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LIFE CAREERISM Die Lebenskarriere der Generation Y ARBEITSPLATZ DER ZUKUNFT Networking, Kreativität und Flexibilität im Coworking Space

DER MODERNE MANN Beruf, Hobbys, Familie – ein Plädoyer für individuelle Lebensmodelle und mutige Entscheide


www.lifecareerism.ch

Eine klare Trennung von Leben und Beruf gibt es nicht mehr. Die Arbeit ist ein Puzzleteil eines vielseitigen Lebensmodells geworden, worin Gesundheit, Familie, Freundschaften und Interessen ebenso Platz finden. All diese Aspekte gilt es in Balance zu bringen. Dafür braucht es flexible Arbeitgeber, innovative Lösungen und mutige Entscheide. Florian Helfrich hat einen solchen mutigen Entscheid getroffen, als er beruflich zurücksteckte, um sich aktiv an der Erziehung seines Sohnes zu beteiligen. Als moderner Mann ging er in seinem Umfeld als Vorbild voran. Viele Männer hadern aber noch mit ihrem neuen Selbstbild. Woran das liegt, und warum es neue Rollenbilder braucht, lesen Sie ab Seite 10. Schon vor 15 Jahren gab es aber bereits einzelne Männer, die sich ihr individuelles Lebensmodell mit Kindererziehung und Karriere geschaffen haben. In modernen Lebenskarrieren werden neben der Familie auch andere Aspekte wie Spitzensport oder die Liebe zur Kunst verflochten. Im Gespräch ab Seite 23 erzählen Mitarbeitende aus unterschiedlichsten Branchen, wie sie sich ihre persönliche Balance geschaffen haben. Zudem haben wir ab Seite 6 jede Menge Ergebnisse aus unseren Studien für Sie zusammengestellt, die das

EDITORIAL

Modell Life Careerism mit Fakten unterlegen, und zeigen Ihnen die Arbeitgeber, welche diesem neuen Lebensmodell besonders gut entsprechen. Ab Seite 16 geben wir einen Einblick in die Arbeitsplätze von heute und morgen. Unser neues Magazin «Life Careerism» ist ein Tribut an alle, die sich ihre Freiräume und individuelle Balance schaffen – und die Unternehmen, die es ihnen ermöglichen. Werfen Sie einen optimistischen Blick in die Zukunft mit uns! Ich wünsche Ihnen viel Spass beim Lesen und freue mich auf Ihre Rückmeldungen! Channa Mizrachi Head of Activation and Marketing channa.mizrachi@universumglobal.com

INHALT Life Careerism

Der moderne Mann

Inside

D a s Le b e n s m o d e l l d e r Generation Y

Ein Plädoyer für den neuen Mann und den Mut, sich individuelle Lö s u n g e n z u s c h a f f e n

Die Arbeitgeber ALDI SUISSE, O p e n Sy s t e m s u n d R h e i n m e t a l l Airdefence auf einen Blick

S. 4

Facts & Figures

S. 10

Li fe C a r e e r i s m in Zahlen

Arbeitsplatz der Zukunft

Rankings

W i e Co w o r k i n g S p a c e s u n d f l e xible Büroräume die Arbeitswelt verändern

S. 6

D i e To p A r b e i t ge b e r f ü r Li fe C a r e e r i s m

S. 16

S. 20

Im Gespräch Vo n A w i e A x p o b i s Z w i e Z ü h l k e : Mitarbeitende aus verschiedenen Branchen erzählen von ihrem p e r s ö n l i c h e n Le b e n s m o d e l l

S. 23

S. 8

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E

ine klare Trennung von Leben und Arbeit gehört der Vergangenheit an. Das Leben der Generation Y ist wie ein Puzzle zusammengesetzt, in dem jedes Teil gleich wichtig ist: Arbeit, Familie und Partnerschaft, Gesundheit, Freundschaft sowie persönliche Interessen. Dabei steht die Suche nach einem höheren Sinn in allen Bereichen im Zentrum. Die Arbeit ist unzertrennlich mit dem Leben verflochten und muss mit dem individuellen Wertesystem übereinstimmen. Mit dem Verschmelzen von Leben und Arbeit verliert die klassische berufliche Karriere an Bedeutung. An ihre Stelle tritt eine Lebenskarriere, mit Zielen und Meilensteinen in den verschiedenen Lebensaspekten. Andreia Fernandes ist ein reelles Beispiel für dieses vielseitige Lebenskonzept. Hauptberuflich ist sie Geschäftsführerin einer Nichtregierungsorganisation, daneben

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ist sie selbstständig tätig als Coach und Beraterin, hat ein nachhaltiges FashionLabel ins Leben gerufen, ist Mentorin und engagiert sich im Vorstand eines Netzwerks für Unternehmerinnen. «Ich habe mir ein Leben eingerichtet, was sehr zu meiner Persönlichkeit passt. Meine ehrenamtlichen Tätigkeiten sehe ich als wertvolle Bereicherung, wo ich kreativ sein, Wissen weiter-


I c h b e t r a c h t e d i e s e s v i e l s e i t i ge Le b e n s m o d e l l a l s P u z z l e , i n d e m j e d e s Te i l g l e i c h w i c h t i g i s t . P a r t n e r s c h a f t , H o b b y s u n d Fr e u n d schaften müssen genauso einen P l a t z i m Le b e n h a b e n w i e A r b e i t und Karriere.

– Andreia Fernandes

geben und in der Gesellschaft Positives bewirken kann», fasst sie ihr persönliches Lebenskonzept zusammen. Menschen wie Andreia werden bald den Grossteil der Arbeitskräfte ausmachen. Unternehmen sollten daher Rücksicht nehmen auf die Lebenskarriere ihrer Mitarbeitenden und die nötigen Voraussetzungen schaffen, damit die verschiedenen Puzzleteile des Lebens sich harmonisch ineinanderfügen können. Flexibles Arbeiten, Jobsharing oder Teilzeitarbeit auch auf Führungsebene sind Beispiele für Rahmenbedingungen, die eine solche Lebenskarriere ermöglichen – und je länger je mehr von den Arbeitnehmenden gefordert werden. Aber auch die Frage nach dem «Warum» müssen Arbeitgeber beantworten können: Was ist der Zweck des Unternehmens und wie trägt es zur Gesellschaft bei?

Das Konzept einer Lebenskarriere bringt aber nicht nur für Unternehmen Herausforderungen mit sich. Auch auf individueller Ebene kämpfen viele damit, ihre verschiedenen Interessen und Verpflichtungen unter einen Hut zu bringen. Als Coach hilft Andreia Menschen dabei, ihre Prioritäten zu reflektieren und ihr Leben nach den eigenen Werten auszurichten. Das Wichtigste sei dabei, sich selbst treu zu bleiben und sich zu fragen, warum man dieses vielseitige Leben lebt. Sie rät ihnen, sich auf das wirklich Wichtige zu fokussieren und dabei langfristig zu denken – gleichzeitig aber nicht zu hart mit sich ins Gericht zu gehen. «Man sollte nicht zu schnell aufgeben und Hindernisse auf dem Weg als Lektionen sehen, die später als wertvolle Erfahrungen dienen», so Andreia. «Wir tendieren dazu, vieles zu ernst zu nehmen, und nicht im Kontext des Lebens als Ganzes zu sehen.»

Als Coach begleitet Andreia Fe r n a n d e s M e n s c h e n i n Tr a n s formationsprozessen und berät Unternehmen in den Bereichen Strategie und Marketing. Z u d e m i s t s i e G e s c h ä f t s f ü h r er in von SEABRAND International u n d e i n e r N G O, Vo r s t a n d s m i tg l i e d e i n e s Fr a u e n n e t z w e r k s und Dozentin an diversen Business Schools. Sie ist B e t r i e b s ö ko n o m i n u n d b e s i t zt ein MBA der Universität St. Gallen.

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Li f e C a r e e r i s m i n Z a h l e n

U n i v e r s u m S t u d e n t R e s e a r c h Sw i t z e r l a n d 2 0 1 5 Schweizer Studierende definieren

WORK-LIFEBALANCE 1. 2. 3. als

Eine positive Arbeitsatmosphäre

Vereinbarkeit von Karriere und Familie Genügend Freizeit

22% 15%

&

INSPIRIERENDES MANAGEMENT: Schweizer Studierende wünschen sich von ihren Vorgesetzten

1. 2. 3.

Förderung und Entwicklung der Mitarbeitenden Offene Kommunikation und Feedback Motivierendes Verhalten Der Respekt gegenüber den Mitarbeitenden, ethische Standards, die = ökologische Nachhaltigkeit und die soziale Verantwortung eines Unterneh-

aller Studentinnen

mens sind ihnen besonders wichtig. In ihrer Karriere wollen sie dem Wohl der Gesellschaft dienen.

aller Studenten sind Idealisten

U n i v e r s u m P r o f e s s i o n a l R e s e a r c h Sw i t z e r l a n d 2 0 1 5 Schweizer Professionals definieren

WORK-LIFE-BALANCE 1. 2. 3. Flexible Arbeitszeiten

Flexible Arbeitsbedingungen

Eine positive Arbeitsatmosphäre

RESPEKT

Ein als

KREATIVES UND DYNAMISCHES ARBEITSUMFELD

ist den Schweizer Professionals besonders wichtig. Bei den weiblichen Berufstätigen stehen zudem ein freundliches Arbeitsumfeld und Respekt gegenüber den Mitarbeitenden ganz oben auf der Prioritätenliste.

Der eines Arbeitgebers gegenüber den Mitarbeitenden wird immer wichtiger im Laufe der Karriere.

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WORK-LIFECE BA L A N für Gen Z, iereziel Nr. 1

htungen ist das Karr onals aller Fachric si es of Pr & e nd re Studie

U n i v e r s u m G e n Z R e s e a r c h Sw i t z e r l a n d 2 0 1 5

80%

49%

der Generation Z in der Schweiz wählt ihr Studium aufgrund PERSÖNLICHER INTERESSEN

der Vertreterinnen der Generation Z wählen ein bestimmtes Studienfach, um

MENSCHEN HELFEN

zu können

57%

der Gen Z will ihr EIGENES UNTERNEHMEN gründen. 65% davon, um selbstständig zu sein, und 44%, um einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft zu haben

46%

Rund die Hälfte der Gen Z (46%) hat Angst, keinen Job zu finden, in dem sie ihre PERSÖNLICHKEIT EINBRINGEN können. Bei den Frauen ist diese Angst noch stärker ausgeprägt (55%)

U n i v e r s u m M i l l e n n i a l R e s e a r c h Sw i t z e r l a n d 2 0 1 5

43%

71%

der Schweizer Millennials hätten lieber keinen Job, als einen Job, den sie nicht mögen

der Schweizer Millennials wollen

AUTONOM

arbeiten

62%

Wenn Schweizer Millennials priorisieren müssen, stellen sie die Zeit mit der Familie an erster Stelle (62%), danach den Wunsch, sich zu entwickeln und zu lernen (50%) und dann ein langes und gesundes Leben (42%)

Schweizer Millennials bevorzugen einen Job, bei dem sie WORK-LIFE-BALANCE haben gegenüber einem HOHEN GEHALT

87%

13%

UNTERNEHMENSKULTUR

Von der ihres künftigen Arbeitgebers erwarten Millennials Freundlichkeit (72%), Gleichstellung und Diversität (51%) und die Übertragung von Verantwortung an ihre Mitarbeitenden (49%)

Unter einem

ANSPRUCHSVOLLEN JOB

verstehen Schweizer Millennials innovative Arbeit (41%), viel Verantwortung (39%) und täglich Neues zu lernen (30%)

GRÖSSTE ANGST

Die von Schweizer Millennials besteht darin, beruflich festzustecken ohne Entwicklungsmöglichkeiten (40%), ihre Persönlichkeit nicht in ihre Arbeit einbringen zu können (32%) und zu viel zu arbeiten (27%)

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RANKINGS Das sind die besten Arbeitgeber für

life career ism Flexible Arbeitsbedingungen, die Vereinbarkeit des Berufs mit anderen Interessen und ein freundliches Arbeitsumfeld sind Voraussetzungen dafür, dass Mitarbeitende ihre persönliche Lebensbalance finden. Aber auch die Förderung durch Vorgesetzte oder die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln, spielen eine grosse Rolle. Einige Unternehmen setzen diese und weitere Aspekte bereits erfolgreich um. Das sind die Arbeitgeber, die in Sachen Life Careerism besonders hervorstechen:

