Kundenmagazin BerlinDruck #12

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27 Eeditorial inhalt

itelstory alles manga oder was!

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nternet

Archiv

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Essay ackt

ews, Fragebogen, mpressum ab


Halt! Diesmal bitte andersherum bl채ttern. Dies ist das Ende des Magazins.


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N E W S u n d T I P P S

guter Freund starb) ist ein 34-jähriger Großstadtnomade, der nicht nur aufgrund seiner Begeisterung für westliche Popmusik an die Protagonisten von Nick Hornby er innert. Doch seine Erlebnisse sind surrealer: Er folgt seinem dunklen Verlangen nach einem mysteriösen Hotel in Sapporo und wird dort in allerlei schicksalhaft verwobene und morbid-erotische Abenteuer verwickelt. Trotz der fremdartig erscheinenden Kulisse merkt man Murakami an, dass er längere Zeit in den USA und Europa gelebt hat. Autoren wie Truman Capote, John Irving, Ray mond Chandler und Rymond Carver hat er nicht nur gelesen, sondern ins Japanische übersetzt.

d e m S c h a f s m a n n “ erschienen, der im Original freilich schon 1988 veröffentlicht wurde. Wieder brilliert

Haruki Murakami: Tanz mit dem Schafsmann erschienen bei Dumont 24,90 Euro

der Autor darin als mitreißender Ich-Erzähler. Sein nach schweren Verlusten mal wehmütig mal übermütig erscheinender Held (seine Frau verließ ihn ohne Erklärung, ein

Rezension

SURREAL IN SAPPORO Ei n en j a p a n is c he n A u t o r, d e r i n De u t s c h la n d St a rr uh m g en i eß t , g i bt es d en ? Di e An t wo rt h e i ßt : j a , un d s e i n N a m e i s t H a r uk i M u r a k a m i . Vor allem mit seinem Roman „Ge fährliche Geliebte“ hat der 1949 in Kyoto geborene und mit den höchsten japanischen Literaturpreisen ausgezeichnete Schriftsteller hierzulande für gehörigen Wirbel ge sorgt. Unvergessen, wie sich Marcel Reich-Ranicki und Sigrid Löffler im Literarischen Quartett in der Bewertung dieses Romans so stark in die Wolle kriegten, dass sie ihre TV-Zusammenarbeit beendeten. Brandneu ist jetzt Murakamis atmosphärisch dichter Roman „TT a n z m i t

DESIGNERLINKS D e s i g n e r s h o c k “ u n d „ V e c t o r l o u n g e“ „D sind vor allem für Web-Designer ein gefundenes Fressen. Als elektronische Spielwiesen nutzen die OnlineMagazine die graphischen Möglichkeiten, die das Internet heute bie tet, voll aus: Wer sich durch die spacigen Navigationsgimmicks klickt, findet z.B. anregende und durch skurrile Flash-Animationen präsentierte Interviews mit Top-Designern, abgefahrene Kurzfilme und jede Menge Anregungen für ei gene kreative Ideen. Einen 19Zoll-Monitor sollte man allerdings schon besitzen.

28832 Berlin Herausgeber: BerlinDruck, Oskar-Schulze-Straße 12, 28832 Achim, Tel.: 0421/43871-0 Fax: 0421/43871-33, isdn dos 0421/43871-56 isdn mac 0421/43871-55, e-mail kontakt@berlindruck.de, www.berlindruck.de Redaktion, Typografie und Design: moskito public relations, Bremen Lithografie: Reproteam, Bremen Danke für die freundliche Unterstützung: Axel Thomae, +malsy Auflage: 1.500 Exemplare, April 2002

www.designershock.com www.vectorlounge.com

Destruct aus Bern die „ITC Bauhaus“ zum Einsatz, die bereits Ende der 20er Jahre von Herbert Bayer entwickelt worden ist. Für den Fließ text verwendeten wir neben der drei Jahre alten „FF Typestar“ von Steffen Sauerteig die im Jahre 1970 entstandene „ITC Avantgarde“ – in den 70 er und 80 er Jahren äußerst populär. Außerdem benutzten wir Elemente aus den Fonts „Jay Con“, „Devil Inside“, „Last Ninja“ und „Pavement“.

THE MAKING OF Gedruckt wurde diesmal mit Europa skala plus Pantone 2905 (hellblau), Pantone 9581 (hellgrün) und den Leuchtfarben Pantone 802 (grün) und Pantone 804 (orange) auf unserer Heidelberger CD 102 und Speedmaster 102 VP. Der Umschlag wurde vollflächig mit glänzendem Disper sionslack bedruckt. Als Material kam für den Umschlag 300g/qm Incada Silk zum Einsatz. Der Inhalt wurde auf 100g/qm Munken Print extra mit 1,5fachen Volumen gedruckt. Bei den Headlines kam neben dem Freefont „BD Console“ von Büro


„Aktive Inhalte“ die Checkbox „Scripting“ zu deaktivieren. Beim Communicator 4.X von Net scape geht man wie folgt vor: „Edit“ – „Preferences” – „Bearbei ten: Voreinstellungen“ – „Advanced“ („Er weitert“), dann die Checkbox „En able Javascript” („Javascript ak ti vieren“) ausschalten. Allerdings muss bei dieser Ein stellung damit gerechnet werden, dass manche Links im Internet nicht mehr funktionieren.

! P PO Lösung: Um die richtige Auflösung zu errechnen, multipliziert man die Rasterweite mit fünf und erhält so die Auflösung in Pixel/Inch. Im oben geschilderten Fall also 54 x 5 = 270 Pixel/Inch. Hat man die Bilder im Layoutprogramm noch vergrößert, ist das zusätzlich zu berück sich tigen. Ein Beispiel: Zeitungsanzeige, 34er Raster, Bild in Quark Xpress mit 140 % geladen. Das ergibt 34 x 5 = 170 zuzüglich den Faktor für die Skalie rung, also 170 x 1,4 = 238. Das Bild sollte demnach in einer Auflösung von 238 Pixel/ Inch vorliegen.

