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POSH Was lange währt wird endlich gut mh. Samstagnachmittag im März, es giesst aus Kübeln, es ist arschkalt. Das Einzige was irgendwie nach Frühling aussieht, sind die Kicker die via Liveschaltung im Bildschirm der Bar um das Leder kämpfen. Fussball interessiert uns aber heute nicht. Das kühle Blonde ist unterwegs und gegenüber sitzt Martina Dieziger, ihrerseits Frontröhre von der St. Galler/Winterthurer Formation Posh, die soeben mit dem dritten Album „Born Out Of Silence“ wieder auf der Bildfläche erschienen sind. Durch den Fussball-Lärm und die Fan-Stimmen versuchen wir uns auf die Musik zu konzentrieren. Was uns erstaunlich gut gelingt,… Tschuldigung, liebe Fussballfans, falls wir euch mit unserem Geplapper gestört haben. Fotos: Tabea Vogel

TRACKS: Die wichtigste Frage gleich zum Start: Hast du schon mal ein betrunkenes Stinktier gesehen? Martina: Ein betrunkenes Stinktier? Ah, „Drunk As A Skunk“… (beginnt schallend zu lachen), nur am „Summer Night Morning“ (Im Song „What Brings The Day“ besingt sie das betrunkene Stinktier, beziehungsweise das Gefühl wenn man nach einer durchzechten Sommernacht am Morgen in den Tag startet, Anm. d. Red.). Man erwacht an einem solchen Morgen und beginnt über das Leben nachzudenken und was der Tag wohl noch bringen mag. Und vielleicht riecht man dann ja auch so in etwa wie ein Stinktier… (Gelächter). Mit eurem neuen Album „Born Out Of Silence“ habt ihr jetzt bereits wieder einige Auftritte hinter euch, wie ist der neue Sound angekommen? Die Rückmeldungen waren grossartig und wir haben super Reviews erhalten. Wir freuen uns extrem darüber. Wir haben auch viel Zeit in das neue Album investiert. Die ersten Aufnahmen haben wir bereits 2006 gemacht und wollten eigentlich die Platte bereits früher veröffentlichen. Waren auch schon im Gespräch mit einigen Plattenfirmen bei denen wir fast unterschrieben hätten, konnten dann aber jeweils vertraglich schlussendlich nicht dahinter stehen. Andere Male kam uns einfach das Leben dazwischen und wir mussten den Release wieder verschieben. Umso mehr Freude haben wir natürlich, dass die Platte jetzt endlich veröffentlicht ist. 14 Jahre liegen zwischen eurem letzten und dem jetzigen Album, das sind fast Guns n'Roses-mässige Zustände… (lacht) Ja genau, wir hoffen jetzt natürlich nicht, dass es bis zur nächsten Platte wieder so lange dauert. Gibt es einen Song auf „Born Out Of Silence“, der dir speziell am Herzen liegt? Ja, “With You Again”. Das ist diese Ballade, die vom männlichen und vom weiblichen Symbol handelt. Du warst die Sonne und ich der Mond, es ergänzt sich jeweils, ist aber eigentlich traurig, da sich die beiden Symbole nicht treffen dürfen. Es geht um eine Beziehung in der man sich wahnsinnig liebt, aber trotzdem nicht zusammen sein darf. Wir haben diesen Song zu verschiedenen Anlässen immer wieder angehört und darum liegt mir dieser Song auch am nächsten, obwohl es „eine kitschige Ballade“ ist. Deine Texte sind oft sehr persönlich, fällt es dir leicht deine Gedanken und Gefühle vor der Welt auszubreiten? Wenn ich schreibe, dann ist es so oder so persönlich, irgendwie. Aber es ist nicht alles autobiographisch, man kann

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nicht alles 1:1 auf mich übertragen. Wenn ich einen Song in einer bestimmten Stimmung am schreiben bin, kann es sein, dass sich die Richtung, in die ich den Song schreiben wollte, während dem Prozess völlig ändert. Du findest ein Wort cool und schon bist du in eine andere Richtung unterwegs. Ich muss dazu sagen, wir schreiben grundsätzlich immer zuerst die Musik und dann die Texte. Wenn wir die Musik haben, dann singe ich etwas darüber, das Englisch tönt aber nichts heisst, einen Kauderwelsch-Text eigentlich. Aus diesem Kauderwelsch-Text formen sich dann manchmal bereits Worte die man toll findet und unbedingt in den Text einbauen will. Dies sind dann quasi unsere Eckpfeiler, daheim beginne ich dann aus diesen Bausteinen den Text zu entwickeln. In eurem Booklet und auch auf eurer Website sieht man immer wieder die Berge. Sind die Berge für euch eine Quelle der Inspiration? Ja, doch. Allgemein die Natur, das Erdige. Wir brauchen die Natur um unsere Köpfe zu lüften. Die Berge sind daher schon eine Kraftquelle für uns. Sport allgemein, man sagt ja oft Musiker wären keine sportlichen Leute, aber wir brauchen den Sport im Freien um uns richtig auszupowern, man kommt wieder auf andere Gedanken. Wie empfindest du das, wenn der Sound von Posh mit anderen Bands verglichen wird? Ich glaube man tendiert einfach dazu zu sagen „Ah, die tönen wie…“. Es ist witzig, früher sagte man ständig ich töne wie Alanis Morissette. Ich hatte damals noch lange Haare und habe im ähnlichen Stil wie Alanis gesungen. Und heute höre ich als Vergleiche immer wieder Bands, die ich selber auch nicht kannte. Das ist sehr spannend, den wir hatten sehr lange Mühe damit zu sagen, was wir selber eigentlich für Musik machen. Eure Biographie erzählt von nächtlichen, magischen Momenten bei der Aufnahme von „Born Out Of Silence“. Wie hat sich euch diese Magie gezeigt? Wir haben hauptsächlich in der Nacht daran gearbeitet, da wir in den Kellerräumen einer Schule aufgenommen haben und auch weil wir tagsüber arbeiten. Wenn du so etwas machst dann kommst du in einen Flow, du hast dann richtig Freude daran, weil das genau dein Ding ist und du spürst die Leidenschaft. Und wenn dir dann etwas gelungen ist, dann hast du diesen magischen Moment und du merkst: genau das war es jetzt. Wenn du genau diese eine Melodie spielst oder singst und einfach alles passt. Das sind dann geile Momente, das ist dann Magie und darauf bist du angewiesen. Aber das

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