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beyond Das Magazin der Beyer Chronometrie

11/2010


die

uhr der visionäre

Wie keine andere Uhr steht Rolex für technische Innovation. Die 1956 eingeführte Milgauss wurde speziell für die Anforderungen von Wissenschaftlern entwickelt. Durch härteste Tests, die von den Ingenieuren des Forschungszentrums CERN durchgeführt wurden, erwarb die Milgauss den Ruf, magnetisch perfekt abgeschirmt zu sein. Sie widersteht einer magnetischen Induktion von bis zu 1.000 Gauss. Heute ist sie mit einer Parachrom-Breguetspirale ausgerüstet, die ebenfalls vor magnetischen Störeinflüssen schützt. Gezeigt wird die Milgauss, die ausschliesslich in Edelstahl 904L erhältlich ist, hier in einer Jubiläumsausgabe mit einem grünen Saphirglas.

d i e mil g auss


Editorial

Liebe Kundin, lieber Kunde Liebe Freunde des Hauses Beyer

Das Jubiläumsjahr ist in vollem Gang. Wir durften schöne Anlässe erleben und erhielten viele nette Reaktionen aus aller Welt. Herzlichen Dank dafür! Passend zu diesem Jubeljahr markiert die Firma Beyer einen Meilenstein: Wir vergrössern unsere Lokalitäten an der Bahnhofstrasse und eröffnen im Sommer eine eigene Patek-Philippe-Boutique. Der Vertrag wurde am 27. August unterzeichnet – ein weiterer Grund zum Feiern!

Simone Bischofberger-Gumpp

Noch eine gute Nachricht zum Schluss: Wir haben spontan entschieden, das Jubiläumsjahr bis in den März zu verlängern. Sie dürfen gespannt sein! Herzliche Grüsse, Simone Bischofberger-Gumpp

auf menschen fokussiert

Fotograf Hans Schürmann legte sich für dieses «beyond» gleich zweimal ins Zeug: Er dokumentierte das Poloduell von Jérôme Lambert (CEO Jaeger-LeCoultre) und René Beyer (Seite 34) und besuchte für eine Reportage über Beyer-Partnerin Aerowatch den Jura (Seite 64). Aus HermÈs wird Patek Philippe

An der Bahnhofstrasse 31 wird derzeit gehämmert, gebohrt und an einer edlen neuen Welt gebaut: Am ehemaligen Standort von Hermès entsteht bis im Sommer eine Patek-Philippe-Boutique, die unter der fachkundigen Regie von Beyer Uhren & Juwelen geführt wird (Seite 12).

shooting im Orchestergraben

Fotos: Tom Haller (1), Kilian Kessler (1)

4

Grosse Ehre auch für unser Museum: Im Januar ist es Ehrengast an der renommierten Uhren- und Schmuckmesse SIHH in Genf und präsentiert dort einen Querschnitt der schönsten Errungenschaften aus den letzten Jahren.

Unsere Bildstrecke mit glamourösem Schmuck und festlichen Uhren (Seite 24) entstand diesmal in den Kulissen der Zürcher Oper. Von links: Fotoassistent Gianni Baumann, Stylistin Mirjam Kaeser und Fotograf Roland Tännler.

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Inhalt

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Das Magazin der Beyer Chronometrie

8 What’s up Events, Menschen, News und Zeitgeist 12 Chefsache René Beyer nimmt Stellung 14 250 Jahre Beyer Die Bilder zum Patek-PhilippeKonzert

34

18 250 Jahre beyer Die Feier der «Freunde des Hauses» 22 150 Jahre Chopard Zum Geburtstag gibt es «All in One»

24 Bijoux Schmuck und Uhren für die besondere Note

14

31 Kultu(h)r Der Lauf der Zeit – epochale Bildbände 34 Jaeger-LeCoultre Eine muntere Polostunde in Zürich 38 bahnhofstrasse Wie «Lucy» an den Himmel kam 44 People Prominente und ihr Umgang mit Schmuck 48 Interview Zeitforscher Karlheinz Geissler im Gespräch

38

52 Museum Mit der «Deep Sea» zur tiefsten Meeresstelle

44

56 Swiss made Tiki – die dreiminütige Mundmassage 58 Highlights Magische Momente mit Beyer-Kunden 62 Wissen Das besondere Werkzeug: die Zeigerabheber 64 Aerowatch Zu Besuch bei der Familie Bolzli im Jura 70 Anekdoten Geschichten aus dem Verkaufsalltag

64

74 Zeitgeist 10 Fragen zur Zeit an Marianne Eschbach

48 52 Impressum

beyond

Das Magazin der Beyer Chronometrie AG, Bahnhofstrasse 31, CH-8001 Zürich, Tel. +41 (0)43 344 63 63, www.beyer-ch.com Herausgeber: René Beyer. Chefredaktion: Simone Bischofberger-Gumpp. Art Direction und Gestaltungskonzept: Adrian Hablützel, artdepartment.ch Textredaktion/Produktion: Matthias Mächler, diemagaziner.ch. Korrektorat: textissimo.ch. Bildbearbeitung: Sota AG. Druck: Fotorotar, Egg ZH.

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Fotos Roland Tännler, Hans Schürmann, Kilian Kessler, Getty-Image, Michael Schrenck, Matthias Zuppiger,

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23 Kolumne Mikael Krogerus und die Uhr des Grossvaters


What’s up wetten, dass …

Baumgartner traf ins schwarze Beyer-Verkaufsleiter Markus Baumgartner liess sich im letzten «beyond» auf eine Prognose ein. Und behält recht: Die smaragdgrüne Rolex «Submariner» mit Cerachrom-Lünette ist die meistverkaufte Neuheit 2010. Die Wartezeiten betragen schon bis zu einem Jahr.

8

Botschafterinnen einer anderen Zeit: Edi Liu und Claudia Walker.

250 Jahre beyer

Schoggitaler-Aktion Am 3. Juni und am 15. September dachten wohl einige Passanten, sie hätten sich in der Zeit verirrt. BeyerMitarbeiter kleideten sich wie im Gründungsjahr 1760 und verschenkten vor dem Geschäft an der Bahnhofstrasse einige Hundert Beyer-Schoggitaler an die Passanten.

«Wohlstand ist, wenn die Menschen mehr Uhren haben als Zeit.» (Unbekannt)

Regula Sigg unter der goldenen Uhr.

Atelier

Jürgen Delémont parliert mit Passanten.

Pina Bisig lockt mit süssem Glück.

Weltklasse-Pokal

Die Diamond League ist die Weltmeisterschaft der Leichtathleten und gipfelt jeweils im Meeting «Weltklasse Zürich». Die Sieger der 32 Disziplinen werden in den nächsten fünf Jahren mit einer Trophäe aus dem Schmuckatelier Beyer geehrt – entwickelt von Atelierchef Carlo Mutschler (rechts). beyond 10/2010


Patek Philippe

50 Kunstwerke zum Jubiläum Für Beyer macht Patek Philippe eine Ausnahme und präsentiert eine Jubiläumsuhr mit Doppelnamen – als Vorlaufserie zur «Ref 5170-001» und mit Besonderheiten wie dem Tachymeter sowie dem zusätzlichen Massivgoldboden mit Jubiläumsgravur. Natürlich liegt der exklusiven Holzschatulle auch die Geschichte der besonderen Verbindung von Patek Philippe und Beyer bei – und ein Zertifikat der Limitierung. Schliesslich gibt es von dieser Uhr nur 50 Stück.

9

Die «Ref 5170-010» orientiert sich an den Chronographen von Patek Philippe aus den 1940er-Jahren, die an Auktionen zu den begehrtesten Angeboten zählen. Die luxuriöse Schatulle ist mit einem Messingschild speziell beschriftet.

Im Gelbgoldgehäuse tickt ein Manufaktur-Chronographenwerk Kaliber CH 29-535 PS.

Zum Saphirboden gibt es zusätzlich einen Massivgoldboden mit Gravur.


Alle Zeit der Welt – seit 250 Jahren

in unSeRem atelieR WeRden tR€ume faSSbaR: kiSSenf…Rmig geSChliffeneR diamant mit funkelndem feueR auS deR tiefe von 6.11 kaRat.

Patek PhiliPPe . Rolex . hublot . a. lange & S…hne . iWC SChaffhauSen . ChoPaRd . giRaRd-PeRRegaux . JaegeR-leCoultRe . Jaquet dRoz . CaRtieR . Piaget . bReitling . baume & meRCieR


What’s up badeplausch

gratis ins Mythenquai Für die Treue in all den Jahren bedankte sich die Firma Beyer bei der Bevölkerung mit verschiedenen Aktionen. Unter anderem bezahlte sie am 1. August allen Besuchern den Eintritt ins beliebte Strandbad Mythenquai. Die (gekühlten) GratisSchoggitaler erfreuten Gross und Klein. Und auch das Jubiläumsmagazin «250 Jahre» fand rege Beachtung.

Danke

für die Blumen

Rainer Moser, ein guter Freund des Hauses, gratulierte uns mit sagenhaften 250 weissen Rosen. Die rote Rose steht für den Start in die nächsten 250 Jahre. Herzlichen Dank für die Überraschung! wettbewerb

das los entschied Im Jubiläumsjahr verlosten wir zehn Beyer-Uhren. Einer der glücklichen Gewinner ist Heinrich Häberling aus Zürich. Er konnte unter sechs Modellen auswählen. Die Rotgold-Uhr mit braunem Lederband gefiel ihm auf Anhieb. Wir wünschen ihm eine gute Zeit mit ihr! Knabenschiessen Tele züri

Sommertalk bei Beyer Auch Tele Züri machte das 250-JahreJubiläum zum Thema und besuchte die Beyer Chronometrie am 10. August für einen Sommertalk. Das kurzweilige Interview von Oliver Steffen mit René Beyer ergänzte der Zürcher Lokalsender mit stimmungsvollen Aufnahmen aus dem Uhren- und Schmuckatelier und dem Museum. Danke, Tele Züri! beyond 11/2010

ein volltreffer Am diesjährigen Knabenschiessen gewann Simon Schnurrenberger aus Bauma mit 34 Punkten eine Beyer-Herrenuhr Chronograph mit Mondphase in Stahl. Wir gratulieren Simon ganz herzlich zu diesem Volltreffer!

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Chefsache

«wir haben auch im 251. Jahr einiges vor» Mitten in den Jubiläumsfeierlichkeiten liess René Beyer die Bombe platzen: Das Traditionshaus vergrössert an bester Lage. Ein epochaler Entscheid.

12

Herr Beyer, Sie leisten sich eine Erweiterung an der Bahnhofstrasse. Wie gut haben Sie vor dem Vertragsabschluss geschlafen? Ich ging durch wahre Wechselbäder. Denn ich wusste: Diese Möglichkeit ist für uns von epochaler Bedeutung. Anderthalb Jahre kämpfte ich für diesen Vertrag. Auf das Entscheidungsdatum hin buchte ich vorsichtshalber Ferien. Was gab den Ausschlag für den positiven Bescheid? Es war das ganze Paket: Beyer ist seit 1875 Mieterin bei der CS. Wir verfügen hier bereits über eine umfangreiche Infrastruktur und waren bereit, zusätzliche bauliche Massnahmen zu übernehmen. Auch die Tatsache half, dass unser Partner Patek Philippe der Rolls-Royce der Uhrenmarken ist. Beyer Uhren & Juwelen wird im Sommer um ein Drittel grösser, Sie eröffnen eine eigene Patek Philippe Boutique und holen das Uhren- und Schmuckatelier vom Kreis 3 an die Bahnhofstrasse. Ist das nicht ein enormes finanzielles Risiko? Wir können uns die Miete der neuen Räumlichkeiten nur dank dem guten Vertrag am bestehenden Ort leisten. Insofern geht es um eine Mischrechnung, die über die ganze Fläche gesehen zu einem erträglichen Quadratmeterpreis führt. Mit welcher Miete muss man denn heute an diesem Abschnitt der Bahnhofstrasse rechnen? Gewisse Konzerne haben den Quadratmeterpreis in den letzten zwei Jahren von 6000 auf weit über 10 000 Franken

hochgedrückt. Solche Preise können sich heute nur noch Juweliere, gewisse Modehäuser und Fast-Food-Ketten leisten. An der Bahnhofstrasse wird wohl nie mehr ein eigenständiges Restaurant oder Café eröffnen.

Wir dürfen einen Querschnitt unserer Errungenschaften präsentieren, sozusagen «The Best of Beyer Museum». Auch erscheint ein neues Buch über unser Uhrenmuseum. Das gab es seit vielen Jahren nicht mehr.

