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Einleitung

Es war auf einer Tagung für junge Leiter. Wir hörten einem äußerst bibelkundigen Sprecher zu. Da meldete sich aus unserer bunt zusammengewürfelten Teilnehmerschar ein mittlerweile bekannter Künstler und Redner: „Ich habe mich vor drei Jahren bekehrt. Eigentlich verstehe ich mittlerweile alles in der Bibel. Nur gibt es da so ein paar Stellen über die Frauen, die ich absolut nicht nachvollziehen kann. Kannst du mir das erklären?“ Der Referent erwiderte schmunzelnd: „Dann kannst du mir sicher gleich ein paar Fragen zur Offenbarung beantworten, die mich schon lange interessieren …“ Wenige Themen werden so kontrovers unter Christen diskutiert wie der Dienst von Frauen. Welche Rolle hat Gott ihnen in der Gemeinde zugedacht? Da gibt es den – sagen wir mal – „konservativen Flügel“, der es strikt ablehnt, dass Frauen in Gemeinden lehren oder Leitungsaufgaben übernehmen. Es herrscht die – vielfach berechtigte – Befürchtung, zeitgeistliche Strömungen könnten immer mehr Einzug in die Gemeinden halten. Allerdings wäre es unangemessen, diesen „Flügel“ als homogene Gruppe zu betrachten: In Bezug auf das Maß an Verantwortung, das Frauen zugestanden wird, gibt es eine große Bandbreite verschiedener Auffassungen. Gleichzeitig wird auf der anderen Seite die Gruppe derer immer größer, die in der Frauenfrage eher „progressiv“ denken. Immer mehr Christen und Gemeinden sehen es als richtig und normal an, dass Frauen predigen und bis hin zur Ältestenverantwortung aktiv in die

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Gemeindeleitung eingebunden sind. Manches Mal wird diese Position allerdings vertreten, ohne sich tatsächlich qualifiziert mit den Fragen auseinandergesetzt zu haben, die eine Reihe von Bibelstellen aufwerfen. An dieser Stelle möchte das vorliegende Buch einen Beitrag leisten. Ich will den Versuch unternehmen, das biblische Zeugnis gründlich und zugleich verständlich zu untersuchen. Ist die bislang weithin vertretene „konservative“ Auslegung bei unvoreingenommener und gründlicher Betrachtung tatsächlich am naheliegendsten? Oder ist sie vielleicht selbst die Folge einer dem Zeitgeist verhafteten und tendenziösen Vorprägung bei der Herangehensweise an die Bibel? Bei der Herangehensweise an das Thema habe ich mich für folgende Systematik entschieden: Zunächst wollen wir uns mit dem „großen Bild“ befassen: Der Schöpfungsordnung Gottes, wie sie uns in den ersten Kapiteln der Bibel begegnet. In diesem Zusammenhang werden wir die Konsequenzen des Sündenfalls genauso betrachten, wie die Wiederherstellung der Schöpfungsordnung, die Gott verfolgt. Dies wird uns wichtige Grundlagen für die Herangehensweise an die weiteren zentralen Bibelabschnitte geben, die für unser Thema wichtig sind. Teil des ersten Buchabschnitts ist weiterhin eine Betrachtung der neutestamentlichen Hausordnung. Diese ist kein Schwerpunkt des Buches, jedoch wichtig zur Abgrenzung von der neutestamentlichen Gemeindeordnung. In diesem Bereich kommt es nach meiner Wahrnehmung in der Diskussion immer wieder zu Vermischungen. Es ist jedoch äußerst hilfreich, hier klare Abgrenzungen vorzunehmen.

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In den folgenden Buchabschnitten wird es dann um die Frage gehen, inwieweit es Frauen aus Sicht der Bibel gestattet ist, in der Gemeinde Lehr- oder Leitungsdienste auszuüben. Das neue Testament und insbesondere die Schriften von Paulus enthalten einige Textstellen, die allgemein als Beleg herangezogen werden, wo heraus Einschränkungen für den Dienst von Frauen gesehen werden. Es ist daher für jeden, der sich mit dem Thema befasst, unumgänglich, diese Textstellen intensiv zu untersuchen und für sich über die Art ihrer Auslegung zu entscheiden. Hierbei müssen wir uns darum bemühen, in beide Richtungen mit so wenig Vorurteilen wie möglich an die Texte heranzugehen. Wir werden dazu verschiedene Auslegungsmöglichkeiten betrachten und immer wieder auch Bezug auf zeitgeschichtliche Hintergründe und die kulturelle Situation von Frauen zurzeit Jesu und der Apostel nehmen. Der letzte Teil des Buches soll dann einigen biblischen Personenstudien gewidmet sein. Für einige im Alten und im Neuen Testament erwähnte Frauen soll untersucht werden, ob und in welchem Maß sie Leitung ausgeübt oder Lehre weitergegeben haben und ob man in diesen Fällen davon ausgehen kann, dass dazu eine göttliche Berufung und Beauftragung vorgelegen hat. All diese Aspekte sollen uns in der Summe zu einer guten Grundlage verhelfen, den Willen Gottes zu diesem Thema von der Schrift her zu erkennen – und dann auch in der Gemeindepraxis anwenden zu können. Relevant scheint mir das Thema für fast jeden Christen: für Männer, die nach wie vor den stärksten Einfluss haben und sich ernsthaft fragen sollten: Stimmt unser Kurs? Oder sollten wir die Schwestern in unseren Gemeinden viel mehr als bisher ermutigen, Verantwortung zu übernehmen? Was zeigt uns Gott

