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BAUKULTUR Zeitschrift des DAI Verband Deutscher Architekten- und Ingenieurvereine e.V.

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Schwerpunkt Bauen in Koblenz

AIV Magdeburg Historische Kunstdrucke

Mittelrheinischer AIV Darmstadt Besuch aus Brescia

M체nchener AIV Website ausgezeichnet

M체nsterl채nder AIV 2. Schlaun-Ideenwettbewerb entschieden

koblenzer

BAUKULTUR


Forum Mittelrhein Koblenz: Traditionsbewusst und modern Lebendiger Mix aus Handel, Kultur, Tourismus und urbaner Platzgestaltung: Mit dem Forum Mittelrhein haben die Projektpartner ECE und STRABAG Real Estate den Zentralplatz in Koblenz zum neuen pulsierenden Mittelpunkt im Zentrum der Rhein-Mosel-Metropole weiterentwickelt. Bei der architektonischen Gestaltung ließen sich die Planer von regionalen Themen wie dem Weinbau und der Vulkaneifel inspirieren. So wird das Gebäude im Außenbereich von einer stilisierten Weinlaubfassade umschlossen – bestehend aus mehr als 2.800 in Grüntönen lackierten, 3-dimensionalen Aluminiumtafeln. Diese Konstruktion ist weltweit einmalig und wurde in Deutschland entwickelt und hergestellt. Für seine ökologische und energieeffiziente Gestaltung ist das 2012 eröffnete Forum Mittelrhein von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen mit dem goldenen Gütesiegel für Handelsbauten prämiert worden. Neben der Einkaufsgalerie zählt auch das neue städtische Kulturgebäude „Forum Confluentes“ sowie eine große Piazza zu dem neuen Stadtensemble. Entworfen wurde das städtebauliche Ensemble von Benthem Crouwel Architekten aus Amsterdam und Aachen. Eigentümerin des Forum Mittelrhein ist die Deutsche Asset & Wealth Management.

Shopping | Office | Traffic | Industries ECE Projektmanagement G.m.b.H. & Co. KG Heegbarg 30, 22391 Hamburg Telefon: (040) 60606-0, Fax: (040) 60606-6230 www.ece.de, info@ece.de


editorial

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LIEBE LESERINNEN UND LESER, wenn der eine oder andere von Ihnen noch unschlüssig ist, zum DAI Tag 2013 nach Koblenz zu fahren, dann sollte diese Ausgabe der BAUKULTUR Ihnen die Entscheidung leichter machen. Der AIV Koblenz ist Gastgeber für das Wochenende vom 27.– 29.9.2013 und gerade diejenigen, die bereits einmal zum DAI Tag in unserer Stadt zu Gast waren, sollten sich nicht entgehen lassen, die erstaunliche Entwicklung zu sehen, die diese Stadt in nur 10 Jahren bewältigt hat „Koblenz verwandelt“ war das Motto der Bundesgartenschau 2011, sie hat in Koblenz zur größten Bautätigkeit der letzten 40 Jahre geführt. Mit der erfolgreichen Bewerbung zur BUGA 2011 war der erste Schritt zum dringend notwendigen Masterplan in dieser Stadt gemacht. Von 2007 bis 2011 war der Großteil der Innenstadt eine Baustelle. Über 500 Mio. Euro wurden hier allein verbaut. „Entwicklung findet Stadt“ ist daher das Motto unseres Jahrestreffens. Die einst größte Garnisonstadt Europas konvertierte kontinuierlich zu einer attraktiven Metropole zwischen Bonn und Mainz und ist heute Universitätsstadt, medizinisches Großzentrum, zentrale Einkaufsstadt und nicht zuletzt ein touristisches Highlight am nördlichen Tor zum Weltkulturerbe Mittelrheintal. Dabei ist es gelungen, die Spuren einer weit über 2000 Jahre alten Stadt zu konservieren und erlebbar zu machen und gleichzeitig zeitgemäße und behutsame Eingriffe in das Stadtbild umzusetzen. Die in dieser Ausgabe der BAUKULTUR dokumentierten Projekte sind nur eine kleine Auswahl aus einer Fülle neuer Baumaßnahmen. Die BUGA 2011 als Motor war mit 3,5 Mio. Besuchern bislang die erfolgreichste aller Zeiten, und unsere Kolleginnen und Kollegen des AIV Koblenz sind stolz darauf, in unterschiedlichster Weise hierzu beigetragen zu haben.

Unser Tagungsort liegt im Herzen der Verwandlung in der erweiterten, sanierten und modernisierten Rhein-Mosel-Halle (vgl. Beitrag Seite 18) in unmittelbarer Nähe zum Schloss und den Rheinanlagen mit der Seilbahn auf die Festung Ehrenbreitstein. Nur 10 Gehminuten entfernt liegt der neue Zentralplatz mit dem von Benthem Crouwel entworfenen „Forum Confluentes“, in dem die Stadtbibliothek, das Mittelrheinmuseum und das Romantikum untergebracht sind. Alle diese neuen Orte sind Teil unseres Tagungsprogramms. Der DAI Tag sollte für uns Architekten und Ingenieure ein willkommener Anlass sein, uns kritisch mit der Entwicklung, den Sorgen, aber auch dem Miteinander des Berufsstandes auseinander zu setzen. Erfolgreiche Beispiele sollten jeden von uns ermutigen, weiter für mehr Qualität und Akzeptanz zu kämpfen. Ich persönlich fühle mich darin auch durch unser DAI Präsidium, angeführt durch unseren Präsidenten Prof. Dipl.-Ing. Christian Baumgart, unterstützt und egal, ob Sie hierin meiner Meinung sind oder eine andere Auffassung haben: Im Rahmen des DAI Tages 2013 finden Präsidiumswahlen statt und Sie sollten die Belange mitgestalten, indem Sie Ihre Stimme in Koblenz abgeben. Ebenfalls am 28.9.2013 wird der DAI Literaturpreis an den Autoren, Journalisten und Architekturkritiker Gerhard Matzig verliehen (vgl. Beitrag Seite 11). Über diese Wahl freue ich mich ebenso wie über die Auswahl des Laudators, den SWR Architekturkritiker und Moderator Reinhard Hübsch. Wir sind überzeugt, Ihnen in Koblenz an Rhein und Mosel ein unvergessliches und kurzweiliges Wochenende zu bereiten und freuen uns auf dieses Wiedersehen. Ihr

Dipl.-Ing. Alexander von Canal 1. Vorsitzender AIV Koblenz


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DAI in deutschland

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Kiel

Pinneberg

Gerhard Matzig (Foto: Peter von Felbert)

DAI Tag 2013 in Koblenz

Osnabrück

Im Rahmen des DAI Tages in Koblenz (27.–29.9.2013) wird Gerhard Matzig den DAI Literaturpreis 2013 erhalten. Ein Porträt über den Münchener Architekturkritiker und Journalisten finden Sie auf Seite 11 der vorliegenden Ausgabe der BAUKULTUR. Als Laudator konnte der SWR-Moderator Reinhard Hübsch gewonnen werden.

Dortmund

Düsseldorf

Wiesbaden Aschaffenburg

Tagungsprogramm + Anmeldung: www.dai.org/veranstaltungen

Mainz

Mannheim

Saar

Folgen Sie dem DAI im Netz:

Nürnberg

Freiburg

www.dai.org www.facebook.com/baukultur

DAI Mitgliedsverein kein DAI Mitgliedsverein

www.twitter.com/baukultur

DAI Mitgliedsverein mit Textbeitrag in der vorliegenden Ausgabe

DAI MITGLIEDSVEREINE AIV Aschaffenburg AIV Aschersleben-Staßfurt AIV Bad Hersfeld AIV Bielefeld AIV Braunschweig AIV Frankfurt AIV Hamburg AIV Hanau AIV Hannover AIV Hildesheim AIV Ulm

AIV Karlsruhe AIV Koblenz AIV KölnBonn AIV Konstanz AIV Leipzig AIV Magdeburg AIV Marburg AIV Mark-Sauerland Hagen AIV Mecklenburg-Strelitz AIV Schweinfurt AIV Stuttgart

AIV Wetterau AIV Würzburg AIV zu Berlin Dortmunder AIV Mittelrheinischer AIV Darmstadt Münchener AIV Münsterländer AIV Oldenburgischer AIV Ruhrländischer AIV zu Essen Schwäbischer AIV Augsburg


inhalt

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Editorial Alexander von Canal DAI in Deutschland Inhalt

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Nachrichten Kolumne Bundesstiftung Baukultur Debattenportal BKULT

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Wahlprüfsteine Wahlaussagen der Parteien zur Bundestagswahl 2013

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DAI Literaturpreis 2013 Gerhard Matzig – eine biografische Annäherung

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DAI aktuell Aus dem Präsidium

12–15 12 13 13 14–15

DAI regional AIV Magdeburg: Historische Kunstdrucke Mittelrheinischer AIV Darmstadt: Besuch aus Brescia Münchener AIV: Website ausgezeichnet Münsterländer AIV: 2. Schlaun-Ideenwettbewerb entschieden

16–17

DAI Mitglied im Blickpunkt Alexander von Canal, AIV Koblenz

18–26 18 19 20 21 22–23 24 25–26

Schwerpunkt Bauen in Koblenz Rhein-Mosel-Halle Deinhardareal Energieautonomes Bürogebäude Energie-Plus-Haus m35 Sanierung der Festung Ehrenbreitstein Mosellum mit Fischpass In und um Koblenz

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Advertorials

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Titel: Rhein-Mosel-Halle in Koblenz (Foto: Frey)

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Autoren | Vorschau | Impressum

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nachrichten

Online-Baustellenportal Koblenz hat im Zuge der Planungen für die BUGA 2011 tiefgreifende Veränderungen erfahren. Auch wenn seitdem viele Baumaßnahmen abgeschlossen sind, stehen auch zukünftig noch weitere Projekte an, die Koblenz als Hauptstadt des nördlichen Rheinland-Pfalz weiter aufwerten und die Innenstadt als Einkaufs- und Erlebnisraum stärken sollen. Auf dem Online-Baustellenportal der Stadt Koblenz können unter www. koblenz-baut.de Informationen zu den aktuellen Projekten der Stadt eingeholt werden. Die Baustellenübersicht und das Kartenmaterial dienen der Orientierung. Detaillierte Informationen zu Einzelprojekten finden sich in der Rubrik „Großprojekte“. www.koblenz-baut.de EnergieEffizienz-Messe Die 6. EnergieEffizienz-Messe Frankfurt findet vom 10.–11.9.2013 statt. Schwerpunkte im zweitägigen Kongressprogramm mit 50 Vorträgen bilden das Energiemanagement Forum, das Gebäudeeffizienz Forum und das Industrieeffizienz Forum. Zielgruppe sind Entscheidungsträger aus Industrie, Handel, Immobilienwirtschaft und öffentlichem Sektor sowie aus mittelständischen und großen Unternehmen mit überdurchschnittlich hohem Energieverbrauch. Der klare Fokus liegt auf dem Thema Energieeffizienz und der praxisorientierten Ausrichtung an die Anforderungen der Wirtschaft. www.energieeffizienz-messe.de Messen +++ Die Nordbau, Nordeuropas Kompaktmesse des Bauens, findet vom 12.– 17.9.2013 in Neumünster statt. Themenschwerpunkt ist u. a. „sicher bauen – sicher wohnen“. +++ In Stuttgart können vom 17.–19.9.2013 anlässlich der Fachmesse Composites Europe das Forum für Verbundwerkstoffe, Technologie und Anwendungen besucht werden. +++ Vom 26.–29.9.2013 präsentiert die Messe Augsburg mit der Renexpo die 14. Internationale Fachmesse für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz. www.nordbbau.de www.composites-europe.com www.renexpo.de Face to Face Von September bis Dezember 2013 findet im Deutschen