Nervige Pop-Ups:

AUSTRICKSEN W e m d i e u n g e f r ag t a u f s p r i n g e n d e n F e ns t er i m I nt e rn et (P op- Up s) a uf d e n W e c ke r fa lle n , k a nn s ie m e is t g a n z e i n f a ch au st r i c k s e n , i n d e m e r e in i g e Vo re i ns t e ll un g e n ä n d e rt . Als Nutzer des Internet-Explorers von Microsoft muss man hierfür über den Menüpunkt „Optionen“ un ter „Bearbeiten“ die Rubrik „Web inhalt“ unter „Webbrowser“ wählen, um dann innerhalb des Bereichs

RASTER MAL FÜNF Problem: „Welche Auflösung brauchen denn nun meine Bilder für die Anzeige in der Fachzeitschrift?”, fragt sich der Grafiker. Der Pro duktioner antwortet ihm am Telefon lapidar: „Also die drucken im Vierundfuffziger”.

Rasterweite x 5 = Auflösung in dpi zum Beispiel: 34er Raster x 5 = Bild in 170 dpi

Neue Fontshop-Schriften

GUT LESBAR IN 9 PUNKT Bei Fontshop sind kürzlich neben neuen kyrillischen Varianten für die Schriften „OCR-F“, „Meta“ sowie griechischen Versionen für die „Instant Types“ zwei empfehlenswerte neue Schriften erschienen. Die vom Franzosen Xavie Dupre entwickelte „FF Reminga“ ist speziell für kleine Schriftgrößen ausgelegt und bereits in neun Punkt gut lesbar. Neben einer Textvariante ist auch eine Titling-Version erhältlich. Ebenfalls gut lesbar ist die kontrastarme und vertikal betonte Serifenschrift „FF Atma“. Sie wurde vom US-Amerikaner Alan Greene designt. Ausserdem neu: S pi e g e lS a ns ™ (Luc(as) de Groot) u nd Ho us eg oti c2 3 (House Industries)

www.fontshop.de

Arbeiten (on- oder offline) oder auch medial konventionellere Ver ständigungs- und Verkehrs formen neuer Art. Auch 2002 wird eine international renommierte Jury die eingereichten Beiträge begutachten und bewerten. Die Preisverleihung findet im Herbst 2002 im Umfeld der Orgatec (22. - 26.10.2002) in Köln statt und wird mit einer Design-Ausstellung rund um die eingereichten Exponate verbunden. Bewerben können sich alle Design-Studenten und -Studen tinnen, junge Designer/innen und Design-Teams aus dem In- und Aus land. Weitere Informationen sowie die ausführlichen Bewerbungs unterla gen gibt es unter:

www.designpreis.de

Zum zweiten Mal:

COMMERZBANKDESIGNPREIS A u s z e i c h n un g w i rd e r ne u t v e r g e b e n Die Bewerbungsphase läuft: Zum zweiten Mal vergibt die Commerz bank Köln den mit 15.000 Euro dotierten Design-Nachwuchspreis zum Thema „Kommunikation“. Damit gehört der Wettbewerb zu den höchst dotierten für junge Designe ri nnen und Designer. Bewerbungs schluss ist Freitag, der 28. Juni. Ausgezeichnet werden Konzepte, Entwürfe und Produkte, die die Kom munikation ermöglichen, verbessern oder beflügeln: Immer aus der Per spektive der Kommunikation können das alle Produkte sein, die Ver bindungen schaffen oder Zei chen setzen, sowie innovative di gitale

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N E W S Die kompakte Farbfibel, 2. erweiterte Auflage Concept Verlag, Berlin ca. 25 Euro

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zember 2001 lief in Achim ein aufwendiger Kalender mit Ansichten der Fabrik über die Maschine. Und zur Präsentation des neuen Wagens beim Genfer Automobilsalon im März dieses Jahres kam auch die Imagebroschüre aus dem Hause Berlin. Für beide Produktionen be auftragte VW die Agentur Gingco in Braunschweig. Damit nicht genug: Auch die informative Website zur neuen Fabrik offenbart mit virtuellem Rundgang, animierten Panoramafenstern und einer sehenswerten 360°-Produk tions tour eine "Internet-Welt pre miere", so der "Spiegel". Wer mehr wissen möchte, wird fündig unter:

www.glaesernemanufaktur.de

Achimer Frank Skowski. Er rückt mit einem Fahrzeug an (VW TD4), das mit einer Foto- und Video aus rüstung bestückt ist, die sich mittels eines um 360 Grad drehbaren Teleskop mastes ohne Abstüt zung pneumatisch bis auf 17 Meter Höhe ausfahren lässt. Jedes Bild, das die Kamera auf diese Weise aus variabler Höhe erfasst sowie deren Bewegung und Auslösung wird aus dem Fahrzeug heraus gesteuert und per Farb-Kontroll-Monitor überwacht. Die Einsatzmöglichkeiten für dieses „Hochbilder“-System sind weit ge spannt, Anregungen unter:

Vier farbdruck dargestellt. Dabei wurden für die Farbtabellen der CMY(K)*-Palette die drei Papier sorten glänzend, mattgestrichen und Naturoffset gewählt, und die HKS-K Farben erscheinen in Vier farb druck-Simulation auf glänzend und mattgestrichenen Offset papier sor ten. Zum Lieferumfang gehört eine CD-ROM für Mac und PC für die Monitoreinstellung.

www.farbfibel.de

*für die Simulation der Schwarzanteile ist ein Rasterfilm beigelegt.