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in seinem Wort? Und natürlich betrifft es Frauen, denen ich wünsche, dass sie ihr Berufungspotenzial voll ausleben, das Gott in sie hineingelegt hat. Leider gibt es wenige Vorbilder für Lehrund Leitungsdienste. Möge ein frischer und unvoreingenommener Blick auf das Wort Gottes der Ermutigung dienen! Tim Sukowski Wuppertal, im Dezember 2007

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Teil 1 Die Ordnungen Gottes

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Teil 1: Die Ordnungen Gottes

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Will Gott, dass Frauen leiten? Beruft er Frauen in den Lehrdienst? Bevor wir uns diesen Fragen stellen, sollten wir grundsätzlich an das Thema herangehen. Wir wollen daher zunächst beleuchten, welche Zuordnung die Bibel allgemein in Bezug auf die Geschlechter aufzeigt. Welcher allgemeingültige Plan Gottes wird durch den Schöpfungsbericht deutlich – im Hinblick auf Wert, Rang und Rolle der Geschlechter im Verhältnis zueinander und in Bezug auf die Aufträge Gottes an den Menschen? Welche Folgen ergeben sich in diesem Zusammenhang aus Sünde und Schöpfungsfall? An welchen Maßstäben sollen sich Frauen und Männer heute im Umgang miteinander orientieren? Wir betrachten die ursprüngliche Schöpfungsabsicht Gottes, um zu sehen, welche Auswirkungen der Sündenfall darauf hatte. Dann werden wir daraus Schlüsse ziehen für die gebotene Ordnung in der Gemeinde. Dabei ist es erforderlich, biblische Aussagen über die Hausordnung für sich wahrzunehmen: Hierbei geht es um Gottes Absichten für das Zusammenleben von Ehen und Familien bzw. Hausgemeinschaften im antiken Sinn.

1. Die Schöpfungsordnung und ihre Wiederherstellung Der Schöpfungsbericht, der uns in den ersten beiden Kapiteln der Bibel überliefert wird, gibt uns unverzichtbar wertvolle Aufschlüsse über Gottes Absichten. Wir erhalten Einblick in sein Schöpfungshandeln einschließlich der Erschaffung des Menschen. Dabei ist der Bericht zweistufig aufgebaut: 1. Mo. 1,1-2,3 liefert uns das Gesamtbild, als würde man

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ein Gemälde als Ganzes aus einigem Abstand betrachten. 1. Mo. 2,4-25 „zoomt“ uns dann hinein in die Erschaff ung des Menschen und seines Umfeldes, als würden wir uns nun einzelne Pinselstriche des großen Meisters näher ansehen. Das große Bild Beginnen wir mit dem „großen Bild“ im ersten Kapitel. Besonders 1. Mo. 1,26-28 hält eine Fülle von Informationen in komprimierter Form für uns bereit: 26

Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen in unserm Bild, uns ähnlich! Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde und über alle kriechenden Tiere, die auf der Erde kriechen! 27 Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie. 28Und Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch, und füllt die Erde, und macht sie euch untertan; und herrscht über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf der Erde regen! Vers 26 gewährt uns einen Einblick in ein göttliches Selbstgespräch. Die Mehrheit der Ausleger geht davon aus, dass sich der dreieinige Gott hier mit sich selbst unterhält. Auch das in Vers 27 beschriebene Ergebnis macht das deutlich. Dabei wird die Formulierung „in unserem Bild“ aus Vers 26 mit „nach dem Bild Gottes“ in Vers 27 gleichgesetzt.

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Was wird hier gesagt? Der Mensch spiegelt das Bild Gottes wider, zumindest in seiner ursprünglichen Form, die noch nicht von den Folgen des Sündenfalls beschädigt ist. Dabei stellt sich Gott gerade in diesem Zusammenhang nicht eindimensional vor: Es wird deutlich, dass Gott in seinem Wesen plural ist. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Art und Weise, wie der Mensch Gott widerspiegelt: Gottes Wesen kann also unmöglich durch einen einzelnen Menschen vollständig abgebildet werden! Erst die plurale Einheit des Menschen als Mann und Frau spiegelt das Bild Gottes wider. Vers 27 unterstreicht dies, indem die Erschaff ung des Menschen zunehmend konkret beschrieben wird: Der Mensch als Mann und Frau ist im Bild Gottes erschaffen. Gottes Schöpfungsabsicht ist es also, dass Mann und Frau in Einheit sein Bild widerspiegeln. Weiter lesen wir von Gottes Mandat an den Menschen: Der Mensch soll sich vermehren, die Erde füllen und sich untertan machen. Er soll herrschen über Geschöpfe und Schöpfung. Dieser Auftrag ergeht wiederum an den Menschen als Einheit von Mann und Frau. Gott spricht den Menschen im Plural von Mann und Frau an. Halten wir also fest: Gott plant, schöpft und beauftragt den Menschen als Einheit der Geschlechter. Mann und Frau in Einheit sollen das Bild des dreieinigen Gottes spiegeln und seinen Auftrag erfüllen. Aus dieser ursprünglichen Absicht Gottes ergibt sich als logische Konsequenz: Von der Zuordnung, die innerhalb der Trinität besteht, muss sich auch einiges über die gewollte Ordnung in Bezug auf Mann und Frau ableiten lassen.

