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Benedetta Alosi

NR. 671 01/2013

G L Ü C K Glücksmaschinen: Bitte nicht falsch bedienen!

Das Herz fängt an schneller zu schlagen. Die Haut wird wärmer und feuchter. Ein angenehmes Kribbeln läuft den Rücken hinab. Ein Feuerwerk an Botenstoffen im Gehirn sorgt für ein wohliges Empfinden. Ist das alles? Es folgt ein Plädoyer für mehr Respekt im Umgang mit Unglück; denn mehr Endorphin, Dopamin und Serotonin durch Essen, Sex und Action macht noch lange keine glücklichere Gesellschaft. Von Christopher Spiegl

ndlich glücklich. Wir alle wollen diesen Moment erreichen und man kann auch niemandem dieses Streben absprechen. Doch abgesehen von den biologischen Faktoren, die uns glücklich machen, ist Glück ein sehr

sorgen bei breiten Teilen der Bevölkerung sen Glücksdschungel.

lernt der Mensch und der Erfolg macht garantiert glücklicher. Tatsächlich wird diese Lust durch ebendiese „Wegweiser“ zunichte gemacht, wenn dazu aufgerufen wird, „zur

Glücksfaschismus – Oh Fortuna, wo bist du nur?

Gewalt zu erzwingen, ein eher zweifelhaftes Unterfangen. Beginnen wir vielleicht mit dem modernen Glücksverständnis: Im Gegensatz zur Antike, als Glück noch dem Zufall oder namentlich Fortuna zugesprochen wurde, erscheint uns heute vor allem Glück in der Form, die verlangt, es sich „selbst schmieken wir der ersten neuzeitlichen Demokratie

Im Buchladen scheint ein Streifzug durch

meditieren und sich durch positives Denken möglichst glücklich zu penetrieren. Wir sollten lernen, das Leben so zu akzeptieren, wie es ist, und vor allem zwei Dinge vermeiden: Stress und Angst.

auf den persönlichen pursuit of happiness mag zwar ein wichtiger gesellschaftlicher und politischer Motor der Geschichte gewesen sein; jedoch scheint sein Triebwerk heute gehörig ins Stocken geraten zu sein.

iUnglück – Warum mehr Äpfel nicht zwingend zufrieden machen Gemessen an anderen Teilen der Welt leben sind und werden immer mehr Menschen unglücklich. Das Easterlin-Paradox (benannt nach dem US-amerikanischen Wirtschaftsdies. Er geht davon aus, dass mehr Einkommen und Wohlstand, sofern grundlegende Bedürfnisse gedeckt sind, eine Gesellschaft nicht automatisch glücklicher machen. EasOnline-Fachmagazin PNAS, die er und seine MitarbeiterInnen über einen Zeitraum von geführt hatte. In ihr wird berichtet, dass wir heute – trotz Wirtschaftswachstum und technischem Fortschritt – nicht unbedingt glücklicher sind als unsere Eltern oder Großeltern. Im Gegenteil: So ist z.B. in den USA die Zufriedenheit stark zurückgegangen, insbesondere bei Amerikanerinnen. Die Glücksnormen auf dem Präsentierteller der Medien

soeben am Begräbnis der Individualität teil. Stabile soziale Beziehungen, seelische und körperliche Gesundheit sowie die Möglichkeit, über das eigene Leben bestimmen zu können, sind maßgebliche Faktoren, um sich glücklich fühlen zu können. Doch uns wird in tisch ist vor allem, dass wir darin viel zu oft in einen Topf geschmissen werden. ExpertInnen glauben, den richtigen Weg gefunden zu haben, und versprechen mit Garantie, wie man glücklich wird. Und das oft auf so einfache Weise, dass man sich fragt, warum wir in der Schrift es noch immer nicht zustande gebracht haben, sie selbst zu formulieren und der-ist-seines-Glückes-Schmied-Formel“ ein glücklicheres Leben“, während Autor Y ebenfalls die Zahl Fünf für sich entdeckt hat und glaubt, mit „The Big Five for Live: Was wirklich zählt im Leben“ den Leitfaden für ein glückliches Leben publiziert zu haben. aber kann das auf die restlichen sieben Milliarden Menschen unseres Planeten umgemünzt werden? Aber den Anspruch erheben die beiden Autoren auch gar nicht, sie schreiben für das Führungsbuch, das es in sich hat“, schreibt letztgenannte Werk und diese spiegelt eine traurige Sehnsucht wider. Es wird gefährter wird, als die Lust am eigenen Entdecken. Dass man dadurch in Kauf nimmt zu scheitern, muss riskiert werden, denn nur dann

Die Krise der Demokratie rührt nicht nur von den KosumentInnen bzw. WählerInnen her. Korruptions- und Spekulationsskandale lassen uns erahnen, dass einigen PolitikerInnen das Streben nach Aufstieg in der eigenen Partei, Macht und Prestige wichtiger waren, als die Idee, für die ihre Partei eigentlich steht. nen scheitern an den Barrikaden, welche

neue Ideen blockiert werden, wird nicht nur

Glück in einer freien Gesellschaft ist anstrengend Aber gerade am richtigen Maß an Stress und Angst, die wir zulassen sollten, fehlt es uns heute, um wieder etwas glücklicher zu sein. Was absurd klingt, hat dennoch seine Daseinsberechtigung und ist für das persönliche Leben ein ebenso wichtiger Beitrag wie für die -

sich Katastrophen, die sich in einem Leben nicht vermeiden lassen, aufgefangen werdem entfernt, was wir heute erwarten: Dauerglück. Die Erwartung an ein Leben ohne Schmerzen ist nicht nur utopisch, sondern auch destruktiv. Wenn etwas schiefgelaufen ist, wird die Schuld einfach auf die Welt und die Mitmenschen geschoben. Die zahllosen

die Demokratie – in der eigentlich die größtwelche auf Konsens basiert, möglich wäre – zunichte gemacht: Nein, sie begraben die hart errungene Demokratie auch noch weiter. Die Antwort der Wählerschaft ist an der sinkenden Wahlbeteiligung ablesbar. Laut dem Historiker Eric Hobsbawm glaubt die heutige Generation, in einer permanenten Gegenwart zu leben. Im festen Glauben, alles bleibe beim Alten, und bei gleichbleibendem Konsumverhalten stagnieren die politischen Wozu noch wählen gehen, wenn ich gemütlich konsumieren, über nervige Leute lästern wertgefühl aufpeppen kann? Der gefährliche Irrtum, dass Lebenskunst allein darin besteht, sich das Leben leicht zu machen, führt uns in ein Gefängnis der guten Laune. Wir müssen glücklich sein! Schon kleinen Kindern wird bei Misserfolg Trost durch Schokolade gespendet, was noch nicht so sehr ins Gewicht fällt. Wenn diese Logik jedoch bis ins Erwachsenenalter erhalten bleibt, reicht dann Schokolade meist nicht mehr aus und man greift zur Flasche, Tablette und leider auch im Extremfall zur

auch fragwürdige Ideale. Das Selbstwertgefühl schwindet trotz Übersteigerung (man ist keiten, Stars und Sternchen, die letztendlich gar nichts mit der eigenen Lebenswelt zu tun haben, außer dass sie durch Medien konsumiert werden können. Ist es nicht eine Bedrohung für eine demokratische Gesellschaft, wenn Menschen mehr Mitgefühl mit Knut, dem Eisbären, als mit einem Obdachlosen lung irgendeines Monarchenpärchens angespannt im Fernsehen verfolgt, während im nächsten Kanal in einer Nationalratssitzung die Senkung der AkademikerInnenquote per

die zum Leben einfach notwendig sind. Individuelles wie gesellschaftliches Glück lassen sich am besten in einer demokratischen Politik verwirklichen und das Super-Wahljahr gung! Glück ist heute kein Schnäppchen im Supermarktregal. Es anstrengend und muss erkämpft werden! Bitte jetzt nicht gleich zu Fackeln und Heugabeln greifen um das

P.S.: Ich habe nichts gegen Eisbären.


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EDITORIAL

UNI:PRESS # 671 JÄNNER 2013 Christopher Spiegl

Liebe Leserin, lieber Leser! W 

ie bereits in der letzten Ausgabe angekündigt, gab es auch im Pressereferat personelle Änderungen. Das neue Uni:Press-Team besteht

AutorInnen. Es gilt dem neuen Team ein großer Dank dafür, dass sie mit so viel Elan und Tatkraft an die Gestaltung der Uni:Press herangegangen sind! Auf weitere Änderungen bei Format, Aufmachung und Inhalt dürft ihr im nächsten Semester gespannt sein. In dieser Ausgabe macht sich die Uni:Press

hat ein Glücksranking durch Befragung von

Planet Index. Werner Müller-Schell spricht auf der nächsten Seite mit Wolfgang Sacher, der durch einen Unfall den linken Arm verlor und dadurch aus der Bahn geworfen wurde.

na Hochholzner wiederum sprach mit Andi, der seit seiner Geburt querschnittsgelähmt ist und sein Glück als Mittelalter-Fan gefunden hat. Auf Seite 8 schließlich nähert sich die Uni:Press dem Thema auch wissenschaftlich an und interviewte dazu den Glücksforscher und Leiter des Fachbereichs Philosophie Em-

cker ging das gleich ganz praktisch an und

Dass die Möglichkeit, an der Universität studieren zu können, keine Frage des Glücks sein sollte – oftmals aber ist, wird

Viel Spaß beim Lesen wünscht dein ÖH-Vorsitzteam Simon Hofbauer, Daniel Winter & Su Karrer

die Uni:Press über das Studiengebührenkarussell der Bundesregierung, über das Unglück der Nicht-EU-BürgerInnen durch die neue Studiengebührenregelung sowie über die Zugangsbeschränkungen, die im Mantel durchgesetzt werden sollen. Diese und viele weitere spannende Geschichten erwarten dich auf den nächsten Seiten. Wir wünschen dir viel Spaß beim Lesen und natürlich viel Glück in der Prüfungszeit!

Wolfgang Pfensig

Glückspilze? von marie Schulz Glücklichkeit, Glückstreffer oder Glückspilz – jeden Tag jonglieren wir mit vielen Begriffen rund um das Thema „Glück“. Was das Wort „Glück“ nun wirklich bedeutet und darstellt, kann man jedoch sehr schwierig für die Allgemeinheit definieren. Im Wörterbuch wird Glück als „eine angenehme und freudige Gemütsverfassung, in der man sich befindet, wenn man in den Besitz oder Genuss von etwas kommt, was man sich gewünscht hat“, definiert. Tja, manche Menschen nehmen das mit dem „in den Genuss von etwas kommen“, um glücklich zu sein, leider etwas zu wörtlich und konsumieren Drogen, um ihr persönliches Glück zu erleben. Gibt man zum Beispiel in eine Suchmaschine die Schlagwörter „glücklich“ und „Drogen“ ein, befinden sich unter den Ergebnissen nicht wenige Foreneinträge, in denen offensichtlich unglückliche Menschen nach den „Drogen, die glücklich machen“, fragen und suchen, und jeden halbwegs konstruktiven Vorschlag wohl auch gerne annehmen und ausprobieren würden. Neben den legalen Drogen gibt es noch viele andere, meistens illegale Varianten zur Gemütserhellung: Ob Kokain, Ecstasy oder Hanf – laut diversen Foren und Internetseiten gibt es einige Mittelchen, die einen

schnell auf Wolke Sieben schweben lassen können. Dabei macht das jede Droge auf ihre Weise: Während der Joint angeblich die gerade noch so dramatisch geglaubten Probleme einfach so verpuffen lässt und nur noch Entspannung mit sich bringt, peppt beispielsweise Kokain das geknickte Selbstvertrauen in „Null komma Nase“ auf, und Ecstasy verbreitet überhaupt das totale Harmoniegefühl à la Mutter Theresa. Diese drei Beispiele nur als kleines Potpourri, prinzipiell sind den Möglichkeiten, wie einige Beiträge beschreiben, keine Grenzen gesetzt: je nach Situation, Lust und Gefühlszustand individuell wählbar, sozusagen. Klingt in der Theorie vielleicht ganz vielversprechend, und es wäre ja eigentlich auch ganz angenehm, wenn es so einfach wäre, glücklich zu sein. Leider sind diese „Glücksmomente on the wave“ aber nicht von langer Dauer: Kurze Zeit später findet man sich abermals im gewohnten Umfeld mit seinen gewohnten Problemen wieder – und hat vermutlich vom Trip noch ein paar Gehirnzellen weniger. Das Leben kann nicht immer so bunt sein wie auf diesem Bild. Also sollte man sich lieber aktiv mit seinem Leben und seinen Problemen beschäftigen und versuchen, diese wirklich zu lösen, als sie mit diversen Drogen einfach auszublenden. Macht auf Dauer sicher glücklicher.

Impressum Medieninhaberin: Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft an der Paris Lodron Universität Salzburg

Blattlinie: Die Uni:Press ist ein Medium der Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft an der Paris Lodron Universität Salzburg. Sie fungiert als Forum zur Förderung des kritischen Diskurses und der demokratischen Mitbestimmung an der Universität Salzburg. Sie vertritt ein Konzept emanzipatorischer, öffentlicher sowie frei zugänglicher Bildung. Zu den Themenschwerpunkten zählen insbesondere studienrelevante Informationen, Hochschulund Gesellschaftspolitik sowie studentische Kultur und Lebensweise. Als Bindeglied zwischen Studierenden und Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft strebt die Uni:Press im Sinne der Partizipation und der Förderung journalistischer Kompetenzen eine breite Beteiligung der Studierenden an der redaktionellen Arbeit an.


INHALT

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14 GLÜCK

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Studentische Fotostrecke: „Glück“

Umfrage: Was macht uns StudentInnen glücklich? Vom Glück in den verschiedenen Ländern

Im Portrait: Behindertensportler Wolfgang Sacher

7 8 

Mit dem Rollstuhl durch das Mittelalter „Glück beginnt bei einem selbst“ – Interview mit Prof. Emmanuel Bauer

9 10 

Reportage: Bergmenschen Kopf oder Zahl: „Vom Tellerwäscher zum Millionär“

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Mach’s dir doch selbst: Häkelmütze Radio

UNI & LEBEN

12 12 

Das Studiengebühren-Karussell

„Man will uns hier nicht studieren lassen!“

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Das zweifelhafte Neujahrsge schenk der Bundesregierung

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Reportage: Laos Higher Education (StV Geographie)

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Aus dem Leben einer Pendlerin Schwer punkten mit Studienergänzungen? Teach for all – teach for Austria! Comic: Sei kein Frosch, wehr dich!

POLITIK & GESELLSCHAFT

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Gleichberechtigung am Papier Luise Pusch im Interview Kritische Stadtrundgänge in Salzburg

KULTUR & MENSCHEN

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Faszination Gurke

Ein ‚Fünf MinutenFall‘ in Salzburgs Hardcore-Szene

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Rezensionen: Dexter Wenzel Django Tintenfischalarm

Wiener Akademikerball Schwul. Lesbisch. Muslimisch.

Gute Nachrichten

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Verteilaktion an BettlerInnen in Salzburg

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The Brussels Business – Who runs the European Union?


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GLÜCK

UNI:PRESS # 671 JÄNNER 2013 Analoge Fotographie und ausgedehnte Reisen ans Mittelmeer (hier Triest) begeistern Kurt S.

Was war dein Glücksmoment 2012?

Die GewinnerInnen unseres Fotowettbewerbs präsentieren ihre Highlights.

Die Natur auf Island faszinierten die Geografin Simone B. derart, dass 5 kg ihres Reisegepäcks Platz für bunte Steinchen weichen mussten.

Das erste Bier in ihrer Heimat Hamburg stimmt KOWI-Studentin Kathrin M. immer wieder glücklich. Frisch verliebt, Schmetterlinge im Bauch und ein Hufeisen auf der Brücke. Andrea Z. ist glücklich.

Bücherlesende Menschen, die Möglichkeit sich bequem hinpflanzen zu können und ein gutes Buch vor der Nase zu haben das macht Claudia S. besonders froh.

Della K. liebt Neuseeland und konnte dort im letzten Jahr als AuPair wahre Glücksmomente erleben.


GLÜCK

Was macht uns StudentInnen glücklich?

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DaS ultImatIVE RankIng —

Was braucht es, um ein StudentInnenherz höher schlagen zu lassen? Braucht es große Gesten, kleine Aufmerksamkeiten oder nur einen besonderen Moment? Lassen sich gar Unterschiede zwischen KollegInnen verschiedener Fakultäten erkennen? Endgültige Antworten werden hier wohl nicht geliefert werden können, aber zumindest im Ansatz lohnt es sich doch, diesen Fragen einmal nachzugehen. Musik und schöne Aussichten

Von Robert Hecker

ier Fakultäten, fünf Gebäude und doch gar keine so weit auseinanderlich macht und was nicht. Das Glück scheint für die befragten Studierenden kein unerreichbares Gut aus einer noch weit entfernten Zukunft zer Interviews und deren intensiver Auswertung ist es nun möglich, das ultimative Glücksranking der Salzburger Studentinnen und Studenten zu erstellen.

Freunde machen glücklicher als das Studium um sich zu haben, stellt die fakultätsübergreifende Grundvoraussetzung zum Glücklich-

bei einer Aufgabe das richtige Ergebnis rauskommt“ und „wenn man selber was macht und nicht nur abschreibt, wofür leider oft die Zeit fehlt.“ Interessanterweise geben das Element „Studium“ als Glücksfaktor vornehmlich KollegInnen außerhalb der KGW-Fakultät an. Dies führt unweigerlich zu der Frage: „Machen Geisteswissenschaften unglücklich?“ Dem könnte man ja einmal nachgehen. Den gemeinsamen letzten Stockerlplatz teilen sich die Themen ‚Familie‘ und ‚Liebe, SexualiLehramtlerin Elisabeth an der gemeinsamen sagen werden bei den liebesbezogenen Aspekten des Lebens getätigt. KoWi-Studentin Bea sich verliebt habe, was allerdings lange dauere und daher nur selten Glückshormone freisetze.

Glück, wenn sie viele Leute um sich herum hat,

„Eine erfüllende Partnerschaft“ trägt für ihn

Melanie betont hierbei auch den kommunikativen Faktor. „Tratschen und Abhängen mit FreundInnen“ zählt für sie zu den schönsten ben also die studentische Laune und wenn sich dann noch etwas Flüssignahrung dazu gesellt, steht dem Glücksrausch nichts mehr im Wege, wie Moni ergänzt: „Leute, die um mich herum trinken, machen mich glücklich.“ Platz zwei in der Wertung geht etwas überra-

der besonderen Art kommt dazu KommuniSex sei super, allerdings mache ihn Schifahren glücklicher, denn das dauere im Normalfall deutlich länger.

Hochwasser und viel Wind

ist leicht glücklich zu machen. Als einen der Faktoren, welche dies begünstigen, führt er an, genau dieses Studium begonnen zu haben.