Farbfibel:

KOMPAKT UND INFORMATIV „ D i e k o mp a kt e F a r b f i b el “ is t z w a r n icht so u m fa n gre i ch w ie h e r k ö mm l i c h e F a r b f i b el n , d o c h in j ed e m F a l l ei n n ü t z l ic h e s u n d s e hr i n f o r m at i v e s G r af i k e r h an d b u c h f ü r d i e t ä g l i c h e A r b e i t s p r a x i s . Neben Grund sätz lichem zur Handhabung von Bilddateien (Farbaufbau, Auf lösung etc.) und hilfreichen Tipps zu „schwie rigen“ Farben (Gesichts töne, Sonderfarben ...) werden hier CMYK-Farben sowie HKS-K-Töne im

hatte die Freude, gleich an mehreren Projekten beteiligt zu sein: Schon

WELTPREMIEREN MIT VW‘S NEUEM PHAETON

im Vorfeld der feierlichen Eröffnung der Gläsernen Manufaktur im De -

Er hatte schon im Vorfeld für einigen Wirbel gesorgt und wurde überall mit Spannung erwartet: Mit der neuen Luxuslimousine "Phaeton" ist die Marke Volkswagen in eine neue Dimension vorgestoßen. Und auch sonst setzt der Phaeton in vieler Hinsicht Maßstäbe. Eigens für ihn benannt übrigens nach dem Sohn des griechischen Sonnengottes Helios - errichteten die Wolfsburger im "Elb-Florenz" Dresden mit der "Gläsernen Manufaktur" das modernste Automobilwerk der Welt. Entsprechend hochklassig war denn auch die kommunikative Begleitung sowohl für das Produkt als auch für die Produktion. Und BerlinDruck

die teuer bezahlten Luftbilder zeigen zu 90 Prozent nur Dachfläche und verschlucken die Firmenbe schrif tung. Dass es auch anders geht, zeigt der

Hochbilder

DIE FAHRENDE VOGELPERSPEKTIVE Un t er ne h m er , d i e ih r F ir m en g e bä ud e i n P ro s p e kt e n, Br o s c h ür en , Int er net s eit en , Anz eig e n und K a t a l o g e n d a r s t e l l e n w o l l e n oder die Fotos und Videos für Präsen ta tionszwecke und Messen nutzen möchten, stehen vor einem Problem. Entweder die entsprechenden Auf nahmen werden aus der üblichen Perspektive (Au genhöhe) gemacht und zeigen deshalb nur eine frontale Teilansicht, die weder Umgebungslandschaft noch Gebäude grö sse erkennen lässt, oder


Das 164 Seiten starke Buch ist im Buchhandel erhältlich. Es enthält neben ausdrucksstarken Fotos Aus züge aus zahlreichen In ter views, die Deutschlands be kann tester Liedermacher in den Jahren zwischen 1978 und 2001 ge geben hat. Mit immer eindeutiger Sprache nimmt Wecker Stellung zu den großen Menschheitsthemen, äußert sich über Liebe, Kunst, Tod, Religion und Politik, kritisiert auf seine unverwechselbar listig-charmante Weise Medien, Zeitgeschehen, Mode torheiten.

DESIGN-PREIS FÜR NEUES WECKER-BUCH D i e Br e me r A g en t u r mo s k it o ha t e ine n int e rna t i ona l b ed e ut en d en D e s i g n - Pr e i s g e w o nn e n . Das Industrie Forum Hannover zeichnete sie für die Gestaltung des von Günter Bauch herausgegebenen Buches „Politisch nicht correct – Konstantin Wecker im Gespräch“ in der Disziplin Commu nication Design mit einem iF design award 2002 aus. Die offizielle Preisverleihung fand am 13. März auf der CeBIT in Han nover statt.

Günther Bauch (Hrsg.): Konstantin Wecker: Politisch nicht correct, Doell Verlag, Bremen ca. 29,65 Euro

FRAGEBOGEN: SONJA CORDES Leiterin der Druckvorstufe

Was ist für Sie das größte Unglück? Wo möchten Sie leben? Was ist für Sie das vollkommene Glück? Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten? Ihre Lieblingsgestalt in der Kulturgeschichte? Ihre liebste Werbefigur? Ihre Lieblingsheldinnen in der Wirklichkeit? Ihr Lieblingskomponist? Was aus der Welt der Technik hat Sie besonders beeindruckt? Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten? Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten? Was kauften Sie von Ihrem ersten selbstverdienten Geld? Ihre Lieblingstugend? Ihre Lieblingsbeschäftigung? Wer oder was hätten Sie sein mögen? Welches technische Produkt halten Sie für überflüssig? Und welches für unentbehrlich? Ihr Hauptcharakterzug? Ihr Lieblingsschriftsteller? Ihr Lieblingsname? Ihre Lieblingsfarbe? Ihre Lieblingsschrift? Ihr Lieblingspapier? Was verabscheuen Sie am meisten? Welche kreativen Leistungen bewundern Sie am meisten? Wenn Sie einen Wunsch an die Technik frei hätten. Welcher wäre es? Welches kulturelle Ereignis hat Sie besonders beeindruckt? Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen? Ihr Motto?

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Krieg In Deutschland Zufriedenheit Anfängerfehler Picasso und Shakespeare Das Michelin-Männchen Götz Alsmann Das Flugzeug Klugheit Klugheit Ein Fahrrad Ehrlichkeit Ausflüge machen Waffen aller Art Die Heizung Ingrid Noll Paul Orange Meta Curtis Esparto Chaos Die musikalischen Leistungen Beam me up, Scotty! Musikveranstaltungen Singen können Carpe diem!

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21 KANN SEX NOCH PROVOZIEREN?