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Architektur Zentrum DAZ in Berlin die von Francesca Ferguson (Urban Drift Projects) konzipierte Gesprächsreihe „Face to Face“ statt. 6 Architekten geben in Dialogen Einblicke in ihre Arbeit und ihre Haltung zu aktuellen architektonischen und städtebaulichen Fragen. Die von den Architekten selbst ausgewählten Dialogpartner – ein Künstler, ein Pfarrer, ein Komponist, ein Journalist, ein Professor für Raumfahrttechnik und die Geschäftsführerin eines Wohnungsbauunternehmens – bilden ein disziplinübergreifendes Feld ab, das die Gespräche durch Themen wie „Entwurfs-Komposition“, „Eigentum und öffentlicher Raum“, „Neue Materialien“ und zu zivilgesellschaftlichen Fragen und einer Kritik der Ästhetik führen wird. www.daz.de Europa Nostra Award 2013 Insgesamt 30 Projekte haben in diesem Jahr den Preis der Europäischen Union für das Kulturerbe, den Europa Nostra Award 2013, gewonnen. Die Auszeichnungen wurden am 16.6.2013 in Athen verliehen. Zu den deutschen Preisträgern gehören in der Kategorie „Konservierung“ das Kraftwerk Peenemünde auf Usedom und das Ferienhaus Tautes Heim in der Berliner Hufeisensiedlung. In der Kategorie „Engagierter Einsatz“ wurde der Verein für Kunst- und Kulturförderung in den Neuen Ländern e.V. (VKF) mit einem Preis ausgezeichnet. www.europanostra.org Tag des offenen Denkmals Zum Tag des offenen Denkmals am 8.9.2013 sind bundesweit rund 7.500 historische Gebäude, archäologische Stätten, Gärten und Parks geöffnet. Koordinatorin ist die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Unter dem Motto „Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?“ stellt der Denkmaltag in diesem Jahr die zentralen Fragen der Denkmalpflege in den Mittelpunk t: Was ist w e r t , erhalten zu werden und weshalb? Was

macht Denkmale unbequem, wann und für wen? Das Motto ist bewusst weit gefasst. Denkmale, die an Krieg und Unrecht erinnern, stehen ebenso im Fokus wie Denkmale der Nachkriegsmoderne oder nicht mehr genutzte Industriebauten und historische Gebäude in strukturschwachen Gegenden. Der Tag des offenen Denkmals ist der deutsche Beitrag zu den European Heritage Days unter der Schirmherrschaft des Europarats. Im Internet finden sich Informationen zu allen teilnehmenden Denkmalen. www.tag-des-offenen-denkmals.de Afritecture Die zeitgenössische Architektur in Afrika zeigt im Bereich des sozial engagierten Bauens viele innovative Ansätze: Ob Schulen, Kindergärten, Marktanlagen, Kliniken, Kulturzentren oder Sportanlagen – es sind gerade öffentliche Bauten und gemeinschaftliche Einrichtungen, an denen sich neue Nutzungs- und Baukonzepte abzeichnen. Vielfach sind die späteren Nutzer unmittelbar am Entwurfs- und Bauprozess beteiligt. Neben dem Einsatz aktueller Technologien sind viele der Bauten aus lokalen Materialien entwickelt und greifen vergessene Bautraditio nen wieder auf. Das Architekturmuseum der TU München zeigt vom 13.9.2013–12.1.2014 in der Ausstellung „Afritecture – Bauen mit der Gemeinschaft“ insgesamt 28 Projekte aus 10 Ländern Subsahara Afrikas, so z. B. aus Kenia, Nigeria, Burkina Faso oder Südafrika. Begleitet wird die Ausstellung von Vorträgen und einem ganztägigen Symposium. Ein Katalog erscheint in einer deutschen und einer englischen Ausgabe. www.muenchenarchitektur.com


kolumne

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Die Bundesstiftung Baukultur stellt ihre Arbeit vor

DEBATTENPORTAL BKULT „Brauchen wir mehr Abriss?“ „Sollen wir den ländlichen Raum aufgeben?“ „Können wir noch lebenswerte Stadtquartiere bauen?“ Diese und andere Fragen, die unsere gebaute Umwelt betreffen, können auf der Online-Debatten-Plattform www.bkult.de diskutiert werden. BKULT wurde von der Bundesstiftung Baukultur initiiert, um die Diskussion über Baukultur ins Netz zu tragen. Das Themenspektrum der 25 Debatten, die seit Juni 2012 geführt wurden, reicht von Baukultur im Klimawandel über Infrastruktur und Verkehr, von den heutigen Herausforderungen an das Wohnen bis hin zu berufspolitischen Belangen. Das externe Redaktionsteam textbild aus Berlin stellt im Dreiwochenrhythmus eine Frage zur Diskussion, die von jedem Nutzer mit einem Text- oder Bildbeitrag beantwortet werden kann. Dabei gilt es, eindeutig mit „Ja“, „Nein“ oder „Jein“ Stellung zu beziehen. Zusätzlich fragt die Redaktion Kommentare z. B. von Architekten, Journalisten, Soziologen, Schriftstellern, Philosophen und Personen des öffentlichen Lebens an. So wird einerseits der Blick über den Tellerrand der Planungsdisziplinen hinaus geöffnet und andererseits eine sprachliche und inhaltliche Qualität sichergestellt, die über der gängiger Blogs oder Kommentar-Threads liegt. Bisher diskutierten auf BKULT u. a. Werner Sobek, Matthias Sauerbruch, Vittorio Magnago Lampugnani, Jórunn Ragnarsdóttir, Arno Brandlhuber, Wolfgang Bachmann, Walter Siebel, Wolfgang Kil, Dietmar Eberle, Hermann Czech. Die Fragen auf BKULT sind bewusst provokativ gestellt, um möglichst pointierte Positionen herauszufordern. Ausgangspunkt der Themenfindung ist häufig ein aktueller Anlass, hinter dem eine grundsätzlichere Frage steht, wie z. B. der nach einer Frauenquote in der Architektur (Debatte vom 6.8.2013). Für internationale Schlagzeilen sorgte die Debatte nach den Inhalten der Architekturbiennale 2012, nachdem Wolf D. Prix auf BKULT die Themenstellung der Biennale öffentlich kritisiert hatte.

rechts Die Debatte „Braucht die Biennale überhaupt Inhalte?“ schlug im August 2012 hohe Wellen (Foto: Jan-Eric Loebe)

In anderen Debatten wird dagegen gängige Baupraxis hinterfragt, wie z. B. der Dämmwahn als Nebeneffekt energetischer Sanierung: „Sind wir mit dem Energiesparen am Ende?“ oder „Schließen sich Energiewende und bezahlbares Wohnen aus?“ Sie richten sich nicht nur an Bauschaffende, sondern genauso an die Nutzer der Gebäude. Die Redaktion nimmt auch Themenvorschläge der BKULTNutzer auf, so z. B. die Frage „Ist es harmlos, historisierend zu bauen?“ Im Zusammenhang mit der bevorstehenden Grundsteinlegung des Berliner Stadtschlosses entfaltete diese Debatte in den sozialen Netzwerken eine besondere Eigendynamik. Außerdem lädt BKULT regelmäßig Gastredakteure ein, Debatten aus ihrer Perspektive zu kuratieren. Neben anderen folgten auch Ursula Baus und Christian Holl, frei04 publizistik, dieser Einladung mit der Diskussion zur Frage „Kann es sinnvoll sein, Großprojekte zu stoppen?“. Als offene Plattform konzipiert, ist der Redaktion von BKULT daran gelegen, dieses Netzwerk in Zukunft weiter auszubauen. Dazu gehört auch die Verknüpfung der Themen mit dem realen Raum, sei es durch Veranstaltungen oder durch lokale Diskussionen. Redaktion textbild Aktuelle Debatte: www.bkult.de


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wahlprüfsteine

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BUNDESTAGSWAHL 2013 Wahlaussagen der Parteien für die planenden und bauenden Berufe

CDU Peter Götz MdB Mit dem Regierungsprogramm 2013– 2017 haben CDU/CSU ihren grundsätzlichen Fahrplan für die kommenden 4 Jahre dargelegt. Hierin finden sich auch Aussagen, die für die Interessen der planenden und bauenden Berufe von Bedeutung sind. Das Regierungsprogramm kann nicht auf jede berufsspezifische Frage eine Antwort bereit hal-

CSU Dr. Georg Nüßlein MdB Die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte erfordert mehr denn je, bei der Bereitstellung von öffentlicher Infrastruktur auf die Wirtschaftlichkeit zu achten. Da es hier aber gleichzeitig einen großen Investitionsstau gibt, ist es unabdingbar, die dem Staat verfügbaren einzelnen Beschaffungsvarianten unvoreingenommen zu beurteilen

ten, bietet jedoch ausreichend Raum, auf aktuelle Herausforderungen im konkreten Regierungshandeln einzugehen. Die gerade erst beschlossene neue Verordnung über die Honorare für Architekten und Ingenieure zeigt das. Sie beinhaltet umfassend modernisierte Leistungsbilder, angepasst an die neuen Anforderungen im Bau- und Umweltrecht. Die zweistellige Honorarerhöhung für Architekten und Ingenieure war überfällig, die Honorare wurden seit 1996 nicht erhöht. Die freien Berufe gehören zum Mittelstand, der das Rückgrat unserer Wirtschaft bleibt und einer der Garanten für unseren Wohlstand ist. Ihre Leistung, ihre Arbeit muss angemessen vergütet werden. Besonderen Stellenwert nehmen im Regierungsprogramm Fragen der Stadtentwicklung ein. Städte sind lebendige Orte. Wir setzen auf attraktive Innenstädte mit guten Wohn-, Kultur-, Arbeits- und Einkaufsmöglichkeiten. Das bewährte Instrument der Städtebauförderung wollen wir fortführen und weiter entwickeln. Unser Ziel bleiben

lebenswerte Innenstädte und attraktive Stadtquartiere auch im Zuge rückläufiger Bevölkerungszahlen und sich verändernder Strukturen. Wo es notwendig ist, werden wir dazu auch neue Förderschwerpunkte festlegen. Eine besondere Herausforderung steht in den kommenden Jahren bei der Umnutzung aufgegebener Bundeswehrstandorte an. Hier wollen wir den Kommunen helfen, z. B. Zuschüsse für erforderliche Investitionen zur Entwicklung der Standorte zu erhalten. Dafür werden wir ein Förderprogramm in Höhe von 100 Mio. Euro auflegen. Ein weiteres interessantes Thema für die Branche ist die gewollte Stärkung des Wohnungsneubaus in Deutschland. Die Wohnungsbauzahlen steigen wieder, reichen jedoch nicht aus, um dem gewachsenen Bedarf zu entsprechen. Hier wollen wir die degressive Abschreibung für den Mietwohnungsbau wieder einführen und die Länder weiter bei der sozialen Wohnraumversorgung unterstützen.

und ihnen dieselben Chancen einzuräumen. In den vergangenen Jahren haben sich neben der konventionellen Beschaffungsvariante als weitere Kooperationsform von öffentlicher Hand und privaten Partnern die Öffentlich-Privaten Partnerschaften (ÖPP) etabliert. Die Vorbehalte des Bundesrechnungshofs halte ich für nicht entscheidend. ÖPP können von großer Effizienz sein, u. a. dadurch, dass neben Planung und Bauausführung eines Projekts auch die Erhaltung und der Betrieb in einer Hand liegen. Klar ist, dass es sich bei ÖPP um eine Alternative handelt – sie ist ganz bestimmt kein Allheilmittel. ÖPP dürfen insbesondere nicht für Projekte ins Auge gefasst werden, die sich die öffentliche Hand selbst nicht leisten kann. Freilich sind manche anderweitig nicht finanzierbar. ÖPP sollten vielmehr dort in Betracht gezogen werden, wo sie wirtschaftlich sinnvoll sind. Dahinter muss das Ziel stehen, öffentliche Infrastrukturprojekte so effizient, so schnell, so qualitativ hochwertig und so kosten-

günstig wie möglich zur Verfügung zu stellen. Die bisherigen Erfahrungen mit ÖPP-Projekten sind überwiegend positiv zu bewerten. Dies gilt z. B. nicht nur für den Bereich Bundesfernstraßenbau, sondern auch für den Hochbau. Besonders Flächen- und Raumoptimierung, energetische Konzepte, ein stärkeres Risiko- und Qualitätsbewusstsein, ganzheitliche Kostenbetrachtung sowie zügige Planungs- und Verfahrensprozesse prägen im Hochbau das ÖPP-Bild. Zum vertraglichen Leistungsinhalt gehören in diesem Bereich u.a. Bau-, Renovierungs- und Sanierungsarbeiten sowie Planungs-, Finanzierungsund Betriebsleistungen. Das alles zeigt, dass ÖPP gerade für den planenden und bauenden Bereich große Potenziale bieten. Die Architekten und Ingenieure haben dabei die Möglichkeit, diese freier und kreativer zu entfalten.


