{' '} {' '}
Limited time offer
SAVE % on your upgrade.

Page 1

Mit dem Rolli nach Amsterdam „Also Koffer packen und los geht’s, denn die Welt wartet nicht“, sagt Bloggerin Lea.  Seite 18

Der Traum vom ­mobilen Leben Entdecke die barrierefreien HRZ-Reisemobile!  Seite 29

Ski- und Winterspaß Den Winter in vollen Zügen ­genießen.  Seite 31

Bali – Insel der Götter Traumhafte Strände, abenteuer­ liche Ausflüge und exotische Spezialitäten.  Seite 41

Ausgabe #2 | September 2019 www.b-plus-k.com > Reisemagazin Preis: 5,40 € ISSN 2627-8359


Portal der Industriekultur Ein interaktiver und inklusiver Rundgang auf dem UNESCO-­ Welterbe Zollverein in Essen Die Zeche Zollverein setzt Vergangenheit, Gegenwart und ­Zukunft in Szene. Neben zahlreichen multi­medialen Angeboten und Original­objekten präsentieren taktile Halbreliefs Kernobjekte und Meilensteine der Industrie im Revier. Ganz unterschiedliche Objekte können mit den Händen erkundet werden, darunter Reproduktionen von Kohle und Koks und eine Dampflock mit unterschiedlich großen Rädern.  Seite 39


© Fotos von u. a.: Thüringer Tourismus GmbH/Meeta K. Wolff, J NYC & Company/Julienne Schaer, Tactile Studio, Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH/Jürgen Blume, B-Plus-K/Xiomara Bender


ANZEIGE


Meine Reisewelt: Editorial . Seite 3 .

Liebe Leserin, lieber Leser, leuchtendes Herbstlaub und milde Luft, ­märchenhafte Winterlandschaften und klirrende Kälte, dann wieder Blütenpracht mit sanfter Frühlingsluft. Wie es auch schon das Kinderlied erzählt: Die Jahresuhr steht nie­ mals still. Und wir natürlich auch nicht. So haben wir auch dieses Mal eine ganze Reihe von tollen Destinationen und Erlebnissen aufgespürt. .Meine Reisewelt. nimmt Dich mit nach Bayreuth und Bali, nach Weimar und Wien. In Bayreuth wartet eine wunderbare Jugendherberge auf Dich und Bali empfängt Dich mit seiner ganzen Exotik. Weimar ist die Wiege des Staatlichen Bauhauses, das dieses Jahr seinen 100. Geburtstag feiert, und wir laden Dich ein, mitzufeiern. In Wien findest Du das Belvedere-­ Museum, das Kunst zum Sehen und Tasten zeigt.

Herausgeberin .Meine Reisewelt. Julia Marmulla (rechts) und Rollibloggerin Laura Gehlhaar (links) in Erfurt

Meine persönlichen Highlights bei den Reisen und ­Recherchen für diese Ausgabe waren zum einen die Reise nach Erfurt und Weimar mit Laura Gehlhaar, die sich als Bloggerin und Aktivistin für Barrierefreiheit und Inklusion einsetzt. Zum anderen fand ich es ­spannend, Victor Calise zu interviewen, den Behinderten-Beauftragten von New York. Seine Stadt soll zur ­barrierefreisten Metropole der Welt werden. Das ist doch mal eine Ansage! Beide sind übrigens selbst ­passionierte Reisende.

Wir wünschen Dir tolle Herbst- und Winterreisen! Wenn wir Dich zum Reisen inspirieren konnten und Du unseren Tipps gefolgt bist, lass es uns wissen. Über Feedback, ganz gleich, ob als Postkarte aus Papier oder auf elektronischem Weg, freuen wir uns schon jetzt.

Reisetipps für Amsterdam gibt es von Rollibloggerin Lea Voitel, und Hotelleiterin Helga Butendeich erzählt, wann Regensburg sein erstes Inklusionshotel bekommt. Das und vieles mehr findest Du auf den nächsten Seiten.

Herausgeberin und Chefredakteurin j.marmulla@b-plus-k.com .

Reisemagazin .Meine Reisewelt. la Frau Julia Marmul Postfach 20 01 28 f 40099 Düsseldor

Viel Spaß beim Lesen und Reisen wünscht


Meine Reisewelt: Inhaltsverzeichnis . Seite 4 .

© (6) Xiomara Bender, (15) Julienne Schaer, (24) Uta Kellermann, Johannes Kern, Daniela Lindl, (32) Dietmar Denger, (41) Unsplash

4

6 31 15

24

Inhalt . 100 Jahre Bauhaus in Erfurt und Weimar Vorstellung einer Destination

. Seite 6

41

.

Reisetipps für Erfurt und Weimar Reiseplanung

. Seite 10

Der Traum vom mobilen Leben Aus der Werkstatt

. Seite 28

Highlights des Bauhaus-Jubiläums Bauhaus-Jubiläum

. Seite 12

Voice of Embrace Mitarbeiterstimmen

. Seite 30

New York – Central Park Interview

. Seite 15

Ski- und Winterspaß Im Winter

. Seite 31

Die Welt wartet nicht! Holland – Amsterdam

. Seite 18

Eine besondere Tagung in Berlin ABiD-Kongress

. Seite 34

Barrierefreie Urlaubswelten Reiseplanung

. Seite 20

Embrace Hotels in Berlin Übernachten in der Bundeshauptstadt

. Seite 36

Jugendherberge Bayreuth Hotelporträt

. Seite 22

Taktile Ausstellungen Komfort für Alle

. Seite 37

Ruhe finden Irmengard-Hof

. Seite 24

Insel der Götter Indonesien – Bali

. Seite 41

Im Gespräch mit Helga Butendeich Interview

. Seite 26

Komm uns besuchen Messetermine

. Seite 46

Reisen & Kultur

.

.

.

.

.

.

.

Reisen & Erholung

.

Reisen & Pflege

.

.

.

.

.

.

.

.


Meine Reisewelt: Kooperationen . Seite 5 .

5

Kooperationen Speech Code

Verbund der Embrace Hotels Als Gast willkommen – als Mensch erwünscht. Dafür steht der Verbund der Embrace Hotels. Im Verbund haben sich mehr als 40 Hotels aus Deutschland und Europa zusammengeschlossen. Die Inklusion von Menschen mit Behinderungen und das barrierefreie Reisen sind die wichtigsten Anliegen des Verbunds. Der Embrace Verbund ist auch der einzige Hotelverbund, dessen Häuser geschlossen nach Reisen für Alle zertifiziert sind und der damit mittels einer geprüften Qualität eine aussagekräftige Entscheidungshilfe anbietet – verlässlich, detailliert und transparent. Im Magazin stellen wir Hotels und ­Mitarbeiter vor.

Im Reisemagazin findest Du jeweils am Anfang eines Artikels, auf der ersten Artikelseite, einen Speech Code (rechts oder links unten). Die farbigen Datencodes ­können ­mittels einer App von einem Smartphone direkt g ­ escannt und decodiert w ­ erden. Sie funktionieren ein bisschen wie die w ­ eitverbreiteten QR-Codes. Dank der Speech Codes und mittels einer Text-to-SpeechSoftware werden Texte hörbar gemacht. Kurz gesagt: Du kannst Dir die Texte vorlesen lassen! Im Rahmen des Reisemagazins wird Speech Code vorrangig für b ­ linde und sehbehinderte ­Menschen bereitgestellt, die es gewohnt sind, maschinelle Texte zu hören. Speech Code ist keine Studioaufnahme.

Mehr Informationen findest Du auch auf der Website des Verbunds: www.embrace-hotels.eu.

Tactile Studio Tactile Studio entwirft und realisiert Tastobjekte, die für eine größtmögliche Anzahl von Besuchern einen Mehrwert darstellen. Dadurch werden Ausstellungen inklusiver. Ob für blinde und sehbehinderte ­Menschen, Kinder, Senioren, Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen oder Menschen aus bildungsfernen Familien, für alle gilt: Durch Anfassen und Ertasten der taktilen Ausstellungselemente werden Kunstwerke, Architektur, die Pflanzen- und Tierwelt, technische Errungenschaften und vieles mehr erfahrbar und begreifbar. Im Reisemagazin stellen wir fünf Museen vor, in denen Du Tastobjekte und multisensorielle Stationen von Tactile Studio findest und eine Menge Spaß haben wirst.

In 3 Schritten starten: 1. Kostenfreie „Speech-Code-App“ herunterladen und installieren (iOS/Android). 2. Die App öffnen und Speech Code einfach und intuitiv scannen. 3. Sobald der Speech Code eingescannt ist, einfach ­zuhören und entspannen. Hinweis: Bei starken Reflexionen das Blitzlicht in der App ausschalten.


6

Meine Reisewelt: Vorstellung einer Destination . Seite 6 .

Reisen & Kultur

100 Jahre Bauhaus in Erfurt und Weimar – barrierefreie ­Entdeckungstour Ein Text von Julia Marmulla

Laura mit ihrer Assistenz und Freundin Katharina Ossen im Zug nach Erfurt.

Anfang Juni haben Laura Gehlhaar und ich die Städte Erfurt und Weimar besucht. Gestartet sind wir – mit einem ICE der Deutschen Bahn – in Berlin. Nach einer problemlosen Anmeldung bei der Mobilitätszentrale und einer zweistündigen, kurzweiligen Fahrt sind wir rasch in Erfurt angekommen und wurden sogleich von unserer Stadtführerin in Empfang genommen. Die Krämerbrücke und der Erfurter Dom nahmen vor unseren Augen Gestalt an. Die Krämerbrücke ist nur eine der 34 historischen Brücken der Stadt. Sie ist die einzige bebaute und bewohnte Brücke nördlich der Alpen und sie schenkt Künstlern und Handwerkern Raum für kleine Geschäfte und Ateliers. Der Erfurter Dom und die St.-Severi-Kirche sind deutschlandweit bekannt, u. a. weil sie den Domstufen-Festspielen und dem Weihnachtsmarkt als herrliche Kulisse dienen. Was Erfurt allerdings wirklich ausmacht, sind verschiedenste

Laura Gehlhaar vor der Krämerbrücke in Erfurt.

­ rchitekturstile auf engem Raum –­ A hier Fachwerk, da Jugendstil, dort Bauhaus. Ein hervorragender Ort, der die verschiedenen Stile v­ ereint, ist der Platz am Angerbrunnen. Und auch der Bronzebrunnen selbst ist natürlich ein Meisterwerk. Haus Dacheröden (Anger 37) mit einer Bau- und Nutzungstradition, die bis ins 14. Jahrhundert reicht, flankiert die eine Seite des Platzes und erscheint in einem bunten Mix aus Baustilen. Zwei Häuser weiter (Neuwerkstraße 2) befindet sich das Schnellhornhaus – in einem Stil, der heute ü ­ blicherweise als Bauhaus bezeichnet wird. Auf der gegenüberliegenden Seite ragt die St.-Wigberti-Kirche mit ihrem spätgotischen Kirchenschiff in den Himmel. Dazwischen ein ­Renaissancebau mit gelb-grünen Verzierungen und schönen Erkern. Auf unserem Architektur- und Bauhaus-Spaziergang streiften wir auch das Haus des Deutschen Handlungsgehilfen-Verbandes ­(Anger 81), das heutige AOK-­ Gebäude (Augustinerstraße 38) sowie die Geschichten rund um


Meine Reisewelt: Vorstellung einer Destination . Seite 7 .

7

Laura Gehlhaar ist ­Bloggerin, Autorin, ­Aktivistin und Coach. In ihrem Blog greift sie Themen wie ­Inklusion, ­die Großstadt und ­Reiseerlebnisse auf. Zum Blog: www.lauragehlhaar.com

stehen sich die ehemalige Kunstgewerbeschule und die Hochschule für Bildende Kunst, die unter Walter Gropius zum Staatlichen Bauhaus vereint wurden, gegenüber. Das erhaltene Arbeitszimmer von W ­ alter Gropius verleiht Einblicke in eine perfekte Welt aus ­Symmetrie und Funktionalität. Aber nicht nur an diesem historischen Ort kann der Ursprung des Bauhauses v­ erfolgt werden. Auch das Neue Museum Weimar und das Bauhaus-Museum Weimar weisen auf einzigartige Zeugnisse der Bauhaus-Kultur und deren ­Entstehungsgeschichte hin. Laura, Katharina und Julia bei der Stadtführung in Erfurt.

Margaretha Reichardt, eine der erfolgreichsten Bauhaus-Textilgestalterinnen. Margaretha Reichardt absolvierte ihre Handwerker- und Kunstgewerbeschulausbildung in Erfurt, bevor sie sich am Bauhaus in Dessau weiterbildete und auf die Weberei spezialisierte. Zurück in Erfurt gründete sie 1933 die Handweberei Grete Reichardt. Unsere Stadtführung war rollstuhlfahrerfreundlich ausgestaltet. In der Erfurter Innenstadt gibt es so gut wie keine ­Steigungen, die Bordsteine sind abgeflacht und ­Treppen können über Rampen umfahren werden. Nur das Kopfsteinpflaster war an der einen oder anderen Stelle etwas holprig. Während man in Erfurt sehen kann, wie einzelne Gebäude im Bauhaus-Stil im gesamten Erscheinungsbild der Stadt verschmelzen, kann man in Weimar die Entstehung des Bauhauses gut nachvollziehen. Auf dem noch heute genutzten Universitätsgelände

Im Neuen Museum geht es vor allem um die V ­ orreiter und -denker des Bauhauses. Eine Persönlichkeit von zentraler Bedeutung ist Henry van de Velde, der die Kunstgewerbeschule (bzw. zunächst das ­kunstgewerbliche Seminar) gründete.

Museumsführung mit einer Bauhaus-Agentin im Neuen Museum Weimar.


8

Meine Reisewelt: Vorstellung einer Destination . Seite 8 .

und platzeffizientes Baukastensystem entstanden. Ebenfalls im zweiten OG wird die Bauhaus-Bühne als Kreativitätszentrum thematisiert. Sie ist spielerisch und interaktiv erfahrbar.

Interaktive Station im Neuen Museum. Auch im Bild zu s­ ehen sind Sylvia Engel und Kristin Behlert von der Thüringen ­Tourismus GmbH.

Hier fand sowohl eine künstlerische als auch eine handwerkliche Ausbildung statt – also ganz im Sinne der späteren Bauhaus-­Ausrichtung. Mit den Irrungen und ­Wirrungen des E ­ rsten Weltkriegs musste Henry van de Velde als ­Belgier Weimar, die Kunstgewerbeschule und die Kunsthochschule verlassen. Erfolgreich schlug er Walter Gropius als seinen Nachfolger als Direktor der Kunsthochschule vor. Das Neue Museum zeigt mit Bildern von Max Beckmann, Claude Monet und Ludwig von Hofmann und Mobiliar von van de Velde ­erstklassige Kunstobjekte. Besonders beeindruckend ist das impressionistische Werk „Badende Frauen“ von Théo van Rysselberghe.

Im dritten Obergeschoss fühlt man sich ein bisschen wie bei Ikea. Unzählige Möbelstücke und Gebrauchsgegenstände, die uns Betrachtern so nah sind und zwar nicht nur räumlich, sondern auch in ihren ­Formen. Viele der Formen, die im Rahmen des Bauhauses entstanden sind, findet man heute noch in unseren Alltagsgegenständen. Das Bauhaus hat zahlreiche Design­ikonen hervorgebracht – so viel steht fest. Im dritten OG werden die drei Bauhaus-Direktoren Walter Gropius, Mies van der Rohe und Hannes Meyer vorgestellt. Es geht um Politik, ums Scheitern und um das, was bleibt. Beide Museen waren für uns gut zugänglich. Beim ­Neuen Museum haben wir den Hintereingang und einen Aufzug genutzt. Schön an beiden Museen ist, dass viele Exponate uneingeschränkt sowohl im Stehen als auch im Sitzen einsehbar sind. Für geh­behinderte Menschen bietet das Neue Museum in vielen

Nur wenige Meter vom Neuen Museum befindet sich das erst im April 2019 eröffnete B ­ auhaus-Museum. Es ist eine objektzentrierte Ausstellung, die nicht chronologisch verläuft, sondern die einzelne ­Disziplinen, Werkstätten und Persönlichkeiten des Bauhauses beleuchtet – es geht um Architektur, Mobiliar, ­Gebrauchsgegenstände und Tanz. Mit der Ausstellungs­leitfrage „Wie wollen wir zusammen leben?“ wird die Ausstellung der politischen und gesellschafts­kritischen Dimension des Bauhauses gerecht. Im ersten Obergeschoss stehen „Der Neue Mensch“ als Topos der 1920er-Jahre und die Bauhaus-Pädagogik im Mittelpunkt. Es geht um unterschiedliche Menschenbilder – wie expressionistisch, reformbewegt, konstruktivistisch und mechanisch – und um die Frage, was eine künstlerische Schulung ausmacht. Im zweiten Obergeschoss gewannen wir Einblicke in einen Alltag, der mehr und mehr von Überlegungen über Funktionalität und Rationalität geprägt war – anschaulich wird das beispielsweise bei Küchen und Aufbewahrungssystemen, die zunehmend als praktisches

Laura, Katharina, Sylvia und ich unter der netzartigen Installation mit wabenförmigen „Wolkenclustern“ im Eingangsbereich des Bauhaus-Museums Weimar, © Fotos: Xiomara Bender/B-Plus-K (alle Bilder von Seite 6–8)


Meine Reisewelt: Vorstellung einer Destination . Seite 9 .

­ usstellungsräumen nachgebaute A historische Sitzgelegenheiten. D ­ as Bauhaus-Museum ist schwellenlos zugänglich und über einen Aufzug werden alle Geschosse erreicht. Die steile Treppe ist nur trittsicheren Menschen zu empfehlen. Nach dem Besuch des Bauhaus-­ Museums hat unser Weimar-­ Besuch ­mit einer kleinen Stadtführung geendet. Insbesondere das Deutsche Nationaltheater und das auf dem Theaterplatz stehende Goethe-­Schiller-Denkmal sollte man in dieser geschichtsträchtigen Stadt gesehen haben. In Weimar sind Geschichte und die damit verbundenen Persönlichkeiten allgegenwärtig und stehen in enger Wechselwirkung mit der Stadt. Genannt haben wir bereits Gropius, angedeutet haben wir Goethe und

Schiller, aber auch die Herzogin Anna Amalia, Charlotte von Stein oder Maria Pawlowna nahmen Einfluss auf die Entwicklung der Stadt und ihre Kulturzeugnisse. Wegen Persönlichkeiten wie ihnen war Weimar stets ein Ort, der damals wie heute Kenner und Interessierte begeistert. Unsere Rückfahrt, mit einem rollstuhlgerechten Abellio-Regionalzug nach Erfurt und dann mit dem ICE nach Berlin, ist ebenso zügig, pünktlich und problemfrei verlaufen wie die Hinfahrt. Wer einen guten ersten Eindruck der beiden Städte gewinnen m ­ öchte, sollte pro Stadt mindestens 1,5 Tage einplanen und sich die Gaumenfreuden der Thüringer Küche nicht entgehen lassen!

