WIR TUN WAS Ausgabe 06

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Hier tobt pures Leben

Ein Teich für alle Fälle

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Vermehrung von Wildgehölzen

Andreas Patschka aus dem Weinviertel in NÖ ist Profi bei der Herstellung von Saatgut für Wildgehölze. Denn der heimische Weißdorn oder die Wildrose im Handel haben oft nicht viel mit genetischer Vielfalt zu tun. Genau diesen Aspekt wollte Patschka vor 30 Jahren verändern. Und es ist ihm gelungen.

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© Roland Schiegl AUSGABE 02/2023
EIN BIODIVERSITÄTSKORRIDOR IN DER GROSSSTADT
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© Kathrin Horvath
Dieses Projekt wird durch den Biodiversitätsfonds des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie gefördert.
© Barbara Rems-Hildebrandt

Liebe Leserinnen und Leser!

Immer wieder lesen wir davon, dass die Natur mehr und mehr zerschnitten wird. Die Fragmentierung unserer Landschaft bewirkt, dass Lebensräume und Populationen isoliert werden und wichtige ökologische Verbreitungsachsen nicht mehr funktionieren.

Florian Etl hat sich gemeinsam mit anderen engagierten Anrainer:innen in der Großstadt Wien diesem Thema angenommen. Mit viel Kreativität und Freude wurde in einem Bezirk ein durchgängiger Korridor mit Wildpflanzen geschaffen. Es ist unglaublich, was sich auf diesen Flächen bereits an neuem Leben abspielt. Wenn so etwas mitten im harten Pflaster einer Großstadt gelingt, dann wird es Zeit, dass auch kleinere Städte oder Dörfer an funktionierenden, durchgängigen Korridoren arbeiten.

Grüne Korridore brauchen nicht nur bekannte und beliebte Tierarten wie Schmetterlinge, Bienen oder Marienkäfer, sondern auch Wanzen. In dieser Ausgabe berichten wir herzerfrischend über die unbeliebten Arten. Wenn der Experte Thomas Frieß etwas über Wanzen erzählt, dann verändern sich möglicherweise einseitige Bilder, die man in Kopf und Bauch hat. Schauen Sie selbst, wie die eine oder andere Wanze aussieht und warum sie zur großen Familie der unersetzbaren Arten einfach dazugehört. Geert Gratama, unser Karikaturist, der sich auf der Rückseite immer austoben darf, war begeistert von diesem Thema.

Viel Freude an dieser Ausgabe!

mit aktuellen Infos

Wir sind auch auf Instagram! @wir_tun_was

Impressum

Herausgeber: Suske Consulting, Hollandstraße 20/11, 1020 Wien

Redaktion: Kathrin Horvath, Wolfgang Suske, Barbara Rems-Hildebrandt, Claudia Schütz

Layout: agenturschreibeis.at

Druck: Druckerei Sandler, Marbach/Donau

Auflage: 14.000 Stück · Erscheinungsdatum: Juni 2023

Die Zeitung erscheint 4x/Jahr und wird kostenlos zugestellt.

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Wolfgang Suske Landschaftsökologe & Herausgeber Gedruckt nach den Richtlinien des österr. Umweltzeichens und „Printed in Austria“ auf Papier aus nachhaltiger Forstwirtschaft.
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Nach dem Melken geht’s zu den Schmetterlingen
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© Kathrin Horvath

„Keine Pelargonien mehr für meinen Balkon?“

Selten haben wir so viele Reaktionen bekommen wie auf den Beitrag der letzten Nummer zum Thema „nutzlose Blüten“.

Bei manchen unserer beliebten Pflanzen wie Pfingstrose oder Pelargonien

LESERBRIEFE

Sehr geehrtes Redaktionsteam!

wurden die Staubgefäße zugunsten zusätzlicher Blütenblätter weggezüchtet. Ein kleines Drama für die hungrigen Insekten. Wir haben darüber berichtet.

Insektenexperte Georg Derbuch auf die Frage, ob man jetzt auf diese

schönen Pflanzen ganz verzichten sollte: „Nein, man muss nicht verzichten. Immerhin locken Blütenfarben ja auch Insekten an. Einfach passende Pflanzen dazwischensetzen, die Staubgefäße und Pollen besitzen.“

Vielen Dank für Ihren Artikel „Insektenfrust: Nutzlose Blüten!“

Der Artikel spricht mir aus der Seele. In Gärtnereien und diversen Gartencentern erliegt man gerne dem Reiz der Farbenpracht gefüllter Pflanzen. Dass diese für die inzwischen schon stark dezimierte Insektenfauna praktisch nutzlos sind, ist vielen Gartenfreunden nicht bekannt. Und dass nicht Honigbienen, sondern unsere Wildbienen in großer Not sind, ebenso wenig. Es braucht ein vielfältiges, gut gekennzeichnetes, insektenfreundliches Pflanzenangebot. Balkon- und Terrassengärten könnten dadurch wieder vermehrt zum Überleben der Insekten beitragen.

Liebe Redaktion von „Wir tun was“!

Mit großem Interesse habe ich den Artikel „Insekten- frust: Nutzlose Blüten“ in der Ausgabe 01/2023 gelesen. Das Insektensterben betrifft uns alle und es ist meines Erachtens notwendig, dass auch alle ihren Beitrag leisten, um die Situation zu verbessern. Besonders wichtig ist es daher, die Menschen über ganz konkrete und einfach durchzuführende Maßnahmen zu informieren. In diesem Sinne ist die Einkaufsliste, die in den Artikel integriert wurde, genau das Richtige.

Roman Ullmer

Hallo!

Euer Artikel über die Nutzlosigkeit der Pelargonien hat mich schockiert und sehr beschäftigt. Ich mag Pelar- gonien. Mein Balkon ist voll davon. Aber es stimmt. Ich glaube ich habe noch nie eine Biene darauf gesehen. Ich werde mir für nächstes Jahr etwas einfallen lassen müssen.

Liebes Redaktionsteam von „WIR TUN WAS“!

Ich beziehe mich auf den Artikel der Ausgabe 1/23 „Wohin mit den Igeln“. Betroffen musste ich mir eingestehen, dass aus ökologischer Sicht auch unser Garten zu den praktisch eher wertlosen Exemplaren zählt. Daraufhin kam ich zum Entschluss: Jetzt TU ICH WAS! Der Winterschlaf unserer vollautomatischen „Dauermähhilfe“ wurde auf unbestimmte Zeit verlängert. (-: Mit beeindruckendem Effekt! Die ersten Gänseblümchen und so einige andere Frühlingsboten ließen nicht lange auf sich warten. Zur Freude von Groß und Klein haben nun auch stachelige Vierbeiner unseren Garten als Lebensraum auserkoren.

© Jana/Adobe Stock WIR TUN WAS 3

HILFE FÜR BESTÄUBERINSEKTEN IN DER HAUPTSTADT

Biodiversitätskorridor durch die Betonwüste

Im 12. Wiener Gemeindebezirk hat Florian Etl inmitten der Betonwüste mit der Hilfe engagierter Anrainer: innen Biodiversitätsinseln geschaffen. Städtische Rasenflächen oder Baumscheiben wurden in blühende Paradiese für Insekten verwandelt und sind zum Treffpunkt naturinteressierter Menschen geworden. Aus den einzelnen MiniOasen entsteht nun ein Biodiversitätskorridor.