Was waren Ihre Beweggründe für diese markante Erweiterung? Uns wurden immer wieder Angebote gemacht für Filialen in St. Moritz, in Zürich, in Luzern. Wir kamen aber stets zum selben Schluss: Damit würden wir unseren grossen Trumpf verspielen – die geballte Kompetenz unter einem Dach. Es ist wie beim «Noma» oder bei «El Bulli»: In den besten Restaurants der Welt wollen Sie maximale Betreuung, Ihren eigenen kompetenten Kellner, einen präsenten Chefkoch, den bestmöglichen Sommelier. Ausserdem geht es mir nicht darum, den Gewinn zu maximieren, sondern um das bestmögliche Produkt.

Aber der ganz grosse Trubel ist vorbei. Sind Sie eher froh drüber? Oder auch etwas traurig? Einerseits ist es wie bei den Uhrenmessen: Unmittelbar nach dem Stress ist man einfach nur froh, ist er vorbei. Doch nach drei, vier Tagen weiss man gar nicht mehr, wie weh die Füsse taten, wie wenig man schlief. Und freut sich bereits wieder aufs nächste Mal. Anderseits gibt es ein 250-Jahre-Jubiläum kein zweites Mal, das stimmt schon auch wehmütig, schliesslich habe ich mich seit 25 Jahren auf diesen Moment gefreut.

Mit den beiden Tonhallen-Konzerten erreichte das Jubiläumsjahr im Oktober seinen Höhepunkt… Aber wir haben noch lange nicht alles Pulver verschossen! Für uns dauern die Feierlichkeiten noch bis weit in den Frühling 2011 hinein. Was steht denn noch auf dem Menü der 250-Jahre-Feier? Es gibt einige Veranstaltungen mit Kunden im kleineren Rahmen. Und im Januar ist das Uhrenmuseum zu Gast an der SIHH in Genf, der zweitwichtigsten Uhren- und Schmuckmesse der Welt.

Worauf freuen Sie sich als Nächstes? Ich freue mich auf das 251. Jahr, denn wir werden weiter für Superlative sorgen, auch dank der Vergrösserung. Ich freue mich, dass wir Anfang Jahr über 50 Mitarbeiter zählen werden – und ich bin stolz, dass ich, seit ich das Geschäft 1997 mit 32 Mitarbeitern übernommen habe, noch nie jemanden aus wirtschaftlichen Gründen entlassen musste. Ich freue mich auch darauf, meine Mitarbeiter noch stärker zu fördern, unter anderem in ihrer Gläubigkeit, egal, welcher Religion sie angehören. Denn der Glaube hat mir in den letzten drei Jahren ganz enorm geholfen… Aber darüber reden wir am besten das nächste Mal.

Interview: Matthias Mächler Illustration: Adrian Hablützel

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250 Jahre Beyer

Patek Philippe und Beyer: Das grosse Jubiläumskonzert

Klarinettist Martin Fröst begeisterte das Publikum in der Tonhalle.

Gerdi Stern.

Annette Beyer, René Beyer, Muriel ZahnBeyer und Marc Zahn.

Béatrice und Peter Flühmann-Rohr.

Elisabeth Schiesser, Dr. Peter Max Gutzwiller.

Elionor und Carol Grossmann.

Dr. Clarence Davis und Brigitte Kaderli.

Dr. Gunther und Ursula Fay.

Dr. Ursula Sonderegger.

Dr. Valentin Landmann.

Fotos Dany Schulthess

14

Zum 13. Mal luden die Familien Stern (Patek Philippe) und Beyer gemeinsam zum Konzert im Grossen Saal der Tonhalle. Diesmal stand der Anlass ganz im Zeichen des 250-Jahre-Jubiläums der Firma Beyer. Rund 1000 Gäste erlebten einen unvergesslichen Abend. Vom erstklassigen Stuttgarter Kammerorchester unter der Leitung von Dirigent Michael Hofstetter wurden sie auf eine Reise durch 250 Jahre Musikgeschichte mitgenommen. Solist Martin Fröst aus Schweden begeisterte das Publikum mit seinem virtuosen Klarinettenspiel.

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Die Gastgeberfamilien Stern und Beyer: Petra de Castro, Gerdi Stern, Sandrine Stéphanie Stern, Thierry Stern, Annette Beyer, Muriel Zahn-Beyer und René Beyer.

15 Stimmungsvoller Apéro vor dem Konzert.

Originelle Gaumenverführer.

Jeannette Christinat, Jürg u. Doris Stadler.

Leo und Ursula Brülhart.

Edith Bachmann und Walter Imthurn.

Gerda Schmidheiny Frenzel, William Frenzel und Veronica Abrahamsson.

Pina Bisig, Brigitta und Dr. Konrad Meyenberg, Regula Sigg.

Xiaoye Schneider, Martin Schneider, Muriel Zahn-Beyer, Michael Zemp, Suzanne Asshoff Zemp, Marc Zahn.

Romano und Rosana Babini.

Sandrine Stéphanie Stern.

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250 Jahre Beyer

16 Feierliche Übergabe der Jubiläumsuhr von Patek Philippe an die Familie Beyer.

Musikalische Zeitreise in der Tonhalle.

Gabriela Fritschi.

Ursula Reiners, Eric Ritter und Dr. Max Reiners.

Olivier Mestre.

Renée Chen und René Beyer.

Rodolfo Grossmann.

Edie Liu, Florian Gehrke, Pina Bisig.

Jeannette Christinat.

Silvia und Dirk Caduff.

Fotos Dany Schulthess

Oliver und Esthi Zryd.

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Das F1 FORMEL 1 Logo, das F1 Logo, Formel 1, F1, GRAND PRIX und damit verwandte Zeichen und Markenzeichen sind Markenzeichen der Formula One Licensing BV, eines Unternehmens der Formula One Group. Alle Rechte vorbehalten.

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DIE OFFIZIELLE UHR DER FORMEL 1

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Die Formel 1™ – die technisch avancierteste Sportdisziplin der Welt und Inbegriff des Motorsports. Hublot präsentiert mit Stolz die F1™ King Power, unsere erste Vision für die Serie „Offizielle Uhr der Formel 1™“, die die Essenz dieses legendären Sports verkörpert. Luxus, Perfektionsstreben und exotische, hochleistungsfähige Materialien wie Keramik, Kohlenstoff, Titan und Kautschuk werden hier perfekt miteinander vereint. Dafür setzen wir modernste, zukunftsweisende Fertigungstechniken ein. In der Formel 1™ haben wir eine Marke gefunden, bei der wir uns wirklich zu Hause fühlen. Wir denken gleich, und wir sind gleich. Mit der F1 King Power setzen wir die Kunst der Fusion auf unerreichte Weise um.

Hublot TV auf: www.hublot.com

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250 Jahre Beyer

Jubiläums-Galaabend «Freunde des Hauses»

Ein Galaabend für die Mitarbeiter, Geschäftspartner und Freunde des Hauses Beyer.

Annette Beyer, Karl-Friedrich Scheufele und Christine Scheufele.

350 Gäste im Kleinen Saal der Tonhalle.

Gerdi Stern und Annette Beyer.

Hartmut Knothe, Délphine u. Jérôme Favier.

Gabriella Sontheim.

Janette Cammarata, Nicole Bachmann, Katharina Gull, Alexandra Cesare, Susan Brotschi.

René Beyer und Renée Chen.

Auf weitere 250 Jahre!

Roger Schawinski, Markus Spillmann und Andrea Six. beyond 11/2010

Fotos Angelika Annen

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Dass die Firma Beyer im Jubiläumsjahr unabhängig und optimistisch in die Zukunft blicken darf, liegt auch an den treuen Mitarbeitern und Geschäftspartnern. Dafür wollte sich die Familie Beyer in aller Form bedanken und lud am 8. Oktober zur grossen Jubiläumsgala in die Tonhalle. Das Stuttgarter Kammerorchester nahm die Gäste mit auf eine musikalische Reise durch die Zeit. Vier charmante Moderatoren leiteten launig durchs Programm.


Kollektion „Schoko-Fantasie“, in 18 kt. Gold mit Diamanten • Wellendorff • Tel. 079 - 716 70 05 • www.wellendorff.com


250 Jahre Beyer

20 Moderation mit Stil, Charme und Puder.

Muriel Zahn-Beyer und Petra de Castro.

Norman Huber, René Beyer, Horst Edenhofer.

Rafael Rolli und Christoph Wellendorff.

Pascale Hoch.

René Beyer und Iris Wellendorff.

Anne-Sophie Babin und Cedric Müller.

Matthias Mächler und Mirjam Kaeser.

Das Stuttgarter Kammerorchester.

Ein süsses Feuerwerk zum Geburtstag. beyond 11/2010

Fotos Angelika Annen

René Beyer, Annette Beyer und Philippe Stern.


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Chopard

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«man staunt, wie schön die zeit vergehen kann» von Simone Bischofberger-Gumpp Zum 150-jährigen Bestehen beschenkt sich Chopard gleich selber: mit der limitierten L.U.C 150 «All in One». Sie ist ein Novum in der Geschichte der Traditionsfirma, denn sie vereint als erste Chopard-Manufaktur-Uhr derart viele seltene Komplikationen. Sie erfüllt auch locker die zwölf Kriterien, die es für das berühmte «Genfer Siegel» braucht. René Clémençon, Leiter des Beyer-Uhrenateliers, hat sie genauer unter die Lupe genommen. Vorderseite: «wie meditation»

«Die Anzeigen sind sehr gut sichtbar, wobei sich der Sekundenzeiger auf dem Tourbillon befindet», sagt René Clémençon und erklärt: «Das Tourbillon überwindet die Gravitation, die immer Einfluss auf eine Bewegung hat. Es ist in der Herstellung etwas vom Kompliziertesten überhaupt und für sich schon ein Kunstwerk. Das

Tourbillon ist auch wunderschön zum Anschauen, denn es dreht sich permanent. Man staunt, wie schön die Zeit vergehen kann, und verliert sich in der Betrachtung – fast wie bei einer Meditation.» Ewiger Kalender mit Schaltjahranzeige 1 2 3 4 5 6 7

24-Stunden-Anzeige mit kleinem Zeiger Wochentaganzeige mit grossem Zeiger Datum in mechanischer Digitalanzeige Schaltjahranzeige mit kleinem Zeiger Monate mit grossem Zeiger Graviertes Zifferblatt im Sonnenschliff Römische Zahlen

Dann dreht René Clémençon die Uhr um und sagt: «Eine solche Rückseite hab ich noch gar nie gesehen – das ist fantastisch, ein wahres Meisterwerk.» Rückseite: mit mondphase

1 Zeitangabe Sonnenuntergang 2 Zeitangabe Sonnenaufgang 3 Äquitation der Zeit: Sie zeigt den

Unterschied zwischen der normalen Zeit und der wahren Sonnenzeit. Dieser kann bis 15 Minuten betragen. 4 Siebentage-Gangreserve dank vier Federhäusern. 5 Tag- und Nachtangabe 6 Mondphase in einer Darstellung des sichtbaren Himmelszelts Zur «All in One» wird ein Korrekturstift mitgeliefert. Doch wird sich ein Laie damit überhaupt an seine Uhr wagen? René Clémençon: «Hoffentlich eher nicht. Die bringen die Uhr besser zu uns. Jeweils im Januar kommen viele Kunden, die ihre Komplikationsuhren einstellen lassen, da diese längere Zeit im Safe lagen. Nach dem Millennium hatten wir einen regelrechten Ansturm. Aber bei solchen Kunstwerken macht das grossen Spass. Diese Korrekturen übernehmen wir gern.»

René Clémençon, Leiter des BeyerUhrenateliers, hat sich die Jubiläumsuhr von Chopard genauer angesehen.

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Kolumne

Die Uhr meines Grossvaters Ich hoffe wirklich, dass ich sie nur verlegt und nicht verloren habe.

diese Armbanduhr. Und als die Bomber über uns flogen, sangen

Oder ist sie mir durch das gerissene Innenfutter gerutscht? Wurde

wir…» (An dieser Stelle setzte mein Grossvater zu einem kehligen

sie gestohlen? Hat meine Schwester sie, Gott bewahre, in einem

«Vårt land, vårt land, vårt fosterland» an – die Nationalhymne

schwachen Moment im Internet versteigert?

