lessing stehen Sehen und Denken in einem unmittelbaren Verhältnis – diese Konzeption ist bis heute unbestritten. Zum Sehen gehört das Wissen, um Kontexte bilden zu können, die dem Gesehenen eine Bedeutung verleihen und eine Orientierung in der Welt ermöglichen. Seit Lessings Zeit sammeln dieses Wissen die großen europäischen Enzyklopädien, in China entstand gleichzeitig mit über 5000 Bänden das größte jemals gedruckte Nachschlagewerk. Kunstpädagogik setzt sich gleichermaßen mit Sehen und Wissen sowie mit der Produktion, Reflexion und Rezeption von Bildern auseinander. Das »Lexikon der Kunstpädagogik« will das dafür notwendige Wissen ausloten. Bisher fehlt ein derartiges Nachschlagewerk, das den Versuch unternimmt, Wissen für den kunstpädagogischen Umgang in einer Vielzahl von Bereichen bereitzustellen, die notwendig sind, um Heranwachsenden die Orientierung in einer von Bildern geprägten Welt und deren Gestaltung zu ermöglichen. Das Spektrum umfasst die Jugendkulturen mit ihren Bilderwelten ebenso wie kunstdidaktische und kunstwissenschaftliche Felder und inter- und transkulturelle Fragen. Für die Auswahl aus einer unüberschaubaren Fülle des Materials war eine denkbare Bedeutung der ausgewählten Aspekte und Begriffe für den Kunstunterricht ausschlaggebend. Dabei fand auch die Relevanz der jeweiligen Probleme im Bewusstseinshorizont der Heranwachsenden besondere Beachtung. Vor dem Hintergrund der Digitalisierung des Wissens stellen sich verstärkt Fragen, die in Begrifflichkeiten und gegenwärtige Anliegen münden. Von dieser Basis kann der Blick sowohl zurück in die historischen Entwicklungen als auch in die Zukunft und in offene Fragestellungen schweifen. Dazu versammelt das Lexikon mit Beiträgen von rund 90 Autoren zahlreiche Perspektiven, die auch divergierende Auffassungen deutlich werden lassen. Ein wichtiges Moment des Lexikons ist schließlich die Vernetzung der Inhalte durch ausführliche Verweise. Der Leser soll angeregt werden, naheliegende, aber vielleicht auch unerwartete Bezüge zwischen den verschiedenen Beiträgen zu entdecken. Bei der Konzeption eines fachspezifischen Lexikons stellt sich immer wieder die Frage nach der Verknüpfung mit affinen Gebieten. Angesichts der geschichtlichen Entfaltung der von Bildern geprägten Welt, in der die Heranwachsenden leben und die sie gestalten werden, ist die Einbeziehung historischer Dimensionen der Bilder in den Kunstunterricht unverzichtbar. Es kann nicht mehr nur um eine Geschichte der Kunst gehen, sondern vielmehr um eine Geschichte der Bilder. Jeweils zeittypische Formen und Vorstellungen sowie die kulturell geprägten, zeitgebundenen Auffassungen von


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Vorbemerkung

»Kunst«, werden exemplarisch herausgestellt. Auch bei der Thematisierung der sich historisch entfaltenden Bilderwelt außereuropäischer Kulturen sind keine systematisierenden Abhandlungen zu erwarten, sondern vielmehr Hinweise auf Vorstellungen von Bild und Kunst sowie Anmerkungen zu inter- und transkulturellen Verbindungen. Dabei stellen sich grundlegende Fragen: Angesichts divergierender Ansätze der gegenwärtigen kunsthistorischen Forschung führt eine stilgeschichtliche Darstellung kaum weiter. Die Kunstgeschichte gab den traditionellen Begriff des Stils als einer sich vermeintlich genetisch entwickelnden Formensprache weitgehend auf. Unter dem Eindruck konstruktivistischer Ansätze wandelte sich radikal das Modell der einen gesellschaftlichen »Wirklichkeit«, die sich im Strom der Geschichte entwickelte, zur Vorstellung von der Existenz unterschiedlicher Wirklichkeiten der jeweils handelnden Menschen. In diesem Verständnis und zur besseren Nutzung des »Lexikons der Kunstpädagogik« werden Begriffe wie »Gotik« oder »Renaissance« beibehalten. Damit sind lediglich umfassendere historische Phasen gemeint, die eine gewisse Konventionalität erreicht haben und sich durch eine Fülle von angenommenen Gemeinsamkeiten auszeichnen. Entscheidend ist dabei, dass die Elemente derartiger Einheiten wiederum in anderen Zeiten und divergierenden Kontexten und intentionalen Zusammenhängen rezipiert werden können. Aus Gründen der einfacheren Lesbarkeit wurde auf die Differenzierung der Geschlechter verzichtet. Düsseldorf, im April 2017 Herausgeber und Redaktion