Flexible Arbeitsbedingungen STUDENTEN ALLER FACHRICHTUNGEN

BERUFSTÄTIGE WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTEN

BERUFSTÄTIGE IT

Google 1

Google 1

Google 1

Tamedia 2

AXA Winterthur

2

Swisscom 2

Psychiatrische Universitätsklinik Zürich 3

Microsoft 3

IBM 3

Swisscom 4

Swisscom 4

Microsoft 4

Swiss Life

Die Bundesverwaltung

SBB CFF FFS

5

5

5

Freundliches Arbeitsumfeld STUDENTEN WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTEN

STUDENTEN INGENIEURSWISSENSCHAFTEN

Migros 1

Sensirion 1

Die Mobiliar

Feldschlösschen Getränke

Google 2

Migros 2

Google 3

Zühlke Engineering

3

Raiffeisen 3

Raiffeisen 4

Stadler Rail

4

Google 4

Die Post

Swisscom 5

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2

5

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BERUFSTÄTIGE WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTEN

Zürcher Kantonalbank

1

5


Respekt gegenüber den Mitarbeitenden STUDENTEN WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTEN

STUDENTEN INGENIEURSWISSENSCHAFTEN

BERUFSTÄTIGE WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTEN

Migros 1

Die Bundesverwaltung

1

Die Mobiliar

Die Bundesverwaltung

Stadler Rail

2

Migros 2

Bühler 3

Schindler 3

Victorinox 3

IKRK 4

Migros 4

Die Bundesverwaltung

Raiffeisen 5

Google 5

IKRK 5

2

1

4

Vereinbarkeit der Arbeit mit persönlichen Interessen STUDENTEN ALLER FACHRICHTUNGEN

STUDENTEN INGENIEURSWISSENSCHAFTEN

BERUFSTÄTIGE WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTEN

Psychiatrische Universitätsklinik Zürich 1

Google 1

Die Bundesverwaltung

Kantonsspital Winterthur

2

Hilti 2

Google 2

1

Google 3

Swisscom 3

SRG SSR

Banque Cantonale Vaudoise

4

Lindt & Sprüngli

4

Migros 4

Kantonsspital St. Gallen

5

Migros 5

PostFinance 5

3

Professionelles Training und Entwicklung STUDENTEN WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTEN

STUDENTEN INGENIEURSWISSENSCHAFTEN

BERUFSTÄTIGE IT

Bain & Company

1

BASF 1

Google 1

McKinsey & Company

2

Google 2

Microsoft 2

The Boston Consulting Group (BCG)

3

McKinsey & Company

3

IBM 3

PwC (PricewaterhouseCoopers)

4

SWISS 4

Swisscom 4

EY (Ernst & Young)

5

CERN 5

SBB CFF FFS

5

Vorgesetzte, die meine Entwicklung fördern STUDENTEN WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTEN

STUDENTEN INGENIEURSWISSENSCHAFTEN

BERUFSTÄTIGE ALLER FACHRICHTUNGEN

Partners Group

1

Implenia 1

Bain & Company

1

Swiss Life

2

Novartis 2

Deloitte 2

Bain & Company

3

The Boston Consulting Group (BCG)

2

Bayer 3

Pictet & CIE

4

Credit Suisse

4

Hirslanden Kliniken

McKinsey & Company

5

McKinsey & Company

5

Hyatt 5

4

Quelle: Universum Talent Research Switzerland 2015

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Ein anspruc hsvoller Beruf, Kindererziehun g, Pa rtnersc h aft und Hobbys: Der mo derne M ann versuc h t seine versc hiedenen Lebensaspekte gen auso unter einen Hut zu b ekommen wie die moderne Frau _ und h at d ab ei eb enso einige Hürden zu üb erwinden.

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moderne

DER MANN «

»

Wann ist ein Mann ein Mann?», fragte Her ber t G r ö nemeyer v o r einigen Jahr en. Die Antwort scheint auch heute noch nicht klar zu sein. Immer mehr Männer m ö c h t e n n i c h t n u r Ve r s o r g e r s e i n , s o n d e r n s i c h a u c h a l s Va t e r e n g a g i e r e n . I h r e Fo r d e r u n g n a c h Te i l z e i t s t e l l e n s t ö s s t a b e r n o c h vielerorts auf Widerstand. Gleichzeitig tun sie sich selbst schwer mit ihrer neuen Rolle und es fehlt ihnen an Vorbildern. Ein Plädoyer für den neuen Mann und den Mut, sich individuelle Lösungen zu suchen.

Florian Helfrich erinnert sich gut an jenen Morgen, als er seine Kollegen in der Werbeagentur zusammentrommelte und ihnen während der Pause die erfreuliche Nachricht überbrachte: Er wurde Vater. «Alle freuten sich riesig für mich. Als ich dann aber anfügte, dass ich zukünftig nur noch in einem 60-Prozent-Pensum arbeiten wolle, um Erziehung und Haushalt mit meiner Frau zu teilen, war die Chefetage weniger begeistert.» Die beiden Inhaber der Agentur suchten das Gespräch mit Helfrich und erklärten ihm, dass ein Teilzeitpensum kaum möglich sei. «Dafür hatte ich absolut Verständnis, denn bis anhin arbeitete ich wohl eher 120 Prozent. Also war für mich klar, dass ich kündigen würde.» Er habe sich das Ganze gut überlegt und bewusst entschieden, bei der Betreuung seines Sohnes mitzuhelfen. Einerseits, um ihn aufwachsen zu sehen, andererseits, um seiner Partnerin zu ermöglichen, ebenfalls beruflich engagiert zu bleiben. M u t z u r Ve r ä n d e r u n g Helfrich machte Nägel mit Köpfen, reichte die Kündigung ein und nutzte die drei Monate Kündigungsfrist für die Stellensuche. Er hatte Glück und fand gleich eine Stelle bei der Krebsliga Aargau. Dort war ursprünglich eine Vollzeitposition in der Kommunikation ausgeschrieben. «Ich rief die Geschäftsführerin an und fragte nach, ob ich die Stelle auch in einem Teilzeitpensum stemmen könnte. Als sie nach meiner Motivation fragte und ich ihr die Gründe erklärte, war sie begeistert und wollte mich unbedingt kennenlernen.» Die Krebsliga Aargau passte das Stellenprofil an und lagerte einige Aufgabenbereiche

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aus, so dass Florian Helfrich kurz vor der Geburt seines Sohnes die gewünschte 60-Prozent-Stelle antreten konnte. An den freien Tagen kümmerte er sich um Sohn Bela und erledigte die Hausarbeit. K a r r i e r e k n i c k v e r s u s Va t e r g l ü c k Seither hat er sein Pensum laufend gesteigert. Heute arbeitet er in einem 80-Prozent-Pensum als Redaktor beim Magazin «wir eltern» und teilt sich Erziehung und Haushalt mit seiner Frau, die 70 Prozent arbeitet. Rückblickend merkt er, wie stark sich sein Wunsch, ein engagierter Vater zu sein, auf seine Karriere ausgewirkt hat: «Einerseits leidet das Sozialprestige, andererseits nehme ich finanzielle Einbussen in Kauf. Ausserdem erhält man als Teilzeitmitarbeiter weniger Verantwortung und Kompetenzen.» Mit diesen Konsequenzen habe er sich im Vorfeld bewusst auseinandergesetzt. Doch er ist überzeugt: «Die berufliche Karriere läuft mir nicht davon. Zu sehen und mitzuerleben, wie mein Sohn aufwächst – das erlebe ich nur einmal.» H ö h e r e R e n d i t e d e r Te i l z e i t a r b e i t Dass Helfrich mit diesem Bedürfnis nicht alleine dasteht, zeigt auch eine Umfrage der Schweizer Dachorganisation ProFamilia. Laut einer repräsentativen Studie könnten sich neun von zehn Männern vorstellen, in einem Teilzeitpensum zu arbeiten. Um Teilzeitkarrieren noch weiter zu fördern, beziehungsweise Gesellschaft und Arbeit-

der Direktion zweier Grossbanken Teilzeit gearbeitet und ist dabei auf Widerstand gestossen. Deshalb lässt er unter der Initiative «Teilzeitkarriere» sogenannte Teilzeitmänner zu Wort kommen, bietet Studien und Informationsmaterial zum Thema an, zeigt Unternehmen auf, die Teilzeitkarrieren bewusst fördern. Zudem vermittelt er Kontakte zu Ansprechpartnern und verweist auf eine Online-Plattform für Teilzeitstellen. Denn Teilzeitkräfte haben auch einen wirtschaftlichen Aspekt, so Keel – genau genommen eine Rendite von 8 Prozent: «Teilzeitkräfte sind 17 Prozent produktiver und um 16 Prozent weniger krank im Job.» Gemeinsam zur optimalen Le b e n s z e i t Dass Teilzeitpensen Frauen und Männern gleichermassen zugänglich sein sollten, findet auch Wirtschaftsjurist und Mentalcoach Björn Gross wichtig. Er wünscht sich, dass sich die Grenzen zwischen den Geschlechtern vermehrt aufweichen, gerade auch, wenn es um die Karriere beziehungsweise die berufliche Anerkennung geht. «Wir diskutieren noch zu oft über die Geschlechterrollen. Dabei sollten wir nicht zu stark zwischen Mann und Frau unterscheiden. Denn alle Menschen haben das gleiche Bedürfnis, ihre Zeit so gut wie möglich zu nutzen.» Dabei stehe im Vordergrund, nicht zwischen Arbeits- und Freizeit zu unterscheiden, sondern sie generell als Lebenszeit zu sehen. Partner, die dies erkannt haben und als Team zusammenspannen, könnten Karriere und Familie vereinen, auf beiden Seiten. D e r H a u s m ä n n e r -Tr e f f

« Die

b eruflic he Ka rriere läuft mir nic ht d avon. Zu sehen und mitzuer leb en, wie mein Sohn aufwäc hst – d as er leb e ic h nur ein ma l » , Florian Helfrich

geber für dieses Thema zu sensibilisieren, ist der Schweizer Andy Keel im Jahr 2008 aktiv geworden. Als junger Mann hat er in

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Vermehrt gibt es auch Beispiele, wo sich die Männer ganz zurücknehmen und ihrer Frau den Vortritt lassen. Zumindest wenn es um die Karriere geht. In der Region Basel beispielsweise, der Pharmahauptstadt der Schweiz, trifft sich eine internationale Männerrunde einmal pro Woche zum sogenannten «Houseman-Lunch», um über Autos, Fussballspiele oder die Wirtschaft zu diskutieren. Sie alle haben ihre Partnerin wegen eines beruflichen Engagements nach Basel begleitet und kümmern sich zuhause um Kinder, Hausaufgaben und Haushalt, während die Partnerin in der Pharmaindustrie Karriere macht.

Für Björn Gross sind solche Männer Vorbilder, weil sie sich in der Rolle des modernen Mannes gefunden haben. «Sie halten einerseits ihrer Frau den Rücken frei, nehmen sich selber zurück, wenn es um den Beruf geht. Dabei vergessen sie aber nicht, ihre Männlichkeit zu pflegen,

« Die

Frauen meiner Freunde h ab en mic h a ls Beispiel an geführt, d a mit ihre Männer auc h endlic h aktiv werden » , Florian Helfrich

sie zu erhalten.» Es sei ganz wichtig, sich weiterhin mit männlichen Freunden zu treffen, sich auszutauschen, auch mal einen Spruch zu klopfen. Denn bei allem Lob für den modernen, verständnisvollen und engagierten Mann, «er muss auch ein Mann bleiben». Wa n n i s t e i n M a n n e i n M a n n? Was denn einen «richtigen» Mann ausmacht, insbesondere einen modernen, ist aber längst nicht klar. Viele Männer tun sich schwer mit dem Spagat zwischen traditionellen Rollenbildern und neuen Aufgaben, Erwartungen der Gesellschaft, der Frauen – und nicht zuletzt den eigenen. «Es ist eine Herausforderung, zu den Gefühlen zu stehen und dabei nicht die Männlichkeit aufzugeben», beobachtet Björn Gross. Dass es noch an Vorbildern fehle, welche die Rolle eines modernen Mannes authentisch leben, mache die Sache nicht einfacher. Florian Helfrich wurde in seinem Bekanntenkreis oft als solches Vorbild vorgezeigt: «Die Frauen meiner Freunde haben mich als Beispiel angeführt, damit ihre Männer auch endlich aktiv werden», so Helfrich. Einige seiner Freunde sind seinem Beispiel gefolgt, und haben ihr Arbeitspensum ebenfalls reduziert. Hoffentlich werden es noch viele weitere werden.