Glücks äußern viele der Befragten auch ganz individuelle Ursachen akuten Glücksbefalls. Hier muss erneut Bea zitiert werden, die sich über den ausgebliebenen Weltuntergang äußert: „Wenn alle auf einmal sterben, ist das doch ein schöner Tod, weil niemand irgendwen

und Glücklichsein in engem Zusammenhang, während die 58-jährige Ulrike (Studiengang tation als echten Glücksmoment wahrnimmt.

tische Ereignisse auf: „Ich mag Hochwasser und viel Wind.“ Als passionierter Surfer gehört er wohl zu denjenigen, die sehnsuchtsvoll die

Bisher nicht erwähnt wurde Musik, die für viele ebenfalls eine nicht zu vernachlässigenreitet das gemeinsame Weihnachtsliedersingen im familiären Kreis wahre Wonnen. Ebenwenn sie mit ihrer Band Popmusik komponiert. Ungewöhnlich oder zumindest unerwartet erscheinen die spontanen Aussagen von Guido, den es glücklich macht, während der Ferien mal nicht in Salzburg zu sein und die gewohnte Landluft zu schnuppern und jene von Elisabeth, für die der Ausblick eines hohen Gipfels Glücksgefühle auslöst. Ähnlich ergeht nistik, die beim Anblick von sonnenbeschienenem, glitzerndem Schnee in Wallungen gerät. „Ich brauche nichts Besonderes, mir genügt es schon, dass ich endlich zwei Tage frei von der Arbeit bekommen habe“, freut sich hinkurzfristig etwas weniger Stress. Die beiden einleuchtendsten Glücksauslöser kommen schlussendlich aus den Mündern der Geogra-

Artikel in dieser Ausgabe der Uni:Press niedergeschrieben hat. Davon, ob und wie ihm das gelang, kann sich ja jeder selbst überzeugen. Erfreulicherweise trägt auch der Autor dieses Artikels selbst dazu bei, das Glück in der Welt Geographie-Studentin, macht nämlich eines besonders glücklich – und zwar „deine Frisur“. Im Prinzip lassen sich alle angeführten Punkte bei genauerer Betrachtung ziemlich leicht verwirklichen. Nun gut, nehmen wir die erfüllte Partnerschaft mal davon aus. Leider verhält es sich hier aber wie bei vielen anderen scheinbar einfachen Dingen im Leben: Ein generelnicht erfunden.

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Mit Freunden zusammen sein, gemeinsamer Alkoholkonsum ist hier inbegriffen.

Ein erfolgreiches Studium.

Harmonische Familienzusammenkünfte.

(punktgleich) Liebe, Sex, eine erfüllte Partnerschaft. Leider bereitet vor allem die Liebe den Beteiligten meist nur temporäres Glück.

Weihnachten, das völlig überraschend so weit vorne zu finden ist, was sich aber eher mit der damit verbundenen freien Zeit als mit dem Fest an sich erklärt.

Sport, wobei auch Schifahren allein als Kategorie ausreichen würde, gäbe es nicht den surfenden Jan.

Musik bzw. Musizieren, wobei von choralen Gesängen bis hin zum Querflöte-Spielen nahezu die gesamte Bandbreite an erzeugbaren Klängen durch Studierende abgedeckt wird. Lesen, auch wenn man dies bei einer Umfrage unter Studierenden auf einem vorderen Platz erwartet hätte. Am öftesten genannt wurde übrigens Der Herr der Ringe.


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GLÜCK

UNI:PRESS # 671 JÄNNER 2013

Oliver Brunner

Vom Glück in verschiedenen Ländern Der Happy Planet Index erstellt seit 2006 eine Rangliste der glücklichsten Nationen der Erde. Dabei werden sowohl individuelle als auch allgemeine Voraussetzungen für Glück berücksichtigt – oftmals mit überraschenden Ergebnissen!

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Von Jürgen Wöhry

ie glücklich sind die Menschen in den Ländern rund um die Welt und welches Land ist das glücklichste? Um diese Fragen zu beantalso ein Großteil aller Nationen der Erde, wurden in der letzten Ausgabe aufgelistet. Der Wert eines Landes auf dem Index ergibt sich aus drei verschiedenen Komponenten: Der Zufriedenheit der BewohnerInnen auf gung ermittelt wurden, der Lebenserwartung und dem ökologischen Fußabdruck. Bemerkenswert ist, dass laut dieser Be-

lateinamerikanischen

JoBo

Ländern en, während andere Staaten in der näheren Umgebung immer wieder von Diktaturen und Krisen geprägt waren. Durch seinen neutralen Status war es auch nie von Krie-

das südafrikanische Land Botswana. Bei den vielen Problemen, mit denen das Land zu kämpfen hat, ist das auch kaum verwunderlich: Besonders die Ausbreitung des HI-

auch das Militär ab und verwendete das dadurch frei gewordene Geld unter anderem für den Auf- und Ausbau des Gesundwährend die Sterberate im gleichen ZeitNationen beträgt die Alphabetisierungsrate nährung der Bevölkerung ist ausreichend,

EinwohnerInnen anstieg. Die mangelnde teres großes Problem des verarmten Landes, Die wirtschaftliche Situation des Landes ist

gung. Auch in ökonomischer Hinsicht geht

Werten ist es nicht verwunderlich, dass der durchschnittliche Wert auf der Zufrieden-

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DEUTSCHLAND ÖSTERREICH

149 150 151

QUATAR CHAD BOTSWANA

schung von individuellen und allgemeinen Glücksfaktoren. Zwar ist der ökologische Fußabdruck für die längerfristige Entwicklung des Landes und für den Klimaschutz ein wertvoller und wichtiger Indikator, seine Aussagekraft in Bezug auf das Glück der Menschen ist jedoch vergleichsweise gering. Würde man die Bewertung der Staaten nur anhand der individuellen Werte, die sich aus der Befragung von Menschen ergeben, durchführen, so wäre Dänemark vor Kanada

in Europa oder Nordamerika an der Spitze erwarten. Die BewohnerInnen des mittelamerikanischen Staates haben jedoch gute anderen

HAPPY PLANET INDEX COSTA RICA VIETNAM KOLUMBIEN BELIZE EL SALVADOR

Dollar nicht einmal halb so groß wie jenes Prozent auch weit über dem Wert des mesoamerikanischen Staates. All diese Faktoren machen es für die Bevölkerung schwer, ein glückliches Leben zu führen: Botswana er-

und Norwegen das glücklichste Land der Erde. Die europäischen und nordamerikanischen Staaten sind vor allem durch ihre schlechten ökologischen Fußabdrücke, die auf ihren Status als westliche Konsumgesellschaften zurückzuführen sind, im Stelle, auf der Zufriedenheitsskala erreicht dex nicht gemessen wird, ist die politische Situation in den verschiedenen Ländern: Zentrale Grundfreiheiten und Menschenrechte werden nicht einbezogen, sie spielen jedoch für das persönliche Glück eine entwickeln kann, was er sein will, wenn er auch die dazu nötigen Freiheiten und

einen groben Überblick über die Situation der Menschen in verschiedenen Ländern. Fall notwendig, um die Daten verstehen zu können und die Ursachen für das Glück bzw. Unglück eines Landes zu finden. Die Einbeziehung von allgemeinen und individuellen Indikatoren führt auch zu einer dadurch vor allem die Länder Europas und Nordamerikas schlechter abschneiden.


GLÜCK

7

„glück bedeutet für mich, am leben zu sein“

Der Behindertenradsportler Wolfgang Sacher blickt auf eine bewegende Geschichte zurück Von Werner müller-Schell

D

as Wohnzimmer von Wolfgang Sacher unterscheidet sich deutlich von den Haupträumen anderer cher – dort stehen Pokale. Die Wände schmücken nicht Bilder, sondern Urkunden. Und des alten Porzellan-Geschirrs der Großmutter Medaillen von Sportwettbewerben aus der schen Penzberg zählt zu den erfolgreichsten blickt Sacher auf eine Geschichte zurück, die vor allem von zwei Schlagworten geprägt ist: Lebenswille und Glück.

reagierte ich natürlich schockiert. Ich hatte ja noch mein ganzes Leben vor mir und jetzt sollte ich ein Krüppel sein? Dass ich eigentlich Glück im Unglück gehabt hatte – davon wollte ich nichts wissen.“ Die langwierige Genesung trug nicht zu Sawollte mich irgendwann einfach umbringen. Im Nachtkästchen meines Krankenbettes sammelte ich sogar heimlich Schlaftabletten“, gibt er heute zu. Auch als er nach eineinhalb blieb sein Zustand labil. „Körperlich war ich zwar wieder einigermaßen in Ordnung, aber in meinem Kopf sah es anders aus. Ich war jetzt behindert. Und damit wollte ich mich nicht abgewicht zu.

nen Freunden auf einem stillgelegten Teil des Penzberger Güterbahnhofs herum. „Die Waggons boten für uns Abenteuer pur“, erinnert er sich. Doch eine Mutprobe wurde ihm an jenem alten Züge geriet er mit seinem linken Arm in

ne half ihm wieder zurück ins Leben. Ihr zuliebe nahm er ab und legte sich einen gesünderen mein Leben eben trotzdem einen Sinn hat. Fortan war ich froh, überlebt zu haben.“ Sabine und er haben heute zwei Kinder: Max und

Siegen schließlich in das deutsche Behinderten-Nationalteam aufgenommen.

„Gold bei den Paralympics. Ich werde diesen Moment nie vergessen.“ Es folgte eine Bilderbuchkarriere: Nach meh-

Top-Ergebnisse, fuhr sich an die Spitze der Weltrangliste und sicherte sich so auch die

Mittlerweile macht Sacher auch abseits des seiner Heimat Penzberg engagiert er sich eh-

– Sacher wurde durch die Luft geschleudert und sofort ohnmächtig.

„Ich hatte ja noch mein ganzes Leben vor mir und jetzt sollte ich ein Krüppel sein?“

Bewegung“, sagt er. Sein Bruder Mario baute ihm daher ein Trekkingrad „einarmgerecht“ um: „Ich fuhr mit geradem Lenker und normalen Pedalen durch die Gegend. Sämtliche Schalt- und Bremshebel waren auf die rechte Seite montiert, so dass ich alles mit einer Hand

Notarzt in das nächstgelegene Krankenhaus -

schrieb der Ausnahmeathlet dann sein ganz persönliches Sommermärchen: Bei den ParaMedaillensatz. „Ich werde diesen Moment nie vergessen. Spätestens jetzt wusste ich, welches Glück ich mit meinem Leben eigentlich hatte“, sagt Sacher, der seine Lebensgeschichte anschließend in einem Buch verarbeitete. Neben einer Auszeichnung zum deutschen

als ihm den linken Arm und mehrere Zehen Koma. „Als ich registrierte, was passiert war,

Von marina Hochholzner

„O 

bacht, der derf ned z’´vui dringa, der muaß heid nu fahn!“ Das ist der „runende in seiner Stammkneipe den Abend genießt. Selbst kann er am lautesten darüber

erischen Sportpreis. Sportlich sammelte der

Mit dem Rollstuhl durch das Mittelalter

rungen für Pistolen und Degen sind heute keine Herausforderung mehr für den Hobbei der ganzen Sache auch nur, wenn er auf steile Ladentreppe stößt oder die Sachen dann wiederum das Internet und vor allem das Onlineshopping praktisch“, räumt Andi lachend ein. Beim Schneidern seiner Kostüme blüht

genannt wird, ist sein ständiger Begleiter und gehört für ihn und sein Umfeld seit jeher fest zum Alltag. Andi ist seit seiner Geburt querschnittsgelähmt. Besonders in seiner Kindheit litt er sehr unter diesem Umstand. „Ich konnte nie herumtollen, oder den Fußball über das Gas jagen, wie meine Geschwister oder die anderen Kinder es taten.“ Doch anstatt sich zurückzuziehen und sich selbst zu bemitleiden, versuchte Andi, sich andere Freizeitbeschäftigungen zu suchen. So stellte er fest, dass er beim Handarbeiten sehr tanungen und Schnitzereien begann, weitete sich schon bald zu Schneidereien aus. Der Mittelalter-Fan näht und bastelt heute volle Kostümsätze und achtet dabei besonders auf die historische Authentizität. Die Zeitspanne von den Germanen bis zum Andi selbst sagt, „noch nicht vom Internet und der Bequemlichkeit von Technologie verdorben waren.“ Für den gelernten Zerspannungsmechaniker zählen alte Kulturen und Fertigkeiten noch sehr, so ist er zum Beispiel- bestens über das Entfachen von Feuer ohne Feuerzeug oder das Orientieren ohne Navigationsgerät informiert. Auf modernere Geräte wie die Nähmaschine oder chemische Hilfen wie Färbemittel greift er

seinem Leben. „Mir ist es wichtig, anderen Leuten Mut zuzusprechen. Genau das hätte ich nach meinem Unfall nämlich auch gebraucht. Das Leben bietet dir immer eine Chance, die du nutzen musst. Und aus diesem Grund ist es das größte Glück dieser Welt, überhaupt am Leben zu sein. Wenn mir jemand direkt nach meinem Unfall erzählt hätte, was ich noch erreichen sollte – ich hätte ihn ausgelacht.“ Um seine Geschichte heute zu glauben, reicht ein kurzer Blick in sein Wohnzimmer.

leitet er eine Gruppe aus verkleidungsfreudigen Mittelalterfanatikern, die ihn auf besagte Feste begleiten und dabei seine Kostüme tragen. Bei diesen Festen kann Andi so richtig abschalten. Diese Umgebung und das mittelalterliche Flair machen ihn nige Stunden völlig vergessen. „Mucke geil, Atmo geil, Kostüme geil und am besten das geil – dann war es das wochenlange Schneidern wert!“, so Andi über den Anreiz, den sich bringt. Auch zu Hause wird kein Trübsal geblasen. Andi lebt sein Leben wie jeder andere auch. Er führt eine glückliche Beziehung, feiert mit seinen Freunden und streitet manchmal mit seinen Eltern. „Ich fühle mich durch die Lähmung weder benachteiligt noch als Außenseiter“, so Andi. „Ich habe ein tolles Umbei seinen Arbeiten trotzdem gerne zurück. Auf die Idee, seine Kostüme selbst zu nähern, kam er zum ersten Mal auf einem jener Mittelalterfeste, die er leidenschaftlich er – und so beschloss er kurzerhand, sich

-Weste und Stiefel selbst zu schneidern. Was harmlos mit einer selbstgemachten Weste begann, wurde schon bald zu einem

mich aber behandelt wie einen gleichwertigen Menschen, der sich nicht von ihnen un-

Zeit konnte er einen Menschen von Kopf bis Fuß mit Dreispitz und Stulpenstiefeln einkleiden. Selbst Gürtelschnallen und Halte-

als großes Glück, seine große Leidenschaft, das Mittelalter in seiner Handarbeit und seinen Kostümen ausdrücken zu können.


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GLÜCK

UNI:PRESS # 671 JÄNNER 2013

glück beginnt bei einem selbst Die Suche nach dem persönlichen Glück ist für fast alle Menschen eine zentrale Aufgabe im Leben. Doch was ist überhaupt Glück und wie kann man es finden? Um diese und weitere spannende Fragen rund um das Thema Glück zu beantworten, sprach die Uni:Press mit dem stellvertretenden Leiter des Fachbereichs Philosophie und Glücksforscher Emmanuel J. Bauer. Familienverhältnisse, gute Freundschaften glücklich machen. Ein anderer Punkt ist natür-

Uni:Press: Würden Sie sich selbst als glücklich bezeichnen? Bauer: Sie beginnen mit der schwierigsten ze gesehen bin ich glücklich, aber hierbei ist es auch wichtig zu fragen, was genau mit Glück gemeint ist, um das auch wirklich für alle verständlich behaupten zu können. Uni:Press: Was ist denn für Sie Glück? Bauer: Man unterscheidet zwischen ‚Glück haben‘ und ‚glücklich sein‘. Glück haben, das bedeutet, dass man in irgendeiner Situation Glück gehabt hat, etwas anderes aber ist es, glücklich zu sein. Darin unterscheidet man auch wieder zwei Dimensionen: Das eine sind Höhepunkt-Erlebnisse, wirklich erfüllende, glückliche Augenblicke im Leben, die meist mit einer emotionalen Hochstimmung verbunden sind. Diese werden in der Glücksforschung auch Peak-Experiences genannt. In diesem Sinne könnte ich jetzt, so sehr ich mich freue, dass Sie hier sind, nicht sagen, dass ich glücklich bin. Aber es gibt auch eine andere Dimension, ich bezeichne sie als personales Tiefenglück, andere sprechen von Erfüllungsglück. Das ist ein Glück, das sich auf das Leben als Ganzes bezieht und das mit dem Gefühl zu tun hat, dass das Leben, so wie es ist, gut ist. Das bedeutet, dass ich im Wesentlichen so leben kann, wie ich es mir selbst auch vorgestellt habe und dass ich dankbar sein kann dafür, wie es mir geht und wie ich eingebunden bin in mein Beziehungsnetz usw. Uni:Press: Wie sehen Sie die Situation der Studierenden, haben sie das Gefühl, dass die meisten Studierenden glücklich sind, oder eher nicht so? Bauer: Das ist eine ganz schwierige Frage, weil ich das ja nicht für andere beurteilen kann. Ich gehe einmal davon aus, dass sich hier an der Universität Salzburg doch der überwiegende Teil im Großen und Ganzen auf der Glücksskala im oberen Bereich einordnen würde. Wenn ich schon meinen, dass die meisten ihr Glücks-

den Studierenden, die ich vor mir habe, in meiwürde ich das einmal so behaupten können. Uni:Press: Welche Faktoren machen ein glückliches Leben aus? Bauer: Auf der einen Seite ist Glück einfach eine

lichung. Die Menschen sind umso glücklicher, je mehr sie tatsächlich auch so leben können, wie sie gerne leben wollen. Sicherlich ganz wichtig ist auch die eigene Gesundheit, weil ja die Gesundheit eine ganz fundamentale Bedingung der Möglichkeit ist, sein Leben so zu gestalten, wie man es gerne möchte. In diesem Sinne kommt auch das Materielle mit ins Spiel: Geld allein macht nicht glücklich, aber ohne Geld kann man auch nicht glücklich sein. Wir

lichen. Eine Grunderkenntnis, die die Philosophie zum Thema Glück beisteuert – schon Demokrit spricht darüber –, ist die, dass Glück auch voraussetzt, den eigenen Möglichkeiten gemäß zu leben. Damit meine ich, dass zum eigenen Glück ein Stück weit auch dazu gehört, mit den eigenen Grenzen, der eigenen Endlichkeit und den eigenen Unvollkommenheiten gut leben zu können und nicht mehr zu wollen, als man selbst von Natur aus, von den eigenen Fähig-

Uni:Press: Man hört ja immer wieder, dass immer mehr Menschen unglücklich sind. Glauben Sie, dass dies tatsächlich stimmt? Bauer: Das würde ich auf jeden Fall unter-

Möglichkeit, viele Lebensgeschichten kennenzulernen. Zweifelsohne ist die gesellschaftliche Entwicklung und diejenige des sozialen beitsbedingungen werden prekärer, die Leistungsanforderungen höher und die Angst, sei-

würde ich das durchaus unterschreiben. Der zweite Faktor ist der, dass durch unsere postmoderne Lebensweise der Druck auf den Einzelnen gestiegen ist. Dann gibt es auch noch die mediale Kultur, in der wir leben, wo der Einzelne das Gefühl hat, er muss sich inszenieren, sich gut darstellen, damit er auch „wer“ ist – also ein Thema des Selbstwertes –, und das erhöht den Druck auf den Einzelnen unheimlich. Uni:Press: Welche Beziehung gibt es zwischen individuellem und gesellschaftlichem Glück? Bauer: Glück, so wie ich es jetzt beschrieben habe, ist etwas, das beim Einzelnen ansetzt. Aber dieses Glück ist natürlich nicht unabwie es auch nicht unabhängig von den sozialen Beziehungen ist. Niemand kann für sich allein glücklich sein, sondern man muss in irgendeiner Form in ein gutes soziales Beziehungsnetz eingebunden sein. Und damit ist natürlich das persönliche Glück immer auch abhängig von einem gewissen sozialen Umfeld.

duum, jede Person hat andere, zentrale Quellen für das eigene Glücklichsein. Aber wenn man der Glücksforschung folgt, dann kann man schon in etwa grobe Tendenzen feststellen, welche Faktoren im Durchschnitt immer

Uni:Press: Inwiefern sollte Glück in der Erziehung und in der Pädagogik eine Rolle spielen? Bauer: Man kann das Glück nicht einfach herstellen, indem man eine bestimmte Pädagogik anwendet oder bestimmte Lerninhalte vermittelt, aber man kann gewisse Grundbedingun-

te führen immer wieder an, dass sie vor allem gute Beziehungen, gute Partnerschaften, gute

Uni:Press: Vielen Dank für dieses informative Interview! Bauer: Bitte, gerne!