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BUNDESTAGSWAHL 2013 Wahlaussagen der Parteien für die planenden und bauenden Berufe

SPD Michael Groß MdB Laut der neuesten Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung sind „Mietpreissteigerungen in der Mehrjahresbetrachtung nicht besorgniserregend“. Mit der Studie wird wiederholt belegt, dass wir in Deutschland einen regional sehr differenzierten Wohnungsmarkt betrachten. Schrumpfende Bevölkerungszah-

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Daniela Wagner MdB Angesichts der Herausforderungen der Energiewende im Gebäudebereich unterstützen wir Grünen eine qualitätssichernde Honorierung der wachsenden Aufgaben. Ein angemessenes Verhältnis zwischen Planungsleistung, Haftung und Honorar muss gewährleistet sein. Auch die energetische Optimierung von Bestands- und Neu-

len sowie rückläufige Entwicklungen in einigen Regionen stehen boomenden Regionen gegenüber, wo bezahlbare Wohnungen fehlen, Wohnkosten und Mieten steigen. Was die Studie nämlich nicht aussagt, ist, dass die Verbraucherpreise gerade bei Energie und Nahrungsmitteln steigen und die Inflationsrate nach oben treiben. Schon heute geben die Haushalte in Deutschland im Durchschnitt 34,1 % ihrer Konsumausgaben für Wohnen und Energie aus. In Großstädten, Ballungszentren und Universitätsstädten wächst eine neue Wohnungsnot heran. Hier zeichnet sich eine ungesunde Teilung der Gesellschaft ab, der es entgegenzuwirken gilt. Für die SPD ist daher eine Kernforderung, die „Soziale Stadt“ zum Leitprogramm der Städtebauförderung weiterzuentwickeln und mit 150 Mio. Euro im Bundeshaushalt auszustatten. Die derzeitige Bundesregierung hat mit Kürzungen von bis zu 60 % in diesem Bereich zur Verschärfung der Probleme beigetragen. Die Wohnungsnot ist längst in der Mittelschicht angekom-

men. Mit ihrem Wahlprogramm hat die SPD die Stärkung des Wohnungsbaus in den Städten beschlossen, ebenso wie die Stärkung des energetischen und barrierearmen Umbaus. Es ist eine Frage der sozialen Gerechtigkeit, die sich die SPD auf die Fahne geschrieben hat, dass das Mietrecht wieder in seine soziale Funktion zurück geführt wird, ebenso müssen überzogene Mietsteigerungen begrenzt werden. Wir brauchen ein „Bündnis für Bezahlbares Wohnen“, an dem sich Bund, Länder, Kommunen, Wohnungs- und Bauwirtschaft, Gewerkschaften und Sozialverbände beteiligen – insbesondere benötigen wir das Bündnis auf kommunaler Ebene, um bedarfsgerecht vor Ort über Neubau, Sanierung, Modernisierung und im Zweifelsfall auch Rückbau zu entscheiden. Unser Ziel ist ein breit angelegtes Maßnahmenbündel für Wohnungsbau, energetische Sanierung und den familien- und altersgerechten Umbau von Häusern und Wohnungen – eingebettet in eine Politik der Sozialen Stadt.

bauten sollte verbindlich in der HOAI berücksichtigt werden. Das Gelingen von Großprojekten ist abhängig von den Bauherrn und einem guten Baumanagement. Wenn, wie z. B. beim Berliner Flughafen geschehen, nachträglich 400 Planungsforderungen seitens des Bauherrn kommen, verzögert sich die Baufertigstellung natürlich. Hierfür sind aber nicht die Planer haftbar zu machen. Unter bestimmten Voraussetzungen können Großprojekte als PPPVorhaben Sinn machen. Allerdings sind PPP-Vorhaben auch nicht immer der Königsweg, wie die Entwicklung des Bauvorhabens Elbphilharmonie zeigt. Die Finanzkraft der Kommunen ist zu stärken. Finanzschwache Kommunen müssen in die Lage versetzt werden, wieder ihre gesamtgesellschaftlichen Aufgaben der sozialen Inklusion, des ökologischen Umbaus, der Gestaltung des demografischen Wandels und der wirtschaftlichen Entwicklung erfüllen zu können. Kommunen mit Haushaltssicherungskonzepten sollte der Zugang zur Städtebauförderung möglich sein.

Die Grünen wollen die Städtebauförderung auf 610 Mio. Euro anheben und perspektivisch auf den tatsächlichen Bedarf von 700 Mio. Euro erhöhen. Das Programm Soziale Stadt wollen wir wieder stärken und zu einem Leitprogramm der Städtebauförderung ausbauen. Die Programme Stadtumbau Ost und West sind perspektivisch, unter Beibehaltung ihrer Schwerpunkte, zu bundesweiten Programmen weiter zu entwickeln, und dafür sind problemorientierte Förderkriterien festzulegen. Zusätzlich ist ein Energiesparfonds aufzulegen für die energetische Sanierung von Wohnquartieren mit einem hohen Anteil einkommensschwacher Haushalte. Hierfür haben wir 1,8 Mrd. Euro eingeplant. Auf europäischer Ebene sind eine starke städtische Dimension im Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und eine Ausrichtung des Europäischen Sozialfonds (ESF) auf städtische Problemgebiete notwendig.


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wahlprüfsteine

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BUNDESTAGSWAHL 2013 Wahlaussagen der Parteien für die planenden und bauenden Berufe

FDP Sebastian Körber MdB Ich bin nach jahrelangen Bemühungen froh, dass der Bundesrat der HOAI 2013 mit ihrer umfassenden Modernisierung der Leistungsbilder zugestimmt hat. Hierdurch ergeben sich Honorarerhöhungen im Mittel von ca. 17 % gegenüber der HOAI 2009. Für die Kommunen erhöhen sich damit die Kosten für Baumaßnahmen um ca.

DIE LINKE Heidrun Bluhm MdB Mehr denn je verlangen die sich rasant verändernden Wohn-, Lebens- und Arbeitsbedürfnisse der Menschen in den Städten und in den ländlichen Räumen komplexes, langfristig angelegtes, planvolles Handeln. Das klassische Aufgabengebiet von Stadtplanern und Architekten wird sich zwangsläufig um einige – nicht nur fachtechnische

3 %, für die Länder um ca. 2 % und für den Bund um 1 %. Dem „Mehr“ an Honorar steht auch ein „Mehr“ an Planungsleistungen gegenüber. Das öffentliche Ansehen der planenden und bauenden Berufe hat gelitten. Für mich zu Unrecht – aber wir müssen uns fragen, ob und wie in Deutschland noch Großprojekte gebaut werden können. Die vom Bauminister einberufene Reformkommission zum Bau von Großprojekten ist ein Schritt in die richtige Richtung. Was wir jetzt aber vor allem brauchen, ist mehr Transparenz, Kostensicherheit und Termintreue. Ob ein „Public-Private-Partnership“-Modell (PPP) der richtige Weg zur Realisierung einer öffentlichen Infrastrukturaufgabe ist, kann nur im Einzelfall entschieden werden. Im Bereich des Hochbaus hat man besonders bei Bildungsprojekten gute Erfahrungen mit Öffentlich-Privaten Partnerschaften (ÖPP) gemacht. Flächen- und Raumoptimierung, energetische Konzepte, ein stärkeres Risiko- und Qualitätsbewusstsein, ganzheitliche Kostenbetrachtung sowie

zügige Planungs- und Verfahrensprozesse prägen in diesem Bereich das Bild. Für PPP wie ÖPP gibt es Vor- und Nachteile, Stärken und Schwächen, und man muss beide gut kennen, um ein Instrument sinnvoll einzusetzen. Für lebenswerte Städte und Gemeinden haben wir die Städtebauförderung des Bundes stabilisiert, flexibilisiert und an neuen Herausforderungen ausgerichtet. Jetzt geht es darum, sie als bewährte Gemeinschaftsleistung weiter zu entwickeln. Mit dem Programm „Soziale Stadt – Investitionen im Quartier“ unterstützen Bund und Länder die Kommunen auch künftig bei der Stabilisierung und Aufwertung benachteiligter strukturschwacher Stadtteile und Ortsteile. Die vielschichtigen Probleme der betroffenen Quartiere lassen sich aber nicht allein aus Städtebauförderungsmitteln lösen. Alle Fachkompetenz soll sich in den betroffenen Gebieten mit ihren Stärken einbringen. Parallelstrukturen gilt es zu vermeiden.

– Felder erweitern müssen. Gegenwärtig verfestigt sich das Auseinanderdriften in der Stadtentwicklung nach boomenden Metropolen und schrumpfenden Regionen. Beiden gemeinsam ist, dass die jeweiligen tagesaktuellen, wirtschaftlichen Gegebenheiten politische Entscheidungen dominieren und kurzfristiges Reagieren auf besonders krasse Missstände das Handeln vor Ort bestimmt. In boomenden Regionen wird zugelassen, dass die Stadt sich nach den Renditebedürfnissen kapitalkräftiger Anleger entwickelt und die Stadtbevölkerung nach Zahlungsfähigkeit umstrukturiert wird. An anderer Stelle bemühen sich Kommunalpolitiker ohne Gesamtkonzept um die Vermarktung der Reststadt und hoffen darauf, dass das Wachstum irgendwann zurückkehren werde. Beides bietet keinen Lösungsansatz für die wirklichen Entwicklungserfordernisse. Zwischen Wohnungsnot und Leerstand wachsen die Probleme aus der demografischen Entwicklung und dem Klimawandel ungebremst weiter, ohne

dass aus unabweisbaren Erkenntnissen konsequentes politisches Handeln erwächst. Sozialer Wohnungsbau und Städtebauförderung müssen zu strategischen Mitteln eines sozial-ökologischen Stadtumbaus werden, der auf lange Sicht angelegt ist. Stadtplaner und Architekten sind gefordert, die jeweils konkreten Rahmenbedingungen aus der Bevölkerungsentwicklung und dem energetischen Zustand des Gebäudebestands in ihrem Arbeitsumfeld zu analysieren und daraus Handlungsvorschläge abzuleiten. Gemeinsam mit Kommunalpolitikern, Gebäudeeigentümern und Bewohnern müssen sie nach Lösungen für Quartiersentwicklungen suchen, diese bis zum Ergebnis konzipieren und sowohl beratend als auch ausführend begleiten. Sie müssen dies unabhängig von jeglichen Lobbyinteressen im öffentlichen Auftrag tun, was wiederum nur möglich ist, wenn die Kommunen ihren politischen und finanziellen Handlungsspielraum zurück gewinnen und festigen.


DAI aktuell

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rechts Den diesjährigen DAI Literaturpreis erhält der Architekturkritiker und Journalist Gerhard Matzig – die Preisverleihung erfolgt im Rahmen des DAI Tages 2013 in Koblenz (Foto: Peter von Felbert)

In diesem Jahr verleiht der DAI turnusgemäß den DAI Literaturpreis. Erhalten wird ihn der Münchener Architekturkritiker und Journalist Gerhard Matzig. Die Preisverleihung findet im Rahmen des DAI Tages vom 27.–29.9.2013 in Koblenz statt. Die Laudatio hält der SWR-Moderator Reinhard Hübsch. Der DAI Literaturpreis wird im jährlichen Wechsel mit dem Großen DAI Preis für Baukultur vergeben, er wird durch eine gut 1,5 kg schwere BronzePlakette repräsentiert.

DAI LITERATURPREIS 2013

Gerhard Matzig – eine biografische Annäherung Geboren in Deggendorf zog Gerhard Matzig schon bald nach München. Unter anderem studierte er dort Architektur und Politik, Rechtswissenschaften und Medizin. Gerne lebte er in der Nähe der Kneipen, Kinos und Partys, das verbindet er mit dem Leben in der Stadt. Er sagt: „Vielleicht war das mein gedachter Jungbrunnen.“ Heute lebt Gerhard Matzig mit seiner Frau und seinen drei Kindern „kompakt, urban und grün“ am Stadtrand von München. Das konnte er sich nie vorstellen, doch seine Frau wollte einen Garten, und er gab schließlich nach. Seit 1997 ist Gerhard Matzig Redakteur beim Feuilleton der Süddeutschen Zeitung, seit Mai 2013 ist er leitender Redakteur dort. Er gilt als bekannter Architekturkritiker, schreibt eloquent, locker und humorvoll. Über seinen Fachbereich hinaus bringt er Architektur und Technik zusammen mit der Soziologie der Stadt und zeigt dabei ein großartiges Gefühl für den Geist der Zeit. Gebäude werden für ihn erst interessant, wenn sie etwas über die Gesellschaft zu erzählen haben. Er versteht sich als Paartherapeut, der vermittelt, wenn die Rezeption von Architektur in der Öffentlichkeit wieder einmal anders ist als die innerhalb der Architektenschaft. Seine Veröffentlichungen haben ihm unter einigen anderen bereits zweimal den Kritikerpreis der Bundesarchitektenkammer eingebracht. Der Autor beschränkt sich nicht auf das Feuilleton der Süddeutschen Zeitung, auch mehrere Bücher von ihm sind

erschienen. In seinem neuesten Werk „Einfach nur dagegen. Wie wir unseren Kindern die Zukunft verbauen“ drückt er seinen Unmut über den Wutbürger, der nicht an Fortschritt interessiert ist, aus. Das amüsante Werk „Meine Frau will einen Garten“ handelt von anderen Belangen. Auf seine erfrischende Art erzählt er darin von seinen Erfahrungen, aus der Altbauwohnung in der Stadtmitte in ein Haus mit Garten an den Stadtrand zu ziehen. Ein Haus, das mit 4,80 m Außenmaß ungewöhnlich schmal ist, schwarz ist und kein Wohnzimmer hat, weil die Familie das nicht brauche. In einem Interview reflektiert er im Nachhinein, dass wohl genau da die Zukunft der Architekten liegt: Durch die Verdichtung in den Städten entstehen immer mehr „problematische“ Grundstücke, und besondere Wünsche der Bauherrn, wie z. B. energetisches Bauen, rücken zunehmend in den Fokus. Oft ist die Vorstellung vom Eigenheim zwar sehr explizit, doch für die Umsetzung der Extrawünsche ist der Architekt zuständig. Der Weg zueinander ist häufig von großen Missverständnissen geprägt, denn meist kollidieren die Wünsche der Architekten nach kühlen, klaren Formen mit denen der Bauherrn nach warmer Heimeligkeit. Gut, dass es da den Paartherapeuten gibt. Christina Porcelli