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« Es

ist eine Herausforderun g, zu den Gefühlen z u stehen und d ab ei nic ht d ie Männ lic hkeit aufzugeb en » , Björn Gross, Mentalcoach

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« Es

gibt noc h zu wenige Vorbilder, welc he d ie Rolle des mo dernen M annes authentisc h leb en » , Björn Gross, Mentalcoach

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Florian Helfrich hat beruflich zurückgesteckt, um aktiv an der Erziehung seines Sohnes teilzunehmen. Heute arbeitet er 80% als Redaktor beim Magazin «wir eltern», seine Frau ist ebenfalls Teilzeit tätig.

Björn Gross hat als Coach häufig mit Männern zu tun, die sich in ihrer neuen Rolle noch nicht gefunden haben. In seiner Praxis hilft er ihnen dabei, Kopf und Herz in Einklang zu bringen. bjoern.gross@bluewin.ch

Florian Helfrich, was raten Sie Männern, die neben der Karriere auch als Vater engagiert sein wollen? Erst einmal muss ich mich fragen: Will ich das wirklich, den ganzen Tag mit Kindern verbringen und mich um die Hausarbeit kümmern? Die Tage daheim können sehr schön, aber auch anstrengend sein. Wer die Frage mit Ja beantworten kann, sollte dann zu seiner Entscheidung stehen und Massnahmen in die Wege leiten. Es gibt immer eine Lösung, sofern die Partnerin den Plan unterstützt. Man muss das Gespräch mit dem Arbeitgeber suchen – und falls da kein positives Signal kommt, Alternativen in Betracht ziehen. Wie hat Ihr männliches Umfeld auf Ihren Entscheid reagiert? Natürlich kamen da einige Sprüche. Davon liess ich mich aber nie beirren. Ausserdem haben zwei enge Freunde die gleiche Entscheidung getroffen und ihr Arbeitspensum reduziert. Interessant waren die Reaktionen der Frauen einiger Freunde. Sie haben mich als gutes Beispiel angeführt und ihren Männern vorgehalten, dass sie nun auch endlich aktiv werden sollten. «Der Florian hat’s ja auch gemacht», haben sie gemeint. Sie waren bereit, in der Karriere zurückzustecken. Inwiefern haben Sie von diesem Entscheid profitiert? Er war gut für die Liebesbeziehung zwischen meiner Frau und mir. Als gleichberechtigte Ehepartner haben wir Verständnis füreinander, da wir beide die Anforderungen der Berufswelt und der Haus- und Erziehungsarbeit kennen. Ausserdem gehört es wohl zu den besten Lebensschulen, ein Kind aufwachsen zu sehen. Man spürt, dass man lebt, hat Freude, Ängste, Sorgen – alle Emotionen kommen zusammen. Diese Erfahrungen können im Berufsleben weiterhelfen.

Björn Gross, weshalb haben Männer noch immer Mühe, sich in der Rolle des modernen Mannes zu finden? Weil sie gar nicht wissen, was es bedeutet, ein moderner Mann zu sein. Der Mann ist in der Moderne angekommen, hat Verständnis für die Bedürfnisse der Frau und engagiert sich vermehrt als Partner und Vater. Der Mann möchte aber auch Mann bleiben. Es geht also darum, die kriegerischen Werte des Mannes mit der Herzensebene zu vereinen. Es ist eine Herausforderung für ihn, zu seinen Gefühlen zu stehen – und dabei nicht seine Männlichkeit aufzugeben. Fehlt es an Vorbildern? Ja. Es gibt noch zu wenige, die die Rolle des modernen Mannes authentisch leben. Das Thema wird aus der Gesellschaft ausgegrenzt. Ich merke immer wieder, dass ich auf zwei Gruppen treffe: Da ist einerseits der Mann mit einer übersteigerten Männlichkeit, und der Mann, der zum Frauenversteher mutiert. Beides ist nicht optimal. Schauspieler Brad Pitt könnte man als Vorbild sehen: Ein attraktiver Mann, der treu zu seiner Frau steht, ihr die eigene Karriere lässt und sich im richtigen Moment zurücknimmt. Brad Pitt und Angelina Jolie leben eine Partnerschaft mit Teamgeist und Familiensinn. Dabei gehen aber weder seine Männlichkeit noch ihre Weiblichkeit verloren. Was raten Sie Männern generell, die zu Ihnen kommen? Ehrlich zu sich selber zu sein, auch auf der Herzensebene. Sich hinterfragen beziehungsweise Fragen stellen wie «Bin ich ein Ja- oder ein Nein-Sager?» und «Lebe ich meine Visionen?». Und weiterhin männliche Freunde treffen, das ist ein wichtiger Aspekt. Unter Männern kann ein Mann Mann sein, und das ist gut so.

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« ARBEITSFLÄCHEN SOLLTEN AUSSEHEN WIE STARBUCKS: OFFEN UND LEBENDIG. DAS MACHT LUST, NEUE IDEEN ZU DISKUTIEREN UND INNOVATIV ZU BLEIBEN. » Michel Bachmann Mitgründer des Impact Hub Zürich

Coworking Space

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Homeoffice

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Flexible Miete

Kurze Arbeitswege


emeinsames Arbeiten in einer offenen Umgebung fördert innovative Ideen und kreative Prozesse. Deshalb kommen auch in der Schweiz vermehrt Coworking Spaces auf. Auch bei vielen Unternehmen lösen sich klassische Strukturen auf und werden neue Arbeitsformen eingeführt. Die Umstellung erfordert Flexibilität, bringt aber viele Vorteile mit – nicht nur für Mitarbeitende.

Samantha Wolf hat für ihre Masterarbeit zahlreiche Coworking Spaces im In- und Ausland untersucht. In ihrem Blog berichtet sie über ihre Erfahrungen und teilt Erkenntnisse aus ihrer Untersuchung. www.coworkationist.com

Einen Coworking Space räumlich zu definieren, ist gar nicht so einfach. Je nachdem, aus welchem Blickwinkel man ihn betrachtet, gibt es unterschiedliche Parameter. Sicher ist: Mehrere Leute teilen sich diesen gemeinsamen Arbeitsplatz, der oftmals individuell und den Bedürfnissen der Mitglieder entsprechend gestaltet wird: «Häufig sind sie offen und bieten dennoch Rückzugsmöglichkeiten. Andere sind bewusst in unterschiedliche Räume aufgeteilt. Architektonisch sind da kaum Grenzen gesetzt», sagt HSG-Absolventin Samantha Wolf. Die Zürcherin hat für ihre Masterarbeit zahlreiche Coworking Spaces im In- und Ausland untersucht und ausgiebig zum Thema recherchiert. Ihre persönliche Definition eines solchen Arbeitsplatzes hängt aber weniger mit den räumlichen Gegebenheiten zusammen, sondern vielmehr mit den Werten, die in einem Coworking-Manifesto festgehalten sind: Collaboration, Community, Openness, Accessibility, Sustainability. «Es geht also nicht in erster Linie darum, gemeinsam ein Büro, einen Drucker und einen Internetanschluss zu teilen. Sondern den Austausch zu fördern, Ideen zu diskutieren und sie gemeinsam in der Community weiterzuentwickeln.» Damit die Werte auch wirklich gelebt werden, brauche es einen Leiter. Dieser kann Diskussionen anregen und Events organisieren, damit sich die Mitglieder kennenlernen, ihr Netzwerk erweitern und pflegen können.

Netzwerk, flexible Miete und kurze Arbeitswege Die Vorteile solcher Arbeitsplätze, die sich in grossen Metropolen wie London, Mailand oder Wien bereits etabliert haben, liegen für die Wirtschaftswissenschaftlerin Wolf auf der Hand. «Für jene, die normalerweise im Homeoffice arbeiten, ist da der soziale Aspekt. Man kommt wieder unter Leute, kann Feedbacks einholen, sich mit Kollegen zum Mittagessen verabreden.» Start-ups profitieren von günstigen Mietzinsen und flexiblen Mietbedingungen. «Mietverhältnisse in Coworking Spaces können kurzfristig und unkompliziert wieder

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GESUCHT: OFFENE MITARBEITER, DIE IDEEN TEILEN WOLLEN Trotz der zahlreichen Vorteile müsse man sich eines aber bewusst sein: «Wer in einem solchen Space arbeitet, sollte offen sein. Es geht um ein Miteinander, und darum, seine Ideen zu teilen. Das Arbeiten basiert auf Vertrauen. Wer das eigene Wissen für sich behalten möchte, wird in einer solchen Arbeitsumgebung kaum glücklich.» Ausserdem müsse eine Person die für sich ideale Lösung finden, wenn sie sich nach einem solchen Arbeitsplatz umschaut. Wichtig sei hierbei, dass der «Vibe» und somit das persönliche Gefühl stimme. Weitere Auswahlkriterien können Branche, Interessen, Space-Grösse oder etwa Regeln sein. Welche Vorteile Arbeitsplätze haben, die flexibler und offener gestaltet sind, hat Ariane Ellenberger von Swisscom miterlebt. Als sie vor zehn Jahren ins Unternehmen eintrat, arbeitete sie noch an einem festen Arbeitsplatz. Schnell wurde dieser aber aufgelöst und ein flexibleres Modell, das sogenannte Desk-Sharing eingeführt. Letztes Jahr wollte ihr Team, das unter dem Titel «Future Work Experience» neue Arbeitsmodelle für Grosskunden entwickelt und testet, das Office umgestalten. Swisscom war offen. «Wir wünschten uns einen grossen Raum, der eine Get-Together-Zone für den offenen Austausch, aber auch Rückzugsmöglichkeiten bietet.» Eine Fläche von ungefähr 300 Quadratmetern wurde umgestaltet, die einzelnen Zonen mit entsprechenden Farben und mit Tischstellern gekennzeichnet. «In der vorderen Zone können wir Meetings halten, innovative Ideen diskutieren und sie gemeinsam weiterentwickeln. Je weiter nach hinten der Raum verläuft, desto ruhiger sollte es werden, so dass wir uns für ein vertrauliches Gespräch zurückziehen können.»

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EIN FLEXIBLES, MOTIVIERENDES UMFELD Es habe zwar einige Zeit gebraucht, bis sich das gesamte Team an die neue Situation gewöhnt habe, nun aber sieht Ariane Ellenberger die zahlreichen Pluspunkte. Einerseits würde das offene Arbeitsumfeld motivierend wirken: «Seit wir in einem Coworking Space arbeiten, freue ich mich jedes Mal sehr auf die Arbeit dort. Es ist ein Raum, in dem ich mich wohlfühle. Wir haben ihn selber gestaltet, die Tische zusammengebaut. Das hat teambildend gewirkt.» Gleichzeitig lässt sich der Raum rasch flexibel umgestalten – je

« DIE GRENZEN ZWISCHEN HOMEOFFICE, BÜRO UND COWORKING SPACE LÖSEN SICH IMMER MEHR AUF. »

Michel Bachmann Mitgründer des Impact Hub Zürich

nach Bedürfnis. Die Zusammenarbeit unter den Kollegen sei besser und enger geworden. Häufig würden auch die Kunden positiv reagieren, wenn sie beispielsweise für einen Workshop im Space erscheinen: «Einige sind erst überrascht, weil der Raum teilweise sehr bunt gestaltet ist. Am Ende sind die Rückmeldungen aber immer positiv, weil hier die Menschen zu spüren sind.» Nicole Passavant, Kulturentwicklerin bei der Post, sieht ebenfalls einen Wandel bei der Gestaltung der Arbeitsplätze. Seit letztem Jahr begleitet sie die «Work Smart»-Initiative, welche die Arbeitswelt der Zukunft fördert. «Wir haben im Sommer eine neue Bürowelt in Bern bezogen, die «Piazzas» und «Innovations Corners»

© Swisscom (Schweiz) AG

aufgelöst werden, falls die Geschäftsidee nicht funktionieren sollte.» Ausserdem könne ein junges Unternehmen die anderen Mieter in die Entwicklungsphase miteinbeziehen und sie um Feedbacks bitten. Pendler ihrerseits profitieren von kürzeren Arbeitswegen, wenn sie sich in einem naheliegenden Coworking Space einmieten. Und praktisch alle Branchenvertreter könnten sich im Space direkt und unkompliziert mit anderen Experten vernetzen.

