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WAS DAS URBANE ZENTRUM DER ZENTRALSCHWEIZ BEWEGT WAS DIE ZENTRALSCHWEIZ BEWEGT

N O 4 | 2018

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ANALOG BAGGERN? MORGEN IST ONLINE ANGESAGT ALLES ZUM START VON BEZIEHUNGEN

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DAS BELGISCHE GENT KÖNNTE VORBILD SEIN – IN SACHEN VELOS UND BUSINESS

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WIE SIE MORGEN EINKAUFEN WERDEN – UND WAS GESCHÄFTE TUN SOLLTEN

gestresst? n Warum Meditatio und Co. helfen. Seite 62


N E U JA H R S KO N Z E R T E I M K K L LU Z E R N

Khatia Buniatishvili

9. Sinfonie

spielt Rachmaninoff

mit der «Ode an die Freude»

FREITAG, 4. JANUAR 2019 | 19.30 UHR

SAMSTAG, 5. JANUAR 2019 | 19.30 UHR

Die georgische Pianistin Khatia Buniatishvili begeistert mit Interpretationen voller Prägnanz und Leuchtkraft in Konzertsälen auf der ganzen Welt. Zum Jahresauftakt spielt sie Sergej Rachmaninoffs zweites Klavierkonzert. Das russische Neujahrsprogramm wird mit den „Bildern einer Ausstellung“ von Modest Mussorgsky majestätisch abgerundet. Die 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven – gekrönt vom mächtigen Chorfinale „Ode an die Freude“ – gilt als Symbol für Frieden und Freiheit schlechthin. Das Orchestra Sinfonica di Milano Giuseppe Verdi mitsamt seinem Chor läuten das neue Jahr mit diesem Meisterwerk der klassischen Musik im Konzertsaal des KKL Luzern festlich und hoffnungsvoll ein.

INFOS & KARTENVERKAUF: www.citylightconcerts.ch


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EDITORIAL

LIEBE LESERINNEN UND LESER Die zehnte STADTSICHT ist da – mit der integrierten LANDSICHT. Zum ersten Mal liefern wir auch direkt in die Briefkästen der Gemeinden der Region Luzern: Kriens, Emmen, Ebikon, Horw. Auch

die aufregen und sich in der politischen Diskussion manifestieren. Immer dreht sich das Magazin um gesellschaftliche Phänomene, die erst noch kommen, uns aber direkt betreffen. Meist haben sie mit der sogenannten Digitalisierung zu tun, mit neuen Technologien, welche die Welt gerade eben umpflügen und unübersichtlich machen.

diesmal wollen wir aufzeigen, wie man die grossen Themen Bruno Affentranger Chefredaktor STADTSICHT anders und neu denken kann BA Media Luzern und damit Blockaden löst. Aus einer politisch neutralen Warte beleuchten wir als unabhängige Verleger Ideen und stellen Unsere Titelgeschichte kommt pünktlich Fragen, die manchmal ein wenig wehtun. zu Weihnachten: Wie werden wir uns in Wir haben neue internationale Trends im Zukunft kennen- und lieben lernen? Die Tendenz geht zum Online-Dating. Blick und wagen uns in das wild wachsende gesellschaftliche Dickicht. Die zu Tage Was werden die Folgen sein? Was denken geförderten Antworten bringen hoffentlich die Schwärmer der Nacht und wie uns alle weiter. beginnen Sie die Liebe, die halten soll? Lesen Sie darüber. Oder über den Wer STADTSICHT noch nie gelesen hat: Konsumenten von morgen, unser Einkaufs­ Hier geht es meist um Mobilität, um Energie, gebaren, über die neuen Jobs, über Finanzen, Kultur, Business, Freizeit und preisgekrönte Köche und ihre Tipps für Sie. Sport. Wir steuern die Themen an, die im urbanen Raum nach Lösungen schreien, Viel Vergnügen.

JANA AVANZINI FORSCHT NACH

Partner der Stadsicht

Die globale EY-Organisation ist Marktführerin in der Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Transaktionsberatung und Rechtsberatung sowie in den Advisory Services. Wir fördern mit unserer Erfahrung, unserem Wissen und unseren Dienstleistungen weltweit die Zuversicht und die Vertrauensbildung in die Finanzmärkte und die Volkswirtschaften. Für diese Herausforderung sind wir dank gut ausgebildeter Mitarbeitender, starker Teams sowie ausgezeichneter Dienstleistungen und Kundenbeziehungen bestens gerüstet. Building a better working world: Unser globales Versprechen ist es, gewinnbringend den Fortschritt voranzutreiben – für unsere Mitarbeitenden, unsere Kunden und die Gesellschaft. Die EY-Organisation ist in der Zentralschweiz mit zwei Sitzen in Luzern und Zug vertreten. Zusammen sind 90 Mitarbeiter an den beiden Sitzen tätig und bieten vollumfängliche alle oben erwähnten Dienstleistungen an. ey.com/ch/de/home

STADTSICHT wird ausserdem unterstützt durch folgende Partner

Der Wirtschaftsverband Stadt Luzern (WVL) ist mit fast 500 Mitgliedern das Sprachrohr für das Luzerner Gewerbe. Als Wirtschaftsverband leistet er verschiedene Beiträge: – Er vertritt die Interessen des Gewerbes. – Er stärkt Luzerns Wirtschaft. – Er bezieht in wirtschaftspolitischen Fragen Stellung. – Er pflegt Kontakte mit seinen Mitgliedern. Luzern als starkes Wirtschaftszentrum der Zentralschweiz: Dafür setzt sich der Verband ein. Er fordert wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen und macht sich für einen wettbewerbsfähigen Wirtschaftsstandort und damit auch für langfristig gesicherte Arbeitsplätze stark. wvl.ch

Sie ist Mutter, 32, hat Theaterwissenschaften und Germanistik studiert, leitet Produktionen und hat ein untrügliches Gespür für Erzählungen, den dramatischen Aufbau und die Art und Weise, wie man die Luft wieder rauslässt. Sie kann ausserdem schreiben. Damit ist Jana die ideale Besetzung für eine Expedition ins Ungewisse. Für uns hat sie das Anbandeln in der Nacht erforscht. Uns freuts, Sie auch? Ab Seite 16

COSTICA ACSINTE UND SEINE GLASPLATTEN Wir lieben alte Fotografien. Deshalb sind wir vor einiger Zeit auf den vergessenen rumänischen Fotografen Costica Acsinte gestossen. Dieser hat ab dem frühen 20. Jahrhundert Zeitgenossen abgebildet. Vielfach im Studio, manchmal im Feld. Gebannt auf Glasplatten, die sich langsam auflösen. Ein rumänisches Team digitalisiert das einmalige Werk. Wir zeigen auf Seite 10 eines seiner Fotos und empfehlen den Besuch von flickr.com/photos/costicaacsinte.

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Die City Vereinigung Luzern (CVL) fördert mit ihren mehr als 240 Mitgliedern die Attraktivität von Luzern als Einkaufsstadt sowie als Handels-, Wirtschafts-, Tourismus- und Begegnungszentrum der Zentralschweiz. Die CVL will mit einem ganzheitlichen Marketingmix für eine Belebung der Innenstadt sorgen. Dazu gehören Interessensvertretung, politische Arbeit, Öffentlichkeitsarbeit, klassische Werbung sowie Events oder Verkaufsförderungsaktionen. Bestseller der CVL ist die CityCard – die gemeinsame Geschenkkarte für das Shopping-Center Stadt Luzern. Einheimische und Gäste sollen Luzern freundlicher, zuvorkommender und sympathischer erleben als alle anderen Städte, die sie kennen. city-luzern.ch


INHALT

No 04/2018 Coverbild: Adobe Stock

03 Start in Zahlen 05 Editorial / Autoren / Partner 06 Inhalt

STARTER 07 07 07 09 09 09

Seit 51 Jahren gross – das Kleintheater Nachtschlitteln? Kein Problem in Engelberg Langlaufen im Langis ob Sarnen Wenn die City Lights im KKL Luzern angehen Ein Astronomie-Abend auf dem Pilatus Touristen regieren den Grendel? Die Gugger tuns

IMPRESSUM STADTSICHT ist ein Produkt der BA Media GmbH mit Sitz in der Stadt Luzern. Das Magazin ist ein redaktionelles Erzeugnis, erscheint 2019 viermal und wird in alle Briefkästen der Stadt Luzern, Emmen, Ebikon, Horw und Kriens verteilt sowie an weiteren 600 Punkten in der Zentralschweiz aufgelegt.

COVERSTORY 10 12 14 16 21 21

Ein rumänisches Hochzeitsfoto – Zeuge des analogen Zeitalters Jetzt wird Lieben digital Wie das Internet das Anbandeln verändert Auf den Spuren der Liebestollen Heimlieferunge inklusive Beziehungsstart – was will man mehr? Was Online-Dating aus unseren Städten machen wird

STADT- UND LANDLEBEN

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Lisbeth Eglis Modeschau – und alle Missen Die grossen Köche auf Schloss Wyher Anstossen am Martini Höck Die Suppe für den guten Zweck in Luzern VolksRock-Euphorie in Hochdorf

SHOPPING

28 Die grosse Weihnachts-Einkaufsstrasse

STADTSICHT wird von verschiedenen Organisationen unterstützt, ist jedoch politisch unabhängig und inhaltlich keinem Verband und keiner Ideologie verpflichtet. Herausgeber und Redaktion behalten sich alle journa­ listischen Freiheiten vor.

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LOOK OUT

GENUSS

51 Herbert Huber hat in die Töpfe geschaut

FUTURE TALK

52 Wie verändern sich unsere Berufe – Richard Susskind und die Kreditfabrik bringen Licht ins Dunkel

THINK TANK

56 Wie geht Einkaufen morgen ? 58 Warum unsere Datenhoheit unter Druck gerät 60 Alles Science-Fiction? Die Migros erklärt

FULL CONTACT

Fotografie Costica Ascinte, Beat Brechbühl

Verlag BA Media GmbH Obergrundstrasse 26, 6003 Luzern affentranger@bamedia.ch gonzalo@bamedia.ch

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62 Gestresst? Schöpfen Sie aus der Ruhe Ihre Kraft 65 Bischof Felix Gmür über Spiritualität und Religion

Redaktion Jana Avanzini Angel Gonzalo, Lukas Hadorn («LucerneMagazine») Kaisa Ruoranen

Layout/Produktion aformat Luzern, aformat.ch

KREATIV Hugues Blanchard, der Klassiker der Köche Mike Wehrle kocht auf dem Bürgenstock Stefan Wiesner ist der Alchemist von Escholzmatt Fabian Inderbitzin bleibt in Hergiswil bodenständig

Chefredaktion Bruno Affentranger, BA Media GmbH

Korrektorat No limits Schmid

40  Warum Velofahren Handzeichen braucht – und wie man dies in Kopenhagen macht 40 Die Stadt Gent könnte Luzern ein Vorbild sein

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Herausgeber Bruno Affentranger, Angel Gonzalo, BA Media GmbH, Luzern

AUSSICHTEN

66 Harte Fragen für unsere Zukunft

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Inserateverkauf BA Media GmbH Manuela Willimann willimann@bamedia.ch 079 455 89 11 Druck Swissprinters AG Brühlstrasse 5, 4800 Zofingen Anschrift STADTSICHT, BA Media GmbH, Obergrundstrasse 26, 6003 Luzern stadtsicht@bamedia.ch bamedia.ch Facebook: stadtsicht.ch Unterstützungspartner EY (Ernst & Young) Wirtschaftsverband der Stadt Luzern, City Vereinigung Luzern, weitere Auflage 78 000 Exemplare Erscheinungsdaten 2019 März / Mai –Juni / September / Dezember 2019 Redaktionsschluss der nächsten Ausgabe am 13. November 2019


STARTER

GEHEIMTIPPS WA RUM NICHT M A L …

KLEINE BÜHNE GANZ GROSS Mehr als 400 Theater für Kleinkunst, sogenannte Kleintheater, zählt die Schweiz. Eines der bedeutendsten steht in Luzern am Bundesplatz. 1967 vom grossen Luzerner Bühnenkünstler Emil Steinberger gegründet, bietet es seit über 50 Jahren einer ­lebendigen Szene fernab des ständig breiter werdenden Mainstreams eine Heimat. Entsprechend beliebt ist das Kleintheater in der Stadt. Kabarett, Musik, Literatur, Tanz und Theater werden hier aufgeführt, und danach trifft sich «tout Lucerne» zum Umtrunk an der Bar.

NACHTSCHLITTELN Klar, Schlitteln gehört zum Standard­ programm eines Luzern-Besuchs im ­W interhalbjahr. Aber haben Sie gewusst, dass viele der Schlittelpisten in der Zentralschweiz auch am Abend offen sind? Gerade bei klarem Himmel und Vollmond wird das Schlitteln so zu ­einem einzigartigen Erlebnis. Besonders beliebt ist die Kombi­ nation mit einem gemütlichen Fondueabend, wobei das Schlitteln besser vor dem Fondue erfolgt, denn da gehört schliesslich ordentlich Weisswein dazu, und auch auf der Piste gilt: Don’t drink and drive! Immer am Freitag- und Samstagabend ist Nachtschlitteln zwischen der Gerschnialp und Engelberg möglich. Fondue anschliessend an der Titlis-Talstation. Weitere Infos: titlis.ch

Unter anderem werden im Winter Mike Müller, Christoph Simon, Heinz de Specht, Stefan Heuss, Fetter Vetter & Oma Hommage im Kleintheater zu sehen sein. Mehr: kleintheater.ch

L A NGL AUFEN

KULT URTIPP

Schöner trainieren geht nicht Es gibt kaum eine bessere Sportart als das Langlaufen, um schnell in Form zu kommen: Im rutschigen Schnee auf den dünnen Brettern sind Gleichgewicht und Technik gefragt, aber auch Kraft und Ausdauer. Die Region ­Luzern-Vierwaldstättersee begeistert gemächliche und ambitionierte Lang­läuferinnen und Langläufer gleicher­ massen, Loipen sind unter anderem auf der Rigi, dem Stoos, dem Sörenberg, der Melchsee-Frutt (im Bild), in Engelberg und im Eigenthal zu finden. Alles in allem warten hunderte Loipenkilometer darauf, erkundet zu werden. Worauf warten Sie noch? Weitere Infos: luzern.com/de/langlaufen

LUZERNER KL Ä NGE

LSO Bei seinen allerersten Auftritten im Jahr 1806 bestand das Luzerner ­Sinfonieorchester aus einer Handvoll Musikliebhabern, die mit viel Begeisterung Haydn, Mozart und Beethoven spielten. Von Beginn weg waren die ­Konzerte gut besucht und wer in Luzern wohnte, machte sich fein und ging hin. Mehr als 200 Jahre später erfreut sich das LSO, wie das Orchester in ­Luzern genannt wird, nach wie vor grosser Beliebtheit. Davon zeugt unter anderem ein im Frühling durchgeführtes Crowdfunding, mit dem innert ­weniger Wochen 578 000 Franken für ein neues Probenhaus und Zentrum für Kinder- und Jugendprojekte gesammelt werden konnten. Unter der ­Leitung von James Gaffigan musizieren heute rund 70 Personen im LSO, das sich längst einen Namen weit über die Stadtgrenzen hinaus gemacht hat. Das Jahr 2019 beginnt das LSO am 1. Januar um 17 Uhr mit einem Neujahrskonzert (Rossini, Gounod, Berlioz u. a.) im KKL Luzern. Alle Infos unter sinfonieorchester.ch

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OUTDOOR SHOPPING Am frühen Dienstag- und S­ amstagmorgen verwandeln sich die Altstadt und Teile der Neustadt Luzerns in einen g­ rossen, bunten Marktplatz. Von der Seebrücke flussabwärts werden auf beiden Seiten der Reuss Marktstände aufgebaut und mit Früchten und Gemüse, mit Fisch und Fleisch, Brot und Käse beladen. Je früher am ­M orgen man den Markt ­b esucht, desto grösser ist die Auswahl an lokalen und regionalen Spe­zialitäten. Für die Einheimischen ist der Wochenmarkt eine ­w illkommene Gelegenheit, den täglichen Einkauf zu erledigen und gleichzeitig soziale K­ ontakte aufzufrischen. Für alle anderen ist Shopping unter f­ reiem Himmel auf historischen Plätzen ganz einfach ein e­ inzigartiges Erlebnis.

LUZERNER WOCHENM A RKT

Der Luzerner Wochenmarkt findet am Dienstag und Samstag von 6–13 Uhr auf beiden Seiten der Reuss und auf dem Helvetiaplatz (nur Samstag) statt. Infos: luzerner-wochenmarkt.ch


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STARTER

GEHEIMTIPPS STERNST UNDEN

DEM HIMMEL GANZ NAH

Der nächste Astronomieabend auf dem Pilatus findet am 15. Dezember statt. Auf Anfrage ist das Angebot an bestimmten Daten auch ohne Übernachtung buchbar. Aktuelle Infos auf pilatus.ch.

SIMPLY CLEV ER

HALBER PREIS So schön Luzern und die Schweiz sind, so gesalzen sind die Preise. Dass Touristen angesichts der Rechnung für Kaffee und Kuchen glauben, sie würden das Geschirr gleich ­mit­kaufen, kommt häufig vor. Ein paar ­Budget-Tipps sind deshalb nie falsch. Einer geht so: In vielen Lebensmittelläden, darunter bei den grossen Einzel­ händlern Migros und Coop, werden ­frische Lebensmittel, deren Ablaufdatum sich dem Ende nähert, kurz vor ­Ladenschluss um 50 Prozent reduziert. Markiert ist das mit einem gut sichtbaren Klebeetikett. Die Lebensmittel sind ­einwandfrei, und auch um die Hälfte ­reduziert noch teuer genug. En Guete!

STA DTLICHT

Wer sich für die Milchstrasse, fremde ­Planeten und Sternbilder interessiert, ­sollte sich die Astronomieabende auf dem Pilatus dick im Kalender anstreichen. Mit professionellen Teleskopen lässt es sich da tief in den Nachthimmel blicken, fachkundige Experten bringen Licht ins Dunkel. Abgerundet wird der Abend mit einem Viergänger im Restaurant ­Pilatus-Kulm und anschliessender ­Übernachtung auf dem Gipfel.

CITY LIGHT CONCERTS LÄSST LICHTER KLASSISCH ANGEHEN Der Luzerner Geschäftsführer und Unternehmensgründer Primin Zängerle hat eine lange Vergangenheit mit Filmmusik-Aufführungen in Luzern. Er gilt als Pionier in der Branche. Seit Kurzem intensivieren er und sein Team die musikalischen Engagements über ein neues Label: «City Lights Lucerne». Dieses bringt neben den bewährten und beliebten FilmmusikFormaten ganz klassische Töne im KKL Luzern zur Aufführung: zum Beispiel am 4. Januar das Neujahrskonzert mit der wunderbaren Khatia Buniatishvili am Klavier (Mussorgsky, Bilder einer Ausstellung, und Rachmaninoff, Klavierkonzert Nr. 2) oder am 5. Januar Beethovens 9. Sinfonie, beide Male mit dem Orchestra Sin­fonica e Coro Sinfonico di Milano Giuseppe Verdi.

Touristen? Nein, Einheimische

FASNACHT

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Den Grendel in der Stadt Luzern bringt man in der Regel mit ­Uhren, Schmuck und vielen Touristen in Verbindung. Stimmt, und doch nicht. Einheimische sind da auch noch, und das nicht zu knapp. Der Leiter der Longines-Boutique, Daniele Cederna, beweist es. Am 23. Februar lädt er mit seinem Team und vor allem mit der Guggenmusik «Monster Guugger» aus Buchrain zu einem vorfasnächtlichen Stelldichein am ­Grendel. Bei Kaffee, Tee und Schnaps «schränzen» die Buchrainer ab 15 Uhr 30 Richtung Fasnacht.

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COVERSTORY

LIEBE IN ZEITEN DES ANALOGEN

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RUBRIK

Erinnerungen an die Hochzeit – als es noch schwierig war. Als Dorf, Religion, Familie, Schule und anderes mehr über unser Glück entschieden.

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COVERSTORY

STATUS:

HIER KÖNNTE DER EINSTIEG IN DAS THEMA STEHEN. AUF DER SUCHE

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Tinder, Parship, Hinge, BikerKiss, Tantan helfen. Big Data hält in urbanen Räumen Einzug und ordnet unsere Liebesbeziehungen.