Das Goethe-Schiller-Denkmal vor dem Theater in Weimar, © Foto: Weimar GmbH, Guido Werner

Hotel Am Kaisersaal Altstadthotel in der Erfurter City Das Hotel Am Kaisersaal liegt ­direkt im historischen Stadtzentrum von Erfurt, nur wenige Schritte entfernt von der bekannten Krämerbrücke, vom Wenigemarkt und dem Fischmarkt mit dem Erfurter Rathaus. Zum berühmten Erfurter Domplatz mit Dom und Severi und zum Anger, der größten Einkaufsmeile in belebter Atmosphäre, sind es nur ca. fünf Gehminuten. Hier findest Du eine große Auswahl an Restaurants, Bistros, Straßencafés und Einkaufsmöglichkeiten in nächster Nähe. Erfurt – eine Stadt mit vielen kleinen Kostbarkeiten und sehr netten Menschen. Dein Hotel gegenüber dem historischen

9

Kaisersaal inmitten der Altstadt passt da wunderbar. Nach den Kriterien der bundesweiten Kennzeichnung Reisen für Alle wurde unser Betrieb eingestuft und trägt die Auszeichnung B ­ arrierefreiheit geprüft. In drei speziell ausgestatteten Hotelzimmern findest Du neben ausreichend Bewegungs­ fläche auch einen Kleiderlift. Im Bad erwarten Dich ein höhenverstellbarer Duschsitz sowie eine bewegliche Duscharmatur. Im ­Toilettenbereich sind klappbare Haltegriffe angebracht. Im gesamten Hotel ist ein freies Bewegen ohne Einschränkung möglich. Bereits in der Tiefgarage erwarten Dich ausgewiesene Parkplätze. Sei uns herzlich willkommen!

Hotel Am Kaisersaal Bachmann & Söhne GbR Futterstraße 8 | 99084 Erfurt Tel. +49 (0) 361 65 85 60 Fax +49 (0) 361 65 85 666 info@hotel-am-kaisersaal.de www.hotel-am-kaisersaal.de


10

Meine Reisewelt: Reiseplanung . Seite 10 .

Gute Reisetipps für Erfurt und Weimar ar

rt und ­Weim

ach Erfu Eine Reise n planen

us GmbH ringer Tourism ü h T er d ei B ĉ ĉ formationen e nützliche In el vi u D t es d fin lt in Erfurt, en Aufentha kt fe er p en n für ei en: ganz Thüring Weimar und tdecken.de ueringen-en h .t ei fr re ie rr ba ele Orte nach ringen sind vi ü h T in ch u A ĉĉ rientiere zertifiziert. O e ll A r fü n se ailinforRei rammen, Det g to ik P en d Dich an s: d an den Foto mationen un Barriere> e -alle.d er u -f n se ei .r esland: www en > Bund d n fi te o eb g freie An Thüringen

eit für Barrierefreih Umfängliche e Menschen rer und blind ­Rollstuhlfah

Wie wär’s mit einer Übernachtung im Best Western Plus Hotel Excelsior? Dieses 4-Sterne-Hotel befindet sich in hervorragender Lage zwischen dem Hauptbahnhof, Stadtzentrum und der Fußgänger­­zone Anger. Es ist ein Hotel zum Wohlfühlen mit einem Hauch von Luxus. Da das Hotel eine gute, aber eben nicht perfekte Barrierefreiheit bietet, werden Rollstuhlfahrer, die nicht allein unterwegs sind, sehr gut zurechtkommen. Detail­ informationen findest Du auf der Homepage www.thueringen-entdecken.de! Bahnhofstraße 35 | 99084 Erfurt Tel. +49 (0) 361 56 700 info@excelsior.bestwestern.de www.bestwestern.de

ÖPNV und Züge ĉĉ An mehr als 400 Haltestellen in Erfurt sind Niederflurfahrzeuge und angepasste Bahnsteige vorhanden. Auf der Website der Stadtwerke Erfurt findest Du einen Linienplan der Niederflurhaltestellen: www.stadtwerke-erfurt.de > Stadtbahn & Bus > Service > Barrierefreiheit ĉĉ Auf der Strecke Erfurt–Weimar verkehren Züge der Abellio Rail Mitteldeutschland GmbH, die mit einer Rampe und Rolliplätzen ausgestattet sind.

Führ ungen und Stad tinformationen vor Or t Erfurt Tourismus und M arketing GmbH Benediktsplatz 1 | 9908 4 Erfurt Tel. +49 (0) 361 66 40 0 service@erfurt-tourismu s.de www.erfurt-tourismus.d e Tourist Information W eimar Markt 10 | 99423 Weim ar Tel. +49 (0) 3643 74 50 tourist-info@weimar.de www.weimar.de Weitere Informationen zu Erfurt, u. a. zu öffentlichen WCs und Re staurants, findest Du bei Travelabel: www. travelable.info/ touren/erfurt In Weimar findest Du an diesen Orten rollstuhlfahrerfreundlic he Restaurants (inkl. Rolli-WCs): ĉĉ Frauentorstraße 17: Versilia (italienisch) ĉĉ Goetheplatz 2: Best We stern Premier Grand Hotel Ru ssischer Hof ĉĉ Beethovenplatz 1–2: Dorint Am ­Goethepark ĉĉ Geleitstraße 8–12: Hotel Anna Amalia ĉĉ Carl-August-Allee 17 : Hotel Kaiserin Augusta


Meine Reisewelt: Reiseplanung . Seite 11 .

Wie wär

11

’s mit ein

Du bist in Erfurt und möchtest ­Informationen zu ganz Thüringen?

em Mus eumsbe

such? Angermu seum Erfu rt – Kunstmu seum der L andesha Anger 18 uptstadt | 99084 Erfurt Tel. +49 (0 ) 361 65 51 651 angermu seum@er fu rt.de www.kun stmusee n.erfurt.d e Das Mus eum ist fü r Rollstu zugängli hlfahrer ch und n gut a ch Reisen ­zertifizie für Alle rt.

Dann besuche den Info-Point 360Grad Thüringen Digital Entdecken und fliege dank einer VR-Brille über das Land! 360Grad Thüringen Digital Entdecken Willy-Brandt-Platz 1 | 99084 Erfurt Tel. +49 (0) 361 37 420 service@thueringen-entdecken.de 360grad.thueringen-entdecken.de Hier erhältst Du auch die ThüringenCard, die freien Eintritt zu mehr als 200 Ausflugs­ zielen und Sehenswürdigkeiten ermöglicht. Im Preis inklusive ist ein MARCO POLO Reiseführer, der neben touristischen Informationen auch Barrierefreiheit-Infos enthält.

ANZEIGE

Klassik Stiftung ­ Weimar 100 Jahre Bauhaus: ein inklusives Jubiläum! Die Klassik Stiftung Weimar hat sich zum Ziel gesetzt, die Geschichte Weimars und die Bauhaus-Ideen inklusiv zu präsentieren, und greift dabei auf Tastmodelle zurück. Sie sind im Neuen Museum, im Bauhaus-Museum und im Haus Am Horn zu finden. Du entdeckst u. a. verschiedene Architekturmodelle wie das Jugendstil-Haus Hohe Pappeln des belgischen Bauhaus-Vordenkers und Architekten Henry van de Velde, aber auch die taktile Fassade des berühmten Nationaltheaters in Weimar, eine taktile Erinnerungstafel zur Weimarer Republik und die Designikone Wagenfeld-Lampe zum Anfassen. Umfängliche Informationen über Museen, Ausstellungen und zum Thema Barrierefreiheit findest Du auf der Website der Klassik Stiftung: www.klassik-stiftung.de. Die Tastmodelle wurden von der Firma Tactile Studio konzipiert und produziert. Mehr Informationen zu taktilen Ausstellungen findest Du auf den Seiten 37–40.


12

Meine Reisewelt: Bauhaus-Jubiläum . Seite 12 .

In ganz Deutschland Die Website www.bauhaus100.de ist der Lotse für viele Kulturveranstaltungen – auch Tanz, Theater und Führungen im öffent­lichen Raum. Die Bauhaus Agenten der Initiative bauhaus100 haben sich mit der Frage beschäftigt, welche Orte barrierefrei sind. Wenn Du auf der Website im Hauptmenü unter „Programm“ einzelne Programmangebote auswählst, bekommst Du in den meisten Fällen erste Angaben zur Barriere­freiheit vor Ort.

Reisen & Kultur

Highlights des Bauhaus-Jubiläums Das Bauhaus hat nicht nur in Weimar, wo es gegründet wurde, S ­ puren hinterlassen, sondern deutschlandweit. Museumsneueröffnungen, Sonderausstellungen und weitere kulturelle Veranstaltungen werden zum 100. Geburtstag des Bauhauses geboten.

Peter-Behrens-Bau in Oberhausen, © Foto: Tourismus NRW

nützlich & schön – Produkt­ design von 1920 bis 1940 (19.5.2019 – 23.2.2020) In schaufensterartigen Vitrinen zeigt die kleine, aber feine Sonder­ ausstellung im Peter-­Behrens-Bau in Oberhausen die schöne und funktionale Warenwelt der Zwanziger- und Dreißigerjahre. Ob Bademode, Spielzeug, Möbel

oder das Nirosta-Serviergeschirr – die Bauhaus- und Design-Ausstellung ist eine Rundumschau der Alltagskultur und -mode. Der Peter-Behrens-Bau verfügt über einen großzügigen Parkplatz, eine Rampe zum Eingang und ein teilweise rollstuhlgerechtes WC (schwere Schiebetür, nicht optimale Stützklappgriffe). Alle wesentlichen Türen und Durchgänge sind mindestens 90 cm breit. Bis auf fünf Pulte mit Werkmaterialien ist die Sonderausstellung im Sitzen gut einsehbar. In die Dauerausstellung fährt ein geräumiger Industrieaufzug. LVR-Industriemuseum Peter-Behrens-Bau Essener Straße 80 46047 Oberhausen Tel. +49 (0) 2234 99 21 555 info@kulturinfo-rheinland.de www.industriemuseum.lvr.de

original bauhaus – die Sonderausstellung der Berlinischen Galerie (6.9.2019 – 27.1.2020) 14 Schlüsselobjekte und 14 Fallgeschichten – das ist das erfrischen­de Konzept der Berlinischen Galerie zum Thema Bauhaus. Es geht um Unikate, Serien, Originale und ­Remakes und um das, was wir ­heute noch sehen, nutzen und ­fühlen. Am 27. Oktober 2019 und 11. Januar 2020 wird es Tastführungen für blinde und sehbehinderte Gäste mit dem Titel „Der Dialog von Konstruktion und Phantasie“ geben. Bei diesen Führungen sind Tastobjekte, Hörbeispiele und taktile Experimente integriert. Die Sonderausstellung entwickelt sich im Erdgeschoss der Berlinischen Galerie. Das Museum ist stufenlos zugänglich, mit Automatiktüren ausgestattet, es bietet große Bewegungsflächen (mind. 1,5 × 1,5 m) und ein Rolli-WC, das


Meine Reisewelt: Bauhaus-Jubiläum . Seite 13 .

beidseitig anfahrbar ist. Der Aufzug in den ersten Stock ist 1 × 1,45 m groß. Ausführlichere Informationen – insbesondere zur Barrierefreiheit der Dauerausstellung und zum taktilen Leitsystem – findest Du in der Märzausgabe (2019) des Reisemagazins. Berlinische Galerie Alte Jakobstraße 124–128 10969 Berlin Tel. +49 (0) 30 78 90 26 00 bg@berlinischegalerie.de www.berlinischegalerie.de

13

„Der Dialog von Konstruktion und Phantasie“ Gruppenführungen für blinde und sehbehinderte Menschen ­können mit dem Museumsdienst Berlin vereinbart werden: Tel. +49 (0) 30 247 49 888 museumsdienst@kulturprojekte.berlin Inklusiver Workshop: Vorkurs in Haptik – ein ­­ Workshop für blinde und sehbehinderte Menschen Der Vorkurs vermittelt den Bauhaus-Schülern Grundlagen der Materialkunde, der Komposition und der Farbenlehre. Die Gegenstände werden über ihre Materialität wahrgenommen. ­Der Austausch findet u. a. zu folgenden Fragen statt: Wie wirtschaftlich, wie funktional ist ein Produkt? Unter welchen sozialen Bedingungen wird es hergestellt und genutzt? ĉĉ Sonntag, 13.10.2019 und 24.11.2019, von 11–14 Uhr ĉĉ Leitung: Katharina Schmitt (Theaterregisseurin und Dramatikerin) ĉĉ Anmeldung online oder telefonisch

Bauhaus Museum Dessau – ­Museumseröffnung Ähnlich wie Weimar bekommt auch Dessau ein neues BauhausMuseum, um Exponate aus der Sammlung der „Stiftung Bauhaus Dessau“ zu zeigen. Dessau in Sachsen-Anhalt ist eine wichtige Bauhaus-Stätte, da das Bauhaus 1925 von Weimar nach Dessau umziehen musste. Die Ziele, beispielsweise das Leben neu und ­modern zu

Reisen für Alle in Sachsen-­ Anhalt: Welterbe barrierefrei erleben Gleich fünf UNESCO-Welterbestätten gibt es in Sachsen-Anhalt zu entdecken: das Bauhaus und die Meisterhäuser in Dessau-Roßlau, die Luthergedenkstätten in Wittenberg und Eisleben, das Gartenreich Dessau-Wörlitz, den Naumburger Dom und die Stadt Quedlinburg mit Stiftskirche, Schloss und mehr

f­ ormen und zu gestalten, veränderten sich mit dem Umzug nicht. Durch Skizzen, Fotos, K ­ unstwerke und Designikonen werden ­Visionen und Persönlichkeiten der ­Dessauer Zeit im Museum g ­ reifbar.

ist stufenlos zugänglich, die lichte Türbreite der Eingangstür ist 1,9 m, ein Rolli-WC ist vorhanden und die Aufzugskabine ist 1,6 × 1,4 m groß. Viele Ausstellungselemente sind sitzend einsehbar.

Beim ­Museums­bau, der von einem ­jungen Architekturbüro aus Barce­­ lona durch­geführt wurde und am 8. September eröffnete, wurde – so versichert man uns – auf Barrierefreiheit Wert gelegt. Das Museum

Bauhaus Museum Dessau Mies-van-der-Rohe-Platz 1 06844 Dessau Tel. +49 (0) 340 65 08 250 service@bauhaus-dessau.de www.bauhaus-dessau.de

als 2.000 Fachwerkhäusern. Ein Besuch der Welterbestätten verspricht Kulturgenuss auf höchstem Niveau. Bei der Planung barrierefreier Urlaubserlebnisse unterstützen wir Dich gern. Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH Am Alten Theater 6 | 39104 Magdeburg Tel. +49 (0) 391 56 89 980 tourismus@img-sachsen-anhalt.de www.sachsen-anhalt-tourismus.de

Wir senden Dir den Katalog „Reisen für Alle in Sachsen-Anhalt“ gerne zu. Nach Reisen für Alle zertifizierte ­Betriebe findest Du online unter: www.sachsen-anhalt-tourismus.de/ reisen-fuer-alle


ANZEIGE

LEIPZIGS INKLUSIONSHOTEL PHILIPPUS Leipzig ist ein Ensemble aus Kirche und ehemaligem Pfarrhaus, in welches 2018 ein Hotel garni eingezogen ist. Als Inklusionshotel lädt es zum Übernachten, Tagen und Feiern ein. Es verfügt über 29 modern ausgestattete Zimmer mit 58 Betten, Tagungsräume für 10 bis 100 Personen, eine Terrasse und einen idyllischen Biergarten. Die Kirche bietet als Veranstaltungsort für Konzerte, kulturelle Aufführungen und Kongresse Kapazitäten für bis zu 650 Personen. PHILIPPUS Leipzig liegt am Karl-Heine-Kanal mitten im lebendigen Stadtteil Lindenau mit Kneipen, Kunst und Kultur. Die nahe Leipziger City ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut und schnell zu erreichen. Barrierearme Ausstattung

– zwei Rollstuhlfahrerzimmer mit vielen Extras: Haltegriffe, Unterfahrbarkeiten im Bad und am Schrank, integrierter Schranklift, erreichbare Schalter und Regale – bodengleiche Duschen in allen Hotelzimmern – Unterfahrbarkeit des Rezeptionstresens – automatische Türöffnung auf den Etagen

Wir freuen uns auf Ihre Reservierung!

– Kooperation mit Sanitätshaus für individuellen Rehabedarf, z. B. Pflegebett, Duschrollstuhl usw. – zwei nahegelegene Parkplätze für bessere Mobilität – Fahrstuhl mit Sprachansage und Zugang zu allen Ebenen – Brailleschrift an Etagentasten im Fahrstuhl – erhabene Zimmernummern an den Türen – acht Zimmer mit Lichtsignalanlage für Menschen mit Höreinschränkungen – Rezeption sowie Tagungsräume mit Hörschleife – Rollstuhllift zwischen Terrasse und historischem Saal – Unterstützung beim Transport nach Absprache Bei weiteren Fragen und Bedarf stimmen Sie sich bitte vor Anreise mit unserer Reservierung ab.

PHILIPPUS Leipzig Aurelienstraße 54 04177 Leipzig

www.philippus-leipzig.de

PHILIPPUS Leipzig ist ein Inklusionsbetrieb. Hier arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung auf Augenhöhe zusammen.


Meine Reisewelt: Interview . Seite 15 .