Die neue Arbeitswelt von Swisscom

Ariane Ellenberger, Work Smart Coach bei Swisscom

«Seit wir in einem Coworking Space arbeiten, freue ich mich jedes Mal sehr auf die Arbeit dort. Es ist ein Raum, in dem ich mich wohlfühle. Wir haben ihn selber gestaltet, die Tische zusammengebaut. Das hat teambildend gewirkt. Auch die Kunden reagieren positiv, wenn wir sie in der neuen Arbeitsumgebung empfangen.» Janine Fuchs, Grafikerin, seit April 2015 Mitglied im Impact Hub Zürich

«Hier kann ich Kontakte knüpfen, mich mit Fachfremden und Fachvertrauten austauschen, über Arbeitsformen und Konventionen nachdenken. Mein früheres Umfeld war ruhiger, aber auch langweiliger und statischer. Im Impact Hub schätze ich die Bewegung, sowie die Mischung aus vertrauten und neuen Gesichtern.»

bietet. Die Leute arbeiten nicht mehr an einem fixen Platz, sondern entscheiden kurzfristig, wo und mit welchen Kollegen sie sich vernetzen beziehungsweise austauschen wollen.» So würden neue Synergien entstehen und eine Vernetzung auch über das Team hinaus bewusst gefördert. Im Rahmen der «Work Smart»-Initiative plant die Post, mit anderen grossen Unternehmen gemeinsame Coworking Spaces zu entwickeln. «Wir sind heute mobiler und flexibler. Wenn wir von überall in der Schweiz aus arbeiten können, werden unsere Prozesse entscheidend beschleunigt, wovon am Ende auch die Kunden profitieren.»


« WENN ICH EINE DEADLINE FÜR EIN KONZEPT HABE, ARBEITE ICH VON ZUHAUSE AUS. IM HUB FINDE ICH MEIST NICHT DIE NOTWENDIGE RUHE, DAS ABLENKUNGSPOTENZIAL IST GROSS. ZUM HUB GEHE ICH, UM INTERESSANTE MENSCHEN ZU TREFFEN, NEUE IDEEN ZU DISKUTIEREN UND INNOVATIVE PROJEKTE VORANZUTREIBEN. »

Michel Bachmann Mitgründer des Impact Hub Zürich

Michel Bachmann ist Mitgründer des Impact Hub Zürich, des führenden Coworking Spaces in der Schweiz. Über 500 Unternehmer und Selbstständige gehören der Community an, die Teil ist eines Netzwerkes aus über 80 Impact Hubs weltweit. www.zurich.impacthub.ch

Herr Bachmann, wie sieht die Arbeitswelt der Zukunft aus? Immer mehr Leute wagen den Schritt in die Selbstständigkeit, auch in der Schweiz. Das erfordert eine Anschlusslösung, die mehr ist als nur ein Arbeitsplatz. Viele können von zuhause aus arbeiten, aber ein Netzwerk und der Austausch mit potenziellen Kunden sind wichtig. Bei den grossen Kaffeeketten, wie beispielsweise Starbucks, arbeiten zahlreiche Studenten an ihren Laptops. So sollten auch Arbeitsflächen aussehen: Nicht zu stier, sondern offen und lebendig. Das macht Lust, neue Ideen zu diskutieren, erste Konzepte auszutüfteln und innovativ zu bleiben. Sehen das auch die grossen Unternehmen so? Ja. Wir konnten für unseren Impact Hub bereits einige renommierte Partner gewinnen. Die Credit Suisse oder etwa Swisscom kom-

men mit ihren Innovationsteams in unseren Hub. Ausserdem breitet sich das Projekt auch flächenmässig aus: Neben Genf und Zürich ist ein weiteres Projekt in Lausanne geplant, Bern und Basel denken ähnliche Konzepte an. Wir sind uns bewusst, dass wir eine Art Vorreiter-Rolle einnehmen – und noch viel passieren muss, bis sich das Modell etabliert hat. Aber die Grenzen zwischen Homeoffice, Büro und eben Coworking Space lösen sich je länger, je mehr auf. Welche Chancen bringen diese Veränderungen mit sich? Es beschleunigt die Prozesse stark. Wer eine Idee mit seinen potenziellen

Kunden diskutieren und Bedürfnisse einholen kann, gelangt schneller zum Ziel. Bei der Umsetzung hilft das breite Netzwerk im Hub. Eventuell sitzt ja ein Grafiker gleich am Tisch nebenan, den man für die Erstellung einer Website einspannen kann. Das Projekt schnell bei einem Kaffee zu besprechen, spart Zeit und Geld. Was sind die Risiken? Man muss viel Eigendisziplin entwickeln und darf den Fokus nicht aus den Augen verlieren. Wenn ich eine Deadline einhalten muss, arbeite ich von zuhause aus am Konzept. Im Hub finde ich meistens nicht die notwendige Ruhe, das Ablenkungspotenzial ist gross.

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INSIDE

Ralph Fischer, Regionalverkaufsleiter bei ALDI SUISSE, Ausbildung: M.A. HSG

NACHGEFRAGT BEI… RALPH FISCHER, R E G I O N A LV E R K A U F S L E I T E R B E I ALDI SUISSE

Herr Fischer, welche Möglichkeiten zur persönlichen Entwicklung bietet eine Karriere bei ALDI SUISSE? Bei ALDI SUISSE steigen Absolventen als Regionalverkaufsleiter ein. Die persönliche Entwicklung startet bereits am ersten Arbeitstag. Schnell lernt man die Grundfertigkeiten für den äusserst abwechslungsreichen Beruf. Ein Regionalverkaufsleiter muss täglich eine grosse Anzahl an Aufgaben erledigen. Durch den vielseitigen Alltag sammelt jeder in kurzer Zeit viele Erfahrungen.

Sie haben kurz nach Ihrem Berufseinstieg Führungsverantwortung übernommen. Wie hat Sie das geprägt? Nach dem 8-monatigen Traineeprogramm erhält der Regionalverkaufsleiter die Verantwortung für ca. vier Filialen mitsamt dem Personal – ungefähr 60 Mitarbeitende. Führungsverantwortung bedeutet für mich, einzelne Mitarbeitende so zu führen, dass die bestmögliche Leistung und Qualität erbracht werden kann. Ich bin zuständig für den Rekrutierungsprozess, für Schulungen, für Disziplinarmassnahmen und vieles mehr. Dies ist herausfordernd, aber gleichzeitig sehr interessant. Wichtig ist, dass man sich selber treu bleibt und fair ist.

Vier Filialen zu führen ist anspruchsvoll. Wie werden Sie dabei unterstützt? Das Trainee-Programm bietet eine gute Grundlage. Zudem gibt es erfahrene Kollegen – fast täglich haben wir Kontakt miteinander. Auch Fachabteilungen wie Personal, IT und Einkauf unterstützen uns mit ihrem Wissen. An internen Schulungen wird uns unter anderem gelehrt, wie wir mit neuen Situationen umgehen können. ALDI verfügt zudem über klare Strukturen, die eine gute Orientierung bieten. An welchen Aufgaben sind Sie besonders gewachsen? Einerseits während der Filialzeit. Die Filialzeit absolviert man während des Trainee-Programmes. In dieser Zeit übernehmen die angehenden Regionalverkaufsleiter die Position des Filialleiters. Dies erleichtert später die Zusammenarbeit mit dem Filialleiter, da man das Detailhandelsgeschäft von der Pike auf erlernt. Andererseits bin ich durch Wahrnehmung meiner Führungsaufgabe gewachsen. Dazu gehören regelmässige Personalgespräche und -entscheidungen. Es ist eine Gratwanderung zwischen Fördern und Fordern. Am Anfang fiel mir dies nicht ganz leicht. /ZUM UNTERNEHMEN: ALDI SUISSE ist seit 10 Jahren in der Schweiz. Inzwischen beschäftigen wir über 2’600 Mitarbeitende – und stellen jedes Jahr 20 bis 30 Absolventen ein. /Webseite: Jobs.aldi.ch

IMPRESSUM Publisher: Handelszeitung, Ringier Axel Springer Schweiz AG, Förrlibuckstrasse 70, Postfach, 8021 Zürich. www.handelszeitung.ch, Telefon 043 444 59 00. Produktion: Universum Communications Switzerland AG. Steinentorstrasse 35, 4051 Basel, Tel. 061 385 55 00, Fax 061 385 55 99, www.universumglobal.com/ch. Redaktion: Channa Mizrachi, Denise Muchenberger, Anna Miller. Art Direction, Layout & Bildredaktion: Isabelle Schneider. Fotografie: Simone Schuldis. Covermodel: Chaim Meister. Weitere Fotos: shutterstock/Aila Images, Rawpixel.com, loreanto, Anchiy, Icons made by Freepik from www.flaticon.com Lektorat: Lucia Messmer. Druck: Druckerei Raisch GmbH + Co., Reutlingen (D). Universum Group: Group CEO: Petter Nylander, Managing Director Switzerland & CEE: Yves Schneuwly, Account Manager: Yves Schneuwly, yves.schneuwly@universumglobal.com, Samuel Röllin, samuel.rollin@universumglobal.com

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INSIDE

AUF EINEN BLICK:

OPEN SYSTEMS

/ZUM UNTERNEHMEN: Open Systems fokussiert sich mit ihren Mission Control Security Services auf den Schutz und Betrieb von globalen IT-Netzwerken und geschäftskritischen Applikationen von weltweit operierenden Unternehmen und NGOs − 24x7 in über 175 Ländern weltweit. Die Security Engineers arbeiten in Zürich, New York und Sydney. /Anzahl Angestellte: 150 /Personalbedarf: Das Unternehmen sucht Security Engineers und Sales/Account Manager/-innen. Alle offenen Stellen finden sich unter www.open.ch/career Daten & Fakten: »» Gegründet 1990 in Basel »» provider- und technologieunabhängig »» ISO 27001-zertifiziert »» Büros in Zürich und New York, USA »» Mission Control Operation Center in Zürich und Sydney /Webseite: www.open.ch

Open Systems fokussiert sich seit 1990 auf die Bereiche Network Security, Application Delivery, Identity Management, Global Connectivity und Integrated Service Management. Martin Martin Bosshardt, CEO von Open Systems Bosshardt, CEO von Open Systems, ist überzeugt: «Die Fokussierung ermöglicht es uns, eine einmalige Service-Qualität abzuliefern. Und das begeistert nicht nur Kunden auf der ganzen Welt, sondern zieht auch die besten Mitarbeitenden an.»

NACHGEFRAGT BEI…

BIRGIT JUNKER, LEAD ENGINEER Birgit Junker

Master of Science in Informatik, ETH Zürich Lead Engineer im Labs (Entwicklung) • Seit August 2011 bei Open Systems • Führt ein Team von Software-Entwicklern • Bevorzugte Freizeitbeschäftigung: Yoga und Lesen

Was zeichnet die Unternehmenskultur bei Open Systems aus? Die wichtigsten Komponenten unserer Kultur sind Respekt − gegenüber dem Team und gegenüber unseren Kunden − sowie ein gemeinsames Qualitätsverständnis. Dazu kommen gegenseitiges Vertrauen, eine offene Fehlerkultur und eine gesunde Portion Selbstbewusstsein, weil wir als fokussiertes Schweizer Unternehmen im globalen Security-Geschäft ganz vorne mitspielen.

Wie zeigt sich diese Kultur im Alltag? Vor allem in der Art und Weise, wie wir miteinander und mit unseren Kunden in den Projekten zusammenarbeiten. Bei uns übernimmt man sehr schnell Verantwortung. Das ist sehr spannend, aber eben auch eine grosse Herausforderung. Deshalb ist es wichtig, dass man seine eigenen Ideen umsetzen, sich aber gleichzeitig auch 100% auf seine Teamkolleginnen und -kollegen verlassen kann. Wie tragen Sie persönlich zu dieser Kultur bei? Ich verhalte mich im Geschäft eigentlich nicht anders, als ich das in meinem privaten Freundeskreis auch mache.