Sex! Dieses ewig junge Thema ist mal wieder ganz schwer angesagt. Plakate und Werbespots wie etwa für das Duschgel „Axe“ oder für Klamotten von Sisley, die auf ästhetisch ansprechende Weise die sexuelle Phan tasie der Betrachter anregen, weisen Erotik und Pornodesign als Trendthema der Werbebranche aus. Kunsthäuser zeigen in ihren ehrwürdigen Hallen – sehenswerte – Ausstellungen mit Titeln wie „Nackt – die Ästhetik der Blöße“ (noch bis zum 28. April im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg), „Prüderie und Leiden schaft“ (noch bis zum 2. Juni im Haus der Kunst in München) oder „Sex. Vom Wissen und Wünschen“ (noch bis zum 11. August im HygieneMuseum in Dresden) . Zeitungen und Zeitschriften setzen auf die auflagenstärkende Macht des „Luders“. Bücher wie „Das sexuelle Leben der Catherine M.“, Filme wie „Intimacy“ und Comics wie „Morbus Gravis“ (und nicht zuletzt die Manga) feiern die Lust am Ge schlechtsverkehr. Und das Internet ist sowieso ein Sexnet. Wirklich neu ist dieser Trend natürlich nicht. Nacktheit und Erotik sind seit vielen tausend Jahren Gegenstand ästhetischer Darstellung, von der griechischen Va sen malerei über die Skulpturen und Freskenmalerei der Renaissance bis hin zur Werbung für Parfum von Calvin Klein. Doch vor allem in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, die zudem von einer gewissen Orientierungs- und Rich tungslosigkeit gekennzeichnet sind, sucht die Ge sell schaft etwas, das ihr Halt geben kann. Die Rück be sinnung auf bewährte und verlässliche Aus drucks formen haben Konjunktur. Neben dem in allen Krea tiv bereichen grassierenden Trend zum Covern er innert man sich daran, dass auf eines immer Verlass ist: Sex sells. Mit Tabubruch hat der Sextrend auch nur noch wenig zu tun. Wenn ein amerikanischer Installa tions künstler namens Spencer Tunick 300 Nackte fotografiert, die wie tot auf der Straße herumliegen, löst das heute eher ein Gähnen aus als zu provozieren. Man muss Nils Jockel zustimmen, der die „Allgegenwart von inszenierter Nacktheit“ als „heute weitgehend akzeptiert“ bezeichnet und feststellt: „Soviel Nacktheit war nie.“ Um unter diesen Umständen als Künstler oder Werbe treibender mit dem Thema Erotik noch originell zu sein, muss man sich schon etwas einfallen lassen. „Heutzutage gibt es eine solche Bilderflut, dass man provozieren und herausfordern muss“, erklärt Mode fotograf Terry Richard son, dessen Bilder Ausdruck und Maßstab des neuen Porno-Chic sind, dem unter anderem luxuriöse Mo de marken wie Gucci, Versace, Dior und Prada huldigen. Das ist Richardson gelungen: Seine Fotos für die jüngste Werbekampagne der Benetton-Tochter Sisley (www.sisley.com) wurden kürzlich vom Deutschen Werberat gerügt. Früher wurde in solchen Fällen drastischer verfahren: Als 1615 in London die ersten Japanimporte sogenannter Frühlingsbilder („shunga“) auftauchten, die zur Anregung für junge Paare verschiedene Sexpraktiken mit allen anatomischen Details zeigten, fackelte man nicht lange. Die „shunga“ wurden umgehend verbrannt ...

K an n S e x

no ch pro vo zieren ?

„ DI E RE A KT I O N KA NN P O S I TI V O D E R NE G AT I V SE IN , J E DE NFA L LS R E A GIE R EN DIE L E UT E. “ (N IKKO A M AN D ON ICO , ART -D I REKT OR B EI S IS LEY )


Werfen Sie einen Blick auf die

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asiatische Töpferei!

N T E R V I E W

© bevorzugen, als für Europa, wo die Gesell schaft, Kultur und Politik gegenüber asiatischen Einflüssen nicht so offen sind. Zweifellos aber wird die Fußballwelt meister schaft in Korea und Japan die freie Kommuni kation und Kultur der Länder untereinander stärken und auch zu einigen Veränderungen in der Mode, im Film, im Essen usw. führen. Welchen Einfluss haben Manga und Anime auf das zeitgenössische südostasiatische Design? >Ich weiß nicht viel über Manga und Anime, da fragen Sie besser Japaner. Welche aktuellen Designtrends in Südostasien halten Sie für besonders bemerkenswert und stark genug, um auch das westliche Design zu beeinflussen? >Generell wird Asien mehr durch die westliche Kultur beeinflusst als Europa durch die östliche. Die Vermischung der westlichen mit der asiatischen Kultur würde zwar sicher auch in Europa spannende Ergebnisse hervorbringen, aber für den Westen scheint es ratsamer, vorwiegend in seiner eigenen Kultur Fortschritte zu machen. Aber wenn Sie einen Hinweis möchten, was Asiaten als schön empfinden, empfehle ich Ihnen, einen Blick auf asiatische Töpferei zu werfen.

W ie s t e h t e s w ir k l i ch u m d e n i nt e r k o nt i ne n t a l e n A u st a u s c h vo n Ku l t u r u n d De si g n ? Da r ü b e r sp r a c he n w i r m i t d e m s ü d k o r e ani sc h e n De si g ne r H a r r i s K o o . Herr Koo, das Internet und die Globalisierung begünstigen auch den interkontinentalen Kulturaustausch. Woran wird dies aus Ihrer Sicht im Bereich Design besonders deutlich? >Nehmen Sie zum Beispiel den Bereich Mode. Designer und Geschäftsleute erhalten ihre Informationen aus der Modewelt nicht mehr nur durch geschäftliche Auslandsreisen, sondern verstärkt auch durch das Surfen im Internet. Auch durch Satelliten- und Kabel fernsehen erhält man einen leichteren und schnelleren Zugang zu derartigen Informa tionen. So wird eine neue westliche Mode richtung schon nach drei Monaten in ganz Südkorea vorgefunden. Früher hätte das ein Jahr gedauert. Inwieweit könnte die Fußballwelt meister schaft in Japan und Südkorea solche Prozesse beeinflussen? >Der kulturelle Austausch durch Olympische Spiele, Fußballweltmeisterschaften, Expo usw. hat eher Bedeutung für Korea, Japan und Taiwan, wo große Teile der Bevölkerung ohnehin die westliche Kultur, Designs und Marken


