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Leseprobe zu: Alan Jacobs Der Mann aus Narnia C. S. Lewis – sein Leben und seine Welt

Im März 1949 lud C. S. Lewis einen Freund namens Roger Lancelyn Green zum Essen ins Magdalen College an der Universität Oxford ein, wo Lewis Tutor war. Green war zwar nicht Lewis’ Student gewesen, hatte jedoch ein Jahrzehnt zuvor viele seiner Vorlesungen besucht und im Lauf der Jahre hatte sich eine Freundschaft zwischen ihnen entwickelt. Für Lewis war eine solche Einladung nichts Ungewöhnliches – er hatte viele Freunde, deren Gesellschaft er gern und oft genoss – , aber gerade zu dieser Zeit muss es besonders erfrischend für ihn gewesen sein, sich einen Abend mit Essen, Wein und Gespräch zu gönnen, denn in seinem Leben sah es sehr trübselig aus. Er lebte zusammen mit seinem Bruder und einer alten Dame namens Mrs. Moore, die er oft als seine Mutter bezeichnete – obwohl sie, wie wir sehen werden, nicht seine Mutter war –, und beide waren gesundheitlich angeschlagen und auf seine Fürsorge angewiesen. Erst wenige Tage vor seinem Essen mit Green hatte er einer amerikanischen Freundin geschrieben, er sei „an eine Invalide gefesselt“, denn eine solche war Mrs. Moore, die mit ihrer Arthritis und ihren Krampfadern nicht mehr aus dem Bett aufstehen konnte, inzwischen geworden. Mrs. Moore ihrerseits verkündete, Lewis sei „so gut wie ein zusätzliches Dienstmädchen im Haus“, und in der Tat benutzte sie ihn als Dienstmädchen, was seinen Bruder beständig mit Abscheu erfüllte. Außerdem scheint sie in ihren letzten Lebensjahren zwanghaft und streitsüchtig geworden zu sein; ständig machte sie sich Sorgen um ihren Hund und lag mit dem Hauspersonal über Kreuz. Lewis hatte zwar zwei Bedienstete gefunden, die im Haushalt und bei der Krankenpflege halfen, wenn er im Magdalen College sein musste, wo er ein zermürbendes Pensum an Vorlesungen, Tutorien und Korrespondenz zu bewältigen hatte, doch für einige Zeit wurde eines der Mädchen labil (sie musste sich irgendeiner psychiatrischen Behandlung unterziehen), sodass er gelegentlich nach Hause zurückkehren musste, um Konflikte beizulegen, die


zwischen den Hausbediensteten untereinander und mit Mrs. Moore entstanden waren. 1947 war er vom Marquis von Salisbury gebeten worden, gemeinsam mit den Erzbischöfen von Canterbury und York an Konferenzen über die Zukunft der Anglikanischen Kirche (der Lewis angehörte) teilzunehmen, hatte dies jedoch ablehnen müssen ... Wie man aus Lord Salisburys Einladung erraten könnte, war Lewis ein berühmter Mann, in Amerika ebenso wie in Großbritannien (nur wenige Monate nach dem Erhalt des Briefes prangte sein Bild auf dem Titelblatt des Magazins Time), und täglich fegte ein Schneesturm von Briefen über ihn hinweg. Lewis, der entschlossen war, jeden Brief zu beantworten, wurde dabei normalerweise von seinem Bruder Warnie unterstützt, der die Briefe nach Diktat oder Entwurf tippte und die Akten in Ordnung hielt, doch Anfang März 1949 lag Warnie im Oxforder Acland Hospital ... Als Warnie am 3. März entlassen wurde, war er noch nicht wieder so weit bei Kräften, um ganz selbstständig für sich sorgen zu können, sodass sein Bruder sich um ihn ebenso kümmern musste wie um Mrs. Moore und Bruce, den betagten Hund, um dessen Wohlergehen Mrs. Moore so ängstlich besorgt war. Eine Zeit lang nahm sich Lewis allein der Korrespondenz an, neben seiner Arbeit am Magdalen College. Warnie notierte in seinem Tagebuch: „Seine Freundlichkeit ist unvermindert“, doch die Kräfte seines Bruders ließen nach. Anfang April schrieb Lewis an einen Freund, der ihn getadelt hatte, weil er nicht prompt auf einen Brief geantwortet hatte: „Hundekot und menschliches Erbrochenes haben heute meinen Tag ausgefüllt: einer dieser Tage, wo man um elf Uhr vormittags das Gefühl hat, es müsste schon drei Uhr nachmittags sein.“ Zwei Monate später brach er zu Hause zusammen und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Die Diagnose lautete auf Halsentzündung, doch dahinter steckte schlicht und einfach Erschöpfung, und sein Arzt machte sich Sorgen über die Belastung für sein Herz. Obwohl dieser Zusammenbruch noch bevorstand, sah in groben Umrissen so die Welt von C. S. Lewis aus, als er seinen Freund Roger Lancelyn Green an der hohen Tafel im Magdalen College zum Essen und später in seinen Räumen zu Gast hatte. Green dürfte wohl kaum eine Ahnung gehabt haben, wie schlecht es seinem Freund ergangen war, und er konnte nicht voraussehen, dass Lewis bald im Krankenhaus liegen würde. An jenem Abend war Lewis ein charmanter Gastgeber und (so notierte


Green in seinem Tagebuch) sie unterhielten sich „prächtig bis Mitternacht: Er las mir zwei Kapitel aus einem Kinderbuch vor, an dem er schreibt – wirklich sehr gut, wenn auch ein bisschen unsicher.“ Aus diesem Buch sollte später Der König von Narnia werden, die erste Geschichte über eine Welt namens Narnia ...


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