Three Six O | Ausgabe 9 | Juli 2022 | deutsch

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Zeitung für immersive Kunst | 9. Ausgabe | Juli 2022

Das Bild zum Krieg Juliane Voigt Kunst gegen den Terror Juliane Voigt Die Suche nach Bildern für den Krieg in mir Clemens Tangerding Sinn und Bild. Immersive Kunst jenseits des Spektakels Jeroen Coppens


2 Editorial

Als zum erstenmal das Wort »Friede« ausgesprochen wurde, entstand auf der Börse eine Panik. Sie schrien auf im Schmerz: Wir haben verdient! Lasst uns den Krieg! Wir haben den Krieg verdient! Karl Kraus, 1918


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Liebe Leserinnen, Liebe Leser,

wir haben in der Redaktion darüber nachgedacht, warum

tropole, vielmehr aber von den Opfern in Teilen dieser

wir diese Zeitung machen. Angefangen hatte es vor sechs

Welt, die keiner so genau ansieht, von Menschen ohne

Jahren damit, dass alle Kunstrichtungen immer mehr in

Zukunft, von Kindern ohne Eltern, von Geld, mit denen

immersive Formate vordringen. Ein Bild ist nicht einfach

die Welt zum Guten hätte verändert werden können und

nurmehr ein Bild. In Ausstellungen wird es Teil einer

nicht wurde. Es erzählt von der fragwürdigen Weltmacht

Erzählung mit einem übergeordneten Konzept. Multi-

des Westens und vom jahrhundertedauernden Kolonia-

visuell sind Bilder inzwischen sogar erlebbar, begehbar,

lismus. Und vielleicht reicht die Besuchszeit im Panorama

fast greifbare Realität. Theater-Bühnen beziehen ihr

gerade für die Fakten und Zahlen und Eindrücke, die in

Publikum ein, machen sie zu Mitspielern. Konzerte

der Begleitausstellung mit überdeutlichen Installationen

werden zu überwältigenden Klanginstallationen. Zuneh-

die Dimension der Kriege der vergangenen 20 Jahre seit

mend sollen Zuschauer eintauchen in die Kunstwerke,

dem Tag des Anschlags in New York aufwühlen. Aber wir

in Kunstwelten. Und zunehmend sehnen sich auch die

fanden, dem ist noch Einiges hinzuzufügen.

Menschen nach dem ultimativen entrückten Gesamterlebnis, das Kunst sein kann. Immersion, die immersive,

Für diese Ausgabe der Threesixo haben wir zwei Essay-

hineinziehende, eintauchende Wirkung, tut uns gut. Der

isten und Historiker nach ihrem Blick auf das Panorama

Welt ein wenig abhandenkommen, bevor der nächste

„NEW YORK 9/11“ gefragt. Clemens Tangerding, der

Reiz uns weiterzieht. Diese Seite der Kunst haben wir

sich als Historiker vor allem mit dem Schatten der Nazi-

bisher mit dieser Zeitung beleuchten wollen.

vergangenheit auf unserer heutigen Gesellschaft auseinandersetzt, schreibt in seinem Beitrag „Die Suche nach

Yadegar Asisi hat das Panorama zu seinem künstle-

den Bildern für den Krieg in mir“ über seinen Großvater.

rischen Medium gemacht. Weltweit ist der Berliner

Dessen Name und Schicksal für den Enkel eine über-

Künstler für seine Neuinterpretationen der Riesen-

mächtige Bedeutung bekommen haben und nicht zuletzt

Rundbilder bekannt geworden. Dabei ist ein Panora-

eine wirkmächtige. Denn Krieg verändert nicht nur die,

mabild für ihn immernoch vor allem ein Bild. Aber die

die daran beteiligt sind, sondern auch die nachfolgenden

Aussagen, die der Konzeptkünstler mit ihnen treffen will,

Generationen. Der Autor macht ein Seelenbild auf, das

sind weitaus komplexer. Deshalb rücken wir mit verschie-

auf den 1. Weltkrieg mit ihm als dessen Erben zurück-

denen Ausgaben unsrer Zeitung aktuelle Panorama-

weist. Jeroen Coppens lehrt Geschichte an der Univer-

Installationen von Yadegar Asisi in den Fokus. Threesixo

sität Gent in Belgien. Er untersucht, ob das Panorama,

heißt 3 6 0 und beschreibt einen geometrischen Kreis.

das im 19. Jahrhundert aufgrund seiner spektakulären

Und der Mensch in seiner Beschränkung ist wenigs-

Darstellungsform von Schlachten und Kriegen so enorm

tens in den riesigen Panoramen von Yadegar Asisi so

populär wurde, das bewundernde Staunen überwinden

manches Mal in dessen Mitte geworfen.

und zu einer politischen Stellungnahme werden kann.

Ja, ich muss an dieser Stelle so philosophisch werden.

Und wir reden mit dem Künstler Yadegar Asisi über die

Gerade bei dem neuesten Asisi-Panorama „NEW YORK

Hintergründe für sein „NEW YORK 9/11“-Panorama.

9/11“ im Panometer Leipzig ist es nicht ganz einfach, als

Darüber, dass vielleicht alle seine Panoramen bisher

Besucher Haltung zu bewahren. Der Augenblick, bevor

politische Statements waren. Einer, der die weltgrößten

in New York Flugzeuge in die Twin Tower des World Trade

narrativen Bilder erschafft, um uns alle aus dem Staunen

Center fliegen, macht uns zu einem der Normalität blind

heraus zum Nachdenken, Vorausdenken, Überunsweit-

vertrauenden Touristen. Dass es anders kam, wissen wir.

hinausdenken zu bewegen. Ich kann Ihnen versprechen:

Aber das Bild ist – so überdeutlich und höchst realistisch

Immersiver kann kaum etwas sein.

es auch sein mag – ausgesprochen abstrakt. Denn es erzählt nicht von einem transatlantischen Septembermorgen. Sondern vom Krieg. Von einem zerstörten Weltteil, von Toten mitten in einer geschockten Weltme-

Ihre Juliane Voigt


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Das Bild zum Krieg Für Yadegar Asisi ist das Panorama „NEW YORK 9/11“ das vierte Antikriegsprojekt. Nach dem bombardierten Dresden, der Leipziger Völkerschlacht und Berlin während des kalten Krieges ist es nun das Panorama vom Anschlag auf das World Trade Center in New York, mit dem er sich künstlerisch auseinandergesetzt hat. Bisher waren es also kollektive Erinnerungen der Deutschen. Mit 9/11 verarbeitet er ein Weltereignis und seine Folgen. Ein Interview.

Nach mehr als 20 Jahren machen Sie daraus das größte Kunstwerk, das es dazu überhaupt geben kann, ein Panoramabild, dessen Dimensionen Besuchern des Leipziger Panometers durch viele ihrer vorherigen Panoramen bekannt ist. Auf knapp 3500 Quadratmetern zeigen Sie aber genau: Nichts. New York an einem friedlichen Morgen. Menschen kommen aus der Kirche, gehen zur Arbeit, Touristen sind unterwegs. Im Hintergrund hört man die für New York typischen Geräusche, alles geht seinen Gang, sozusagen. Es sollen die letzten fünf Minuten vor der Katastrophe sein, die man noch einmal erleben kann.