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INSIDE

AUF EINEN BLICK:

Mutterschaftsurlaub

2 5 T.

ab 20 J.

/ZUM UNTERNEHMEN: Rheinmetall Air Defence AG ist eine international tätige Unternehmensgruppe. Unsere Systeme sind zur Verteidigung wichtiger Objekte gegen jegliche Bedrohung aus der Luft bestimmt. Wir entwickeln heute Systeme, die auch der Bedrohung von morgen und übermorgen standhalten. Wir bieten attraktive Anstellungskonditionen und Sozialleistungen. Als Gewinner

3 0 T.

Urlaubstage

FAMILIE UND BERUF BEI RHEINMETALL AIR DEFENCE AG

2 7 T.

ab 40 J.

ab 50 J.

des Prix Balance 2011 legen wir grossen Wert auf flexible Arbeitsbedingungen, welche die Vereinbarkeit von Familie, Privatleben und Beruf erleichtern. Durch Homeoffice, flexible Laufbahnmodelle sowie vielfältige Aus- und Weiterbildungsprogramme gewähren wir unseren Mitarbeitenden individuelle Entwicklungsmöglichkeiten. Das rund 6’000 m2 umfassende Firmenareal ist optimal ins öffentliche Verkehrsnetz eingebunden (7 Fussminuten vom Bahnhof Oerlikon). In nächster Nähe finden sich zudem diverse Einkaufsmöglichkeiten, Bildungsinstitute, Kinderkrippen, Verpflegungs- und Freizeitangebote.

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»»40-Stunden-Woche mit attraktivem Gleitzeit-Modell »»Vom Lebensalter abhängiger Ferienanspruch »»Zusätzliche Brücken-, Kompensationsund Gleittage »»16 Wochen Mutterschaftsurlaub bei 100% Gehalt »»Flexible Angebote für Vaterschaftsurlaub »»Möglichkeit zum Bezug von unbezahltem Urlaub »»Diverse Stellenangebote mit Teilzeitpensen /Anzahl Angestellte: Schweiz: 700, weltweit: 1’500 /Personalbedarf: 40–60 Festangestellte pro Jahr /Webseite: www.rheinmetall-defence.com


INDEX

IM GESPRÄCH

Deloitte

PwC

Mitarbeitende verschiedenster Branchen erzählen von ihrem Arbeitsalltag, ihrer Leidenschaft für ihren Beruf und ihrem persönlichen Lebensmodell.

S. 27

Axpo

S. 31

David Michel verfolgt seine Aufgaben als Aktuar mit Leidenschaft – genau wie sein Hobby, die Kunst.

Tobias Meier Kern galt noch als Exot, als er Teilzeitarbeit forderte. Doch er ist glücklich über seinen Entscheid .

Die Schweizerische Post

Skyguide

S. 24

S. 32

S. 28

Durch seine Teilzeitstelle bei Axpo kann Domenic Keller Beruf und Familie optimal verbinden.

Edi Fässler arbeitet seit sechs Jahren an drei verschiedenen Orten.

Marianne Alb lebt bei skyguide ihren Traum und kann trotz Teilzeitpensum Führung übernehmen.

Bühler

EY

UBS

S. 29

S. 25

S. 33

Carina Hildbrand kann bei Bühler ihrer Leidenschaft für den professionellen Judo-Sport nachgehen.

Als Partner bei EY erhält Sarah Pflüger die nötigen Freiräume für ihre Familie.

Tanja Greiner findet Frauennetzwerke wichtig und würde ihre Auslandserfahrung niemals missen wollen.

Bundesverwaltung

PostFinance

Zühlke Engineering AG

S. 26 Roberta Cattaneo beobachtet gespannt die neuen Herausforderungen der Technologie an Medien und Politik.

S. 30 Roman Kupcik Spahr blüht in seiner Teilzeitstelle als Domänenleiter und Familienvater auf.

S. 34 Daniel Rapp trainiert bis zu 25 Stunden pro Woche für den Ironman – und ist dadurch glücklicher bei der Arbeit. UNIVERSUM

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ARBEITGEBER

IM GESPRÄCH

Axpo INSIDE /ZUM UNTERNEHMEN Die Axpo Gruppe produziert, handelt und vertreibt Energie zuverlässig für über 3 Millionen Menschen und mehrere tausend Unternehmen in der Schweiz und in über 20 Ländern Europas. Mehr als 4’000 Mitarbeitende verbinden die Expertise aus 100 Jahren klimaschonender Stromproduktion mit der Innovationskraft für eine nachhaltige Energiezukunft. /ANZAHL ANGESTELLTE 4’284 /PERSONALBEDARF Diverse Jobmöglichkeiten für Personen mit technischem, betriebswirtschaftlichem oder naturwissenschaftlichem Background /WEGE IN DAS UNTERNEHMEN Praktika, Diplomarbeiten, TraineeProgramm, Direkteinstieg

Domenic Keller, Leiter Kompetenzcenter Finanzen

/BEWERBUNG www.axpo.com/jobs

Durch seine Teilzeitstelle bei Axpo kann Domenic Keller, Leiter Kompetenzcenter Finanzen, Beruf und Familie optimal verbinden. In Sachen Vereinbarkeit von Beruf und Familie sieht er aber noch grossen Nachholbedarf auf nationaler Ebene. Welche Herausforderungen haben Sie in Ihrem Werdegang angetroffen? Domenic Keller: Die Entwicklungen in der Energiebranche auf internationalem Level haben in den vergangenen Jahren zu massiven strukturellen Veränderungen auch im Axpo Konzern geführt. Dies wirkte sich auf meine damalige Funktion in den Finanzen aus. Die Bereitschaft zur Veränderung sehe ich daher als stetige Herausforderung. Woran sind Sie gewachsen? An der Erkenntnis, dass jede Veränderung auch Chancen mit sich bringt.

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Sie sind Vater von drei Kindern und arbeiten 90%. Was schätzen Sie an Ihrem Teilzeitpensum? Ich schätze die Möglichkeit, Job und Familie optimal zu verbinden. Für mich und meine Frau, die ebenfalls berufstätig ist und derzeit in einem 70%-Pensum arbeitet, war immer klar, dass wir uns gegenseitig unterstützen. Gleichzeitig war es uns wichtig, die Kinder möglichst umfassend zu betreuen. Das Teilzeitpensum ermöglicht uns diese Aufteilung und gibt mir die Möglichkeit der Kinderbetreuung an einem Wochentag. Die Herausforderung eines Teilzeitpensums besteht darin, die Ressourcen optimal zu planen und Prioritäten richtig zu setzen, was nicht immer einfach ist. Wie erleben Sie Axpo als Arbeitgeber, wenn es um Vereinbarkeit von Beruf und Familie geht? Was die Vereinbarkeit von Beruf und Familie betrifft, so hinkt die Schweiz führenden europäischen Ländern hinterher. Flexible Modelle dürften vor allem aus volkswirtschaftlichen Gründen zukünftig noch stark an Bedeutung gewinnen. Die Wirtschaft kann es sich nicht leisten, auf gut ausgebildete Fachkräfte zu verzichten. Umso mehr schätze ich die Weitsicht und das grosse Vertrauen, das mir meine Vor-

gesetzten bei Axpo entgegenbringen. Was am Ende zählt, ist die Leistung. Was raten Sie Vätern, die Teilzeit arbeiten möchten? Grundsätzlich sollte man sich gut überlegen, ob man den meist beschwerlicheren und anspruchsvollen Weg über eine Teilzeitstelle wählen möchte. Während Teilzeitarbeit bei Müttern mittlerweile in der Gesellschaft eine gute Akzeptanz erreicht hat, wird einem teilzeitarbeitenden Vater

«Ich schätze die Möglichkeit, Familie und Beruf optimal zu verbinden.» oft noch mit Unverständnis begegnet. Steht ein möglichst schnelles berufliches Vorankommen im Vordergrund, würde ich von diesem Schritt abraten. Falls der Vater jedoch gerne eine mitbestimmende Rolle im Familienalltag übernehmen möchte und/ oder die Karriere von berufstätigen Müttern begünstigt werden soll, kann ich ein Teilzeitpensum sehr empfehlen.


IM GESPRÄCH

Bühler Carina Hildbrand kann bei Bühler ihrer Leidenschaft für den professionellen Judo-Sport nachgehen. Seit ihrer Lehre kombiniert sie Beruf und Spitzensport erfolgreich. Sie sind professionelle Judo-Kämpferin und arbeiten daneben Teilzeit bei Bühler. Wird Ihnen im Büro nicht langweilig? Carina Hildbrand: Nein, im Gegenteil. Die Büroarbeit ist für mich der optimale Ausgleich zu meinem Sport. Ohne Bewegung könnte ich nicht den ganzen Tag im Büro sitzen. Weil mir Bühler die Möglichkeit gibt, nebenbei so viel für meine Leidenschaft Judo zu machen, bin ich bei der Arbeit fokussierter und zufriedener. Und am Arbeitsplatz kann sich mein Körper vom Training erholen.

Gibt es Parallelen zwischen Ihrem Job und dem Judo? Das Auftreten ist bei beidem sehr wichtig. Eine gewisse Ruhe, Klarheit, sich fokussieren zu können. Ich muss in beiden Bereichen Selbstverantwortung übernehmen, Disziplin an den Tag legen. Ich mache nun seit zehn Jahren Judo, diese Fähigkeiten sind mir in Fleisch und Blut übergegangen. Das hilft mir auch im Beruf. Wie organisieren Sie Ihr Leben in diesen zwei Welten? Ich arbeite normalerweise den ganzen Tag und gehe abends ins Training, ausser

«Spitzensport oder Lehre – ich musste mich nicht entscheiden» donnerstags, dann trainiere ich den ganzen Vormittag. Alle zwei Wochen reise ich an Turniere im In- und Ausland. Beides zu koordinieren fällt mir leichter, seit ich meine Lehre abgeschlossen habe. Davor hatte ich das gleiche Pensum und musste daneben noch für die Berufsschule lernen. Wie unterstützt Sie Bühler in Bezug auf Ihre sportlichen Leistungen?

Ich war damals die erste Lehrtochter, die dieses neue Programm, eine Mischung zwischen KV und Sportlehre, testen durfte. Mein ehemaliger Judo-Trainer ist gleichzeitig Ausbildner bei Bühler, er hatte die Idee zu einer neuen Art von Ausbildung. Also bekam ich dieses Sonderabkommen und fing bei Bühler an. So konnte ich an zwei Vormittagen pro Woche trainieren und hatte auch mehr Zeit fürs Trainingslager. Es hat super funktioniert. Wie hat dieses Programm Sie weitergebracht? Normalerweise muss man sich entscheiden: Spitzensport oder Lehre. Ich durfte beides realisieren. Es war mir wichtig, eine Lehre zu absolvieren. Auch, weil man mit dem Judo-Sport in der Schweiz kaum Geld verdient. Und wenn man sich verletzt und die Karriere plötzlich zu Ende ist, steht man mit nichts da. Was sind Ihre Pläne für die Zukunft? Ich möchte auf den Sport setzen, solange es geht. Daneben will ich mich bei Bühler weiterentwickeln. Vielleicht mache ich noch ein Studium. Alles ist offen. Ich bin sehr froh, dass Bühler mich unterstützt. Ich fühle mich hier frei, meine Talente auszuleben.