GLÜCK

Bergmenschen

deshalb und auch wegen der Großzügigkeit der Salzburger schätzt Heiko die Stadt sehr: „Nach zwei Stunden vorm Dom hat man meistens genug für ´nen Tag zusammen“.

Salzburg, an einem Winternachmittag in der Linzer Gasse. Unter hell- behangenen Fassaden zeigen mir die Geschäfte, was ich denn so alles kaufen oder besorgen könnte. Beim Juwelier gibt‘s James Bonds neueste Omega-Uhr, bei Ives Rocher das, dazu passende Parfüm von Boss und gleich daneben einen Bugatti-Mantel, in dem selbst ich mich vor die Queen trauen würde. Zuviel Markenblick? Mag sein, aber immerhin ist das hier eine angesagte Adresse, das Hotel Stein mit seiner gut betuchten Kundschaft befindet gleich nebenan und überhaupt an der gesamten Linzer Gasse haben sich doch eher Menschen mit Geld, Geschmack und Liebe zum Besitzstand niedergelassen. An der gesamten Linzer Gasse? Nicht ganz. Ein von unbeugsamen Aussteigern bevölkertes Areal erhebt sich majestätisch über Geschäfte, Bars und sogar das Hotel Stein. Auf dem Kapuzinerberg lebt in den Türmen der ehemaligen Verteidigungsmauer ein kurioser Menschenschlag. Sie selbst nennen sich „Bergleberer“, andere belächeln sie als Penner und Aussteiger. Ich selbst bin neugierig, ob ich da oben, 263 Stufen über einer der glitzernden Konsumadern der Stadt, vielleicht andere Antworten auf die ewige Frage nach dem Glücklich-sein erhalte. Von Johannes Hofmann

underte Male war ich schon hier oben. Diesmal bin ich da, um mit den Menschen zu reden, die

und Strom, ohne Toiletten und Küchen und ohne nahezu alles andere, was für mich seit meiner Geburt selbstverständlich ist. Ich will dabei schwer auf eine romantische Antwort -sonst wäre mein ganzer „Konsum vs. Freiheit im Kampf ums Glück“ - Ansatz ziemlich in die Hose gegangen. Ich schiele an meinem Körper hinunter und entdecke die Timberland-Boots eines verdammten Heuchlers. Aber zu dem Thema kommen wir später. Zunächst bellt mich ein schwarzes Wollknäuel an und springt in wilden Kreisen um mich herum, es wird „Bolle“ gerufen und ich schlendere betont lässig zu seinem vermeintlichen Herrchen. Das Herrchen ist Heiko, er hat einen Lockenkopf, eine freundlich, was er für mich tun könne. „Ich hab‘s wesentlich besser als du“, verkneife ich mir und erkläre ihm, dass ich für eine Studierendenzeitung schreibe und mich für ihn und sein Leben interessiere und gerne darüber schreiben würde. Ob das in Ordnung wäre? Es ist in Ordnung und Heiko geleitet mich in türmchens. Auf etwa sieben Quadratmetern wenig Kochgeschirr, ein paar Zeitungen und eine Art Bett mit weiteren Decken und Silvie. Silvie ist auch eine Bergleberin und ein weniger jünger als Heiko. Unter ihrer Norwegermütze quellen beperlte Dreadlocks über

einen roten Poncho. Sie mustert mich skeptisch und weigert sich, meine Hand zu schütteln, schließlich kenne sie mich ja nicht. Ich stimme ihr zu, berichte ihr von meinem Anliegen und ein wenig aus meinem Leben. In dem steinernen Gemäuer ist es kalt, doch die Stimmung taut langsam auf. Heiko erzählt, dass er ursprünglich aus Dithmarschen es Probleme und er verbrachte einige Zeit in einem Heim für Schwererziehbare. Nach der Schule wollte er zunächst Metzger werden, ab und jobbte beim Fassadenbau. Glücklich wurde er da auch nicht. Er fühlte sich eingegenug von der bürgerlichen Gesellschaft und verließ sie. Seitdem lebt er auf der Straße, schlägt sich mit Zeitarbeit durch. Er arbeitet gern mit Pferden, habe ein gutes Händchen dafür, sie zu beruhigen, und schliefe auch sehr gerne neben ihnen im Stall. Er ist in ganz Deutschland und auch in Teilen Frankreichs und Italiens herumgekommen, aber in Salzburg auf dem Kapuzinerberg sei es am schönsten. In Deutschland könne er betreutes Wohnen, das wisse er. Aber er liebe sein Leben, so wie es ist. Am Morgen von den an der frischen Luft zu sein, sei ihm unbezahlbar. Ich frage ihn nach den Schattenseiten der völligen Freiheit. Er geht in sich und meint dann, wenn das Geld mal nicht reicht, dann würde er auch runter in die Stadt zum Betteln gehen, das tue er aber gar nicht gerne. Den Komfort vermisse er nicht, nach ein paar Monaten gewöhne man sich da locker dran. Aber ganz ohne Alkohol geht es nicht.

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ne rote Nase und denke reumütig an mein Silvie will jetzt auch mitreden und erzählt von ihrer Aussteiger-karriere. Sie kommt aus der Gegend um Wien und war dort früher einmal Kindergärtnerin. Außerdem ist sie selbst Mutter von vier Kindern, welche sie auch manchmal besuchen kommen. Auf die genauen Gründe ihres Aussteigens geht sie weniger ein, dafür macht sie umso deutlicher, dass sie es bleiben will. „I bin a Aussteigerin und I bleib a Aussteigerin!“ Sie habe in Salzburg, bei denen sie jederzeit schlafen es hier im Winter durchaus einmal haben könne, lieber. „Hier kann ich der Mensch sein, der ich sein will“, sagt sie: „Meine Freiheit hab ich nur hier oben.“ Ich frage die beiden nach ihrer Beziehung, de Bolle zu uns. Sie seien nur Freunde, aber sehr gute, meint Silvie. Heiko erwähnt, dass seit er Silvie kenne, sei das vorbei. Sie trete ihm „in den Arsch“ und ermuntere ihn, das Leben positiv zu sehen, dafür helfe er ihr ab und zu mal mit dem Geld aus. Er steckt sich eine Zigarette an und meint, er liebe die Freiheit, aber der größte Preis dafür sei eben oft die Einsamkeit. Monatelang von Dorf zu Dorf zu ziehen und niemanden zu haben, der eiheit sehr traurig gemacht. Hier bei den Bergleberern fühle er sich zum ersten Mal richtig zuhause. Insgesamt gibt es zwischen fünf und sieben von ihnen, die in den verschiedenen Türmen der Kapuziner-bergmauer wohnen. Das Magistrat der Stadt Salzburg duldet dies, wohl

lichen beschimpft und mit Steinen beworfen worden sei. Allzu tragisch nimmt sie den gschnitzt, des ghört zum Aussteigen dazu.“ präsentiere meine mitgebrachten StieglDosen. Beide freuen sich sehr, betonen aber, dass sie schon weit weniger trinken würden als früher. Der Alkohol sei manchmal ein falscher Freund. Wir trinken und reden über Kochen und Musik. Ersteres sei kein Problem, Campingkocher, Teller und Besteck ist vorhanden, Wasser gibt‘s im Kloster und überhaupt ist der nächste Supermarkt keine zehn Minuten weit weg. In diesem Moment realisiere ich, dass die Eindruck der Inneneinrichtung und selbst Bolles Geruch einer seltsam ausgelassenen Stimmung gewichen sind. Ich bin ein Mensch unter Menschen, die gelassen mit mir über Persönliches und Allgemeines reden. Es ist Faszinierendes und Alltägliches dabei, besonders ist außer der Herzlichkeit eigentlich nicht viel. Bis auf die Tatsache, dass diese

sen zu trennen, was unser Leben ausmacht und dass sie sich trotz Armut kein bisschen arm fühlen. Ich verabschiede mich, streichle den schwarzen Plüschball nochmals und schlurfe die Stufen der Kapuzinerbergtrepsion, möglichst langsam hinunter. Das wird ziemlich schwierig, eigentlich habe ich nur herausgefunden, was jeder schon weiß: Du und dich trauen, ihn zu gehen. Der Weg der Bergleberer ist nur selten romantisch und meistens verdammt hart, aber sie gehen ihn mitten in einer reichen Stadt und für jeden Menschen sichtbar, der sich darauf einlässt. Also wenn du Schiss vor der nächsten Klausur hast, die WG-Heizung die nächste Woche nicht gehen wird, auch Bewerbung Nummer dich ignoriert und gerade deine Bankomatkarte eingezogen wurde, dann schiele zum Kapuzinerberg und erinnere dich dran, dass dort Menschen noch wesentlich mehr für ihr wahres Glück auf sich nehmen.


10 GLÜCK

UNI:PRESS # 671 JÄNNER 2013

Vom Tellerwäscher zum Millionär – Glücksschmiede oder Hamsterrad? Der amerikanische Traum als Ideal für ein geglücktes Leben, was hat es damit auf sich? Abseits von Hollywoods Filmen & Co, hat das Credo vom hart arbeitenden Individuum und dem garantierten Erfolg wieder Einzug in Österreichs Boulevard gefunden. „Wahrheit, Fairness und Transparenz“ für alle „hart arbeitenden Österreicher“ propagiert der Selfmademan Franz Strohsack und will damit zum Vorreiter einer neuen Politik werden. Umfragen zufolge soll er dabei nicht ganz unerfolgreich sein. Ist nun jedeR wirklich ihres/ seines eigenen Glückes Schmied? Sylvia Krahl

ZAHL

KOPF Von Marie Schulz

„W 

enn man es wirklich will, dann kann man in seinem Leben alles erreichen“ – das ist die Einstellung, in die viele Amerikaner hineingeboren werden. Bei uns Europäern aber ruft das Credo des „American Dream“ oft nur ein genervtes heit, Unabhängigkeit und dem Erreichen von Träumen prägt die amerikanische Gesellschaft – wieso ist es in unserer Kultur hingegen so verpönt, an sich selbst zu glauben und es zu wagen, vielleicht auch nur ein bisschen nach den Sternen zu greifen? Die wohl wichtigsten Gründe für den schlechten Beigeschmack der Phrase „vom Tellerwäscher zum Millionär“ sind schon allein die verschiedenen Lebensstile und vor allem auch die konträren Auffassungen zum Thema Erfolg. Für einen Europäer ist Opfer von Neid und Missgunst – es wird auch nicht selten angezweifelt, ob im Laufe der Karriere alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Der Amerikaner hingegen sieht er versucht, es ihm gleichzutun. Amerikaner lieben prinzipiell Menschen mit Erfolg, da sie die Gemeinschaft stärken und ermutigen, Europäer beneiden diese stattdessen still. Die Menschen in den USA sind außerdem bereits in ihrer Grundeinstellung optimistischer als wir. Sie haben deshalb heit, den Trübsinn und die Melancholie, die wir Europäer eben manchmal mit uns rumschleppen. Gibt es Probleme, werden diese einfach angepackt, anstatt ewig über sie zu grübeln. Der Lebensstil der Amerikaner strotzt also von Optimismus und Idealismus – da leuchtet es ein, dass der eine oder andere Mensch dort denkt, alles erreichen zu können. Nicht umsonst gibt es jenseits des großen

onen mehr würden uns Europäern sicher

Von Christopher Spiegl nicht schaden; es gibt schließlich genug Menschen, deren Träume wahr wurden, Moment nicht sehr realistisch schien. Ein österreichisches Paradebeispiel hierfür ist Arnold Schwarzenegger. Man kann zu ihm stehen, wie man will, einen beeindruckenden Karriereweg kann ihm aber wohl niemand absprechen: erst steirischer Muskelprotz, dann erfolgreicher Schauspieler und schließlich kalifornischer Gouverneur – diese Karriere sucht ihresgleichen. Und gerade weil Arnie, wie er liebevoll genannt wird, über keine überragenden Schauspielkünste und mit seinem BWL-Studium sicher auch über keine herausragenden politischen Fähigkeiten verfügt, verkörpert er doch genau die Ideologie des „American Dream“: Wenn man sich wirklich anstrengt und sich etwas fest vornimmt, hat man auch gute Chancen auf Erfolg – egal, ob nun übermäßig Talent da ist – oder eben nicht. Es gibt viele weitere Beispiele, die beweisen, dass der Aufstieg „vom Tellerwäscher leicht sollte man jedoch dieses Sprichwort nicht so wörtlich nehmen – denn natürlich spielen Herkunftsland und sozialer Status

in Ecuador hat sicherlich nicht die gleiche Ausgangsposition wie ein europäisches Kind zweier Ärzte. Aber auch das widerspricht der Ideologie des amerikanischen Traums meiner Meinung nach nicht. Denn auch wenn Bildungs- und Wohlstandsgrad sehr unterschiedlich sind, kann jeder das

ei aller Schlagkraft, die dem amerikanischen Traum innewohnt, wird oft übersehen, dass dieser – so möchte man bei genauerer Betrachtung annehmen – sozialdarwinistische Wesenszüge beinhaltet. Zum einen wird dadurch angenommen, dass alle Menschen gleich sind und dass die Welt uns allen im gleichen deutlich, wenn man einfach den Geburtsort eines Menschen heranzieht. Während sich das westliche Individuum im Winterschlussverkauf sprichwörtlich die Fresse einschlägt, um an Tablet-PCs und Sonstiges zum Sonderpreis ranzukommen, muss sich sein asiatisches Pendant, dessen Arbeitskraft das Tablet eigentlich produziert hat, zwar womöglich nicht um seine Konsumgüter, die er sich leisten kann, prügeln, hat aber dafür unter ziemlich schlechten Arbeitsbedingungen zu schuften. Zum anderen wird uns durch trichtert, dass es einige Menschen wert sind, nur Teller abzuwaschen, nachdem sich die „LeistungsträgerInnen“ an der Tafel die fetsich darin nicht eine unterbewusste Akzeptanz von moderner Sklaverei? Spannen wir das Argumentationsnetz enger und kommen auf die Geburt zurück, welche zusammen mit dem Tod die einzige absolute Größe einer menschlichen Existenz darstellt. Wir werden in ein bestimmtes Land, in diese oder jene Gesellschaft und normalerweise in nur eine Familie hineingeboren; die resultierende Matrix des Lebenswegs umfasst also viele bedingte Koordinaten wie Kapital, Erziehung,

leicht nicht in dem Ausmaße, in dem es Stewurde, um uns auf dieser Welt zu entfalten. dennoch verwirklichen viele Menschen auf der ganzen Welt ihre Träume. Ob mit Fleiß, Optimismus oder vielleicht ein bisschen Talent – meiner Meinung nach ist jeder in der Lage, seinen eigenen „American Dream“ zu kreieren und zu leben. Wenn er nur an sich glaubt.

Wahrscheinlichkeit, als Sohn oder Tochter eines milliardenschweren Unternehmers geboren worden zu sein, auch die geographischen und ökonomischen Bedingungen des Geburtsortes. Letzterer bestimmt ja mitun-

ten, innerhalb einer Gesellschaft glücklich zu werden. Zaster, Familie und Geburtsland sind die Nudelsuppe, in der wir nun alle dahergeschwommen kommen, bevor wir die mehr oder weniger begrenzten Möglichkeiten des Lebens auskosten können. Studien zur sozialen Mobilität bringen den amerikanischen Traum endgültig ins Wanken. Professor Howard S. Friedman kommentiert das „The prospect of bettering oneself in the US countries.“ Ausschlaggebend für die sozioökonomische Mobilität sei nach wie vor das Einkommen der Eltern, was sich vor allem im gelt. Die Chancen von Sprösslingen aus einem reichen Elternhaus, an einer Uni einen Ab-

gestellten Familie kommt. Es scheint sich alles ums Geld zu drehen. Es ist ein Paradoxon, dass der Glaube an den „American Dream“ in dem Maße steigt, in dem die Möglichkeit der sozialen Mobilität sinkt, wie es in den Indus-

gehörige Portion am richtigen Maß zum Ideal erklären, um nicht dem Wahn zu verfallen, vom Tellerwäscher zum Millionär aufsteigen zu müssen. Wer sagt, dass es nicht toll ist, Teller zu designen? Oder ein neuartiges Abwaschverfahren zu entwickeln? Das richtige Maß ist entscheidend, denn oft führt „harte Arbeit“ nur zum Burnout. Eine Lehrerin, die abfuhr hat, könnte dies vielleicht nicht aus wirtschaftlichen oder strafbedingten Gründen, sondern etwa als Ausgleich und Arbeit für das Gemeinwohl tun. Oder warum nicht gleich das bedingungslose Grundeinkommen einführen? Oder eine faire Erbschaftssteuer? Darin würde wahre Chancengleichheit liegen. Aber das wäre dann ja wirklich ein krasser Gegensatz zu der hier debattierten Utopie und womöglich eine ebensolche. Wäre es aber nicht eine bessere und vor allem eine menschlichere?