YA

Ja, für alle, die in dem Bild stehen, ist klar, was gleich passieren wird. Für einen bilden-

den Künstler ist die visuelle Überreizung, die diese ikonografischen Bilder in uns allen ausgelöst hat, unzeigbar. Es gab für mich niemals eine Option, die explodierenden Wolkenkratzer zu zeigen. Die Menschen, die in dem Panorama stehen, erleben noch einmal den letzten Moment Normalität einer alten Welt, einer anderen Zeit, so kommt es uns jedenfalls heute vor. Mit dem Wissen, was gleich geschehen wird, ist das schwer auszuhalten. In der Installation kippt die Situation dann aus dem friedlichen Morgen schlagartig in eine sprichwörtlich biblische Finsternis. Mit speziellem Licht habe ich den Moment so inszeniert, dass dem Bild komplett die Farbe entzogen wird. Das gibt dem

Wo waren Sie am 11. September 2001?

YA

Geschehen einen kalten Grauschleier. Mehr wollte ich nicht an Schrecken provozieren. Ich habe in diesem Fall auch auf

Ich war auf Rügen. Und gerade dabei, mit mei-

Musik verzichtet, die in allen meinen Panoramen eine große

nem damals fünfjährigen Sohn, ein Baumhaus

Rolle spielt, immer eine spezielle Klangcollage des Londo-

zu bauen. Jeder erinnert sich an den Moment. Alles wurde

ner Komponisten und Sounddesigners Eric Babak. Auch

unwichtig. Als seien wir alle ein Teil von dem, was da gerade

für dieses Bild hat er den akustischen Part der Installation

in New York geschah. Mit Freunden saßen wir bis in die

komponiert. Aber eben als den hektischen aber unaufge-

Nacht vor einem kleinen Fernsehapparat, weit weg in der

regten Straßensound von New York. Ich will ja Niemanden

ländlichen Idylle. In Sicherheit. Mir ging es wie fast allen

verführen oder etwas extra inszenieren. Ich will mit diesem

Menschen, ich war bestürzt und traurig. Und ja, natürlich

Panorama ein Gefühl vermitteln, die Besucher einladen auf

irrational erleichtert, zu wissen, dass die mir wichtigen Men-

eine Zeitreise. Ihre eigene. Dafür müssen sie sich ein biss-

schen nicht gerade in irgendeinem Flugzeug sitzen. Aber

chen darauf einlassen. Es ist eine Art Spiel, ein Eintauchen

das Phänomen kennen ja alle, alle Menschen können sich

in diese Geschichte, denn ich arbeite auch mit der Überla-

daran erinnern, wo sie waren, was sie gemacht haben, als

gerung durch die Bilder, die sowieso alle im Kopf haben.

sie die Bilder von den brennenden Zwillingstürmen zum ers-

Und so lassen sich die vergangenen 20 Jahre noch ein-

ten Mal sahen. Jeder kann dazu seine eigene Geschichte

mal durchleben. Bis zu dem Moment im Schnelldurchlauf

erzählen. Es war einschneidend.

zurück auf Anfang.


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Ihre Ausstellung zeigt mit vielen überdeutlichen und eindringlichen Installationen und Textwänden, was den

Das Interview führte Juliane Voigt

Anschlägen folgte. Der so genannte „Krieg gegen den Terror“, den der amerikanische Präsident George W. Bush nach dem Anschlag ausgerufen hatte. Sie zeichnen diesen seit 20 Jahren andauernden Krieg und die katastrophalen Folgen als eine Art Parcour durch die Geschichte nach. Ausgangspunkt ist die Gegenwart.

YA

Ja, gleich in der ersten Installation haben wir versucht, das Geld zu visualisieren, was bis heute

in die Kriege gegen Afghanistan, den Irak und sämtliche sogenannte Stellvertreterkriege geflossen ist. Amerikas „war on terror“ als Reaktion auf die Attentate. Ausgehend von einem kleinen goldenen Würfel, ragen zwei goldene Türme in die Höhe. Am Ende symbolisieren die nur ein knappes Zehntel der 6 Billionen Dollar, die für Waffen, Munition, Kriegsführung, Folterlager etc. geflossen sind. Es ist uto-

Das Panoramabild lässt sich diesmal nicht von oben

pisch, sich 6 Billionen Dollar überhaupt vorstellen zu kön-

betrachten. Sie haben die oberen Etagen des Besu-

nen, aber wir haben es zumindest ansatzweise haptisch,

cherturms in die Bildbetrachtung nicht einbezogen.

sinnlich, greifbar machen wollen. Wenn man sich vorstellt, was 6 Billionen Dollar sind, wenn man sich vorstellt, die zur Verfügung zu haben, welche Probleme dieser Welt hätten damit schon längst gelöst sein können? Das zu zeigen,

YA

Der Besucherturm steht als integrierter Bestandteil wie ein Metallgerippe in der Mitte der Rotunde

und suggeriert auch etwas nach oben Strebendes, viel-

war mir sehr wichtig. Jede Minute sind seit Kriegsbeginn

leicht das Gerüst eines Wolkenkratzers. Panoramen haben

500 000, also eine halbe Million Dollar, in den Krieg geflos-

ja ihre eigenen Gesetze. Wenn man sie von einem ande-

sen. 20 Jahre lang. Das ist absolut unvorstellbar. Bei sowas

ren Punkt, als dem, den ich zuerst einmal mit Bleistift und

sagt man leichthin: Das muss man sich mal vorstellen. Aber

Papier konstruiere, betrachtet, gerät die Perspektive ins

genau das ist unmöglich. Das hat mich sprachlos gemacht.

Wanken. Die Blickachsen verschieben sich. Die Illusion, für den Moment wirklich an dem Ort zu sein, löst sich auf.

Es gibt aber noch weitere große Installationen in der Aus-

Bei diesem Bild habe ich ausdrücklich die Fußgängerper-

stellung. Darin geht es um die Macht der Medien, um die

spektive gewählt. Die, die jeder an jedem Tag mit Blick auf

Macht der Worte, die Macht der Bilder, um die Komfortzone

die Zwillingstürme gehabt hatte. Der zentrale Punkt ist der

der westlichen Welt, um neue Mauern auf der Welt, mit

kleine Friedhof neben der St. Pauls Chapel, die älteste Kir-

denen Fliehenden die Rettungswege versperrt werden. Und

che von Manhattan, der älteste Friedhof von Manhatten.

um Einzelschicksale. Nur wenigen von Hunderttausenden,

Obwohl die Kirche so nah an der Einsturzstelle stand, hatte

konnten wir in Videoinstallationen einen Namen und eine

sie bei den Anschlägen 2001 nichts abbekommen, keine

Stimme geben. Die Besucher laufen währenddessen über

einzige Fensterscheibe war kaputtgegangen. Es war der

eine Millionen Striche, die wir symbolisch für die namenlo-

Ort, an dem die Rettungskräfte dann wochenlang versorgt

sen Opfer der Kriege auf den Boden gemalt haben. Es war

wurden und sich zurückziehen konnten. Als mich im Jahr

eine mühsame, meditative Arbeit, diese Striche zu ziehen.