INSIDE /ZUM UNTERNEHMEN Das über 150 Jahre alte Schweizer Familienunternehmen Bühler ist ein globaler Anbieter von industriellen Lösungen zur Verarbeitung von Grundnahrungsmitteln und zur Produktion hochwertiger Materialien, und dies in über 140 Ländern weltweit. /ANZAHL ANGESTELLTE Schweiz: ca. 2’400 Weltweit: ca. 10’600 /PERSONALBEDARF Absolventen und Professionals der Elektrotechnik und Informationstechnologie, Informatik, Lebensmittelwissenschaften, Management und Betriebswirtschaft, Chemieingenieurwissenschaften, Maschinenbau und Verfahrenstechnik /WEGE IN DAS UNTERNEHMEN Über internationale Praktika (mind. 4 Monate), internationales Trainee-Programm (3 Jahre) oder Direkteinstieg in eine Fachabteilung Carina Hildbrand, Purchasing Manager

/BEWERBUNG AN Sabrina de Vries

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IM GESPRÄCH

Bundesverwaltung Roberta Cattaneo beobachtet gespannt, welche neuen Herausforderungen die Technologie an Medien und Politik stellt. Und wie wichtig Mehrsprachigkeit in der Schweiz noch immer ist. Frau Cattaneo, Sie sind Leiterin der Abteilung Medien beim Bundesamt für Kommunikation. Worüber denken Sie derzeit oft nach? Roberta Cattaneo: Wir sind in einem starken Wandel, weil es auch die Medien sind. Es ist wie die Entdeckung eines neuen Kontinents. Alles verändert sich, wird schneller, komplexer. Neue Technologien verändern die Art und Weise, wie Konsumenten denken und handeln. Die Medienmacher diktieren die Themen nicht mehr alleine, sondern die Nutzer sagen, was sie wollen. Das bedeutet auch für uns,

dass wir schneller arbeiten und auf Trends reagieren müssen. Wie tun Sie das? Wir müssen uns überlegen, welche politischen Konsequenzen dieser Wandel hat. Was passiert, wenn neue Technologien kommen? Müssen wir sie regulieren? Un-

«Wir müssen den Service Public neu definieren.» terstützen wir sie finanziell und politisch? Wir müssen die Aufgaben des Service Public in der Gesellschaft neu definieren. Der Service Public wird in mehreren Sprachregionen geleistet. Beim Bund selbst ist Mehrsprachigkeit ein Muss. Ein Vorteil? Absolut. Man kann dem Gegenüber mithilfe der Sprache mehr Empathie entgegenbringen. Eine gemeinsame Sprache schafft ganz andere Bedingungen bei Verhandlungen, die Leute sind offener, vertrauen eher. Als italienischsprechende Bündnerin ist es für

mich eine Ehre, die Sprache des Gegenübers zu sprechen, wenn ich Menschen aus der Romandie oder der Deutschschweiz treffe. Sie sind als Frau in einer Führungsposition immer in der Minderheit. Welche Erfahrungen haben Sie mit diesem Thema gemacht? Ich habe mir immer gewünscht, dass ich eine Stelle erhalte, weil ich befähigt bin, und nicht, weil ich eine Frau bin oder italienisch spreche. Meine Erfahrungen sind durchwegs positiv. Es hängt aber auch davon ab, wie man sich verkauft. Ich habe mich nicht anders verhalten, weil ich eine Frau bin. Ich habe nicht so getan, als sei ich ein Mann. Ich befürworte klar, dass eine gewisse Prozentzahl Frauen im Kader Pflicht für Unternehmen sind. Vielfalt ist ein Grund für den Erfolg eines Unternehmens. Wie organisieren Sie Ihr Privatleben, neben einem so fordernden Beruf? Mein Mann wohnt im Bündnerland, ich bin unter der Woche in Biel. Wir führen sozusagen eine Fernbeziehung unter der Woche, was mir enorme Freiheiten im Beruf ermöglicht. Ich kann unter der Woche für meine Arbeit da sein, und am Wochenende bin ich mit Haut und Haaren für die Familie da. Natürlich bietet der Bund als Arbeitgeber hervorragende Bedingungen wie Homeoffice, gleitende Arbeitszeiten, verschiedene Modelle. Natürlich arbeite ich sehr viel, aber ich habe Spass an meiner Arbeit. Das ist es mir wert.

INSIDE /ZUM UNTERNEHMEN Die Bundesverwaltung besteht aus sieben Departementen mit rund 70 Ämtern und der Bundeskanzlei. Die spannenden Aufgaben reichen von A wie auswärtige Angelegenheiten bis Z wie Zoll. Die Bundesverwaltung bietet flexible Arbeitsformen und fördert unter anderem die Chancengleichheit. /ANZAHL ANGESTELLTE 37’600 /PERSONALBEDARF Mitarbeitende aus den unterschiedlichsten Branchen und Berufen für Stellen im In- und Ausland. /WEGE IN DAS UNTERNEHMEN Ca. 400–500 Praktikumsstellen pro Jahr sowie Direkteinstieg /BEWERBUNG Online über das Stellenportal www.stelle.admin.ch

Roberta Cattaneo, Vizedirektorin/Leiterin Abteilung Medien Bundesamt für Kommunikation (BAKOM)

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IM GESPRÄCH

Deloitte INSIDE /ZUM UNTERNEHMEN Deloitte ist ein global führendes Beratungsunternehmen mit branchenspezifischen Dienstleistungen in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Consulting und Financial Advisory. /ANZAHL ANGESTELLTE 1’400 in der Schweiz, 225’000 weltweit /PERSONALBEDARF Absolventen und Berufserfahrene mit wirtschaftswissenschaftlichem, juristischem oder technischem Studienhintergrund /WEGE IN DAS UNTERNEHMEN Praktika sowie Festeinstiege

David Michel, Aktuar, Financial Services Industry

/BEWERBUNG www.deloitte.com/careers

Bei Deloitte wird Vielfalt nicht nur grossgeschrieben, sondern gelebt. David Michel verfolgt seine Aufgaben als Aktuar mit Leidenschaft – genau wie sein Hobby, die Kunst. «Durch Spass und Motivation kann man über sich hinauswachsen.» Herr Michel, als Aktuar im Bereich Financial Services Industry üben Sie eine Profession bei Deloitte aus, die hochmathematisch ist und vielleicht nicht jedem ein Begriff sein wird. Was verbirgt sich hinter Ihrer Position? David Michel: Zugegeben, das Berufs-

bild des Aktuars ist ein recht alter Beruf und hat in den angelsächsischen Ländern einen weitaus grösseren Bekanntheitsgrad als in der Schweiz. Als Aktuar befasse ich mich am meisten mit der Modellierung, Bewertung und Steuerung von Versicherungs- und Finanzrisiken. Da meine Arbeit sehr analytisch und komplex ist, könnte man darin kaum Raum für Kreativität vermuten. Jedoch habe ich gerade durch meine Tätigkeit, insbesondere durch das Programmieren, die Brücke geschlagen zu meiner privaten Leidenschaft — der Kunst. In Ihrer Freizeit leben Sie sich künstlerisch aus. Wie viel davon können Sie in Ihrer Arbeit einbringen? Bei beiden Tätigkeiten, sei es in der Kunst oder meiner Arbeit als Aktuar bei Deloitte, bin ich mit voller Leidenschaft dabei. Sicherlich sehen Zahlen und Kunst auf den ersten Blick wie zwei völlig unterschiedliche Paar Schuhe aus. Jedoch verbindet sie die Leidenschaft. Wenn man Spass an der Sache hat, flexibel ist, Motivation und Ansporn mitbringt, kann man nicht nur privat, sondern auch beruflich über sich hinauswachsen. Was halten Ihre Arbeitskollegen von Ihrer Freizeitbeschäftigung? Die Resonanz ist durchweg positiv und

interessiert. Das Team, in dem ich arbeite, hat bis dato vierzehn verschiedene Sprachen gesprochen und fast zwanzig unterschiedliche Staatsangehörigkeiten umfasst. Respekt und Toleranz bilden dabei einen wesentlichen Bestandteil unserer Kultur. Wir alle bringen unterschiedliche kulturelle, individuelle und Bildungshintergründe mit, und trotzdem – oder gerade deshalb – passen wir sehr gut zusammen. Wie wichtig ist Ihnen Diversität im Beruf? Definitiv wichtig. Gerade diese Vielfalt sowie die Förderung von Kreativität und Innovation bieten die besten Entwicklungsmöglichkeiten und Erfahrungen, gleichzeitig aber auch einen spannenden und dynamischen Arbeitsplatz. Das schätze ich sehr an meinem aktuellen Arbeitsumfeld. Bei Deloitte ist Diversität gefragt, wird gefördert und schafft einen bedeutenden Mehrwert für die Mitarbeitenden und die Organisation.

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IM GESPRÄCH

Die Schweizerische Post Edi Fässler arbeitet seit sechs Jahren an drei verschiedenen Orten. Diese Flexibilität ermöglicht ihm mehr Zeit mit der Familie und bringt Offenheit für neue Ideen. Sie arbeiten seit 15 Jahren Teilzeit. Sie waren gewissermassen ein Pionier. Edi Fässler: Damals war ich wirklich noch ein Exot. Heute ist es verbreiteter, dass Männer sich die Kinderbetreuung mit ihrer Partnerin teilen. Das geht besser, wenn man von zuhause oder von unterwegs arbeiten kann, was bei der Post kein Problem ist. Aber in puncto Teilzeitarbeit bei Männern besteht in der Schweiz sicher noch Luft nach oben. Ich habe den Eindruck, dass es

viele Männer gibt, die gerne anders arbeiten möchten, diesen Wunsch aber aus verschiedenen Gründen nicht umsetzen können. Woran liegt das Ihrer Meinung nach? Die Technologie ist heute kein Hinderungsgrund mehr, so mobil und vernetzt, wie wir sind. Es liegt sicher an alten Rollenmustern und an der Bereitschaft des Arbeitgebers. Da bin ich der Post als Arbeitgeberin sehr dankbar. Sie hat meinen Wunsch nach Teilzeitarbeit bedingungslos akzeptiert. Die Post gehört zu den Gründungsunternehmen der Work-Smart-Initiative und macht auf dem Gebiet vieles möglich. Sie sind zwei Tage pro Woche in Bern, zwei Tage zuhause in der Ostschweiz. Oft arbeiten Sie auch unterwegs. Wie organisieren Sie sich? Im Zug von Bern in die Ostschweiz, wo ich wohne, arbeite ich zwei Stunden. Ich plane bewusst Aufgaben ein, die zur Atmosphäre im Zug passen, wo also weder Platz noch grosse Konzentration nötig ist, zum Beispiel die Bearbeitung von Mails oder Lesen. Im Homeoffice mache ich Arbeiten, bei denen ich grosse Konzentration brauche und mich zurückziehen kann. Ich disponiere und plane meine Pendenzen sehr sorgfältig.

Wie erleben Sie diesen ständigen Wechsel des Arbeitsortes? Ich finde diesen Wechsel ideal, für mich ist das ein Privileg. Nicht viele Leute können zwischen drei verschiedenen Arbeitsplätzen wählen. Ich habe für jede Arbeit den richtigen Ort. Natürlich habe ich diese Aufteilung aber auch wegen der Familie entschieden. Seit ich so arbeite, bin ich öfter präsent und

«Ich habe für jede Arbeit den richtigen Ort.» auch länger. So bleibt mehr Zeit für die Beziehungspflege, weil ich beispielsweise mittags zuhause esse. Sie haben eine horizontale Entwicklung bei PostMail gemacht. Welche Vorteile hat diese Art von Karriere? Je höher man steigt, desto dünner wird die Luft. Die Entwicklungsmöglichkeiten sind horizontal einfach grösser. Ich hatte die Chance, in viele verschiedene Bereiche hineinzusehen: Ich kam als Personalentwickler zur Post, habe dann in die Beratung gewechselt und bin nun HR-Spezialist und Leiter Backoffice-Personal. Ich kann mein Wissen stetig erweitern. Diese Vielfalt ist grossartig.