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+malsy kommunikation und gestaltung Schwachhauser Ring 78 28209 Bremen www.malsy.com post@malsy.com das Team Victor Malsy Martin Zech Marut L端hrs Jussi Steudle Tel. 0421 - 3 4786 06 Fax 0421 - 3 4786 07 Referenzen S. Fischer Verlag, Frankfurt Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt Verlag C. H. Beck, M端nchen Verlag Walter de Gruyter, Berlin Gabal Verlag, Frankfurt Carl Hanser Verlag, M端nchen und Leipzig Schroedel Schulbuchverlag, Hannover

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xel Thomae ax-Herz-Ring 114 -22159 Hamburg el. 040.69 64 06 67

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Axel Thomae Max-Herz-Ring 114 D-22159 Hamburg

F o t o D e s i g n

in Bielefeld geboren Abitur Ausbildung Werkzeugmacher Zivildienst Studium FH Bielefeld Visuelle Kommunikation Foto-/Film-Design 2000 Diplom bei Prof. K.-M- Holzhäuser

seit 2001 als freier Foto-Designer in Hamburg tätig.

REFERENZEN Aprilia . Deutsche Post . Nokia . Siemens


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U N S E R A R C H I V Z U R E R G Ä N Z U N G I H R E R A R T- B U Y I N G - K A R T E I . ALS DRUCKEREI UND MEDIENDIENSTLEISTER INTERESSIEREN WIR

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DA Z U G E H Ö R E N AU C H F O T O G R A F E N , I L L U S T R A T O R E N , T Y P O G R A F E N

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UND ANDERE, DIE WIR IHNEN HIER AN DIESER STELLE MIT EINIGEN ARBEITEN VORSTELLEN.

# 1/1998 Jörg Bierfischer 1 T [0421] 49 87615 mobil [0171] 4946855 F [0421] 4987455 Helga Clauss 2 T [0421] 72956 F [0421] 703509 atelier.helga.claus@t-online.de

# 4/1999 Kai Peter s 7 T [040] 39902911 mobil [0171] 5355810 F [040] 39902908 kaipeters@t-online.de Eckard Twistel 8 T [0421] 7941181 mobil [0177] 2518587 F [0421] 7941182 etwistel@gmx.net

# 7/2000 Tr istan Vankann 13 T [0421] 4367215 mobil [0177] 7490918 F [0421] 3499714 fotoetage@ngi.de Ole Kaleschke 14 T [0421]7948996 F [0180]505253207992 ole@kaleschke.de

# 11/2001 Claudia Schiffner 19 T [0421] 77382 mobil [0172] 4038773 F [0421] 77382 atelier@claudia-schiffner.de www.claudia-schiffner.de Oblaten 20 Poesiealbum/Flohmarkt

# 2/1998 Uli Mattes 3 T [040] 6564904 mobil [0172] 4130711 F [040] 6567364 mail@uli-mattes.de Boris Schimanski 4 T [0421] 483911 mobil [0172] 4237452 F [0421] 483924 boris-schimanski@real-net.de

# 5/1999 Burkhard Schittny T [040] 43274252 F [040] 43274253 bs@schittny.de / www.schittny.de Eva König 10 T [0421] 7941132 F [0421] 7949147

# 8/2000 Michael Jungblut 15 T [0421] 4367212 mobil [0179] 4970510 F [0421]4367210 fotoetage@ngi.de Lars F. Herzog 16 T [040] 38616347 mobil [0179] 5973125 F [ 040] 38616348 mail@lfherzog.de www.lfherzog.de

# 12/2001 Axel Thomae 21 T [040] 69640667 mobil [0177] 7432463 F [040] 69645683 www.axelthomae.de mail@axelthomae.de +malsy 22 T [0421] 3478606 F [0421] 3478607 www.malsy.com post@malsy.com

# 3/1999 Car sten Heidmannn 5 T [0421] 4172077 mobil [0172] 4162077 F [0421] 4172099 mail@heidmannfotografie.de Ikonen 6 freeware/internet

# 6/2000 Chr istian Muhrbeck T [030] 2916788 mobil [0174] 9492448 F [030] 2916788 c.eye@gmx.de Petra Beisse 12 T [0611] 3334945 F [0611] 3334946 p.beisse@t-online.de

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# 9/2001 Chr istian Nielinger 17 T [0201] 701879 mobil [0172] 3011188 F [0201] 7490905 Christian.Nielinger@nielinger.de www.nielinger.de Nova Art Explosion 18 (Art Explosion 40.000) www.novadevcorp.com


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>Auch ein Modul namens „28832 Berlin“, das sich als multimediale Umsetzung des vielfach preisgekrönten Printmediums gleichen Titels versteht, gibt es. Hier sind neben allen redaktionellen Beiträgen aus den bisher erschienenen Ausgaben weitere aktuelle News, Informationen und Tipps zu finden. Speziell für unsere Kunden und potenzielle Neukunden haben wir das Modul „Forum“ eingerichtet, das nur nach Eingabe eines speziellen Log-In-Namens zugänglich ist. Unter anderem können hier Produktioner ihren aktuellen Auftragsstatus einsehen, Infos über Lagerbestände abrufen, online bestellen und nachproduzieren lassen, Druck- und Bemusterungsanfragen abschicken und Kontakt mit ihrem persönlichen Berater aufnehmen. Außerdem kann hier ein speziell auf den jeweiligen Informationsbedarf abgestimmter Newsletter abonniert werden. Und als besonderes Bonbon wird es hier gelegentlich LiveChats mit prominenten Persönlichkeiten aus der Druckbranche geben. Für jeden Interessierten frei zugänglich ist das Modul „Service“, wo wir unter anderem Farbübersetzer, Formattabellen und nützliche Links bereithalten. Vielleicht noch höhere Klickraten erwarten wir für das Modul „Fun“, das spaßige Links, ausgewählte Jokes, lustige Games und Kartenversendefunktion enthält. Mehr wollen wir Ihnen an dieser Stelle nicht verraten. Wie heißt es doch so schön: Versuch macht kluch.