GLÜCK 11 Mach’s dir doch selbst:

gen ans Häkeln: Mit den ersten Maschen riss zwar nicht der echte Faden – mein Geduldsfaden aber sogar mehrmals. Wie ich feststellen musste, gehört nämlich das Mitzählen der Maschen während des Häkelns nicht zu meinen Stärken. Deswegen musste ich auch

Häkelmütze Von nina glonegger

s ist wieder soweit, der Winter ist in vollem Gange und es ist erneut die Zeit für kuschelige Mützen, Schals und warme Handschuhe. Doch was tun, wenn man wieder einmal knapp bei Kasse ist, aber seinen Kopf trotzdem modern und origifach selbst kreativ. Wenn man in den kalten Wintermonaten die warme und gemütliche Wohnung eher ungern verlässt und der tägliche Gang zur Uni schon einige Überwindung kostet, ist Häkeln der perfekte Zeitvertreib. Deswegen dachte auch ich mir: Her mit der Häkelnadel und der Wolle, ich mach mir jetzt eine Mütze! Aber wie beginnt man am besten gehäkelt hat? So führte mich mein erster Weg also in die Buchhandlung und ein passendes Buch wurde rausgesucht. Sofort stach mir der Titel „Be Beanie – Häkelmützen für jede Gelegenheit“ ins Auge. In der Beschreibung wird dort sogar erwähnt, dass selbst Häkelanfänger schöne Ergebnisse erzielen können. Gesehen,

kann man nicht so viel verkehrt machen. Daraufhin noch die Häkelnadeln und die Wolle in schönen Farben besorgt und schon kann der Spaß losgehen. Dachte ich mir. Denn wenn man, so wie ich, noch nie eine Häkelnadel in der Hand gehalten hat, wird man aus den Erklärungen im Buch nicht so ganz schlau. Folglich geht also die moderne Studentin erst einmal auf YouTube und sieht sich Häkel-Tutorials an. Nach etlichen Wiederholungen der

ich nicht mehr wusste, wie viele Maschen ich schon gehäkelt hatte. Nachdem die ersten Hürden des Anfangs gemeistert waren, machte das Weiterhäkeln ohne Probleme dann jedoch umso mehr Spaß. So entstand meine erste Häkelmütze, die mich genau so viel gekostet hat wie eine Mütze im der Stolz auf das eigene Endprodukt die Kosten allemal wieder auf. Außerdem kann man

mehr an Kopfbedeckungen häkeln, die sich dann, wenn man selbst irgendwann mal genug hat, perfekt als individuelle Geschenke für seine Lieben eignen. Somit kann ich dieses Buch also im Grunde nur weiterempfehlen, denn nachdem man sich eingearbeitet hat und selbst vielleicht auch noch Ideen zur farblichen Gestaltung mit einbringt, birgt es Einziges kleines Manko ist vielleicht, dass blutige Anfänger an der Häkelnadel nicht sofort etwas mit den dargestellten Erklärungen anzufangen wissen. Wenn ihr also auch auf den Geschmack gekommen seid und etwas Tolles häkeln wollt, wünsche ich euch in diesem Sinne jede Menge Spaß und Freude mit Häkelnadel und Wolle.

zunächst erst einmal an ein Stirnband, denn das erschien mir um einiges leichter als gleich eine ganze Mütze. Und siehe da, ein schönes Stirnband war schnell gehäkelt und der erste Erfolg machte auch Lust auf mehr. Dank der Tutorialvideos verstand ich nun auch, was in dem Buch von mir verlangt wurde und konnte mich so viel besser in die mich nur noch an die ganzen Abkürzungen gewöhnen, die im Fließtext des Buches verwendet werden, wie zum Beispiel das Kürzel „fM“ für feste Maschen steht. Über diese liest man dann, dank ausklappbarer letzter Buchseite mit Erklärungen, auch schnell drüber. -

Mach’ dir doch Radio! Von Su karrer

as Mikro vorm Gesicht, Kopfhörer auf den Ohren, ein Mischpult vor den Händen – und unglaubliche Nervosität. Die Stimme zittert schon die letzte halbe Stunde, der Schweiß rinnt nicht nur wegen der angenehmen Wärme im Studio in Strömen, die sonst so klaren nichts strengt so sehr an, wie diese wieder zu ordnen. Und dann ist es soweit – die große Uhr zählt die Sekunden, viel zu schnell, der Herzschlag steigt rapide an und schließdie anfängliche Moderation von zahlreichen „Ähs“ und einem strikt am vorgeschriebe-

Eine beachtliche Anzahl von Studierenden der Uni Salzburg geht einem eher ungewöhnlichen Hobby nach – sie gestalten Radiosendungen. Möglich macht das der freie Radiosender „Radiofabrik“. Was am Radiomachen so spannend ist, wie die Studis dazu kamen und warum gerade Radio? – Das haben uns einige Hobby-ModeratorInnen selbst erzählt.

hören. Andreas Pointinger (ebenfalls KOWI-

in ungeahnte, motivierende Sphären. Beim nächsten Mal geht alles schon leichter, doch es braucht Zeit, bis die Nervosität schwindet

Talk- und Musikshow „HI5“ on air, er wurde von einer Studienkollegin inspiriert und dachte sich: „He – das kann ich auch!“ Das

Das bestätigt auch die Geschichtsstudentin und KOWI-Absolventin Sarah Duregger, die diomagazin „Hörsaal“ mitgestaltet und redaktionell betreut. Zwar hatte sie schon eini-

sich alle einig, dass Mensch seiner Kreativität freien Lauf lassen kann. Aber warum gerade

-

Unsere vier Studis könnten sich alle vorstel-

einfach perfekt!“ Andreas resümiert: „Naja,

herrscht starker Konkurrenzkampf und Idealisten sind hier meist fehl am Platz. Und so heißt es vorerst weiterhin: „Dann mach ich’s halt selbst!“

Fernsehen ist auch nicht schlecht, aber das ist mir einfach zu viel ‚Umgescheißert‘.“ chen viele, sei es – wie bei Andreas – der

Beruf zu machen, sind sich der Schwierigkeit dieses Unterfangens aber durchaus bewusst,

Sarah Duregger

die Technik im Studio beherrschte oder bei ves Feedback bekamen. Für Astrid ging so-

die lockere und gemütliche Atmosphäre der

die nervöse Hand die rettende Bewegung macht und das erste Musikstück einleitet. Danach fallen Steinbrocken von Herz, Hirn

vorzuweisen, aber ihre Moderationspremiere fand erst bei „Hörsaal“ statt: „Als ich das erste Mal meine Stimme gehört habe, dachte ich mir: furchtbar, das geht ja gar nicht! Aber es war doch überraschenderweise ein sehr positives Erlebnis, weil man sich dann im Nachhinein denkt: Es war ja doch nicht so schlimm! Es war eigentlich ziemlich cool!“

Wir reden eigentlich relativ wenig, manchmal auch gar nix, manchmal machen wir nur Übergänge und Mixes und wenn wir reden, ist es spontan. Da brauchen wir kein Fern-

jeder das machen kann, was er will, sofern er bestimmte Grenzen einhält.“ Besonders fabrik geht es auch anders, du musst keinem klassischen Schema folgen, sondern kannst mus passt.“ Astrid Hickmann

dass sie schon seit Kindertagen regelmäßig dio ist so ein schönes Medium, weil’s so ganz nahe ist, weil ich unglaublich gerne Musik nenlernt – und es lässt einem auch so viel deshalb so ein interessantes Medium, weil es nur den Ton hat. Durch das Gesprochene soll der Hörer im Idealfall gefesselt werden oder es sollen Bilder im Kopf entstehen – das ist schwierig genug und das ist die Herausfor-

gegenüber

dem

gro-

„Linksgeher“. Astrid Hickmann, die in Salzuns geht es vordergründig um die Musik.

Radiofabrik – 107,5 & 97,3 MHz, Infos unter: www.radiofabrik.at „Radio Rockhouse“ mit Astrid Hickmann – jeden letzten Freitag im Monat, 18–19 Uhr „HI5“ mit Andreas Pointinger - jeden 2. Donnerstag im Monat, 22–23 Uhr „Linksgeher“ mit Jasmin Golic – jeden 1. und 3. Samstag im Monat, 23–1 Uhr „Hörsaal – das ÖH-Magazin“ mit Sarah Duregger – jeden 3. Freitag im Monat, 18–19 Uhr


12 UNI & LEBEN

UNI:PRESS # 671 JÄNNER 2013 Susanne Schmich

Das StudiengebührenKarussell Seit ihrer erstmaligen Einführung durch ÖVP und FPÖ im Jahr 2002 stehen Studiengebühren im Mittelpunkt der hochschulpolitischen Auseinandersetzungen. Doch nicht nur in der öffentlichen Debatte, sondern auch in der Politik dreht sich das Karussell der Studiengebührenreformen munter weiter: Mit dem Sommersemester 2013 tritt eine neue Regelung in Kraft. Von kay michael Dankl

sungsgerichtshof hatte die alte Studiengebührenregelung aus Formalgründen

derte die Anhebung der Studiengebühren

strich, forderte Töchterle die Universitäten auf, autonom und ohne gesetzliche Grundlage Studiengebühren einzuheben. Als Argumentationskrücke wurde ein Auftragsgutachten vorgeschoben. und der Einführung von Studiengebühren durch die Hintertür widersetzten sich Protest – auch der Senat der Uni Salzburg tonome Einhebung. Somit blieben den Salzburger StudentInnen im Wintersemester

Studieren ist nicht immer leicht, was nicht zwangsläufig am Curriculum liegen muss. Vor allem aus finanzieller Hinsicht scheint ein sorgenfreies Studium eher die Ausnahme als die Regel zu sein. Die finanzielle Situation vieler StudentInnen aus Drittstaaten (Staaten mit Ausnahme der EU, des EWR und der Schweiz) ist jedoch mit der Situation vieler Inländer nicht zu vergleichen. Schuld daran sind gesetzliche Stolpersteine, die den Drittstaatenangehörigen in den Weg gelegt werden. Von andreas mayerdorfer

auptleidtragende sind Studierende aus ärmeren Ländern, die keine reichen Familien oder großzügige Mäzene haben, die sie unterstützen könnten. Dennoch kämpfen viele StudentInnen aus Entwicklungs- und Schwellenländern hierzulande darum, sich ihren Traum vom Abschluss an einer westlichen Hochschule erfüllen zu können. Anstatt diese Studierenden zu unterstützen, wurde ihnen nun von Seiten der Bundesregierung nicht bloß ein Stolper-, sondern ein regelrechter Hinkelstein vor die Füße geknallt: Ab dem tenangehörige Studiengebühren in der Höhe

Insgesamt war die Universitätslandschaft im Wintersemester eigenständig Studiengebühren ein. Nach der späten Einigung der Koalitionsparteien beschloss der Nationalrat Anfang Dezember die Wiedereinführung der Studifung: StudentInnen aus Nicht-EU-Staaten müssen nun den doppelten Betrag in der len.

Schwere Bedenken gegen Neuregelung

de die Familienbeihilfe gekürzt, die Studierendenheimförderung gestrichen und der Zuschuss zur studentischen Selbstversiche-

angepasst! Außerdem benötigen vor allem StudentInnen mit Berufstätigkeit oder familiihr Studium. Sie zählen zu den ersten, die nach Überschreiten der Toleranzzeit durch die Studiengebühren zusätzlich belastet werden. Auch die Studierenden aus verwundbarsten Personengruppen an der Universität: Sie dürfen maximal geringfügig arbeiten, haben keinerlei Anspruch auf Beihilfen oder Stipendien – und müssen die doppelten Gebühren zahlen. Zu diesen inhaltlichen Kritikpunkten kommt hinzu, dass die rückwirkende Legalisierung der autonom eingehobenen Studiengebühren durch das neue Gesetz mit hoher Wahrscheinlichkeit verfassungswidrig ist.

Wer muss zahlen?

zahlen, die sich außerhalb der MindeststuDie Höhe der Studiengebühren beträgt engebühren können folgende Gründe geltend gemacht werden: Berufstätigkeit, wenn dienstes, Schwangerschaft, schwere Krankheit oder eine Beeinträchtigung von minenrichtung und Semester positiv absolviert hat, kann beim Wissenschaftsministerium

müssen die doppelten Studiengebühren ausgenommenen Entwicklungsländern stammen. Ausländischen StudentInnen, die der Uni Salzburg studieren, werden die Studiengebühren ebenfalls erlassen. Die Wiedereinführung der Studiengebühren

an der Uni Salzburg. Auf die außerordentlich inskribierten Seniorstudierenden im Kursprogramm „Uni 55+“ kommen Studienge-

die Familien- und Studienbeihilfe seit mehr

zu.

,,man will uns hier nicht studieren lassen!“

diengebühren noch nicht genug wären, hat sich der österreichische Staat noch weitere Barrieren und Hindernisse für ausländische -

Über das Unglück, ein ,,Drittstaatenangehöriger“ zu sein besser zu verstehen, was dies für den Einzeldentin aus Georgien ein paar Tage in ihrem Kampf mit den österreichischen Behörden Hier, in Europa zu studieren ist für viele in meinem Heimatland ein Traum. Abschlüsse aus einem westlichen Land sind in Georgien sehr hoch angesehen. „Meine Familie hat ihre Ersparnisse zusammengelegt, um für mich das Studium hier zu ermöglichen“, berichtet schwarzen Haaren spielt. Obwohl das georgische Bruttoinlandsprodukt pro Kopf gerade einmal ca. fünf Prozent des österreichischen ausmacht und ein Angestelltenmonatslohn en Studiengebühren nicht befreit, wie dies Schwellenländern der Fall ist. Studierende orgien zählt, können zwar einen Antrag auf lich refundiert wird, ist jedoch ungewiss. ,,Dass es schwer sein würde, hier zu studie-

ren, war schon klar, wegen der Sprache etc., aber dass es so schwer würde, habe ich nicht lichen Bestimmungen als Bachelorstudentin maximal zehn Stunden pro Woche arbeiten. nat verdiene, reichen gerade fürs Nötigste: Nahrungsmittel drauf. Neue Kleidung kann man sich nur hin und wieder leisten.“ Doch selbst die erlaubten zehn Wochenstunden sind für viele StudentInnen aus Drittstaaten eine zusätzliche Barriere eingebaut: NichtEU-BürgerInnen benötigen nämlich ein Arbeitsmarktdokument, wenn sie in Österreich arbeiten wollen. Für Arbeitgeber bedeutet dies einen bürokratischen Mehraufwand, auf Glück gehabt, dass ihr Arbeitgeber sie trotzdem eingestellt hat, denn die schlichte Erwähnung, dass man dieses Dokument brauche, mindert die Chancen auf eine Anstellung nur zu deutlich. Als ob die Beschränkung für eine Beschäftigung auf maximal zehn Stunden pro Woche und die Einführung von Stu-

ihres Studentenvisums einen Nachweis aus-

-

zurück in seine Heimat, ungeachtet dessen, ist. Man muss kein Mathematiker sein, um auf den ersten Blick zu erkennen, dass diese -

dass Leute wie ich, die keine reichen Eltern haben, hier studieren können. Anscheinend will der österreichische Gesetzgeber, dass nur ausländische Studierende mit reichen Eltern in Österreich studieren können. Als ich erfahren habe, dass diese Studiengebühren kommen, war ich geschockt. Wenn ich mehr. Ich werde dann wohl mein Studium abbrechen und nach Georgien zurückgehen müssen.“


UNI & LEBEN 13

Verena N/pixelio.de

Studienplatzfinanzierung:

Das zweifelhafte neujahrsgeschenk der Bundesregierung Nichts Geringeres als ein radikaler Umbruch in der österreichischen Universitätslandschaft verbirgt sich hinter dem sperrigen Begriff der „kapazitätsorientierten, studierendenbezogenen Studienplatzfinanzierung“. Ende Jänner befasst sich der Nationalrat mit einem Gesetzesentwurf der Bundesregierung, der nicht zufällig einen derart kryptischen Namen trägt. Von kay michael Dankl

nanzierung“ für diesen Gesetzesentwurf ist eigentlich ein Etikettenschwindel. In der Theorie sollte das Modell die realen Kosten der Studienplätze einer Universität als Grundlage zur Berechnung ihres Budgets verwendet werden. Nach diesem Prinzip würden Fächer mit vielen StudentIntet, um bessere Betreuungsverhältnisse zu erreichen. Da die österreichischen Universitäten Budgets gegenüber dem Status quo deutlich steigen. Entgegen der Bezeichnung sieht der Gesetzesentwurf nicht vor, dass die realen Kosten der Studienplätze als Grundlage für die Berechnung der Universitätsbudgets herange-

Zahl prüfungsaktiver StudentInnen zwischen

Massive Reduktion der Studienplätze

der Berechnung der Zahl der Studienplätze werden nur jene StudentInnen berücksichan Prüfungen absolvieren. Damit werden ösignoriert, die zwar Prüfungen ablegen, aber diese Marke nicht erreichen. Die Gründe dafür sind vielfältig. In zahlreichen Fällen nehmen Berufstätigkeit und familiäre Betreu-

wäre. An der Uni Salzburg werden nach universitätseigenen Berechnungen nur knapp en ausreichend intensiv betrieben, um nach ten! Indem der neue Modus der Budgetplanung ein Drittel der StudentInnen ausblendet, wird die Zahl der anerkannten Studienplätze unter der tatsächlichen Zahl der StudentInnen liegen. Damit die Zahl der Studierenden

aber das zu niedrige Gesamtbudget.

Verwaltung des Mangels Universitäten steht in krassem Gegensatz zu den realen Bedürfnissen: Eine Arbeitsgruppe

Studium Aufnahmeprüfungen einzuführen, sobald es mehr StudienanfängerInnen als Studienplätze gibt. Da die Zahl der Studienplätze absurd niedrig veranschlagt wird, sind vorprogrammiert. Dass sich Österreich im zur Steigerung der AkademikerInnenquote

der werden jedoch nicht einmal ansatzweise fünf stark nachgefragte Studienrichtungen werden eingerichtet – davon keine einzige an der Universität Salzburg. Die strukturellen nicht behoben. Ohne diese dringend benötigten Mittel ist das Ziel, die Betreuungsverhältnisse zu verbessern, nur durch eine markante

Studierenden widerspricht den grundsätzlichen gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Bedürfnissen unseres Landes. Für die ÖH ist klar: Die Bundesregierung zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für höhere Bildung bereitzustellen, endlich umZeiten der Wirtschaftskrise vorhanden – sie müssten nur richtig eingesetzt werden!