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Was lässt sich über die Ordnung innerhalb der Dreieinigkeit sagen? Bestehen irgendwelche Konkurrenzkämpfe zwischen dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist? Der biblische Befund ist eindeutig: nein, niemals! Alle drei Personen der Gottheit haben das Ziel, den anderen zu verherrlichen: Der Vater verherrlicht den Sohn, der Sohn den Vater und der Heilige Geist verherrlicht sie beide: Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm den Namen verliehen, der über jeden Namen ist. (Phil. 2,9) Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das werde ich tun, damit der Vater verherrlicht werde im Sohn. (Joh. 14,13) 13

Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht aus sich selbst reden, sondern was er hören wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch verkündigen. 14Er wird mich verherrlichen, denn von dem Meinen wird er nehmen und euch verkündigen. (Joh. 16,13-14)

Auch uns Menschen ist es unmöglich, sie gegeneinander auszuspielen. Eine Beziehung ist nur mit dem dreieinigen Gott möglich; es gibt hier keine Trennungsmöglichkeit oder Konkurrenz:

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Jeder, der den Sohn leugnet, hat auch den Vater nicht; wer den Sohn bekennt, hat auch den Vater. (1. Joh. 2,23) Wenn aber jemand Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein. (Röm. 8,9) Zweifellos beherrscht innerhalb der Gottheit keiner den anderen. Es gibt keinerlei Minderwertigkeitsgefühle, kein Streben nach Gleichmacherei. Dennoch ist nach Unterschieden zwischen ihnen zu fragen. In der Tat finden wir sie in mancherlei Hinsicht: Der Sohn wurde Mensch und starb für die Sünden der Menschheit am Kreuz. In den Gläubigen wohnt der Heilige Geist. Der Vater war das himmlische Gegenüber für Jesus Christus auf Erden. Es wäre jedoch absurd, daraus einen unterschiedlichen Wert der drei Personen Gottes abzuleiten: Vater, Sohn und Heiliger Geist sind in vollkommener Weise eine Einheit. Das Einssein innerhalb der Dreieinigkeit kommt in der Freude zum Ausdruck, einander dienen zu können. Jesus freut sich, den Willen des Vaters zu tun; der Vater freut sich, den Sohn zu verherrlichen usw. Es gibt in der Trinität eine gegenseitige Dienstbereitschaft – in gewisser Weise kann man fast von der Bereitschaft zur gegenseitigen Unterordnung sprechen. Was bedeutet dies für die Tatsache, dass Mann und Frau gemeinsam Ebenbild des dreieinigen Gottes sind? Gottes Schöpfungsordnung bedeutet, dass die gleiche Einheit,

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Konkurrenzlosigkeit, gegenseitige Unterordnung und Dienstbereitschaft, die im dreieinigen Gott zu finden sind, in gleicher Weise auch das Zusammenleben von Mann und Frau prägen sollen, ebenso wie die gemeinsame Erfüllung von Gottes Auftrag. Man könnte auch sagen: Das Ebenbild des dreieinigen Gottes ist der zweieinige Mensch. Mann und Frau wurden von Gott in Unterschiedlichkeit geschaffen, jedoch mit gleichem Wert. Das Potenzial des Menschen kommt erst in ihrer Einheit und gegenseitigen Ergänzung zur vollen Entfaltung. Gemeinsam sind sie berufen, Gottes Auftrag zu erfüllen. Die Schöpfung des Menschen im Detail „Zoomen“ wir näher heran an Gottes Schöpfungshandeln, wie es sich im zweiten Kapitel der Bibel darstellt. Hier wird noch einmal detaillierter berichtet, wie Mann und Frau erschaffen wurden. Dabei wird eine Reihenfolge deutlich. Das Kapitel berichtet uns von der Erschaff ung des Menschen aus dem Staub der Erde und von Gottes Pflanzung des Gartens Eden für den Menschen. Gott vertraut dem Menschen diesen Garten an und setzt ihm zum ersten Mal durch ein Gebot eine Grenze: 16

Und Gott, der HERR, gebot dem Menschen und sprach: Von jedem Baum des Gartens darfst du essen; 17 aber vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, davon darfst du nicht essen; denn an dem Tag, da du davon isst, musst du sterben! (1. Mo. 2,16-17)

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