2002 der Architekt Daniel Libeskind fragte, ob ich für ihn

Und es gehört zum Konzept, dass die Besucher im Zweifel

ein Panorama seines Entwurfs zur Neubebauung des World

auch achtlos darüber hinweg gehen, im Wortsinn. Auch die

Trade Center Plaza in New York aufstellen würde, habe ich

knapp 3000 Opfer der Anschläge in New York sind aufge-

mich natürlich mit dem Areal beschäftigt. Auch vor Ort. Ich

führt, namentlich. Das sind sie natürlich auch in New York

weiß noch, dass mir an diesem Friedhof damals klar wurde,

an dem „National September 11 Memorial“, das inzwischen

dass ich noch einmal ein eigenes Panorama dazu machen

auf dem Areal des früheren World Trade Center als Gedenk-

würde. Bald darauf habe ich in Leipzig dann auch wirklich

ort eingerichtet wurde. Aber mich hat schockiert, dass an

mein erstes Panorama eröffnet. Das war nicht New York,

der Stelle nirgendwo darauf hingewiesen wird, dass in ihrem

sondern auch ein Vertikal-Superlativ, der Mount Everest. Ich

Namen so viele Menschen getötet wurden. Ich bezweifle,

brauchte die Zeit bis heute, um meine eigene künstlerische

dass sie das gewollt hätten.

Sprache zu diesem Thema zu finden.


6 Das Bild zum Krieg


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8 Das Bild zum Krieg

Ihr Panorama suggeriert mit dem Bildinhalt Sensation. Aha, da geht es also um diese Wolkenkratzer, um das Attentat. Aber wenn man genau hinsieht, geht es um etwas ganz Leises, Anrührendes. Auch die SoundinIn der Ausstellung erwähnen Sie auch Ihre eigene

stallation ist zurückhaltend, als wollten Sie ausdrück-

Geschichte. Sie sind 1955 in Wien auf die Welt gekom-

lich nicht auf Show setzen.

men, als Ihre Mutter mit Ihren fünf Geschwistern gerade

YA

noch aus dem Iran fliehen konnte. Ihr Vater wurde vom Schah-Regime in einem öffentlichen Schauprozess als Mitglied einer kommunistischen Bewegung hingerichtet. Was hat das für Sie mit 9/11 zu tun?

YA

Mich hat hier nur das Gefühl der Demut geleitet. Ich will keine Antworten geben. Aber es ist

meine Art, Anklage zu erheben. Ich weiß, wie der Rest der Welt, dass diese Kriege vollkommen sinnlos waren. Dass ganze Regionen ausgelöscht wurden, weil ein oder zwei

Es gehört eine lange Vorgeschichte, unter

Terroristen in der Nähe vermutet wurden. So viele unbetei-

anderem die im Iran, mit zu den Ursachen,

ligte Menschen stehen vor dem sprichwörtlichen Nichts,

die das Attentat begünstigten. Nach Öffnung von Akten

es gibt unzählige menschliche Tragödien, Zerstörung und

konnte inzwischen nachgewiesen werden, dass der ameri-

Trauer, eine unzumutbare Gegenwart, die den nächsten

kanische und der britische Geheimdienst 1953 eine demo-

Generationen aufgebürdet wird. Die Demütigungen und die

kratische Entwicklung im Iran verhindert haben. Wie in

Gewalt, die den Menschen in diesen Ländern überhaupt

einigen anderen Ländern der orientalischen Welt damals

keine Perspektive mehr gibt, nach 20 Jahren Krieg mit dem

auch. Aber mit dem Iran hatte es angefangen. Das war ein

Leben irgendetwas anfangen zu können, schüren Hass und

Putsch mit einfachsten Mitteln. Der Geheimdienst hat ein-

Rache und spielen den Terrororganisationen in die Hände.

fach Leute bezahlt, die durch die Straßen marodierten, für

Die Saat für die nächsten Anschläge und noch viel perfidere

Aufruhr und Chaos sorgten, Demonstrationen gegen links-

Terrorzellen. Das Panorama ist mein Antikriegs-Mahnmal.

liberale Strömungen anzettelten. Das hat schon gereicht.

Egal gegen welchen Krieg. Denn, was ist die Antwort auf

Die Einmischung der USA in die Belange anderer Staaten

Gewalt? Im Falle 9/11 und den Folgen passierte etwas, was

hat bis heute nicht aufgehört. Meistens, wie im Iran, ging

auf einmal so global war, dass wir in dieser Globalität fast

es um Macht und billiges Öl. Und natürlich um die Einfluss-

nicht denken können. Wir merken auf einmal, was passieren

nahme gegen den drohenden Weltkommunismus. Auch

kann in unserer eigenen Lebenszeit. Uns wird vielleicht so

Terrororganisationen wie nicht zuletzt Al-Qaida waren

deutlich, in was für einem fragilen System wir agieren. Jede

Manipulationen der USA. Und eben die antidemokrati-

falsche Entscheidung produziert das Vielfache an Proble-

schen Kräfte im Iran. Was auch dazu führte, dass ab 1977

men und Reaktionen. Es ist nicht nur New York, aber da

dann einer islamischen Diktatur der Weg geebnet wurde,

New York so eine Strahlkraft hat, soll das für jeden mit die-

die dieses schöne Land zerreißt. Aus heutiger Sicht hatte

sem Bild auch als Synonym für die Zukunft präsent werden.

ich ein riesiges Glück, ich bin dann in der DDR aufgewachsen und inzwischen lebt hier schon die vierte Generation

Viele Freunde haben versucht, mir dieses Projekt auszu-

meiner Familie. Aber meinen Vater habe ich deshalb nie

reden, aber ich glaube, jede Generation hat ihre eigene

kennengelernt und meine Mutter, die schließlich wieder im

Aufgabe. Die Generation meiner Eltern musste versuchen,

Iran gelebt hat, musste mit einem schwer zu bewältigen-

zu überleben. Meine Aufgabe war es, mit meinen Mitteln,

den Bruch in ihrer Lebensbiografie zurechtkommen. Das

als Künstler, gegen den Krieg eine Stimme zu finden. Es

ist etwas, was ich auch unbedingt würdigen will mit dieser

ist mein viertes Anti-Kriegs-Panorama, und vielleicht nicht

Arbeit. Meine Eltern.

das Letzte.