14 UNI & LEBEN

UNI:PRESS # 671 JÄNNER 2013

Das Glück in unseren Händen Wie für viele heutzutage ist es auch für uns ein großes Glück, die Welt zu erkunden und zu bereisen. Deshalb sparen auch viele das ganze Jahr, um im Sommer eine große Reise machen zu können und ferne Länder und Kulturen kennenzulernen. Uns leitete die Reisesehnsucht dieses Jahr nach Thailand und Laos. Von markus gebhart (Stv. geographie)

U

können nicht aufhören, von weißen Sandstränden, türkisblauem Wasser, Entdeckungstouren im Dschungel, gigantischen Wasserfällen und prunkvollen buddhistischen Tempelanlagen zu träumen. se startet in Bangkok und wir werden- neben der extrem schwülen Hitze -von tausenden Eindrücken überwältigt. Dieses Gefühl setzt sich auch in der kommenden Woche fort. Doch deutliche Spuren hinterlassen hat. Deshalb freuen wir uns umso mehr, als wir am überqueren und ein vom Tourismus weniger -

der Welt gehört sowie gleichzeitig ein schönes Mitbringsel für die Daheimgebliebenen ist, kaufen wir welchen. Da wir natürlich nicht jedem etwas abnehmen können, wollen wir jedem Kind ein kleines Taschengeld geben. Daraufhin erklären sie uns allerdings stolz, dass sie ohne Gegenleistung von uns nichts geschenkt bekommen möchten, zumal sie erkennen, dass wir selbst junge Studenten sind. Dieses enorme Feingefühl und diese Charakterstärke begeistern uns zutiefst. Wir machen noch viele Fotos mit den Kindern, sie erzählen uns Geschichten aus ihrem Alltag und geben uns sogar noch einen Geheimtipp für einen weiteren sehenswerten Wasserfall – den Tad Yueng. Dort angekommen bietet sich uns nach einem steilen Abstieg in den Urwald ein An-

dem reißenden Mekong-Fluss überwältigt Lauf durch die grüne Weite nach Paksé – der Hauptstadt der Provinz Champasak im Süden des Landes. Wir sind von der Einfachheit des Lebens hier angetan, wenngleich wir auch die Schattenseiten sehen. Der Kontrast zwischen atemberaubender Landschaft und der Armut der Menschen ist enorm. Unter den Holzbaracken stapelt sich der Hausmüll, weil es keine staatliche Müllabfuhr gibt, viele Kinder haben kein richtiges Zuhause und vor allem einige Erwachsene erscheinen uns lethargisch und resigniert. -

Trucks eine abenteuerliche Schlammstraße entlang zum Wasserfall mitnehmen. Auf dem Weg laufen uns viele Kinder schreiend hinterher. Zuerst denken wir, dass auch sie mit uns mitfahren wollen, doch schnell merken wir, dass ihr Interesse eher uns gilt als der Mitfahrgelegenheit. Am Wasserfall angekommen, werden wir mit Fragen zu unserer Herkunft, merkt, dass die Kinder durch die Abgeschiedenheit ihres Dorfes sehr wissensdurstig und interessiert an Neuem sind. Sie erzählen uns ne sind und oft beide Elternteile für weniger plantagen arbeiten müssen. Angesichts dieser Lebensumstände wird uns schnell klar, dass

Ziel des „Lao Higher Education“-Schulprojektes ist es, die Kinder von der Straße zu holen und ihnen eine bessere Zukunftsperspektive zu bieten uns zu einem Bad am Fuße des Wasserfalls hinreißen. Nach diesem Abenteuer stärken wir uns in einer kleinen Garküche in der Nähe mit

schnell ins Gespräch und erzählen ihnen von unserer eindrucksvollen Begegnung mit den Kindern. Daraufhin berichten uns die beiden von einem kürzlich von ihnen gegründeten Dorf E-Tou.

Spendenkonto Name: Markus Gebhart – StV Geographie Kontonummer: 00040752859 BLZ: 20404 Bank: Sparkasse Salzburg Verwendungszweck: Lao Higher Education BIC: SBGSAT2SXXX IBAN: AT54204040004752859

Viele Kinder haben kein richtiges Zuhause und vor allem einige Erwachsene erscheinen uns lethargisch und resigniert. Dieses Projekt ist Teil des Bolaven-PlateauProjektes, das sich unter anderem für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne für die

tion“, der Transparenz des Fortschrittes und dass wirklich jeder Cent ankommt, begeistert und wollen sich dafür engagieren. Seitdem Projekt tatkräftig zu unterstützen, und steht

einsetzt. Ziel des „Lao Higher Education“Schulprojektes ist es, die Kinder von der Straße zu holen und ihnen eine bessere Zukunftsperspektive zu bieten als ihre Eltern sie hatten. Die Kinder sollen die Möglichkeit bekommen, durch guten Unterricht und Erwerb von chen. Die Schulen sind aber nicht nur Ausbildungsstätten, sondern auch eine Art Ersatzfamilie, welche den Kindern die Möglichkeit bietet, über ihre Probleme, Schwierigkeiten schildert uns, dass er sein Glück in dieser Mission gefunden habe und all seine Energie und Menschen hier zu helfen. Der Fortschritt, den das Projekt durch seine Unterstützung mache, werde ihm jeden Tag vor Augen geführt und er sehe, dass seine Tatkraft und seine Spenden nicht im Sand verliefen, sondern wirklich etwas bewirkten. Das Schulprojekt soll in Zukunft erweitert werden und im Idealfall bis dung garantieren. Dafür fehlen allerdings die

Erstsemestrigenfest des Fachbereichs Geographie und zahlreiche Privatspenden kamen wir schnell auf eine erste beachtliche Summe. Deckenventilatoren, Schulbücher, Schulbekleidung und Schreibmaterial gekauft. Es ist erstaunlich, was man mit einer kleinen Spenchen halten uns ständig auf dem Laufenden, was mit den Spenden passiert. Sie schicken schreiben vom Projektleiter, Bürgermeister und Schuldirektor. All diese Mühen müssen sie eigentlich nicht auf sich nehmen, dennoch tun sie es, da sie für unseren Einsatz sehr dankbar sind und uns ein Feedback geben wollen. In Zukunft sind bessere Sanitäranlagen, ein Computerraum, eine Bibliothek und vor allem die Einrichtung weiterer Schulplätze zember auf dem Alten Markt in Salzburg einen Spendenstand für Laos veranstaltet. Auch ihr könnt helfen, denn unser Einsatz geht auch in Zukunft weiter. Wer sich für das Projekt inte-

mit den Kindern wurde uns verdeutlicht, dass wirklich großer Bedarf an Bildung und Unterstützung herrscht. Auch wir spenden etwas und tauschen E-MailAdressen aus, um uns auch künftig über das Projekt auf dem Laufenden zu halten. Wir erleben noch zwei weitere wundervolle Wochen in Laos und sind von der Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit der Leute beeindruckt. Zurück im Alltag denken wir vor allem immer

An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal bei allen helfenden StudentInnen der Universität Salzburg, den Privatspendern, der ÖH und der Uni:Press bedanken. Danke für jekt so begeistert und dies alles ehrenamtlich verrichtet. Es beeindruckt uns, wie viele von

Geographie Salzburg unseren KollegInnen vor. Schnell sind alle von „Lao Higher Educa-

vor allem auch ihre Herzen, um damit anderen Menschen ein Stück Zukunft und Glück zu schenken.

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UNI & LEBEN 15 Von lisa mitterbauer

bahnhof. Die Menschen starren mich an, als wüssten sie, dass die Nacht wieder einmal viel zu kurz war. Alles, woran ich denken kann, ist mein, wahrscheinlich immer noch, warmes Bett und die letzte Sequenz des Traumes, der immer unklarer wird. Die Kolleginnen und Kollegen, die dieselbe Lehrveranstaltung besuchen wie ich, schlummern noch genüsslich in den Federn. Und wieder einmal ertönt sie, die vertraute

irgendwann fängt man an, das alles auszublenden und die Zeit, die man auf der Strecke zwischen zuhause und dem Studienort

Salzburg verspätet ist. Der einzige Gedanke, der nun durch meinen Kopf geistert, ist: „Musik an, Welt aus“. Ein Beispiel für einen üblichen PendlerInnenMorgen. Aber das Pendeln besteht nicht nur aus anstrengenden und unangenehmen Begegnungen. Auch die interessantesten Szenen können beobachtet werden, wenn man nur genauer hinsieht. Eltern, die mit ihren Kindern reisen. TouristInnen, die kaum oder nicht der deutschen Sprache mächtig sind, die

auch das Aus-dem-Fenster-Starren und Gedanken-schweifen-Lassen, das oft hilft, um sich dann zuhause am Schreibtisch, auf die wesentlichen Uni-Aufgaben konzentrieren zu können. Natürlich stellt sich die Frage, warum irgendjemand sich den Wahnsinn des Pendelns überhaupt antut. Nun ja, ich habe mich umgehört, gerade in meinem Freundeskreis, und es stellte sich heraus, dass die Menschen unzielle, familiäre oder freundschaftliche. Manchen kommt es schlicht günstiger, weiterhin in der elterlichen Unterkunft zu leben. Für andere ist es nur übergangsweise, bis sie endlich genug Geld gespart haben, um unabhängig für sich selbst sorgen zu können, ob am Studienort oder anderswo, etwa im Ausland. Wieder andere haben ihren Freundeskreis nicht in Salzburg und haben die Befürchtung, diesen aufzugeben, wenn sie wegziehen würden.

darum recht schnell überfordert sind. SchülerInnen, die ihren Schulweg bestreiten oder in Gruppen mit ihren LehrerInnen unterwegs sind. Die Unterschiedlichkeit der Menschen wird gerade auf Zugreisen sehr deutlich. Und

Zum Beispiel weil ein Paar bereits eine Wohngemeinschaft gegründet hat oder die beiden die Zeit, die sie während der Woche miteinander verbringen können, nicht missen wollen. Der Unterschied zwischen PendlerInnen und

H.D.Volz

Aus dem Leben einer Pendlerin

Studierenden, die in Salzburg wohnen, ist im Uni-Alltag kaum erkennbar. Schwierigkeiten ergeben sich beispielsweise beim Erstellen des Stundenplans. Dabei stellt sich die Frage, ob man bereit ist, fast schon mitten in der Nacht aufzustehen, um rechtzeitig in der Lehrveran-

Hause zu kommen. Wo soll man vier Stunden Mittagspause verbringen? Wie soll man mit all seinen Aufgaben fertig werden, wenn man im

jemand der StudienkollegInnen einen Schlafplatz frei, damit man doch noch auf ein paar Getränke mitkommen kann? Oder komme ich rechtzeitig nach Hause, um dort noch Freunindividuelle Lösung dafür. Die einen nützen ihre Pausen, um in der Bibliothek zu arbeiten, tagessen oder- erledigen Einkäufe. Für manche PendlerInnen bietet Salzburg so viele Anreize, dass sie ihr Leben zwischen den verschiedenen Orten aufgeben und hinziehen. Andere sehen die Stadt nur als Studienort und setzen ihren Lebensmittelpunkt irgendwo anders. Die Uni ist auf jeden Fall das Bindeglied Studienlebens.

Schwer punkten mit Studienergänzungen? Ein Querschnitt der Möglichkeiten das eigene Curriculum aufzupeppen Von lisa mitterbauer

er Zeit und vor allem Muße hat, sich mit weiterem spannendem Wissen auseinanderzusetzen und dieses begierig aufzusaugen, der hat an der Uni Salzburg die Möglichkeit, Studienergänzungen zu absolvieren und Studienschwerpunkte zu setzen. Das Angebot unserer Universität in diesem Bereich ist vielfältig und soll einen Zusatz zum fachübergreifende Kompetenzen zu erwerben, die nicht nur während des Studiums, sondern speziell auch beim Eintritt in die Eine dieser Studienergänzungen setzt sich mit dem Thema „Global Studies“ auseinander. Hierbei werden aktuelle Fragen der Globalisierung behandelt und speziell die ökologischen, kulturellen, sozialen und religiösen Aspekte, die damit einhergehen, genauer untersucht. Auch der universitäre Schwerpunkt „Gender Studies“ hat bisher große Anerkennung erfahren. Zentrale Aspekte sind die kritische Hinterfragung von Geschlechterverhältnissen als Machtverhältnisse, der sensible Umgang mit Fragen der Geschlechterdemokratie sowie die Erarbeitung konkreter Problemlösungsstrategien und Alternativen. Sehr beliebt bei StudentInnen ist der sogenannte „Medienpass“. Dabei wird Wert auf tetechnik gelegt, was sowohl die Hardware

samte Angebot zu erhalten – z.B. wer die jeweiligen Ansprechpersonen sind und was alles nötig ist, um eine Studienergänzung oder einen Studienschwerpunkt zu absolvieren –, besucht ihr am besten die Homedie über die Uni-Homepage erreichbar ist. Die Broschüre zu den Studienergänzungenund Schwerpunkten, die ebenfalls online verfügbar ist, hat sich auch als sehr hilfreich erwiesen.

Weitere Infos zu den Schwerpunkten gibt’s hier:

bieten. Das übrige Angebot ist breit gefächert. „Mehrsprachigkeit“, „Kulturmanagement“, grenzung“ und „Migration Studies“ sowie „Initiative Karrieregestaltung“ ist vieles vertreten. Grundsätzlich gilt für Studienergänzungen, dass Lehrveranstaltungen im Ausmaß Bereich des Studienschwerpunktes müsECTS umfassen. Die Anmeldung zu diesen Lehrveranstaltungen erfolgt, wie zu allen anderen, über PLUSonline, allerdings ist es ratsam, sich vorab mit den für die verschiedenen Bereiche verantwortlichen Personen Bei Anrechnungsfragen gilt grundlegend men der „Freien Wahlfächer“ anerkannt werden, allerdings ist zu klären, ob dies beim eigenen Studium so möglich ist. Wie die Anrechnung bei Studienschwerpunkten erfolgt, muss in Absprache mit der Curricularkommission geklärt werden. Um genauere Informationen über das ge-

Einführung in das Open-Source Programm „Milk-it“. Nicht auf der Uni Salzburg. Dafür gibt's andere tolle Sachen!

Bundesarchiv

Kompetenzen in der Erstellung von verschiedenen Präsentationsarten vermittelt stellung verschiedener Medienprodukte, teien werden ebenfalls behandelt, außerdem der Umgang und die kritische Nutzung

des Internets und der Neuen Medien an sich. Besonders StudentInnen der Kommunikationswissenschaften besuchen gern die dienpasses“, da sie zusätzliche Kompetendium von großem Nutzen sind. Nicht zu vergessen ist das Angebot des Sprachenzentrums. Hier sollen neue Sprachsen vermittelt werden, da Mehrsprachigkeit Kommunikationskompetenzen sowohl im


16 UNI & LEBEN

Teach for all – teach for Austria

UNI:PRESS # 671 JÄNNER 2013

berwis/pixelio.de

diums im Trainingsbereich gearbeitet. Daher war mein Wunsch da, nach dem Studium etwas zu machen, wo ich anderen Menschen dabei helfen kann, ihr Potential zu entwickeln. Training ist dem Lehrberuf ja eigentlich auch sehr verwandt. Außerdem bin ich sehr idealistisch und daher hat es mich angesprochen, etwas gegen die vorherrschende Bildungsungerechtigkeit zu tun. Uni:Press: Seit einiger Zeit arbeiten Sie nun als „Fellow“ beim „Teach For Austria“-Programm mit. Wie kann man sich das so vorstellen? Neuen Mittelschulen angestellt und unterrichte dort Mathematik. Im Sommer davor hatten wir zuerst einen vier-wöchigen Online-Campus und danach eine sechs-wöchige Sommerakademie. Während des Semesters haben wir reDas Programm selbst dauert insgesamt zwei Uni:Press: Wie würden Sie Ihre Erfahrungen beschreiben?

ler zu unterrichten, die neuen KollegInnen, das neue Leben als Lehrerin. Das war am Anfang einfach mal sehr viel. Außerdem arbeiten wir in Salzburg als Teamteacher (d.h. wir unter-

Seit kurzem gibt es auch in Österreich einen Ableger der globalen Bildungsbewegung „Teach For All“, die HochschulabsolventInnen aus den verschiedensten Studienrichtungen dafür begeistern will, für zwei Jahre an Schulen mit herausfordernden Bedingungen zu unterrichten. Die Uni:Press hat dazu Regina Moll interviewt, die seit September in Salzburg unterrichtet.

Das Interview führte Robert Obermair. Uni:Press: Das „Teach For Austria“- Programm richtet sich dezidiert an AkademikerInnen, die kein Lehramtsstudium abgeschlossen haben. Welches Studium haben Sie vorher abgeschlossen? Wunsch, Lehrerin zu werden. Ich wollte mich vor dem Studium noch nicht genau darauf festlegen, was ich später einmal machen möchte. als Grundstudium gesehen. Uni:Press: Was hat Sie dann motiviert, doch in die Schule zu gehen?

ich mich natürlich auch auf meine KollegInnen einstellen und den Unterricht abstimmen. Das Programm ist eine Herausforderung, aber es ist eine äußerst wertvolle Erfahrung und ich bereue es auf keinen Fall, mich dafür entschieden zu haben. Uni:Press: Das Programm ist ja nicht nur darauf ausgelegt, dauerhaft im Lehrbetrieb zu bleiben. Was sind Ihre Pläne für die Zukunft? nicht so abschätzen. Ich glaube, es wird sehr viele Möglichkeiten geben. Auf jeden Fall würde ich gerne im bildungspolitischen Bereich arbeiten.

Interessierte können sich auf www.teachforaustria. at über das Fellow-Programm informieren. Bewerbungen für den nächsten Jahrgang sind bis zum 20. Jänner 2013 möglich.


POLITIK & GESELLSCHAFT 17 Rainer Sturm/pixelio.de

Über Sprache, Frauen & männer: luise Pusch im Interview

hen, von anderen hingegen unermüdlich verteidigt: Das Thema „geschlechtergerechtes Sprechen“ erhitzt so manches Gemüt. Wenn man das Wort „Gendering“ im Duden nach-

wirklichung der Gleichstellung von Mann und Frau unter Berücksichtigung der geschlechts-

Gleichberechtigung am Papier: Gendergerechte Sprache Gerade im Schriftbereich gibt es unter-

n der Welt des Gender Mainstreaming kommt kaum jemand mehr an der Frage nach dem „Gendern“ vorbei, sei es in der Schrift oder in der gesprochenen Sprache. Gender Mainstreaming bedeutet, dass Konzepte der Geschlechtergleichstellung etabliert werden sollen. Das „Gendern“ hat besagte Gleichstellung aller „Geschlechter“ in Sprache und Gesellschaft zum Ziel, was nicht nur Männer und Frauen, sondern auch queere Menschen mit einschließt. Das Konzept sieht dabei vor, dass diese Gleichstellung entweder vollkommen geschlechtsneutral oder aber ‚gender-inkludiert‘ geschehen soll. In Bezug auf gesellschaftliche Kommunikationsformen geht es zuallererst darum, Sprachgewohneine Gleichbehandlung aller in der Sprache passiert, was – wie sich optimistischere zu einer Gleichbehandlung innerhalb der Gesellschaft führen wird. Ob ein grundlegender Wandel gesellschaftlicher Wertvorstellungen aber wirklich primär durch eine heiten geschehen kann, ist freilich umstritten. Über eines sind sich allerdings selbst die KritikerInnen dieses Punktes einig: dass es Die grundsätzliche Frage, die sich in Bezug auf dieses Thema stellt, ist die nach der Ungerechtigkeit der Sprache: Welche Bilder werden hervorgerufen, wenn man von „Studenten“ spricht und welche, wenn man von „Studenten und Studentinnen“ spricht. Macht dies einen Unterschied, und wenn ja: te im eigenen Kopf männliche Studierenauch? Mit diesen Streitpunkten zur kognitiven Wahrnehmung haben sich schon zahlreiche Studien beschäftigt. Die verschiees um die Wahrnehmung von Geschlechtern sich gendergerecht ausdrücken soll zu Geschlechtern? Wird Wert auf eine Unterscheidung zwischen den Geschlechtern gelegt? derns“ sind unterschiedlich. Die einen stellen sich klar dagegen, die anderen sind unschlüssig, was sie davon halten sollen und wieder andere setzen sich konstruktiv damit auseinander und bringen verschiedensPunkte.

