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Ein Hotelporträt: 25hours Hotel La Tour Ein stylisches Hotel in Düsseldorf barrierefrei erleben. Seite 24 .

Wasser! Auf ins Wasser! Vom Allgäu bis zum Nordseestrand. Entdecke 12 Tipps für Unternehmungen am und im Wasser. Seite 26 .

Ein Jahr in Ghana „Schlussendlich stand ich mit Rollstuhl auf der Ladefläche und wurde von den anderen festge­ halten.“ Seite 38 .

Ausgabe #1 | März 2019 steadyhq.com/de/barrierefreie-reisewelt Preis: 5,40 € ISSN 2627-8359


Barrierefreier Urlaub in Rheinland-Pfalz Rheinland-Pfalz gliedert sich in zehn Urlaubsregionen. Sie bieten unterschiedliche Landschaften und Aktivitäten, von denen wir Dir einige vorstellen möchten. Wir plädieren für eine entschleunigte Reise, auf der man die mächtige Schönheit von Natur und Kultur auf sich wirken lassen kann. Viele nützliche Tipps zu barrierefreien Zielen findest Du in dieser Ausgabe.

Seite 6


© JackSenn, Bildarchiv Südliche Weinstraße e. V.


Römer-Lippe-Route: Mehr Informationen hierzu findest Du auf den Seiten 29–32 und 34. © Römer-Lippe-Route/Dennis Stratmann


Meine Reisewelt: Editorial . Seite 3 .

Liebe Leserin, lieber Leser, die Ursprungsbedeutung des Wortes Reise ist ­„Aufbruch, Losgang“. Und diese erste Ausgabe des Reisemagazins .Meine Reisewelt. entspricht einem Aufbruch, einem Losgang und einer Reise. Unser Kompass bei der Reise bist natürlich Du, liebe Leserin, lieber Leser, sowie unser Wissen über ­erlebenswerte Reiseziele und ihre Barrierefreiheit. Wir freuen uns, Dir eine bunte Fülle an Reise- und Urlaubszielen vorzustellen. In Deutschland standen Rheinland-Pfalz und Xanten auf unserem Tourenplan. Wir berichten umfänglich von Mainz, Koblenz und der Südlichen Weinstraße sowie vom Archäologischen Römerpark in Xanten und der Möglichkeit, sich per Handbike auf die Römer-Lippe-Route zu begeben. In der Überzeugung, dass der Sommer 2019 uns ­einige sonnige Tage bescheren wird, stellen wir außerdem verschiedene Erlebnismöglichkeiten am Wasser vor. Reiseziele im Ausland lernst Du durch die Augen von Lea und Robin kennen, die Dich nach Graz und Ghana mitnehmen. Um zu verstehen, wie Reisemacher ticken, blicken wir mit dem Reiseleiter und Tourguide Verband e. V. in den Maschinenraum des barrierefreien Tourismus. Um zu verstehen, welche Barrieren derzeit von der Politik gesetzt werden, nimmt André uns in den Maschinenraum der Europäischen Union mit. Für die eigene Reiseplanung stellen wir Dir die ­Reiseportale Reisen für Alle, Claire & George und roomchooser vor. Mit dem Porträt des 25hours Hotel La Tour (Düsseldorf) fügen wir uns gerne dem Trend nach stylischen Stadthotels und treffen hoffentlich auch Deinen Geschmack. Kunst- und Kulturinteressierte finden mit der Berlinischen Galerie eine Anregung für den nächsten Berlinbesuch. Wir sind zuversichtlich, dass das Reisemagazin für jede Leserin und jeden Leser schöne Aha-Momente birgt und für zahlreiche Reiseanregungen sorgen wird. Ausdrücklich freuen wir uns über Dein wertvolles Feedback, falls unser Kompass für Deinen Geschmack noch nicht 100 % auf Norden kalibriert ist. Und Lob nehmen wir natürlich ebenfalls gerne entgegen!

Wir wünschen uns eine schöne, erkenntnisreiche, ­lange und gemeinsame Reise. Wir wünschen uns einen tollen Aufbruch in den Sommer 2019. Doch jetzt wünschen wir Dir erst einmal eine gute und spannende Lektüre sowie viel Spaß bei der eigenen Planung von barrierefreien Reisen und Ausflügen.

Herzlichst, Deine

Herausgeberin und Chefredakteurin j.marmulla@b-plus-k.com .


Meine Reisewelt: Inhaltsverzeichnis . Seite 4 .

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Inhalt . Barrierefreier Urlaub in Rheinland-Pfalz Vorstellung einer Destination

. Seite 6

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Wasser! Auf ins Wasser! Rollstuhlgerechtes Baden

. Seite 26 .

Informations­portale im Vergleich Portalvergleich

. Seite 10

Stadt, Land, Fluss und X wie Xanten Vorstellung einer Destination

. Seite 29

Finalist der Start-up Night 2018 roomchooser

. Seite 13

Voice of Embrace Mitarbeiterstimmen

. Seite 33

Die Welt wartet nicht! Auslandspraktikum in Graz

. Seite 16

Ein fauler Kompromiss European Accessibility Act

. Seite 35

Top 7 Graz Highlights Auslandspraktikum in Graz

. Seite 19

Das Engagement des Reiseleiter Verbands Hinter den Kulissen

. Seite 36

100 Jahre Kunst – 100 % Berlin Besuch der Berlinischen Galerie

. Seite 20

Im Gespräch mit Timo Witt Interview

. Seite 37

25hours Hotel La Tour in Düsseldorf Hotelporträt

. Seite 24

Ein Jahr in Ghana weltwärts

. Seite 38

Reisen & Kultur

Reisen & Erholung

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© (6) Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH, (20) Harry Schnitger, (24) Steve Herud, (26) Nada Quenzel

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Meine Reisewelt: Kooperationen . Seite 5 .

Kooperationen Für die Realisierung der ersten Ausgabe des Reisemagazins .Meine Reisewelt. war die Zusammenarbeit mit der Speech Code Produktsicherheits GmbH und dem Verbund der Embrace Hotels von großer Bedeutung.

Verbund der Embrace Hotels Als Gast willkommen – als Mensch erwünscht. Dafür steht der Verbund der Embrace Hotels. Im Verbund der Embrace Hotels haben sich mehr als 40 Hotels aus Deutschland und Europa zusammengeschlossen. Die Inklusion von Menschen mit Behinderungen und das barrierefreie Reisen sind die wichtigsten Anliegen des Verbunds. Der Embrace Verbund ist auch der einzige Hotelverbund, dessen Häuser geschlossen nach Reisen für Alle zertifiziert sind und der damit mittels einer geprüften Qualität eine aussagekräftige Entscheidungshilfe anbietet – v­ erlässlich,

detailliert und transparent. Darüber hinaus unterstützt der Embrace Verbund durch gezielte Maßnahmen Hotels dabei, Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung in der Hotellerie zu erhalten und zu schaffen. Die Besonderheiten und die individuellen Bedürfnisse sowohl der Gäste als auch der Mitarbeiter*innen sind innerhalb des Hotelverbunds eine Herzensangelegenheit. Dass in Lebens-, Arbeits- und Reisebedingungen unbedingt auch den menschlichen Unterschieden Rechnung getragen werden sollte, ist eine grundsätzliche Überzeugung. Von der Vielfalt und den ­Fähigkeiten, die jeder Mitarbeiter, ob mit oder

Speech Code Im Reisemagazin findest Du pro Doppelseite jeweils einen Speech Code (rechts oder links unten). Die farbigen Datencodes können mittels einer App von einem Smartphone direkt gescannt und decodiert werden. Sie funktionieren ein bisschen wie die weitverbreiteten QR-Codes. Dank der Speech Codes und mittels einer Text-to-Speech-Software werden Texte hörbar gemacht. Kurz gesagt: Du kannst Dir die Texte vorlesen lassen! Im Rahmen des Reisemagazins wird Speech Code vorrangig für blinde und sehbehinderte

­ enschen bereitgestellt, die es M gewohnt sind, maschinelle Texte zu hören. Speech Code ist keine Studioaufnahme.

In 3 Schritten starten: 1. Kostenfreie „Speech-Code-App“ ­herunterladen und installieren (iOS/Android). 2. Die App öffnen und Speech Code einfach und intuitiv scannen. 3. Sobald der Speech Code eingescannt ist, einfach z­ uhören und entspannen.

ohne Behinderung, mit in unseren beruflichen Alltag bringt, profitiert der Verband nach eigenen Aussagen. Das Konzept der Inklusion ist der Leitgedanke und die Energiequelle des Verbunds. Innerhalb der Hotels wird die Arbeitsteilung großgeschrieben. In den vier großen Servicebereichen Rezeption, Küche, Gastro & Service sowie Etage & Wäschepflege werden alle Mitarbeiter*innen zu Experten und Expertinnen auf ihrem Gebiet ausgebildet. Damit kann jedem Gast in allen Punkten ein komfortabler Aufenthalt ermöglicht werden. Innerhalb des Reisemagazins werden auf den Seiten 9, 23 und 37 weitere Informationen gegeben. Mehr Infos sind auch auf www.embrace-hotels.eu zu finden.


Meine Reisewelt: Vorstellung einer Destination . Seite 6 .

Barrierefreier Urlaub in Rheinland-Pfalz Deutschland bietet ­wundervolle und abwechslungsreiche Möglichkeiten für Entdeckungsreisen. ­Unser Tipp in dieser Ausgabe ist ein Roadtrip durch Rheinland-­ Pfalz, am besten in guter Gesellschaft, um das Erlebte zu teilen. Die Fortbewegung per PKW oder Wohnmobil ermöglicht eine maximale Flexibilität, um das Bundes­ land nach Lust und Laune und stets unabhängig vom Wetter zu entdecken. Am einfachsten ist es, einen festen Standort auszuwählen und die Ausflüge von dort zu starten, da man in circa zwei Stunden fast alle Orte erreichen kann. Auf der Ost-West-Achse sind es z. B. von Mainz nach Trier rund 150 km, auf der Nord-Süd-Achse von Koblenz nach Landau 175 km. Rheinland-Pfalz gliedert sich in zehn Urlaubsregionen. Sie bieten unterschiedliche Landschaften und Aktivitäten, von denen wir Dir einige vorstellen möchten. Wir plädieren für eine entschleunigte Reise, auf der man die mächtige Schönheit von Natur und Kultur auf sich wirken lassen kann.

Man nehme sich Zeit für ein Gläschen Wein, denn der Wein gehört zu Rheinland-Pfalz wie das Wasser zum Rhein. Drei größere Städte sind von touristischer Bedeutung: Mainz, die Landeshauptstadt und Karnevalshochburg, Koblenz mit dem Deutschen Eck und Trier, die Geburtsstadt von Karl Marx. Gleichzeitig ist es der wunderbar ländlich geprägte Raum, der die Anziehungskraft des Bundeslandes ausmacht. Weinberge, Wälder und die Wasserläufe von Rhein, Mosel, Lahn, Nahe, Saar und Ahr prägen mit ihrer Einzigartigkeit die Landschaft. Das milde Klima schenkt der Pfalz, einer der zehn Urlaubsregionen, einen Frühling im rosa Mantel. Entlang der Weinstraße schmücken sich die Mandelbäume mit ihren zarten rosa Blüten. Im Spätfrühjahr und Sommer übernehmen Obstbäume das Ausschmücken der Landschaftszüge. Im Spätsommer und Herbst prägen ganz besonders die bunten Reben das Bild. Die Pfalz ist eine Region, die man auf sich wirken lassen muss. Tief einatmen und den Duft der Natur erhaschen.

­ esonders spannend. Der Gastrob nomiebereich bietet mit tiefliegenden Fenstern einen schönen Blick über das angrenzende Schutzgebiet. Der Biosphären-Erlebnisweg am Biosphärenhaus ist mit dem Rollstuhl passierbar. Wer autark mit dem Wohnmobil unterwegs ist und keine zusätzliche Infrastruktur benötigt, kann direkt am Biosphärenhaus übernachten.

Besonders im Pfälzerwald kann man der Natur nachspüren. Er ist das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands. Im Süden des Pfälzerwalds empfiehlt sich ein Ausflug zum Biosphärenhaus mit Park und Baumwipfelpfad. Flora und Fauna lassen sich hier entdecken und spielerisch erkunden. Rollstuhlfahrer gelangen über einen Aufzug in alle Etagen. Viele Ausstellungselemente sind auch im Sitzen einsehbar. Für Kinder ist das Biosphärenhaus

Aus touristischer Perspektive ist sicher Speyer die wichtigste Stadt in der Pfalz. Sie verfügt über einen reichen Einfluss aus der Vergangenheit, das zeigt sich schon an ihrem Wahrzeichen, dem mäch­ tigen, 1.000 Jahre alten Kaiserdom, ­der größten erhaltenen romanischen Kirche Europas. Vor mehr als 2.000 Jahren von den Römern gegründet, prägten einflussreiche Bischöfe, die jüdische Gemeinde sowie die großen Glaubensfragen, Machtspiele ­und -kämpfe ­bis ins

Für Rollstuhlfahrer, blinde und sehbehinderte Menschen nicht alleine nutzbar, aber vielleicht eine schöne Anregung für eine sportliche Gruppe, ist eine Draisinentour zwischen Altenglan, Staudernheim und Lauterecken. Die Nutzung einer stillgelegten Eisenbahntras­ se zur Fortbewegung ist sicher ein Erlebnis fernab vom Alltag. Nach Wahl können 20 oder 40 km Strecke abgefahren werden. An allen drei Haupthaltestellen sind PKW-Stellplätze für Menschen mit Behinderungen ausgewiesen. Rolli-WCs sind in Altenglan (allerdings mit Schwelle am Eingang) und in Staudernheim verfügbar.


Südliche Weinstraße, Maikammer © JackSenn, Bildarchiv Südliche Weinstraße e. V.

19. Jahrhundert die Stadt. Noch heute sind im Stadtbild u. a. die repräsentativen Neubauten der Wilhelminischen Ära sichtbar. Einzelne Sehenswürdigkeiten der Stadt, beispielsweise archäologische Schaufenster und der historische Ratssaal, sind für Rollstuhlfahrer gut nutzbar. Allerdings sind große Teile der Altstadt von Kopfsteinpflaster geprägt. Im Dörfchen Maikammer nimmt eine Kultur- und Weinbotschafterin ihre Gäste mit auf eine Weinreise. Geheimnisse der Weinbereitung und des Weingenusses sowie regionale Gaumenfreuden stehen auf dem Programm. Nach Rücksprache wird die Tour auch weitgehend rollstuhlgerecht ausgestaltet. Blinde und sehbehinderte Menschen sollten sie in Begleitung wahrnehmen. Bei der 3,5-stündigen Führung ist ausgiebig Zeit, sich über die regionalen Besonderheiten auszutauschen. Eine ebenfalls beeindruckende Landschaft hat auch das Ahrtal (eine weitere Urlaubsregion) zu bieten – mit seinen zahlreichen Weinbergen, an denen vor allem die Spätburgunder-Reben wachsen. Mit dem Motto „Freude am Wein“ empfängt die älteste Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr ihre Besucher. Der Eingangsbereich ist schwellenlos passierbar, der Verkaufsraum ist nur über eine längere steile Rampe erreichbar. In Koblenz, wo die Mosel in den Rhein fließt, sind die Kräfte der Natur gut sichtbar. Ein sehr schöner und auch rollstuhlgerechter Weg führt am Peter-AltmeierUfer bis zum Deutschen Eck und dann am KonradAdenauer-Ufer entlang. Der erste Teil des Wegs ­begleitet die Mosel auf ihrem letzten Schritt, bis sie beim Deutschen Eck in den Rhein mündet, das ­Konrad-Adenauer-Ufer flankiert den Rhein.

Zur Infrastruktur gehören Parkplätze und Sitzgelegenheiten. Alle Stadtpläne am Ufer zeigen auf, wo Rolli-WCs zu finden sind. Das etwas dustere Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Deutschen Eck ist nur mit Stufen zu überwinden, allerdings ist bereits das Anschauen von unten imposant. Vom Deutschen Eck aus gut erreichbar (Konrad-Adenauer-­Ufer) trifft man auf die Seilbahn, die zur ehrwürdigen Festung Ehrenbreitstein hochführt. Von den rollstuhlgerechten Kabinen aus hat man einen großartigen Blick. Oben angelangt, hat man von der Aussichtsplattform eine berauschende Panoramasicht. Die Plattform ist über eine Rampe erreichbar, die für Rollstuhlfahrer in Begleitung nutzbar ist. Vorsicht ist geboten, da die Holzplatten rutschig sein können und die Rampe recht lang ist. Die Festung Ehrenbreitstein ist nach Reisen für Alle zertifiziert und für Rollstuhlfahrer, blinde und sehbehinderte Menschen barrierefrei. Für blinde und sehbehinderte Menschen werden hier Führungen angeboten, in der Ausstellung werden Informationen u. a. akustisch, mit Braille- oder Prismenschrift übermittelt. Tastexponate und Lupen stehen ebenfalls zur Verfügung. Zurück am Konrad-Adenauer-Ufer empfiehlt es sich, den Spaziergang fortzusetzen. Die Kaiserin-Augusta-Parkanlage ist für Rollstuhlfahrer teilweise nutzbar. Biegt man rechts in die Stresemannstraße und dann links in die Straße Neustadt ein, blickt man direkt auf das stattliche Schloss Koblenz mit einer weitläufigen Parkanlage. Vor dem Schloss befindet sich ein Spielpatz, der für Rollstuhlfahrer gut zugänglich ist und ­­u. a.­­eine Korbschaukel besitzt. Vom Schloss aus kann die Innen- und Altstadt entdeckt werden, die zwar architektonisch nicht wirklich charmant ist, dafür aber ­überdurchschnittlich viele Läden mit stufenlosem ­Eingang bietet.