Foto: Tom Schulze © asisi

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Autorin: Juliane Voigt

© Gerhard Richter 2022 (0149)

Kunst gegen den Terror

Kunst kann der Welt Dinge mitteilen, die sonst unsagbar sind. Wolodomyr Selenskyj zur Biennale Venedig 2022


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Am 4. April 1973 eröffnete in New York das World Trade

Einfluss des weltweiten medialen Bilder-Bombardements -

Center. Mit 415 und 417 Meter waren die Türme damals die

einige Tage später als das größte Kunstwerk der Welt über-

höchsten Gebäude auf der Insel der Wolkenkratzer Man-

haupt. Diese Äußerung fanden viele Zeitgenossen ausge-

hattan. Entworfen hatte sie der japanische Architekt Minoru

sprochen geschmacklos. Bis zu seinem Tod 2007 sollte

Yamasaki, ein Mann, der, nebenbei gesagt, unter Höhen-

sich Stockhausen von der Schelte, die er dafür einstecken

angst litt. Es war ein netzartiges Gerüst ohne Mauerwerk

musste, nicht mehr erholen. Stockhausen war ein Pionier der

oder tragenden Pfeilern. Die New Yorker mochten sie nicht

elektronischen seriellen Musik. Seine Kompositionen waren

besonders, die später weltberühmten Zwillingstürme. Am

so verrückt, dass die Aufführungen Tage beanspruchten,

11. September 2001 brachen sie nach den schwersten

und unendlich viele Instrumentalisten erschöpfte, er kom-

terroristischen Attentaten, die die Welt je gesehen hatte,

ponierte mit „Licht“ die umfangreichste Oper der Welt. Er

zusammen. Es war eine gezielte Attacke auf den amerikani-

war vielleicht auch ein wenig größenwahnsinnig und des-

schen Weltkapitalismus. Knapp 3000 Menschen kostete sie

halb davon auch so beeindruckt von dem Größenwahn der

das kostbare Leben. Und dem Rest der Welt die gefühlte

Attentäter. Inzwischen verstehen viele seine Äußerung, wie

Sicherheit über den Lauf der Dinge. Die Angst hat die west-

er sie auch gemeint hatte. Eben nicht als ein Entzücken,

lichen Gesellschaften seither bis heute im Griff, die damit

sondern als Metapher, als Übersetzung. Hier der genaue

auch ihre Freiheiten eingebüßt haben. Auch das war 9/11.

Wortlaut des Interviews vom 16. September 2001, bei der Pressekonferenz des Hamburger Musikfestes.

Bildende Künstler reagierten erst einmal kaum auf das, was damals in New York geschehen ist. Die realen Bilder waren

„Dass also Geister in einem Akt etwas vollbringen, was wir

einfach zu stark, um künstlerisch dagegen anzukommen.

in der Musik nie träumen könnten, dass Leute zehn Jahre

Der belgische Maler Luc Tuymans präsentierte bei der

üben wie verrückt, total fanatisch, für ein Konzert. Und dann

Dokumenta 11 ein Jahr nach der Katastrophe ein in sei-

sterben. [Zögert.] Und das ist das größte Kunstwerk, das es

ner Dimension gigantisches Wandbild. Das Stillleben zeigt

überhaupt gibt für den ganzen Kosmos. Stellen Sie sich das

schlicht einen Glaskrug und verschiedene Früchte. Es wirkt

doch vor, was da passiert ist. Das sind also Leute, die sind

wie die Projektion eines alten Dias. Angelehnt an ein in sei-

so konzentriert auf dieses eine, auf die eine Aufführung, und

ner Erinnerung verblichenes Cézanne-Gemälde. Tuymans

dann werden fünftausend Leute in die Auferstehung gejagt.

selbst bezeichnete das Wandbild als die Negation eines Bil-

In einem Moment. Das könnte ich nicht. Dagegen sind wir

des, das Verstummen kurz vor der Selbstauslöschung. Tuy-

gar nichts, also als Komponisten. … Ein Verbrechen ist es

mans gehört zu den wenigen politischen Malern und gilt als

deshalb, weil die Menschen nicht einverstanden waren. Die

Spezialist für die Darstellung von Traumata. Alle Welt erwar-

sind nicht in das Konzert gekommen. Das ist klar. Und es

tete von ihm einen Kommentar zu den Anschlägen in New

hat ihnen niemand angekündigt, ihr könntet dabei draufge-

York. Was er zeigte, war ein Andachtsbild. Es sollte, konterte

hen.“

der Künstler, ein Gegenbild sein, mit der er die Banalität bis an einen überlebensgroßen, unmöglichen Punkt zu treiben

Stockhausen wusste schon in dem Moment, dass er sich

gedachte.

vergaloppiert hatte. Aber er lieferte auch den Grund dafür, warum es nicht viele künstlerische Auseinandersetzungen

Gerhard Richter saß am 11. September 2001 im Flugzeug

mit dem Thema gibt. Man hielt sich eben lieber zurück, als

nach New York, auf dem Weg zu seinem dortigen Galeris-

falsch verstanden zu werden, oder richtig, was auf das Glei-

ten. Er war einer von tausenden Reisenden, deren Flug am

che hinauslief.

11. September 2001 umgeleitet wurde. Statt in New York, landete der international bekannte deutsche Maler in der

Auch der britische Maler und Konzeptkünstler Damian

kanadischen Provinz. 2005 malte er schließlich, was an

Hirst bezeichnete das Attentat an sich als ein Kunstwerk.

diesem Tag in Dauerschleife über die Fernsehbildschirme

„Die Sache mit 9/11 ist, dass es eine Art Kunstwerk für

gelaufen war. „September“ heißt das Gemälde, in dem

sich ist. Es war böse, aber es wurde auf diese Weise kon-

antidramatischen Format von 52 x 72 cm. Der Meister der

zipiert, um diese Art von Wirkung zu erzielen. Es war ein

fotorealistischen Malerei verwischte nach Fertigstellung die

visuelles Kunstwerk.“ Er glaube, dass die Terroristen, die

Farbe mit martialischer Geste. Er hatte lange überlegt, ob

für die Anschläge vom 11. September verantwortlich sind,

er es überhaupt zeigen und nicht lieber vernichten sollte,

„beglückwünscht werden müssen“, weil sie auf künstle-

als konzeptionellen Akt sozusagen, adäquat zu den Gebäu-

rischer Ebene „etwas erreicht haben, was niemand je für

den. Er hielt es für zu leicht verständlich. Die ganze Sache

möglich gehalten hätte.“* Er sagte aber auch, dass jede

an sich für „nicht malbar“. Schließlich fand er sich damit ab,

Militäraktion, um weitere Terroranschläge zu verhindern, ein

dass es als „Historienbild“ auf den Kunstmarkt gelangte.

Fehler sei. Und der sicherste Weg, dass es wieder passiert. Auf eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema

Allen Künstlern war natürlich klar, wie sehr das Drama am

verzichtete er.