Am Migazziplatz, unmittelbar vor der Meidlinger Kirche, steht der Bestäubungsbiologe Florian Etl vor einem buntblühenden Beet und beobachtet gespannt das summende Treiben im Beetinneren. „Eine Holzbiene! Und dort drüben sitzt eine Libelle“, ruft er begeistert. In seinem Beet tobt das pure Leben. „Bevor ich das Beet übernommen habe, war hier nur eine kurz geschorene Wiese. Diese Artenvielfalt von heute gab es damals nicht“, erin-

nert sich Etl. Begonnen hat alles in der Coronazeit. Über das Projekt „Garteln ums Eck“ hat sich Etl dem Beet angenommen und gemeinsam mit Kolleg: innen, Student:innen und Freund:innen dieses Insektenparadies geschaffen. „Um so ein Beet zu bekommen, muss man sich bei der zuständigen Gebietsbetreuung anmelden. Die klären dann mit dem Stadtgartenamt, ob das Beet verfügbar ist. Ist das der Fall, kann man die Betreuung übernehmen und das Beet gestalten.“ Gestalterische Vorgaben gibt es keine, allerdings ist darauf zu achten, dass gewisse Pflanzen regelmäßig entfernt und keine Hügel angehäuft werden.

Riesige Insektenmagnete

In Etls Beet wachsen zahlreiche heimische Pflanzen: Wiesen- und Steppensalbei, Flockenblumen, Wilde Möhren, Fenchel, Ochsenzunge und unterschiedliche Disteln. Diese Pflanzen sind trockenheitsresistent und be-

dürfen kaum Bewässerung. „Wir haben dieses Jahr noch gar nicht gegossen. Das wächst alles von selbst“, sagt Etl. Am Beetrand sind Schautafeln mit liebevoll gestalteten Zeichnungen angebracht, die über die vorkommende Tier- und Pflanzenwelt informieren. Die Tafeln sind an alten Holzbrettern angebracht, auf denen Grabwespen nach Löchern suchen. Mitten im Beet befinden sich vertrocknete Distelstängel, die um einen Pfosten gebunden wurden. „In den Hohlräumen dieser alten Stängeln können Insekten

? ? ? ? ? ? ? ? Felberstraße Gumpendorfer Straße Längenfeldgasse Niederhofstraße
Mariahilfer Gürtel FÜNFHAUS MariahilferStraße Reindorfgasse
Wienzeile U U U U U Margaretengürtel
Wien Westbahnhof
Rechte
Meidling Hauptstraße
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Kathrin Horvath
Kathrin Horvath
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Beschäftigter Rüssselkäfer

überwintern. Wir haben sie um einen Pfosten gebunden, damit es nicht so wild aussieht“, schmunzelt Etl. Die unterschiedlichen, teilweise sehr hochwachsenden Disteln haben für den Biologen eine besondere Bedeutung, denn sie sind wahre Insektenmagnete. „Die Eselsdistel ist die größte Distel Österreichs und beherbergt eine Vielzahl an Insekten. Unter anderem auch Bockkäfer, die ihre Eier in den Stängeln ablegen. Die Larven fressen dann das Mark.“ Aber auch in Wien selten vorkommende Wildbienen, wie die Distelhummel, brauchen Disteln. Um den bestäubenden Insekten zu helfen, ist die Pflanzenauswahl entscheidend.

Beflügelte Nachbarschaft

Nicht alle Pflanzen sind für alle Insekten gleich gut geeignet. Unter den Insekten gibt es wahre Gourmets, die nur auf ganz bestimmte Arten fliegen. Von Etls Beet profitieren aber nicht nur Insekten, sondern auch die Anrainer:innen. Einer davon ist Orhan, der während des Interviews plötzlich auftaucht. Er wohnt im Haus gegenüber im 2. Stock mit Blick direkt auf das Beet. „Ihr habt ein wahres Paradies geschaffen. Es ist unglaublich, was alles möglich ist in einer Stadt. Das Beet ist ein super Anblick und ich habe mir auch gleich für meinen Balkon etwas davon abgeschaut“, erzählt Orhan stolz. Sein umfassendes Wissen über Bestäubungsbiologie und Insekten gibt Etl bei sogenannten Biodiversitätsspaziergängen im Grätzel an Kinder und interessierte Personen weiter. „Die Kinder sind

begeistert. Wenn es um Insekten geht, dann werden selbst die lautesten ruhig und hören zu.“ Mittlerweile betreut Etl mehrere Beete in der Gegend und nutzt sie für wissenschaftliche Untersuchungen. Daraus ist die Idee des Wiener Biodiversitätskorridors entstanden.

Markierte Bienen ebnen Weg zum Biodiversitätskorridor

Rund fünf Minuten Fußweg entfernt zieht in der Mandlgasse eine rund zwei Meter hochwachsende, gelbblühende Königskerze alle Aufmerksamkeit auf sich. Sie ragt aus einem Blumenkasten, der Teil eines Grätzl-Oasenkonzepts ist. Die Oase ist einem Schanigarten ähnlich, ausgestattet mit Tischen und Sitzbänken. Hier wachsen und gedeihen unterschiedliche Pflanzen, selbst ein Mini-Biotop mit Rohrkolben und Wasserminze ist entstanden. „Von hier ausgehend bis zum Migazziplatz befinden sich mehrere betreute Beete. Ich habe mit Student:innen Wollbienen und Frühlingspelzbienen markiert und ihre Flugrouten untersucht“, erklärt Etl. Gemeinsam mit Student:innen wurde auch eine der längsten sonnenexponierten Böschungen Wiens am Gelände des Wiener Westbahnhofs unter die Lupe genommen. Dabei konnten 79 verschiedene Wildbienenarten und 114 Pflanzenarten, die eine

bedeutende Rolle für Wildbienen und andere blütenbesuchende Insekten darstellen, nachgewiesen werden. Die Ausbreitung der bestäubenden Insekten entlang des Korridors möchte Etl weiterhin wissenschaftlich untersuchen. Einige Beete sind noch zu haben. „Jeder kann helfen, einen kleinen Lebensraum für Insekten zu schaffen. Diese kleinen Biodiversitätsoasen haben einen großen Effekt für Insekten. Etliche Insekten kommen nur zur Nahrungsaufnahme, aber die meisten machen sogar ihren gesamten Lebenszyklus in unserem Beet durch.“ Darauf kann man stolz sein.

TU WAS Tipp

Wer selbst in seinem Grätzl aktiv werden möchte oder den Wiener Biodiversitätskorridor unterstützen möchte, kann sich bei der Gebietsbetreuung Stadterneuerung melden: info@gbstern.at

Mehr Infos zum Projekt „Garteln ums Eck“: https://www.gbstern.at/ stadtgarteln/

© Kathrin Horvath © Kathrin Horvath Hochbeete und Rabatte: Überall sind Wildpflanzen.
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Florian Etl plaudert mit einem Anrainer über den Sinn des Korridors. Liebevoll gestaltete Tafeln informieren über vorkommende Arten.

Wespen werden im Gegensatz zu den friedlichen Bienen meist als düstere Kampfmaschinen wahrgenommen. Sie sind äußerst unbeliebte Gäste bei Gartenpartys, verbreiten schlechte Laune und im schlechtesten Fall sogar Panik. Wozu braucht die Natur diese Störenfriede überhaupt?