Meine Reisewelt: Vorstellung einer Destination

Mainz bleibt Mainz! Architektonisch verfügt Mainz über eine sehr schöne Altstadt mit Fachwerkhäusern, verwinkelten Gassen und dem wunderbaren Sankt-Martin-Dom. Zur Wahrheit gehört allerdings auch eine ganze Menge sehr grober Kopfsteinpflaster. Sofern aus gesundheitlichen Gründen nicht unmöglich, wird ein Blick in die Altstadt empfohlen. Über den Marktplatz ist der Dom stufenlos erreichbar. Beispielsweise an Samstagen wird der Marktplatz tatsächlich als Markt genutzt. Das Angebot überzeugt mit vielen regionalen Produkten, die den Duft und den Geschmack des Umlands in die Stadt bringen. Obst, Gemüse, aber auch Wurst, Käse und Backwaren wechseln hier den Besitzer. Ähnlich wie in Koblenz verläuft am Rheinufer ein schöner Spazierweg mit ebener Oberfläche und teilweise taktil erfassbaren Strukturen, die als Leitlinie genutzt werden können. Interessant und kostenfrei ist das Museum für Antike Schifffahrt, das erst vor Kurzem einen Ausstellungsbereich geöffnet hat,

Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH Löhrstraße 103–105 56068 Koblenz Tel. +49 (0) 261 91520-0 Fax +49 (0) 261 91520-40 www.barrierefrei.gastlandschaften.de barrierefrei@gastlandschaften.de Hinweis: Derzeit entstehen in Rheinland-­ Pfalz viele barrierefreie Wanderwege, denen wir uns in einer nächsten Ausgabe widmen werden.

der für blinde und sehbehinderte Menschen komplett eigenständig nutzbar ist. Im Museum kann die Vielfalt antiker Wasserfahrzeuge kennengelernt werden: einfache Boote und Kanus, Handelsschiffe, Patrouillen- und Kriegsschiffe. Ein guter Teil der Ausstellung mit Originalfunden und Rekonstruktionen im Maßstab 1:1 widmet sich den römischen Aktivitäten, die einen Bezug zur Schifffahrt hatten. Für blinde und sehbehinderte Menschen führt ein Leitstreifen von einem Orientierungsplan zu einem in sich geschlossenen Ausstellungsbereich. In diesem Teil der Ausstellung geht es um einen Bootsfund (Wrack) im Mittelmeer vor Marseille. Übersichtlich gestaltete Tastmodelle und Tastgrafiken sowie Informationen in Brailleschrift sind hier vorhanden. Ein Multimedia-Guide, der für alle und besonders für sehbehinderte Menschen gut nutzbar ist, ergänzt diesen Ausstellungsbereich. Ein weiterer Guide mit Audio-Dateien ist für blinde Menschen geeignet. Für sehende Personen hingegen bietet derselbe Bereich die Möglichkeit, mit einer Virtual-­ Reality-Brille in das Wrack einzutauchen – natürlich ganz ohne nass zu werden. Rollstuhlfahrer nutzen im Museum für Antike Schifffahrt einen Seiteneingang an der Holzhofstraße. Rollstuhlfahrern, die über keinen faltbaren Rollstuhl verfügen, wird geraten, individuell abzuklären, ob die etwas enge Eingangs­situation den eigenen Anforderungen entspricht. In Trier ist eine Stadführung empfehlenswert. Diese wird nach Rücksprache an die individuellen Bedürfnisse angepasst und kann auch Führungen des Landesmuseums enthalten. Trier beansprucht den Titel der „ältesten Stadt Deutschlands“ und weist ein reiches römisches Erbe auf. Zahlreiche Sehenswürdigkeiten sind UNESCO-­Weltkulturerbe. Bekanntester Sohn der Stadt ist der Philosoph, Ö ­ konom und Gesellschaftstheoretiker Karl Marx. Seit 2018 steht eine 5,5 m große Karl-Marx-Statue auf dem Simeonstiftplatz in Sichtweite des ehema­ligen Wohnhauses seiner Familie. Wer von Trier zurück in die Wildnis möchte, kann beispielsweise den Saar-Hunsrück-Naturpark erleben. Das Informationszentrum des Parks in Hermeskeil ist für Rollstuhlfahrer gut nutzbar und erreicht bei Reisen für Alle die Stufe teilweise barrierefrei für Rollstuhlfahrer, da das WC nur einseitig anfahrbar ist. Weinberge, Wälder und die Wasserläufe – viel Naturund Kulturraum sowie Sehenswürdigkeiten, die einen überregionalen Bekanntheitsgrad haben. Das ist Rheinland-Pfalz. Das sind Orte, die barrierefrei oder mit ein bisschen Unterstützung erlebbar sind!


Meine Reisewelt: Vorstellung einer Destination

Drei Embrace Hotels in Rheinland-Pfalz Hotel Vinum in Trier Das Hotel Vinum gehört als Integrationshotel zum Diakonischen Werk der Evangelischen Kirchenkreise Trier und Simmern-Trarbach. Frisch renoviert liegt das Hotel zentral in der Trierer Innenstadt am Hauptbahnhof und entspricht einem Drei-Sterne-Haus ohne eigener Gastronomie. Im Hotel Vinum wird ein gelungenes Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne erlebt. Wein gehört zur Gastlichkeit des Hotels dazu. Das Hotel greift durch die Dekoration und Farbgebung das Thema Wein an vielen Stellen auf. Schöne Idee: Das Hotel überrascht seine Gäste mit einem kleinen Weinpräsent. Neben Einzel- und Doppelzimmern gibt es zwei Juniorsuiten, eine Suite sowie ein Familienoder rollstuhlgerechtes Zimmer. Im Eingangsbereich muss eine Rampe mit 15 % Steigung überwunden werden. Assistenzhunde dürfen mitgebracht werden. Bahnhofsplatz 7 54292 Trier Tel. +49 (0) 651 99474-0 info@hotelvinum.de www.hotelvinum.de

Hotel INNdependence in Mainz Persönlich, engagiert und einfach gut, sagen die Gäste. Viele Stammgäste – Geschäftsreisende, Personen, die ihre Familien besuchen, und Tagungsteilnehmer – fühlen sich immer wieder wohl. Nach nur drei Stationen Straßenbahn ist man mitten in der Innenstadt und doch ist das Haus im Grünen gelegen. Wer zur Uniklinik muss, hat ebenfalls einen kurzen Weg. Das INNdependence ist nach Reisen für Alle zertifiziert und ist für Rollstuhlfahrer, sehbehinderte und blinde Gäste teilweise barrierefrei.

Stiftsgut Keysermühle an der Südlichen Weinstraße „Menschen begegnen – Natur genießen“: Mit dieser Botschaft heißt das Stiftsgut Keysermühle seine Gäste willkommen und lädt sie ein, die besondere Ausstrahlung eines außergewöhnlichen, ruhigen und kraftvollen Ortes zu entdecken. Naturerlebnis pur, wie gemacht zum Entschleunigen von der Hektik des Alltags. Zwei für Rollstuhlfahrer gut nutzbare (aber nicht 100 % barrierefreie) Zimmer, ein toller 5-Hektar-Naturpark und das Restaurant „freiraum“ warten auf die Besucher. Das Hotel ist nach Reisen für Alle zertifiziert und hat die Auszeichnung teilweise barrierefrei für gehbehinderte Menschen erhalten. Das Haus wird integrativ geführt. Bahnhofstraße 1 76889 Klingenmünster Tel. +49 (0) 6349 9939-0 info@stiftsgut-keysermuehle.de www.stiftsgut-keysermuehle.de

© Hotel Vinum

© Hotel INNdependence

Gleiwitzer Straße 4 55131 Mainz Tel. +49 (0) 6131 250538-0 Fax +49 (0) 6131 211451 info@inndependence.de www.inndependence.de

Hotel und Restaurant, © Stiftsgut Keyser­mühle

Informationen über die Barrierefreiheit aller Embrace Hotels können hier nachgelesen werden: www.embrace-hotels.de Alle Häuser sind nach Reisen für Alle zertifiziert und verfügen über detaillierte und verlässliche Informationen. Lies nach, ob die Hotels Deinen individuellen Anforderungen entsprechen. Übrigens, im nächsten Artikel erzählen wir Dir mehr über das Kennzeichnungs- und Informationssystem Reisen für Alle.


Meine Reisewelt: Portalvergleich . Seite 10 .

Informations­ portale im Vergleich In vielen europäischen Ländern werden derzeit Informationsportale für den barrierefreien Tourismus konzipiert und Reisenden für ihre Reiseplanung zur Verfügung gestellt. Im Reisemagazin .Meine Reisewelt. möchten wir Euch diese Portale vorstellen und sie untereinander vergleichen. In dieser ersten Ausgabe haben wir uns das Informations- und Zertifizierungssystem Reisen für Alle und das Reiseportal Claire & George der gleichnamigen Stiftung genauer angeschaut. Grundsätzlich verfolgen beide Portale das gleiche Ziel: Sie wollen die Reiseplanung für Menschen mit Behinderungen und Senioren vereinfachen. Doch im direkten Vergleich ergeben sich wesentliche Unterschiede. Reisen für Alle: www.reisen-fuer-alle.de Claire & George: www.claireundgeorge.ch/de/

Hauptfunktionalitäten Reisen für Alle bietet eine umfassende Suche nach barrierefreien touristischen Angeboten aller Art in Deutschland. Hier sind Informationen zu Hotels, Ferienwohnungen, Campingplätzen, Restaurants, touristischen Aktivitäten, Sehenswürdigkeiten, ­Kulturstätten und Freizeitangeboten hinterlegt. Die dazugehörigen Adress- und Kontaktdaten er­ leichtern die Kontaktaufnahme zu den Anbietern. Bei Claire & George geht es vor allem um die Suche nach barrierefreien Hotels in der Schweiz. Zusätzlich bietet das Portal Beratungen an, zum Beispiel zur pflegerischen Versorgung am Urlaubsort. Das Beratungsangebot ist kostenfrei und kommt vor allem Menschen zugute, die in ihrem Alltag auf Assistenz, Hilfsmittel und Pflegeleistungen angewiesen sind. Dass Kosten für die Spitex-Leistungen im Hotel entstehen können, ist transparent dargestellt. Ein weiterer Service von Claire & George ist die Beratung, Vermittlung und Organisation von Reisetouren durch die Schweiz. Dieses Angebot richtet sich sowohl

an Individualreisende als auch an Kleingruppen. Die Reisetouren werden individuell zusammengestellt. Durch das Beratungsangebot ist Claire & George auch besonders für Senioren attraktiv, die zwar keine ­Behinderung haben, aber im Alltag und Urlaub ein wenig Unterstützung brauchen. Die Optik und der erste Eindruck Reisen für Alle hat eine moderne Anmutung und wirkt sachlich, seriös und nüchtern: ein Nachschlagewerk für barrierefreies Reisen. Für den Nutzer von Reisen für Alle beginnt die Urlaubs­suche nicht ohne Irritierungen. Bevor er die Suche starten kann, muss er auf „Zertifizierte Angebote“ oder auf „Barrierefreie Angebote finden“ klicken. Die Auswahl anderer Menüpunkte führt den Urlaubssuchenden zu Hintergrundinformationen zu den Förderprojekten, die das Informationsportal tragen. Das mag auch spannend sein, ist aber für die Urlaubssuche nicht zielführend. Claire & George tritt ebenfalls modern auf. Großzügige farbige Bilder und die klare Ansprache signalisieren: Hier geht es um barrierefreies und lustvolles Reisen. Claire & George besticht durch eine nutzerfreundliche Startseite – man kann direkt mit der Suche nach seinem barrierefreien Urlaub beginnen, indem man beispielsweise im Hauptmenü auf Hotels oder auf Swiss Tour klickt. Die Suchfunktionen Reisen für Alle bietet sehr gute und breit gefächerte Suchmöglichkeiten, die auf die verschiedenen Beeinträchtigungsformen ausgerichtet sind. Außerdem kann nach Regionen, Städten und Bundesländern gefiltert werden. Ein großes Plus: Die Systematik von Reisen für Alle richtet sich nicht nur an Hotelsuchende, sondern auch an Personen, die beispielsweise ein barrierefreies Schwimmbad oder Museum besuchen möchten. Von daher ist Reisen für Alle nicht nur für die Urlaubsplanung nützlich, sondern auch, wenn man einfach mal einen barrierefreien Tagesausflug unternehmen möchte. Ebenfalls kann diese Funktion gut genutzt werden, wenn man beispielsweise bei den Großeltern zu Besuch ist und einen barrierefreien Familienausflug plant. Über Stufenlosigkeit freut sich der Rentner mit seinem Rollator, das Kind mit dem Bobbycar genauso wie der Patenonkel, der den Kinderwagen schiebt. Reisen für Alle wurde so kon­zipiert, dass Menschen


Meine Reisewelt: Portalvergleich

­ outenplanung, während man R über Claire & George Hotels auf eine Merkliste setzen kann.

mit verschiedensten Beeinträchtigungen Informationen für sich finden. Claire & George bietet in erster ­Linie eine Hotelsuche an. Die Suche ist klar strukturiert und einfach zu handhaben. Suchkriterien sind touristische Regionen, Hotelauswahl nach Sterneklassi­ fizierung und Merkmale zur Barrierefreiheit. Allerdings richtet sich Claire & George mit seiner Hotelsuche nur an Rollstuhlfahrer und Menschen mit einer Gehbehinderung. Filtermöglichkeiten beispielsweise für blinde und sehbehinderte Menschen sind nicht hinterlegt. Barrierefrei ≠ barrierefrei Reisen für Alle und Claire & George bemessen Bar­rierefreiheit nicht gleich. Im Wesentlichen basieren beide Systeme auf den jeweils landesüblichen Normen. Da die Normen zur Barrierefreiheit in Deutschland und der Schweiz Unterschiede aufweisen, spiegelt sich das in der Bewertung ­wider. Zum Beispiel sind die geforder­ ten Bewegungsflächen und Türbreiten unterschiedlich groß. Zusätzlich sind bei Reisen für Alle deutlich mehr Eigenschaften

­ ewertungsrelevant. Des Weiteren b unterscheidet Claire & George in der Bewertung zwischen der Hotelinfrastruktur und den Zimmern, während bei Reisen für Alle eine Gesamtbewertung stattfindet. Präsentation der Suchergebnisse Die Präsentation der Suchergeb­ nisse ist bei beiden Portalen ähnlich gestaltet. Eine Mischung aus touristischen Informationen, Informationen zur Barrierefreiheit und Bildern. Reisen für Alle punktet mit Detailvielfalt und Planungssicherheit. Die Detailvielfalt ergibt sich aus den Kriterien und Informationen, die zur Bewertung führen und für jeden Nutzer einsehbar sind. Claire & George punktet mit Übersichtlichkeit. Im Vergleich zu Reisen für Alle werden weniger Informationen zur Verfügung gestellt, jedoch in sehr klarer und strukturierter Art und Weise. Bei Claire & George kann direkt eine Buchungsanfrage über das Portal gestartet werden. Beide Portale haben zusätzliche Funktionen. So unterstützt Reisen für Alle die konkrete

Beide Portale befinden sich gewissermaßen noch in den Kinderschuhen Insgesamt sind bei Claire & George circa 70 Hotels und bei Reisen für Alle circa 1.500 Unterkünfte, Reiseziele und Anbieter aufrufbar. Das zeigt: Beide Portale befinden sich noch in den Kinderschuhen und es wäre wünschenswert, wenn sich mehr touristische Anbieter den Portalen anschließen würden. Über das gesamte Bundesgebiet und für die gesamttouristische Servicekette sind 1.500 Zertifizierungen wahrlich nicht viel, auch wenn die Zahl auf den ersten Blick imponiert. Besonders schade ist, dass bei ­Reisen für Alle bei einigen Suchen das Ergebnis ins Leere läuft. Wichtige zusätzliche Information zu Reisen für Alle Reisen für Alle versteht sich als Informationssystem. Dadurch sind nicht alle Anbieter und Ziele, die bei Reisen für Alle gelistet sind, tatsächlich barrierefrei. Das ist eine wichtige Information, die man als Nutzer braucht, um richtig mit Reisen für Alle umzugehen.


Ein kleiner Exkurs: Wer Reisen für Alle nutzt, sollte die Pikto­gramme des Zertifizierungssystems kennen.

Wenn ein Betrieb die „Informationsstufe“ erreicht, ist er nicht barrierefrei. Allerdings liegen detaillierte Informationen vor. Und vielleicht kommt man ja trotzdem zurecht.

Ist ein Betrieb barrierefrei für mindestens eine Personengruppe, bekommt er die Auszeichnung „Barrierefreiheit geprüft“ und mindestens ein Personenpiktogramm.

Ist ein Betrieb für eine oder mehrere Personengruppen nur teilweise barrierefrei, bekommt er ebenfalls die Auszeichnung „Barrierefreiheit geprüft“. Die entsprechende Personengruppe weist dann ein „i“ am oberen rechten Rand des Personenpiktogramms auf.

Betriebe können selbstverständlich für eine Personengruppe barrierefrei sein, während sie für eine andere nur teilweise barrierefrei sind.

Fazit Reisen für Alle Reisen für Alle erfüllt ein drängendes Bedürfnis für Menschen mit Beeinträchtigungen und ihre Angehörigen: Es bietet umfassende Möglichkeiten, Urlaub und Freizeit im Voraus zu planen. Die Seite mutet in ihrer Funktionalität zwar ein wenig bürokratisch an, entschädigt jedoch durch das breite Angebot an Informationen, die hier hinterlegt sind. Zudem vermittelt die Seite Sicherheit und Verlässlichkeit und macht so Mut, auch einmal neues Terrain zu betreten. Fazit Claire & George Claire & George bereitet dem Reisen eine Bühne: Seht her, so schön ist die Schweiz! Die Seite ermuntert dazu, die Natur, Städte und Traditionen der Konföderation Helvetia zu entdecken. Nach dem Motto: Das Schöne wartet auf dich, mach dich auf, es zu erleben, wir unterstützen dich dabei! Fazit Vergleich Die Portale Reisen für Alle und Claire & George verfolgen beide das Ziel, Menschen mit Behinderungen und Senioren bei der Reiseplanung zu unterstützen. Die Unterstützung von Reisen für Alle besteht darin, sehr viele detaillierte und verlässliche Informationen zur Verfügung zu stellen und touristische Angebote nur dann mit einem Personenpiktogramm auszuzeichnen, wenn sie eine umfängliche bauliche Barrierefreiheit vorweisen können. Guter Wille und organisatorische Maßnahmen werden hier nicht belohnt – „zu Recht“, werden die einen sagen, während andere „wie schade!“ denken. Reisen für Alle spiegelt den Willen „ohne fremde Hilfe“ zu verreisen wider. Das Portal ist nicht unbedingt eine Inspirationsquelle für neue Reiseziele, sondern ein Nachschlagewerk, das jeden Nutzer dazu auffordert, genau nachzulesen, ob die bauliche Anlage seinen Anforderungen entspricht. Ob diese Aufforderung verstanden wird oder ob die Nutzer bei der Informationsmenge kapitulieren, ist schwer zu sagen. Die emotionale Ansprache von Claire & George macht es dem Nutzer vergleichsweise einfach. Hier wird Lust auf Reisen gemacht. Durch das Beratungs- und Serviceangebot werden außerdem die Personen unterstützt, die in ihrem Alltag nicht oder nicht mehr ohne fremde Hilfe zurechtkommen. Bei der Hotelsuche ist es jedoch fraglich, ob die zur Verfügung stehenden Informationen tatsächlich ausreichen. Beide Portale haben ihre Stärken und Schwächen. Wer das weiß und berücksichtigt, wird von beiden eine gute Unterstützung für die eigene Reiseplanung erfahren.