11. September 2001 von den Verursachern als Medienspektakel inszeniert worden war. Der Komponist Karlheinz Stockhausen bezeichnete es – offensichtlich noch unter dem

*(Quelle: The Guardian, 11. September 2002)


12 Kunst gegen den Terror

Literarisch hat sich eine Reihe von Schriftstellern und Schrift-

abheben wollten von den übermächtigen Bildern, mit denen

stellerinnen aus einer Distanz von mehreren Jahren mit dem

die amerikanischen Medien ihren „Krieg gegen den Terror“

bis heute nicht zu bewältigenden amerikanischen Trauma

anheizten.

beschäftigt. Dazu gehören die Amerikaner Don de Lillo,

Eindrücklich steht die Kugelkaryatide von Fritz Koenig heute

Siri Hustved, David Foster Wallace, Jonathan Safran Foer

in dem Park neben dem Denkmal am Ground Zero, den

oder John Updike. Auch in Deutschland kam das Ereig-

beiden großen quadratischen Becken mit den Grundris-

nis in der Literatur vor, mehr beiläufig, als Tag X, der die

sen der Wolkenkratzer, in die jetzt das Wasser hinabströmt.

Leben streifte, Richtungswechsel wie die leichte Berührung

„The Sphere“, wie die Amerikaner die Kugel nennen, ist das

durch eine Billardkugel. Auch Medienkünstler, Theaterma-

wohl bekannteste Werk des deutschen Bildhauers. Es war

cher, Musiker und Musikerinnen reagierten. Viele Spielfilme,

die vermutlich größte Bronzeplastik der Neuzeit, eine Auf-

Netflix-Serien, Dokumentationen haben ihre Sicht auf den

tragsarbeit für einen Brunnen zwischen den damals gerade

Tag und die Folgen erzählt. Gleich nach dem schrecklichen

in den Himmel wachsenden Zwillingstürmen. Als einziges

Ereignis haben elf Regisseure sich für den Film „Septem-

erhaltenes Kunstwerk wurde es aus den Trümmern gebor-

ber 11“ getroffen. Elf Minuten lang hat jeder von ihnen darin

gen. Beschädigt aber weitestgehend intakt. Es gilt als das

seinen eigenen kleinen 9/11-Film gezeigt. Es ist ein großer

bedeutendste Mahnmal des 9/11-Gedenkens. Eine zer-

und zusammenhängender 9/11-Film, mit denen sie sich

beulte Weltkugel.


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Bild links: The Sphere in WTC courtyard (1998) Photo: Imagyst Bild mittig: New York, NY, September 21, 2001 – Rescue crews work to clear debris from the site of the World Trade Center Photo: Michael Rieger/ FEMA News Poto Bild rechts: The sphere that survived (2018) Photo: Diegonzalezochoa


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Die Suche nach Bildern für den Krieg in mir Es gibt genau eine Begebenheit über meinen Großvater im

Die Spuren der Gewalt bei uns und in so vielen anderen

Krieg. Mein Vater hat sie mir erzählt, denn meinen Groß-

Familien lassen sich nur mit Metaphern beschreiben. Viel-

vater selbst habe ich nicht mehr kennengelernt. Die Bege-

leicht ließe sich die Verdrängung des Kriegs in unseren

benheit ist sehr kurz. Sie besteht nur aus einem Satz: Opa

Familiensystemen vergleichen mit einem feinen Riss in einer

Richard wurde 1917 in Belgien verschüttet. Seit ich diesen

maroden Wasserleitung. Seit dem Tag, an dem der Riss

Satz als Kind gehört habe, beschäftigt er mich. Als kleiner

entstanden ist, fließt Wasser in das alte Mauerwerk: Tag

Junge habe ich mir vorgestellt, dass er von Sand umgeben

für Tag und Jahrzehnt um Jahrzehnt. Das Leck ist zu klein,

war und dass ständig Sand in seinen Mund gerieselt sein

um in den Innenräumen sichtbar zu sein. Aber es ist groß

muss, als er atmete. Als ich etwas älter wurde, anfing zu

genug, um die Wände aufzuweichen. Wir im Haus ahnen,

schwimmen und zu tauchen, habe ich Opa Richards Angst

dass wir die Mauern prüfen sollten, aber wir fürchten uns

gespürt, keine Luft mehr zu bekommen. Als ich ein junger

vor den Kosten. Was, wenn wir das Haus womöglich abrei-

Mann war, habe ich mich vor allem für die psychischen Fol-

ßen müssen? Also fließt das Wasser weiter, unsichtbar und

gen seines Kriegseinsatzes interessiert. Opa Richard hatte

unaufhaltsam.

vor vielem Angst, so erzählt es mein Vater. Wenn mein Vater sich mit ihm streiten wollte, hat er sich zurückgezogen. Als

Die gebräuchlichsten Metaphern des Krieges stammen aus

ich ein junger Mann war, erlebte ich genau dasselbe mit

dem Bereich der Technik. Eine Gesellschaft zerreißt durch

meinem Vater. Er hat den Rückzug von seinem Vater selbst

den Krieg, ein Land wird gespalten, eine Zivilisation zer-

übernommen. Bis heute stehe ich manchmal verzweifelt da,

bricht. Der Krieg, so möchten uns die Begriffe vermitteln,

wenn er die Tür mal wieder verschlossen hat, weil ich ihm zu

konfrontiert uns mit einer radikalen Veränderung. Aber wir

laut und zu wütend bin. Heute, in der Mitte meines Lebens,

können sie sehen. Wie im inzwischen nicht mehr gebräuch-

denke ich an Opa Richard nicht mehr als Verschütteten,

lichen Bild der „Stunde Null“ als Sinnbild für das Ende des

sondern als Soldaten mit Waffe in der Hand. Aus dem Opfer

Zweiten Weltkriegs legt der Begriff der Zeitenwende als

wurde ein Verantwortlicher.

Metapher für den Beginn des Ukraine-Krieges nahe, dass wir das Davor und das Danach genau definieren können.

Mit all diesen Gedanken und Gefühlen bin ich und sind

Natürlich wollen die Autoren der Zeitenwende auch davon

meine drei Geschwister immer allein gewesen. Meine Eltern

profitieren, dass wir Deutsche „die Wende“ als eine posi-

und meine Großmutter haben die Folgen der Gewalterfah-

tive Erfahrung abgespeichert haben. Die Dauerhaftigkeit

rung von Opa Richard nie angesprochen. In den ersten

des Leids, die über Generationen anhaltende Unfähigkeit,

100  Jahren nach dem Kriegseinsatz von Opa Richard ist

die Gewalterfahrungen zu bewältigen, die ungewollte und

es uns noch nicht gelungen, die psychischen Folgen des

unweigerliche Übertragung von Angst und Verdrängung auf

Krieges in unserer Familie zu verstehen.

die Kinder: All das ignorieren diese Metaphern.


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Autor: Clemens Tangerding

Die Spuren des Krieges in meiner Familie sind schwer in Worte zu fassen. Die Metaphern, die wir für den Krieg verwenden, stammen fast ausnahmslos aus der Technik. Warum nutzen wir so selten

„The Eleventh Hour Final“ | Rauminstallation, mixed media (1968) von Edward Kienholz (1927 – 1994) © bpk | Hamburger Kunsthalle | Elke Walford | Dirk Dunkelberg

Kunst, um über Krieg zu sprechen?