Finnlands. Einige Restaurantgäste nickten wissend, mehrere be-

Sie, das ist die etwas eigenwillige Omega Art Deco aus den späten 1920ern, die mein Grossvater mir schenkte. Sie war golden, das Lederband spröde, das Glas von einer merkwürdigen Mattheit. Man sah ihr das Alter an, auf

schwerten sich beim Maître de Cuisine. An unserem Tisch schauten alle gequält zu Boden und scharrten mit den Füssen.) Ich möchte hier die vor Kriegshysterie und Nationalismus strotzende Rede meines Grossvaters abkürzen: Er

eine gute Art, so, wie älteren Männern auf Schwarz-

verlor so ziemlich alles an der Front – bis auf seine

Weiss-Fotos aus den 1950ern. Getragen habe ich

Uhr, die er mir am Ende seines Monologs über-

sie nie, zu sehr fürchtete ich, mit der breiten Uhr

reichte. Drei Jahre später war er tot.

an meinem schmalen Handgelenk verkleidet auszusehen. Denn bei Uhren gilt wie bei Hüten: Du

Ich hoffe wirklich, dass ich sie nur verlegt und nicht verloren habe. Auf der Suche nach der Uhr,

solltest sie tragen, nicht sie dich. Mein Grossvater gab sie mir an einem Aprilabend 1991 mit pathetischer Geste zum Anlass meiner Konfirmation. Er hatte sie während des fürchterlichen Winterkrieges getragen, als die Sowjetunion im bitterkalten Winter 1939/40

die mich auf eine unheimliche Weise an ein Mikael Krogerus (33) schreibt für die NZZ, «Emma», «Der Freitag» und andere Publikationen. Er ist Autor der Bestseller «50 Erfolgsmodelle» und «Das Fragebuch».

längst überholtes Männlichkeitsnarrativ kettet, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ein eklatanter Unterschied besteht zwischen Verlegen und Verlieren. Es gibt Dinge, die ich im Laufe meines Lebens unwiderruflich verloren

Finnland blitzkriegartig erobern wollte. Die Finnen, unvorbereitet

habe: einen Arbeitsplatz, meine innere Stimme, ungefähr zwei

und schlecht ausgerüstet, stellten sich dem Erzfeind auf Skiern

Jahre glücklichen Lebens wegen selbstbemitleidenden Liebeskum-

entgegen. Ganz vorn: mein Grossvater.

mers, viel Geld, alle Grossväter. Und dann gibt es Dinge, die ich glaubte verloren zu haben, aber

Krieg gesprochen. Nach etlichen Gläsern Wein und dann noch

tatsächlich nur verlegt hatte. Dinge, die später wie von Zauberhand

einigen Cognacs erhob er sich und begann: «In jenem Winter war

wieder auftauchten, just in dem Moment, als ich aufhörte, nach

es so kalt, dass wir an der Front in dem gefrorenen Boden Gruben

ihnen zu suchen: meine Lieblings-CD, der Wille zu leben, die

aushuben und uns zu dritt übereinanderlegten, um uns gegenseitig

Fähigkeit, ohne Alkohol zu tanzen, die Gabe, über mich selbst zu

zu wärmen. Alle 20 Minuten wechselten wir die Stellung, damit

lachen, Kindheitserinnerungen an meinen Grossvater. Und,

der Oberste nicht erfror – um die Zeit abzupassen, schaute ich auf

vielleicht: seine Uhr.

Foto zvg

Er hatte, soweit ich mich erinnern kann, zuvor nie über den

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Bijoux

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Opern stars

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Beyer: Collier, Weissgold mit 1122 Diamanten CHF 75 500

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Sie sorgen für die besondere Note: glamouröser Schmuck und aussergewöhnliche Uhren, inszeniert in der Zürcher Oper. Fotos Roland Tännler Styling Mirjam Kaeser

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Bijoux

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Jaeger-LeCoultre: Master Grand-Ultra-Thin CHF 13 100 Hublot: Big Bang, Rotgold CHF 31 900 A. Lange & Söhne: Lange 31, Rotgold CHF 127 000

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Beyer: Collier Layla, Rotgold/Weissgold mit Morganit und Brillanten CHF 3520 Beyer: Ohrh채nger Layla mit Brillanten CHF 4800 beyond 11/2010


Bijoux

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Stenzhorn: Collier, Rotgold/Weissgold, mit Anh채nger CHF 7500 beyond 11/2010


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Beyer: Jubiläumscollier, Rotgold mit Brillanten und zwei Tahitiperlen CHF 36 850 Bracelet CHF 19 950 Ohrhänger CHF 8150 beyond 11/2010


Bijoux

Beyer: Bracelet, Diamanten Emerald Cut CHF 213 500 Beyer Bracelet Verdi, Weissgold mit Diamantrosen CHF 34 000

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Die Heimat der OpernStars Das Opernhaus Zürich zählt zu den renommierten Musiktheatern der Welt. Jährlich werden hier 300 Opern-, Ballett- und Konzertaufführungen auf höchstem künstlerischem Niveau geboten. Berühmte Dirigenten wie Daniele Gatti, Nello Santi und William Christie sind hier ebenso regelmässig zu Gast wie die grossen Sänger der internationalen Bühnen. So treten Cecilia Bartoli, Vesselina Kasarova, José Cura, Thomas Hampson und Leo Nucci regelmässig im Opernhaus Zürich auf. www.opernhaus.ch, Telefon: +41 (0)44 268 66 66

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A. Lange & Söhne: Lange 330.032 mit Saxonia-Jahreskalender CHF 39 400 Beyer: Chronograph, skelettiert, vergoldet CHF 7800 Patek Philippe: Twenty-4, Rotgold mit Brillanten CHF 53 500 Jaeger-LeCoultre: Master Chronograph CHF 9700 Rolex: Datejust 34 mm, Edelstahl/Rotgold CHF 12 600

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Die Kunstbuch-Abteilung von Orell Füssli an der Marktgasse 2 im Niederdorf gibt es nur noch bis 31. Januar. Danach bekommt man diese Bücher am Hauptsitz am Kramhof. Und übers Internet auf www.books.ch.

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Ganz Schรถn auf Trab

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Jaeger-LeCoultre und Beyer

Unterschiedliche Tenues, ähnliche Passionen: Jérôme Lambert und René Beyer beim Training im Polopark Zürich.

Jérôme Lambert hat die Zügel fest im Griff: bei Jaeger-LeCoultre genauso wie auf dem Pferderücken. René Beyer lud ihn zu einer Polostunde nach Zürich ein. von Matthias Mächler Fotos Hans Schürmann

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Jaeger-LeCoultre und Beyer

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René Beyer über Jérôme Lambert: «Natürlich war ich skeptisch, als 2002 ein 33-jähriger Jüngling aus der Finanzbranche die Traditionsmarke Jaeger-LeCoultre übernahm. Doch sobald man Jérôme das erste Mal begegnet, weiss man: Das passt. Er ist überaus kultiviert. Und er geht unglaublich natürlich mit Menschen um, kennt jeden seiner bald tausend Angestellten beim Namen und kümmert sich um ihre Sorgen. Er brachte eine Kultur ein, die man in dieser Branche suchen muss. Jérôme ist ein Ausnahmetalent. Was er an Innovationen bewirkt, ist enorm. Wie ein Indianerscout führt er seine Leute durch unbekanntes Gebiet ans Ziel – mit einer Grazie, wie sie nur wenige Leute besitzen.» Auch René Beyer sitzt inzwischen fest im Sattel. Allerdings geht er die Sache etwas gemächlicher an, schliesslich ist er nicht auf dem Rücken eines Pferdes aufgewachsen wie Lambert. Zum dritten Mal erst reitet er. Trotzdem wünscht er sich etwas mehr Tempo. Zuerst versucht er es mit gutem Zureden, dann mit ruckartigen Körperbewegungen. Doch sein Pferd trottet ungerührt im Zeitlupentempo dahin.

Jérôme Lambert über René Beyer: «René ist eine Institution. Auf diesem Niveau der Feinuhrmacherei kommt man an ihm nicht vorbei. Auch dank seiner Beratung wurden wir mit der ‚Gyrotourbillon‘ wieder Marktleader. Dafür erhielt er das Modell Nr. 1 für sein Museum. René denkt weit über sein Geschäft hinaus, kümmert sich um die Zukunft der gesamten Branche. Seine Meinung zählt. Und wenn er von etwas überzeugt ist, kann man daran nichts ändern. René ist aber auch ein Lebe-

mensch, ein wahrer Feinschmecker, wie man sie selten antrifft. Diese Passion verbindet uns. Wir tauschen oft Entdeckungen aus.» Lambert lacht, tollt auf seinem Pferd herum wie ein junger Hund, lanciert Beyer mit einem Steilpass, prescht vor und schnappt den Ball, noch bevor Beyer den Hauch einer Chance hat, an ihn heranzukommen. Die beiden klopfen Sprüche, lachen. Man merkt: Die Sympathie ist mindestens so gross wie der gegenseitige Respekt.

René Beyer über JaegerLeCoultre: «Nur fünf Manufakturen auf dieser Welt funktionieren unabhängig vom Rest der Uhrenindustrie. JaegerLeCoultre ist eine von ihnen – aus heutiger Sicht eine unglaubliche Leistung. Es gilt ja schon als Gütesiegel, wenn eine Uhrenmarke zwei oder drei eigene Werke baut. Jaeger hat 1250 verschiedene Werke entwickelt und mit der ‚Reverso‘ und der ‚Atmos‘ Geschichte geschrieben. Es gibt Marken, die leben bloss noch von ihrer Vergangenheit, andere bauen auf eine Zukunft, die sie nicht haben. Jérôme baut in der Tradition der Vergangenheit wie ein Stararchitekt eine Vision. Und hat einen glasklaren Plan, wie er diese erreicht.» Der argentinische Polotrainer wird René Beyer auch heute nicht verraten, wie man ein Pferd zu mehr Tempo bewegt. Aber er ist zufrieden mit seinen Schülern, so unterschiedlich sie auch sind. Bei Beyer ortet er ein gutes Ballgefühl, das wohl vom Golfen herrühre. Lambert würde er sofort in eine Polomannschaft aufnehmen: «Er ist agil, verspielt, ein wahrer Fighter und würde bestimmt auch die Strategien des Spiels schnell lernen.» Nach einer Stunde steigen Beyer und Lambert erschöpft von ihren Pferden – das breite Grinsen in ihren Gesichtern aber spricht Bände.

Jérôme Lambert über Polo: «Die ‚Reverso‘ wurde ursprünglich für Polospieler entwickelt. Dadurch

begann ich, mich mit dem Sport zu befassen – und kam zu einem neuen Stück Heimat. Ich mag die kleine, sympathische Pologemeinde. Dank den Betreuern und den Pferden ist praktisch jeder Poloplatz eine argentinische Exklave. Diese Exotik im kühl strukturierten Zürich anzutreffen, war für mich heute eine grosse Überraschung. Ernsthaft Polo spielen werde ich aber nicht. Soeben habe ich mit dem Springreiten aufgehört, um mehr Zeit mit meiner Familie zu verbringen: Meine Töchter sind jetzt sechs- und neunjährig und wollen ihren Vater etwas öfter sehen. Doch eine Chance wie heute lasse ich mir nicht entgehen. Schon gar nicht vor einer 25-stündigen Flugreise.» Bevor Lamberts Flug nach Südafrika geht, nehmen sich die beiden Gourmets aber noch Zeit für eine kleine Weindegustation im Schloss Wülflingen. In der historischen Stube riechen sie an den Gläsern und diskutieren weingeistreich die Zukunft. Natürlich geht es dabei um die «Gyrotourbillon Minutenrepetition», ein Meisterwerk mit sagenhaften 1300 Teilen, das JaegerLeCoutre dieses Jahr realisierte. Und bestimmt geht es auch um gemeinsame Aktionen. Vor allem aber geht es um den Genuss, um die kurze Pause im stürmischen Business-Alltag. Und wahrscheinlich liegt hier das Geheimnis echter französischer Lebenskunst: Dass man, egal, was man gerade tut, alles andere ausklammern und sich ganz der Intensität des Moments hingeben kann.

Jaeger-LeCoultre Das Uhrenunternehmen wurde 1833 von den Brüdern LeCoultre in Sentier im Vallée de Joux gegründet. Legendär sind die Tischuhr Atmos (ab 1928) und die Polouhr Reverso (ab 1931). In den letzten Jahren sorgte JLC mit Spezialitäten wie der Gyrotourbillon 1 und der Reverso Gyrotourbillon 2 für Aufsehen. Der Duomètre à Quantième Lunaire erhielt 2010 den „Publikumspreis für die Uhr des Jahres“.

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érôme Lambert ist die pure Verkörperung seines Namens: dynamisch, elegant, weltgewandt, französisch. Er schwingt sich auf das Pferd, das er vorher noch nie geritten hat, packt die Zügel, prüft kurz die Reaktionen – und fliegt davon, leicht und locker, übers ganze weite Polofeld.

Infos: www.jaeger-lecoultre.com beyond 11/2010


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Vom Polofeld ins Schloss: Zwei Gourmets, f端r die Arbeit Genuss ist. Und Genuss f端r einmal auch Arbeit.

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Geschichte Bahnhofstrasse

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Wie «Lucy» an den Himmel kam Ab 25. November funkelt die neue Weihnachtsbeleuchtung über der Bahnhofstrasse. Wir haben «Lucys» Weg in den siebten Himmel dokumentiert. von Matthias Mächler Fotos Kilian Kessler

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an könnte meinen, «Lucy» sei eigens für das 250-Jahre-Jubiläum der Beyer Chronometrie aufgehängt worden. Dem ist natürlich nicht so. Die neue Weihnachtsbeleuchtung hätte schon letztes Jahr installiert werden sollen. Aufwendige technische Abklärungen und die Sanierung der Bahnhofstrasse hatten das Projekt verzögert. Nun ist es aber so weit: Die kühlen, grafischen Leuchtstäbe sind passé. Wähbeyond 11/2010


336 Girlanden mit 11 500 Kristallen und 23 100 LED-Lämpchen: Hans Birchmeier prüft die Lieferung aus Italien.

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Bahnhofstrasse

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Sie arbeiten, wenn die Stadt schläft: Die Monteure von Kummler+Matter spannen zwÜlf Kilometer Stahlseile. beyond 11/2010


«Wir sind jetzt auf 20 Metern. Das Schöne ist: Hier oben hat man seine Ruhe.»