15

Central Park und andere Schätze der Metropole New York New York ist ein Traumziel für viele Reiselustige. Fast jeder möchte die Freiheitsstatue entdecken, die Fahnen des UN-Headquarters im Wind wehen sehen, über die Brooklyn Bridge rollen, eines der unzähligen New Yorker Museen und BroadwayTheater besuchen oder im Oculus-Einkaufszentrum shoppen, um den Glamour der Stadt zu erfahren. Dazu strömen sagenhafte Düfte aus hunderten Kulturen Tag für Tag aus den Küchen und Restaurants einer Stadt, die internationaler und gegensätzlicher nicht sein könnte. Aus Bildern, Beschreibungen, Erzählungen und eigenen Reisen kennen wir sie alle, die Ostküstenstadt mit der unverkennbaren Skyline und ihren knapp 9 Millionen Einwohnern, den vielen Konzernniederlassungen, einer Börse, die fast jeden Tag mindestens eine Schlagzeile produziert, den Superreichen, den Bitterarmen, den Schönen und Berühmten. Und noch ein Superlativ soll in Zukunft mit der Stadt verknüpft werden: New York strebt an, die barrierefreiste Metropole der Welt zu werden. Das sagt Victor Calise, der als Behindertenbeauftragter von New York City (NYC) an der Umsetzung dieses Ziels arbeitet. Wir haben uns mit ihm ausführlich unterhalten und nebenbei auch den einen oder anderen Reisetipp aus ihm herausgekitzelt. Ähnlich wie in Deutschland regeln in den USA zahlreiche gesetzliche Bestimmungen, wer wo wie viel Barrierefreiheit herstellen und

wahren muss. Victor Calise erinnert daran, dass viele Gebäude und große Teile der Infrastruktur Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden sind – lange bevor die Belange von Menschen mit Behinderungen berücksichtigt wurden. Bereits jetzt, so Calise weiter, habe man in NYC vieles unternommen, um die damals entstandenen Barrieren abzubauen und die Stadt insgesamt barrierefreier und inklusiver zu gestalten. Ähnlich wie in vielen deutschen Städten hat man sich um die Barrierefreiheit auf Gehwegen und an Fußgängerüberwegen gekümmert und die Zugänglichkeit von Nahversorgungsgeschäften verbessert. Mit größerem Nachdruck scheint der New Yorker Interessenvertreter hingegen die Rollstuhlgerechtigkeit der Taxis und Mietwagen in Angriff zu nehmen. Ziel sind 50 % Rollitaxis bis 2020. Eine Regelung für Verbesserungen im Bereich der Mietwagen (For-Hire Vehicle (FHV) Accessibility rules) wurde soeben verabschiedet, berichtet Calise. Und auch in der Onlinewelt hat sich die Stadt auf den Weg gemacht. „Wir haben zum ersten Mal einen Koordinator für digitale Barrierefreiheit – er ist übrigens blind – angestellt, um die Barrierefreiheit der städtischen Websites zu prüfen und gemeinsam mit dem Stadtrat neue Standards zu erarbeiten“, ergänzt Victor Calise. Was wir sonst noch wissen wollten und was er uns verraten hat, liest Du im Interview:

Statue of Liberty, © NYC & Company, Foto: Julienne Schaer

Julia Marmulla: Von welchen wichtigen Verbesserungen der letzten Jahre profitieren Touristen? Victor Calise: Die ­Verbesserungen beim Transportwesen sind ein Schlüsselbereich, von dem nicht nur Touristen, sondern auch New Yorker mit Behinderungen ­profitieren. Über das so genannte „Accessible Dispatch Programm“ der Kommission für Taxi und


16

Meine Reisewelt: Interview . Seite 16 .

Audiodeskriptionen für blinde und sehbehinderte Besucher? VC: Die Theater weisen einen unterschiedlichen Barrierefrei-Grad auf. Am besten wenden sich Besucher auch hier direkt an die Häuser, um Rollitickets zu erhalten. Das Shubert Theatre bietet für viele Stücke die GalaPro-App mit Bildunterschriften und Audiodeskriptionen an.

Midtown West, Manhattan, © Foto: NYC & Company, Julienne Schaer

Limousine können Einwohner und Besucher gelbe und grüne rollstuhlgerechte Taxis im gesamten Stadtgebiet zu einem Standardpreis ohne Aufschlag bestellen. Die neuen FHV-Accessibility Regelungen ermöglichen es jedem, ein rollstuhlgerechtes Auto sowohl von einer Autovermietung als auch von einem der Digitalunternehmen wie Uber und Lyft ohne Mehrkosten und mit gleichem Servicelevel zu buchen. JM: Viele Menschen mit Beeinträchtigungen planen ihre Reisen sorgfältig. Welche Websites kannst Du für eine umfangreiche Reiseplanung empfehlen? VC: Auf unserer eigenen Website haben wir viele Informationen über die Barrierefreiheit unserer Theater, ­Kulturinstitutionen und touristischen Sehenswürdigkeiten eingestellt. Es ist eine ausgezeichnete Hilfestellung, um sich nicht nur über die Barrierefreiheit, sondern um sich auch über alle Attraktionen zu informieren, die unsere Stadt so großartig machen. Wir

haben außerdem mit dem Online City Guide NYCgo zusammen eine Website zum Thema „Barrierefreies Reisen“ entwickelt. Sie birgt eine Fülle an Infos zu Sehenswürdigkeiten, Verkehrsmitteln und Hotelunterkünften. JM: Auf einer klassischen NewYork-Reise möchten viele Besucher den Times Square, das Empire State Building, die Freiheitsstatue, Ellis Island, das Metropolitan Museum of Art (MoMa), das 9/11 Memorial Museum, den Central Park und den Washington Square Park sehen. Sind diese touristischen Stätten barrierefrei für Rollstuhlfahrer? VC: Ja, viele der touristischen Anziehungspunkte – auch die von Dir genannten – sind barrierefrei. Ich würde jedem die direkte Kontaktaufnahme raten, um die aktuellsten Informationen zu erhalten. JM: Auch die Broadway-Theater sind sehr angesagt. Sind sie für Rollstuhlfahrer zugänglich? Gibt es spezielle Dienstleistungen wie z. B.

JM: Gleichwohl das Wetter im November und Dezember schlecht ist, träumen viele Menschen von Weihnachtsshopping in New York. Wie siehst Du das? Und ist das Oculus ein guter Shopping-Spot für Rollstuhlfahrer? VC: Als gebürtiger New Yorker schmerzt es mich, zugeben zu müssen, dass der Times Square ein toller Ort zum Shoppen ist, einfach wegen der Vielzahl der Geschäfte dort. Allerdings gibt es auch weitere Gegenden und Malls, an denen man ein ähnliches Erlebnis haben kann. Der Oculus ist ein Beispiel für einen Neubau, bei dessen Planung an die Belange aller gedacht wurde. JM: Was ist Dein persönlicher Lieblingsort in New York? VC: Ich liebe den Central Park. Es ist eine unglaubliche Erfahrung, über die Wege zu rollen, das Handbike zu nutzen und zu sehen, wie die Gebäude langsam in den Hintergrund gleiten, während du selbst in die hohen Bäume und in die Grünflächen eintauchst. Viele stellen sich einen Park als ein Fleckchen grüne Wiese mit einem Spielplatz oder einem Basketballfeld vor – der Central Park jedoch ist ein eindrucksvolles Beispiel unvergleichlicher Landschaftsarchitektur. Das schriftliche Interview (18. Juli 2019) wird hier in einer gekürzten und übersetzten Fassung veröffentlicht.


Meine Reisewelt: Interview . Seite 17 .

Victor Calise ist gebürtiger New Yorker und Beauftragter für die Belange von Menschen mit Behinderungen der Stadt New York. Ob Inklusion am Arbeitsplatz, ob digitale oder bauliche Barrierefreiheit: Victor Calise schaut genau hin, um seine Stadt zur barrierefreiesten Metropole der Welt zu machen. Davon profitieren nicht nur Einheimische, sondern auch Touristen. Als begeisterter Sportler nahm er bereits vor 20 Jahren als Schlittenhockey-Spieler an den Paralympischen Spielen teil. Bis heute hat er nichts von seiner sportlichen Ader verloren und berichtet, wie es ist, mit dem Handbike durch den Central Park zu gleiten.

17

NYC-Reiseplanung und -gestaltung Im Rahmen des Interviews haben wir ­Hinweise auf zahlreiche Online-Angebote zu Reiseplanung und -gestaltung erhalten. Gleichwohl die meisten dieser Angebote in englischer Sprache sind, finden wir es ­wichtig, sie mit Dir zu teilen. ĉĉ Touristische Information & NYC ­barrierefrei: www.nycgo.com ĉĉ Barrierefreie Freizeit- & Kulturtipps: www1.nyc.gov/site/mopd/resources/­ recreation-culture.page ĉĉ Barrierefreie Theater und Shows: www.theatreaccess.nyc und www.tdf.org ĉĉ Rollstuhlgerechte Taxis: www.accessibledispatch.com ĉĉ Rollstuhlgerechte WCs in Parks: www.nycgovparks.org/facilities/bathrooms

Faszination Thailand: Tradition & Entspannung Wir bieten Dir maßgeschneiderte, kostengünstige und barrierefreie Reisen nach Thailand an. Mit uns reist Du als Individualgast, mit Deiner Familie oder mit ­Freunden u ­ nd Bekannten. Besuche die pulsierende Metropole Bangkok, das royale Hua Hin direkt am Meer, das leb-

hafte Pattaya und die ­zauberhaften Strände von Phuket. Alle unsere sorgfältig ausgewählten Partnerhotels und Ressorts bieten eine ­umfassende Barrierefreiheit für Rollstuhlfahrer.

Unsere Empfehlung für Deine maßgeschneiderte Reise: ĉĉ 2× Übernachtung mit Frühstück im 5-Sterne-Hotel ­in Bangkok ĉĉ 8× Übernachtung mit Frühstück in einer 4-­SterneBungalow-­Hotelanlage in Hua Hin ĉĉ geführte Sightseeingtour durch Bangkok ĉĉ deutschsprachige Reiseleitung vor Ort (Rollifahrer) ĉĉ Transfer Flughafen–Hotel–Flughafen sowie nach Hua Hin ĉĉ alle Transfers und die Sightseeingtour im Van mit Rampe ĉĉ Ansprechpartner/Hilfestellung am Flughafen und 24/7-Notrufnummer ĉĉ SIM-Karte (Internet-Zugang) ab € 1.550,00 im barrierefreien Doppelzimmer pro Person Das Hotel in Bangkok ist mit einem Infinitypool ausgestattet. In Hua Hin warten ein Pool mit Lift und ein Strandrollstuhl auf Dich.

Thailand barrierefrei erleben mit: Reisen Erleben Noll GmbH Linnstr. 7 | 66773 Schwalbach Tel. +49 (0) 6831 89 31 650 info@reisen-erleben.de www.reisen-erleben-noll.de


18

Meine Reisewelt: Holland . Seite 18 .

Die Welt wartet nicht! – Mit dem Rolli nach Amsterdam Ein Text von Lea Voitel

Lea, 22, berichtet über das wundervolle Amsterdam. Als Rollibloggerin bereist sie die Welt und schreibt darüber. Packe auch Du Deinen Koffer, das sagt sie Dir aus voller ­Überzeugung! Auf ihrem Blog ­www.­handi­captation.de und in der März-Ausgabe 2019 des Reisemagazins findest Du weitere Reiseempfehlungen und -erzählungen von ihr. Tipp der Herausgeberin Lea hatte mit ihrer Hotelwahl kein Glück. Wir raten Dir zum DoubleTree by Hilton Amsterdam Centraal Station Hotel. Das Hotel bietet Komfort und ist zentral gelegen. Rollstuhlgerechte Zimmer mit großen Bewegungsflächen, Badezimmern mit bodengleichen Duschen und unterfahr­ baren Waschbecken sind vorhanden. Mehr Informationen sind auf der Hotelwebsite vorhanden: doubletree3.hilton.com.

Amsterdam – die Stadt der Laster und Sünden Den Wunsch, einmal Amsterdam zu besuchen, hegte ich schon lange. Die traumhafte Lage, die Grachten, dazu diese einzigartige, vielfältige Architektur! Außerdem ist es eine junge Stadt: Circa 40 % ihrer Bewohner sind jünger als 35 Jahre. Und dann ist da noch dieses Laster-Sünden-Image, das ich mit meiner unbändigen Abenteuerlust schon immer reizvoll fand. Doch irgendwie wollte es mit dem Amsterdam-Trip nicht klappen. Bis schließlich meine Mutter zu ihrem Geburtstag ein Amsterdam-Paket geschenkt bekam. Darin enthalten war neben holländischem Käse und einem Reiseführer auch ein Gutschein für ein Reisebüro in unserer Nähe. Der Grundstein war also gelegt und wir stiegen in die Planung ein. Im März 2018 sollte es mit der Familie losgehen.

Lea und ihr guter Freund Freddy bei der Grachtenfahrt

Zaandam und unsere Hotelwahl Die Auswahl einer geeigneten Unterkunft gestaltete sich wesentlich schwieriger als gedacht. Viele Häuser waren bereits ausgebucht oder nicht rollstuhlgerecht. Die positive Bewertung eines Rollifahrers machte uns dann auf das easyHotel in Zaandam aufmerksam. Doch statt des gewünschten barrierefreien Zimmers bekamen wir ein gewöhnliches Drei-Bett-Zimmer im


Meine Reisewelt: Holland . Seite 19 .

11. Stock, dessen Badezimmer ich mit dem Rollstuhl nicht nutzen konnte. Hinzu kam noch, dass die Stadt Zaandam zwar unmittelbar an A ­ msterdam grenzt, aber gerade für uns Rollstuhlfahrer schlecht angebunden ist. Den Bahnhof Amsterdam Centraal erreicht man aus Zaandam mit dem Zug in 15 Minuten Fahrtzeit. Leider sind die Züge nur in den seltensten Fällen gut zugänglich, geschweige denn barrierefrei, sodass ich beim Einund Aussteigen häufig Unterstützung brauchte. Im Nachhinein stellte sich unsere Hotelwahl also als nicht besonders glücklich heraus. Gleichzeitig – und das war eine schöne Überraschung – ist das Städtchen Zaandam selbst hübsch und lebendig. Viele kunstvoll gestaltete Häuser säumen die ­Straßen und den Fluss Zaan. Irgendwie erinnerten die Häuser mich im ersten Moment an die skandinavische Bauweise, was dann aber doch auch typisch holländisch ist. Abwechslungsreiche Geschäfte und kleine Cafés – auch mit stufenlosem Zugang – haben uns so einige schöne Shoppingund Genussmomente beschert. Vielfalt auf engstem Raum Amsterdam hat mich als Stadt sehr beeindruckt. Die vielen Grachten, das Flair, die historischen Sehenswürdigkeiten, unzählige Museen, aber auch die Leichtigkeit, die man besonders gut in R ­ estaurants, in Cafés und im Miteinander erlebt, haben sich zu einem facettenreichen Besuch gefügt. ­Vielfalt auf engstem Raum – das ist Amsterdam! In besonders guter Erinnerung werden mir unsere Grachtenfahrt, das NEMO-Museum sowie das Jüdisch Historische Museum bleiben. Vieles konnten wir spazierend erkunden oder wir nutzten den ÖPNV, der ähnlich gut wie in Berlin, ­Potsdam

19

Nemo Science Museum, © Foto: Renzo Piano, DigiDaan

und vielen anderen deutschen Städten funktioniert. Grachtenfahrt und Museen Eine Fahrt auf den Grachten gehört zu einer Reise nach ­Amsterdam ganz selbstverständlich dazu. Durch unsere gute Vorplanung wusste ich, dass die Blue Boat Company rollstuhlgerechte Grachtenfahrten anbietet, und eine anderthalbstündige Bootstour mit Audio-Guide führte uns an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten vorbei. Diese Fahrt hat sich in jeder Hinsicht gelohnt. Im NEMO-Museum geht es um Naturwissenschaft und um Experimente. Das Museum ist einwandfrei rollstuhlgerecht und ich möchte es ganz besonders ­Familien mit Kindern sehr empfehlen. Und, ein kleiner Geheimtipp: Vom Museums­ dach, das man mit dem Aufzug erreicht, hat man eine ­fantastische Aussicht und überblickt die gesamte Stadt. Da wir wegen des großen Besucher­ andrangs keine Chance sahen, das Anne-Frank-Haus zu sehen, besuchten wir quasi als „Alternative“ das Jüdisch Historische Museum in Amsterdam.

Neben vielen interessanten geschichtlichen Aspekten ist mir aufgefallen, dass hier besonders auf Barrierefreiheit geachtet wurde. Alle Exponate und Erklärungen haben genau die richtige Höhe für Rollstuhlfahrer und es gibt auch gute Angebote für Menschen mit Einschränkungen im Sehen oder Hören. Genau aus diesen Gründen ist das Jüdisch Historische Museum mein absoluter Tipp für alle Leserinnen und Leser. Die Welt wartet nicht Nach vier intensiven und erlebnisreichen Tagen kehrten wir nach Deutschland zurück. Natürlich reichte die Zeit längst nicht für alle Highlights. So haben wir es zum Beispiel nicht ins Van Gogh Museum geschafft. Da hilft nur Wiederkommen! Hoffen wir mal, dass es bis dahin mehr barrierefreie Hotelzimmer gibt. Eine Reise nach Amsterdam kann mit vernünftiger Planung im Vorfeld, wie bei jeder Reise eigentlich, sehr gut funktionieren und unvergesslich werden. Also Koffer packen und los geht’s, denn die Welt wartet nicht!


20

Meine Reisewelt: Reiseplanung . Seite 20 .