Es ist dieser charakteristische Ton, der zwischen einem sanften Brummen und einem leichten Summen schwankt, der ausreicht, um den Herzschlag zu erhöhen und manche Menschen sogar panisch in die Flucht treibt. Die Angst vor Wespen, auch Spheksophobie genannt, ist weit verbreitet. Wespen gelten als aggressiv, bewegen sich unvorhersehbar und blitzschnell. Und wenn der Stachel im Fleisch landet, macht sich ein unangenehm brennender Schmerz bemerkbar, der bei manchen

Menschen sogar zu einer lebensbedrohlichen allergischen Reaktion führen kann.

Männchen ohne Stachel

Das injizierte Insektengift besteht unter anderem aus Enzymen, Peptiden und Histamin. Dieser Giftcocktail greift die Zellmembranen an, zerstört Gewebe und löst schmerzhafte Entzündungen aus. Einen Wespenstich

lichen Wespen besitzen keinen Stachel und sind harmlos. Die Unterscheidung

Wespen ist aber im Eifer des Gefechts

Hinter ihrer bedrohlichen Fassade verbirgt sich jedoch eine Fülle an bemerkenswerten Eigenschaften. Wespen gehören zur Ordnung der Hautflügler, einer vielfältigen Gruppe mit rund 153.000 bekannten Arten, zu denen auch Bienen und Ameisen zählen. Schon allein von den Grabwespen gibt es rund 10.000 bekannte Arten. Sie leben im Gegensatz zu den „lästigen Störenfrieden“, zu denen die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe gehören, solitär. Die meisten von ihnen legen ihre Nester im Boden an. Sie graben kleine Gänge in den Boden, in denen ihre Brutkammern entstehen. Um ihren Nachwuchs zu ernähren, gehen weibliche Wespen auf die Jagd nach Insekten. Sie lähmen ihre Beute mit einem gezielten Stich und bringen sie in das Nest. Die Beute dient rund zwei Wochen als lebendige Nahrungsquelle für die heranwachsenden Larven. Parasitär lebende Wespen, wie beispielsweise Legimmen, besitzen einen Legesta-

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© Maciej Olszewski/Adobe Stock © Jürgen Kottmann /Adobe Stock
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Nur weibliche Wespen besitzen einen Stachel.

chel, mit dem die Weibchen ihre Eier in Wirtstiere einführen können. Die schlüpfenden Wespenlarven nutzen den Wirt als Nahrungsquelle und entwickeln sich in dessen Körper. Die Wirtstiere der Legimmen, die zu den Taillenwespen gehören, sind unter anderem Pflanzenschädlinge, wes halb Legimmen wichtige Akteure bei der biologischen Schädlingskontrolle darstellen. Im Garten leisten be stimme Schlupfwespen Hilfe bei der Bekämpfung von Blattläusen, indem sie diese als Nahrung für ihre Larven nutzen. Aber auch Wespen selbst sind wichtige Nahrung.

Beliebte Snacks für Tier und Mensch

In den komplexen Nahrungsketten der Natur stehen Wespen bei zahlreichen Tieren auf dem Speiseplan. Nicht nur der Wespenbussard, sondern auch Spechte und einige Singvögel jagen Wespen nach. Spinnen, Fledermäuse und Raubtiere wie Dachse, Marder und Füchse nutzen deren Larven oder adulte Wespen als wertvolle Nahrungsquelle. Was in unseren Breitengraden noch unvorstellbar ist: In vielen Teilen der Welt, darunter in Japan, Thailand, Mexiko und einigen afrikanischen Ländern, werden Wespenlarven als kulinarische Köstlichkeit geschätzt. Ob geröstet, gekocht

durch ihre Abhängigkeit von bestimmten Wirtsinsekten durch das Insektensterben bedroht. Faktoren wie der Einsatz von Pestiziden, Lichtverschmutzung, der Klimawandel, aber auch der Lebensraumverlust und die absichtliche Zerstörung von Wespennestern tragen zur Verschlechterung der Wespensituation bei. Verschwinden unsere Wespen, verschwinden mit ihnen nicht nur wichtige Helfer bei der Schädlingskontrolle, sondern auch eine Vielzahl anderer Tiere. Das nächste Mal, wenn eine Wespe auf Ihrem Kirschkuchen landet, versuchen Sie einfach, den ungebetenen Gast mit anderen Augen zu sehen. Zugegeben: Das ist eine große Herausforderung, aber unsere Ökosysteme und deren komplexe Nahrungsketten bestehen nicht immer nur aus beliebten Tieren.

was tun?

Der Höhepunkt des Wespenaufkommens wird zwischen August und September erreicht. In den Medien ist dann von Wespenplagen zu lesen. Zu dieser Zeit sind Wespen auf der Suche nach Nahrung für ihren fleischfressenden Nachwuchs und Energie in Form von Zucker für sich selbst. Wespen stechen nur, wenn sie sich bedroht fühlen, deswegen gilt: Ruhe bewahren!

> Führen Sie keine schnellen Bewegungen durch, um die Wespe zu vertreiben. Schnelle Bewegungen können die Wespe dazu veranlassen, sich zu verteidigen.

> Pusten Sie die Wespe nicht an, denn ein erhöhter Kohlendioxidgehalt kann zu einem Angriff führen.

> Wenn Sie im Freien Nahrung verzehren, vergewissern Sie sich, dass sich keine Wespe auf Ihrem Nahrungsmittel oder im Getränk befindet, bevor Sie dieses zu sich nehmen.

> Halten Sie durch und summen Sie Ihr Lieblingslied, um das beängstigende Brummen zu übertönen.

Wenn Sie dennoch gestochen wurden: Entfernen Sie sofort den Stachel und kühlen Sie die betroffene Stelle. Wenn Sie allergisch sind oder mehrere Stiche erlitten haben, suchen Sie sofort medizinische Hilfe auf.

Die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris) braucht Zucker als Energielieferant und Eiweiß, um ihre Larven versorgen zu können. © Iriska/Adobe Stock
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© Jürgen Kottmann/Adobe Stock

Eine Lanze für die Wanze

Wenn wir an Insekten denken, mögen Wanzen nicht die ersten sein, die uns in den Sinn kommen, geschweige denn unsere Sympathie gewinnen.

Unbestritten: Im Gegensatz zu Schmetterlingen und Bienen stehen Wanzen weit abseits des Rampenlichts.

Dabei spielt diese vermeintlich unwillkommene Insektengruppe als Schädlingsbekämpfer eine entscheidende Rolle für die Vitalität unserer Ökosysteme. Biologe Thomas Frieß beschäftigt sich seit 30 Jahren mit Wanzen. Mit allein in Österreich fast 1.000 verschiedenen bekannten Arten ist es eine vielfältige und bunte Welt, die es zu entdecken gilt.

Herr Frieß, warum befinden sich Wanzen auf der Beliebtheitsskala der meisten Menschen ziemlich weit im unteren Bereich?

Das hat einen einfachen Grund: die Bettwanze. Das ist eine Art, mit der niemand in Berührung kommen möchte und das ist verständlich. Sie sieht nicht nur abstoßend aus, sondern kommt dem menschlichen Körper sehr nah und saugt an ihm. An den Einstichstellen entstehen dann Rötungen oder Entzündungen. Die blutsaugenden Parasiten können hartnäckig sein und sind schwierig zu bekämpfen. Aber viele naturkundlich interessierte Menschen wissen, dass es auch andere Wanzen gibt, die im Garten unterwegs sind, auf Gemüse

SCHWARZRÜCKIGE GEMÜSEWANZE

sitzen oder auf der Wasseroberfläche leben. Die Feuerwanze ist ja sehr bekannt.

