Einleitung Der Begriff Mittelalter ist schillernd. Er kommt in der Renaissance (15. Jh.) auf, als Gelehrte die Antike wieder entdecken und an deren Errungenschaften anknüpfen wollen. Sie fühlen sich als Menschen einer neuen Zeit, sehen eine Wiedergeburt (Renaissance) der Antike herannahen. Die Epoche zwischen Antike und Renaissance bezeichnen sie abschätzig als „Mittelalter“, kulturlos, barbarisch, gotisch. Ein wenig erinnert ein solches Verhalten an die Art von Kritik, die Jugendliche an den Eltern anbringen, von denen sie sich durch Lebenseinstellung und Lebensstil absetzen möchten. Bei aller Kritik bleiben sie dennoch Kinder ihrer Eltern, was sie meist später selbst sehen. Kein Wunder, dass wir die Epoche heute differenzierter sehen. Wir verdanken dem Mittelalter vieles. Auch wenn diese Zeit heute vielen fremd und fern steht, entstehen damals ganz typische Grundüberzeugungen, die für die moderne europäisch geprägte Welt stehen. Zum einen wird eine europäische Kultur geformt, die bei aller Verschiedenheit im Einzelnen doch gemeinsame Grundlagen und Werte hat. Zu diesen Werten gehört die Trennung von geistlicher und politischer Gewalt: Kirche und Staat stehen sich als selbständige Größen gegenüber. Aus der christlichen Grundlage wächst die Wertschätzung des Individuums, dessen Würde und Leben unbedingt gewahrt werden muss. Daher wird Europa von der Verantwortung für die sozial Schwachen einerseits und von der Demokratie als Mitspracherecht aller Staatsbürger andererseits geprägt. Schließlich entdeckt Europa die große Bedeutung von Bildung. Bildung und Wissenschaft, Schule und Buch, Kommunikation und Interaktion prägen die Grundlagen unserer Zivilisation. Das Mittelalter wird deutlich von der Kirche geprägt. Die Menschen des Mittelalters verstehen sich als Christen, ihr Lebensziel liegt im Himmel, hier auf Erden leben sie als Pilger. Der Jüngste Tag hat daher für den mittelalterlichen Menschen eine große Bedeutung, was etwa in der bildenden Kunst (s.u. 8.5) zum Ausdruck kommt. Um das Jüngste Gericht zu bestehen und in den Himmel zu gelangen, kommt der Kirche und ihren Amtsträgern eine Schlüsselstellung zu. Die Zugehörigkeit zur Kirche und die Teilnahme an ihren Heilsangeboten ist daher für die Menschen des Mittelalters selbstverständlich. Aus diesem Grund beansprucht die Kirche Einfluss auf alle Lebensbereiche. Alles Denken wird
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von der Kirche autorisiert, auch der Staat wird von ihr beaufsichtigt, ja zeitweise gar gelenkt. Im Mittelalter bestimmt die Gemeinschaft das Leben der Menschen, der Einzelne ist stets Teil einer Gruppe, die sein Leben bestimmt. Handwerker organisieren sich in Zünften, Kaufleute in Gilden, Mönche gehören einem Orden an, Ritter zählen zu einem Stand. Die Gemeinschaft folgt einer Tradition und Ordnung, der der Einzelne zu folgen hat. Nicht das Individuelle, sondern das Typische bestimmt das Leben im Mittelalter. Natürlich bestimmt die Kirche alle Bereiche des Lebens. Das Mittelalter – so abwertend die Bezeichnung auch gemeint ist, die Bezeichnung hat dennoch ihre Berechtigung, zeigt sie doch einen eigentümlichen Bereich der Geschichte, der anders als die Welt vor ihr und nach ihr ist: Die Epoche ist weltanschaulich von der Kirche bestimmt. Nach dem Untergang der antiken Kultur ist die Kirche geblieben, freilich hat sie Veränderungen erlebt, denn die Selbstverständlichkeiten des Lebens haben sie herausgefordert. Ist das auch eine Spur Gottes? Geschichte verläuft nicht geradlinig und aufsteigend. Als die Kirche der Antike ihre Botschaft bis an die Grenzen des Imperiums ausgerichtet hat, die Verfolgungen enden und die Kirche zur Reichskirche geworden ist, bricht das Römische Reich zusammen. Mitten unter Heiden und Barbaren, die das Reich ins Chaos stürzen, beginnt das Evangelium von Neuem zu keimen. Die politisch besiegten und gescheiterten Christen tragen das Evangelium weiter, und sie erleben den Beginn einer überraschenden Erneuerung. Gott offenbart sich denen, die ihn brauchen. In der Antike haben die Christen scheinbar alles erreicht: die Verfolgungen überlebt, die Gute Nachricht ausgerichtet, die Liebe Jesu vielfältig bezeugt. Aber alles haben sie weithin nur innerhalb des Reiches getan, die Welt außerhalb haben sie nicht im Blick gehabt. Sie haben kein Herz für die Barbaren jenseits der Grenzen, die sich allen Eroberungsversuchen erwehren und lieber als „Wilde“ leben. Aber Gott hat ein Herz für sie gezeigt, er will, dass alle Menschen zur Erkenntnis seiner Wahrheit kommen (Joh. 3,16). So ist Gott weitergegangen, über ein imposantes Weltreich samt seiner Reichskirche hinweg. Im Westen endet die damals bekannte Form von Christenheit und Kirche. Aber aus den Trümmern wächst Neues, wird Neues gebaut. Die Germanen erobern Reiche und werden ihrerseits von der Religion der beherrschten Menschen erobert. Während in der Antike das Mittelmeer Zentrum der Geschehnisse
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gewesen ist, bildet es für den Zeitraum des Mittelalters die südliche Grenze. Im Zentrum unserer Aufmerksamkeit liegt nun zunächst die nordwestliche Gegend des früheren Imperiums. Im Verlauf des Mittelalters erweitert sich das Gebiet nach Irland, Skandinavien und nach Osteuropa. Im Süden grenzt das christliche Abendland an den Islam (Nordafrika, Spanien, Süditalien), die Ostkirchen durchlaufen ganz eigene Entwicklungen. Mit der byzantinischen Kirche gibt es einige Berührungen (Konkurrenz der Missionare in Russland und auf dem Balkan, Kreuzzüge), die allerdings Mitte des 11. Jhs. von beiden Seiten bewusst abgebrochen werden. Die Kirchen in Äthiopien, Persien und Ägypten treten vorerst ganz aus dem abendländischen Blickfeld heraus. Bevor wir uns diesem Geheimnis weiter nähern, wollen wir uns zunächst einen Überblick über die Geschichte verschaffen. Üblicherweise beschreibt der Begriff Mittelalter die Zeit von 500 bis 1500. Der dominierende Einfluss der Kirche auf das Leben reicht jedoch über das Ende des Mittelalters hinaus, sodass auch die folgende Epoche von Reformation und Gegenreformation (15.