Meine Reisewelt: roomchooser . Seite 13 .

roomchooser – Finalist bei der Start-up Night 2018 „Mit roomchooser können Reisende mit eingeschränkter Mobilität ganz einfach das für sie ideale barrierefreie Hotelzimmer finden und buchen. Das Besondere daran ist, dass man das Zimmer schon vorab sieht und bei der Ankunft keine böse Überraschung erlebt“, sagt Michael Sicher, Gründer von roomchooser. Anders als bei dem Portal Reisen für Alle steht hinter roomchooser keine Institution, sondern ein Gründer als Einzelunternehmer. Michael Sicher ist selbst E-Rollstuhlfahrer, begeisterter Reisender und stand schon oft vor der Herausforderung, ein geeignetes Hotelzimmer zu finden. roomchooser funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Zuerst gibt man ein, in welche Stadt man verreisen möchte, und hat dann die Möglichkeit, Filter zu setzen. Bei den Filtern geht es beispielsweise um die Anfahrbarkeit von Betten und WCs, um die Frage nach getrennten Schlafzimmern, um die Hotelausstattung sowie um Hilfsmittel, die dazugemietet werden können wie Hebelifter, Pflegebett oder Duschsessel. Nach der Eingabe des Reiseziels und dem Setzen der Filter werden verschiedene Hotelzimmer vorgeschlagen. Im nächsten Schritt kann bei Bedarf die Preiskategorie eingegrenzt werden. Von allen vorgeschlagenen Zimmern ist ein Stimmungsbild zu sehen. Gefällt das Stimmungsbild, können weitere Details angeschaut werden. Viele der Bilder sind nach einem standardisierten Prinzip entstanden und zwar aus der Sicht eines Rollstuhlfahrers. Für registrierte Nutzer gibt es die Möglichkeit, die Verfügbarkeit von Zimmern direkt anzufragen. Wie bei gewöhnlichen Buchungsportalen müssen Reisezeitraum und die Anzahl der Reisenden angegeben werden. Zusätzlich zum barrierefreien Zimmer können weitere Zimmer angefragt werden. Über ein ­Nachrichtenfeld kann eine persönliche Nachricht für

Start-up Night 2018, © Verband Internet Reisevertrieb e. V.

das Hotel verfasst werden, beispielsweise, um weitere Details bezüglich der Barrierefreiheit abzufragen. Weltweit sind derzeit 108 Hotels im Portal erfasst, die meisten in Österreich, besonders viele in Wien. ­Michael Sicher hat es mit roomchooser bis ins F ­ inale der Travel Start-up Night geschafft. Kurz nach der Start-up Night sprachen wir mit Michael Sicher. Folgendes hat er uns verraten:   Julia Marmulla: Schon vor der Gründung von roomchooser hast Du Dir mit anderen Projekten und Initiativen in Österreich einen Namen gemacht. Was waren das für Projekte und was hast Du für roomchooser als Er­fahrungsschatz mitgenommen? Michael Sicher: Das bekannteste Projekt ist CEOs on Wheels. Es ist ein Mentoring-Programm für Menschen im Rollstuhl, die am Beginn ihrer Karriere stehen oder sich beruflich weiterentwickeln wollen. Für roomchooser habe ich daraus mitgenommen, dass es sehr wichtig ist, auf Entscheidungsträger, auch in der Hotellerie, locker und offen zuzugehen und ­„Behinderung“ nicht zu etwas „Besonderem“ zu


Meine Reisewelt: roomchooser

­ achen. Wir sind zahlende Gäste m wie alle anderen auch und brauchen eben barrierefreie Zimmer. JM: Wie hast Du die Filtermöglichkeiten bei roomchooser selektiert? Sind noch andere Filtermöglich­ keiten – wie beispielsweise die Größe von Bewegungsflächen – ­denkbar? MS: Bei roomchooser gibt es einerseits Mindestkriterien, um überhaupt als Hotel gelistet zu werden. Dazu zählen unter anderem die Größe eines Aufzugs oder das Vorhandensein einer barrierefreien Dusche. Die meisten Filtermöglichkeiten habe ich aus meinen eigenen Erfahrungen abgeleitet. Zum Beispiel, ob das Bett mit einem Hebelifter unterfahrbar und links zugänglich ist oder ob es im Zimmer keinen Teppich gibt, damit der Hebelifter leichter zu manövrieren ist. Natürlich habe ich mich mit anderen Reisenden ausgetauscht und sie gefragt, was ihnen wichtig ist. Andere Filtermöglichkeiten sind vorstellbar. Ich denke hier zum Beispiel an die Suche nach Zimmern mit Antidekubitusmatratzen. Außerdem kann ich mir Filterkriterien für Gäste mit anderen Behinderungen wie zum Beispiel für blinde Reisende vorstellen, um Hotels zu finden, wo Blindenführhunde willkommen sind. JM: Wie stellst Du sicher, dass beispielsweise auch der Frühstücksraum, das Hotelrestaurant oder die Hotelsauna ebenfalls rollstuhlgerecht sind? Oder ist das für Dich und Deine Kunden nicht wichtig? MS: Das sind durchaus sehr wichtige ­Kriterien, die roomchooser derzeit leider noch nicht abdecken kann. Der Fokus liegt auf den barrierefreien Zimmern. Das ist ein erster wichtiger Schritt. Aber es ist angedacht, hier weitere Informationen

­ nzubieten und Hotels die Möga lichkeit zu geben, weitere Details über die Barrierefreiheit in ihrem Haus zu kommunizieren. JM: Welches Feedback bekommst Du von den Nutzern des Portals? MS: Die Nutzer sehen vor allem die standardisierten Fotos als einen sehr nützlichen und wichtigen Mehrwert. Besonders die Fotos vom Badezimmer sind extrem hilfreich, um zu wissen, ob man in dem Zimmer wirklich zurechtkommen wird. JM: Wenn man in Deutschland mit Rollstuhlfahrern und Verbänden spricht, ist das Feedback zu Selbstauskünften von touristischen Leistungsträgern recht negativ. Wie ist Deine Erfahrung mit den Selbstauskünften der Hotels? Wie stellst Du die Qualität der Selbstauskünfte sicher? MS: Nach einem langen Transatlantikflug einfach nur mehr ins Bett zu wollen und festzustellen, dass das Bett mit einem Hebelifter doch nicht unterfahren werden kann, ist nur eine meiner Erfahrungen. Das Schlimme ist, dass oft nicht einmal die Mitarbeiter

© Michael Sicher

im Hotel wissen, wie ihre barrierefreien Zimmer aussehen. Ich hatte einmal ein barrierefreies Zimmer gebucht, in dem das Waschbecken wegen der klassischen Stange für Handtücher auf Kniescheibenhöhe nicht unterfahrbar war. Der Mitarbeiter bei der Rezeption war ziemlich ratlos. Erst ein anderer Mitarbeiter, der zufällig vorbeikam, fragte: „Warum nehmen Sie nicht das Zimmer nebenan? Das ist wirklich barrierefrei.“ Genau das ist der Grund, warum roomchooser standardisierte Fotos nutzt. Hier sieht der Gast sofort, wie das Zimmer aussieht. Zusätzlich bestätigen die auf roomchooser gelisteten Hotels vertraglich, dass sie die Mindestkriterien erfüllen und die Angaben korrekt sind. JM: In welche Richtung wird sich roomchooser entwickeln? Was sind die nächsten Schritte? MS: Da ich roomchooser als ein Angebot für die Community sehe, liegt mir sehr viel daran, sie einzubinden. Ich suche zum Beispiel lokale Expertinnen und Experten in verschiedenen Städten, die ihr Know-how einbringen und mit anderen teilen wollen.


Meine Reisewelt: roomchooser

JM: Wie stellst Du Dir roomchooser in fünf Jahren vor? Du hast nur einen Satz, um zu antworten: MS: roomchooser soll in fünf Jahren die qualitativ beste Buchungsplattform für barrierefreie Hotelzimmer sein, um jede Reiseplanung so einfach wie möglich zu machen. JM: Was sind die größten Hürden, die roomchooser ­bislang überwinden musste? MS: Die größte Hürde ist bestimmt, dass ich roomchooser alleine aufgezogen habe und ich viel mehr Ideen habe, als ich alleine verwirklichen kann. Ich dachte auch, dass es leichter sein wird, Hotels dafür zu begeistern, ihre barrierefreien Hotelzimmer zu listen. JM: Bekommst Du Feedback von Urlaubern, die über Dein Portal das optimale Hotel gefunden haben? Das muss doch ein tolles Gefühl sein ... MS: Der Kontakt entsteht meistens schon vor der Reise, weil ich sehr gerne bereit bin, Fragen über die Barrierefreiheit in Wien zu beantworten oder bei Bedarf Dinge abzuklären und zu organisieren. Und natürlich ­­ freue ich mich dann sehr, wenn alles geklappt hat und es ein gelungener Aufenthalt war. Hin und wieder kommt es schon vor, dass in einen Wien-Besuch ein kurzer gemeinsamer Kaffeehausbesuch eingebaut wird. JM: Diesmal hat sich die Jury für andere Sieger entschieden. Wie ist es, mit roomchooser in der Welt der Start-ups mitzuhalten? MS: roomchooser hat es immerhin in das Finale geschafft. Trotzdem habe ich den Eindruck, dass es, analog zur Sichtweise auf Menschen mit Behinderung, in unserer Gesellschaft noch Unsicherheiten gibt. Das Feedback zu roomchooser ist zwar durchweg positiv und mein Einsatz wird als lobenswert erachtet, aber das Thema Behinderung scheint nicht „sexy“ genug für unsere junge und dynamische Start-up-Welt zu sein. Ich bin weiterhin davon überzeugt, dass roomchooser enormes Potenzial hat. Mein Fokus liegt darauf, uns das Reisen und die Planung leichter zu machen. Ich denke, dass damit roomchooser früher oder später in den Blickpunkt von Investoren kommen wird. Bis dahin gebe ich weiter mein Bestes. JM: Verrate uns zu guter Letzt, welche die Top 3 ­rollstuhlgerechten Spots in Wien sind? MS: Wien ist so vielfältig wie seine Besucherinnen und Besucher. Deshalb fällt es mir schwer, 3 TopSpots zu nennen. Ich würde den Wiener Prater besuchen und mit dem Riesenrad und der Lilliput-Bahn fahren. Die Innenstadt (Kärntner Straße, Graben,

Kohlmarkt) ist natürlich auch einen Spaziergang wert. Abgesehen von zahlreichen Shopping-Möglichkeiten sind hier viele Sehenswürdigkeiten in unmittelbarer Nähe. Nicht nur der Stephansdom, sondern auch die Wiener Staatsoper, die Albertina, die Hofburg oder die Peterskirche. Wer hoch hinaus will, sollte einen Cocktail bei Sonnenuntergang in der Bar am DC Tower genießen. Das Interview wurde von Julia Marmulla geführt und ist hier in gekürzter Fassung zu lesen. Das komplette Interview steht unter www.b-plus-k.com/pressemitteilungen zur Verfügung.

Kontaktinformationen roomchooser Michael Sicher Wohnort: Wien roomchooser.com michael.sicher@roomchooser.com Tel. +43 (0) 650 6742437 Hinweis: Michael benutzt das Wort ­barrierefrei als Synonym zu rollstuhl­ gerecht.


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Meine Reisewelt: Auslandspraktikum in Graz . Seite 16 .

Die Welt wartet nicht! – Mit dem Rolli ins Auslands­praktikum Ein Text von Lea Voitel .

Lea, 21, stellt sich, ihre Erfahrungen mit der Vorbereitung eines Erasmusaufenthaltes in Graz sowie die Highlights der Stadt vor. Mit ihrem Blog www.handicaptation.de teilt sie viele spannende Artikel u. a. zum Thema Reisen. Eines ihrer Ziele ist, Menschen zu motivieren, ihre Grenzen zu überwinden. Erasmus+ Erasmus+ ist ein Programm, das die (berufliche) Bildung, die Jugend und den Sport in Europa fördert und unterstützt, z. B. mit Auslandspraktika.

Mein Weg zu Erasmus+ Oft sagen mir meine Mitmenschen, dass diese oder jene Dinge nicht möglich sind, da ich ja schließlich Rollstuhlfahrerin bin. Mein Anreiz ist dann immer, diesen Menschen genau das Gegenteil zu beweisen. Und so war es auch dieses Mal: Ich bin Auszubil­ dende zur Kauffrau für Tourismus und Freizeit im zweiten Lehrjahr in einem Berufsbildungswerk und habe mittlerweile meine Ausbildung fast beendet. Zwei Tage wöchentlich absolviere ich ein Praktikum bei einer kleinen Stiftung und arbeite dort im Bereich der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Die Aufgaben sind vielfältig und anspruchsvoll. Anfang 2018 merkte ich jedoch, dass mir das nicht reicht. Ich wollte mehr erleben, raus aus dem Trott, die Welt sehen!

Graz Graz ist mit gut 286.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Österreichs nach Wien. Sie ist die Landeshauptstadt des Bundeslandes Steiermark. Der Fluss Mur durchfließt die Stadt. 2003, als Graz Kulturhauptstadt Europas war, wurde im Fluss die Murinsel, eine schwimmende Plattform, errichtet.

Björn und Lea

Und so traf es sich mehr als gut, dass das Berufsbildungswerk kurz vor dem Sommerurlaub 2018 ­bekannt gab, dass noch im gleichen Jahr zwei Auslandspraktika über das europaweite Programm Erasmus+ stattfinden sollten. Das Besondere: Eines der beiden Projekte war auch konkret für Rollstuhlfahrer ausgelegt. Obwohl dieses Angebot in Zeiten der ­Inklusion schon viel früher hätte kommen können, war es ein Anfang und meine Chance! Das „Okay“ meiner Ausbilder bekam ich recht schnell und somit konnte ich mich auf das Projekt bewerben – ich war über-


Meine Reisewelt: Auslandspraktikum in Graz

glücklich. Doch nun ging der Spaß erst richtig los ... Doch jetzt hieß es Ruhe bewahren. Rückschläge hatte ich schon zur Genüge erlebt. Ich bin Spastikerin, Rollstuhlfahrerin und habe dementsprechend auch einen gewissen „Pflegeaufwand“. Um allen Fragen zu entgehen, die meine Unter­nehmung vielleicht gefährden könnten, verfasste ich eine ziemlich ausführliche Bewerbung. Einige Wochen später dann der Jackpot: Ich war tatsächlich angenommen. Für mich würde es nach Graz in Österreich gehen. Theoretisch alles klar – wie das Ganze allerdings in die Praxis umgesetzt werden sollte, darüber hatte sich noch niemand Gedanken gemacht. 08/15-Pflegedienst? – nein danke! Der Plan des Berufsbildungswerkes war, mir einen 24-Stunden-Pflegedienst an die Seite zu stellen. Die Gelder dafür waren bereits beantragt und sogar die Zimmer waren schon gebucht. J­ edoch hatte keiner danach gefragt, ob ich mit dieser Art der Pflege überhaupt einverstanden war. Einen 08/15-Pflegedienst? Nein, das wollte ich nicht. Stattdessen wollte ich diesen vierwöchigen Austausch lieber mit meinem Lebenspartner und Assistenten Björn bestreiten. Vier Wochen sind eine lange Zeit, da muss jeder Handgriff sitzen. Also schrieb ich eine E-Mail, aus der hervorging, dass ich die Reise gerne mit einer persönlichen Assistenz antreten würde. Mein Standpunkt stieß zunächst auf große Diskussionen. Man konnte nicht nachvollziehen, welche Vorteile eine gut bekannte Begleitperson aus den eigenen Reihen mit sich bringen kann. Rollstuhlfahrer ist ja schließlich Rollstuhlfahrer. Warum reicht da kein 08/15-­Pflegedienst?

Das Verständnis der Außenstehenden war erschreckend gering. Fast hatte man das Gefühl, sie würden ihn, Björn, als „Eindringling“ oder „Bedrohung“ betrachten. Ist es nicht selbstverständlich, dass Rollstuhlfahrer auf gewisse Art und Weise spezielle Bedürfnisse haben? Schlussendlich, nach weiteren Kämpfen und Überredungskünsten, konnte ich Björn doch mitnehmen und hatte somit schon einmal einen Verbündeten an meiner Seite. Das gab mir Sicherheit. Rein körperlich konnte nun nichts mehr schiefgehen. Jetzt ging alles schneller als gedacht und doch mussten noch viele Dinge geklärt werden. Würden wir es alles noch rechtzeitig schaffen? Die Anspannung war groß. „Der E-Rollstuhl kann aber nicht transportiert werden!“ Tatsächlich war die Planung der An- und Abreise unser größtes Problem. Anfangs sollte die Strecke zwischen Brandenburg und Graz, also knapp 900 km, mit einem Kleinbus zurückgelegt werden. Der bot aber nicht genug Platz für alle Mitreisenden und außerdem sollte ich während der gesamten Fahrt im Rollstuhl im Kofferraum sitzen bleiben. Auch daran merkt man die völlig verzerrte Vorstellung anderer Menschen über die Befindlichkeiten und Bedürfnisse eines Rollstuhlfahrers. Nachdem das mit dem Kleinbus also nicht klappen wollte, musste man umdisponieren. Das Flugzeug war schon immer eine schnelle und komfortable Art des Reisens gewesen. Auch ich hatte bisher, im Großen und Ganzen, nur gute Erfahrungen mit dem Fliegen gemacht. Allerdings war ich noch nie mit meinem E-Rollstuhl geflogen. So schwierig konnte das ja aber nicht sein – dachte ich jedenfalls. Ich wollte mit

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zwei Rollstühlen reisen, meinem Aktiv- und meinem E-Rollstuhl. Das war vielen Menschen anfangs nicht ganz verständlich, doch der E-Rollstuhl bedeutet für mich absolute Freiheit. Gibt es dann aber einmal größere Barrieren, brauche ich meinen Aktivrollstuhl. Auch in diesem Punkt hatten die Organisatoren der Reise leider kaum Erfahrung. Da alles über ein Reisebüro lief, konnten sie zwar die Verantwortung abgeben, doch auch hier war der Sachverhalt, dass jemand mit seinem elektrischen Rollstuhl fliegen wollte, noch völlig neu und unbekannt. Da das schön günstig ist, sollten wir mit der Billigfluglinie EasyJet reisen. Soweit kein Problem. Doch die Ansage, die wir nur einige Tage später bekamen, ließ uns die Luft anhalten. „EasyJet kann keine E-Rollstühle transportieren!“ Davon wollten wir uns nicht einschüchtern lassen. So ganz konnten wir uns auch nicht vorstellen, dass dies wirklich wahr sein sollte. Das wäre ja schließlich eine Diskriminierung auf höchstem Niveau. Sowohl vom Berufsbildungswerk als auch vom Reisebüro kamen in den nächsten Tagen die absur­ desten Aussagen: ̚̚ „Wenn man die Akkus nicht aus dem Rollstuhl ausbauen kann, kann er leider nicht ­mitgenommen werden.“ ̚̚ „Können Sie denn nicht mit dem Zug nach Graz fahren?“ ̚̚ „Brauchen Sie den Rollstuhl denn wirklich?“ ̚̚ „Wir haben jetzt schon zu viele Fehlinformationen bekommen. Buchen Sie Ihren Flug doch bitte selber! Wir können die Haftung dafür nicht über­ nehmen.“ Nun mussten wir uns wohl selbst dahinterklemmen.