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Eine Lastwagenladung voller Weihnachtslicht: In den grauen Kisten verbirgt sich eine bunte Lichtwolke.

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rend fünf Jahren irritierte das Projekt «The World’s Largest Time Piece» als futuristisches Intermezzo die Bevölkerung. Derzeit lagert es im EWZ und wartet auf einen Käufer. In der Prachtstrasse wird ab sofort wieder ein Sternenhimmel für romantische Weihnachtsstimmung sorgen. Wir haben seinen Aufbau mitverfolgt. 16. September, 23.30 Uhr: Heinzelmännchen am Himmel

Eine der letzten Spätsommernächte in Zürich. Vernissagen, Premieren und Eröffnungen sorgen in der Bahnhofstrasse für einen erhöhten Puls. Die Passanten haben Zeit, bleiben beim auffälligen orangen Gefährt stehen und gucken nach oben, wo weit über der Strassenbeleuchtung, auf Höhe der Dachzinnen, eine Hebebühne schwebt. «Wir sind jetzt auf 20 Metern», erklärt Markus Gut im Korb. «Das Schöne ist: Hier oben hat man seine Ruhe.» Was nicht heisst, dass Gut und seine Monteure zum Spass hier sind. Markus Gut greift das

Ein Geschenk von Beyer Als einziges Uhren- und Juweliersgeschäft stand die Beyer Chronometrie von Anfang an auch finanziell hinter «Lucy». Den Anteil an den insgesamt 2,2 Millionen Franken behält René Beyer für sich. «Er war beträchtlich», sagt der Patron nur. «Aber als eine der letzten alteingesessenen Bijouterien sind wir dies Zürich schuldig.»

Stahlseil, spannt es mit aller Kraft, arretiert es am Anker in der Mauer, klemmt es an der richtigen Stelle mit einer Riesenzange ab und presst einen Bleimantel über die Schlaufe: «Das hält bestimmt die nächsten 100 Jahre.» Zehn Tonnen Armaturen und Kabel haben die Monteure von Kummler+Matter in ihren nächtlichen Aktionen demontiert. Zwölf Kilometer Stahlseile werden neu verhängt, alle 3,2 Meter überquert eines die Strasse, und das auf über einem Kilo-

meter Länge. Die meiste Arbeit geschieht um eine Zeit, in der niemand etwas mitbekommt: zwischen eins und fünf Uhr nachts, wenn kein Tram fährt und die Leitungen sicherheitshalber ausgeschaltet werden. Insgesamt benötigten die Monteure für den Abbau der alten Beleuchtung und den Aufbau von «Lucy» 19 Wochen. 7. Oktober, 14 Uhr: «Lucy» kommt an

In der Lagerhalle von Kummler+Matter entlädt Chefmagaziner Hans Birchmeier den Lastwagen aus Italien. 336 graue Kisten sind es, die aus Florenz an die Limmat gefunden haben, je 24 Kisten zu einem Turm verschweisst. In jeder Kiste ruht ein Girlandenteil der neuen Weihnachtsbeleuchtung, die in Italien gefertigt wurde. An den unterschiedlich langen Girlanden hängen vorwiegend weisse, aber auch einige farbige Kunststoffkristalle. So einzeln betrachtet, ist es schwierig, sich eine Vorstellung von «Lucy» zu machen. Aber Hans Birchmeier will sich auch

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Dank einer Art Diamantschliff glitzern die «Katzenaugen» im Sonnenlicht. Nachts sind sie individuell steuerbar.

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«Lucy» füllt den Raum, schwebt als Wolke durch die Strasse und sorgt für Weihnächtlichkeit. gar keine Vorstellung machen. 2005 war er der Einsatzleiter, der die 275 Leuchtstäbe über der Bahnhofstrasse montierte. Damals hätten ihm alle prophezeit, eine solche Installation wäre technisch gar nicht realisierbar. Mit seiner Crew bewies er, dass es ging. Allerdings arbeitete er während drei Monaten praktisch Tag und Nacht dafür. «Ich vergoss eine Menge Herzblut», sagt Birchmeier. «Denn ich fand das Projekt toll: Wenn man wusste, wie und wo man die Weihnachtsbeleuchtung anschauen musste, hatte sie etwas unglaublich Magisches.» Jetzt ist Birchmeier gespannt auf die Nachfolgerin – nicht nur er. 26. Oktober, 1 Uhr: Vorfreude herrscht

Auch die Verantwortlichen können kaum warten auf den grossen Moment – und proben ihn schon mal im Kleinen. Der Termin ist absolut geheim, schliesslich

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wollen sie unter sich bleiben, wenn das erste Teilstück unter Strom gesetzt wird, kurz nur, aber so, dass man erkennt, wie «Lucy» als Lichtkörper in der Bahnhofstrasse wirkt. Es herrscht striktes Handyverbot – nicht, dass «Lucy» auf YouTube» leuchtet, bevor sie am 25. November um 18 Uhr offiziell eingeschaltet wird. Auch Daniele Marques ist anwesend, der Chef des gleichnamigen Architekturbüros in Luzern, das 2008 den Wettbewerb für die neue Weihnachtsbeleuchtung gewann und das Projekt mit Leidenschaft betreut. Er zeigt sich sichtlich zufrieden: «So haben wir uns das vorgestellt: ‚Lucy‘ füllt den Raum, schwebt als Wolke durch die Bahnhofstrasse und sorgt für Geborgenheit, für Weihnächtlichkeit. Am Tag funkeln die Kristalle im Sonnenlicht wie Swarovski-Steine, nachts verbreiten sie warmes Licht. Ausserdem kann ‚Lucy‘ dank ausgeklügelter Technik mit vielfältigen Effekten bespielt werden.»

Der dreidimensionale Lichtkörper von Marques, die Dramaturgie und Farbgestaltung von Lichtkünstler Adrian Schiess, die Kristalle und die Technik des Designers Charles Keller: «Lucy» steht kurz vor der Premiere. Und eigentlich fehlt nur noch ein guter alter Beatles-Song, der die Erleuchtung akustisch passend begleitet: «Lucy in the Sky with Diamonds»!

«Lucy» in Zahlen Anzahl Kristalle: 11 550 Anzahl LED-Lämpchen: 23 100 Verbrauch: 3 kW Länge: 1,05 km Montagehöhe: 17–24 m Stahlseile: 12 km Anzahl Maueranker: 250 Bauzeit: 19 Wochen Ersteinschaltung: 25. 11. 2010, 18 Uhr


People

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Zeigt her eure Perlen

Carlo Mutschler,

Chefdesigner des Schmuckateliers Beyer, hat die Fotos von Ber端hmtheiten genauer unter die Lupe genommen. Und kommentiert deren Umgang mit Schmuck.

Text: Carlo Mutschler Bildredaktion: Mirjam Kaeser

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45 Angelina Jolie Diese Frau ist auch ohne Schmuck berauschend schön. Und sie geht gekonnt mit dieser Schönheit um: Mit den schlicht gefassten Smaragden an den Ohren setzt sie einen ebenso zurückhaltenden wie raffinierten Akzent, der ihren Augen schmeichelt. Wenig, aber subtil auf die Trägerin abgestimmter Schmuck: Das ist perfekte Eleganz.

Bilder: Getty Images

Camilla of Cornwell Ihre Durchlaucht haben das vierreihige Perlencollier schon öfter ausgeführt, wie es scheint. Was absolut nachvollziehbar ist, denn der Klassiker passt in Ihrem Umfeld bei jeder Gelegenheit. Mit Verlaub, Eure Majestät: Sie sollten trotzdem mal Ihren Hofjuwelier konsultieren, um das Collier neu knüpfen und die Länge abstimmen zu lassen! beyond 11/2010

Armbanduhr mit Polaroid-effekt, Schweiz um 1970. Im Hintergrund

Katherine Heigl Das freie Décolleté schafft erst den nötigen Raum, um den klassisch eleganten Ohrschmuck der Schauspielerin in Szene zu setzen. Die gepflegte Frisur wird seitlich zusammengehalten von einer mutigen, aber sehr stilsicher gewählten schwarzen Sonne. Ein spannungsvolles Gesamtbild, ein betörender Anblick!

Anna Wintour Ach, Frau Wintour, als «Vogue»-Chefin frisst Ihnen die Modewelt aus den Händen. Darum können Sie es sich leisten, ein Collier mit pastellfarbenen Schmucksteinen auf einem gestrickten, petrolfarbenen Stehkragen zu tragen – glauben Sie… Ich finde: Das ist eine wahre Schmucksünde und nicht zur Nachahmung empfohlen!


46 Sarah Jessica Parker Als lebende Schaufensterpuppe der teuersten LifestyleMarken repräsentiert Mrs. Parker die amerikanische Nonchalance. Beim farblich subtilen Styling kommt der hochwertige Modeschmuck perfekt zur Geltung. Die Schauspielerin pflegt eine zwar moderne, aber nicht gerade tief greifende Art des Schmucktragens.

Amanda Seyfried Die US-amerikanische Schauspielerin schmückt sich unkompliziert, jung, casual, etwas brav, aber durchaus okay. Amanda hat den Vorteil, schon von Natur aus schmuck zu sein. Für angewachsene Ohrläppchen empfehlen sich sonst aber eher Ohrhänger.

Kristin Scott Thomas Ein schönes, freundliches Gesicht, eine sanfte Ausstrahlung, ein schlichtes, unifarbenes Kleid, wie man es von der gefeierten britischen Schauspielerin gewohnt ist – und dann diese brachiale Sklavenkette: Autsch! Das ist ein unerträglicher optischer Schmerz! Tun Sie sich das bitte nie mehr an, Mrs. Scott Thomas!

Mary von Dänemark Sie müssen sich nicht gleich das ganze Königreich umhängen, Verehrteste: Wir freuen uns auch so über Ihre Funktion als Kronprinzessin von Dänemark. Weniger ist in diesem Fall aber mehr: Lassen Sie zum Beispiel bei der nächsten Cocktailparty allein das Armband wirken. beyond 11/2010


«Sie müssen sich nicht gleich das ganze Königreich umhängen, Verehrteste. Bei echtem Schmuck ist weniger immer mehr.»

47 Joan Collins Frau Collins ist die personifizierte Überschwänglichkeit und trägt adäquaten Schmuck, typisch American Style – «big and sparkling». Er ist inzwischen wohl leider auch das einzig Echte an der britischen Schauspielerin.

Bilder: Getty Images

Jennifer Garner Hoffentlich verknüpft sich die Haarpracht der Schauspielerin nicht im «Geperle»: Das gestickte Décolleté und das Perlengewirr sind entschieden zu viel des Guten. Ein unifarbenes Top mit drei, vier variierenden Perlenreihen wäre ebenso effektvoll, aber im richtigen Mass. beyond 11/2010

Bianca Jagger Der gefährliche Blick des ehemaligen Supermodels lässt einem den kalten Schauer über den Rücken laufen. Der Schmuck ist nicht minder furchterregend und brachial. Aber auf seine ganz spezielle Weise passt er zu dieser gealterten Raubkatze…


Interview

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«Wer Keine Zeit Hat, ist Tot»

Von wegen Zeit ist Geld! Wenn dem so wäre, wären Arbeitslose die reichsten Menschen, sagt Zeitforscher Karlheinz Geissler. Und erklärt, warum wir eigentlich ganz anders ticken als unsere Uhren.

von Christoph Zurfluh Fotos: Michael Schrenk

Grüezi Herr Geissler, haben Sie einen Moment Zeit für mich? Hab ich. Natürlich. Weshalb natürlich? Niemand hat heute Zeit. Wer keine Zeit hat, ist tot, oder er lügt. Die Frage ist doch, ob ich etwas anderes zu tun habe. Wann haben Sie das letzte Mal gesagt: Ich habe keine Zeit? Diese Formulierung verwende ich gar nicht. Zu behaupten, man hätte keine Zeit, ist eine der anerkanntesten, aber auch unverschämtesten Ausreden. Und trotzdem geniesst derjenige Ansehen, der vorgibt, keine Zeit zu haben. Weil wir Zeit immer in eine Währungsbeyond 11/2010


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Karlheinz Geißler organisiert seinen Tag «wie einen Schweizer Käse»: mit vielen Zeitlöchern.

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Interview

einheit umrechnen, beispielsweise in Geld. Keine Zeit haben bedeutet viel Geld verdienen. Und wer viel Geld verdient, geniesst ein hohes Ansehen.

