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Trafo

S. 9

#leichtverständlich #fotolastig #künstlerisch #unperfekt

S. 29

S. 12

Aus der Neustadt für die ganze Stadt

Nr. 1 | Dezember 2020

S. 30


Intro

Editorial Am Anfang war die Idee, eine „Stadtteilzeitung“ herauszugeben: „Trafo - Das Magazin aus der Neustadt für die ganze Stadt“. Wir hatten Lust auf etwas Schönes, das die Neustadt in Bildern und Geschichten zeigt und dem Image der Neustadt etwas Wahres und Wirkliches entgegensetzt. So begannen wir von vier gedruckten Ausgaben im Jahr und einer digitalen Alternative für das ganze Jahr zu träumen. Geschichten, Menschen, AkteurInnen und Projekten eine Bühne geben zu können. So war der Plan vor einem Jahr. Damals wussten wir noch nichts von jener gewaltigen Krise, die uns bald heimsuchen und alle schönen Pläne stoppen und uns selbst komplett aufmischen würde. Kultur trotz(t) Corona. Trotz dieser herausfordernden Corona Zeit waren wir als Kulturschaffende kreativ, haben Präsenz gezeigt und wollten uns vor allem nicht unterkriegen lassen. Nach und nach wurde die „Stadtteilzeitung“ zu einem Magazin mit vielen Fotos, welche die Realität in der Neustadt einfangen. Natürlich für uns selbst, aber auch für alle anderen in der Stadt. Aus der Neustadt für die ganze Stadt. Für die Printausgabe haben wir unser Konzept gefunden: Viele Fotos, verständliche Texte, eine künstlerische Herangehensweise. 2


Intro

Wir glauben, dass wir eine freundliche Erstausgabe gestaltet haben. Im Lauf der Zeit wollen wir uns aber auch um Themen kümmern, die vielleicht konfliktträchtig sind oder eine Diskussion erfordern. Neustadt Vibes! Nun halten Sie die erste Ausgabe dieses Traums in den Händen und wir hoffen, dass Ihnen das, was Sie da sehen, gefällt. Sie schauen zurück auf sehr besondere Ereignisse in dieser verrückten, schwierigen Zeit, z.B. auf das Projekt „Exit2Future“ im Sommer 2020. Sie lernen weitere Projekte und Menschen aus der Neustadt kennen und solche, die mit ihr eng verbunden sind. Sie bekommen Tipps für Ereignisse, die vor uns liegen und hoffentlich auch stattfinden können! Natürlich kann dieses Magazin nicht perfekt sein. Viele Themen sind offen. Die Neustadt ist so prall voll mit Themen und Geschichten, die sich sicherlich in zukünftigen Ausgaben finden werden. Wir, von der Gründungs-Redaktion verstehen diese Printausgabe als Startup. Es gibt noch genug Platz für neue Ideen und neue Leute. Wir hoffen, dass die Redaktion im Lauf der Zeit größer wird und Menschen Lust haben, das Magazin mit Gastbeiträgen zu bereichern. In der Print- oder der Online- Redaktion oder sogar in beidem, so wie Stylianos Antoniou mit seinem Beitrag auf Seite 24. Danke! Wir möchten uns ganz herzlich bei allen bedanken, die in irgendeiner Weise mitgeholfen haben, dieses Magazin auf den Weg zu bringen. Besonderer Dank gilt den InterviewpartnerInnen und den Menschen, die wir vorstellen dürfen. Vielen Dank für Fotos, Tipps und Unterlagen, die wir eingefordert und auch bekommen haben. Vielen lieben Dank auch an die KorrekturleserInnen. Wir haben bestimmt noch Fehler eingebaut, verzeiht uns! Herzlichen Dank an die Menschen, die uns in Zukunft unterstützen wollen. Wir freuen uns auf Euch! Und nun viel Freude beim Stöbern und Entdecken! Karsten Bahnsen, Lothar Baur, Katja Hofschröer-Elbers & Dana Paulsen 3


Inhalt

Intro Editorial

S. 2

Vorstellung UTOPOLIS

Zivilgesellschaft

S. 5

BürgerInnenbeteiligung 2020

S. 23

Buchempfehlung

S. 23

Kinder & Jugend NEuigkeiten Mutmacher & Actionbound

Neugründung: Afghanisch Deutscher Kulturverein

S. 8

8000 und ein Schriftzug

S. 8

S. 11

Der bewegte Garten

S. 12

Wir im Quartier & Verfügungsfond Neustadt

S. 10

Kunst & Kultur Künstlerportrait: Felix Graf

Neustadtperspektiven Begegnungen am Dreiecksplatz One poem a day

Verlorene Projekte S. 6

S. 16

Andi Silber

S. 17

Intercultural Music Project

S. 24

Ansichts Sachen Wood 4 ur hood Palästinensische Kunst Exit2Future

S. 18

Stadtentwicklung Mängelmelder TZB

S. 11

Von hässlichen Bauwerken S. 15

4

S. 9

Keramikprojekt mit der Kritzelei

Ein Gespräch mit Familie Garipkus

S. 9 S. 26 S. 29 S. 28 S. 28 S. 30


Intro

Utopolis & Transformation in der Neustadt Was hat das zu bedeuten? „Utopolis“ ist der Name eines Förderprogramms Veränderungen machen vielen Menschen Angst. des Bundesbauministeriums und der Beauftrag- Diese Angst ist berechtigt. Gerade Krisen, welten des Bundes für Kultur und Medien. che die Transformation begleiten, können eine Chance sein, die Veränderung schafft. Die „Kunst und Kultur Baustelle 8001 e.V.“ Dabei ist wichtig, wann immer es möglich ist, hat sich bei diesem Programm beworben. Dazu selbst gestaltend einzugreifen und nicht zuzuhat der Verein 8001 die Neustadt aus seiner sehen, wie sich die Welt zum Nachteil vieler Sicht beschrieben und einige Vorschläge geMenschen, gerade in Stadtteilen wie unserem, macht, was man tun könnte, um den Stadtteil verändert. voranzubringen. Diese Bewerbung trägt den TiDie Neustadt steht dabei gar nicht so schlecht tel „Transformation in der Neustadt“ und der da. Hier gibt es tolle Menschen, viel Aktivität, Text dazu kann auf der Webseite des Vereins viel Toleranz und viel Erfahrung mit Verändegefunden und gelesen werden. rungen und schwierigen Situationen. Nur 75 Projekte in ganz Deutschland erfüllten die Fördervoraussetzungen. Nur 16 Projekte Unser Part ist es, mit den Möglichkeiten der konnten bewilligt werden. Darunter die Kunst und der Kultur die Neustadt gemeinsam „Transformation in der Neustadt“. mit vielen Menschen und Projekten voranzubringen. Und da geht einiges! Der Grundgedanke ist, dass wir uns in einer massiven gesellschaftlichen Umwälzung befinden, auch „große Transformation“ genannt. Verein 8001 Und auch die kleine Neustadt ist ein Teil davon.

Open Office: Montags 10-15 Uhr Stadtteilhaus am Nordertor, Neustadt 12, 24939 Flensburg erfundenesland@posteo.de

er Onlinekonferenz iten: Bildschirmfoto ein

mieze Arbeitstreffen in Pande

Ziehen für die „Transformation in der Neustadt“ auch von unterschiedlichen Orten aus an einem Strang: (→↓) Lothar Baur, Katja Hofschröer-Elbers, Karsten Bahnsen, Dana Paulsen und Jovana Gonnsen

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Neustadtperspektiven

#neustadtflensburg #zufallstreffer

Begegnungen am Dreiecksplatz Zwei Jahre lebe ich hier in der Neustadt und frage mich: Wer lebt hier eigentlich mit mir zusammen? Kurzentschlossen setzte ich mich an den Dreiecksplatz und sprach PassantInnen an, neugierig auf Austausch. Ich bin vielen Menschen begegnet und habe einige fotografieren dĂźrfen. Ich kannte drei von ihnen, wen (er)kennst du? Text und Fotografie: Dana Paulsen

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Neustadtperspektiven

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Neuigkeiten

#handmade #wackelpuddingbeine

8000 und ein Schriftzug

hröer-Elb

ers

gestaltet und geschrieben von Dana Paulsen

© Hofsc

Eine Bildhauerin landet in einem Verein für Kunst und Kultur. Doch oh Schreck, von außen sieht keiner, worum es geht. Es wird nicht lange überlegt, es dauert drei Wochen bis im Garten ein Baugerüst steht. Schnell wird die Schablone angeklebt, die Nachbarn habens schon erspäht, fragen worum es geht: Den Verein, den soll man sehen, Schluss mit Vorbeigehen. Wir hoffen auf noch mehr Besuch, wenn nicht, starten wir einen neuen Versuch.

Neugründung: Afghanisch Deutscher Kulturverein aus der Redaktion

© Hofsc

hröer-Elb

Rund 635 Menschen aus Afghanistan wohnen in Flensburg und haben hier eine zweite Heimat gefunden. Jetzt haben einige von ihnen einen afghanisch-deutschen Kulturverein gegründet.

ers

Ein Ziel des Vereins ist die Förderung kultureller Vielfalt. Das soll insbesondere durch gemeinsames Feiern von Festen sowie anderen, für die afghanische Bevölkerung wichtigen Ereignissen geschehen. Zudem soll der Austausch mit anderen Organisationen und Vereinen gefördert werden, z. B. ist die Idee von Vorträgen zur afghanischen und deutschen Geschichte vorhanden.