Alles neu macht der ... Mai. Auf den Sommer wollen wir mit unserem neuen Internetauftritt jedenfalls nicht mehr warten. Denn warum sollten wir Ihnen das Mehr an Service und Nutzen, das Sie in Kürze unter www.berlindruck.de erwartet, auch nur einen Tag länger als nötig vorenthalten? Kerngedanke unserer neuen Konzeption ist, dass es sich für jeden lohnt, der uns einen virtuellen Besuch abstatten möchte, ob er sich für Druck, Medien und Design interessiert, oder ob er einfach nur ein wenig Spaß haben möchte. Dass unsere neue Website so lebendig und variabel geworden ist, liegt daran, dass wir uns bei der Gestaltung am Erscheinungsbild unseres Magazins 28832 Berlin orientiert haben. Die Übersichtlichkeit ist dabei keineswegs verloren gegangen: Insgesamt neun Module können angeklickt werden und führen jeweils in ganz spezielle Bereiche mit spezifischen Informationen.

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Ganz selbstverständlich gibt es bei Fanmeetings wie der von über 1.000 Gästen besuchten „Manga-Anime-Lifestyle Convention“ im Dezember in Karlsruhe Sushi * und Okono miyaki * zu essen. Auch finden landauf landab spezielle auf Manga-Leser zugeschnittene Japanisch-Sprachkurse statt. Da lernt man dann die japanischen Anrede formen, die als Suffixe an den Namen angehängt werden, beispielsweise das unterwürfige Anhängsel -sama , das in etwa mit der antiquierten Floskel gnädiger Herr vergleich bar sein soll. Natürlich können Manga bei oberflächlicher oder böswilliger Betrachtung auch als ein weiteres Beispiel für geschicktes fernöst liches Nachahmen und Covern bezeichnet werden, als japanische Disney-Variante, deren Charaktere obendrein alles andere als asiatisch geformte Augen haben. Aber vielleicht funktioniert ja der Kulturaustausch via Manga eines Tages auch in die andere Richtung. Die in Japan von großen Fanscharen geradezu kultisch verehrte Manga-Zeichnerin Moto Hagio hat bereits mehrere Manga veröffentlicht, die in Deutschland spielen. Und auch in Deutschland selbst wächst eine junge Schar von Künstlern heran, die sich am Manga-Stil orientieren und ihre Arbeiten z. B. bei Verlagen wie Carlsen oder EMA veröffentlichen. Alle zwei Monate erscheint hierzulande ein Magazin („ How to draw Man ga “), das seinen Lesern auf 64 Seiten beibringt, wie Manga gezeichnet werden. Auch entsprechende Zeichenwett bewerbe erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Na dann: Banzai!

>stellt bleiben. Auffällig bei Porno-Manga im Allgemeinen ist jedenfalls der beinahe selbstverständliche Umgang mit Vergewalti gungen und anderen Formen verbrecherischer Gewalt bis hin zur Folter. Und auch die so genannten „ Rorikon “-Manga, deren Zeichnun gen minderjährig anmutende Lolitas mit Un schuldsblick beim Ausprobieren aller erdenklichen Sexpraktiken zeigen, wirken eher befremdlich. Doch Manga generell als pornografischen Schund oder Kinderkram abzutun, ist irre führend. Schon jetzt tragen Manga mehr zum Kulturaustausch mit Nippon bei als jedes andere Medium. Der Direktor des japanischen Kulturinstituts in Köln wunderte sich anläss lich der Eröffnung der Wanderausstellung „Manga – die Welt der japanischen Comics“ in Frankfurt am Main: „Die Ausstellung hat Be sucher in unser Kulturinstitut geführt, die sonst nicht kommen. Wir haben ein starkes Interesse an der japanischen Kultur festgestellt, die wir bisher noch gar nicht bemerkt hatten.“ Tatsächlich fangen derzeit viele junge Deutsche durch Manga an, sich für die japanische Kultur, Sprache und Geschichte zu interessieren. Das Manga-Magazin „Manga sZene“ belehrt uns darüber, dass man sich als japa nischer Junge an einem 14. Februar nicht ohne Schokolade, vorzugsweise in Herzform, zu Hause blicken lassen kann, da es üblich sei, dass Mädchen am Valentinstag ihrem Liebsten zu meist selbstgemachte „ honmei choco “ („Wah re Gefühle Schokolade“) schenken. Ein Ereignis, das angeblich in jeder Manga oder Anime-Serie früher oder später thematisiert wird.

*jap. Pfannkuchen-Pizza mit Kohl

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www.banzai-online.de www.carlsen-comics.de www.sakigakemanga.com www.dinocomics.de www.cels.de www.arcticnightfall.de www.japanlink.de/mk/mk_manga_manga.shtml


W E G W E R F P R O D U K T E

Urheber Als der heutigen Manga g ilt O s a m a T e z u k a , der in den 50 er Jahren dami t begann, die Dynamik und den Rhyth mus eines Zei chen trick films in die Welt der Comics zu übe r tragen. Sein Klassi ker ist der auch in Deutschland erhält liche „ Astro Boy “. Der Roboter in Jun gen ge stalt g ilt heute als die er folgreichste japanische Hel den figur überhaupt.