Barrierefreie Urlaubswelten – eine Online-Plattform für barrierefreie Unterkünfte Co-Autorinnen Heike Billhardt-Precht und Julia Marmulla

In der ersten Ausgabe des Reisemagazins .Meine Reisewelt. haben wir die Stärken und Schwächen der Informationsportale Reisen für Alle, Claire & George und roomchooser unter die Lupe genommen. In dieser Ausgabe berichten wir über die Online-Plattform Barrierefreie Urlaubswelten, die sich auf barrierefreie Unterkünfte spezialisiert hat und auf verschiedene Beeinträchtigungen eingeht. Sehr empfehlenswert ist die Online-Plattform, wenn man Vergleichsangebote benötigt oder wenn man die schwierige Aufgabe anstrebt, ein Hotel für mehrere Rollstuhlfahrer zu finden. www.barrierefreie-urlaubswelt.de Hauptfunktionalitäten Das Portal Barrierefreie Urlaubswelten hat sich „Reisen ohne Hindernisse“ auf die Fahnen

geschrieben. Hier können sich Menschen mit unterschiedlichsten Beeinträchtigungen über circa 250 Unterkünfte informieren und diese auch direkt über die Online-Plattform buchen. Darunter sind Hotels und Pensionen genauso zu finden wie Ferienwohnungen und Campingplätze. Damit ist prinzipiell für jeden Geschmack etwas dabei. Der Clou dabei: Es können verschiedene Unterkünfte gleichzeitig angefragt werden. Optik und erster Eindruck Die Seite hat einen sympathischen und unaufgeregten Look. Hier finden sich Nutzer rasch zurecht. Wer spontan ist, lässt sich gleich von den ersten Angeboten auf der Startseite verführen. Hier wird eine Auswahl verschiedenster Häuser mit Foto und kurzen Infos „auf dem Silbertablett“ präsentiert. Wer sich bereits für ein Urlaubsziel entschieden hat, kann das Suchformular aufrufen und Regionen vom Bodensee bis Ostfriesland auswählen, um gezielt nach Unterkünften zu suchen. Wer noch auf der Suche nach dem perfekten Reiseziel ist, kann sich von den Kurzinformationen zu Bundesländern und beliebten Regionen inspirieren lassen. Suchfunktionen Die angebotenen Suchfunktionen (Filter) sind so umfangreich, dass kein Wunsch offenbleibt. Nachdem eine Region gewählt ist, kann der

gewünschte Objekttyp – z. B. Hotel, ­Pension, Gästehaus – bestimmt werden. Dann geht es weiter mit allgemeinen Kriterien bzgl. der Ausstattung des Objekts (Nichtraucherzimmer, WLAN, Haustiere erlaubt, Sauna etc.) und Ausstattung der Zimmer (TV, Fön usw.). Damit Unterkünfte gefunden werden können, die den eigenen Barrierefrei-Anforderungen entsprechen, werden zwei Suchfunktionen angeboten. Die erste Suchfunktion deckt bestimmte Zertifizierungen – wie Reisen für Alle – ab. Bei der zweiten Suchfunktion können zahlreiche ausdifferenzierte Merkmale ausgesucht werden, u. a. das Vorhandensein eines rollstuhlgerechten Sanitärraums. Mit jedem Filter, der gesetzt wird, aktualisiert sich die Angabe der Treffer. Problem dabei – vor allem wenn viele Filter gesetzt werden: Die Ergebnisliste zeigt häufig null Treffer. Dafür ist eben die Anzahl der beteiligten Häuser einfach noch zu klein. Hinweis: Bei der Suche kann auch mit den Barrierefrei-Merkmalen angefangen werden. Interessant ist beispielsweise, dass knapp 90 Unterkünfte ein Pflegebett anbieten. Auch bei den Kriterien, die für blinde und sehbehinderte Menschen relevant sind, werden Angebote angezeigt, die die entsprechenden Merkmale erfüllen.


Meine Reisewelt: Reiseplanung . Seite 21 .

21

Jedes Haus, das prinzipiell das gewünschte Angebot zum gewünschten Zeitraum zur Verfügung stellen konnte, ließ uns individuelle Informationen zukommen. Auch der genaue Preis und Terminvorschläge wurden genannt. Die Buchung: Ist ein geeignetes Angebot dabei, das einem zusagt, kann man mit einem Klick die Unterkunft kontaktieren, um direkt einen Buchungswunsch zu versenden. Auch Rückfragen können direkt über das Portal gestellt werden. Die persönlichen Kontaktdaten müssen dann nicht erneut eingegeben werden; sie werden automatisch übermittelt.

Online-Plattform: www.barrierefreie-urlaubswelt.de

Wir haben für Dich das Portal getestet und eine Suche gestartet. Unser Urlaubsszenario: Wir wollen mit zwölf Erwachsenen eine Woche im ­Oktober in Nordrhein-Westfalen Urlaub in einer Gruppenunterkunft machen. Wir benötigen dafür sechs Doppelzimmer, davon sollen vier rollstuhlgerecht sein. Uns werden 19 Unterkünfte angezeigt, ­die infrage kommen. Und nun wird es wirklich praktisch: Ein Klick auf „Anfrage an diese Unterkünfte“ und schwups sind alle 19 angeschrieben. An die von uns angegebene E-Mail-Adresse werden unverzüglich die Anfragebestätigung und Infos, wie es weitergeht, geschickt. Die Unterkünfte haben maximal drei Tage Zeit, die Anfrage zu bearbeiten. Das Ergebnis: Nach weniger als 24 Stunden bekommen wir eine weitere E-Mail, die ein Zwischenergebnis ankündigt. Sie sind unter einem Link zu finden. Dieser wird rasch angeklickt und dann folgt eine sehr übersichtliche Ergebnisdarstellung. Dabei wird aufgeführt (jedes Haus mit Bild, ­Ortsangabe und Kurzinfo):  3 × „Diese Unterkünfte können Sie buchen“  14 × „Diese Unterkünfte haben Ihre Anfrage ­abgelehnt“  2 × „Diese Unterkünfte haben Ihre Anfrage noch nicht bearbeitet“

Übrigens: Die noch ausstehenden Reaktionen der zwei Häuser kamen bereits am Folgetag, sodass nach zwei Tagen alle Antworten vorlagen und unsere fiktive Gruppe konkrete Angebote vorliegen hatte, wo sie eine Woche Herbsturlaub in NRW verbringen könnte.

Kleiner Kritikpunkt am Portal Wer als Filter die verschiedenen Zertifizierungen nutzt, muss wissen, was sie bedeuten. Beispielsweise wird keine Erklärung geliefert, was es genau bedeutet, wenn eine Unterkunft die Reisen-für-Alle-Zertifizierungsstufe 1 für blinde Menschen erreicht hat. An dieser Stelle könnte das Portal genauere Informationen liefern.

Gesamteindruck Die Online-Plattform Barrierefreie Urlaubs­ welten ist ein gut gemachtes I­ nformationsund Buchungsportal mit geschickter Benutzerführung. Hier kommt man schnell zum Ziel und spart jede Menge Zeit. Leider ist der Umfang der Angebote – ähnlich wie bei den Portalen Reisen für Alle, Claire & George und roomchooser – noch relativ klein. Besonders hilfreich sind die Fotos zu den einzelnen Unterkünften sowie die Nennung von Preisen. Auch toll ist, dass man über das Portal – auf eine sehr unkomplizierte Art und Weise – verschiedene Unterkünfte gleichzeitig anfragen kann.


22

Meine Reisewelt: Hotelporträt . Seite 22 .

Jugendherberge Bayreuth: eine ideale Unterkunft für Gruppen Modern, innovativ und geräumig: Die Jugendherberge in Bayreuth hat ihre ganz eigene Strahlkraft und bietet eine ideale Übernachtungsmöglichkeit für inklusive Gruppen. Mit 180 Betten, von denen 50 für Rollstuhlfahrer gut zugänglich und nutzbar sind, bietet die Jugendherberge viel Platz für Schulklassen, Jugend- und Musikgruppen sowie für Tagungsgäste. „Wir als Integrations-Jugendherberge lieben die Abwechslung, die durch Schulklassen, Gruppen, Familien und Tagungsgäste gebracht und als Gemeinschaft gelebt wird“, so die Herbergsleiterin Frau Kurth.

Die Lobby, © Foto: DJH Landesverband Bayern e.V.

„Wir lieben die Abwechslung, die als Gemeinschaft gelebt wird.“

Die Anmutung des Gebäudes ist schlicht, funktional, vielleicht sogar futuristisch: drei Trakte, zwei Etagen, ein zentraler Aufenthaltsbereich, viel Außenfläche, viel Beton. Der geräumige hauseigene Parkplatz g ­ estaltet das Ankommen unkompliziert. Der Weg im Außenbereich ist stufenlos, kontrastreich und taktil e­ rfassbar, sodass der Eingang leicht gefunden wird. E ­ in großer Pfeil signalisiert: Hier geht’s herein! Im Herz der Jugendherberge befinden sich die Rezeption, der großzügige Lobbybereich sowie der Speiseraum, der über drei Stufen oder eine komfortable Rampe erreichbar ist. Im Erdgeschoss befinden sich die 14 Zimmer, die weitgehend rollstuhlgerecht sind. Diese Zwei-, Vier- und Sechsbettzimmer sind geräumig und zweckmäßig, das gilt auch für die dazugehörigen Badezimmer mit unterfahrbaren Waschbecken, nebenbefahrbaren Toiletten und bodengleichen Duschen. Jedes Bett besitzt einen Bettkasten, der Stauraum für

Geräumige Zimmer, © Foto: DJH Landesverband Bayern e.V.


. Seite 23 .

Gepäck bietet. Teilweise sind die Bettkästen so konzipiert, dass sie entnommen werden können und die Unterfahrbarkeit für den Einsatz von Bettliftern gewähren. Im Außenbereich – direkt an das Gebäude angrenzend und stufenlos zugänglich – befindet sich ein multifunktionales Sportfeld. Gemeinschaft kann auch im Familienaufenthaltsraum, der mit einem Bällebad ausgestattet ist, sowie im Freizeitraum erlebt werden. Moderne Seminar- und Multifunktionsräume sind für Gruppen mit unterschiedlichen Ausrichtungen vorhanden. Equipment wie Beamer und Moderationskoffer sind verfügbar oder können – gegen einen kleinen Unkostenbeitrag – bestellt werden. Damit sich in der Wagner-Stadt auch Musikgruppen wohlfühlen, ist die Jugendherberge auf Probenwochenenden gut eingestellt. Die Seminarräume bieten Platz für ­Ensembles verschiedener Größen – bis zu circa 50 Personen können gemeinsam proben. Bei Chören sind es bis zu 75 Teilnehmer. Ob Akustik-Gitarre, Melodica oder Percussion-Instrumente – die Jugendherberge verleiht zahlreiche Musikinstrumente. Die komplette Liste der Musikinstrumente ist online verfügbar. Natürlich bietet die Jugendherberge auch ­verschiedene Programme, die sich für Inklusionsklassen gut ­eignen. Dazu gehören Angebote wie „Job Fit“ und „Wir sind Klasse!“, verrät Frau Kurth, und sie bekräftigt: „Mit speziell ausgebildeten Teamern wird der A ­ ufenthalt der Schüler zu einem unvergesslichen Erlebnis.“ Inklusive Schulklassen, die mal etwas anderes ausprobieren möchten, können Programmbausteine wie ­Bogenschießen dazubuchen. Unter der Leitung von Erlebnispädagogen werden Kinder und Jugendliche betreut. Als Highlight findet in der Regel ein kleines Turnier statt. Die Jugendherberge bietet ein unvergessliches Erlebnis für alle, die jung geblieben sind und die Gemeinschaft erleben möchten. Und – ganz nebenbei – für alle, die sich von Bayreuth und den Festspielen angezogen fühlen.

Für nur 20 Cent kannst Du ­ klimaneutral übernachten.

Reisen-für-Alle-zertifiziert:

23

Jugendherberge Bayreuth Universitätsstr. 28 95447 Bayreuth Tel. +49 (0) 921 76 43 80 Fax +49 (0) 921 76 43 820 Leitung: Anja Kurth bayreuth@jugendherberge.de www.jugendherberge.de > auf der Seite nach Bayreuth suchen

Barrierefreiheit: ĉĉ Die Jugendherberge ist nach Reisen für Alle zertifiziert. Einen ausführlichen Bericht und viel Bildmaterial findest Du auf ­­ www.reisen-fuer-­alle.de ĉĉ Die Eingangstür und die Tür zum Sportplatz werden mit einem Türdrücker bedient. ĉĉ Auf beiden Etagen ist eine öffentliche barrierefreie Toilette zu finden – einmal mit der Nebenbefahrbarkeit von rechts, das andere Mal von links. ĉĉ Die lichte Breite der Türen zu den Zimmern im Trakt A beträgt 88 cm, die Bewegungsflächen vor den Türen variieren in der Breite zwischen 130 und 150 cm. Für Rollstuhlfahrer, die wenig Kraft in den ­Armen haben, könnte das Öffnen der Türen problematisch sein. ĉĉ In den Sanitärräumen zu den Zimmern ist die Nebenbefahrbarkeit alternierend. An manchen Stellen beeinträchtigt eine Kante von 0,5–2,5 cm die Nebenbefahrbarkeit. ĉĉ Die Kabine des Aufzugs ist 106 × 149 cm (B × T) groß. ĉĉ Die Treppe hat an beiden Seiten einen Handlauf. ĉĉ Im Treppenbereich gibt es einen Gemeinschaftsbereich in Form von Sitzgelegenheiten, der für Rollstuhlfahrer nicht zugänglich ist. ĉĉ Das Bällebad im Familienaufenthaltsraum ist nur über zwei Stufen erreichbar. ĉĉ Die Türen zu den Seminar- und Gemeinschaftsräumen haben eine lichte Breite von 88 cm.

Informationen zur Stadt: Behindertenbeauftragte Bettina Wurzel Tel. +49 (0) 921 25 12 47 Die Broschüre „Wegweiser für Menschen mit Behinderung“ informiert über die Barrierefreiheit von Bayreuth. Touristische Informationen: Bayreuth Marketing & Tourismus GmbH Tel. +49 (0) 921 88 57 31 www.bayreuth-tourismus.de


24

Meine Reisewelt: Irmengard-Hof . Seite 24 .

Der Irmengard-Hof am Chiemsee, © Fotos: Uta Kellermann, Johannes Kern, Daniela Lindl

Reisen & Pflege

Björn Schulz Stiftung Irmengard-Hof Mitterndorf 1 | 83257 Gstadt am Chiemsee Weitere Informationen und Buchung: Tel. +49 (0) 8054 90 85 166 irmengard-hof@bjoern-schulz-stiftung.de www.bjoern-schulz-stiftung.de Informationen zur Barrierefreiheit auch bei Reisen für Alle: www.reisen-fuer-­alle.de

Ruhe finden am Irmengard-Hof Unterstützung für die ganze Familie Der Irmengard-Hof der Björn Schulz Stiftung am Chiemsee ist ein außergewöhnlicher Ort. Außergewöhnlich wegen seiner Lage, seiner Ausrichtung und Zielsetzung sowie wegen seiner Barrierefreiheit. Die Lage in direkter Nähe des Chiemsees, zwischen Gstadt und Seebruck und mit Blick auf die Alpen, ist wunderschön. Im Herbst bieten Natur und See ein buntes Farbenspiel. Mystische Nebelschwaden und eine Schneedecke, die sich von den Bergen bis in die Täler ziehen kann, prägen das Bild im Winter. Das Wasser und die Natur schenken Kraft. Hier ist nicht Alltag, sondern Auszeit. Die Leistungen des Irmengard-Hofs richten sich an ­Familien mit schwerkranken und schwer beeinträchtigten Kindern sowie an schwerstkranke oder


Meine Reisewelt: Irmengard-Hof . Seite 25 .

­ eeinträchtigte junge Erwachsene b bis 35 Jahre. Zudem kommen bei vielen Angeboten auch die Geschwisterkinder auf ihre Kosten. Gruppen, Vereine und Tagungsveranstalter, die Familien mit schwerstkranken Kindern unterstützen, können ebenfalls Aufenthalte am Irmengard-Hof buchen. Von den 24 Familien-, Doppelund Einzelzimmern sind sechs besonders rollstuhlgerecht und haben eine spezielle Pflegeausstattung. Beispielsweise besteht das Familienzimmer Nr. 6 aus einem Twin-Bett-­Zimmer und einem Einzelzimmer mit Pflegebett. Als Gast wählst Du die Größe und Ausstattung des Pflegebetts – je nach Verfügbarkeit und Rücksprache – selbst. ­Die ­beiden Räume des ­Familienzim­mers Nr. 6 sind großzügig gestaltet und sie bieten mit komfortablen Betten und hellen Möbeln eine ­wohltuende Atmosphäre. Der Eingangsbereich zum Familienzimmer Nr. 6 hat eine lichte Türbreite von 119 cm, ebenso das Einzelzimmer. Das Twin-BettZimmer und das Badezimmer haben Türbreiten von 8 ­ 2 ­cm. Das Badezimmer ist mit einer beidseitigen nebenbefahrbaren T ­ oilette, einer großen bodengleichen Dusche und einem unterfahrbaren Waschbecken ausgestattet.

Da alle Zimmer und auch alle Badezimmer unterschiedlich sind, werden Gästewünsche je nach aktuellen Möglichkeiten berücksichtigt. Aufzüge und Treppenlifte sorgen dafür, dass jeder Gast jeden Raum bis zum Dachgeschoss erreichen kann. Zudem gibt es eine große Pflegebadewanne sowie einen Pflegelifter. Neben der Nutzung des Außengeländes sind auch Indoor-Aktivitäten möglich – dafür stehen ein Spiel-, Bastel- und Billardzimmer sowie ein Legozimmer zur Verfügung. Das sorgt für Abwechslung und Kreativität und vielleicht bekommen die lieben Daheimgebliebenen eine selbstgebastelte Postkarte. Auch Ausflüge werden organisiert: Bergwanderungen im Schnee, Bergbahnfahrten, Schlittenfahrten, Besuch der Herrenund Fraueninsel oder Klettern in einer nahe gelegenen Kletterhalle. Mehrmals im Jahr organisiert der Irmengard-Hof der Björn Schulz Stiftung für Geschwisterkinder Freizeiten unter dem Motto „Jetzt bin ICH mal dran“. Neben Angeboten, die für Kinder- und Jugendfreizeiten typisch sind, wie Sport treiben, basteln und Ausflüge, geht es auch um eine intensive, stärkende Gruppenerfahrung und das

25

Verständnis für schwere und belastende Erkrankungen. „Kinder, die schwerkranke oder behinderte Geschwister haben, kommen in der Familie oft zu kurz. Arztbesuche und Klinikaufenthalte müssen im Alltag bewältigt werden. Bei uns auf dem Hof stehen auch einmal die gesunden Geschwisterkinder im Mittelpunkt, können sich mit Gleichgesinnten in der Gruppe austauschen und in schöner Umgebung unser breites erlebnispädagogisches Angebot genießen“, erläutert Renate Zahnbrecher, Leiterin des sozialpädagogischen Fachbereichs am Irmengard-Hof. „Viele unserer Familien kommen immer wieder, wodurch sich auch die Kinder schon untereinander kennen, sich aufeinander und auf den Aufenthalt bei uns freuen.“ Auch 2020 sind wieder vier Freizeiten geplant. Mittlerweile auch fester Bestandteil des Programmangebots sind Auszeittage für Mütter. In kleinen Gruppen und mit pädagogischer Begleitung wird ein Tag gestaltet, an dem es um die Bedürfnisse der Mütter von schwerkranken und beeinträchtigten Kindern geht. Der Tag kann genutzt werden, um mit anderen Müttern ins Gespräch zu kommen und die Seele baumeln zu lassen. Familien aus ganz Deutschland sind eingeladen, sich am Irmengard-Hof eine Auszeit zu gönnen. „Uns ist es wichtig, dass jeder kleine oder große Gast den Hof als geschützten Rahmen empfindet, sich fallen lassen und a ­ bschalten kann, ohne sich erklären zu ­müssen. Jeder kann, aber keiner muss“, betont Marjon Bos, Leiterin des Irmengard-Hofs. Sie freut sich schon darauf, viele neue Gesichter im „Haus voller Leben“ am Chiemsee begrüßen zu dürfen.