© Fayeq

oben: Laila Hashimi und Hanifa Fayeq veranstalten das bisher erfolgreichste Projekt: Das Frauencafé im „Kulturhof“ in der Großen Straße unten: Temur Fayeq und

Shabdiz Mohammadi bilden den Vorstand des Vereins uns stellten diesen vor.

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Die Gründung einer Theatergruppe ist im Gespräch. Außerdem sollen die Mitglieder des Vereins dabei unterstützt werden, eine Berufsausbildung und Arbeit zu bekommen. Auch Stadtführungen, um Flensburg besser kennen lernen zu können, sind geplant. Bei der Vorstellung des Vereins wurde gesagt, der Verein sei „ein lernendes System“. Gefördert wird der Verein vom Land Schleswig-Holstein über das Förderprogramm MaTZ (Programm lokale Maßnahmen für Teilhabe und Zusammenhalt). Der Verein will sich insbesondere im Flensburger Norden engagieren. Email: temur.fayeq@gmail.com


©Felix Graf

Kunst und Kultur Rund 300 BesucherInnen wollten seine Kunst sehen.

#colouredflix

© Hofschröer-Elbers

Felix Graf Künstler aus der Neustadt aus der Redaktion

Seine Bilder werden zunehmend nachgefragt. Felix Graft träumt davon, später einmal in Spanien auf dem Land zu wohnen und hauptsächlich Künstler zu sein. Ist Kunst seine Berufung? Er denkt in letzter Zeit oft darüber nach, wie er als Künstler im Hauptberuf durchstarten kann. Am liebsten mit einem zusätzlichen Teilzeitjob, um einerseits mit der Kunst frei und unabhängig und andererseits abgesichert zu sein. „Ich male nicht, um etwas auszudrücken, sondern um etwas zu kreieren, in dem man sich verlieren soll. Sowohl der Betrachter als auch ich .“

Verlieren kann man sich in seinen Bildern. Felix Seine erste Ausstellung bestritt er beim Verein 8001 Graf gehört zu den erfolgreichen künstlerischen Auin der Neustadt 12. todidakten. Er hat mehrere Berufe erlernt wie z.B. Garten- und Landschaftsbauer und Erzieher. „Verrückt ist das. Ich glaub das selbst alles noch nicht so ganz, aber ich habe die Möglichkeit bekom- Seine nächste Ausstellung ist vom 11. bis 14. Februmen, meine Bilder auszustellen“, sagte Graf damals. ar Februar 2021 in der Neustadt 12 geplant. Er erhielt sehr großen Zuspruch für seine Arbeiten. instagram.com/colouredflix

Verlorene Projekte von Lothar Baur und Karsten Bahnsen Gefühlt müssen wir jedes Jahr im November wieder lernen, wie grau und kalt der Herbst in Flensburg sein kann. Da hätte ein wenig bunte Kunst diese Perspektive doch gut einwenig aufhellen können: Flensburgs bekannteste Unbekannte, „die Katzenkünstlerin“, wäre so gerne zu uns in die Neustadt gekommen. Der November Lock Down hat dieses nun leider verhindert und es ist uns nicht möglich, in die farbenfrohe und träumerische Welt der Straßenkünstlerin einzutauchen.

Auch Kirsten Piper und Vaia Pazi- und auch bei uns in der Neustadt, ana mussten ihre für den Novem- genossen werden. Und wir bleiben ber geplante Ausstellung absagen. zuversichtlich, alle Veranstaltungen im Post-Lockdown-Zeitalter Doch damit nicht genug: Ausgefaldurchzuführen! len ist auch der Plan, die Neustadt in die dezentralen Flensburger © Kirsten Piper Kurzfilmtage mit einzubeziehen © Flensburger Kurzfilmtage und zum temporären Filmtheater zu machen. Ebenso wurde die palästinensische Kunstausstellung im Stadtteilhaus ausgebremst. Diese vier tolle Projekte konnten daher leider nicht wie geplant umgesetzt werden und bereits gestaltete Flyer und Plakate verbleiben vorerst als Layoutdatei auf dem Rechner. Aber ein Hoffnungsschimmer bleibt: die Straßenkunst von N.M. kann ja zu jeder Zeit im Flensburger Stadtgebiet, © N.M.

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Neuigkeiten

Wir im Quartier

& Verfügungsfonds Neustadt

aus der Redaktion Dies ist ein Spezialfond, nur für die Flensburger Neustadt. Er fördert Projekte aller Art mit bis zu 2.500 Euro pro Projekt und mit bis zu 30.000 Euro im Jahr. Rein rechnerisch sind das 12 Aktionen im Jahr. Da kann man sich leicht vorstellen, dass dieUnter dem Titel „Wir im Quartier“ hat die ser Fonds tatsächlich zur Belebung des Stadtteils Stadt Flensburg einen Förderfonds eingerichtet. enorm beiträgt. Es werden insbesondere kleinere und rasch realisierbare Projekte unbürokratisch unter- Beispiele für geförderte Projekte (vor Corona), welstützt. Mit bis zu 2.500 Euro pro Projekt und ca. che stadtweites Aufsehen erregen, sind das Stadteil100.000 Euro im Jahr fördert die Stadt damit fest „Move“, die „Kulturwoche Flensburger Norden“ bürgerschaftliches und kulturelles Engagement. oder die Ausstellungen junger KünstlerInnen aus Bisher wurden z.B. Stadtteilfeste, kulturelle Veran- dem Flensburger Norden beim Verein 8001. staltungen, Vereinsarbeit im Stadtteil, Workshops Auf der Webseite des Sanierungsträgers heißt es: und viele andere Dinge gefördert. „Der Verfügungsfonds dient dazu, den Bürgerinnen Förderbedingungen gibt es natürlich auch: z.B. und Bürgern Mittel in die Hand zu geben, um Prokönnte Ihr Projekt verschiedene Generationen zu- jekte zur Verbesserung der Lebensbedingungen im sammenbringen, interkulturell sein, die Gleichbe- Fördergebiet eigenverantwortlich durchzuführen. rechtigung und den Zusammenhalt der Menschen Er aktiviert das Handeln vor Ort und fördert die Beteiligung der Bewohnerschaft. Die Maßnahmen in ihrem Stadtteil fördern. sind daher mit Beteiligung von Bewohnerschaft Wenden Sie sich einfach direkt an die zuständige bzw. Akteurinnen und Akteuren durchzuführen. Sie Stelle bei der Stadt. Dort ist Ihr Gestaltungswille sollen einen nachvollziehbaren Nutzen für die Bewillkommen und Sie werden freundlich beraten. wohnerinnen und Bewohner des Fördergebiets SoziÜbrigens: Nicht die Stadt entscheidet darüber, ob ale Stadt – Flensburg / Neustadt haben.“ Ihr Projekt zum Zug kommt. Vereine und Foren aus Was mit dem Geld passiert, das dokumentiert die Ihrem Stadtteil entsenden BürgerInnen in ein unabSanierungsgesellschaft in jährlichen Berichten, die hängiges Gremium. auch eine Inspiration sein können. Vereine aus dem Stadtteil, der Jugend- und der Seniorenarbeit, sowie dem Flensburger Runden Tisch entsenden Vertreter in das Gremium, das über die Anträge entscheidet. Mehr Informationen bekommen Sie bei der Sanierungsgesellschaft „Ihrsan“ im Stadtteilbüro in der Neustadt 12. Wenn Sie vorhaben, in Ihrem Stadtteil etwas zu bewegen und finanzielle Unterstützung benötigen, dann sollten Sie nicht zögern, sich über diese Möglichkeit der Unterstützung zu informieren:

Stadt Flensburg Björn Staupendahl Telefon: 0461 852743 Email: staupendahl.bjoern@flensburg.de

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Ihrsan Büro Neustadt 12 Thomas Bauch Telefon: 0461 505 4011 Email: thomas.bauch@ihrsan.de Norbert Schug Telefon: 0461 505 4015 Email: norbert.schug@ihrsan.de


Kinder & Jugend sen

© Inga Mom

#Jugendprojekt #KunstkannjedeR

Mutmacher & Actionbound von Nina Spredemann Jemandem beim Vorübergehen ein Lächeln ins Gesicht zaubern – so lautete die Aufgabe des Fotoprojektes „Mutmacher“. Egal, ob mit einer positiven Nachricht oder einem mutmachenden Motiv. Der Kreativität waren quasi keine Grenzen gesetzt, so trudelten die verschiedensten Entwürfe ein. Das Siegermotiv wurde von einem Fotografen noch einmal professionell fotografiert und wird bald großflächig als Plakat an verschiedenen Orten in der Neustadt zu sehen sein. Vielleicht zaubert es ja auch Ihnen und Euch ein Lächeln ins Gesicht. Seid gespannt!

