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VERTRETUNG VON OSTBELGIEN, DER FÖDERATION WALLONIE- BRÜSSEL UND DER WALLONIE

A U S   B E R L I N

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AUSG A BE ELF Lettre aus Berlin  2019


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AUSGABE ELF 2019 LETTRE AUS BERLIN

INHALT 3 E D I T O R I A L 4 ­K Ö N I G S B E S U C H I N B E R L I N 4 1 0 J A H R E G E M E I N S A M E D I P L O M AT I S C H E V E R T R E T U N G I N B E R L I N 6 BILDUNGSZUSAMMENARBEIT 8

BILDENE KUNST

9 MUSIK 1 0 TA N Z 1 1 T H E AT E R 1 3 L I T E R AT U R

UND COMIC

1 4 F I L M 1 5 E R I N N E R U N G S K U LT U R E N

1 5 E U N I C 1 7 E I F E L - O S T B E L G I E N – A B E N D 1 7 F R A N K O P H O N I E 1 8 W I R T S C H A F T

1 8 T O U R I S M U S K O N TA K TA D R E S S E N I N D E U T S C H L A N D


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Kathrin Carré, Nicole Ackermann, Alexander Homann, Susanne Debeolles © Frank-Michael Arndt

EDITORIAL

Liebe Leserinnen und Leser, Eine neue Ausgabe der LETTRE aus Berlin, diesmal in neuem Gewand und zeitgemäßer, in elektronischer Form, liegt vor. Als elektronische Publikation in blätterbarer und auch druck­barer Version steht die LETTRE aus Berlin fortan unter www.wallonie-bruessel.de im Internetauftritt der Delega­ tion zum Lesen und/oder Herunterladen und Ausdrucken bereit. Wir haben dabei auf ein neues Layout verzichtet und präsentieren die LETTRE in der gewohnten grafischen Auf­ bereitung. Auch in der elektronischen Version kommt sie in der vorliegenden Ausgabe wieder mit vielen interessanten Splittern aus dem Geschehen in Deutschland und seiner Hauptstadt Berlin daher. Seit dem letzten Heft ist, misst man es an der Vielfalt und der Anzahl der Themen in dieser Ausgabe, reichlich Zeit vergangen. Von der Arbeit für die drei Teilstaaten Belgiens, die durch die Delegation in der Belgischen Botschaft in Berlin diplomatisch vertreten werden, gibt es viel zu berichten. Das Spektrum reicht von diplomatischpolitischen Besuchen von Abgeordneten, Parla­mants­ prä­sidenten und Regierungschefs über Bildungsthemen und sprachkompetenzfördernden Maßnahmen bis hin zur wissenschaftlichen Forschung über Belgien. Aber auch die Themen Bildende Kunst, Musik, Kino, Literatur, Tanz und Theater kamen bei der Arbeit in der Vertretung des deutschsprachigen Bundeslandes Ostbelgien, der Föderation WallonieBrüssel und der Wallonie im letzten Jahr nicht zu kurz. Beim Lesen der jetzt vorliegenden Nummer 11 der LETTRE wird ­Ihnen das auffallen. Apropos Ostbelgien: als Ergänzung zum verfassungsmäßigen Namen des kleinsten Bundeslandes Belgiens, der Deutschsprachigen Gemeinschaft nämlich, wird

Ihnen jetzt immer auch der deutlich griffigere und geo­ grafisch besser fassbare Begriff »Ostbelgien« begegnen. Was für die touris-tische Vermarktung der Gegend um Eupen, Malmedy und Sankt Vith bereits seit geraumer Zeit genutzt wird, hat nämlich jetzt – in Form einer Dachmarke und mit Marketing­ charakter, auch Einzug in den Wortschatz für ­Be­hörden und Dienststellen im deutschsprachigen Landesteil Belgiens gehalten. Wenn Sie also zukünftig die, im ­deutschen Sprach­gebrauch doch oft Erklärungsbedarf ver­ur­ sachende Bezeichnung Deutschsprachige Gemeinschaft ­Belgiens vermeiden wollen, können sie getrost Ostbelgien sagen. So machen wir das jetzt auch. Zum Schluss dann noch ein Hinweis in eigener Sache. Als personelle Veränderung in der Belgischen Botschaft in Berlin hat seit einem Jahr ein neuer Diplomat die Leitung der ­Vertretung Ostbelgiens, der Föderation Wallonie-Brüssel und der Wallonie übernommen. Mein Name ist Alexander ­Homann und ich war in den vergangenen sechs Jahren als Vertreter der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Brüssel mit der Leitung der dortigen Repräsentanz Ostbelgiens ­be­traut. Sechs äußerst intensive und interessante Jahre der bilateralen und multilateralen Arbeit, innerbelgisch, inter­ regional und europäisch. Aber alles hat seine Zeit. Jetzt und in den kommenden Jahren habe ich die Ehre und die Freude, mit Elan und einem kompetenten Team die neuen Herausforderungen hier in Berlin und in Deutschland anzupacken. Bleibt mir, Ihnen eine angenehme Lektüre zu wünschen! IHR ALEXANDER HOMANN


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KÖNIGSBESUCH IN BERLIN König Philippe und Königin Mathilde waren am 23. November zu einem Kurzbesuch in Berlin. Ihr Besuch fand im Rahmen der Gedenkfeierlichkeiten zum Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jah­ren statt. Nach einem offiziellen Empfang mit anschließendem Mit­ tagessen im Schloss Bellevue bei Bundespräsidenten Steinmeier, legte das Königspaar an der neuen Wache einen Kranz im Gedenken an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs nieder.

© Belgische Botschaft

Im Anschluss besuchten König Philippe und Königin Mathilde das »Deutsche Historische Museum« und das »Käthe Kollwitz Museum« Abgerundet wurde der Besuch des Königspaares mit einer Aufführung der »Missa Solemnis« von Ludwig van Beethoven, unter der Leitung des belgischen Dirigenten und Beethoven Biografen Jan Caeyers, in der Berliner Philharmonie.

10 JAHRE GEMEINSAME DIPLOMATISCHE VERTRETUNG IN BERLIN 2018 war für die Delegation der Deutschsprachigen Gemeinschaft-Ostbelgien, der Föderation Wallonie-Brüssel und der Wallonie in Berlin ein besonderes Jahr. Im Sommer 2018 war es genau zehn Jahre her, dass französischsprachige und Deutsch­ sprachige in Belgien sich darauf verständigt hatten, fortan ihre jeweiligen Interessen durch eine gemeinsame Delegation vertreten zu lassen. Durch eine entsprechende Vereinbarung war am 3. Juli 2008, von den damals amtieren­den Minister­ präsidenten, die Schaffung der »Delegation der Deutsch­ sprachigen Gemeinschaft, der Französischen G ­ emeinschaft und der Wallonischen Region« auf Grundlage der bilateralen Koope­ rationsabkommen der drei Teilstaaten vom 12. April 1995 und vom 26. November 1998 besiegelt worden. Hatte es in den 1990er Jahren schon eine Vertretung der Wallo­nie in Deutschland gegeben, so wurde 2008, mit dem Beschluss,­die Vertretungen dreier belgischer Teilstaaten zu einer Delegation zusammenzuführen, eine in den Außen­ beziehun­gen der Teilstaaten Belgiens bis heute einzigartige Entscheidung in die Praxis umgesetzt. Zur größten Zufriedenheit aller Partner gelingt es nun schon zehn Jahre, den Brückenschlag zwischen germanischem und romanischem Kul-

turkreis und die Interessenvertretung französischsprachiger und deutschsprachiger Regionalregierungen in Deutschland über eine gemeinsame Vertretung zu schaffen. Dieses zehnjährige Bestehen einer gemeinsamen diplomatischen Vertretung in Deutschland wurde dann 2018 auch zusammen mit dem Feiertag der Föderation Wallonie Brüssel, der eigentlich auf den 27. September fällt, einige Tage später am 18. Oktober 2018 im symbolbehafteten »Roten Rathaus« Berlin gefeiert. Zusammen mit mehreren hundert Gästen aus Diplomatie, Politik, Kultur und Gesellschaft konnte so an ein Jahrzehnt der besonderen innerbelgischen Kooperation erinnert werden. Von politischer Seite waren zum Festakt die Parlamentspräsidenten der Föderation Wallonie-Brüssel und der Deutschsprachigen Gemeinschaft, Courard und Miesen sowie die Ministerpräsidenten der Wallonie und Ostbelgiens, ­Borsus und Paasch gemeinsam mit dem Präsidenten des euro­ päischen Ausschusses der Regionen und Ministerpräsident a.D., Lambertz, nach Berlin gereist. In einer Gesprächsrunde betonten alle, dass dieses Expe­ riment einer gemeinsamen diplomatischen Auslandsvertretung ein voller Erfolg sei. Es habe sich gezeigt, dass die Wahr-