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Meine Reisewelt: Auslandspraktikum in Graz

An der Hotline der Fluggesellschaft stellte sich dann heraus, dass die Mitnahme eines E-Rollstuhls gar kein Problem darstellt. Alles, was man tun muss, ist, den Hauptschalter umlegen und das Gerät damit außer Betrieb setzen. Ganz einfach also. Problem gelöst! Wie das eben immer so ist: Am Ende wurde alles gut und die Reise konnte endlich losgehen. Auch wenn wir bis zum letzten Tage bangen und um unser Recht kämpfen mussten, nun waren Freude und Aufregung dafür umso größer. Endlich angekommen – Graz, das Praktikum und alles drum herum Dass es sich allemal gelohnt hatte, für diese Reise so zu kämpfen und hartnäckig dranzubleiben, merkten wir schon am ersten Tag. Die Nacht vor dem Abflug, dem 6. Oktober, hatten Björn und ich in einem Hotel am Berliner Hauptbahnhof verbracht, unglaublich aufgeregt, was uns wohl erwarten würde, doch gar nicht mehr so angespannt. Schließlich waren wir ­beide ja zusammen! Als wir am nächsten Morgen, früh um 5 Uhr, im Taxi zum Flughafen Berlin-Tegel saßen, konnte ich es kurz gar nicht fassen, dass wir diese Reise nun wirklich unternehmen würden. Selten hatte ich mich so frei und überwältigt gefühlt wie in diesem Moment! Das Flughafenpersonal wusste zum Glück ziemlich ­genau, was zu tun war, und so verlief das Einchecken der beiden Rollstühle, unseres Gepäcks und auch unsere Sicherheitskontrolle schnell und reibungslos. Der Flug verging schneller, als wir gucken konnten, und so waren wir schon gegen 10 Uhr in Graz. Wir bewohnten ein großes barrierefreies Zimmer im JUFA Hotel Graz City. Die Kette ist mit einer besseren J­ ugendherberge gleichzusetzen und sowohl in

­ sterreich als auch im Süden von Deutschland sehr Ö verbreitet. Nun hieß es aber erstmal raus in die Stadt, die Gegend entdecken und schauen, was es hier alles Neues zu erkunden gibt. Die Stadt war schon jetzt wunderschön und nun wussten wir: Alle Anstrengungen hatten sich gelohnt! Sehr schnell gewöhnten wir uns an die Stadt, lernten dort zu leben und Straßen und Gassen zu lieben. In Graz ist vieles fußläufig zu erreichen, wodurch wir kaum auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ­waren. Zwar ist auch hier die Begleitperson frei und die Zugänglichkeit der Busse und Bahnen ungefähr gleich einzuschätzen wie in Berlin und Potsdam, ­jedoch musste ich als Rollstuhlfahrerin immer noch 50 % des Fahrpreises bezahlen. Mein Praktikum, um das es ja eigentlich ging, verbrachte ich bei einer Organisation namens Jugend am Werk, einem Bildungsträger für Menschen mit einer geistigen oder psychischen Erkrankung. Leider also nichts Touristisches! Wie ich später erfuhr, gibt es in Österreich kaum Arbeits- oder Ausbildungsmöglichkeiten für Menschen mit einer reinen Körperbehin­ derung. Die gehen dann wohl alle in die Behindertenwerkstatt. Für mich eine schockierende Erkenntnis! Doch ging es mir auch gar nicht so sehr um das Praktikum, sondern vielmehr um die Reise, das Abenteuer und den Strom an neuen Erfahrungen. Und genau deswegen möchte ich Euch jetzt meine sieben Highlights vorstellen, die ihr auf keinen Fall verpassen dürft. Fazit Was für eine Erfahrung! Auch heute, zweieinhalb Monate später, wenn ich diese Zeilen schreibe, kann ich immer noch nicht so ganz fassen, was mir hier passiert ist und was ich alles erleben durfte. Von diesen vier Wochen werde ich sicherlich noch eine ganze Weile profitieren. Sie haben mich definitiv geprägt. Zugegeben: Die Organisation im Vorfeld war nicht die beste und es war auch mit viel Stress verbunden. Und auch das Praktikum, was ja eigentlich Hauptbestandteil der ganzen Unternehmung sein sollte, war für mich nicht ganz zufriedenstellend. Doch haben mich Land und Leute völlig überzeugt und in ihren Bann gezogen. Die Barrierefreiheit vor Ort ist etwa mit der in Deutschland gleichzusetzen. Mein Ziel, etwas Einmaliges und Außergewöhnliches zu tun, habe ich also definitiv erreicht. Und so kann ich nur jedem, der das hier liest, raten, es mir gleichzutun. Das Leben ist ein Abenteuer! Erlebe es!


Meine Reisewelt: Auslandspraktikum in Graz

Top 7: Stadtpark Lust auf einen schönen, besinnlichen Spaziergang? Der Stadtpark Graz bietet mit seinen kleinen Cafés, seinem Springbrunnen und seinen weiten Ebenen einen tollen und absolut barrierefreien Ausgleich vom Alltag!

Meine Top 7 Graz-­ Highlights Top 6: Murinsel Die Murinsel ist Café und Besucherzentrum in einem und liegt im Fluss Mur, welcher Graz in die linke und rechte Murseite unterteilt. Für einen leckeren Kaffee mit tollem Ausblick ist dieser Ort perfekt! Fun Fact: Im Café gibt es sogar eine komplett verspiegelte Behindertentoilette!

Top 3: Kunsthaus Graz Das Kunsthaus Graz gehört zu den absoluten touristischen Highlights der Stadt und das mit Recht. Denn das Gebäude überzeugt schon mit seiner außergewöhnlichen Form. Es wurde im Jahr 2003 im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres errichtet und gilt seitdem als architektonisches Wahrzeichen der Stadt. Im Haus gibt es immer wechselnde Dauerausstellungen und oben eine verglaste Aussichtsplattform. Nur die Höhe der Eintrittspreise schockierte uns etwas. Trotzdem ist dieses Gebäude auf jeden Fall einen Besuch wert! Behindertentoilette ist vorhanden.

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Top 5: Hauptplatz Wie es der Name schon vermuten lässt, ist hier das bunte Treiben der Stadt zu Hause. Zahlreiche Geschäfte und Cafés finden sich hier wieder. Der Hauptplatz ist außerdem ein wichtiger Verkehrsknoten und hat viele tolle Gebäude und einzigartige Architektur zu bieten.

Top 2: Schlossberg Graz Der Schlossberg mit seinem oben gelegenen Uhrenturm ist die Vorzeigesehenswürdigkeit der Stadt Graz. Nach oben gelangt man zu Fuß (oder „zu Rad“) oder kostenpflichtig mit der Schlossbergbahn oder dem „Lift im Berg“. Bei Letzterem ist der Rollstuhlfahrer frei, nur die Begleitperson muss zahlen. Die Schlossbergbahn ist oft auch in der Monatskarte enthalten. Oben angekommen erwartet den Besucher eine fantastische Aussicht sowie viele Restaurants und Bars. Absolut lohnenswert! Behindertentoilette ist vorhanden.

Top 4: Schloss Eggenberg Das Schloss Eggenberg liegt etwas außerhalb von Graz und ist am besten mit dem Bus oder der S-Bahn ab dem Hauptbahnhof zu erreichen. Das Schloss wurde im 17. Jahrhundert erbaut und zählt heute zu den bedeutendsten barocken Schlossanlagen der Steiermark. Beeindruckender als das Schloss war für uns jedoch die Flora und Fauna drum herum. Für Geschichtsinteressierte oder Naturliebhaber ist das Schloss Eggenberg ein absolutes Muss! Behindertentoilette ist vorhanden.

Top 1: Schöckl – der Grazer Hausberg Der Besuch des Schöckls, auch Grazer Hausberg genannt, war mein ganz persönliches Highlight. Mit einem Bus, der einmal in der Stunde fährt, geht es etwa 45 Minuten stadtauswärts und rein in die pure Natur! Mit der Seilbahn (10 €) geht es dann auf 1.400 Meter. Hier oben ist die Luft viel besser und die Natur tut der Seele gut. Neben zahlreichen Restaurants und einem Informationszentrum gibt es hier auch einen barrierefreien Wanderweg, den wir natürlich austesteten und uns gleich in ihn verliebten. Das ist typisch Österreich und mein größter und persönlichster Geheimtipp für Euch!


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Meine Reisewelt: Besuch der Berlinischen Galerie . Seite 20 .

100 Jahre Kunst – 100 % Berlin Die Berlinische Galerie bietet ihren Gästen einen Rundgang durch 100 Jahre Kunst- und Stadtgeschichte. Sie sammelt, bewahrt und zeigt Malereien, Skulpturen, Grafiken, Fotografien und Architekturmodelle von Künstlern, die einen starken Bezug zur Stadt haben. Ihr Besuch ist ein Highlight für alle, die sich mit der bewegten Geschichte Berlins sowie mit Kunstgeschichte auseinandersetzen wollen. Die Berlinische Galerie bietet viele Impulse für (weitere) Entdeckungen in der Bundeshauptstadt und aufstrebenden Kunstmetropole. Gebäude Die Berlinische Galerie ist in einem ehemaligen Glaslager untergebracht. Das Gebäude strahlt heute noch einen industriellen, funktionalen Charakter aus. Auf zwei Ebenen, die sowohl durch eine Treppe als auch durch einen Aufzug (1 × 1,45 m) verbunden sind, erstrecken sich 4.600 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Das Erdgeschoss, wo Sonderausstellungen stattfinden, beeindruckt mit sechs Metern Raumhöhe. Die zweite Etage, wo sich kleinere Räume aneinanderreihen, bietet eine intime Atmosphäre, um sich in­tensiv mit den Kunstwerken auseinanderzusetzen. Vor dem Gebäude erstreckt sich eine Kunstinstallation, die aus großen, in den Boden eingelassenen Buchstaben besteht. Die einzelnen Buchstaben sind gelb und bilden die Namen von Künstlern. Dadurch ist der Boden vor dem Gebäude nicht ganz eben. Die Haupteingangstür befindet sich ganz am Anfang des Buchstabenfelds, sodass nur ein kleiner Bereich überquert werden muss. Sammlung und Dauerausstellung Viele namhafte Künstler prägen die Sammlung des Fördervereins Berlinische Galerie e. V., die in dem ­Gebäude ihr Zuhause hat. Darunter beispielsweise mehrere Bilder von Georg Baselitz, der 1938 in Deutschbaselitz geboren wurde und im Berlin der späten 50er-Jahre sein Studium, erst im östlichen Teil der Stadt und dann in Westberlin, absolvierte. Wichtige Etappen seines Schaffens, die auch durch die Sammlung der Berlinischen Galerie dokumentiert sind, sind die Serie der „Helden-Bilder“ aus den Jahren 1965/66 und ein Bilder-Remix, das zwischen 2005 und 2007 entstand.

Berlinische Galerie, Haupteingang, © Nina Straßgütl

Imposant ist ebenfalls Emilio Vedovas Konstruktion mit dem Namen Absurdes Berliner Tagebuch ’64. ­Vedova arbeitete als Stipendiat der Ford Foundation Mitte der 60er für ein Jahr in Berlin. Sein Arbeitsort war das ehemalige Atelier von Arno Breker, dem wichtigsten Bildhauer der NS-Zeit. Das Tagebuch, das bei der dritten documenta ausgestellt wurde, besteht aus beidseitig bemalten Bildtafeln, die untereinander verbunden sind. Eine derartige Konstruktion war ein Novum in der Malerei der 60er-Jahre und spiegelte das Lebensgefühl einer geteilten Stadt wider. Eines der ersten Bilder, das der Besucher in der Dauerausstellung entdeckt, ist ein Gemälde, das im Jahre 1908 fertiggestellt wurde und auf einer be­ eindruckenden Bildfläche von 2 × 3 Meter die Enthüllung des Richard-Wagner-Denkmals im Berliner Tiergarten zeigt. Das Bild spiegelt die konservative Haltung des Malers Anton von Werner, Direktor der Königlichen Preußischen Akademie, wider. Durch die Dauerausstellung laufend und rollend kommt man der zeitgenössischen Kunst näher. Dabei passiert man Werke der Dadaisten aus Berlin, bewundert die Osteuropäische Avantgarde oder die Neue Sachlichkeit, sieht die finstere Kunst aus der Zeit des Nationalsozialismus, gewinnt Einblicke in den Abstrakten Expressionismus und nähert sich den Jungen Wilden aus den 80er-Jahren. Nach gut 100 Jahren


Meine Reisewelt: Besuch der Berlinischen Galerie

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erst mit einer größeren Retrospektive 2003 in Berlin Aufsehen erregte. Als Malerin mit jüdischem Hintergrund wurde sie nach 1933 aus dem öffentlichen Kulturbetrieb ausgeschlossen und emigrierte 1937 nach Schweden, wo ihre Werke abseits der großen Öffentlichkeit schlummerten. Dank einer Ausstellung in Stockholm hatte sie ihre Werke bei der Emigration mitnehmen können.

Werk „Enthüllung des Richard-Wagner-Denkmals im Tier­garten“ von Anton von Werner, 1908, © Berlinische Galerie, © Harry Schnitger

Stadt- und Kunstgeschichte ist man zurück im Hier und Jetzt. Eine haptische Auseinandersetzung mit Kunst bieten die Bildmodelle, die in der Dauerausstellung zu finden sind. Tastend können alle und insbesondere blinde und sehbehinderte Menschen Reproduktionen einzelner Ausstellungsstücke entdecken. Die Modelle bieten auch für Kinder wunderbare Gelegenheit der intensiven Auseinandersetzung mit Kunst, Zeit und Raum. Jedes Tastmodell besteht aus ausgewählten Materialien und Formen. An einigen Tastmo­ dellen laden Sitze zum Verweilen ein. Über einen Audio-Guide oder wahlweise eine App, die auf dem

eigenen Smartphone installiert werden kann, erfährt man Näheres über die Ausstellung und ganz besonders über die Bilder, die als Tastmodelle reproduziert wurden. Das Audio-Angebot beinhaltet ebenfalls eine schrittweise Anleitung zur Nutzung des taktilen Leitsystems im Gebäude sowie Angaben, wie das Museumsgebäude für blinde und sehbehinderte Menschen gefunden werden kann. Tipp: Du fragst Dich, ob Du als blinder oder sehbehinderter Gast in der Berlinischen Galerie ganz ohne fremde Hilfe zurechtkommen wirst? Dann hör vorab in das Audio-Angebot der App. Es ist kostenfrei. Sonderausstellungen Im Erdgeschoss des Museums werden wechselnde Sonderausstellungen gezeigt. 5. April – 12. August 2019 – Lotte Laserstein – Von Angesicht zu Angesicht

Kunst zum Anfassen: Tastbild zum Werk „Tür“ von Werner Heldt, um 1946, © Harry Schnitger

Es lohnt sich, Lotte Laserstein und ihre Kunst zu entdecken. Sie ist eine Künstlerin, die lange in ­Vergessenheit geraten war und

Vor dem Ausschluss und der Emigration gelang Lotte Laserstein, die 1889 geboren wurde, ein glanzvoller Aufstieg. Sie erfreute sich großer Popularität, die Presse schwärmte 1929, „Lotte Laserstein gehört zu den allerbesten der jüngeren Malergeneration“. Ihr bevorzugtes Thema ist der Mensch in all seinen Facetten. In ihrem Schaffen widmet sie sich hauptsächlich der Porträtmalerei. Eindringliche Augen, interessante Konstellationen und eine große Sensibilität erwarten den Betrachter. Akademisch-handwerklich geschult, schließt ihre Malerei am deutschen Naturalismus des späten 19. Jahrhunderts an. Dabei machen Nüchternheit in der Darstellung und Modernität im Bildausschnitt ihre Darstellungen einzigartig. Obwohl sich in


Praktische Informationen Berlinische Galerie Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur Stiftung Öffentlichen Rechts Alte Jakobstraße 124–128 10969 Berlin www.berlinischegalerie.de bg@berlinischegalerie.de Tel. +49 (0) 30 78902-600 Fax +49 (0) 30 78902-700

L­ asersteins Arbeiten Anklänge an die Neue Sachlichkeit finden, ist ihr Malstil weder objektivierend unterkühlt noch gesellschaftskritisch überzeichnet. Die Sonderausstellung „Von Angesicht zu Angesicht“ ist eine Ausstellung des Städel Museums in Frankfurt. Sie wird ab Anfang April von der Berlinischen Galerie übernommen und mit Werken aus der eigenen Sammlung ergänzt. Werke von Christian Schad, Jeanne Mammen, Anne Ratkowski und Georg Neuschul e­ rweitern die Sicht auf Lasersteins Gemälde und

Öffnungszeiten Mittwoch – Montag 10:00 – 18:00 Uhr Dienstag geschlossen Eintrittspreise Variieren je nach Sonder­ausstellung. Barrierefreiheit ĊĊ Ein taktiles Leitsystem im Kassen- und Garderobebereich, zum Aufzug, zur Treppe und zu den Toiletten sowie durch die Dauerausstellung steht zur Verfügung. Es besteht aus zwei gut ausgeprägten Leitlinien und Aufmerksamkeitsfeldern. ĊĊ Ein barrierefreies WC ist im Erdgeschoss des Museums vorhanden. Die Toilette ist beidseitig anfahrbar. ĊĊ Alle wesentlichen Eingänge sowie das WC sind mit Automatiktüren versehen. ĊĊ Ein tastbarer Raumplan ist an der Kasse erhältlich. ĊĊ Audio-Guides mit Informationen zur Ausstellung und zum Leitsystem sind an der Kasse erhältlich. Die gleichen Infor­ mationen können mit einer App aufgerufen werden. Die App ist sowohl für Android- als auch iOS-Betriebssysteme nutzbar und wird im App-Store unter dem Stichwort „Berlinische Galerie“ gefunden. ĊĊ Tastführungen für blinde und sehbehinderte Menschen sowie inklusive Führungen werden angeboten. Termine sind auf der Homepage einsehbar oder können telefonisch erfragt werden. ĊĊ Es werden ebenfalls inklusive Führungen, die die Bedürfnisse von Menschen mit Lernschwierigkeiten berücksichtigen, angeboten. Diese werden in Kooperation mit dem Verein Jugend im Museum e. V. und der Kunstwerkstatt der Lebenshilfe in Berlin angeboten. ĊĊ Individuelle und Gruppenführungen zusätzlich auf Anfrage möglich.

Lotte Laserstein, Russisches Mädchen mit Puderdose, 1928, Städel Museum, Frankfurt am Main, © Städel MuseumARTOTHEK, © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

s­ tellen sie in den Kontext der Bildnis- und Aktmalerei der Neuen Sachlichkeit, um zugleich die Eigenständigkeit ihres Realismus herauszustreichen. Inspiration für Entdeckungen in Berlin Die Kunst der Berlinischen Galerie bietet einen aus­gezeichneten Ausgangspunkt für weitere Entdeckungen in der Bundeshauptstadt. Der Vergleich zwischen früher und heute zeigt, wie rasant Orte im Wandel sind. Einzelne Bilder zeigen das Brandenburger Tor und die Siegessäule sowie die Plätze, Gärten und Straßenzüge der Stadt. Teilweise können Orte im Berlin von heute wiedergefunden werden, andere sind verschwunden. Was hat sich verändert? Welche Atmosphäre herrschte damals, welche heute? Die Ausstellung wirft viele inspirierende Fragen für eine intensive Erkundung der Stadt auf. Sie ist sowohl ein guter Ausgangspunkt für die Entdeckung von ­Berlin als auch ein Ort, wo man den Stadtbesuch Revue passieren lassen kann.


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Jugendgästehaus Hauptbahnhof Das Jugendgästehaus Hauptbahnhof ist auf einem parkähnlichen Gelände unweit des Berliner Hauptbahnhofes gelegen. Trotz der sehr guten Anbindung und zentralen Lage besticht das Jugendgästehaus durch eine ruhige Atmosphäre. Das Haus ist hell, gut ausgestattet und ein erfahrenes Rezeptionsteam geht gern

auf Deine Wünsche ein. Zehn der 113 ­Zimmer sind rollstuhlgerecht und es gibt ein Leitsystem in Braille- und Pyramidenschrift. Für unvergessliche Momente in guter Gesellschaft stehen eine Billardlounge sowie ein Familienbereich zur Verfügung. Das Jugendgästehaus Hauptbahnhof ist nach Reisen für Alle zertifiziert.