Actionbound ist eine App, mit der man digitale Schnitzeljagden (sogenannte Bounds) spielen kann. Hierfür werden interaktive Rallyes erstellt, in denen zu unterschiedlichen Schwerpunkten und Themen Rätsel und Aufgaben gelöst werden müssen. Für Flensburg gibt es ebenfalls Bounds, die darauf warten, entdeckt und gespielt zu werden. Auch für die Flensburger Neustadt entsteht aktuell ein Bound, der durch den Stadtteil und vor allem zu für Jugendliche wichtige Stationen führt. Am besten schon einmal die App herunter und schaut im-

mer mal, ob der Bound dazugekommen ist. Denn wenn er fertig ist, könnte es sich für Euch lohnen mitzumachen, da eventuell der eine oder andere Schatz am Ende des Abenteuers auf Euch wartet. Freunden, Familie oder Nachbarn eine Freude bereiten? Bei Nina Spredemann können nach vorheriger Anmeldung Postkarten mit dem Mutmacher-Motiv abgeholt werden! nina.spredemann@awo-sh.de 0151 54170128

#smartcity #Flensburgbleibtsauber

Mängelmelder TZB

Wer die App auf dem Smartphone hat, macht einfach ein Foto von der vorgefundenen Situation aus der Redaktion und schickt das mit einem Kommentar an das TBZ. „Für ein sauberes, sicheres und schönes Flensburg Dabei wird automatisch der Ort gespeichert Sobald zu sorgen, das ist die Aufgabe des Technischen die Meldung bearbeitet und das Problem gelöst Betriebszentrums (TBZ). Oftmals ist das TBZ wurde, bekommt der Absender eine Nachricht. dabei auf die Unterstützung der Bürgerinnen Alle Meldungen der letzten Zeit sind in einer und Bürger angewiesen, die auf MüllablagerunÜbersichtskarte abrufbar. So ist erkennbar, ob der gen oder Beschädigungen hinweisen.“ (TBZ) gefundene Mangel vielleicht schon von jemand anUm diese Unterstützung organisieren zu können, derem gemeldet wurde. hat die Softwareschmiede „Wer denkt was“ eine App entwickelt, die schon seit Ende 2018 in vielen Es ist gut, dass es diese App gibt, denn nun ist es sehr einfach, Mängel direkt und zuverlässig an die Städten und auch in Flensburg im Einsatz ist. zuständigen Stellen bei der Stadt zu melden. Wilder Sperrmüll z.B. kann ebenso gemeldet werden wie Schäden auf Gehwegen oder Treptbz-flensburg.werdenktwas.de pen, welche diese unsicher machen. 11


← Viel Platz für Gemeinschaft: hier entsteht der bewegte Garten

#urbanesGärtnern #Jugendprojekt #esgibtkeinUnkraut

Der bewegte Garten Kinder- und Jugendliche erobern Kleingartenparzellen

Umbauen, abreißen, auspowern: Jugendliche machen Platz für neue Visionen © Birte Kramer

Text & Fotografien von Katja Hofschröer-Elbers Mitte Juni durften wir Birte Kramer im Stadtteiltreff „Speicher“ besuchen – das ist der Kinderund Jugendtreff in der Segelmacherstraße 15 und Ausgangspunkt für ein junges, „grünes“ Projekt. Die Kinder und Jugendlichen zieht es raus in die Neustadt – genauer: in die Kleingartenkolonie 29 des Vereins der Gartenfreunde e.V., am Ende der Möwenstraße. Hier entsteht ihre neue „Zweig-Stelle“ des Freizeittreffs; ein Rückzugs- und Gestaltungsort im Grünen. Zurück zum Speicher – Birte gibt uns eine Führung durch das bunt gewachsene und gemeinschaftlich gestaltete Haus der offenen Tür. Wir kommen vorbei an Schattengestalten im Treppenhaus, welche nach Vorlage der BesucherInnen erstellt wurden, es geht weiter durch umgenutzte Fotografie-Dun12

kelkammern und vorbei an Brakedanceplatten im Dielenboden hinauf ins Obergeschoss. Alles ist sukzessiv von, mit und durch verschiedene Generationen von Jugendlichen gewachsen und entwickelt sich stetig weiter. Denn das scheint überhaupt Motto des Jugendtreffs zu sein; selber machen, mitentscheiden, gemeinsam anpacken. Ideen werden hier zusammen entwickelt und umgesetzt – drinnen wie draußen. Wobei letzteres bisher nur begrenzt bespielt werden konnte, denn einen eigenen Außenbereich hatte der Treff bisher nicht zur Verfügung. Die Idee, eine größere Grünfläche gemeinsam zu nutzen, gab es schon länger. Jetzt, da mit Corona der Wunsch mal wieder richtig durchzuatmen besonders groß ist, wird der Plan Realität.


Kinder & Jugend Ganzen zweieinhalb Parzellen in der Kleingartensiedlung haucht der Jugendtreff neues Leben ein. „Der Garten war im Dornröschenschlaf“, so beschreibt Birte die Anlage, die 1o Jahre nicht bewirtschaftet wurde und nun für eine Gemeinschaftsnutzung zusammengelegt werden. Mit der Unterstützung des Jugendmigrationsdienstes, sowie Herrn Rohr vom Roraty Club Flensburg ging es im Frühling los. Die Jugendlichen konnten sich ordentlich austoben und marode Hütten und Holzverschläge abreißen. Jetzt ist Platz für die nächsten Schritte. Ein barrierefreier Zugang mit ebenerdigen Wegen ist im Bau und ein neuer

Holzzaun steht für Montagewillige bereit. Danach könne der Bau einer größeren Holzhütte starten und Komposttoiletten aufgestellt werden. Im „ADS Speicher“ wird regelmäßig gekocht, in Zukunft dann schon bald mit Gemüse aus dem eigenen Garten. Perspektivisch soll hier auch regenerative Energie genutzt und Wasser in Regentonnen aufgefangen werden, sowie auch ein Teich entstehen, berichtet uns Birte.* Es gibt also viel zu tun, doch neben Machen und Schaffen ist auch Erholung angesagt! So wurde der Platz unter dem Apfelbaum schon als „Chill-out“Bereich festgelegt. Die „bewegten Gärten“ sind durch und durch Gemeinschaftsprojekt: Von der Planung über Umbau und Nutzung sind alle BesucherInnen des Treffs kontinuierlich dabi, sich mit ihren Interessen und Ideen einzubringen. Es geht um das gemeinsame Handeln und dabei gibt es kein Richtig oder Falsch. Alle Ideen sind willkommen, werden zusammen besprochen und umgesetzt. Gleichzeitig können die jungen GärtnerInnen natürliche Prozesse in der Natur entdecken. Birte nennt es „Leben aus erster Hand“: Welches Gemüse wächst wann und welche Wildkräuter können wie genutzt werden? Hier können eigene Erfahrungen gemacht und das ein oder andere dazu gelernt werden. Zukünftig soll der Garten für Entwicklungen jeglicher Art offenstehen; ob Schulkooperationen, Mädchenarbeit oder Kunst- und Kulturworkshops, vieles ist denkbar. Wir sind gespannt, wie sich diese Oase weiter entwickeln wird. Eins ist sicher: hier wird sich noch viel bewegen!

Große Projekte brauchen viele zupackende Hände: Hilfe aus der Nachbarschaft ist nicht weit!

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Kinder & Jugend

#Nachbarschaftshilfe: Beim Abtransport alter Materialien mobilisiert Pia (Obfrau der Anlage 29) schnelle Hilfe aus der Nachbarkolonie – und die packen gerne mit an. So klappt Kennenlernen auch wunderbar. Auf dem Foto rechts mit vertreten: Marc-David, Bärbel, ihre Tochter Lara, Achmed, Birte, Karin, Fredi, Pia und Marcel

Birte (rechts) ist seit 27 Jahren im Speicher aktiv.

*Bis zum Erscheinen dieses Magazins hat sich im Garten Einiges getan. Wie es dort jetzt aussieht, könnt ihr vor Ort erfahren.

Ihr wollt mitmachen oder einfach mal vorbeischauen? Kein Problem: Meldet euch im Speicher, ihr könnt Birte Kramer telefonisch: 0175 6061420 oder via Mail: ads.speicher@gmail.com erreichen.

#upcycling: Achmed und Bärbel haben alte Fliesen entdeckt – diese sollen in kommenden Projekten ihren Einsatz finden

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GartenliebhaberInnen gemeinsam im unermüdlichen Einsatz


Stadtentwicklung

Der Gewinnerentwurf von der Berliner CKRS Architektengesellschaft, Machleidt GmbH sowie TDB Landschaftsarchitektur. Die Vogelperspektive lässt erahnen, welche Grünflächenplanung sich hinter den Fassaden zur Straße Neustadt mit dem Quartiersplatz verbirgt.