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Ein Bespiel für die Zusammenarbeit Deutschsprachiger und Französischsprachiger im kulturellen Bereich, war am Abend des Festaktes zum zehnjährigen Bestehen der gemeinsamen Delegation DGCFRW der Auftritt des »Wirtschafts Wonder Orchestra« unter der Leitung des Ostbelgiers Philippe Reul. Diese Band mit Musikern aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft, der Wallonie und Brüssel war ein schönes Beispiel für die enge Zusammenarbeit der Teilstaaten Belgiens, hier im kulturellen Umfeld. Dass die Kooperation aber auch im diplomatisch-­politischen Bereich klappt, machte der Besuch der hochrangigen bel­ gischen Delegation am Folgetag der Feierlichkeiten zum zehnjährigen Bestehen der Delegation DGCFRW d­ eutlich. Parla­ mentspräsident, Ministerpräsidenten und der AdR P­ räsident

wurden dann nämlich zu Gesprächen im Bundesrat empfangen. Dabei traf man das gesamte Präsidium des Bundes­ rates zu Unterredungen – eine Premiere – wie von Seiten der Länderkammer des Deutschen Parlaments verlautete. Und auch vor dem eigentlichen Jubiläum im Oktober hatte die Vertretung Ostbelgiens, der Föderation Wallonie-Brüssel und der Wallonie eine ganze Reihe von Besuchen von Minister­ ­prä­sidenten, Fachministern und Parlamentsdelega­tionen in ­Berlin ­vor­be­reitet und von diplomatischer ­Seite be­gleitet. So waren der wallonische Ministerpräsident B­ orsus und sein deutsch­sprachiger Amtskollege Paasch 2018 z­ usammen gleich mehrfach in Berlin und trafen etwa den Ministerpräsiden­ ten von Brandenburg oder den Vorstand des BDI. Auch der wallo­nische Landwirtschaftsminister Collin war zu Arbeitsge­ sprächen während der Grünen Woche in Berlin. Weitere Besuche an­derer Fachminister aus Namur und Eupen konnten ebenfalls von der Delegation in Berlin begrüßt werden und verdeutlichten die Bedeutung, die den Beziehungen unserer beiden Länder beigemessen wird. Fest anlässlich des 10jährigen Bestehens der Vertretung DGCFRW im Berliner Rathaus ©Frank-Michael Arndt

nehmung der Interessen mehrerer Teilstaaten Belgiens durch nur einen Diplomaten, bei enger Zusammenarbeit mit allen Partnern, durchaus erfolgreich sein kann.

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BILDUNGSZUSAMMENARBEIT ZWEITER BELGIENTAG AN DER U ­ NIVERSITÄT PADERBORN(NRW) Nachdem beim ersten Belgien-Studientag im Mai 2017 unser Land und seine Nachbarn im Mittelpunkt gestanden hatten, fand am 15. Mai 2018 der zweite Belgientag an der ­Universität Paderborn statt. Motto war dieses Jahr »Belgien und Europa«. Das Hauptaugenmerk legte das von Frau Prof. Dr. Sabine Schmitz geführte BELZ (BELgienZentrum) dabei auf die Beziehungen Belgiens zu seinen unmittelbaren Nachbarn. Neben der Präsidentin der Universität Paderborn, Prof. Dr. Birgit Riegraf, waren auch Koen Haverbeke (Generaldelegierter der Regierung Flanderns), Botschafter Ghislain D'hoop und Botschaftsrat Alexander Homann, Vertreter von Ostbelgien, der Föderation Wallonie-Brüssel und der Wallonie, bei der Eröffnung des 2. Belgientages des Belz dabei. Zum Auftakt ging es hierbei nicht nur um den historischen Kontext der Beziehungen von Belgien und Europa sondern auch um aktuelle Perspektiven für eine nachbarschaftliche Zusammenarbeit. In einer Diskussion zu den Wechselbeziehungen zwischen Belgien und seinen Nachbarn mit Luc Devol­dere, Geert van Istendael und Dirk Rochtus, die Walter Moens kenntnisreich moderierte, wurde die Thematik noch weiter vertieft. Insgesamt waren zu den obigen Programmpunkten viele externe Gäste sowie Angehörige der Universität Paderborn zum Belgientag gekommen. Auch die Universitätsküche hatte sich zum 2. Belgientag wallonischen Spezialitäten verschrieben und so servierten die Mensa, die Mensula und die neue Cafébar »Nova Vista« der Universität »boulets à la liégeoise«. Die Nachfrage hiernach war

in der Mensa so groß, dass Fritten und Fleischklöße schon nach kurzer Zeit ausverkauft waren. Belgischer Cidre stand dabei ebenfalls auf der Speisekarte und aus der Cafébar »Nova Vista« lockte zudem auch der Duft warmer Waffeln à la liége­oise. Im weiteren Verlauf des Belgientags wurde das deutschbelgische Museumskofferprojekt vorgestellt, das in Zusammenarbeit mit dem Museum der Belgischen Streitkräfte in Soest, der Université catholique de Louvain in Louvain-laNeuve ermöglicht wurde. Anna Kaup und Marie Weyrich stellten eigene Museums- bzw. Themenkoffer vor. In dem Projekt erstellen Studierende aus Paderborn und Louvain-la-Neuve gemeinsam Museumskoffer zu Themen der belgischen Geschichte seit dem Ersten Weltkrieg bis in die Gegenwart. Die in den Seminaren erstellten Museumskoffer werden an verschiedenen Standorten in Deutschland und Belgiens ausgestellt werden. Ein Comicworkshop unter dem Titel »Paderborn s'invite à Melvile«, bei dem Studierende Einblicke in die Gestaltung eines Comics bekamen und selbst kreativ werden durften, wurde dank des Engagements von Marie Weyrich sowie der Französischlektorinnen Amélie Charvet und Élise Rynkowski ein ebenfalls erfolgreicher Programmpunkt des 2. Belgienta­ges. Den Abschluss des Tages bildete schließlich eine Aufführung des AGORA-Theaters aus St.-Vith (Ostbelgien). Mit »König Lindwurm oder Wie schreibt man einen Brief« konnte das AGORA-Theater mit einem innovativen Märchen um einen Lindwurmprinzen nicht nur die anwesenden Kinder begeis­ tern, sondern auch die Erwachsenen erfolgreich unterhalten und so für einen gelungenen Ausklang des 2. Belgientages des BELZ an der Universität Paderborn sorgen.