Astro Boy

Was sind Manga? Der Begriff Manga (sprich man-ga) bezeichnet japanische Comics und bedeutet wörtlich „spielerische Bilder“ (von man = spontan, ziellos und ga = Bild, Zeichnung). Sie sind in der Regel schwarz-weiß mit nur wenigen Farbseiten und für europäische Verhältnisse vergleichsweise umfangreich. Auffällig bei vielen Manga sind die abnorm vergrößerten Augen, die entsprechend dem Kindchenschema für eine gewisse Knuddeligkeit sorgen. Man erkennt Manga aber auch an der speziellen Weise, wie z.B. Körpersprache, Actionszenen, Umgebung und Fahrzeugdesign dargestellt werden. Bei einem Manga werden die Texte in den Sprechblasen von oben nach unten gelesen und die einzelnen Bilder (Panels) von rechts nach links betrachtet. Die Zeichnungen können recht einfach und die Figuren stark stilisiert sein, aber es gibt auch Manga mit feinsten Tuschezeichnungen, die akribisch und mit graphischer Perfektion bis ins letzte Detail in Szene gesetzt werden.

>türlich auch mit ihrem meist geringen Preis zusammen. Weil man sich eines monochromen Drucks auf holzhaltigem Papier bedient, sind sie so billig, dass sie als Weg werfprodukt gelten. Vor allem in Straßen- und U-Bahnen, wo sie häufig gelesen werden, findet man massenhaft weggeworfene Hefte. In Deutschland dagegen werden Comics aufwändiger produziert und sind dementsprechend teuer. Aber auch in anderen Punkten unterscheiden sich Manga deutlich von europäischen oder amerikanischen Comics. Deutlich sparsamer getextet und stärker auf die Macht der Bilder setzend, haben Manga ihren eigenen schnellen Rhythmus. Sie befinden sich damit eher in der Nähe zum Film, während die meis ten westlichen Comics eher mit dem Buch verwandt sind. Dass viele Manga-Mädchen nicht nur besonders große Augen haben, sondern auch mit gewissen anderen Attributen üppig ausgestattet sind, hat sicher auch nicht unerheblich zum Erfolg dieses Genres beigetragen. Tatsächlich machen nicht zuletzt sogenannte Ero-Manga oder auch Porno-Manga für Erwachsene einen beträchtlichen Teil des japanischen Marktes aus. Viele Manga, die in Japan in aller Öffentlichkeit gelesen werden, kennen in ihrer sexuellen Darstellungsform kaum Grenzen und zeigen beispielsweise alle Spielarten von Sado-Masochismus. Ob dies als Zeichen unbeschwerter Freizügigkeit bewertet werden kann oder als eine Form, wie der übermächtige Alltagsstress bewältigt wird, mag dahinge-


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f 端 r j e d e

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M a n g a

>Seit den 90er Jahren beeinflussen Manga in Japan merklich die zeitgenössische Kunst und werden inzwischen auch vom japanischen Kul tusministerium offiziell als Kunst form anerkannt. In Kyoto kann man sie sogar an der Hoch schule studieren. Zugleich sind sie ein Massenmedium: In ihrem Ursprungsland machen Manga inzwischen fast die Hälfte aller Druckerzeugnisse aus und wirken massiv auf andere Medien ein: Begleitet vom üblichen Merchandising-Rummel befruchten sich vor allem Manga, Anime, und Computerspiele ge genseitig. Von „Dragonball“ gibt es nicht weniger als 17 Kinofilme, und mittlerweile werden die Abenteuer des kleinen Jungen, der sich auf die Suche nach sagenumwobenen Zauberkugeln macht, auch in Deutschland wö chentlich von Millionen Kindern verfolgt, die sich für Zeichentrickfilme interessieren, aber für Anime wie „ Heidi “ schon zu alt sind. Für jede Generation gibt es artifizielle Manga, vom Kleinkind bis zum Erwachsenen. Es gibt spezielle Manga für Mädchen (die „ Shojyo “-Manga), für Jungs (die „ Shonen “Manga) und in allen Varianten für Erwach sene. Zumeist erscheinen sie als wöchentliche Fortsetzungsgeschichten im Zeitschrif ten format, aber es gibt auch Monatsausgaben, die oft einen ähnlichen Umfang aufweisen wie ein Berliner Telefonbuch. Mehrere Autoren erzählen darin Geschichten ganz unterschiedlicher Art, wobei die Helden auffallend häufig Kinder sind. Erfolgreiche Serien erscheinen anschließend auch als Taschenbuch. Der Siegeszug der Manga in Japan hängt na -


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Bildsprache Teil einer nicht zu übersehenden Kulturoffensive geworden ist: die Kunst, spannende und lehrreiche Stoffe auf ganz spezielle Weise durch unverwechselbare Zeichentechniken und Stilelemente in Filme oder Comics umzusetzen, Anime und Manga. Von der Öffentlichkeit bisher noch weitgehend unbemerkt, erobern inzwischen auch die von hinten nach vorn und von rechts nach links gelesenen Manga mit rasanten Zuwachs raten den deutschen Markt. Während den klassischen Comic-Helden wie Superman, Batman oder auch Donald Duck allmählich die Luft ausgeht, stürzen sich immer mehr Teenager auf die Aben teuer von Helden wie „ Dragon Ball “, „ Aki ra “ oder „ Sailor Moon “. Allein im März wurden in Deutschland 30 verschiedene Manga veröffentlicht. Als der Online-Händler Amazon Mitte Febru ar seine in Deutschland am besten verkauf ten Comics auflistete, waren dies fast ausschließ lich Manga. Unter den Top 40 taucht allein die bei Carlsen Comics verlegte Ta schenbuch-Kult serie „ Dragonball “ von Akira Toriyama 26 Mal auf. Toriyama, 1955 geboren, ist neben dem großen Comic-Pionier Osamu Tezuka einer der populärsten und erfolgreichsten japanischen Zeichner und wird in Japan ähnlich verehrt, wie Roy Lichtenstein in den USA.