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COVERSTORY

LIEBE AUF DEN ZEHNTEN KLICK Durch Freunde (blaue Kurve) Bar/Restaurant (rote Kurve) Primarschule (hellbraun) Mitarbeiter (hellblau) Sekundar- und Mittelschule (grau) Kirche (braun)

TEXT BRUNO AFFENTRANGER

D

as Kind ist da. Gesund, Patschehändchen, rote Backen, ein Wonneproppen. Pünktlich zu Weihnachten wird das bisherige Duo eine kleine Familie sein. Die Eltern sind glücklich über ihr Online-Baby. Das ist es indirekt. Kennengelernt hatten sie sich dank einer sogenannten Dating-App, die Gesichter, Namen und Hobbys einer Person aufführt und einen wählen lässt. Yes oder no. Ein Fingerwisch über den Bildschirm des Mobiles genügt. No heisst nein. Weg ist das Gesicht. Der oder die nächste, bitte. Yes heisst ja und meint: Ich möchte dich treffen und mindestens einmal mit dir zusammen sein. Willst du auch? Er oder sie wollte. Wenig später kam es im Luzerner Bahnhof zum ersten Date. Beide Vegetarier, deshalb im Tibits, unter Neigungen und Hobbys leicht abzulesen, easy. Ein Spiel erst. Dann mehr. Sex natürlich. Viel Spass. Es wurde schnell ernst. Ernst ist heute genau einen Monat alt. Man verzeihe diesen alten Kalauer, er hat sich hier geradezu aufgedrängt. Das Paar ist kein Einzelfall. In der Zentralschweiz existieren keine gesicherten wissenschaftlichen Auswertungen, in der Grossregion Luzern schon gar nicht. Die auf Online-Vermittlungen spezialisierten Dating-Firmen halten sich mit der Veröffentlichung von neutralen, ungewichteten Zahlen zurück. Das Geschäft mit dem Anbandeln ist diskret, die Konkurrenz gross. Aber man darf davon ausgehen, dass es sich in unseren Breitengraden nicht anders verhält als in anderen urbanen Räumen der Welt. Ein Blick in die USA, wo die heute alles aufmischenden Technologien in der Regel noch immer herkommen, kann weiterhelfen.

Bars und Restaurants fallen zurück

Zwei Wissenschaftler der Stanford University verfolgen seit Jahren die Entwicklung und forschen zusammen mit der Stiftung und Umfragefirma GfK an der Frage, wie und wo sich Paare ken-

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Wie sich Paare kennenlernen Heterosexuelle Paare

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Durch Freunde Primarschule Kirche Bar/Restaurant Mitarbeiter Sekundar- und Mittelschule

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Quelle: «Searching for a Mate: The Rise of the Internet as a Social Intermediary». Michael J. Rosenfeld und Reuben J. Thomas. USA, 2017

Online

nenlernen und wie gross deren Erfolgsaussichten sind. Michael J. Rosenfeld und Reuben J. Thomas stützen sich in ihren Datenanalysen auf diesen «How Meet and Stay Together Survey», der in der Schweiz seinesgleichen sucht. Sie haben herausgefunden, dass im Jahr 2010 das Internet die analogen, bisherigen Wege abgelöst hat, wie wir Partnerinnen oder Partner suchen und finden.


Eingebung des Moments fallen aus. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass man nach überstandenem Anbahnen und eingeleiteter Beziehung auch über das Verfalldatum des Verliebtseins hinaus zusammenbleibt, ist via Internet höher. Das haben die Wissenschaftler in den USA nachgewiesen.

Bislang haben attraktive öffentliche Räume wie Bars und Restaurants eine wichtige Anbandlungsfunktion erfüllt. Sie sind noch immer die beliebten geschützten Reviere, in denen Mann oder Frau sich auf die Pirsch unter Heterosexuellen begibt (siehe unsere Reportage ab Seite 16). Aber das Internet hat sie überholt. Dasselbe gilt für die Dating-Wege via Mittelschule, Primarschule, Kirche oder Beruf (siehe Grafik auf der gegenüberliegenden Seite). 2010 hatten sich in den USA rund 23 Prozent aller Befragten übers Internet kennengelernt. Das sind beinahe jede und jeder Vierte. Die Aussage ist nicht gewagt: Heute, acht Jahre später werden es weit mehr sein. Der Trend kennt nur eine Richtung. Befragungen in grossen Metropolen wie New York ergeben, dass bereits die Mehrheit der heterosexuellen Paare dank Internet zusammengefunden hat. Im Fall von gleichgeschlechtlichen Beziehungen ist die Faktenlage noch extremer. 2010 hatten bereits über siebzig Prozent aller Befragten angegeben, dass sie ihre Partnerin oder ihren Partner online gesucht und gefunden hätten. Es ist unsicher, ob diese Zahl noch angestiegen ist, denn eine Sättigung des Online-Marktes wird sich irgendwann einstellen.

Hässlich, aber bereit

Eine neckische Zahl wird derzeit in der Forschung ebenfalls herumgereicht: Die Personen, die sich online für Datings vorstellen, bewerten sich selber in einem hohen Mass attraktiver als sie in Wirklichkeit sind. Die Datenanalysten haben herausgefunden, dass man in der Regel um 25 Prozent überzeichnet. Das überrascht nicht und kommt dem «Aufbretzeln» vor dem Start in den analogen Ausgang gleich. Die Konsequenz aber ist teuflisch. Damit verfälschen Menschen ihre Trefferquoten auch online, gerade in der Heilsmaschine, in der doch alles emotionsfrei und datengestützt vonstatten gehen sollte. Dieser Befund könnte ein Grund für ein weiteres Phänomen sein. Er ist eng an die Erkenntnis der chinesischen Dating-Plattform Tantan geknüpft, dass mindestens 5 Prozent aller User nie ein Urbanes Experimentierfeld Date erleben, also komplett uninteressant für Mitmenschen sind. Für Soziologen ist dieser Trend hin zum Anbandeln übers InterTantan hat herausgefunden, dass die Männer 60 Prozent aller net nur logisch. Sie argumentieren so: Früher waren die elterlichen Frauenprofile mögen, hingegen die Frauen nur 6 Prozent der MänVorstellungen und Vorgaben, die Örtlichkeit oder die soziale Klasse nerprofile anwählen. enge Rayons, in denen sich die zukünftige Liebe zu bewegen hatte. Doch Hilfe naht. 23 Jahre nach dem Start der ersten grossen OnMit dem Aufkommen der Mobilitätsvehikel wie dem Auto, aber line-Datingplattform – match.com (siehe Box) – sind die Unterauch dem sozial interessanteren Velo, erweiterten sich diese Nahnehmen auf dem Weg, ihre Angebote zu schärfen. Wir sehen derkampfzonen der Libido. Die einsetzende Landflucht und das Anzeit nur den Anfang der technologischen Entwicklung. Auch in wachsen der urbanen Räume im 20. Jahrhundert beschleunigten dieser Industrie erwarten Spezialisten, dass verbesserte Algorithden Ausbruch aus dem Korsett der Herkunft. Die Stadt wurde zum men die Unschärfen aus den Online-Offerten herausrechnen und Ausgang aus der befohlenen Beziehung ins manchmal komatöse mit weiteren, aus alltäglichen Spuren gewonnenen Daten, verUngewisse des Testens und Erprobens. Kein Wunder, wurden Städmengen. So wollen sie höhere Treffergenauigkeiten herstellen. te in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Sündenpfuhle be«Dating before demand», also das datenbasierte, präzise Anbanschrieben – eine Zeichnung, die wir übrigens bis heute gerne überdeln mit jemandem, bevor wir uns selber überhaupt bewusst sind, nehmen und in Serien wie «Berlin, Babylon» geistig mitfeiern. dass wir das wollen, wird schneller Realität, als wir denken. Die Stadt also, der urbane Raum, als ungewisses Terrain, in dem Andererseits verspricht eine stärkere Aufsplittung des Angebots man anonym allerhand experimentiert. Luzern mag da im Verauch für die hoffnungslosesten aller Fälle Heilung. Der nicht entgleich etwas klein sein, doch wer die umliegenden Gemeinden hinsetzlich aussehende, aber sich eher unattraktiv gebende Kollege in zuzählt, kommt schnell einmal auf über 200 000 Einwohner und Luzern, der nach zwei Jahren unerspriesslichen Schreibens und damit auf eine Zahl, die sich nicht mehr Kommunizierens auf einer Schweizer Plattform kürzlich den Dienst entnervt abbeüberblicken und in direkten Beziehungen stellt hat, weil wirklich kein einziges Date kennen lässt. Auch in diesem wachsenden zustande gekommen war, wird eventuell Biotop der Unsicherheiten kommt eine bald neue Hoffnungen finden. Falls man neue Technologie gerade recht. Das Inter1995 bereits startete in den USA mit net ist die Heilsmaschine. Für alle sozial, hier mit den USA, China und anderen Länmatch.com die erste Online-Datingdern gleichzieht. physisch oder psychisch Isolierten, aber Plattform. Sie ist heute zu einem Konglo­ In den USA existieren bereits Datingauch für Normalos, die sich nicht trauen, die merat an Firmen angewachsen, zu der plattformen zum Beispiel für Esoteriker, das Versagen fürchten, die der Marsch an auch Tinder mit seinen über vier Millio­ für Polygame, für Frauen, die Kinder, aber die tägliche Fleischschau anwidert oder die nen Usern gehört, das sich in der keinen Mann wollen, für Veganer, für in der schlicht keine Zeit für Dating-Aktionen mit Schweiz hoher Beliebtheit erfreut. Der weltweite Markt wird derzeit auf rund 4,6 Eigeneinschätzung überaus Intelligente, unvorhersehbarem Ausgang haben. Milliarden Dollar geschätzt, wobei Denn darum geht es. Online-Dating verfür Zugehörige einer bestimmten religiömatch.com von diesem Umsatz fast ei­ spricht die besseren Resultate als das analosen Gruppe oder für Menschen, die sich selnen Drittel abschneidet. Es gibt unzähli­ ge Pendant. Einfach, weil man schneller und ber als hässlich aussehend bezeichnen. ge weitere Anbieter: Parship, BikerKiss, präziser die Vorlieben des Gegenübers ken«Ugly but ready», kurz UBR, könnte diese FarmersOnly oder UglyBugBall in den nenlernt und damit Zufälle ausschliesst. letzte Nummer bei uns heissen. Sie wäre so USA («Dating for the aesthetically ave­ Das klingt unromantisch und ist es wahretwas wie eine weitere Angleichung des rage»), Tantan in China. scheinlich auch. Der unerwartete Lichtblitz, Virtuellen an die Realität. Denn wer ist der ungeplante Sondereffekt eines vorüberschon ein Model und wahnsinnig glücklich ziehenden Geruchs oder die unerklärliche mit sich selber?

MATCH.COM ALS PIONIER

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COVERSTORY

Im Ausgang angebandelt, an der Bar angesprochen – völlig retro. Tinder, Parship, Instagram, so trifft man sich heute. Das war die These, bevor ich mich in die Luzerner Bars und Clubs aufmachte, um das analoge Balzverhalten zu studieren.

WENN ES OFFLINE – MATCHT

REPORTAGE VON JANA AVANZINI

E

rwischt. Andrea schreckt auf, stösst mit der Hand an den Glasrand und damit ihre Stange fast vom Tisch. Severin prustet sich vor lauter Lachen den letzten Schluck Bier auf den Ärmel. Es ist ein Date. Definitiv. Die folgende Antwort bestätigt ihre Betroffenheit. Die beiden kennen sich von früher und sind sich auf Tinder wieder über den Weg gelaufen. «Klassisch modern» nennt es Severin. Es ist Donnerstagabend und in Luzern startet die Suche nach analogen Dates. Ein Versuch, das Kennenlernverhalten der Einheimischen in freier Wildbahn zu beobachten. In der «Nachbar» in der Luzerner Neustadt sind nur wenige Tische besetzt. Das Lokal ist prädestiniert für Dates – viele kleine Tische, Sofas, gehüllt in gedämpftes, warmes Licht und ruhige Musik.

16 |

Auf dem Sofa hinter dem hochoffiziellen Date sitzen zwei verdächtig nahe beisammen. Sie seien nur alte «Gspändli», stellt er klar. Und auch nur ein einziges Mal seien sie zusammen im Bett gelandet, vor Jahren, fügt er an, und bringt sie damit nur beinahe in Verlegenheit. Er sei gerade dabei, ihr geeignete Kandidaten für ein Date vorzuschlagen. «Männer, die ich mit ihr verkuppeln könnte.» Online haben beide noch nie einen Versuch gestartet – sie gehören noch zur Generation, die sowas grundsätzlich grässlich findet. Der Versuch mit Tinder

Christoph, der mir in der ehemaligen «Kontaktbar Krienbrüggli» meinen Wein einschenkt, hat sich hingegen mit Tinder versucht. Einen Monat lang. Getroffen hat


Und los gehts in Luzerns Nachtleben: Erste Kontaktaufnahme zwischen ihm und ihr im «Madeleine».

ANALOG BAGGERN

Nein, kein Date, ein Beratungsgespräch zwischen Freunden in der «Nachbar».

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REPO

Vollgas im «Roadhouse». Knutschen am Rande des Geschehens.

Mary und Maurizio im «Karel Korner» stehen auf analog (oben). Nina (in Wolldecken gehüllt, mit Fabian vor dem «Sette e Mezzo») hat Tinder und online schon versucht.

Annelies (damals 67) und Christian (76) im «Krienbrüggli»: Gefunkt hat es vor der Migros. Offline.

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COVERSTORY

er schliesslich aber niemanden. In seiner Heimatstadt Köln funktioniere das «Tindern» einwandfrei, weiss er. Fast zu gut. Es habe ihn schon genervt, weil ständig neue Matches zustande kamen, ständig neue Nachrichten beantwortet werden sollten. In Zürich sei es angenehm, dort sei die Zahl der interessierten Frauen überschaubar gewesen. In Luzern hingegen lohne es sich kaum. Hier bleibt es ruhig. Luzern ist halt ein Dorf, sagen die Leute in der Stadt gerne. Und vielleicht funktioniere es hier mit dem Kennenlernen online deshalb weniger. Es sei gerade auf Tinder wahrscheinlicher, dass man dem Ex, dem Nachbarn oder dem verheirateten Arbeitskollegen begegne als dem schönen, gescheiten und bindungsbereiten Unbekannten. Lieber der Liebe über den Weg fallen

Auch Mary und Maurizio im «Karel Korner» halten nichts vom digitalen Erstkontakt. «Wenn ich jemanden kennenlerne, dann will ich mich voll und ganz auf die Person einlassen können. Dann will ich meine Zeit und Aufmerksamkeit auf diese eine Person konzentrieren», findet Mary. Doch wie soll das gehen, wenn gleichzeitig die Chats von zehn potenziellen Kandidaten auf dem Handy aufleuchten? «Wünschen wir uns nicht alle jemanden, der uns auf der Strasse sieht und uns unbedingt kennenlernen will?» Der Blick, der Duft, die Art zu sprechen – die Chemie vielleicht. Das sind die Worte, die fallen, wenn Menschen in den Bars erklären, weshalb sie sich doch lieber analog annähern. Verwirrung macht sich breit. Hier wird also tastsächlich offline angebandelt? Es sitzen nicht überall die Grüppchen separiert und bleiben unter sich? Das «Meyer» am Bundesplatz scheint ein solcher Ort zu sein. An den Tischen sitzen Gruppen, die Stammgäste treffen sich an der Bar. «Interagiert wird erst, wenn es voll wird», weiss Steffi. Sie arbeitet an der Bar. Ihr Freund zapft das Bier wenige Meter Luftlinie entfernt. Dort haben sie sich kennengelernt. «Kein Wunder», meint Mattia von der Bar Capitol, damit seien die beiden nicht alleine. «Hier lernt man sich kennen. Die Bar ist lang, die Tische gross, die letzte Runde spät.» Offenbar drei förderliche Faktoren

bei der Kontaktaufnahme mit romantischen Hintergedanken. Auf dem Helvetiaplatz sitzen vor dem «Sette e Mezzo» Nina und Fabian in fast kitschiger Kulisse. Kerzen, Decken, zwei bauchige Bierflaschen stehen auf dem Tisch. Doch die beiden sind «bloss» befreundet. Sie habe Tinder einen Tag lang getestet, meint Nina. Es war nicht ihr Ding. «Analog ist doch schon kompliziert genug», bringen es ein paar Minuten später die zwei «Dinosaurier», wie sie sich selbst nennen, im «Karel Korner» auf den Punkt. In der Schule, an der Uni, beim Sport oder über Kollegen haben sich die gefunden, die sich in diesen beiden Nächten bei ihrem Stelldichein unterbrechen lassen. Viele haben sich beim Bier getroffen. In der Bar 59, im «Madeleine», auf dem Partyschiff eines gemeinsamen Bekannten, an einer «Hundsverlochete» in Chur. Der Fleischmarkt live und in Farbe

Im «Krienbrüggli» gönnt sich der Koch nach Feierabend ein Bier. Er hat seine Freundin im damaligen «Oper» kennengelernt. Leicht peinlich, findet er. Doch die Liebe hält seit über elf Jahren. Die zwei schlanken, grossen Gestalten an der Bar im «Madeleine» haben sich im «Roadhouse» das erste Mal geküsst. Auch nicht wirklich stilvoll, meinen sie. Am Samstagabend ist dort volles Haus. Im hintersten Teil des Untergrunds quetscht man sich durch die Körper, Kontakt ist unvermeidbar. Die Augen wandern über Gesichter und Schultern, bleiben hängen, funkeln. Auch Maurizio vom «Karel Korner» ist wieder unterwegs, bahnt sich mit Freunden den Weg durch die liebes- oder fleischhungrigen Gestalten auf der Treppe des «Roadhouse». Das Publikum ist jung, die Musik alt. An den Wänden wird wild geknutscht, in der Mitte drängen sich die tanzenden Leiber. Schnell wird klar, wie die Annäherung hier abläuft: Die Gruppen tanzen nahe beieinander, erst mal nur unter sich, dann – durch das Gedränge und das Gewanke, das Tanzen und Anstossen – brechen die Kreise auf. Ein junger Mann, blond, Dreitagebart, wird von seiner ebenfalls blonden Tanznachbarin im Spitzenkleid ins Visier genommen. Er bemerkt die Observierung nicht, während er neben ihr in

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immer kreativere Tanzeinlagen ausbricht. Es dauert nicht lange und die Auserwählte zeigt ihr Amüsement über sein ausdrucksstarkes Balzverhalten. Die ersten Worte werden gewechselt, die Gläser stossen zusammen. Es ist mittlerweile fast drei Uhr morgens im «Madeleine». Auf dem Sofa im Raucherbereich sind zwei ganz mit sich beschäftigt. Blaue Augen unter blonden Dreadlocks versinken in dunkle, fast schwarze. Man traut sich kaum, die beiden für eine kurze Frage zu unterbrechen. Sie haben sich im «Sportmonnaie» kennengelernt, bei der Veloreparatur. Der Rest der erzählfreudigen Nachtschwärmer traf sich trinkend bis tanzend. Und das wirkt mittlerweile gar nicht mehr so ungewöhnlich – nach der vierten, wirklich charmanten Anmache unter der Mary-Long-Lampe. Dass man im sogenannten Ausgang vor allem jene findet, die sich in einem ebensolchen kennengelernt haben – weniger Zufall als wohl eine Typfrage, finden Aisha­und Fabian. Es scheinen wohl die Nachteulen zu sein, die Bierseligen, die sich in den Bars und Clubs über den Weg laufen, sich verlieben und sich dann weiter gemeinsam die Nächte um die Ohren schlagen. Auch die Alten wollen noch

Über zwei Rotweingläser lächeln sich Annelies und Christian an. Eine Kerze auf dem Tisch, leise Gespräche im Hintergrund. Wir sind zurück im «Krienbrüggli» am späten Donnerstagabend. Sie seien der Beweis, dass es auch im Alter nochmals richtig einschlagen kann, sagt Annelies grinsend. Begegnet sind sich die beiden vor der Migros in der Luzerner Winkelriedstrasse. Beim Veloparkieren. Christian fragte vor der Migros: «Kaffee?» Annelies gab ihm stattdessen ein Rätsel auf. Sollte er dieses knacken, würde ihn die Lösung zu ihr nach Hause führen. Zu überrumpelt war sie von seiner Spontanität und sie hätte sich dafür die kommenden Tage in den Hintern beissen können. Doch vierzehn Tage später knackte Christian das Rätsel. Drei Jahre ist das her. «Ich würde die Hoffnung darauf, dass die Liebe plötzlich passiert, niemals aufgeben.» Sagt Annelies und stellt ihr Glas Wein langsam zurück auf die hölzerne Tischplatte.


ADVERTORIAL

INSIDER NIGHTLIFE & EVENTS

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AndermattLive

Am 20. und 21. März geht das erste AndermattLive-Festival über die Bühne. Mit dabei sind Künstler wie James Gruntz, Henrik Belden oder To Kill a King.

Andermatt Live!