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DAI aktuell | DAI regional

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AUS DEM PRÄSIDIUM DAI Regionaltreffen Süd Das DAI Regionaltreffen Süd am 17.6.2013 hatte u. a. den Zweck, den in Augsburg geplanten DAI Tag 2014 zu besprechen. Die sommerlichen Temperaturen sorgten dann auch für eine Premiere: Erstmalig wurde eine solche Runde im Biergarten abgehalten – in Steppach vor den Toren Augsburgs – auf Einladung von Eberhard Wunderle, Vorsitzender des Schwäbischen AIV Augsburg (SAIV). Hinsichtlich der Durchführung des DAI Tages 2014 haben sich die Mitglieder des SAIV bereits auf den unterschiedlichsten Ebenen viele Gedanken gemacht, so wird z. B. im Rahmen dieser Veranstaltung der Große DAI Preis für Baukultur verliehen. Als Datum für den DAI Tag

2014 ist der 26.–28.9.2014 konkret ins Auge gefasst. Darüber hinaus wurden anlässlich des Regionaltreffens Süd eine Reihe von Themen diskutiert, die die planenden und bauenden Berufe betreffen. So wurde die HOAI-Novelle, die am 7.6.2013 den Bundesrat passiert hatte, angesprochen. DAI Präsident Christian Baumgart berichtete über die parlamentarischen Aktivitäten in Berlin insbesondere mit Blick auf die Bundestagswahl. Es wurde über VOF-Verfahren und deren Auswirkungen in der Praxis diskutiert, ferner fand ein Austausch darüber statt, was in den Architekten- und Ingenieurvereinen der Region aktuell auf der jeweiligen Agenda steht.

DAI Regionaltreffen Süd in Augsburg

Voraussichtlich wird der DAI dieses Jahr noch zwei weitere Regionaltreffen anbieten: in den Regionen Mitte (Rhein/Main) und Nord. Udo Sonnenberg

AIV Magdeburg

HISTORISCHE KUNSTDRUCKE Für den Architekten- und Ingenieurverein Magdeburg ist es eine Sensation: In Wuppertal tauchten nahezu 50 Kunstdrucke aus den Jahren 1889/90 auf, die der Verein im Selbstverlag zusammen mit dem Kunstgewerbeverein seinerzeit erstellt und herausgegeben hatte. Aufgefunden wurden sie in einem privaten Nachlass. Die Drucke zeigen Magdeburger Baudenkmale, die großenteils heute nicht mehr vorhanden und von erstaunlicher Qualität sind. Zwei Mappen mit großformatigen Darstellungen, die auf Fotografien eines Magdeburger Fotografen namens K. von Flottwell beruhen, nennt der AIV nun wieder sein eigen. Die Mappen wurden am 31.3.1890 ihrem scheidenden Bürovorsteher, dem „königlich technischen Eisenbahnsekretär“, Diplomingenieur August Harwig, „als Angedenken und zur freundlichen Erinnerung an die in gemeinsamen Wirken in Magdeburg verlebten Jahre“ von den „Subalternbeamten des maschinentechnischen Büreaus der königlichen Eisenbahndirektion“ überreicht. So weist es eine Urkunde aus, die den Mappen beiliegt. Über die Identität von August Harwig ist nichts bekannt. Wahrscheinlich war er Mitglied im AIV Magdeburg. Ein weiteres Dokument aus dem Jahr 1904 bezeugt, dass August Harwig damals auch Mitglied im Verein für Eisenbahnkunde in Berlin gewesen ist. Wie die Mappen den Weg nach Wuppertal gefunden haben, ist ebenfalls rätselhaft. Für den AIV Magdeburg, aus dessen langer Geschichte außer einer Festschrift zur 50-Jahr-Feier des Vereins im November 1926 kaum Dokumente existieren, ist es ein Glücksfall. Der AIV Magdeburg wurde, wie andere Vereine auch, in der nationalsozialistischen Zeit aufgelöst, „gleichgeschaltet“, wie es damals hieß. Dokumente wurden in der Regel vernichtet. In der ehemaligen DDR durfte der Verein auch nicht weiter existieren. Erst im Jahr 1995 wurde er vom vormaligen Baudezernenten Magdeburgs, Heinz Karl Prottengeier, wieder ins Leben gerufen. Heinz Karl Prottengeier

In den Jahren 1889/90 war der AIV Magdeburg Mitherausgeber einer Sammlung von Kunstdrucken: Zwei Mappen dieser Sammlung sind nun in einem privaten Nachlass in Wuppertal wieder gefunden worden


DAI regional

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Mittelrheinischer AIV Darmstadt

BESUCH AUS BRESCIA Im Rahmen des EU-Programms „Leonardo da Vinci“ für die berufliche Bildung absolvieren zurzeit 6 junge Erwachsene aus dem italienischen Brescia Praktika in Darmstädter Unternehmen und Ingenieurbüros. Der Mittelrheinische Architekten- und Ingenieurverein Darmstadt (MAIV) hatte die Praktikanten Ende Mai zu einem Gedankenaustausch eingeladen. „Seit über 20 Jahren besteht die Städtepartnerschaft zwischen Brescia und Darmstadt. Es ist für uns selbstverständlich, die jungen Leute bei ihrem Aufenthalt zu unterstützen“, so der Vorsitzende des MAIV Darmstadt, Stadtrat a.D. Dieter Wenzel. Sein Verein sehe die Förderung der Zusammenarbeit aller an der

Planung und am Bau Beteiligten als eine seiner Hauptaufgaben an. Wenzel zeigte sich erfreut, dass auch Vertreter der Darmstädter Dante Alighieri Gesellschaft an der Abendveranstaltung teilnahmen. Mit Rundgängen in der Innenstadt und in Kranichstein möchte man den italienischen Gästen in den nächsten Wochen die Besonderheiten der Darmstädter Stadt- und Architekturgeschichte näher bringen. Aber dabei soll es nach der Vorstellung des MAIV nicht bleiben: „Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit, von der auch in Italien gerade junge qualifizierte und gut ausgebildete Architekten und Ingenieure betroffen sind, versuchen wir konkret unser

Praktikanten zu Besuch beim MAIV Darmstadt

bestehendes Netzwerk zu nutzen, Kontakte herzustellen und damit eventuell berufliche Perspektiven aufzubauen“, so Wenzel. Dieter Wenzel

Münchener AIV

WEBSITE AUSGEZEICHNET Der Münchener Architekten- und Ingenieur-Verein (MAIV) hat die drittbeste Website in München. Zu diesem Ergebnis kamen zahlreiche User, die für die Website des MAIV (www.aiv-muenchen. de) abstimmten und somit den MAIV München im 180. Jahr seines Bestehens mit dem isarnetz award 2013 „Website / Blog aus und für München“ belohnten. Der isarnetz award 2013 wurde am 5.6.2013 im Rahmen der zweiten Münchener Webwoche zum Thema „Leben und Arbeiten in Digitalien“ verliehen. Der Award steht für die innovativsten und zukunftsweisendsten Ideen rund um das Internet und dokumentiert höchstes Know-how und Kreativität in diesem Bereich. Zuvor hatte eine 5-köpfige Jury, welche sich aus Vertretern von MunichLovesU, SocialMediaClub München, Usabilityexperte, einem Unternehmer und Blogger sowie dem Referenten für Bavarica der Bayerischen Staatsbibliothek zusammensetzte, aus einer Vielzahl eingegangener Tipps und Bewerbungen die 13

besten Websites aus und für München für eine Shortlist ausgewählt. Diese standen dann für zwei Wochen per Public Voting zur Abstimmung. Der MAIV München präsentiert sich mit einer eigenen Website seit Sommer 2008 anlässlich seines 175-jährigen Jubiläums. Das Webdesign konzipierte das Büro für Gestaltung Wangler & Abele aus München. Für die technische Umsetzung/ CMS zeichnet die Software Company XXL GmbH, München, verantwortlich. Redaktionell wird die Website von den MAIV Mitgliedern Petra Schober und Constanze Arenz-Kulkarni betreut. Auf Basis eines Grundlayouts entstand eine dynamische Website mit Redaktionssystem, wodurch es der MAIV Redaktion möglich ist, den Aufbau der Website aktiv zu gestalten und zu verwalten. Inhalte, Links, Tabellen und Bilder, welche laufend aktualisiert werden, können mit einer Word-ähnlichen Bedienung angelegt und formatiert werden. Auf die Website wird hauptsächlich aus

MAIV Website: www.aiv-muenchen.de

Deutschland und Europa, aber auch aus z. B. Nigeria oder Ghana zugriffen. Sandra Gerbert


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Der 2. Schlaun-Wettbewerb widmete sich den Entwicklungsperspektiven der General-Wever-Kaserne einschließlich der benachbarten Emsaue und städtischen Grünflächen im südlichen Teil der Stadt Rheine

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Fachbereich Städtebau und Landschaftspflege: Daniel Quadflieg von der Fachhochschule Aachen

Münsterländer AIV

2. SCHLAUN-IDEENWETTBEWERB ENTSCHIEDEN Auf Initiative des Schlaun-Forums e.V. wurde zum zweiten Mal ein Wettbewerb für Masterstudenten der Fachrichtungen Städtebau, Landschaftsplanung, Architektur und Bauingenieurwesen sowie für entsprechende Absolventen bis 35 Jahre aus dem gesamten deutschsprachigen Raum ausgelobt. Ziel des Schlaun-Wettbewerbs ist die Förderung junger Menschen sowie die Gewinnung von kreativen Ideen für die Region in Nordrhein-Westfalen. Es geht darum, angehenden jungen Kollegen eine Chance zu bieten, zu zeigen, was sie zu leisten in der Lage sind. In jeder Fachrichtung werden künstlerische und technisch-wissenschaftliche Planungsleistungen ausgelobt. Unterstützt wird dieser Wettbewerb durch das Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr NRW und das Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung NRW. Hauptförderer sind auch in diesem Jahr wieder die NRW.BANK und Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Weitere Förderer sind die Oldenburgische Landesbank, die LVM Versicherung, der Verlag Altmeppen in Rheine, die Stadtwerke Rheine und die GEA Happel Klimatechnik. Wettbewerbsaufgabe Der 2. Schlaun-Ideenwettbewerb hat sich den Entwicklungsperspektiven einer ehemaligen Kaserne der Luftwaffe auf einem ca. 36 ha großen Grundstück gewidmet. Gesucht wurden Ideen für ein charaktervolles, attraktives und eigenständiges Stadtquartier, das Wohnungen, ein Dienstleistungszentrum, Einzelhandel sowie Einrichtungen im Bereich Gesundheit, Bildung und Freizeit einbezieht. Es wurde eine grundlegende, visionäre Auseinandersetzung mit dem Thema erwartet, die die spezifische Situation der Stadt Rheine vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen und demografischen Wandels mit berücksichtigt. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Neugestaltung der städtischen Grün- und Freiraumflächen einschließlich der Emsaue als wertvolle Flusslandschaft, die aus dem Blickwinkel Landschaftsökologie und Freizeitgestaltung neu zu betrachten war. Neue Impulse zur Verknüpfung von Landschafts- und Stadtraum wurden gesucht. Ziel war es, die Erlebnisqualität der Flusslandschaft zu erhöhen und das Naturphänomen Wasser sinnlich zu erfahren. Die parkartige Liegenschaft wurde in den 1960er Jahren erbaut und im Jahr 2006 geräumt.