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Berlin Berlin ist eine wichtige Stadt für Deutschland. Berlin ist die Hauptstadt Deutschlands. In Berlin leben viele Künstler. In Berlin entstehen viele Kunstwerke. In Berlin gibt es viele Museen. Ein Museum ist die Berlinische Galerie. In der Berlinischen Galerie werden Kunstwerke gezeigt. In der Berlinischen Galerie werden Kunstwerke gezeigt, die in Berlin entstanden sind. Es werden auch Kunstwerke gezeigt, auf denen Berlin zu sehen ist. In der Berlinischen Galerie kannst Du vieles über Berlin und Kunst lernen. Der Besuch des Museums macht Spaß!

© Europäisches Logo für einfaches Lesen: Inclusion Europe. Weitere Informationen unter www.leicht-lesbar.eu


Meine Reisewelt: Hotelporträt . Seite 23 .

25hours Hotel La Tour in Düsseldorf: Ein Hotelporträt Der Imagefilm des erst im Mai 2018 eröffneten Hotels „La Tour“ der erfolgreichen Marke 25hours Hotel lockt mit dem Versprechen, alle Gäste so zu empfangen, wie sie sind, und ihnen die Räume zu geben, um etwas Erzählenswertes zu erleben.

The Paris Club, © Steve Herud

„Come as you are, and you are sure to leave with a story to tell!“

Das Hotel befindet sich im neu entstandenen Düsseldorfer Stadtteil „Le Quartier Central“. Es nimmt den französischen Charakter des Viertels auf und begibt sich in eine Liaison mit der deutschen Rheinmetropole. Entstanden ist ein interessanter Mix aus französischem Charme und hiesiger Perfektion. Schon die Lobby verrät, dass man es hier nicht mit einem ­üblichen Businesshotel zu tun hat, denn ein Blumenladen zaubert mit seinen Arrangements gleich eine ganz besondere Stimmung. Blumenduft und erste Töne französischer Chansons holen die Gäste schon bei der Ankunft aus dem Alltag. Locker gruppierte Tische und Stühle und liebevolle Deko-Elemente laden zu einem ersten Café au Lait ein. Auffällig auch die g ­ roßformatigen historischen Fotos spektakulärer ­Radrennen – die Tour de France lässt grüßen. ­Überhaupt spielt das Fahrrad eine große Rolle. Insgesamt hat das Hotel circa 200 Zimmer, davon zwei rollstuhlgerechte Doppelzimmer. Das G ­ ebäude – nicht ohne Grund „La Tour“ genannt – erstreckt sich über 17 Stockwerke, in den letzten beiden Etagen befindet sich ein Restaurant (morgens Frühstücksraum) sowie eine Bar. Letztere beeindruckt mit dem wohl grandiosesten 360-Grad-Ausblick über die Stadt. Hier findet jeder ein Plätzchen für sich. Kleine Sitzgruppen mit unterschiedlichen Sitzmöglichkeiten laden zum Verweilen ein und bieten Raum für gute Gespräche. Französische Musik und Getränke heben sich von üblichen Barangeboten ab. Ein großes Flugzeugmodell der berühmten Concorde schmückt die Decke und lenkt die Gedanken zu fernen Zielen. Die Zimmer sind mit sehr viel Liebe zum Detail ein­ gerichtet. Die eine Hälfte der Zimmer atmet das französische Savoir-vivre, während die andere Hälfte mit puristischem Chic punktet. Ganz gleich, für welchen


Meine Reisewelt: Hotelportrait – 25 Hours

Stil sich der Gast entscheidet, er wird mit zahlreichen ungewöhnlichen Accessoires unterstrichen und hebt sich wohltuend von dem gewohnten Einheitsbrei ab, auf den man in der Hotellerie häufig trifft. Wo findet man schon auf dem Nachttisch einen kleinen Plattenspieler samt Schallplatte mit französischen Chansons? Die beiden rollstuhlgerechten Zimmer erfüllen viele Anforderungen der Barrierefreiheit. Vor allem sind die Bewegungsflächen sehr großzügig bemessen – dies gilt sowohl im Zimmer als auch im Bad mit einer ­wundervollen bodengleichen Dusche. Die Innenarchitektur der Zimmer ist originell und ideenreich, u. a. mit einer höhenverstellbaren Garderobe und einem unterfahrbaren Bett. Zu den Mankos gehören der Spiegel im Bad, der nicht im Sitzen eingesehen ­werden kann, die WCs, die nur von einer Seite anfahrbar sind und die fehlende Beinfreiheit an der Schiebetür zwischen Bad und Zimmer. Auch für blinde und sehbehinderte Personen ist das Hotel zumindest teilweise ohne fremde Hilfe nutzbar, da der Grundriss sehr einfach gehalten ist. Die Befehlsgeber im Aufzug sind taktil erfassbar, ebenso die Beschilderung außen an der Zimmertür. In den Zimmern wurde außerdem auf kontrastreiche und ­taktile Ausstattung geachtet. Für Orientierungsspazier­gänge steht das Personal bei vorheriger Anmeldung zur ­Verfügung. Die fast bis zum Boden ragenden Fenster im gesamten Hotel sind für alle und besonders für Rollstuhlfahrer ein Highlight, da der Blick unbeschwert nach draußen schweifen kann. Dies gilt auch im Fitness- und Saunabereich, der mit hochwertiger Ausstattung wahlweise zum Sport machen oder Entspannen einlädt. Bezüglich der Barrierefreiheit seien die kritischen Punkte erwähnt – recht schwere Brandschutztüren und eine Saunakabine mit einer Türbreite von circa 68 cm. Insgesamt hält das Hotel sein Versprechen, Raum für Individualität zu geben. Kreativität und Leichtigkeit können hier bei jedem Atemzug genossen werden. Nicht zuletzt die zahlreichen guten Bewertungen der Gäste im Internet belegen, dass man sich hier wie zu Gast bei Freunden fühlen kann. Ein Blick auf Instagram unter #25hoursdastourdüsseldorf bringt das Feeling ganz gut rüber. Wer sich von dem Fahrradflair inspirieren lässt, kommt innerhalb von einer Stunde mit dem Auto von Düsseldorf nach Xanten und kann dort auf der ­Römer-Lippe-Route seine Tour beginnen. Mehr Informationen zu Xanten und der Fahrradroute findest Du ab Seite 29.

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Praktische Informationen 25hours Hotel La Tour Louis-Pasteur-Platz 1 40211 Düsseldorf www.25hours-hotels.com Tel. +49 (0) 211 900910-0 dastour@25hours-hotels.co Ansprechpartner Barrierefreiheit Thomas Pichler Tel. +49 (0) 211 900910-250 tpichler@25hours-hotels.com Zimmerreservierung Tel. +49 (0) 211 900910-255 res.dastour@25hours-hotels.de Barrierefreiheit Einige Informationen findest Du im Text, des Weiteren sei gesagt: ĊĊ Im Erdgeschoss sowie im Barbereich (17. Stock) sind WCs vorhanden, die für Rollstuhlfahrer konzipiert wurden und beidseitig anfahrbar sind. ĊĊ PKW-Stellplätze für Menschen mit ­Behinderungen befinden sich direkt am Hoteleingang. ĊĊ Als Fußgänger ist das Erreichen des ­Hotels aufgrund von ungünstigen Straßenquerungsbedingungen nicht einfach. Dies gilt für alle Hotelgäste. ĊĊ Der Zugang zum Haupteingang erfolgt über eine kleine Treppe, die unerwartet auftritt und keinen Handlauf hat. ĊĊ Eine Rampe mit einer per Knopfdruck öffnenden Tür ergänzt den Eingangsbereich. ĊĊ Bei den Türen werden derzeit die Sicherheitsmarkierungen ergänzt. ĊĊ An der Rezeption kann ein Tresen heruntergefahren werden – allerdings ist die Höhe dann immer noch über 80 cm. ĊĊ Der Treppenbereich ist für blinde und sehbehinderte Menschen ungünstig gestaltet, da die ersten Treppenstufen weder einen Handlauf noch Stufenmarkierungen vorweisen.

Barrierefreie Informationen zu Düsseldorf www.duesseldorf-barrierefrei.de Tel. +49 (0) 211 17202-0 Fax +49 (0) 211 17202-3230 info@duesseldorf-barrierefrei.de Eine Broschüre über Düsseldorf barrierefrei kann bestellt werden.


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Meine Reisewelt: Rollstuhlgerechtes Baden . Seite 26 .

Wasser! Auf ins Wasser! Wer mit dem Rollstuhl unterwegs ist, hat es oft nicht leicht, Strände und Schwimmbäder zu finden, die für Rollstuhlgäste gut ausgestattet sind. Anbei ein paar Empfehlungen, wie Wasser in all seinen Formen erlebt werden kann.

Bremerhaven – Geborgenheit im Strandkorb Meeresrauschen, für sich oder zu zweit den Moment und den Blick aufs Wasser genießen, sich dabei geborgen fühlen, bei brutzelnder Sonne oder bei Wind draußen sein – das ist Strandkorbfeeling pur. Im Weser-Strandbad stehen zwei rollstuhlgerechte Strandkörbe zur Verfügung. 1. und 2. Vorsitzende Inklusionbeirat Heima Schwarz-Grote und Silvana Nowacki, © Behrmann

www.baeder-bhv.de www.barrierefreie-nordsee.de

Friedrichshafen – spazieren am Bodensee Eine lange Uferpromenade bietet die Stadt Friedrichshafen; und der Blick auf den größten See Deutschlands sowie bei gutem Wetter auf den Säntis sind ­etwas ganz Besonderes. Zahlreiche Cafés, ­Eisdielen und Restaurants laden zum Verweilen ein. Schön ist es, das eifrige Treiben auf dem See zu beobachten – kleine und größere Jachten, die Schiffe und Fähren

der Weißen Flotte, der Katamaran nach Konstanz, Segelboote sowie Tretboote tanzen auf dem schwäbischen Meer. Parkmöglichkeiten sind beispielsweise am Seeparkplatz vorhanden.

Isny im Allgäu – wandern, Wasser und Know-how Zwischen Isny und Maierhöfen findet der Liebhaber von Wanderungen und Spaziergängen ein schönes Komfort-Wegenetz. Bei der zwei Kilometer langen Biesenweiherrunde dreht sich alles ums Thema Wasser. Weiher­wirtschaft, Hochwasserschutz und städtische

Wasserversorgung sind Themen der Wanderung. Weit ins Wasser und Moor ragende Stege bringen die Besucher ganz nah an die ­Natur. Der Wanderweg ist für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, Senioren und Familien konzipiert. Er ist stufenlos und hat eine Wegbreite von 150 cm. Der Bodenbelag ist bei schönem Wetter gut befahrund begehbar. Auf einem kurzen

Fränkisches Seenland – ­Badespaß & Co. Im schönen Bayernland locken Altmühlsee, Brombachsee und Rothsee. Mit schwimmenden Strandrollstühlen gibt es die ­Möglichkeit, ins Nass zu kommen. Wer das Wasser lieber aus einer sicheren Entfernung genießen möchte, kann sich auf eine Handbike-Tour begeben oder ein ­Ausflugsschiff stürmen. Ahoi! www.seenland-barrierefrei.de Tel. +49 (0) 9831 5001-20 Eine Broschüre kann bestellt werden und steht online zur ­Verfügung.

www.friedrichshafen.de/buerger-stadt/gesundheit-soziales/ barrierefrei-unterwegs © Tourismusverband Fränkisches Seenland/Hub

Abschnitt von circa 30 m beträgt die Neigung 8 % – sonst ist der Weg weitestgehend flach. Der Wanderweg erreicht die Stufe teilweise barrierefrei für Menschen mit einer Gehbehinderung bei Reisen für Alle. www.isny.de Tel. +49 (0) 7562 975630 Der Weg wird am 29. April 2019 offiziell eröffnet.


Meine Reisewelt: Rollstuhlgerechtes Baden

© Tourismusverband Fränkisches Seenland/Hub

Langeoog – Sandstrände und eine autofreie Insel Den feinen Sand durch die Finger rieseln, die frische Meeresbrise durch die Haare wehen lassen oder das salzige Nordseewasser auf der Haut spüren: Die Ostfriesischen Inseln sind ein beliebtes Reiseziel. Besonders empfehlenswert ist der 14 Kilometer lange natürliche Sandstrand auf Langeoog, mitten im UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer. Um ans Wasser zu gelangen, stehen ein motorisiertes Strandmobil, ein Strandrollstuhl, ein Strandliegerollstuhl und ein Liege-Schwimm-Rollstuhl bereit. Die 20 Quadratkilometer große, autofreie Insel ist ein Paradies für Erholungssuchende. Tel. +49 (0) 4972 6930 www.langeoog.de/inselguide/ barrierefrei-erleben www.reisen-fuer-alle.de

Lausitzer Seenland – die Urlaubsregion zwischen Dresden und Berlin Hier hat man sich mit zahlreichen Angeboten auf die Bedürfnisse für Menschen mit Behinderungen eingestellt. Im Familienpark Senftenberger See wurde eine Badestelle geschaffen, die für Rollstuhlfahrer zugänglich ist. Es gibt einen stufenlosen und sandfreien

Marktheidenfeld – eine ­wundervolle Therme im ­Spessart Das Wonnemar gilt als schönste Thermenlandschaft Hessens. Eine großzügige Badelandschaft und Saunawelt bieten Erholung und Spaß für die ganze Familie. Verschiedene Events locken zur Entspannung vom Alltag. Besonders die Saunawelt lockt mit einer Wohlfühlatmosphäre aus Holz, Leder und Honigduft. Zum Einstieg in das große Thermalbecken gibt es einen Personenlift und flache Treppenstufen mit Handlauf, in das große Sportschwimmbecken gelangt man ebenfalls mithilfe eines Personenlifts. Bei Reisen für Alle erhält das Wonnemar in Marktheidenfeld die Stufe teilweise barrierefrei für Rollstuhlfahrer. Das Bad hat mehrere rollstuhlgerechte WCs und eine rollstuhlgerechte Umkleidekabine. Ein Saunarollstuhl und Duschrollstühle stehen zur Verfügung. Der Saunabereich ist durch einen Aufzug mit einer Kabinengröße von 106 / 138 cm erreichbar. Mit Ausnahme von zwei Saunen beträgt die Türbreite mindestens 80 cm. Der Freibadbereich ist nicht rollstuhlgerecht, da ein s­ teiler Weg zu nutzen wäre. www.wonnemar.de Tel. +49 (0) 9391 81065-0

Zugang zum Wasser. Hinunter zum Strand geht es auf einem gepflasterten Weg, dessen Steigung mit Hilfe zu bewältigen ist. Über den Sandstrand fährt man weiter auf Holzplanken und ins Wasser auf einer Betonrampe. www.lausitzerseenland.de/de/ service/barrierefrei.html

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Maikammer – ein Freizeitbad für schöne Sommertage Das Kalmitbad in Maikammer ist ein modernes, barrierefreies Freizeitbad mit großer Liegewiese und üppigem Baumbestand. Das Freibad verfügt neben einem Kombibecken mit 50-m- und 25-m-Bahnen über ein Erlebnisbecken mit Sprudelliegen, Massagedüsen, Schwanenhälsen, einem Was­serpilz sowie einer Wellen-Breitrutsche. Als Hilfsmittel für den Einstieg in die Schwimmbecken gibt es flache Treppenstufen mit Handlauf und einen Personenlift. Die komplette Anlage ist nach ­Reisen für Alle zertifiziert und ist für Rollstuhlfahrer und sehbehinderte Menschen barrierefrei, für blinde Menschen teilweise barrierefrei. Zwei gekennzeichnete PKW-Stellplätze für Menschen mit Behinderungen stehen zur Verfügung, alle Bereiche sind stufenlos oder per Rampe erreichbar. Alle wesentlichen Durchgänge sind mindestens 90 cm breit und ein rollstuhlgerechtes WC sowie eine großzügige Dusche mit Duschsitz stehen zur Verfügung. www.maikammer-erlebnisland.de/ wohlfuehlen/kalmitbad www.reisen-fuer-alle.de


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Meine Reisewelt: Rollstuhlgerechtes Baden

Norderney – Sandstrände und Thalassotherapie im gesunden Nordseeklima 15 Kilometer Sandstrände: Hier können Menschen mit Handicap einen Ballonrollstuhl mieten, mit dem sie direkt vom Strand in See stechen können. Des Wei­teren gibt es die Möglichkeit – ganz umweltbewusst – mit einem selbstfahrenden, solarbetriebenen Rollstuhl am Strand zu cruisen. Norderney trägt seit 2014 den Titel „Thalasso-Nordseeheilbad“ und bietet vielfältige Anwendungen mit Meeresschlick an. www.norderney.de > „Enjoy“ > Norderney für Alle Tel. +49 (0) 4932 891-300 > Zimmervermittlung Tel. +49 (0) 4932 891-124 /-126 > Inselrollstühle

Pirna – Glücksmomente im Geibeltbad Das Geibeltbad in Pirna bietet ganzjährig ein aktives Badevergnügen für die ganze Familie. Es verfügt über einen Kleinkinderwasserspielplatz mit eigenem „Strand“, ein temperiertes Außenbecken mit Massageund Vitaleffekten sowie ein Freibad mit großzügigen Außenanlagen. Die stilvolle Saunalandschaft mit einer rundum angenehmen Atmosphäre lädt zum Relaxen und Entspannen ein. Rolli-Umkleiden mit Du/WC sind im Hallen- und Freibad vorhanden, ein Beckenlift ermöglicht das Badevergnügen im Hallenbad. Das Freibad verfügt leider nicht über einen Lift. Der Sauna­ bereich ist mit Türbreiten von teilweise 80 cm zum Teil barrierefrei, drei Leihrollstühle stehen zum Verleih bereit. Tel. +49 (0) 3501 710900

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Das Team von Behindertengerechte Reisen vermittelt Reisen aller Art für mobilitätseingeschränkte Personen. Diese werden individuell den Wünschen und Bedürfnissen der Kunden entsprechend zusammengestellt. Zu dem Service gehören die Organisation des benötigten Zimmers, Rollstuhlservice für den Flug, Transfers, Mietwagen und Hilfsmittel sowie bei Bedarf Assistenz, insofern dies für die gewünschten Destinationen möglich ist. Auf Wunsch werden auch Gruppenreisen organisiert. Das Team um Steffi Raila begibt sich oft auf Tour, um Unterkünfte und deren Umgebung persönlich auf deren Barrierefreiheit zu prüfen. Dazu beraten sie als offizieller Partner deutsche Reiseveranstalter wie Neckermann Reisen und Öger Tours. www.behindertengerechte-reisen.com info@behindertengerechte-reisen.com Tel. +49 (0) 8233 2120451 Bahnhofstr. 136 a, 86438 Kissing

Ruppiner Seenland – glasklares Wasser Wenige Kilometer nördlich von Berlin wartet das Ruppiner Seenland mit seinen 170 Seen und einem Labyrinth aus 2.000 Kilometern Wasserwegen darauf, entdeckt zu werden. Am glasklaren Stechlinsee, einem der saubersten Seen Deutschlands, gleiten Menschen mit Mobilitätsbeeinträchtigungen über einen Baumstamm als Einstiegshilfe hindernisfrei ins Wasser. Gäste, die lieber auf dem Wasser unterwegs sind, ­mieten sich ein barrierefreies und kentersicheres Kanu bei „Erlebnisurlaub Schönbirken“ bei Lindow zwischen Vielitz- und Wutzsee. Dieses setzt sich statt mit Paddeln über eine Handkurbel mit Schaufelrädern in Bewegung. Im „Ferienparadies Seebeck“ am V ­ ielitzsee finden geübte Kanuten eine Seilzug-Anlage, um sich eigenständig mit dem Kanu ins Wasser zu lassen und wieder herauszukommen. www.ruppiner-reiseland.de/info/barrierefreie-angebote Tel. +49 (0) 3391 659630 Eine Broschüre inkl. Karte kann bestellt werden und steht online zur Verfügung.