16 Die Suche nach Bildern für den Krieg in mir

Die Technik ist und bleibt der Lebensbereich, der schwer

Drücken diese Arbeiten tatsächlich auch die Spuren des

zu fassende Begebenheiten und Verläufe beschreibbar

Tötens und getötet Werdens unserer Großväter im Krieg

machen soll. Die Aufgabe von Metaphern ist ja nicht in erster

und in uns allen aus? Die künstlerischen Positionen, die uns

Linie die bildliche Darstellung von Prozessen, sondern ihre

nur als Rezipienten des Kriegs in den Medien darstellen,

Verharmlosung. Selbst das eine nichttechnische Bild des

suggerieren, dass der Krieg außerhalb unserer Person liegt.

Ukrainekriegs, das derzeit oft bemüht wird, trägt technische

Der Krieg wird ins Wohnzimmer getragen, doch er ist kein

Züge. Die Ukraine nach dem 24. Februar wird in Kommen-

Teil von uns. Die Angst meines Großvaters aber steckte fest

taren oft verglichen mit einer vergewaltigten Frau. Wie eine

in ihm, sie suchte ihn heim. Er hat seine Ängste weiterge-

Vergewaltigte sich gegen ihren Peiniger zur Wehr setzen

ben müssen an seine Kinder. Mein Vater tat das, was sehn-

darf, muss sich die Ukraine gegen Russland verteidigen

süchtige Söhne von abwesenden Vätern nun einmal taten:

dürfen. Doch mit dieser Allegorie wird, nun kommt wieder

Von dem wenigen, was sie kriegen konnten, haben sie alles

die Technik ins Spiel, die Notwendigkeit von Waffenliefe-

genommen. Selbst wenn es Verdrängung und Rückzug

rungen begründet. Das Bild der Vergewaltigten steht sinn-

war. Er ist eingeschlossen in das Erbe seines Vaters, es

bildlich für die Notwendigkeit einer militärisch-technischen

nimmt ihn ein. In der Kunst gibt es nur wenige Beispiele, die

Reaktion auf die Gewalt und eben nicht für die lebenslange

diesen Zustand des umhüllt seins versinnbildlichen würden.

Traumatisierung, die eine Vergewaltigung nach sich ziehen

Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin

kann.

ist ein wirkungsvolles Gegenbeispiel. Hier verlieren wir den Überblick, hier sind wir von etwas Großem, Dunklen einge-

So stark wir die Technik als Quelle unseres Verständnisses

schlossen. Hier steigen wir hinab in die Geschichte unserer

vom Krieg bemühen, so wenig nutzen wir die Kunst, um uns

Verdrängungen.

den Krieg vorzustellen. Dabei könnte sie uns wie kein anderer Bereich des menschlichen Tuns helfen, den Umgang mit

Es existieren zwar künstlerische Darstellungen des Krieges

entgrenzter Gewalt in der Welt und in uns zu beschreiben.

in nahezu jeder deutschen Gemeinde. In jedem noch so

Hat jemals ein Politiker oder Journalist seit dem 24. Februar

kleinen Dorf steht ein Kriegerdenkmal. Doch all diese Denk-

die Installationen von Edward Kienholz erwähnt? Kienholz

male enthalten nicht ein einziges Symbol, nicht ein Element,

stellte 1968 in seiner Arbeit „The eleventh hour final” von

das abbildet, was unsere Großväter im Krieg erfahren und

1968 einen Grabstein in ein Wohnzimmer und setzte einen

wie sich ihre Erfahrungen in unsere Familien gedrängt

goldenen Fernseher in den Stein. Der Bildschirm zeigt die

haben. Auf einem Kriegerdenkmal regt sich überhaupt

wöchentlichen Todeszahlen aus Vietnam: „American Dead:

nichts. Es bewegt sich nicht, und es bewegt niemanden

217“, „Enemy Dead: 435“. Dem Fernseh-Grabstein gegen-

mehr. Was geschehen ist, ist in Stein gemeißelt.

über steht ein Sofa. Auf dem Couchtisch steht ein Aschenbecher neben einem Blumengesteck. Yadegar Asisi hat

Kriegerdenkmale sind nicht von ungefähr gestaltet wie

diese Arbeit in einer Installation im neuen Panorama „NEW

Altarräume in Kirchen. Der Altar ist auf die Gemeinde aus-

YORK 9/11“ zitiert. Nur ist bei ihm das gesamte Wohnzim-

gerichtet, aber die Gläubigen betreten den Raum nicht.

mer in steinernes Grau getaucht. Und hinter dem Bildschirm

Auch das Kriegerdenkmal ist so angelegt, dass die Men-

flimmern riesenhafte Bilder vom Krieg in den Raum. Im

schen davor stehen bleiben und nicht durch das Betreten

Ausstellungsraum laufen die Besucher über Kreidestriche.

des Raumes ein Teil von ihm werden können. Der Altar ist

Jeder Strich steht für ein namenloses Opfer der Kriege nach

erhöht, und nur der Priester steigt die Stufen empor. Auch

dem 11. September. Aus der gestrichelten Fläche ragen

Kriegerdenkmale stehen meist auf einem Sockel. So wie die

einzelne schlanke Quader empor. Sie stehen vereinzelt da

Figuren der Gottesmutter, der Apostel, der Kirchenväter in

und sind kaum beleuchtet. Nur wenn der Besucher direkt

den Kirchen als Figuren vom Altar herabschauen, so blickt

davorsteht, erkennt er den Text und die Fotos. Sie erzäh-

der stehende oder knieende Soldat auf die Dorfbewohner

len die Geschichte eines einzelnen Opfers. Die vorgestellte

herab. Indem wir aber den Altären in unseren Kirchen die

Person kann sich nicht bewegen, nicht entfalten. Die Indivi-

Heiligkeit absprechen, wirkt auch die nachgestellte Sakrali-

dualität der Biografien wird eingehegt durch die Gleichför-

tät von Kriegerdenkmalen nicht mehr auf uns.

migkeit der Stelen.


17

Hinzu kommt, dass wir den Bezug zu den Kriegen, in denen

Auch Gedenkorte für jüdische Holocaust-Opfer operieren

die Soldaten gestorben sind, verloren haben. Der Historiker

mit Namen. Die Gedenkstätte Börneplatz in Frankfurt am

Reinhart Koselleck schrieb in einem viel zitierten Aufsatz

Main besteht aus einem langgezogenen Steinkubus, auf

über die Funktion von Kriegerdenkmalen, sie dienten den

dem in langen Reihen, in gleichen Abständen 11.908 kleine

Überlebenden als Identitätsstiftung. Nur leben inzwischen

Metallblöcke angebracht sind. Auf jedem einzelnen der

die Überlebenden schon nicht mehr.