Was ist denn Zeit? Zeit ist eine reine Vorstellung, keine Realität. Wir bezeichnen damit das Veränderliche, weil wir für Veränderungen einen Begriff brauchen, um Ordnung zu schaffen.

50 Sie sagen: Zeit kann man nicht sparen, nicht managen, nicht verlieren und erst recht nicht totschlagen. Man kann sie nur leben. Sie haben etwas vergessen: Man kann sie messen. Natürlich. Aber unser Problem ist, dass wir nur Räume messen. Wenn der grosse Zeiger eine halbe Umdrehung macht, ist eine halbe Stunde um. Menschen haben keinen Zeitsinn, deshalb müssen wir den Umweg über die Uhr gehen. Wir versuchen, Zeit über das Sehen von räumlichen Strecken zu begreifen. Kleine Kinder nicht. Deshalb können sie auch nichts mit Zeitangaben anfangen. Was ist schon eine Stunde? Richtig. Kleine Kinder leben nach einer subjektiven Zeit und nicht nach der Uhrzeit. Das Kind ist kein Kind mehr, wenn es die Uhr kennt. Wie meinen Sie das? Die Uhr kennen heisst, in einer Art und Weise auf die Welt zuzugehen, die abstrakt ist und nichts mehr mit dem eigenen Erleben zu tun hat. Wir organisieren diese Welt nach einem objektiven, inhalts- und gefühlsleeren Zeitmuster, das im Zeitmanagement gipfelt. Das Problem ist aber: Wir haben Gefühle, und daher kommen wir in Zeitkonflikte. Wer in unsere Zeit bestehen will, muss effizient sein und gut planen; das fängt schon im Kindergarten an, wo Vierjährige fixe Stunden-

«Die Zeit kommt von ganz allein auf uns zu. Und diese Zeit hat eine hohe Produktivkraft.»

pläne haben. Und jetzt kommen Sie und sagen, Zeitmanagement sei ein Unding. Weil es die Erziehung zur toten Zeit ist und nicht zur lebendigen. Ich finde es jammerschade, dass man Kinder so früh zu einem Zeitempfinden erzieht, das gar nicht ihres ist. Sie müssten doch zuerst lernen, wie sie selber ticken, und nicht, wie die Uhr tickt. Kreative Menschen leben und arbeiten viel mehr mit der Produktivität der subjektiven Zeit. Sie beschäftigen sich seit Jahrzehnten mit dem Phänomen Zeit. Was ist Ihre wichtigste Erkenntnis? Dass wir einer Fiktion aufsitzen. Einer hocheffektiven allerdings, denn sie hat uns Wohlstand gebracht. Die Erfindung der mechanischen Uhr ist die Grundlage für den Kapitalismus. Erst dadurch wurde es möglich, Zeit in Geld umzurechnen. Tatsächlich ist Zeit aber keineswegs Geld, denn sonst wären die Arbeitslosen ja die reichsten Menschen. Sie sagen von sich selbst, dass Sie Ihren Tag wie einen Schweizer Käse organisieren – mit festen Strukturen und vielen Zeitlöchern. Wie sieht das denn konkret aus? Wie der Käse eben. Nur werden die Löcher immer grösser. Ich versuche, jene Termine zu vermeiden, die sich vermeiden lassen. Denn Termine blockieren meine Freiheit. In Ihrem neusten Buch, «Lob der Pause», vertreten Sie die Position, dass Müssiggang

glücklich macht. Können wir uns das leisten? Mehr denn je! Das hat aber seinen Preis, weil wir auf das eine oder andere verzichten müssen. Aber Verzicht ist immer auch Gewinn. Sie finden es wichtig, unproduktive Zeiten zu haben… Natürlich. Die Zeit kommt ja von ganz allein auf uns zu. Und diese Zeit hat eine hohe Produktivkraft. Viele Erfindungen, vom Nescafé bis zum Klettverschluss, sind beyond 11/2010


in vermeintlich unproduktiven Zeiten gemacht worden.

Heisst die Lösung also «Entschleunigung»? Nein: «Enthetzen», was den Abbau von unnötiger Beschleunigung meint. Sie sind also nicht grundsätzlich für eine Verlangsamung des Lebens? Natürlich nicht. Der Mensch muss schnell sein, wenn der Tiger angreift. Verraten Sie uns das Geheimnis des richtigen 51 Umgangs mit der Zeit? Es geht nicht um den richtigen Umgang mit der Zeit, sondern um den richtigen Umgang mit sich selbst. Denn wir haben keine Zeit – wir sind die Zeit. Sie haben mal gesagt, dass Sie Pünktlichkeit für eine Untugend halten. Wissen Sie eigentlich, dass Sie uns Schweizer damit mitten ins Herz treffen…? Man muss irgendwann zur Kenntnis nehmen, dass der Mensch nicht pünktlich geboren wird und auch nicht pünktlich stirbt. Apropos Pünktlichkeit: Tragen Sie selber eine Uhr? Nein. Seit zwanzig Jahren nicht mehr. Aber ich kriege in der Schweiz meist eine Uhr geschenkt, wenn ich Vorträge halte. Die schenke ich immer gleich weiter.

Am Puls der Zeit Er gilt als einer der bedeutendsten Zeitforscher: Professor Karlheinz Geissler, am 20. Oktober 1944 im deutschen Deuerling geboren, studierte Philosophie, Ökonomie und Pädagogik und lehrte an verschiedenen Universitäten im In- und Ausland. Er ist unter anderem Gründungsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Zeitpolitik und leitet heute das Institut für Zeitberatung «timesandmore». Er hat zahlreiche Bücher zum Thema publiziert, so beispielsweise vor Kurzem «Lob der Pause. Warum unproduktive Zeiten ein Gewinn sind» (Oekom Verlag 2010).

www.timesandmore.com.

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Nun sind Uhren ja nicht nur Zeitmesser, sondern auch Sammel-, Kult- und Prestigeobjekte… Natürlich. Wer eine sündhaft teure, hochpräzise Uhr trägt, signalisiert, dass er eine wichtige Funktion hat, die ein präzises Timing verlangt, und dass er damit viel verdient. Andererseits geben uns Uhren, die in 10‘000 Jahren nur eine Sekunde vor- oder nachgehen und selbst in 5000 Meter Tiefe noch laufen, das Gefühl, die Zeit zu beherrschen. Kein Wunder, regen sich viele Menschen auf, dass Gott die Welt so unpünktlich erfunden hat.


Museum

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Uhr mit Tiefgang Noch immer halten Jacques Piccard und Don Walsh den Tauchrekord: Vor 50 Jahren sanken sie fast elf Kilometer tief auf den Grund des Marianengrabens. Und hatten eine ganz besondere Rolex dabei. von Matthias Mächler Foto Matthias Zuppiger

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Archival Photography by Steve Nicklas, NOS, NGS, © Keastone / Len Sirman-Archiv

Jacques Piccard (hinten) und Don Walsh: Fast fünf Stunden dauerte ihr Weg in die Tiefe.


Keine Uhr kam dem Kern der Erde näher als die Rolex «Deep Sea».

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Museum

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E

s ist totenstill, vor den Bullaugen rabenschwarz. Schon bald zeigt der Tiefenmesser den ersten Kilometer an. Aber da sind sie noch keine halbe Stunde unterwegs, die beiden Männer in der engen Kabine: Der Forscher aus der Schweiz und der amerikanische Marineoffizier. Sie sinken, stundenlang, und sie wissen: Da, wo sie hinwollen, da war vor ihnen noch kein Mensch. Was sie nicht wissen: Es wird auch nach ihnen kein Mensch mehr zur tiefsten bekannten Meeresstelle der Welt vordringen, bis heute nicht. Ausserdem haben sie keine Vorstellung, wie es da unten aussieht, ob es Leben gibt, knapp elf Kilometer unter der Wasseroberfläche. Und ob das überhaupt funktioniert mit ihrem Tauchboot, das 16 Tonnen Eisenschrott als Ballast mitführt und 110 Tonnen Benzin als Auftriebskörper. geräusche wie bratspeck

Nach vier Stunden und 43 Minuten setzt die «Trieste» am 23. Januar 1960 um 13.10 Uhr auf dem Boden des Marianengrabens auf, 10 916 Meter unter dem Meeresspie-

Die Rekorduhr im uhrenmuseum Beyer 1995 war es Jacques Piccard persönlich, der René Beyer ein besonderes Geschenk für das Uhrenmuseum an der Bahnhofstrasse in Zürich überreichte: die Rolex Oyster «Deep Sea Special» No 36, eine der seltenen «Schwestern» der originalen Rekorduhr, die im Smithsonian Museum in Washington D.C. liegt. Das aufgeschnittene Modell der «Trieste» kann man in der Schifffahrtsabteilung des Deutschen Museums in München bewundern. Das Uhrenmuseum Beyer ist von Montag bis Freitag von 14 bis 18 Uhr geöffnet und birgt eine der bedeutendsten privaten Uhrensammlungen der Welt.

gel. Die beiden Pioniere geben sich glücklich die Hand. Jacques Piccard rollt eine Schweizer Flagge aus und Don Walsh eine deutlich kleinere amerikanische. Die beiden schreiben Geschichte und lösen eine weltweite Euphorie für die Forschung aus, die neun Jahre später in der ersten Mondlandung gipfelt. Doch plötzlich wird es ungemütlich. Jacques Piccard registriert eigentümlich prasselnde Laute, «so, als brate jemand Speck». Dafür kann es nur einen Grund geben: Der ungeheure Druck in dieser Tiefe. In jenem Moment lastet eine Wassersäule von über 400 Millionen Tonnen Gewicht auf dem Tauchboot. Das Knacken hört nicht auf und scheint von einem der Bullaugen zu kommen. Ist das 19 Zentimeter dicke Spezialglas doch zu schwach? Piccard und Walsh entscheiden, schon nach zwanzig statt den geplanten dreissig Minuten wieder aufzubrechen. Zu sehen gibt es sowieso kaum etwas in dieser «Wüste von hell-zimtfarbenem Schlick». Ausser einem Plattfisch, der sich zur Überraschung beider in dieser Tiefe aufhält und interessiert das unbekannte Objekt beäugt. beyond 11/2010

Fotos Matthias Zuppiger, U.S. NHHC Photograph.

Eine kühne Vision wird wahr: Die Rolex «Deep Sea» aus dem Uhrenmuseum Beyer.


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Das abenteuerliche Tauchboot «Trieste» war wochenlang in den Schlagzeilen der Weltpresse.

Der Abenteurer August Piccard gilt als Vorbild für die Figur des Professor Bienlein in „Tim und Struppi“ Doch Piccard und Walsh haben diese Reise ins Ungewissen nicht unternommen, um neue Fischarten zu entdecken. Es ging ihnen um den prestigeträchtigen Rekord, um die Pioniertat. Um diesen Kick, der die Familie Piccard seit eh und je zu aussergewöhnlichen Abenteuern beflügelt. Schon Jacques Vater Auguste Piccard zog es über die Grenzen des Bekannten hinaus: Der Physiker hatte 1932 einen Rekord in der anderen Richtung aufgestellt. Mit dem ersten Stratosphärenballon stieg er in Dübendorf auf bis in eine Höhe von 16 203 Metern. Auch sein Zwillingsbruder Jean-Felix war ein berühmter Ballonfahrer, und dessen Gattin Jeannette gilt als erste Frau in der Stratosphäre. Wen wundert da noch, dass die Abenteuerlust auch Auguste Piccards Enkel erfasste, den Psychiater Bertrand Piccard, der 1999 als beyond 11/2010

erster Mensch in einem Ballon nonstop die Erde umkreiste. Trotzdem bleibt Auguste Piccard der grösste Abenteurer der Familie (er gilt sogar als Vorbild für die Figur des Professor Bienlein in «Tim und Struppi»). Schon zwanzig Jahre vor der «Trieste» hatte er das erste Tauchboot gebaut, das nicht an einem Kabel mit dem Trägerschiff verbunden war und selbstständig auftauchen konnte. Mit seinem Sohn Jacques konstruierte er die «Trieste». Gemeinsam unternahmen sie Testfahrten, die unter anderem in die Rekordtiefe von 3150 Metern führten. Acht Jahre tüftelten sie an ihrem Projekt herum und mussten immer wieder um seine Finanzierung kämpfen. Schliesslich verkauften sie die «Trieste» der USMarine, die im letzten Moment Jacques Piccard gegen einen eigenen Mann aus-

wechseln wollte, was der Schweizer erfolgreich verhindern konnte. Strapazen für eine Rolex

Und so kommt es zur legendären Fahrt in die Tiefe und zu wichtigen Erkenntnissen für die Strömungsforschung und die Geophysik. Ein kleines Experiment führt Jacques Piccard auch im Namen von Rolex durch. An der Aussenwand der «Trieste» hängt die Spezialanfertigung einer «Oyster», eine klobige Armbanduhr, deren dickes Glas in Form einer Halbkugel an eine überdimensionale Datumslupe erinnert. Wird sie den Strapazen standhalten oder ist die Herausforderung zu gross? An diesem 23. Januar 1960 sitzt man also auch am Hauptsitz von Rolex gespannt vor dem Fernseher und vernimmt die Nachricht vom Gelingen des Tauchgangs im Pazifischen Ozean. Nur einen Tag später trifft das heiss erwartete Telegramm ein, und die Nachricht ist eine überaus gute: «Freue mich, Ihnen anzukündigen, dass Ihre Uhr auch in elftausend Metern so präzis ist wie an der Oberfläche. Mit freundlichen Grüssen, Jacques Piccard.»