Wangerland – auf zum Nordseestrand Im Sommer 2018 wurden im Wangerland an der niedersächsischen Nordsee zwei Strandzugänge eröffnet, die es älteren Menschen, Rollstuhlfahrern und Familien mit Kinderwagen ermöglichen, barrierefrei an den Strand und bis ans Wasser zu gelangen. Am Ende der Stege ist ein Verleih von Wattmobilen geplant, sodass auch das Wattenmeer barrierefrei zugänglich ist. www.wangerland.de > Stichwort „Barrierefreiheit“


Meine Reisewelt: Vorstellung einer Destination . Seite 29 .

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Stadt, Land, Fluss und X wie Xanten Xanten, die einzige Stadt Deutschlands, die mit einem X beginnt, liegt am Niederrhein in Nordrhein-Westfalen. Die Region Niederrhein erstreckt sich von Übach-Palenberg im Süden bis Emmerich am Rhein an der holländischen Grenze. Es ist ein ländlich geprägter Raum, der sich eignet, um Energie und Natur zu tanken – raus aus dem Alltag, rein in die Entspannung! Besonders wer auf zwei oder drei Rädern aktiv sein möchte, wird sein Glück in dieser Region finden. Über den Niederrhein herrscht ein ebenso hübsches wie wahres Vorurteil: Er ist wunderbar flach und daher perfekt zum Radfahren. Das klingt langweilig? Keineswegs, die Region bietet reichlich Futter für Entdecker. Xanten ist Siegfried-Stadt, hat ein reiches römisches Erbe und ist Luftkurort. Zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt gehören ein gotischer Dom mit einem wunderbaren Kreuzgang, der mit einem begrünten Innenhof zum Innehalten einlädt. Der Dom prägt das Stadtbild und ist bereits aus der Ferne zu sehen. Als Rollstuhlfahrer betritt man den Dom über den Kreuzgang, indem man der Ausschilderung zum Stift-Museum folgt. Zwischen dem Kreuzgang und dem Dom muss eine kurze, aber steile Rampe überwunden werden. Ein hübscher Marktplatz bildet den zentralen Platz in Xanten –

Cafés und kleinere Läden laden zum Flanieren und Verweilen ein. Beim Marktplatz und Dom wurde bei einem Gehweg das Kopfsteinpflaster durch eine glatte Oberfläche ersetzt, was natürlich für Rollstuhl- und Rollatornutzer sowie für Fahrrad- und Handbikefahrer optimal ist. Andere Teile der Altstadt weisen allerdings noch reichlich Kopfsteinpflaster auf. Lohnenswert ist auch ein Spaziergang am Wall – beispielsweise vom Klever Tor über den Nordwall bis zum Ostwall. Hier ist der Gehweg asphaltiert. Bei diesem Spaziergang kann die Windmühle „Kriemhildmühle“ entdeckt werden. Sie wurde auf der Stadtmauer errichtet und ist ein Wahrzeichen der Stadt. Zahlreiche Führungen werden von der Tourist-Information angeboten. Spezielle Touren für gehbehinderte Menschen, ­Rollstuhlfahrer, blinde und sehbehinderte Menschen können vereinbart werden. Zwei wichtige Institutionen in Xanten sind der Archäologische Park und das RömerMuseum, die sich mit nur einer Eintrittskarte besuchen lassen. Hier können 400 Jahre römische Geschichte in Xanten hautnah erlebt werden. Das Areal bietet Entdeckungen für einen besonders abwechslungsreichen Tag. Ganz besonders Familien mit Kindern finden hier eine gute Balance zwischen Wissensvermittlung und Angeboten, die der Vergnügung dienen oder bei denen die Kids gar nicht merken, dass sie etwas lernen.

Der Archäologische Park erstreckt sich über 60 Hektar und zeigt die Römerstadt Colonia Ulpia Traiana. Maßstabstreue Rekonstruktionen, u. a. das Amphitheater der Ulpia Traiana und römische Herbergen, können bestaunt werden. Einige Rekonstruktionen sind für Rollstuhlfahrer, mit Ausnahme von kleineren Barrieren wie Schwellen, gut zugänglich. Andere Bauten, wie die rekonstruierte Stadtmauer, können von Rollstuhlfahrern nicht direkt besucht werden.

© Axel Thünker DGPh


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Meine Reisewelt: Vorstellung einer Destination

Gleichzeitig sind sie aber auch von außen imposant! Zwischen den Rekonstruktionen führen neigungsfreie, breite und gut befahrbare Wege mit einer wassergebundenen (allerdings etwas feinkiesigen) Oberfläche durch das Areal. Auch für Nutzer von Langstöcken bildet der Unterschied zwischen Gras und Weg eine gute taktile Leitlinie. An den Eingängen „Stadtzentrum“ und „Hafentempel“ bietet jeweils ein taktiler Übersichtsplan die Möglichkeit, das Gesamtareal kennenzulernen und sich einen Überblick darüber zu verschaffen, welche Areale der Colonia Ulpia Traiana rekonstruiert wurden und welche noch fehlen. Die Übersichtspläne sind ein guter Startpunkt für den Besuch des Archäologischen Parks, sofern man nicht im RömerMuseum starten möchte. Für alle Besucher, aber besonders für blinde Menschen, ist der Besuch des Kräutergartens der Römer ein Muss. Hier sind nicht nur die echten Pflanzen zu sehen, fühlen und riechen, sondern auch taktile Modelle verschiedener Pflanzenteile. Im Sommer, vor allem am Wochen­ ende, werden im Park zahlreiche Mitmachaktionen u. a. mit römischen Handwerkern geboten,

© Axel Thünker DGPh

die die heutige Ulpia Traiana mit Leben füllen. Auch das römische Spielehaus lockt mit einer Partie Mühle, Backgammon und dem schon unter den Römern beliebten Tangram. Oder wie wäre es mal mit einem römischen Würfelspiel, bei dem Astragalknöchelchen (aus den Sprungbeinen von Schafen oder Ziegen) als Spielsteine dienen? Oder dem Amphorenwurfspiel, einem antiken Geschicklichkeitsspiel? Das Spielehaus ist für Rollstuhlfahrer zugänglich, die Spiele befinden sich im Erdgeschoss. Die großzügigen Wiesen sowie kleinere Rastplätze mit Bänken und Tischen laden zu ausgiebigen Picknicks ein – das Mitbringen eines gut gefüllten Picknickkorbes wird daher empfohlen. Für die kleinen Besucher bietet ein Abenteuerspielplatz Kletter- und Schaukelspaß. Auch Rolli-Kids werden hier ihr Glück finden, da der zentrale Gang des Abenteuerspielplatzes eine große Rampe ist. Allerdings ist dabei Vorsicht geboten, da nicht die gesamte Rampe mit Radabweisern versehen ist. Zum Gelände gehört zudem ein Wasserspielplatz – auch dieser ist teilweise mit dem Rollstuhl nutzbar. Im Jahr 2008 wurde im Parkareal das RömerMuseum eröffnet. Das Museum zeigt Originalfunde wie ein sehr gut erhaltenes Stadtbad, Münzen und Amphoren. ­Insgesamt können circa 2.500 Exponate bestaunt werden. Unter den gezeigten Funden beeindrucken besonders die Überreste eines römischen Schiffes, das in zwölf Metern Höhe freischwebend im Raum hängt. Das Museum zeichnet sich durch eine extreme Familienfreundlichkeit aus und ist für Rollstuhlfahrer und gehbe­ hinderte Menschen komplett barrierefrei. Für blinde und seh-

© Axel Thünker DGPh

behinderte Besucher sind einzelne Exponate taktil erfassbar und Hörstationen bieten einen schönen Mehrwert. Im Museum folgt man den Ereignissen der römischen Geschichte in Xanten von der Zeit Caesars bis zu den Franken. Aufstieg und Niedergang der Colonia Ulpia Traiana sind dokumentiert. Verschiedene moderne Medien sowie Stempelstationen für Kinder bieten kurzweiligen Geschichtsunterricht und ganz viel Spaß. Für den Besuch des Parks und des Museums sollte man sich mindestens einen halben Tag (vier Stunden) Zeit nehmen. Im Park und im Museum sind verschiedene barrierefreie Toiletten vorhanden. Ein Audio-Guide kann ausgeliehen werden und ist von guter Qualität. Eine Auswahl an Speisen, Snacks und Getränken ist im Sommer vor Ort kaufbar. Der Archäologische Park ist ein wunderbares Ausflugziel zum Entschleunigen, da er es den Besuchern einfach macht, sich in eine andere Zeit zu versetzen und den Alltag zu vergessen. Familien finden hier ein unglaublich vielfältiges Angebot, ohne die vielen Überreizungen, denen man sich im Alltag kaum entziehen kann. Xanten und der Archäologische Park können auch im Rahmen einer


© Römer-Lippe-Route/Dennis Stratmann

Fahrradtour, die teilweise auch für Handbiker geeignet ist, erkundet werden. Die Römer-­Lippe-Route hat je nach Perspektive ihren Anfang oder ihr Ende in Xanten und führt insgesamt durch den Teutoburger Wald, das Sauerland, das Münsterland, die Metropole Ruhr und den Niederrhein. Es ist ein flussbegleitender Radweg auf den Spuren der Römer. Mit ihrer 295 km langen Hauptroute und zusätzlichen 184 km langen thematischen Schleifen ist die Strecke auch für mehrtägigen Fahrrad- und Handbike-Spaß geeignet. Entlang der Route ist man dem Wasser an verschiedenen Punkten ganz nah. Faszinierend ist u. a. die Lippequelle in Bad Lippspringe, die mit ihrem tiefblauen Wasser sagenumwoben ist und im Volksmund gerne als „Auge Odins“ bezeichnet wird. Badeseen, Kanäle, Wasserkunstwerke, Schleusen und ­manuell betriebene Fähren sorgen für ein abwechslungsreiches Erlebnis. Bereits die Römer haben sich an der Lippe orientiert und sind von Xanten Richtung Teutoburger

Wald gezogen und so verwundert es nicht, dass Fundstellen ­römischer Lager als Zeitzeugen fungieren. Neben dem RömerMuseum in ­Xanten bietet auch das Römermuseum in Haltern am See tolle Einblicke in die Römerzeit. ­Nachgewiesen sind hier ein römisches Hauptlager mit fester Innenbe­bauung, eine Schiffsanlegestelle, eine Lagervorstadt, eine Marinebasis mit Schiffshäusern und Kasernen sowie eine Gräberstraße. Auf dem Museumsareal ist ein Holztor mit einer speziellen Holz-Erd-Mauer rekonstruiert. Das ­Museum und die Rekonstruktionen sind für Rollstuhlfahrer stufenlos zugänglich und nutzbar. Allerdings wird empfohlen, das Areal nur mit Begleitperson aufzusuchen, da größere Neigungen überwunden werden müssen. Xanten, der Niederrhein und die Römer-Lippe-Route werden oft unterschätzt, obwohl sie mit Angeboten wie dem Archäologischen Park eindrucksvolle und abwechslungsreiche Ziele sind.

© Römer-Lippe-Route/Dennis Stratmann


Leichte Sprache

Komm zu Besuch! Eine nachgebaute Römerstadt, kannst Du in Xanten sehen. Hier gibt es vieles aus früherer Zeit. Zum Beispiel: eine Stadtmauer, ein Stadttor, ein Hotel von früher, einen Tempel und ein Theater! Mehr Informationen auch in Leichter Sprache findest Du hier: www.apx.lvr.de

Tourist Information Xanten GmbH Kurfürstenstraße 9 46509 Xanten Tel. +49 (0) 2801 772-200 info@xanten.de Das Land Nordrhein-Westfalen fördert den Ausbau innovativer Gesundheitsangebote an der Xantener Nord- und Südsee. Mehr Informationen zum Thema Gesundheits­­tourismus in Xanten findest du auf www.f-z-x.de. Römer-Lippe-Route inkl. interaktiver Karte: www.roemerlipperoute.de © Römer-Lippe-Route/Dennis Stratmann


Meine Reisewelt: Mitarbeiterstimmen . Seite 33 .

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Voice of Embrace Zwei Mitarbeiter, die in Hotels tätig sind, die dem Embrace Verbund angehören, berichten über ihre Arbeit.

„Ich mag unsere Gäste“ Mit großer Freude und Begeis­te­ rung für ihre Arbeit betreut Ivonne Hardam den Service im Café des Hotels Am Kloster in Wienhausen. Bei schönem Wetter trifft man Ivonne Hardam gern mal auf einer der ruhigen Sommerterrassen vom „Kloster-Kaffee“. Das Café im Hotel Am Kloster ist ein beliebter Treffpunkt für alle, die gern gut frühstücken, nach einem Spaziergang Kräfte sammeln oder einfach entspannt eine Auszeit genießen möchten. Seit gut fünf Jahren kümmert sich Ivonne Hardam hier im romantischen Klosterdorf Wienhausen um Gäste, sie nimmt Bestellungen für Frühstück, Kaffee & Kuchen auf, serviert und kassiert. „Ich bin meist für sechs ­Tische zuständig“, erzählt die 31-­Jährige, die zuvor in den Celler W ­ erkstätten gearbeitet hat und stolz ist auf ihren Arbeitsvertrag im Inklusi­ onshotel. „Mir gefällt der Service

richtig gut, ich mag unsere Gäste und spreche auch gern mit ihnen.“ Fünf Tage in der Woche ist Ivonne Hardam im Einsatz, die gebürtige Lüneburgerin ist sehr sportlich und top-fit für die Herausforderungen des Hotelalltags: „Immer, wenn es das Wetter zulässt, fahre ich mit dem Fahrrad zur Arbeit, das sind jeweils zehn Kilometer pro Weg“, berichtet die sympathische Niedersächsin. Über die beeindruckenden Erfolge in ihrer Lieblingssportart Tischtennis spricht sie selbst nicht gern, dafür umso lieber über die guten Arbeitsbedingungen und ihre Wahlheimat: „In Celle gibt es so viel zu entdecken, ob eine sehr alte Kaffeerösterei oder das Spezialbier, das hier gebraut wird.“ Gute Tipps von einer Fachkraft, die ihren Platz in der Gastronomie gefunden hat.

„Service macht mir großen Spaß“ Teamplayer Simon Schuster hat im „Anders“ seine Ausbildung gemacht und ist leidenschaftlich gern für Gäste da. Drei Jahre lang hat der heute 26-Jährige sein Handwerk gelernt. Nun ist er ausgebildeter Hotelfachmann und verantwortliche Servicekraft im „Anders“ in Schwarzenbruck. Sein Metier sind der Gastraum, der Biergarten und der Veranstaltungsbereich. „Ich kümmere mich um die Gäste, wenn

sie in das Restaurant kommen oder wenn sie eine Veranstaltung planen und Beratung brauchen“, erzählt der junge Mann. „Es macht mir Spaß, Verantwortung zu übernehmen.“ Die Aufgaben im Haus sind vielfältig, das Angebot im „Anders“ reicht von der Vesperkarte am Nachmittag bis hin zu anspruchsvollen Menüs für besondere Anlässe wie Geburtstage oder Familienfeiern. „Unsere Küche bringt immer eine Topleistung und im Service setzen wir alles daran, dass die Gäste zufrieden sind.“ Und was gefällt ihm an der Zusammenarbeit mit seinen Kollegen? „Wir sind ein Superteam“, sagt Simon. „Hier respektiert jeder den Anderen und das ist ein sehr schönes Gefühl.“ Ein Text von Aina Keller .


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© Römer-Lippe-Route/Dennis Stratmann

Radfahren für alle: beste Planung für einen Ausflug auf der Römer-Lippe-Route Zerklüftet ragen die Felsen der Externsteine in den blauen Himmel. Einige Kilometer weiter lassen sich Ruinen eines Römerlagers erkennen. Immer wieder blitzt der Flusslauf der Lippe zwischen den grünen Auen auf. Die Römer-Lippe-Route zwischen Detmold und Xanten an der Grenze von Ruhrgebiet und Münsterland lädt Radfahrer auf fast 500 Kilometern Gesamtstrecke ein, historische Römerkultur und einzigartiges Wassererlebnis zu entdecken. Doch wie ist das mit Einschränkungen möglich? Oft verhindern auf Radwegen unbekannte Steigungen, Poller oder Schranken sowie Treppenstufen zu ­Restaurants

und Parkplätzen einen stressfreien Ausflug. Als erster deutscher Radfernweg wird die Römer-Lippe-Route nun komplett nach den Kriterien der bundesweit gültigen Kennzeichnung „Reisen für Alle“ zertifiziert. Das Siegel weist allgemein barrierefreie, touristische Angebote aus und wird nach eingehender Überprüfung vor Ort vom Deutschen Seminar für Tourismus (DSFT) Berlin e. V. vergeben. „Wir freuen uns sehr, dass die Römer-Lippe-Route in diesem Bereich in Deutschland als Vorreiter an den Start geht“, erklärt Axel Biermann, Geschäftsführer der Ruhr Tourismus GmbH. „Die idyllische und naturnahe Radroute entlang des Flusslaufs mit den vielen historischen Orten, Museen und Denkmälern ist ein Erlebnis – für alle.“ Während momentan noch nicht jeder Betrieb und jeder Straßenverlauf der Strecke komplett barrierefrei ist, finden Interessierte online eine Karte, die Schranken, Neigungen oder Wegbeschaffenheit detailliert aufzeigt. Auch barrierefreie Parkplätze, Sanitäranlagen und Anschlüsse an Bus und

Bahn sind mit kleinen S ­ ymbolen gekennzeichnet. So kann jeder Gast seine individuelle Tour planen und je nach persönlicher Einschränkung entscheiden, welche Etappe der Römer-Lippe-Route für ihn infrage kommt. Die Gesamtstrecke ist zusätzlich durchgängig mit Orts- und Kilometerangaben versehen und bietet zahlreiche Möglichkeiten, bei Kaffee und Kuchen einzukehren oder an einer Picknickstelle im Grünen zu rasten. Entlang der 295 Kilometer langen Hauptstrecke liegen Sehenswürdigkeiten wie das Hermannsdenkmal bei Detmold, das LWL-Römermuseum in Haltern am See oder der überregional beliebte LVR-Archäologische Park Xanten. Außerdem zweigen zwölf Themenschleifen von der Hauptroute ab und führen zu Solequellen, Auenlandschaften oder Schlössern. Kommt dabei die Idee zu einer Verlängerung der Tagestour, bieten jederzeit gemütliche Unterkünfte rund um die Radstrecke Möglichkeiten zum Einkehren und Übernachten. Auch hier sind bereits einige Hotels barrierefrei eingerichtet. Wer also sportlich oder auch entspannt losziehen möchte, um die malerische Landschaft am Rande des nördlichen Ruhrgebiets mit ihren vielen Sehenswürdigkeiten hautnah zu entdecken, sollte dem Ruf des Flusses folgen und sich auf die Römer-Lippe-Route wagen – das gilt für alle! www.roemerlipperoute.de/barrierefrei-erfahren . Ein Gemeinschaftsprojekt von:

Gefördert von:


Meine Reisewelt: European Accessibility Act . Seite 35 .