Im Dezember 2018 war eine Gruppe von Studierenden des ­Belgienzentrums der Universität Paderborn zu einem mehr­ tägigen Studienaufenthalt in Flandern, Brüssel und der Deutsch­ sprachigen Gemeinschaft Belgiens. Bei ihrem Aufenthalt, der von BELZ Leiterin Frau Professor Sabine Schmitz begleitet wurde, besuchten die Studierenden neben kulturellen Einrichtungen in Flandern und der Wallonie auch die Regionalparlamente Flanderns und Ostbelgiens. In der Deutschsprachigen Gemeinschaft gab es zudem die Gelegenheit zur Begegnung mit dem ostbelgischen Ministerpräsidenten Oliver Paasch. Ebenfalls auf dem von der Delegation in Berlin vorbereiteten Besuchsprogramms: die föderale Abgeordnetenkammer in Brüssel und der europäische Ausschuss der Regionen. Im AdR hatten die Studierenden sogar Gelegenheit zum Austausch mit dessen Vorsitzenden, AdR Präsident Karl-Heinz Lambertz. !! www.kw.uni-paderborn.de/en/belz

Besuch beim Ausschuss der Regionen (AdR) © dgcfrw

STUDIERENDE DES BELZ IN BELGIEN UNTERWEGS


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SOMMERSTIPENDIUM IN DER WALLONIE !!!

So ermöglicht Wallonie-Brüssel International (WBI) deutschen Studierenden, sowohl am Sprach- als auch am Literaturun­ ter­richt in französischer Sprache teilzunehmen. Diese Kurse werden von der Freien Universität Brüssel (ULB) durchgeführt. Dabei haben die ausgewählten Studenten die Möglichkeit, innerhalb von drei Wochen ihre mündlichen und schriftlichen Kenntnisse in Französisch zu perfektionieren sowie die französischsprachige Kultur und Literatur und insbesondere die französischsprachige Kultur und Literatur Belgiens zu entdecken. Um sich für das Stipendium zu qualifizieren, ist es erforderlich, dass der Studierende vertraute, alltägliche Ausdrücke und ganz einfache Sätze verstehen und anwenden kann und in der Lage ist, sich und andere vorzustellen und seinem Gesprächspartner Fragen zu ihrer Person zu stellen. Das Stipendium deckt die Einschreibegebühren sowie Unterkunft und Verpflegung ab. Am Ende des Praktikums wird eine Teilnahmebescheinigung ausgehändigt. !!Für praktische Fragen empfehlen wir die folgende Website: www.wbi.be oder www.ulb.ac.be/facs/ltc/coursVacances.html

Alexander-von-Humboldt-Gymnasium © Beate Nick

Das zur Tradition gewordene Stipendium für a­ usländische Studierende hat zum Ziel, diejenigen zu unterstützen, deren­ Anliegen es ist, die Sprache eines Landes zu lernen und den Austausch der Kulturen voranzubringen.

GASTVORTRÄGE ZU BELGIEN UND SEINEM ­F ÖDERALISMUS AN DER FU BERLIN Belgien und seine Staatsstruktur verstehen, das ist nicht einfach. Umso spannender ist der Versuch, die Genese des Föderalismus in Belgien und den Umbau Belgiens vom dezentral aufgestellten Einheitsstaat in einen Bundesstaat zu erklären. Die Freie Universität Berlin hat 2018 hierzu erstmals für Studie­ rende der Politikwissenschaften, der Geschichte und der Romanistik einen Gastvortrag eines belgischen Diplomaten organisiert. Als Leiters der Vertretung von Ostbelgien, der F­ öderation Wallonie-Brüssel und der Wallonie, hat Alexander Homann die komplexe Staatsstruktur Belgiens von ihrer Entstehung bis zur heutigen Situation und den damit verbundenen Föderalismusreformen eins bis sechs vor den Studierenden beleuchtet. Nach der erfolgreichen Premiere 2018 wird dieser Gastvortrag an der FU Berlin auch 2019 erneut stattfinden.

Belgien, da denken viele im Ausland an Fritten, Schokolade oder Bier. Das Belgien und seine französischsprachigen Teilstaaten viel mehr zu bieten haben, das versucht die Delega­ tion DGCFRW verstärkt über Besuche in Schulen in Berlin und seinem Umland zu vermitteln. Um Abwechslung in den Französischunterricht zu bringen, sind solche Besuche und Gespräche mit den Schülerinnen und Schülern an Gymnasien oder Oberschulen eine von vielen Lehrern begrüßte Initiative der Delegation DGCFRW in Berlin. Im Austausch stellen dabei viele der Jugendlichen fest, dass sie vielmehr über Belgien wissen, als ihnen bewusst ist. Fußballspieler, Comicfiguren oder Filmschauspieler – viele französischsprachige Belgier werden erst auf den zweiten Blick als solche auch identifiziert und wahrgenommen. Um diesem Phänomen entgegenzuwirken und für Belgien und auch die dort bestehenden Bildungsund Ausbildungsmöglichkeiten im französischsprachigen Landesteil zu werben, wird die Leitung der diplomatischen Vertretung von Ostbelgien, der Föderation Wallonie-Brüssel und der Wallonie in Deutschland auch in Zukunft an diesen Besuchen in Schulen festhalten und diese auch 2019 fortsetzen.

Alexander Homann © FU-Sprachenzentrum

FÜR BELGIEN UND DIE WALLONIE WERBEN UND ­ DABEI FRANZÖSISCH LERNEN


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BILDENDE KUNST

Elise Corvaglia © Fotofabrik

SAARLÄNDISCHE GALERIE

3 KÜNSTLER IN DER FOTOFABRIK BLN-BXL

Marcel Proust hat ja mal in seiner »Recherche du temps perdu« geschrieben, dass das Kunstwerk das einzige Mittel sei, die verlorene Zeit wiederzufinden! Man kann in diesem Zusammenhang gewiss sagen, sich zu erinnern, was war und was hätte sein können. Andrea Radermacher begibt sich von der Erfahrung der täglichen Wirklichkeit in die einfache, aber doch so mehrdeutige Aussage.

Andrea Radermacher-Mennicken © A. Baltrusch

Matthieu Marres © Fotofabrik

Laurie Anne Romagne © Fotofabrik

Mit Unterstützung von Wallonie-Brussel International wurden auch in diesem Jahr Werke von drei Fotokünstlern aus der Föderation Wallonie-Brüssel in der Fotofabrik Bln-BXL in Berlin gezeigt. Matthieu Marres setzt sich mit der Erinnerung an den vor über 70 Jahren beendeten Krieg auseinander. Elise Corvaglia wurde vom Dadaismus und Surrealismus, aber auch von Alltäglichem bewegt und berührt: Geschichten, Bücher, Filme, Lieder… alles hilft ihr, den ihr eigenen Weg zu finden. Laurie-Anne Romagne hat sie sich auf Konzept-, Dokumentar- und Werbefotografie spezialisiert. Sie arbeitet mit unterschiedlichen Techniken wie Digital, – Polaroid – oder Gummibichromat.

In Anwesenheit des Ministerpräsidenten von Ostbelgien, Oliver Paasch und des Staatssekretärs und Chefs der Staatskanzlei und Bevollmächtigten des Saarlandes beim Bund in Berlin, Jürgen Lennartz wurde die Ausstellung Restzeiten mit Arbeiten der in Ostbelgien lebenden Künstlerin Andrea Rader­ macher-Mennicken am 14. Juni 2018 in der Saarländischen ­Ga­le­rie in Berlin eröffnet. Die Kunst von Andrea Radermacher befasst sich im Besonderen mit der Frage: Wie stellt man Zeit und Vergänglichkeit dar? Bei Frau Radermacher ist eine intensive Beschäftigung mit ihrer Botschaft und ein sehr genauer Blick nötig um die subtilen Botschaften in den Werken und die Veränderlichkeiten durch die Zeit zu entdecken.


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MUSIK

Scherzi musicali © Heidelberger Frühling studio visuell

!! www.mendelssohn-remise.de/ www.ingolfsson-stoupel-duo.com

Mit ihrer neuen CD begeisterte die Harfenistin Maria Palatine im September das Kaiserslautener Publikum.

Geistliche Musik von Heinrich Schütz und Dietrich Buxtehude präsentierte das hochgelobte Ensemble Scherzi Musicali in der Observanthenkirche in Münster unter der Leitung des renommierten Sängers und Instrumentalisten Nicolas Achten. Das belgische Ensemble gehört zu den bemerkenswertesten jungen Ensembles für Alte Musik.