Geschlechtern. Im deutschen Sprachraum gesetzt, z.B. „StudentInnen“. Allerdings gibt es noch einige andere Formen, etwa die der deverbativen Substantive. Das sind z.B. „Studierende“. Eine weitere Möglichsogenannte „gender-gap“. Dies meint den Unterstrich, der zwischen den Wortstamm und die Genderform gesetzt wird, z.B. „Student_innen“. Der „gender-gap“ stammt aus der „Queer-Theorie“. Der Zwischenraum soll einen Hinweis auf die Menschen geben, die gibt es auch noch die Form des „Genderns“ mittels Sternchen, dessen Abstammung in der Computertechnik liegt, z.B. „Trans*“. Hierbei liegt die Schwierigkeit darin, dass es nicht bei allen Wörtern eindeutig ist, wo das Sternchen gesetzt werden soll. Eine kaum gebräuchliche Weiterentwicklung ist die Kombination des Sternchens mit dem Binnen-I, z.B. „Student*innen“. Kritik. Luise Pusch, eine bekannte Autorin, die sich mit dem Genderthema lange und intensiv auseinandergesetzt hat und dies immer noch tut, ist der Meinung, dass es eine auch für Männer akzeptable Schreibweise braucht, die gerade beim Binnen-I, schen Unterscheidung der Formen besteht. Die Linguistin Karin Wetschanow ist der Meinung, dass es Unterschiede des Sprechens und Schreibens in verschiedenen Kontexten gibt. Sie sieht die Wichtigkeit des „Genderns“ hauptsächlich bei GesetzestexEinig sind sich die beiden darin, dass die Sprache durch das „Gendern“, vor allem in informellen Situationen, unbequem gemacht wird. Lösungsvorschläge hierfür bietet Luise Pusch einerseits mit der Abschaffung des „in“ und andererseits mit der Bezeichnung der Personen mit dem Neutrum, beispielsweise „das Mann“, „das Frau“, „das Arzt“. Das „Gendern“ ist sicher noch nicht zum Mainstream geworden. In verschiedenen Bereichen wird unterschiedlich viel Wert darauf gelegt und obwohl es sogar einen eigenen Lehrgang der „Gender Studies“ an der Universität gibt, ist „Gendern“ außergen kaum bis kein Thema.

nicht so einfach – in der Praxis ist es das aber noch weniger. Luise Pusch, Sprachkritikerin che, nahm sich ein paar Minuten für uns Zeit, um uns einige Fragen rund ums Gendern zu beantworten. Frau Pusch, inwiefern liefert Sprache einen Beitrag zur Gerechtigkeit? Pusch: Zurzeit haben wir eine Sprache, die Frauen ausgrenzt. Es ist also diese Standardirgendwie in einer Männergruppe verschwunden, die aber gar nicht da ist. Das Maskulinum soll diese Kraft, für beide Geschlechter stehen zu können, nicht mehr haben. Das Maskulinum soll als Maskulinum hergenommen werden und als nichts anderes. Kann die Sprache überhaupt gerecht sein? Und wie sähe diese ihrer Meinung nach aus? Pusch: Ich würde sagen, was wir brauchen, ist eine gerechte und bequeme Sprache. Wenn wir zwar eine gerechte Sprache, die aber sehr unbequem zu sprechen ist. Da beschweren sich uns Gedanken über eine gerechte und bequeme Sprache machen. deutsche Grammatik realisiert werden. Der überrascht vielleicht, dafür habe ich aber schon sonenbezeichnungen im Deutschen, die ohne „in“ auskommen, wie zum Beispiel „die Angedie Abgeordnete“. Wenn wir nur noch Bezeichnungen hätten, die ohne das „in“ auskommen würden, hätten wir schon viel gewonnen. Das wären dann beispielsweise die Arzt und der rum bezeichnen: „die, der und das Arzt“. Zum Beispiel: „Wir suchen ein Professor, das sich in feministischer Theorie auskennt.“ Da wird kein Geschlecht diskriminiert. Wenn dann „das“ Professor gefunden ist, sagt man „diese Professor hat uns besser gefallen als dieser. Können Sie das Unbehagen von Teilen der neuen Generation nachvollziehen, teilweise auch von Studentinnen, wenn sie gendern sollen? Pusch: Es kommt ganz drauf an, was das Unbehagen für Gründe hat. Ich selbst habe das ja auch. Wir brauchen einfach eine bequeme Sprache, das Gendern ist unbequem und ist höchstens eine Übergangslösung. Da habe ich ist. Aber wenn die Frau sagt, dass sie sich selbst num mitgemeint fühlt, das kann ich nicht verelles Armutszeugnis, und es deutet darauf hin, dass die Frau nicht genügend darüber nachgedacht hat. Denn gegen Lohndiskriminierungen oder maskuline Forschung protestieren Frauen eine gendergerechte Sprache auch wert ist. Die vorangebracht.

Luise Pusch wurde 1944 geboren, ist deutsche Sprachwissenschaftlerin, freie Publizistin und in der Frauenforschung tätig. Erstes Engagement für gendergerechte Sprache zeigte sie in den 70er Jahren – seither veröffentlichte sie viele Glossen, Artikel und Fachaufsätze über das Thema. Sie publizierte außerdem zahlreiche Werke auf den Gebieten der Feministischen Linguistik und der Frauenrechtforschung. Veröffentlicht jede Woche eine Glosse im Web: fembio.org/ Hätte bei der österreichischen Bundeshymne nicht zum „Söhne“ ein „Töchter“ hinzugefügt, sondern die Zeile einfach gleich in „Heimat bist du großer Töne“ geändert.


18 POLITIK & GESELLSCHAFT

UNI:PRESS # 671 JÄNNER 2013 schweinoester

Kritische Stadtrundgänge in Salzburg Jeden Tag am Weg zur Uni, in die Arbeit oder auch nur in das nächste Geschäft, passieren wir – teils unbewusst – Erinnerungen an vergangene Zeiten. Manche davon sind leicht als solche zu erkennen und werden im Sinne der Tourismusförderung auch explizit als solche beworben bzw. beschildert. Andere Erinnerungen hingegen werden in Salzburg gerne eher verdrängt – oder sie fallen uns gar nicht erst auf. von Robert Obermair

em von uns ist zum Beispiel schon einmal die Turnvater-

persteinen in der Altstadt. Diese Steine, die es nicht nur in Salzburg, sondern auch in vielen anderen österreichischen und deutschen

dem Mozartsteg aufgefallen, die nach wie vor unverhohlen Ideale der NS-Zeit verkündet? Oder der Stolperstein vor der Bude des Corps Frankonia-Brünn, der an ehemalige Hausbe-

Projekt stammt von Guntar Denmig, einem deutschen Künstler, der sich unter dem Motto „Ein Mensch ist erst dann vergessen, wenn

gimes wurden? Aber nicht nur geschichtliche Aspekte werden in Salzburg gerne ausgeblendet, auch Themen wie Prostitution, Betteln

gimes zu erhalten. Gemeinsam mit Gert Kerschbaumer vom Personenkomitee Stolpersteine machten sich

uns noch die Homepage des Personenkomi-

ÖH Salzburg mit kritischen Stadtrundgängen in diesem und dem nächsten Semester auch auf dunkle Flecken in der Geschichte unserer Stadt aufmerksam machen.

Stolpersteine zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Geschichte hinter diesen Steinen erkunden. Trotz der eisigen Temperaturen lauschten alle gespannt den Ausführungen Kerschbaumers, der in einer äußert lebendigen Weise vom Schicksal der Menschen, denen die Steine gewidmet sind, berichtete. Es war erschütternd zu hören, wie durch Denunziation von Nachnichtungsmaschinerie wurden. Im Anschluss des ÖH:Freiraums, wo Gert Kerschbaumer

der versucht wird, die Lebensgeschichten der Salzburger Opfer nachzuzeichnen.

Ausblick

Sinti in Salzburg auseinandersetzen werden. Den Höhepunkt wird eine eintägige Wanderung im Salzkammergut bilden. Gemeinsam mit dem Leiter der KZ-Gedenkstätte Ebensee werden wir uns auf die Spur der PartisanInnen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus begeben.

einer generellen Geschichte der NS-Zeit in Salzburg beschäftigt hätte, musste auf Grund kurzfristig abgesagt werden. Es ist jedoch geplant, eine Wiederholung im Sommersemester durchzuführen. Dann werden auch weitere Stadtrundgänge angeboten, die sich unter anderem mit der Zeit des Austrofaschismus, der

nähere Informationen zu genauen terminen, anmeldung etc. werden unter www.oeh-salzburg.at, im ÖH-newsletter, der ÖH-Radiosendung „Hörsaal“ und auf Facebook bekannt gegeben.

SEI KEIN FROSCH WEHR DICH


POLITIK & GESELLSCHAFT 19 tobias stadler

Wiener Akademikerball – Jedes Jahr dieselbe Scheiße!

Warum ein Ball von schlagenden Wiener Burschenschaften jedes Jahr für Schlagzeilen sorgt und warum dieser Ball heuer von der FPÖ-Wien veranstaltet wird. Von Simon Hofbauer

1. 

Holocaust-Gedenktag begangen wird. Für

Strache: Wir sind die neuen Juden!

über Gewerkschaften, Kirchen und Parteien bis hin zu unzähligen antifaschistischen AktivistInnen war es inakzeptabel, dass an diesem Gedenktag in der Hofburg deutschnen das Tanzbein schwangen. Während das chen setzen!“ eine ganze Gedenkwoche mit schließenden Großkundgebung am Heldenplatz organisierte, mobilisierten die Bünd-

Nachdem sich die Großkundgebung am Heldenplatz langsam aufgelöst hatte und die ersten Ballgäste am Hintereingang der Hofburg eintrafen, begannen einzelne

Wiener Akademikerball nun also. Weil der Widerstand gegen den Ball des Wiener Korpora-

wurde, lenkte die Betriebsgesellschaft der

in Zukunft nicht mehr in den repräsentaDoch warum überhaupt der ganze Aufstand? wöhnliche Tanzveranstaltung in der Wiener nationalen Burschenschaften – die meisten davon schlagend und mit einschlägigen zis. Da verwundert es nicht, dass dieser Ball Ekeroth von den „Schwedendemokraten“, lang“ bis zu Marine Le Pen von der französißenparteien vertreten.

Rechts-Walzer am Holocaust-Gedenktag? fällig oder beabsichtigt sei an dieser StelTag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, an dem auch der Internationale

zu zwei weiteren Demonstrationszügen, die ebenfalls am Heldenplatz endeten. Schließfriedlich gegen das rechte Tanz-Event. Mit diesem massiven Auftreten gegen lichkeit und Antisemitismus war wiederum die Polizei ziemlich überfordert. In den

Blockaden zu versperren. Damit hatte die Exekutive irgendwie nicht gerechnet und obwohl seit Stunden ein Polizeihelikopter über der Wiener Innenstadt kreiste, waren in den vielen kleinen Gassen hinter der Hofburg kaum BeamtInnen anzutreffen, dafür viele DemonstrantInnen, die die sexistisch, ekelhaft – das ist die deutsche men. Die waren darüber naturgemäß „not amused“. Gewalttätige Übergriffe vor Ort gab es so gut wie keine, angeblich wurde ein Ballbesucher von einem Demonstranten bespuckt, ein anderer Ballbesucher wiederum attackierte eine Gruppe von De-

versucht, die Proteste von vornherein durch Untersagung von Demonstrationen bzw. durch Eskalations-Strategien und maskesselungen, Personenfeststellungen und hunderte Anzeigen zu verhindern. Wie sich in den allermeisten Fällen zeigte, erfolgte

Zu Anzeigen kam es aber in beiden Fällen nicht. Irgendwann gelang es der Polizei dann doch noch, die Ballgäste zumindest durch einen Kordon von PolizistInnen von den DemonstrantInnen abzugeschirmen. Alles halb so wild -möchte man meinen.

Großteil der Anzeigen fallen gelassen wer-

Heinz-Christian Strache. Dieser ließ in seiner Eröffnungsrede den mittlerweile

wegen der Unterstützung der Proteste durch die rot-grüne Wiener Stadtregierung, ihr

Sager vom Stapel. Er verglich also den etwas unbequemen Zugang einiger Ballgäste -

Shoa.

Vom WKR- zum FPÖ-Ball Die Entscheidung der Hofburg-Betriebsnicht mehr zu genehmigen, schien sich nach dieser Entgleisung abermals als richtig herauszustellen. Doch die zuvor immer in Abrede gestellten engen Bande des ziemlich innig herausstellen. Denn diesmal reservierte die FPÖ Wien unter dem Titel „Wiener Akademikerball“ einen Termin

damit „die Linken“ ausgetrickst zu haben. Die Hofburg-Betriebsgesellschaft ließ verlauten, dass man doch einer demokratisch gewählten Partei nicht den Zutritt zu ihren -

Scheiße! Die ÖH Salzburg ruft zur Demonstration wieder die Möglichkeit geben, kostenlos zur Kundgebung anzureisen, um ein deutliches Zeichen gegen Antisemitismus, Auszu setzen! Nähere Informationen dazu in Kürze auf www.oeh-salzburg.at.

öh salzburg


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Schwul. Lesbisch. Muslimisch. Über verschleierte Frauen, Ehrenmorde oder beschnittene Männer lesen wir oft in den Medien, wenn wieder einmal eine Islam-Debatte aufgeflammt ist. Wie steht es jedoch um schwule, lesbische, bisexuelle oder transgender Muslime?

Was Prof. Thomas Bauer zufolge die Homophobie in die islamische Welt brachte, war die Kolonialisierung durch den Westen und dessen Kampf gegen den „unartigen“ Geschlechtsverkehr. Das wiederum geschah im Zuge der Unterscheidung von „Liebe“ und „Sexualität“, die als „Erscheinung der europäischen Moderne in derselben Form im Islam nicht existierte“. Zusätzliche Wirkung zeigte auch die militärische und wirtschaftliche Überlegenheit des Westens im gen muslimischen Population, die Schwulen gegenüber mehrheitlich konservativ gesinnt ist, gibt es Strömungen, die es beabsichtigen, die alten homoerotischen Tugenden des Islams auszugraben. Dazu gehören viele und gegen Diskriminierung mobilisieren.

Von Dilara akce

ie Umstände sind zunächst erschreckend ernüchternd: Im Iran, Sudan, Yemen, in SaudiArabien und Mauretanien kann Homosexualität eine Todesstrafe nach sich ziehen, heits- oder Geldstrafen. Dabei lehnen konservativ muslimisch geprägte Staaten ihre bot gleichgeschlechtlicher Liebe gedeutet werden. Dennoch stellen viele IslamwissenschaftlerInnen fest, dass Homosexualität im Koran kein einziges Mal explizite ErwähEin etwas genauerer Blick in die Materie führt zu unerwarteten Erkenntnissen: Is-

wikimedia

lamwissenschaftler und Arabist Thomas Bauer von der Universität Münster weist darauf hin, dass der Islam in der Praxis mehr xualität umgegangen ist. Demnach war Homoerotik eines der besonderen Merkmale der islamischen Literatur der früheren Zeit. Die Geschlechtertrennung in Städten förderte homosexuelle Kontakte und die Schriften bezogen sich auf junge Knaben -vor allem auch deshalb, weil die erotische Schilderung der Frau problematisch war. Auch im HaGeschlechtertrennung Homosexualität begünstigt: Da für viele Frauen eine gemeinsame Nacht mit dem schwer beschäftigten und oft abwesenden Sultan sehr schwer zu ergattern war, entstanden lesbische Beziehungen –im Geheimen wohlgemerkt.

von Faisal Alam, einem schwulen Amerikaner pakistanischer Herkunft, in den USA gegründet wurde. Die Organisation spricht sich für Frieden, Gleichheit und Gerechtigkeit aus, kämpft gegen Diskriminierung Schwuler in muslimischen Gesellschaften und versucht, mit anderen LGB- und Menschenrechtsorganisationen ein weltweites soziales Netz für LGBT-Muslime herzustellen. Ein Blick auf die andere Seite des Atlantiks führt uns nach Deutschland. Dort wurde im gegründet, der eine liberale Auslegung des Islams befürwortet. Mitgründerin und Isdarauf hin, dass einer der Grundsätze die „selbstbestimmte Lebensgestaltung entlang Dazu gehört auch die Gleichbehandlung von außerehelichen und gleichgeschlechtlichen Partnerschaften.

UNI:PRESS # 671 JÄNNER 2013

In Frankreich haben seit dem vergangenen Monat Muslima jeder sexuellen Orientierung zum ersten Mal die Möglichkeit, in einer „schwulenfreundlichen Moschee“ in Paris das Freitagsgebet zu verrichten. Nicht nur die sexuelle Orientierung spielt hier keine Beispielsweise müssen Frauen hier ihr Gebet nicht hinter den Männern verrichten, wenn sie das nicht wünschen. Der Ermöglicher heißt Ludovic-Mohamed Zahed und ist mäßen Islam. Die Adresse der Moschee hält Zahed zur Prävention möglicher Hassdelikte vor Medien geheim. Aber nicht nur französische homosexuelle Muslime können sich an neuen religiösen Praktiken erfreuen, sonsteigt die Anzahl der Muslime, die gleichgeschlechtliche islamische Ehen in Großbritannien eingehen, stetig. Sie lernen sich tatsächlich bei religiösen Zusammenkünften tungen (der tägliche Zeitpunkt des Fastenden sich immer öfter Personen oder Imame, die diese neue Art der islamischen Ehe auch schließen. Darüber, ob die grünen Fahnen islamisch ne unter einen Hut gebracht werden können, werden sich IslamwissenschaftlerInnen, falls steht fest, dass die Stimmen der LGBTMuslime deutlich lauter werden und sich langsam Tabubrüche im Bezug auf gleichgeschlechtliche Liebe im Islam anbahnen.

wikimedia


POLITIK & GESELLSCHAFT 21 GUTE

N E T H C I R H C A N

Von Johannes Hofmann

Beim Stöbern durch die Jahresrückblicke diverser Zeitschriften tut man sich meist schwer, etwas Erbauliches zu finden. In Europa kriselt täglich der Euro, im Nahen Osten wandelt sich der arabische Frühling zu einem Frühling der Radikalen, während der große Diktator in Syrien viel Scheußliches unternimmt, um diesen Status auch weiterhin innezuhaben. Außerdem zerstürmt in den USA Hurrikan Sandy nicht nur den Parteitag der Republikaner, sondern auch große Teile des Ostens. Bad news are good news and only good news sell – aber nachdem es die Uni:Press umsonst gibt, nehmen wir uns die Freiheit, euch aufzuheitern: drei gute Nachrichten 2012.