Teilnehmerzahlen und Jurysitzung Über 200 Studierende von 31 Universitäten und Fachhochschulen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum haben Interesse an der Teilnahme gezeigt und die Unterlagen angefordert. Teilnehmen konnten Einzelpersonen und Gruppen bis zu drei Personen. Über 80 Studierende von 16 verschiedenen Universitäten und Hochschulen haben eine Wettbewerbsarbeit abgegeben. Die Preisgerichte tagten am 19.4.2013 in der Kaserne der Heeresflieger in Rheine. Insgesamt wurden 37 Wettbewerbsarbeiten fristgerecht mit interessanten Visionen und Lösungsansätzen abgegeben. Fachbereich Städtebau und Landschaftspflege Den 1. Preis im Fachbereich Städtebau und Landschaftspflege in Höhe von 3.000 Euro erhielt Daniel Quadflieg von der Fachhochschule Aachen. Das Preisgericht hob u. a. hervor, dass „die Idee der Arbeit (...) die Entwicklung eines unverwechselbaren Stadtteils mit besonders hohen Wohnqualitäten (ist). Ausgangspunkt des Entwurfs sind die schönen Baumbestände, die weitgehend erhalten und verdichtet wer-


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WILLKOMMEN AUF DER NEUEN DEUBAUKOM IN ESSEN Besuchen Sie unsere neuen KOMpetenzzentren und KOMmunizieren Sie mit KOMpetenten Partnern aus Architektur und Ingenieurkunst, Wohnungswirtschaft, Baugewerbe und Industriebau. Mehr erfahren unter www.deubaukom.de

Fachbereich Architektur: Stephan auf der Brücken von der Bergischen Universität Wuppertal

Fachbereich Bauingenieurwesen: Maximilian Fitting von der Fachhochschule Münster

MEHR KOMPETENZ MEHR KOMMUNIKATION MESSE ESSEN 15.–18. JANUAR 2014

den.“ In dieser Kategorie wurden darüber hinaus noch 5 weitere Preise und Anerkennungen verliehen. Fachbereich Architektur Stephan auf der Brücken von der Bergischen Universität Wuppertal erhielt im Fachbereich Architektur den 1. Preis. „Leitmotiv der Arbeit ist“, so das Preisgericht in seiner Bewertung, „das Miteinander der Generationen, ausgehend von der demografischen Entwicklung (in) Rheine(s). Der Verfasser baut die vorhandene Bausubstanz vollständig zurück, was ihm eine klare Zonierung des Quartiers in unterschiedliche Nutzungen erlaubt. Es bildet innerhalb der Gebäude gelebte Nachbarschaft ab vom Single- über Studenten- und Familienwohnen bis hin zu Betreutem Wohnen im Alter.“ Das Preisgericht sprach noch drei weitere Anerkennungen aus. Fachbereich Bauingenieurwesen Den 1. Preis im Fachbereich Bauingenieurwesen erhielt Maximilian Fitting von der Fachhochschule Münster. Das Preisgericht stellte fest, dass „durch das geplante Bauwerk (...) das ehemalige Kasernengelände optimal auf direktem Weg an das Stadtgebiet angeschlossen (wird). Die torartige Ausbildung der Pylone bildet bei dieser Schrägseilbrücke einen markanten Eingangspunkt an der südlichen Stadtgrenze“. Das Preisgericht verlieh darüber hinaus noch zwei weitere Preise und zwei Anerkennungen.

Veranstaltungen zur DEUBAUKOM 15. – 17. Januar 2014

Ausblick Das Thema des 3. Schlaun-Wettbewerbs wird ein Planungsgebiet im Innenstadtbereich der Landeshauptstadt Düsseldorf sein. Volker Busen

Tiefbaumesse InfraTech 15 - 16 - 17. Januar 2014 Messe Essen, NRW

15. – 18. Januar 2014 Leben plus Komfort

Weitere Informationen unter www.deubaukom.de


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DAI blickpunkt

DAI MITGLIED IM BLICKPUNKT Alexander von Canal Dipl.-Ing. Architekt 1. Vorsitzender des AIV Koblenz

von Canal, architekten & ingenieure von Canal Projektentwicklung & Handel GmbH Torhaus am Kastorplatz 5 56068 Koblenz www.voncanal.de

Zur Person 15.1.1954 geboren in Koblenz Familienstand verheiratet mit Martina von Canal, 4 Kinder Interessen neben dem Beruf Familie, Segelfliegen, historischer Rennsport, Pferde 1975–1981 Architekturstudium an der TH Darmstadt Mitarbeit am Lehrstuhl Prof. G. Behnisch und Prof. R. Romero 1986 Mitglied der Architektenkammer Rheinland Pfalz von 1988 bis 2008 Mitglied der Vertreterversammlung 2007–2008 Präsident Rotary Club Koblenz

Zum Büro 1981–1986 Angestellter Architekt im Architekturbüro Prof. Kammerer & Prof. Belz in Stuttgart 1986 Gründung des Architekturbüros von Canal in Koblenz, bis zu 10 Mitarbeiter 1991–1999 Gründung der Niederlassung Architektengruppe CNV GmbH in Gera gemeinsam mit der Architektengruppe Voss GmbH, bis zu 8 Mitarbeiter 1993–1998 Fusion mit der Architektengruppe Voss GmbH in Koblenz zur Architektengruppe Voss, Naujack, von Canal GmbH, bis zu 40 Mitarbeiter 1997 Nach Ausscheiden des Seniorpartner R. Voss (1994) Mehrheitsgesellschafter und Geschäftsführer 1999 Teilung der GmbH in Koblenz in zwei eigenständige Büros: Architektengruppe Naujack/Rumpenhorst GmbH und Büro von Canal, architekten & ingenieure 2002 Umzug in das eigene Bürogebäude „Torhaus am Kastorplatz“, 18 Mitarbeiter 2004 Gründung der von Canal Projektentwicklung & Handel GmbH, 4 Mitarbeiter 2010 und 2012 1. Vorsitzender des AIV Koblenz für je 2 Jahre 2012 Gründung einer Büroniederlassung in Bonn

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Philosophie Das Architekturbüro wird durch gut ausgebildete Architekten und Ingenieure repräsentiert, die in allen 8 Leistungsphasen arbeiten. Jeder Mitarbeiter nutzt regelmäßig die Gelegenheit zu Fortbildung und Spezialisierung. Das Büro selbst betreibt bewusst keine Spezialisierung, sondern stellt sich immer wieder neuen Herausforderungen und entwickelt dabei innovative Lösungen, die ihm den Ruf „Problemlöser“ verschaffen. Hinterfragen und Verstehen der Aufgabe, Analysieren bereits gängiger Lösungen, Optimierung und Realisierung, sorgfältige Grundlagenermittlung und Planung in Zusammenarbeit mit erfahrenen Fachingenieuren. Arbeitsfeld So entstanden neben zahlreichen Wohnhaus- und Verwaltungsbauprojekten Hallen- und Freibäder, ein LeichtathletikStadion, Ärztehäuser, Alten- und Pflegeheime, Behindertenwerkstätten und -wohnheime, Veranstaltungshallen und Tagungszentren, ein Krematorium mit Abschiedshalle, eine Katastrophenschutz- und Feuerwehrschule des Landes, eine Altpapier-Wiederaufbereitungsanlage, eine Fischaufstiegstreppe mit Besucherzentrum als Pilotprojekt des Landes, ein Forschungslabor der LTS in Andernach, Tiefgaragen und Parkhäuser, ein Tierheim und ein Reiterhof, die erfolgreichste Bundesgartenschau aller Zeiten 2011 in Koblenz in Zusammenarbeit mit Stephan Lenzen RMP Landschaftsarchitekten, Bauten in Hochwasserzonen, Projekte für Fahrsicherheit und den Automobilbau sowie viele Sanierungen und Erweiterungen historischer Festungen, Burgen und Gemäuern im öffentlichen Brennpunkt und vieles mehr. In den letzten 4 Jahren wuchs das Büro mit seinen Aufgaben zeitweise auf bis zu 30 Mitarbeiter und war nicht selten Ausgangspunkt neuer Existenzgründungen, aus denen solide, mittelständige Büros der Region entstanden. Im Rahmen der Projektentwicklung bringen wir Nutzer und Investoren über Projektideen zusammen und führen so neue Projekte dem Architekturbüro zu. Alexander von Canal

links oben Wohnhaus an der Mosel links Mitte Tiefgarage am Schloss in Koblenz links unten Landesgeschäftsstelle der Debeka in Dortmund

DAI blickpunkt

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oben links Bürogebäude Torhaus am Kastorplatz, das Gebäude erhielt die Auszeichnung der UNESCO „Vorbildliches Bauen im Weltkulturerbe Mittelrheintal“ oben rechts Wohnhaus in Bonn unten Justizzentrum in Koblenz ganz unten Bundesgartenschau in Koblenz, Infrastrukturgebäude


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links Seit ihrer Fertigstellung wird die Rhein-Mosel-Halle bevorzugt belegt: So ist es erfreulich, dass trotz Vollbelegung für ein Jahr im Voraus der DAI Tag 2013 hier stattfinden kann (Fotos: Frey)

Neubau einen Umbau mit Anbauten herzustellen. Die alte Rhein-Mosel-Halle war ein typischer Vertreter einer sehr demokratischen Architektur der Nachkriegszeit und in ihrer klaren Form ein dankbarer Baukörper, neue Elemente anzufügen. So stand schon in der ersten Machbarkeitsstudie die Idee einer vertikalen Erschließungshalle, die transparent alle Ebenen verbindet. Der im Süden angefügte Tagungsbaukörper ist dagegen gestaffelt, um dem benachbarten Wohngebiet in Höhe und Maßstäblichkeit Rechnung zu tragen. Die Auseinandersetzung mit dem Wohngebiet war eine Herausforderung im Sinne des Schallschutzes, die zu einer unterirdischen Lösung für LKW und Busse führte.

UMGEBAUT UND ERWEITERT Rhein-Mosel-Halle in Koblenz

Die Festhalle der Stadt Koblenz wurde 1963 als Bau im Zeitgeist der 1960er Jahre durch den Kieler Architekten Wilhelm Neveling neu geplant. Sie diente weitgehend in dieser Form unverändert 47 Jahre lang als Konzert- und Veranstaltungshalle. Zeit- und Kostenrahmen Bereits 1996 hatte der Architekt Alexander von Canal den Auftrag erhalten, eine Machbarkeitsstudie zur Modernisierungs und Erweiterung der Halle zu erarbeiten. 2009 erhielt das Büro von Canal, architekten & ingenieure, aus Koblenz schließlich den Planungsauftrag mit dem Ziel, die neue Halle im Rahmen der BUGA 2011 fertig zu stellen. Dieser ambitionierte Zeitplan scheiterte an dem historisch harten Winter 2010/2011 und an einer Vielzahl erst im Rückbau erkannter Baumängel an der Substanz. So wurde die neue RheinMosel-Halle 2012 nach 29 Monaten Bauzeit und knapp 30 Mio. Euro Baukosten der Bevölkerung übergeben. Entwurfsidee Das Ergebnis gleicht einem Neubau. Dennoch bedeutete es keine Einschränkung der Aufgabenstellung, statt einem

Raumkonzept Nach Umbau und Erweiterung stehen 16 Veranstaltungsräume mit Flächen von 35 m² bis zu 1.300 m² sowie eine Ausstellungsfläche von rund 1.600 m² zur Verfügung. Das flexible Raumkonzept erlaubt Veranstaltungen mit einer Bestuhlung für 10 bis 1.400 Personen. Der größte Veranstaltungssaal hat eine akustische Besonderheit: Die Rückkopplung der Saalinnenwände kann dem Klangcharakter angepasst werden. Rock- und Popkonzerte sind ebenso wie die Konzerte der Rheinischen Philharmonie in diesem Raum optimiert anzuhören. Auch alle anderen Räume sind mit modernster Veranstaltungs- und Klimatechnik ausgestattet. Jegliche Licht-, Kommunikations- und Bühnentechnik kann problemlos installiert werden. Außergewöhnlich sind dagegen die Glasfaser-Direktanbindung sowie das Energiekonzept der Halle, denn über 85 % des Energiebedarfs für Heizung, Klimatisierung und Lüftung werden nun durch regenerative Energiequellen abgedeckt. Fassaden Im UNESCO-Welterbe Mittelrhein gelegen waren allzu auffällige Oberflächen unerwünscht. Die Neubaukörper tragen daher eine tief dunkelblaue Edelstahlblech-Fassade, die in ihrer wellenförmigen Oberfläche dem Wasser ähnelt – unmittelbar am Rheinufer gelegen ein nachvollziehbares Konzept. Veranstaltungen bedeuten Bewegung. Diesem Thema widmet sich die Fassade des Bestandsbaukörpers. Hier wurden vertikale Aluminiumlamellen der blauen Blechfassade vorgelagert. Die Elemente sind beliebig ausgerichtet. Bewegt sich der Besucher auf das Bauwerk zu, so verändert er fortlaufend seine Position zur Fassade, wodurch sich auch sein Blickwinkel fortlaufend zu den Lamellen verändert. Die Lamellen scheinen sich dabei zu bewegen, obwohl sie starr fixiert sind. Herzstück des Neubaus ist das lichtdurchflutete neue Foyer. Es hat ein großes Glas-Oberlicht, und auch die Nordfassade besteht komplett aus Glas. Über langgestreckte Rampen erschließt sich der Besucher Geschoss um Geschoss. Alexander von Canal


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Mit dem Deinhardareal wurde die Verbindung zwischen Zentralplatz und Rheinpromenade geschaffen