Es gibt aber auch eine Wanze, die seit einigen Jahren zum Überwintern in die Häuser kommt und, nebenbei gesagt, auch ein bisschen stinkt, wenn man sie angreift.

Nicht alle Arten geben bei Beunruhigung ein riechendes Sekret ab und nicht alle Sekrete riechen unangenehm. Manche duften nach Apfel, Zitronenmelisse oder sogar Zimt. Bei kleineren Arten riecht man es teilweise nicht, weil das Sekret sehr stark verdünnt ist, aber bei großen Arten wie Baumwanzen ist der Geruch sehr gut wahrnehmbar.

Die angesprochene, aus Asien stammende Marmorierte Baumwanze wurde mit Gehölzen eingeschleppt und hat sich sehr rasch in Mitteleuropa ausgebreitet. Sie ist ökologisch sehr flexibel, hat noch keine

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Gernot
Kunz
EDELSTEINE UNTER DEN INSEKTEN
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© Gernot Kunz

Feinde und neigt zu massenhaften Entwicklungen, ist aber im Haus kein Schädling. Mittlerweile zählt sie auf Naturbeobachtungsplattformen zu einer der am häufigsten beobachteten Wanzen.

Apropos Häufigkeit: Wie geht es denn den Wanzen in Österreich? Wie stark sind sie vom Insektensterben betroffen? Wir haben gerade die Rote Liste für Österreich fertiggestellt und die Einstufung hat gezeigt, dass es 60 Prozent der Wanzenarten mehr oder weniger gut geht. Rund 30 Prozent aller Arten sind allerdings rückläufig, davon einige sehr stark gefährdet. Rund 20 Arten sind verschollen oder ausgestorben. Vor allem Arten, die in Mooren und Magerwiesen vorkom-

men, oder Arten, die immer wieder neu entstehende Sukzessionsstadien entlang von Fließgewässern benötigen, sind gefährdet. Durch die Flussregulierungen finden sie kaum noch geeigneten Lebensraum. Es gibt aber auch erfreuliche Nachrichten. Nach über 60 Jahren konnte erstmals wieder die Steinbruchswanze in Österreich nachgewiesen werden.

Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Wanzenpopulationen aus? Unterschiedlich. Es gibt einerseits positive Auswirkungen auf wärmeund trockenliebende Arten. Das macht sich auch jetzt schon bemerkbar, da viele mediterrane Arten ihr Vorkommensgebiet nach Norden verschieben und auch in Österreich auftauchen. In

der Regel sind es aber Arten, die ökologisch flexibel und nicht gefährdet sind. Hingegen sind auf Moore oder Feuchtwiesen spezialisierte Arten durch die Austrocknung ihrer Lebensräume sehr stark negativ betroffen. Aber auch Luftschadstoffe, Pestizide und die Aufgabe extensiver landwirtschaftlicher Nutzungen setzen den Wanzen zu. Dabei ist es so einfach, den Wanzen zu helfen. Es reicht schon aus, wenn man kleinere Wiesenbereiche länger stehen lässt, offene Bodenstellen schafft oder kleine Sandbeete anlegt. Das kann man in der Landwirtschaft, aber auch im Privatgarten umsetzen. Es gibt einige Pflanzenarten, wie den Natternkopf oder Königskerzen, die Wanzen besonders gerne mögen.

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KOMAROFFS GLASFLÜGEL-NETZWANZE © Gernot Kunz

Wenn ich an Bettwanzen und an die eingeschleppte Marmorierte Baumwanze denke, dann sind das Wanzen, auf die ich gerne verzichten würde. Gibt es auch Wanzen, die mir Freude machen können?

Abgesehen davon, dass es einige wunderschöne Wanzenarten gibt, deren Aussehen dem Auge Freude bereitet, sind viele Arten auch wichtige Nützlinge im Hausgarten und in der Landwirtschaft. Mittlerweile werden Wanzen auch gezielt zur Schädlingsbekämpfung gegen beispielsweise Schildläuse, Weiße Fliegen oder Blattläuse professionell gezüchtet und im Handel angeboten. Die räuberische Weichwanze Macrolophus kommt inzwischen in der integrierten Schädlingsbekämpfung in Gewächshauskulturen zum Einsatz, manche Blumenwanzen werden gegen vorratsschädliche Speckkäfer eingesetzt.

Die Feuerwanze ist ja die Heidi Klum der Wanzenwelt: Jeder kennt die rotschwarze Wanze, die man zwischen April und Mai bei ihrem auffälligen „Liebesduett“ beobachten kann. Welche Wanzen haben noch Laufstegpotenzial?

Eine für mich besonders attraktive Art ist Hyalochiton komaroffii, Komaroffs Glasflügel-Netzwanze. Sie ist winzig und lebt in Trockenrasen an einer ganz bestimmten Pflanze (Berg-Gamander). Ihr Aussehen erinnert an netzartig verbundene und mit Borsten behaarte Blasen. Man sieht diese Schönheit extrem selten, sie ist in

WAHLLOSER LAUSJÄGER

WOODROFFEIS RAUBWANZE

GELBGRÜNE SCHMUCKWANZE

Österreich nur von vier Standorten bekannt und vom Aussterben bedroht. Die Woodroffeis Raubwanze ist behaart und trägt an den Hinterleibsrändern eine auffällige Musterung. Die Art lebt nur in großen und intakten Hochmooren und ist in Österreich ebenfalls vom Aussterben bedroht. Es gibt aber auch farben -

frohe Arten wie die Schwarzrückige Gemüsewanze oder die Gelbgrüne Schmuckwanze. Und selbst unter den agrarökologischen Nützlingen gibt es Schönheiten, wie beispielsweise den Wahllosen Lausjäger. Er ist ein wichtiger Gegenspieler von Blattläusen und kann Blühflächen rasch besiedeln.

© Gernot Kunz © Gernot Kunz
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© Gernot Kunz

DIE GEBURT EINER NATURHECKE IM AUSSEERLAND

Freude mit einem Haufen Holz

Man muss eine Hecke nicht unbedingt pflanzen. Man kann auch die Natur werken lassen. Damit eine Hecke aus vielen verschiedenen Arten entsteht, die für die Region typisch sind, braucht es aber die Unterstützung von Vögeln. Wie diese Kooperation gelingen kann, zeigt eine engagierte Gruppe aus dem Ausseerland.

Sträucher und Bäume kommen in der Regel dann, wenn man auf der Fläche gar nichts mehr tut. Wenn man aber eine artenreiche Hecke haben will, ohne Sträucher einzukaufen, zu pflanzen und zu pflegen, braucht es Unterstützung durch die Natur. Die Technik dafür ist einfach: Man sammelt tote Äste oder sogar kleine Stämme zusammen, schichtet sie auf einen Haufen und sichert sie. Dieser Totholzhaufen wirkt bereits am nächsten Tag einladend auf Vögel, fängt Samen auf, die mit dem Wind kommen, und lockt kleine Säugetiere an, die in diesem hervorragenden Versteck Samen als Vorrat einlagern. Erfunden hat diese geniale Technik Hermann Benjes vor ca. 40 Jahren. „Lass die Natur arbeiten“ war sein Motto. Mit diesem einfachen Prinzip hat Benjes mit seinem Bruder Heinrich in Deutschland mehr als 1.000 Kilometer an Feldhecken errichtet.