MUSIK UND SCHNEE ZUM 5. MAL

pd. Andermatt wird während zwei Tagen zur Festivalbühne. Am 20. und 21. März treten auf vier Bühnen mitten im Dorf insgesamt 16 Acts auf. AndermattLive heisst das Festival, das erstmals zur Durchführung gelangt. Hinter dem Projekt stehen Shane Lutomirski, JennyAndermatt Russi usik und Schnee – das junge Musikfestival ie Luzerner Künstlerin Eliane bringt am 27. Oktober ihr und Elena von Wyttenbach. Live! verbindet diese Welten, und das mitten im Herzen

M D

Um für das musikalische Après-Ski die perfekten Bedingungen zu schaffen, gibt es für alle Besucher mit einer Ski-Tageskarte der SkiArena Andermatt-Sedrun 20 Prozent Rabatt auf das Konzertticket – oder umgekehrt: Nutzt eure Konzertkarte, um 20 Prozent vergünstigte Skipässe zu beziehen und geniesst einen schönen Tag auf den Pisten vor den einzigartigen Konzert­ erlebnissen am Abend. Das ist Andermatt, live!

neuestes Album auf den Das Werk Nummer der Schweizer Alpen undMarkt: bereits zum 5. Mal. Am 5.vier und wird «Slow Motion» heissen – aberüber dabei alles andere 6. AprilNationale 2019 geht der zweitägige Musikevent die Bühne und Acts und internationale Newcomer alsmit den Atem des Publikums verlangsamen. Elianes Stil lässt kann dem Line-up begeistern. Noch ist dieser gut gehütetes Am ersten Festivaltag werden Acts wie Henrik die Herzen schneller schlagen. Die Siegerin bei «Die Geheimnis, doch am 12. Dezember ab 16einstige Uhr lüften wir dieses auf Belden, James Gruntz, William White, Carrousgrössten Schweizer Talente 2012» hat sich mit ihrer beeindruunserersel Website auf Instagram und Face­ book. oder andermattlive.ch, Moes Anthill auftreten. Hauptact des ckenden Bühnenpräsenz und diesmal einem umfangreichen So viel sei schon verraten: Auch wieder treten ReperSingerAbends ist die Band «To Kill a King». Die englitoire einen Platz im Showbiz der Schweiz Song-Writer auffesten der Storyteller-Bühne auf, Gitarre undgesichert. Piano doTickets ab sofort erhältlich unter starticket.ch sche Rockband wird am Freitagabend auf der Entstanden sind die neuesten Songs in den USA, wo die Künstminieren. Auf der Hauptbühne gastieren Rock- und Pop-Bands, www.andermattlive.ch Hauptbühne (Aula Bodenschulhaus) Alle Informationen unter andermattlive.ch lerin vergangenes Jahr mehrheitlich gelebt hat. vor Dochrund nun ist Indie-Vertreterinnen. Lassen Sie sich überraschen. 400 Zuschauerinnen und Zuschauern spielen. sie zurück – auch auf einer Bühne in Ihrer Nähe. Samstag werden Acts Death by Die Am Tournee beginnt in Zug. dann Hier sind diewie genauen KonzertGewinne 2 x 2 Tickets für AndermattLife am 20. März. Chocolate, Who`s Panda, Rival Kings, Dabu daten: Sende eine SMS mit INSEV LIVE an 2222

(Fr. 1.–/SMS) oder eine Postkarte mit Absender an: URMA Publicservice AG, Nightlife, Postfach, 6002 Luzern. Einsendeschluss: 23. Februar 2015 (Die Gewinner werden umgehend telefonisch benachrichtigt.)

Musik, Schnee und 4 x 4!

www.subaru.ch

Fantastic oder Bibi Vaplan zu hören sein. Der Headliner von Samstagabend ist die US-amerikanische Rockband «Rival Sons». Insgesamt werden rund 1600 Besucherinnen und Besucher an den zwei Konzertabenden erwartet.


COVERSTORY

ONLINE-DATING WEITERGEDACHT Feldforschung in Bars und Restaurants hilft nicht weiter. Man trifft jene, die sich dort analog treffen wollen. Eine Umfrage wäre nötig. Und dann? Denken wir einmal weiter. TEXT BRUNO AFFENTRANGER

Die Zahlen aus den USA und aus China, ja selbst neueste Da-

➜ Dadurch startet ein in sich geschlossener Kreislauf,

ten aus Indien sprechen eine deutliche Sprache. Das Online-

in dem sich die genannte Kriminalisierung im Analogen

Dating ist auf schnellem Vormarsch. Bei uns ist das Anban-

und das Anwachsen des Anbandelns im Internet gegensei-

deln übers Internet ebenfalls angekommen – wie intensiv, ist

tig befeuern. Eine neu aufkommende Prüderie findet ihren

eine offene Frage. Wer jedoch Jugendlichen in der Region

Fluchtpunkt im Internet.

zusieht und -hört, den beschleicht das sichere Gefühl, dass

➜ Das sind keine guten Neuigkeiten für die Tanzlokale und

soeben ein Umbruch stattfindet: Online ist alles, analog ist

Diskotheken im Siebziger- und Achtzigerjahre-Style.

zu unsicher. Das hängt einerseits damit zusammen, dass

Sie haben sich mittels Upgrading ins dekadent Luxuriö-

niemand bereits beim Kennenlernen den ganzen, letzten

se (und Absurde) noch in dieses Jahrzehnt retten können,

Einsatz spielen und die Enttäuschung riskieren wird. Anderer-

doch nun läuft ihre Zeit ab. Sie sind zu gross, müssen

seits ist die Übung im Internet schon fortgeschritten.

Flächen reduzieren, neue Angebote finden. Im Grunde stellt

Für jüngere Generationen, die heute noch nicht die Dreissig

sich hier dieselbe Frage wie beim stationären Handel:

erreicht haben, sind Online-Exkursionen das Natürlichste der

Wie verschmelze ich Online- und Offline-Aktivitäten auf

Welt. Doch auch die Älteren ziehen nach. Das Angebot ist

gewinnbringende Weise?

unübersichtlich: Tinder, Hinge, secret, TheCasualLounge,

➜ Dasselbe lässt sich auf Bars und Restaurants übertragen,

Parship, ElitePartner, eDarling, be2, Zoosk, LoveScout24 oder 50plus-treff sind nur einige der Adressen, die jeweils für

zumindest in jenen Bereichen, in denen das Matching oder

spezielle Ausprägungen und Ziele stehen.

Dating bisher eine wichtige Rolle spielt. Andere Funktionen müssen verbessert und attraktiver gestaltet werden:

Was aber geschieht, wenn das Wachstum des

Das Erlebnis des Essens zum Beispiel könnte im Restaurant

Online-Datens weiter zunimmt?

an Bedeutung gewinnen. Die Ausgestaltung ist vielfältig.

Welche Auswirkungen könnte dies auf das Leben

Bars werden kleinere Flächen bieten und sich für ein

im Analogen haben? Einige Thesen:

klar bestimmtes Publikum profilieren. Bloss keine AnmachVersuche mehr über die sozialen und Bildungsgrenzen hin-

➜ Der erste Schritt wird im Analogen zunehmend kriminali-

weg! Das ist keine schöne Vorstellung, wenn man weiter-

siert. Das heisst: Wer Annäherungen wagt, ohne zuvor

denkt, und lässt erahnen, dass die Gruppen- oder «Clan»-

das klare, schriftliche Einverständnis abgeholt zu haben,

Zugehörigkeit gerade in Städten intensiver wird und die

macht sich strafbar. Erste Gesetzgebungen laufen in diese

Durchlässigkeiten schwinden werden.

Richtung (Schweden). Viele gesellschaftliche Bewegungen treffen sich hier mit einem erstaunlichen Furor.

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LEBENSLUST

STADT- UND LANDLEBEN

Wir blicken in jeder Ausgabe auf ausgewählte Veranstaltungen, zeigen Menschen aus der Zentral­ schweiz und feiern gerne mit. Wer möchte, kann seinen Event bei uns präsentieren. Interessante Anlässe bitte melden bei Manuela Willimann: willimann@bamedia.ch

MODESCHAU LISBETH EGLI

Patrick Sieger, Moderatorin Nelly Patty, Christa Rigozzi, Walter und Lisbeth Egli, Anita Buri, Linda Fäh und Mark Wolf

Karin Wandeler und Gaby Burkart-Zust

Anita Buri mit einer grau-schwarzen Jacke in Samt und schwarzem Overall

Ursula Bucher und Rita Eltschinger aus Hildisrieden

Sängerin Marie-Louise Werth, Edith Wolf-Hunkeler, Corinne Ackermann und Lisbeth Egli

Patrick Sieger mit seinen Eltern Albi und Beat (Granol AG, Sursee)

Am 26. September hat die Egolzwiler Modedesignerin Lisbeth Egli ihre Herbst- und Winter-Kollektion in der «Granolissimo» in Sursee vorgestellt. Ihre Modeschauen sind stets ein gesellschaftliches Ereignis, gepaart mit kulinarischen Genüssen. Die ehemaligen Schweizer Missen Linda Fäh, Christa Rigozzi und Anita Buri präsentierten zusammen mit Dressman Mark Wolf professionell und anmutig die neueste Mode – die in diesen nun kälteren Tagen auch von Menschen wie Ihnen und uns getragen werden kann. Fotos: Manuela Willimann Christa Rigozzi in einem schwarzen Spitzenoverall

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Hugo Weibel, Jürg Bischof, Urs Fischer, Manuela Konstantin, Mario Widmer, Peter Wyss, Dieter Meier, Roger Widmer, Tilo Hühn und Foti Konstantin

LES GRANDS CHEFS AUF SCHLOSS WYHER

Dieter Meier (Unternehmer, Winzer und Künstler) stellte seine neuartige Schokolade vor.

Roger Widmer, in Luzern bekannt als Patron des Restaurants 1871 im «National» und des dortigen «Cinédîners», ist auch Schlossherr. Seit vielen Jahren betreibt er im Wasserschloss Wyher zwischen Sursee und Willisau erfolgreich Event-Gastronomie. Wobei diese nur die Spitze des Eisberges ist und das Ganze nicht einmal erahnen lässt. Am 26. Oktober konnte dies wieder einmal bestaunt werden: am ersten Kitchenparty & Schloss-Genuss-Abend unter dem Motto «Les Grands Chefs». Peter Wyss, Hugo Weibel, Jürg Bischof und Maître de Fromage Jean-François Antony gaben sich die Ehre. Ein einzigartiger Abend mit 150 Personen und vielen kulina­rischen Genüssen! Der 2. Kitchenparty & Schloss-Genuss-Abend findet am 26.10.2019 statt.

Karin und Claude Strickler (Astor-Küchen AG, Einsiedeln)

Peter Wyss (l.) hat über 40 Jahre lang die kulinarische Handschrift des Gstaad Palace geprägt.

Fotos: Manuela Willimann

Urs und Monika Fischer (Fischer Weine Sursee)

Ursi und Stefan Roth (CEO OYM, Cham)

Jules Hunkeler (J+E Hunkeler AG, Grosswangen)

Roger Geier Schär (Verkauf), Foti und Manuela Konstantin (Geschäftsinhaber Porsche Zentrum Aargau, Oftringen) und Philipp Gasser (Verkauf)

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STADT- UND LANDLEBEN

Bastian Eltschinger (Remimag Geschäftsleitung), Toni Visca, (Leiter Key Account Feldschlösschen), Florian Eltschinger (Remimag Geschäftsleitung) und Thomas Amstutz (CEO Feldschlösschen)

FELDSCHLÖSSCHEN MARTINI HÖCK

Walti Brun (Restaurant Allmendhuisli, Stans) und Hanspeter Bucher (Bucher Transport, Emmen)

Simon Kopp (Kommunikation­ Staatsanwaltschaft Luzern) und Stefan Schulthess (Direktor SGV)

Regula und Peter Reinle (Titlis Leiter Marketing/Stv. CEO) und Frank Kanschat (Sales Manager Feldschlösschen)

Aufgestelltes Feldschlösschen-Team: Markus Furrer, Adi Laimbacher, Reto Erdin, Sepp Bucher (Inhaber Pilatus Getränke AG), Gérard Schaller und Kilian Furrer.

Feldschlösschen lud zum 15. Mal an den beliebten Martini Höck ein. Über 200 Gäste aus Wirtschaft, Kultur, Politik und Sport waren der Einladung gefolgt. Am 6. November begrüsste CEO Thomas Amstutz im Grand Hotel National die Geladenen und berichtete aus erster Hand von den ökologischen Anstrengungen seines Unternehmens. Selbstverständlich war dies der Beginn längerer Diskussionen und spannender Gespräche, die sich biergestärkt noch bis spät in den Abend hin­zogen. Das Bier übrigens war exklu­siv für diesen Anlass gebraut worden.

Cornelia und Beat Schmid (Direktor Bucherer AG, Verkaufsgeschäft Luzern)

Stefan Suter (CEO Mineralquelle Bad Knutwil AG), Jürg Emmenegger (Leiter Marketing + Verkauf Ramseier Suisse AG) und Hans Bühlmann (Leiter Gastronomie Verkehrshaus)

Trudi Alchenberger, Herbert Huber (Gastro-Experte), Joe Christen (Regierungsrat aus Stans) und Gertrud Huber

Bruno Bättig, Roger Widmer (1871, Luzern) und Peter Obi (Gemeinde­präsident Ettiswil)

Denise und Oliver Blättler aus Hergiswil

Fotos: Manuela Willimann

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Spendenrekord: Am Donnerstag 22. November fand vor dem Hotel Schweizerhof in Luzern der 15. Suppentag der Schweizer Tafel statt. Es wurden 300 Liter Suppe von der Luzerner Prominenz geschöpft und so 12 000 Franken für den guten Zweck gesammelt. Mehr unter: schweizertafel.ch

Das erfolgreiche Suppentag-OK-Team: Gabriela Hauser (Präsidentin Gönnerverein Schweizer Tafel Luzern) Pascale Lobatón, Sara Häusermann, Yvonne Honermann (OK-Präsidentin) Sandra Huez, Ursula Baumann und Ramona Geiger

SUPPE FÜR EINEN GUTEN ZWECK

Hatten viel Spass: Luzerner Stadtpräsident Beat Züsli mit Entertainerin Milena Haller

Unterstützen den Suppentag sehr gerne: Mario Lütolf und Géraldine Ruckstuhl, Leichtathletin und U-18-Weltmeisterin 2015

Auch der FC Luzern war vertreten: Markus Krienbühl (Leiter Marketing und Kommunikation), Daniel Böbner (Leiter Stadion & Spielbetrieb), Mirko Salvi (Torhüter) und Stefan Wolf (Mittelfeldspieler)

Für ihn ist es eine Herzensangelegenheit dabei zu sein: Komiker René Rindlisbacher mit Arzt Didi Schmidle (l.) und FaKo-Präsident Mike Hauser

VOLKSROCK SCHLAGER HOCHDORF

René Koller (Direktor Bergbahnen Sörenberg AG) mit seiner Frau Nadine und Tochter Chiara

Am Freitag, 23. November fand die VolksRock Schlager Seetal in Hochdorf statt. Auch in diesem Jahr verwandelte sich das Seetal in einen Schlagertempel für Volksrockfans aus nah und fern. Party vom ersten bis zum letzten Ton war garantiert. Der gesamte Reinerlös wurde wiederum der Kinderkrebshilfe der Zentralschweiz gespendet. Die nächste Party steigt am 15.11.2019. Fotos: Manuela Willimann

Tirols Alpenpunkerin Hannah war wie immer der Wahnsinn und bot eine tolle Show!

Irma Eiholzer, Sängerin Marlen Billii und Urs Galliker (Galliker Gartenbau, Kaltbach)

Sind grosse Schlagerfans: Jörg und Stani Kaufmann (Trentini Bar, Auw)

Wirbelwind Melissa Naschenweng mit der rosafarbenen Harmonika

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Peter Isenegger (OK-Präsident Kemos Seetal) mit den zwei charmanten Moderatorinnen Denise Zemp und Andrea Isenegger


ADVERTORIAL

UELI BREITSCHMID

Hier geht es um einen Mann, der nicht nur Unternehmer und Patron ist. Er betreibt die Sinnvoll Gastro, kredenzt eigene Weine und macht Kultur. Ein Unikum.

PATRON DES GUTEN GESCHMACKS

«Im gartenHAUS 1313», Ueli Breitschmids Lieblingslokal (v.l.n.r.): Heiri Michel, Simon Feigenwinter, Ueli Breitschmid, Philippe Giesser.

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W

ir von der Sinnvoll Gastro wären heute nicht da, wo wir sind, gäbe es diesen Ueli Breitschmid nicht. Er, der von Anfang an unsere Visionen, Ideen und Projekte tatkräftig unterstützte und an uns glaubte. Ein gewiefter Geschäftsmann, sagen die einen, ein Idealist, sagen die anderen. Ein Unikum, Genussmensch und Patron der alten Schule, sagen wir. Wir, und da schliessen wir praktisch die gesamte Zentralschweiz mit ein, profitieren in vieler Hinsicht von Uelis Wissen und Können. Wir dürfen in verschiedenen individuellen und wahrlich sinnvollen Restaurants und Hotels unsere Gäste, die das Unkonventionelle und das Genies­ sen genauso lieben wie wir, wie gute Freunde verwöhnen und ihnen zu ehrlichem, originalem und einfach tollem Essen auch noch «wäutsgueti» Weine kredenzen.

In diesen Weinen stecken richtig viel Liebe und Herzblut – das ist bei jedem Schluck zu spüren und zu schmecken. Und wer schon mal einen Megger Solaris, der von Uelis Tochter Nora und Weinbauer Benno Schwager produziert wird, oder einen sizilianischen Palmeri Blu verkostet hat, weiss, wovon wir hier sprechen: runde, harmonische und gehaltvolle (Bio-)Weine, die völlig zu Recht bereits mehrere Auszeichnungen einheimsen konnten. Ueli Breitschmid gibt den Zentralschweizern enorm viel. Es ist durchaus nicht selbstverständlich, dass jemand, der ein eigenes Unternehmen führt, noch so viel Zeit, Hingabe und Geld in die Belebung und Diversifikation der Gastronomie investiert. Luzern kann sich wirklich glücklich schätzen. Darauf stossen wir an!

Sinnvoll Gastro Lindenstrasse 32A, 6015 Luzern T 041 240 46 34 www.sinnvollgastro.ch

Auch da hat Ueli Breitschmid seine erfahrenen Finger im Spiel und es zeigt sich einmal mehr, dass er auch dabei – im wahrsten Sinne des Wortes – den richtigen Riecher hat. Er lenkt im Hintergrund die Geschicke von mehreren Weingütern in Italien, der Schweiz und Spanien, die seit Jahren sensationelle und moderne Weine produzieren. Das Megger Weingut Sitenrain gehört dazu, ebenso die Tenuta Palmeri auf Sizilien sowie Palmeri Navalta in Saragossa, Spanien – alle drei aufstrebende Weingüter, auf die längst nicht mehr nur önologische Kreise aufmerksam geworden sind.

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Christmas

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Schöner shoppen mit Unterhaltung Passende Geschenke in weihnachtlichem Ambiente einkaufen, Preise beim ­ interaktiven ­Adventskalender gewinnen und dazu ein abwechslungsreiches ­Weihnachtsprogramm mit Highlights für Gross und Klein geniessen. Das und vieles mehr ist Weihnachtsshopping im Emmen Center. Zudem ist das Emmen Center am 8., am 23. und am 30. Dezember speziell für Sie geöffnet.

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as Emmen Center erstrahlt ab Mitte ­November in weihnachtlichem Glanz und bietet zahlreiche weihnachtliche Aktivi­täten. Ein besonderes Highlight wartet am 1. Dezember auf die Kundinnen und ­Kunden. Die Originial­ besetzung des ­Musicals Sister Act, ­ astiert, zeigt im ­welches im Le Théâtre g EG einen Ausschnitt aus der ­allseits ­bekannten ­Geschichte. Am 5. Dezember ist der Sami­chlaus im Emmen Center zu Gast und verteilt für ein schönes Sprüchli Samichlaus­säckli. Am 8. Dezember findet der beliebte Lebkuchenhäuschen-Event statt, an welchem die kleinen und grossen ­Besucher ihr Häuschen ganz individuell gestalten ­können. Musikalische Unter­ haltung der Extraklasse gibt es am 15. Dezember mit der Swing-Band The Airlettes und am 22./23. Dezember können Sie ­eine Show auf dem Walking Piano bestaunen und ­dieses auch selber ausprobieren.

Täglich neue Überraschungen Ab dem 1. Dezember kann am interaktiven Adventskalender im EG des Emmen ­Centers wieder täglich gespielt werden. Registrieren, Code scannen und gewinnen, so einfach ist es. Täglich warten ein ­Hauptpreis sowie zahlreiche Sofortpreise auf Sie. Das passende Geschenk für jedermann In den über 80 Topgeschäften des ­Emmen Centers finden Sie garantiert das passende Geschenk. Bei Ihren Einkäufen erhalten Sie kompetente Beratung vor Ort. Immer eine Freude machen Sie Ihren Liebsten zudem mit einer Emmen-Center-Geschenkkarte, welche im ganzen Center eingesetzt werden kann. Neu können Sie Ihre Karte am Geschenkkartenautomaten individuell gestalten. Ein weiteres besonderes Geschenk ist zudem eine Farbund Stilberatung bei der Stilexpertin

­ abienne Thali. Viele nützliche Tipps F für den Alltag und ein unvergessliches ­Erlebnis sind hier garantiert.

Spezielle Öffnungszeiten Samstag, 8.12. Sonntag, 16.12. Sonntag, 23.12. Donnerstag, 27.12. Sonntag, 30.12. Mittwoch, 2.1.