Die Künstlerin, deren musikalische Bandbreite von Jazz, Folklore bis hin zur klassischen Musik reicht, schreibt eigene Lieder und vertont Gedichte belgischer, französischer, deutscher und englischer Lyriker. Diese unterschiedlichen Inspirationen stellte Maria Palatine nun mit ihrem neuen Album »My voice is my plea« dem deutschen Publikum vor.

!! www.scherzimusicali.be

!! www.mariapalatine.com

Maria Palatine und Band © Roger Vantilt

Duo-Stoupel-Ingolfsson © Marko Priske

Auch in diesem Jahr haben Künstler aus der Föderation Wallo Im Rahmen der 25. Magdeburger Telemann-Festtage, nie-Brüssel das Konzertleben in Deutschland bereichert. das in diesem März unter dem Motto »Klangfarben« standen, begeisterte ein Gastspiel des jungen belgischen Ensembles »Les Mufatti« das Publikum in der Pauluskirche. Die für Mit Unterstützung der Vertretung der Deutschspra- ihre moderne Spielweise gelobten jungen Musikerinnen und chigen Gemeinschaft – Ostbelgien, der Föderation Wallonie- Musikern präsentieren mit Telemanns «Johannespassion Brüssel und der Wallonie fand in der benachbarten Mendels- 1745« die einzige gedruckte oratorische Passion des 18. Jahrsohn-Remise eine Hommage an Eugène Ysaÿe mit dem Duo hunderts. Ingolfsson-Stoupel statt. Das Konzert wurde durch einen Vortrag des Musikwissenschaftlers Prof. Michel Stockhem aus !! www.lesmuffatti.be Belgien eingeleitet.


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TANZ Die Tanzszene in Brüssel und der Föderation Wallonie-Brüssel hat sich seit einigen Jahren zu einem wichtigen Zentrum für internationale Tanzproduktionen entwickelt. In Belgien entstehen durch die Internationalität spannende Produk­tionen, deren Spektrum sich vom klassischen B­ allett bis zur zeitgenössischen Performance erstreckt. Hier entstehen­Produktio­ nen junger Nachwuchstänzern- und Tänze­rin­nen sowie Aufführungen international tätiger Compagnien, die aktuelle Strömungen und Entwicklungen der belgischen und der internationalen Tanzszene präsentieren. So waren im April die in Belgien lebende, argentinische Cho­ reografin Ayelen Parolin und ihr Ensemble mit dem Stück ­»Hérétiques« zu Gast beim Festival »Into the fields« in Bonn. Die Künstlerin beschäftigt sich in diesem Stück mit dem Thema Schamanismus im Hinblick auf die Modernität (Hérétiques).

Pinsel, der sich selbst zeichnet. Ein Tanz, dessen Gegenstand nicht die eigene Bewegung, sondern das Gemälde ist, das er mit seinen Bewegungen schafft. Mit beeindruckender Leichtigkeit wirft Vincent Glowinski, alias Bonom, Zeichnungen an die Leinwand, die nur aus den Bewegungen seines Körpers ­resultieren. Über viele Jahre hat er eine Technik perfektioniert, die ihn mittels Kamera und verzögerter Projektion seinen Körper als Zeichenutensil nutzen lässt. Es entsteht ein berührend zartes Panorama einer flüchtigen Existenz zwischen zaghaftem Selbstporträt, ikonografischen Leidensbildern und spielerischer Vulgarität. © Wiesbaden Biennale !! www.vincentglowinski.com

TANZWERKSTATT EUROPA IN MÜNCHEN

Das Festival und die Werkstatt für neue Ideen im zeitgenössischen Tanz fanden durch die Zusammenarbeit von Joint aufgelegte Pina Bausch Fellowship for Dance and Choreography. ­Adventures und durch die Unterstützung des Kulturreferats www.ayelenparolin.be der Landeshauptstadt München statt. Ein Quadrat formt die Bühne für Louise Vannestes »Gone in VINCENT GLOWINSKI BEI DER a heartbeat«. An der Schnittstelle von choreografischem WIESBADEN BIENNALE Schreiben und Instinkt finden vier Solos gleichzeitig im Raum statt. In ihrer Unabhängigkeit und Autonomie, im experimenVincent Glowinski ist eine Gestalt der Dunkelheit, die als­ tellen Spiel aus Mitgefühl, Macht, Teilen und Stehlen beein­Bonom ihre Spuren in der Stadt hinterlässt. Gigantische Bilder flussen sich die Tänzerinnen immer wieder gegenseitig. Einan Brandwänden, viele Stockwerke überspannend, die über gebettet in eine dichte, fesselnde Membran aus Sound und Nacht auftauchen, während er im Dunkeln bleibt. Jetzt taucht Licht nimmt der Abend den Zuschauer mit auf eine berauer auf der Bühne auf, ein zierlicher Körper bewegt sich im Dun- schende Reise voller Energie und elektrisierendem Tanz. keln. Jede Bewegung führt einen Strich aus und zeichnet ein Porträt des Erscheinens und Verschwindens: Ein menschlicher !! www.louisevanneste.be

Vincent Glowinski © Jimmy Kets

!! 2016 erhielt Ayelen Parolin das von der Kunststiftung NRW


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Nono Battesti © Benjamin Struelens

Gone-in-a-heartbeat © Arnaud Gerniers

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NONO BATTESTI UND DIE COMPAGNIE DESSOURCES AUS BRÜSSEL IM NOVEMBER BEIM ­ 29. F ESTIVAL DES ZEITGENÖSSISCHEN THEATERS UND TANZES »EURO – SCENE« IN LEIPZIG Mit dem Tanzstück »Double« (»Doppelt«) waren Nono Battesti und seine Compagnie beim diesjährigen Tanz -und Theaterfestival »euro-scene« in der Diskothek des Schauspielhauses Leipzig vertreten. Ein Wald aus leuchtenden Stäben ziert den Hintergrund des Tanzstückes »Double« von Nono Batte-

sti, der auf einer gänzlich schwarzen Bühne angeordnet ist. In der Verbindung von klassischem Tanz, Hip-Hop und Stepp wurden in einer sehr eigenen Formensprache der berührende Tanz zweier Liebender mit ihren intimen Sehnsüchten, ihrer Trauer und der Anmut ihrer Liebe dargestellt. Auch musikalisch kamen die Zuschauer auf ihre Kosten. Das Livespiel von Schlagzeug, Gitarren und Drum-Computern wurde mit einem beeindruckenden Jazzgesang umrahmt. !! www.nonobattesti.be

THEATER Ich denke und dann... (J'y pense et puis...) (8+) Objekttheater von Alain Moreau in Zusammenarbeit mit Laura Durnez, Dorothée Schoonooghe & Bao Kahn Ngouansavanh. Diese Aufführung, bei der die Zuschauer im Laderaum eines Lastwagens Platz finden, erzählt die Geschichte vom Verlust der Heimat und der Suche nach einem neuen Leben, deren Nachwirken von besonderer Kraft ist. Mit gewohnter Präzision in der Figurenund Objektführung beweist die Truppe aufs Neue ihr Gespür auch tiefe Themen, wie das Flüchtlingsthema, mit Humor und Poesie einem jungen Publikum nahe zu bringen. Diesmal fliessen in »Ich denke und dann...« auch melancholische Töne mit ein. Berührend und mit großem Einfallsreichtum sind wir ganz nah dran, wenn es um große Entscheidungen geht, die heute über Menschen getroffen werden. (Suricate Magazine) !! www.toftheatre.be

Ich denke und dann © Gilles Destexhe

TOF THÉÂTRE AUS GENAPPE BEIM FESTIVAL P­A NOPTIKUM IN NÜRNBERG


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Kiss&Cry © Maarten Vanden Abeele