26

Meine Reisewelt: Interview . Seite 26 .

Im Gespräch mit Helga Butendeich: „Wir bauen ein ­Hotel für Alle“ In diesem Jahr beginnen die Bauarbeiten und Anfang 2021 soll es dann so weit sein: Die Stadt R ­ egensburg bekommt ihr erstes Inklusionshotel. Ein Gespräch mit Helga Butendeich, Hotelleitung des Hotels Includio. Das Projekt der Johanniter-Hotel Regensburg gGmbH wird nach Fertigstellung 84 vollkommen behindertengerechte Zimmer, davon 18 rollstuhlgerechte, sowie 30 Arbeitsplätze für Menschen mit und ohne Behinderung bieten.

„Das Haus wird ein Ort der Begegnung sein.“

Seit Januar ist es offiziell: D ­ ie Baugenehmigung liegt vor, jetzt kann es losgehen. Was steckt hinter diesem außergewöhnlichen Projekt? Pioniergeist und soziale Verantwortung. Die Idee kam ins Rollen, weil bis dato eine Gruppe Rollstuhlfahrer die Stadt Regensburg nicht besuchen und hier übernachten kann. Deshalb entsteht nun im Stadtteil Burgweinting das erste Inklusionshotel in einer b ­ ayerischen Großstadt. Die Ziele dahinter sind vielfältig: Wir ­werden unterschiedlichsten Behinderungen gerecht und setzen zudem einen Impuls am Arbeitsmarkt. Welche Rolle spielt die Umgebung, die Stadt und die Menschen, die hier leben? Wir verstehen uns als Leuchtturmprojekt der ­Region. Das ist für alle eine große Herausforderung und gleichzeitig eine tolle Chance. Das Haus wird ein Ort der Begegnung sein und Unternehmen können die Möglichkeit nutzen, soziale Verantwortung zu übernehmen. Wir möchten dazu beitragen, die Strahlkraft und die Attraktivität von Regensburg zu erhöhen. Für die behindertengerechte Ausstattung müssen die Johanniter etwa zwei Millionen Euro zusätzlich in die Hand nehmen. Wie lässt sich das stemmen? Dieser Mehrwert ist sehr wichtig für uns und unsere künftigen Gäste. Die zusätzlichen Gelder sollen vorrangig von Spenden finanziert werden. Dazu gibt


Meine Reisewelt: Interview . Seite 27 .

27

es unter anderem Veranstaltungen wie den Regensburger Benefizball, der am 4. Mai bereits zum zweiten Mal im Kolpinghaus Regensburg stattgefunden hat. Wir haben uns über 200 tanzende Gäste und einen Erlös von 5.000 Euro gefreut. Eine Wiederholung 2020 ist schon in Planung. Die heiße Projektphase hat begonnen, wie fühlt es sich an? Wir besetzen mit diesem Hotel eine besondere Nische und erfahren bisher sehr viel Wohlwollen und positive Resonanz. Ich persönlich empfinde diese Aufgabe als große Herausforderung und unglaublich spannend. Die Stimmung im Team ist gut, wir haben uns gefunden und freuen uns schon sehr auf unser „Includio“. Das Interview wurde von Aina Keller geführt.

Computergrafik des Johanniter Hotels Includio, © Julia Eisenhut

ANZEIGE


28

Meine Reisewelt: Aus der Werkstatt . Seite 28 .

Der Traum vom mobilen Leben HRZ Reisemobile produziert seit ­knapp 50 Jahren kompakte Reisemobile auf Basis des Mercedes-Benz-Sprinters sowohl in Kleinserien als auch individuell nach Kundenwunsch. Elia Akkawi, Geschäftsführer der Firma, verrät uns, dass circa 15 % seiner Fahrzeuge an Menschen mit Behinderungen gehen und dass die Nachfrage steigend ist.

Für Rollstuhlfahrer ausgebautes Wohnmobil, © Foto: Elia Akkawi

HRZ Reisemobile GmbH Otto-Lilienthal-Str. 3 74626 Bretzfeld Tel. +49 (0) 7946 94 71 400 info@hrz-reisemobile.de www.hrz-reisemobile.de Messe-Präsenz: RehaCare 2019 in Düsseldorf (17.–21.09.2019) REHAB Karlsruhe, Mai 2021

Julia Marmulla: Elia, Deine Firma baut Reisemobile aus, damit sie u. a. von Gästen mit eingeschränkter Mobilität gut nutzbar sind. Ist es ein guter Plan, im Herbst einen Ausbau zu planen und ­umzusetzen, um im Frühjahr ein startklares Reisemobil zu haben? Elia Akkawi: Wegen steigender Nachfrage nach hochwertigen kompakten Reisemobilen liegt unsere aktuelle Lieferfrist bei ca. 10 Monaten. Aus diesem Grund sollte man mit der Planung bereits im Frühjahr oder Frühsommer des Vorjahres anfangen, um mit dem Reisemobil über Ostern oder Pfingsten verreisen zu können. Immerhin hat man einiges zu besprechen, u. a. die Konfiguration des Basisfahrzeuges, den Möbelbau, das Design und die t­ echnische Ausstattung. Wenn wir im ­September 2019 mit der Planung beginnen, kann im Hochsommer 2020 gereist werden. JM: Für jeden Gast mit eingeschränkter Mobilität wird ein individuelles Fahrzeug konzipiert, richtig? Wie funktioniert das? EA: Ganz genau, Julia. Wir haben zwei rollstuhlge­ rechte Serien­modelle (Reha Camper 2 und Reha Camper 2+), die den speziellen B ­ edürfnissen der meisten Rollstuhlfahrer entsprechen. Das Spülbecken, die Küchenzeile und Kühlbox sind in einer Höhe von ­80 cm ­angebracht und somit aus sitzender Position nutzbar. Auch das Bad inklusive WC mit Halte- und Stützgriffen und der Schlafbereich sind so konzipiert, dass Rollstuhl­fahrer alles selbst erreichen k­ önnen. ­­Die zu einem Bett aus­ziehbare Längsbank ist in einer Höhe von 50 cm angebracht. Der Gang mit seinen 80 cm ermöglicht das Durchfahren mit dem Rollstuhl. Der Ausbau kann aber noch zusätzlich den individuellen Wünschen und Bedürfnissen des Rollstuhlfahrers angepasst werden. Besonders viele Details sind immer im Bereich M ­ öbelbau zu klären.


Meine Reisewelt: Aus der Werkstatt . Seite 29 .

JM: Ist es für Dich möglich, ein Reisemobil so zu konzipieren, dass ein Rollstuhlfahrer die Steuerung, also das Lenken des Reisemobils übernimmt? EA: Ja, selbstverständlich. Alle unsere behindertengerechten Reisemobile haben in der Serie eine aktive Selbstfahrer-Fahrhilfe. Ein Drehknauf am Lenkrad ermöglicht das Steuern mit einer Hand. Mit einer Handbedienung können Rollstuhlfahrer Bremse und Gas bequem mit der rechten Hand betätigen. JM: Welche Zusatzausstattungen sind für Rollstuhlfahrer üblich? EA: Parallel zu den Fahr­hilfen ­haben unsere Fahrzeuge einen AMF K 90 Rollstuhllift als Einstiegshilfe. Der superflache Unterbodenlift mit einer Tragfähigkeit von 300 kg und der großen vollautomatischen

Hubplattform bietet größtmögliche Bodenfreiheit und ist auch für breite Elektrorollstühle bestens geeignet. Außerdem gibt es an wichtigen Stellen im Reisemobil Haltegriffe, die beim Hinsetzen, Aufstehen oder Duschen unterstützen. JM: Sag uns noch etwas zu den Kosten … EA: Unsere Reha-Camper bieten wir auf Basis des MB Sprinter mit 163 PS, CDI-Motor Euro VI mit AdBlue und mit dem Ausbau laut aktuellem Prospekt ab € 87.750,- inkl. MwSt. an. Ein Teil der Kosten für die barrierefreie Ausstattung wird von der Krankenkasse oder anderen Trägern übernommen. Zusätzlich zur Serienausstattung können Extras wie Camping-Zubehör und Sonderausstattungen bestellt werden. Somit können Rollstuhlfahrer

29

sich ihren Wunsch-Reha-Camper nach Belieben zusammenstellen. JM: Welche abschließenden Gedanken möchtest Du mit unseren Leserinnen und Lesern teilen? Und wo geht Deine nächste Reise hin? EA: Unsere Reisemobile geben Menschen mit körperlichen Behinderungen ihre Freiheit und Freude am Reisen zurück. Durch ihre „kleine Wohnung“ genießen sie mehr Unabhängigkeit. Mit der Optimierung des Wohnraums sowie dem Einbau von Fahr- und Einstiegshilfen können ­Menschen mit Handicap den Traum vom mobilen Leben verwirklichen. Ich bin sehr froh, dass wir ihnen dabei helfen können. Ich bin selbst ein passionierter Reisemobilist und kann meinen nächsten Urlaub, an die sonnige Amalfiküste, kaum noch erwarten. Ein Traum! ANZEIGE


30

Meine Reisewelt: Mitarbeiterstimmen . Seite 30 .

Voice of Embrace Mitarbeiter und ihre Familienangehörigen erzählen von der Inklusion in den Hotels des Embrace Verbunds.

„Ich brenne ­für das, was ich tue.“ Unter der Leitung von Bernd Kerkhoff bringt das Hotel am Wasserturm auf dem Alexianer-Campus in Münster Menschen zusammen. Das Münsterland ist seine Heimat – „hier bin ich groß geworden, hier fühle ich mich zu Hause“, erzählt Bernd Kerkhoff. Beruflich hat er seit Frühjahr 2015 seinen Platz im Hotel am Wasserturm gefunden, einem Hotel, das aus vielerlei Gründen ein besonderes ist. Es gehört zur Unternehmensfamilie der Alexianer, einer Ordensgemeinschaft, die sich weltweit um Menschen am Rande der Gesellschaft kümmert. Der Dienstbeginn im ­Wasserturm gestaltete sich eher ­einsam – „ich hatte das Privileg, die ­Voreröffnung des Hauses schon ein ganzes Jahr vorher begleiten zu k­ önnen“, erklärt Herr Kerkhoff. In der histo­rischen Gebäudehülle von 1910 wurden nach einer aufwändigen Kernsa-

nierung, Neu- und Umgestaltung 47 Hotelzimmer, moderne Tagungs­ räume für 130 Personen und ein Bistro integriert. ­Zudem finden ­Hotelgäste auf dem Alexianer-­ Gelände in unmittelbarer Hotelnähe drei kostenlose Wohlfühl­orte: eine Wellness-Oase, einen Sinnespark sowie den Garten der Stille. Bernd Kerkhoff hat die Herausforderung im Inklusionsbetrieb angenommen und fühlt sich wohl in seiner Rolle: „Ich liebe, was ich tue, und lerne täglich hinzu. Zum Beispiel, dass die einzelnen Abläufe detaillierter und anschaulicher erklärt werden müssen und dass wir mehr miteinander sprechen. Natürlich gibt es auch schwierige Situationen, aber mein Fazit eines Tages hier im Hotel fällt immer positiv aus: Ich brenne dafür und unsere Mitarbeiter sind noch euphorischer bei der Sache.“ Ein Text von Aina Keller

„Warum sollte mit dem Schul­ abschluss die ­Inklusion vorbei sein?“ Der 19-jährige Stralsunder Willi Erdmann hat das Downsyndrom und arbeitet seit April 2017 im Housekeeping des Hotels Rügenblick. Auf die Frage, was ihm an

seiner Arbeit Spaß mache, antwortet der charismatische junge Mann: „Ich finde alles gut. Ich habe einen guten Chef und gute Kollegen.“ Seine Mutter, Silvana Erdmann-­ Wilde, ist stolz auf ihren Sohn. „Willi sollte immer normal aufwachsen“, erzählt sie. Er ging mit Unterstützung eines Schulbegleiters auf eine reguläre Schule in Stralsund und machte dort seinen Schulabschluss. Silvana Erdmann-Wilde hat stets für die Inklusion ihres Sohnes gekämpft. Nach dem Schulabschluss sollte ihr Sohn dann plötzlich in einer Behindertenwerkstatt arbeiten. „Das konnte ich nicht verstehen. Warum sollte mit dem Schulabschluss die Inklusion vorbei sein?“, kritisiert sie. Frau Erdmann-Wilde fand bei der Bundesagentur für Arbeit, dem Berufsförderungswerk Stralsund GmbH und dem Hotel Rügenblick Mitstreiter. Somit konnte Willi Erdmann zunächst im Rahmen eines Praktikums ausprobieren, ob ihm die Arbeit im Hotel Rügenblick zusagt und das tat sie. Damit gelang auch die Inklusion auf dem ersten Arbeitsmarkt!

Den Inhalt dieser Seite hörst Du mit dem Speech Code auf Seite 26.


Reisen & Erholung

Meine Reisewelt: Embrace Hotels mit Ski- und Winterspaß . Seite 31 .

31

Ski- und Winterspaß Witikohof Tagungs-, F ­ reizeitund Wellnesshaus In der einzigartigen Naturlandschaft zwischen dem Bayerischen Wald und dem Böhmerwald liegt das Hotel Witikohof. Das Hotel ist ein ausgezeichneter Ausgangsort für zahlreiche Wintersportaktivitäten – per Langlauf über den Grenzübergang H ­ aidmühle gleiten, im Wistelberger Stadion, wo 2020 der I­ nternationale Paralympics Biathlon und Ski-Langlauf Weltcup stattfindet, eine toll präparierte Piste genießen oder die Hausberge

Haidel und Dreisessel bezwingen. Equipment wie Mono- und BIski können über den Deutschen Rollstuhl-Sportverband e. V. (DRS) ausgeliehen werden. Über sechs Wochen – z. B. in den Weihnachtsferien – bietet der DRS auch Skikurse in Hotelnähe an.

Allgäu ART Hotel – ­Winterausflüge im Allgäu Mit seinen 56 Zimmern ist das ­Allgäu ART Hotel der perfekte Ort, um einige entspannte Tage im Allgäu zu verbringen. 15 ­Familien- und Doppelzimmer sind für Rollstuhlfahrer und Menschen mit eingeschränkter Mobilität gut nutzbar. Neben der Barrierefreiheit punktet das Hotel mit einem Am-

biente, das zwischen Moderne und Tradition ­oszilliert. Helles Holz, rote und grüne Akzente, die an Wälder, Wiesen und Blumen erinnern, aber auch ­schicke Lampen und TV-Flachbildschirme gehören zum Dekor und zur komfortablen Einrichtung dazu. In der Allgäu-Stube trifft man sich, um Gesellschaftsspiele zu spielen oder Bücher zu lesen. Das Restaurant Waldbeere bietet eine kulinarische Reise durch das Allgäu. Der barrierefreie Wellnessbereich – mit taktilen Leitstreifen – lädt mit verschiedenen Saunen nach kalten Wintertagen

Insgesamt sind neun der 46 Zimmer rollstuhlfahrerfreundlich ausgestattet – Details zu Türbreiten, Bewegungsflächen und zur Ausstattung findest Du bei Reisen für Alle. Das Hotel ist mit einer kleinen

Barrierefreiheit & Service im Allgäu ART Hotel Diese Informationen gelten insbesondere für die 15 barrierearmen Zimmer. ĉĉ stufenloser Zugang, lichte Breite von ­Türen mindestens 94 cm, Bewegungs­flächen für Richtungswechsel vorhanden ĉĉ Betten (Höhe 60 cm) mindestens an einer Seite nebenbefahrbar ĉĉ Einrichtungselemente wie Kleiderstangen (Höhe ca. 150 cm), Waschbecken und T ­ ische (unterfahrbar) aus sitzender Position nutzbar ĉĉ bodengleiche Duschen und rollstuhlgerechte WCs inkl. Stützklappgriffe vorhanden ĉĉ Leitsystem und Orientierungspläne vorhanden ĉĉ Abholung vom Bahnhof Kempten im rollstuhlgerechten Kleinbus auf Anfrage möglich ĉĉ Assistenzhunde erlaubt

Das Freizeithaus bei Nacht, © Witikohof

Bücherei und einem großzügigen Schwimmbad- und Sauna-Bereich (Decken-Lifter) ausgestattet. Gäste werden in familiärer Umgebung empfangen! Tel. +49 (0) 8550 96 19-0 www.witikohof.de

zum Entspannen ein. Kempten liegt ganz zentral im Allgäu – von hier lassen sich die sanften Hügel und alpinen Landschaften gut erkunden. „Im Winter können Gäste einen Mono-Ski im benachbarten Verein Körperbehinderte Allgäu ausleihen, um die wunderschönen Pisten in der Umgebung zu testen. Für Tipps zu Winterausflügen steht unser Rezep­tionsteam gerne zur Verfügung“, erklärt Hoteldirektorin Kathrin Geiger. Tel. +49 (0) 831 54 08 600 www.allgaeuarthotel.de


32

Meine Reisewelt: Im Winter . Seite 32 .

Schwebeengel Kaum eine Region wird so häufig mit verzauberten Schneelandschaften und schönen Weihnachtstraditionen in Verbindung gebracht wie das Erzgebirge. Im Spielzeugmuseum in Seiffen werden die Traditionen der Spielzeug- und Weihnachtsschmuckherstellung von Mitte des 18. Jahrhunderts bis Mitte des 20. Jahrhunderts gezeigt. Schwebeengel, Lichterbergmänner und Nussknacker begegnen Dir und eine sechs Meter hohe Raumpyramide schmückt das Museum.