Quader steht der Name, der Geburtstag und der Tag der Ermordung eines jüdischen Gemeindemitglieds. Anders als

Koselleck erklärt, dass die Nennung der Namen aller Kriegs-

auf den Kriegerdenkmalen geben die Blöcke auch den Ort

toten auf unseren Kriegerdenkmalen erst seit dem 19. Jahr-

des gewaltsamen Todes an. Die Arolsen Archives verfolgen

hundert existiert. In der Frühen Neuzeit wurden Denkmäler

mit einem neuen Projekt das Ziel, die Identität jedes Opfers

ausschließlich zu Ehren gefallener Herrscher errichtet. Die

des Nationalsozialismus in der eigenen Online-Datenbank

einfachen Krieger wurden nicht abgebildet. Erst das mas-

verfügbar zu machen. Beim Eintragen der Daten helfen Bür-

senhafte Sterben der industriell geführten Kriege änderte

ger*innen. Das Projekt heißt „every name counts“.

diesen Umstand. Ab den Einigungskriegen standen die Regierung und das Militär des Deutschen Reiches unter

Die Kunst hat die Massenhaftigkeit des Sterbens mit dem

einem enormen Legitimationsdruck, weil so viele Familien

Übergang von der plastischen zur schriftlichen Darstellung

ihre Söhne verloren hatten. Zudem hatte sich das Bedeu-

beantwortet. Angesichts der ungeheuerlichen Zahl an Toten

tungsbewusstsein des Bürgertums so gefestigt, dass eine

scheinen wir uns der Unmöglichkeit ergeben zu haben,

Repräsentation der toten Soldaten als Individuen unaus-

Menschen als Figuren darzustellen. Sie würden zu viel Platz

weichlich erschien. „Der einzelne Gefallene wird denkmals-

einnehmen. Wer würde sechs Millionen Plastiken aufstellen?

fähig“, fasst Koselleck die Neuerung zusammen. Hierin begegnen sich die Darstellungen der Opfer der VerWährend die Herrscher der Frühneuzeit figürlich darge-

nichtung und der Wehrmachtssoldaten als Mitverantwortli-

stellt wurden, erinnern auf Kriegerdenkmalen nur noch ihre

che der Vernichtungsideologie. Wir haben unserer Trauer

Namen an die Menschen. Die Erbauer der Kriegerdenkmale

einen Namen gegeben, aber wir haben unserer Trauer

haben dabei nichts anderes getan, als die Daten der Mili-

nichts anderes als einen Namen gegeben.

tärverwaltung zu übernehmen. Aus Namen, Geburts- und Todestagen bestanden die Einträge in den Verlustlisten, die

Die Aufzählung von Namen auf Denkmalen für Soldaten

während des Ersten und Zweiten Weltkriegs veröffentlicht

und Mahnmalen für Opfer scheint dennoch eine Wirkung

wurden. Und Namen, Geburts- und Todestage finden wir

auf uns auszuüben. Sie kommen einem religiösen Ritus

auf unseren Kriegerdenkmalen wieder. Nur in der Einbet-

gleich. In der Nennung von Namen werden die Heiligen in

tung der Namen in das Ensemble des Kriegerdenkmals

der katholischen Allerheiligenlitanei in der Geschichte ver-

besteht die künstlerische Aneignung.

ortet. Nur, wer tatsächlich gelebt hat, kann Heiliger werden. Wer der Gemeinschaft der Heiligen angehört, wird zum

Wenn man sich vor Augen führt, auf welche Weise wir die

Fürsprecher der Gläubigen bei Gott emporgehoben. Wenn

Orte der Vernichtung im öffentlichen Raum präsent halten,

auch die Funktion der Fürsprache wie die Religiosität der

fällt auf, dass auch hier Namen dominieren. Auf einer Tafel

Menschen an sich immer schwächer wurde, scheinen die

auf dem Richard-von-Weizsäcker-Platz in Berlin, dem vor-

Namen dennoch ihren Appellcharakter behalten zu haben.

maligen Kaiser-Wilhelm-Platz, erinnert eine Tafel an die

Namen mahnen uns, offensichtlich immer noch. „Say their

„Orte des Schreckens, die wir niemals vergessen dürfen“:

names“: So erinnern sich US-Amerikaner daran, die Opfer

Es folgt eine Namensliste, die von Auschwitz bis Flossen-

von Polizeigewalt im öffentlichen Bewusstsein wachzuhal-

bürg reicht. Ähnliche Tafeln stehen, mal aus Bronze, mal

ten: „Sprecht ihre Namen aus!“.

aus Stein, an vielen Orten in Deutschland. Namen sind ohnehin alles, was uns bleibt: Dr. Richard Tangerding (1897 – 1972).


18

Autor: Jeroen Coppens

Sinn und Bild.

Immersive Kunst jenseits des Spektakels

Auf der nördlichen Seite des Platzes, der den Bahnhof Berlin-Alexanderplatz mit dem Fernsehturm verbindet, verläuft die Panoramastraße. Außer dem Straßennamen weist nichts mehr auf das beliebte Panorama hin, das von 1883 bis 1908 dort zu sehen war, wo sich jetzt ein sechsstöckiges Gebäude mit Geschäften und Büroräumen befindet. In einem Rundbau mit einem Durchmesser von 39 Metern wurde das SedanPanorama des damaligen Hofmalers Anton von Werner präsentiert. Es zeigt den entscheidenden Moment der Schlacht am 1. September 1870, der einen Tag später zur Kapitulation Frankreichs führte. Im April 2022 eröffnete im Panometer Leipzig das neue Panorama „New York 9/11“ von Yadegar Asisi. Das Panorama zeigt die Skyline Manhattans am 11. September 2001 um 8:41  Uhr, fünf Minuten, bevor das erste Flugzeug im Nordturm des World Trade Centers einschlägt. Der Besucher befindet sich im Panorama auf dem Gelände des Friedhofs an der St. Paul’s Chapel. Die kleine Kirche wurde unmittelbar nach den Anschlägen in eine provisorische Gedenkstätte umgewandelt. Beide Panoramen bieten ein spektakuläres immersives Erlebnis eines wichtigen Ereignisses der politischen Geschichte in Europa und den Vereinigten Staaten von Amerika. In diesem Sinne nutzen beide Großbilder das immersive Bild als Werkzeug der Geschichtsschreibung und des Gedenkens. Aber wie genau sie gedenken ist radikal unterschiedlich. Dies wirft die Frage auf, in welchem Verhältnis immersive Kunst zu der von ihr abgebildeten Realität steht. Kann das Panorama, das im 19. Jahrhundert aufgrund seiner spektakulären Darstellungsform enorm populär wurde, das bewundernde Staunen überwinden und zu einer politischen Stellungnahme werden? Immersive Kunst erfüllt den Traum, in einer nicht-physischen Welt physisch präsent sein zu können. Der Betrachter taucht in das Bild ein, wird hineingesogen. Um diesen immersiven Effekt zu erzielen, verwenden immersive Kunstwerke die Inno-

Bild oben: Anton von Werner: Panorama der Schlacht von Sedan (Ausschnitt), 1883 Bild unten: © Herman Helle/Hotel Modern