Inhalt A Abstraktion 13 Afrika (südlich der Sahara) 15 Aisthesis 18 Aktion 22 Akustische Kunst 23 Alltag 23 Alterität 27 Anamorphose 29 Anime 29 Anschauliches Denken 29 Antike 30 Apps 33 Architektur 33 Architekturvermittlung 37 Arts and Crafts-Bewegung 39 Assoziative Verfahren 41 Ästhetik 44 Ästhetische Bildung 47 Ästhetische Erfahrung 50 Ästhetische Erziehung 53 Ästhetische Forschung 53 Ästhetische Grenze 55 Ästhetische Operationen 56 Ästhetische Rationalität 58 Ästhetisches Projekt 61 Atelier (Studio) 64 Atlas 64 Atmosphäre 66 Augmented Reality 69 Ausstellung 71 Autopoiesis 73 Avantgarde 75

BDK – Fachverband für Kunstpädagogik 86 Beurteilen im Kunstunterricht 86 Bild/Bildverständnis 89 Bild und Kontext 93 Bild und Kunst 93 Bild und Sprache 93 Bildakt/Bildanalyse 97 Bildanalyse 97 Bildanthropologie 97 Bildbearbeitung/ Bildbearbeitungsprogramme 97 Bildbegriff, islamisch 97 Bilderflut 100 Bildhauerei 100 Bildkompetenz 100 Bildnerisches Tagebuch 103 Bildorientierung 105 Bildungsstandards 106 Bildungstheorie 108 Bildwissenschaft 110 Biografie 110 Bologna-Prozess 111

B Barock 78 Bauhaus 81

D Denkmal 126 Design 126

C China 115 Collage/Prinzip Collage 117 Comic/Graphic Novel/Manga 118 Computerspiele 122 Cosplay 122 Crossover/Crossmedial 122 Cultural Studies 124 Cyberpunk 126


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Inhalt

Digital Games 130 Digital Natives/Digital Immigrants 133 Digitale Bildgestaltung 134 Digitale Medien 136 Digitale Netzwerke 137 Digitalisierung 137 Dilettantismus 137 Diversität/Diversity 138 3D-Welten im Kunstunterricht 138 Druckgrafik 140 E Elementarpädagogik 140 Empirische Ästhetik/ Experimentelle Ästhetik 141 Exkursion 145 F Fachübergreifender/ Fächerverbindender Unterricht 145 Fachverbände 147 Fan Art 151 Farbe im Kunstunterricht 151 Farbe, entwicklungspsychologisch 155 Farbe, sozialhistorische Aspekte 158 Farbmaterial 162 Feldforschung 164 Film/Video 164 Film/Video im Kunstunterricht 167 Film/Video – Animationsfilm 173 Film/Video – Handyfilm 175 Forensische Ästhetik 178 Fotografie 180 Fotografie – Inszenierung im Kunstunterricht 183 Foto-Tagebuch 184 G Gender 186 Genie 188 Gesamtkunstwerk 191 Geschichtsbewusstsein 193

Geschmack 195 Gestalt/Gestaltpsychologie/ Gestalttheorie 198 Glitch Art 202 Globalität/Globalisierung 204 Gothic 207 Gotik 207 Graffiti 209 Grafik 211 Graphic Novel 214 Grundschule 214 H Handlungsfelder 215 Handlungsorientierung 215 Handy-Film 215 Handy-Foto 215 Heterogenität 215 I Iconic Turn 215 Identität 215 Ikonik 218 Ikonizitätsgrad 218 Ikonografie 218 Ikonologie 218 Illusionismus 218 Imagination 222 Implizites Wissen 225 Impuls 227 Informationsästhetik 227 Inklusion 227 InSEA 230 Installation 230 Inszenierung 233 Integration 236 Interdisziplinarität 236 Interkulturalität 236 Intermedialität 236 Internetphänomene 239 Islamischer Bildbegriff 242