Swiss made

Die dreiminütige Mundmassage

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A

Tiki, die letzte heute noch in der Schweiz fabrizierte Kinderschleckerei, half einem kleinen Knirps einst zu ganz erstaunlichen Erkenntnissen. von Thomas Wyss

Foto Martina Meier

ls Häfelischüler hatte ich natürlich keine Ahnung von

schränkte ich mich diesmal auf einen halben Mocken. Das

realer Marktwirtschaft. Fand ich irgendwo einen Fünfräppler

haute hin. Ich durchlebte eine lustig kitzelnde Mundmassage,

(der war Anfang der 70er-Jahre übrigens noch silbrig) legte ich

die fast drei Minuten dauerte. Es war so super, dass ich Tiki nie

ihn auf die Tramschiene und schaute begeistert zu, wie er platt-

mehr anders konsumierte.

gemacht wurde. Bis mir eines Tages ein vifer Zweitklässler das

Tja, und dann kam der Tag, an dem ich Tiki gar nicht mehr

«Ware gegen Geld»-Prinzip erklärte. Also trug ich den nächsten

konsumierte. Ich war gross geworden, interessierte mich für

Foifer zum Kiosk Traber, wo mir der nette Mann dafür einen

reale Marktwirtschaft, meine neue Brause hiess «Sprizz». Dafür

Fünfermocke in die Patschhand drückte. Das war ziemlich super

packte mich ein aus Polynesien stammender Trivialkunststil

(«cool» kannte ich noch nicht), zumal das Spiel auch mit wert-

namens Tiki, der im 50er-Jahre-Amerika sehr populär gewesen

volleren Münzen funktionierte. Für den Einfränkler gab mir

war. Verkehrte Welt.

der Herr Traber ein «Micky Maus»-Heftli, für den Zwanziger empfahl er mir den «Tiki-Mocke».

Bis ich eines Abends in einer Männerrunde sass, die eifrig in der Nostalgie fischte – und plötzlich das Thema «Tiki» herauf-

Ich war skeptisch. Ein Brausewürfel, den man im Wasser

holte. Da erfuhr ich, was wirklich in diesem Zauberwürfel steckt.

auflösen musste? Das roch verdächtig nach Medizin. Doch weil

Zum Beispiel, dass er 1907 in Prag erfunden wurde. Dass der

«Tiki» fast so neckisch klang wie «Lego» oder «Sugus», liess ich

Erfinder, ein Herr Allan, 1947 vor den Russen in die Schweiz

mich auf den Deal ein. Ich sollte es nicht bereuen.

flüchtete und dass Tiki auch dank dieser Flucht die letzte noch

Wenige Wochen später – ein Glas Himbeer-Tiki gehörte längst

hierzulande produzierte Nascherei ist (seit Kurzem übrigens mit

genauso zu meinem Zmorge wie das Konfibrötli – stopfte ich

einer feschen Maske als Logo). Am meisten beeindruckte mich

aus einer Laune heraus einen Tiki-Würfel in den Mund. Er

jedoch, dass jeder Schweizer pro Jahr mindestens einen Tiki-

sprudelte und schäumte los wie verrückt, ich lief rot an, spuck-

Würfel postet. Seit dem Männerabend spiele ich auch wieder

te und spuckte – und wäre dennoch fast erstickt. Natürlich

mit – und gönne mir ab und zu eine prickelnde, dreiminütige

musste ich das Experiment wiederholen; geschickterweise be-

Mundmassage. 1907 in Prag erfunden, fand Tiki 1947 in die Schweiz.

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Byline Blindtext

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Highlights

11. Sarasin Swiss Open Polo Championships 2010

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Ist das der Anfang einer grossen Serie? Wie bereits letztes Jahr gewann das Team Beyer den begehrten (und vom Beyer-Schmuckatelier kreierten) Pokal. Dabei stand der Sieg auf Messers Schneide. Die beiden Teams Sarasin und Beyer lieferten sich ein überaus spannendes Endspiel: Erzielte eine Mannschaft ein Tor, doppelte die andere sofort nach. Am Ende des dritten Chukkas stand es 4:4, am Ende des vierten 6:6, womit das Spiel zur Freude der vielen Zuschauer in die Verlängerung ging. Das Golden Goal, welches den Sieg besiegelte, erzielte Milo Fernandez Araujo für das Team Beyer.

Markus Gräff (Polopark Zürich), Peter Wild (Bank Sarasin) und das Siegerteam mit Milo Araujo, Philipp Maeder, Werner Meier, Federico Bachmann und René Beyer.

Heidi und Sandro Palmieri.

Auch das Wetter spielte mit.

Annemarie Schenkel.

Anna Bashkova und Sascha Stämpfli.

Renée Chen und René Beyer.

Regula und Dr. Thomas Würsch.

Doris und Peter Peier.

Ella und Frank Seewert. beyond 11/2010


59 Christina Vögeli, John Schnell und Anette Beyer.

René Beyer und die Jubiläumstorte.

Dr. Walter und Ursula Hensel.

Barbara Moser.

Franziska und Richard Kamm.

Gisela Aumann.

Katharina und Dr. Daniel Blansjaar.

Monika und Dr. Ziga Franz Presern.

Rainer Maria Salzgeber und René Beyer.

Barbara und Rainer Moser, Eric Ritter.

Victoria Riebe mit Tochter Grace-Sophie.

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Highlights

Beyers Schmucke zeitReise nach Polen

Köstliches Schaffhausen: zu besuch bei IWC

Zusammen mit Wellendorff und der Bank Sarasin präsentierte sich Beyer Uhren & Juwelen erstmals in Polen: in Warschau vor 50 und in Krakau vor 40 Gästen. In gediegenem Rahmen und bei feinem Essen wurden wertvolle Uhren aus dem Sortiment und exklusiver Schmuck von Wellendorff gezeigt.

IWC-Besichtigungen sind beliebt im Programm von Beyer. Ende Mai war es wieder so weit: Gleich mit zwei Gruppen von Uhrenliebhabern reisten wir nach Schaffhausen und hatten das Vergnügen, die Stadt unter kundiger Führung zu besichtigen – nach dem äusserst lustvollen Motto «Köstliches Schaffhausen». Im Restaurant Schlössli Wörth wurde ein feines Mittagessen eingenommen, bevor wir am Nachmittag die «heiligen Hallen» der IWC besuchen durften und einen spannenden Einblick erhielten in die Herstellung dieser Uhren.

Köstliche Anekdoten: der Stadtführer.

Fachsimpeln unter IWC-Fans.

Unterwegs im schönen Schaffhausen.

Florian Gehrke, Katrin Ammann.

Beyer-Kunden vor dem IWC-Museum.

Ein Himmelreich für Uhrenliebhaber.

Abendessen in stimmungsvollem Rahmen.

Mittagessen im Schlössli Wörth.

Insider am Puls der Zeit.

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Veronica Abrahamsson, Eva Wellendorff und Edie Liu.

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Grosse Schmuckshow im Traumgarten

museum und manufaktur: Zu besuch bei Patek Philippe

Mitten im Sommer, am 16. Juni, fand im Traumgarten Thalwil die grosse BeyerSchmuckshow statt. Durch den Abend führte die charmante Tele-Züri-Wetterfee Jeannette Eggenschwiler – Seite an Seite mit Beyer-Schmuckkreateur Carlo Mutschler. Leider spielte das Wetter ganz und gar nicht mit. Doch die Gäste liessen sich deswegen nicht die Laune verderben und genossen den Abend ebenso wie die herrlich gestalteten Preziosen aus dem Beyer-Atelier. Zudem fand ein Brillant im Wert von 2000 Franken eine glückliche Gewinnerin.

Ende April durften wir mit Kunden nach Genf reisen. Am ersten Tag besuchten wir das fantastische Uhrenmuseum von Patek Philippe. Am nächsten Tag wurden wir durch die beeindruckende Manufaktur geführt, wo die «Rolls-Royces» der Uhren in aufwendiger Handarbeit und mit viel Fingerspitzengefühl zusammengesetzt werden.

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Fotos Dany Schulthess (7)

Annette Beyer im Traumgarten Thalwil.

Trotz Regen war die Stimmung sonnig.

Heike Isenschmied, Susanne Frenzel

Eine Patek Philippe lässt tief blicken.

Jeannette Eggenschwiler, Carlo Mutschler.

Ein Hingucker: der neue Beyer-Schmuck.

Beyer-Kunden mit Thierry Stern (3 . v. r.).

Zahra und Patrick Ludwig.

Ring aus der Beyer-Kollektion Layla.

Die neusten Modelle direkt aus dem Tresor.

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Wissen

Das Werkzeug

Die Zeigerabheber Sie bilden die Verlängerung der Fingerspitzen.

Jargon

Die «Zeitgleiche» oder «Äquitation» Bei Uhren mit aufwendigen Komplikationen (siehe Seite 22: «Chopard») findet man die Angabe der Äquitation. Doch was ist das genau? Von den gleichmässig laufenden Uhren liest man heute die sogenannt «mittlere Zeit» ab. Der Verlauf der Sonne jedoch ist nicht überall auf der Welt gleich, er hängt stark von der Distanz zum Äquator ab. Die Äquitation oder Zeitgleiche berechnet die Differenz zwischen der wahren Sonnenzeit und der mathematischen mittleren Zeit. Unabhängig vom Standort stimmen die Zeiten der Sonne und der Uhr durch die elliptische Erdumlaufbahn nur viermal pro Jahr überein: am 15. April, 14. Juni, 1. September und 24. Dezember. An allen anderen Tagen reicht die Abweichung von minus 16 Minuten 23 Sekunden am 4. November bis plus 14 Minuten 22 Sekunden am 11. Februar. Astronomie

Die Wintersonnenwende Die Nacht vom 21. auf den 22. Dezember ist die längste des Jahres: Am Tag davor und am Tag danach schafft es die Sonne kaum über den Horizont hinaus und erreicht den sogenannten mittäglichen Jahrestiefststand. Weite Teile ihrer Bahn verlaufen sogar unterhalb des Horizonts. Die Wintersonnenwende wird seit je von verschiedenen Kulturen gefeiert. Wie auch die Sommersommerwende, die am 21. Juni stattfindet – und auf der Südhalbkugel zeitgleich mit unserer Wintersonnenwende.

Uhrmacher ist der «Beruf der 1000 Werkzeuge». «beyond» stellt in jeder Ausgabe eines vor.

Gewusst…

… wann ein Ölwechsel fällig wird? Räder von Armband- und Taschenuhren sind winzig klein. Manche Rädchen drehen sich aber so schnell, dass die Zahnspitzen während eines Uhrenlebens beachtliche Strecken zurücklegen. So bewegt sich die Zahnspitze eines Ankerrads mit einem Durchmesser von weniger als fünf Millimeter während eines Jahres über 90 Kilometer. Nach 450 Kilometer oder fünf Jahren hat sich ein solch fleissiges Rädchen sein Reinigungsbad und einen Ölwechsel redlich verdient!

Foto Fotolia

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Es ist ein bisschen wie Mikadospielen: Um auf beiden Seiten an einem Uhrwerk arbeiten zu können, muss der Uhrmacher das Zifferblatt entfernen und dafür die hochsensiblen Zeiger abheben. Um sie vom Stundenund Minutenrohr zu lösen, braucht es oft überraschend viel Kraft und immer viel Fingerspitzengefühl: Ein Ausrutscher, und das Zifferblatt ist futsch. Darum wählt der Uhrmacher Werkzeuge, die er besser kennt als jedes andere: die Zeigerabheber. Noch in der Ausbildung hat er sie in mehreren Grössen selber angefertigt – und seither so oft benützt, dass sie mit seinen Hände verschmelzen.

Die nächste Wintersonnenwende ist am 22. Dezember 2010 um 00:38 Uhr.

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Die persรถnlichsten aller Werkzeuge: die Zeigerabheber.

Foto Nathalie Bissig

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Aerowatch und Beyer

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Die wundersame Welt der Bolzlis Seit sieben Jahren stellt die Firma Aerowatch aus Saignelégier Beyer-Uhren her. Die Familie Bolzli bereichert die Branche aber auch mit ihrer Art. von Matthias Mächler Fotos Hans Schürmann

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Drei Männer führen sympathische Argumente ins Feld: Fred-Eric Bolzli (Atelier), Denis Bolzli (CEO) und Jean-Sébastien Bolzli (Marketing).