–17. Jh.) von Kirche und Religion bestimmt wird. Auch wenn die Einheit der westlichen Kirche in der Reformation zerbricht, so werden Leben und Handeln der Menschen noch einmal vom Evangelium bestimmt. Erst nach dem 30-jährigen Krieg nimmt der Einfluss des Christlichen ab. Um den Umfang dieser Darstellung aber nicht zu sprengen, beschränken wir uns in diesem Buch auf das Mittelalter. Zunächst wollen wir den Anfang der Epoche bestimmen, das Frühe Mittelalter (500–1000). Die antike Hochkultur verliert ab dem 5. Jh. immer mehr an Lebenskraft. Die Germanen halten die römischen Truppen in Atem, schließlich wird 476 der letzte westliche Kaiser Romulus Augustulus von einem germanischen Truppenführer abgesetzt. Zwei Jahrzehnte später tritt der Frankenkönig Chlodwig zum katholisch-christlichen Glauben (498) über. Es beginnt die Transformation des antiken Kulturerbes zu den Germanen und Slawen. Von Anfang an kommt der Kirche ein wesentlicher Anteil dieses Prozesses zu: Sie wird die Lehrmeisterin der lernbegierigen Germanen und Slawen, neue politische Gebilde entstehen. Nach dem Chaos des Beginns folgt der kulturelle Aufbruch im Hohen Mittelalter (1000–1350). Die christliche Kirche bestimmt die Welt, das Denken und Handeln des mittelalterlichen Menschen. Erstmals überschreiten die Abendländer die geografischen Grenzen (Kreuzzüge, Ostkolonisation, Reconquista in Spanien). Aber auch innere Grenzen wer-
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den überschritten: Die Frömmigkeit ist stärker auf Hingabe ausgerichtet, es entsteht eine weltliche Dichtkunst (Minnesang), neue geistliche Gemeinschaften entstehen, der leidende Christus am Kreuz rückt ins Zentrum, und man strebt nach prachtvollen Gebäuden (Gotik). Schon bald setzt der Herbst ein, das Späte Mittelalter und die Renaissance (1350–1500), eine Zeit vieler Krisen. Hungersnöte und das Auftauchen der Pest bewirken einen apokalyptischen Schrecken. Angesichts des drohenden Todes entdecken die Menschen im 15. Jh. erstmals die schönen Seiten des Lebens. Forscher suchen Originalität, staunen über die Ruinen der Antike und sehen in ihren literarischen Zeugnissen Vorbilder für ihre eigene Weltbegegnung, so erwacht zuerst in Italien die Renaissance und bald der Humanismus. Portugiesische Seefahrer beginnen die Küsten Afrikas zu erforschen und Kolumbus entdeckt 1492 Amerika, wo die Spanier Anfang des 16. Jhs. ein Weltreich erobern. 6.–10. Jh. Frühes Mittelalter 11.–13. Jh. Hohes Mittelalter 14.–15. Jh. Spätes Mittelalter und Renaissance
Auch wenn alle Übergänge in der Geschichte fließend sind, erleichtern uns Epocheneinteilungen das Verstehen. Den Zeitgenossen sind diese Einschnitte eher nicht bewusst gewesen. Erst am Ende des Mittelalters ahnen sie den Wandel, dessen Zeugen sie werden.
1 Von der Antike zum Mittelalter
Zeittafel Vorgeschichte: Spätantike • seit 375: Völkerwanderung • 410: Plünderung Roms durch die Goten, 455 durch die Wandalen • 476: Ende des weströmischen Reiches • seit 5. Jh.: Reichsbildungen der Westgoten in Spanien, Wandalen in Nordafrika, Angeln und Sachsen in Britannien, Frankenreich, Ostgotenreich in Italien, Langobardenreich in Italien (Ende der Völkerwanderung!) Frühes Mittelalter (6.–10. Jh.) • Christianisierung • um 500: Franken treten zum katholischen Glauben über • 8. Jh.: Angelsachsen missionieren auf dem Kontinent • Islam • 570–632: Mohammed • ab 633: Arabische Expansion im südlichen Mittelmeer • 711: Araber in Spanien, 732 Abwehr der Araber (Karl Martell) • Politik • 751: Karolinger • um 800: Entstehung des Russischen Reiches • 891: Sieg über die Wikinger (Arnulf von Kärnten) • 955: Sieg über die Ungarn und Elbslawen (Otto der Große) Das hohe Mittelalter (10.–13. Jh.) • 1099: Kreuzzüge • 1076: Investiturstreit • 1100: Ostkolonisation, Reconquista in Spanien • 1122: Wormser Konkordat
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1 Von der Antike zum Mittelalter Das späte Mittelalter und die Renaissance (14.–15. Jh.) • 1336: Goldene Bulle • 1349: Schwarze Pest • 15. Jh.: Erfindungen und Entdeckungen • 1455: Buchdruck (Gutenberg) • 1492: Entdeckung Amerikas (Kolumbus)
Die Zeitspanne des vorliegenden Buches scheint nahezu unbegreiflich lang. Sie beginnt im 6. Jh. mit dem Zusammenbruch des Römischen Reiches im Westen und dem Übertritt der Franken zum Christentum. Sie endet mit dem späten Mittelalter. Weithin scheint das Mittelalter als „dunkle Zeit“. Vor der kirchengeschichtlichen Betrachtung schauen wir uns die Epochen näher an. Uns interessieren vor allem die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungslinien, die wie die Politik für die Kirchengeschichte den Hintergrund bilden. 1.1 Von der Spätantike zum Mittelalter (6.–10. Jh.) 1.1.1 Kontinuität und Umbruch Zeitenwenden sind für Historiker etwas Faszinierendes. Die Zeitgenossen dagegen lieben Veränderungen normalerweise nicht, da sie an ihren Gewohnheiten hängen, die Sicherheit geben. Aber Weiterentwicklung und Fortschritt stellen sich nicht von selbst ein. Meist sind Herausforderungen zu bewältigen, etwas hat sich verändert, und darauf muss reagiert werden. Es gilt neue Antworten zu geben. Im Übergang von der Alten Kirche hin zum Mittelalter finden wir beides: Festhalten an bewährten Handlungsmustern und mutige neue Schritte in die Zukunft. Manches ändert sich von Grund auf, weil es in der bekannten Form nicht weitergehen kann. Veränderungsprozesse sind immer Chancen, bergen aber auch Risiken. In der Spätantike zerfällt das christliche Römische Weltreich. Während der Staat im Westen mit seinen Institutionen versinkt, bleibt die Kirche als ehrwürdige Institution weitgehend bestehen. Selbst eingefleischte Heiden wenden sich in dieser Zeit der letzten „römischen Institution“ zu. Sie gibt ihnen Halt und damit auch Hoffnung für die Zukunft. Die Kirche übernimmt bei der Entstehung des christlichen Abendlandes eine Hauptrolle. Und weil die Übernahme einer Rolle auch auf den Rollenträger wirkt, verändert sich die Kirche selbst. Werfen wir einen Blick auf die Änderungen der Rahmenbedingungen.