09.00–18.30 Uhr geschlossen 10.00–17.00 Uhr 09.00–21.00 Uhr 10.00–17.00 Uhr 09.00–18.30 Uhr

Mehr Informationen erhalten Sie unter emmencenter.ch

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CHRISTMAS-SHOPPING

Glanz und Wärme für die festlichen Tage Die festliche Jahreszeit steht bevor und bietet die perfekte Gelegenheit, mit Familie und Freunden zusammenzukommen.

U

nd was eignet sich besser, um solch einen besonderen Anlass zu begehen, als ein klassischer Zeitmesser? Die Rado DiaMaster aus roségoldfarbenem CeramosTM ist ein immerwährendes Geschenk, an dem man überaus lange Freude haben wird. Ihr schlankes Design in der für Rado typischen minimalistischen Ästhetik verbindet eine schlichte, attraktive Optik mit einem eleganten Feel in einem warmen metallischen Ton – perfekt für gemütliche Abende vor dem Kaminfeuer. Doch Rado wäre nicht «Master of Mate­ rials», wenn man hinter dem Äusseren nicht noch einiges mehr erwarten könnte. Ceramos ist das innovative Wundermaterial der Schweizer Marke, das die wichtigsten Vorteile von Hightech-Keramik mit einem Hauch Metall zu einem einzigartigen Look-and-feel vereint. Dieser entsteht, indem Rado Keramik (90 %) und Metall (10 %) zu einem perfekten Material, Ceramos, zusammenführt – ganz so, wie Freunde und Familie

zu einem perfekten Fest zusammenkommen. Ceramos ist extrem hart und verleiht der DiaMaster mit seinem einzigartigen roségoldfarbenen Glanz ihre warme Ausstrahlung. Ebenso wie Rados Hightech-Keramik passt sich auch dieses Material schnell der Hauttemperatur an, sodass es sich nicht kalt anfühlt – selbst bei frostigen Temperaturen und schneebedeckten Dächern. Alles glitzert und glänzt Es erfordert eine lange Zeit, um diese einzigartige, luxuriöse metallische Optik eines Keramikstücks zu erzielen. So beansprucht die Veredelung und das Polieren eines Stücks aus Ceramos einen bis zu 10 Mal höheren Zeitaufwand als bei einem Stück aus Hightech-Keramik. Mit einem Schein, der niemals verblassen wird, und einem Glanz, der mit der Zeit nicht stumpf wird, vermittelt die DiaMaster Ceramos Automatic garantiert auch lange nach den Festtagen noch ein warmes festliches Gefühl.

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Über Rado Rado ist eine weltweit bekannte Marke, berühmt für innovatives Design und die Verwendung von revolutionären Materialien zur Kreation einiger der langlebigsten Armbanduhren der Welt. Seit den Anfängen in Lengnau, Schweiz, hat Rado Pioniergeist bewiesen und die Markenphilosophie «Was wir uns vorstellen können, können wir umsetzen» gilt bis heute.

Rado Boutique Grendel 6 6004 Luzern rado.com


CHRISTMAS-SHOPPING

Lozärner Rägetröpfli wecken Glücksgefühle Tag für Tag komponieren Heinis Meisterkonditoren liebevoll Stück für Stück: zartschmelzende Schokoladetropfen, flüssig gefüllt mit hausgemachtem Kirschlikör und köstlicher Truffescrème.

Der Natürlichkeit

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zuliebe aus allerbesten

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Rägetröpfli sind so fein,

beschenken.

dass sie sogar Aufnahme fanden im offiziellen Inventar «Kulinarisches Erbe der Schweiz».

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Eleganz ist eine Haltung Die Longines Boutique in Luzern erstrahlt in einem neuen Glanz. Pünktlich zu den Festtagen lädt das zurückhaltend und klassisch-elegante Lokal zur Uhren-Entdeckung. Ausländische und einheimische Gäste schätzen die Schweizer Traditionsmarke aus St. Imier mit ihrer 186-jährigen Erfahrung und Geschichte. Ein Augenschein lohnt sich.

INTERVIEW

Conquest V.H.P. Ref. L3.716.4.96.6 41 mm, CHF 950.–

A

m Grendel führt seit einigen Jahren die grosse Schweizer Uhrenmarke Longines eine Boutique. Genauer, an der Grendelstrasse 19, einen Steinwurf nur entfernt vom Schwanenplatz. Seit Ende November laden Niederlassungsleiter Daniele Cederna und sein Team zum Besuch in der komplett neu eingerichteten Boutique. Braune und weisse Töne dominieren die Ästhetik und bauen eine beruhigende Ambiance auf, in der man sich wohl und aufgehoben fühlt. Das richtige Umfeld, um die neues­ reziosen aus der ausgesprochen ten P ­weitläufigen Longines-Kollektion zu ­e ntdecken.

Daniele Cederna, was hat sich mit der neuen ­B outique bei Longines in Luzern geändert? Daniele Cederna: Wir haben unsere alten Stärken beibehalten: die Beratungs-­ Erfahrung, die grosse Kollektion, die atemberaubenden Neuheiten, ein sen­ sationelles Preis-Leistungs-Verhältnis. Neu ist unser Auftritt. Nach fünf Jahren war die Einrichtung einfach nicht mehr zeitgemäss und bedurfte einer Auffrischung. Jetzt freuen wir uns auf unsere Kunden und darüber, dass wir direkt am Eingang eine neue Ausstellungswand haben, in der wir die Neuheiten klug und sauber präsentieren können. Kann man in Luzern dasselbe kaufen wie überall auf der Welt? Wir können auf die ganze Longines-Welt zurückgreifen, doch wir sind in der ­g lück­lichen Lage, hier die neusten Modelle zeigen zu können. Was imponiert Ihnen dieses Jahr am meisten auf diesem Feld der Neuheiten? Die neue Conquest V.H.P. GMT Flash Setting gefällt mir sehr gut. Es handelt sich um eine Quarzuhr, die ­s pezielle Fähigkeiten hat. Manuell oder über eine App lässt es sich steuern, dass die Uhr überall und jederzeit sofort die örtliche Zeit ­ü bernimmt. Diese Uhr eignet sich ­b esonders für Vielreisende. Was ist an Longines besonders? Longines ist eine Traditionsmarke, die seit 1832 existiert und noch immer an ­ihrem Schweizer Ursprungsort, in St. Imier, zu Hause ist. Sie besticht durch Eleganz, Preis, Leistung und Qualität, und sie ist

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weltweit sehr bekannt. Für welche Werte steht Longines aus Ihrer Sicht? Longines ist ein besonderer Ausdruck von Eleganz und von Sportlichkeit. Longines passt zu einem schönen Anzug genauso wie zu einem Auftritt in Alltagskleidern. Die Marke steht für zeitlose Uhren. Gerade weil die Kollektion umfangreich ist, kommt der Beratung in der Boutique eine besondere Bedeutung zu. In Luzern sprechen wir viele Sprachen und punkten gut bei unseren ­a siatischen Gästen. Ist die Boutique auf Touristen ausgerichtet? Nein, nicht nur. Reisende spielen eine ­w ichtige Rolle als Kunden, aber auch die einheimische Bevölkerung kommt bei uns zum Zug. Die Pflege der lokalen Traditionen ist uns wichtig. Deshalb engagieren wir uns zum Beispiel an der Fasnacht direkt. Unsere Schaufenster werden von Guggenmusik-Masken geschmückt. Longines ist mitten im Luzerner Leben.

Daniele Cedernas ­ Lieblingsuhr aus dem­ Hause Longines: The Longines Column-Wheel Single Push-Piece Chronograph 180th Anniversary

Longines Boutique Grendelstrasse 19 6004 Luzern longines.com


186 Jahre Eleganz, Tradition und Hochleistung Die Schweizer Traditionsfirma Longines hat eine reiche Geschichte, doch betagt ist sie noch lange nicht. Auch dieses Jahr fasziniert und verblüfft sie

BON

mit Neuheiten, die viel Freude bereiten.

Feiern Sie mit uns die Neueröffnung! Bei einem Besuch unserer Boutique am Grendel und dem Vorzeigen dieses Bons laden wir Sie zu einem Glas Champagner* ein. *Gilt pro Person und vom 10.–31. Dezember 2018 La Grande Classique de Longines Ref. L4.766.4.94.2 37 mm, CHF 1100.–

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Record Ref. L2.821.4.96.4 40 mm, CHF 1990.–


INTERVIEW

Sprachgewandt für die bestmögliche Beratung

HydroConquest Ref. L3.782.4.56.9 43 mm, CHF 1500.–

INTERVIEW

Für jeden das Passende Warum hat Longines ein umfangreiches Sortiment? Istvan Szemerits: Wir möchten für jeden Typus Mensch die passende Uhr bereit­h alten. Dank der Grösse der ­Kollektion ­gelingt uns das, Jeder findet sicherlich das Passende. Was sind aus Ihrer Sicht die Werte, für die Longines steht? Longines ist modische Eleganz und ­S portlichkeit. Longines ist auch Qualität und Verlässlichkeit. Und zu guter Letzt – nicht unwesentlich – bietet die Marke ein perfektes Preis-Leistungs-Verhältnis. Sie ist für viele erschwinglich und nicht ­ igenen ausserhalb der Reichweite des e Budgets. Welches ist denn Ihre Lieblingsuhr in dieser grossen Auswahl? Ganz klar die HydroConquest in Schwarz mit einer Keramiklünette. Sie ist bis in eine Tiefe von 300 Metern unter Meer wasserdicht. Mir gefällt übrigens auch der The Longines Heritage Chronograph 1940.

Sie sind Asiatin, woher stammen Sie? Selina Kammermann: Ursprünglich ­s tamme ich aus Luoyang, einer Stadt im Inneren Chinas, die in der langen ­G eschichte des Landes schon neunmal Hauptstadt war. Sprechen Sie Mandarin? Selbstverständlich, dazu ein wenig ­K antonesisch, aber auch Englisch und Deutsch. Das ist wichtig in unserer Boutique in Luzern, da wir ein aussergewöhnlich internationales Publikum haben. Hier sind die verschiedensten Sprachen gefragt. Jeder und jede von uns spricht verschiedene Sprachen. So können wir die bestmögliche Beratung ohne ­Ü bersetzungsverluste garantieren. Was weiss man über Longines in China? Die Schweizer Marke ist in China sehr beliebt. Sie zählt sicherlich zu den bekanntesten Marken in China. Zudem ist Longines bei preissensitiven Menschen angesagt. Viele Besucherinnen und ­ hina können sich eine Uhr Besucher aus C leisten. Das ist nicht bei allen Marken so. Warum sind Uhren in China so beliebt? Uhren werden in China als ein besonders wertvolles Schmuckstück gesehen, das gerade im Fall einer Schweizer Uhr auf eine lange Tradition und einen grossen Markenwert zurückgreifen kann. Welche ist Ihre Lieblingsuhr? Ich mag am meisten meine The Longines Elegant Collection, ­rosagold mit Stahlarmband und mit einem Perlmuttzifferblatt.

Selina Kammermann Mitarbeiterin Boutique Longines Luzern

The Longines Elegant Collection Ref. L4.910.4.92.2 39 mm, CHF 1620.–

Istvan Szemerits Stv. Leiter Boutique Longines Luzern

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INSERAT Elegance is an attitude LONGINES Kate Winslet

Longines Boutique Grendelstrasse 19, 6004 Luzern

Record collection

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CHRISTMAS-SHOPPING

Himmlisches Einkaufsvergnügen F

ür die Suche nach einem passenden Geschenk ist der Länderpark in Stans mit seinen vielfältigen Geschäften eine ideale Adresse. Und falls Sie nicht wissen, wie Sie Ihren Liebsten eine Freude bereiten können, dann sind Sie mit den beliebten Center-Talern und den originellen Geschenkkarten auf der sicheren Seite. Beide sind am Migros-Kundendienst ­erhältlich. Die Geschenkkarte im praktischen Kreditkarten-Format kann auch am Automaten bezogen werden. Nebst verschiedenen Sujets kann die Karte mit ­einem eigenen Bild zu einem sehr persön-

lichen Präsent veredelt werden. Ver­ schenken Sie ein einzigartiges Shoppingerlebnis: Ob Modeboutique, Coiffeur­salon, Papeterie, Reisebüro oder Vinothek, es ist garantiert das Richtige dabei!

Öffnungszeiten Mo – Fr   9.00 – 2 0.00 Uhr Sa   8.00 – 18.00 Uhr Sonderöffnungszeiten im Dezember: Sa 8.12.   8.00 – 18.00 Uhr So 23.12. 10.00 – 17.00 Uhr Mo 24.12.   8.00 – 16.00 Uhr * *Lebensmittelgeschäfte + Restaurants ab 7.30 Uhr

Weitere Informationen unter laenderpark.ch

Geschenk der Natur – reifendes Meisterwerk Die Brunner Weinmanufaktur liegt in einem Gebiet, das ideale Voraussetzungen für das Werden hochwertiger Weine bietet: Das warme, teils vom Südwind geprägte Sommerklima und das kalte Klima im Winter treffen hier auf das ­gemässigte und oft feuchte Klima vom Atlantik. Die kühlen Winde aus dem Nordwesten sorgen für die frische Aromatik in den Weinen. Das ausgeglichene See­klima und die leichten, durchlässigen Moränen­böden wiederum lassen die Trauben bis in den Spätherbst hinein voll ausreifen – eine optimale Voraussetzung

für komplexe Weine mit viel Frische, Finesse, Eleganz und Charakter. Sehr gerne empfangen wir Sie in unserer stimmungsvollen Vinothek in der ­Kommende Hitzkirch, wo Sie in einem einzigartigen historischen Gewölbekeller unsere Weine degustieren können: Samstag, 01.12.2018 Samstag, 15.12.2018 Freitag, 21.12.2018 Samstag, 22.12.2018

10.00 – 13.00 Uhr 10.00 – 13.00 Uhr 17.00 – 19.00 Uhr 10.00 – 13.00 Uhr

BRUNNERWEINMANUFAKTUR Vinothek Kommende Hitzkirch Kommendeweg 3 6285 Hitzkirch Tel. 041 910 20 11 brunner-weinmanufaktur.ch

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CHRISTMAS-SHOPPING

Weihnachten im Verkehrshaus Der Kleine Prinz Das Buch «Le Petit Prince» oder auf Deutsch «Der Kleine Prinz» von Antoine de Saint-­E xupéry wurde über 140 Millionen Mal verkauft und gehört zu den erfolgreichsten literarischen Werken überhaupt. Ein kleines Mädchen lebt mit seiner ­ambitionierten Mutter in der freud­losen Welt der Erwachsenen. Eines Tages trifft das Mädchen auf einen besonderen ­Nachbarn, einen Piloten. Dieser zeigt dem Mädchen eine wunderbare Welt – die Welt des kleinen Prinzen. «Der Kleine Prinz», 24. Dezember bis 1. Januar, täglich 16 Uhr, Verkehrshaus Filmtheater.

D’Wiehnachtsgschicht Bis zum 6. Januar 2019 zeigen wir die Weihnachtsgeschichte auf der ­eindrücklichen Kuppel im Verkehrshaus ­Planetarium. Inmitten eines ­riesigen, ­animierten ­Bilderbuches ­begleiten Sie Maria und ­Josef von der Ver­kündigung des Engels in ­Nazareth bis zur ­Zimmer­suche im ­überfüllten ­Bethlehem. Treffen Sie auf dem Feld die Hirten und finden Sie mit ­ihnen ­zusammen das Kind in der Krippe.

Das ganze Weihnachtsprogramm des Verkehrshauses sowie Tickets finden Sie unter: verkehrshaus.ch/weihnachten

Verkehrshaus der Schweiz Lidostrasse 5 6006 Luzern

ig eit ! s z h te rü eren letz . F i p: rv en 71 Tip ese ahr 18 r J im 10 îner h d c Na Ciné

Cinédîner

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das Orignial

Luzern

Ettiswil

15. März – 20. April 2019

25. April – 11. Mai 2019

APÉRO, FILM & DINNER Restaurant 1871 und Wasserschloss Wyher Info und Reservation: www.cinediner.ch 1871_Layout_Inserat_Stadtsicht_190x136mm.indd 1

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15.11.18 13:46


CHRISTMAS-SHOPPING

Zauberhafte Stunden – ein Event der besonderen Art! weihnachtsschiff.ch bis 6. Januar

Ö

ffnen Sie Ihre Herzen und geniessen Sie mit Ihren Liebsten, Freunden oder Geschäftspartnern ein spezielles und unvergessliches Erlebnis. Während der Fahrt mit dem Weihnachtsschiff geniessen Sie die kulinarischen Käse- oder Fleisch-Köstlichkeiten und lassen Sie sich von der SNG-Crew verwöhnen. Im dekorierten Fenster ziehen die speziell beleuchteten Hotels vorbei und das Ufer des Vierwaldstättersees säumen die wunderschönen Lichter der Weihnachtsdekorationen. Zurück in Luzern am Schwanenplatz verweilen Sie

noch etwas an Bord und lassen den Abend bei weiteren adventlichen Leckereien und dem besten Blick auf die wunderschöne Stadtkulisse ausklingen. Das Weihnachtsschiff ist bereits zum 11. Mal in Folge jeweils Dienstag bis Sonntag vom 20. November bis 6. Januar auf dem Vierwaldstättersee unterwegs. Auch an Silvester und am Neujahrsabend geniessen Sie die festliche Stimmung an Bord. Weitere detaillierte Informationen finden Sie unter weihnachtsschiff.ch.

SNG – St. Niklausen Schiffgesellschaft Alpenquai 11, 6005 Luzern Tel. 041 368 08 08 info@sng.ch sng.ch

Abheben und erleben.

Rundflüge Schnupperflüge Helikopterflüge Flugschule

Bestellen Sie jetzt Gutscheine – das ideale Weihnachtsgeschenk Telefon 041 930 18 66

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03.11.16 21:01


LOOK OUT

VELOFAHRER MÜSSEN HANDZEICHEN GEBEN Kopenhagen ist die Velo-City der Welt. Aber ohne Regeln gehts auch da nicht. Und: Gent holt auf. Im Planen und Ausführen. Zwei Lehrbeispiele für Luzern. TEXT BRUNO AFFENTRANGER

K

openhagen, die Hauptstadt Dänemarks, wird gerne als die Metropole der Velos dargestellt. Fahrrad-Brücken, Velowege, tausende von Radlerinnen und Radlern, die täglich pendeln, fast vierzig Prozent aller Arbeitenden oder Studierenden auf dem Fahrrad – ein Augenschein beweist, dass sämtliche Behauptungen stimmen müssen. Und doch gibts Bad News: Velo steht nicht für Anarchie, Fahrradverkehr nicht für die freie Liebe. Ohne Regeln geht es auch in der perfektesten aller Velowelten nicht. Wir haben die Gesetzestafel in der Liste von elf Tipps des dänischen Radclubs Dansk Cyklist Forbund aufgehen lassen. Hier die Ratschläge für Luzerner Velofahrerinnen und -fahrer, die im Stadtverkehr unterwegs sind: ➜ I mmer gelassen bleiben. ➜ Vor dem Überholen anderer Velofahrer immer nach hinten schauen. ➜ Auf dem Veloweg möglichst weit rechts fahren, damit andere überholen können. ➜ Haben Sie immer ein Auge auf den Verkehr. Lassen Sie das Handy in der Tasche.

VERGLEICHSGRÖSSEN Luzern 81 401 Einwohner Kriens, Emmen, Horw, Ebikon 85 125 Einwohner Total 166 526 Einwohner Gent Zentrum 112 000 Einwohner Total Gent 250 000 Einwohner

➜ Zeigen Sie immer an, was Sie vorhaben. Geben Sie Handzeichen, wenn Sie abbiegen oder anhalten möchten (wer in Kopen­h agen anhalten will, hebt vor dem Stoppen eine flache Hand. Dann sehen alle Nachfolgenden, was läuft beziehungsweise bremst). ➜ Stellen Sie sich nicht vor andere Velofahrer, die bereits an einer Ampel bei Rot warten.