NEUES BINDEGLIED Deinhardareal in Koblenz

Im Rahmen eines Architektenwettbewerbs wurden von Henkell & Söhnlein die ehemaligen Industrieflächen der Sektfirma Deinhard zur Neugestaltung der Koblenzer Innenstadt ausgeschrieben. Das Büro von Canal, architekten & ingenieure, hatte das überzeugende Konzept. Mit dem Areal sollte ein wichtiges Bindeglied zu den neu geschaffenen Rheinanlagen entstehen. Das Stammhaus der Firma Deinhard als Torhaus der Passage war zu erhalten und zu sanieren. Der architektonische Plan war die Integration historisch erhaltenswerter Bauteile des Stammhauses,

Stammhaus Kellerei Deinhard

Justizzentrum

der alten Verwaltung und des Theaters der Stadt Koblenz in ein modernes Gesamtkonzept. Eine besondere Herausforderung lag in der Erhaltung der historischen Weinkeller, die das gesamte Areal unterfangen. Insgesamt wurden über 35 Mio. Euro Baukosten in das Projekt investiert, das mit neuem Justizzentrum, Stadttheatererweiterung, Kellermuseen, Erlebnisgastronomie, Tagungsräumen und der Anbindung kleiner Läden eine neue Verbindung zwischen Zentralplatz und Rheinpromenaden darstellt. Alexander von Canal

Stadttheater


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Das Bürogebäude wurde im Jahr 2006 fertig gestellt

ENERGIEAUTONOM Bürogebäude in Koblenz

Entwurf Die Grundidee von der Energieautonomie stand Pate bei der Entwicklung des energieeffizienten Bürogebäudes mit integrierten Dorfgemeinschaftsanlagen. Die Planung stammt von dem Koblenzer Büro architekt jens j. ternes BDA, architekten + ingenieure. Freistehend markiert ein kompakter Baukörper den städtebaulichen Auftakt der ringförmig umschließenden Platzbebauung des Dorfmittelpunktes. Der Neubau arrondiert den Platz neu und trägt somit neben seiner formalästhetisch ablesbaren energetischen Ausrichtung auch zur Aufwertung des städtebaulichen Umfelds bei. Das leichte, in Stahl und Glas gehaltene Dachgeschoss schwebt zensierend über dem massiven, zurückhaltend in weiß verputzten Stahlbetonkubus. Die baukonstruktive Auflösung lässt den Baukörper trotz seiner Modernität mit der örtlich gewachsenen Nachbarbebauung angenehm korrespondieren. Baukonstruktion Das Gebäude besteht aus massiven Sichtbeton-Umfassungswänden, bekleidet mit einem WDVS. Das in Stahlrahmenkonstruktion aufgesetzte Dachgeschoss wird von einer Alu-Glas-Fassade mit Wärmeschutzverglasung und einer 35 cm stark gedämmten Flachdachkonstruktion umschlossen. Um das verglaste Obergeschoss ist gegen die sommerliche Überhitzung ein an der Außenseite variabel verstellbares Sonnenschutzsystem angebracht. Die horizontale Anordnung vermittelt dem Gebäude einen technischen Charakter. Je nach Sonnenstand verändert sich die Fassade.

Technik Das mit der Energieeffizienzklasse A als Passivhaus einzuordnende Gebäude ist mit kontrollierter Lüftung und einer Fußbodenheizung ausgestattet, betrieben durch eine LuftWasser-Wärmepumpe. Zusätzlich wurde in 3 m Tiefe unter der Bodenplatte ein wasserdichtes Kunststoffrohrsystem verlegt. Ein Erd-Lufttauscher mit Wärmerückgewinnung dient im Winter zur Luftvorwärmung und im Sommer zur Luftkühlung. Die Lüftungsanlage ist im aufgesetzten Dachgeschoss sichtbar unter den Trapezblechen verlegt und in den massiven Geschossen in den Sichtbeton-Filigrandecken integriert. Die Lüftung lässt sich individuell in Stufen steuern. Der Energiebedarf für die Wärmeerzeugung liegt mit unter 56,00 kWh im Bereich des Förderkonzepts „Energieoptimiertes Bauen” und somit bei lediglich 25% gegenüber dem derzeitig bundesweiten Durchschnitt. Die auf dem Dach und in der Fassade integrierte Photovoltaikanlage leistet zusätzlich 5,0 kWh, womit 100 % des energetisch benötigten Betriebsstroms des Heizsystems abdeckt werden können. Neben einer hohen Tageslichtausnutzung, einer Tageslichtlenkung über verstellbare Fassadenmodule, mit einem zentralen BUSGebäudeleitsystem, Präsenzmeldern, verbrauchsoptimierten Leuchtkörpern und Endgeräten mit Stand-By-Funktionen ist das Gebäude höchst energiesparend ausgestattet. Jens J. Ternes


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ENERGIE-PLUS-HAUS Wohnhaus m35 in Koblenz

Planungsziel Alt- und Neubau zu verbinden erzeugt immer wieder ein Spannungsfeld, bei dem Architekten gefordert werden, neben funktionalen und baukonstruktiven Herausforderungen eine sensible und damit oftmals hochwertige Gestaltungsaufgabe zu lösen. Die Baumaßnahme, realisiert 2012 durch das Koblenzer Büro architekt jens j. ternes BDA, architekten + ingenieure, umfasste die komplexe Umstrukturierung und energieeffiziente Sanierung des Bestands zuzüglich einem angefügten Neubau, der gesamtheitlich dem Ensemble eine neue Ausrichtung verleiht. Darüber hinaus wünschte sich die Familie als Ziel, ein “Gebäude mit Zukunft” zu errichten, sodass die Wahl bei der energetischen Ausrichtung auf ein Energie-Plus-Haus im Passivhaus-Standard fiel. Energieversorgung Der Energiebedarf des Gebäudes wird ausschließlich aus regenerativen Energiequellen in Form der Nutzung von Erdund Solarwärme versorgt. Die Photovoltaikanlage auf dem Dach lässt aus dem Gebäude in der Endenergiebilanz ein Energie-Plus-Haus entstehen, das mehr Energie erzeugt als es verbraucht. Mit dem jährlichen Strom-Überschuss kann z.B. der Elektro-Smart der Familie betankt werden und bei einem Verbrauch von 12 kW/100 km insgesamt 5.000 km weit fahren. Räumliche Erweiterung Das bestehende Gebäude im Hang mit direktem Blick auf die Mosel war zu klein und entsprach weder von der Grundrissgestaltung noch von der Haustechnik den Bedürfnissen und Lebensgewohnheiten moderner, energiebewusster Bewohner. Neben der energetischen Sanierung war daher eine räumliche Erweiterung gefordert. Der im Süd-Westen vorgelagerte Neubau komplettiert das Ensemble, sodass nun insgesamt 230 m² Wohnfläche auf drei Etagen zur Verfügung stehen. Als gestalterisches Ziel sollte ein energetisch ausgerichteter Baukörper als kompaktes Haus in klarer Architektursprache umgesetzt werden. Alt- und Neubau stehen dabei gleichberechtigt nebeneinander, dennoch unterscheiden sie sich in der Formen- und Materialsprache. Innen und außen setzt das Wohnhaus auf eine reduzierte Materialpalette. Die Sichtbeton-Außenwände des Neubaus und das Mauerwerk des Bestands wurden mit einem WDVS versehen. Die neu eingedeckte Fläche des Walmdachs mit anthrazitfarbenem Naturschiefer sowie Anschlüsse und Aufbauten aus schwarzem Titanzinkblech bilden zu der klassischen Ausrichtung einen einheitlich, durchgängig zurückhaltenden Gestaltungsansatz. Alle Alu-Fensterprofile sind

oben Das kubische Erscheinungsbild mit sichtbarer Gebäudeenergietechnik zeugt von einer energetisch ausgerichteten Architektursprache

ebenfalls im Grauton zurückhaltend in das formalästhetische Fassadendesign integriert. Das kubische architektonische Erscheinungsbild mit sichtbarer Gebäudeenergietechnik, wie PV- Anlage, Warmwasserkollektor, Sonnenschutzlamellen, sowie die weit geöffnete Süd-West- und die homogen geschlossene Nord-Fassade lassen eine energetisch ausgerichtete Architektursprache erkennen. Jens J. Ternes


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VON DER VIELFALT DES MÖRTELS Sanierung der Festung Ehrenbreitstein

Die Bedeutung und vor allem die Vielfalt des Mörtels ist auch unter vielen Bauschaffenden nur in geringem Maße bekannt. Außerordentlich umfangreich war der Einsatz von Mörtel-Spezialitäten im Zuge der Sanierung der Festung Ehrenbreitstein anlässlich der BUGA 2011 in Koblenz. Mammutprojekt Ehrenbreitstein Im Rahmen der umfangreichen, konzentrierten Baumaßnahmen auf der Festung Ehrenbreistein kam dem Mörtel in seinen vielen Variationen besondere Bedeutung zu, galt es doch, bestehendes altes Gemäuer zu sanieren und restaurieren, Wege und Straßen zu erneuern und auszubauen, Einfriedungen und Stützbauwerke zu befestigen, und auch der eine oder andere Neubau war konstruktiv und optisch auf den richtigen Mörtel angewiesen. Die Vielfalt des Mörtels, die über die traditionelle „Speis“ bei weitem hinausgeht, ergibt sich aus diesen zahlreichen Einsatzstellen und auch da wiederum in einer Reihe von speziellen Anwendungen. Das Spektrum der eingesetzten Mörtel-Varianten war bei der Sanierung der Festung Ehrenbreitstein besonders vielfältig. Dieses Mammutprojekt, das durch das Land Rheinland-Pfalz mit einem Gesamtaufwand von ca. 40 Mio. € durchgeführt wurde, war, wenn auch mit deren Hauptattraktion, keine Baumaßnahme der Bundesgartenschau, wurde jedoch, durch deren Terminierung bestimmt, umfassend und massiv vorangetrieben. Hier fanden sich Unmengen an Mauerwerksbauten, deren konstruktive Restaurierung, Abdichtung und Gestaltung durchzuführen waren, um ihre ursprüngliche, imposante Attraktivität zu zeigen. Dies galt gleichermaßen für Bereiche, die schon vorher der Öffentlichkeit zugänglich waren wie für Abschnitte der Festung, deren Charme und kulturhistorische Anschaulichkeit ein viel umfassenderes Bild dessen bieten, was sich in der „aktiven“ Zeit der Anlage hier abspielte.

Korrekte Substanzerhaltung Dabei wurde konsequent die denkmalpflegerisch korrekte Substanzerhaltung berücksichtigt, zumal überwiegend nicht die Erneuerung, sondern die Reparatur und Ergänzung der Bauteile das Zusammenspiel von ursprünglichen Baustoffen mit neuen Ersatzkomponenten einer dauerhaften Symbiose bedürfen, um vor den äußeren Einflüssen von Witterung und belasteter Luft zu bestehen. Die historische Vorgabe und damit Pflicht lautete bei allen Anwendungen, auf den Einsatz von Zement, sofern möglich, zu verzichten. Eine natürliche Bindemittel-Basis, natürlich-hydraulischer Kalk (NHL) wurde eingesetzt. Putzmörtel mit historisch korrekten Einfärbungen, Kornaufbau und Bestandteilen waren dabei für die Fassadengestaltungen ebenso zu komponieren wie abdichtende Mörtelschichten, mit denen Dachflächen, Mauerkronen, Zinnen und ähnliches, die mit fließenden und stehenden Wässern belastet werden, vor deren Einflüssen zu schützen. Die darunter liegenden, zum Teil maroden oder gar schon verfallenen Grundaufbauten wurden zuvor mit zum Bestand kompatiblen Materialien in großem Umfang neu aufgebaut. Stützende und verfestigende Mörtelkompositionen waren erforderlich, um die abdeckenden Schieferplattenverbände nachhaltig zu stabilisieren und zu sichern. Herausforderung Fugen Die Verfugung der umfangreichen Mauerwerksflächen aus Bruchstein und Ziegeln war eine große Herausforderung.


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links Festung Ehrenbreitstein (Foto: Dieter Schütz/pixelio.de) oben Oberer Schlosshof oben rechts Feldtor rechts Kasemattenbau „Lange Linie“

Allein der Flächenumfang machte es unumgänglich, diese Arbeiten in einer modernen, maschinellen Art und Weise durchzuführen. Es wurde das im historischen Bereich seltener verwendete Trockenspritzverfahren eingesetzt. Bei dieser Verfugung wird der für das Verfahren abgestimmte Mörtel in erdfeuchter Konsistenz mit hohem Druck in die Fuge eingebracht, sodass diese dauerhaft und witterungsbeständig geschlossen ist. Trotz des modernen Verfahrens wurden die ursprünglichen, technischen Eigenschaften des Bestandsmörtels erzielt. Eine manuelle Bearbeitung wäre aus Zeit- und Kostengründen nicht realisierbar gewesen. Angefangen bei den vorhergehenden Reinigungsmaßnahmen, bei denen u. a. ein Reinigungsgranulat aus verkleinerten Nussschalen eingesetzt wurde, mussten vorhandene Verarbeitungstechniken objektbezogen angepasst werden. Die Vielschichtigkeit der Mörtelvarianten und -anwendungen wird nochmals unterstrichen durch die Vielzahl der Schichten, die zusammen die Summe aller Anforderungen erfüllen helfen und dabei untereinander und in Verbindung mit der historischen Bausubstanz bestehen müssen. Das umfangreiche Know-how, das diesen Anforderungen erst gerecht wird, basiert wesentlich auf den Ressourcen, die in der Region rund um das Mittelrheintal natürlich geboten werden. Auf dieser Basis konnte ein regional verankertes Unternehmen, die tubag Trass Vertrieb GmbH & Co. KG aus Kruft, die passenden Antworten auf die Fülle von Anforderungen geben. Mischa Bernardi

FALLS NACH DER BAUABNAHME ETWAS SCHIEFGEHT.