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In Anwesenheit des Leiters der Vertretung von Ostbelgien, der Föderation Wallonie-Brüssel und der Wallonie, Alexander­ ­Homann, wurde das 12. Internationale Puppentheaterfestival Synergura am 5. September 2018 im Großen Saal des Theaters Erfurt mit der international gefeierten Inszenierung »Kiss & Cry« von Michèle Anne De Mey, Jaco Van Dormael und dem Kollektiv Kiss & Cry eröffnet. Die hochgelobte Choreografin Michèle Anne De Mey und der Filmregisseur Jacob Van Dormael überzeugen abermals das Publikum – hier vor dem restlos ausverkauften Theater in Erfurt- mit ihrer wunderbaren Inszenierung, die eine Verbindung aus Tanz, Theater und Musik darstellt. Mit einer Projektion auf die immense Bühnenleinwand vollführen eine weibliche und eine männliche Hand den Tanz der Liebe, erzählen voller sinnlicher Ideen eine Liebes- und Lebensgeschichte mit unvergesslichen poetischen Bildern. Die Geschichte beginnt mit einer Zugfahrt, bei der die ­kurze Berührung an der Hand eines jungen Mädchens durch einen fremden Jungen zur sehnsüchtigen Obsession wird und den Kern der Erzählung bildet. Nur 13 Sekunden dauert diese erste Liebe, doch schreibt sie sich für immer in das Herz der Protagonistin ein. Mit winzigen Gegenständen, mit zu jeder Szene abgestimmten Musik und mit dem herausragenden Einsatz des Lichts wird die berührende Geschichte von Liebe und Verlust erzählt. Im Augenblick der Inszenierung auf der Theaterbühne wird ein Film auf der Kinoleinwand gedreht, der vielfältige Genres zu einem wahren Gesamtkunstwerk verbindet, das vom E­ rfurter Theaterpublikum mit stehenden Ova­ tionen belohnt wurde. !! www.astragales.be !! www.waidspeicher.de/waid2015/index.php?id=13

11. INTERNATIONALES SCHATTENTHEATER FESTIVAL SCHWÄBISCH GMÜND 12. – 18. OKTOBER 2018 Das seit 1989 stattfindende Schattentheater Festival ist das älteste und einzige fortlaufende Festival für zeitgenössisches Schattentheater weltweit. Es findet alle drei Jahre statt und ist Treffpunkt von Schattentheater-Spielern und Liebhabern dieses Genres aus der ganzen Welt. Einer der Höhepunkte des diesjährigen Festivals war die Vorstellung »Mange tes Ronces!«­von der belgischen Gruppe Moquette Production. Mit einfachsten Mitteln, mit nur zwei Tageslichtprojektoren, zwei aberwitzig präsenten und schnellen Spielerinnen und einem genialen Musiker ist ihnen ein Meisterstück an Leichtigkeit und Witz für Kinder und Erwachsene gelungen. !! www.schwaebisch-gmuend.de/schattentheater-festival.html

Manges tes ronces © Alexander Meeus

MICHÈLE ANNE DE MEY, JACO VAN DORMAEL MIT DER INSZENIERUNG KISS & CRY BEI DER ­ ERÖF­F NUNG DES SYNERGURA FESTIVALS IN ERFURT


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LITERATUR UND COMIC Das Autorengespann Jacques de Decker und Stéphane Lambert nutzte das Erscheinen der deutschen Übersetzung ihrer ­Romane »Riesenrad« und »Die Farben der Nacht« zu einem Besuch in Deutschland. Neben Jacques de Deckers Auftritt beim Europäischen Autorengipfel (Bericht siehe Artikel EUNIC) und im Sprachenzentrum der Freien Universität Berlin sowie Stéphane Lamberts Konferenz in der Humboldt Universität brachen beide noch zu einer Tournee durch Deutschland auf. Die Bücher, die durch die Aachener Übersetzerwerkstatt unter Prof. Dr. Anne Begenat-Neuschäfer (†) und die RWTH Aachen übersetzt und ermöglicht wurden, erschienen im Aachener Shaker Verlag in der Reihe »Frankophone Autoren der Gegenwart«. Die Literaturabende mit den beiden Autoren fanden in Köln (Institut français), Düsseldorf (Institut français), Paderborn (Belgienzentrum) und Aachen (Stadtbibliothek) statt. Die letzte Veranstaltung stellte den Höhepunkt der Reise dar, da sich das Zentrum für Französische Sprache und Literatur Belgiens an der RWTH Aachen in besonderer Weise um das Erscheinen der beiden Bücher verdient gemacht hat. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass der B­ ücherbestand des Zentrums nun dem BELZ, dem Belgien-­ Zentrum der Universität Paderborn (s. dazu Artikel an anderer Stelle) zur Verfügung gestellt wurde und dort den Studierenden zugänglich sein wird. !!

links: Stéphane Lambert © Anne Bourgignon rechts: Jacques De Decker © Jean-Luc Lossignol

Riesenrad, J. De Decker : ISBN 978-3-8440-3817-0 Die Farben der Nacht, S. LAMBERT : ISBN 978-3-8440-2935-2

GEORGIEN GASTLAND DER FRANKFURTER BUCHMESSE Im Oktober war Georgien Gastland der Frankfurter Buchmesse. Am Stand von Wallonie-Brüssel fanden erneut zahlreiche Begegnungen zwischen den belgischen Verlegern und ihren internationalen Partnern statt. Am 11. Oktober, beim traditio­nellen Empfang, konnte der Leiter der Vertretung von Ostbel­gien, der Föderation Wallonie-Brüssel und der Wallonie, Alexander Homann, in seiner Rede auf die Erfolge seit der Partnerschaft mit Gastland Frankreich im Vorjahr hinweisen. Am Stand der TAZ fand die Vorstellung des Buches »­ EUPEN – 100 Orte in Ostbelgien« statt. Der Aachener Autor Bernd ­Müllender las aus dem im Grenz-Echo Verlag erschienenen Reiseführer durch das unbekannte Ostbelgien und wusste auch Kurioses zu berichten. !! www.gev.be

ROMANE VON GEORGES SIMENON Eine Wiedergeburt feiern die Maigret und Non-Maigret Romane von Georges Simenon auf dem deutschsprachigen Buchmarkt. Unser Cover hat es zum Teil schon verraten. Nachdem der Verleger Daniel Kampa die Rechte für den deutschsprachigen Markt erworben hat, erwartet den Krimi- und Romanfreund ein umfangreiches Programm an Erstausgaben, Neuauflagen, Neuübersetzungen und nicht zuletzt auch eine neu eingesprochene Reihe von Hörbüchern, die der Schauspieler Walter Kreye (»Der Alte«) allesamt für den Audio-Verlag ein-

Buchmesse Georgien © dgcfrw

CAFÉ LITTÉRAIRES


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SPIROU

liest. Bei einem Gesamtwerk von 117 Romanen und Erzählungen, eine wahre Meisterleistung. Dies fand auch John ­Simenon, Sohn des Autors, bei seinem Besuch in der Berliner Vertretung anlässlich der Vorstellung der Hörbuchreihe. Im September 2019 wird der 30. Todestag des Autors begangen. Über Projekte und Planungen hierzu seitens der Vertretung werden wir Sie auf dem Laufenden halten. Lesen Sie mehr über den Lütticher Autor im Tourismus-Teil dieser Lettre, der Sie in Simenon’s Geburtsviertel Outremeuse entführt.

Auch ein kleiner belgischer Hotelpage gerät zurzeit wieder in das Licht der Aufmerksamkeit: Spirou. Der Berliner Comic-­ Autor Flix hat ihn in seiner im Carlsen Verlag erschienenen Geschichte ins Ostberlin der 80er Jahre versetzt und das Hochkommissariat für Menschenrechte der Vereinten Nationen hat ihn anlässlich des 70. Geburtstags der Erklärung der Menschenrechte zum Botschafter für diese Werte erklärt.