Die Ablehnung von ACTA durch Gründung der Online-Plattform Gras gegen Krebs den Europäischen Gerichtshof foodsharing.de

Was war das nochmal gleich? Anti-Counterfeiting Trade Agreement! Ah ja… Grob gesagt sollte ACTA ein internationaler Gesetzesstandart im Kampf gegen Produktpiraterie und Urheberrechtsverletzung werden. Klingt erstmal gut, aber das ganze hatte seine Tücken, vor allem der StrafbarkeitsparaFacebook einen Satz seines Lieblingsautors postet. Das EUParlament hätte am liebsten heimlich darüber abgestimmt und wäre fast damit durchgekommen, aber einem der Hauptverantwortlichen, dem französische Sozialisten Kader Arif, industrie und der rechte Flügel zu einer raschen, heimlichen

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Erst in der letzten Ausgabe berichteten wir übers Mülltauchen und – damit zusammenhängend – über die dramatibrauchbares Essen landen pro Kopf in Deutschland in der telverschwendung rund um die Welt. Bewegte Bilder waren ihm als Engagement dennoch zu wenig und so entwickelte er das Konzept zu foodsharing.de. Hier kann jede Privatperson, jeder Händler oder Produzent kostenlos angeben, überschüssige Lebensmittel anbieten oder abholen zu wollen. Auch zum gemeinsamen Kochen kann man sich verabreden. nen. Der Entwickler von foodsharing.de sieht das ganze als Fortsetzung anderer vernetzter Communities wie „Carsha-

den dramatischen Folgen von ACTA. Das wirkte. Besorgte BürgerInnen und Teenager, die um Youtube und Filesharing mous-Mitgliedern auf die Straße und protestierten lautstark in der ganzen westlichen Welt. Das fröhliche Ende vom Lied war, dass die EU-Kommission ACTA dem Europäischen Gerichtshof zur Prüfung vorlegte. Im Dezember zog die Kommission diesen Antrag zurück, da sie zu dem Schluss kam, ACTA würde ohnehin nicht zustande kommen. Warum ist das jetzt so gut? Power to the People! In Zeiten von lauten und leisen Zweifeln an der hehren Politik und deren Wirken tut es verdammt gut zu sehen, dass Demos der breiten Masse immer noch vieles bewegen können. Immer vorausgesetzt, es petzt jemand, was die Herrschaften so treiben…

Mitglieder hauptsächlich in Deutschland aktiv sind und die meisten StudentInnen sicher eher Abnehmer als Anbieter sein werden, lohnt sich ein Blick auf die Seite auf jeden Fall.

wikimedia

Marianne J._pixelio.de

Die Studie von Dr. Manuel Guzman von der Universität Madlen wir sie euch aber keinesfalls. Anhand von Testergebnissen von Laborratten lasse sich belegen, dass THC in Kombination mit natürlichen Cannabinoiden Krebszellen bekämpfen und gesunde Zellen vor ihnen schützen könne. Sie blockieren Schlüsselpositionen zwischen den Zellen und verhindern das Wachstum von Blutgefäßen in den Tumoren, was letztendlich fessor der Universität Colorado, bestätigt diese Wirkungsweiüblicherweise eingesetzten Chemotherapien, freilich ohne deren drastische Nebenwirkungen. Warum es diese Erkenntbleibt zu spekulieren

www.foodsharing.de

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22 KULTUR & MENSCHEN

UNI:PRESS # 671 JÄNNER 2013

Faszination Gurke Kunst in der Mozartstadt: ein unverklärter Blick auf unerklärliche Dinge

Von gina klee

unst ist ein wichtiger Bestandteil jeder Stadt. New York, Berlin, Paris. Dank Mozart und der UNESCOWelterbe-Altstadt wird auch Salzburg eine besonders wichtige Position in diesem Bereich zuteil. Kunst erfreut zum großen Teil die jeweiligen TouristInnen, ist aber, da für jeden zugänglich, auch eine massentaugliche Alltagsbeschäftigung für Groß und Klein Inländer geworden. Kunst kostet überall, wer hätte es gedacht, Geld. Betrachtet man außereuropäische oder mittlerweile auch innereuropäische, von der Weltwirtschaftskrise geprägte Länder, wirkt es, als hätte Geld in jedem noch so horrenden Wert eine Beziehung zum Nutzen wie die Perlen sie zu den Säuen haben. Betrachtet man hingegen so manche Staatsausgabe in wirtschaftlich könnte man meinen, Millionenbeträge sein im Wesentlichen „Peanuts“. Das Investieren von Staatsausgaben in die Stadt hat natürwundert man sich bei genauerem Hinschauen das ein oder andere Mal doch etwas über Höhe und Sinn entsprechender Ausgaben. Kunst- und Kulturstädte, die unterschiedlicher nicht sein könnten, Berlin und Salzburg, so entdeckt man doch einige Parallelen in Sachen Geld. So wurde in meiner alten Heimat Berlin an einer Ecke einer vielbefahrenen Straße, an der mir noch nie zuvor aufgefallen ist, welch große Bedeutung Kunst dort

haben könnte, vor nicht allzu langer Zeit ein neues Kunstwerk erbaut. Die mit viel Liebe zum Detail errichteten Betonklötze kosteten die Stadt eine stolze viertel Million Euro. An anderen Ecken der Stadt hatte man vorher, wie ich hörte, schon einmal Blumen gemal wieder jahreszeitlichen Trends angewaren halt wahrscheinlich einfach nicht drin – Berlin ist ja arm. Ebenso wird in meiner neuen Wahlheimat Salzburg Geld in Kunst investiert. Dass es sich hierbei nicht um Staatsausgaben, sondern um Gelder für das „Kunstprojekt Salzburg“ aus der Salzburg Foundation handelt, ist hoch anzurechnen. Punkt für die Mozartrichteten Kunstwerke kosteten jeweils rund eine halbe Million Euro. Dabei tritt eines der Hauptbibliothek unserer Universität, in der eigentlich so wunderschönen Altstadt. Dort wurde nicht nur ein Augenschmaus errichtet, auch nicht zwei, sondern gleich fünf. Fünf Gurken. Sie scheinen auch ohne Salzlahohen Bronzewunder in feschem Grün ein Herr namens Erwin Wurm. Wem seine Werwahrscheinlich nur mäßig überrascht. Ebenstände als skurrile Kunstobjekte. Den starken ironischen Blick haben zwar beide gemeinsam, jedoch ist das Museum der Moderne nicht das MoMA und ein Wurm kein Koons.

Da Erwin Wurm aber ein österreichischer Künstler ist, kann man die Skulpturen natürlich als ein Zeichen der Förderung nationaler Künstler zum Wohle des Landes Österreich ansehen und schon lassen sich solche Kosten rechtfertigen. Dass man statt Gurkenskulpturen irgendwo anders mit ebendiesem Geld vielleicht lieber, wenn es denn schon Gurken sein müssen, den Anbau von Biogurken hätte fördern können, ist nebensächlich. Alles für die Kunst, Umweltschutz betreiben wir doch eh schon! Bei genauerem Betrachten ist natürlich auch die Faszination Gurke völlig nachvollziehbar. Groß, grün, grandios! Erwin Wurm fertigte neben den erwähnten Bronzegurken auch ein „Selbstporträt als Essiggurkerl“ an und stellte es im Museum der Moderne aus. Er scheint also besonders in den Bann der Gurken gezogen worden zu sein. Trotz aller nachvollziehbaren Gründe der Erbauung, drängt sich die Frage auf, was genau Gurken eigentlich mit Salzburg Salzkammergut, Salzburg? Im Spreewald eine Gurke aufzustellen, wäre bestimmt nicht allzu kreativ, aber irgendwie nachvollziehbar, so wie eben eine Mozartskulptur in Salzburg“ aber genau das sein. Etwas Unerwartetes. Ein ironischer Blick auf Kunst und nen der BetrachterInnen, ein Anregen der Kunstbegeisterung oder auch Kunstkritik, ein Beschäftigen, eine veränderte Sicht auf keiten, was Kunst sein kann, welchen Wandel sie in der Kunstgeschichte durchlaufen hat und was sie eigentlich bedeutet. Wo sie stehen sollte und wo nicht und es trotzdem tut. Kunst muss immer etwas Neues, Aufregendes, nicht Dagewesenes sein. Sie darf nicht imitieren oder langweilen. Sie soll anvon Neuem in unserer medialen Gesellschaft Die Gurken könnten also ein neues Bild Salzburgs erzeugen, ein neues Bild von Kunst, wie es zuvor noch nie da gewesen ist. Oder, klärung, Gurken sind einfach mehr als cool und das wussten wir bis zu Erwins Wurms sollten wir ihm einfach nur dankbar sein, dem großen Essiggurkenfan und ihm nicht vorwerfen, er hätte etwas völlig Unpassendes entworfen, das keiner versteht. Nein, wir sollten ihm dankbar sein für seine uns auf– Pardon – anregende Sicht der Dinge. Für seine Neuerungen. Für seinen realistischen – Danke, oh heiliger Wurm, für diese warziggrüne Erleuchtung!


KULTUR & MENSCHEN 23 Ein ,Fünf Minuten-Fall‘ in Salzburgs Hardcore-Szene Von marina Hochholzner

eugierig und gespannt betrete ich das kleine, aber feine Probezimmer, um mich dort mit der Salzburger Hardcore-Band Five Minute Fall

aus einem spontanen Entschluss heraus gegründet, der mit reichlich Alkohol im Salzburger Nachtleben gefasst wurde. Die beiden Gründer sind zugleich auch die letzten beiden noch erhaltenen Bandmitglieder aus der Originalbesetzung. Es handelt sich um den

Die beiden sind auch die Köpfe hinter den melodramatischen Texten ihrer Songs. Neu zur Band hinzugekommen sind Drummer Berni Breidler und Bassist Christoph

neueste Einsteiger in die Band ist Leadgitarrist Chris Pucher, der Five Minute Fall im NoWährend des Interviews zu sehen, was für ein und wie freundschaftlich der Umgang untereinander ist. Somit ist es kein Wunder, dass es ihnen gelingt, mit Five Minute Fall eine Band zu führen, die die Herzen von Metalheads und Hardcore-Fans höher schlagen lässt. Was mich natürlich gleich als erstes interessiert, ist die Herkunft des Bandnamens. Five Minute Fall lässt eine verwegene Geschichzum Beispiel einen gemeinsamen BungeeHechtsprung von einer Klippe ins Meer. Oder soll damit eher die Sehnsucht nach etwas Unerreichbarem ausgedrückt werden? Etwas, das man nur bekommt, wenn man sich einfach fallen lässt? „Hinter dem Bandnamen steckt leider keine ausgefallene Geschichte, so wie man das bei den meisten Bands vermutet“, erklärt Chris schmunzelnd. „Spannende Hintergründe zu tem of a Down sind eine Seltenheit.“ Aber wie kam es dann zum Bandnamen Five Minute Fall? „Der Name stand mit mehreren anderen in der engeren Auswahl und wurde schließlich per Abstimmung auserkoren“,

schlag gemacht hat.“ Macht nichts, denke ich mir, und komme gleich zur nächsten Frage. glieder lässt mich ganz ungeniert nach ein paar persönlichen Hintergründen fragen. Die meist sehr melodramatischen Texte der der. Sie behandeln ganz alltägliche Probleme wie Liebeskummer, Abhängigkeit und FrusErlebnisse der Bandmitglieder ein. Dabei geht es ihnen aber stets um eine positive Message, mit der sie ihre HörerInnen dazu ermutigen wollen, den Kopf nicht hängen zu lassen. Diese Texte, kombiniert mit dem MelodicHardcore-Stil der Band, lässt den „einzigartigen Sound von Five Minute Fall entstehen“, hauptsächlich eine Möglichkeit sein, ihr ge-

für den musikalischen Erfolg, sie sind jedoch zusehen und nicht auf das große Geld zu hoffen“ - da sind sich alle fünf einig. „Wobei der internationale Durchbruch natürlich nichts wäre, wozu wir Nein sagen würden“, wie Martin mit einem amüsierten Zwinkern hinzufügt. Da es an sich viele Bands gibt, die nach einem ich von den Fünf wissen, ob auch sie von einem solchen Idol inspiriert werden. nicht so wirklich. Natürlich hört jeder von ihnen seine eigenen Lieblingsbands, doch es gibt keine spezielle, an der sich Five Minute Fall orientiert. Dies ermöglicht den Musikern allerdings, ihre Interessen zu kombinieren Individualität ihrer Stücke beiträgt. Seit ihrem zweijährigen Bestehen haben Five

weitere Songs sind in Planung. Auch auf nationalen Events war die Band in den letzten Bühne sind immer wieder eine große Freude für die Musiker und machen ihnen extrem viel Spaß. Besonderes Highlight war für die Trupbefreundeten Band durch Europa gemacht haben. Länder wie Tschechien, Deutschland und Serbien wurden dabei mit ihren harten

Sounds beschallt und das Feedback des Publikums war durchwegs positiv. Ein wesentliches Ziel der Band ist es, in Zukunft an weiteren Festivals, Konzerten und Auftritten teilzunehmen und eine weitere Europatour ist bereits geplant.

Code nebenan führt. In ihm steckt ihr ganzes Herzblut, da er „wie ein richtiger Musikclip gedreht wurde und nicht nur ein Zusammenschnitt von Live-Aufnahmen ist.“ Five Minute Fall sind auf der diesjährigen nah erleben möchte und Lust auf ein fetziges Konzert bekommen hat, hat die Möglichkeit, zu erleben.

UNI:PRESS verlost 5 x den Sampler „Xtra Ordinary Vol. 16“ Der „Xtra Ordinary“-Sampler liefert auch heuer einen vielseitigen Überblick über das Musikschaffen im Raum Salzburg. Erfreulich ist nicht nur das Jahr für Jahr steigende Interesse der lokalen Bands an dem Sampler, auch bei den Abnehmern gibt es hervorragendes Feedback. Eine 15-köpfige Jury – zusammengesetzt aus Fachleuten, JournalistInnen, MusikerInnen, ProduzentInnen, Agenturen und SzenekennerInnen von Folk bis Metal – hatte wieder die Qual der Wahl. Die Qualität der vielseitigen Einsendungen war gewohnt hoch und die endgültige Auswahl umso schwieriger zu treffen. Hier die glücklichen 22 InterpretInnen, wobei von Singer-Songwritern, Blues, Pop über Indie-Rock bis hin zu Rap/HipHop und Metal alles vertreten ist: The Helmut Bergers, Kings and Slaves, The Makemakes, deadnote.danse, Dame, Son Griot feat. Dominic Muhrer & Maylay Sparks, Rubberfresh, Purple Souls, Arno Briggman, Lucky Strikes Back, Sophija, Jalapeno Compadres, Abteilung B, Devolution, Colour Line, Brainless, Bluesbrauser, Five Minute Fall, Mountains Lead Nowhere, All Five Horizons, Solid Grinding und Zufallstreffer. Schick uns eine Mail mit dem Betreff „Xtra ordinary“ an presse@oeh-salzburg.at, wenn Du zu den glücklichen GewinnerInnen gehören willst! Die „Xtra Ordinary“-CD ist ab 21.01.2013 erhältlich: im Rockhouse Service Center, an der Abendkasse (nur bei RockhouseVeranstaltungen) und im Online-Shop – Preis: 13 Euro regulär / 11 Euro für Rockhouse-Member.


24 KULTUR & MENSCHEN

UNI:PRESS # 671 JÄNNER 2013

He’s the blood guy Blut ist bei ihm immer im Spiel. Er analysiert es, er hortet es und er sorgt dafür, dass immer genug davon fließt. Und dabei ist er ziemlich cool und einen Tick sympathisch. Er ist Dexter Morgan. Eine Rezension von Su karrer

in Plastik. Das Opfer liegt nackt am Tisch, ebenfalls verpackt und gefes-

und macht den ersten Schnitt an der linken Backe. Er braucht nur einen Tropfen Blut, denn der ist seine Trophäe. Danach werden noch einige Worte gewechselt – der Sterbende soll schließlich erfahren, warum er den Tod verdient hat. Kein Flehen hilft, kein Drohen rettet. Schließlich erlöst Dexter die furchtgetiven Messerstoß ins Herz. Dieses grausige -

ausgelaufen. Eine Herbstsaison lang darf Dex-

ist endgültig Schluss mit dem Serienkillen, wie die Produzenten der Erfolgsserie verlauten ließen. Dabei hat sich Dexter den perfekten Arbeitsplatz ausgesucht. Als Forensiker untersucht er

tige Erscheinung, vor Augen geführt wird: Er darf nur Menschen töten, die nachweislich selbst getötet haben. Und so lenkt der Forensiker das ein oder andere Mal die Ermittlungen sich selbst tatkräftig der Mörderschaft Miamis anzunehmen.

Department, wo auch seine Schwester Debra als Kriminalistin arbeitet – ideal also, um sein blutiges Privatleben professionell zu vertuschen. als Kleinkind miterleben musste, wie seine Mutter vor seinen Augen bestialisch hingerichtet wurde, bleibt ihm jegliche Gefühlswelt verwehrt – doch das weiß nur er allein. Seine Morde begeht er strikt nach einem Code, den

von dem großartigen Michael C. Hall, der SerienfreundInnen aus dem legendären „Six Feed nicht nur, den coolen, netten und sarkastischen dern auch den gefühllosen, seiner Mordgier nachgehenden und doch kontrollierten Selbst-

hatte und der ihm nun immer wieder, als geis-

mit ihrer hibbeligen, teils ordinären und doch sensiblen Art wie eine durchaus authentische Persönlichkeit erscheinen. Die Serie lebt von dem gut ausgewählten Ensemble an Akteuren, gepaart mit viel schwarzem Humor, Morbidität und natürlich einer packenden Geschichte, die sich immer weiter zuspitzt. Die Autoren der Serie haben es nicht verabsäumt, den Charak-

und Kanten zu vertiefen. So erfährt Dexter im Laufe der Zeit doch noch, was es mit Gefühlen und einem Gewissen auf sich hat. „Dexter“ ist bestimmt nichts für alltägliche FernsehkonsumentInnen, die sich am besten bei leichterer Kost à la „GZSZ“, „Sex and the ebenso wenig eine Serie für Menschen, die Blut nicht einmal auf dem Bildschirm sehen wollen. Um „Dexter“ zu mögen, braucht es vermutlich schwarzen Humor, starke Nerven und den unüberwindbaren Glauben, dass so ben passiert.