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Aerowatch und Beyer

In der Stadt wurde er so sehr vom Heimweh geplagt, dass er bald wieder zurückkehrte und sich den Separatisten anschloss.

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100 Jahre Aerowatch 1910 in La Chaux-de-Fonds gegründet, spezialisiert sich Aerowatch auf Fliegeruhren und wird um 1942 zu einem weltweit führenden Hersteller von Taschenuhren. 2001 erwirbt Denis Bolzli das Unternehmen. 2003 stellt Aerowatch mit der BeyerKollektion erstmals Armbanduhren her, seit 2004 auch unter eigenem Namen: mit renommierten mechanischen Uhrwerken zu fairen Preisen. 2008 zieht Aerowatch nach Saignelégier. Das Familienunternehmen mit 20 Angestellten produziert 100 Uhren am Tag und ist in 40 Ländern in Europa und Asien vertreten.

as hier», sagt Denis Bolzli und stopft seine Pfeife, «das war schon als Kind mein grosser Traum.» Er meint die Weide für seine Kühe und Pferde. Er meint den Wald, aus dessen Boden die Pilze schiessen, als wollten sie direkt in den Suppentopf springen. Er meint die Aussicht über die herben Hügelzüge der Freiberge bis nach Frankreich und den tief hängenden Himmel, für den es keine Grenzen gibt, schon gar nicht hier im Jura. Und vielleicht meint er auch sein Unternehmen, Aerowatch. Doch das würde er nie so sagen. Den Stolz auf das Erreichte hüllt er lieber in Pfeifenrauch. Es scheint fast, als misstraue er dem Erfolg. Denis Bolzli (58) ist kein Typ, der abhebt. Dazu wurzelt seine Geschichte zu sehr im unwirtlichen Boden des Jura. Als ältestes von sieben Kindern gab es für ihn nur zwei Berufswege: zur Post oder zur Jurabahn. Er wählte die Bahn und später ein Studium in Lausanne. Doch in der Stadt wurde er so sehr von Heimweh geplagt, dass er bald wieder zurückkehrte, sich den jurassischen Separatisten anschloss und gegen die Berner Herrschaft kämpfte. Mit 24 Jahren wählte man ihn, «mehr aus Zufall», zum Gemeindepräsidenten, dem jüngsten der Region, und wenig später zum Ratsmitglied im neu geschaffenen Kanton Jura. sich nicht beirren lassen

Ein Lächeln huscht über das Gesicht von Denis Bolzli, dann wird seine Miene sofort wieder ernst. Er schreitet über die Wiese, scheint wie zu verschmelzen mit dem Boden, obwohl dieser voller Unebenheiten ist. Aber er kennt sie alle, die Höhen und Tiefen, den speziellen Charakter dieses

Landes. Er hat ihn genau studiert und weiss: Um hier etwas aufzuziehen, muss man sich den Gegebenheiten anpassen und bescheiden bleiben. Das tat Bolzli schon immer. Auch nach der Zeit in der Politik, als er eine Führungsposition in einer Uhrenfirma übernahm, die in den Neunzigern unglaubliche Umsätze erwirtschaftete. Er liess sich nicht beirren von der Konkurrenz, die ausschweifende Partys feierte und in der Euphorie über ihre Verhältnisse lebte. Er sah nachdenklich zu, wie Patrons ihr Lebenswerk an Konsortien verkaufen mussten. Und als in seiner Firma «studierte Wirtschaftstypen mit ihren Statistiken die Marke an den Rand des Untergangs trieben», hatte Bolzli längst neue Pläne. mit dem herz entschieden

Mit dem Ersparten aus den Neunzigern erwarb er 2001 nicht nur den Landgasthof in Le Bois mit Kühen und Pferden, sondern auch Aerowatch, die Manufaktur für Taschenuhren, deren Besitzer eine Nachfolgelösung suchte. «Ich habe immer mit dem Herz entschieden, nicht mit einem Businessplan», sagt Bolzli. Dass Taschenuhren nicht gerade den Zeitgeist manifestierten, machte ihm wenig aus. Er vertraute darauf, dass er auch im unwegsamen Gelände einen Weg finden würde. Doch aus seinen Tagen bei den Separatisten wusste er: Das geht nur mit Verbündeten. Einer dieser Verbündeten hiess René Beyer, dem Bolzlis ehrliche, direkte Art gefiel. Ausserdem kannte er dessen Sohn Jean-Sébastien, der seine Sporen als Uhrmacher während dreier Jahre im BeyerAtelier in Zürich abverdient hatte. René Beyer stellte Aerowatch sein Know-how

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Rolex und Beyer – seit 1932

Zwischen Tradition und Moderne gehen die Bolzlis ihren eigenen Weg. Dabei pflegt der Firmenchef seine Tiere und den Landgasthof in Le Bois genauso sorgsam wie seine Uhrenmarke.

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Aerowatch und Beyer

Man staunt einmal mehr über diese Welt, in der zwar ein rauer Wind weht, aber alte Traditionen überleben.

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zur Verfügung und bewies seinen Glauben an das Unternehmen, indem er auch gleich zum Kunden wurde: 2003 lieferte Aerowatch die ersten Armbanduhren mit BeyerZifferblatt nach Zürich. Auf der Weide von Denis Bolzli ist es dunkel geworden, die Kühe sind im Stall, das Kälbchen nascht vom frischen Heu, das es vom Hausherrn persönlich bekam, wie jeden Tag. Wir sitzen in der Wirtsstube, denn zum Anwesen gehört auch ein Landgasthof mit ambitionierter lokaler Küche und einfachen Zimmern. Im Hôtel Le Cerneux-au-Maire treffen sich die Einheimischen gern zum Apéro: Manchmal sind es zwei, manchmal zwanzig, die sich um den Tisch drängen: vor allem Weggefährten von Denis Bolzli wie der ehemalige Béliers-Anführer, der heute einen Industriebetrieb leitet und in wunderbaren Anekdoten schwelgt. Oder der Schnapsbrenner, der praktisch auf den Höhenmeter genau sagen kann, welches Obst hier wo eine Chance hat. ein nachhaltiges rezept

Auch Bolzlis Söhne sitzen am Tisch: FredEric, der stille, aber verschmitzte Atelierchef von Aerowatch, und Jean-Sébastien, der weltgewandte, seriöse Marketingchef. Ihre Schwester Adeline ist zuständig für die Administration, der Cousin für den Aussendienst, der Onkel für die Buchhaltung. Denis Bolzli hat die Familie um sich geschart und sagt: «Das bedeutet für mich den grössten Erfolg.» Ein Erfolg, der zu besonderer Nachhaltigkeit verpflichtet. Und für die hat Bolzli ein einfaches Rezept: «Natürlich wollen wir wachsen, aber wir tun das mit eigenem Geld. Und nur so schnell, dass wir uns selber treu bleiben können.» Die Schulden seien längst getilgt, Risiken würden auf ein Minimum reduziert: «Sollte am Wirt-

schaftshorizont ein Gewitter aufziehen, muss ich bloss meine Familie ins Trockene bringen und warten, bis es vorbei ist.» Die Welt der Bolzlis: Sie funktioniert ungekünstelt, einfach, direkt, ohne Blendraketen und frisierte Worthülsen. Lieber führt Denis Bolzli seine Gäste im Morgennebel hinunter an den Doubs und lässt sie staunen: Bei La Maison Monsieur ist der Fluss wie nicht von dieser Welt, lieblich und wild zugleich, unendlich poetisch. Hier wandert Bolzli oft durch die Wälder, stundenlang, ohne einem Menschen zu begegnen – am liebsten, wenn er eigentlich an einem Anlass teilnehmen müsste. die kunst der Guillochage

Weiter geht unsere «tour d’horizon» über die Jurahügel. Zu jeder Lichtung, zu jedem Weiler weiss Bolzli eine Geschichte. Am Dorfeingang von Saignelégier hält er an: vor einem anonymen Haus, das nichts über sich verrät. Schon gar nicht, dass hier einer der letzten Guillochage-Handwerker Europas an der Beyer-Jubiläumsuhr arbeitet. Betätigt er die Kurbel einer alten Drehbank, übertragen Wellenräder die Kraft auf eine Art Bohrer, der in winzigen Bewegungen einen exklusiven Schliff übers Uhrwerk haucht: pro Minute eine Wellenlinie, pro Uhrwerk 80 Linien. Alles millimetergenau und von Hand – weil kein Computer diese Eleganz und Genauigkeit hinbekäme. Man staunt einmal mehr über diese Welt, in der zwar ein rauer Wind bläst, aber alte Traditionen überleben. In der sich Menschen und Häuser nicht gleich sofort öffnen, dann aber wunderbare Geschichten erzählen. In der vielleicht wenig Neues passiert, sich aber hin und wieder ein Kindheitstraum erfüllt. Und man begreift, weshalb die Bolzlis diesen Boden vermissen, sobald sie ihn verlassen.

die Jubiläumsuhr

Aerowatch hat zusammen mit René Beyer eine Jubiläumsuhr gefertigt, die es in sich hat – ein ehrwürdiges Bühren-Automatikwerk von 1969. Beyer konnte exklusive 150 Stück davon erwerben. Veredelt und modernisiert, sind sie in der Jubiläumsuhr durch den Saphirboden sichtbar. Die Optik des silbernen oder schwarzen Zifferblatts (aufgesetzter Index mit Datumsanzeige) orientiert sich auf zeitlos schlichte Art an vergangenen Epochen. Das Lederband besitzt eine Faltschliesse mit Jubiläumssymbol. Die limitierte Beyer-Uhr kostet 2980 Franken.

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Im Uhrzeigersinn: Bei der Guillochage geht es um Millimeter. Das Resultat: ein edler Schliff 端ber dem ehrw端rdigen B端hren-Uhrwerk, das bis ins kleinste Detail modernisiert wurde und nun als Herz der Beyer-Jubil辰umsuhr pulsiert.

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Anekdoten

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fast jeder Tag ist anders

Im Verkaufsteam von Beyer kommt es nur selten zu Wechseln. Ein Grund dafür ist möglicherweise der Alltag. Denn der ist alles andere als alltäglich. von Matthias Mächler Fotos Simone Bischofberger-Gumpp

Pipi und die finanzstarken Männer

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Vom Uhrengeschäft in die Klinik

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Kurz nachdem ich bei der Firma Beyer begonnen hatte, kamen zwei chinesische Geschäftsmänner ins Geschäft. Ich begrüsste sie, doch sie sprachen kaum Englisch. Aber sie wiederholten andauernd: ‚Pipi, Pipi!‘ Ich nickte verständnisvoll und führte die beiden zu den Toiletten. Sie schüttelten den Kopf, zeigten auf ihr Handgelenk und sagten: ‚Pipi, Pipi!‘ Da dämmerte es mir: Sie meinten ‚PP‘ – für Patek Philippe!» Beatrice Kühne trägt eine Rolex Datejust mit Brillanten.

Dienen kommt vor Verdienen: Als Verkaufsleiter ist es mir wichtig, unser Credo stets vorzuleben. Wie bei jenem Kunden, dem wir auf Wunsch diverse Uhren und Schmuckstücke persönlich überbrachten. Meine Frau begleitete mich auf dieser Reise, und weil der Kunde durch die jahrelange Verbundenheit wusste, dass sie in einer Privatklinik arbeitet, erzählte er uns von seinen Magenproblemen. In kurzer Zeit organisierte meine Frau die medizinische Betreuung, und schon wenige Tage nach der Operation besuchte uns der Kunde zu Hause. Das schönste Kompliment für uns war, zu sehen, wie glücklich und entspannt er mit unserem Hund im Garten herumtollte, munter wie ein Fisch im Wasser. Wir organisierten dann noch medizinische Untersuche für fünf seiner Businesspartner und Freunde – die bei dieser Gelegenheit ein paar exklusive Uhren für ihre Liebsten zu Hause erwarben.» Markus Baumgartner trägt die Vorlaufserie (Ref. 3712/1A) der Patek Philippe Nautilus 5712 /1A.

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«Ich nickte verständnisvoll und führte sie zu den Toiletten.»

Ein besonderes Andenken

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Ein Cadillac – als Uhr?

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Eben hatte ich ein Telefon mit einer Dame, die einen unglaublichen englischen Slang sprach. Ich verstand nur, dass sie einen Cadillac suche, und sagte: ‚Einen Cadillac führen wir nicht, auch kein Modell und keine Marke, die so heisst.‘ Sie entgegnete: Doch, und sie wolle eine Atmos. Das wiederum gibt es: So heissen Tischuhren von Jaeger-LeCoultre. Und da verstand ich: Mit ‚Cadillac‘ meinte sie ‚Katalog‘. Ich wollte dann die Adresse aufnehmen, doch die Dame sprach so unverständlich, dass ich höflich aufhängte und später nochmals bei der Firma anrief, um mich nach der korrekten Schreibweise der betreffenden Person zu erkundigen.» Susan Brotschi trägt eine Lange 1815 von A. Lange & Söhne.