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Seit dem 4. Jh. wird die antike römische Kultur ständig von inneren Krisen erschüttert. Der Staat verliert an innerer Kraft und kann sich äußeren Bedrohungen nicht mehr wirksam erwehren. Bereits seit dem 2/3. Jh. gibt es Unruhen an der Grenze zwischen Rhein und Donau, an welcher germanische Stämme siedeln. Durch das Vordringen der Hunnen machen sich Germanen wie Slawen auf den Weg nach Westen und Süden. Germanische Stämme verwüsten wiederholt ganze Landstriche, römische Truppen werden zusammengezogen. Einzelne Teile des Römischen Reiches wie Britannien müssen daher letztlich aufgegeben werden. Das Römische Reich zerfällt, 395 wird es aufgeteilt in das östliche Byzantinische Reich und das Weströmische Reich, welches jedoch bereits Ende des 5. Jhs. endgültig zusammenbricht. Das östliche Reich vermag sich mit seiner Hauptstadt Konstantinopel noch bis 1453 zu halten, dann erobern es die Türken. Als schlimmstes Ereignis erleben die Zeitgenossen die Eroberung Roms durch die Westgoten im Jahr 410: Viele haben gemeint, dass nun das Ende der Welt bevorstehe. Während das Römische Weltreich im Westen in Trümmern versinkt, entstehen neue germanische Staaten: 418–500 das Wandalenreich in Nordafrika, 406–534 das Burgunderreich in Südfrankreich, 550–711 das Westgotenreich in Südfrankreich und Spanien, 493–553 das Ostgotenreich in Italien, 568–774 das Langobardenreich in Oberitalien. Sie verschwinden oft ähnlich schnell, wie sie gekommen sind. Im 7. Jh. zerbricht die Einheit der Mittelmeerkultur endgültig, ab dem 8. Jh. dringen arabische Heere nach Nordafrika und Spanien vor, die auch christianisierte Gebiete im Osten unter ihre Herrschaft bringen (Kleinasien, Ägypten, Nordafrika). 732 gelingt es den Franken, ihr Vordringen in Europa bei Poitiers aufzuhalten. Die Christenheit verliert Gebiete und damit Menschen. Noch bleiben die Menschen Christen, aber mit dem Zerfall des Staates geht auch ein Zerfall der Gemeinden einher. Unter islamischer Herrschaft geht die Zahl der Christen allmählich zurück, und auch unter den germanischen Herrschern ist es nicht anders. Wird die Kirche bleiben? Hat sie eine Zukunft? Mit dem Zusammenbruch des Römischen Weltreiches zerbrechen die wirtschaftlichen Strukturen des Großreiches: Die Steuern und Tribute fließen nicht mehr in die Hauptstadt, das löst Finanzkrisen aus. Zugleich fallen die Getreidelieferungen aus Ägypten, der Kornkammer des Imperiums, weg. So ist die Nahrungsmittelversorgung in den Ballungszentren
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nicht mehr gewährleistet. Der gewohnte Luxus Italiens sinkt, die Selbstverständlichkeiten des Lebens werden zu Herausforderungen: Woher soll nun Getreide kommen, womit soll man bezahlen? Während die Sorge um Nahrungsmittel den Alltag immer mehr bestimmt, sinkt z.B. das Interesse an Bildung. Mit dem Zerfall der staatlichen Autoritäten werden zudem Müllentsorgung, Feuerwehr, Polizei und Straßenbau zu Problemen. Wer kann sich dieser Fragen annehmen? Die kurzlebigen germanischen Staatsgebilde haben mit den komplexen Aufgaben des antiken Staates keine Erfahrungen. An dieser Stelle übernehmen die Bischöfe von Anfang an neue Aufgaben. Viele von ihnen haben vorher eine politische Karriere im Staat absolviert, sie verstehen also, wie staatliche Verwaltung funktioniert. So fällt der Kirche an vielen Orten kommunale Verantwortung zu. Kein Wunder, dass die Germanenherrscher später den Bischöfen eine Regierungs- und Verwaltungskompetenz zuerkennen (s.u. 4.1). Ebenso kümmert sich die Kirche um die Bildung, es entstehen zahlreiche Schulen in Klöstern, um den notwendigen Nachwuchs an Lese- und Schreibkundigen heranzubilden. So übernehmen die Klöster, die ursprünglich den Rückzug aus der Welt suchen, eine ganz neue Aufgabe für das Gemeinwesen. Für Jahrhunderte sind die Klöster die Bildungsstätten der Epoche (s.u. 8.1.1). In Westeuropa geht die Stadtkultur weitgehend zurück, in Deutschland bleiben nur einzelne Römerstädte rudimentär erhalten. Ganz allgemein sinkt die Kultur, statt mit Steinen werden Gebäude aus Holz errichtet. Die Straßen verfallen. Das Rheinland ist schon lange Zeit Grenzland zwischen Römern und Germanen. Aber wie ist es um das Christentum in Gallien und im Rheinland bestellt? Bereits um 180 sind erste christliche Gemeinden im Rheinland bezeugt. Zu ihnen zählen sich überwiegend römische Beamte, Soldaten und Kaufleute, offenbar finden kaum Einheimische zum Glauben. Sie gelten als Barbaren, und ihnen bleibt man das Evangelium schuldig. Daher handelt es sich um „lateinische“ Gemeinden. Sie haben offenbar kein missionarisches Feuer – mitten in der germanisch-heidnischen Umgebung teilen sie das Evangelium nicht. Ihr Gemeindeleben ist bestimmt von Sakramentsgebrauch, Dienst der Priester, Gottesdiensten und ihrer Zugehörigkeit zur Kirche. Die Beziehung zu Jesus ist zurückgetreten – was aus der Begegnung mit Jesus entstanden ist (Priester, Kirche, Gottesdienst), ist hier selbst in den Mittelpunkt getreten.