Wenzel von Christof Fellner Wie wird man eigentlich ein Held? Diese Fralich schon viele unter euch gestellt. Auch der Buch Wenzel ist ein Gedichtband, der vom

delnd, das – freilich nur aus unserer Sicht – exakte Gegenteil. Doch als sich Wenzel, der immer wieder auch weise dahin sinniert, ein hartes Los. Der Autor von Wenzel, David Lahmer, hätte kaum ein besseres Ende und

Handlung ist an Komik kaum zu überbieten, wenn auch ein wenig zu kurz, denn Wenzel Märchenparodie. Wenzel ist ein nach der Geburt weggelegtes Über den Autor Held werden. Und tatsächlich gibt ihm der

ne, denn die muss er sich erst verdienen. Im Laufe der Handlung begegnen Wenzel nun Szenerien, die verdächtig an uns bekannte Märchen und Sagen – wie etwa den die Artussage – erinnern. Doch anstatt diesen Geschichten zu den uns bekannten Enden zu verhelfen, erreicht Wenzel, immer

David Benedikt Alexis Lahmer, 1983 geboren in Hallein und aufgewachsen in Siezenheim. Matura, Zivildienst, danach Lehre zum Buchhändler bei der Rupertus Buchhandlung in Salzburg, die er 2007 mit ausgezeichnetem Erfolg abschloss. Seit 2007 studiert er an der Universität Salzburg Geschichte sowie Geographie und Wirtschaftskunde auf Lehramt. Seit dem Wintersemester 2011 ist er stellvertretender Vorsitzender der Studierendenvertretung für Geographie.


KULTUR & MENSCHEN 25 http://shareyourwallpapers.com/upload/wallpaper/movies/django-unchained/django-unchained_8c5c9af6.jpg

Blutiges Gemetzel Von marina Hochholzner

ie bereits erwartet, ist der neueste Streifen von Kultregisseur Quentin Tarantino nichts für zartbesaitete Filmfreunde. In nannten ,Spaghettiwestern‘, Django – Unchained, zeigt Tarantino (From Dusk Till sein Talent dazu, blutige Schießereien, charakterstarke Hauptfiguren und spannende Handlungsstränge miteinander zu verknüpfen. Es gelingt ihm aber auch, ein

ernstes Thema wie die Sklaverei auf seine ganze eigene Art und Weise aufzugreifen und es dem Zuschauer in einen actiongeladenen Epos verpackt näher zu bringen. In dem Wildwestdrama versuchen der deutsche Kopfgeldjäger Dr. King Schultz Ehefrau des letzteren in einer halsbrecheEntführer, Großgrundbesitzer Calvin Canals harter Gegner und trumpft mit fiesen Handlangern wie seinem Haussklaven

rigkeiten bereiten. Der Film enthält neben Tarantinos klassischem Cameo-Auftritt und seinen gewohnt blutigen Schießereien auch beeindruckende Landschaftsaufnahmen und einen sehr gelungenen Soundtrack. . Der Western zieht den Zuschauer durch Witz, Spannung und Gefühl von der ersten Minute an in seinen Bann – und versteht sich dabei darauf, immer die Balance aus Humor, Dramatik und Action zu halten. Auch das dramatisch-explosive Finale des Filmes, das den Zuschauer nach knapp drei

Stunden Unterhaltung letztlich ereilt, entlässt die Kinobesucher mit einem anhaltenden Gefühl der Begeisterung. Ein wenig mus, der zu jener Zeit zwar sicherlich vorherrschte, in dem Film aber teilweise provokant wirkt. Interessant an Django – Unchained ist auch, dass Tarantino den Spieß hier einmal umdreht und zur Abwechslung die „Schwarzen“ die „Weißen“ quälen und reihenweise abschlachten. Wer also auf blutige und schießwütige Western steht, sollte sich Tarantinos neuestes Meisterwerk nicht entgehen lassen.

Tintenfischalarm – eine Filmrezension Von Hannah Weiss

„T 

Geschichte von Alex, der in

eindeutiges Geschlecht geboren wird, eine Geschichte vom Kampf gegen die Dichotomisierung geschlechtlicher Identität – Alex’ ganz persönlicher Kampf, der uns jedoch alle etwas angeht.

Kamera in Zwiegesprächen mit ihr zu sehen. bucheinträge. So entsteht ein sehr persönlicher Film. viel mehr berichtet werden sollte, herrscht doch oftmals immer noch die Meinung vor, es gäbe sie nur im Tierreich. Allein in Deutschuneindeutigem Geschlecht geboren. Opera-

xi aufwachsen zu lassen. Mit sechs wird ihr fährt Alexi von ihrem Schicksal. Im frühen schweren persönlichen Krise. Sie bekommt Leukämie und liegt mehrere Tage im künstlichen Koma. Daraufhin beschließt sie, ihr xualität. So lernt sie auch die Filmemacherin Elisabeth Scharang kennen. Es entsteht die

len, aber auch das Anderssein zu akzeptieren. sen, im Heimatdorf in Oberösterreich, aber ellen AktivistInnen in Kalifornien. Elisabeth Scharang steht während des Films nicht nur hinter der Kamera, sondern begleitet Alex

Gründen“ statt. Bereits ab der sechsten Lebenswoche werden Kinder dazu gezwungen, ein klares Geschlecht anzunehmen. Sie werden umoperiert und müssen ihr Leben lang Hormone nehmen. Dabei steht die Funktionalität – nämlich die Fähigkeit zum klassischen Geschlechtsverkehr – und keimodelliert, die in die Norm passen, jedoch für immer verloren haben, denn die Operationen sind irreversibel – eine Menschenin den Suizid treibt. Es ist die vorgeschriebene Dichotomie, die in den Köpfen vieler Ärzte nen Menschen vorherrscht. Sowohl im Film, als auch im richtigen Leben wendet sich Alex gegen diesen herrschenden Diskurs, durch überschreitet die Grenze des Schweigens und bricht ein damit ein großes Tabu. rang. Österreich 2006, 107 minuten.


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UNI:PRESS # 671 JÄNNER 2013 langen Sitzen in der Kälte zitternden Knien stützt sie sich an der Mauerwand ab. Die Frau wühlt in unserem Wäschegut, holt einen Mantel heraus und zeigt auf ihre dünne Windjacke Sicherheitsnadeln zusammengeheftet. Dankend und mit erfreutem Gesicht verabschiedet sie sich von uns.

Verteilaktion von Sachspenden an Bettler und Bettlerinnen in Salzburg

„H 

allo…!“ Ich blicke dem Mann mit den halblangen, brünetten Haaren ins Gesicht. Er sitzt im Schneidersitz auf dem kalten Kopfknapp an meinen vorbei, er nickt und senkt seinen Blick nach unten auf den Boden. „Woher kommen Sie?“ Aus Ungarn, der Slowakei?“ Abermals richtet er seinen Kopf auf und lächelt mich an: „Da, Slovakia.“ An diesem verschneiten und kalten Dezembervormittag sind wir zu viert unterwegs, im Decken und Mäntel türmen und ein Transportwagen, vollgepackt mit Schals, Tüchern, Handschuhen und Hauben. Allmählich füllt sich die Stadt mit Touristen, die langsamen Schritts über den verlassenen Christkindl-

markt von einem Stand zum Nächsten schlendern. Zwei Wochen zuvor hatten wir zum Spenden aufgerufen: Nicht mehr gebrauchte Mäntel, Decken und andere wärmende Kleidung sollten für Bettler und Bettlerinnen, die uns tagtäglich auf Salzburgs Straßen in der Innenstadt begegnen, gesammelt werden. Dank des großen Engagements und der Hilfsbereitschaft vieler Studierender stapelten sich schon innerhalb weniger Tage brauchbare „Möchten Sie eine Decke? Oder einen Mantel?“, ich zeige auf den Anhänger und gestikuliere mit den Armen als wäre mir kalt. Der Mann blickt zögernd zu uns hoch. Eine Kollegin von mir holt einen schwarzen Männermantel aus dem Anhänger. Er nickt und streckt seine Arme danach aus. Mit fragenden Blicken beobachten die vorbeiziehenden Passanten und Passantinnen

unsere Aktion. Skeptisch halten sie Abstand, tuscheln untereinander. Ein Pärchen steht knapp neben uns: „Schau mal, die schenken auch etwas gleich schauen.“ Wir ignorieren diskriminierende Aussagen und versuchen stattdessen, mit Informationszetteln auf die machen. Der Bettler aus der Slowakei packt inzwischen die selbst gebackenen Kekse aus, die er von uns geschenkt bekommen hat und isst genüsslich eines nach dem anderen. Wenige Meter weiter sitzt eine Frau, sie spricht ungarisch. „Hier auf dem Zettel stehen Einrichtungen, in denen sie günstig oder kostenlos Essen bekommen. Frühstück, Mittagessen…“ „Ah, ja, ja, danke!“ Wir zeigen abermals auf unser voll bepacktes Gefährt. Sie zögert. auszusuchen, steht sie langsam auf. Mit vom

auf der Suche nach Bettlern und Bettlerinnen, gehen uns zahlreiche Gedanken durch den Kopf, viele widersprüchliche Gefühle wurden in uns geweckt. Mit der Aussicht, nach dieser Spendenaktion wieder zurück ins Warme zu können, begleitet uns ein Gefühl von Scham und Unsicherheit, gleichzeitig aber auch das Wissen, etwas Gutes und Sinnvolles zu tun. Wir fragen uns, wie sich Menschen fühlen, die stundenlang auf dem kalten Asphalt knien, denen der eisige Wind in ihr Gesicht bläst, während fremde Menschen an ihnen vorbeiziehen – sie entweder ignorieren oder sich mit Geldmünzen in der Hand zu ihnen hinunter bücken. Und trotz dieser zwiespältigen Gedanken sagt uns unser Gefühl, dass die Aktion sinnvoll und wichtig war. Anstatt den Bettlern und Bettlezen in eine Schüssel zu werfen, haben wir trotz der Sprachbarrieren mit ihnen und nicht über teilen gegenüber aggressivem Betteln durften wir Menschen kennenlernen, die teils sehr unsicher und zögerlich waren, etwas anzunehmen. Einige Bekannte hatten uns von der Aktion mit der Begründung abgeraten, diese könne die Ursache von Armut nicht bekämpfen. Außerdem würden sich Bettler und Bettlerinnen beschämt fühlen, wenn wir ihnen etwas gäben. Eine Woche später jedoch haben sich unsere Befürchtungen widerlegt, als wir abermals mit Kleidungsstücken durch die Altstadt zogen und uns bekannte Gesichter, in Decken Mit unserer Aktion wollten wir ein Zeichen

sinnvoll helfen. Bettler und Bettlerinnen merken, dass es Menschen gibt, die hinter ihnen stehen, sich für sie einsetzen und sie nicht für ihre Armut verurteilen.

Zukunftssteuerung in einer komplexen und schnellen Welt Uni-Ringvorlesung anlässlich „Robert Jungk 100“ – Eröffnung mit Dirk Messner, Direktor des Deutschen Institut für Entwicklungspolitik „Wie ist Zukunftssteuerung möglich in einer komplexen und schnellen Welt?“ – so die Fra-

fünf internationale ExpertInnen werden in Zukunft von Politik, Wirtschaft, Umwelt und Menschenrechten nachgehen“, freuen sich die

Franz Kok von der Universität Salzburg. Als dritter Partner konnte das Land Salzburg mit den Salzburger:Zukunfts:Dialogen gewonnen werden. Am Programm stehen Themen wie „Welt Europas nach der Finanzkrise“ (Sonja Punt-

internationalen Politikexperten Dirk Messner, Direktor des Deutschen Institut für Ent-

des Wissenschaftlichen Beirates der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen Helmut L. Müller zum Thema „Wohin driftet die Welt?“

Das Vorlesungsprogramm Dienstag, 18.00 GESWI, Rudolfskai 42, 5020 Salzburg, Hörsaal 380. LV-Nr.: 300.970 05.03. Einführung. Zum Thema und Format der Lehrveranstaltung und zu Robert Jungk. Hans Holzinger (Jungk-Bibliothek), Franz Kok (Universität), Walter Spielmann (Jungk-Bibliothek) 12.03. Wohin driftet die Welt? Machtverschiebungen, Ressourcenverknappung und Global Governance. Eröffnungsvortrag Dirk Messner (DuisburgEssen) & Helmut L. Müller (Salzburg) 19.03. Welt außer Kontrolle? Oder: Ist Demokratie zur Bewältigung der Zukunft geeignet – und wenn ja, welche. Klaus Firlei (Salzburg)

Infos: Hans Holzinger (Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen, JBZ), h.holzinger@salzburg.at, Tel. 0662.873206 Frank Kok (Universität Salzburg) franz.kok@sbg. ac.at, Tel. 0662.8044.6613.

02.04. Zukunft Europa. Zur politischen Konstitution Europas nach der Finanz- und Eurokrise. Sonja Puntscher-Riekmann (Salzburg) 09.04 Legitimität von Schulden? Verschuldung und Krise in Europa im Kontext globaler Entwicklung. Kurt Bayer (Wien, Europäische Bank für Wiederaufbau) & Christian Zeller (Salzburg) 16.04. Zeit für eine neue Wirtschaftsordnung? Zu den Chancen und Barrieren einer Neuorientierung der Wirtschaft auf das Gemeinwohl. Christian Felber (Wien) & Christian Zeller (Salzburg)

Nicht-Studierende zugänglich.

23.04. Menschenrechte weltweit. Vertreibung, Flucht, Menschenhandel und Folter – tun wir genug dagegen? Irene Brickner (Wien) & Daiva Döring (Salzburg)

07.05. Zukunft der Energieversorgung? Potenziale, Trends und mögliche Politikblockaden. Volkmar Lauber (Salzburg) 14.05. Lehren aus der Umwelt- und Wirtschaftsgeschichte? Transformationsprozesse aus historischer Perspektive. Reinhold Reith (Salzburg), Walter Scherrer (Salzburg) 21.05. Zukunft Regionalwirtschaft? Potenziale und Grenzen regionalwirtschaftlicher Projekte und Prozesse. Christian Dirninger (Salzburg) & Armin Mühlböck (Salzburg) & Günter Marchner 28.05. Soziale Transformation. Erfolgsbedingungen gesellschaftlichen Wandels auf regionaler Ebene. Andreas Koch (Salzburg) & Nina Kühn (Salzburg) 04.06. Zukunftsbilder von Jugendlichen. Was bedeuten sie für eine Bildung für nachhaltige Entwicklung sowie für die Gesellschaft? Ulrike Unterbruner (Salzburg) & Regina Steiner (Salzburg) 11.06. Hoffnung auf bessere Menschen? Zur Rolle von Ethik in Entscheidungs- und Transformationsprozessen. Clemens Sedmak (Salzburg) & Gottfried Schweiger (Salzburg) 18.06. Unternehmen als Weltretter? Zur Ambivalenz von Corporate Social Responsibility und der Hoffnung auf die Konsumentendemokratie. Silvia Augeneder (Salzburg) & Hans Holzinger (Salzburg) 25.06. Welche Zukunft? Das Zukunftsdenken bei Robert Jungk und Leopold Kohr. Stefan Wally (Salzburg), Ewald Hiebl (Salzburg)


KULTUR & MENSCHEN 27

The Brussels Business – who runs the European Union? Großkonzernen und Machthabern in der

Außerdem hinterfragt die Dokumentation die

aufgedeckt. In der Kurzfassung, die eine Stunde lang dauert, wird den Zuschauern Einblick in den

-

in Film von Friedrich Moser und

Konzerne zusammensetzen und organisieren,

seur Friedrich Moser und sein belgischer Kollege Matthieu Lietaert machten sich auf die Suche nach der Antwort und liefern ein Porin Brüssel. Der Film „Brussels Business“ behandelt die such, die unscharfe wie umstrittene Grenze ziehen. Außerdem übt er Kritik an der mangelnden Transparenz und Einbeziehung der Zivilgesellschaft in der europäischen Politik.

European Services Forum gewährt. Kerneis möchte sein Image bereinigen; er mache, wie tralen Akteuren, Wirtschaft und Politik und weist darauf hin, dass er seine Kontakte, die er dafür benütze. Was kann daran so schlimm

er klar, welche engen Beziehungen zwischen Wirtschaftskonzernen und politischen Entscheidungsträgern bestehen.

In „Brussels Business“ wird deutlich, welche fasst es erschreckend zusammen: „In a deBrussels Business: it’s one Euro, one vote!“. Die Kritik, die der Film formuliert, richtet sich an die Maschinerie der Union, niemals aber an das Projekt Europa. Das Zusammenwachsen des alten Kontinents ist für Friedrich Moser eine gute Sache. Sein Film ist vielmehr ein Appell an alle UnionsbürgerInnen, sich für die Politik Brüssels zu interessieren und einzusetzen!

„ACH, GEHT’S DOCH KACKEN!“ KRITIK MACHT UNS GLÜCKLICH Schick uns deine Meinung und lass dich dafür belohnen! Hast du beim Lesen der Uni:Press Gedanken wie „Ach du meine Fresse, wie kann man so was schreiben?!“ oder „Was für ein Schwachsinn!“? Findest du unsere Artikel interessant, haben wir etwas vergessen oder möchtest du etwas ergänzen? Dann schreib uns einen Leserbrief! Wir sind StudentInnen, genau wie du, und freuen uns über jede Art von Kritik und außerdem möchten wir möglichst vielen Stimmen in der Uni:Press Gehör verschaffen. Wortmeldungen, Unmut, Lob und Verbesserungsvorschläge einfach an presse@oeh-salzburg.at schicken – als Dankeschön verschenken wir 4x das Buch „Einfach. Glück“ sowie Gutscheine für ARGEkultur und Rockhouse!

Einfach. Glück „Einfach. Glück“ – wünscht der Überbringer dieses Buches und lässt dazu auch erbauende Annäherung ans Glücklichsein – das ja bekanntlich nicht ereinstellt. In sieben Kapiteln nähern sich die Herausgeber dem Glück, eines davon ist Das Kapitel über das Liebesglück bringt nicht nur heiße Liebesbriefe von Adalbert Stifter an seine Gattin Amalie, sondern auch Briefe von Pietro BemOscar Wilde wiederum erzählt in seinem Märchen vom glücklichen Prinzen, wie schön es ist, Glück an andere zu verschenken, Franz Braumann beAusgewählte Märchen für Erwachsene, klassische Gedichte, Hinweise auf den Weg zu seinen persönlichen Glücksplätzen, aber auch schrullige Beiträge zeigen, in wie vielen Arten das Glück daherkommen kann.

Thimfilm

Eine Rezension von Julie Dalmoro


Uni:Press # 671 (Jänner 2013)  

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