Fauler Kompromiss zu Gunsten der Wirtschaft EU-Organe einig über Entwurf für ein europäisches Gesetz zur Barrierefreiheit Ein Text von André Nowak . „Digitalisierung“ ist derzeit in aller Munde und sie verändert auch unseren Alltag. Die Bezahlung von Leistungen, der Kauf eines Tickets oder das Einchecken auf dem Flughafen – dies und vieles mehr geht fast nur noch mit einem Smartphone. Insofern sind EU-weite Barrierefreiheitsanforderungen für Produkte und Dienstleistungen von großer Bedeutung für Menschen mit Behinderungen. Im Dezember 2015 hatte die Europäische Kommission solche Mindestanforderungen vorgeschlagen. Mittlerweile liegt der European Accessibility Act (EAA) als Richtlinienentwurf vor und beinhaltet vor allem Vorgaben zur digitalen Barrierefreiheit von Computern, Smartphones, Geld- und Fahrkartenautomaten, Zahlungsterminals, E-Books sowie von Webseiten und mobilen Anwendungen der öffentlichen Daseinsvorsorge. Ebenso müssen laut EAA die Notrufnummer 112 und die elektronischen Kommunikationsdienste allen Europäern zugänglich und nutzbar sein. Für eine europäische Gesetzgebung hatten die Behindertenbewegung mehr als zehn Jahre

lang gekämpft. Über die digitale Barrierefreiheit hinaus entpuppt sich der Gesetzesentwurf als fauler Kompromiss zu Gunsten der Wirtschaft. Mit der Richtlinie soll eigentlich die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben für mehr als 80 Millionen Menschen mit Behinderungen in der EU verbessert werden, profitieren würden ebenso auch die zahlreichen Reisenden mit Mobilitätseinschränkungen aus der ganzen Welt. Und es wird laut EU-Kommissarin Marianne Thyssen damit der weltweit größte Markt für barrierefreie Produkte und Dienstleistungen geschaffen. Dem Gesetz fehlen aber wesentliche Aspekte, auch mit Blick auf die 2011 von der EU ratifizierte UN-Behindertenrechtskonvention. Nicht berücksichtigt wurde die Barrierefreiheit u. a. im baulichen Bereich (Gebäude und Infrastruktur). Und „als Klausel des gesunden Menschenverstands“ wurden Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen erbringen, von den Vorgaben ausgenommen. Verbesserungen beispielsweise bei Hotelbuchungsplattformen sind nicht unmittelbar erwartbar. Enttäuschung herrscht entsprechend bei Behindertenverbänden nach der vorläufigen Einigung am 08.11.2018 zwischen dem Europäischen Parlament, der Kommission und dem Rat über das EAA vor. So erklärte das Europäische Behindertenforum (European

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­ isability Forum – EDF): Wir D ­haben eine politische Einigung über das European Accessibility Act. Es wird seinem Namen nicht gerecht. Es deckt hauptsächlich die digitale Barrierefreiheit ab, lässt aber die reale Umgebung, in der Menschen mit Behinderungen leben, außen vor. EDF-Präsident Yannis Vardakastanis: „Die Mitgliedstaaten der EU haben gegenüber ihren Bürgern mit Behinderungen versagt. Es scheint eher eine Europäische Union der Unternehmen zu sein als eine Europäische Union der Menschen.“ Ivor Ambrose, Geschäftsführer von ENAT, dem Europäischen Netzwerk für barrierefreien Tourismus, meint, dass dieser Kompromiss ein Pyrrhussieg für die Wirtschaft sein könnte. Es gibt zahlreiche Belege dafür, dass Unternehmen im Tourismussektor sowie im Einzelhandel und bei anderen Dienstleistungen Kunden in Scharen verlieren, weil sie keine angemessene Barrierefreiheit bieten. Voraussichtlich wird die Richtlinie dem Ziel der gesellschaftlichen Teilhabe nur teilweise gerecht werden. Ähnliche Erfahrungen gibt es auch in Deutschland. So hat die Bundesregierung im 2016 verabschiedeten Behindertengleichstellungsgesetz die gesamte Privatwirtschaft von der Verpflichtung zur Schaffung von Barrierefreiheit ausgenommen. Offen ist noch, wann das EAA endgültig beschlossen wird, zumal ja bald die Wahlen zum Europäischen Parlament anstehen. Und auch nach Annahme der EAA-Richtlinie auf europäischer Ebene wird es erfahrungsgemäß noch eine Zeit lang andauern, bis die Verbesserungen für die Bürger*innen spürbar werden, da europäische Richtlinien erstmal in deutsches Recht umgewandelt werden müssen.


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Meine Reisewelt: Hinter den Kulissen . Seite 36 .

Hinter den Kulissen: Das Engagement des Reiseleiter und Tourguide Verband e. V. Aller Erfahrung nach ist barrierefreies Reisen kein Selbstläufer – dafür ist unsere Gesellschaft nicht inklusiv genug. Umso wichtiger sind Schulungen für Architekten, damit bauliche Barrieren v­ ermieden werden, und von Menschen, die im Tourismus arbeiten, um ein umfängliches Verständnis für Gäste mit Behinderungen zu schaffen. Als Reisemagazin plädieren wir für einen natürlichen Umgang, der die Interessen und Wünsche der Gäste in den Mittelpunkt stellt. Wir schauen in die Maschinenräume der Touristiker und fragen Vorstände, Geschäftsführer*innen und Mitarbeiter*innen, wie ihre Ausrichtung im barrierefreien Tourismus aussieht. Für die erste Ausgabe des Reisemagazins haben wir uns mit dem Verband der Reiseleiter und Tourguides (RTGV) unterhalten. Heinz-Jürgen Nees, Geschäftsführender Vorstand des RTGV, hat uns das Selbstverständnis seines Verbands vorgestellt. Wir sind der Meinung, dass in diesem Selbstverständnis viele sehr gute An­sätze ersichtlich sind, und freuen uns auf viele gut ausgebildete Reise­leiter und Tourguides. Heinz-Jürgen Nees, Geschäftsfüh­ render Vorstand des Reiseleiter und Tourguide Verband e. V. (RTGV) berichtet über die Reiseleiterausbildung „Spezialist barrierefreies R ­ eisen“, die in Koopera-

tion mit dem Flughafen Frankfurt dauerhaft angeboten wird: Die Reiseleitung bei Gruppenreisen mit oder ohne Handicap-Kunden oder auch der persönliche Reisebegleiter für den Individualreisenden ist das wichtigste Bindeglied zwischen den Reiseveranstaltern und Reisebüros und den Gästen vor Ort. Viele Freizeit-Guides sind unterwegs und machen tatsächlich einen tollen Job. Allerdings wissen manch andere nicht immer, was sie tun, und legen ein unprofessionelles Handeln an den Tag. Bei Gästen mit besonderen Bedürfnissen ist unprofessionelles Handeln aus unserer Sicht ein absolutes No-Go. Der RTGV setzt sich seit Jahren für die Anerkennung des Berufsbildes des Reiseleiters ein und vertritt die Interessen von über 600 IHK-zertifizierten Reiseleitern in aller Welt. Eines unserer wichtigsten Mottos lautet: Mache deinen Gast glücklich und zufrieden – im Sinne des Leistungsverzeichnisses der Reise – und er wird dich weiterempfeh­ len. Dies gilt für alle Facetten der Reisebegleitung und Gästeführung, auch und gerade für Menschen mit Behinderung, wir nennen sie viel lieber Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Für den RTGV gibt es keine behinderten Gäste. Reisen für alle – das ist unser Thema und ebenfalls ein

wichtiges Motto. Alle Gäste müssen an allen Programmpunkten teilnehmen können. Das gemeinschaftliche Erlebnis ist oberstes Ziel. Dort, wo Barrieren und Grenzen aufkommen, ist es die Aufgabe des Reiseleiters, diese zu erkennen und auf eine gute Art und Weise zu überwinden, sodass das Ziel des gemeinsamen Erlebens nicht gefährdet wird. Zusammen mit dem Team von Weitsprung Reisen entwickelte der RTGV eine Weiterbildung speziell für Reiseleiter von Gästegruppen, die barrierefrei reisen. Weitsprung, ein mit dem goldenen Rollstuhl ausgezeichnetes Reisebüro in Marburg an der Lahn, zeigt praxisnah den künftigen Spezialisten für barrierefreies Reisen, dass Herausforderungen lösbar sind. Diese Tourbegleiter und Reiseleiter können nach der Schulung auf die besonderen Bedürfnisse der Reisegäste eingehen. Sie lernen, Situationen vorausschauend zu planen und sich in Menschen mit besonderen Bedürfnissen hineinzuversetzen. Reisen für alle: Dieser Gedanke wird beim Reiseleiter und Tour­ guide Verband e. V. gelebt. Der Verband bietet Guides vielfältige ­Qualifizierungen und Weiterbildungen, darunter ein einwöchiges Seminar zum Thema barrierefreies Reisen, welches mit einem IHK-­ Zertifikat und dem internationalen Ausweis TourGuide International abgeschlossen wird. Johannes Schinke, selbst Rollifahrer und ­geprüfter Reiseleiter für barrierefreies Reisen, war der erste Guide mit dieser Zusatzqualifikation und kann dies nun über den Sterneausweis des Verbandes dokumentieren. ­Unser Credo ist, dass es nicht reicht, wenn ein Gast zufrieden ist, nein, er muss den Reiseleiter und Tourguide auch mit ganzer Überzeugung weiterempfehlen können.


Meine Reisewelt: Interview . Seite 37 .

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Im Gespräch mit Timo Witt: Voneinander lernen, miteinander wachsen

Timo Witt, Embrace Vorstandsvorsitzender

Auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft ist ­Inklusion im Arbeitsleben wichtig. Damit die Inklusion am Arbeitsplatz funktionieren kann, sind Schulungen, Gespräche und Austausch wichtig. Seit 2016 bietet der Embrace Verbund ein wachsendes Angebot an ­Seminaren für die Mitgliedshäuser und auf Wunsch auch für andere Hotels an. Im Gespräch mit dem Vorsitzenden des Embrace Verbunds, Timo Witt, haben wir herausgefunden, wie die Idee der Seminare entstand, was das Besondere daran ist und welche Zukunftspläne es gibt. Die Veranstaltungen rund um Service, Housekeeping und Arbeitsprozesse drehen sich dabei um weit mehr als „nur“ um die Vermittlung von Fachwissen. Auf Seite 5 wird die Ausrichtung und Arbeit des Embrace Verbunds skizziert. (JM) Wie entstand die Idee, Seminare ins Programm der Embrace Hotels aufzunehmen? Ein wesentlicher Gedanke unseres Verbunds besteht seit jeher darin, einander zu helfen und miteinander zu wachsen. Von Beginn an teilen wir deshalb unser Know-how und die Erfahrungen aus eigener Praxis mit anderen. Davon sollten aber nicht nur jene profitieren, die gerade einen Integrationsbetrieb planen und sich erstmals mit den dazugehörigen Themen beschäftigen. Wir möchten, dass auch unsere erfah­renen Mitglieder einen zusätzlichen Mehrwert erfahren und deren Mitarbeiter wiederum gestärkt ihren Alltag ­bestreiten können.

Was ist das Besondere, wenn Mitarbeiter mit Behinderungen an diesen Veranstaltungen teilnehmen? Als wir im Herbst 2017 unsere ersten Seminare für Servicemitarbeiter angeboten haben, war besonders schön zu beobachten, wie stolz und begeisterungs­fähig die Teilnehmer waren. Wir sind mit einem Frühstücksseminar gestartet, in dem es um Themen wie Kaffeekunde, Tee und Eierspeisen ging. Die Mitarbeiter haben sich toll engagiert, mit anderen ausgetauscht und Dinge aktiv erarbeitet, das war super. Umso wichtiger ist es, ihnen konkrete Erlebnisse zu bieten, zum Beispiel etwas zum Anfassen, zum Fühlen, in leichter, bildhafter Sprache. Meine Erfahrung ist, dass insbesondere bei den Mitarbeiter-Seminaren die Abläufe gut geplant und auf deren Bedürfnisse abgestimmt sein müssen. Sind weitere Seminarthemen geplant, worauf kommt es künftig vor allem an? Oh ja, wir bauen dieses Angebot in jedem Fall weiter aus. Sowohl für unsere Mitglieder als auch für andere Unternehmen, die sich für Arbeitsprozesse in der Inklusionshotellerie interessieren. Wir wollen Menschen, die bei uns arbeiten, nicht nur beschäftigen, sondern sie weiterbilden und in unseren Betrieben aufbauen. Darüber hinaus möchten wir mit den Seminaren dem Fachkräftemangel in unserer Branche mit zusätzlicher Qualifikation und Know-how-Transfer etwas entgegensetzen. Das Interview wurde von Aina Keller geführt.


Meine Reisewelt: weltwärts . Seite 38 .

Ein Jahr in Ghana

Robin Lange, 21, ist von Kindheit an auf den Rollstuhl angewiesen. Mit seinen Eltern entdeckte er schon früh das Reisen – viele Kindheitserinnerungen verbindet er mit den traumhaften Stränden in der Karibik und der wunderschönen Landschaft der Toskana. Nach der Schule zog es ihn dann richtig in die Ferne, nach Ghana. Hier berichtet er über seine Erfahrungen vor Ort, aber auch über die Vorbereitung seines Auslandsaufenthaltes. Informationen zu Ghana Ghana liegt an der afrikanischen Westküste. Es ist etwa zwei Drittel so groß wie die Bundesrepublik Deutschland und hat 30 Millionen Einwohner. Amtssprache ist Englisch, ein Überbleibsel der Kolonialzeit, denn Ghana war bis 1947 britische Kolonie. Die Republik ist ein Vielvölkerstaat, neben Englisch existieren noch rund 40 weitere Sprachen und Dialekte. Ghana ist ein faszinierendes Land mit einer atemberaubenden Natur- und Tierwelt, die in zahlreichen Naturschutzgebieten erkundet werden kann. Die Hauptstadt Accra liegt an der Küste.

Ein Text von Robin Lange . Der eine oder andere kennt es vielleicht noch von seiner eigenen Schulzeit – ständig wird man von allen Seiten gefragt, wie es nach der Schule weitergehen soll und selbst findet man keine Antwort auf diese Frage. Viele wirre Ideen, die jeden Tag ein anderes Bild ergeben, schwirrten gegen Ende der elften Klasse in meinem Kopf. So war es auch, als ich mit unserer Berufskoordinatorin Frau Schütz ins Gespräch kam. Zu den Ideen, die ich damals noch als Traum vernachlässigte, gehörte ein Auslandsaufenthalt. Glasklar in diesem Traum war für mich allerdings eines: Ohne passende Aufgabe möchte ich nicht ins Ausland.

Burkina Faso Benin

Ghana Togo

Elfenbeinküste

Ghana

Ho

Kumasi

Lomé Accra

© freevectormaps.com

Volta Region

Mit Frau Schütz kamen wir über verschiedene mögliche Werdegänge ins Gespräch und ich erwähnte auch die vage Phantasie eines Auslandsaufenthalts. Erstaunt war ich über die Information, dass Freiwillige im Rahmen eines Programms mit dem Namen weltwärts für den Einsatz in Entwicklungsländern gesucht werden. Ich entschloss mich, dem Aufruf zu folgen, und man verwies mich an eine Organisation, die sich auf die Vermittlung von Menschen mit Behinderungen spezialisiert hat – ihr Name ist Behinderung und Entwicklungszusammenarbeit e. V., kurz bezev.

weltwärts ist das Richtige bezev kümmert sich darum, dass das staatlich ­geförderte Programm weltwärts auch von Menschen mit Behinderungen wahrgenommen werden kann. Ich selbst hatte bis dato weder von weltwärts noch von bezev etwas gehört. Mit jeder zusätzlichen Information wuchsen auch mein Interesse und die Überzeugung, dass das das Richtige für mich ist. Die wirren Ideen waren somit sortiert und ein Bild nahm Gestalt an. Nach meiner Bewerbung bekam ich eine grundsätzliche Zusage und ein wenig später bei einem Kennenlerntag auch eine Einsatzstelle: Ghana, bei Voice Ghana.


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Die Vorbereitung auf den Auslandsaufenthalt dauerte circa sechs Monate und wurde durch ein intensives Vorbereitungsseminar abgeschlossen. Wichtige Inhalte des Seminars waren Informationen zu tropischen Krankheiten, Stressbewältigung und Rassismus. Auch das Thema Leben mit Behinderung, fernab von Europa, war ein wichtiger Aspekt, damit ich mich mit einem guten Gefühl auf die Reise begeben konnte. Die Aus­ einandersetzung mit Rassismus war intensiver als beispielsweise im Geschichtsunterricht. Auf nach Ghana Schnell kam der Tag des Abflugs. Trotz meiner bisherigen Flugerfahrung war ich zugegebenermaßen dieses Mal extrem nervös. Ich hatte viel Gepäck, sehr viel Gepäck, da ich u. a. mein Handbike mitgenommen habe. Zudem war der Flug kein Direktflug. Das Abenteuer begann auch nicht alleine, sondern mit Mo. Sie nahm auch an weltwärts teil und wir hatten das gleiche Reiseziel. Wenn ich ehrlich bin, fand ich es zwar schön, nicht alleine zu starten, doch gleichzeitig wollte ich niemandem eine Last sein – das war mir ganz wichtig. Gewohnt habe ich in Ho, der Hauptstadt der Volta Region. Meinen Freiwilligendienst absolvierte ich im Büro von Voice Ghana, einer Selbstvertretungsorganisation von und für Menschen mit Behinderung. Ein Hauptanliegen von Voice Ghana ist, Menschen mit Behinderungen über ihre Rechte aufzuklären. Dazu organisiert der Verein Workshops, in denen über Themen wie gesellschaftliche Teilhabe gesprochen wird. Hin und wieder begleitete ich das sogenannte Field Team in die Dörfer der Volta Region. ­

Natürlich sorgte dies immer wieder für Aufsehen, wenn ich mit dem Rollstuhl aus dem Wagen stieg, da in Ghana Rollstühle, vor allem in der Qualität, wie wir sie in Deutschland kennen, nicht weit verbreitet sind. Es war nicht immer einfach für mich, mit dieser privilegierten Rolle umzugehen, da ich genau das nicht wollte. Einmal konnten mein Mitbewohner und ich dafür sorgen, dass ein Junge mit Behinderung das Fußballspiel seiner Mannschaft sehen konnte. Obwohl er Teammanager war, wurde er zuvor nie zum Fußballplatz mitgenommen, weil der Weg sehr schwer begehbar ist. Durch unseren Besuch stand er im Mittelpunkt und die Dorfbewohner halfen ihm dieses Mal, zum Fußballplatz zu kommen. Das war keine „Abenteuergeschichte“, in der wir zu Helden wurden, trotzdem war ich an diesem Tag sehr glücklich. Der Großteil meiner Arbeit bei ­Voice Ghana fand jedoch am Schreibtisch statt, wo ich u. a. Facebook und die Webseite betreute. Zusätzlich widmete ich mich der Auswertung von Daten aus Befragungen von Menschen mit Behinderung, beispielsweise über ihre Schul- und Berufsbildung, die für Studien des Vereins durchführt wurden. Die Aufgabe von Freiwilligen ist mit Sicherheit nicht, die Welt zu retten, aber meiner Erfahrung nach kann ein kleines bisschen Engagement viel Positives bewirken. Das ist eine schöne Erfahrung und eine tägliche Motivation. Neben der Arbeit blieb zum Glück genügend Zeit für Freizeit, Ausflüge und Reisen. Die längste Reise durch das Land war über 14 Tage während des Besuchs meiner Mut-

ter. Und nahezu jedes Wochenende sind mein Mitbewohner Frederik und ich losgezogen. Eine Landkarte als Inspiration Abends stöberten wir gemeinsam durch den Reiseführer, um den nächsten Trip zu planen. Zur Inspiration beigetragen hat eine große Karte des ganzen Landes, die genau neben meinem Schreibtisch im Büro hing. In ruhigen Minuten ertappte ich mich dabei, wie ich potenzielle Routenverläufe zeichnete. Da viele Ziele in Ghana nur mit einem Umstieg in Accra oder Kumasi erreichbar sind, wanderten meine Augen zunächst zu diesen Knotenpunkten und von dort aus weiter, zum Beispiel an der Küste entlang. Mit kleinen Bussen durchs ganze Land In Ghana gibt es viele verschiedene Mittel und Wege, sich fortzubewegen. Das Bussystem, mit Bussen, die erst losfahren, wenn genügend Reisende an Bord sind, ist für viele Ghanaer das Hauptverkehrsmittel zwischen den Städten. Die Fahrten sind meist abenteuerlich, da viele Verkehrsregeln, die in Deutschland beachtet werden, dort große Unbekannte sind. Auch wir sind mit kleinen Bussen durch das ganze Land gefahren. Für ein authentisches R ­ eiseerlebnis entschieden wir uns oft gegen die komfortablen VIP-Busse. Zugegebenermaßen war mein Rollstuhl nach zwölf Monaten mit unzähligen längeren und kürzeren Fahrten arg in ­Mitleidenschaft gezogen. Viele Busbahnhöfe sind gleichzeitig auch Märkte und viele Menschen kommen bis zu den Busfenstern, um Sachen zu verkaufen. Leckerer Reiseproviant waren Koliko, also Yam-Pommes, von denen wir nie genug bekamen.