Von hässlichen Bauwerken und grauen Fassaden von Lothar Baur

Das Herz der Neustadt, das Gebiet „rund um die Walzenmühle“ war der Anlass für eine längst überfällige EinwohnerInnenversammlung. Dass diese nun im Coronajahr 2020 tatsächlich und für alle sicher stattfinden konnte, ist der Sanierungsgesellschaft hoch anzurechnen. Schließlich sind in diesem Jahr unnötig viele Teilhabeprozesse einfach auf der Strecke geblieben. Die Bemühungen „rund um die Walzenmühle“ dauern schon seit über einem Jahrzehnt an. Nun gab es zum ersten Mal klare Pläne, vorgestellt von den Architekten aus Berlin, die den Wettbewerb um die beste Idee für die Neustadt gewonnen haben. Im Vorfeld der EinwohnerInnenversammlung gab es nach einem Artikel im Flensburger Tageblatt vornehmlich negative Kommentare zu den Entwürfen. Von hässlichen Bauwerken und grauen Fassaden war die Rede. Man konnte schon den Eindruck bekommen, dass die Zukunft der Neustadt bei der

Umsetzung der Pläne praktisch verloren sei. Dementsprechend lag zu Beginn der Versammlung eine gewisse Spannung in der Luft. Im Verlauf des Abends löste sich allerdings die Unruhe. Die Architekten erzählten, wie sie gerade auf diesen und keinen anderen Entwurf gekommen seien und beantworteten alle Fragen aus dem Auditorium. Dabei stellte sich auch heraus, dass die Fassadenfarbe und die genaue Ausgestaltung derselben gar nicht festgelegt sind und nur als Beispiel skizziert wurden. Den Kritikern, die sich an diesen Dingen gestoßen hatten war der Wind aus den Segeln genommen und der Weg frei für eine im Wesentlichen konstruktive Diskussion. Im Hin und Her der Argumente ergaben sich Vorschläge und Hinweise, welche von den Architekten aufgenommen wurden. Fast hätte man sich wundern können über die zivilisierte Versammlung. Was war passiert? Waren alle nach dem langen Pro15


Neustadtperspektiven zess am Ende und wollten einfach nur noch, dass etwas Praktisches geschieht, egal was ? Mitnichten! Selbst der sonst mit Kritik nicht gerade zimperliche Verein Flensburger Norden gab bekannt, dass man mit den Entwürfen konform gehen könne. Kein Wunder. Waren doch wesentliche Kritikpunkte an den allerersten Entwürfen angenommen und in die Planungen mit einbezogen worden. So z.B. die Überbauung von Einzelhandelsflächen mit Wohnungen, der optimierte Umgang mit Parkplatzflächen, die Schaffung einer Platzsituation gegenüber der Walzenmühle mit Begrünung, städtisches Flair, Räume für kleinen Einzelhandel und nicht zuletzt die Schließung der Häuserzeile, sodass der Eindruck einer städtischen Straße entsteht.

Allerdings: Dass so ein Prozess dermaßen viel Zeit verschlingt, ist schon ein Dilemma. Gerade in der Hinsicht auf Teilhabe und Beteiligung. Wer kann denn schon 10-15 Jahre lang so einer Entwicklung aufmerksam folgen? Die Neustadt hat da Glück gehabt. Cordelia Feuerhake (Verein Flensburger Norden) blieb die ganze Zeit über am Ball und hat Stimmungen und Argumente aus der Bevölkerung aufgenommen und Aktivisten und Interessierte aus dem Stadtteil immer wieder aktiviert. So kann man, vorausgesetzt, dass alles wie geplant läuft, sagen, dass Beteiligung sich hier am Ende doch gelohnt hat. Es gilt aber auch: Teilhabeprozesse müssen überschaubar sein und damit auch die Planungszeiträume kürzer werden.

Kann es jetzt also weitergehen? Die meisten Men- Auf der Versammlung wurden noch einige andere schen in der Neustadt würden sich darüber freuen! Themen besprochen, die wir nach und nach auch Auch wenn die Vorboten der Erneuerung gerade aufgreifen werden. Abriss und leere Flächen bedeuten.

#Gedichtliebe #DichterundDenker

One poem a day

‫ينعي مدجلا كيلع سبو تينع‬ ‫ينعي سانلاب يلا كريغ الو‬ ‫ينعي يلكي ؟ينبحت دكش هلكا‬ ‫هيلا هرسف دحم ينعيلا يهنش‬

verfasst von Muthana Alhmdani, Text: Dana Paulsen Dieses Gedicht handelt von einem Liebesgeständnis, dass nur ungefähr erwidert wird. Es entstand, nachdem Muthana ein Gespräch im Bus mit angehört hatte. Ein paar Studenten erzählten, dass sie von ihrem Professor nichts anderes als ‫ ينعي‬verstanden haben.

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Deshalb dachte Muthana sich, dichte zu schreiben. Anfangs damit schreibe ich ein Gedicht. wurde er ausgelacht, bekam dann aber Unterstützung und schüttelt Wie man darauf kommt Gedichte sich heute ein Gedicht nach dem zu schreiben? anderen aus dem Ärmel. „Entweder man spielt Fußball In seinen Gedichten beschreibt er oder schreibt Gedichte, das sind Erlebnisse aus seinem Leben. Er gängige Hobbys im Irak“, sagt schreibt über Liebe und TrennunMuthana. Nachdem er sich beim gen, Freundschaft und Familie. Fußball verletzte, fing er an Ge-


Neustadtperspektiven

#Flensburgbleibtsauber #KippengehörenindenMüll #SinnvolleJobs #thanku

Andi Silber

Fotografie: Tilman Köneke, Text: Lothar Baur Andi ist ziemlich bekannt. Jedenfalls kennen ihn viele Menschen aus der Neustadt. Es ist sehr leicht ihm zu begegnen, denn er ist beinahe täglich und bei allen Wettern in der Neustadt unterwegs. Andi, Andreas Silber, ist 52 Jahre alt, wohnt in der Neustadt und hat eine besondere Aufgabe. In den Hecken und Sträuchern, in den Blumenkübeln sammelt sich Kleinmüll, der die Neustadt nicht unbedingt attraktiver macht. Er räumt auf, was andere achtlos liegenlassen, wegwerfen oder was der Wind in der Neustadt verteilt. Das TBZ holt den gesammelten Müll dann ab. Perfekt! Vor 9 Jahren begann Andi mit dieser Aufgabe im Auftrag des Vereins Flensburger Norden. Zunächst ehrenamtlich, heute ist er dort fest angestellt. 17


Neustadtperspektiven

Sibel Garipkus mit ihrern Töchtern Sila (links) und Eda (rechts) vor ihrem Geschäft. Gesprochen haben wir mit Sibel, Eda und Süleyman.

#familienbande #neustadtgeschichte

Ein Gespräch mit Familie Garipkus Wir sind mit Sibel Garipkus und ihrer Tochter Eda zum Interview verabredet. Sie leben in der Neustadt und haben im letzten Jahr ‚WonderWaffels‘ auf der großen Straße eröffnet. Wir wollen von ihnen wissen, wie sie auf die Neustadt, auf ihr Zuhause blicken. Was als Interview mit Sibel anfängt wandelt sich schnell zu einem Gespräch mit ihrer ganzen Familie. So wie in ihrem Geschäft alle zusammen anpacken, teilen sie mit uns ihre gemeinsamen Erfahrungen und unterschiedlichen Blickwinkel. Es wird ein Gespräch über die Geschichte der Neustadt, dem Wunsch nach Veränderung, über den Umgang mit Rassismus und die Bedeutung von Gastfreundschaft und Gemeinschaft. Das Interview führten Dana Paulsen und Katja Hofschröer-Elbers.

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Neustadtperspektiven Welche drei Worte beschreiben die Neustadt am besten? Eda: Laut, chaotisch und vielfältig – aber nicht im negativen Sinne. Das ist ja eigentlich viel schöner, als ‚reine Stille und nichts los‘ – ich meine ein bisschen ‚action‘ ist ja schon cool! Sibel: Multikulti und lebendig. Aber das Aussehen der Neustadt könnte ansprechender sein, sodass man einfach einen schönen ersten Eindruck bekommt, wenn man in die Neustadt kommt. Süleyman: Ich kann nur sagen, dass die Neustadt eine Geschichte ist, die lebt, die gelebt werden muss. Wie kamt ihr in die Neustadt? Sibel: Durch meinen Mann, als wir geheiratet haben, sind wir hier zusammengezogen. Ich komme aus der Türkei und bin nun schon seit 20 Jahren in Flensburg und in der Neustadt. Süleyman: Ich bin hier groß geworden. Zunächst haben wir in der Norderstraße, im Künstlerhof gewohnt, danach in unterschiedlichen Wohnungen in der Neustadt, bis wir dann gebaut haben.

die Stadt war voll, überall Menschen. Und als ich wieder raus bin, waren keine Leute mehr da. Da war ich schon ein bisschen geschockt. Aber in der Neustadt ist auch immer viel los, vielleicht weil hier viele Ausländer leben – wir möchten draußen leben, ich möchte nicht nur zu Hause rumsitzen. Wie hat sich der Stadtteil gewandelt? Süleyman: Die Neustadt ist immer schön gewesen, auch früher. Es gab zwei andere Bäckereien und viele Geschäfte, die jetzt nicht mehr da sind: Radio Völks, eine Drogerie, Foto Raake, ein Kleidergeschäft, ein Fischladen und der Frisör Petersen. Und die Kinozeiten mit dem Capitol – das war richtig toll. Es war schon schöner damals, es war mehr gemischt und gab mehr Miteinander. Jetzt kommen die Deutschen und kaufen ein, was sie brauchen, aber verweilen hier nicht mehr. Sibel: Ja, Simone [Lange]* hat das doch jetzt in Planung gegeben. Die Neustadt kommt etwas vergessen und vernachlässigt rüber. Dadurch dass jetzt viel gebaut wird, hat man das Gefühl, dass sich mehr gekümmert wird.