Der Tegernsee, © Foto: Dietmar Denger

Mit Tempo im Skigebiet ­Spitzingsee-Tegernsee unterwegs Die 20-km-Skipisten im Familienskigebiet Spitzingsee-Tegernsee bieten i. d. R. von Dezember bis April gute Bedingungen, um das Skifahren zu lernen und Spaß auf den Pisten zu haben. Seit einem Jahr dürfen sich Gäste mit eingeschränkter Mobilität auf insgesamt drei Dualski freuen – die letzte Anschaffung war ein Tessier-­ Dualski aus der Tempo-Reihe. D ­ ie Skischule Tegernseer Tal stellt Begleitpersonen zur Verfügung

Arosa für blinde und seh­ behinderte Menschen Vom 19.–24. Januar 2020 bietet der renommierte Reiseveranstalter „tour de sense“ eine Winterreise nach Arosa an. Die Kälte und den intensiven Sonnenschein auf 2.000 m spüren, den Wind an Wangen fühlen und den Schnee knistern hören – all das in erfahrener Begleitung. Ob Anfänger oder erfahrener Skifahrer, alle können

und bildet private Begleiter aus. Ebenso ist kompetentes Personal vor Ort, um blinde und sehbehinderte Menschen auf Alpin- und Langlaufskiern zu begleiten. Skischule Tegernsee: www.skischule-tegernsee.de/­ specials/behindertensport Tegernsee barrierefrei: https://barrierefrei.tegernsee-­ schliersee.de

Ein ausgewiesener Pkw-Stellplatz für Menschen mit Behinderungen sowie ein Rolli-WC sind vorhanden. Wesentliche Türen und Durchgänge sind mindestens 90 cm breit und ein rollstuhlfahrerfreundlicher Aufzug bringt die Besucher in alle Etagen. Für blinde und sehbehinderte Menschen werden auf Anfrage Tastführungen organisiert, bei denen auch die Klang- und Geruchswelt des traditionellen Handwerks einfließen. Das angeschlossene Freilichtmuseum ist nicht barrierefrei erlebbar. Mehr Infos: www.spielzeugmuseum-seiffen.de

das alpine Skifahren, Langlauf sowie Winterwanderungen ausprobieren und den eigenen Erfahrungsschatz ausbauen. Um das Hotel, um ein typisch schweizerisches Käsefondue sowie um viele organisatorische Fragen kümmert sich der Reiseveranstalter, damit Du die Zeit genießen kannst. Mehr Infos: www.tourdesens.de

Langlaufabfahrt, © Foto: tour de sense


Aletsch Arena Im Kanton Wallis in der Schweiz, ganz nah an zahlreichen Viertausendern und dem großen Aletschgletscher, liegt das Skigebiet Aletsch Arena mit gut 100 Pistenkilometern. „Ich kann mich hier oben so gut umherbewegen wie sonst kaum irgendwo. Auch die Wege sind kurz, was sehr angenehm ist“, sagt die Rollifahrerin Doris Peyer, die seit 20 Jahren die Aletsch Arena aufsucht, um dort nach Lust und Laune Ski zu fahren, und bezieht sich dabei vor allem auf den Ort Riederalp. Die Skischule Riederalp bietet Skikurse für Einzelpersonen, aber auch für Kleingruppen bis zu vier Personen als adaptiven Skisportunterricht an. Auch die Ausstellung Gletscherwelt Bettmerhorn ist für Rollstuhlfahrer zugänglich. Die Eingangstür hat eine lichte Breite von 99 cm und alle wesentlichen Durchgänge in der Ausstellung sind 120 cm breit. Die Gletscherwelt wird über einen Treppenplattformlift erreicht. Der Schlüssel zum Lift kann im Restaurant abgeholt werden, wo sich ebenfalls ein Rolli-WC befindet. Aletsch Arena: www.aletscharena.ch Skischule Riederalp: www.skischule-riederalp.ch

Manchmal fängt Winterspaß auf einer Messe an Der französische Hersteller Tessier entwickelt und vertreibt Skisitzgeräte und stellt im Rahmen der RehaCare 2019 sein neues Produkt mit dem Namen Eskaip vor. Eskaip wird zum Sitz-Skilanglaufen verwendet. In der Loipe sitzt der Nutzer in einer gepolsterten Sitzschale, die Skier sind unter ihm und die Fortbewegung erfolgt mit Stöcken. Das Gerät ist mit knappen 5 kg erstaunlich leicht und in der Sitzgröße, -höhe und -position einstellbar. Des Weiteren können Einstellungen bzgl. des Sitzschwerpunkts und an den Fußstützen vorgenommen werden. Durch diese Einstellungen kann Eskaip gut von verschiedenen Personen genutzt werden und ist somit zum Beispiel für Vereine geeignet. Auf der RehaCare 2019 findest Du Tessier in Halle 5 am Stand E08.

Gruppen­reisen nach Thailand Wir bieten Dir eine unvergessliche rollstuhlgerechte Thailandreise an und bringen Dich zu schwimmenden Märkten von Damnoen Saduak, zur früheren Hauptstadt Ayutthaya, zum Königspalast in Bangkok und an den ruhigen Badeort Pranburi. Alle unsere sorgfältig ausgewählten Hotels, Ausflüge und Transfers bieten eine umfassende Barrierefreiheit für Rollstuhlfahrer.

Reiseplan: ĉĉ 1. Tag: Treffen am Flughafen Frankfurt und gemeinsamer Flug nach Bangkok ĉĉ 2. Tag: Empfang durch Reiseleitung, Transfer, Check-in in einem ausgewählten 3-Sterne-Hotel in Bangkok ĉĉ 3.–6. Tag: Ausflüge ab Bangkok und ­Sightseeing ĉĉ 6.–10. Tag: Transfer nach P ­ ranburi, Check-in in einem ausgewählten 4 ­ -Sterne-Hotel in Pranburi, ­Erholung am Hotelpool und Strand ĉĉ 11. Tag: Transfer nach Bangkok und R ­ ückflug Leistungen: ĉĉ Flug in der Economy-Class mit Thai Airways ĉĉ 9x Übernachtung mit Frühstück ĉĉ 6x Halbpension ĉĉ Ausflüge und Transfers (Van mit ­Rampe) lt. Reiseplan inkl. Eintritt ĉĉ deutschsprachige Reiseleitung, ­Ansprechpartner ab Frankfurt Reisedaten: November 2019, Januar 2020 und März 2020 € 3.190,00 im barrierefreien DZ pro Person

Thailand barrierefrei erleben mit: Reisen Erleben Noll GmbH Linnstr. 7 | 66773 Schwalbach Tel. +49 (0) 6831 89 31 650 info@reisen-erleben.de www.reisen-erleben-noll.de


34

Meine Reisewelt: ABiD-Kongress . Seite 34 .

10 Jahre ist es her, dass in Deutsch­ land die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) ratifiziert wurde. Das Zehnjährige wurde sowohl gefeiert als auch genutzt, um anzumahnen, dass der Weg zu einer umfänglichen inklusiven Gesellschaft noch lang ist. Ein größerer Stolperstein auf diesem Weg ist die Inpflichtnahme der Privatwirtschaft – das betont Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung bei verschiedenen Veranstaltungen und Reden. Bei vielen Tagungen und Festakten zur UN-BRK stand der Umsetzungstand in Deutschland im Fokus. Als Reisemagazin sind wir allerdings auch sehr daran interessiert, wie sich Inklusion und Barrierefreiheit in anderen Ländern, die wir noch bereisen möchten, entwickeln.

Mit der Teilnahme am Internatio­ nalen ABiD-Kongress in Berlin (Allgemeiner Behindertenverband in Deutschland e.V., ABiD) konnten wir Eindrücke aus insgesamt 13 ehemaligen Sowjetrepubliken gewinnen. Während der dreitägigen Konferenz kamen gut 50 ausländische Vertreter*innen zusammen, um über Teilhabe an Kultur, Tourismus und Sport (Artikel 30) zu diskutieren und einen Erfahrungsaustausch mit langjähriger Tradition fortzuführen. Alle Eindrücke, die im Rahmen des Kongresses gewonnen werden konnten, weisen in die gleiche Richtung: Der Einsatz der Vereine und Verbände von und für Menschen mit Behinderungen lohnt sich und das Angebot an inklusiven und barrierefreien Freizeit-, Kultur-, Sport- und Reiseangeboten wächst – mit ganz unterschiedlichem Tempo, Ausrichtungen und auch nur mit dem unermüdlichen Einsatz der Selbsthilfeverbände. In Kasachstan widmet man sich beispielsweise der Barrierefreiheit in Nationalparks, in Usbekistan der Schulung von Mitarbeiter*in insbesondere für die Belange von blinden, sehbehinderten und hörbeeinträchtigen Menschen und in Georgien der Zugänglichkeit von Kirchen, Museen und historischen Architekturdenkmälern. Besonders beeindruckend waren auch die Ausführungen zu Russland. Mit vielen spektakulären und sport-

© Foto: Simone Kuhlmey

Eine besondere Tagung in Berlin Voneinander lernen und im Gespräch bleiben lichen Freizeitangeboten im und am Wasser, in den Lüften und an Land, beispielsweise Segeln für ­Menschen mit eingeschränkter Mobilität, schreitet das Land voran. Natürlich hatten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Kongresses auch die Möglichkeit, etwas von Berlin zu sehen. Das Hotel Mondial, ein 4-Sterne-Hotel am Kurfürsten­ damm, hat sich als äußerst rollstuhlfahrerfreundlich erwiesen und war das perfekte Headquarter für die große Reisegruppe. v­ isitBerlin, die Profis, wenn es um die Planung von Berlin-Reisen geht, haben eine barrierefreie Stadtführung angeboten. Der abendliche Ausflug mit dem Schiff „Köpenick“ der Reederei Riedel hat zu den unbestrittenen Highlights des Berlin-Programms gehört. Über die Rampen an der Anlegestelle am Ludwig-Erhard-­ Ufer sind alle Konferenzteilnehmer in das Ausflugsschiff gelangt. Der großzügige Restaurantbereich und ein WC sind rollstuhlfahrerfreundlich ausgestaltet – Detailinformationen zur Barrierefreiheit können über Reisen für Alle abgerufen werden. Bei bestem Wetter und netten Gesprächen ging die Konferenz zu Ende. Als Reisemagazin freuen wir uns über die entstandenen Kontakte und darüber, in einer nächsten Ausgabe einen Reisebericht – vielleicht über Estland, Aserbaidschan oder Weißrussland – zu schreiben.


35

Jugendgästehaus Hauptbahnhof Das Jugendgästehaus Hauptbahnhof ist auf einem parkähnlichen Gelände unweit des Berliner Hauptbahnhofes gelegen. Trotz der sehr guten Anbindung und zentralen Lage besticht das Jugendgästehaus durch eine ruhige Atmosphäre. Das Haus ist hell, gut ausgestattet und ein erfahrenes Rezeptionsteam geht gern

auf Deine Wünsche ein. Zehn der 113 ­Zimmer sind rollstuhlgerecht und es gibt ein Leitsystem in Braille- und Pyramidenschrift. Für unvergessliche Momente in guter Gesellschaft stehen eine Billardlounge sowie ein Familienbereich zur Verfügung. Das Jugendgästehaus Hauptbahnhof ist nach Reisen für Alle zertifiziert.

Weitere Informationen unter: Tel. +49 (0) 30 39 83 50-0 www.jgh-hauptbahnhof.de Zertifiziert im Zeitraum: März 2018 – Februar 2021

Leichte Sprache

Etwas unternehmen und dabei sein Jeder Mensch mit Behinderung soll auch in seiner Freizeit überall dabei sein können. Jeder Mensch mit Behinderung soll ins Theater, Kino, Museum oder in die Bücherei gehen können. Menschen mit Behinderung sollen sich auch andere wichtige Orte ansehen können. Zum Beispiel wichtige Häuser und alte Kirchen.

Oben: Dr. Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen und Dr. André Hahn, MdB, Die Linke, unten: Julia Marmulla, Herausgeberin .Meine Reisewelt., © Fotos: Simone Kuhlmey

Darum muss es an all diesen Orten zum Beispiel Rampen für Rollstuhl-Fahrer geben. Oder Angebote in Gebärden-Sprache. Oder Texte in Leichter Sprache. Jeder Mensch mit Behinderung soll auch in den Urlaub fahren können. Zum Beispiel muss es Hotels und Restaurants geben, die Menschen mit Behinderung gut benutzen können. © Europäisches Logo für einfaches Lesen: Inclusion Europe. Weitere Informationen unter www.leicht-lesbar.eu

Teilnehmerinnen ABiD-Kongress

Auszug aus der UN-Behindertenrechts­ konvention in Leichter Sprache (Artikel 30)


36

Meine Reisewelt: Übernachten in der Bundeshauptstadt . Seite 36 .

Embrace Hotels in Berlin Hotel Rossi Mit einem ausgezeichn­eten Preis-Leistungs-Verhältnis ­empfängt Dich das Hotel Rossi. Es ist ein Inklusionshotel, in dem Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit und ohne Beeinträchtigung auf Augenhöhe miteinander arbeiten. Neben 28 Hotelzimmern stehen Dir eine ­24 Stunden besetzte Rezeption, ein erstklassiges Restaurant sowie ein moderner Tagungsbereich zur Verfügung. Das Hotel Rossi ist eine Initiative von SOS-Kinderdorf und es befindet sich in der Botschaft für Kinder. Wer mit dem Zug anreist, muss vom Hauptbahnhof nur wenige

100 m rollen oder laufen. Wer mit dem Pkw anreist, kann den Parkplatz nutzen – es sind auch zwei Pkw-Stellplätze für Menschen mit Behinderungen vorhanden. Von den 28 Zimmern sind zwei rollstuhlfahrerfreundlich ausgestattet. Sie zeichnen sich u. a. für breite Türen (93 cm) und große Bewegungsflächen (> 150 x 150 cm) sowie für ihre Badezimmerausstattung (bodengleiche Dusche, nebenbefahrbare WCs, unterfahrbares Waschbecken mit einem Spiegel, der im Sitzen einsehbar ist) aus. Zahlreiche bei Einheimischen und Reisenden beliebte Spots sind in Hotelnähe, darunter der zwölf Hektar große und familienfreundliche Fritz-Schloß-Park und die fast magische Vabali Therme. Lehrter Straße 66 10557 Berlin Tel. +49 (0) 30 33 09 93 800 reservierung@hotel-rossi.de www.hotel-rossi.de

Doppelzimmer Maxi, © Foto: Hotel Rossi

Beide Hotels gehören dem Verbund der Embrace Hotels e. V. an, sind ­Inklusionsbetriebe und nach Reisen für Alle zertifiziert. Weitere Details unter: www.embrace-hotels.de www.reisen-fuer-alle.de

Hotel Grenzfall Das Hotel Grenzfall befindet sich in zentraler und dennoch ruhiger Lage direkt neben der Gedenk­ stätte ­Berliner Mauer. Viele Sehens­würdigkeiten sind mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auch für Rollstuhlnutzer in kurzer Zeit zu erreichen. Nach dem Trubel der Großstadt kannst Du Dich in einem 3.000 qm großen Garten mit Pavillon, Teehaus und einem ­Goldfischteich erholen. Dieser wurde bereits im Jahre 1997 mit dem Berliner Umweltpreis ­ausgezeichnet und ist eine Oase der Ruhe. Das Hotel ist komplett ­stufenlos nutzbar, wobei die Rampe

von der Tiefgarage 12 % Steigung und die Aufzugstür zu den Etagen eine ­lichte Breite von 80 cm (Aufzugskabine 110 x 210 cm) aufweisen. Vier der Klassikzimmer sind rollstuhlgerecht ausgestattet – hier finden Gäste breite Türen (93 cm), große Bewegungsflächen (> 150 x 150 cm), bodengleiche Duschen und nebenbefahrbare WCs. Auch das Restaurant mit Wintergarten (mit unterfahrbaren Tischen) ist komplett mit dem Rollstuhl nutzbar. Zur Stärkung am Morgen wird ein reichhaltiges Frühstücksbuffet angeboten, tagsüber bietet das Bistro Grenzfall Kaffee & Kuchen, aber auch andere herzhafte Snacks und Getränke an. Das Hotel-Restaurant ist täglich ab 17 Uhr geöffnet. Sehbeeinträchtigte Gäste werden durch die ausgeprägten Kontraste ein Ambiente vorfinden, welches ihren Bedürfnissen entspricht. Die Mitarbeiter stehen bei Fragen und zur Unterstützung jederzeit zur Verfügung. Das Motto und die Philosophie des Hauses ist „als Gast willkommen – als Mensch erwünscht“. Ackerstr. 136 13355 Berlin Tel. +49 (0) 30 34 33 33 00 erlebnis@hotel-grenzfall.de www.hotel-grenzfall.de

Barrierefreies Badezimmer, © Foto: Hotel Grenzfall


Meine Reisewelt: Komfort für Alle . Seite 37 .

37

Reisen & Kultur

Taktile ­Aus­stellungen ­gesucht und ­gefunden! Mit dem Ziel, insbesondere blinden und sehbehinderten Menschen, Kindern, Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen, aber auch allen anderen Besuchern ein kompletteres und intensiveres Ausstellungserlebnis anzubieten, bietet eine wachsende Anzahl an Museen taktile Ausstellungselemente der Firma Tactile Studio an. Dort, wo Tactile Studio gearbeitet hat, heißt es nicht mehr „berühren nicht erlaubt“, sondern „bitte anfassen und staunen“. Die taktilen Ausstellungselemente sind vielfältig. Bei Architekturmodellen werden ganze Städte, historische Anlagen und einzelne Gebäude und Häuser gezeigt. Gerne auch in Kombination, wie am Beispiel des kleinen Museums von Étampes (in der Île-de-France) gezeigt werden kann. Eine erste Taststation zeigt ein 3D-Turm-Replikat aus dem 12. Jahrhundert sowie eine Schnittdarstellung des Turmes. Bei der nächsten Station erfährt der Besucher visuell und taktil, wo der Turm in der Ansiedlung einst stand.

3D-Tastmodell im Museum von Étampes, © Foto: Tactile Studio

Tastweltkugel im Historischen Museum Frankfurt, © Foto: Historisches Museum Frankfurt, Stefanie Kösling

Aber nicht nur Architektur, sondern auch die P ­ flanzenund Tierwelt, Kunst und Gemälde, technische Errun­ gen­schaften und vieles mehr wird durch Tactile Studio haptisch erfahrbar. Künstlerische Interpretationen von Bildern großartiger Meister, wie Peter Paul Rubens, Vincent van Gogh und Egon Schiele, gehören zu den Arbeitsschwerpunkten der Firma. In m ­ anchen Museen ergänzen taktile Bücher, Informationen in Brailleschrift sowie Riech- und Hörstationen das Mehr-Sinne-Erleben. Orientierung in Museen, aber auch in Parkanlagen und in Städten ergänzen die Ausstellungselemente und baulichen Anlagen bei Bedarf.