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Meine Reisewelt: weltwärts

Yams sind Wurzel­knollen, die frittiert ähnlich wie Kartoffelpommes schmecken. Dank dieser „Bordverpflegung“ lernten wir auch immer wieder regionale Spezialitäten kennen. Ein Ziel, das wir uns lange vorgenommen hatten, war die von Ho aus rund anderthalb Stunden Fahrzeit entfernte Stadt Kpando. Als wir dort ankamen, herrschte aufgrund einer Beerdigung ein bemerkenswertes und reges Treiben. Beerdigungen werden in Ghana meist groß zelebriert, um die Toten gebührend zu ehren. Unser Ziel war der Hafen, wo uns ein Taxi hinbrachte. Wir besichtigten zunächst den Hafen. Aus zeitlichen Gründen konnten wir keine komplette Überfahrt über den Volta See machen. Andererseits wollten wir die Idee einer Bootsfahrt nicht gänzlich aufgeben, weswegen wir unser Glück bei den Fischern versuchten. Die netten Männer halfen mir ins Boot. Ich war noch nie mit so einem kleinen Holzmotorboot gefahren, auf dem man jede kleine Welle spürt. Das war ein tolles und spaßiges Erlebnis. 30 Minuten Trike fahren, Wind im Gesicht und Freiheit! Hoch oben im Norden des Landes, wo man rüber nach Burkina Faso blicken kann, gibt es die Möglichkeit, im Rahmen einer Wassersafari freilebende Flusspferde zu sehen. Dies blieb mir leider verwehrt, da ich zur Regenzeit da war. Der hohe Wasserstand bietet den Tieren die Chance, sich im Wasser zu verstecken. Trotzdem war auch dieser Ausflug ein unvergessliches Erlebnis, da die Anfahrt spektakulär war. Meine Begleiter und ich bestanden darauf, den Weg vom Dorf bis zum Fluss, wie es üblich war, mit einem Trike, also dreirädrigen Motorrad, zu bestreiten. Schlussendlich stand ich mit Rollstuhl auf der ­Ladefläche und wurde von den anderen festgehalten. 30 Minuten Trike fahren, Wind im Gesicht und Freiheit! Es ging tief rein in den Wald über Stock und Stein und alle paar Sekunden habe ich samt Rollstuhl einen kleinen Hopser gemacht. Viele hätten wahrscheinlich ein Taxi bevorzugt, aber wir wollten uns die Gaudi nicht entgehen lassen. Sehr beeindruckt haben mich auch die Nationalparks mit ihrer unberührten Natur. Wir hatten das Glück, mehrere Safaris machen zu können. Ein Reservat war ganz in unserer Nähe. Dort war es nicht so überlaufen. Durch einen Ranger geführt sahen wir Affen, Gazellen und Greifvögel. Der Mole Nationalpark Der Mole Nationalpark war hingegen deutlich überlaufen. Er ist eine der Hauptattraktionen des Landes

und verfügt über ein eigenes Motel, das allerdings im Eingangsbereich ein paar Stufen hat. Zum Glück war das Personal telefonisch erreichbar und sehr hilfsbereit und somit konnte ich diese Barriere überwinden. Neben dem Motel gibt es im Mole Nationalpark und seiner Umgebung noch weitere Unterkünfte wie das Sajuna Resort und verschiedene Guesthouses. Während der Tour durch den Park konnte ich auf dem Dach eines Jeeps sitzen und von dort aus das Treiben der Tiere wie Krokodile, Affen und Elefanten beobachten. Auf einer Fahrt haben uns ein paar der besagten Elefanten die Durchfahrt versperrt und es kam, wie es wohl kommen musste: Der Fahrer stieg aus und verscheuchte sie. Neben den Erlebnissen in der Natur entdeckten wir auch verschiedene Städte. Beeindruckend sind dort beispielsweise die Märkte mit ihren Gassen, die immer enger werden, sobald man sich von den Hauptstraßen entfernt. Kein besonders barrierefreies Erlebnis, aber auch keines, was ich mir hätte nehmen lassen wollen. In Ghana gibt es keine Supermärkte und somit wird alles auf dem Markt gekauft – Lebensmittel, Kleider, Stoffe, Alltagsbedarf und auch Möbel und Elektronik. Auf dem Markt werden auch „Fertiggerichte“ wie das Nationalgericht Fufu verkauft. Fufu ist im Prinzip ein Kloß, der aus Kochbananen und Yam oder wahlweise Kasawa hergestellt wird. Häufig sieht man Leute am Markt oder vor ihren Häusern sitzen, mit einem hölzernen Gefäß vor sich und einem großen Stab, mit dem sie den gekochten Yam und die Kochbananen zu einem klebrigen Brei stampfen. Das fertige Fufu wird dann in einer heißen Suppe oder Soße serviert. Traditionell wird es mit der Hand gegessen. Man reißt sich kleine Stücke des Fufu-Kloßes ab und tunkt diese in die Suppe. Ein Wochenende im Nachbarland Togo Unter den Freiwilligen waren wir gut vernetzt. Wir kannten in vielen Städten in der näheren und ferneren


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Umgebung andere Freiwillige. Das war sehr praktisch, so hatte man unter Umständen immer einen Schlafplatz oder konnte jemanden besuchen und sich ein bisschen herumführen lassen. Viele unserer deutschen Kontakte knüpften wir vor Ort auf der Straße und auf dem 5-tägigen Zwischenseminar, wo Freiwillige verschiedener Organisationen zum Austausch und zur Reflektion ihres Einsatzes zusammenkamen. Dort lernten wir beispielsweise Jan kennen, einen sehr ausgeglichenen und hilfsbereiten Typen. Das Besondere: Er leistete seinen weltwärts-Dienst nicht in Ghana, sondern in Togo. Wir beschlossen, ihn zu besuchen. Ich hatte schon viel über das Land gehört, da einige unserer ghanaischen Kollegen in Togo Verwandte hatten. Die heutigen Landesgrenzen wurden während der Kolonialherrschaft gezogen und sind somit keineswegs natürlich. In Togo sind die Einflüsse der französischen Kolonialherrschaft bis heute nicht nur in der Amtssprache, sondern beispielsweise auch in der Ernährung zu erkennen. Während des Togo-Wochenendes habe ich nur die Region rund um Kpalime gesehen. Als Rollstuhlfahrer muss ich leider sagen, dass die Suche nach einer geeigneten Unterkunft in Togo unter Umständen mühsam ist. Für mich hatte Jan vor unserem Aufenthalt bei jedem ihm bekannten Hotel in jeglicher Preiskategorie angefragt und trotzdem waren nicht nur Stufen, sondern auch zu enge Türen ein Problem. Die gemein­ same Zeit hat den Planungsaufwand jedoch wett gemacht. Es war ein glücklicher Zufall, dass genau zur gleichen Zeit eine Delegation von Studenten der Universität Lomé die Umgebung besichtigte. Jan kannte einen von ihnen und wir schlossen uns dem Trupp an. Wir machten Picknick vor einem Schloss, das zur Zeit der deutschen Kolonialherrschaft erbaut wurde, und bestaunten im Anschluss einen riesigen Wasserfall. Zurück in Deutschland Seit fünf Monaten bin ich zurück in Deutschland. Die Zeit in Ghana hat mich nachhaltig geprägt. Wenn ich zurückblicke, denke ich an die verschiedenen Erfahrungen mit Voice Ghana, an tolle Reisen und Ausflüge, sehr nette und hilfsbereite Menschen, gut gewürzte und scharfe Speisen, aber natürlich auch an starke soziale Ungleichheiten und an die Folgen des Kolonialismus in seinen multiplen Formen. Im Sinne eines wirklichen Austauschs finde ich es sehr schön, dass mich seit meiner Rückkehr bereits eine ghanaische Arbeitskollegin besucht hat, der ich nun meinerseits meine Heimatstadt Köln zeigen konnte.

Behinderung und Entwicklungszusammenarbeit e. V. (bezev) bezev unterstützt junge Menschen mit Beeinträchtigungen, die einen Bundesfreiwilligendienst im globalen Süden absolvieren möchten. Umfassende Beratung im Vorfeld soll ermöglichen, dass jede*r ein für sich geeignetes Projekt findet. bezev k­ ooperiert mit weltwärts, einem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst, der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Entwicklung gegründet wurde. Darüber hinaus ist das wichtigste Ziel von bezev, zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderung vor allem in Asien, Afrika und Latein­ amerika beizutragen. Aus Sicht des Vereins liegt die Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung bei allen Menschen, also auch der Menschen mit Behinderung. Entsprechend setzt sich bezev dafür ein, dass Menschen mit Behinderungen als Akteure in der Entwicklungszusammenarbeit tätig sein können. Die Kooperation mit dem Programm weltwärts ist Ausdruck dieses Engagements. Für weitere Informationen zu bezev www.bezev.de Stephanie Haase Tel. +49 (0) 201 294412-24 Allgemeine Informationen zu weltwärts: www.afs.de


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Meine Reisewelt: Ausblick . Seite 42 .

Löbau Haus Schminke © T. Franzen

Ausblick: Bauhaus-Jubiläum & Septemberausgabe Das Jahr 2019 steht ganz unter dem Zeichen des Bauhaus-Jubiläums, das mit einem vielseitigen und mehrtägigen Eröffnungsfestival in Berlin eingeläutet wurde. Das Bauhaus war eine dynamische Ideenschule und eine Bewegung, die im Bereich der Künste, Gestaltung, Architektur und Pädagogik experimentierte und neue Wege ging. 1919 gründete der Berliner Architekt Walter Gropius die Hochschule für Gestaltung in Weimar als Bauhaus. Studierende wurden interdisziplinär unterrichtet, der Umgang mit verschiedensten Werkmaterialien gelehrt. Bereits im Jahr 1925 zog das Bauhaus aufgrund politischer Finanzierungsprobleme nach Dessau. Im April 1933 beendete

der Nationalsozialismus die Bauhaus-Hochschule, die mittlerweile nach Berlin gezogen war. Die Ideen und die Dynamik wurden jedoch nicht ausgelöscht, da zahlreiche Künstler und Studierende im Ausland, insbesondere in den USA und im östlichen Mittelmeerraum, aber auch in Japan und Mexiko, neue Ideenwerkstätten gründeten. Nach 1945 blühte das Bauhaus in beiden deutschen Staaten wieder auf. Auch wenn das Bauhaus keine einheitliche Strömung ist, gibt es Merkmale wie Rationalität und Funktionalität sowie geometrische, klare und nüchterne Formen, die sich in verschiedenen Bauhaus-Bauten wiederfinden. Als ikonisch gilt zum Beispiel Haus Schminke in Löbau, das weltweit zu den vier wichtigsten Wohnhäusern der Klassischen Moderne zählt. Es wurde vom Bauhaus-Meister Hans Scharoun erbaut. Oder Haus Lemke in Berlin, das Mies van der Rohe für den Druckereibesitzer Karl Lemke entwarf. Nicht nur die Architektur, auch große Teile der Inneneinrichtung der Villa stammten von Mies van der Rohe und seiner Bauhaus-­ Kollegin Lilly Reich. Denn auch ­Alltagsgegenstände und ­Mobiliar

wurden nach Bauhaus-Kriterien entworfen. Die Wiege von Peter Keler oder das Tee- und Kaffee­ service von Marianne Brandt erlangten ebenso Kultstatus wie berühmte Bauhaus-Bauten. Anlässlich des Bauhaus-Jubiläums 2019 wird ein buntes Programm an Ausstellungen und Veranstaltungen geboten. Da ein Großteil der bedeutenden Ausstellungen erst im März und April in teilweise sanierten und renovierten Museen und Ausstellungsräumen beginnt, wird sich erst die zweite Ausgabe von .Meine Reisewelt. intensiv mit dem Bauhaus-Jubiläum und den Reiseinspirationen, die über das Jahr 2019 hinauswirken können, befassen. Wer sich vorab über das Jubiläumsprogramm informieren möchte, kann die Webseite www.bauhaus100.de nutzen – viele Informationen zum Thema Barrierefreiheit sind dort allerdings nicht hinterlegt. Welche barrierefreien Reiserouten und Entdeckungen geboten werden, werden wir Euch im September – passend für eine goldene Herbst- und Winterzeit im Museum – schildern. Natürlich wird auch die zweite Ausgabe – über das Baushaus-Thema hinaus – ein vielseitiges Reisemagazin sein. Liebe Leserin, lieber Leser, wenn Du uns sagst, welche Themen Dich besonders interes­ sieren, werden wir Deine Anregungen gerne berücksichtigen.


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Disclaimer Das Reisemagazin richtet sich vorrangig an geh-, sehbehinderte und blinde Menschen sowie an Rollstuhlfahrer. Die Merkmale der Barrierefreiheit beziehen sich, sofern nichts Weiteres vermerkt ist, auf Merkmale, die für diese Personengruppen relevant sind. Die DIN 18040-1/-2 werden als Richtmaß verwendet. Sofern das Reisemagazin zur Reiseplanung verwendet wird, ist der bzw. die Leser*in aufgefordert, individuell zu prüfen, ob das Reiseziel für die individuellen Ansprüche erreichbar, nutzbar und erlebbar ist. Für die hier dargebotenen Informationen besteht kein rechtlicher Anspruch auf Vollständigkeit, Aktualität und Richtigkeit, gleichwohl alle Informationen mit größter Sorgfalt bereitgestellt wurden.


Fraueninsel im Chiemsee

Bayern erleben – ohne Hindernisse!

Hohe Gipfel erklimmen, beeindruckende Panoramen genießen, unverfälschte Natur und bayerische Traditionen hautnah erleben – ein Aufenthalt in Bayern ermöglicht unbeschwerte Urlaubserlebnisse und jede Menge positive Erinnerungen, die bleiben.

Wer aufgrund körperlicher Einschränkungen oder benötigter Hilfsmittel im Urlaub vielerorts vor scheinbar unüberwindbaren Barrieren steht, findet im Urlaubsland Bayern ein ausgeprägtes Netz an Anbietern, die auf die individuellen Bedürfnisse eingehen und ein unvergessliches Urlaubserlebnis ohne Hindernisse ermöglichen. In Bayern haben bisher mehr als 500 Ausflugsziele, Orte und sogar ganze Regionen ihr Angebot nach dem System „Reisen für Alle“ auf Barrierefreiheit überprüfen lassen. Gäste mit eingeschränkter Beweglichkeit oder anderen Handicaps, junge Familien mit Kleinkindern sowie komfortliebende Menschen finden unter einer Vielzahl von auf Barrierefreiheit geprüften und zertifizierten Angeboten und Urlaubserlebnissen, die für sie optimalen Bedingungen. So lässt sich der Urlaub im Vorfeld optimal planen und ohne böse Überraschungen in vollen Zügen genießen.

© Fotolia – Jo Graetz

― Nähere Infos und eine kostenfreie Broschüre mit weiteren Urlaubserlebnissen für Alle unter

www.bayern.by/urlaub-fuer-alle ―


Impressum Herausgeberin & Chefredaktuerin Tourismusberatung Barrierefreiheit PLUS Komfort Julia Marmulla Herzogstraße 12 D-40217 Düsseldorf www.b-plus-k.com Autoren dieser Ausgabe Lea Voitel, André Nowak, Heinz-Jürgen Nees, Robin Lange, Aina Keller, Julia Marmulla V.i.S.d.P. Lektorinnen Heike Billhardt-Precht Susanne Schaffer Grafik & Layout wertvoll. GmbH www.wertvoll.co Produktion/Druck Bernd Reinkens www.gelbplus.de Auflage: 2.000 Printexemplare Mediadaten können bei der Herausgeberin angefragt werden: Julia Marmulla j.marmulla@b-plus-k.com © Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung der Herausgeberin.


Fraueninsel im Chiemsee

Bayern erleben – ohne Hindernisse!

„Wir lieben es alle, in Zeitschriften zu blätaufgrund körperlicher Einschränkuntern,Weruns inspi­ rieren zu gen oder benötigter Hilfsmittel im Urlaub lassen und uns dabei vielerorts vor scheinbar unüberwindBarrieren steht, findet im Urlaubsvon baren ­neuen ­Reisezielen land Bayern ein ausgeprägtes Netz an zu überzeugen.“ Anbietern, die auf die individuellen Bedürfnisse eingehen und ein unvergess-

liches Urlaubserlebnis ohne Hindernisse Julia Marmulla ermöglichen. Herausgeberin & Chefredakteurin In Bayern haben bisher mehr als 500 Ausflugsziele, Orte und sogar ganze Regionen ihr Angebot nach dem System „Reisen für Alle“ auf Barrierefreiheit überprüfen lassen. Gäste mit eingeschränkter Beweglichkeit oder anderen Handicaps, junge Familien mit Kleinkindern sowie komfortliebende Menschen finden unter einer Vielzahl von auf Barrierefreiheit geprüften und zertifizierten Angeboten und Urlaubserlebnissen, die für sie optimalen Bedingungen. So lässt sich der Urlaub im Vorfeld optimal planen und ohne böse Überraschungen in vollen Zügen genießen.

Wie wäre es z. B. mit dem Chiemsee in Bayern?

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