Süleyman: Da wird viel passieren, der Sanierungsträger hat ja jetzt schon angefangen alles abzureiGehören für euch Neustadt und Norderstraße ßen, es soll neuer Wohnraum geschaffen werden. zusammen? Auch wenn mit jedem Abriss auch ein Stück KindEda: Mittlerweile Ja. heit geht – das tut mir schon auch in der Seele weh. Sibel: Von der Norderstraße bis hinten zur PetrikirEin paar Zeichnungen habe ich schon gesehen – che ist ganz interessant. Die Straße lebt, es ist viel das wird schön aussehen. Die Stadt versucht die los, auch abends – nicht so wie in der Innenstadt. Norderstraße wieder auf Vordermann zu bringen, Gerade die Anfangszeit hier war sehr interessant das haben die schon immer versucht. ‚Ihrsan‘ und für mich, ich komme aus Izmir, einer großen Stadt. Herr Pahl sind da sehr engagiert. Nachts um 22 oder 23 Uhr sind alle Läden offen. Vor 18 Jahren, meiner Anfangszeit in FlensWas findet ihr besonders toll burg, bin ich um halb sechs abends in der Neustadt? in ein Geschäft rein, Sibel: Die Fatih-Moschee macht jedes Jahr eine große Kirmes, mit „In der Essenständen, über drei, vier Tage, Neustadt ist auch immer das ist unglaublich!

viel los, vielleicht weil hier viele Ausländer leben – wir möchten drauSSen leben“

Eda: Wenn das Wetter gut ist, findet alles draußen im Hof statt.

Sibel 19


Neustadtperspektiven Es gibt Teigwaren von süß bis herzhaft, alles Mögliche wird gegrillt. Das ist dann auch wie ein Tag der offenen Tür. Das ist ein großes Fest für unsere Community, aber auch für andere. Jeder und jede ist willkommen. Sibel: Da kommen viele Leute, auch Deutsche, Dänen, Araber, Afghanen. Ich würde sagen von der Neustadt bis zur Innenstadt, komplett Multikulti. Eda: Die Menschen hier sind wirklich sehr offen und entgegenkommend. Man fühlt sich wohl. Die Hilfsbereitschaft ist sehr groß. Es ist einfach eine schöne Atmosphäre hier. Fehlt euch etwas hier? Eda: Ein großes türkisches Restaurant mit allen Spezialitäten, das gibt es leider nicht – wenn wir richtig türkisch essen gehen wollen, fahren wir nach Hamburg. Sibel: Ein Café, wie in der Norderstraße. Isa, Plan B, das Eiscafé, sowas gibt es in der Neustadt nicht. Orte, an denen man sich treffen und verweilen kann. Hier geht man nur einkaufen. Eda: Es gibt hier nur ein Männercafé, da trifft sich so die Generation meines Vaters. Aber sowas wäre für uns Jugendliche auch schön zu haben. Einfach ein kleiner süßer Laden, wo man

mit den Freunden hingehen und chillen kann, Kaffee trinken oder Kuchen essen. Das muss auch nicht arabisch oder türkisch sein, das kann ein ganz einfacher, deutscher Kuchenladen sein. Es könnte auch so eine kleine Spielehalle sein, mit Flipperautomat, Billardboard, Tischkicker, sowas fehlt allgemein noch in Flensburg. Früher war ich viel im Jugendzentrum AAK– das fand ich super toll. Aber ein Treffpunkt im Stadtraum, mit kleiner Café-Ecke, wo man sich noch was zu trinken holen kann, oder einen Snack, das fehlt. Sibel: Flensburg ist schön, nur könnte vieles noch besser genutzt werden. Zum Beispiel der Hafen – wenn ich das mit der Türkei vergleiche, dort gäbe es viele Cafés, einen Kinderspielplatz, alle Leute wären draußen, es gäbe eine Bar, abends wären Lichter an. Wir liegen hier am Meer, das birgt großes Potential – und was ist hier? Ein Parkplatz! Natürlich gibt das Einnahmen für die Stadt, aber ein Parkplatz am Wasser? Was würdet ihr Leuten erwidern die sagen: „Neustadt? Leute geht da nicht hin!“ Süleyman: Ich würde sagen: Komm‘ her und mach‘ deine eigenen Erfahrungen. Eda: Ich habe auch den Eindruck, dass manche Menschen Angst vor der Neustadt haben, das finde ich echt schade.

„Wir kommen aus sehr gastfreundlichen Ländern und diese Wärme wollen wir gerne weitergeben“ Eda

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Echte Neustadtgewächse: Sila und Eda


Neustadtperspektiven

Ich würde mir wünschen, dass die Neustadt wieder so belebt ist wie früher. Dass es wieder mehr Miteinander gibt, dass hier wirklich alle hinkommen.

Süleyman

etwas zu erledigen haben. Sie gehen einkaufen und sind dann wieder weg. Ich wünsche mir, dass diese Unterscheidung, zwischen ‚Deutschen‘ und ‚Ausländern‘, verschwinden würde. Früher war das nie so ein großes Thema hier in Flensburg, alle kamen miteinander klar, aber jetzt hat sich das verändert. Ich hoffe, dass mit der Sanierung so ein Zusammenhalt wiederhergestellt wird. Dass man wieder stolz darauf sein kann, hier in Flensburg zu leben und niemand aufgrund seiner Nationalität ausgegrenzt und schlecht behandelt wird. Habt ihr mit Rassismus zu kämpfen?

Machen Leuten ist dieses Laute auch einfach zu viel. Hier ist vielleicht ein bisschen mehr los, aber sonst ist die Neustadt ein Stadtteil wie jeder andere auch. Auch den ‚Durchgeh-Leuten‘ würde ich empfehlen, sich einfach mal in ein Café oder in eine ausländische Bäckerei zu setzen und einfach mal zu gucken, wie gut sie da bedient werden. Bei uns macht es keinen Unterschied, ob es dein Laden oder dein zu Hause ist. Wenn ein Gast zu dir kommt – ganz egal wo – wird der behandelt, als wäre er König oder Königin. Wirklich, die Person soll sich wie zu Hause fühlen. Wir kommen aus sehr gastfreundlichen Ländern und diese Wärme wollen wir gerne weitergeben. Süleyman: Allein schon von unserer Religion her, wenn ein Gast zu Besuch kommt, holen wir das Schönste raus, was wir zu bieten haben. Wie bunt ist Flensburg eurer Meinung nach? Eda: Das ‚bunte Flensburg‘ war eine Zeit lang viel Thema. Und klar, der Ausländeranteil ist groß, aber wie diese Menschen angesehen werden hat sich gewandelt. Aber wenn ich ehrlich bin, nicht so, dass man stolz darauf sein kann.

Eda: Ich erlebe hier in Flensburg nicht viel Rassismus, und darüber bin ich sehr froh, auch wenn ich persönlich schon Anfeindungen erlebt habe, obwohl mein Deutsch perfekt ist, man mir meinen Migrationshintergrund also echt nicht anhört. Süleyman: Ich stand mal an der Kasse beim Supermarkt und vor mir ein anderer Mann. Ich habe mit meinen Fingern irgendwo herumgeklopft, scheinbar hat ihn das genervt. Als er bezahlt hatte, drehte er sich um und meinte zu mir „Scheiß Volk!“. Da holte ich meinen Perso raus, zeigte ihm diesen [mit deutscher Staatsbürgerschaft]* und erwiderte: „Ja du hast recht, wir sind schon ein scheiß Volk!“. Da ist er einfach abgehauen. Wir [Einwanderer]* haben nach dem Krieg genauso zum Wiederaufbau beigetragen wie ‚die Deutschen‘. Wir haben die gleichen Rechte wie alle anderen auch. Migrant bin ich schon, aber ich bin auch deutsch.

Ich meine, das war alles mal ganz groß, dieses Schlachthof-Fest und der Neustadt-Song – das lief ja alles super. Aber der Zusammenhalt ist mit den Jahren ein stückweit verschwunden. Ich meine, man sieht die Deutschen hier nur noch, wenn sie 21


Neustadtperspektiven

Sibel: Nationalität und Herkunft sind schwierige Themen. Natürlich – ich bin Türkin – ich mag mein Land sehr. Aber ist es deine Entscheidung, ob du deutsch, dänisch oder arabisch bist? Wir entscheiden nicht, wo wir geboren werden, wir sind nur Menschen. Respekt ist die Hauptsache.

„Wir entscheiden nicht, wo wir geboren werden, wir sind nur Menschen“ Sibel

Eda: Wenn ich in die Türkei gehe, bin ich die Deutsche – wenn ich in Deutschland bin, bin ich die Türkin. Egal wo ich bin, bin ich jeweils ‚die Andere‘. Also habe ich keine Nationalität?

Stellt euch vor, ihr hättet einen Wunsch für die Neustadt frei – egal wie absurd oder utopisch – was sollte passieren, hier und jetzt? Süleyman: Ich würde mir wünschen, dass die Neustadt wieder so belebt ist wie früher. Dass es wieder mehr Miteinander gibt, dass hier wirklich alle hinkommen. Dass es nicht heißt „Die Neustadt ist ein Ghetto“. Sondern, dass die Neustadt einfach Neustadt sein kann. Sibel: Ich möchte sie aufgehübscht sehen. Vielleicht zwei, drei Cafés. Und dass sie nicht nur von Ausländern angenommen wird. Eda: Dass die Neustadt das Ansehen, die Wertschätzung bekommt, die sie verdient. Hier steckt so viel Potential drin. Ich wünsche mir seitens der Stadt ernsthafte Bestrebungen, dass das hier auch ein schöner Stadtteil wird. Dass die Neustadt nicht in der Ecke liegen gelassen wird, wie eine verlorene Socke. Ich wünsche mir, dass sich diesem Potential angenommen wird, es sich entfalten kann.