!! www.kampaverlag.ch

!! www.spirou.com/blog/679-spirou4rights.html

!! www.der-audio-verlag.de

!! www.carlsen.de/hardcover/spirou-und-fantasio-­spezial-spirouin-berlin/97701

FILM FRANKOPHONE FILMTAGE TÜBINGEN UND STUTTGART

Tübingen © Alex Gonschior

Tübingen – Marie Mandy © Alex Gonschior

des Dirigenten Stéphane Orlando, die den wunderbaren Stummfilm »Der letzte Mann« von F. Murnau musikalisch begleiteten. Diskutiert wurde nach Marie Mandy’s DokumentarEinen Fokus Wallonie-Brüssel konnte Christopher Buchholz, film »Oui mais non« über die politischen und kulturellen der Leiter der Frankophonen Filmtage Tübingen/Stuttgart im ­Besonderheiten Belgiens mit der Filmemacherin und mit BotNovember ankündigen. Für die Zuschauer galt es, eine ganze­ schaftsrat Alexander Homann. Reihe belgischer Filme und Sondervorführungen zu entdeck­ en. Auch ein belgisches Jurymitglied, Filmemacherin Marie !! www.filmtage-tuebingen.de Mandy, war mit von der Partie. Bekannte Namen waren im Programm vertreten: »Continuer« von Joachim Lafosse und »Nos batailles« von Guillaume FRANZÖSISCHE FILMWOCHE BERLIN Senez, aber auch junge, unbekanntere Regisseure, wie z.B. ­Nicole Palo mit ihrer schwarzen Komödie »Emma Peeters«. Bei der 18. Französischen Filmwoche in Berlin Anfang DezemAuch François Damiens neuester Wurf »Mon Ket« war am Star. ber präsentierte die Vertretung von Ostbelgien, der Föder­ Ein Film, der zu einem großen Teil mit versteckter Kamera ge- ation Wallonie-Brüssel und der Wallonie gemeinsam mit der dreht worden ist. Besonders berührend war auch der Doku­ Schweizerischen Botschaft die Koproduktion «Ceux qui tramentarfilm »Ni juge, ni soumise«, der den Alltag der Brüsseler vaillent« von Antoine Russbach mit dem belgischen SchauUntersuchungsrichterin Anne Gruwez zeigt. Auch die Absol- spieler Olivier Gourmet in der Hauptrolle. Russbach stellt in venten der Brüsseler Filmhochschule INSAS waren im Kurz- seinem Film wichtige Fragen nach Ethos und Moral in der glofilmprogramm vertreten. balisierten Arbeitswelt. Ein ganz besonderer Moment war auf jeden Fall auch das Cinéconcert des Brüsseler Ensembles OST unter der Leitung !! www.franzoesische-filmwoche.de


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Fritz Haber Illustration © David Vandermeulen

Die Redner und Generalsekretärin Schily © Volksbund L. Rezaeian

AUSGABE ELF 2019 LETTRE AUS BERLIN

ERINNERUNGSKULTUREN WELTKRIEGSERINNERUNG Erinnerungskulturen im Gespräch ist eine Gesprächsreihe des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.. »Der Erste Weltkrieg in der deutschen und belgischen Erinnerung« war der Titel einer Diskussion am 15. Oktober in der Belgischen Botschaft, an der für Ostbelgien Dr. Christoph Brüll (Universität Luxemburg) und für die Föderation Wallonie-Brüssel Dr. Geneviève Warland von der Universität Louvain-la-Neuve teilnahmen. Komplettiert wurde das Podium von Dr. Maarten Van Alstein vom Flämischen Friedensinstitut Brüssel und von Botschafter a.D. Eckart Cuntz.

150. GEBURTSTAG VON FRITZ HABER Eine Ausstellung mit Originalzeichnungen des Illustrators und Autors David Vandermeulen zu Leben und Arbeit des deutschen Chemikers Fritz Haber fand Anfang Dezember im Harnack Haus, der Tagungsstätte der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin, statt. Anlass war eine Konferenz zu Fritz Habers 150. Geburtstag. Bei den internationalen Gästen und Organisatoren, besonders aber bei den anwesenden Familienmitgliedern des Chemikers fand die Ausstellung großen Anklang.

EUNIC Als aktives Mitglied von EUNIC Berlin konnte die Vertretung von Ostbelgien, der Föderation Wallonie-Brüssel und der Wallonie auch 2018 wieder an zahlreichen europäischen KulturVeranstaltungen teilnehmen. Zudem wurde die Mitarbeiterin unserer Vertretung, Susanne Debeolles, im Juni 2018 für weitere zwei Jahre als Präsidentin bestätigt. Nach der jährlichen Klausurtagung im Schloss Genshagen machten sich die Mitglieder an die Arbeit und konzipierten die nächste Ausgabe von »Bunt gemischt«, dem Aktionstag der verschiedenen Kulturinstitute. Dieser fand 2018 erstmals im Rahmen der

Europa­woche und in Kooperation mit der Senatsverwaltung für Kultur und Europa statt und stand auch unter dem Motto des Europäischen Kulturerbejahres. Am 9. Mai war es dann soweit: in Anwesenheit des Berliner Europa-Staatssekretärs Gerry Woop fanden zahlreiche Veranstaltungen statt. Die Vertretung von Ostbelgien, der Föderation Wallonie-­Brüssel und der Wallonie war im Verlauf des Tages gleich an zwei Veranstaltungen beteiligt: in der Botschaft des Großherzogtums Luxemburg sprach Dr. Nathalie Christmann (Universität ­Lüttich) zum Thema »Was sind Grenzen heute?« mit Kollegen


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der Universitäten Luxemburg, Dr. Birte Nienaber und Greifswald, Prof. Dr. Dr. h. c. Michael North über den Schengen-Raum und die unsichere Zukunft für diese Grenzregelungen in Europa. Ausstellung David Vandemeulen: In der Belgischen Botschaft fand dann im Anschluss die Eröffnung der Ausstellung der Graphic Novel Original-Werke von David Vandermeulen statt. Die Besucher konnten sich davon überzeugen, wie eine kunstvoll gestaltete Graphic Novel zur Vermittlung von Wissen und Wissenschaft dienen kann. Prof. Dr. Bretislav Friedrich vom Fritz-Haber-Institut Berlin sprach vor dieser beeindruckenden Kulisse mit dem Moderator Torsten Dönges über Leben und Schaffen des porträtierten deutschen Chemikers Fritz Haber.

EUROPÄISCHER SPRACHENTAG

Beim European Cultural Heritage Summit, der am 24. Juni Das gesprochene Wort galt beim Babelslam im Rahmen des 2018 in Berlin stattfand, konnten sich die Mitglieder von Europäischen Sprachentages am 26. September im Tschechi­EUNIC Berlin beim Mitmach Markt auf dem Gendarmenmarkt schen Zentrum. Die Ostbelgierin Jessy James LaFleur trat geunter dem Motto »Wir Erben« der breiten Öffentlichkeit prä- konnt mit überzeugenden pro-europäischen und sehr persönsentieren. Die Vertretung war dabei und informierte vor allem lichen Slams an und konnte das Publikum restlos überzeugen. auch zu kulturellen und touristischen Themen in Ostbelgien An den beiden Vormittagen des 25. und 26. September standen wieder die Minisprachkurse in den Berliner Bibliotheken und in Brüssel. auf dem Programm, bei denen 60 Dritt- und Viertklässler dank unserer Vertretung zum ersten Mal mit der französischen Sprache in Berührung kamen. Insgesamt nahmen rund 1000 Schüler die Gelegenheit zur Begegnung mit einer neuen europäischen Sprache und Vertretern eines anderen europäischen Landes wahr.