Edi Fässler, HR-Spezialist/Leiter Backoffice Personal

INSIDE /ZUM UNTERNEHMEN Briefe, Pakete, Menschen. Die Schweizerische Post bewegt – viel mehr als man denkt. /ANZAHL ANGESTELLTE Rund 63’000 in 14 Ländern /PERSONALBEDARF Rund 1’600 pro Jahr; zudem über 800 Lehrstellen jährlich /WEGE IN DAS UNTERNEHMEN Die Post bietet ein konzernweites Trainee-Programm (14 Trainees pro Jahr) und ein ITTrainee-Programm an sowie verschiedene Praktika und Direkteinstiegsmöglichkeiten. /BEWERBUNG Online via Webseite www.post.ch/jobs

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IM GESPRÄCH

Sarah Pflüger, Partner/Leiterin Tax Accounting and Risk Advisory Services

INSIDE /ZUM UNTERNEHMEN Globales Beratungsunternehmen mit Fokus auf Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Transaktionsberatung und Managementberatung. /ANZAHL ANGESTELLTE Schweiz: 2’425, weltweit: 212’000 /PERSONALBEDARF Absolventen Wirtschaftswissenschaften (BWL, VWL), Wirtschaftsmathematik, Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftsingenieurwesen, Mathematik, Informatik, Jura /WEGE IN DAS UNTERNEHMEN Über Praktika (mind. 4 Monate) oder Direkteinstieg in unseren Fachbereichen

EY Als Partner bei EY kann Sarah Pflüger ihre Leidenschaft für Zahlen ausleben – und erhält die nötigen Freiräume für ihre Familie. Frau Pflüger, der Bereich Tax Accounting and Risk Advisory Services klingt nach vielen Zahlen. Sarah Pflüger: Ich bin tatsächlich sehr zahlenaffin und sehr glücklich, dass ich das bei EY ausleben darf. Ich empfinde meinen Beruf als kurzweilig und bereichernd. Ich arbeite in multikulturellen Teams und habe immer wieder Kontakt zu neuen Leuten und Bereichen. Meine Tätigkeit beinhaltet Schnittstellen zwischen Steuern, Recht und Accounting mit vielen spannenden technischen Fragestellungen. Ein Bereich mit viel Theorie? Nein, im Gegenteil: sehr projektbezogen und real. Wir müssen uns täglich neue Fragen stellen. Das Steuerrecht ist in einem starken Wandel. Früher musste man sich im

/BEWERBUNG unter www.ey.com/CH/en/ careers

Rahmen der bestehenden Gesetze bewegen, heute steht die Steuermoral-Frage viel stärker im Fokus. Das gibt sicher eine Menge Arbeit. Ja, natürlich. Aber seit ich Partner bei EY bin, ist es einfacher geworden. Ich bin noch flexibler und kann die meisten Entschei-

«Meine Familie ist ein kleines KMU.» dungen selbst treffen. Das ist mir wichtig, vor allem in Bezug auf die Organisation von Familie und Kinderbetreuung. Ich bin Mutter von drei kleinen Kindern, und ich möchte so viel Zeit wie möglich mit ihnen verbringen. Wie organisieren Sie sich? Ich arbeite Teilzeit, 70 Prozent, mein Mann ebenfalls. Wir teilen die Kinderbetreuung untereinander auf und haben mit Hort, Krippe und Grosseltern auch noch ausserfamiliäre Betreuung. Wir sind als Familie ein kleines KMU, es ist sehr viel Organisationsarbeit und Spontanität gefragt.

Doch das gefällt mir: Diese Organisation ermöglicht uns, dass wir uns beide beruflich verwirklichen können und trotzdem viel Zeit mit unseren Kindern verbringen. Ich bin sehr privilegiert, auch weil ich einen Arbeitsplatz habe, der mir das ermöglicht. Wie unterstützt Sie EY konkret? Ich konnte vor sieben Jahren auf Teilzeit umstellen, als unser erstes Kind kam, ohne Wenn und Aber, und die Höhe des Pensums selber bestimmen. Auch haben wir flexible Arbeitsmodelle. Ich kann Homeoffice machen, mir die Arbeitszeit aufteilen. Wenn man gewillt ist, fliessende Grenzen zwischen Privatleben und Beruf zu akzeptieren, funktioniert das gut. Welche Herausforderungen und Chancen ergeben sich aus einer Führungsrolle im Teilzeitpensum? Es ist manchmal schwierig, sich abzugrenzen. Das muss man selbst regulieren und Prioritäten setzen. Es gibt ja immer etwas zu tun. Ich bringe als Mutter und weiblicher Partner bei EY aber auch neue Perspektiven ins Unternehmen ein. Ich hoffe, ich bin für viele jüngere Mitarbeitende ein Vorbild und zeige, dass eine Karriere auch mit Familie möglich ist.

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IM GESPRÄCH

PostFinance AG Roman Kupcik Spahr blüht in seiner Teilzeitstelle als Domänenleiter und Familienvater auf – und findet Vorteile darin, älteren Menschen neue Berufschancen zu geben. Herr Kupcik Spahr, Sie sind Domänenleiter IT-Operations bei PostFinance. Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeitgeberin? Roman Kupcik Spahr: Zum einen die Möglichkeit, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln. Zum andern die offene, kollegiale Kultur. Ich war früher bei einer Bausparkasse tätig, dort waren Hierarchien stark ausgeprägt. Das ist bei PostFinance ganz anders. Hier existiert hierarchisches Denken praktisch nicht. Wir haben eine Du-Kultur hinauf bis zum CEO, die Türen der Vorgesetzten stehen offen. Ich bin hier nicht nur ein Rädchen, sondern meine Arbeit wird wertgeschätzt. Das stärkt das

Roman Kupcik Spahr, Domänenleiter Application Management IT-Operations

INSIDE /ZUM UNTERNEHMEN PostFinance ist eine erfolgreiche, innovative Finanzdienstleisterin im Schweizer Retailmarkt. Unser Erfolg beruht auf der Verbindung von Leistung und Leidenschaft. Wir bieten ein fortschrittliches Arbeitsumfeld, in dem wir stolz sind auf unsere Arbeit und uns zielbewusst einsetzen, um gemeinsam etwas zu bewirken. /ANZAHL ANGESTELLTE 4’012 /WEGE IN DAS UNTERNEHMEN BachelorPraktika, Master-Traineeprogramm, Direkteinstieg, praxisintegriertes BachelorStudium, Berufslehre /BEWERBUNG Online-Bewerbung auf ausgeschriebene Stellen

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Gemeinschaftsgefühl von allen und begeistert mich bei meiner täglichen Arbeit. Sehen das neue Mitarbeitende genauso? Sie schätzen die Breite an Möglichkeiten und die Tatsache, dass sie in ihrer Tätigkeit mehr bewegen können als im klassischen Bankenfeld. Wir sind keine typische Bank, starre Strukturen sind bei uns nicht förderlich. Wir brauchen Leute, die kreativ sind, mitdenken und ihr Potenzial ausschöpfen und einbringen. Unser Erfolg ist von neuen Ideen abhängig. Dies ist mit ein Grund, weshalb wir neu auch Bachelor-Praktika und ein Master-Traineeprogramm in der

«Unser Erfolg ist von neuen Ideen abhängig.»

Informatik bei PostFinance anbieten: Wir möchten vom Innovationspotenzial von Berufseinsteigern profitieren und deren Potenzial mit dem Wissen und Können von Berufserfahrenen kombinieren.

Sie stellen auch explizit Menschen ein, die über 50 Jahre alt sind, obwohl doch beim Wort Innovation immer auch ein bisschen Jugend mitschwingt. Ja, natürlich, wir brauchen junge Köpfe, die die neusten Trends kennen und mutig sind. Aber jedes Team braucht Ausgleich. Nur wenn ein Team verschiedene Kompetenzen vereint, ist es erfolgreich. Ältere Mitarbeitende bringen die nötige Ruhe mit, haben mehr Lebenserfahrung. Wenn ein Junger mit dem Kopf gegen die Wand rennt, kann der Ältere helfen, zu differenzieren. Und ich muss klar sagen: Auch ältere Mitarbeiter sind gut ausgebildet. In der IT-Branche muss man sich zwangsläufig immer neu orientieren. Sie sind Familienvater und arbeiten Teilzeit. Wie erleben Sie diese Doppelrolle? Ich bin sehr zufrieden! Mein Ziel war es immer, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Ich möchte meine Kinder aufwachsen sehen und mich aktiv an der Erziehung beteiligen. PostFinance bietet mir genau diese Möglichkeit. Zudem ist es sehr vorteilhaft, Homeoffice machen zu können, um z.B. bei höherer Arbeitslast seine Kinder am Abend zu sehen und nicht erst dann nach Hause zu kommen, wenn sie bereits im Bett sind.


IM GESPRÄCH

PwC INSIDE /ZUM UNTERNEHMEN PwC Schweiz unterstützt Unternehmen und Einzelpersonen dabei, genau dort zu wachsen, wo sie es wollen. Wir setzen uns täglich dafür ein, unsere Kunden und unsere Mitarbeiter besser zu verstehen. Dabei bieten wir ihnen individuelle Lösungen und Entwicklungsmöglichkeiten in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuer- und Rechtsberatung sowie Wirtschaftsberatung. /ANZAHL ANGESTELLTE 2’767 /PERSONALBEDARF 250 Absolventen, 70 Praktikanten /WEGE IN DAS UNTERNEHMEN Praktikum, Direkteinstieg, Advisory Graduate Programme

Tobias Meier Kern, Director Value Added Tax

/BEWERBUNG www.pwc.ch/careers

Tobias Meier Kern galt noch als Exot, als er Teilzeitarbeit forderte. Privat und beruflich hat ihn dieser Entscheid glücklich gemacht. Herr Meier Kern, Sie arbeiten seit fast 15 Jahren Teilzeit und sind engagierter Vater von drei Kindern. Waren Sie Ihrer Generation voraus? Thomas Meier Kern: Ich weiss nicht, ob es modern war, es kam aber sicherlich selten vor. Wenn ich heute sage, dass ich Teilzeit arbeite, sagt höchstens mal einer, «ah, spannend». Vor 15 Jahren wollten es einige gar nicht glauben. Sie fragten mich: «Geht das denn? Und wie?» Viele Männer wollen insgeheim schon seit Jahren Teilzeit arbeiten, doch sie trauen sich nicht. Das ist heute noch immer so, ändert sich zum Glück aber langsam.

Warum traut Mann sich nicht? Weil er oft denkt, das verbaue ihm die Karrierechancen. Ich glaube jedoch nicht, dass das so ist. Am Ende geht es um die Frage, wie viel ein Mitarbeiter dem Unternehmen wert ist. Will man ihn Teilzeit oder lieber gar nicht mehr? Will man jemanden behalten, lenkt man eher ein. Und am Ende zählt die Leistung. Diese ist messbar, Erfolge sind

«Ich bin motivierter, zufriedener und fokussierter.» es auch. Es ist also direkt überprüfbar, ob Teilzeitarbeit die Leistung schmälert oder den Mitarbeiter beflügelt. Wie war und ist es bei Ihnen? Es hat sich positiv auf meine Arbeit ausgewirkt. Ich schätze beide Lebensbereiche mehr, kann Prioritäten anders setzen und habe viel gelernt. Ich könnte nie reiner Hausmann sein, aber der Mix ist ideal für mich.

Was haben Sie noch gelernt, seit Sie Vater sind? Man ist bei der Arbeit fokussierter, weil man weniger Zeit hat. Kurzum, ich bin effizienter. Die Teilzeitarbeit schützt mich davor, zwei, drei Stunden länger zu bleiben, obwohl ich nicht mehr produktiv wäre. Ich bin motivierter und zufriedener. Zudem schadet es nicht, wenn man Konflikten zuhause nicht ausweichen kann. Dann trägt man sie auch im Beruf besser aus. Haben Sie Ihren Entscheid jemals bereut? Nein, nie. Manchmal fiel mir meine Arbeit im Büro leichter als die Zeit zuhause. Aber es war einer der besten Entscheide meines Lebens. Ich wollte die Kinder nicht nur am Abend und am Wochenende sehen, sondern aktiv da sein. Natürlich ist das nicht in allen Arbeitsbereichen gleich gut möglich. Wie meinen Sie das? Es gibt Abteilungen, wo man zeitlich sehr flexibel sein muss und die darum für Teilzeit nicht geeignet sind. Bei Teilzeitpensen ist es wichtig, dass die Arbeitsbelastung einigermassen planbar ist. Man kann nicht alles machen, wenn man Teilzeit arbeitet. Daher muss man ehrlich sein mit sich selbst, so wie die Firma mit ihren Angestellten. Wo es aber möglich ist, sollten Unternehmen ihren Mitarbeitenden diese Freiheit lassen. Es ist für alle Beteiligten nur von Vorteil.