Das würde auch ganz Flensburg echt gut tun, dass Ich finde wir sollten uns darauf nicht versteifen, sich diese Trennung von ‚deutsch‘ und ‚ausländisch‘ sondern die wertvollen Unterschiede, die es gibt wertschätzen. Die Vielfalt von Kulturen, Sprachen, wieder aufhebt. Ich finde, das sollte sowieso eines Nationalitäten, das Schöne darin sehen. Offen da- der größten Ziele in der Welt allgemein sein: für sein, diese zu entdecken und kennen zu lernen. keinen Rassismus in einer Gesellschaft zu haben, dass alle zusammenleben, sich gegenseitig tolerieAnstatt abwertend bestimmten Gruppen und Naren, respektieren. Mensch ist Mensch und wenn tionalitäten gegenüber zu stehen und mit Hass zu man sich gegenseitig respektiert begegnen. Wenn jeder macht es auch keinen UnterEinzelne gleich wäre, schied, woher man kommt. wirklich von Kopf bis „Ich hoffe, dass mit Fuß, das wäre doch der Sanierung so ein total langweilig.

Zusammenhalt (...) wiederhergestellt wird. Dass man wieder stolz darauf sein kann, hier in Flensburg zu leben.“ Eda

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*Anmerkung der Redaktion


Zivilgesellschaft

BürgerInnenbeteiligung 2020 – da geht noch was! von Lothar Baur Das „Berlin Institut für Partizipation“ veröffentlichte einen Bericht zur Lage der BürgerInnenbeteiligung. Ergebnis: 2020 könnte „ein verlorenes Jahr“ werden. Die Corona Pandemie hat zu einer abrupten Unterbrechung laufender Beteiligungsverfahren geführt. Abgebrochene, aufgehobene, abgesagte und aufgeschobene Verfahren wirken sich negativ auf die Zukunft aus. Insgesamt wurden repräsentativ 1.771 Personen befragt: 76,5% der geplanten Beteiligungsverfahren sind betroffen. Nachdenklich sieht das Institut auf konfliktreiche Verfahren, die mit eingeschränkter Bürgerbeteiligung voran getrieben werden könnten.

und würde als Geringschätzung für die öffentliche Beteiligung empfunden werden, die im Notfall als entbehrliches Verfahrenselement angesehen wird.

Auch der Deutsche Kinderschutzbund/SH meldete sich mit einer Untersuchung zu Wort. Mehr als 1.000 Jugendlichen antworten auf die gestellten Fragen. Dabei waren Gymnasien und Gemeinschaftsschulen gleich stark vertreten. Es stellte sich heraus, dass 42% der SchülerInnen sich nicht richtig in die schulischen Entscheidungen eingebunden fühlen. Damit hätten die Jugendlichen beim Thema Mitbestimmung den Schulen ein sehr schlechtes Zeugnis ausgestellt, sagte die Landesvorsitzende, Irene Johns dazu. Die BeteiligungsstrukIn nicht wenigen Fällen, sagt der turen an den Schulen seien unzuBericht, wurden Beteiligungs- reichend. strukturen komplett aufgehoben. Schülervertretungen hätten in Das könnte einen weiteren fatalen der Coronazeit wenig InformaVertrauensverlust nach sich ziehen

tionen bekommen, wie es an den Schulen weitergehen soll, sagte Lorenzo Schüller vom Jugendrat des Kinderschutzbundes. Mit dem „Lockdown 2“ wird die Problematik noch einmal überdeutlich. Offensichtlich ist es in vielen Bereichen nicht gelungen, neue und funktionierende Formen der Teilhabe, auch in Krisenzeiten, zu installieren. Auch in Flensburg ist noch viel Luft nach oben in Sachen BürgerInnenbeteiligung. BürgerInnenforen beschwerten sich schon vor Corona oft darüber, dass sie unzureichend in Gestaltungsprozesse einbezogen werden. Wir vom Trafo-Magazin unterstützen gerne beim Ein- und Mitmischen und bieten gerne eine Plattform. Quellen: Das verlorene Jahr, Berlin Institut für Partizipation, Jugendbefragung 2.0., Kinderschutzbund SH

#weiterlesen #Empfehlung

Buchempfehlung aus der Redaktion „Kaum ein Missstand ist plötzlich da. Meist bahnt er sich an, über Jahre. Nicht alle sehen Gräben, die er durch unsere Gesellschaft zieht, denn häufig geschieht das an Orten, die Privilegierte nicht erleben, so dass sie Probleme erst erkennen, wenn sie selbst betroffen sind.“ „Wer wissen möchte, welche Herausforderungen auf uns alle warten, der sollte jenen genau zuhören, die in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Architektur schon jetzt die Leidtragenden sind.“ – Das sind nur zwei Zitate, die

mich einfach beeindruckt haben. Das Buch ist voll davon. Man muss, darf und soll nicht mit allem einverstanden sein. Mehr als nur ein Denkanstoß. Sprache und Sein, Kübra Gümüsay 2020, 208 Seiten, Hanser Berlin

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Neustadtperspektiven

Intercultural Music Project Vielen ist das „Intercultural Music Project – Flensburg‘‘ bestimmt schon bekannt. Falls nicht, empfiehlt sich ein Besuch beim nächsten Auftritt. Doch wie kam es zu diesem Projekt? Stylianos Antoniou zur Geschichte und der Idee hinter dem Projekt. Text: Stylianos Antoniou, Fotografie: Katja Hofschröer-Elbers

Music connects people. Musik verbindet. Das interkulturelle Musik Projekt vereint unterschiedliche Menschen und Kulturen. Aus Deutschland, Persien, Türkei, Zypern, Syrien, Irak, Iran, Griechenland und Albanien. Durch neue Kreationen und Synthesen aus traditioneller, klassischer und zeitgemäßer Musik mit vielfältigen Instrumenten entstehen musikalische Eindrücke aus der ganzen Welt. Das Projekt bietet nicht nur, aber besonders auch Menschen mit Fluchterfahrung die Möglichkeit, kreativ zu sein und ihre musikalische Leidenschaften zu entfalten. Hier können auch prima „Berührungsängste“ abgebaut werden. Jeder und jede ist herzlich Willkommen.

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Neustadtperspektiven

Eine Brücke zwischen Orient und Okzident.

funktioniert es.

Im Juni 2016 erfüllte sich für mich ein langjähriger Traum: Eine Musikgruppe mit Menschen verschiedenster Nationen, mit verschiedenen Instrumenten und verschiedenen musikalischen Einflüssen zusammenzubringen, um gemeinsam zu musizieren. Gesagt, getan – Das Projekt war unter dem Titel ,,Orient meets Okzident‘‘ geboren.

Menschen haben die Möglichkeit ihrer Leidenschaft nachzukommen. Doch neben der tollen Musik zeichnet sich die Initiative vor allem dadurch aus, dass das Projekt Menschen aus vielen verschiedenen Nationen zusammen bringt, um miteinander zu musizieren – ganz unabhängig von der gesprochenen Sprache. Gemeinschaft wird hier gelebt.

Premiere und erster öffentlicher Auftritt war im Oktober beim „Fest der Kulturen“ im Deutschen Haus, was große Begeisterung hervorrief. Mittlerweile probt die Band regelmäßig und tritt bei verschiedenen Events wie z.B. dem Flensburger Neujahresempfang auf.

Mehrere Mitglieder aus der Band haben selbst einen Fluchthintergrund und haben durch das Projekt „eine neue Familie“ gefunden. Es sind Freundschaften entstanden und es werden gemeinsam Unternehmungen gemacht.

Und nun ist schon das fünfte Jahr angebrochen: Musikalisch hat die Band ein kunterbuntes Repertoire an Musikstücken aus verschiedensten Regionen der Erde aufgebaut. Rein instrumental oder mit Gesang wird Traditionelles, Klassisches und Zeitgemäßes miteinander vermischt, sodass nicht selten neue Kreationen entstehen. Mit dem Kooperationspartner „Kunst und Kultur Baustelle 8001 e.V.“, ein zentraler Treff der Kommunikation in der Neustadt, wurden gemeinsame Veranstaltungen verwirklicht und das Projekt wurde über die Neustadt hinaus in der Stadt und später im Land bekannt. Netzwerke und Benefizaktionen konnten in Flensburg und Umgebung entstehen und wachsen. Es sind offene Proben entstanden, in denen jeder Musiker und jede Musikerin und auch jede Zuhörerin und jeder Zuhörer willkommen sind. Viel mehr als nur eine Band. Es ist nicht unbedingt einfach, Menschen, verschiedener Kulturen und Mentalitäten zusammen zu bringen, aber durch die gemeinsame Sprache der Musik

Das interkulturelle Musikprojekt aus Flensburg ist ein Beispiel dafür, wie Gemeinschaft funktionieren und was aus verbindender Musik entstehen kann. Wir als Gruppe hoffen, noch lange mit Musik zu begeistern. Das Projekt steht jedem und jeder offen – über neue Musikerinnen und Musiker freut sich das Projekt immer, ganz egal woher man kommt oder welches Instrument er oder sie spielt!