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Mit der Konstantinischen Wende (313) nimmt das „Konjunkturchristentum“ auch im Rheinland und in Gallien zu. Allerdings darf man sich keine falschen Hoffnungen über den Evangelisierungsgrad machen: Für die rund 60.000 Einwohner der römischen Stadt Trier ist bis 385 ein einziges Kirchengebäude ausreichend. Seit 400 wird das Heidentum durch den Staat unterdrückt, 450 gilt Trier als „christliche“ Stadt, d.h. heidnische Bräuche sind aus der Öffentlichkeit verschwunden, auf eine „Erweckung“ deutet nichts hin. Die bald eindringenden Franken werden auf ein eher verwässertes Christentum treffen, das den Durchblick auf das Entscheidende verloren hat. Während die (lateinischen) Christengemeinden im Rheinland unter dem Ansturm der Germanen weithin untergegangen sind, bleiben die gallischen Gemeinden erhalten. Die Bischöfe bemühen sich im allgemeinen Chaos um ein Mindestmaß an Ordnung und um ein gutes Verhältnis zu den neuen Herren. Dennoch bleibt es an den Grenzen unruhig. Immer wieder fallen neue Stämme der Germanen ein, immer neu wechseln Herrscher. Zusammenfassend soll Gregor von Tour zu Wort kommen, ein Zeitzeuge der Veränderungen, der die Geschichten für die Nachwelt gesammelt und der Nachwelt damit erhalten hat. Indem wir dem Laufe der Zeiten weiter nachgehen, erzählen wir bunt durcheinander von den Wundertaten der Heiligen und den Unfällen der Völker. Und ich denke, man wird es nicht tadeln, wenn wir von dem glückseligen Leben der Heiligen und den unseligen Schicksalen der Gottlosen hier zusammen berichten, denn nicht aus Unbedacht des Schreibers geschieht es, sondern weil es der Verlauf der Zeiten so mit sich bringt. (Gregor von Tour: Geschichte 2, Einleitung)
1.1.2 Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur der Germanen Woher kommen die Germanen, die nun scheinbar plötzlich auf der Bildfläche der Weltgeschichte auftauchen? Die germanischen Völker ziehen von Norden nach Süden. Sie stammen ursprünglich aus Südschweden, Dänemark und Schleswig-Holstein, von wo aus sie sich allmählich nach Norddeutschland und Polen ausbreiten. Allmählich gelangen sie an die Grenzen des Römerreiches. In der Zeit der Wanderungen schließen sich verschiedene Stämme seit dem 4. Jh. zu neuen Völkern zusammen, oft entstehen solche Großverbände im
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Kampf gegen die Römer. Damals formen sich auch zentrale Leitungsstrukturen durch einen König. Was diese Völker dazu veranlasst, ihre Heimat zu verlassen, ist unklar. Vermutlich führen die Verschlechterung des Klimas und das starke Wachstum der Bevölkerung zum Aufbruch ganzer Volksgemeinschaften. Einer anderen Theorie zufolge ist der Ansturm der Hunnen ein möglicher Auslöser. 375 dringen ihre Reiterheere unter Attila aus den Steppen Asiens nach Westen vor und lösen damit eine Völkerwanderung aus. Der Begriff „Wanderung“ ist allerdings eher beschönigend für ein dramatisches Geschehen, das vielmehr mit einem Sturm zu vergleichen ist. Diese „wandernden“ Völker wirbeln wie ein Sturm die Gebiete durcheinander, durch die sie ziehen. Immer wieder schrecken sie neue Menschen auf, die sie mitziehen, andere lassen sie dabei zurück. Sogar die Namen einiger Völker kommen neu auf (z.B. Franken), während man von den Völkern, die einst wie die Chatten in Hessen den Römern das Leben schwer gemacht haben, nichts mehr hört. Viele Germanen werden vom Glanz und Wohlstand der antiken Zivilisation angelockt, immer wieder überqueren Streifscharen die Grenzen zum Römischen Reich, plündern Städte und Dörfer, nehmen Menschen als Sklaven gefangen. Während sich die Römer zu Beginn noch energisch ihrer Haut wehren, nimmt ihre Kraft immer stärker ab. Parallel zu diesen Zeichen der Schwäche wächst der Druck an den Grenzen. Immer mehr Germanen scheinen ihre armselige Heimat verlassen zu wollen, um im scheinbar goldenen Römerreich ihr Glück zu machen. Die Bedrohung durch die Hunnen ist zudem so massiv, dass selbst die römischen Grenzanlagen die Menschen nicht aufzuhalten vermögen. Die nun auf dem Reichsgebiet siedelnden Germanenvölker wie die Goten sind oft zumindest in Teilen christianisiert (s.u. 3.1), wenngleich ihre Ansiedlung zur weiteren Destabilisierung der römischen Herrschaft führt. Der Lebensstil der Germanen unterscheidet sich deutlich von dem der Griechen und Römer. Ihre Kultur ist gänzlich bäuerlich geprägt. Über 90% der Germanen leben in und von der Landwirtschaft, sie wohnen in kleinen Weilern, zu denen kaum mehr als 70 Personen gehören. Städte sind ihnen gänzlich unbekannt. Ihre Häuser bauen sie aus Lehm und Holz in Fachwerk-Bauweise, ihr Vieh wohnt mit ihnen unter demselben Dach. Im Winter sorgen die Tiere für angenehme Temperaturen, ganzjährig aber auch für einen ländlichen Duft. Arbeitsteilung ist den Ger-
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manen fremd: Jeder baut sein Getreide an, errichtet sein Haus und fertigt seine Möbel selbst. Im Kriegsfall ziehen alle freien Germanen in den Kampf. Lediglich die Kunst der Metallverarbeitung übernehmen die Schmiede als Spezialisten, die als Einzige in festen Steinhäusern wohnen. Handel funktioniert durch Tausch. Geld ist unbekannt; alles wird mit Naturalien und Produkten getauscht oder mit Arbeitsleistung erworben. Die politischen Führer wohnen auf Burgen, meist handelt es sich dabei um einen befestigten Turm, später kommen Palisade und Wall hinzu. Die Adligen sind zugleich auch Priester für ihren Einflussbereich, sie sorgen also nicht nur für „Law and Order“, sondern auch für das „Seelenheil“ ihrer Untergebenen. Als bäuerliche Kultur haben die Germanen keine Schriftsprache, was hätten sie auch schriftlich festhalten wollen? Einige kennen Buchstaben (Runen), womit man jedoch nur wichtige Gegenstände mit seinem Namen kennzeichnet. Neben der Kennzeichnung dienen die Runen wohl vor allem magischen Zwecken: Sie sollen den Besitzer schützen und die Kraft des Gegenstandes steigern (z.B. Zauberschwert, Amulett). Der Untergang der Antike ist kein abruptes Ereignis, sondern eher ein gleitender Übergang zwischen den Epochen. Dies gilt besonders für die Region des mitteleuropäischen Grenzgebietes, wo jahrhundertelang Römer, Gallier und Germanen nebeneinander gelebt haben. Natürlich wird auch das „freie Germanien“ früh vom römischen Imperium beeinflusst, etwa durch die exportierten Waren (Wein, Keramik und Schmuck). Aber auch die Beschäftigung der Germanen als Truppenführer und Soldaten in der römischen Armee sorgen für Austausch zwischen den Kulturen. Auf dem Gebiet des ehemaligen Römischen Reiches kommt es so zur Begegnung der Kulturen der Franken und Römer. Die Germanen öffnen sich der überlegenen Kultur und sind bereit zu lernen, doch versinkt die antike Kultur und deren Institutionen. Die Kirche tritt an dieser Stelle als Vermittlerin der antiken Kultur auf. Indem sich die Germanen der römischen Kultur öffnen, erhält die Kirche zugleich die Gelegenheit zur Mission. Da Kultur und Religion bei den Germanen eng verwoben sind, vermischen sich „Erziehung“ und Mission. Allmählich werden nicht nur die germanischen Eroberer des Südens christianisiert, sondern bald ziehen auch Missionare nach Norden in die Heimat der Germanen.