Vor etwa zwei Jahren durfte ich ein Ehepaar mit einem zehnjährigen Sohn bedienen. Das Gespräch verlief ungewöhnlich ruhig und einsilbig. Der Mann interessierte sich für eine Patek Philippe in Weissgold. Dieses Modell war nicht verfügbar, also nahm ich die Bestellung auf und erwähnte, dass die Wartezeit drei, vier Monate dauert. Da begann die Frau herzzerreissend zu weinen, als ob sämtliche Stauwände einbrächen. Und der Mann klärte mich auf: Er habe Darmkrebs und nicht mehr lange zu leben. Schon immer habe er von einer Patek Philippe geträumt, sich aber keine leisten können. Jetzt wolle er dies nachholen – als Erinnerung für seinen Sohn. Tatsächlich konnte er seine Uhr noch selber abholen. Seine Freude war enorm. Und er fragte mich, ob er mich kurz umarmen dürfe. Dann dankte er mir, legte einen glasklaren, fein polierten Kristall hin und sagte: ‚Dieser Stein hat mich in den letzten 30 Jahren überallhin begleitet – es würde mich freuen, ihn bei Ihnen zu wissen.‘» Gina Bopp trägt eine Beyer/Aerowatch mit schmaler Brillant-Atourage.

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Ein Stück Heimat in der Ferne

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Ich schätze die Chinesen und ihre Kultur sehr. Mit einigen chinesischen Kunden tausche ich mich per E-Mail aus, wir schicken uns SMS und gehen essen, wenn sie in Zürich sind. Bei Chinesen hat das eine ganz andere Bedeutung als bei uns: In China kommt zum Essen mit, wer gerade da ist, das ist ein ebenso spontaner wie wichtiger Akt. Denn der Begriff Familie schliesst auch Freunde und Kollegen von Freunden ein. Man isst zusammen, führt sogar Vorstellungsgespräche am Tisch – und die erweiterte Familie sitzt mit dabei und lacht. Es wird sehr viel gelacht bei den Chinesen. Wenn ich also mit chinesischen Kunden essen gehe, dann ist das für sie ein Stück Heimat in der Ferne.» Edie Liu trägt eine Nautilus 5712 R-001 von Patek Philippe.

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Anekdoten

«Er kam rein, und ich wusste sofort: Das ist ein Räuber!»

Arabische Gepflogenheiten

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Der Mann mit dem Mantel

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Wir hatten gerade eine ausführliche Sicherheitsschulung hinter uns. Da geht einem so einiges durch den Kopf. Ich stand also am Empfang, als ein finsterer Typ zur Tür hereinkam. Er trug einen langen Mantel und eine dunkle Sonnenbrille. Ich wusste sofort: Das ist ein Räuber! Mit grimmigem Gesicht kam er auf mich zu, griff mit der Hand in den Mantel – der Schreck fuhr mir durch alle Glieder. Dann nahm er einen Zettel heraus, auf dem er ein spezielles Uhrenmodell notiert hatte, das er dann auch kaufte.» Veronica Abrahamsson trägt eine Rolex Day-Date in Everose-Gold.

Vor zehn Jahren hatten wir noch nicht so viele arabische Kunden – entsprechend traten wir in das eine oder andere Fettnäpfchen. So dauerte es eine Weile, bis wir merkten, dass sich die Mutter mit ihren fünf Töchtern nur von Frauen bedienen lassen durfte. Sie waren bestens über die Neuigkeiten informiert und wollten alles aufs Mal sehen. Was ihnen gefiel, legten sie auf ein Tablett, und ich dachte: Das gibt einen enormen Umsatz. Sie verlangten meinen Namen – und gingen. Wenig später kam ein Telefon: das Familienoberhaupt. Er fragte nur: Wie viel? Wir rechneten die Preise zusammen, dann begann das Handeln – obwohl wir kaum Rabatt geben können. Die Frauen erschienen noch zweimal, der Berg Uhren wurde stets kleiner, das Telefongespräch mit dem Oberhaupt immer rauer. Wir fanden uns irgendwie, und er wollte, dass ich die Uhren ins Dolder bringe. Dort machte ich den Kardinalfehler: Ich streckte dem Mann die Hand hin. Widerwillig nahm er sie, schaute sich dann gelangweilt die Uhren an – und bezahlte rund hunderttausend Franken in bar.» Claudia Arnold trägt eine IWC Da Vinci mit ewigem Kalender.

Die Damen und der Doktor

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Es gibt zwei Damen aus Deutschland, die wollen vollkommen anonym bleiben. Ich weiss nicht einmal ihre Namen. Sie kaufen regelmässig Uhren und Schmuck bei uns und bezahlen stets in bar. Eines Tages kamen sie ins Geschäft, verlangten mich und sagten: ‚Guten Tag, Herr Dr. Ritter.‘ Ich stutzte und fragte, wie sie auf diesen Titel kommen. Da lachten sie: ‚Ach, wissen Sie, wenn wir unseren Freunden von unseren Reisen in die Schweiz erzählen, verschweigen wir die Uhren und den Schmuck. Wir sagen jeweils, dass wir unseren Vertrauensarzt aufsuchen, den Herrn Dr. Ritter.‘» Eric Ritter trägt eine Patek Philippe 5053 «Offiziersuhr».

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«Zwei Tage später kam ein Brief von Udo Jürgens mit zwei Tickets.»

ein sehr umgänglicher Star

Keine Hemmschwellen

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Meine Mutter ist eine glühende Verehrerin von Udo Jürgens. Und natürlich dachte ich an sie, als ich ihn zum ersten Mal bedienen durfte. Er suchte eine Rolex Daytona, die es nur für gute Kunden gibt. Oder eben, wenn man Udo Jürgens heisst. Er freute sich über diese Ausnahme, und ich sagte aus Spass, dass wir uns ebenfalls freuen würden – über Tickets für das nächste Konzert. Das war nur so dahergesagt, denn Udo Jürgens ist ein sehr unkomplizierter Mensch. Zwei Tage später bekam ich einen Brief von seinem Management mit zwei Karten für super Plätze gleich an der Bühne. Meine Mutter war natürlich hell begeistert.» Regula Sigg trägt einen Chronomat B01 von Breitling.

Eine Pendule für Japan

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Ich liebe Japan, das Land, seine Menschen und seine faszinierenden Rituale. Ich verbrachte auch schon mehrmals Urlaub dort, darum freute ich mich ganz besonders über jenen Kunden, der ein Geschenk suchte für das 25-Jahre-Jubiläum einer japanischen Filiale. In Japan ist Schenken eine wahre Wissenschaft – welch Schmach, wenn dabei Fehler begangen werden! Die Japaner lieben die Tradition ebenso wie etwas Kitsch, doch das Wichtigste ist perfektes Handwerk. Am Ende entschied sich der Kunde für eine Zenith-Pendule, Modell ‚Neuchâtel‘. Wir organisierten zusätzliche Informationen über die Geschichte der Uhr für ein Begleitschreiben in Japanisch und Englisch. Nach der zeremoniellen Übergabe in Japan besuchte mich der Kunde und berichtete stolz, wie gut das Geschenk angekommen sei. Darüber freute ich mich auch persönlich sehr.» Jürgen Delémont trägt eine Rolex GMT Master II in Stahl-Stahl.

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Es gibt einen Mann, wahrscheinlich ein Patient einer psychiatrischen Klinik, der kommt sporadisch bei uns rein. Er schaut kurz auf, packt aus der Schale auf der Theke ein Sugus, dreht sich wortlos um und geht wieder. Wir haben ihn lange nicht mehr gesehen. Heute stand er plötzlich wieder da – fand statt Sugus Schöggeli, packte 73 eines und war wieder weg. Irgendwie finde ich es schön, dass so unterschiedliche Leute zu uns finden. Und es zeigt, dass die Hemmschwelle, unser Geschäft zu betreten, gar nicht so gross sein kann.» Doris Reinartz trägt eine Jaeger-LeCoultre Reverso.


Zeitgeist

1__ Welche Tageszeit ist Ihnen am

wichtigsten, und wieso?

der Informationen aus der Kristallkugel. Augen auf und Ohren auf hilft dabei ganz gut, um Dinge vorauszuahnen.

Diese Frage habe ich mir noch nie gestellt. Ich habe keine Jours oder Heures fixes und deshalb keine __ Was verkörpert für Sie den feste Lieblingsstunde. Im Sommer und bei schönem heutigen Zeitgeist? Wetter ist es vielleicht der frühe Morgen, weil er mir den Eindruck gibt, der Tag sei länger als sonst. Ständig auf Sendung und auf Empfang sein zu müssen. Phones, Powerbooks, Pods und Pads sind zwar genial – aber manchmal die Pest. Ultramobil __ Wofür nehmen Sie sich und ultraconnected zu sein, ist aufregend und mit gern Zeit, und warum? unter sehr anstrengend. Man schreibt schnell eine Für Dinge, die ich spannend finde. Wenn ich das E-Mail und glaubt, die Arbeit sei damit erledigt. Gefühl habe, etwas Neues erleben und lernen zu Aber dann kommt keine Antwort. Es geht eben trotz können. Für gut gemachte Zeitschriften, Zeitungen, schickem mobilem Technokommunikationspark E-Papers. Für Kunst- und Modeausstellungen Für nichts über persönliche Gespräche und Treffen. Das meine Nichten Mia und Liz, weil sie meine kleinen ist gut so. Freundinnen sind. Für Menschen, die mir sympathisch sind.

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Marianne Eschbach Die stv. Chefredaktorin der Modezeitschrift «Bolero» betreut unter anderem den Uhren- und Schmuckbereich – auch für «Bolero Man». Sie ist von so vielen Uhren fasziniert, dass sie sich unmöglich für eine einzige entscheiden könnte.

3__ Wann spüren Sie

die innere Uhr?

Immer dann, wenn ich ausschlafen könnte und trotzdem früh aufwache.

4__ Wann waren Sie das letzte

Mal unpünktlich?

Ich bin nie unpünktlich. Es ist einfach so, dass ich beruflich sehr oft an Orten bin, wo man zur Pünktlichkeit ein entspanntes Verhältnis hat. Paris ist so ein Ort. Ist man zur Zeit da, wartet man locker eine Stunde, bis «es» anfängt, was immer «es» ist. Ich habe diese unaufgeregte Einstellung sehr schnell adoptiert. Und bin daher mitunter erstaunt, wenn etwas tatsächlich mit dem Glockenschlag beginnt. Tja, und dann bin ich halt leider doch ein wenig zu spät… (Niemals eine Stunde! 15 Minuten sind aber erlaubt, finde ich. Und ich rufe nach Möglichkeit an, wenn ich es nicht schaffe, on time zu sein.)

5__ Worin sind Sie der Zeit voraus,

und wie machen Sie das?

7__ Welche Zeitzeugen

bewundern Sie?

Denjenigen, der von Anfang an dabei war. Ob es ihn gibt?

8__ In welcher Zeit hätten

Sie gern gelebt?

Ich bin mit der unsrigen ganz zufrieden. Alles andere stelle ich mir nur begrenzt spannend vor. Auf Kurztrips mit der Zeitmaschine würde ich schon wollen. Aber nur schnell reinsurfen und wieder nach Hause ins Jetzt. Und bitte kein Motorschaden. Ich hätte gar keine Freude daran, irgendwo in der Vergangenheit auf dem Pannenstreifen zu landen.

9__ Welche Erinnerung verbinden

Sie mit Ihrer Armbanduhr?

Weniger Erinnerungen denn Wünsche. Diejenigen Uhren, die ich gern hätte, habe ich nämlich (noch) nicht.

10__ Was ist Zeit, ausser Geld?

Etwas, das ich gern begreifen würde. Ich habe Stephen In meinem Beruf ist man verpflichtet, Neues früh Hawkings «Eine kurze Geschichte der Zeit» gelesen aufzuspüren. Ich arbeite stetig an der Interpretation – aber leider immer noch nicht wirklich verstanden.

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Wir betreuen Vermögenswerte. Die Grundlage dieser Verpflichtung ist die Achtung menschlicher Werte. Und jeder Auftrag ist eine Konstellation. Die Basis ist der Dialog – die Partnerschaft das Ziel. Mit Erfahrung und Engagement tun wir unsere Arbeit. Wir bringen Sie weiter. www.swisspartners.com

Vermögenswerte in treuen Händen. Unabhängigkeit, Fachkompetenz und Integrität sind die Grundwerte, auf welchen der Erfolg von swisspartners und ihren Klienten basiert. Seit 1993.

swisspartners Investment Network AG Am Schanzengraben 23 P.O. Box CH-8022 Zürich info@swisspartners.com www.swisspartners.com Zürich Basel Genève Vaduz



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