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IM GESPRÄCH

Skyguide Marianne Alb wurde die Leidenschaft für Aviatik in die Wiege gelegt. Bei skyguide kann sie ihren Traum leben und trotz Teilzeitpensum Führung übernehmen. Sie sind Flugverkehrsleiterin und Head Flugsicherung Buochs bei skyguide. Hatten Sie die Aviatik schon immer im Blut? Marianne Alb: Mein Grossvater arbeitete bei den Flugzeugwerken Emmen, mit meinem Vater war ich oft auf dem Flugplatz Belpmoos. Ich fand es unglaublich spannend dort. Zu skyguide bin ich zufällig gekommen: Nach der Matura habe ich ein Inserat für Auszubildende gesehen. Ich habe mich beworben, obwohl ich nicht wusste, was genau die Aufgaben eines Flugverkehrsleiters sind. Schon kurz nach Beginn der Grundausbildung war

mir aber klar: Das will ich machen. Als Frau sind Sie im Aviatik-Bereich noch immer eine Exotin. Die Aviatik ist tatsächlich noch immer eine Männerdomäne. Schon während meiner Ausbildung befanden sich unter den knapp 50 Leuten nur fünf Frauen. In meinem Beruf habe ich aber nie zu spüren bekommen, dass

«Wir bedienen keine Klischees.» mein Geschlecht eine Rolle spielt, weder intern noch im Kontakt mit Kunden. Es war immer deutlich, dass die Qualität der Arbeit und die mitgebrachten Qualifikationen ausschlaggebend sind. Macht es also gar keinen Unterschied, ob man eine Frau oder ein Mann ist? Wenn es um Konfliktlösung geht, profitiert ein Team wahrscheinlich am ehesten davon, wenn es geschlechterdurchmischt ist. Frauen zeigen oft eine andere Herangehensweise in dieser Thematik. Grundsätzlich aber bedienen wir keine Klischees. Ein gutes Beispiel dafür ist das Multitasking, das eher den Frauen zugeschrieben wird. Bei uns

muss das ein Mann genauso mitbringen, weil es ein integraler Bestandteil des Jobs ist. Umgekehrt muss eine Frau in diesem Beruf ein ausgeprägtes räumliches Vorstellungsvermögen aufweisen, was klischeegetreu ein eher männliches Attribut wäre. Zeigen Frauen denn überhaupt Interesse am Bereich Aviatik? Das Interesse an dieser Berufsgattung ist bei Frauen tatsächlich noch nicht so gross. Vielen Frauen kommt es wohl gar nicht in den Sinn, eine Arbeit in diesem Bereich zu suchen. Sie haben ein Kind, arbeiten Teilzeit. Ist Führung in einer Teilzeitanstellung überhaupt möglich? Ja, auch wenn dies von mehreren Faktoren abhängt. Ich bin mit meinen 80 Prozent immer noch oft vor Ort. Die Firma hat mir nie Steine in den Weg gelegt oder mir signalisiert, dass mein Muttersein negative Konsequenzen für meine Anstellung hat. Mein Team unterstützt mich sehr, ich kann mich auf meine Kollegen verlassen, auch wenn ich nicht vor Ort bin. Das ist wichtig. Unsere Arbeitsplanung ist flexibel, so kann ich die Betreuung meines Kindes gut organisieren. Und privat haben wir ein breites Betreuungsnetz. Es ist sicher berechtigt, in Teilzeit zu führen, wenn die nötigen Qualifikationen und auch eine gewisse Leidenschaft für diese Aufgabe gegeben sind.

INSIDE /ZUM UNTERNEHMEN Skyguide sorgt für die Flugsicherung in der Schweiz und im angrenzenden Ausland. An 14 Standorten arbeiten insgesamt 1’400 Mitarbeitende. Sie führen täglich 3’170 und jährlich über 1,1 Millionen zivile und militärische Flugzeuge sicher und zuverlässig durch den komplexesten und am dichtesten beflogenen Luftraum Europas.

Marianne Alb, Flugverkehrsleiterin und Head Flugsicherung Buochs

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/ANZAHL ANGESTELLTE 1’400 /PERSONALBEDARF jährlich 25–30 Flugverkehrsleiter/-innen und rund 30 Stellen in verschiedenen Bereichen /WEGE IN DAS UNTERNEHMEN Flugverkehrsleiter/-in: Praxisbezogene 2,5-jährige Ausbildung im skyguide training center mit anschliessender Anstellung. Sonstige Berufe: Direkteinstieg in verschiedenen Bereichen. /BEWERBUNG online unter www.skyguide.ch/de/company/karriere


IM GESPRÄCH

UBS INSIDE /ZUM UNTERNEHMEN UBS stellt erstklassige Finanzberatung und -lösungen für private, institutionelle und Firmenkunden weltweit sowie für Retailkunden in der Schweiz bereit. Im Mittelpunkt der Strategie stehen das führende Wealth-Management-Geschäft sowie die führende Universalbank in der Schweiz, verstärkt durch Asset Management und die Investment Bank. /ANZAHL ANGESTELLTE 60’000 weltweit, 22’000 in der Schweiz /WEGE IN DAS UNTERNEHMEN Internship, Graduate Talent Program, Direkteinstieg

Tanja Greiner, Associate Director/Product Manager in UBS Asset Management

/BEWERBUNG ubs.com/careers

Tanja Greiner findet, dass Netzwerke und Mentoren Frauen helfen, ihr Potenzial wirklich auszuschöpfen – und würde ihre Auslandserfahrung niemals missen wollen. Frau Greiner, Sie sind Product Manager im Asset Management bei UBS. Was haben Sie richtig gemacht? Tanja Greiner: Ich habe Gelegenheiten ergriffen, die sich mir geboten haben. Zum Beispiel habe ich die Möglichkeit erhalten, für UBS nach Asien zu gehen, was für mich beruflich und persönlich sehr bereichernd war. Ich arbeite sehr gerne in einem internationalen Umfeld und dies war mein erster Einsatz im Ausland, der wiederum neue Chancen im Unternehmen eröffnet hat. Sollten Frauen sich generell mehr zutrauen? Ich bin fest überzeugt, dass es sich lohnt, die Komfortzone zu verlassen – das gilt für Männer genauso wie für Frauen. Das Risiko des Scheiterns wird oft systematisch über-

schätzt. Wenn man Chancen erhält, heisst das schliesslich, dass andere Personen an einen glauben. Deshalb sollte man Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten haben. Was haben Sie während Ihrer Zeit in Asien gelernt? Ich habe zum Beispiel viel über Verhandlungsführung und Konfliktlösung gelernt und dabei festgestellt, dass viele der Klischees, die man so kennt, wahr sind. Ich habe versucht, so viele Fettnäpfchen wie möglich zu vermeiden, was mir natürlich

«Das Risiko des Scheiterns wird oft systematisch überschätzt.» nicht immer gelungen ist. Dadurch habe ich mir aber auch angewöhnt, mich selbst stärker zu hinterfragen und zu überlegen, warum ich Dinge so und nicht anders tue. Das war bestimmt auch schwierig. Ja, natürlich, weil bewährte Konzepte nicht mehr greifen. Wie so oft bei Projekten waren wir unter grossem Zeitdruck und es blieb nicht viel Zeit, in die neue Kultur einzutau-

chen. Aber wir hatten ein sehr gutes Team vor Ort, das mit grossem Enthusiasmus bei der Arbeit war. Dadurch sind die kulturellen Unterschiede zunehmend in den Hintergrund geraten. Wie haben die Menschen um Sie herum Sie beeinflusst? Ich hatte das grosse Glück, dass ich von Personen umgeben war, die mich gefördert und inspiriert haben. Manchmal haben sie mir auch Denkanstösse gegeben, etwas Neues auszuprobieren und so über mich selbst hinauszuwachsen. Vor meinem Master und Doktorat in VWL habe ich zum Beispiel einen Bachelor in Journalismus gemacht, bin aber trotzdem im Banking gelandet. Und auch bei UBS war ich in sehr unterschiedlichen Geschäftsfeldern tätig, von Wealth Management bis hin zu Asset Management. Brauchen Frauen Netzwerke? Besonders Frauen! In der Schweiz sind wir vielleicht etwas zu zurückhaltend, was Networking angeht. Aber man sollte Kontakte nicht erst dann pflegen, wenn man sie braucht. Das ist unglaubwürdig. Ich habe die Erfahrung gemacht: Jeder, der helfen kann, ist in der Regel auch bereit, dies zu tun.

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IM GESPRÄCH

Zühlke Engineering AG INSIDE /ZUM UNTERNEHMEN Zühlke begleitet Unternehmen bei der Umsetzung ihrer Vision – von der cleveren Idee bis zum durchschlagenden Markterfolg. Wir entwickeln wegweisende Produkte, massgefertigte Software und Lösungen aus der intelligenten Kombination von beiden. Als Teil der 1968 gegründeten Zühlke Gruppe sind wir heute mit lokalen Teams in Deutschland, Grossbritannien, Österreich, Serbien und der Schweiz präsent. /ANZAHL ANGESTELLTE 440 in der Schweiz, 700 in der Gruppe /PERSONALBEDARF Hochschulabsolventen mit Background in Informatik, Wirtschaftsinformatik, Elektrotechnik, Maschinenbau oder verwandter Fachrichtung /WEGE IN DAS UNTERNEHMEN Direkteinstieg, Praktikum, Semester- oder Diplomarbeiten /BEWERBUNG an jobs@zuehlke.com

Daniel Rapp, Project Manager

Daniel Rapp trainiert bis zu 25 Stunden pro Woche für den Ironman. Zühlke unterstützt dieses Engagement – auch, weil Rapp damit fokussierter und glücklicher bei der Arbeit ist. Herr Rapp, hinter Ihnen höre ich viele Stimmen. Wo stecken Sie gerade? Daniel Rapp: Ich bin in einem Trainingslager in Tschechien und bereite mich hier auf meinen nächsten Triathlon vor. Ich habe mich für die Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii qualifiziert. Trainingslager sind die Voraussetzung für eine gute Saison, ohne würde es nicht gehen. Das ist Teil meines Alltags als äusserst ambitionierter Ausdauersportler. Der Sport nimmt sicher viel Zeit in Anspruch. Ja, ich trainiere zwischen 20 und 25 Stunden pro Woche. Und arbeite trotzdem 100 Pro-

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zent bei Zühlke. Ich muss mich also sehr gut organisieren. Wie schaffen Sie diesen Spagat? Ich achte darauf, möglichst keine Reibungsverluste zu haben. Meistens fängt meine erste Trainingseinheit um 6.15 Uhr morgens an. Das reicht, um gegen 8.15 Uhr im Büro zu sein. Meine Planung ist sehr straff und

«Der sportliche Ausgleich macht mich effizienter.» koordiniert. Abends nach 18 Uhr folgt dann die zweite Trainingseinheit. Flexible Arbeitszeiten sind natürlich zentral. Ich kann auch mal später kommen oder länger bleiben. So kann ich beides optimal kombinieren. Ich schätze es sehr, dass Zühlke mir entgegenkommt. Ich kann auch flexibel Urlaub nehmen, wenn ein Lager ansteht. Wie profitiert Zühlke als Arbeitgeber von Ihrer Leistung im Sport? Nach einer Trainingseinheit in der Früh bin ich viel fitter als Leute, die gerade aus dem Bett kommen. Ich habe immer Energie, bin

nie müde. Mein Körper ist leistungsfähig, und mein Kopf ist es auch. Wenn ich keinen Sport mache, bin ich viel matter. Von meinem Training profitiert das Unternehmen sicher, weil ich die anfallenden Arbeiten viel konzentrierter und effizienter erledige. Ich bin ausgeglichen, habe innere Sicherheit und eine innere Ruhe. Gibt es Gemeinsamkeiten in Job und Sport? Die Eigenschaften, die man sich bei einem Ironman aneignet, sind auch für den Job als Projektmanager hilfreich – die Ausdauer, der Ehrgeiz. Auch mal weiterzuziehen, wenn’s schwierig wird, und dranzubleiben. Diese Eigenschaften eigne ich mir im Training an. Ich kann Leute motivieren und mehr Leistung aus ihnen kitzeln. Im Sport lernt man, motiviert zu bleiben – auf gesunde Art und Weise. Wir sollten also alle mehr Sport machen, um glücklicher zu sein? Klar, Sport machen ist immer gut, für die Gesundheit, für die emotionale Stabilität. Aber das Wichtigste ist, einen Ausgleich zur Arbeit zu haben. Egal, ob das nun Sport ist, ein Musikinstrument oder die Familie. Denn das gibt am Ende auch dem Arbeitgeber etwas zurück.


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Universum life careerism 2016  

Eine klare Trennung von Leben und Beruf gibt es nicht mehr. Die Arbeit ist ein Puzzleteil eines vielseitigen Lebensmodells geworden, worin G...

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