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➜B  eharren Sie nicht auf Ihrem Recht – dies kann lebens­gefährlich sein. ➜ Nach dem Anhalten bitte auf dem Trottoir warten. ➜ Fahren Sie am besten nicht mit einer grossen Kapuze oder/und lauter Musik über Kopfhörer Velo. ➜ Fahren Sie mit angepasster Geschwindigkeit. ➜ Weil bei Velounfällen in den meisten Fällen der Kopf betroffen ist, sollte man mit Helm fahren. Alles gut also? Wirtschaftsvertreter werden an dieser Stelle auf begehren. Handzeichen zur Sicherheit? Sie sind eher Signale des drohenden Verödens der Innenstadt von Luzern. Denn: Wer kommt noch einkaufen, wenn sie autofrei und dafür velosicher ist? Wandert wegen einer verkehrsberuhigten Velostadt alles Business auf die grüne Wiese und an den Rand der Agglomeration? Hier gehts zum Businesscase

Kopenhagen hilft für den Vergleichsfall Luzern nicht weiter. Da dient der Blick nach Flandern in den Nordwesten Belgiens mehr. In Gent hat die Stadtregierung im


25 %

8%

+ DIE AUSWIRKUNGEN DES NEUEN VERKEHRSPLANS 2017/2018 IN GENT

-

Auf Hauptstrassen in der Stadtmitte

Auf Nebenstrassen in der Stadtmitte

12 %

29 %

58 %

April 2017 einen rigiden Verkehrsplan durchgesetzt. Vorangegangen ist ihm ein nur zweijähriger Planungsprozess, in dem man sich auf das Konzept der niederländischen Stadt Groningen aus den Siebzigerjahren gestützt hat. Ziel: einen bereits existierenden nachhaltigen Mobilitätsplan zu stärken und die Strassen den Menschen zurückzugeben. Die vierzig Prozent Anteile von Durchgangsverkehr durch die City am Gesamtverkehr sollten drastisch gesenkt werden. Gent hat in einem weniger als 100 000 Einwohner zählenden Kern die Fussgängerzone extrem ausgeweitet und sechs Distrikte geschaffen. Von einem Distrikt zum anderen kann man nur zu Fuss, mit dem Velo oder ähnlichen Gefährten, dem öffentlichen Verkehr oder mit Taxis gelangen. Autos fahren auf einer Ringstrasse, deren Existenz Voraussetzung für das Gelingen ist. Alles, was sich schneller als 25 km/h bewegt, braucht Spezialbewilligungen – und die gibt es kaum. E-Bikes, die mit 40 oder mehr Stundenkilometern unterwegs sind, sieht man keine. Gegen das Vorhaben waren viele: lokale Parteien, Einwohner, Geschäftsinhaber. 25 Prozent der Bevölkerung waren unentschieden, lernten aber schnell, dass alle Trends Richtung nachhaltige Mobilität gehen und stellten ihre eigenen Fortbewegungsgewohnheiten um. Die Idee hat sich durchgesetzt. Resultat: Die 25- bis 34-Jährigen sind in der alten Universitätsstadt am glücklichsten mit dem neuen Regime. Nach einem Jahr hat die Zahl der Velonutzer um 25 Prozent zugenommen, jene der ÖV-Benutzer um 8 Prozent. Die Zahl der Autos, die während den Hauptverkehrszeiten unterwegs sind, ist um zwölf Prozent zurückgegangen. Und das Business? Die Umsätze der Detailhändler sind im verkehrsberuhigten Zentrum um 2 bis 10 Prozent gestiegen. Die Frequenzen nehmen zu. Das FussgängerTempo findet Anklang. Tendenz: positiv. Das sollte man sich anschauen – vor allem, wenn man aus der Region Luzern kommt und im Stau tagträumt. stad.gent/ghent-international/mobility-ghent

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ADVERTORIAL

Jubiläumsausgabe – 10 Jahre Luzerner Cinédîner – das Original

APÉRO – FILM – DINNER Restaurant 1871, Luzern

10. LUZERNER CINÉDÎNER 15.03. – 20.04.2019 WOCHE 1 FR 15.03.2019 WOLKENBRUCH SA 16.03.2019 C’EST LA VIE! DAS LEBEN IST EIN FEST W2 MI 20.03.2019 SWIMMING WITH MEN DO 21.03.2019 BOOK CLUB FR 22.03.2019 DIE SCH’TIS IN PARIS SA 23.03.2019 MISSION: IMPOSSIBLE – FALLOUT W3 MI 27.03.2019 DER WEIN UND DER WIND DO 28.03.2019 DEINE JULIET FR 29.03.2019 LIEBE BRINGT ALLES INS ROLLEN SA 30.03.2019 NICHT OHNE ELTERN

Vom 25. April bis 11. Mai 2019 gastiert das Cinédîner-Programm (siehe rechte Spalte) auch im Wasserschloss Wyher in Ettiswil. Dies bereits zum siebten Mal. Weitere Infos, Programm und Reservation: cinediner.ch

Wasserschloss Wyher, Ettiswil

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as Cinédîner hat sich zu einem echten Kultevent gemausert, den in den letzten Jahren über 20 000 Personen besucht haben. Die Jubiläumsausgabe, 10 Jahre Luzerner Cinédîner, wird zugleich leider auch die letzte in Luzern sein. Das Gastgeberteam unter der Leitung von Roger Widmer und Jürg Bischof wird sich voll und ganz auf das Wasserschloss Wyher konzentrieren und weitere Ausbaupläne per Frühling 2019 umsetzen, darunter eine moderne, neue Küche, eine neue Naturterrasse beim Karpfenteich, ein Boutique-Restaurant (nur Donnerstagabend geöffnet) und Teamkochen-Events.

W4 MI 03.04.2019 WOLKENBRUCH DO 04.04.2019 MADAME FR 05.04.2019 DIRTY DANCING SA 06.04.2019 DIE SCH’TIS IN PARIS W5 MI 10.04.2019 GRÜNER WIRD’S NICHT DO 11.04.2019 HOTDOG FR 12.04.2019 THREE BILLBOARDS OUTSIDE EBBING MISSOURI SA 13.04.2019 DIE LETZTE POINTE W6 MI 17.04.2019 BOOK CLUB DO 18.04.2019 FIRST MAN FR 19.04.2019 DIE SUPER COPS SA 20.04.2019 C’EST LA VIE! DAS LEBEN IST EIN FEST

7. ETTISWILER CINÉDÎNER 25.04. – 11.05.2019 WOCHE 1 DO 25.04.2019 C’EST LA VIE! DAS LEBEN IST EIN FEST FR 26.04.2019 DIE SCH’TIS IN PARIS SA 27.04.2019 WOLKENBRUCH W2 DO 02.05.2019 DIE SUPER COPS FR 03.05.2019 BOOK CLUB SA 04.05.2019 GRÜNER WIRD’S NICHT W3 DO 09.05.2019 MADAME FR 10.05.2019 FIRST MAN SA 11.05.2019 DIE LETZTE POINTE

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KREATIV

VIER MEISTERKÖCHE HAUTNAH

Unsere Region hat kulinarisch zugelegt. Exquisites und machmal extravagantes Essen kommt vermehrt auf die Teller. Der Aufsteiger des Jahres, Hugues Blanchard vom Restaurant Olivo (neu 16 GaultMillau-Punkte), der weit gereiste Koch-Manager Mike Wehrle vom Bürgenstock, der eigenartige und eigensinnige Stefan Wiesner aus Escholzmatt und nicht zuletzt Fabian Inderbitzin, bodenständiger Spitzenkoch im Belvédère in Hergiswil (NW), geben einen persönlichen Einblick in ihren Alltag an der Küchenfront. Das Gute: Sie verraten nebenbei Tipps aus ihrem Kochhandwerk.

TEXT UND BILD ANGEL GONZALO

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KREATIV

B

eharrlichkeit und Disziplin sind in den Augen von Hugues Blanchard Tugenden. Der Chef im Luzerner Restaurant Olivo und sein Team wurden in diesem Jahr mit 16 GaultMillau-Punkten belohnt. Damit ist er von den Gastro-Juroren zum «Aufsteiger des Jahres» erkoren worden. Das kommt nicht von ungefähr und ist im Fall des französischen Spitzenkochs eine logische Konsequenz. Seit zwölf Jahren führt der 46-Jährige das kulinarische Zepter im Restaurant Olivo. Begonnen hat sein Abenteuer, wie er es nennt, mit 13 Punkten. Nach und nach hat er die weiteren Stufen einzeln erklommen und dabei viel Konstanz und Beharrlichkeit bewiesen. Die Konsequenz, mit der er Ziele verfolgt, liegt in seinem Charakter. Hugues Blanchard stammt aus einer naturverbundenen Familie. Der Vater führte eine Metzgerei, die meisten Verwandten verdienten ihren Lebensunterhalt in der Landwirtschaft. Er selber fühlt sich als «paysan», als ländlich geprägten Menschen – ehrlich, bodenständig und naturverbunden. Bereits mit 15 Jahren verliess er das elterliche Haus in Tournan-en-Brie nahe Paris und absolvierte das Lycée Hôtelier Saint-­ Martin in Amiens, der Heimatstadt von Frankreichs Staatspräsidenten Emmanuel Macron. Mit 19 reiste er als hoffnungsvoller Koch nach Nizza und wurde auf Anhieb Commis de Cuisine (Nachwuchskoch) im renommierten Fünfsternehaus Negresco. Diese Erfahrung prägte seinen profes­ sionellen Werdegang, die Haute Cuisine verliess er nicht mehr. Es folgten weitere Lehr- und Wanderjahre in Hotels und Restaurants in Frankreich, bis er 1993 seine Karriere in Zürich fortsetzte. Mit 25 wurde er zum Sous-Chef im «Château Gütsch» in Luzern berufen und seit 2006 prägt er die Küche im «Olivo» beim Luzerner Casino. Hugues Blanchard zelebriert eine, wie er betont, «leichte, mediterrane Küche», die sich nicht nur auf Italien beschränkt, wie dies mancherorts der Fall sei. Er bedient sich des ganzen Mittelmeerraums, schliesst Rezepte und Essenzen aus Nordafrika, Südfrankreich, Spanien oder dem Libanon

HUGUES BLANCHARD DER KLASSIKER

ein und integriert ab und an eine asiatische Note. «D’une assiette on s’inspire»: Nach diesem Credo kreiert er seine Menüs, bleibt aber im Grunde klassisch. Natürlichkeit sei ihm wichtig, sowohl in der Wahl wie auch in der Zubereitung seiner Gerichte. Seine bäuerlichen Wurzeln hätten ihn in dieser Hinsicht stark geprägt. Noch bis vor Kurzem hätten sich am selben Tisch fünf Generationen seiner Familie getroffen. Manche seiner Verwandten seien um die hundert Jahre alt geworden, die Ururgrossmutter habe es gar da­ r überhinaus geschafft. Das seien nicht nur die guten Gene, bemerkt er leicht ironisch. Die Langlebigkeit in seiner Familie sei bestimmt auch die Folge einer konsequent natürlichen Ernährung – eine «cuisine de santé» nennt er das. Der Chef

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im «Olivo» geht bald in seine 13. Saison. Ein Chef zum Anfassen, der selber in der Küche Hand anlegt und sich im Posten «Fleisch, Fische und Saucen» einreiht. Mitten im Geschehen.

BLANCHARDS EMPFEHLUNG: Bruschetta – einfach gut! Eine Bruschetta sei doch überall beliebt und denkbar einfach zuzubereiten. Dazu werden gehäutete Tomaten gewürfelt (das Kerngehäuse wird dabei entfernt) und mit Knoblauch, Basilikum, Olivenöl und etwas Salz und Pfeffer gemischt. In Kalabrien zum Beispiel nennt man die Bruschetta «Fedda ruscia» (geröstete Scheibe Brot). Sie wird dort mit Olivenöl, Salz, Pfeffer und Oregano oder Paprika gegessen.


KREATIV

D

ie Passagiere der Business- und FirstClass bei der Swiss geniessen seit September dieses Jahres Menüs, die Mike Wehrle kreiert hat. Seither wird der Culinary Director des Bürgenstock Resorts von zahlreichen Freunden und Kollegen mit launigen Kommentaren auf Facebook «geliked», zumindest in den meisten Fällen, wie er lachend ergänzt. Für die Region Nidwalden und das Resort entfache dieses Swiss-Engagement einen willkommenen Werbeeffekt. Er habe bewusst Nidwaldner Spezialitäten angeregt, wie den Bürgenstöckler Käse der Familie Bircher aus Obbürgen, das Dallenwiler Wymutschli der Käserei Odermatt oder die Engelberger Wurst der Metzgerei Gabriel aus Wolfenschiessen. Das ist eine Auswahl zahlreicher lokaler Produzenten, die das Bürgenstock Resort beliefern – und darauf legt der 42-jährige Mike Wehrle besonderen Wert, wenn auch für ihn im Grunde immer «Qualität vor Lokalität» gilt. Seit er mit der Bauernorganisation «natürlich Nidwalden», der selbst ernannten Marke für Bodenständiges aus Nidwalden, eng zusammenarbeite, habe er in unmittelbarer Nähe seines Resorts «durchaus spannende Bezugsquellen» erschlossen.

Als charmanter Nebeneffekt, so Wehrle, habe sich ein Bauernmarkt im Resort entwickelt, welcher von Zeit zu Zeit Frisches aus der Region anbiete und bei den Gästen im Bürgenstock Resort sehr gut ankäme. Dem ausländischen Gast passt dieser lokale Bezug. Die Taverne, das Lokal für Schweizer Gastronomie, schmückt sich neuerdings mit einem Käse-Humidor und serviert vorwiegend Schweizer Spezialitäten aus Gross­ mutters Küche. Bratwurst, klassische Chügeli-Pastetli, aber auch Lachs aus Schweizer Zucht kommen hier auf den Teller. Mike Wehrle ist in seiner Laufbahn weit gereist, hat als Koch Erfahrungen in renommierten Häusern gemacht. Die letzten Jahre verbrachte er als Executive Chef für die Luxus-Hotelkette «The Peninsula» in Manila, Chicago und Bangkok. Das kommt ihm heute in seiner neuen Funktion gelegen. Als Culinary Director mit der Verantwortung für acht Restaurants auf dem Bürgenstock mit insgesamt 58 GaultMillauPunkten und für eine über 95-köpfige Kochbrigade ist er zum Kochmanager mutiert. Sein Kochpersonal kennt er mehrheitlich von früher – er hat einige Kochprofis persönlich in die Zentralschweiz gelockt. Die Ansprüche sind gestiegen, auch

von Seiten der Gäste aus der Schweiz. Neben­dem kulinarischen Flaggschiff «RitzCoffier» mit 16 GaultMillau-Punkten bietet das Resort mit der grandiosen Aussicht auf See und Berge Lokale mit asiatischen, orientalischen und mediterranen Ausprägungen sowie ein Golf-Restaurant, das nicht nur für Golfspieler offen ist. Die Mischung sei für ihn spannend, und «approachable», setzt er hinzu und meint damit, dass die Restaurants im Resort für alle zugänglich und offen seien.

WEHRLES EMPFEHLUNG: Ei 60/63 Dieses perfekte Ei gelingt auch zu Hause. Und so gehts: Das Ei in der Schale wird entweder auf dem Lochblech in einem Dampf­ garer oder im Sous-Vide-Bad während 60 Minuten bei möglichst exakt 63 Grad C gegart bzw. pochiert – just unterhalb der Temperatur, bei der das Eiweiss stocken würde. Das Ei anschliessend vorsichtig aufschlagen und nach Lust und Laune weiter­ verarbeiten. Zum Beispiel auf ein Spinatbett legen oder zum Salat geniessen. Übrigens: Der Gourmet kitzelt seinen Gaumen, indem er etwas Trüffel über sein Ei hobelt.

MIKE WEHRLE

DER KOCHMANAGER

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KREATIV

W

äre es nach seinem Primarschullehrer gegangen, wäre aus Stefan Wiesner nichts «Gescheites» geworden. Es solle doch gleich nach Hause gehen, bekam er mehrmals zu hören. Klein Stefan liess sich davon nicht beirren. Der bekennende Legastheniker sollte später gleich mehrere Bücher schreiben. Nun ja, genau genommen hat er diese diktiert. Aber egal, seinen Weg hat er gemacht. Ein Koch der besonderen, eigenwilligen Art ist aus ihm geworden. Ein begnadeter Kochhandwerker mit vorzüglicher Ausbildung notabene, aber auch ein Tüftler an ausgefallenen Ingredienzen, Düften und Geschmäckern und ein hinreissender Geschichtenerzähler obendrauf. Sein Gasthof Rössli, den er mit seiner Frau Monica seit 1989 führt, lockt ins entlegene Escholzmatt. Das hat schon seinen Grund, und basiert nicht nur auf der exzellenten gastro­ nomischen Bewertung (17 Punkte im GaultMillau und 1 Michelin-Stern). Stefan Wiesner verblüfft und überrascht immer wieder. Er kocht etwas derart Profanes wie eine «Baustelle» mit allem Drum und Dran, in mehreren Gängen bis ins kleinste Detail inszeniert. Dann etwas Entrücktes wie den italienischen Anarchisten und Bohémien Filippo Tommaso Marinetti, Autor des «futuristischen Manifests». Oder er «komponiert» ein Menü nach dem russischen Pianisten Alexander Nikolajewitsch Skrjabin, der als Farb-Synästhet das Erklingen von Tönen mit Farbwahrnehmungen verknüpfte und zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Vision einer universellen Symphonie aus Wort, Ton, Farbe, Duft, Berührungen, Tanz und bewegter Architektur prägte. Solche exzen­ trischen Figuren liebt Wiesner. Und wenn ihm etwas gewaltig auf den Wecker geht, wie zum Beispiel der Citroën Hy, den er einst überbezahlt hatte, dann kocht er diesen eben auch im Sinne eines kulinarischen Racheaktes. Doch im Grunde ist Stefan Wiesner ein naturverbundener Mensch. In seiner Küche hält er es mit seinem grossen Vorbild Paracelsus: «Was vor deiner Haustüre wächst, ist für dich bestimmt», soll der Schweizer Alchemist gesagt haben. Die Zutaten für seine kunstvoll komponierte Küche holt sich Wiesner praktisch ausschliesslich vor der eigenen Türe aus der Umgebung von Escholzmatt, da ist er konsequent. Heu, Gold, Schnee, Steine, Moos, Holz oder Kohle – daraus destilliert oder

extrahiert er Essenzen und Feinstoffliches mit ungeahnten Geschmacksnuancen. Fleisch, Fisch, Gemüse, Früchte, Käse, Milch, Rahm und Kräuter von lokalen Produzenten bilden die solide Basis für seine «Gesamtkochwerke». Kochen ist eine Kunst. Wiesner doziert darüber an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW im Rahmen einer «explorativen Studie». Daneben hält er Vorträge über ökologische Kreisläufe oder leitet in seiner Wurst-Werkstatt Kurse in der Verarbeitung biologischer Würste, wenn er nicht gerade mit seinen Gästen kommentierte Waldspaziergänge veranstaltet und dabei ein Stethoskop an einen Baum setzt, um auf dessen «Singen» zu horchen. Das «Familienunternehmen Wiesner» ist mannigfaltig. Ehefrau Monica kümmert sich ums Büro, Tochter Amy, gelernte Fach­frau Gesundheit, wird dereinst eine Schoggi-Werkstatt leiten, eingerichtet in Grossmutters Küche, und der 21-jährige

Sohn Jo, gelernter Küfer und praktizierender Messerschmied, hat bereits seine eigene Messer-Werkstatt hinter dem Gasthof eingerichtet. Zu Weihnachten erhält Stefan Wiesner von seinem Sohn ein selbst geschmiedetes Rasiermesser als Geschenk. Darauf freut er sich schon heute.

WIESNERS EMPFEHLUNG: Eine Suppe – mit Stein! Hier wird nichts weggeworfen. Wiesners Koch-Philosophie ist auch der Nachhaltigkeit verpflichtet. Was immer in der Küche übrig bleibt, kann zu einer vorzüglichen Suppe verwertet werden. Man nehme dazu einen gründlich gereinigten Stein (nicht zu klein), lege diesen in einen Topf mit Wasser. Damit sich der Stein so richtig entfaltet, fügt man Gemüsereste bei (etwa Karotten, Sellerie oder Chabis), auch altes Brot, wieso nicht, und kocht dies zu einer nahrhaften und wär­ menden Suppe. Praktisch: Der Stein kann mehrmals verwendet werden.