VHV BAUGEWÄHRLEISTUNG

Die Versicherung, die dafür geradesteht. Die Baugewährleistungsversicherung bietet Bauunternehmen Schutz vor den finanziellen Belastungen, die aus der Verpflichtung zur Mängelhaftung resultieren. Nähere Informationen erhalten Sie beim Verbands- und Kooperationsmanagement Bau, VHV-Platz 1, 30177 Hannover, Tel.: 0511.907-39 40, VKBinternet-Service@vhv.de

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links Mosellum mit Fischpass (Alle Fotos: Caparol, Duckek) ganz oben Fassade mit Schuppenverkleidung aus Edelstahl oben Fenster mit Blick auf die am Gebäude vorbei strömenden Fische

ERLEBNISWELT FISCHPASS Mosellum in Koblenz

Die Mosel spielt bei der Wiederherstellung der Durchgängigkeit für Fische eine besondere Rolle, da sie und ihre Nebengewässer im Einzugsgebiet des Rheins die größten Laich- und Jungfischhabitate aufweisen. Insgesamt 14 Staustufen des Flusses versperrten bislang wandernden Fischen den Weg. Eine neue Fischwechselanlage sorgt für Abhilfe. Umweltpädagogisches Besucherzentrum Das vom Koblenzer Büro von Canal, architekten & ingenieure, geplante „Mosellum“ ist die umweltpädagogische Ergänzung zur neuen Koblenzer Fischwechselanlage, weil es hautnah erleben lässt, wie Gewässerökologie, Schifffahrt und Wasserkraft zusammenhängen. Die Anlage ist die erste von 10 geplanten Anlagen entlang des deutschen Abschnitts der Mosel. Bauherr ist das Land Rheinland-Pfalz, Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten, vertreten durch die Regionalstelle Wasserwirtschaft Koblenz der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord. Interaktive Wissensvermittlung Für das Mosellum wurde eine freie Raumstruktur mit verschobenen Nutzungsebenen erschaffen, die eine interaktive Ausstellung nach dem Konzept des Berliner Büros m.o.l.i.t.o.r beherbergt. Sie macht auf mehreren thematisch gegliederten Etagen die Mosel, ihre Landschaft und Tierwelt lebendig. Das Highlight liegt im Untergeschoss: Durch drei große Fensterscheiben lassen sich Fische beobachten, die durch eine Strömung am Gebäude entlang und flussaufwärts oder -abwärts geleitet werden.

Ökologie Das gesamte Oberflächenwasser wird direkt über die freien Dachflächen oder das Entwässerungssystem über den Fischpass in die Mosel eingeleitet. Alle baulichen Konzeptionen wurden in Abstimmung mit den Fischereibiologen und der Naturschutzbehörde des Landes Rheinland-Pfalz entwickelt und abgestimmt. Die Bauprodukte entsprechen den aktuellen AgBB-Bewertungsschemen 2010 des UmweltBundesamtes (Gesundheitliche Bewertung der Emissionen von flüchtigen organischen Verbindungen (VOC und SVOC). Fassade Das Gebäude ist komplett wasserdicht. Der Fassadenbereich, der über dem 100-jährigen Hochwasser liegt, erhielt eine geschwungene champagnerfarbene Edelstahlschuppenverkleidung, die in Form und Farbe die Gebäudenutzung widerspiegeln soll. Das Dach ist leicht wellenförmig modelliert und greift damit die Bewegung des Flusses auf. Alexander von Canal


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IN UND UM KOBLENZ Refektorium im Kloster Arenberg Planung: Architekten BHP Planungsgesellschaft gmbh Das Kloster Arenberg in Koblenz ist das Mutterhaus der Arenberger Dominikanerinnen. Das alte Refektorium wurde entkernt und der Nutzung als Speisesaal entsprechend neu gestaltet. Hier findet nicht nur die einzelne Ordensschwester Ruhe und Erholung, sondern die Gemeinschaft aller Schwestern wird bei Mahlzeiten und Gesprächen wiederhergestellt.

Refektorium im Kloster Arenberg

Vitalzentrum im Kloster Arenberg Planung: Architekten BHP Planungsgesellschaft gmbh Das Kloster Arenberg ermöglicht es seinen Besuchern, Ruhe und Entspannung im Ganzen zu finden. Um den Aspekt des Wohlbefindens auch auf die Räumlichkeiten zu übertragen, wurde das hauseigene Vitalzentrum komplett neu gestaltet. Seitdem präsentiert es sich hell und freundlich in angenehm warmen Tönen. Im Vitalzentrum können verschiedenste individuelle Anwendungen wahrgenommen werden.

Vitalzentrum im Kloster Arenberg

Schulmensa in Koblenz Planung: Architekten BHP Planungsgesellschaft gmbh Für die Diesterweg-Schule und die St. Castor-Schule in Koblenz entstand ein Neubau, der im Erdgeschoss als Mensa genutzt wird und im Obergeschoss naturwissenschaftliche Räume ausweist. Die Mensa verfügt über 80 Sitzplätze. Der Flachdachkubus bildet mit seinem heiter wirkenden Farbenspiel einen spannungsvollen Kontrast zum Nachbargebäude aus Ziegelstein und zu den nüchternen Schulbauten aus den 1960er Jahren.

Schulmensa in Koblenz

Moderne Kommunen setzen auf DAUERHOLZ Die ökologische Alternative zu Tropenholz ist DAUERHOLZ. Dafür wird Holz bis in den Kern mit Wachs komplett durchtränkt. In den Holzzellen wirkt das Wachs auf natürliche Weise wie ein Schutzpanzer, so dass Feuchtigkeit, Pilze und Parasiten keine Angriffsfläche haben. Ihre Vorteile U PEFC-zertifiziertes Holz U Rutschfest und splitteram U Keine chemische Imprägnierung U Dimensionsstabil und wartungsfrei U Dauerhaft haltbar DAUERHOLZ ist besonders geeignet für Stadtmöbel und öffentliche Flächen mit hohen Anforderungen an Langlebigkeit und Stabilität.

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Fragen beantwortet: Christof Schmidt (Dipl.-Ing. Landschaftsarchitektur) Abteilung ProObjekt Tel.: 040-23 644 899-17 christof.schmidt@dauerholz.de

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ÖKOLOGISCH – HALTBAR – SCHÖN

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IN UND UM KOBLENZ Shuttle zur Festung Ehrenbreitstein Planung: Architekten BHP Planungsgesellschaft gmbh

Shuttle zur Festung Ehrenbreitstein

Seit den 1950er Jahren verbindet die Sesselbahn das Tal von Koblenz mit der Festung Ehrenbreitstein. Im Zuge der BUGA 2011 wurde die alte Anlage abgebrochen und durch den neuen Festungs-Shuttle ersetzt. Am Sauerwassertor beginnend leitet die farbige Betonscheibe den Besucher zur Talstation. Im Wechsel von Gabionenwänden und Sichtbetonelementen verkürzt die neue Stützwand die Länge des Straßenzugs und betont den Turm des ehemaligen Sauerwassertors. Die gesamte Anbindung ist rollstuhlgerecht und ermöglicht dem Besucher auch den Zugang zum Tunnel, der auf dem Plateau hinter dem Rhein-Museum endet.

Theodor-Heuss-Schule in Bendorf Planung: Architekten BHP Planungsgesellschaft gmbh

Theodor-Heuss-Schule in Bendorf

Die Theodor-Heuss-Schule in Bendorf entsprach dem Stand eines Schulgebäudes aus den 1960er Jahren. Im Rahmen des Konjunkturpaketes II wurden das Schulgebäude und die Sporthalle umgebaut und energetisch saniert. Teil dieser Maßnahme war sowohl die Sanierung der Fassaden- und Fensterflächen wie auch der Flachdächer aller Gebäude.

Marienhausklinikum St. Elisabeth in Neuwied Planung: Architektengruppe Naujack Rumpenhorst GmbH

oben und unten: Marienhausklinikum in Neuwied

Im Jahr 2012 wurden die Erweiterung und der Neubau des Marienhausklinikums St. Elisabeth in Neuwied nach 3-jähriger Bauzeit fertig gestellt. Die Nettogeschossfläche umfasst 12.210 m². Die Baukosten lagen bei 29,4 Mio. Euro. Der Neubau besteht aus einem Baukörper, der vom Erdgeschoss bis zum 6. Obergeschoss an das derzeitige Bettenhaus anbindet. Der zweite Baukörper schließt den Gebäudekomplex zur Friedrich-Ebert-Straße ab. Durch den Neubau wurden der Haupteingang und der Zugang zur Ambulanz auf Straßenniveau verlegt. Der Neubau dient folgenden Funktionen: Café, Kiosk, Zentral-Umkleide, Technikbereich befinden sich im Erdgeschoss, der Eingang mit Informations- und Aufnahmebereich sowie eine Erweiterung der Radiologie im 1. Obergeschoss. Im 2. Obergeschoss ist die Kindertages- und Kinderklinik untergebracht, angepasst an die verschiedenen Altersstufen und Krankheitsbilder. Die Frauenklink wurde im 3. Obergeschoss erweitert, die Innere Medizin im 4. Obergeschoss, die Chirurgische Fachabteilung im 5. und 6. Obergeschoss. Im 7. Obergeschoss befindet sich die Technikzentrale und auf dem 8. OG der Hubschrauber-Landeplatz.


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Festung Ehrenbreitstein in Koblenz (Foto: Andreas Rauland)

NACH HISTORISCHEM VORBILD RESTAURIERT Festung Ehrenbreitstein

Am Deutschen Eck in Koblenz mündet die Mosel in den Rhein. Hoch über diesem Ort befindet sich die Festung Ehrenbreitstein, die spätestens seit der Bundesgartenschau 2011 zum Publikumsmagneten geworden ist. Die historische Festungsanlage wurde für dieses Großereignis innen und außen umfangreich saniert und restauriert. Histolith-Programm überzeugt Das Unternehmen Caparol überzeugte die Denkmalfachleute der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz und des Instituts für Steinkonservierung mit der Produktlinie Histolith. Dieses Silikat-System umfasst ein denkmalgerechtes Sortiment zur Restaurierung und Renovierung alter Bausubstanz. In Ehrenbreitstein kamen das Grundier- und Verdünnungsmittel Histolith Sol-Silikat-Fixativ und die Fassadenfarbe Histolith Sol-Silikat sowie Histolith Quarzgrund zum Einsatz. Die Sol-Silikatfarben bieten hohe Wasserdampfdurchlässigkeit und erzeugen eine mineralische Optik der gestrichenen Oberflächen. Caparol blickt auf eine jahrzehntelange Tradition in der Herstellung von Silikatfarben zurück und hat 2005 alle denkmalgerechten Produkte unter dem Markennamen Histolith zusammengefasst. Das Unternehmen war von Anfang an in die Bauvorbereitung eingebunden und beriet die am Projekt Beteiligten in allen farbtechnischen Fragen.