Neun Paar Hände

brauchen nur zwei Stunden

Die engagierte Bezirksgruppe Ausseerland und Ennstal des Naturschutzbundes hat sich nun Mitte Juni entschieden, an einem Waldrand eine solche Hecke aufzubauen. „Wir finden diese Benjes-Idee großartig. Wertvolle Arten aus unserer ganzen Umgebung werden durch die Vögel hergebracht. Und die Sträucher können heranwachsen, ohne vom Wild verbissen zu werden“, sagt Bezirksstellenleiterin Karin Hochegger. Eine interessierte und für diese Idee offene Waldbesitzerin wurde gefunden und in die Aktion eingebunden. „Neun Paar Hände, zwei davon eifrige Kinderhände, konnten mit der Waldbesitzerin und ihrer Tochter in nur zwei Stunden eine prächtige Benjes-Hecke aus dem Totholz im Wald bauen“, ist Hochegger begeistert. Mit ca. 10 m Länge und einer Höhe von 1,5 m sieht das Werk sehr respektabel aus. „Damit die toten Äste geordnet liegen, haben wir zwischen den Ästen Zaunstipfeln geschlichtet. Das vereinfacht das Aufschichten und ist die Ausseer-Variante der Benjes-Hecke.“ Zaunstipfl sind wichtige Landschaftsmerkmale im Weidegebiet und beliebte Ansitzwarten von Feldvögeln. „Jetzt beobachten wir, was in der Benjes-

Hecke zu keimen und wachsen beginnt.“ Die Ausrichtung der Anlage wird für eine natürliche Vielfalt sorgen, denn ein Teil der Hecke ist stark besonnt und der andere beschattet und kühl. Die Aktion hat so viel Spaß gemacht, dass die nächsten BenjesHecken schon in Planung sind. Und auch die Freude der Waldbesitzerin war groß: „Mei, so eine Freude mit einem Haufen Holz habe ich noch nie gehabt.“

WIR GRATULIEREN!

In unserer letzten Ausgabe haben wir gefragt, ab welcher Wassertemperatur sich die Bachforelle nicht mehr wohlfühlt. Als Faustregel gilt, dass Bachforellen ab einer Wassertemperatur von etwa 20°C negativ beeinflusst werden, da dann der Sauerstoffgehalt abnimmt, was sich negativ auf die Atmung und den Stoffwechsel der Bachforellen auswirkt.

Wir gratulieren Walter Rauscher aus Stuben berg/See herzlich zur richtigen Antwort und zum Gewinn!

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© Karin Hochegger

EINZIGARTIGE VERMEHRUNG VON WILDGEHÖLZEN

Wertvolles Saatgut aus Früchtegatsch

Wenn Gehölze aus Samen vermehrt werden, bedeutet das eine wichtige Weiterentwicklung der genetischen Vielfalt. Gerade bei unseren heimischen Sträuchern, die meist vegetativ vermehrt werden, ist das keine Selbstverständlichkeit. Andreas Patschka, ein Biobauer aus dem Weinviertel, hat sich mit besonderem Engagement auf Saatgutherstellung von Wildgehölzen spezialisiert. Heute wandern vier bis fünf Tonnen Früchte jährlich durch seine Hände und landen als wertvolles Saatgut bei diversen Baumschulen.

Die Geschichte von Andreas Patschka ist beeindruckend. Er führt einen Bio-Ackerbaubetrieb mit Schwerpunkt Saatgutproduktion. „Das heißt, wir produzieren auf unserer Landwirtschaft vor allem Bio-Saatgut für Biolandwirte“, erklärt Patschka. Vor 30 Jahren hat er über Umwegen von der Problematik erfahren, dass Strauchgehölze überwiegend vegetativ vermehrt, also geklont werden.

Für die Weiterentwicklung der Vielfalt wäre es deshalb ein großer Schritt, wenn man Sträucher aus Samen vermehrt. Aber dieses Saatgut sei am Markt nicht erhältlich. „Da habe ich mir gedacht, das gibt es doch nicht: Ich fahre während der Arbeiten immer wieder an wunderschönen, großen Weißdornhecken vorbei. Unmengen an Früchten verfaulen da am Boden.“ Patschka begann Kontakte zu knüpfen und entschied sich, Saatgutherstellung von Wildgehölzen einmal auszuprobieren. „Das war gar nicht einfach. Ich hatte keine Geräte dafür und auch noch wenig Knowhow.“ Aber trotzdem hatte er schon bald erste Erfolge. Ein kleines Team sammelte Früchte aus der Region, Siebe wurden angeschafft, die Früchte vom Fruchtfleisch getrennt, getrocknet und an eine am Projekt interessierte Kooperationsbaumschule ausgeliefert.

Kein Strauch gleicht dem anderen Aus dieser Geschichte ist ein großer Erfolg geworden. „Heute bekomme

ich jährlich 4 bis 5 Tonnen unterschiedlicher Früchte aus den unterschiedliche Regionen geliefert.“ Patschka produziert für Niederösterreich, Salzburg, Kärnten und ganz aktuell auch für die Südoststeiermark. Man sieht den Erfolg am Produkt: Kein Strauch gleicht dem anderen. Die Vielfalt an Arten, Unterarten und an den Standort besonders gut angepasste Ökotypen ist enorm. Bei der Besichtigung einer seiner Erntehecken stoßen wir auf Raritäten. „Das ist zum Beispiel die Weinviertler Kuchlzwetschke. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass der Stein nicht vom Fruchtfleisch geht. Den muss man sozusagen runterzutzeln. Aber sie ist besonders aromatisch, besonders süß und sehr saftig. Außerdem hält sie sich sehr lange nach der Reife. Und … der beste Slibowitz wird aus der Kuchlzwetschke gemacht“, schildert Patschka lachend.

Regionalität ist wichtig

Um die regionale Vielfalt mehr zu berücksichtigen, wurden in Niederösterreich vier biogeographische Sammelregionen gebildet. Patschka:

„Aus jeder Region bekomme ich ca. 50 bis 100 verschiedene Arten – also allein aus Niederösterreich sind es 200 bis 300 Arten, die in die Saatgutherstellung wandern.“ Als erste

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Die gesammelten Früchte in der Warteschlange vor der Wäscherei
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Station seiner Wildgehölze-Saatgut herstellung müssen die Früchte in die „Wäscherei“. Neben großen Waschbecken und Sieben gibt es hier eine große Maschine im Zentrum. „Eine der Besonderheiten in der Aufbereitung von Wildfrüchten liegt darin, dass sie in der Regel sehr, sehr fruchtsäurehältig sind. Deshalb muss alles, was aus Metall ist, bei mir aus Nirosta sein, damit es nicht binnen kürzester Zeit korrodiert. Die Spülen, die Siebe und auch diese Putzreinigungsanlage.“ Patschka zeigt auf die die große Maschine im Zentrum des Raums und öffnet das Gehäuse. Im Bauch der Maschine ist ein beeindruckendes Geflecht an Bürsten und Schabern. Das Gerät muss für jede Art von Frucht neu kalibriert werden. Kleine oder harte Früchte passieren die Anlage anders als große oder weiche Früchte. „Über einen Trichter

gegeben. Neben Niederösterreich wird bereits in Salzburg und Kärnten regional vermehrtes Strauchsaatgut, das durch Patschkas Hände gewandert ist, verwendet. Auch der Naturpark Südsteiermark beginnt damit, alle seine Auspflanzungen mit diesem hochwertigen Saatgut durchzuführen.