Wer mehr über die Band erfahren möchte: Webseite: impfl.de Mail: Info@impfl.de Tel.: 01712452688

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Kunst & Kultur

Die Künstlerin Hanne Merte Schmidt

Ansichts Sachen aus der Redaktion

Fotografien: Hanne Merte Schmidt Die 2019er Ausstellung „Ansichts Sachen - Orte der Transformation in der Neustadt“ war eine angenehme Überraschung für alle Beteiligten. Mit 450 Gästen stellte sie einen Besucherrekord für die Ausstellungen des Vereins 8001 in der Neustadt auf. Der Publikumsliebling war die Arbeit „Neustadt Dinner“ von Hanne Merte Schmidt. Das Dinner wird vor neun verschiedenen Hintergründen in der Neustadt zelebriert. Hanne Merte Schmidt ist eine Fotografin und Künstlerin aus Flensburg. Das Projekt „Ansichts Sachen“ gibt es schon seit 2011. Mit mehreren gut besuchten Ausstellungen, meist mit Motiven aus dem Flensburger Norden und der Neustadt wurde dieser Teil der Stadt auf künstlerische Weise in den Fokus gerückt. Darüber sind auch 2 Fotobände entstanden, die in der Zwischenzeit leider vergriffen sind. Die 2020er Ausgabe der Ansichts Sachen geht wegen der Pandemie den digitalen Weg. ansichtssachen.online hannemerte.de

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Kopfzeile B

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Kunst & Kultur

#Kritzeleiflensburg

Keramik zu Hause selbst bemalen aus der Redaktion

#Ausstellung #traditionelltrifftmodern

Palästinensische Kunst von Dana Paulsen Das traditionelle Palästina trifft zwei zeitgenössische palästinensische Künstlerinnen. Zu sehen sind traditionelle Gegenstände wie Teekannen, Gewänder, eine Satteltasche und Ölkannen – ausgeliehen von Großeltern und Freuden und zum Teil über 120 Jahre alt. Diese Objekte stehen im Kontrast zu zeitgenössischen Werken. Noel Louiza El Abd, der es darum geht „Gefühle durch Bilder zu transportieren und darzustellen“ und Miriam Miari, in deren Zeichnungen deutlich die Auseinandersetzung mit der Geschichte Palästinas und aktuellen Geschehnissen zu sehen ist. Noel sagt es sei „schwierig die Geschichte zu akzeptieren und weiter zu gehen. Zu akzeptieren, dass man nicht mehr in seiner Heimat sein kann und das hinter sich zu lassen“. Ihr Blick in die Zukunft ist positiv, denn sie weiß: „Jede Stimme zählt. Und jede Stimme kann die Zukunft verändern.” Wie es mit der Ausstellungsreihe weitergeht und was Noel uns noch im Interview verraten hat erfahren Sie und Ihr demnächst in unserer Onlineausgabe.

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Eine spannende Beschäftigung für zuhause wäre es doch, mit Keramik zu arbeiten! Da wir in der Regel aber alle keinen Brennofen unser eigen nennen, ist das meist nicht machbar. Nun gibt es in Flensburg neuerdings eine Möglichkeit, das Problem nicht nur zu umgehen, sondern sogar galant zu lösen. „Die Kritzelei“ ist ein interessantes Angebot für alle „Keramik-Verrückten“. Dort bekommt man verschiedenste Rohlinge und kann aus einer Reihe von schönen Farben diejenigen auswählen, die man gerne verwenden möchte. Die „Kritzelei“ sorgt dann dafür, dass die Sachen professionell glasiert und gebrannt werden. Das gefiel uns so gut, dass wir ein Projekt daraus gemacht haben. Wir stellen 20 Grundausrüstungen kostenlos zur Verfügung. Die Bedingung: Die Einreichung eines Entwurfs, der erkennen lässt, dass es ein besonderes Projekt wird. Wir sind sehr gespannt auf die Ergebnisse. Interesse? Hier kann Kontakt aufgenommen werden: 8000eins.de/ utopolis-transformation-in-der-neustadt


#Holzbildhauerei #interaktiv #Skulpturen

Kunst & Kultur

Wood 4 ur Hood in Memoriam an den Skulpturenpark am Ostseebad von Dana Paulsen

An erster Stelle positionierte sich der Entwurf des Drachen. Auf dem zweiten Platz befindet sich „die Hunderunde“, auf dem dritten „die helfenden Geisterlein“. Im weiteren Verlauf des Projektes wird nun versucht, mehr Menschen dafür zu begeistern, damit es im nächsten Jahr umgesetzt werden kann.

© Lena Grigoleit,

Das Auszählen der Stimmzettel war ein schönes Ereignis. Es gab hilfreiche Verbesserungsvorschläge, positive Kritik und Lob. Bei der

Die KünstlerInnen haben die drei Entwürfe mit meisten Stimmen gleich auf ein Treppchen gemalt.

rs

Diese partizipative Ausstellung war ein wichtiger Schritt in dem Projekt. Schließlich möchten die KünstlerInnen den Bewohnern der Neustadt keine Skulptur vor die Nase setzen, die dann (ungefragt) zu gefallen hat.

Auszählung durfte mit Freude festgestellt werden: die Stimmen verteilten sich gleichmäßig auf alle Entwürfe.

© Katja Hof schröer-Elbe

Am Wochenende vom 30. Oktober bis 1. November, besser bekannt als „das Wochenende vor dem 2. Lockdown“, präsentierten die KünstlerInnen insgesamt 8 Entwürfe in einer Ausstellung. Die BesucherInnen kamen als Wählende, sie konnten die Entwürfe begutachten, bestaunen und kritisieren – auch Kinder!

In einer Wahlkabine konnte dann jede und jeder Kreuze für die Skulpturen machen, die aufgestellt werden sollen. Es gab Platz für Kritik an den Entwürfen und die Möglichkeit, Aufstellungsorte zu favorisieren.

© Johannes Caspersen

„Wood 4 ur Hood“, ein Projekt um Holzskulpturen in die Neustadt zu bringen. Es haben sich vier BildhauerInnen zusammengefunden: Lena Grigoleit, Silvana Sundberg, Johannes Caspersen und Dana Paulsen, alle wohnen im Flensburger Norden. Und beschäftigen sich seit dem Sommer mit der Frage, ob Skulpturen das Stadtteilbild verschönern können und wenn ja, was für Skulpturen aufgestellt werden sollten?

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Kunst & Kultur

„Die Idee, bei der es in Exit2Future ging, hat mir sehr gefallen, dass man unsterblich wird, dass man jung bleibt.“

Schüler

„Man hat unglaublich viele Anstösse bekommen, um nachzudenken wie man mit sich selbst, der Umwelt und der Zukunft umgehen möchte.“ Besucherin

„Was die Technologie, die Maschinen machen, wird davon abhängen, wie wir sie aufbauen.“ Besucher

Exit2Future

Ein analoges und digitales Stadtteilspiel in der Neustadt, vom 23. - 31. August 2020, konzipiert vom Institut für theatrale Angelegenheiten und dem Verein 8001 Text: Folke Witten, Fotografie: Katja Hofschröer-Elbers „Exit2Future“ war ein interaktives Game-Theater Projekt mit fünf Stationen.

Dieser junge Mann ist etwas verzweifelt auf der Suche nach seiner Freundin. Cleo war aufmüpfig gegen den Konzern und verschwand.

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Die BesucherInnen waren vor allem BewohnerInnen aus der Flensburger Neustadt, die sich mitten in einer Transformationsphase befindet. Spezielle Dabei wurden von den Neustadt Themen konnten Theaterleuten unterschiedlispielerisch in den Kontext che Zukunfts-Themenschwerglobaler, technologischer und punkte szenisch angespielt und gesellschaftlicher Umbrüche unter Einbeziehung der Besugestellt werden. Für jeweils 5x5 cherInnen fortgesetzt. CollaBesucherInnen mit insgesamt genhaft wurden die vielfältigen zehn Aufführungen. Herausforderungen angerissen, die letztlich jede/n von uns betreffen werden.


Kunst & Kultur Ganz freundlich und nett wird eingeladen, die eigenen Daten preiszugeben,...

Station 1 –Virtuelle Realität - Das Game Schauspieler: Frithjof Rave Ein junger Mann kommt von einem Ausflug aus der virtuellen Realität, aus einem Spiel namens „RAMSES“, zurück. Er berichtet, wie unfassbar echt und real dort alles wirkt. Er sucht seine Freundin Cleo, die plötzlich verschwunden ist. Sie hat sich gegen das Firmen-Imperium „Zorlac Technologies“ aufgelehnt, nachdem sie herausfand, dass die Spielentwickler Experimente an lebenden Personen durchführen. Cleo befindet sich in einem Labor und verbringt Tage in dem virtuellen Game, bis ihr Freund sie mit Hilfe der „ZuschauerInnen“ endlich findet. Station 2 – Das Labor Schauspielerinnen: Carolina Walker, Mareike Hoeck Im Labor wird die Weiterentwicklung einer künstlichen Intelligenz vorangetrieben, die immer „menschlicher“ werden soll, bis Mensch und Maschine nicht mehr voneinander zu unterscheiden sind Mit Eintritt in das grüne Laborzelt kommen die ZuschauerInnen in die Rolle der Probanden und „Versuchskaninchen“. Zwei „Wissenschaftlerinnen“ empfangen die BesucherInnen freundlich und verwickeln sie in Aktionen, bis diese in das System eingebunden sind. Es gibt die Chance, Widerstand zu leisten. Wer das nicht schafft,

wird in eine von fünf Kategorien eingeteilt. Die beiden WissenschaftlerInnen studieren und analysieren die Emotionen und Mimiken der Probanden und können diese abspeichern. Einer der beiden ist die Sache nicht geheuer. Sie sucht nach einem Weg, das System zu verlassen.