Hochwertige Beschichtungen für die Baudenkmalpflege waren bei der Restaurierung der Festung Ehrenbreitstein gefragt (Foto: Andreas Rauland)

Sanierung und Farbgestaltung Die historische Festung wird als Denkmal touristisch und kulturell genutzt. Bei der Neugestaltung der Innenräume galt es daher, denkmalpflegerische Ziele mit der musealen Nutzung in Einklang zu bringen. Hierfür wurden die Wandflächen mit der besonders strapazierfähigen matten Caparol-Innenfarbe PremiumColor nach dem Konzept der Ausstellungsmacher gestrichen, die auf dunkle Schwarz-Grau-Farbtöne und Hellblau setzten. Gerade die dunklen Töne bedurften entsprechender Produkte, um weiße Streifen durch Abrieb zu verhindern. Die Festungsräume der Hohen Ostfront bekamen einen Anstrich mit Bio-Innenfarbe in Altweiß. Rund 11.000 m² Fassade zum Festungshof, bisher in RotBraun gehalten, wurden in einem am historischen Vorbild orientierten Ockerton gestrichen. Als Kontrast dazu bekamen die Fenster einen Anstrich in kräftigem Dunkelgrün. Moderne Jugendherberge Die Festung bleibt auch nach Ende der BUGA 2011 ein anziehender kulturgeschichtlicher Erlebnisort. Die Jugendherberge in dem historischen Gemäuer zählt jährlich 30.000 Übernachtungen. Im Rahmen ihrer Sanierung wurden die bauhistorischen Gewölbejoche in Form und Struktur erhalten und bekamen jeweils ein kleines Bad. Die Jugendherberge verfügt nun mit 158 Betten, Rezeption, Cafeteria, Bistro, Speisesaal und 5 Tagesräumen über eine zeitgemäße Ausstattung. Die Wände bekamen einen Anstrich in Altweiß. Für Lebendigkeit sorgen farbenfrohe Tische, Stühle und Bänke sowie Farbakzente, wie z. B. eine rote Wand im Speisesaal. Caparol Farben Lacke Bautenschutz Roßdörfer Straße 50 64372 Ober-Ramstadt www.caparol.de


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Die oberen Etagen des Forums Mittelrhein werden von einer stilisierten Weinlaubfassade umschlossen

FORUM MITTELRHEIN Einkaufsgalerie in Koblenz

Ende September 2012 ist das Forum Mittelrhein am Zentralplatz in Koblenz mit rund 80 Fachgeschäften, Restaurants, Cafés und Servicebetrieben eröffnet worden. Projektpartner für die 145-Millionen-Euro-Investition waren die ECE, STRABAG Real Estate und die RREEF Investment GmbH. Das langfristige Management des Centers, in dem etwa 600 Menschen ihren neuen Arbeitsplatz haben, liegt in den Händen der ECE. Mit der Bauausführung war als Generalunternehmer die Ed. Züblin AG beauftragt. Vielfältige Mode- und Gastronomieangebote Das neue Shopping-Center verfügt über rund 20.000 m² Verkaufsfläche auf drei Verkaufsebenen und über ca. 750 Parkplätze. Für die Verkaufsflächen hat die ECE eine ausgewogene Mischung der Geschäfte und Branchen zusammengestellt – unter anderem mit vielfältigen Mode- und Gastronomieangeboten. Zwei Drittel der Ladenkonzepte sind neu in Koblenz. Weiterer Anziehungspunkt ist ein Food-Court – ein Gastronomiebereich mit 350 Sitzplätzen und 10 verschiedenen Anbietern. Forum Confluentes Neben der Einkaufsgalerie eröffnete Ende Juni 2013 das städtische Kulturgebäude „Forum Confluentes“ mit ca. 12.000 m² Nutzfläche – u. a. für das Mittelrhein-Museum, die Stadtbibliothek und ein Tourismuszentrum zum Welterbe Mittelrheintal. Abgerundet wird das neue städtebauliche Ensemble durch eine ca. 6.000 m² große Piazza zwischen Shopping-Center und Kulturgebäude. Architektonische Gestaltung Der Entwurf für das Forum Mittelrhein stammt von den Architekten Benthem Crouwel aus Aachen, die 2008 als Sieger aus einem Architektenwettbewerb hervorgegangen waren. Bei der architektonischen Gestaltung des Forums Mittelrhein haben sich die Planer von regionalen Themen wie Weinbau und Vulkanismus inspirieren lassen. So werden die oberen Etagen des Forums Mittelrhein im Außenbereich von einer stilisierten Weinlaubfassade umschlossen, die aus 2.864 in verschiedenen Grüntönen bedruckten Aluminiumtafeln besteht. Diese Konstruktion ist weltweit einmalig und wurde in Deutschland entwickelt und hergestellt.

Nachhaltigkeit Beim Energiesparen im Forum Mittelrhein hilft u. a. eine natürliche Be- und Entlüftung der Ladenstraßen. Außerdem erhielt das Center ein spezielles Licht- und Energiekonzept mit dynamischer Lichtsteuerung. Zusätzlich kamen energieeffiziente Leuchtmittel der neuesten Generation und zertifizierter Ökostrom zum Einsatz. Das gesamte Gebäudekonzept erfüllt bzw. übertrifft als eines der ersten in Deutschland sowohl die Anforderungen des ErneuerbareEnergien-Wärme-Gesetzes (EEWärmeG) als auch der Energie-Einspar-Verordnung (EnEV) in der neuesten Fassung. Auszeichnungen Für seine ökologische und energieeffiziente Gesamtkonzeption ist das Forum Mittelrhein von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) mit dem Hauptzertifikat in Gold ausgezeichnet worden. Als weitere Auszeichnung erhielt das Forum Mittelrhein den Immobilienmanager-Award 2013 in der Kategorie „Projektentwicklung Neubau“. Die Fachjury zeigte sich besonders vom ganzheitlichen Entwicklungsprozess, vom schlüssigen städtebaulichen Ansatz des Projekts sowie von der für Shopping-Center ungewöhnlichen Architektursprache überzeugt. „Ich freue mich außerordentlich, dass mit dieser Auszeichnung auch unser seit Jahrzehnten verfolgtes Nachhaltigkeitskonzept bei der Realisierung von Shopping-Centern gewürdigt wird“, so ECE-Chef Alexander Otto. ECE Projektmanagement G.m.b.H. & Co. KG Heegbarg 30 22391 Hamburg www.ece.de


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NEUE FENSTER NACH HISTORISCHEN VORBILDERN

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Das Görres-Gymnasium in Koblenz wurde umfassend saniert

Das Görres-Gymnasium in Koblenz wurde im Jahr 1582 als Jesuitenschule gegründet. Es wird heute von über 600 Schülern besucht, die von 50 Lehrkräften unterrichtet werden. Das Schulgebäude, in dem das altsprachliche Gymnasium untergebracht ist, stammt aus dem Jahr 1894 und wurde im 20. Jahrhundert durch zwei Um- und Neubauten erweitert. Erneuerung von Dach und Fenstern Die jüngste Sanierung des alten Schulgebäudes umfasste die Erneuerung des Dachs und der Fenster. Der Austausch der Fenster fand in enger Abstimmung mit der Denkmalbehörde statt. Diese nahm die Gestaltung der ältesten, an der Rückseite der Schule erhalten gebliebenen Fenster als Maßstab für die Neuanfertigungen. Denkmalfenster HDF 68 Stil Insgesamt 160 Fenster des Gebäudes galt es möglichst originalgetreu zu ersetzen. Die Wahl fiel auf das Denkmalfenster HDF 68 Stil von Kneer-Südfenster, das mit schmalen Rahmen- und Flügelbreiten am ehesten den historischen Vorbildern entsprach. Überzeugt hat das Angebot von KneerSüdfenster auch durch die hohen Qualitätsansprüche – bei öffentlichen Gebäuden und insbesondere Schulgebäuden eine Voraussetzung, damit Folgekosten durch Schäden und Reparaturen vermieden werden. Für das Görres-Gymnasium wurde das Denkmalfenster HDF 68 Stil aus Eichenholz in der Farbe Weiß nach den Plänen des Architekten angefertigt, nachdem sie vom Denkmalamt begutachtet und nach dessen genauen Vorgaben modifiziert worden waren. Die Fenster sind mit Rund- bzw. Segmentbogen, angesetzten Ecken, Zierprofilen am Rahmenunterstück und Kämpfer, senkrechten Zierleisten mit Kapitellen unten und oben sowie Sprossen ausgestattet. Eine extreme Bauhöhe von bis zu 3,50 m stellte besonders hohe Anforderungen an Transport und Montage. Beste Ergebnisse Der Fenstertausch wurde in drei Bauabschnitten durchgeführt und ging während des normalen Schulbetriebs vonstatten. Die neuen Bauelemente sorgen für ein angenehmeres Raumklima ohne Zugluft, eine günstigere Energiebilanz und für insgesamt bessere Lernbedingungen. Auch in punkto Sicherheit sind die bis zu 3,50 m hohen Fenster vorbildlich, da sie mit Verbundsicherheitsglas und Drehsperren besten Schutz für die Schüler bieten.

Hohe Fenster mit Sprossen und Rundbogen prägen den Raumeindruck

Altes Glas im neuen Rahmen: die farbigen Bleiglas-Fenster in der Aula (Alle Fotos: Kneer-Südfenster)

Buntglas-Fenster Für einen besonderen Raumeindruck sorgen in der Aula drei 4,00 m x 0,80 m große Bleiglas-Fenster. Im Zuge der Sanierung wurden die historischen farbigen Scheiben tischlermäßig aufgearbeitet, die defekten Gläser ersetzt und in die neuen Rahmen eingesetzt. Auf diese Weise konnten die Original-Fenster erhalten werden – und der durch sie geschaffene einmalige Raumeindruck. Kneer GmbH Riedstraße 45 72589 Westerheim www.kneer-suedfenster.de


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autoren | vorschau | impressum

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Impressum BAUKULTUR – Zeitschrift des DAI 35. Jahrgang ISSN 1862-9571 Herausgeber DAI Verband Deutscher Architekten- und Ingenieurvereine e.V. DAI Geschäftsstelle c/o KEC Planungsgesellschaft mbH Salzufer 8 10587 Berlin Telefon: +49 (0)30.400 54 100 Telefax: +49 (0)30.21 47 31 82 E-Mail: kontakt@dai.org www.dai.org DAI Geschäftsführung Udo Sonnenberg M.A. E-Mail: sonnenberg@dai.org

Vorschau Ausgabe 6_2013 >> umBAUKULTUR

Autoren dieser Ausgabe Mischa Bernardi AIV Koblenz, Schatzmeister Bernardi Ingenieure GmbH Koblenz www.aiv-koblenz.de www.bernardi.de Volker Busen Münsterländer AIV, Mitglied Schlaun-Ausschuss, Pressesprecher www.maiv.de www.schlaun-wettbewerb.de Alexander von Canal AIV Koblenz, 1. Vorsitzender von Canal, Architekten & Ingenieure Koblenz www.aiv-koblenz.de www.voncanal.de Dr. Sandra Gerbert Münchener AIV, Mitglied Schober Architekten + Stadtplaner www.aiv-muenchen.de www.schober-stadtplanung.de Christina Porcelli DAI Geschäftsstelle Berlin www.dai.org

DAI Kooperationspartner

Heinz Karl Prottengeier AIV Magdeburg, Ehrenvorsitzender www.aiv-magdeburg.de Udo Sonnenberg DAI Geschäftsführer elfnullelf® Unternehmensberatung Berlin www.dai.org www.elfnullelf.com Jens J. Ternes AIV Koblenz, Mitglied Jens J. Ternes BDA, Architekten + Ingenieure Koblenz www.aiv-koblenz.de www.architektternes.de Textbild Redaktion: Aline Löw, Julia von Mende, Andreas Ruby, Ilka Ruby Berlin www.textbild.com Dieter Wenzel MAIV Darmstadt, Vorsitzender www.maiv-darmstadt.de

DAI Präsidium Prof. Dipl-Ing. Christian Baumgart (Präsident) Dipl.-Ing. Gerd Schnitzspahn (Vizepräsident) Dipl.-Ing. Arnold Ernst (Schatzmeister) Marion Uhrig-Lammersen (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) Dr.-Ing. Wolfgang Echelmeyer (Veranstaltungen und Mitgliederbetreuung) Verlag, Gestaltung, Anzeigenverwaltung VBK Verlag S. Kuballa Verlag für Bau + Kultur Adolf-von-Groß-Str. 15 95445 Bayreuth Telefon: +49 (0)921.99 00 51 53 Telefax: +49 (0)3212.45 26 570 E-Mail: info@vbk-verlag.de www.vbk-verlag.de Chefredaktion Susanne Kuballa M.A. E-Mail: baukultur@dai.org Anschrift wie Verlag Redaktion Dipl.-Ing. Sylvia Jung E-Mail: jung@vbk-verlag.de Anzeigen Christina Ahr M.A. E-Mail: ahr@vbk-verlag.de Gültig ist Anzeigenpreisliste Nr. 7 vom 1.10.2012. Druck Benedict Press Vier-Türme GmbH Abtei Münsterschwarzach www.benedictpress.de Der Bezug der Zeitschrift ist im DAI Mitgliedsbeitrag enthalten. Druckauflage: 5.000 Exemplare (IVW II/2013)


DIE NEUE DÄMMKLASSE. D I E I N N O V AT I V E H O C H L E I S T U N G S D Ä M M P L AT T E S 0 24 F Ü R E X T R E M S C H L A N K E N WA N DAU F BAU B E I 3 0 % M E H R D Ä M M L E I STU N G .

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Erfahren Sie mehr über die Dalmatiner-Fassadendämmplatte S 024 unter 06154 711 710 oder www.caparol.de


BAUKULTUR | Zeitschrift des DAI | September 2013 | Ausgabe 5 | ISSN 1862-9571

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Schwerpunkt: Bauen in Koblenz || AIV Magdeburg: Historische Kunstdrucke || Mittelrheinischer AIV Darmstadt: Besuch aus Brescia || Münchener...

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