>Manga (siehe Kasten auf S.8) erleben derzeit einen Boom, der sich zu einer wahren Lawine entwickeln könnte. Der erfolgreichste nicht in Amerika entstan dene Spielfilm aller Zeiten ist ein Zeichen trickfilm und heißt im Original „ Sen to Chihiro no Kamikakushi “ („Wie von Geister hand verschwunden“). Während der Strei fen des 61-jährigen Zeichners Hayao Miyazaki, der von vielen Japanern als lebende Legende verehrt wird, in Deutschland noch nicht an gelaufen ist, hat er in Japan bereits über 20 Mio. Zuschauer in die Kinos gelockt. Und noch bevor er in den USA an den Start ging, immerhin der größte Kinomarkt der Welt, hatte er mit 227 Mio. Dollar bereits 10 Mio. Dollar mehr eingespielt als „Titanic“ und doppelt so viel wie „Harry Potter“. Im Februar bei der Berlinale mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet, hat der Film über den Kampf des kleinen Zeichentrick mäd chens Chihiro gegen den Materialismus nur wenig mit den typischen Disney-Lieblingen oder auch den pfiffigen Helden aus dem PixarComputer gemein. Vielmehr treibt er mit seinen bizarren Gestalten, surreal illuminierten Farbsettings und detaillierter ja panischer Gegenwartsbeschreibung eine Kunst form auf die Spitze, die mit ihrer eigenständigen

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Eeditorial Editorial Iinhalt Inhalt 3

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Titelstory: alles Titelstory: manga oder was! manga oder

alles was! 4

Die Ă„sthetik der japanischen Kulleraugen-Comics erobert die westliche Welt

Berlins Internet Berlins

Internet 10

Mehr Nutzen und mehr Service

Archiv Archiv

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Axel Thomae und +malsy

Interview: Interview: Design in Korea Design in Korea

20

Werfen Sie einen Blick auf die asiatische TĂśpferei!

Essay: Essay: Nackt Nackt

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Kann Sex noch provozieren?

News, Fragebogen, News, Fragebogen, Impressum ab Impressum ab 22


alles manga oder was? Titelstory S.4 Keine eigenständige Kunstform des Fernen Ostens nimmt in jüngster Zeit einen so sichtbaren Einfluss auf die Alltagskultur unserer westlichen Zivilisation wie Manga und Anime.

Berlins neues Internet S.10

28832 Das Archiv S.11

Ab April startet w ww . Be r l in Dr u c k . d e im neuen Gewand und mit dem Mehr an Service und Nutzen.

Hier servieren wir Ihnen (wie immer) ein paar ganz ausgesucht lekkere Sachen ...

Editorial Trotz Internet und Globalisierung ist uns die Kultur des Fernen Ostens bis heute weitgehend fremd geblieben. Es ist jedoch nicht zu übersehen, dass es einen wachsenden Einfluss insbesondere japanischer Kulturelemente auf unsere Alltagswelt gibt: japanisches Essen ist en vogue, japanische Schriftsteller werden entdeckt (S.25) und nicht zuletzt erobert sich japanisches Design immer größere Freiräume. Am deutlichsten wird dieser Trend am Beispiel der Manga-Comics und Anime-Zeichentrickfilme, die in Nippon längst zu den Eckpfeilern kultureller Identität gehören und sich jetzt auch in Deutschland rasant ausbreiten (S.4). Mit der auf uns zurollenden Bilderflut im Zuge der bevorstehenden Fuß ballweltmeisterschaft werden uns die Kultur und Lebensart des 120-Millionen-Volkes zweifellos noch näher gerückt. Anlass genug, in dieser „28832 Berlin“-Nummer einmal verstärkt japanische Stilelemente aufzugreifen. Wundern Sie sich also nicht darüber, dass Sie dieses Heft von hinten nach vorn lesen müssen, bei den Manga ist das auch so. Indem wir fremdes Design verwenden, folgen wir im übrigen einem Trend, der über viele Jahrzehnte auch in Fernost intensiv gepflegt wurde und heute nahezu überall grassiert: dem Trend, etwas nachzuahmen. Das Covern hat Konjunktur und begegnet uns in der Musik und der Kunst heute ebenso häufig wie in der Welt der Werbung und des Produktdesigns. Die diesjährige Vergabe des „Plagiarius“ für die dreisteste Design-Nachahmung hat gezeigt, dass die Plagiatoren inzwischen längst nicht mehr überwiegend aus dem Fernen Osten stammen. Auf dem zweiten Platz (nach einem Chinesen) landete diesmal Calvin Klein für das respektlose Plagiieren einer Titan-Brille. Natürlich ist Covern nicht grundsätzlich schlecht und sollte auch nicht einfach mit „einfallslos“ gleichgesetzt werden. Covern kann auch bedeuten, auf etwas Bewährtes zurückzugreifen, weiter zu entwickeln und etwas Eigenständiges daraus zu machen. So setzen Werbung, Kunst und Mode heute durchaus kreativ auf die bewährte Magie der Erotik (S.21). Wir aber gehen noch einen Schritt weiter und verwenden in diesem Magazin Schrifttypen, die sich so sehr bewährt haben, dass sie inzwischen als „verbraucht“ gelten: „Bauhaus“ und „Avantgarde“. Wie lange es wohl dauern wird, bis man sie wieder überall sieht? Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen Ihr Reinhard Berlin


n Manga-mania

Berlin

28832 MAGAZIN FÜR DRUCK | MEDIEN