...die dann dazu benutzt werden sollen, um Kopien von Menschen zu bauen – Humanrobots

Station 3 – In meinem Kopf Schauspieler: Sameh Alkaderi Alkali, Galal Al-katheri Szenenbild und Aufenthaltsort der ZuschauerInnen ist nun das Innere eines Gehirns einer Person, in der sehr viel Chaos herrscht.

Wie muss eine Stadt sein, die friedlich ist und bleibt?

In dem dargestellten Gehirn agiert ein „Clown“ und treibt seine Späße. Die zum Gehirn gehörende Person scheint gar nicht anwesend zu sein. Sie hat Schreckliches erlebt, das Heimatland verlassen. Wie sieht es im Kopf eines Menschen aus, der viel Schlimmes erlebt hat? Nach einer langen Flucht vor Krieg und Verfolgung stellt sich heraus,dass die Erinnerungen einen nicht loslassen.

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Kunst & Kultur

Was hat „Zorlac“ vor?

Doch dann taucht sie auf und verjagt den „Clown“. Sie schleppt einen großen Koffer mit sich. In der neuen Heimat scheint der Moment gekommen, den Koffer zu öffnen. Doch darin haben sich dunkle und schreckliche Erinnerungen versteckt. Die zerstörte Stadt, Krieg und Vertreibung tauchen auf einmal auf. Wie soll aus diesem Schutt und dieser Asche eine neue Stadt entstehen? Und wie soll und muss diese aussehen, dass so etwas nicht nochmal passieren kann?

Und wer ist Cleo?

Die BesucherInnen sind aufgefordert, Antworten zu geben und ihre Wünsche für die Zukunft aufzuschreiben. Alle machen mit. Station 4 – Die Qualle Schauspielerin: Esther Wakil

dizinische Fortschritt strebt nach absoluter Gesundheit aber was sind die Folgen davon? In den Ozeanen existiert eine Quallenart, welche die Wissenschaft vor Rätsel stellt. Die Qualle altert nicht. Ist sie der Schlüssel zur Unsterblichkeit? Die BesucherInnen werden mit der Qualle konfrontiert und hören mehrere unbekannte Stimmen, welche die Menschen anklagen, die Erde zu zerstören. Station 5 – Die Garage SchauspielerInnen: Arno Sudermann, Friederike Zinner war der geheime Rückzugsort des „Zorlac“ Firmengründers und Spielentwicklers des RAMSES Spiels. Hier entwickelte er seine ersten Programme. Die Garage ist ein Ausstellungsort geworden, „um jungen Menschen zu zeigen, dass sie es mit einfachsten Mitteln auch nach ganz oben schaffen können wenn sie nur hart genug an ihre Vision arbeiten“.

Hier geht es um das Streben der Menschen, Krankheiten auszulöschen und wenn möglich Tatsächlich geht es ihm aber sogar den Tod zu besie- darum, freiwillige Probanden gen. Der technisch-me- zu finden, die seine virtuellen Welten testen und Nachwuchs anzuwerben. Welche Information gibt die Qualle Preis?

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„Zorlac“ ist maßgeblich an der Entwicklung von neuronalen Scnittstellen zwischen Mensch und Maschine beteiligt. Ziel von „Zorlac“ ist die Erschaffung einer neuen Menschheit.


Kunst Kopfzeile & Kultur B

Cleo Schauspielerin: Carolina Walker Zorlacs Gegenspielerin in diesem Game ist Cleo, die von einer ganz anderen Zukunft träumt, in der die Menschen nicht nur manipulierte, überwachte und kontrollierte Konsumenten sind, sondern ihre eigenen Qualitäten und Talente frei legen und sich direkt an der Gestaltung der Zukunft beteiligen, indem sie durch viele kleine Aktionen und Eingriffe in die „Matrix“ der Wirklichkeit, umfassend beginnen, ihre Welt, ihr Land, ihre Stadt und ihren Stadtteil konkret zu gestalten und somit zu verändern.

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Kunst & Kultur Am Ende des Spiels wird das Tor hinaus aus dem Spiel geöffnet – Hier von Folke Witten. Die BesucherInnen haben es geschafft, den Exit2Future zu finden. Sie haben sich befreit und insgesamt mehr als 250 Statements, Ideen und Visonen erspielt.

Theater in Corona Zeiten Die Neustadt machte es möglich ! von Lothar Baur Geplant war das alles völlig anders. Das Stadtteilgame „Exit2Future“ sollte im öffentlichen Raum stattfinden, groß angekündigt und es sollten wenigstens 500 Menschen mit einbezogen werden. Der Plan war gut, sogar sehr gut! Das war im Herbst des letzten Jahres. Je näher das Frühjahr rückte, desto klarer wurde: Das wird nichts! Der erste Lock Down schaltete alles aus. Und danach, also in der „neuen Realität“ war Theater im öffentlichen Raum mit möglichst vielen Menschen und einem bunten Durch- und Miteinander plötzlich eine richtige utopische Idee. Wie sollte das gehen, alles mit 1,5 Meter Abstand? Unmöglich! Geht nicht! Über viele Wochen hinweg überlegten die Theaterleute und die Organisatoren und erfanden ein völlig neues „Exit2Future“, dass auch unter den Bedingungen der Pandemie funktioniert. Die Aufgabe stand: Wer hier hinkommt, soll interessantes Theater erleben und mitspielen können. Es soll künstlerisch anspruchsvoll und dennoch verständlich sein. Und vor allem: Es soll sicher sein. Es muss sicher sein! Das Spiel wurde umgeschrieben und coronakompatibel gemacht. Im Gegensatz zu einem „normalen“ Theaterstück, also auf der einen Seite die Bühne und auf der anderen das Publikum, bietet die Form des Spieles Möglichkeiten der Anpassung und Veränderung. Diese Möglichkeiten wurden genutzt und ausgereizt. 34

Eine wesentliche Herausforderung war der Platz. Pro Mensch im Spiel wurden mindestens 10 qm Fläche angesagt, der Mindestabstand von 1,5 Meter war der Maßstab aller Überlegungen. Drum war schnell klar: Um das Spiel sicher für alle durchführen zu können braucht man wenigsten 500 qm. Zusammen mit den Schauspielern und dem Begleitpersonal, dass über die Einhaltung der Abstände wachte, waren über 40 Menschen auf dem Gelände. Der „Spielplatz“ wirkte wie ein kleines Dorf, vielleicht wie ein Jahrmarkt, indem die Menschen von Station zu Station wanderten und spielten - immer mit Abstand, immer die Maske dabei. Ein riesiger Theaterraum unter freiem Himmel. Um möglichst vielen Menschen die Teilnahme zu ermöglichen, wurden 10 Termine geplant und durchgeführt. Und das hat tatsächlich geklappt! Ein paar Tage auf dem Gelände der Sportpiraten und am Wochenende auf dem Gelände hinter dem Stadtteilhaus. Während in der ganzen Republik praktisch null Theater stattfand, gab es in der Neustadt an 10 Tagen Theater vom Feinsten. Zum Mitmachen. Alle Termine waren ausgebucht. 250 Menschen waren dabei. Die Hälfte waren SchülerInnen aus der Comenius Schule, die andere Hälfte wurden über die Vereine und Gruppen im Stadtteil angesprochen. Ein super Ereignis für die Neustadt!


Was bewegt . Sie und Euch? Schreibt uns !

Fragen, Anregungen, Wünsche? Kritik & Ideen teilen oder mitmachen? Hier kommt der Kontakt: zur Trafo-Redaktion: Email: katja@trafo-neustadt.online zum Verein 8001: Email: erfundenesland@posteo.de Und hier geht‘s lang zum Kontaktformular: trafo-neustadt.online Ihr wollt uns finanziell unterstützen? Hier geht‘s lang zu den Kontodaten:


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Dezember 2020 Die Inhalte des Magazins wurden nach bestem Wissen und Gewissen durch Hinweise, Informationen und Adressen ergänzt. Der Kunst und Kultur Baustelle 8001 e.V. übernimmt keine Haftung für die Aussagen und Inhalte Dritter. Herausgebende:

S. 18 S. 9

S. 26 S. 12 S. 6

Vorstand der „Kunst und Kultur Baustelle 8001 e.V“ Neustadt 12 24939 Flensburg Redaktion: Karsten Bahnsen, Lothar Baur, Katja Hofschröer-Elbers, Dana Paulsen Konzept & Gestaltung: Katja Hofschröer-Elbers S. 11

Druck: Druckerei Ernst H. Nielsen

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S. 24

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