STEFAN WIESNER

DER KOCH-ALCHEMIST

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DER BODENSTÄNDIGE

FABIAN INDERBITZIN F

abian Inderbitzin schaute bereits als Bub in Mutters Töpfe und entfaltete schon früh eine Affinität fürs Kulinarische. So ist es kaum verwunderlich, dass er mit siebzehn in das mit 17 GaultMillauPunkten ausgezeichnete Lokal «Rigiblick» am Lauerzersee in die Kochlehre ging. «Wenn schon kochen, dann richtig», sagte sich der Bursche und lenkte fortan seine Laufbahn entlang renommierter Häuser, vorwiegend um den Vierwaldstättersee. Der «Vitznauerhof», das Hotel Waldheim in Risch, das Seehotel Kastanienbaum und das «Château Gütsch» waren seine Etappen, bevor er 2011 sein Seerestaurant Belvé­ dère in Hergiswil eröffnete. Zuvor, 2007, wurde der damalige Chefkoch des Seehotels Kastanienbaum mit 26 Jahren als «GaultMillau-Entdeckung des Jahres» geehrt. In seinem Lokal zählt Inderbitzin auf eine Stammkundschaft, vorwiegend aus dem Raum Zentralschweiz. Seine Arbeit im «Belvédère» hat Wirkung gezeigt: Fabian Inderbitzin wurde mit ­einem Stern im «Guide Michelin» und

mit 17 Punkten im «GaultMillau» bewertet. Sein Restaurant ist Gourmetlokal und Bistro zugleich. Mittags treffen sich die Gäste zum gepflegten Menü, abends lockt das Lokal zu exquisiten Speisen. Konsequent verfolge der passionierte Gastronom ein eigenwilliges Konzept, schreibt «GaultMillau» 2018: «Er packt sein ganzes Können und Engagement in sieben Gänge. Mehr steht nicht auf der Karte.» Mehr muss auch nicht sein, darauf schwört Inderbitzin, der seine Mittagsmenüs wöchentlich wechselt und sein Siebengang-Gourmetmenü bis zu sieben Mal im Jahr saisonal anpasst. «Diese bewusste Reduktion ist bei vielen renommierten Gourmettempeln weltweit gang und gäbe», sagt Inderbitzin. Daniel Humm in New York zum Beispiel, verkauft seine Tische inklusive Menü wie

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«Tickets zur Aufführung eines Theaters» im Voraus – dies wäre im Belvédère nicht denkbar. Bei ihm sei diese Reduktion der Speisekarte wesentlich für die Qualität. Mit seiner 4-köpfigen Kochcrew setzt er die gesamte Energie auf die Zutaten und Zubereitungen. Das werde entsprechend goutiert: Beim Inderbitzin weiss man, was man kriegt. Er selber bezeichnet sich und seine Küche als bodenständig. Er hat einen eigenen, unverwechselbaren Stil geprägt: eine Mischung aus modern interpretierter französischer Kochkunst mit gelegentlichen Ausflügen in die asiatische Küche. Mit seiner Partnerin und der Gastgeberin Yvonne Chappuis reist Fabian Inderbitzin oft und gerne in fremde Länder, um sich kulinarisch zu inspirieren. Seltenes Einheimisches kommt bei ihm ebenfalls auf den Teller. Zum Beispiel Schweinsbacken, eine eher missachtete Delikatesse – wie er meint –, die er bei siebzig Grad im Sous Vide während 24 Stunden gart, bis sie butterzart werden, und mit einem thailändisch angehauchten Curry serviert. Mit 37 Jahren hat er sich seine 17 Punkte im eigenen Lokal verdient. Das sei eine harte, aber erfüllende Arbeit, die jeden Tag geleistet werden müsse.

INDERBITZINS EMPFEHLUNG: Ein ganzes Poulet Wieso nicht wieder einmal ein ganzes Poulet (ca. 2 kg) verwerten? Mit den Schenkeln einen klassischen Coq au Vin auf den Teller zaubern – mit Weiss- oder Rotwein, je nach Ge­ schmack. Die beiden Pouletbrüste ergeben gegart eine proteinreiche Basis für einen Cea­ sar Salad. Und mit dem Rest, der sogenannten Karkasse, einen herzhaften Pouletfond mit Gemüse angereichert kochen. Das sei eine Wohltat für kalte Wintertage. Ein gutes, natür­ lich aufgezogenes Freilandpoulet erhalte man schon ab 16 bis 18 Franken. Gut, günstig, lokal.


OFFEN Mariä Empfängnis, Samstag, 8. Dezember 08.00 – 18.30 Uhr Sonntag, 23. Dezember 10.00 – 17.00 Uhr Sonntag, 30. Dezember 10.00 – 17.00 Uhr TIS A R G 0 0 ZE 1 T 2 Ä KPL R A P

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KULTURTIPPS

THEATERTIPPS Das Luzerner Theater ruht über Weihnachten nicht. Es denkt weiter. STADTSICHT gibt Tipps und schaut voraus.

TIPP 1

TIPP 2

TIPP 3

SCHAUSPIEL: Der Sandmann von E.T.A. Hoffmann Gut, irgendwie haben wir nie richtig an ihn geglaubt, den Sandmann, den Mann, der vor dem Schlafengehen vorbeischaut und einem Sand in die Augen streut, auf dass man dann diese schliesse. Wie soll das auch gehen? Und jetzt ist doch alles anders. Der Sandmann ist da. Händler Coppola tritt auf und Nathanael beginnt zwischen Realität und düsterer Traumwelt zu irrlichtern. Es geht um Liebe (zur mechanischen Olimpia) und um Gewaltakte (der Raub Olimpias Augen), um brennende Rache, fürchterliche Stürze, bodenlose Ängste, alles ­m itten im kalten Dezember. Eine grausige GuteNacht-Geschichte – und in der Ferne klingt fein das Weihnachtsglöckchen. Der französische Regisseur ­Nicolas Charaux nimmt uns mit auf eine Reise ins Ungewisse.

OPER: Don Giovanni gibt es nicht Wolfgang Amadeus Mozart, Don Giovanni. Gibt es noch etwas zum Meisterwerk zu sagen oder zu schrei­b en, was noch nicht gesagt oder geschrieben worden ist? Wohl kaum. Vielleicht das noch: Don Giovanni, diesen Verführer vor dem Herrn, diesen verkleideten Rebellen unserer Herzen, Meister der Camouflage, diese stumme Maske, die wir mal lieben, mal hassen und immer wieder uns selber darin erkennen, diese wahre Pein ... gibt es nicht. In der Tat. Je abwesender der Charakter ist, desto mehr brennt er sich uns ein. Intendant und Regisseur ­B enedikt von Peter wird grundsätzlich und vor allem konsequent. Don Giovanni spielt im Dunkeln. Die Gäste schauen sich das Ganze mittels Infrarotkamera an. Das Treiben voyeuristisch zu nennen, ist nur der Vorname.

SCHAUSPIEL: Schuld und Sühne und nochmals Sühne Im Programm steht: «Die beiden Produktionen, ‹Schuld› und ‹Sühne›, können sowohl unabhängig voneinander als auch als Gesamtkunstwerk betrachtet werden und werden insgesamt achtmal auf beiden Bühnen am gleichen Tag nacheinander zu sehen sein.» Das verspricht ziemlich viel Spannung und Treibstoff fürs Hirn. Dostojewskis Roman ist in die Hände der estnischen Regisseure Ene-Liis Semper und Tiit Ojasoo geraten und findet erst als unheiteres Fragespiel wieder hinaus: Wo sitzt das Gewissen einer globalisierten Gesellschaft? Wer macht Regeln und Gesetze global? Moral – war damit mal was, gibts die noch? Das Spiel mit den zwei Bühnen ist noch eine Steigerung. Uns fasziniert bereits die Frage: Welche Macht hat der Einzelne in einem Netz von Gesetzen?

Spieldaten: 6./13./14./15./16./21./23./29./31.12.,

Spieldaten: 13./18./20./23./27.1., 3./7./16./17.2.,

Spieldaten: 30.1., 2./8./9./15./17./22./24.2., 10./15./

2./4./5./12./19.1.

1./17./23.3., 22./28.4., 29.5., 8.6.

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AUS TRADITION GASTFREUNDLICH Als Gaststätte wird der «Wilde Mann» erstmals 1517 in einer Chronik erwähnt. Damals wurden im «Wilden Mann» Pferde mit Hafer versorgt, die Kutscher verköstigt und die Postkutschen gewechselt. Heute werden die Gäste mit wohltuender Gastfreundschaft beglückt. Arno Affolter, seit mehr als zwanzig Jahren Direktor, lebt diese Freundschaft und dirigiert sein Team mit viel Gespür. Das erlebt man an der Rezeption, in der Burgerstube, im Restaurant Sauvage oder in der «alten Münz». Zur Küche: Simon Oehen, der junge Küchenchef, schon acht Jahre das Küchenzepter schwingend, überrascht mit seinen Kochkünsten nicht nur kulinarische Höhenflieger, sondern in der «Burgerstube» auch die Freunde der traditionellen Lozärner Chügelipastete und der echten Wildschweinbratwurst. Oder mit frischen Kalbsleberli und Rösti.

«NIXʼS IN DER L ATERNE»

«NIX’S IN DER LATERNE» ABER VIEL FRAUENPOWER In heutigen Zeiten von #metoo und der Diskussion um die Gleichstellung der Geschlechter im Berufsleben brechen wir hier mal eine Lanze für die Frauen. Der Gast hat ja nicht nur Hunger und Durst, sondern er oder sie betritt das Restaurant in einer gewissen Tagesform und möchte kulinarisch und persönlich und gastgeberisch und freundlich, besser noch fröhlich, umsorgt, betreut und verwöhnt werden. Jeder Wunsch wird von den Lippen abgelesen, besser noch erahnt. Die männlichen Kollegen erwarten den gleichen Einsatz von den weiblichen Mitarbeiterinnen. Zehn Stunden am Tag ist keine Seltenheit. Schwer schleppen, hohe Konzentration, Kreativität und für jede Situation eine Lösung parat haben und das auch noch superfreundlich, Chapeau! Bei «Nix's» schütteln das alles drei Damen aus dem Ärmel. Rahel Kaufmann aus

Kriens, Souschefin von Philipp Wantz, lebt und liebt die Slow Food-Philosophie. Meisterhaft beherrscht sie alle Zubereitungsarten und bringt ihren weiblichen Touch seit fünf Jahren ein. Katja Richter, ein Ostseeküsten-Kind aus Rostock, wirkt seit ebenso vielen Jahren mit voller Kraft im Service. Sie lässt nicht nur die Herzen der Gäste aufgehen, sondern auch jene des Teams. Und dann ist da auch noch Desirée Benz, Stellvertreterin des Chefs. Sie muss den Überblick bewahren, ist Knotenpunkt zwischen Küche, Service, Gästen und dem Chef. Kein einfacher Job – souverän erledigt. Am besten, man überzeugt sich selber davon. (BA)

In der «Taverne zur alten Münz» wird Raclette zelebriert. Roly Lobsiger vom Chäs Chäller Luzern hat tolle Käsespezialitäten ausgesucht, klassisch serviert mit Gschwellti und Essiggürkli. Dies jeden zweiten Mittwoch im Monat. Im Restaurant Sauvage erfreuen wir uns an der mit 14 GaultMillau-Punkten ausgezeichneten Küche. Hier wird eine ehrliche, französisch-mediterran geprägte Kochkunst zelebriert. Der Klassiker für Feinschmecker Filet de bœuf Stroganoff wird am Tisch von Viktor Spath, dem geborenen Gastgeber mit diskretem «all around»-Blick, lustvoll flambiert. Viktor Spath gehört schon seit zwölf Jahren zum «Wilden Mann»-Team. Dem sagt man zu Recht: Tradition mit gastfreundlichen Menschen lebt weiter.

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«NATIONA L»

OHRENSCHMAUS UND GAUMENFREUDEN Was für eine Wonne! In der schönsten und stilvollsten Bar Luzerns, im Grand Hotel National, wird der Charme der Jahrhundertwende (wieder)erlebt. Im originalen Stil der 1870-Jahre. Was einst im Winterhaus des Hotel National ein Leseraum, ein Aufenthaltsraum für Damen und Herren war, ist heute der Treffpunkt für Menschen, die abseits vom Stadtrummel genussvolle Stunden verbringen möchten. Mit Ohrenschmaus und Gaumenfreuden. Der Mann am Bechstein-Salonflügel heisst Peter Jankech. Was für eine Sympathiebombe! Seit über zwanzig Jahren gehört der musikalische Weltenbummler zur «National»-Familie. Viele Gäste pilgern seinetwegen in die National Bar und lauschen seinen dem Flügel entlockten Tönen. Der einst am Konservatorium und der Musikakademie in Bratislava ausgebildete

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Pianist weiss, wie man Gäste diskret mit Hintergrundmusik beglückt. Sein Repertoire ist vorwiegend klassisch und dabei international geprägt. Über Filmmusik, Interpretationen berühmter Sänger, mal jazzig oder swinging, ein echter Ohrenschmaus. All dies Dienstag bis Sonntag ab 17.30 Uhr. Und immer am Sonntag ab 12 Uhr zum legendären «National»-Brunch. Dem Ambiente passt sich kulinarisch auch das «National»-Team an. Mit «Coolem» und «Klassikern». Die edlen Malt Whiskys sind die Visitenkarte der Bar. Aber auch erlesene Weine und zeitgeistige Snacks erfreuen die Gaumen. Mit fantasievollen SandwichKreationen, mit dem National-Burger und mit dem traditionellen Beef Tatar. Für alle Sinne. grandhotel-national.com


FUTURE TALK

Die Zukunft der Berufe TEXT ANGEL GONZALO

Richard Susskind erfasst unsere Zukunft mit der Stringenz von Algorithmen. Der britische Professor, Futurologe und Buchautor mit schottischen Wurzeln ist Jurist mit einer besonderen Affinität zur digitalen Transformation. Seine Thesen haben – je nach Interpretation – etwas Beunruhigendes an sich. In einem Gespräch an einem Anlass der Kreditfabrik AG in Horgen redet Richard Susskind über die Arbeitswelt der Zukunft: darüber, wie sich unsere Berufe verändern werden.

C

omputer können zahlreiche Aufgaben besser und vor allem schneller lösen als der Mensch. Das ist nichts Neues. Neu hingegen ist die zunehmende Lernfähigkeit von Maschinen und die da­ rin schlummernde Gefahr, dass diese Maschinen die Arbeit von Menschen übernehmen werden. Besonders beunruhigend ist, dass diesmal qualifizierte Arbeit an der Reihe ist – nicht nur geistlose, repetitive Beschäftigungen. Der britische Professor Richard Susskind vertritt die These, dass die Bedeutung der Juristen im digitalen Zeitalter abnehmen wird. Bereits Mitte der Neunzigerjahre behauptete Susskind, Anwälte würden bald mit ihren Klienten nur noch per E-Mail verkehren. Das kam damals bei der Londoner Anwaltsgesellschaft nicht gut an. Sie massregelte den jungen Juristen mit der Bemerkung, er hätte das Konzept des Anwaltsgeheimnisses wohl nicht ganz verstanden und bringe mit solchen Behauptungen den angesehenen Berufsstand in Verruf. Zehn Jahre später legte das «Enfant terrible» mit der Publikation seines Buches «The End of Lawyers» gleich noch eine Schippe drauf. Seine provokative These:

Der Anwaltsberuf werde sich unter dem Druck neuer Technologien und ökonomischer Zwänge radikal verändern. Immer mehr würden Standardprodukte wie elektronisch generierte Kontrakte und juristische Checklisten unter dem steigenden Kostendruck die traditionelle persönliche Beratung ersetzen. Veränderungen akzeptieren

2015 hat Richard Susskind zusammen mit seinem Sohn Daniel mit dem Buch «The Future of the Professions» den argumentativen Faden auf weitere Berufsstände ausgedehnt. Darin analysieren die Co-Autoren die neuesten Entwicklungen in der Digitalisierung und der Verwendung von Big Data sowie künstlicher Intelli­genz. Sie gehen den Einflüssen auf wissensbasierte Berufsstände wie Ärzte, Revisoren, Management-Consultants, Journalisten, Übersetzer, Architekten und sogar Kleriker nach. Spätestens seit dieser Publikation ist Richard Susskind weltweit ein gern gesehener Redner an Symposien und Veranstaltungen. Die Reaktionen auf seine Thesen werden kontrovers aufgenommen: «Was ich

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sehe, ist eine zunehmende Sorge, aber wiederum auch viel Begeisterung für die Idee, dass Systeme und Maschinen mehr und mehr die Arbeit von Menschen übernehmen werden», sagt Susskind. «Man war sich bislang sicher, dass nur unqualifizierte Routinearbeit davon betroffen sein würde. Aber in den letzten Jahren scheint es so, dass zunehmend qualifizierte, wissensbasierte Arbeit bis zu einem gewissen Grad von intelligenten Computersystemen erledigt werden kann.» Das ziehe grosse Veränderungen nach sich, ist Susskind überzeugt, sowohl in politischer, gesellschaftlicher als auch wirtschaftlicher Hinsicht. Dennoch sieht er in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren keine Ära der Arbeitslosigkeit anbrechen, sondern eher eine der Arbeitsumschichtung: «Wir werden nach wie vor viel Arbeit haben, aber wir werden uns in völlig anderen Funktionen betätigen. Ich gehe nicht davon aus, dass uns die Arbeit ausgehen wird, im Gegenteil.» Viel Arbeit würde darin bestehen, entsprechende Systeme zu bauen. Die Möglichkeiten seien dank des technologischen Wandels gewaltig, bekräftigt Susskind: «Wir stehen erst am Anfang!» Dazu erwähnt er


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FUTURE TALK als Beispiel das «Mooresche Gesetz», demzufolge sich die Anzahl Transistoren auf einem Chip seit 1965 alle zwei Jahre verdoppelt. Trotz dieses exponentiellen Wachstums von Rechenfähigkeit auf immer kleinerem Raum und den bislang erzielten Fortschritten in der Entwicklung von selbstlernenden Systemen würde es aber noch Jahrzehnte dauern, bis dies unsere Gesellschaft gänzlich durchdringe. Unternehmen und Nationen gingen heute der Frage nach: Wie kann die Technologie die Arbeit günstiger, effizienter machen? So gesehen, werde kurzfristig noch wenig passieren. «Mittelfristig werden traditionelle Organisationsformen, zum Beispiel

künftig mit Algorithmen gefütterte Maschinen immer komplexere Aufgaben übernehmen. Das sei per se nicht schlecht, meint Susskind, man müsse es vielmehr als Chance wahrnehmen. Viele Länder sind heute noch zögerlich im Einsatz solcher Systeme, auch weil die Arbeitskraft in diesen Ländern noch kostengünstig ist. Möglicherweise halten sie sich deswegen zurück, vermutet Susskind: «Meine Söhne Daniel und Jamie untersuchen gerade dieses Thema. Sie beobachten eine Beschleunigung in der Fähigkeit von intelligenten Systemen, Resultate mit tiefen Kosten zu liefern. Die Maschinen werden bald zu tieferen Kosten produzieren als wir Menschen. Das ist wohl nicht aufzuhalten.»

die Vermittlungszentralen im Taxi- und Hotelgewerbe, von reinen Plattformtechnologien wie Uber oder Airbnb verdrängt», sagt Susskind. Die denkbare Fortsetzung dieser Entwicklung: Diese Plattformen könnten selber durch Blockchains abgelöst werden. Das sind eine Art digitale Kontobücher, die auf der ganzen Welt parallel geführt werden und automatisierte Verträge ausführen. Die Administration von Uber würde in eine Blockchain ausgelagert. Fazit: Es gäbe keine Vermittler mehr, nur noch die Fahrer.

Es gibt heute einige Länder, die intensiv in solche Systeme investieren. So zum Beispiel Südkorea und China, beide stark wachsende Ökonomien. Susskind sagt: «China zum Beispiel wird bereits um 2030 der Leader im Bereich der künstlichen Intelligenz sein. Das ist nicht meine Vorhersage, das ist schlicht die erklärte Absicht der Regierung. Und wir wissen, dass die Chinesen besonders stark darin sind, Ziele zu verfolgen und dann auch zu erreichen.» Susskind sieht Südkorea und China an vorderster Front, aber auch kleinere Länder wie Israel oder Singapur seien derzeit gut aufgestellt. Letztes Jahr sei er in Shanghai auf einer Vortragsreise gewesen und habe festgestellt, dass in der dortigen Universität Studentinnen und Studenten bereits in «AI Law» doktorieren, also zu Spezialisten

Chinesen weisen den Weg

Weil in der heutigen Welt der grösste Teil des Wissens elektronisch erfasst, dadurch in gewissem Sinne «demokratisiert» und für jedermann zugänglich ist, werden

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DER SPEZIALIST Professor Richard Susskind (geb. 28. März 1961) ist ein britischer Jurist, Autor, Referent und unabhängiger Berater. Er hält Professuren an der Uni­ versity of Oxford, dem Gresham College und der University of Strathclyde und ist Präsident der «Society for Computers and Law». Susskind hat sich seit den frühen Achtzigerjahren auf Rechtstechnologie spezialisiert, hat neun Bücher verfasst und ist regelmässiger Kolumnist in «The Times». In seinem Buch «The Future of the Professions» (Oxford, 2015), das er zusam­ men mit seinem Sohn Daniel Susskind verfasst hat, prognos­ tiziert er den Niedergang der heutigen Berufe aufgrund der digitalen Transformation. Die Co-Autoren zeigen darin auf, dass immer fähigere Systeme die Art und Weise, wie Fachwis­ sen geteilt wird, grundlegend verändern werden. Sie schlagen sechs Modelle für die Erzeu­ gung und Verbreitung von Fach­ wissen in der Gesellschaft vor. Susskind hat zahlreiche Unter­ nehmen und Regierungsorgani­ sationen wie das britische Justizdepartement beraten und wurde für seine ausseror­ dentlichen Verdienste mit dem «Order of the British Empire» gewürdigt. Das Gespräch mit STADTSICHT fand an einem Event der Kreditfabrik AG in Horgen statt. Die Kreditfabrik ist eine voll­ ständig automatisierte, digitale Dienstleisterin für Antrags-, Prüf- und Vergabeverfahren von Hypotheken. kreditfabrik.ch


FUTURE TALK in Rechtsauslegung mithilfe künstlicher Intelligenz ausgebildet werden.