Für die Zukunft wäre es laut Patschka besonders wichtig, dass diese Art von regional hergestelltem Pflanzmaterial Standard im Landschaftsbau wird. Eine Heckenpflanzung wird per se oft als Bereicherung gewertet. Wenn aber zum Beispiel alle Wildrosen genetisch exakt gleich sind, und genauso der Schlehdorn oder das Pfaffenkapperl, dann verarmt unsere Landschaft sukzessive. „Für die Weiterentwicklung der Vielfalt ist es unabdingbar, dass die Jungpflanzen genetische Vielfalt in sich tragen. Es wäre so einfach. Was wir brauchen, ist eine österreichweit kluge Zertifizierung von derartigem Saatgut. Und eine Verpflichtung, dass man in der freien Natur nur aus Saatgut vermehrte Wildgehölze verwenden darf. Dann haben wir mit einem Schlag einen richtigen Breiteneffekt.“

Wildstrauch ist nicht gleich Wildstrauch – der Unterschied

Viele engagierte Heckenpflanzer wissen es nicht: Die meisten unserer Wildgehölze werden immer aus Stecklingen vermehrt. Sie werden genetisch also geklont, aus einer Wildrose werden hunderttausend genetisch völlig gleiche Wildrosen. Verwendet man allerdings das Hetscherl, also den Samen der Rose, zur Vermehrung, dann entwickelt sich daraus eine einzigartige, neue Rose.

Viele Eigenschaften bleiben natürlich erhalten, aber das genetische Detail ist unterschiedlich. Das kann sich auf Blühzeitpunkt, Blattstärke, Wuchsform und vieles mehr auswirken. Wenn Wildgehölze mit Saatgut aus der Region vermehrt werden, dann ist das Biodiversität der höchsten Stufe. Die Vielfalt wird damit nämlich nicht nur erhalten, sondern auch weiterentwickelt.

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© Kathrin Mössler
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© Wolfgang Suske
lovelyday12/Adobe Stock
© Roland Schiegl Eifrige Beerenerntnerinnen von Wildgehölzen bei der Arbeit

HECKENIDEEN FÜR IHRE MOTIVATION

Pflanzen Sie eine Hecke!

DER SCHMETTERLINGSLIEBLING

Wenn man eine Hecke für Schmetterlinge pflanzen will, muss man vor allem an die Raupen denken.

Raupen sind sehr fixiert auf bestimmte Pflanzenarten. Der Schlehdorn ist dabei der große Hit. Über 110 Falterarten wurden dort bereits gezählt. Durch die frühe Blüte liefert die Schlehe auch Nektar an überwinternde Falter. Schon mal was vom

Einkaufsliste (beachten Sie die typischen Wuchsgegenden der Arten!):

• Die Blätter der Hundsrose viele Raupenarten mit Nahrung und Lebensraum

• Der Schwarze Hollunder auch seine Blätter sind Nahrung z.B. für die Raupen des Nachtschwalbenschwanzes

• Salweide (ein Magnet für Bienen und Schwebfliegen)

• Wolliger Schneeball (bietet Blüten im Überfluss für viele Falter)

• Gewöhnlicher Liguster (spätere Blüte im Frühsommer, die z.B. der C-Falter gerne entgegennimmt)

• Himbeere (die jungen Blätter und Blüten sind Nahrung für die Raupe des Grünen Zipfelfalters)

• Schlehdorn, Roter Hartriegel, Rote Heckenkirsche, Weißdorn

GANZJAHRESHECKE

wandlungen über das Jahr. Abhängig von Temperatur, Sonnenschein und Niederschlag können Blühbeginn und Fruchtreife beobachtet werden. Im zeitigen Frühjahr blühen Salweide und der Dirndlstrauch, das liefert den ersten Hummeln und anderen Bienen dringend benötigte Energie für den Start ins Jahr in diesem sonst noch blütenarmen Zeitraum. Schlehenblüten

läuten dann den Frühling ein: Erste warme Tage, erste grüne Blätter und vermehrter Insektenflug prägen diese Zeit. Purpurweide, Wolliger Schneeball und Pfaffenhütchen öffnen ihre Blüten und locken zahlreiche Bestäuber an. Im Frühsommer duften die Dolden des Schwarzen Holunders unverkennbar und auch Hundsrose und Roter Hartriegel sind in voller Blüte. Der Hochsommer bringt die späte Faulbaumblüte und erste Farbtupfer durch reifende Früchte, die beginnen sich zu verfärben wie z.B. vom Wolligen Schneeball

Der Herbst bietet anschließend ein umwerfendes Farbenspiel: Seien es die schwarzen Holunderbeeren, rote Dirndln, Hagebutten oder die Früchte des Roten Hartriegels. Auch sich verfärbendes Laub macht die Hecke zu einem Augenschmaus aus Grün-, Gelb-, Rotund Brauntönen. Einzelne Pflanzen wie Holler, Faulbaum oder Roter Hartriegel können noch „nachblühen“, was nochmals extra Farbkleckse in die Hecke setzt.

DREI
© Wirestock/iStock
DieseHecke bietetdesganze JahrBlütenund Farben.
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Regional vermehrte

Gehölze

Wenn Sie Heckenpflanzen benötigen, kaufen Sie am besten regional vermehrte Gehölze. Diverse Bundesländer bieten diese Ware im Rahmen von „Heckentagen“ oder anderen Events günstig an. Wertvolle Informationen dazu erhalten Sie auf der Website der „Regionalen Gehölzvermehrung“

www.heckentag.at

DAS NASCHLAND

Einkaufsliste (beachten Sie die typischen Wuchsgegenden der Arten!)

• Fast alles, was zur bestens geeignet: Kriecherl, Kirschen, Zwetschken,…

Kleine und große Naschkatzen kommen bei dieser Selbstversorgerhecke auf ihre Kosten.

Die verschiedenen Früchte und auch Blüten können entweder direkt von der Hecke weg in den Mündern verschwinden oder auch zu Marmelade, Saft, Likören, Chutneys oder Soßen

• Die Kornelkirsche liefert bereits im Sommer die hervorragenden dunkelroten „Dirndln“, die im reifen Zustand von selbst vom Strauch fallen.

• Die köstliche Geheimtipp. Backen Sie ihren ersten Felsenbirnen-Kuchen.

• Die gelblich-braun-rötlichen, rundlichen, zirka 3 Zentimeter großen, birnenförmigen Früchte des Speierling können im späten Herbst geerntet werden.

• Die Früchte verschiedener wilder Rosenarten Hetscherln, sind vitaminreiche Farbtupfer, die über den Winter auf den Sträuchern bleiben können. Je später sie gepflückt werden, desto süßer werden sie. Als Tee, Marmelade, Saft oder auch roh sind sie eine Delikatesse, und auch als „Juckpulver“ werden die behaarten Samen in den Früchten gerne von kleinen Frechdachsen genutzt. Schwarzer Holunder oder Himbeeren sollten auch nicht fehlen.