19

vationen in der Bildtechnologie. Die verwendete modernste

Das niederländische Theaterkollektiv „Hotel Modern” kon-

Technik entwickelte sich mit der Zeit; von dem Stereoskop

frontiert uns in ihrem Kurzfilm History of the World, Part

und dem Panorama des 18. und 19. Jahrhunderts über die

Eleven mit Bildern, die während der umfangreichen medi-

rot-grüne 3D-Brille aus Karton bis hin zu der heutigen Virtu-

alen Berichterstattung über das traumatische Ereignis vom

al-Reality-Brille. Das sinnliche Erleben des dreidimensiona-

11. September 2001 nicht zu sehen waren. In dem Kurzfilm

len Bildes geht daher stets Hand in Hand mit dem Staunen

inszeniert das Theaterkollektiv die Ereignisse des 11. Sep-

über die technischen Neuerungen und Möglichkeiten der

tembers auf ihre typische Weise; nachgeahmt mit Tonpup-

Neuen Medien.

pen in Sets aus Pappe. Die Eröffnungssequenz des Films zeigt uns die Perspektive des zweiten Flugzeugs. Wir sehen

Dieses Staunen kennzeichnet auch die erste Reaktion von

also vom Cockpit aus zu, wie das World Trade Center (im

Kaiser Wilhelm I. bei der Eröffnung des Sedan-Panoramas.

Film aus leeren Saftkartons gebastelt) immer größer wird, bis

Das Teltower Kreisblatt berichtet am 5. September 1883, wie

das Flugzeug den Turm trifft. Dann sehen wir die Ereignisse

der Kaiser auf dem Aussichtspunkt der Rotunde stand und

im Turm in all ihrem Schrecken. Wir sehen Flammen und

wiederholt rief: „Herrlich! Unbeschreiblich!“. Nach dem ein-

Explosionen, Puppen, die regungslos und verbrannt auf dem

stündigen Besuch bedankte sich der Kaiser, der 13 Jahre

Boden liegen, wir sehen verzweifelte Puppen, die versuchen

zuvor selbst bei der Schlacht anwesend war, bei Anton von

zu fliehen oder sogar aus den Türmen springen. Und schließ-

Werner: „Haben Sie Dank für das herrliche, unvergängliche

lich sehen wir auch von innen, wie der Turm Stockwerk für

Werk, welches Sie geschaffen haben und welches mich tief

Stockwerk einstürzt.

bewegt hat. Ich habe so Vollkommenes noch nie gesehen!“ Offensichtlich reagiert der Kurzfilm darauf, worauf auch der Die Komposition zeigt das Chaos des Schlachtfeldes auf

slowenische Philosoph Slavoj Žižek hingewiesen hat, näm-

eine für den Betrachter leicht zugängliche Weise. Und das ist

lich, dass die Opfer des 11. Septembers abstrakt bleiben –

alles andere als neutral. So verbindet das Panorama Bewun-

im Gegensatz zu Katastrophenopfern im Globalen Süden.

derung für die technischen Möglichkeiten des Bildes mit Pat-

Am 11. September sahen wir im Fernsehen keine zerstückel-

riotismus, Nationalstolz und dem Mythos des Kriegs als Sieg

ten Körper, kein Blut, keine sterbenden Menschen. Aber wir

der deutschen Nation gegen die französische. Somit wird die

haben versucht, es uns vorzustellen. Ich zumindest.

fotoreale Kampfdarstellung des Panoramas zu einem nationalen, politischen Erlebnisraum. Auch darüber hinaus spielt

„Hotel Modern” macht mit dem Kurzfilm dieses Unvorstell-

das Panorama eine wichtige ideologische Rolle; nach dem

bare sinnlich real und vorstellbar, gleitet aber in Spektakel

Sieg erklärte Kaiser Wilhelm I. den 2. September zum Natio-

und Voyeurismus ab. Es ist unbequem, sogar unheimlich,

nalfeiertag. Der Sedantag wurde bis zum Ende des Kaiser-

das Leiden von innen zu sehen, auch wenn das Theaterkol-

reichs 1918 begangen.

lektiv die verfremdende Wirkung von Tonpuppen und Pappsets mit dem Ziel nutzt, das große Ereignis verkleinert und

Das Panorama kam nicht nur bei den höchsten Kreisen der

spielerisch darzustellen.

Gesellschaft gut an, sondern traf auch den Geschmack der breiten Bevölkerung. Das Panorama, das eine Million Mark

Das Panorama New York 9/11 von Yadegar Asisi geht mit die-

kostete und damit die teuerste Bildinvestition seiner Zeit war,

sen Schwierigkeiten der Darstellung deutlich anders um. Das

zog Schätzungen zufolge mehr als eine Million Besucher an.

Panorama führt uns zurück in die Zeit vor dem 11. September

Diese Popularität hat auch damit zu tun, dass die damaligen

2001. Auch diese Zeit ist heute unvorstellbar geworden. Es ist

Panoramen visuell darstellten, was der Normalbürger nicht

die Zeit, als wir noch in Restaurants rauchen konnten, als wir

sehen konnte, beispielsweise koloniale Perspektiven oder

ohne Sicherheitskontrollen ins Flugzeug steigen konnten und

gewalttätige Schlachtfelder. Sie boten so einen Einblick in

als die Twin Towers in New York die Skyline Manhattans noch

das, was dem alltäglichen Blick verborgen, was unzugäng-

überragten. Diese Zeit ist nicht mehr.

lich blieb. Das Panorama macht das Vergangene wieder gegenwärtig, Dieser Voyeurismus spielt oft implizit eine Rolle in der Dar-

weist aber auch auf einen Mangel hin. Es verweist auf ein

stellung und im Denken über Kriege, Kriegsverbrechen

Trauma in der jüngeren Weltgeschichte, ohne in das Spek-

und Viktimisierung. Wie muss es in den Gaskammern von

takel des Voyeurismus (Hotel Modern) oder das Spektakel

Auschwitz gewesen sein? Wie muss es in den Gebäuden

der Nostalgie (Sedan) zu verfallen. Als Alternative bietet uns

des Asow-Stahlwerks in Mariupol während des russischen

„New York 9/11“ ein Sinnbild einer Vergangenheit, die uner-

Angriffs in der Ostukraine ausgesehen haben? Wie waren die

bittlich unzugänglich ist. Im Panorama scheint diese Vergan-

letzten Stunden der Opfer, die es am 11. September 2001

genheit zum Greifen nah zu sein. Wir befinden uns kurzzeitig

nie aus den Türmen rausgeschafft haben? Diese Fragen

auf einem Friedhof mitten in Manhattan, fünf Minuten bevor

beschäftigen nicht nur mich, sondern werden auch in der

wenige hundert Meter entfernt ein Anschlag stattfinden wird,

Kunst immer wieder aufgegriffen.

bei dem fast 3.000 Menschen sterben werden. Heute wird sich die Welt(-politik) für immer verändern.


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