Die Wirtschaft wird dank solcher Systeme produktiv bleiben; doch besteht nicht die Gefahr, dass sehr viel weniger Menschen darin involviert sein werden und es daher zu sozialen Unruhen kommen könnte? Optimisten gehen davon aus, dass es sich ähnlich verhalten wird wie im 19. Jahrhundert. Susskind sieht Parallelen: «Aus Bauern entwickelten sich Fabrikarbeiter und später Büroangestellte.» Im Silicon Valley gibt es Stimmen, die behaupten, dass man bald nur noch eine Million Menschen benötigen wird, um eine Milliarde

Man müsse über Umverteilungsmechanismen reflektieren, bekräftigt Susskind, und doppelt nach: «Es kann nicht unsere Absicht sein, Berufe am Leben zu erhalten. Wir haben bislang schon einige Berufe verloren, die von Technologien, Systemen oder Maschinen übernommen wurden. Die Voraussage ist klar, weitere Berufe und Beschäftigungen werden verschwinden.» Vielleicht sei es nicht so utopisch vorauszusehen, dass in dreissig oder vierzig Jahren das Kapital – ähnlich wie Wasser – im Sinne einer «Utility», einer kollektiven Nutzenfunktion, betrachtet wird. Bislang seien die Arbeitsplatz- und die Einkommenssicherheit dasselbe gewesen. Möglicherweise steuern wir gemäss Susskind

Menschen mit der Grundversorgung auszustatten – etwa für Nahrung, Essen, ein Dach über dem Kopf. Diese vielleicht etwas übertriebenen Prognosen entfachen denn auch Diskussionen über ein bedingungsloses Grundeinkommen oder die Versteuerung von Maschinenstunden zu dessen Finanzierung. Das sei in der Tat ein Diskurs, der noch zu führen sei, meint Susskind: «Wir müssen uns gründlich überlegen, wie wir unsere Zeit verbringen werden und bis zu welchem Ausmass Arbeit sinnbildend ist. Aber vor allem müssen wir auch darüber debattieren, inwiefern Kapital gemeinsam gehalten werden könnte.» Diese Aussage begründet Susskind mit seiner Be­ obachtung, dass sich die arbeitsbasierte Wirtschaft zunehmend zu einer kapitalbasierten verwandle.

­ iner Welt entgegen, welche das Einkome men ohne Jobs sichert. Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg. Derweil beschäftigen sich die beiden Söhne von Richard Susskind, Jamie und Daniel, wissenschaftlich mit den Auswirkungen der Digitalisierung in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Alle drei denken oft gemeinsam darüber nach, wie und zu welchen Teilen sich die Machtverhältnisåse dereinst verschieben werden und was dies für uns Menschen bedeuten könnte. Richard Susskind arbeitet selber an einem­neuen Werk. Worum es geht: «Ich schreibe an einem Buch über die zunehmende Tendenz, richterliche Urteile auto­m atisiert zu gestalten.» Nach den Anwälten werden sich nun die Richter warm anziehen müssen.

Der gesellschaftliche Diskurs

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THINKTANK SERIE

FERTIG EINKAUFEN? SO GEHT SMART SHOPPING Wie kaufen wir morgen ein? Was werden die Geschäftslokale anbieten – und vor allem wie und wo? Hat die Zukunft womöglich schon begonnen? Ja. Höchste Zeit für eine kleine Übersicht, was kommt. TEXT BRUNO AFFENTRANGER

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ro Jahr verbringen wir mindestens neun volle Tage im Supermarkt oder in einem Geschäft für den täglichen Einkauf. Macht pro Leben zwei Jahre. Tendenz: steigend. Höchste Zeit, sich einmal mit dieser doch ausgiebigen Betätigung – dem Shoppen – zu beschäftigen. Wie tun wirs heute und wie werden wir es morgen machen? Darüber hat das Beratungsunternehmen EY zusammen mit Gruppen weltweit nachgeforscht. In Mumbai, Shanghai, Los Angeles, London und Berlin trafen sich Hunderte zu Diskussionen, die kulturelle Unterschiede zeitigten, aber auch Konstanten aufblitzen liessen, die für uns Geltung haben. Es lassen sich Rückschlüsse ziehen, die für Konsumenten, aber auch für die Anbieter, für die Unternehmen, spannend sind. Schliesslich geht es hier um nichts anderes als das Zukunftsgeschäft.

Was erwartet uns dort, in der Shoppingwelt der Zukunft?

Automation ist das Modewort, künstliche Intelligenz bereits die Realität. Der bisher ausschliesslich online aktive Händler Amazon hat Anfang Jahr seinen ersten physisch realen Verteilladen in Seattle eröffnet. Seither ist eine neue Zeit angebrochen. Amazon Go, so der Name, wird als Start-

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punkt einer automatisierten Shoppingwelt in die Geschichte eingehen. Es geht um Gesichtserkennung und um Produkte-Tracking, um das Erfüllen von Wünschen, schon bevor diese für den Konsumenten erkennbar werden. Darauf dürfen wir uns als Konsumenten in den neuen Shops gefasst machen:

01 Aktionen Wir werden die rabattierten Spezialangebote künftig direkt auf unser Smart­ phone gesendet erhalten. Wir reden nicht davon, dass wie bislang alle Angebote an alle gehen, sondern personalisierte Aktionen nur jene erreichen, die auch wirklich Interesse daran haben. Das geht ausserund innerhalb der Geschäftslokale.


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03 Echtzeit-Preise Vergessen Sie die manchmal sogar von Hand gemalten Täfelchen, auf denen die Preisnachlässe pro Produkt angeschrieben stehen. Preise stehen fortan auf digitalen Devices – wenn überhaupt noch. Vor allem aber werden sie hochflexibel und wandelbar. Theoretisch ist der Preis in Echtzeit anpassbar. Für die Betreiber von Supermärkten ist dies ein eminent wichtiges Thema, weil hier viel Ertragspotential versteckt ist.

Gesichtserkennung Zeig mir dein Gesicht, und ich weiss, ob du konsumwürdig bist. So wirds kommen: Die Gesichtserkennung lässt es zu, dass man Geschäftslokale betritt und wieder verlässt, ohne Zahlungen vorzunehmen – auch wenn man Dinge mitnimmt. Der Betrag für die erworbenen Produkte wird automatisch vom digitalen Portemonnaie abgebucht, das zum Gesicht passt.

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Helferchen 2 Es gibt Planer, die sind überzeugt, dass Drohnen die letzte Meile des Einkaufens bis zu uns nach Hause bewältigen werden. Diese Objekte würden vollbepackt die erworbenen Produkte transportieren – vor allem in ländlichen Gegenden scheint sich dieses Vorhaben in Tests bereits zu bewähren.

7.85

Helferchen 1 Vorbei ist die Zeit des Taschenschleppens. Autonom sich bewegende, mobile Einkaufskörbe werden Alltag. Sie fahren durch die Lokale, folgen den Konsumenten auf Schritt und Tritt und rechnen gleich die erworbenen Produkte ab. Sie bringen die Produkte zu den Autos oder den Drohnen, die uns künftig unterstützen.

Filmstars Wir müssen uns daran gewöhnen, dass in einem Geschäfts­ lokal jeder Millimeter ausgeleuchtet und gefilmt wird. Nicht wegen der Gefahr des Ladendiebstahls – deshalb auch –, aber vor allem, weil alle Produkte gecheckt werden. Wie viel hat es noch davon, wo muss aufgefüllt werden, wer kauft was und wann? Die persönliche Abrechnung basiert auf Überwachung.

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8.23 Propheten Das Zauberwort heisst «cognitive computing technology»: Diese ermöglicht den Detailhändlern die Vorausschau. Sie werden den Konsumenten Produkte empfehlen können, an die diese bis jetzt noch gar nicht gedacht haben. Vorausschauendes Geschäften wird möglich und sicherer.

09 Sensoren Die Automatisierung macht in Geschäftslokalen grosse Sprünge und führt zu weiteren Arbeitsteilungen. Sensoren erkennen künftig, welche Regale leer sind oder bereits aufgefüllt werden müssen, welche Produkte morgen wo nachgefragt werden. Die Belegschaft konzentriert sich vermehrt auf persönliche Beratung und zwischenmenschliche Kontakte.

(Quellen: EY; Zebra Technology; raconteur.net)

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Roboterlatein Aber auch Letzteres, der zwischenmenschliche Kontakt, gerät unter Druck. Roboter mit menschlichen Zügen übernehmen soziale Aufgaben, geben einfache Auskünfte, überprüfen Waren oder Regale und helfen den Konsumenten bei besonderen Anliegen.


THINKTANK SERIE

WAS WIR MORGEN WOLLEN Wir sind alle Konsumenten und kaufen in unseren Breitengraden weit mehr, als wir zum Überleben brauchen. Das macht eine Konsumgesellschaft aus. Nur, wie sieht diese morgen aus? Ein Bericht aus dem Laboratorium. TEXT BRUNO AFFENTRANGER

D

er Detailhandel ist unter Druck. Viele Geschäftslokale verschwinden. Verkaufsflächen schrumpfen. Der Onlinehandel wächst. Innenstädte veröden. Dörfer verdorren. Die logistische Überforderung des traditionellen Verkehrsnetzes wächst. Man könnte die Kette der wirtschaftlichen Schreckensmeldungen fortsetzen. Das aber macht wenig Sinn. Besser ist es, über Lösungen nachzudenken, über neue Geschäftsmodelle. Doch dafür muss man die Konsumenten kennen. Am besten jene von morgen. Deshalb hat das Audit- und Beratungsunternehmen EY, das mit STADTSICHT eine Kooperation unterhält, dieses Jahr das Programm «FutureConsumer.Now» angeschoben. In Mumbai, Shanghai, Los Angeles, London und Berlin haben sich mehrere Teams mit mehr als hundert Innovationsführern, Zukunftsforschern und Unternehmensleitern getroffen und Szenarien ausgearbeitet. In Berlin, dem uns kulturell am nächsten liegenden Ort, haben die Forschenden drei Lebenswelten definiert, die auch für die Schweiz und die Zentralschweiz wirksam sein könnten. Man muss sich mit dem Folgenden kritisch auseinandersetzen:

A. Einzelnes wird kollektiv

In dieser Lebenswelt geht die Gesellschaft vor, an sich nichts Schlechtes. Alles für alle. Harter Datenschutz, der die Auswertung von Einzelinformationen rechtlich verunmöglicht, gilt zunehmend als egoistisch. Konsumenten teilen alle ihre Daten zum

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Wohl der Gesellschaft. «Sharing», das Teilen, bezieht sich nicht mehr nur auf den Umgang mit dem Auto, dem Taxi oder den Ferienwohnungen, sondern kommt auch für sämtliche Erfahrungswerte, welche ein Individuum beisteuert, zur Anwendung. Die Fitnessdaten, die Krankenakten, die absolvierten Meter und Stufen, die individuellen Riten und Gewohnheiten, alles wird öffentlich. Diese Datenpool-Idee ist, zugegeben, eine schwierige Vorstellung, vor allem, weil sich unsere Gesetzgeber in Europa derzeit in die Gegenrichtung bewegen und wir auf das Recht am Privaten pochen. Dennoch hat das Szenario etwas Realistisches: Angesichts der schon heute praktizierten kompletten Datensammlung, -auswertung und -nutzung in der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt, in China, wird der Druck auf Europa wachsen, es genauso zu halten und Persönlichkeitsrechte zu schleifen. Wenn man den Gedanken der «Berliner Gruppe» von EY folgt, so stellt man fest, dass die Bürger ihre Daten schon bald öffentlich zur Verfügung stellen könnten. Die vollständige Transparenz wäre das Resultat. Mit einem städtischen «Datenpool» liesse sich jeder Aspekt des Lebens optimieren. Effizientere Verkehrsnetze, verbesserte Gesundheitsund Bildungssysteme, Kampf gegen Armut und Verbrechen oder anderes mehr tauchen als Schlagworte auf. Die Auswirkung auf den Konsumenten: Die Käufer – hier sind ganze Gemeinschaften und Staaten mit eingeschlossen – handeln nicht mehr intuitiv oder emotional. Die Datenlage erlaubt rationale und logische Kaufentscheide. Nur noch diejenigen Marken wä-


RUBRIK

«DIE WIDERSPRÜCHE NICHT VERGESSEN»

ren erfolgreich, die auch einen messbaren Mehrwert garantieren. Gewinnen werden die Verkäufer, die vertrauenswürdig sind und die Infrastrukturen besitzen, über die sie ihre Güter vertreiben. Gefahr: Werden Privatsphäre, freier Wille und die Freiheit geopfert? Wächst das Risiko der Fremdbestimmung und der nicht nachvollziehbaren Manipulation?

Der Experte Thomas Hagmann von EY begleitet die weltweite Forschungsarbeit über den Konsum der Zukunft.

B. Nichts wird verschwendet

STADTSICHT: Thomas Hagmann, kommen die

In dieser Welt nutzen die Konsumenten die neuen Technologien, um sich besser zu informieren. Sie treffen nachhaltige Kaufentscheide. Dieser Trend ist heute bereits in den Geschäftslokalen zu erleben. Bio, Nachhaltigkeit, fairer Handel: Im stationären Handel ist dies alles angekommen. Weil die Sorge über den Klimawandel wächst und die Nutzflächen für die Nahrungsmittelproduktion nicht mehr ausreichen oder sogar kleiner werden, braucht es noch mehr Veränderung. Wenn die Lebensmittelqualität hoch bleiben soll, dann muss ein grosser Teil der Nahrung zum Beispiel aus neuen, schmackhaften, pflanzlichen Eiweissen bestehen. Die Landwirtschaft würde in den urbanen Raum wandern, damit die Lieferketten kür­ zer werden. Der ökologische Fussabdruck würde kleiner, das Reisen vernünftiger, die Mobilität begrenzter beziehungsweise geschickter auf verschiedene neue Technologien aufgesplittet. Die Forscher gehen davon aus, dass daraus ganze Interessengruppen vor allem in urbanen Räumen erwachsen werden. Zum Beispiel «Smart Homies», «Urban Farmers» oder andere mehr. Geld würde als Wertmassstab verlieren, Zeit würde gewinnen. Die EY-Gruppe spricht von neuen «Clans», Stämmen, die vorab in Städten entstehen und nach den geschilderten Werten leben. Die Auswirkung auf den Konsumenten: Die gemeinschaftsorientierten Menschen werden ihre Kaufkraft bündeln und ihre Einkaufsaktivitäten delegieren. Künstliche Intelligenz (KI) oder menschliche Vermittler kommen zum Einsatz. Kurzfristige intuitive Kaufentscheide werden ausgeschlossen. Wenn der Bot (ein Computerprogramm, das bestimmte Aufgaben selbstständig ausführt), automatisch einkauft, geht es nicht mehr um Emotionen. Die Verkäufer müssen die «Clans» direkt ansprechen können und deren Werte vertreten. Gefahr: Welche «Clans» werden moralisch wertvoller? Und wenn es so weit kommt: Wer macht dann die Regeln für alle? Wie kann eine Marke überhaupt noch existieren, wenn die Auswirkungen der Produkte jederzeit und überall transparent dargestellt werden?

gezeichneten Dinge so wie vorgezeichnet? Thomas Hagmann: Phänomene wie die Personalisierung kom­ men früher als erwartet. Aber die regionalen Unterschiede sind beeindruckend und Voraussagen schwierig: In Europa ist der Grundsatz von «Society first» das Heilmittel der Zukunft, in den USA ist das Geld der Treiber, in China sind der Datenpool und die Transparenz schon real. Das erschwert Prognosen. Was könnte bewirken, dass alles anders kommt? Es existieren zuwiderlaufende Phänomene, ohne Zweifel. Zum Beispiel existiert die globale Staatsbürgerschaft für die BusinessNomaden nicht. Das erschwert diese Lebensform. Auch die Regeln für das intellektuelle Eigentum sind nicht für länderüber­

«Die informierten und emanzipierten Kunden werden die wichtigsten sein.»

schreitende, hochmobile Menschen gemacht. Diese Widersprü­ che dürfen wir bei allen Planungen nicht vergessen. Sie gehen dabei immer von eigenen Annahmen aus, dass die Menschen neue Technologien lieben und leicht annehmen. Nicht immer. Wir sehen schon heute die gegenläufigen Tenden­ zen, die durch eine Technologie-Überforderung ausgelöst werden. Technophobe Menschen gibt es, das kann ein Hinde­ rungs- oder Bremsfaktor für die von uns diskutierten Entwicklun­ gen sein. Hingegen ist es bereits heute beinahe unmöglich, dass sich der Einzelne der Entwicklung zum datenoptimierten Konsumenten entzieht. In einer der Lebenswelten wird die Vertrauenswürdigkeit der Anbieter als künftiger Erfolgsfaktor hoch gewichtet. Nicht nur das. Die Daten müssen sicher sein. Und die Anbieter müssen Vertrauen beim Konsumenten besitzen. Das ist doch schon heute so: Wir leben bereits in einer Peer- oder InfluencerÖkonomie. Was verstehen Sie darunter? Fiction wird durch Facts abgelöst. Konsumenten vertrauen schon heute mehr auf die Empfehlungen auf Tripadvisor als auf den Ferienprospekt des Reiseunternehmens. Wem kann ich künftig noch vertrauen, wenn Bots und Algorithmen meine Wünsche steuern? Vertrauen entsteht im ganz Kleinen. Sicherheit verleihen die lokale Verankerung und die technologischen Mittel gemeinsam. Was Ihnen Ihr gut bekannter Nachbar empfiehlt, hat einen gewissen Vertrauenswert.

C. Überall zu Hause sein

Was raten Sie Unternehmen, die im Detailhandel aktiv sind,

Stellen Sie sich eine Welt vor, in der wir Menschen weniger besitzen, weil wir dies bewusst so wollen. Ausserdem sind wir mehr unterwegs und greifen auf stets abrufbereite «on demand»-

für die nahe Zukunft? Jedes Unternehmen muss für sich seine bevorzugte Zukunft beschreiben und seine Position darin definieren.

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THINKTANK SERIE Services zurück, Dienste also, die wir bestellen können. Wenn man dies weiterdenkt, führt der Weg von Uber sehr schnell zu einem Wohn- und Arbeitsnomaden. Arbeit und Zuhause verschmelzen. Die Steuermechanismen müssten sich global verändern, auch die Bürgerrechte und Staatszugehörigkeiten. Das Unternehmen, das uns all dies massschneidern kann, wird unsere Daten als Gegenwert erhalten. Ohne den Einsatz von künstlicher Intelligenz ist all dies nicht zu machen. Die Auswirkung auf den Konsumenten: Auch in diesem Fall würden Bots die Kaufaktivitäten für den Konsumenten übernehmen. Neue virtuelle Währungen wären notwendig. Die Schnittstelle zwischen Menschen und KI muss nahtlos funktionieren. Gefahr: Wie kann der Mensch so stark in KI vertrauen, sodass diese autonom über den Datenschutz entscheiden kann? Kann der Mensch noch zwischen Angeboten selber wählen, wenn er will? Damit genug über Lebenswelten, von denen drei hier beschrieben worden sind. Uns interessieren die Erkenntnisse und die Übereinstimmungen. Es lassen sich fünf Thesen über uns als Konsumenten von morgen ableiten: 1. Bots kaufen ein, nicht mehr die Individuen. Sie sind faktengetrieben und nicht emotional. 2. Sobald Konsumenten die Vorteile von Produkten objektiv messen können, werden diese Messwerte die Preise bestimmen. 3. Menschen, die in virtuellen Welten leben, brauchen virtuelle Produkte. 4. «On demand»-Dienste sind der Anfang. Es folgen «before demand»-Dienste, die Konsumenten vorauseilend bedienen. 5. Die mündigen Konsumenten werden die wichtigsten sein. Mündig sind informierte und emanzipierte Kunden, die sich getrauen zu verzichten oder gut zu finden, was und wann sie wollen. Sie sind die Influencer, welche empfehlen und das höchste Vertrauen geniessen. Mehr unter: ey.com/en_gl/consumerproducts-retail/future-consumer-now

Aber jetzt mal ehrlich – ist das nicht alles Science-Fiction? INTERVIEW BRUNO AFFENTRANGER

Neue Geschäftsmodelle, neue Angebote, neue Verhaltensweisen der Konsumenten –sind Künstliche Intelligenz und Digitalisierung mehr als nur Schlagworte? Und wie sieht es in der Realität aus? Bettina Meyer von der Migros Luzern gibt Antworten aus dem Alltag des Detailhandels.