BÜCHERWUNDERKAMMER Ein weiterer Programmschwerpunkt des Summits war zweifellos der Europäische Autorengipfel, konzipiert und organisiert von der Bertelsmann-Kultursparte in Zusammenarbeit mit dem Blauen Sofa der Sendeanstalten ZDF, 3Sat und Deutschlandfunk. Die Mitglieder von EUNIC Berlin vermittelten einen Großteil der 20 europäische Autoren, die sich am 21. Juni 2018 in der Bertelsmann Repräsentanz zusammenfanden, um über ihre Erfahrungen und ihre Konzepte für Europa zu reden. Der renommierte Brüsseler Autor Jacques De Decker vertrat die Föderation Wallonie-Brüssel und stellte sein kürzlich auf Deutsch erschienenes Buch »Riesenrad« vor, das, inspiriert von Schnitzlers Reigen, Europa im Spiegel Brüssels und der belgische Regionen darstellt.

Eine Bücherspende mit Werken europäischer Kinder- und Jugendautoren konnte das MACHmit! Museum in Berlin zur Gründung seiner internationalen »Bücherwunderkammer« seitens der EUNIC Mitglieder entgegennehmen. Wir waren auch mit von der Partie und wünschen den jungen Lesern viel Spaß dabei, die Autoren aus der Föderation Wallonie-Brüssel zu entdecken! !! www.eunic-berlin.eu !! www.machmitmuseum.de

!! www.das-blaue-sofa.de

GRAPHIC NOVEL DAY Am 8. und 9. September stand die Graphic Novel Kunst im Zentrum des Interesses. Der israelische Komponist und Pianist Itay Dvori vertonte im Auftrag von EUNIC Berlin Auszüge aus

Mitmach Markt © dgcfrw

Autorengipfel © Stefan Maria Rother.

EUROPEAN CULTURAL HERITAGE SUMMIT

gleich vier Werken, darunter auch »Paysage après la bataille«, (Großer Preis Angoulême 2017) der beiden Belgier Philippe de Pierpont und Eric Lambé. Beide standen am folgenden Graphic Novel Day des internationalen Literaturfestivals Berlin Lars von Törne Rede und Antwort zu ihrer Arbeitsweise und zur Anerkennung ihres ungewöhnlichen Bandes. Babelslam Jessy James LaFleur © Andrea Slaba

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EIFEL-OSTBELGIEN ABEND Wirtschaft, Digitalisierung und Tourismus betonte. Minis­ ter­präsident Oliver Paasch berichtete über die Erfahrungen nach einem Jahr neuem Standortmarketing für Ostbelgien. Zu den Klängen der Band »Café au Lait« aus der belgischen Eifel begann der gemütliche Teil mit der Verkostung von kulinarischen Regionalprodukten, den die Teilnehmer nach einem langen Messetag gerne für weiteres Netzwerken nutzten. ­

Café au lait © Agentur Profi Press Reiner Züll

Am 7. März 2018 fand zum Frühlingsauftakt der m ­ ittlerwei­le schon traditionelle Empfang des Ministerpräsidenten von Ostbelgien in Berlin statt, und zwar, wie im Vorjahr, in n ­ eu­em ­Gewand anlässlich der Tourismusbörse ITB und in Partnerschaft mit der deutschen Eifel Tourismus GmbH. Zu einer solchen Gelegenheit gibt es immer viel zu berichten, was die Gastgeber aus der Vertretung des Landes Rheinland-Pfalz beim Bund, die Organisatoren und auch einige Gäste gerne taten. Staatssekretärin Heike Raab, Bevollmächtigte des Landes Rheinland-Pfalz begrüßte die Gäste im Haus, Landrat Wolfgang Spelthahn, der Aufsichtsratsvorsitzende der Eifel Tourismus (ET) GmbH und Staatssekretärin Daniela Schmitt vom Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau des Landes Rheinland-Pfalz berichteten über die verschiedenen touristischen Highlights des Jahres, während Minister Prof. Dr. Andreas Pinkwart vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen den Zusammenhang zwischen

FRANKOPHONIE­

Unter dem Slogan „Nos Francophonies en Fête: 1001 Akzente unter einem Dach“ feierten die Botschaften und Vertretungen der französischsprachigen Länder in Berlin im März wieder die „Fête de la Francophonie“ im Centre français im Wedding. Die Botschaften von Kanada und Benin und die Vertretung der Regierung von Québec hatten den Vorsitz inne und gaben der Veranstaltung einen Anstrich in ihren Farben. Bei freiem Eintritt konnten die Besucher ein familienfreundliches Programm erleben, das mit Workshops für die Kleinsten, Ausstellungen, Musik und Tanz sowie zahlreichen kulinarischen Besonderheiten aufwartete. Eines konnten die Teilnehmer auf jeden Fall deutlich spüren: das Erlernen einer Fremdsprache ist so viel mehr als Vokabeln pauken: man lernt zahlreiche neue Kulturen kennen. !! https://de-de.facebook.com/francophonieberlin

Stand WBI © dgcfrw

Fête de la Francophonie

Auch in München und im Land Brandenburg beging man den Tag der Frankophonie feierlich. In der Bayerischen Landeshauptstadt konnten sich die Gäste an einem Filmabend mit zahlreichen französischsprachigen Filmen erfreuen und in Brandenburg empfingen die Schulen wieder Besuch aus den Botschaften und Vertretungen des Netzwerks, die über ihr Land und die Nutzung der französischen Sprache berichteten. Botschaftsrat Homann war in der Otto-Unverdorben-Oberschule in Dahme/Mark zu Gast und traf auf viele interessierte Schüler.


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Hannover Messe © AWEX

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WIRTSCHAFT HANNOVER MESSE 2018

Mit gut 6500 Ausstellern aus 70 Ländern und rund 200.000 Besuchern war die Hannover Messe auch 2018 für das wallonische Außenhandelsamt AWEX sowie für Wallonie Brüssel International eine wichtige Vitrine. Dass auch die Wallonie hier dabei ist, liegt auf der Hand: steht doch auch diese Region Belgiens für Kreativität und Innovationsförderung. Schon 2016 hatte die wallonische Regionalregierung ihre strategische V­ ision für die Digitalisierung der Wirtschaft in der Wallonie vorgelegt. Bis 2020 will man in diesem Rahmen gut eine halbe Milliarde Euro zur Umsetzung dieser Strategie bereitstellen. Fördermittel für Startups gehören dabei ebenso in die Vision wie Investitionen in Forschung und Innovation. Die Strategie mit dem Namen »Digital Wallonia« passt dabei als Ergänzung in die bereits aufgelegten Pläne und Maßnahmenpakete der Wallonie zum sozio-ökonomischen Strukturwandel in der R­ egion. Mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung für kleine und mittelgroße

Unternehmen, Förderung der Kreislaufwirtschaft – kurzum beste Voraussetzungen für die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Hierzu sind aber auch Sichtbarkeit und Kontakte ein wichtiger Bestandteil der Gesamtstrategie. Da wundert es nicht, dass die Wallonie und ihre ­Unternehmen auch auf der Hannover ­Messe 2018 selbstbewusst und mit Know-How präsent waren. Ob bei Medizintechnik, multimodaler Logistik, Haushaltsgerätetechnik oder bei Agrar- und Nahrungsmittelindustrie – für ihre Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Rahmen sind die Kontakte und Kooperationen zwischen der Wallonie und Deutschland unerlässlich. Be­sonders natürlich in den Bereichen Wissenschaft und ­Technik. So verwundert es auch nicht, dass die Präsenz wallonischer Unternehmen auf der Hannover M ­ esse in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden wird. !! www.hannovermesse.de

TOURISMUS

LÜTTICHS ATMOSPHÄRE DURCHSTRÖMT SEINE ROMANE Georges Simenon gilt als großer Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Der Schöpfer von Kommissar Maigret stammt aus Lüttich. Und die Atmosphäre seiner Geburtsstadt durch­ strömt die meisten von Simenons Romanen. Gerorges Simenon wird offiziell am 12. Februar 1903 in der Rue Léopold 24 in Lüttich geboren. Offiziell, weil er angeblich

am 13. Februar kurz nach Mitternacht geboren wurde. Seine abergläubische Mutter soll das Datum geändert haben. Jeden­ falls erblickt Georges Simenon einen Katzensprung von der Place Saint Lambert entfernt das Licht der Welt. Schon mit zwölf Jahren, als Schüler des Collège Saint-­ Servais in der Rue Saint-Gilles, steht für Georges Simenon