38

Meine Reisewelt: Komfort für Alle . Seite 38 .

Auf dem Weg zur Kultur für Alle Tactile Studio unterstützt auch Deine Kultureinrichtung Eine Museumsneueröffnung, die Umgestaltung einer Dauerausstellung, die Planung einer Sonderausstellung oder die Renovierung des Empfangs- und Kassenbereichs – es gibt viele Momente, bei denen Museen und andere Kultureinrichtungen mehr Inklusion und Barrierefreiheit einziehen lassen können. Solche Momente sollte man nicht verstreichen lassen, um unterschiedlichsten Besuchern – beispielsweise sehbeeinträchtigten Menschen und Kindern – neue Perspektiven auf Sammlungen und Informationen zu ermöglichen. Die Firma Tactile Studio steht seit 2009 Museen, Kultureinrichtungen, Besucherinformationszentren, aber auch anderen touristischen Einrichtungen als kompetenter Partner zur Seite: • sehr gute Kenntnisse der ­Anforderungen aller Besucher/ Museumsbesucher, insbesondere blinder und sehbehinderter Menschen • ein eingespieltes Team aus Experten für Design für Alle, aus Graphikern, Designern, Handwerkern und Projektmanagern

Taktile Interpretation eines Gemäldes im Belvedere Museum, © Foto: Ouriel Morgensztern, Belvedere, Wien

Tastmodell in der Zeche Zollverein, © Foto: Stiftung Zollverein, Jochen Tack

• ästhetische Szenographien: Die Tast-, Hör- und Riech­ stationen harmonieren mit der ­Umgebung. • Die taktilen Exponate sind im höchsten Maße auch visuell ansprechend. • Die Ausstellungselemente sind intuitiv nutzbar. Tactile Studio hat in den letzten Jahren für international renommierte, aber auch für Museen mit regionaler Strahlkraft Ausstellungselemente umgesetzt. Des Weiteren wurden Stadtführer und Besucherzentren mit taktilen Hilfsmitteln ausgestattet. Taststationen sowie taktile Architekturmodelle, Kunstwerke, Bücher und Orientierungspläne gehören zum Portfolio. An ausgewählten Standorten im gesamten Bundesgebiet finden sich taktile Werke – ­beispielsweise im StadtPalais in Stuttgart, im Granitzhaus auf Rügen, in der Bundeskunsthalle in Bonn und in verschiedenen Einrichtungen der Klassik Stiftung Weimar. Und auch im Ausland gibt es gelungene Umsetzungsbeispiele. Von Kooperationen haben ­bereits der Louvre in Paris, das Internationale Parfümmuseum in Grasse (Provence) sowie das Confluence-­Museum in Lyon profitiert. Weitere Projekte wurden

in G ­ roßbritannien, Italien, K ­ anada und in Saudi-Arabien rea­lisiert. Für ­Anfragen aus Deutschland und Österreich steht das Berliner Büro zur Verfügung: Tactile Studio UG c/o Coworking The Place Charlottenstraße 2 | 10969 Berlin Tel. +49 (0) 152 55 67 80 88 info@tactilestudio.de www.tactilestudio.de

„Wir sind bedacht, keine Sonderlösungen, sondern inklusive und magische Erlebnisse zu schaffen. Bei Stadtführungen, im Außenbereich von Tourist-Informationen, aber auch entlang von Wanderwegen sehen wir noch viel Potenzial für taktile Erlebnisstationen. Man muss sich auch immer wieder vergegenwärtigen, dass diese Stationen zum Ort des Austausches werden. Hier erzählen Großeltern ihren Enkeln Geschichten und Menschen mit und ohne Behinderungen kommen ins Gespräch.“ – Alexandra Verdeil, Geschäftsführerin von Tactile Studio


Meine Reisewelt: Komfort für Alle . Seite 39 .

1. Portal der ­Industrie­kultur – Zeche Zoll­verein Ein interaktiver und i­ nklusiver Rundgang auf dem UNESCO-­Welterbe Zollverein in Essen Die Zeche Zollverein setzt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in Szene. Das Leben unter Tage, über Tage und im S ­ trukturwandel wird gezeigt: Menschen und Maschinen im Ruhrgebiet – gestern, heute und morgen. ­Besonders gut können das Ruhrgebiet und ­seine Geschichte an 18 interaktiven und taktilen Stationen erfahren werden. Mit den Stationen durchläuft man das Revier von Ost nach West. Man bekommt Einblicke in wichtige Orte der Industriegeschichte – und es sind Orte, die meist auch noch heute genutzt werden. Darunter zählen die Kokerei Hansa in Dortmund, die Jahrhunderthalle in Bochum, der Chemiepark in Marl und der Landschaftspark im nördlichen Duisburg. Neben zahlreichen multimedialen A ­ ngeboten und Originalobjekten präsentieren taktile Halbreliefs Kernobjekte und Meilensteine der Industrie im Revier. Ganz u ­ nterschiedliche ­Objekte können mit den Händen erkundet werden, darunter Reproduktionen von Kohle und Koks und eine Dampflock mit unterschiedlich großen Rädern. Des Weiteren können auch spannende technische Prozesse, wie das Wälzen von Blech, taktil erkundet werden. Jedes Tastmodell ist mit einem ebenfalls taktilen QR-Code ­ausgestattet, der vom eigenen Smartphone eingelesen werden kann und Audioinformationen (de/eng) beinhaltet. UNESCO-Welterbe Zollverein Portal der Industriekultur Gelsenkirchener Straße 181 | 45309 Essen Tel. +49 (0) 201 24 68 10 info@zollverein.de www.zollverein.de

Tastmodell in der Zeche Zollverein, © Foto: Stiftung Zollverein, Jochen Tack

Tastmodell der Stadt Friedberg mit ehemaligen Uhrmacher­häusern in Gold, © Foto: Tactile Studio

2. Museum im ­Wittels­bacher Schloss ­Friedberg Neue Dauerausstellung zur ­Geschichte der Stadt Friedberg Das Museum Wittelsbacher Schloss Friedberg in unmittelbarer Nähe von Augsburg (circa 8 km entfernt) hat seine Tore im Mai 2019 wieder geöffnet. Auf einer Fläche von rund 1.000 Quadratmetern wird die spannende Geschichte der Stadt und des ­Schlosses sowie die Geschichte der international bedeutsamen Friedberger Uhren lebendig und inklusiv vorgestellt. Friedberg war vom 16. bis Anfang des 19. Jahrhunderts ein Zentrum der Uhrmacherei und exportierte seine Preziosen in das gesamte Heilige Römische Reich Deutscher Nation, nach Ungarn und Polen und wahrscheinlich auch ins Osmanische Reich. Zwei Tastmodelle ermöglichen ein inklusives Museums­erlebnis. Ein großes Stadtmodell weist in Gold gefärbt die ehemaligen Uhrmacherhäuser aus. Des Weiteren zeigt ein Architekturmodell die römische Villa suburbana „Am Fladerlach“. Das Modell ist in der Abteilung für Archäologie integriert – sie zeigt überregional bedeutsame Funde, z. B. aus römischer Zeit. Museum Wittelsbacher Schloss Schlossstraße 21 | 86136 Friedberg Tel. +49 (0) 821 60 02 681 museum@friedberg.de

39


40

Meine Reisewelt: Komfort für Alle . Seite 40 .

3. Granitzhaus in Rügen Barrierefreiheit im UNESCO-Biosphären­ reservat Südost-Rügen Das UNESCO-Biosphärenreservat Südost-­ Rügen hat seine neue Ausstellung im Infor­ mationszentrum Granitzhaus am Jagdschloss Granitz im April 2019 wieder eröffnet. Das 1990 gegründete Biosphärenreservat Südost-Rügen ist für Mecklenburg-Vorpommern als Küstenlandschaft repräsentativ. Land und Meer, Halbinseln und Küstenvorsprünge prägen die Landschaft. Ein Highlight der Ausstellung ist ein 3D-Geländemodell der Region Südost-Rügen. Über eine interaktive Animation werden die nacheiszeitliche Entwicklung der Region, insbesondere der ­Ostsee, und die Siedlungsgeschichte gezeigt. Eine ­taktile Inselkarte erlaubt blinden und seh­ behinderten Menschen einen guten Zugang zu den Vermittlungsinhalten. Biosphärenreservatsamt Südost-Rügen Jagdschloß Granitz 1 | 18609 Binz Tel. +49 (0) 38301 88 29-0 poststelle@suedostruegen.mvnet.de

3D-Geländemodell, © Foto: Granitzhaus Rügen, Sebastian Matthäus

Hinweise für Rollstuhlfahrer Portal der Industriekultur Das Portal der Industriekultur befindet sich im Gebäude „Kohlenwäsche“ (Zeche Zollverein) auf Ebene 30. Mehrere Rolli-­ Pkw-Stellplätze sind im Parkbereich PA1 vorhanden. Aufzüge befinden sich am Seiteneingang des Gebäudes und werden durch Querung des „Forums“ erreicht (kleinere Schwellen, u. a. von ehemaligen Bahnschienen). Der Informations- und Ticketschalter (für stehende Gäste konzipiert), ein Café sowie ein vorbildliches rollstuhlgerechtes WC sind auf Ebene 24 angesiedelt. Die interaktiven Stationen und Pulttafeln des Portals sind für Rollstuhlfahrer gut nutzbar,

Taktile Interpretation von einem Gemälde im Belvedere Museum, © Foto: Ouriel Morgensztern, Belvedere, Wien

4. Belvedere-­ Museum in Wien Egon Schiele erlebbar für alle! Egon Schiele, der nur 28 Jahre alt wurde, zählt als Expressionist zu den bedeutendsten Künstlern der Wiener Moderne. 2018, anlässlich seines 100-­jährigen T ­ odesjahres hat Tactile Studio eine taktile Interpretation des Kunstwerkes Kauerndes Menschenpaar (Die Familie) entwickelt. Nach reiflicher Überlegung wurde das Tastmodell in drei Relief­ebenen realisiert, die sich vom Bildhintergrund abheben: Schiele, seine Frau und das Kind sind auf verschiedenen Reliefhöhen tastbar. Dank unterschiedlicher Texturen sind die Körper, die Gesichter und der Unterschied zwischen Stoffen und nackten Körpern taktil verständlich. Das Tastmodell steht direkt vor dem Originalwerk und erlaubt den Besuchern, die Arbeit von Schiele näher zu erkunden. Die Mitnahme von Assistenzhunden ist in den Museen des Belvederes an allen Standorten ­möglich. In regelmäßigen Intervallen finden sog. „Anders Sehen-Führungen“ für blinde und sehbeeinträchtigte Besucher statt. Schloss Belvedere Prinz Eugen-Straße 27 | A-1030 Wien Tel. +43 1 795 57-0 info@belvedere.at | www.belvedere.at

gleichwohl die Bewegungsflächen knapp sind. Die Aussichtsplattform (Gitterrostboden) mit einem sagenhaften Blick über das Areal der Zechen und das Ruhrgebiet ist für Rollstuhlfahrer nur über Umwege erreichbar (Servicepersonal fragen). Weitere Informationen zur Zeche Zollverein unter www. zollverein.de und w ­ ww.ruhr-barrierefrei.de.

stuhlfahrer konzipiertes WC befindet sich im Veranstaltungsbereich des Schlosses. Die Außenbereiche des Schlosses und des Museumscafés sind nicht barrierefrei.

Wittelsbacher Schloss Die wesentlichen Bereiche des Museums sind für Rollstuhlfahrer gut zugänglich (stufenloser Eingang, Durchgänge mindestens 90 cm). Der größte Teil der Ausstellungen ist aus sitzender Position gut einsehbar. Rolli-Pkw-Stellplätze sind 50 m vom Haupteingang entfernt. Ein für Roll-

Belvedere-Museum in Wien Das Museum besteht aus drei Gebäuden, die über eine große Parkanlage ­miteinander verbunden sind. Die Standorte können einzeln oder mit einem Kombi-Ticket besucht werden. Detaillierte Informationen zur Barrierefreiheit sind über die Website ­www.­belvedere.at aufrufbar.

Granitzhaus in Rügen Rollstuhlfahrer nutzen einen Treppenplattformlift.


Meine Reisewelt: Indonesien . Seite 41 .

41

Nach Bali reisen Informationen zu Bali

Ein Vorwort der Herausgeberin

Bali ist eine indonesische Insel, die viele Urlauber für ihre Vielfalt schätzen. Die schönen Strände sind ein Besuchermagnet und sie gelten mit ihren perfekten Wellen als Surferparadies. In belebten Urlaubsorten befinden sich Bars, Restaurants und Geschäfte.

Steffi Raila (50) erlitt 2005 einen schweren Unfall und ist seitdem querschnittsgelähmt. Seit 2008 leitet sie ein Reisebüro für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen. Viele Reiseangebote, die sie anbietet, prüft sie selbst auf ihre Barrierefreiheit, um Reisende bestmöglich zu beraten. Im März 2019 unternahm sie eine zweiwöchige Reise nach Bali – als Vorreise, um als Reiseveranstalterin Bali-Reisen anzubieten. Der Zauber Balis verwandelte die Vorreise in einen absoluten Traumurlaub, der in einer rollstuhlgerechten Villa begann. Die Canggu zweite Hälfte verbrachten sie und ihre Mitreisenden – also Freunde und Villa Sunset View Familienangehörige – in einem Luxushotel im Badeort Sanur. Als Leiterin des Reisebüros ­„Behindertengerechte Reisen“ lässt sie Dich an ihrer Reise teilhaben, indem sie von der Insel, den ­Unterkünften und ihren Ausflügen ­berichtet und dabei immer die Barrierefreiheit im Blick hat. ­ Dieser Artikel gibt Dir gute Tipps, um eine Bali-Reise in Eigenregie zu organisieren. Aber natürlich kannst Du Dich auch an Steffi Raila und Kerstin Beise wenden, um Dir Deine perfekte Bali-Reise schmieden zu lassen und kompetente und erfahrene Reiseveranstalterinen an Deiner Seite zu wissen.

Bali

Denpasar

Bali bietet sich auch für Yoga- und ­Meditationsurlaube sowie für den B ­ esuch seiner religiösen Stätten an. D ­ ie Landschaft birgt felsige Steilufer, bewaldete Vulkanberge, Reisfelder und K ­ orallenriffe. Die beste Reisezeit ist von Mai bis Oktober. Der Flughafen Denpasar liegt im Süden von Bali.

Badeort Sanur

Sulawesi

Jakarta

Yogyakarta Bali

Accessible Indonesia: organisiert Individual- und Gruppenreisen nach Indonesien für Menschen mit Behinderungen und für Senioren. Kerstin Beise, die seit gut 20 Jahren in Indonesien lebt und beruflich Erfahrungen im Bereich der Reha hat, ist Deine deutsche ­Ansprechpartnerin für die Reisevorbereitung und vor Ort. Ob auf Bali, Yogyakarta, Sulawesi oder in Jakarta: ­Accessible Indonesia führt Dich zu den schönsten Spots und bespricht im Detail, welche Barrierefreiheit und Barrieren Du vorfinden wirst und wie Du Barrieren überwinden kannst. Über Accessible Indonesia kannst Du beispielsweise auch rollstuhlgerechte Transfers organisieren und Strandrollstühle mieten. www.accessibleindonesia.org/de info@accessibleindonesia.org


42

Meine Reisewelt: Indonesien . Seite 42 .

Sonnenuntergang am Strand

Bali Strand

Frühstück

Bali – Insel der Götter Ein Text von Steffi Raila Es war geschafft – nach 16 Stunden reiner Flugzeit befanden wir uns im Landeanflug auf Bali. Ich schaute aus dem Fenster und mein Blick fiel auf die schöne Landschaft mit ihren Reisfeldern und ich spürte, wie die Vorfreude immer größer wurde. Nach der Landung fanden wir am Ausgang des Flughafengebäudes unseren Fahrdienst und ließen uns zu unserer Unterkunft bringen. Das Fahrzeug war ein Minibus mit Rampe, in dem ich entweder auf einem normalen Sitz

oder im Rollstuhl am Boden verankert die Fahrt genießen konnte. Die Verhältnisse auf den Straßen beeindruckten mich – unzählige Mopeds, Autos und Menschen bildeten einen Schwarm; chaotisch, aber es funktionierte! In der Villa Sunset View wurden wir schon von dem Hauspersonal erwartet. Als wir eintraten, waren wir augenblicklich von der offenen Architektur mit Blick auf den einzigartigen Infinitypool begeistert.


Meine Reisewelt: Indonesien . Seite 43 .

43

Die Villa verfügt über vier Doppelzimmer und ein ­Einzelzimmer, die allesamt rollstuhlgerecht sind. Der gesamte Bereich ist stufenlos zugänglich und die ­Badezimmer sind mit bodengleichen Duschen und Stützklappgriffen an der Toilette sowie einem unterfahrbaren Waschbecken ausgestattet.

wurde ich einfach mit dem Rollstuhl getragen. Darauf wurde ich von Kerstin Beise im Vorfeld hingewiesen und war damit einverstanden. Gerade auf Fernreisen bin ich mit dieser Methode der Barrieren-Überwindung punktuell einverstanden, gleichwohl das im Alltag für mich ein No-Go ist.

Ein Duschrollstuhl und sogar ein extra Rollstuhl für den Pool, der mit einer Rampe ausgestattet ist, machen die rollstuhlgerechte Ausstattung des Hauses p ­ erfekt. Wegen der Zeitverschiebung von sechs Stunden ­gingen wir am ersten Abend bald zu Bett. Am nächsten Mor­ gen staunten wir über das wunderbare ­balinesische Frühstück. Es gab Mie Goreng und Nasi Goreng – ­gebratenen Reis oder Nudeln mit Gemüse und frischen Früchten. Für Einkäufe und das Frühstück in der Villa ist das Hauspersonal zuständig – was den Urlaubscharakter dieser Villa unterstreicht. In der Regel steht es von 8 bis 16 Uhr zur Verfügung und organisierte beispielsweise auch Massageteams, die in die Villa kommen.