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1.1.3 Die Germanische Religiosität Die religiöse Vorstellungswelt der Germanen ist sehr unterschiedlich und heute schwer zu fassen. Die Quellen sind mehr als spärlich, die schriftlichen Quellen stammen von späteren christlichen Autoren, die nicht mehr auf dem Boden der germanischen Religion stehen. Germanische Religiosität kennt keine Trennung von Heiligem und Weltlichem, das ganze Leben ist von Religion durchdrungen. Meist verehren sie mehrere Götter, deren Anerkennung tief verwurzelt ist. Die meisten uns zugänglichen Quellen betreffen Nordeuropa. Adam von Bremen berichtet über die Schweden: Dieses Volk hat einen sehr berühmten Tempel, der Ubsola [Uppsala] heißt und nicht weit von der Stadt Sictona liegt. In diesem Tempel, der ganz mit Gold geschmückt ist, betet das Volk die Bildsäulen dreier Götter an, und zwar so, dass der mächtigste von ihnen, Thor, mitten im Gemache seinen Thron hat; rechts und links sitzen Wodan [Odin], und Fricco [Freyr]. Die Deutungen derselben sind folgende: „Thor“, sagen sie, „hat den Vorsitz in der Luft, er lenkt Donner und Blitz, gibt Winde und Regen, heiteres Wetter und Fruchtbarkeit. Der andere, Wodan d. h. die Wut, führt Kriege, und gewährt dem Menschen Tapferkeit gegen seine Feinde. Der dritte ist Fricco; er spendet den Sterblichen Frieden und Lust.“ Sein Bild stellen sie auch mit einem ungeheuren männlichen Gliede versehen dar. Den Wodan aber formen sie gewappnet, wie die Unseren den Mars zu bilden pflegen. Thor aber scheint mit seinem Szepter den Jupiter vorzustellen (Adam von Bremen IV,26).
Im Norden steht Thor allen Göttern voran, ihm werden Fruchtbarkeit und Wachstum zugeschrieben. Sein Zeichen ist der Hammer, der wie ein auf dem Kopf stehendes „T“ dargestellt wird. Neben ihm wird Odin, der auch Wodan (vgl. dt. Wut) genannt wird, als Gott des Krieges und des Zaubers verehrt. Oft wird Odin als tanzender Krieger mit zwei Hörnern abgebildet. Als heilender Gott ist er populär. In den Jahrhunderten der Auseinandersetzung zwischen Christen und Germanen scheint Odin die Rolle des „Gegenspielers“ Christi zugewiesen worden zu sein; aus christlicher Sicht wird er später „verteufelt“: der Gehörnte wird zum Bild Satans. Während die Christen die Götter des Nordens als Dämonen qualifizieren, präsentieren die Germanen ihre Götter als Siegbringer, Heiler und Helfer.
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Bei allen Annahmen über die germanische Religion müssen wir heute davon ausgehen, dass sich deren Vorstellungen durch die Begegnung mit dem Christentum verändert haben. Schließlich spitzt sich diese Auseinandersetzung auf eine Frage zu: Welcher Gott ist mächtiger? Kein Wunder, dass Christus in den geschichtlichen Quellen der Zeit als mächtiger Helfer und Heiler dargestellt wird. Das Zusammengehörigkeitsgefühl der Sippen ist ausgesprochen eng. In manchen Fällen wagen die Menschen nicht, sich der für sie neuen Religion des Christentums anzuschließen, weil sie sich so von der Gemeinschaft ihrer Sippe und ihres Volkes trennen. Einem Bericht zufolge hat sich ein Fürst der Friesen taufen lassen wollen. Als er aber zunächst danach fragt, ob er nach seinem Tode mit den verstorbenen Fürsten der Friesen vereint sein werde und ein Geistlicher dies verneint, nimmt er Abstand von der Taufe, da ihm die Gemeinschaft mit seinen Vorfahren unverzichtbar erscheint. Deshalb ist es das Ziel der Missionare, ganze Volksgemeinschaften zu missionieren. Aufgrund der engen Gemeinschaftsbindung der Germanen setzen die Missionare oft bei der politischen Führung an. Sind die Führer gewonnen, wird eine Stammesversammlung einberufen, stimmt diese zu, folgt die Taufe und die Absage an das Heidentum, womit die eigentliche Missionsarbeit beginnt. Somit erfolgt zunächst die Annahme des Christentums, dann erst folgt die Aneignung der Inhalte. Deshalb schließt sich die Missionspredigt bei den Germanen nach der Taufe (s.u. 3.1) an. Nach einer solchen Absage an die alte Religion bleiben die frühen Bindungen noch lange erhalten. So kommt es zu sehr langen Übergangszeiten, zum Nebeneinander von alter und neuer Religion. Zu erkennen ist dies beispielsweise an Gussformen aus Speckstein, in welchen Amulette hergestellt worden sind: Im selben Formstein finden sich sowohl Thorshammer als auch Kreuz, so dass der Handwerker nach Bedarf agieren kann. Da den Germanen eine religiös begründete Ethik fremd ist, steht zwangsläufig die Predigt von Gesetz und Gericht im Vordergrund der Verkündigung; das Evangelium tritt dabei zunächst zurück. Daraus entwickelt sich ein neues Gottesbild. Um den Germanen Gott zu verkünden, knüpfen die Missionare an die germanische Vorstellung vom Gefolgschaftsverhältnis an: Christus ist der Gefolgsherr, dem sich der Christ als Gefolgsmann anschließt. Dieser Einfluss wird bis heute in unserer Gebetshaltung deutlich. Falten wir die Hände, so tun wir das