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Liège schrieb. Auch »Maigret und der Spion« und »Die Ver­ brechen meiner Freunde« sind »Lütticher« Werke. Das »Republik Outremeuse« genannte Lütticher Viertel ­gedenkt Georges Simenon am ausführlichsten. Von der Büste des Autors an der Place du Congrès über die heutige Rue ­Ge­orges Simenon bis zur Place de l'Yser, wo die nach ihm benannte Jugendherberge liegt. Hier schaute der kleine Georges seinem Vater jeden zweiten Sonntag bei den Übungen der ­Zivilgarde zu. Während des Kriegsdienstes verschlug es den Milizionär Simenon nicht weit: Er war in der Kaserne am Boulevard de la Constitution stationiert. Und mit seinen Künstlerfreunden traf er sich im »La Caque« in der Impasse de la Houpe nahe dem Maasufer und dem Quai des Tanneurs. Den Uferstraßen folgend, kommt man zum Quai de Gaulle, der zu Simenons Zeit noch Quai des Pêcheurs hieß. Dort lag Simenons Jacht »L'Ostrogoth«. An Bord dieser Jacht soll Simenon seinen ersten Maigret geschrieben haben. Am Ende des Quai de Gaulle überquert man die Passerelle, um Outremeuse zu verlassen. Diese Fußgängerbrücke hat Simenon sicherlich häufig benutzt, ganz wie die Lütticher heute. Der Weg führt nun zur Stiftskirche Saint-Denis, wo die Familie Simenon die »vornehme« Messe um halb elf zu besuchen pflegte. Belgien Tourismus Wallonie

Georges Simenon © Fonds Simenon Liège

Liège Barre Coteaux © O.T. Liège Marc Verpoorten

Bateau Pays de Liège Barre Coteaux © Service Communication de Liège – Gérard Guissard

fest, dass er Romane schreiben will. Den Anfang macht er später als Journalist bei der Gazette de Liège, wo er Kolumnen schreibt. Simenon ist ein enorm produktiver Autor, der es auf zahlreiche Romane, 158 Novellen und mehrere Autobiografien bringt. Außerdem schreibt er zahlreiche Werke unter verschiedenen Pseudonymen. Um die Ecke der Place Saint-Lambert, hinter dem Rathaus (»La Violette«), befindet sich die Statue von Simenon. Er sitzt auf einer Bank, die Pfeife im Mund, und lädt Passanten ein, sich einen Moment zu ihm zu setzen. Ein Stück weiter auf dem Rundgang, an der Place du Marché, steht der Name ­Arnold Maigret auf einer Gedenktafel für die Kriegsteilnehmer 1914-18. Der Pariser Kommissar Maigret (1931) ist zwar die ­berühmteste Figur des Lütticher Schriftstellers und die Romane spielen überall in der Welt – aber Simenon lässt sich in seinem Werk häufig von seiner Geburtsstadt inspirieren. Und Kommissar Maigret selbst hat einige Gemeinsamkeiten mit dem Autor: Er raucht Pfeife, schätzt gutes Essen und ist einem Gläschen im Bistro nie abgeneigt... Überquert man die Maas auf dem Pont des Arches, gelangt man zur Kirche Saint-Pholien in Outremeuse. »Der Gehängte von Saint-Pholien« dürfte eines der bekanntesten Bücher von Georges Simenon sein. Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit von 1922, über die Simenon in der Gazette de

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© Anastasia-Dulgier

KONTAKTADRESSEN IN DEUTSCHLAND | ADRESSES DE CONTACT EN ALLEMAGNE

DIPLOMATISCHE VERTRETUNGEN REPRÉSENTATIONS DIPLOMATIQUES

WIRTSCHAFTS- UND ­H ANDELSATTACHÉS ATTACHÉS ECONOMIQUES ET COMMERCIAUX

Alexander Homann

Leiter der Vertretung von Ostbelgien, der Föderation Wallonie-Brüssel und der Wallonie Délégué général de la Communauté germanophone-Ostbelgien, de la Fédération Wallonie-Bruxelles et de la Wallonie à Berlin c/o Belgische Botschaft Jägerstr. 52-53 10117 Berlin Tel.: +49 (0) 30 206186409 FAX: +49 (0) 30 206186411 delegation-berlin@dgcfrw.de S.E. BARON WILLEM VAN DE VOORDE

Botschafter des Königreichs Belgien Jägerstr. 52/53 10117 Berlin Tel.: +49 (0) 30 206420 FAX: +49 (0) 30 20642200 berlin@diplobel.fed.be

FRANK F. COMPERNOLLE

Handels- und Wirtschaftsrat Brussels Invest & Export / AWEX Belgisches Konsulat Langenhorner Markt 9 22415 Hamburg Tel.: +49 (0) 40 5324202 (42 32) FAX: +49 (0) 40 5324252 hambourg@awex-wallonia.com

ISABELLA PROFETA

Wirtschafts- und Handelsattachée für die Wallonie - AWEX Stolkgasse 25-45 (4.OG) D - 50667 Köln Tel.: +49 (0) 221 254173 (74) FAX: +49 (0) 221 254618 cologne@awex-wallonia.com

BELGIEN TOURISMUS WALLONIE WALLONIE BELGIQUE TOURISME MARC GOULIER

QUENTIN DERZELLE

Wirtschafts- und Handelsattaché der Wirtschaftsvertretung Brussels Invest & Export / AWEX c/o Honorarkonsulat von Belgien Maximilianplatz 12a D - 80333 München Tel.: +49 (0) 89 3898920 FAX: +49 (0) 89 38989220 munich@awex-wallonia.com

Direktor des Belgien-Tourismus ­Wallonie Stolkgasse 25-45 (4.OG) D - 50667 Köln Tel.: +49 (0) 221 277590 FAX: +49 (0) 221 27759100 info@belgien-tourismus.de www.belgien-tourismus.d

MATHIEU QUINTYN

Wissenschaftsreferent c/o Belgisches Honorarkonsulat Maximiliansplatz 12a 80333 München Tel.: +49 (0)89 23709967 m.quintyn@wbi.be

IMPRESSUM TITELBILD PHOTO DE COUVERTURE

Georges Simenon ©Fonds Simenon Liège VERANTWORTLICHER HERAUSGEBER EDITEUR RESPONSABLE

Alexander Homann Vertretung von Ostbelgien, der Föderation Wallonie-Brüssel und der Wallonie

BELGIENZENTRUM PADERBORN CENTRE DE BELGIQUE (BELZ)

REDAKTION RÉDACTION

FRAU PROF. DR. SABINE SCHMITZ

Alexander Homann, ­ Nicole Ackermann, Susanne Debeolles

NIKOLA WINZLER

Büroleiterin Brussels Invest & Export // AWEX Botschaft des Königreichs Belgien Jägerstrasse 52-53 10117 Berlin Tel.: +49 30 20 65 86 406 Fax.: +49 30 20 65 86 430 Mail: berlin@hub.brussels

ATTACHÉ DE LIAISON SCIENIFIQUE

Fakultät für Kulturwissenschaften Institut für Romanistik Universität Paderborn Warburger Straße 100 D - 33098 Paderborn Tel.: +49 (0) 5251 602882 FAX: +49 (0) 5251 603740 sabine.schmitz@upb.de www.kw.uni-paderborn.de/­­ institut-fuer-romanistik

ÜBERSETZUNG TRADUCTION

Dr. Vincent von Wroblewsky http://franc-all.de LAYOUT

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Lettre aus Berlin #11  

Lettre aus Berlin #11 - Vertretung der Deutschsprachigen Gemeinschaft, der Föderation Wallonie-Brüssel und der Wallonie in Berlin

Lettre aus Berlin #11  

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