Bei unserer zweiten Station spazierten wir über den „Farmers Walk“ durch die „Jatiluwih“-Reisterrassen. Der Weg hatte eine wassergebundene Oberfläche und das Gefälle war mit etwas Hilfe gut zu bewältigen. Die dritte und letzte Station dieses Ausfluges brachte uns zum „Ulun Danu Bratan“-Tempel in den Bergen von Munduk. Der bedeutende Wassertempel am Bratansee beherbergt im Inneren auch Buddha-Statuen. Die Wege durch die Tempelanlage sind rollstuhlgerecht, haben jedoch auch teilweise etwas Gefälle.

Während der ersten Tage genossen wir das ­Ambiente und die sensationelle Ausstattung der Villa. Bei Temperaturen um die 35 Grad entspannten wir natürlich vor allem am Pool. Spontan wurde uns von Kerstin Beise von Accessible Indonesia ein rollstuhlgerechtes Fahrzeug organisiert, das uns zum Abendessen an den Strand fuhr, wo wir uns an einem fantastischen Sonnenuntergang nicht sattsehen konnten. Die Villa befindet sich ca. eine halbe Stunde Fahrtzeit im Landesinneren in dem kleinen Ort Canggu, der auch über Geschäfte und Restaurants verfügt. Jedoch ist es hier leider nicht möglich, mit dem Rollstuhl spazieren zu gehen, da die Gehwege nicht abgesenkt sind und ein Spaziergang auf der Straße viel zu gefährlich wäre. Ein Highlight der ersten Woche war ein Tagesausflug mit drei Stationen. Früh morgens wurden wir abgeholt, um den Muskatnusswald von Sangeh, der als heiliger Ort gilt, zu besuchen. Dieser entstand bereits im 17. Jahrhundert und ist einer der ältesten auf Bali. In diesem Areal sind ebenfalls die Tempelanlage „Bukit Sari“ und eine große Affenpopulation zu finden. Bei dem Besuch wurden wir darauf hingewiesen, sämtliche Gegenstände und Lebensmittel im Fahrzeug zu lassen und unsere Taschen zu verschließen, damit die Affen nicht alles mitnehmen, was nicht „niet- und nagelfest“ ist. Auf dem Spaziergang begleitete uns ein Mönch, der die Affen von uns fernhielt – außer für Fotos, da lockte er sie extra mit Futter an. Der Weg durch den Park war gut befahrbar. Über wenige zu bewältigende Stufen

Während der fast zweistündigen Fahrt wieder zurück zu unserer Unterkunft waren alle sehr erschöpft und ließen die schönen Eindrücke noch einmal passieren.

ANZEIGE


44

Meine Reisewelt: Indonesien . Seite 44 .

Das Doppelzimmer in der Villa Sunset View, © Foto: Steffi Raila

Die erste Woche neigte sich schon dem Ende zu und wir mussten von der einzigartigen Villa Abschied nehmen. Wir hatten das Glück, die Inhaber Alfred und Elisabeth Mair persönlich kennenzulernen. Das Ehepaar ­führt das Vermächtnis ihres auf tragische Weise inzwischen verstorbenen Sohnes weiter, um Menschen mit Behinderungen einen Aufenthalt in Bali zu ermöglichen. Bei der Planung der Reise hatten wir für die zweite Woche bewusst ein Hotel in Sanur gebucht, da das Meer in dieser Gegend durch ein vorgelagertes Riff sehr ruhig ist. Das Luxushotel Maya Sanur besticht durch seine direkte Strandlage und das tropische Ambiente, das sich im gesamten Hotel widerspiegelt. Als Upgrade wurde uns ein Doppelzimmer mit eigenem Poolzugang angeboten, welches wir mit großer Freude annahmen. Es war zwar nicht rollstuhlgerecht, da ich jedoch wusste, dass ich mit der vorhandenen Standardausstattung zurechtkomme, war dieses Upgrade willkommen. Das Rolli-Zimmer, das ich mir anschauen konnte, ist im Badezimmer mit Haltegriffen an der Dusche, einem unterfahrbaren Waschbecken und einer befahrbaren Dusche mit einem Duschstuhl ausgestattet. Die Bewegungsflächen sind im gesamten Hotel kein Problem. Unterhalb des Hotels konnte man hervorragend mit dem Rollstuhl auf der Strandpromenade vorbei an weiteren Hotels, kleinen Verkaufsständen und Restaurants fahren. Anders sah es bei den Gehwegen an den Hauptverkehrsadern am Hotel aus: Hier sind die Gehwege nicht abgesenkt und es war mir beinahe unmöglich, sie zu befahren. Der Hotelpool war leider nur durch Stufen zugänglich, was mir jedoch im Voraus schon bekannt war. Ein von Accessible Indonesia ausgeliehener Strandrollstuhl ließ mich dafür den Strand von Sanur hervorragend entdecken.

Auch für diese Woche hatten wir einen Ganztagesausflug geplant. Dieser beinhaltete die Fahrt an den Krater des „Batur“-Vulkans und den Besuch des Muttertempels „Besakhi“, der unterhalb des aktiven Vulkans „Gunung Agung“ liegt und das Zentrum der balinesischen Welt und der Götter darstellt. Er liegt auf 900 Metern Höhe und ist der größte, älteste und heiligste Tempel auf Bali. Allerdings befindet sich der Tempel an einem Hang und der Weg dahin ist sehr beschwerlich. Nur mit zwei Helfern, die mich die steilen Rampen überwinden ließen, war es mir möglich, auf die erste Ebene der Tempelanlage zu gelangen. Alle anderen Ebenen waren nur über viele Treppen zugänglich und für mich somit nicht zu besichtigen. Allerdings war bereits von hier der Ausblick sensationell und ich konnte trotzdem das Ambiente genießen und einen Eindruck von der Anlage gewinnen. Schlagartig kamen an diesem Tag dunkle Wolken auf und es fing an, monsunartig zu regnen. Durch das Unwetter mussten wir alle weiteren geplanten Besichtigungen abbrechen, um schnell wieder zurück nach Sanur zu kommen. Ich bekam ein bisschen Angst, da sich die Straßen durch den Regen in Flüsse verwandelten. Unser Urlaub lag außerhalb der Trockenzeit und es kam abends öfters zu starken, kurz anhaltenden Regenfällen, die jedoch unseren Aufenthalt – bis auf diesen einen Tag – nicht groß beeinträchtigten. Nach 13 Tagen auf Bali traten wir unseren Flug nach Singapur an, wo wir für eine Nacht einen Zwischenstopp eingeplant hatten, um diese Metropole zu besichtigen. Nach dem Flug wartete ich vorerst vergebens auf meinen eigenen Rollstuhl, der normalerweise bereits am Flugzeug bereitsteht, und bekam einen großen Schreck. Wie soll ich den Aufenthalt in Singapur ohne eigenen Rollstuhl gestalten? – ging mir durch den Kopf.

Das Badezimmer in der Villa Sunset View, © Foto: Steffi Raila


Meine Reisewelt: Indonesien . Seite 45 .

45

„Es hat sich für mich gelohnt, die lange Anreise in Kauf zu nehmen.“ Ein Steward half uns, und verhandelte mit dem Personal und, siehe da, mein Rollstuhl wurde im Gepäckbereich gefunden. Der von mir gebuchte rollstuhlgerechte Transfer brachte uns zu unserem Hotel Marina Bay Sands, dem Wahrzeichen Singapurs. Auch hier hatte ich im Voraus ein rollstuhlgerechtes Zimmer gebucht, welches alle notwendigen Ausstattungen hat, um als Rollstuhlfahrer den Aufenthalt genießen zu können.

In den unteren Bereich des Busses können Rollstuhlfahrer mit einer ­Rampe einsteigen. Im Preis inklusive ist ein deutschsprachiger Audio-­Guide. In kürzester Zeit erhält man so einen guten Eindruck von der gesamten Metropole, die uns sehr sauber und stressfrei erschien. Wir waren von der Mischung aus hochmodernen Häusern und ­Kolonialzeitgebäuden sowie von den Stadtteilen Little China und India sehr beeindruckt.

Der Ausblick aus dem Zimmer war phänomenal und die Skyline Singapurs hat mich sehr beeindruckt. Nach kurzem Check-in machten wir uns auf, die Hotelanlage zu erobern. Der Besuch der spektakulären hoteleigenen und berühmten Aussichtsterrasse mit ihrem Infinitypool standen zunächst auf dem Programm. In das Wasser gelangt man auch hier leider wieder nur über Stufen – umso mehr genoss ich die spektakuläre Aussicht. Später besuchten wir noch den künstlich angelegten, komplett rollstuhlgerechten Garten „By the Bay“. Die Blumen werden im Dunkeln durch bunte Lichter eindrucksvoll ­beleuchtet und bieten einen ­richtigen Augenschmaus.

Rechtzeitig wieder in unserem Hotel angekommen, wurden wir von unserem Flughafentransfer abgeholt und wohlbehalten zum Flughafen gebracht, um nun die endgültige Heimreise anzutreten. Ich bin froh, alle Flugstrecken über Singapore Airlines gebucht zu

Am nächsten Tag nach dem Frühstück kauften wir uns ein Tagesticket des Hop-on-Hop-off-Busunternehmens City Sightseeing.

Am Strand von Sanur, © Foto: Steffi Raila

haben, da der wunderbare Service sich abermals bewährt hat. Ich möchte reiselustigen, aktiven Rollstuhlfahrern eine Reise nach Bali ans Herz legen. Es hat sich für mich sehr gelohnt, die lange Anreise in Kauf zu nehmen, um diese wunderschöne Insel mit ihrer beeindruckenden Natur und den herzlichen Menschen zu entdecken.

Wenn ich Dich bei der Reiseplanung mit einem Reisebüro unterstützen darf, erreichst Du mich wie folgt: Tel. +49 (0) 8233 21 20 451 info@behindertengerechte-reisen.com www.behindertengerechte-reisen.com


46

Meine Reisewelt: Messetermine . Seite 46 .

Komm uns auf ausgewählten Messen besuchen – wir freuen uns! 18. – 21. September 2019, ­RehaCare Wir treffen uns am 20. S ­ eptember in Halle 6! Jährlich findet im September die RehaCare-Messe in Düsseldorf statt. Sie ist ein beliebtes B ­ ranchen­treffen, ein Ort des Austauschs, des Kennenlernens und des Wiedersehens. Jedes Jahr zeigen auch viele touristische Regionen und Anbieter, was sie Dir und Deinen Mitreisenden bieten können. Wir werden auch vor Ort sein, allerdings nicht mit einem eigenen Stand, sondern mit einem festen Termin: Freitag, 20. September um 15 Uhr. Auf der Bühne „Treffpunkt REHACARE“ in Halle 6 ­ werden wir nicht nur über das Reisemagazin berichten, sondern auch über Neuigkeiten im barrierefreien Tourismus – in Deutschland, in Europa und weltweit. Details findest Du im Messekalender und auf der B-Plus-K-Website. www.rehacare.de www.b-plus-k.com

Rückblick: REHAB 2019 #rehab2019

© Foto: CMT Stuttgart

11. – 19.01.2020, CMT, Stuttgart Wir treffen uns vom 15. – 17. Januar 2020 am Osteingang! Caravaning, Motorsport und Tourismus – wenn es um Fragen rund um den perfekten Urlaub geht, ist die CMT seit Jahren der Publikumsmagnet im süddeutschen R ­ aum. Als ­Besucher kannst Du Stand für Stand Informationen sammeln. Wir verstehen uns als „Barrierefrei-­Lotsen“ und zeigen Dir, welche touristischen Anbieter, Regionen und Reiseziele barrierefrei erlebbar sind. Wie auch schon im Januar 2019 werden wir u. a. Führungen mit Gruppen bis zu 12 Personen ­anbieten, um uns gezielt Informationen aus erster Hand abzuholen. ­Details findest Du im Rahmenprogramm der Messe unter dem Stichwort „Barrierefreies Reisen“ und auf der B-Plus-K-Website. www.messe-stuttgart.de/cmt www.b-plus-k.com

Die REHAB 2019 war eine Premiere: Zum ersten Mal haben wir unser schönes neues Reisemagazin als Aussteller auf einer Messe gezeigt und sind mit Euch ins Gespräch gekommen. Das war eine sehr gute und bestärkende Erfahrung, da das Interesse am R ­ eisemagazin, aber auch im Allgemeinen an Informationen zu barrierefreien ­Reiseangeboten groß war. Es ist einfach schön, jedem Besucher und jeder Familie einen bestimmten Artikel des ­Reisemagazins ans Herz legen zu können und noch etwas über den Artikel hinaus erzählen zu dürfen. Und es ist auch schön, von vielen Personen zu erfahren, welche Informationen ihnen noch fehlen, über welches Reiseziel sie sich einen Reisebericht wünschen oder über welches Reiseziel sie einen Bericht schreiben könnten. Wir freuen uns auf alle weiteren Begegnungen! www.rehab-karlsruhe.com

Bitte aktuelle Informationen auf den angegebenen Webseiten prüfen.


Tastweltkugel im Historischen Museum Frankfurt: Mehr Informationen findest Du auf den Seiten 37-40. © Foto: Historisches Museum Frankfurt, Stefanie Kösling

Disclaimer Das Reisemagazin richtet sich vorrangig an geh-, sehbehinderte und blinde Menschen sowie an Rollstuhlfahrer. Die Merkmale der Barrierefreiheit beziehen sich, sofern nichts Weiteres vermerkt ist, auf Merkmale, die für diese Personengruppen relevant sind. Die DIN 18040-1/-2 werden als Richtmaß verwendet. Sofern das Reisemagazin zur Reiseplanung verwendet wird, ist der bzw. die Leser*in aufgefordert, individuell zu prüfen, ob das Reiseziel für die individuellen Ansprüche erreichbar, nutzbar und erlebbar ist. Für die hier dargebotenen Informationen besteht kein rechtlicher Anspruch auf Vollständigkeit, Aktualität und Richtigkeit, gleichwohl alle Informationen mit größter Sorgfalt bereitgestellt wurden.


© bayern.by – Peter von Felbert

ANZEIGE

Wer aufgrund körperlicher Einschränkungen oder benötigter Hilfsmittel im Urlaub vielerorts vor scheinbar unüberwindbaren Barrieren steht, findet im Urlaubsland Bayern ein ausgeprägtes Netz an Anbietern, die auf die individuellen Bedürfnisse eingehen und ein unvergessliches Urlaubserlebnis ohne Hindernisse ermöglichen.

Bayern erleben –

In Bayern haben bisher mehr als 500 Ausflugsziele, Orte und sogar ganze Regionen ihr Angebot nach dem System „Reisen für Alle“ auf Barrierefreiheit überprüfen lassen. Gäste mit eingeschränkter Beweglichkeit oder anderen Handicaps, junge Familien mit Kleinkindern sowie komfortliebende Menschen finden unter einer Vielzahl von auf Barrierefreiheit geprüften und zertifizierten Angeboten und Urlaubserlebnissen, die für sie optimalen Bedingungen. So lässt sich der Urlaub im Vorfeld optimal planen und ohne böse Überraschungen in vollen Zügen genießen.

ohne Hindernisse!

Hohe Gipfel erklimmen, beeindruckende Panoramen genießen, unverfälschte Natur und bayerische Traditionen hautnah erleben – ein Aufenthalt in Bayern ermöglicht unbeschwerte Urlaubserlebnisse und jede Menge positive Erinnerungen, die bleiben.

Nähere Infos und eine kostenfreie Broschüre mit weiteren Urlaubserlebnissen für Alle unter www.bayern.by/urlaub-fuer-alle ― Am Donaudurchbruch


Impressum Herausgeberin & Chefredakteurin Tourismusberatung Barrierefreiheit PLUS Komfort Julia Marmulla Herzogstraße 12 D-40217 Düsseldorf www.b-plus-k.com Autoren dieser Ausgabe Heike Billhardt-Precht, Aina Keller, Lea Voitel, Steffi Raila, Julia Marmulla V. i. S. d. P. Lektorinnen Heike Billhardt-Precht Susanne Schaffer Grafik & Layout wertvoll. GmbH www.wertvoll.co Produktion & Druck Bernd Reinkens www.gelbplus.de Auflage: 2.000 Printexemplare Mediadaten können bei der Herausgeberin angefragt werden: Julia Marmulla j.marmulla@b-plus-k.com © Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung der Herausgeberin.


© bayern.by – Peter von Felbert

ANZEIGE

„Wir lieben es alle, in Zeitschriften zu blätaufgrund körperlicher Einschränkuntern,Weruns inspi­ rieren zu gen oder benötigter Hilfsmittel im Urlaub lassen und uns dabei vielerorts vor scheinbar unüberwindBarrieren steht, findet im Urlaubsvon baren ­neuen ­Reisezielen land Bayern ein ausgeprägtes Netz an zu überzeugen.“ Anbietern, die auf die individuellen Bedürfnisse eingehen und ein unvergess-

liches Urlaubserlebnis ohne Hindernisse Julia Marmulla ermöglichen. Herausgeberin & Chefredakteurin

Bayern erleben –

In Bayern haben bisher mehr als 500 Ausflugsziele, Orte und sogar ganze Regionen ihr Angebot nach dem System „Reisen für Alle“ auf Barrierefreiheit überprüfen lassen. Gäste mit eingeschränkter Beweglichkeit oder anderen Handicaps, junge Familien mit Kleinkindern sowie komfortliebende Menschen finden unter einer Vielzahl von auf Barrierefreiheit geprüften und zertifizierten Angeboten und Urlaubserlebnissen, die für sie optimalen Bedingungen. So lässt sich der Urlaub im Vorfeld optimal planen und ohne böse Überraschungen in vollen Zügen genießen.

Bayern ohne Hindernisse erleben!

ohne Hindernisse!

Hohe Gipfel erklimmen, beeindruckende Panoramen genießen, unverfälschte Natur und bayerische Traditionen hautnah erleben – ein Aufenthalt in Bayern ermöglicht unbeschwerte Urlaubserlebnisse und jede Menge positive Erinnerungen, die bleiben.

Nähere Infos und eine kostenfreie Broschüre mit weiteren Urlaubserlebnissen für Alle unter www.bayern.by/urlaub-fuer-alle ― Am Donaudurchbruch

Profile for Barrierefreie Reisewelt

.Meine Reisewelt. einzigartig - komfortabel - barrierefrei  

.Meine Reisewelt. ist Deutschlands erstes Reisemagazin für barrierefreies Reisen. Es präsentiert faszinierende Urlaubsziele in Deutschland,...

.Meine Reisewelt. einzigartig - komfortabel - barrierefrei  

.Meine Reisewelt. ist Deutschlands erstes Reisemagazin für barrierefreies Reisen. Es präsentiert faszinierende Urlaubsziele in Deutschland,...