STADTSICHT: Wird Künstliche Intelligenz– KI – in der Migros heute schon genutzt? Bettina Meyer: Wir nutzen verschiedene neue Technologien bereits heute. Die Migros beschäftigt sich intensiv mit diesen neuen Möglichkeiten. Nicht gerade mit KI, aber stark automatisiert unterwegs sind wir in Themen wie der Personalisierung. Im Cumulus-Bonusprogramm der Migros erhält der Konsument zum Beispiel die Angebote, die auch wirklich relevant für die jeweilige Person sind. Wir sind aber mit Vielem noch in der Testphase. Genauso wie es unser Bot «Pepper» ist. Was macht er? Wir testen den Bot «Pepper» im Einkaufszentrum Glatt. Dieser vermenschlichte Computer hilft unseren Kunden, Läden zu finden, und er beantwortet Fragen. Das klingt nach Science-Fiction. Sie sind in der City-Vereinigung aktiv und haben den Überblick. In der normalen Luzerner Geschäftswelt spürt man von Künstlicher Intelligenz heute noch nichts. Richtig? Das ist so. Wir spüren jedoch langsam, dass bisher reine Online-Geschäfte stationär

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werden. Diese Anbieter werden die ersten sein, die mit KI auftreten werden. Amazon ist ein Beispiel, Galaxus ein anderes. Diese Anbieter eröffnen reale Ladenlokale, weil sie das echte Erlebnis ermöglichen wollen. Das ist online nicht zu schaffen. Sind die Online-Anbieter, die in die reale Welt kommen, die wahren Antreiber der Entwicklung? Sie sind sehr wichtig. Virtual Reality ist ein anderes Thema, das zur Beschleunigung führen wird. Es ist spannend, welche Möglichkeiten sich mit dieser neuen Technologie eröffnen. Man kann damit im Geschäftslokal ganze Sortimente nutz- und erlebbar machen. Das ist einer der nächsten Schritte, der aber mehr mit der Digitalisierung als mit KI zu tun hat. Wie wird das konkret vor sich gehen? Man betritt beispielsweise ein ElektronikFachgeschäft, setzt sich eine Virtual-Reality-Brille auf und testet einen Artikel, welcher nicht vor Ort, sondern nur online vorhanden ist. Ein anderes Beispiel: Der Konsument probiert im Fachgeschäft einen Ski aus. Dank Virtual Reality wedelt man im Geschäft einen Hang hinunter. Das


Dienstleistungen geben wird, von denen Geschäfte profitieren. Sie engagieren sich im Vorstand der City-Vereinigung Luzern. Kann diese Organisation Vermittlerin von solchem Wissen werden? Wir versuchen bereits, das zu sein. Zum Beispiel lassen wir an unserer City Night konsequent Referenten auftreten, die neues Wissen präsentieren. Wir können jedoch niemandem etwas aufzwingen. Unsere Rolle ist jene einer Vermittlerin, damit unsere Mitglieder zum Schluss ihr Potential besser nutzen und ihren Standort stärken können.

sind einfache Beispiele. Fakt ist aber auch: Man weiss nie genau, wie sich diese Technologien und die Anwendungen der Konsumenten entwickeln. Reisen die Menschen künftig weniger mit dem Flugzeug irgendwohin und treffen andere Menschen, ohne wirklich dort zu sein?

Ein technologisches Horrorszenario für Ladenbesitzer und Städteplaner geht so: Künftig kaufen Konsumenten nur noch online und lassen nach Hause transportieren. Die Erdgeschossflächen in den Innenstädten stehen plötzlich leer und veröden. Ihre Meinung dazu? Diese Aussicht teile ich nicht. Die City-Vereinigung ist der Meinung, dass die Innenstädte und Erdgeschosse weiterhin durch Verkaufslokale genutzt werden. Im Vergleich zu heute werden jedoch die Einheiten kleiner. Kundenanalysen haben aber ergeben, dass Konsumenten keine Unterschiede im Angebot zwischen online und offline erleben wollen. Sie werden zudem

Solche grossangelegten Tests sind der Migros vorbehalten, einem Giganten, der sich Misserfolge leisten kann. Spielen die kleinen Läden in Luzern nicht in einer anderen Liga? Das muss nicht sein. Der Kapitaleinsatz für Investitionen in KI ist zwar gross, wenn man von einem Geschäft ausgeht, dass die Wertschöpfungsketten von A bis Z ab deckt. Das ist in der Migros in der Tendenz der Fall. Ich glaube aber, dass es in Zukunft viele Startups geben wird, die KI-Möglichkeiten auch für Kleine eröffnen werden. Das Gegenteil wird demnach der Fall sein: Schnell werden auch kleine Geschäfte mitwirken.

eine clevere Vorauswahl als Hilfe annehmen und KI einsetzen. Sie werden dort einkaufen, wo das Erlebnis komplett ist. Wir sprechen hier abgeklärt und nüchtern über Digitalisierung und KI: Hand aufs Herz, machen Ihnen die Themen eher Angst oder treiben sie Sie positiv an? Gute Frage. Ich denke nicht, dass es so kommt, wie wir alle erwarten. Es kommt noch viel intensiver. Wir alle können uns gar nicht vorstellen, wie stark sich die Welt verändern wird. Das verunsichert. Ungewissheit macht Angst. Dafür habe ich Verständnis. Wissen Sie, wie es wird? Nein, niemand weiss das. Wer aber auf die letzten zehn Jahre zurückblickt, lernt schnell, dass alles anders verläuft, als wir denken. Beispiel: Vor zehn Jahren sagten alle Spezialisten, dass der Lebensmittelkauf nie online stattfinden würde. Wer heute bei der Jugend nachfragt, merkt sehr schnell, dass sich dies komplett geändert hat. Die jungen Familien fragen heute eher, warum sie noch in ein Ladenlokal gehen sollten, wenn sie Nahrungsmittel einkaufen müssen. Die Terminnot und der Zeitdruck sind entscheidend. Ich erkenne insgesamt kein Indiz, das besagt, dass sich die Entwicklung verlangsamen oder gar aus neuen Haltungen umkehren würde.

EINSCHÄTZUNGEN AUS DER DETAILHANDELSPRAXIS Bettina Meyer ist Leiterin Fachmarkt/ Gastronomie/Outlet in der Genossen­ schaft Migros Luzern und Mitglied der Geschäftsleitung. Seit 2017 ist sie Vorstandsmitglied der City Vereinigung Luzern.

Sie machen vielen kleinen Geschäftslokalen Mut – können Sie ein Beispiel geben? Ich bin überzeugt davon, dass es eigenständige Anbieter von digitalen und KI-

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Kraft aus der Ruhe schöpfen TEXT ANGEL GONZALO BILD BEAT BRECHBÜHL

Die Vorweihnachtszeit ist eine hektische Zeit. Spiritualität und deren verwandte Formen Achtsamkeit und Meditation haben das Potenzial, unseren rastlosen Geist zu beruhigen. Doch was ist das alles? Und wie steht die katholische Kirche dazu? Eine Anregung für eine besinnliche Weihnachtszeit.

A

chtsamkeit und Meditation haben an Bedeutung gewonnen. Diese Praktiken stehen für Inhalte und Tech­ niken, die uns im Alltag guttun können.­ Die Suche nach dem Transzendenten, nach einer Verbindung zu einer höheren Ebene ist ein Teil der menschlichen Wahrnehmung. Spirituelle Haltungen und Rituale haben sich als Teil der intuitiven Einordnung unerklärlicher Phänomene vermutlich schon früh in der Menschheitsgeschichte entwickelt. Unsere Vorfahren hatten nur eine unscharfe Trennung zwischen der konkret erlebbaren Welt und dem Glauben beziehungsweise Aberglauben. Es ist denkbar, dass Spiri­ tualität (oder die Geistigkeit) bis zur Entwicklung der ersten Religionen und das Aufkommen der Wissenschaften eine allgemein übliche Haltung war. Frucht einer langen Geschichte

Meditation ist eine Technik, die uns guttut. Sie wird schon seit Tausenden von Jahren praktiziert. Schamanische Rituale indigener Völker haben bis heute noch

Gültigkeit und werden nicht nur in Indianerreservaten oder im Amazonasgebiet zelebriert. Den frühesten Nachweis für Meditation und Yoga fanden Archäologen im Indus-Tal (heute Afghanistan, Pakistan und Nordwestindien). Die Wissenschaftler entdeckten Zeichnungen aus der Zeit von 5500 vor Christus mit Illustrationen, die stark an Yoga und Meditationspraktiken erinnern. Gerade in unserer modernen, oft hektischen Zeit ist die innere Einkehr wohl so sinnvoll wie niemals zuvor. Das Interesse, vor allem an fernöstlichen Meditationstechniken, nahm zu Beginn der Siebzigerjahre auch in unseren Breitengraden schlagartig zu, als Maharishi, der aus Indien­stammende Begründer der Transzendentalen Meditation, zum Guru der Beatles wurde. Die ursprünglich buddhistische Lehre der Achtsamkeit wurde von den Hippies aufgenommen, doch es war ein Molekularbiologe, der sie vom Religiösen oder Esoterischen befreite: Jon Kabat-Zinn ersann 1979 die Mindfulness Based Stress Reduc-

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tion (MBSR) und fasste seine Erkenntnisse in einem achtwöchigen Kurs zusammen. Der Kern dahinter: In der Meditationspraxis die eigenen Gedanken und Gefühle bewusst wahrnehmen, ohne sie zu bewerten. Diese akzeptieren, statt abzuwehren, Distanz erlangen und doch nahe bei sich sein. Es geht ums Spüren, ums bewusste Atmen. Es ist die Hingabe an den Augenblick, im Hier und Jetzt. Ein unübersichtliches Angebot

Handauflegen, Lichttherapie, Aura-Chakren-Behandlungen, Yoga, Feng-Shui und andere Praktiken haben heute Hochkonjunktur. Spiritualität und verwandte Formen wie Achtsamkeit oder Meditation sind immer präsenter im Internet, im Zeitschriften- und Büchermarkt. Auf der Suche nach einem Sinn im Leben fühlen sich etliche nicht mehr nur zu den traditionellen Kirchen hingezogen, sondern begeben sich auf den stetig wachsenden Markt der Esoterik. Offenbar erfüllen die neuen Angebote die Sehnsucht nach einem tieferen Sinn im Leben. Die moderne Esoterik ist


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BY THE WAY

Die Peterkapelle und die City Vereinigung

Was haben die Peterskapelle und die ­City Vereinigung miteinander zu tun? Auf den ersten Blick nicht viel. Beim zweiten ­H inschauen aber … Wer am Samstag, 8. Dezember, auf dem Kapellplatz dabei war, der verstand. Hier hatten sich die Interessen gefunden: Auf der einen Seite die Vereinigung, welche die Ideen und Wünsche der Gewerbetreibenden in der Innenstadt vertritt und für einmal von ausgedehnten Öffnungszeiten profitieren konnte, auf der anderen Seite die katholische Kirche, welche just zu diesen Zeiten die Peterskapelle wiedereröffnete. Die Besucherinnen und Besucher nahmen die Angebote dankbar und mit grossem Interesse an. Kinder bastelten in der Kinderkrippe small Foot Weihnachtssterne und kleine Kunstwerke für andere Kinder, Erwachsene Gäste besuchten rege die KapellenFührungen, Luzerner «Schäller» und «Trychler» hatten ihre markerschütternden Auftritte, alles sekundiert von warmen Getränken und Gebäck.

Wir haben bei Florian Flohr, dem Leiter der katholischen Citypastoral Luzern, nachgefragt. Florian Flohr, die Peterskapelle war lange geschlossen. Weshalb? Florian Flohr: Die Kirchgemeinde hat sie von Grund auf überholen und zum Teil neu gestalten lassen. Die Renovationsarbeiten haben am Ende fast eineinhalb Jahre gedauert. Umso grösser war die Freude über den ersten Gottesdienst im Kerzenlicht am Vorabend und die feierliche Altarweihe morgens durch Bischof Felix Gmür.

Wie passen eigentlich Kirche und Konsum zusammen? Das geht sehr gut und ist Teil der heutigen Realität. Wir haben mit der City Vereinigung zusammengespannt, weil es Sinn macht. So können wir den Besucherinnen und Besuchern gemeinsam mehr bieten. Sinnvolle Geschenke kaufen, dabei über Weihnachten nachdenken, Solidarität für Mitmenschen zeigen: Das kann sich gut ergänzen.

Die Peterskapelle ist nicht einfach eine Kirche und wichtig für die Stadt – wie wichtig? Sie wurde 1178 zum ersten Mal urkundlich erwähnt und war stets die Kirche in der Stadt, jene für die einfachen Leute – eben «Leutkirche».

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FULL CONTACT

wie eine riesige Gemischtwarenhandlung, in der man aus dem Fundus der Weltreli­ gionen schöpfen kann. Kein Wunder, ist es schwierig, hier die Übersicht zu behalten. Diese mit Worten schwer zu fassenden Erfahrungen und Eindrücke bilden die Substanz aller Schulen der Meditation. Vipas­sana steht zum Beispiel für die buddhistische Achtsamkeitsmeditation mit dem Ziel, erleuchtet zu werden. Zen ist eine­in Japan beliebte Strömung, um eine «tiefe Erkenntnis» zu erlangen. Der vom Dalai Lama praktizierte tibetische Buddhismus verfolgt die «allumfassende Weisheit». Doch nicht nur im Fernen Osten hat man den Hang zur Transzendenz, auch im Westen: Die christliche Mystik strebt nach dem «Einswerden mit Gott», Gebet und Kontemplation dienen hier als «Techniken». Die jüdische Kabbala beschreibt den Zustand «bei Gott zu sein». Für den Islam schliesslich besteht Spiritualität darin, eine­geistige Brücke zwischen Menschen und Welt aufzubauen, aber auch zum offenbarten Gott (Allah). In vielen Religionen­ sind meditationsähnliche Rituale stark vertreten. Meditation hilft dem Geist

Das Spektrum der Meditation ist unendlich. Es reicht von «sich von dieser Welt lösen» bis zu «eins werden mit Mutter Erde und dem Universum». Erreicht werden diese geistig entrückten Zustände über Mantras oder Gebete, meditatives Singen oder rhythmische Bewegungsabläufe. Auch die Kampfkunst des Tai-Chi oder ­Qigong haben meditative Aspekte. Das Feld der Meditation ist heute wissenschaftlich gut erforscht. Man hat nachgewiesen, dass Meditation Wirkungen auf unseren Körper und unser Gehirn hat. Unmittelbar während oder nach einer Meditation sind ­Gammawellen deutlich stärker als vor der Meditation. Das deutet auf eine erhöhte Konzentrations- und Lernfähigkeit hin. Wer regelmässig meditiert, weist eine grössere Vernetzung der Hirnzellen im

Frontalkortex auf, was wiederum die kognitiven Fähigkeiten verbessert. Das Gehirn wandelt sich: Nach dem Meditieren werden Teile der vorderen Hirnrinde verstärkt durchblutet. Das sind genau jene Areale, die für das Regulieren von Gefühlen wichtig sind. Konkret heisst das: Wer im Alltag, in der Schule oder im Beruf, sehr kopflastig unterwegs ist, hilft sich mit regelmässigem Meditieren auf die Sprünge. Danach ist man besser fokussiert, agiert konzentrierter, lernt besser.

ANTWORTEN Was sagt die katholische Kirche zum Trend der Spiritualität. Bischof Felix Gmür im Kurzinterview. STADTSICHT: Ist Spiritualität ein moderner Trend? Felix Gmür: Ich weiss nicht, ob Spiritualität wirklich ein Trend ist – ein Modebegriff ist es auf jeden Fall. Welche Rolle spielt die Spiritualität in

Achtsamkeit gegen den Stress

der katholischen Kirche?

Achtsam und mitfühlend durch den Alltag zu gehen – dagegen kann man wohl nichts haben. Achtsamkeit beschreibt einen­Zustand des bewussten, aber wertfreien Wahrnehmens und Aufnehmens. Es ist ein Zustand von Offenheit und im Grunde das Gegenteil von Konzentration, in welcher alles ausserhalb eines gewählten Fokus ausgeblendet werden soll. Für das eigene Leben und unsere Gesundheit kann Achtsamkeit einen konkreten Nutzen bringen. Hand aufs Herz: Oft funktionieren wir im Alltag nur. Wir nehmen uns nicht die Zeit zu hinterfragen oder auch, um die Zeichen unseres Körpers oder Geistes zu erkennen, geschweige denn zu deuten. Vieles machen wir zielorientiert, automatisch und unreflektiert. Wir achten zu selten darauf, was uns Freude bereitet oder einfach nur guttut. Achtsamkeit und die darin angewandten Meditationstechniken sind längst nicht «nur» Beruhigungsmethoden, sie können unseren Alltag stark beeinflussen. Wir müssten grundlegend in unserem Alltag etwas ändern, um unseren grössten Stressauslöser, den Zeitmangel, zu beseitigen. Dazu bedarf es Momenten der Ruhe. Diese Augenblicke des Innehaltens können wir uns mit Meditieren oder über Achtsamkeit verschaffen. Die Meditation verschafft uns wertvolle Inseln der Ruhe, die Achtsamkeit lehrt uns, bewusster zu leben.

Sie spielt die tragende Rolle, weil sie der

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tragende Pfeiler des Gebets, der Meditation, der Liturgie, des sozialen Handelns ist. Sie macht die Verbindung zu Gott bewusst. Führen die vielen spirituellen Behandlungen und Angebote zu einer Abkehr von der Religion? Spiritualität heisst einfach Geistigkeit und muss nicht zwingend mit einem religiösen Inhalt aufgeladen sein. Spirituelle Angebote anderer Religionen führen näher zu dieser anderen Religion; das kann für manche eine interessante Erfahrung sein. Manchmal sucht man jedoch in der Ferne, was man auch in der Nähe finden könnte: Die katholische Kirche verfügt über einen grossen, jahrhun­ dertealten Reichtum an unterschiedlichen spirituellen Traditionen und Angeboten. In der Kirche glaubt man als Gemeinschaft, in den gegenwärtig florierenden Alltagsangeboten als Einzelner. Was ist richtig? Das eine bedingt das andere: Viele spirituelle Praktiken verfolgen das Ziel, den Zugang zum eigenen Selbst zu finden. Andererseits ba­ siert die christliche Glaubensgemeinschaft darauf, auch im menschlichen Gegenüber Gott zu begegnen. Ist Spiritualität für Sie so etwas wie der Schlüssel zum Glück? Sie kann ein Weg zu Gott sein, aber «Schlüssel zum Glück» wäre zu kurz gegriffen.


AUSSICHTEN

NASTY QUESTIONS Wer sich für die Zukunft vorbereiten will, stellt sich jenen heiklen Fragen, denen man in der Regel lieber ausweichen möchte, als sie zu beantworten. Unsere nicht abgeschlossene Liste der Nasty Questions:

Warum hat Luzern auch geschlagene 47 Jahre nach dem erstmaligen Diskutieren über einen Tief- beziehungsweise Durchmesserbahnhof noch immer kein fertiges Projekt?

Warum darf man solche Fragen heute, im angeblich fortgeschrittenen Stadium des Projekts, nicht mehr stellen und warum stellen sie Spezialisten nur hinter vorgehaltener Hand?

Warum wird Luzern nach Spezialistenmeinung auch noch in 27 Jahren keinen Durchmesserbahnhof haben? Warum rechnen heute nur Optimisten, dass dieser Bahnhof frühestens 2040 eröffnet werden kann?

Warum ist es für die Stadt Luzern wichtiger, ein «Alters-Label» zu ergattern und sich damit zu brüsten, als ein Wirtschaftsoder Unternehmenslabel zu erobern? Was sagt das über diese Stadtregierung und ihre Prioritäten aus?

Warum wird dann die Zentralschweiz seit 70 Jahren – richtig gelesen: siebzig! – über den Tiefbahnhof geredet und diesen als Durchmesserlinie geplant haben?

Warum ist das Thema Tourismus im Luzerner Stadthaus in drei verschiedenen Departementen angesiedelt – und warum sprechen diese kaum miteinander? Wer führt hier eigentlich?

Warum fahren die SBB mit ihren Zügen in der Schweiz auf Strecken, die Verkehrslösungen von 1870 abbilden, aber wenig mit unserer Gegenwart und unseren heutigen, evtl. sogar morgigen Bedürfnissen zu tun haben?

Warum ist die Vorrichtung, die auf der Spreuerbrücke Tauben verscheucht, auf der Kapellbrücke nicht gut genug? Kann es sein, dass der auf der Spreuerbrücke zuständige Kanton die Technik gut, die für die Kapellbrücke zuständige Stadt dieselbe Technik aber schlecht findet?

Warum tanzen in der Zentralschweiz eigentlich alle um den Fetisch Tiefbahnhof und vergessen dabei, dass man vielleicht für die Zeit bis zur feierlichen Eröffnung einige andere Massnahmen umsetzen sollte? Ist der Hauptbahnhof im Zentrum der Stadt Luzern wirklich am richtigen Ort? Wie verbindet die Bahn künftig möglichst direkt die wachsende Wirtschaftsregion Sursee mit jener von Zug und Zürich? Warum ist das Projekt Tiefbahnhof nicht modular veränderbar – und wer sagt uns, dass es 2040 nach einem möglichen weiteren Technologieschub in Mobilitätsangelegenheiten als grosser Wurf noch richtig und gross ist?

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Kann es sein, dass auch die Taubenfrage die Stadt vom Kanton trennt – und umgekehrt? Würden wir das bei unseren Kindern durchgehen lassen?

Lassen Sie uns über diese Themen streiten! STADTSICHT geht den Fragen nach und sucht nach Antworten. In den kommenden Ausgaben beleuchten wir unter anderem diese Themen. Diskutieren können Sie ab sofort: Auf Facebook (stadtsicht.ch) oder per E-Mail direkt an uns: stadtsicht@bamedia.ch.


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STADTSICHT 4/2018  

Wer STADTSICHT noch nie gelesen hat: Als unabhängige Verleger steuern wir die Themen an, die im urbanen Raum nach Lösungen schreien und sich...

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