Inhalt

J Japan/Japonismus 242 Jugendkultur(en) 244 Jugendkunstschulen 248 Jugendtheater 249 K Kartografieren 250 Kinder- und Jugendtheater 250 Kinderzeichnung 252 Körper 256 Kollektives Gedächtnis 259 Kompetenzorientierung 259 Komposition 261 Konkrete Kunst 261 Konstruktivismus, philosophisch/ bildwissenschaftlich 262 Kontextualität 265 Kreativität 265 Kultur 268 Kulturelle Bildung 270 Kulturelles Gedächtnis 273 Kulturkompetenz 275 Kultursoziologie 275 Kunst/Kunstverständnis 275 Kunstakademien 277 Kunstdidaktik 279 Kunsterziehungsbewegung 281 Kunstgeschichte/ Kunstwissenschaft 281 Kunstgewerbe 284 Künstlerausbildung 284 Künstlerbücher 284 Künstlerische Bildung 286 Künstlerische Feldforschung 289 Kunstorientierter Kunstunterricht 291 Kunstpädagogik 294 Kunstpädagogik/Grundschule 298 Kunstpädagogik im Nationalsozialismus 301 Kunstpädagogik, international 305

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Kunstpädagogik und Transkulturalität 309 Kunstpädagogische Handlungs­felder 309 Kunstpsychologie 312 Kunstsoziologie 316 Kunsttherapie 316 Kunstvermittlung 320 Kunstwissenschaft 320 Kybernetische Ästhetik 320 L Lehrerausbildung 320 Leib 320 Lernort Schule 320 Lernorte, außerschulisch 321 M Malerei 323 Manga 328 Mapping 328 Mash-Up 330 Massenmedien 330 Materialität 332 Media Literacy 335 Medienartefakte 337 Medienkonsum 337 Medienkunst 337 Medienpädagogik 340 Memes 343 Methoden der Bildanalyse 343 Methoden im Kunstunterricht 347 Migration und Bildkultur 350 Migration und Kunstpädagogik 354 Mimesis 357 Mittelalter 359 Mnemosyne 361 Mode 361 Moderne/Postmoderne 365 Möglichkeitssinn 369 Moodboard 371


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Inhalt

Morphing 373 Motivgeschichte 374 Multikulturalität 374 Museumspädagogik 374 Musische Erziehung 378

Q Qualitative empirische Forschung 411 Queer 413

O Offenes Kunstwerk 384 Ort(-sbezug) 384 Othering 384

R Raum 413 Realismus 417 Realität(swahrnehmung) 417 Reflexion 417 Reformpädagogik und Kunsterziehung 418 Relief 420 Renaissance 422 Rezeption 424 Rezeptionsästhetik 424 Romanik 427 Romantik 428

P Partizipation 384 Performance/Performativität 387 Perspektive 390 Perzept (Percept) 390 Phänomenologie 392 Phantasie 393 Philosophie und Kunstunterricht 395 Pictorial Turn 399 PISA 400 Plastik 401 Pluralismus 401 Portfolio 402 Post-Digital Culture 404 Postmedia 406 Postmoderne 406 Präsentationsformen 406 Prinzip Collage 407 Produktion 408 Propaganda 408 Prozessorientiertes Lernen 411

S Sammeln 430 Sampling 430 Schönheit 432 Schülerorientierung 436 Schularchitektur 436 Selbstdarstellung 439 Selfie 439 Semiotik 442 Skulptur/Plastik 445 Soziale Medien/Social Media 449 Soziale Netzwerke 449 Soziale Plastik 451 Sozialisation durch Bilder 453 Spiel 453 Sprache und Bild 455 Städtebau 455 Steampunk 459 Street Art 459 Strukturzeichnung 459 Studio-Thinking 459

N Nationalsozialismus 378 Naturalismus/Realismus/Verismus 378 Netzbasierte Kunst 380 Netzkunst 381 Nürnberg-Paper 382


Inhalt

Symbol 462 Symbolische Form 462 Synästhesie 462 Systemtheorie 464 T Tacit Knowing 464 Tagebuch 464 Theater 464 Theaterpädagogik 466 Transgender 468 Transkulturalität 469 Trompe l’œil 471 U Urban Art/Urbane Kunst 471 Urbanistik im Kunstunterricht 473 V Verismus 477 Video/Videokunst 477 Videospiele 477 Virtuelle Realität/Virtual Reality 477 Virtueller Raum 477

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Visual Culture 477 Visual Kei 477 Visual Learning 477 Visual Literacy 478 Visuelle Kommunikation, kunstpädagogisch 480 W Wahrnehmung (Physiologie, Neurowissenschaften) 482 Wahrnehmung (Wahrnehmungstheorie, -psychologie) 484 Weltkulturerbe 489 Werken 491 Werkstatt(-prinzip) 493 X/Y Younow 493 Z Zeichenunterricht, historisch 493 Zeichnen als Erkenntnis 497 Zeit und Kunst 500 Zentralabitur 504


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