TIPP
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Stock WIR TUN WAS 15
sasapanchenko, abcmedia/Adobe

MEHR ALS 600 SCHMETTERLINGSARTEN AM HOF

Begonnen hat alles mit dem Schwalbenschwanz

In Saalfelden am Steinernen Meer hat sich ein Milchviehbetrieb in ein farbenprächtiges Schmetterlingsparadies verwandelt. Von der Stallarbeit zur Schmetterlingszucht, von der Weide zur Blühwiese – am Hof von Karin und Ernst Moßhammer befindet sich eine Welt, in der Landwirtschaft und Biodiversität Hand in Hand gehen.

Im Schatten der majestätischen Berge in Saalfelden am Steinernen Meer liegt ein Ort, der nicht nur durch seine landschaftliche Schönheit beeindruckt, sondern auch durch seine bemerkenswerte Biodiversität. Es handelt sich um den Milchviehbetrieb der Familie Moßhammer, ein Bauernhof, der sich in den letzten Jahren in ein farbenprächtiges Schmetterlingsparadies verwandelt hat. „Angefangen hat alles damit, dass mir als Fotografin die Motive gefehlt haben“, erzählt Karin

Moßhammer, die neben ihrer Tätigkeit als Bäuerin auch leidenschaftliche Fotografin ist. Als sie und ihr Mann Ernst den Gruberhof vor 15 Jahren übernahmen, entdeckte die Salzburgerin auf ihren eigenen Wiesen kaum mehr als drei Schmetterlingsarten. Statt auf ihren eigenen Wiesen zu fotografieren, musste sie auf die vorhandene Artenvielfalt am Stoißengraben, einer breiten Schlucht und beliebtem Ausflugsziel, ausweichen. „Irgendwann habe ich mir gedacht: Das kann‘s doch auch nicht sein! Und wir haben dann begonnen, ein bisschen etwas ums Haus herum stehen zu lassen.“ Wenn man heute über den Gruberhof spaziert, strahlen einem an den Haus- und Stallmauern, Wegrändern und in den Wiesen bunte Blühpflanzen entgegen.

Der Natur Raum und Zeit geben Sich des globalen Insektensterbens und dessen Auswirkungen auf die

Biodiversität bewusst, beschlossen die Moßhammers, sich diesem Trend entschieden entgegenzustellen. Sie begannen, sich intensiv mit der Thematik auseinanderzusetzen, Informationen zu sammeln und zu lernen – sowohl über die Schmetterlinge selbst als auch darüber, was sie als Landwirte konkret für die Biodiversität tun können. Auf ihren Flächen suchten sie nach geeigneten Bereichen, die sie extensiv bewirtschaften konnten. Begonnen hat alles mit einem halben Hektar Intensivwiese, der in eine einschnittige Magerwiese umgewandelt wurde. Da war nur ausgewachsenes, verfaultes Gras auf der Fläche, das man nicht mal zum Einstreuen für unsere Kühe verwenden konnte“, erinnert sich Karin Moßhammer. Ihre Geduld und Beharrlichkeit hat sich ausgezahlt: Heute werden von ihren insgesamt 26 Hektar Grünland sechs Hektar speziell im Sinne der Schmetterlinge bewirtschaftet. Gemäht wird dann nicht nach Kalender, sondern nach Flugzeiten bestimmter Schmetterlingsarten.

Mit der Lupe auf Eiersuche

Wo vor mehr als einem Jahrzehnt nur eine Handvoll Schmetterlingsarten über die Wiesen flog, konnten bis heute mehr als 600 Arten, darunter

© Kathrin Horvath
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© jggrz/pixaba

auch salzburgweite Erstfunde, auf den Wiesen der Moßhammers nachgewiesen werden. „Mit dem Schwalbenschwanz hat alles begonnen“, erinnert sich Karin Moßhammer. Er war einer der wenigen Schmetterlingsarten, die vor 15 Jahren auf den Wiesen zu finden war. Die Sichtung dieses seltenen Gastes war der Beginn einer bemerkenswerten Schmetterlingszucht. „Mein Mann hat mir gesagt, dass er einen Schwalbenschwanz gesichtet hat. Ich habe mir dann die Lupe geschnappt und mich auf die Suche nach Schmetterlingseiern gemacht. Viele Schmetterlingsarten legen ihre Eier auf ganz bestimmten Pflanzenarten ab, von denen sich die Raupen ernähren. Da weiß man dann, wo man suchen muss.“ Bei Schwalbenschwänzen sind es Doldengewächse wie Wilde Möhre oder Wiesenkümmel. Die Suche war erfolgreich. Aus den gefundenen Eiern schlüpften ein Männchen und ein Weibchen. Mit der Unterstützung eines Saalfeldener Schmetterlingsexperten gelang es, die beiden Schmetterlinge zu verpaaren, was zu 70 Eiern führte.

Die Magie der Verwandlung

Die Zucht von Schmetterlingen erfordert mehr als nur eine Leidenschaft für diese faszinierenden Insekten, sie erfordert auch ein Verständnis für ihre Bedürfnisse. „Du musst jeden Tag frische Futterpflanzen anbieten. Deswegen ist es wichtig, sich im Vorfeld zu überlegen, welche Futterpflanzen habe ich in der nahen Umgebung und welche Arten kann man damit züchten“, erklärt Karin Moßhammer. In ihrem Aerium befinden sich derzeit rund 30 Puppen des Kleinen Fuchses. Die Raupen ernähren sich hauptsächlich von Brennnesseln. Um den Gruberhof und an den Waldrändern tummeln sich Anfang Juni zahlreiche Raupen in den Brennnesseln. Es werden nur noch wenige Tage vergehen bis aus den goldschimmernden Puppen fertige Schmetterlinge schlüpfen. Ein Mo-

ment, der Karin Moßhammer sichtlich berührt: „Die Entwicklung von einer Raupe zum Schmetterling finde ich faszinierend. Dass aus so einer Raupe so ein wunderschönes Geschöpf entsteht. Aber auch das Schlüpfen einer Raupe aus dem Ei finde ich faszinierend. Das weckt den Mutterinstinkt in mir.“ Mehrere tausend Schmetterlinge

hat Karin Moßhammer in den letzten 12 Jahren großgezogen. Die Faszination für Schmetterlinge hat sie bis heute nicht verloren: „Wenn ich nach der Stallarbeit so gegen 6 Uhr morgens mit meiner Kamera in der Wiese liege und die Schmetterlinge beobachte, dann bin ich in einer anderen Welt. Da ist einfach Leben da.“

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„Wenn ich nach der Stallarbeit morgens mit meiner Kamera in der Wiese liege und die Schmetterlinge beobachte, dann bin ich in einer anderen Welt.“
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Karin Moßhammer mit einer Raupenfamilie samt geeigneter Futterpflanzen

„Seit wir wieder Wasser bei uns haben, geht’s nicht nur den Schwalben besser.“

Seit mehr als zwei Jahren wird in Natternbach, einem kleinen Ort in der Grenzregion zwischen der Böhmischen Masse und dem Granitund Gneishochland ordentlich Hand angelegt, um das Biogut Dornetshub wieder zum Blühen zu bringen. Ein Gamechanger für die Förderung der Artenvielfalt war die Anlage eines 600 m 2 großen Teichs, der nun als Herzstück den Hof ziert und nicht nur die Lebensqualität für zahlreiche Tiere, sondern auch für den Menschen verbessert hat.