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nach einem germanischen Brauch: Begibt sich ein Gefolgsmann in die Hände eines Gefolgsherren, dann hat er seine Hände zusammengelegt, und der Gefolgsherr umfasst diese zusammengelegten Hände mit seinen Händen. Durch dieses Ritual ist das Verhältnis rechtsverbindlich. Da das Christentum nicht „nur“ das (religiöse) Heil anbietet, sondern auch die Kultur der Antike vermittelt, vermischen sich Evangelisation und Bildung. Die Germanen lernen sowohl die Kultur als auch die „Religion“ der Antike kennen und schätzen. Sie nehmen eine ehrfürchtige Stellung gegenüber allen Überlieferungen der Antike ein: Selbst die lateinische Kirchensprache hält sich deshalb lange in der Liturgie des Gottesdienstes; in Theologie und Recht werden Traditionen übernommen, das Altertum wird zur „heiligen Zeit“ verklärt. Eine Unterscheidung von Evangelium und Kultur ist den Germanen kaum möglich. Was gehört zur Religion und ist somit heilig, was gehört zur Kultur und ist demnach weltlich? Die Treue von Gott, der im Gegensatz zu den „Göttern“ der germanischen Mythologie seine Zusagen hält, bewegt die Herzen der Germanen. In der Verkündigung nimmt daher die Herrschaft Jesu über Teufel und Dämonen einen großen Raum ein, weil hier germanischen Ängsten begegnet werden kann. Christus ist der siegreiche Herr über die Schicksalsmächte. Besonders das Erfahren der Macht Gottes prägt die Germanen tief. Die Barrieren zwischen Germanen und römischen Christen sind enorm, schon begrifflich tun sich Gräben auf. Das zeigt sich etwa an der Vorstellung von Gott. Das germanische Wort (althochdt. Got) ist ursprünglich ein Neutrum (das Gott). In den ältesten christlichen Dokumenten aus Nordeuropa wird dieses Wort weiterhin als Neutrum betrachtet (und meist im Plural gebraucht). In der vor-christlichen Zeit entspricht Gott einem Kollektivbegriff, der sich langsam zum Abstraktum entwickelt, welches eine göttliche Schicksalsmacht beschreibt. Somit kann Gott als „die Mächte“ wiedergegeben werden. So wird der christliche Gott als die neuen Mächte aufgefasst. Von hier bis zur Vorstellung des Schöpfers und Erlösers ist ein weiter Weg zurückzulegen. Ähnlich interessant ist die Entstehung des Wortes für Seele (grch. psyche, lat. anima). Bezeichnet wird damit bei den Griechen die unsterbliche, nach dem Tode weiterlebende Seele. Diese Vorstellung ist den Germanen ganz fremd. Sie kennen eine immaterielle Lebenskraft im lebendigen Leib (althochdt. ferah), die mit dem Tod endet. Das germanische
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Wort für Seele (german. saiwala) kommt sprachgeschichtlich von got. Saiws, althochdt. seo, der See. Sprachwissenschaftler weisen auf mythische Vorstellungen von Seen hin, in denen ungeborene Kinderseelen leben und in die Totenseelen zurückkehren. Während also die Germanen eine vergängliche ferah (dt. Lebenskraft) annehmen, kommt durch die christliche Verkündigung die Vorstellung der unsterblichen Seele auf, wodurch saiwala auch die Seele im lebendigen Leib bezeichnen muss. Vermutlich entsteht das Wort bereits im 4. Jh. An diesem Beispiel lässt sich gut erkennen, vor welchen Herausforderungen Missionare stehen, deren Ziel es ist, die christlichen Glaubensinhalte in die neuen Zielsprachen zu übersetzen. 1.1.4 Wirtschaft und Gesellschaft im Umbruch Für das frühe Mittelalter schätzt man, dass etwa 7 Mio. Menschen nördlich der Alpen leben, davon sind ca. 30.000 Krieger oder Geistliche, die übrigen leben als Bauern in und von der Landwirtschaft. Auch das Leben der Ritter und Geistlichen entspricht nicht unbedingt dem, was uns Spielfilme zeigen. Nicht wenige Ritter und Geistliche arbeiten in der Landwirtschaft, um sich Nahrung zu verschaffen. So zieht das Streitross des Kriegers im Frieden nicht selten den Pflug. Pfarrscheunen und Pfarrland sind normale Bestandteile der Pfarreien. Nur ganz wenige Auserwählte sind von der landwirtschaftlichen Arbeit vollständig freigestellt! Dazu gehören zunächst die hohen Adligen. Typisch für das Leben der Menschen im Mittelalter ist die Grundherrschaft, die wohl nach der Landnahme (4.–8. Jh.) entstanden ist, als die germanischen Herrscher die römischen Großgrundbesitze unter sich aufgeteilt haben. Aus dem 9. Jh. sind uns Aufzeichnungen der vorhandenen Güter und Abgaben überliefert, aus denen wir auf die Organisationsstruktur schließen können. Den Mittelpunkt der Grundherrschaft bildet ein Herrenhof, der vom Grundherrn oder seinem Verwalter mit Sklaven (Gesinde) bewirtschaftet wird. Der größere Teil des Grundbesitzes ist jedoch in Bauernstellen aufgeteilt, die sogenannten „Hufen“. Dort leben Bauernfamilien, die das Land bewirtschaften und Abgaben an den Grundherrn zahlen oder Dienste leisten (Transport, Bäume fällen u.ä.). Die Grundherren stehen den Menschen innerhalb ihrer Grundherrschaft vor, dazu zählen: das Gesinde, das auf den Feldern des Grundherrn arbeitet, unfreie Bauern, die Land vom Grundherrn erhalten und
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ihm dafür Abgaben zahlen sowie Dienste leisten, freie Bauern, die sich freiwillig dem Grundherrn anschließen, von ihm Schutz und Hilfe erfahren und ihm dafür kleinere Abgaben leisten. Ohne diese Einbindung in eine Grundherrschaft ist das Leben damals kaum zu meistern. Der Grundherr schützt seine Leute bei kriegerischen Auseinandersetzungen, er sorgt für Recht und Ordnung, versorgt sie nach Naturkatastrophen oder Missernten mit Saatgut. So sind die Grundherrschaften so etwas wie die damaligen Fürsorgesysteme. Neben den Grundherrschaften gibt es freie Bauern, die allerdings mit der Zeit in den Machtbereich der Grundherren gezwungen werden. Einige unterstellen sich auch freiwillig den Grundherren, weil sie dann nicht mehr als Freie selbst Kriegsdienst leisten müssen. Da diese freien Bauern ihr eigenes Land in die Grundherrschaft einbringen, sind ihre Abgaben und Dienste meist deutlich geringer als die der anderen Bauernstellen. So gibt es am Ende des Mittelalters nur noch in entlegenen Berggebieten freie Bauern. Zu den großen Grundherren zählen die Könige, die Adligen, Klöster und Bischöfe. Gegenüber den Menschen der Grundherrschaft übt der Grundherr hoheitliche Rechte aus: Er schützt seine Herrschaft militärisch und polizeilich, sorgt für Rechtsprechung und nimmt die Steuern ein. Alle Menschen einer Grundherrschaft bilden die „Familie“ (lat. familia), wirtschaftliche und politische Beziehungen sind eng verflochten. Typisch für das Herrschaftssystem des Mittelalters ist darüber hinaus das Gefolgschaftswesen. Darunter versteht man das freiwillige Bündnis zwischen einem Gefolgsherrn und einem Gefolgsmann (auch Vasall genannt). Der Gefolgsmann verspricht seinem Herrn in Treue zu dienen, im Gegenzug sichert der Gefolgsherr zu, ihn zu versorgen und zu schützen. Dazu übergibt er ihm ein Landgut oder nutzbare Rechte (z.B. Zolleinnahmen) als Lehen (lat. feudum, daher der Begriff Feudalismus als Epochenbezeichnung). Ursprünglich sollen diese Lehensbeziehungen auf Lebenszeit sein, seit dem 9. Jh. setzt sich jedoch die Erblichkeit der Lehen durch. Am Gefolgschaftswesen lässt sich erkennen, wie sehr die Herrschaftsbeziehungen durch persönliche Beziehungen geprägt sind. Im Unterschied zu den römischen Kaisern residieren die mittelalterlichen Könige nicht in einer „Hauptstadt“, sondern leben in mehreren Palästen und Aufenthaltsorten. Die mittelalterlichen Herrscher reisen, dafür hat es
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mehrere Gründe gegeben. Zum einen geschieht Herrschaft damals persönlich. Wenn der König herrschen will, muss er selbst anwesend sein. So zieht der König von Ort zu Ort, erlässt Gesetze und spricht Recht. Betrachtet man die Ausstellungsorte der mittelalterlichen Urkunden, lassen sich die Reiserouten der Herrscher nachvollziehen. Je nach Zeit und König gibt es Orte und Landschaften, in denen sich die Könige immer wieder aufgehalten haben, und solche Gebiete, in denen kaum ein Herrscher auftaucht. Karl der Große hält sich naturgemäß stärker im Westen auf, während Otto I. besonders häufig zwischen Magdeburg, Erfurt, Duisburg und Ingelheim verweilt. Zugleich lassen sich auch ganz praktische Gründe für das Reisekönigtum vermuten: Der königliche Hof ist groß und der Transport von Nahrungsmitteln vergleichsweise schwer. So ist es leichter für den Herrscher, durch das Land zu ziehen und die Vorräte vor Ort zu verzehren. Das Leben im frühen Mittelalter ist hart, viele Hungersnöte und Missernten dezimieren die Bevölkerung. Die Produktivität in der Landwirtschaft ist zunächst gering: Das Verhältnis von Aussaat und Ernte hat im Verhältnis höchstens 1:3 gestanden. Für ein Saatkorn wachsen drei Körner nach, davon muss man eines zurücklegen zur Aussaat und zwei stehen zum Verzehr zur Verfügung. Jedes Unwetter und jede kriegerische Unternehmung stellt die Existenzbedingungen infrage, in Hungerzeiten büßen die Menschen auch Abwehrkräfte gegen Krankheiten ein. Das Leben ist damals bedrohtes Leben, und Angst gehört zum tragenden Lebensgefühl der Zeit. Dazu kommen Angriffe und Plünderungen anderer Völker. Wikinger und Ungarn bedrohen das Leben von außen, rauben die geringen Erträge. Das frühe Mittelalter ist eine Zeit des Unfriedens. Vom 8.–12. Jh. herrscht in Europa allerdings ein relativ mildes Klima, das auch die Landwirtschaft begünstigt. Durch diesen Umstand können mehr Menschen besser ernährt werden und sind widerstandfähiger gegen Krankheiten, die Bevölkerung kann allmählich wachsen. Wir besitzen zwar keine statistischen Daten aus jener Zeit, aber die Chronisten berichten von Rodungs- und Siedlungsaktivitäten in jener Zeit, was darauf schließen lässt, dass die Bevölkerung gewachsen ist. Zwischen 300 und 1340 wächst die Bevölkerung Europas von annähernd 17 Mio. auf über 50 Mio. Einwohner, andere rechnen sogar mit über 70 Mio. Einwohnern. Aber das Leben bleibt bis ins 11. Jh. den-
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noch durch vielerlei Faktoren bedroht: Der Ertrag der Ernte ist immer wieder zu gering, Wetterunbilden führen zu Hungerkatastrophen, die Menschen bleiben anfällig für Krankheiten. Der Transport von Nahrung aus möglichen Überschussgebieten ist mit zweirädrigen Karren kaum möglich. Zudem werden Länder und Gehöfte durch die häufigen Kriege und Fehden nachhaltig zerstört. Die meisten Menschen leben auf dem Land, weil die landwirtschaftlichen Erträge so gering sind, ist hier jede Hand nötig. Städte gibt es kaum, meist sind sie sehr klein, denn die Ernährung gestaltet sich schwierig. Kaufleute handeln mit Luxuswaren, die Gegenstände werden getauscht, es gibt noch keine Geldwirtschaft. Während sich die Bauern abmühen und plagen, leben die Grundherren geradezu verschwenderisch. Auf diese Weise stellen sie ihre hervorgehobene Stellung und Macht zur Schau. Dennoch geht es auch in der Landwirtschaft bergauf. Die Verbesserung in den landwirtschaftlichen Techniken setzt sich nicht überall und sofort durch, aber es ist ein Anfang gemacht, der weiter entwickelt werden kann. Drei Stände lassen sich in jener Zeit unterscheiden, über 90% der Bevölkerung ist in der Landwirtschaft tätig. Die übergroße Mehrzahl gehört zu einer Grundherrschaft und ist persönlich unfrei. Neben ihnen stehen die Geistlichen, vor allem Mönche, deren Aufgabe es ist, für das Heil der Menschen zu beten. Als dritter Stand gelten die Ritter, die die anderen Stände beschützen und für Frieden und Recht sorgen sollen. 1.1.5 Politik im Zeitalter der Karolinger und Ottonen Bedeutend für Europa ist das Reich der Franken, die vom Niederrhein aus allmählich auf römisches Gebiet vordringen. Der Anführer Childerich hat im Auftrag des versinkenden Westreiches einen Grenzabschnitt verteidigt und versteht sich bald selbst als König. Sein Sohn Chlodwig (481– 511) baut zäh und mit allen Mitteln seine Herrschaft aus. 498 tritt er zum katholischen Glauben über (s.u. 3.1.4) und lässt sich taufen. Zu Beginn seiner Herrschaft regiert er über Belgien, Luxemburg, Nordwestfrankreich (ohne Bretagne) bis südlich einer Linie zwischen Nantes, Tours und Straßburg. Bis zum Ende seines Lebens weitet er sein Gebiet erst nach Osten (von den Niederlanden bis zur Weser und Werra) und nach Süden (von Bordeaux an der Garonne entlang und in Nord-Südrichtung an der Loire) aus. Vereinfacht gesagt, besteht sein Reich aus einem Großteil der Gründungsmitglieder der Europäischen Gemeinschaft (ohne Italien).