Als Johann Schauer im Jahr 2016 den Betrieb in der vierten Generation übernommen hat, war für ihn und seine Partnerin Ella Augusteyns klar, dass sie für ihr eigenes Glück vieles ändern wollen. Kennengelernt haben sich die zwei auf einer Kubaexkursion während ihres Masterstudiums Ökologische Landwirtschaft. Schon damals interessierten sie sich für eine vielseitige und kleinstrukturierte Landwirtschaft und packten die Gelegenheit am Schopf, im Ausland Ideen für die Zukunft ihres Hofes zu sammeln. Die Aufgabe der Milchviehwirtschaft stand bei ihrem Vorhaben nach Veränderung an erster Stelle, denn der Wunsch nach zeitlicher Flexibilität war groß. Die Umstellung auf „Bio“ und die Anschaffung von Rindern für die Fleischerzeugung folgten als nächstes. Der Grundstein für mehr Vielfalt am Hof wurde durch Partnerin Ella gesetzt. „Die Natur, wie ich sie von zu Hause gewohnt war, gab es hier damals kaum. Wenig blühte, nichts summte und als naturverbundener Mensch war das für mich

nicht der Ort, den ich mir vorstelle, um mich wohlfühlen zu können. Also wollten wir was tun.“

Ökologisierung ja, aber wie?

Für Schauer stand fest, dass auf seinem Hof viel mehr die Qualität als die Quantität eine Rolle spielen sollte. Mit dem Gedanken, ein Stück Land bestmöglich zu bewirtschaften, dabei die Artenvielfalt zu verbessern und gleichzeitig die eigene Lebensqualität zu steigern, haben sich Schauer und Augusteyns über verschiedene Wege auf die Suche nach geeigneten Lösungen gemacht. Schließlich wurden sie auf ein Förderprojekt der Naturschutzabteilung OÖ zum Thema Renaturierung aufmerksam.

Von der Hecke zum Teich Für eine umfängliche Ökologisierung gab es am Biogut Dornetshub bereits

eine ganz gute Ausgangslage, denn eine Streuobstwiese und Bachufergehölze waren bereits vorhanden. Was aber gänzlich fehlte, waren Strukturelemente wie Hecken und Baumreihen für eine Habitatvernetzung sowie der Lebensraum Wasser in Form eines Feuchtbiotops. „Wie es der Zufall so wollte, kam ich bezüglich meiner Heckenidee mit einem guten Freund, der mit regionalen Wildgehölzen arbeitet, ins Gespräch. Er berichtete mir von einem Projekt, bei dem es um eine umfangreiche Renaturierung geht und Landwirte sich melden können, die Lust haben mitzumachen“, erinnert sich Schauer. Daraufhin nahm er mit der zuständigen Behörde Kontakt auf und stellte einen Projektantrag mit seinen Renaturierungsideen. „Bei unserem Konzept war uns wichtig, dass wir einerseits sehr vielfältige ökologi-

EIN TEICH FÜR ALLE FÄLLE
Johann Schauer und Ella Augusteyns an ihrem Lieblingsplatz © Barbara
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Rems-Hildebrandt

sche Strukturen schaffen, aber andererseits auch das Projektgremium mit unschlagbaren und schlüssigen Ideen überzeugen wollten“, lacht Schauer. Das Herzstück des Gesamtkonzepts war ein großer Teich, der sich in Hofnähe perfekt in die Landschaft einfügt. „Das Wasser war uns als ökologische Nische ganz wichtig und auch deshalb, weil es kaum mehr natürliche Teiche auf Höfen gibt, obwohl diese früher ganz wichtig für das Hofleben waren“, erklären Schauer und Augusteyns, „und so ein Teich ist ja auch ein tolles Erholungsgebiet für uns selbst.“ Der Antrag wurde bewilligt und sie konnten mit den Arbeiten beginnen. Was sie damals nicht ahnten: Der Teich entpuppte sich als richtige Hofattraktion.

Kühles Nass für die Vielfalt Feuchtbiotope gehören zu den artenreichsten Ökosystemen, denn sie schaffen eine Verbindung zwischen trockenen und dauerhaft feuchten Lebensräumen und bieten vielen Arten eine Lebensgrundlage. Von Amphibien, Reptilien, Vögeln, Insekten, Spinnen, Fledermäuse bis hin zu Schnecken und Wasserpflanzen, sie alle finden in und um Feuchtbiotope optimale Bedingungen. Waren stehende Gewässer früher auf vielen

finden, gingen sie im Rahmen intensiver Landschaftsnutzung zunehmend verloren und wurden vielerorts nicht ersetzt. „Zur Steigerung der Biodiversität in der Landwirtschaft ist die Anlage eines Stehgewässers wunderbar geeignet“, resümiert Schauer. Rund um einen Bauernhof fehlt es vielen Arten an genügend Wasser. Ein gutes Bespiel dafür sind Schwalben, die Lehm für den Bau ihrer Nester brauchen. Auch Amphibien leiden stark unter dem Verlust von feuchten Lebensräumen für ihren Nachwuchs, dasselbe gilt für zahlreiche Insektenarten, die ihr Larvenstadium im Wasser verbringen.

Wohlfühlfaktor Wasser

Seit auf dem Biogut Dornetshub ein Teich existiert, hat sich das Leben am Hof verändert. Bereits in den frühen Morgenstunden beginnt ein reges Vogeltreiben, Rehe und Hasen kommen zum Wassertrinken. Über den Tag verteilt fliegen unterschiedliche Groß- und Kleinlibellen sowie viele andere Insekten über das 600 m 2 große Gewässer. In den frühen Abendstunden nutzen Fledermäuse den neu geschaffenen Lebensraum. Im Zuge des Renaturierungsprojekts wurden über 100 Wasserpflanzen gesetzt, die eine weiche Übergangszone schaffen und für Larven und Wasserschnecken

Wir spazieren mit Johann Schauer und Ella Augusteyns über ihren Hof und sie erzählen uns, wie es ihnen gelungen ist die Vielfalt am Biogut Dornetshub erfolgreich anzukurbeln.

ein Highlight sind. Mittlerweile haben auch Wasserfrösche und Molche das Gewässer entdeckt. Aber nicht nur die Tierwelt profitiert vom Teich, sondern auch der Mensch. Beim Thema Teich kommen Schauer und Augusteyns so richtig ins Schwärmen: „Seit wir unseren Teich haben, hat sich unsere Lebensqualität deutlich verbessert. Es ist unglaublich beruhigend, das Treiben am Wasser zu beobachten und um den Teich zu spazieren. Wir lernen viel über die Wasserfauna und entdecken jeden Tag etwas Neues. Und wenn sich Hof und Himmel auf der Wasseroberfläche spiegeln, berührt das unser Herz.“ „Heuer blüht es bei uns am Teich besonders schön!“ Ella Augusteyns

Für sein Engagement wurde Johann Schauer mit dem „Biofuchs“ und als „Mensch der Bäume“ ausgezeichnet.
© Barbara Rems-Hildebrandt © Barbara Rems-Hildebrandt
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Höchstpunkte bei Modeschau DIE GLASFÜGEL-NETZWANZE LESEN SIE MEHR AUF SEITE 8. Illustration: Geert Gratama Österreichische Post AG . MZ 22Z042893 M, suske consulting, Hollandstraße 20/11, 1020 Wien
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