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Zwischen dem 8. und 11. Jh. spielt Europa für die Weltgeschichte kaum eine Rolle. Aus allen Himmelsrichtungen wird es bedroht: Moslems kommen vom Süden, Skandinavier vom Norden und Ungarn aus dem Osten. Im Mittelpunkt des Geschehens steht das Frankenreich, das sich langsam, aber stetig über das ehemalige Gallien erweitert (s.u. 3.1.4; 4.1.2). Als einziges Staatsgebilde hat es die germanischen Staatenbildungen überdauert. 732 besiegen die Franken unter Karl Martell die Araber und stoppen deren Vordringen in Europa. In den nächsten Jahrhunderten sichern die Franken dem christlichen Abendland seine Grenze nach Süden. 751 kommt die Karolingische Dynastie mit König Pippin (751– 768) an die Macht. Da er nicht aus altem Königsgeschlecht stammt, lässt er sich durch den Papst zum König salben, die Könige regieren künftig „von Gottes Gnaden“ (s.u. 4.1.1). Unter Karl dem Großen (768–814) entsteht so ein neues Imperium, sein König beherrscht im Süden Oberitalien und weitet das Gebiet auch nach Osten (Sachsen, Schwaben, Hessen, Thüringen, Bayern und Österreich) aus. Damit ist Mitteleuropa erstmals vereint. Es reicht im Osten bis zur Elbe, im Süden bis zu den Pyrenäen und zur Mitte Italiens. Karl der Große zwingt allen Untertanen den christlichen Glauben auf (s.u. 9.1). Um das Land zu regieren setzt Karl Grafen als seine Stellvertreter vor Ort ein, zusätzlich sendet er Königsboten zur Kontrolle aus. Da die Grafen aus den mächtigen Fürstenfamilien berufen werden, kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen den regionalen Machthabern und dem König. Das ganze Mittelalter hindurch lässt sich diese Spannung zwischen Zentrale und Region beobachten. Die herausragende persönliche Begabung Karls des Großen führt in dieser Zeit aber immer wieder zum Sieg der Zentralmacht, seinen persönlich schwächeren Söhnen gelingt es nicht, daran anzuknüpfen. Die Ausdehnung des fränkischen Machtbereichs wird gewaltsam erzwungen. In jedem Sommer ziehen die fränkischen Krieger Karls des Großen in den Krieg. Zum Heer dürften maximal 20.000 Krieger gezählt haben, alle waffenfähigen Freien haben sich an den Kriegszügen beteiligen müssen. Gerade für kleinere Grundbesitzer ist diese Praxis ein Grund zur Sorge und Klage, denn die Abwesenheit erschwert nicht nur die landwirtschaftliche Arbeit, sondern lässt die Höfe oft schutzlos zurück. Nicht wenige nehmen deshalb lieber persönliche Unfreiheit in Kauf, als jährlich in den Krieg zu ziehen.
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Nach der Zeit Karls des Großen zerfällt das fränkische Imperium, da es nach fränkischem Recht unter die Söhne Karls aufgeteilt wird. Aus dem Ostteil geht Deutschland hervor, in dem die Sachsen die Führungsrolle übernehmen. Mitteleuropa wird zur Wiege des christlichen Abendlandes, das sich gegen Moslems im Süden und Heiden aus Skandinavien bedroht sieht. Namentlich die Wikingerangriffe verbreiten seit 787 Furcht und Schrecken: Plötzlich tauchen ihre Drachenboote an den Küsten und an den Ufern der großen Flüsse auf, sie plündern und verschwinden mit ihrer Beute. Auch die Franken scheinen anfangs ohnmächtig, zahlen Tribute, geben den Normannen sogar Land zu Lehen. Aber je mehr sich die Wikinger in Europa niederlassen, desto mehr büßen sie an Kraft ein und werden angreifbar. Arnulf von Kärnten besiegt sie 891 bei Löwen, danach verebben ihre Angriffe. In England und Frankreich errichten sie Königreiche. Im Osten entsteht Mitte des 9. Jhs. ein Reich in Mähren. Sein König wendet sich an den byzantinischen Kaiser und bittet diesen um Unterstützung durch Missionare. Seit Beginn des 9. Jhs. sind dort bereits Missionare aus Bayern aktiv und es lassen sich steinerne Kirchen aus diesen Tagen nachweisen. Dennoch fürchten die mährischen Herrscher den Einfluss und eine mögliche Vereinnahmung durch den Westen (s.u. 3.1.5). Bereits im Jahre 904 zerbricht das Großmährische Reich unter dem Ansturm der Ungarn. Sie stammen aus dem Osten und bestürmen in der Folgezeit die Region zwischen Italien, Österreich und Deutschland, das ihnen Tribut entrichtet, nachdem zwei deutsche Heere geschlagen worden sind. Erst unter Otto I. können sie 955 am Lech entscheidend besiegt werden. Damit endet zunächst der Andrang fremder Völker auf Europa. Zwischen dem 10. und 11. Jh. verlagert sich der Schwerpunkt der politischen Entwicklung von Westeuropa nach Deutschland. Die Gebiete, die in der Karolingerzeit erobert worden sind, übernehmen die politische Führung. Nach der Abwehr der Ungarn im Südosten und der Elbslawen im Norden (beides 955) entsteht ein mächtiges Staatsgebilde im Herzen Europas. Die deutschen Könige bauen ein neues Herrschaftssystem auf und beziehen die Kirche in die Regierung ein, indem sie den Bischöfen weltliche Herrschaftsrechte übergeben. Die Bischöfe errichten damit eine politische Verwaltungsstruktur und unterstützen den König gegen in-
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nere und äußere Feinde. Die Herrscher selbst pflegen ihr religiöses Ansehen und lassen sich von Bischöfen weihen und einkleiden, um damit eine sakrale Würde zu demonstrieren (s.u. 4.1.4). Folgerichtig suchen die Herrscher die Rückbindung an Rom: Sie streben den Kaisertitel an, um ihr Herrschaftssystem auch kirchlich abzusichern. Zugleich verfolgen sie damit den irrationalen Traum vom Imperium, heute wird dies als „Neigung zum Absurden“ (Jan Dhondt) gedeutet. Diesem Traum zu folgen kostet viel Einsatz, dabei scheint er nicht viele Erfolge eingebracht zu haben. Immer wieder ziehen die deutschen Könige nach Italien und mischen sich dort in die politischen Verhältnisse ein. Dies kostet nicht nur Zeit, sondern auch Kraft. Als Otto II. in Süditalien eine schwere Niederlage gegen die Araber einstecken muss, werden Dänen und Elbslawen zum Eindringen nach Deutschland ermutigt. Statt sich dieser Gefahr im Norden intensiver zu widmen, engagieren sich die Könige weiter in Italien. Bereits gut gewachsene Ansätze zur Missionierung im Norden und Osten kommen so zum Stillstand. 1.2 Das Hohe Mittelalter (11.–13. Jh.) 1.2.1 Wirtschaft und Gesellschaft im Aufbruch In Europa gibt es im 11. Jh. nur wenige Städte, die Werkstoffe sind einfach und geringwertig. Erst allmählich werden Kirchen und Burgen aus Stein statt aus Holz gebaut, statt Werkzeugen aus Eisen ist zunächst noch primitives hölzernes Werkzeug in Gebrauch (selbst Pflugscharen werden noch aus Holz hergestellt). Dadurch sind die landwirtschaftlichen Erträge gering. Noch leben die Menschen weit verstreut in kleinen Siedlungen, der Wald dominiert sowohl das Landschaftsbild als auch das wirtschaftliche Leben: Das Vieh wird im Wald geweidet, dort werden Honig und Eicheln geerntet. Der Wald liefert Brennmaterial und das Wild bereichert den Speiseplan. Aber das Neue beginnt und leitet einen Wandel ein: Grundlage der Wirtschaft bleibt die Landwirtschaft, Landbesitz ist auch weiterhin die Grundlage von Wohlstand, Macht und Stellung. Dies lässt sich auch an der Ausrüstung der Ritter erkennen, da ein mittelgroßer Bauernhof den Gegenwert für eine Rüstung darstellt. Eine Grafschaft mit 200 Gemeinden stellt damals 150 bis 200 Ritter. Mitte des 11. Jhs. kommt es zu einer anhaltenden Zunahme der Be-